Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Tradition und Evolution im Harz und in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 9:19

In diesem Sommer bin ich auf einigen Wegen gewandert, auf denen mich meine Vergangenheit eingeholt hat. Unter anderem im Harz und in der Sächsischen Schweiz. Ich bin im Harz auf dem Hexenstieg zwischen Treseburg und Tahle im berühmten Bodetal gegangen und in der Sächsischen habe ich die traditionellen Highlights Bastei und Schwedenlöcher besucht. Ich wurde bei diesen Touren von Mitwanderern oft gefragt, wann ich denn diese Wege im Harz und in der Sächsischen Schweiz das erste Mal gegangen bin. Die Antwort treibt mir die Tränen in die Augen: Das war 2004, ich war noch nicht mal 40 Jahre alt, die Harald Schmidt Show war noch ein Versprechen und nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet und Gerhard Schröder war unser Kanzler. Ganz schön lange her.

 

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Deshalb kann ich mich auch nicht im geringsten daran erinnern, 2004 im Harzer Bodetal über die Teufelsbrücke gegangen zu sein. Ich wurde dann aber aufgeklärt, dass die Brücke vor ein paar Jahren grundsaniert wurde. Dabei hat man wahrscheinlich auch direkt die äußerst geschmackvolle Teufelsbandarole über der Brücke installiert. damit auch Analphabeten merken, dass sie gerade über die TEUFELSbrücke gehen. Eine vergleichbare Bandarole hätte ich mir etwas flußabwärts auch für die JUNGFERNbrücke gewünscht. Leider Fehlanzeige…

 

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Im Bodetal kann man sich wirklich nicht verlaufen, trotzdem ist natürlich jeder Wanderer immer froh über beruhigende Wegmarkierungen. Der HET-Weg geht auch durch’s Bodetal, gepflegt vom Harz-Klub. Ich finde ja ehrlich gesagt die Bezeichnung Klub für einen Wanderverein toll. Es gibt den EifelVEREIN, den Schwäbische AlbVEREIN, den Sauerländischen GebirgsVEREIN, den SchwarzwaldVEREIN und dutzend weitere Vereine. Aber den Harz Klub. Und den Rhönklub. Und Kraftklub. Klub, das hat etwas Feines, Snobistisches, Englisches, Distinguiertes. Gefällt mir.

 

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In der Sächsischen Schweiz bin ich seit 2004 sehr sehr oft gewesen, aber trotzdem bin ich in den Schwedenlöchern immer an dem großartigen Antik-Graffito „ICH“ vorbei gegangen. Kann das wirklich sein, dass das aus dem Jahre 1782 stammt, also sieben Jahre, bevor ein paar französische Halbstarke die Bastille erstürmt haben? Unglaublich! Es waren doch wahrscheinlich eher Außerirdische vom Planeten 178-Z, die sich mit einem markigen ICH in den Schwedenlöchern verewigt haben.

 

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Auch der Blick von der Bastei ist in den letzten Jahren ein anderer geworden. Nun gut, es war schon im Jahre 2000, dass ein beträchtlicher Brocken vom Felsen in der Mitte herab gestürzt war. Der Fels hat sich einfach aus dem Staub gemacht, ein Saxit auf Raten.

Und noch etwas war 2004 anders…

 

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… ich war damals noch gelenkiger als heute, und hätte nicht mit Schmerzensmiene kleinere Niedrigpassagen im Elbsandsteingebirge bewältigt. As Times go by.



Beware of your mud maid

Geschrieben am um 8:15

Der Brite, das unbekannte Wesen. Ist er nun ein herzloser Raubatz mit losem Mundwerk und herbem Humor? Ist er ein Raubritter, ein König Artus, ein Braveheart? Oder ist er ein formvollendeter Gentleman vom Scheitel bis zum Sohle. Auch bei meinen sommerlichen Wandertouren in Südengland habe ich nicht die endgültige Antwort gefunden. Für große Fürsorglichkeit sprach zumindest ein recht ungewöhnliches Wanderschild in den Lost Gardens of Heligan

 

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Nun gut, es ging ungefähr 25 Höhenmeter bergab. Aber VOR diesem Abstieg (Beware!) daran zu erinnern, dass es ja dieselben 25 Höhenmeter (your return!!) auch wieder eine lange Fußreise (journey!!!) bergan (uphill!!!!) geht, dass ist doch wirklich gelebtes britisches Nannytum. Wenn man natürlich, wie der durchschnittliche englische Wanderer gekleidet ist, ist dieses Hinweisschild mehr als notwendig, doch dazu gleich.

