Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mein Name ist Gurkasch – Thomas Gurkasch

Geschrieben am um 12:03

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge der Krimi-Serie heißt „Der Bierflüster“. Und ich darf einen rheinischen Bierexperten spielen, der in einen Mordfall verwickelt ist. Was hat denn den Rheinländer nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen? Das darf ich natürlich nicht verraten.

Beim ersten Besuch der beiden Kommissare ist Gurkasch (so mein Rollenname) noch gut gelaunt, auch wenn die beiden sich über meinen Namen lustig machen…

 

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v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber egal. Immer rein in die gute Stube, die vom Innenrequsiteur sehr dezent ausgestattet wurde. Man merkt kaum, dass dort ein Bierexperte wohnen soll…

 

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In meinen eigenen vier Wänden nehmen mich dann Kriminalhauptkomissarin Karoline Joost und Kriminaloberkomissar Lars Pöhlmann nach allen Regeln der Kunst in die Mangel…

 

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v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber vielleicht ist ja die Rettung für Thomas Gurkasch, dass er ein geniales Bier-Prüf-Verfahren entwickelt hat, welches … (STOPP! SPOILER-SCHUTZ!)

 

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v.l.n.r.: Manuel Andrack – copyright ZDF/Meyerbroeker

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge: „Der Bierflüster“



Zu Fuß zum Vesuv

Geschrieben am um 7:26

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Das war mal wieder eine Wanderung, die auch meine letzte hätte sein können. Im Hintergrund Neapel, eine Stadt, die ich ausnahmsweise nicht besucht habe, weil der 1.FC Köln dort im Europapokal spielte. (internationale Effzeh-Spiele gibt es erst wieder ab nächsten Herbst). Nein, Neapel war der Ausgangspunkt meiner Expedition hinauf zum Vesuv. Okay, ich bin natürlich wie alle anderen erst mal die Serpentinen hinauf mit dem Bus gefahren, danach – wie alle anderen – die letzten 1.600 Meter zu Fuß gegangen. Zugegebenermaßen keine alpine Spitzenleistung.

 

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Und für alle, denen das noch zu anstrengend war, bot ein junger Mann Wanderstöcke an: „For free, kooostenlos“ rief er. Als eine ältere Frau sich einen Wanderstock schnappen wollte, hielt er die Hand auf: „Ein Euro“. Das ist gelebte neapolitanische Kostenlosigkeit.

 

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Man muss es noch einmal betonen: Der Vesuv ist ein AKTIVER Vulkan. Es ist zwar schon eine Weile her, dass er sich über Pompeji ergossen hat, aber man weiß ja nie. Mir ist es vor Ort erst klar geworden, welchen Wumms der Vulkanausbruch von August 79 hatte. Heute ist der Vesuv 1.281 Meter hoch. Nach Schätzungen war er vor dem Ausbruch ein 3.000-Meter-Berg. Wo sind die restlichen 1.700 Meter geblieben? Nun, die sind bei dem Ausbruch fünfzig Kilometer in die Höhe geschleudert worden und dann auf Pompeji und andere Städte gefallen. Ein monströser Steinregen. Auf dem Foto oben sieht man den eigentlichen, heute zart bewaldeten Kraterrand.

 

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Das, was heutzutage als eigentlicher Krater gilt, ist im engeren Sinne nur eine Art Nebenkrater. Damit nichts schief geht, bin ich mit dem neuesten rot-schwarzen Hemd von Fifty Five ausgestattet. Eigentlich heißen alle Hemden von Fifty Five André, seit dem Marsch auf den Vulkan ist es für mich das Modell „Vesuv“ – rot wie die Lava, schwarz wie vulkanisches Gestein.

 

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Obwohl das vulkanische Gestein ehrlich gesagt eine hell-beige Färbung hatte. Wieder am Bus angekommen, erhielten wir (im Bild auch die Schuhe meiner Tochter) eine exklusive Fuß- äh Schuhwaschung von unserem Busfahrer. Mit dem Hochdruck-Reiniger wurden unsere Schuhe so sauber, wie sie noch nie waren.

 

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Auf der Fahrt vom Vesuv hinunter nach Neapel sahen wir, wie vorbildlich die italienischen Sicherheitsvorkehrungen sind, falls es doch zu vulkanischen Aktivitäten kommen sollte. Für den Fall der Fälle steht die neapolitanische Feuerwehr bereit. Forza Italia!

