Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mit Andre auf dem Wilden Netzbachpfad

Geschrieben am um 8:28

Ich habe immer geglaubt, mich in der Welt der Premiumwege auszukennen. Gut, sämtliche Extratouren, Traumschleifen usw. bin ich noch nicht gegangen. Aber ich informiere mich regelmäßig auf wanderinstitut.de über neu zertifizierte Premiumwege deutschlandweit. Wie groß daher mein Entsetzen, dass ich direkt vor meiner Haustür im Saarland seit drei Jahren einen Premiumweg übersehen habe.

 

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Quasi verbunden mit der wohlbekannten Urwald-Tour vor den Toren Saarbrückens, sozusagen als kleine Schwester, entdeckte ich vor kurzem im Internet den Wilden Netzbachpfad. Wow! Das ist so, als läge schon lange ein Diamantenstollen vor der Tür, und man würde ihn erst wahr nehmen, wenn man schon die halbe Welt bereist hat.

 

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Zur Feier des Tages habe ich mich schick gemacht. Am Vortag meiner Wanderung hatte ich die neuen Wanderkurzarmhemden von Fifty Five bekommen. Für die Premiere auf dem Wilden Netzbachpfad habe ich mich für das Hemd Andre in der Kombination schwarz-grau entschieden.

 

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Andre schwarz-grau ist ein – so scheint es mir – sehr vornehmes Hemd. „Vürnehm“ würde mein Vater sagen, denn die Ü-Pünkelchen unterstreichen noch die „Vürnehmheit“. Für mich eindeutig ein Hemd für die großen Wanderfeiertage. Und einen Wanderfeiertag genieße ich auf dem Saarbrücker Premiumweg definitiv.

 

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Ich wandere am Hortenbachweiher vorbei, ein hübscher See mitten im Wald. Das Wegeformat auf den ersten drei der insgesamt neun Kilometer war solide, sehr naturnah, kein Schotter, kein Asphalt. Das Highlight der Tour ist allerdings der Pfad im Tal am Netzbach selber. Zweieinhalb Kilometer geht es nicht nur über den berühmten Stock und den noch berühmteren Stein. Sondern über einen regelrechten Fitnessparcours aus umgestürzten Bäumen.

 

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So etwas habe ich noch nie auf einem Premiumweg erlebt. Weil ich durch einen Teil des Saarbrücker Urwalds vor den Toren der Stadt wandere, liegen eben Bäume kreuz und quer und bleiben dort auch liegen, das ist das Natur-Konzept. Keine Waldwirtschaft, ein Fest für die Artenvielfalt. Und ein Fest für die Fitness! Ich habe genau gezählt, zwölfmal musste ich über Bäume steigen und klettern, dreizehnmal mich extrem ducken. Kleinwüchsige haben also einen leichten Vorteil auf diesem Weg. Am Netzbachweiher kann man einen Stopp am Gasthaus Seeblick machen. Dann geht es wieder hinaus aus dem Netzbachtal, aber mit sehr kommoder Steigung.

 

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Zum Finale des Wegs sollte man im Restaurant Forsthaus Neuhaus einkehren, am Scheitelpunkt vom Wilden Netzbachpfad und Urwaldtour. Das ist die dritte Premiere des Tages. Nach Wanderweg, Andre-Hemd von Fifty-Five nun endlich wieder Einkehr im Restaurant Forsthaus Neuhaus. Denn die traumhaft gelegene Gaststätte hatte gefühlt zehn Jahre geschlossen. Nach meinem Belohnungs-Bier habe ich einen Plan. Bald wieder im Andre-Hemd rund ums Forsthaus Neuhaus wandern. Versucht es auch einmal!



Royal weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:08

Die royale Weinwanderung mit der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab steht unter der Überschrift „Zwei“. Warum? Nun, Katharina und ich sind zwei Majestäten, Weinkönigin und Wanderkönig, die gemeinsam wandern. Außerdem ist das pfälzische Weingut Bangerth-Rinck, wo die royale Weinwanderung stattfindet, ein Doppeltes-Lottchen-Weingut.

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Auf dem Glas des Weinguts Bangerth-Rinck sind zwei weingefüllte Gläser zu sehen. Und der Vogel, ist das vielleicht ein Rabe? Sehr mystisch, Vater Bangerth hat einen Raben aufgezogen, der sogar sprechen konnte, Herr Bangerth war wohl so etwas wie ein Hexenmeister des pfälzischen Weins. Das ist interessant, zumindest ungewöhnlich. Winzerin Esther Bangerth erklärt mir zunächst, was es mit den beiden Gläsern auf sich hat. „Unsere Eltern haben geheiratet, da haben sich die Weingüter quasi verdoppelt.“ Seit zehn Jahren führen zwei der drei Töchter das doppelte Weingut weiter. Und die Männer der Töchter? Die haben umgeschult zum Winzer und sind jetzt auch „mit Herz und Leidenschaft“ dabei. Es gibt allerdings einen Keller, eine Bilanz, zwei Standorte, das Weingut Bangerth-Rinck ist sozusagen ein siamesischer Zwilling mit zwei Körpern, aber einem Gehirn.

Bei einem Glas Sekt begrüßen wir – also Esther Bangerth, Katharina Staab und ich – die ungefähr fünfzig Weinwanderer. Der Secco ist aus einem sortenreinen Kernling gemacht, sehr fruchtig, er ist aber, betont Winzerin Bangerth, auch etwas für Trockentrinker. Ist nun ein Trockentrinker einer, der versucht, aus einem leeren Glas zu trinken, oder jemand, der normalerweise trockene Weine bevorzugt? Oder ist der Trockentrinker jemand, der jedes Glas ruckizucki trocken trinkt? Das wäre doch mal eine Frage für „Wer wird Millionär“. Anschließend dürfen die Weinwanderer die Weißweine des Weinguts verkosten, es bleibt fast zu wenig Zeit, um auch nur die Hälfte der Weine auszuprobieren. Denn wir wollen ja auch noch wandern, und zwar von dem einem Weingut zum andern.