An sehr vielen englischen Sehenswürdigkeiten sollte man aber eher (Stichwort Raubritter) ein „Beware of your Brieftasche“-Schild aufstellen

 

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Zum Beispiel Stonehenge. Ein Haufen vergessener Hinkelsteine auf einem Weizenfeld. Kann man sehr gut von der Straße aus erkennen. Will man etwas näher ran, kostete das knapp 50 britische Pfund (IMMER NOCH um die 70 Euro) für die ganze Familie. So wird man steinreich.

Und dann liegt da plötzlich eine scharfe Braut mitten im Wald…

 

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… und man fragt sich, ob jemand für die Kleine vielleicht mal ne Decke hat. Der einfühlsame Gentleman würde sie vielleicht „Green Girl“ nennen oder „Lazy Lady“, wenn man auf Alliterationen steht. Aber die feinen Herren des Brexit erdreisten sich, diese anmutige Waldfee als „Mud Maid“ zu bezeichnen. Matsch Mädchen, geht’s noch, das hört sich ja nach Frauen-Catchen an! Wenn ihr so weiter macht, schicken wir Euch mal Alice Schwarzer, unsere Feminismus Maid vorbei, die wird Euch aber ordentlich den Marsch blasen.

Ich dachte bislang, ihr wärt alle Gentlemen…

 

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… denn wenn ich dieses Schild richtig verstehe, dürfen da nur Wanderer in genau diesem Outfit nicht durch. Alle anderen, vor allem die Mud Maids, dürfen natürlich passieren.



Die traditionelle Wanderung auf dem Bär Fest

Geschrieben am um 7:59

Zum zweiten Mal nach 2014 habe ich auf dem neunzehnten BÄR-Sommerfest (das dritte Mal übrigens unter dem Namen „Sommerfest“, vorher war das ein „Schnäppchenfest“) eine Gruppen-Wanderung angeboten. Hier die Gruppe:

 

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Der Rheinländer bezeichnet ja alles, was zum zweiten Mal passiert, als „Tradition“. Findet das Event zum dritten mal statt, ist es „Brauchtum“. Also ging ich bei der TRADITIONELLEN Bär-Wanderung TRADITIONELL an der Neckarschleife von Hessigheim. Dieser Weg ist übrigens ganz großes Wanderkino. Oberhalb des Neckars geht man durch dichte Wälder, dann wandert man bergab, durch Streuobstwiesen mit Blick auf Weinfelder und die Weinberge der Hessigheimer Felsengärten. Bei der Wanderung waren einige meiner Oberboihinger Wanderfreunde dabei. Martin (den kennt ihr aus meinen Büchern, das ist der Experte für Frühlingsplatterbsen und Trinkweisheiten) verriet mir, dass er an eben diesen Felsen in jungen Jahren das Klettern gelernt habe, ohne Seil und Absicherung. „Immer in zwei/drei Metern Höhe, so dass man zur Not noch abspringen kann“.

Auf jeden Fall geht es auf dem „Neckarschleifen“-Weg (den gibt es unter diesem Namen noch gar nicht, ich habe den aber schon mal so getauft, premiumwürdig ist dieser Rundweg auf jeden Fall) dann direkt am Neckarufer weiter, erst auf einem breiteren Weg …

 

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… der aber abrupt endet. Ohne das Schild hätte ich gar nicht mitbekommen, dass der WEG endet, Ordnung muss sein, schwäbisch eben. Dann geht es aber auf einem anderen Weg weiter, der aber eher ein Pfad ist. Auf diesem Pfad habe ich mir eine ganz besondere Schikane einfallen lassen, um die Rutschfestigkeit der BÄR-Schuhe zu testen. Ich habe tagelang einzelne Wegpassagen unter Wasser setzen lassen, so dass sich eine wahre Rutschbahn gebildet hatte.

