Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Schwarzbrenner, Vitamin C und die Explosionsgefahr

Geschrieben am um 06:53

Ich gebe es zu, ich habe schon des öfteren die beglückende Schönheit eines Belohnungsbieres gepriesen. Das sollte aber nie, wirklich nie, ein Aufruf zum Alkohol-Mißbrauch sein. NIE! Auch eine Belohnungs-Apfelschorle, oder, sagen wir mal, eine Belohnungs-Johannisbeerschorle (schöne Grüße an Michael!) oder auch ein Belohnungs-Düsselwasser (schöne Grüße an Friedhelm) ist etwas gaaaaanz Tolles. Ehrlich. Denn wenn man die zerstörende Wirkung von Alkohol sehen möchte, muss man auf den Wisentpfad durch Wingeshausen wandern.

 

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Dort geht man an der Kneipe “Schwarzbrenner” vorbei, die sehr wandererunfreundliche Öffnungszeiten hat: Freitags und Samstags ab 18.00. Dann öffnet Kevin die Türen. Kevin ist der junge Mittzwanziger auf dem Foto, das viele schwarzbrennen lässt den armen Kevin ziemlich alt ausehen.

Kürzlich bin ich in Frankreich gewandert, genauer im Départment Hautes Seine nahe von Paris. Sehr hilfreich fand ich bei beim Zurechtfinden dieses Schild:

 

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Das ist doch mal eine sehr konkrete Ortsbeschreibung, von einem Wald … zum anderen. Noch zu ergänzen wären die Orientierungsangaben “von einem Misthaufen … zum anderen” und “von einem Schwarzbrenner … zum anderen”.

Jetzt zum Thema Vitamine. Manchmal ist es doch so einfach, auf Kinderfragen zu antworten. Wo kommt die beste Schokolade her? Natürlich aus den Eutern der lila Kühe. Zuletzt sah ich am Rheinsteig bei Rüdesheim auch die Antwort auf die Frage, wo der Saft vom “Hohen C” wächst. natürlich an den Weinhängen des Rheins, und zwar praktischerweise direkt in die Tüte rein.

 

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Ich wollte den Rheinsteig einfach weiter wandern, aber DANN! HILFE!!! EXPLOSIONSGEFAAAAHR!

 

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Wer in der Gegend von Rüdesheim auf dem Rheinsteig wandert, sollte sich bloss keinen Millimeter vom Hauptweg weg bewegen, sonst droht Extrem-Pulverisierung. Gut, das gilt eigentlich auch anderswo, wer sich von den Wanderwegen weg bewegt, der riskiert sein Leben. Als Pilzsammler (Achtung! – Vergiftungsgefahr!) Natürlich auch für junge Liebespaare (Achtung! – Nachwuchsgefahr!) Und auch für An-den-Weidezaun-Pinkler (Achtung! – Elektroschockgefahr!) Nicht nur schwarzbrennen kann die Haut eben sehr alt aussehen lassen.



Fünf Gründe, warum man den Wasserfallsteig auf jeden Fall wandern sollte

Geschrieben am um 06:48

Oft gibt es – wie es so schön in der Mathematik heißt – eine notwendige Bedingung, einen Weg zu wandern. Manchmal auch zwei. Gaaaanz selten gibt es aber auch fünf gute Gründe einen Weg zu wandern. Ich bin in’s ferne Schwabenland gereist und den Wasserfallsteig von Bad Urach gewandert. Und wahrlich ich sage Euch, hier sind die Top-Fünf-Gründe, diesen Premiumweg zu wandern:

Top-Grund 5, den Wasserfallsteig zu wandern:

Ich habe mein Wanderlebtag noch nie eine derartige Völkerwanderung von Lurchis gesehen. Feuersalamander sind nicht überaus häufig, aber in Bad Urach scheinen Sie ihr persönliches Glück am Wasserfall gefunden zu haben. Man sollte sie in Wassersalamander umbenennen.