 



Die heißesten Wanderaccessoires

Geschrieben am um 7:31

Wandern ist eigentlich nur schön, wenn auch die Wander-Accessoires stimmen.

 

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Der exquisite (und nicht ganz billige) „Wanderrucksack Modell Hermann Hesse“ ist erste Wahl für jeden Old-School-Wanderer. Ich sah das Exemplar im Hermann-Hesse-Museum in Calw. Der klassische Tropfenform-Rucksack besticht durch antikes Design. Was ich nur komisch finde: Meines Wissens ist Hermann Hesse meistens nackt gewandert, wo ist dann sein Rucksack geblieben?

 

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Ein wunderbares Tool für alle Premiumwegebetreiber ist die kleine Trittstufe, die man an querliegenden Bäumen befestigen kann, auch in der Version „To Go“ erhältlich. Der Wanderer erlebt die wilde Natur, kann aber zivilisiert über die Bäume steigen

 

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Sehr hip ist das schwedische Tisch-Modell Palettölö. Aus hochwertigen Edelhölzern gefertigte Holzpaletten ergeben ein formschönes Waldmöbel, das auch jeden Schrebergarten schmückt.

 

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Auch im Fußtextilbereich kann man es sich extravagant und elegant gut gehen lassen. Die Wanderschlappen „Opi“ gibt es im Verleih unter anderem in einer Gaststätte an der Wildenburg in der Nordeifel. Dreckige Wanderstiefel aus, Hauschuhe „Opi“ an, einfach herrlich!

 

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Und wer sich den Vorgarten verschönern will, kann bei Manufaktum die Figuren-Trilogie „Familien-Therapie“ bestellen. Da ist für jeden Geschmack, von sehr jung bis sehr alt, etwas dabei.



Die Weine der gräflichen Familie – eine Weinwanderung in Rheinhessen

Geschrieben am um 7:44

Wenn man in Rheinhessen, der größten Weinbauregion Deutschlands auf schönen Wegen wandern will, sollte man eine der mittlerweile neun Hiwweltouren testen. Ich habe meiner Frau zum Hochzeitstag eine herbstliche Weinwanderung auf der Hiwweltour „Westerberg“ geschenkt. Wir parken in Schwabenheim und gehen schon bald über schöne Graswege hinauf in die Weinberge. Wenn wir uns umschauen, sehen wir ausgedehnte Weinfelder in der hügeligen Landschaft, so weit das Auge reicht.

 

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Die große Lese war schon vor einem guten Monat, nun, Ende Oktober, hängen zwar noch einige wenige Trauben an den Rebstöcken. Aber viele Beeren sind vertrocknet, andere so überreif und geschmacksintensiv, dass in der Mundhöhle schon eine Spontangärung einsetzt. Ein Winzer aus Schwabenheim hat vier Reihen Rebstöcke mit einem Netz eingepackt. Das soll ein Geschenk an die Weinliebhaber werden: eine Eiswein-Experience, drücken wir mal die Daumen, dass es klappt.

 

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Nachdem wir die Höhen des Westerbergs erstiegen haben, erreichen wir schon bald Schloss Westerhaus. An der rot-weißen Tür kündet ein Messing-Schild davon, dass sich hinter den trutzigen Mauern ein VDP-Weingut verbirgt. Also schnell geklingelt und siehe da, der Graf persönlich öffnet.

 

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„So ein Glück,“ sagt der Graf, „den Weinwanderer und seine Frau persönlich begrüßen zu dürfen.“ „So ein Glück,“ sage ich, „den Hausherrn persönlich anzutreffen.“ Graf von Schönburg-Glauchau berichtet, dass die Hiwweltour „Westerberg“ im August 2017 eröffnet wurde. Seitdem haben schon reichlich Hiwweltour-Wanderer an der rot-weiß gestreiften Haustür geklingelt. Man bekomme, erzählt der Graf, von den Wanderern ein großartiges und vor allem schnelles Feedback. „Die sind noch nicht mal bei der Eulenmühle, da gibt es schon einen guten Tweet oder ein Foto, auf dem sie den Wein des Weingutes auf einer Bank verkosten mit der Message: Vielen Dank, es war so schön.“