 

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Diese Wegstelle haben alle Wanderer gemeistert, sogar die, die mit sehr modischem Schuhewerk unterwegs waren. Eine fröhliche Wanderdame hatte sich nämlich sich den guten alten David-Bowie-Song zu Herzen genommen. „Put on your red shoes … and walk this neckar way“. Ich habe ein Vorher-Nachher-Fotos der teuflisch roten BÄR-Schuhe gemacht, davon ausgehend, die Farbe hätte sich NACHHER eher in’s Matschbraune gewandelt…

 

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Pustekuchen, rote BÄR-Schuhe sind anscheinend von Haus aus mit einer schlammabweisenden Schutzschicht imprägniert.

Natürlich gab es auch bei der Neckarschleifen-Wanderung das Wichtigste bei einer Wanderung – eine Rast. Ich hatte für diese Pause eine ganz besonderes Schmankerl dabei: Eine Flasche Joe-Nimble-Bär, äh, sorry, Joe-Nimble-Bier natürlich.

 

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Das ist kein Gag, dieses Bier gibt es wirklich. „Schwäbisches Vollbier“ steht auf dem Etikett, es handelt sich um ein ganz feines Stöffchen mit ausgeprägter Malznote. Und jetzt – endlich – ist bei mir der Groschen gefallen: Jahrelang habe ich gerätselt, wer bloss dieser Joe Nimble ist – ein Abenteurer, ein Schuster, ein Dandy, ein Detektiv? Alles falsch, Joe Nimble ist natürlich Brauer, Brauer aus Leidenschaft und hat 1.500 Flaschen von diesem Teufelszeug gebraut. Ein Pfundskerl, dieser Joe Nimble!



Mein erster Wanderweg-Kinospot

Geschrieben am um 9:01

Ich habe schon ab und an vor einer Fernsehkamera gestanden (und vor allem gesessen), habe auch schon Wandersendungen für den SR und den WDR gemacht. Aber ich habe noch nie einen Werbespot für einen Wanderweg gedreht. Premiere! Der Neanderlandsteig um den Kreis Mettmann herum liegt im Einzugsbereich von vielen NRW-Städten: Düsseldorf, Köln, Solingen, Wuppertal, Essen, Mülheim, Duisburg. Da liegt es nahe, dieses Wanderer-Potential auf den Neanderlandsteig zu locken, indem man den Rundweg um den Kreis Mettmann herum auf den Kinoleinwänden der umliegenden Städte bewirbt. Eine Ehre für mich, das Gesicht dieses Kino-Spots zu sein.

 

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Allerdings habe ich noch nie so nervenaufreibende Dreharbeiten mitgemacht. Das war anstrengender als eine 80-Kilometer-Wanderung mit Thorsten Hoyer! Alle Sequenzen des Kino-Spots wurden mit einer Kamera-Drohne gedreht, die bei den gefühlt 150 Wiederholungen der Szene immer haarscharf an meinem Kopf vorbeiflog, so dass ich ernsthaft Sorgen um mein Resthaar haben musste.

Rein technisch betrachtet ist eine Drohne ja nicht so konstruiert, dass da noch der Kameramann von der Drohne mitgeflogen wird, die Drohne kann nur eine kleine Kamera transportieren. Also muss sich der Kameramann mit der virtuellen Brille behelfen. Das ist echt irre: Wenn der Kameramann den Kopf bewegt, kann er damit auch die Kamerabewegungen steuern.

 

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In Zukunft könnte das auch beim Wandern eingesetzt werden. Ein Wanderoperator (früher hieß das Wanderführer) steuert mittels Kopfbewegungen den ganzen Wanderverein.

Wenn ihr glaubt, dass nur von der Kameradrohne Gefahr für Leib uns Seele ausging – Irrtum! Ich hatte auch mit sehr analogen Gefahren zu kämpfen.