 

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Top-Grund 4, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wenn man die erste größere Steigung hinter sich hat, wartet eine Erfrischungsbude auf den durstigen Wanderer, die Wasserfallhütte. In Sachsen würde man den Getränkekiosk Baude nennen. Was die Sachsen den Schwaben voraus haben: Die Getränke sind kühler. Aber der Schwabe sagt sich, das Geld für den Kühlschrank kann man sich doch eigentlich sparen, die Leute sind nach dem Aufstieg so durstig, die trinken auch warmes Bier.

 

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Top-Grund 3, den Wasserfallsteig zu wandern …

… ist einfach die Albtrauf. Mehr Balkon geht nicht. Allerdings, um es mit den Bläck Fööss zu sagen: Es fehlt nur vom Balkon, die Aussicht auf den Dom.

 

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Top-Grund 2, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wer kennt das nicht, am Vorabend hat man dem Belohnungsbier nach einer erfüllenden Wanderung zu eifrig zugesprochen – der Kopf brummt, das Aspirin ist mitsamt der gesamten Reiseapotheke zu Hause geblieben (Stichwort: Gewicht im Rucksack sparen), als was tun. Da helfen die extra-niedrigen Bahnunterführungen von Bad Urach, wenn man einmal kräftig gegen die Betonkante gelaufen ist, denkt man mit Sicherheit nicht mehr an den Kater.

 

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Top-Grund 1, den Wasserfallsteig zu wandern:

Da war doch noch was? Aaah ja, klar, am Wasserfallsteig gibt es natürlich, wenig verwunderlich, denn sonst wäre es ja ein Fall für den Etikettenschwindelbeauftragten der Bundesregierung, einen WASSERFALL!

 

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Und der ist gewaltig, nicht so ein Gerausche über ein paar Steine, also das, was sie in NRW zum Beispiel einen Wasserfall nennen (siehe Blog vom 1. September) Nein, in Bad Urach schießt ein Strahl feuchter Urgewalt den Felsen herab. Großes Kino!



Danke Stefan!

Geschrieben am um 06:15

Seit diesem Herbst bin ich auf Wanderschaft für den jungen, aufstrebenden Wanderklamottenhersteller Fifty Five. Dabei habe ich mit Fifty-Five Marketingleiter Stefan schon so manches Abenteuer erlebt, manchmal an der Grenze zur Illegalität. Denn dass Stefan noch so manche Leiche – nicht im Keller – aber im Kofferraum hat, habe ich mit Schrecken sehen müssen.

 

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Aber, keine Frage, Stefan hat sich wandertechnisch voll reingehauen. Dabei präsentierte er der gesamten Wandertruppe sehr elegant eine neue Kreation von Fifty Five, die Vintage-Wander-Dreckshose, fertig lieferbar inklusive Schlammspritzer. Da muss man gar nicht gewandert sein und sieht schon aus wie Sau nach einer zweiwöchigen Trekkingtour. Spitze!

 

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Gleich geht es weiter mit einer traumhaften Aussicht, erst aber eine kleine Werbepause …

Willst Du Dir auch die coolen Klamotten bestellen

Musst Du bei fifftyfive.eu vorbeischaun – auch die Ellen

Wer diese Ellen ist, verrate ich Euch nächste Woche…

 

Aber jetzt weiter zu meiner Wanderung mit Stefan. Wir waren auf dem Premiumweg Jägersteig im Schwarzwald unterwegs, standen am Aussichtspunkt Bildstein, guckten, staunten, und konnten uns vom Ausblick auf den Schluchsee kaum losreissen. Noch beeindruckender als die Aussicht auf den Gebirgssee fand ich aber den Blick auf Stefans quietschorange Soft-Shell-Weste, eine Mischung aus holländischem Fan-Wear, Müllfahrer-Jacke und Pannenoutfit.

 

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Ewig dankbar werde ich Stefan aber sein, dass er sich bei unserer Wanderung auf dem Wisentpfad als Fluchthelfer aus einem sauerländischen Großgehege betätigte (ist das eigentlich strafbar?) und der ganzen Wandertruppe so einen halbstündigen Umweg ersparte. Fünfundfünfzig-fachen Dank dafür!