 

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Der Name Schönburg-Glauchau stammt von einem Adelsgeschlecht aus Westsachsen, er ist der Liebe wegen nach Rheinhessen gezogen. Seine Frau hieß früher Opel, sie ist die Ururenkelin von Adam Opel. „Ich bin durch die Liebe zum Wein gekommen“. Der Sohn von Adam Opel hat 1900 das Schloß gekauft, seitdem ist es quasi das Stammhaus der Autobauer mit edlem Pferdegestüt und Weinbau. Der Graf wohnt mit seiner Frau und den fünf Kindern im Schloss. Ein ZDF-Krimi wurde auch schon in den Gemäuern gedreht. Achtung, Spoiler: „Es war die Witwe, das kann ich schon mal verraten“. Als Einstieg einer kleinen Weinprobe trinken wir einen Gutswein, einen Riesling. „Ein ernsthafter Wein“, so der Graf lächelnd, „bei dem man muss man nicht warten bis Sonntag ist.“ Der Hausherr fügt hinzu: „Es gibt so viele Augenblicke, in dem ich meinen Job mit keinem anderen auf der Welt tauschen möchte.“ Da hat er etwas mit mir gemeinsam.

 

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Wir blicken durch die Fenster auf die herbstliche Landschaft und die Weinhänge auf der gegenüberliegenden Talseite. Die Weingärten haben unterschiedliche Färbungen, von Hellgelb über Ocker bis Dunkelbraun. Kann man an der Färbung der Wingerte eigentlich die Rebsorte erkennen? Beim dunkelroten Feld an dem Gegenhang ist sich Graf von Schönburg-Glauchau sicher, das ist Dunkelfelder. Klar, das ist auch die dunkelste Einfärbung.

 

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Wir sind inzwischen bei einem der Spitzenweine des Weinguts angelangt: Ein GG Wein (Grand Cru), ein Spätburgunder von 2013. Wir schwenken wie die Weltmeister. Solche gigantischen Rotweingläser könnte man allerdings nicht mit auf die Wanderung nehmen. Wir lernen, den Wein richtig zu genießen und auch in den Körper zu horchen. Der Graf empfiehlt, man müsse immer bis drei zählen: Als erstes komme der Geruch im Glas, als zweites der Geschmack im Mund (schlürfen ist daher Pflicht!) und drittens müsse man den guten Tropfen dort spüren und schmecken. Dabei zeigt unser Gastgeber auf die Speiseröhre. Das ist der Dreiklang der Geschmacks-Sinne.

 

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Nachdem wir eine dem Wanderer angemessene Anzahl von Flaschen erworben haben, verabschieden wir uns herzlich vom Grafen, der uns ein außerordnenlich vergnügliche und leckere Wanderpause beschert hat. Er gibt schon einen Ausblick auf die folgende Wegstrecke: „Jetzt kommen die Hohlwege mit den Dachsbauten.“

 

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Weder Hohlweg noch Dachsbauten, die wirklich gigantisch groß sind, kann man übersehen. Viele Ochsenkarren haben wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten den guten Wein vom Westerberg transportiert, so tief ist der Hohlweg in den Berg eingeschnitten. Im Tal liegt direkt am Weg die Eulenmühle, die man unbedingt besuchen sollte. Natürlich nicht nur besuchen, sondern auch etwas von der köstlichen Landküche und den Weinen Rheinhessens kosten, das versteht sich ja von selber.

 

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Nach genau 11,8 Kilometern haben wir wieder Schwabenheim erreicht. Diese Weinwandertour ist eine runde Sache und sehr empfehlenswert. Wie hatte der Graf noch so treffend analysiert: „Die Wanderer wollen das Full Entertainment – Wandern und Weingenuss!“



Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

Geschrieben am um 8:42

Mein neuester Bahnhof-Einkehrtipp befindet sich erstmals im Osten Deutschlands, nachdem ich die westdeutschen Top-Bahnhofs-Kneipen von Mannheim und Hamburg beschrieben habe. Aber kann es denn Göschwitz mit Großstädten aufnehmen?