 

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Am Motiv „Schlupkothen“, einem krombacheresken See am Neanderlandsteig, störte ein grüner Metallzaun den Natur-Eindruck. Wir konnten das Ding aber nicht einreissen, also wurde aus Holzkisten ein äußerst wackliges Podest gebaut, auf das ich mich stellen sollte. Schon der Spreizschritt hinauf auf das Podest war nichts für Menschen mit schwachen Nerven und Leisten. Aber oben thronend, die Hände in den Taschen (typische Wanderhaltung von mir) die Balance zu halten. Das war reif für den Cirque de Soleil.

Als wir alle schon dachten, der Dreh auf der Kiste wäre im Kasten, besuchte uns noch die freundliche Polizei von Velbert. Ich dachte zuerst, die wollten mit uns über’s Wandern plaudern, aber sie sagten nur barsch: „Wir sind wegen Ihnen hier“. Oha!

 

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Fakt war, dass der Landeanflug sämtlicher Maschinen auf dem Flughafen Düsseldorf gestoppt worden war, weil wir mit einer Drohne unsere Kinospot-Aufnahmen gemacht hatten. Außerdem hatte sich ein Velberter Bürger beschwert, wir wären über seinem Garten geflogen. Nach dem Austausch von vielen amtlichen Drohnen-Flug-Erlaubnissen und Sichtung unseres Materials wurde der Düsseldorfer Flugverkehr wieder aufgenommen und der Velberter Bürger wurde wegen böser Verleumdung in eine Gemeinschaftszelle gesteckt. „Mit siebenundzwanzig 1,90 Meter großen sexuell ausgehungerten Weibsbildern“ wie der Polizist erläuterte.

Ich danke herzlich meiner Bloggerkollegin Elke Bitzer (https://fotografischereisenundwanderungen.com) für die Making-Of-Fotos.

Das fertige Ergebnis ist in ausgewählten Kinos seit letzten Donnerstag und auf You Tube zu sehen.

 



Cloefpfad 4.0

Geschrieben am um 6:45

Bei der schon fast unüberschaubaren Anzahl von Premiumwegen komme ich gar hinterher, alle neuen Premiumwege zu erwandern. Selbst neue und alte Premiumwege in meinem Wohnumfeld habe ich noch nicht komplett erkundet. Ich wohne ja seit einigen Jahren im Saarland (das sind die, die erst seit 1957 dabei sind, nicht die, die erst seit 1990 dabei sind) und da gibt es bei mir umme Ecke die Traumschleifen. Leider oder Gott sei Dank sind es aber genau 111 Traumschleifen und ich habe erst ungefähr 48,2 Prozent unter die Füsse genommen. Ich bin natürlich bemüht, meinen Traumschleifenquotienten zu erhöhen, dafür muss/sollte ich immer neue Wege gehen. Wenn ich allerdings mit einer größeren Gruppe gehe, wie zuletzt Anfang Juli, schlage ich wiederum gerne Wege vor, die ich schon kenne und schätze.

 

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Also bin ich den Cloef-Pfad gewandert, den ich schon vor zwei Jahren gegangen bin. Gut, da erwartet man eben die gleiche solide Wegführung. Aber nichts da. Die ersten ungefähr zwei/zweieinhalb Kilometer des Cloef-Pfads waren vollkommen NEU, spektakulär an Felsen vorbei und über Felsen drüber, schmale Pfade ohne Ende und als Highlight eine Passage durch einen mediterran anmutenden Hof in Orscholz. Très magnifique! Nicht genug der Neuerungen, der Cloefpfad schien runderneuert, gepimpte Version, Wanderweg 4.0 sozusagen.