 

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Wer spontan mit Stefan, mir und Fifty Five wandern möchte: Am Samstag gehen wir ab 15:00 am Niederrhein auf dem Nette-Seen-Pfad und am Sonntag ab 10:00 im Saarland auf dem Bietzerberger. Anmeldungen unter fiftyfive.eu



Meine Wanderfreunde Richard und Martin

Geschrieben am um 18:22

Liebe Andrackblog-Leser, Ihr wisst ja, dass mich eine besondere Wanderfreundschaft mit den Wandereren des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Pberboihingen verbindet. Immerhin darf ich ja seit 2010 auch sagen: “Ick bin ein Oberboihinger”. Zuletzt war ich mit den Lausejungen und Lausemädels auf dem Traufgang “Zollernburgpanorama” (im rahmen der Aktion „Kytta bewegt“) unterwegs, man sieht die erstaunlich vitale Wandertruppe auf diesem Fotodokument:

 

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Der Schweißfleck auf dem roten Hemd in der rechten Bildhälfte erinnert mich übrigens an einen windschiefen Kölner Dom auf einem hohen Fels.

Kommen wir zu Martin. Martin, also, den kennt ihr ja, Martin, ist doch klar, der mit der Frühlingsplatterbse und den Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-Vergleich, der Martin mit dem Rucksacktausch, ja, genau, diese Martin, der hat mir dann noch botanisch korrekt erklärt, warum es Pilze im Wald gibt. Aaaaalso: “Warum gibt es Pils im Wald? Weil Tannen zapfen.”

Aus Dankbarkeit für die Pilz-Erklärung versuchte ich dann, dem lieben Martin einen Strauß Silberdisteln zu pflücken, weil er doch soooo gerne Blumen mag. Komischerweise wollte er den Strauß nicht annehmen.

 

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Schließlich gab es noch ein Oberseminar “Schwäbische-Alb-Vereins-Wegemarkierungs-Kunde” von Richard persönlich.

 

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Aaaalso, man nehme vier Nordic Walking-Stöcke, das ist die gesamte Schwäbsiche Alb, sozusagen HW 1 und HW 2, und dann gibt es die Pfeil- und die Gabel-Markierungen und die gelben, die blauen und die roten Markierungen. Und, ich sag mal so, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, dann hat man das Rubbeldiekatz kapiert, nema problema…



Wie man auf ehrliche Weise beim Wandern Geld verdienen kann

Geschrieben am um 06:51

Wandergeschichtlich gesehen war der Wanderer nicht unbedingt mit Reichtum gesegnet. Wohlhabende reisten per Kutsche oder Pferd, das Fußvolk (sic!) war auf Schusters Rappen unterwegs. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend geändert: Mittlerweile wissen die Touristiker: Wanderer sind superreich und anspruchsvoll. Trotzdem kann es in Zeiten der Eurokrise nicht schaden, sich über alternative Verdienstmöglichkeiten, die quasi am Wegesrand liegen, Gedanken zu machen.

 

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Erste Möglichkeit: Golfbälle suchen, reinigen und weiterverkaufen. Ich las kürzlich, dass es professionelle Golfballtaucher gibt, die in den Teichen der Golfanlagen tauchen und mit den recycelten Bällen gutes Geld verdienen. Auf dem Neanderlandsteig zwischen Ratingen und Homberg geht man an zwei Golfplätzen vorbei. Da kann man die Tauchausrüstung daheim lassen, man muss sich nur links und rechts des Weges auf eine lustige Eier- äh Golfballsuche begeben. Und ein wenig Fleiß vorausgesetzt, steht dem Reichtum nichts mehr im Wege.

 

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Wir sehen auf diesem Foto, wie ein Neanderlandsteig-Läufer eine neue Markierung anbringen muss. Immer wieder werden leider auf allen Wanderwegen der Republik Markierungen entfernt. Nun hörte ich, dass das beileibe kein Lausbubenstreich ist – der Markierungsklau ist eine Straftat und kostet bis zu 50.000 Euro! Da muss man sich nur noch zum Wanderwege-Sherlock ausbilden lassen, die Übeltäter überführen und das Strafgeld kassieren, schon ist man ein gemachter Mann.

 

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Wer lieber kreativ sein Geld verdienen möchte, kann die Landesbühne in der Nähe des Hönnetals an der Sauerland-Wanderroute nutzen. Man kann dort wahlweise Shakespeare, Boulevardtheater oder Kasperle zum besten geben, das Wanderpublikum wird glücklich sein und einiges an Eintrittsgeld springen lassen – so werden Sie reich als Intendant ihrer eigenen Waldbühne.