 

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Wir gehen von Esther Bangerth geführt aus dem Ort Mühlhofen hinaus und haben schnell die Weinberge erreicht, die in der Pfalz ja traditionell eher Weinfelder sind. Um Mühlhofen laufen wir auf einem kleinen Weinkulturpfad, der einem die Schönheiten des Rebensaftes näherbringt. Esther Bangerth erklärt, wie sie den Schädling Traubenwicklermännchen bekämpft. Es werden an den Rebstöcken Dispenser ausgebracht, die durch Ihre Duftstoffe die Traubenwicklermännchen verwirren. Und Verwirrte können sich nicht paaren, das leuchtet ein. Aber die gesamte Region muss verwirrt sein, sonst funktioniere es nicht, deshalb müssen alle Winzer mitziehen: „Die Duftglocke muss über allen Weinbergen hängen“

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Es weinwandern auch vier Hunde mit, unter anderem mein Border Collie/Berner Sennhund-Mischling Luna. Was auffällt: Weinwanderhunde sind anscheinend ausnahmslos extrem tiefenentspannt, da gibt es kein Herumzicken, Kläffen, Bellen, Knurren. Ich glaube, es liegt an der Coolness der Besitzer, die durch den Doppelgenuss Wandern und Wein ihre Lebensfreude auf ihre Vierbeiner übertragen. Allerdings haben die Hunde keinen Sinn für die großartigen Fernblicke auf unserer Wanderung. Vor uns erheben sich die Höhenzüge des Pfälzer Walds mit vielen kegelförmigen Bergen, die aussehen wie der Zuckerhut von Rio de Janeiro. Der Blick geht hinein bis nach Frankreich und die Gegend von Wissembourg.

 

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Hinter uns schauen wir in den Odenwald (der ist ein wenig flacher) und in den Schwarzwald hinter Karlsruhe, der sich mächtig über dem Rheintal erhebt. Nachdem wir durch die Weinlagen Mühlhofener Rosenberg und Ingenheimer Pfaffen gewandert sind, immer hart am Rebstock entlang, erreichen wir eine herrlich blühende Streuobstwiese. Dort wartet auf uns schon ein mit weißem Tuch gedeckter Tisch. Das erinnert von der Optik ein wenig an das letzte Abendmahl, aber für uns ist es die Rast-Station mit dem Schwerpunkt Rosé-Weine.

 

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Esther Bangerth präsentiert drei Rosé-Weine, einen Blanc de Noir (aus einem Blauen Zweigelt), der eigentlich aussieht wie ein Weißwein, einen Bari-Rosé aus Dornfelder und Spätburgunder und einen farblich schon sehr ins Rötliche gehenden Weißherbst mit einem großen Anteil an Dornfelder.

Seit genau zehn Jahren gibt es schon das Weinwanderwochenende, genau zehn Jahre ist auch schon das Weingut Bangerth-Rinck dabei. Jedes Jahr gehen die Gäste die gleiche Tour, das bietet sich nun mal an – vom Schwesternweingut in Mühlhofen zum Schwesternweingut in Klingen. Für die Stammgäste ist das ein wenig wie Jährlich-grüßt-das-Murmeltier, aber es bedeutet auch ein Stück Heimat.

Als wir weitergehen, komme ich mit der Deutschen Weinkönigin Katharina ins Gespräch. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie wanderbegeistert und wandererfahren Katharina ist.

 

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Ich muss sogar zugeben, dass die Weinkönigin eindeutig in einer anderen Wanderliga unterwegs ist als ich. Ich bin ja eher der Genusswanderer, Katharina dagegen liebt lange, anspruchsvolle Wanderungen, viel Gepäck auf dem Rücken, karge Landschaften. „Ich gehe immer die schwarzen Routen“, sagt die Deutsche Weinkönigin. Ich kannte schwarzen Pisten und den schwarzen Gürtel der Judoka, aber was sind schwarze Pisten? Ich lasse mich aufklären, dass in den handelsüblichen Wanderführern des Rother-Verlags die Wandertouren je nach Schwierigkeit eingefärbt sind: Die leichtesten sind Blau, dann kommt Rot und die Profi-Routen sind schwarz. Und die geht Katharina am liebsten. 30 Kilometer, 40 Kilometer, egal, Hauptsache sie kann abschalten, denn beim Wandern möchte sie den Kopf frei bekommen, abtauchen in eine andere Welt. Am besten, sie ist nicht erreichbar, kein Handyempfang, Natur pur – das ist für sie der größte Wanderspaß. Auf diese Art und Weise war sie im Tramantura-Gebirge auf Mallorca unterwegs, in den Anden und die klassische Alpenüberquerung hat sie auch schon geschafft.

Wir können auf unser pfälzischen royalen Weinwanderung schon das Dorf Klingen sehen, in einer Tal-Mulde gelegen, umgeben von Weinbergen, dem Klingener Herrenpfad. In Klingen erwartet uns ein großartiges Schlussbuffet mit mediterrannen Köstlichkeiten, aber auch Schmalz- und Leberwurstbroten.

 

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Wie sehr die Pfälzer ihre Leberwurst verehren, werde ich noch zum Abschluss des Tages erfahren. Im Hof des Klingener Schwesternweinguts kann man sämtliche Rotweine des Weinguts verkosten. Der Spätburgunder ist phänomenal. Kann ich den mir bei dieser Qualität überhaupt leisten? Ich studiere den Info-Zettel neben der Weinflasche und entdecke, dass die Flasche 5,60 Euro kostet. In Worten: Fünf Euro und sechzig Cent. Jetzt mal ehrlich, gehen Sie in einen Discounter (Stichwort Jauch-Wein) oder einen Supermarkt ihres Vertrauens und zeigen Sie mir einen Wein mit diesem sensationellen Preis/Leistungs-Verhältnis. Und zwar einen traubenreinen, nicht verschnittenen Wein aus einer definierten Ortslage. So was gibt es nur in der Pfalz, so etwas gibt es nur beim Weingut Bangerth-Rinck.