 

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Denn dass der Baumwipfelpfad mit dem Aussichts-Wendel-Wandel-Turm soooo schnell fertig würde, hätte ich nicht gedacht. Von unten an der Saar stehend sieht er etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie eine hölzerne Riesenwarze über der Cloef. Wenn man oben am Saarschleifen-Aussichtspunkt steht, geht es eigentlich. das Ding ist schon monströs, aber von vielen Bäumen umsäumt/versteckt. Eins bleibt auf jeden Fall unberührt, beim Blick vom saarländischen Balkon…

 

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… die Aussicht auf der Dom, äh, auf die Saarschleife. Wenn man sich dann an den Baumwipfelpfadturm gewöhnt hat und weiter Richtung Atrium wandert, sieht man die gigantischen Dimensionen dieses Projekts. Für schlappe 21,50 Euro (das sind annähernd 40 Pfund, liebe Engländer) kann man mit der Kleinfamilie den Baumwipfelpfad entlang gehen. Mal gucken, ob ich das investiere. Ich habe – statt Baumwipfelpfad – lieber am Ende des Wegs für den höchst gelungenen Cloefpfad fünf Euro gespendet und bin dafür mit einem halb-esoterischen Spruch belohnt worden.

 

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Der Kalorienpfad

Geschrieben am um 7:42

Die alte Gretchenfrage an den Wanderer ist doch: Warum wanderst Du? Da gibt es naturgemäß tausend Gründe, jeder setzt da unterschiedliche Schwerpunkte. Aber über einen Fakt sind sich alle Gesundheitsapostel einig: Wandern macht schlank. Wenn man möchte. Es ist natürlich ein Problem, wenn nach dem Wandervergnügen etliche Belohnungsbiere den Gewichtsverlust ausgleichen. Aber gehen wir einmal davon aus, man könnte nach einer Wanderung auch ein leckeres stilles Wasser oder einen grünen Tee genießen. Dann kann man wirklich beim Wandern abnehmen.

 

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Wer spüren will, wie die Kalorien dahin schmelzen, sollte nach Hilchenbach ins Siegerland fahren. Dort gibt es den Kalorienpfad rund um den Breitenbach-Stausee. Mit sieben Kilometer nicht furchterregend lang, aber damit der Abnahmeeffekt steigt, hat man sich einen Trimm-Dich-Pfad 4.0 mit hochmodernen Geräten ausgedacht. Über die oben abgebildete Brücke soll man übrigens nicht balancieren, das wäre unter Umständen ungesund, obwohl man natürlich auch im Krankenhaus mit zwei gebrochenen Beinen bei Schon-Kost schön Gewicht verlieren kann. Nein, man soll sich an dem Sportgerät entlang hangeln. Etwas merkwürdig fällt nur die Bedienungsanleitung aus …

 

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… wenn ich das richtig verstehe, ist es mega-supi, wenn ich das einmal schaffe. dafür gibt es den vollen Smiley. Wenn ich das zweimal schaffe, na ja, geht so. Und richtig mies ist viermal. Hääää? Je mehr ich mich anstrenge, desto schlechter ist das? Ist das Programm von radikalen Anti-Kapitalisten geschrieben worden? Auf jeden Fall kann man auf diesem kurzen Kalorienpfad schön nachverfolgen, wie die Kalorien verschwinden …

 

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Wie die legendären Schogetten machen sich die kleinen Kalorien auf und davon, je mehr man geht, desto mehr sind verschwunden. Wir fühlen uns schon ganz leicht. Sehr schön ist die Station, an der ein paar Festmeter Holz umgeschichtet werden müssen …

 

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… nach dieser Lumberjack-Übung fühlt man sich fit für einen sechswöchigen Wanderurlaub in Kanada ohne Kompass und Wanderkarte. Aber soll ich Euch mal sagen, was für mich das schönste Fitnessprogramm beim Wandern ist? Antwort: Einfach ein schöner Weg. Denn der verschafft einem die nötige glückliche Entspanntheit, die für ein unglaubliches Körpergefühl sorgt. Egal, was dann hinterher die Waage sagt.

 

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Ein Felsen wie ein Stiefel

Geschrieben am um 8:03

Im Saarland pilgert man zum großen Stiefel, das habe ich schnell gelernt, als ich vor einigen Jahren in das kleinste Bundesland Deutschlands gezogen bin. Da ich seit zwei Jahren der Chefwanderbeauftragte von BÄR-Schuhen bin, bin ich mal wieder zum großen Stiefel in St.Ingbert vor den Toren von Saarbrücken gewandert. Ich hatte mir für meine Tour extra einen Mittwoch Nachmittag frei gehalten, denn als Wanderfreund weiß man, die Stiefel-Hütte, die hat nur Mittwoch Nachmittag und Sonntag geöffnet.

