Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Bahnhofseinkehr IV: Gaffel am Dom

Geschrieben am um 8:55

Teil Vier der spektakulären Reihe „Die-wo-kehre-ich-in-Deutschland-in-Bahnhofs-Nähe-ein-wenn-ich-eher-wenig-Zeit-habe-Gaststätten. Heute: Gaffel am Dom in Köln. Eigentlich natürlich sehr bitter, wenn meine Heimatstadt nur Durchgangsstation ins Saarland ist. Aber immer noch besser, eine kurze Pause an der schönsten Kathedrale der Welt einzulegen, als im Zug vorbei zu rasen und Tränen der Heimatliebe zu vergießen. Regel Nummer Eins: Nie den Hauptbahnhof in nördlicher Richtung (Breslauer Platz) verlassen, da man ansonsten von schlimmen Depressionen besucht wird.

 

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Nein, man sollte zum Haupteingang hinaus gehen, dann direkt auf die gegenüberliegende Seite des Bahnhofsvor-Platzes (der übrigens nicht die Domplatte ist!!!) und schon sitzt man draußen bei Gaffel am Dom und hat ein Kölsch in der Hand. Im Winter muss man noch dreißig Meter weiter gehen und dann in die Brauwirtschaft hinein. Von April bis Oktober ergeben sich im „Biergarten“ aufregende Ausblicke

 

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Ich sage nur: Ein Hurra! Auf die blaue 1. FC Köln-Jacke! Dazu eines der beeindruckendsten Bauarbeiter-Dekoltées, das ich jemals gesehen habe.

 

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Das weltgeschichtlich Bedeutsame der Bier-Tränke vor dem Bahnhof ist offensichtlich: Denn Köln ist zur Chiffre geworden, bei „Köln“ denkt mittlerweile jeder an jene verhängnisvolle Silvesternacht 2016. Selbst die New York Times assoziiert mit „Köln“ nicht Karneval, Dom und den Effzeh, sondern triebgestörte Kriminelle (die übrigens alle von Frau Merkel persönlich nach Deutschland eingeladen wurden, wer das bestreitet, ist Fake-News-Opfer), die auf der Domplatte Jagd auf Frauen machten.

 

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Weil Gaffel am Dom oft eine Durchgangsstation für mich ist, gelingt es mir nie, den Deckel rund zu trinken. Für einen Kölner eigentlich unverzeihlich.



Kölle – Du bes e Jeföhl!

Geschrieben am um 11:41

Liebe Freunde des glorreichen 1. FC Köln. Alles ist zur Zeit in Butter: Souveräner Tabellenführer der 2. Bundesliga. Der Vorstand ist wieder komplett. Und dann noch diese Hammer-News, die Top-Nachricht des Tages auf fc.de:

 

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Da kann man sich doch einfach genüsslich zurücklehnen, und die nächsten rauschenden Fußballfeste genießen. Doch obacht! Ich kann nur warnen, sich in selbstgenügsamer Zufriedenheit mit Wurst und Kölsch abspeisen zu lassen. Wir müssen einen Plan für die Zukunft haben. Wir müssen das Team für die erste Liga fit machen, mit Top-Fußballern, die zur Stadt und zum Verein passen. Ich will Armin Veh nicht in sein Geschäft rein reden (das haben schon genug andere in letzter Zeit gemacht), aber ich habe eine Granate in der Regionalliga Südwest entdeckt: Niklas Kölle vom FSV Mainz II

 

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Was wäre das für ein Transfer. Alleine das Gänsehautgefühl bei der Mannschaftsvorstellung: „Mit der Nummer Elf – Niklas (und dann das ganze Stadion) Kölle – du bes e Jeföhl!“ Herrrrrlisch. Und falls Niklas Kölle in Mainz unabkömmlich ist, kann man auch seinen Bruder Robin Kölle von der U19 von Wolfsburg verpflichten. Dann steht der Champions-League-Qualifikation nichts mehr im Wege.

 

 

 

 



Der Nachfahre von Wanderschäfern – man hätte es Ahnen können

Geschrieben am um 6:23

Eine ewige Streitfrage ist, ob man das was man ist – Charakter, Vorlieben, Aussehen, Verhalten – ob das alles so ist, weil man eben so ist (genetische Festlegung) oder weil man so wurde (alles anerzogen/die Gesellschaft ist schuld). In der Forschung schlägt das Pendel ganz stark in Richtung genetischer Vorprägung, wobei damit natürlich nicht sämtliche menschlichen Defizite zu erklären/zu entschuldigen ist. Trotzdem bin ich immer davon ausgegangen, dass ich wandere, weil ich das von meinen Eltern so gelernt habe. An eine genetische Wanderprägung hatte ich nie gedacht.

 

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Vor ein paar Wochen habe ich seit langer Zeit mal wieder in meinem Buch „Von wem habe ich das bloß: Auf den Spuren der Ahnen. Eine Gebrauchsanweisung“ gelesen. Ich weiß nicht wie das anderen Autoren geht, aber ich lese selten in meinen alten Büchern, ich habe sie ja geschrieben. Allerdings muss ich auch 12 Jahren nach Erscheinen des Werks sagen: das ist ein richtig gutes Buch. (Diesen Hang zum Eigenlob, woher habe ich das bloß?). Ich habe in diesem Buch viel ausprobiert, um meinen Ahnen auf die Spur zu kommen (Archive, Vor-Ort-Recherche, genetische Tests, Namensforschung), aber ich hätte nie eine genealogische Verbindung zu meiner Wanderleidenschaft gesucht.