 

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Klar ist zumindest, dass nicht jeder Dorfbahnhof Aufnahme in meiner Reihe der Bahnhofs-Einkehr-Tipps finden kann. Ein tolles Restaurant in einem nicht mehr genutzten Bahnhofsgebäude in der Eifel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide, das gilt nicht, das geht an meiner Intention vorbei. Es muss schon ein Bahnhof sein, an dem man umsteigen oder einen Zug verpassen kann und dann die erhoffte oder unverhoffte Wartezeit bei einem Kaltgetränk verkürzt. Offiziell heißt der Bahnhof an der Saale Jena-Göschwitz, dort halten sogar Intercitys. Oder man steigt von einer Wanderung an der Saale kommend in Göschwitz Richtung Erfurt um, so habe ich das gemacht.

 

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Sensationell sind die wochentäglich wechselnden Mittagsgerichte im Gleis Dreiviertel. Montag: DDR-Tomatensoße, das ist doch echt stark. Heißt die DDR-Tomatensoße so, weil sie rot ist wie der flammende Kommunismus? Dann wäre aber auch jede herkömmliche Barilla Sauce eine DDR-Tomatensoße. Ich vermute eher, dass diese Sauce aus Tomaten gemacht ist, die vierzig Jahre in der Bitterfelder Sonne reifen durften. Oder aber es handelt sich um ein feines Rezept von Margot Honecker. Ich komme auf jeden Fall mittwochs noch mal nach Göschwitz, um die Tiegel-Wurst nach Petras Art zu kosten. „Tote Oma“ wollte ich schon immer essen. Mjam, mjam, mjam …

 

Die Bierspezialitäten haben einen leichten irischen Schwerpunkt, was mich dazu verleitete, ein (etwas zu warmes) Kilkenny zu trinken. Ich zahlte den Normalpreis, da ich nun mal weder Lokführer noch Eisenbahner bin …

 

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… denn den unschlagbaren Lokführer-Menü Sonderpreis für alle Eisenbahner (Eisenbahner sind die, die nicht gesellschaftlich abgehängt sind, sondern die, die ab und an Lokomotiven und Güterwagen abhängen sowie anhängen und auch noch am Gleis Dreiviertel in Göschwitz abhängen) können nur echte Bahner in Anspruch nehmen.



Der vierte Fifty Five Wandertag in Netphen

Geschrieben am um 6:45

Fifty Five hat schon zum vierten Mal im wunderschönen Siegerland bei Kaiserwetter eine Septemberwanderung veranstaltet. Was braucht man, um Jahr für Jahr eine derart unterhaltsame Wanderung mit unterschiedlichen Touren auf die Beine zu stellen? Erstens benötigt man zwei erfahren Wanderhasen.

 

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Es gibt Wandervögel, aber noch besser sind Wanderhasen am Hasenbahnhof. Helmut vollbringt als erfahrener SGV-Wanderführer jedes Jahr das Kunststück, direkt vom Fifty-Five-Domizil in Netphen an der Siegaue eine attraktive Wanderroute zu entwerfen. Respekt! Nebenbei trägt Helmut als Wandermodel die Fifty-Five-Jacke „Alert“, die in einem Test von Soft-Shell-Jacken aller bekannten deutschen Marken die NUMMER EINS war: Mit einer Durchschnittsnote von 1,4.

 

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Zweitens benötigt man für eine gelungene Fifty-Five-Wanderung einen Ulli und einen Manuel, die beiden Zwillinge, die noch nicht mal die eigene Mutter unterscheiden kann, so ähnlich sind sich die beiden.

 

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Drittens braucht man für eine überraschende Fifty-Five-Wanderung eine skurille Begegnung im Wald mit regionaler Färbung. Wir sahen im Wald ungefähr zehn Männer, die Reisig sammelten und zu Bündeln schnürten. Das waren die Martinsfeuer-Jungs, die schon im September das Holz sammeln, um am 11. November ein ordentliches (zwanzig Meter hohes) Martinsfeuer anzufackeln. Da braucht man im Anhänger natürlich jede Menge Löschmaterial.

 

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Viertens sollte man bei einem Fifty-Five-Wandertag immer daran denken, ausreichend im Lagerverkauf zu shoppen. Und dann machte ich eine Entdeckung, die auch diese Fifty-Five-Wanderung zu einer ganz besonderen machte.