 

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Denn die Wanderhütte am großen Stiefel gehört zum eng gewebten Netz der Wanderhütten des Pfälzischen Wald Vereins, die in Deutschland in punkto Urigkeit unvergleichlich sind. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich – wieso Pfälzischer Wald Verein mitten im Saarland? Die Saarländer und die Pfälzer, das muss man dazu sagen, verhalten sich zueinander wie Feuer und Eis, wie Köln und Düsseldorf, wie Nord- und Südkorea, wie Geha und Pelikan. Man muss aber wissen, dass der südöstliche Teil des Saarlands bis 1920 zur bayerischen Pfalz gehörte, weswegen es (Gott sei Dank) auch im Saarland P.W.V. Hütten gibt.

 

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Aber ohne Schweiß kein Preis. Es geht ein ziemlich steiler Weg hinauf zun Stiefel-Felsen, da musste ich hinauf stiefeln mit meinen herrlichen Sieben-Meilen-Stiefeln. Oben am Felsen stellte ich fest, dass der Stiefel-Felsen eigentlich Stiefeler Felsen heißt. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Irgendwie hört sich das sehr sehr komisch an. Ich bleibe dabei, das ist der Stiefel-Felsen.

 

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Denn dieser Felsen ist wirklich klasse. Manchmal hat man es ja mit Felsen-Benamsungen zu tun, die einen verzweifeln lassen. Die drei steinernen Jungfrauen auf der Ostalb sehen zum Beispiel eher aus wie Mensch-Ärgere-Dich-Spielfiguren (siehe Gesammelte Wanderabenteuer Seite 356). Gaaaanz anders der Stiefel-Felsen, da sieht man direkt: so wird ein Schuh draus. Ein SCHUH, denn ein Stiefel ist das Ding nicht, es ja gar kein hoher Schaft bis knapp unters Knie erkennbar. Nein, das ist ein richtiger Wanderschuh. Und da man sieht, dass der Platz für Zehen und Vorderfuß gigantisch ist, muss es eines der Ursprungsmodelle von BÄR sein.

Ich habe mich aber nicht lange mit diesen Überlegungen aufgehalten, sondern bin wie ein gestiefelter Kater noch einige Höhenmeter weiter gegangen, denn es lockte ja das Belohnungsbier in der Hütte. Was für eine Enttäuschung, als ich sah: Die Hütte hat geschlossen. Und auf dem Schild mit den Öffnungszeiten war der Mittwoch einfach schnöde durchgestrichen. Kinners, so geht das aber nicht!

 

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Glücklicherweise hatte ich auf der Hinfahrt einen zauberhaft schönen Biergarten im Dorf Sengscheid unterhalb des Stiefel-Felsens entdeckt. Dort saß ich unter den Linden und durfte mir das Hofpengold durch die durstige Kehle rinnen lassen. Beim Thema Bier und Stiefel denke ich natürlich sofort an das Sommerfest bei den BÄRs am 5. August. Es gibt nicht nur ein Super-Programm, eine Super-Wanderung am Neckar, sondern auch die Weltpremiere des Joe-Nimble-Biers. Schuh und Bier, Bier im Schuh, das wird bestimmt eine tolle Sache. Ich werde berichten. Nächsten Monat.

 

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„Wir sind heute 16 Kilometer gewandert!“

Geschrieben am um 6:59

Mit einer großen Wandertruppe zu wandern finde ich toll. 25 bis 30 Leute gehen mit, denen ich meine Lieblinsgwege zeige, ein paar gut abgehangene Anekdoten erzähle sowie geduldig auf die Lieblingsfrage („Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Harald Schmidt?“) antworte. Alle haben großen Spaß, spätestens beim Belohnungsbier setzt sich allgemein das Wander-Du durch und wir singen „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ So ist das normalerweise bei „meinen“ Gruppenwanderungen.