Ich stoße mit dem Ehepaar aus Köln neben mir an, die sind nicht nur Fans des Weingut Bangerth-Rinck, sondern auch der Wandermöglichkeiten in der Pfalz. Deshalb sind die beiden, wegen des Weins und der Wanderlandschaft, vor ein paar Jahren in die Nähe von Klingen und Mühlhofen gezogen. Eine weise Entscheidung. Nach vielen schönen Gesprächen und Weinen fährt unser Taxi vor: Ein Traktor mit einem gemütlichen, überdachten Anhänger.

 

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Kaum sind wir mit dem Traktor-Gespann losgefahren, stimmen die einheimischen Weinwanderer eine Ode an den Pfälzer Wind an: „Das ist der Wind, Wind der Pfälzer Wind, der wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“. Sehr interessant, ich dachte immer, nur der Wind im Westerwald, der dort soooo kalt ist, würde besungen. Aber nein, auch die pfälzischen Luftströmungen werden besungen. Ich fordere die Truppe auf, das berühmte Pfälzer Leberwoosch-Lied zu singen. Alle schauen unschuldig, keiner scheint zu wissen, was ich meine. Das kann doch nicht sein! Ich intoniere „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ auf die Melodie der deutschen Nationalhymne (auf die die Pfälzer gewissermaßen einen Anspruch haben, wegen Hambacher Schloss 1832 und so). Und plötzlich – so ein Zufall – haben doch wieder alle den „Text“ präsent und es schmettert aus vielen Kehlen „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ durch Klingen. Lebensfreude pur nach unserem schönen royalen Weinwandertag in Mühlhofen und Klingen.

Ich bedanke mich bei Caro Photo für vier Fotos!



An der Anfield Road in Mannheim

Geschrieben am um 7:22

Ich bin auf dem Weg zu einer tollen Wanderung irgendwo in Deutschland. Da fahre ich manchmal mit dem Zug hin. Und in großen Städten muss ich dann umsteigen. Manchmal habe ich eine halbe oder sogar dreiviertel Stunde Zeit am Bahnhof. Dann bloß nicht bei Ditsch/McDonalds/Starbucks/Coffee Fellows Zeit verlempern. Das ist doch überall gleich. Nein, man sollte an jedem größeren Bahnhof wissen, wo man – möglichst ortstypisch/regional einkehren kann…

 

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Sehr oft muss ich in Mannheim umsteigen, entweder in den Zug nach Saarbrücken oder von Saarbrücken kommend in einen Zug in der weiten Welt. Da kommt es mal vor, dass ich einen Anschluss verpasse. In diesem Fall gehe ich ins Murphys Law, 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Eine irische Kneipe mit original irischem Wirt. Also total ortstyoisch für Mannheim. Im April wurde ich (ich fand in diesem Fall den verpassten Zug überaus segensreich) im Murphys Law Zeuge des Rückspiels im Viertelfinale der Champions League. Manchester City gegen Liverpool.

 

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Das Spiel wurde auf der Großbildleinwand (in meiner Hand übrigens ein Kilkenny, mein irischer Favorit) während im Hinterzimmer das Ausscheiden von Barcelona in Rom gezeigt wurde. Aber die meisten interessierten sich für das rein englische Viertelfinale und ausnahmslos alle Anwesenden drückten den Reds die Daumen. Ein pakistanischer Fan im Liverpool-Trikot neben mir an der Theke („I work in Worms“) war ein großer Bewunderer von Kloppo. Ihr könnt Euch vorstellen, was im irischen Pub los war, als Liverpool die beiden Tore schoss…

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Vor ein paar Tagen, am 26. Mai, waren im Murphys Law wahrscheinlich wieder einige Liverpool-Fans am Start, aber eventuell nicht ganz so euphorisch wie zu Zeiten des Viertelfinals.

In lockerer Folge werde ich dann auf meinem Blog weitere Bahnhofrestaurations-Tipps geben. Hamburg, Köln, Nürnberg, München sind schon geplant. Wenn ihr Anregungen in weiteren Städten habt, her damit!

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Auf zur Laudenbacher Weinwanderung 2019!

Geschrieben am um 9:15

Vor dem Schloss von Laudenbach. Menschenmassen, ein Auflauf, als stünde eine Revolution bevor. Aber alle Menschen sehen fröhlich aus, voller Vorfreude, auch ich bin gespannt – auf eine sehr teilnehmerstarke Weinwanderung.

 

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400 Wanderer in allen Altersklassen lauschen, die meisten haben sich einen schattigen Platz gesucht, der Gruß-Rede von Andrea, der Vertreterin der Markelsheimer-Laudenbacher Winzergenossenschaft. Andrea hebt hervor, dass man sich freue, mit der charmanten Deutschen Weinkönigin Katharina und dem sympathischen Wanderexperten Manuel zu wandern. Allerdings sollte man ergänzen, dass Katharina auch sympathisch ist und ich ebenfalls sehr charmant sein kann.

Dann hat der Ortsvorsteher gesprochen, der Bürgermeister von Weikersheim, der Männergesangsverein hat die Reben besungen, die 69. Deutsche Weinkönigin Katharina hat gesprochen und nach 37 weiteren Grußworten begeistere ich die Menge mit einer dreistündigen Rede. Um die Mittagszeit geht es los, in ungefähr acht Gruppen starten die Wanderer auf den Weinerlebnis-Parcours. Zunächst gehen wir durch den historischen, ausgesprochen pittoresken Ortskern am Vorbach entlang, Ortsvorsteher Martin erzählt etwas über die Geschichte von Laudenbach.

Laudenbach, wo ist das eigentlich? Der Weinort liegt in einem verträumten Seitental der Tauber. Die Bewohner haben ein – sehr sympathisches – Identitätsproblem. Historisch gesehen gehören sie zum südlichsten Zipfel des Würzburger Einflussgebiets, der Ort war immer katholisch, daher wird in Laudenbach auch heftig Fastnacht gefeiert. Wegen der Verbindung zur unterfränkischen Residenzstadt Würzburg nennen sich die Laudenbacher auch Hohenlohe-Franken, obwohl man ja eigentlich zum Baden-Württemberg gehört. Andere nennen sich Tauber-Franken, um die Zusammengehörigkeit zur Tauber-Region zu dokumentieren. Dabei liegt Laudenbach gar nicht an der Tauber, sondern in einem Seitental am Vorbach. Gleichzeitig ist Laudenbach aber nicht eigenständig, man ist Ortsteil von Weikersheim, die Winzergenossenschaft arbeitet aber mit Markelsheim zusammen. Alles klar?