 

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Auf einer Premiumbiermarke, deren Name hier nicht verraten wird, ist tatsächlich im Logo ein Wanderweg versteckt, der zu einem Turm führt. Das ist natürlich der Kindelsbergturm oberhalb von Krombach, und auf dem Kindelsbergpfad bin ich selbstredend auch schon gewandert.

 

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Und dieser Turm sollte (fünfte Bedingung für eine gelungene Fifty-Five-Wandertour) immer zu sehen sein, wenn man oberhalb von Netphen wandert.

 

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Zum Schluß unserer Tour kamen wir noch am Norbert-Dickel-Stadion (das den gleichen Großsponsor wie der FC hat) von Netphen vorbei. Der ehemalige BVB-Stürmer und jetzige Kult-Stadionsprecher hat seine ersten Erfolgen in genau diesem Stadion gefeiert. Das freut alle Wanderhasen und Wanderhäsinnen.



Der Wald-Knigge

Geschrieben am um 7:34

Im Germanistik-Studium habe ich gelernt, dass es ein Missverständnis ist, den ehrwürdigen Freiherrn Knigge auf einen Benimm-Onkel zu reduzieren. Vielmehr hat der aufgeklärte Freimaurer Empfehlungen für den Umgang mit Menschen gemacht. Allerdings sollte man auch im Wald den Umgang miteinander beachten – oder mit Schildern.

 

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Denn es gibt Sachen, die gehen sozusagen beim Wandern, und anderes, was gar nicht geht. Ich fand es zum Beispiel empörend, als ich bei einer Gruppenwanderung in diesem Jahr ein Warnschild sah, das ich als diskriminierend empfand.

 

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Ich bilde mir ja ein, ein humoriges Naturell zu haben, aber was zu weit geht, geht zu weit. Harmlose Wanderer als Kröten zu bezeichnen ist unter Wald-Knigge-Gesichtspunkten ab-so-lut nicht akzeptabel. Nächstes Beispiel: Entspricht das noch dem Waldknigge: ein enger Felsdurchgang, kann man, darf man, sollte man das dicken, stämmigen, kräftigen, also einfach fetten Menschen zuzumuten?

 

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Vor zwei Jahren bin ich in der Nähe von Berdorf in der luxemburgischen Schweiz gewandert, und habe diese Felspassage, die den merkwürdigen Namen „Andrack“ trägt, nicht gefunden. Freundlicherweise hat meine Wanderkollegin Heike aus Sachsen die Mandrack-Passage wiederentdeckt. Aber ob sie dem Wald-Knigge entspricht? Ich weiß es nicht.

 

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Und auch das ist ja wohl voll krass überhaupt nicht Wald-Knigge. (Toll, wie ich die Jugendsprache beherrsche, oder? – denn auch Menschen Ü40 sollen sich durch diesen Blog angesprochen fühlen) Die Markierung eines Wanderwegs in Rheinhessen lädt dazu ein, über Wasser zu gehen. Wenn man vom rheinhessischen Wein gekostet hat, eine eher leichte Übung. Irritiert war ich allerdings, dass das Wanderschild eindeutig Einschusslöcher aufweist. Anscheinend wird in Rheinhessen noch scharf geschossen. Und das kann es doch nicht sein, Wald-Knigge hin und her. Also, wandert weiter, aber bitte mit Knigge im Hinterkopf.



Weinwandern und Meditieren an der Nahe

Geschrieben am um 7:14

Im Sommer bin ich mal wieder weingewandert, im Anbaugebiet Nahe. Die Nahe zeichnet sich dadurch aus, das viele Weinberge gar nicht an der Nahe selber, sondern in Seitentälern zu finden sind, wie zum Beispiel im Glantal.

 

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Wir waren am Bahnhof Staudernheim losgewandert, um einen Tag auf dem neuen Hildegard-von-Bingen-Weg zu wandern. Dabei mussten wir auch neben den Gleisen eine Brücke über die Glan überqueren. Aber obacht! Beim Selfie-Machen kann schnell mal in ICE-Tempo eine Draisine angerauscht kommen.