Etwas anders stellte sich die Situation an einem leidlich sonnigen Freitagvormittag im Juni dar. Ich hatte im Rahmen eines Artikels im Seniorenblatt „Kölner Leben“ eine kurze, flache Wanderung auf dem Kölnpfad vom Königsforst durch die Wahner Heide nach Wahn angeboten. 10,8 Kilometer, ungefähr. Als ich aus der Straßenbahn stieg, standen da 116 Menschen, die mit mir wandern wollten. Schluck. Um es kurz zu machen, ich habe sie alle heil zum Ziel in der Gaststätte Eltzhof gebracht.

 

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Wander-Du und gemeinsames Schunkeln gab es aber nicht, eher war die Stimmung leicht gereizt, weil sehr viele Senioren Stein und Bein schworen, dass die Gesamtstrecke die angekündigten 10 Kilometer weeeeiiiit überschritten hätten. Einige zeigten mir als Beweis ihren Schrittzähler (Schrittzähler, nicht Herzschrittmacher!). Die meisten dieser Hightechinstrumente zeigten 12 Kilometer, einer sogar 16 Kilometer…

 

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Ich versuchte zu argumentieren, dass es eher unmöglich sei, mit einer Gruppe von 116 Leuten mit etlichen Pausen sechzehn Kilometer in gut drei Stunden zu schaffen. Aber dann musste ich irgendwann Abbitte leisten. Ich gebe zu: es waren über 10 Kilometer, wahrscheinlich auch über 16 Kilometer, wahrscheinlich waren es 21 Kilometer mit einer Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit (WDG) von ungefähr 7 km/h. Die russische Leichtathletik lässt grüßen.

Zur Erinnerung für alle, die an dieser High-Speed-Veranstaltung teilgenommen hatten, füge ich hier noch mal den Panoramablick auf die Wahner Heide (die ist eine ganz wilde) an. Diesen Blick hat vielleicht der eine oder andere meiner Wander-Senioren im Geschwindigkeitsrausch verpasst…

 

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Mittsommer im Renchtal

Geschrieben am um 7:49

Ihr erinnert Euch. Letzte Woche hatte ich von meiner Wandertour auf dem Brennersteig im Renchtal berichtet. Und vom Hafer-Pflaumen-Schnaps von Brenner Huber. Und nach dem ersten Schluck dieses genialen Getränks hatte ich kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen. Ich öffnete die Augen wieder und alles wurde dunkel um mich herum. Und wenige Sekunden später regnete es junge Hunde. Starkregen, Gewitter, ein typischer Sommertag 2016 eben. Was sollte unsere Wandertruppe machen? Die Rettung war die Gastfreundschaft von Familie Huber.

 

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Die Hubers machten spontan ihre Garage zu einem Zufluchtsort, spendierten Kaffee, Kekse und natürlich Schnaps – herrlich. Als es drohte langweilig zu werden, präsentierte Opa Huber (88 Lenze jung) seine beeindruckende Sammlung selbst hergestellter Wanderstöcke.

 

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Mitwandererin Gabi erstand einen Stock für eine Freundin – aber nicht als Wanderutensil, sondern als Material für einen Hexenbesen. Ganz ehrlich, so sind sie, die Frauen im Renchtal.

Später wechselten wir vom Brennersteig auf den Renchtalsteig, einen 98,2 Kilometer langen Qualitätsweg. Um diesen Weg zu würdigen, wurde am Rastplatz Ofenloch eine 9,82 Meter lange Bank aufgestellt. Gemeine Halunken haben, so wurde mir erzählt, die Bank in einer Nacht- und Nebelaktion um ca. 50 Zentimeter kürzer gemacht, einfach einen Teil der Bank abgesägt. Gemäß der Längenlogik wurde dann auch der Renchtalsteig um 5 Kilometer verkürzt.

 

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Der Höhepunkt meiner Wanderung auf Brennersteig und Renchtalsteig war die Festwiese des Mittsommerfestes im Renchtal. Weil mich die Fußtour noch nicht ausgelastet hatte, hat Fat-Andrack sich auf einem Fat-Bike mit Elektro-Unterstützung betätigt. Ich muss sagen, auch mit einem E-Bike kann man sportlich bergan fahren, aber mit der elektronischen Unterstützung fliegt man bergauf und das macht schon sehr großen Spaß. Ich habe einige meiner E-Bike-Vorurteile über Bord geworfen.