 

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Wir kommen auf unserem Weg hinaus aus dem Ort an einer Bäckerei vorbei. An der Hausfassade in geschwungenen Bändern die Schrift: „Trinkt heimischen Wein“. Anscheinend wird in Laudenbach auch zu Gebäck, Croissant und Kuchen der Markelsheimer Wein getrunken. Wir gehen auf dem Radweg hinaus aus dem Dorf Richtung Weikersheim. Am Ortsschild sitzt „der Zecher“, eine Holzfigur, auf einem Holzfass und prostet uns zu. Wir unterqueren die Landstrasse und dann geht es hinauf Richtung Weinberge. Ich kann es vorweg nehmen, wir werden die ganze Tour auf Asphalt laufen, der Schwerpunkt der Weinwanderung liegt eindeutig auf den schönen Gesprächen mit den Mitwanderern und dem Weinerlebnis. Da es bergan geht und es unglaublich heiß ist, versprechen die Sonnenschirme und Bäume auf dem Ghäuberg Schatten und Entspannung.

 

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An der ersten Weinstation geht ein Korbflechter seinem Handwerk nach und an der Weinbude gibt es drei Weine zur Auswahl. Ich entscheide mich zunächst für einen alkoholfreien Blanc de Blanc mit Kohlensäure, also ein Sprudelwasser. Als der Durst gelöscht ist teste ich einen Silvaner der WG. Ich finde, WG hört sich immer so an, als würde eine Wohngemeinschaft spontan Wein machen, aber hinter den exzellenten Weinen steckt natürlich die Winzergenossenschaft. Dass die Winzergenossenschaft den schönen Silvaner im Angebot hat, deutet nicht nur auf die unmittelbare Nähe zum Anbaugebiet Franken. Auch die Bodenverhältnisse von Laudenbach mit viel Muschelkalk entsprechen den fränkischen Voraussetzungen.

Bisher mit ich mit Weinkönigin Katharina in der ersten Wandertruppe gewandert. Nun schließen wir uns der zweiten Wandergruppe an, die von Jungwinzerin Chrissi begleitet wird. Auch der Altersschnitt der Wandergruppe hat sich dramatisch gesenkt, während sich der Königinnen- und Prinzessinnen-Anteil fulminant erhöht hat.

 

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Ungefähr fünfzehn Ortsweinköniginnen und -prinzessinnen aus Baden, Franken und Württemberg (wir wandern eben in einem Anbaugebiets-Dreiländereck) geben der königlichen Katharina ihr Geleit. Chrissi erklärt sehr eloquent und kenntnisreich (die ehemalige Ortsweinkönigin wäre eine ideale Gebietsweinkönigin, aber sie will nicht so recht, Mensch Chrissi, überleg Dir das nochmal!) die Wirkung von Duftstoffen auf Schädlinge und praktiziert einen beherzten Rebenschnitt. Zwischenfrage aus dem Publikum: „Muss echt so viel weggeschnitten werden? – der arme Rebstock.“ Klar muss das Überflüssige weg, sonst kein optimaler Wein.

Wir erreichen die zweite Genuss-Station der Weinwanderung mit atemraubenden Ausblick auf Laudenbach. An der Weinbude beglücken uns Mitarbeiter der Markelsheimer Weingärtner eG. Auf dem Rücken der T-Shirts steht: Lust Genuss Tradition. Ich lerne neue Wein-Vokabeln, denn in Laudenbach heißen Winzer Weingärtner und die Trockenmauern, die die Weingärten der Weingärtner terrassieren, heißen Steinriegel. Die Winzergenossenschaft Laudenbach-Markelsheim vereinigt die Trauben des Ortes Laudenbach (das eben nicht zu Markelsheim gehört, sondern zu Weikersheim) und den Ort Markelsheim (wobei Markelsheim nicht zu Weikersheim gehört, aber Stadtteil von Bad Mergentheim ist). 190 Winzer liefern ihre Trauben und bewirtschaften knapp 200 Hektar Anbaufläche.

Auf dem Weg von der zweiten zur dritten Station durch die Weinberge (der Weg geht schon wieder bergan, muss das denn bei der Hitze sein?) lerne ich zwei Ehepaare aus NRW kennen. Die einen kommen aus Brilon im Sauerland, die anderen aus Krefeld am Niederrhein. Ganz schön weit weg, aber beide Paare haben sich auf den Weg nach Laudenbach gemacht, weil sie Fans der Genossenschaftsweine und der Region sind. Dem Ehepaar vom Niederrhein habe ich noch ein paar NRW-Wandertipps gegeben, ich bin eben ein mobiler Wander-Ratgeber.

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An der dritten Raststaion probiere ich den Tauberschwarz. Diese Rebsorte hat Laudenbach quasi exklusiv, nirgendwo auf der Welt wird so viel Tauberschwarz wie in Laudenbach angebaut. Die Rebsorte ist keine Kreuzung, sondern eine alte uralte Traube der Region, nicht ganz leicht zu pflegen, eine etwas zickige Rebsorte, eine arbeitsintensive Rebsorte, wenn man den Zeitpunkt der Lese verpasst hat, kann sie ganz schon schnell vertrocknen, hat man mir erzählt.

 

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Ich genieße mit meiner Wandertruppe die Aussicht, aber wir sehen, wie andere Wandergruppen nicht den offiziellen Weg gehen. Die kürzen ab, gehen direkt von Station 2 zu Station 3, ohne den letzten Anstieg, die letzte Wegschleife mitzugehen. Ich stelle mich der Wandertruppe mit Megaphon in den Weg, also ehrlich, bei so was werde ich zum totalen Weinwanderspiesser, und verkünde der mogelnden, abkürzenden Wandertruppe, sie müssten auf den Weingenuss an Station 2 verzichten. Das lässt sich natürlich – Gott sei Dank – nicht durchsetzen. Wir sind ja ehrlich gesagt auch alle zum Spaß hier und wollen uns nicht wandernd durch die Hitze quälen. Auch die übernächste Wandertruppe, die die Diretissima mitten durch die Weinreben hin zur dritten Station wählt, wird mit großem Hallo begrüßt.