 

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Meine Wanderkollege Marian ist nicht nur Heavy Metal-Fan, er sammelt auch die martialischen T-Shirts der Schneller-lauter-härter-Combos. 400 Shirts hat er schon, oft sind wandernde Monster in bunten Farben und phantsievollen Waffen auf den Leibchen abgebildet. Wenn man schon auf dem Hildegard-von-Bingen-Weg geht, sollte man auch meditieren, um dem spirituellen Charakter der Wanderung Rechnung zu tragen. (Wobei Weinwandern an sich schon eine höchst spirituelle Note hat) Damit man weiß, wo man meditieren darf, gibt es Meditationspunkte.

 

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Und dann habe ich meditiert, bis ich in ein helles Licht blickte – – – Dann sind wir weiter gegangen.

 

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Nach dem zauberhaften Weinort Duchroth erreichten wir den noch zauberhafteren Weinort Oberhausen, den man nicht mit der Stadt im Ruhrgebiet verwechseln sollte. Um eben dieser Verwechslungsgefahr zu entgehen, überlegt man in Oberhausen, den Ort in Katharina-Staab-Hausen umzubenennen, denn nicht nur am Weingut Staab begegnet man der aktuellen Weinkönigin (siehe auch mein Blog vom 21. Mai 2018) auf Schritt und Tritt.

 

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Das aber wahrscheinlich spannendste Weingut von Oberhausen ist das VDP-Weingut Dönnhoff. Unangemeldet überfiel ich den Winzer Cornelius Dönnhoff. Glaubhaft versicherte er mir, dass es ihn freuen würde, wenn wir ihn von der Büroarbeit abhalten würden. Also haben wir ein Gäschen getrunken.

 

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Auf der Luitpoldbrücke sind wir Über die Nahe gegangen, von Bayern nach Preußen. Denn Oberhausen war dereinst tatsächlich noch die Grenze zwischen diesen beiden Weltmächten. Heute regiert am Nordufer der Nahe die Angela, am Südufer der Horst.

 

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Aber ehrlich gesagt ist das nördliche Naheufer nicht sehr preußisch geprägt, sondern auch lebensfroh barock. Und so ließen wir den Tag mit einem Hoch auf den Prinzregenten Luitpold, unseren Kaiser Wilhelm, die deutsche Weinkönigin Katharina Staab und die Visionärin Hildegard von Bingen mit einem Schoppen im Niederthaler Hof ausklingen.

 

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So sehen Sieger aus!

Geschrieben am um 8:19

Wer hat schon Lust, sich eine 3:5 Heimniederlage anzuschauen? Ich nicht! Übrigens, lieber FC: dass es in jedem Spiel mit euch eine Acht-Tore-Garantie gibt, das ist ja gut und schön. Aber wie wäre es dann auch mal mit einem 8:0 oder meinetwegen auch 7:1? Denk doch mal darüber nach, lieber FC. Egal, ich habe letztes Wochenende ein anderes Fußballfest genossen. Seit ich mit Groundhopper Bastl beim TSV Havelse war (nachzulesen in meinem Buch „Lebenslänglich Fußball“ ab Seite 230) habe ich doch ein gewisses Verständnis für Menschen, die sich einfach auf wildfremden Fußballplätzen herum treiben. Da mir aber Spiele in der zweit ukrainischen Liga zu weit weg sind und ich auch auf Länderpunkte pfeife, bin ich jetzt Saarland-Groundhopper.

 

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Angefangen habe ich am Samstag in Auersmacher, die mit einem großartigen Slogan werben: Die Zukunft ist grün. Das passt zu einem großen Energieversorger (zum Beispiel RWE), das passt aber auch für Protestler gegen die großen Energieversorger, damit könnte Irland für sich werben, aber auch der deutsche Wanderverband. Und das Stadion in Auersmacher liegt wirklich wunderschön im Grünen.

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Ich bin mit dem Fahrrad die Saar herunter gefahren und dachte, Auersmacher läge wie Güdingen, Bübingen und Kleinblittersdorf direkt am großen Strom. Mitnichten! Auersmacher ist ein regelrechtes Bergdorf, und hätte ich vor meiner Radtour auch noch meinen Hinterreifen aufgepumpt, hätte ich auch nicht so viel den Berg hinauf das Rad schieben müssen. Dafür wurde ich auf der Tribüne des SV Auersmacher mit einem schönen Blick über das Saartal bis nach Frankreich hinein entschädigt.