Das waren nur drei Möglichkeiten, beim Wandern Geld zu verdienen. Meistens allerdings reicht es, beim Wandern reich an Erfahrungen zu werden, das ist dann auch okay.



Bierbrunnen und Krimwandern

Geschrieben am um 07:17

Am vergangenen Wochenende war ich, wie eigentlich immer in den letzten Jahren, auf der Wandermesse Tour Natur in Düsseldorf und habe Euch die neusten Wandertrends mitgebracht. Am Stand von Bad Peterstal-Griesbach präsentierte mit Premiumwege-Enthusiast Axel Singer seinen gepimpten Wiesensteig.

 

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Ich war sehr beeindruckt, hatte ich doch schon ab und an von Wasserbrunnen gehört, auch Schnapsbrunnen waren mir auf dem Peterstaler Schwarzwaldsteig schon begegnet. Aber Wein- und Bierbrunnen, das hört sich ja wirklich wie das wahr gewordene Paradies an. Nur konsequent, dass die Brunnen geographische Ziele wie Berggipfel und Aussichtspunkte als Anhaltspunkte abgelöst haben. „Schatz, noch 6,2 Kilometer bis zum Bierbrunnen“, das sind doch klare Motivationshilfen.

Am Sonntag verließ ich kurz das hektische Messetreiben und habe den letzten Abschnitt des Neanderlandsteigs zwischen Ratingen und Erkrath eröffnet. In Gut Höhne, einer edlen Restauration vor den Toren Mettmanns, durften wir auf einer Wiese eine Vesper-Rast machen.

 

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Der mitwandernde Landrat des Kreises Mettmann wies mich darauf hin, dass auf diesem Rasen dereinst ein veritabler Fußballplatz existierte, auf dem unter anderem die argentinische Nationalmannschaft bei der WM 1974 trainierte. So gingen die Gouchos, die Gouchos gingen so…

Erstmals auf der Messe waren meine lieben Wanderfreunde aus Dänemark und Frankreich, Lis und Armand.

 

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Gut gelaunt präsentierten Sie die Leading Quality Trails, die Qualitätswege des europäischen Wanderverbands. Lis ist ja eine international sehr engagierte Wanderfunktionärin, immer auf der Suche nach europäischen Ländern, die sich dem europäischen Wanderverein anschließen. Mit ihrem bezaubernden dänischen Dialekt erzählte sie mir, es sei ja so “sss-ade”, aber die Ukraine wäre kurz vor der Krise kurz davor gewesen, dem Europäischen Wanderverband beizutreten. Jetzt würde daraus wahrscheinlich nichts mehr. Man müsse wissen, so Lis, “auf der Krim sss-um Beispiel, da gibt es sss-uper markierte Wanderwege.” Jetzt wundert mich auch nicht, warum dort die Russen so zügig einmarschieren konnten. Und ich glaube, die rote Armee hätte sich auch sehr über Wein-, Bier- und Schnapsbrunnen am Wegesrand gefreut. Nastrowje!



Das Glück des Wanderers

Geschrieben am um 07:17

Kürzlich war ich zu einer sehr hübschen Veranstaltung im Nordsschwarzwald eingeladen: Eine Wanderlesung in der Glücksgemeinde Schömberg im Kreis Calw. Als ich hörte: Glücksgemeinde, Wandern, Lesung, wusste ich: da bin ich richtig.

 

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Okay, so viel sind wir gar nicht gewandert, weil wir haben ja ständig gestanden und gesessen, weil ich gelesen habe, oder der Wanderführer etwas erklärt hat. Aber wir hatten echt Glück, dass wir in einer Art schwäbischem Stonehenge, einem modernen Kraftfeld des Nordschwarzwaldes eingekreist wurden. Die meiste Kraft und Glückspower kam aber vom regionalen Kirschwasser, das die Runde machte.