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Später gehen wir bergab wieder hinein nach Laudenbach und erreichen bald das Schloss. Dort kommen alle Wandergruppen im fröhlichen Miteinander zusammen und lassen den Weinwandertag bei Schlussvesper und weiteren himmlischen Weinen ausklingen.

Das Schönste an der Weinwanderung in Laudenbach sind die Begegnungen mit vielen netten Menschen. Klar, der Wein ist toll, das Wetter genial, die Aussichten in den Weinbergen phantastisch, die Informationen über den Weinbau sehr interessant. Aber ich finde es wunderbar, mit dem Organisations-Genie Paul zu plaudern, von Wilma und Jürgen über ihre Bekanntschaft mit Kati Wilhelm zu hören und mich mit Raimund über die Zukunft des 1.FC Köln zu unterhalten – Raimund ist seit den 1960er Jahren als Tauber-Franke Fan der Geißböcke. Mein Fazit: Ich kann nur jedem Weinwanderer empfehlen, auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um im nächsten Jahr an der Laudenbacher Weinwanderung 2019 teilzunehmen.

Ich bedanke mich bei Paul Gölz für drei Fotos!



Saarlännisch foor Beginners

Geschrieben am um 6:34

Seit feststeht, dass unsere nächste Bundeskanzlerin aus dem Saarland kommt, sollte jeder, der noch alle Tassen im Schrank hat, dringend saarländisch lernen. Erfreulicherweise bekamm ich sogar kürzlich eine Mail von meinem lieben Freund Ulli, dem Chef von Fifty Five. Und siehe da, auch er ist total scharf darauf, saarländisch zu lernen. Legen wir also direkt mit Lektion eins los, Vokabelhefte raus, das erste Wort ist die für jeden saarländischen Mann unerlässliche:

SCHAFFBUX

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Die Schaffbux ist die spezielle Hose, die man nicht unbedingt für gut anziehen würde. Die Schaffbux wird vielmehr am Samstag angezogen, wenn man im Garten schafft (=arbeitet) oder kleinere Reparaturen am Haus erledigt. Denn merke: Der Saarländer hat den weitaus größten Eigenheim-Anteil aller Deutschen. Es kann natürlich auch mal passieren, dass man überhaupt keine Lust hat, zu schaffen, weil man gerade die

FLEMM hat.

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Wenn jemand sagt: „Ich hann die Flemm“ bedeutet das, dass sich über denjenigen oder diejenige eine leichte Schwermütigkeit gelegt hat. Keineswegs handelt es sich bei der FLEMM um eine schwerwiegende Depression, nein, man gönnt sich nur eine kleine psychische Auszeit, nur Idioten sind immer gut drauf. Nicht schön ist es, wenn man nicht nur die Flemm hat, sondern auch die:

FRECK

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Wer die FRECK hat, ist krank, aber auch in diesem Fall gilt: Das ist eher eine Krankheit light, man kann also durchaus schaffen gehen, auch ein eventuellerKrankenhausaufenthalt ist weit entfernt. Aber man sollte demjenigen, der die Freck hat, nicht zu nahe kommen, sonst steckt man sich noch womöglich an.

Das letzte Wort für heute ist UWWERAASCH.

 

 

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Neunmalkluge, vorlaute Streber meinen jetzt vielleicht, das hieße Oberarsch. Mitnichten! Wenn es Unordnung gibt, Chaos, dann spricht man im Saarland von UWWERAASCH. So wie ich, wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden kann, welches Wanderhemd ich anziehe. Wenn man die Freck oder die Flemm hat, bleibt eben manchmal etwas liegen, dann gibt es Uwwerasch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man die Schaffbux anziehen, um wieder die Ordnung herzustellen.

Die ersten Vokabeln frage ich beim nächsten Mal ab. Aber ihr könnt Euch freuen, denn in Zukunft könnt ihr Eure Kanzlerin AKK etwas besser verstehen.



Unterwegs mit den coolsten Wander-You-Tubern und Wander-Bloggern der Republik

Geschrieben am um 8:41

Erster Mai, auch für mich Tag der Arbeit. Arbeitstreffen war in Homburg/Saar. Gekommen waren die coolsten Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Mitglieder der größten Facebook-Gruppe „Wandern und Fernwandern“, schon über 10.000 Mitglieder hat die Gruppe.

 

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Angesprochen hatte mich Youtuber Timo, (sein Kanal (heißt das Kanal bei Youtube?) heißt ‚Waldkult’) Timo ist admin der 10.000 Mitglieder Facebook-Gruppe. Mit ihm bin ich vor drei Jahren auf dem Harzer Hexenstieg gewandert. Timo kommt aus dem Ruhrpott und war daher sehr angetan von jedem Torbogen, der aussah wie ein Stolleneingang.

Da ich ja eher ein digitaler Legastheniker bin, dachte ich, ich schaue mir mal an, wie Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Facebook-Wanderer so unterwegs sind. Wir sind übrigens den Premiumweg Schlossbergpfad gegangen, 13,9 Kilometer, sehr abwechslungsreich und interessant.

 

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Einige Steigungen waren natürlich auch zu meistern und ich habe gestaunt, wie professionell die coolen Social-Media-Wanderer ausgestattet waren. Die meisten hatten tatsächlich Beatmungsgeräte dabei und nach ein paar Luftzügen mit reinem Sauerstoff wurde die Atmung wieder flacher.

 

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Auch eine Einkehr mit Wander-You-Tubern ist speziell. Während sich um uns herum alle Jugendlichen mit unterschiedlichsten berauschenden Getränken erster-Mai-mäßig zudröhnten, standen bei den Social-Media-Wanderern Equipment von Feinsten auf dem Tisch.