 

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Der berühmteste Spieler des SV Auersmacher ist natürlich FC-Held und Buffon-Bezwinger Jonas „Fußballgott“ Hector. Sein Bruder Lucas spielt aktuell mit der Rückennummer 15 in der ersten Mannschaft von Auersmacher in der Saarlandliga. Lucas Hector ist ein stämmiger und riesengroßer Sturmtank, eine Mischung aus Norbert Dickel und Günter Delzepich.

 

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Natürlich beherrschten die Auersmacher ihren Gegner nach Belieben und siegten verdient 2:0 (mein Foto zeigt den überschäumenden Torjubel nach dem zweiten Treffer). Immerhin gewann man gegen Tabellenführer Elversberg II und so haben die Auersmacher den zweiten Tabellenplatz gefestigt. Wenn das so weiter geht, steigen sie nächste Saison in die fünfte Liga auf, das gelang zuletzt mit Jonas Hector. Ich drücke die Daumen und werde bald andere saarländische Grounds erorbern. Ohne Fahrrad.



Wanderlust in Berlin

Geschrieben am um 7:39

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Zunächst einmal: Sorry! Sorry, weil ich erst jetzt die geniale Ausstellung „Wanderlust“ in der Alten Nationalgalerie gesehen habe, die seit Mai läuft und am 16. September ihre Pforten schließt. Nun ja, ein paar Tage habt ihr ja noch, nach Berlin zu pilgern oder zu trampen, es lohnt sich wirklich.

 

 

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Auch die Bilder der eher unbekannten Künstler überzeugen, weil sie Geschichten von der Freude am Wandern erzählen. Der Dessauer Hofmaler Heinrich Beck malt 1839, wie ein Wanderer (vermutlich er selbst) den Wanderhut schwenkend (vielleicht sollte ich mir ja auch einen anschaffen) jubilierend das Etschtal erreicht. Das heißt: er hat die Alpen bezwungen, jetzt geht es nur noch bergab – Richtung Italien, dem gelobten Land.

 

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Oder hier: Heinrich Reinhold malte 1819 das Bild „Künstler erkunden die österreichischen Alpen“ Und mit welcher Lebensfreude diese Künstler das tun, sieht man im Bilddetail, sie turnen an ihrem Wanderstock über die Felsen, dass man direkt an Stabhochspringen denkt.

 

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Neben unzähligen supertollen Bildern dann natürlich das Highlight: Der Wanderer über dem Nebelmeer, ausgeliehen aus Hamburg. Interessanterweise hat Caspar David Friedrich sein eigenes Bild anscheinend nie so genannt. Und wenn man das Bild im Original sieht, fällt direkt der dunkel-türkise Samtanzug auf. Ganz schön schick für einen Wanderer! Vielleicht hätte ja Friedrich das Bild eher „Dandy hat sich verirrt“ genannt. Ich habe noch einen Verdacht. In der Ausstellung sind sehr viele Bilder zu sehen, auf denen sich die Künstler malen, wie sie malen, wandern, die Natur beobachten. Denn das war neu im 19. Jahrhundert in der akademischen Malerei: Der Blick öffnet sich, in die Bilder kommt Luft, Weite, Landschaft hinein. Also: Meiner Meinung nach ist der junge Mann, dessen Rücken wir sehen, Caspar David Friedrich selber.

 

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Ich habe mir also so meine Gedanken gemacht und das Bild angeschaut. Und habe einen Mann von hinten angeschaut. Spontan hat mein Kumpel Rolf ein Foto gemacht und jetzt schaut ihr gerade einen Mann an, der einen Mann von hinten anschaut. Und wenn jetzt noch jemand hinter Euch steht, der Euch zusieht, wie ihr einem Mann zuseht, der einen weiteren Mann von hinten anschaut – dann wird es langsam ziemlich psycho… Das Foto schmeichelt mir ehrlich gesagt nicht sehr. Guckt Euch mal meine „Frisur“ an.

 

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Andererseits ist natürlich die Sturmfrisur von C.D. Friedrich auch von einer Wildheit, die mit der Landschaft korrespondiert. Fazit: Fahrt nach Berlin, schaut es Euch an, oder kauft zumindest den hervorragenden Katalog.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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