 

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Zum romantischen Schluß habe ich dann noch den Sonnenuntergang und das Mittsommerfeuer genossen und mal wieder gelernt: Hab keine Angst vor gruselige Wettervorhersagen, es wird dann doch (meistens) schöner als gedacht. Wenn die Erwartung niedrig ist, ist das Wanderglück umso größer…

 

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Der Brennersteig

Geschrieben am um 6:45

Kürzlich dachte ich, dass ich mal die Perspektive wechseln sollte. Nicht nur immer die Unterhopfung bekämpfen, nicht nur manisch vom Belohnungsbier träumen. Auch nicht (wie am Moselsteig) dem Reiz der Reben erliegen oder gar ganz auf Alkohol verzichten (geht das beim Wandern überhaupt???). Nein, ich habe mich auf eine Reise in’s Reiche des Hochprozentigen begeben. Meine erste Assoziation zum Brennersteig war natürlich, dass ich mich auf einem Weg in Östereich wähnte, angelegt zu Ehren von Kommissar Brenner, Kultbuch Hilfsbegriff. Aber es ging im Renchtal in der Nähe von Oberkirch auf den insgesamt 13,9 Kilometer langen Brennersteig. Bevor ich aber den ersten Schabau (so nennt der Kölsche den Hochprozenter) verkostet habe, wanderte ich am Material des Brenners vorbei…

 

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… keine Schwarzwälder Kirschtorte kommt nun mal ohne Schwarzwälder Kirschwasser aus und Schwarzwälder Kirschwasser gibt’s nicht ohne Schwarzwälder Kirschen. Aber diese Kirschen sind sehr klein, um nicht zu sagen mickrig, nicht zu vergleichen mit prallen Sauerkirschen zum Verzehr. Daher, so lernte ich, heißen die kleinen süßen roten Dinger Brennkirschen oder Schnapskirschen.

Eine kleine Unterweisung in die Schnapskunde erhält man bei Brenner Halter, der ersten Station auf dem Brennersteig. Auf einem Schnapslehrpfad sieht man die Pflanzen, die das „Material“ für den Hochprozenter liefern: Walnuss, Zwetschge, Holunder. Und in einem Holzkästchen versteckt sich das gebrannte Endprodukt zum Verkosten …

 

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Am Ende des Schnapslehrpfads wirft man dann einen Euro pro Schnapsprobe in ein Kästchen. Wenn man dann noch in der Lage ist, alle Gläschen zusammen zu rechnen.

Nach dem ersten Brenner hatte ich schon leichte Aussetzer. Wanderführer Gerd vom Schwarzwaldverein sprach ständig davon, wir kämen bald am Grünen Baum vorbei. ich dachte nur, was haben sie dem Armen denn in den Schnaps getan, hier stehen doch ganz viele grüne Bäume herum. es handelt sich beim Grünen Baum allerdings um eine Vier-Sterne-Hotel.

 

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Der „Grüne Baum“ ist übrigens kein Schnapshisli, sondern ein Wellness-Hisli. Der Bade scheint wie der Schwabe auf Verniedlichungen zu stehen. Denn der Kurze wird im Renchtal Schnäpsle genannt. Neben der Schnapsverkostung sind wir natürlich auch gewandert. Und eins kann ich mit Sicherheit sagen: Die Aussichten auf dem Brennersteig, die muss man sich wirklich nicht schön trinken, die sind einfach atemraubend.

 

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Beim Brenner Hube habe ich sechs Aussichten später einen ganz besonderen Schnaps getrunken: Hafer-Pflaume, eine gigantische Kombi. Ein Brand, der gar nicht brennnt, sondern geschmeidig-wärmend alle Geschmacksknospen aktiviert, ganz großes Kino!

 

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Ich hatte kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen, machte sie auf und alles wurde dunkel um mich herum. Und was dann geschah, erzähle ich nächste Woche auf andrackblog.de


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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