Mitwandererin Susanne, diplomierte Heilkundlerin und Naturkräuterexpertin, hat mich nicht nur glücklich gemacht, weil sie mir gefühlte 300 verschiedene Pilz- Blumen und Kräuter am Wegesrand erklärt hat und ich daran riechen durfte.

 

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Nein, am glücklichsten hat mich Susanne gemacht, indem sie mir zeigte, dass man ein Buch (in dem Fall ganz zufällig mein Buch) auch prima als Herbarium nutzen kann. Jetzt mal ehrlich liebe Kinder: versucht das mal mit einem Kindle, da habt ihr aber nicht lange Freude an den Pflanzen.

 

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Immer wieder mussten die Mitwanderer stoppen, damit ich allen meine Wanderabenteuer vorlesen konnte. Aber es war ein befriedigendes Gefühl, dass alle Plätze immer voll besetzt waren, man spricht in diesem Falle unter dem fahrenden Volk von “einer vollen Hütte”.

 

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Und dann gab es noch eine Schlusseinkehr in der geilsten Skihütte des Schwarzwalds: Skihütte Eulenloch. Kinder, war das eine Apres-Ski-Sause – Ende August, ganz ohne Schnee (der im übrigen völlig überbewertet ist). Zum Glück gab es den Sprit gleich kanisterweise: weder Diesel noch Super, sondern bleifreier Most (sorry, Mooschd), der einiges konnte. Da habe ich begriffen, warum Schömberg eine Glücksgemeinde ist. Glück auf!



Der fünfte Wanderbahnhof in NRW

Geschrieben am um 11:17

Ein rundes Jubiläum im größten deutschen Bundesland: Zum fünften Mal schon wurde der wanderbarste Bahnhof des Landes ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte der Bahnhof von Schladern an der Sieg die Ehrung entgegen nehmen.

 

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Auf dieser Panoramaaufnahme von Schladern kann man den Bahnhof (ganz in Rot) etwas rechts vom Bildzentrum hervorragend erkennen. Traditionell eröffnete ich den Wanderbahnhof mit den Gewinnern von “wunderbar wanderbar” und dem Verkehrsminister von NRW, Herrn Groschek. Herr Groschek ist immer froh, es mal nicht mit kaputten Autobahn-Brücken zu tun zu haben, sondern mit hervorragenden Wanderwegen. Und der Verkehrsminister erfreute sich am Highlight von Schladern, den Niagara-Fällen der Region.

 

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Beim Siegwasserfall von Schladern handelt es sich angeblich um den breitesten und höchsten Wasserfall von, Trommelwirbel – - – NRW. Kann das wirklich stimmen?

Aber der Sieg-Wasserfall ist nur einer von sehr vielen Highlights des Mäanderwegs rund um Schladern. Ein anderes ist die Burg Windeck. Die größte Sensation aber ist die Super-Super-Gulaschsuppe des Cafés am Fuße der Burg.

 

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Mir wurde aber nicht klar, ob die Gulaschsuppe so super ist, oder alleine die Tatsache, dass es überhaupt dort etwas zu essen gibt. Wirklich phantastisches Essen gab es dann aber zum Abschluss der Wandertour im Biergarten “Elmore”. Ein höchst alternatives Unternehmen mit selbst gemauertem Holzbackofen und vielen vegetarischen Spezialitäten. Unter anderem: “Gemüsesticks mit Dinkelkräckern” sowie “Gemüsedings mit Curryzeugs (voll veggie)”.

 

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Auch im Elmore war der Minister und seine Familie übrigens noch dabei – keine Selbstverständlichkeit, lassen sich doch hochrangige Politiker bei einer solchen Wanderung gerne mal, nachdem die Pressefotos gemacht sind, von ihrem Chauffeur abholen. Oder sie sind gänzlich am Wandertag “verhindert”. Nicht so Wanderminister Groschek, der schon seit drei Jahren mitwandert, Chapeau!



Auf der Suche nach dem Hasen in der Kammer

Geschrieben am um 12:07

Anfang letzter Woche bin ich die Bopparder Traumschleife „Hasenkammer“ gewandert. Im Unterschied zu den anderen fünf Traumschleifen in Boppard gibt es keinen Rheinblick, sondern Hunsrück pur. Und die Suche nach der Kammer des Hasen. Zu meiner großen Freude war bei der Wanderung wieder der BBB dabei, der Bopparder Bürgermeister Bersch.