 

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Ein Gruppenfoto haben wir natürlich auch gemacht. Es waren wirklich Menschen aus allen Ecken Deutschlands dabei: Heidelberg, Wolfsburg, Darmstadt, Ost-Belgien, Baden-Baden. Und sogar aus dem Saarland, völlig verrückt!

 

 

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Eins habe ich gelernt, als angesagter Video-Blogger musst man eine Art Uniform tragen: Hipster-Bart, Nerd-Brille, Hipster-Kappe. Da muss ich echt noch dran arbeiten.

 

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Once upon a time in Manderscheid

Geschrieben am um 8:28

Vor etlichen Monden schrieb ich in meinem ersten Wanderbuch vom schönsten Wanderweg der Welt, dem Lieserpfad. Und in der Tat zieht es mich immer wieder nach Manderscheid zu den zwei Burgen und dem Tal der Lieser.

 

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Der Mensch vergisst leicht, aber vor fünf Wochen, Ende März, ganz genau am 22. März, war es noch bitter kalt und in der Eifel war das letzte Aufbäumen des Winters mit ordentlich Schneefall zu bewundern. Was auffiel am klassischen Blick auf Ober- und Niederburg: Die Zäune fehlten. Wahrscheinlich hat sich der schlaue Bürgermeister von Manderscheid gedacht: Bevor ich die Absperrungen immer teuer warten muss und die womöglich noch die Wanderer gefährden, kommen die Gatter weg. Auch neu ist das Design der Hauptwanderwege des Eifelvereins …

 

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Aus Raider wurde Twix und aus dem Hauptwanderweg 13 des Eifelvereins mit dem eigentümlich gestalteten „V“, das immer aussah wie eine Wurzelbehandlung im Mathe Leistungskurs, ist die neue Markierung mit dem „Vulkanpfad“ entstanden.

Wenn ich in Manderscheid bin, ist mein Standquartier immer die Heidsmühle an der Kleinen Kyll, die in die Lieser mündet. Und dann ist natürlich auch eine Wanderung in der traumhaften Wolfsschlucht Pflicht …

 

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Aber die spannendsten Pfade kann man immer noch auf dem Lieserpfad erwandern …

 

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… und kaum kommt man um die Ecke, ist man schon – auch das eine Novität – an der Philosophenbank angekommen. Ich habe zunächst gegrübelt, ob es diese Bank vielleicht schon immer gab, ich sie aber nur übersehen hätte, aber nein, die güldene Inschrift ist eindeutig jüngeren Datums.

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Ich frage mich nur, welche Fürsten genau gemeint sind: Der Kurfürst von Köln oder Brandenburg. Oder der Fürst Pückler mit seinem Eis? Anscheinend werden die Eifelaner immer noch von irgendwelchen Fürsten gequält.



Traumschleife Nummer 55: Die Wadrilltal-Tafeltour im Nordsaarland

Geschrieben am um 7:21

Schon seit Jahren wollte ich die Tafeltour rund um Nonnweiler-Sitzerath (der Start ist verkehrsgünstig in der Nähe der A1 gelegen, Wanderer aus Hamburg, Bremen, Hagen, Köln und Saarbrücken sind also ruckizucki in Sitzerath) wandern, aber es hatte sich nie ergeben.

 

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Dann aber elektrisierte mich ein Blick in die Traumschleifen-Broschüre. Dazu muss man wissen, dass jede der 111 Traumschleifen eine eigene Nummer hat. Und die Tafeltour Wadrilltal hat tatsächlich die Nummer 55! It’s magic, den mein Klamottenausrüster ist bekanntlich Fifty Five. Also hopp, auf zu Traumschleife Fifty Five.

Lustigerweise ging ich an genau 55 Windrädern vorbei…

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Nein, nur ein Scherz, ganz so viele waren es nicht. Aber etwas anderes fiel mir auf: Auf der Traumschleife Nummer 55 wird mit menschlichen Wegweisern experimentiert. Die sollten aber besser geschult werden: Während die Markierungstafel nach links zeigt, zeigt der wegweisende Hominide nach oben. Ja was denn nu?

 

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Nach ungefähr vier Kilometern hatte ich das Wadrilltal erreicht. Völlig verrückt, aber wikipedia weiß zu berichten, dass das Einzugsgebiet des Flusses Wadrill 55 Quadratkilometer beträgt. Das ist doch alles kein Zufall mehr…

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Nachdem ich an 55 Felsen und 55 Bänken vorbeigewandert bin habe ich noch schnell auf einem Hochstand am Wegesrand 55 Wildschweine geschossen …

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Und dann, nur noch zwei Kilometer vor dem Ziel, die 10-Kilometer-Marke. Da steckt doch ein Generalplan dahinter, denn jetzt frage ich Euch mal: Was genau ist die Quersumme von 55? Hm? Da wird man doch glatt zum Verschwörungstheoretiker.

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In Sitzerath sollte man dann unbedingt im Landgasthaus Paulus mit sehr ambitionierter Küche und einem Weltklasse-Weinangebot tafeln. Deswegen heißt es ja auch Tafel-Tour. Ich bin natürlich auch eingekehrt, habe eine Parmesan-Crème-Brulée gegessen und einen Spitzen-Wein von der Obermosel getrunken.

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Das große Menü bei Paulus kostete übrigens 50 Euro. Wenn man ein Glas Wasser dazu trinkt und aufrundet zahlt man: Fifty Five Euro!



2017: Die erste royale Weinwanderung an der Mosel

Geschrieben am um 11:21

Die Turmbläser blähen ihre Backen und tröten ihre Fanfaren! Das ganze Schloss ist in heller Aufruhr! Die Hermelin-besetzten Outdoorjacken funkeln im Sonnenlicht! Was ist denn hier los? Nun ja, der gesamte Hofstaat wird auf den Beinen sein, denn am letzten April-Wochenende 2018 weinwandern die deutsche Weinkönigin Katharina und der deutsche Wandermeister Manuel im Rahmen des bundesweiten Weinwanderwochenendes. Zwei royale Wanderungen auf ausgesuchten Wanderwegen mit exzellenten Weinen. Am 28. April in Mühlhofen-Klingen in der Pfalz und am 29. April in Markelsheim im Anbaugebiet Württemberg.

Für den Rheinländer hat alles, was schon zum zweiten Mal stattfindet, den Status einer „Tradition“. Ab dem dritten Mal ist es dann Brauchtum. In diesem Sinne hat auch das royale Weinwandern schon Tradition. Im letzten Jahr, 2017, fand in Mehring an der Mosel die erste royale Weinwanderung der Welt statt. Dem Anlass entsprechend mit zwei Königinnen. Eigentlich – um ehrlich zu sein – waren es sogar drei Königinnen.

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Für die deutsche Weinkönigin 2017, ihre Majestät Lena Endesfelder, war die Wanderung durch die Weinberge von Mehring ein Heimspiel, denn Sie stammt aus Mehring. Nun glaubt natürlich jeder, weil die Weinkönigin aus Mehring kommt, sind wir auch in Mehring gewandert, so etwas kann doch kein Zufall sein. Aber ich schwöre: Es war Zufall. Und nun gehen wir durch die Steillagen, hinter uns die letzten Häuser von Mehring, neben mir Lena I. Weitere königliche Begleitung haben wir durch die Ortsweinkönigin Annika aus Mehring und die Königin der Riesling Selection, Caro Hoffranzen. Erstaunlich ist, dass alle Königinnen ohne Entourage und Hofstaat unterwegs sind. Keine Zofen, kein Zeremonienmeister, keine Anstandsdamen. Die Royalität von Lena und Co. ist eben eine innere Qualität, sozusagen eine Charakter-Eigenschaft.

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Startpunkt der royalen Weinwanderung 2017 war vor einigen Minuten das Hofgut Hoffranzen in Mehring. Zur Begrüßung wurde ein roter Teppich ausgerollt. Ehrlich gesagt: Das kann man ja wohl auch erwarten! Die Weinwandergruppe ist schon sehr gespannt und wird von Weinkulturführer Stefan auf die kommenden Strapazen eingestimmt: „Diese Wanderung folgt dem Motto: 2.000 Höhenmeter in zwei Stunden.“ Das kann ja heiter werden. Stefan erkundigt sich, ob denn jemand Allergien hätte. „Ja“ meldet sich ein Mann in den besten Jahren, „ich bin allergisch gegen lange Wanderstrecken!“

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Wir folgen der Wegmarkierung des Moselsteigs und gehen durch die Weinberge. Die Markierung des Moselsteigs zeigt in gelb-orange-Tönen aufeinandergeschichtete Schiefersteine. Ich wandere neben der Weinkönigin Lena. Bezüglich der Anrede bin ich ein wenig unsicher, denn ich frage mich, wie man eine Weinkönigin korrekt anspricht: „Eure Hoheit“, „Frau Weinkönigin Lena“, „Ihre Exzellenz“? Lena sagt: „Lena reicht. Wein ist ein persönliches Getränk, man kommt ins Gespräch, der Winzer offenbart sich in Geschmack und Stil. Deshalb finde ich: Lena reicht““. Die ehemalige deutsche Weinkönigin Lena hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Lena erzählt: „Ich war Ortsweinkönigin, dann Prinzessin, dann Verbandsgemeinde-Weinkönigin.“

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Das war sozusagen die Regionalliga der deutschen Weinköniginnen. „Nach dem Studium in Geisenheim dachte ich mir, och komm, Du könntest Dich auch darum bewerben, Gebietsweinkönigin zu werden.“ Das klappte. Und so wurde sie die Weinkönigin der Mosel, das war schon die Bundesliga der Weinköniginnen. Die Konsequenz wurde ihr erst später klar. „Huch, da muss ich dann nach Neustadt!“ Neustadt an der Weinstraße, sozusagen das Versailles der deutschen Weinwelt. Dort entscheidet sich, wer Königin wird. Und wer nicht. Denn die dreizehn Gebietsweinköniginnen tragen jedes Jahr in Neustadt an der Weinstraße eine Art Weinköniginnen- Meisterschaft aus. Und die Siegerin trägt dann für ein Jahr den Titel der deutschen Weinkönigin.

Wir stoppen vor einer malerischen Trockenmauer aus Schiefergestein. Zeit für einen kurzen Fotostoppp. Lena kramt in ihrem Rucksack und zaubert ihr Weinköniginnenkrönchen hervor. Bei der royalen Wanderung ist sie bisher nicht als Königin kenntlich gewesen: Kein Zepter, kein Umhang, kein Reichsapfel – und auch keine Krone.

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Ein flinker Lurch flitzt zwischen den Steinen herum, Lena platziert ihre Krone zwischen den Steinen und macht ein Stilleben mit Schiefer und Krönchen. Ehre wem Ehre gebührt: Denn ohne den Schiefer der Mosel wären die Riesling-Weine nicht Weltklasse. Und ohne Welt-Klasse-Weine keine strahlende deutsche Weinkönigin. Also bekommt der Schiefer auch die Ehre, bekrönt zu werden und in den Hofstaat der deutschen Weinkönigin aufgenommen zu werden. „Dabei sind Gesteine gar nicht so meins“, sagt Lena und muss lachen. Für den Contest der Weinköniginnen in Neustadt musste sie tatsächlich vor allem Gesteinskunde büffeln, denn es kommt bei der Wahl zur Weinkönigin vor allem auf Weinwissen an. Dass aber ihr Krönchen nun in einer Schiefer-Ritze steht, brauche ich ihr als Moselanerin aber natürlich nicht zu erklären.

Wir gehen weiter, aber schon bald unterbrechen wir unsere royale Wanderung ein weiteres Mal. Was wäre eine Weinwanderung ohne Wein? An einer kleinen Schutzhütte gibt es den ersten Wein-Stopp, drei Weine werden ausgeschenkt, unter anderem das „Mehringer Urgestein“. Zum Wein singen einige stimmgewaltige Herren „Oh Mosella“

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O Mosella! Du hast doch so viel Wein!
O Mosella! Trinkst du den Wein allein?
In deinem Garten Eden,
Wächst doch der Wein für jeden,
Und ohne Wein kann ich nicht sein!

Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, auch ein wenig kitschig. Aber mit dem kühlen Riesling im Glas, mit Blick auf die sonnenüberflutete Mosel und dem Gesang im Hintergrund wird mir ganz warm ums Herz.

Unser Weinkulturführer Stefan sieht sich als Bindeglied zwischen Weinkäufer und Winzer. Auf dem Wanderweg gelingt es ihm, der Wandertruppe sachkundig und sehr unterhaltsam die Besonderheiten des Weinbaus an der Mosel zu erklären. Stefan zaubert ein langes Seil aus seinem Rucksack, legt es in einer schnurgeraden Linie auf den Boden und erklärt, wie es zu den mäandernden Windungen der Mosel kommen konnte. An das eine Ende des Seils legt er ein Foto der Porta Nigra, an das andere ein Foto vom Deutschen Eck.

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Wir lernen: Schon vor etlichen Jahrmillionen entstanden die Römer-Städte Trier und Koblenz, die gibt es quasi schon immer. Damals war die Mosel noch schnurgerade. Dann erhoben sich in einem revolutionären Akt die Gesteine des rheinischen Schiefergebirges und die Mosel musste sich ihren Weg bahnen. Inzwischen hat Stefan das ursprünglich gerade Seil auf dem Wanderweg in Schlingen gelegt. Voila! Zwischen den Prallhängen und den Gleithängen des Flusses entstanden die Voraussetzungen für herausragenden Weinbau.

Wir wandern an einem Wegweiser vorbei, der auf den Seitensprung „Zitronenkrämerkreuz“ hinweist, das ist ein besonders schöner Premiumweg.

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Uns zieht es allerdings zur alten Römerleitung in Pölich und anschließend über die steile Himmelsleiter hinauf zur Finnbahn von Mehring. Auf der Finnbahn mit den vielen weichen Holzhackschnitzeln kann man ganzjährig seine Runden drehen, als Jogger oder auch als Spaziergänger. Unsere Wandergruppe ist aber vor allem an einer weiteren Weinverkostung interessiert, die Hoffranzen präsentiert. Caro hat 2016 eine ganz besondere Auszeichnung errungen: Sie ist deutsche Jungwinzerin für das beste Riesling-Sortiment geworden. Man merkt, wie stolz sie darauf ist, und das vollkommen zu Recht. Das Weingut Hoffranzen (man spricht das Hof-Franzen, das war eben der Franz vom Hof, nicht Hoff-Ranzen) wurde schon 1601 gegründet.

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Auch darauf ist Caro stolz: „Wir sind Winzer in der 17. Generation.“ Ich weise Caro auf diese Zahlenmystik hin. 17 Mal müssen sie und Lena und alle anderen Steillagenwinzer jedes Jahr in den Weinberg, und sie ist in der 17. Generation Winzerin. Verrückt!

Unsere royale Weinwanderung hat ein romantisches Ende, denn wir wandern an den Rebstöcken der Weinkönigin Lena Endesfelder vorbei. Lena ist eine Königin mit Herz, denn sie hat die Zweige ihrer Rebstöcke in Herzform gebunden. Sie hat also 17 Mal im Jahr ein Rendezvous mit ihren Rebstöcken in der Steillage.

 

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Nachdem es letztes Jahr bei der royalen Wanderung an der Mosel so herrlich war, freue ich mich unglaublich auf die beiden royalen Wanderungen in diesem Jahr. Wer sich über alle Angebote des bundesweiten Weinwanderwochenende am letzten Aprilwochenende informieren möchte, kann die Broschüre unter info@deutscheweine.de bestellen oder alle Weinwander-Angebote unter www.deutscheweine.de/tourismus/weinwanderwochenende anschauen. Vielleicht sehen wir uns ja bei den royalen Weinwanderungen in der Pfalz oder in Württemberg!



Mit Kindern wandern

Geschrieben am um 7:03

Endlich! Der erste deutsche Kinderwanderführer ist in der Buchhandlung Eurer Wahl erhältlich. Und gut, dass ich auf den Touren meine persönliche Kinderwanderführerin dabei hatte …

 

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Und so geht das Buch los:

Norwegische Kinder lernen schon in jungen Jahren: Wer sich viel an der frischen Luft aufhält, hat immer gute Laune. Ich finde, das gilt auch in Deutschland. Kinder sind nach einer Wanderung – und die Eltern ebenso – glücklicher und entspannter. Bei Kinderwanderungen kann man als Familie nicht nur jede Menge erleben, man kommt auch ganz anders ins Gespräch als im normalen Familienalltag. Bei einer Kinderwanderung kürzlich wollte meine sechsjährige Tochter ausdiskutieren, ob ich dereinst ihre Enkelkinder lieber haben würde als sie selbst. Ich musste erst einmal ausrechnen, ob ich überhaupt die theoretische Chance habe, die Enkelkinder von Nika noch live zu erleben.

Oft ist es allerdings so, dass Eltern und Großeltern durchaus wanderwillig sind, aber der Nachwuchs nicht so recht mitzieht. Oder man ist sich elternseitig nicht so recht sicher, welche Wege man gehen soll. Denn die Wegauswahl ist für die Wanderlust der Kinder entscheidend. Viele Eltern haben in ihrer eigenen Kindheit erfahren müssen, dass sie in jedem Sommerurlaub auf langweiligen Forstwegen stiefeln mussten, ein Wandertrauma ist die Folge. Daher möchte ich in dem Buch konkrete, kindgerechte Touren in ganz Deutschland ausführlich vorstellen.

Ich habe pro Bundesland zwei Kinderwanderwege ausführlich proträtiert. Manchmal bekommt man nasse Füße, wie auf dem sensationellen Barfußpfad von Bad Sobernheim …

 

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… manchmal sind auch fast alpine Steigungen zu meistern wie diese am Königsstuhl auf Rügen …

 

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Kurzum. „Wandern mit Kindern“ ist das ideale Buch für alle, die mit ihren Kindern jetzt schon wandern, irgendwann mal vorhatten zu kinderwandern und auch für die, die bisher noch nie Bock hatten, mit ihren Kindern zu wandern.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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