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Dr. Walter Bersch ist der Mann am rechten Bildrand, der gerade den Mund etwas voll genommen hat. Sie waren aber zu köstlich, diese süß-reifen Mirabellen an dem Obstbaum am Wegesrand. Ich habe mindstens zwanzig davon genossen. Wir waren am Ortsrand des Bopparder Ortsteils Herschwiesen gestartet. Und – wie der Namen schon andeutet – gibt es rund um Herschwiesen viele Wiesen, Obstwiesen. Traditionell sind Streuobstwiesen ein Jahrhunderte altes Kulturgut. Nicht so rund um Herschwiesen. Dort sind dank Bürgerengagement seit 2006 etliche Obstbäume gepflanzt worden.

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Eine der Verantwortlichen für das Obst-Wunder von Herschwiesen ist Peter Kreiser, Vorsitzender des Vereins Pro Obst. Man kann sich allerdings auch nicht vorstellen, was ein Verein Contra-Obst bezwecken sollte. Peter Kreiser zeigte mir auf jeden Fall eine Info-über-Obst-Klappe. Achtung, nicht einfach achtlos auf der Traumschleife „Hasenkammer“ an allen Info-Tafeln vorbei laufen, einfach mal alles hochklappen, was klappbar aussieht, vielleicht ist noch eine Info darunter versteckt.

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Wir erreichten dann ziemlich zügig einen Schießstand, an dem man in aller Ruhe auf die Hasen in der Kammer schießen kann… Ach ne, Quatsch, das sollte ein Bilderrahmen sein, um das Dorfzentrum von Herschwiesen mit der bemerkenswert prächtigen Barockkirche St.Pankratius in’s rechte Bild zu rücken. Der Bilderrahmen war aber derart niedrig platziert, dass man – eigentlich passend zum sakralen Bildinhalt – schon hinknien musste, um den Kirchturm im Bildmittelpunkt zu haben.

„Hasenkammer“, der Titel unserer Traumschleife, ist übrigens eine Flurbezeichnung, durch die wir kurz hinter Herschwiesen wanderten. Um es vorwegzunehmen: Wir haben keinen Meister Lampe auf unserer Wanderung gesehen.

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Allerdings trafen wir einen riesigen Schmetterling. Aus Filz. Diese Filzinstallation gehörte zu einer Reihe von künstlerisch gestalteten Filzobjekten, die am Wegesrand hängen, liegen oder an Bäumen versteckt sind. Dass es eine ganze Filz-Kunstgattung gibt, war mir neu. Ich wusste nur, dass der legendäre Joseph Beuys ab und an ganz gerne mit Filz und Fett gearbeitet hat Der Schmetterling ist auf jeden Fall in Nassfilztechnik mit extrafeinem Merino-Vlies gestaltet worden, Chapeau!

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Aus der lieblichen Hasenkammer ging es hernach hinab in’s dramatisch wilde Tal des Brodenbachs. Das Brodenbach-Tal ist eine echte Entdeckung, führt dieses Tal in der Region doch ein wenig ein Schattendasein hinter der ungleich berühmteren Ehrbachklamm und dem Baybachtal. Erfreulich lange schlängelte sich die Traumschleife am romantischen Brodenbach entlang bis zur Grenze.

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Denn schon bald ging es hinauf aus dem Tal und wir verliessen die EU, an Wechselstuben am Wegesrand konnte man Euro in Franken wechseln, denn es ging in die Schweiz. Eine Schweiz ohne löchrigen Käse, Kuhglocken und Wilhelm Tell. Aber mit phantastischen Blicken über die Grüne Hölle des Brodenbacher Tals. Wir befanden uns in der Udenhausener Schweiz. Dort wird der Weguntergrund steinig, felsig, der rheinische Schiefer drängt mit Macht an’s Tageslicht. Sehr schön.

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Und plötzlich stand ein Senner mit einer Sonnenblume vor uns. Nein, nachdem ich meinen Blick scharf gestellt habe, erkannte ich, es war ein Einwohner von Herschwiesen mit einem riesigen Pilz, einem goldgelben Pfifferling.

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Und dann gingen wir hinaus aus dem Wald mit den vielen Bäumen und sahen wieder: viele Bäume, aber in der Horizontalen, die hatten sich also sozusagen schlafen gelegt. Bäume gibt es reichlich, die Gemeinde Boppard hat ordentlich Holz vor der Hütte. Der BBB erzählte mir stolz, dass Boppard nach Neustadt an der Weinstraße über den zweitgrößten kommunalen Waldbestand von Rheinland-Pfalz verfügt. Das glaubte ich gerne, die Traumschleife könnte statt Hasenkammer auch Baumhaus heißen, so viel Holz habe ich heute schon gesehen.

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Kaum hatten wir die Schweiz verlassen, ging es schon wieder um Ländergrenzen, nämlich die trilateralen Beziehungen der Gemeinden Buchholz, Herschwiesen und Udenhausen. Denn unten am Bodenbach, den wir auf dem Rückweg nach Herschwiesen erneut queren mussten, dort unten an der Holzbrücke über den Brodenbach, dort findet sich das Dreiländereck der vorgenannten Gemeinden.Schließlich ging es wieder hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung. Und wenn man, wie die Wandertruppe letzten Montag, das Glück hatte, mit dem BBB zu wandern, dann bekam man sogar ein Belohnungsbier im edlem Ambiente einer Bopparder Gaststätte spendiert. Das ist die Traumschleife Hasenkammer: Obst, Schweiz, jede Menge Holz und Landschaft, mit ein wenig Glück auch noch ein Bier, und dass alles für umme. Ganz großes Kino!



Geburtenhain, spielende Tiere und was 1933 geschah – Neues vom Neanderlandsteig

Geschrieben am um 07:01

In diesem Jahr wird der Neanderlandsteig vollendet, die letzten sechs Etappen im Norden des Kreises Mettmann werden fertig markiert und eröffnet (nächste Eröffnung am 7. September von Homberg nach Erkrath). Hier ein paar Impressionen von den neuen Wegabschnitten.

 

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Nördlich von Heiligenhaus verläuft der Neanderlandsteig im Rinderbachtal und dort sah ich an einer Holzbrücke ein Megaphon aus Metall für die Aktion: „Was-ich-meinem-Bach-schon-immer-mal-sagen-wollte“ Natürlich habe ich das direkt probiert und in einer Art Urschreitherapie mal alles rausgelassen, was ich dem Rinderbach immer schon sagen wollte. Das hat vielleicht gut getan, das war irgendwie befreiend…

 

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Den sogenannten Geburtenhain habe ich kurz hinter Velbert gesehen. Auf dieser Wiese haben aller Wahrscheinlichkeit nach in vergangenen Zeiten (1970er oder 1980er Jahre) alle Schwangeren von Velbert kurz vor der Niederkunft gezeltet, um auf dem Hain ihre Kinder zu bekommen. Der struppige Rasen sah nicht so aus, als wenn diese Tradition Bestand haben würde.

 

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Kurz vor Selbeck, einem Ortsteil von Mülheim an der Ruhr, sah ich an einem Bauernhof dieses Schild. Wie ist das zu verstehen, so im Sinne eines Warnschildes vor dem bissigen Hund, der nur spielen will? Sollte man Angst haben oder bekommen vor den Kindern und Tieren? Nun, so alt wie das Schild ist, sind ja zumindest die Kinder schon eher aus dem Haus, aber vielleicht gibt es ja auf dem Hof immer noch (Skat) spielende Tiere.

 

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Sehr schön auch auf dem Waldlehrpfad im Düsseldorfer Stadtwald, diese dicke Holzscheibe. Alle wichtigen Daten zwischen 1910 (da wurde der Baum gepflanzt) und 1999 (da wurde er gefällt) waren vorhanden:

1945 – Ende des 2. Weltkriegs,

1961 – Bau der Berliner Mauer,

1969 – Mondlandung.

Und 1933? Man denkt, ja klar, Machtergreifung der Na… – ach ne, wenn man genauer hinschaut steht dort: “1933: Fortuna wird Deutscher Meister” Was man alles auf dem Neanderlandsteig lernen kann!!!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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