 

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Glücklicherweise hat mich der rührige Chef des Kreismuseums Bad Liebenwerda zu einer Lesung über genau jene Ahnenforschung in sein Museum eingeladen. Er hatte mir schon vor zwölf Jahren bei der Recherche geholfen, und hat nun neue Andracks in der Region entdeckt. Unter anderem den Martin Andrack und den Johann Georg Andrack aus dem 18. Jahrhundert. Und die beiden Andrack-Jungs waren – Wanderschäfer. Die genaue Verbindung zu den beiden habe ich noch nicht herstellen können, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch extrem hoch, dass die beiden meine Ahnen sind. Wanderschäfer als Vorfahren, das erklärt doch einiges: Die Outdoor-Affinität, den Hang zum Geschichten Erzählen, die Zeiteinteilung in Schäferstündchen.

 

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Ich habe bei meinem Besuch in Bad Liebenwerda natürlich auch meinen dortigen Familienzweig besucht, die ich erst vor 12 Jahren kennengelernt habe. Durch einen Ururgroßvaterschaftstest mit Helmut Andrack konnte (fast) zweifelsfrei festgestellt werden, dass ich mit 99,98570699 Wahrscheinlichkeit mit ihm verwandt bin.

 

Verwandte

 

Helmut Andrack (rechts im Bild) ist, obwohl er in diesem Jahr achtzig Jahre alt wird, mein Neffe, genau genommen der Großneffe vierten Grades, denn Johann Christian Andrack (geboren 1795) ist sein Urururgroßvater, aber mein Ururgroßvater, ein Ur- weniger. Ebenfalls traf ich in Bad Liebenwerda Herrn Graeff, auch entfernte Andrack-Verwandtschaft. Herr Graeff (links im Bild) betreibt als Baumschullehrer eine Baumschule, die im 19. Jahrhundert von Eduard Andrack gegründet wurde. Baumschule, da fällte es mir wie Schuppen aus den Haaren, da hätte ich auch früher drauf kommen können – eine genetische Prägung für meine Liebe zu den deutschen Wäldern. Und schon wusste ich wieder ein wenig mehr, von wem ich das bloß habe …



Die Gedanken

Geschrieben am um 6:23

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Wenn es um das Thema „Wandern“ geht, werde ich von Journalisten oft gefragt, ob man sich beim Wandern nicht den Kopf leer und frei wandern könnte. Die Antwort ist: Nein. In jedem wandernden Kopf, der prinzipiell mit Inhalt gefüllt ist, fängt beim zu Fuß gehen das große Denken erst an. Das können ganz banale Gedanken sein, aber auch weltbewegende, philosophische, anspruchsvolle Gedanken. Schon Montaigne sagte: „Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze“. Und Rousseau gestand: „Ich kann nur beim Gehen denken“ Man denke an Kant mit seinem täglichen Spaziergang in Königsberg zur gleichen Uhrzeit. Oder an die Peripatetiker der Antike, die nur im Gehen philosophiert haben. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat es auf den Punkt gebracht: „Ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen. Und ich kenne keinen Gedanken, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde.“ Diese Erfahrungen habe ich auch immer wieder gemacht: Beim Wandern – Voraussetzung: man wandert alleine – fliegen einem die guten Ideen zu. Und umgekehrt: Probleme, beruflicher oder privater Art, lösen sich beim Wandern. Und nicht nur einfach, weil man besser drauf ist, nein: plötzlich ergeben sich Lösungsansätze, auf die man im Sitzen nicht gekommen wäre. Beim Wandern kann man gordische Knoten entwirren.

 

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Aber warum lässt es sich beim Gehen so leicht denken? Es hat etwas mit der frischen Luft in Verbindung mit Bewegung zu tun. Das regt – ich bin kein Neurologe, daher formuliere ich es unfachmännisch – wahrscheinlich die Ganglien an. Frei nach Hape Kerkeling: Das Gehirn muss an die frische Luft. Allerdings gibt Wander-Guru Jürgen von der Wense zu bedenken: „Man sollte nicht nachdenken beim Wandern, nur vordenken. Das Denken nimmt uns die Leichtigkeit mit den Blicken.“ Nun ja, wenn es so einfach wäre, lieber Herr von der Wense. Die Gedanken sind ja frei, wie es in dem berühmten Volkslied heißt, diese Gedanken machen doch meistens was sie wollen. Recht hat er aber in der Tat, dass wir bei betörenden Ausblicken, ausgesetzten Pfaden, beim Wandeln am tiefen Abgrund, keine Gedanken an den Haustürschlüssel, die nächste Aktion in der Harald Schmidt Show oder das Höhlengleichnis verschenken. Dann übernehmen die Sinne, die Gefühle, meinetwegen auch der Überlebensdrang das Steuer im Kopf. Aber wenn man wieder ruhiger dahin schreitet, dann kann ist man wieder ganz bei sich und kann den Gedanken freien Lauf lassen.

 

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Keiner hat so wundervoll das Denken Müssen und Dürfen beim Gehen beschrieben wie der österreichische Schriftsteller Robert Walser: „Ohne Spazieren wäre ich tot, und mein Beruf, den ich leidenschaftlich liebe, wäre vernichtet. Ohne Spazieren würde ich ja gar keine Beobachtungen und gar keine Studien machen können. Auf einem schönen und weitschweifigen Spaziergang fallen mir tausend brauchbare nützliche Gedanken ein. Spazieren ist für mich nicht nur gesund und schön, sondern auch dienlich und nützlich. Ein Spaziergang fördert mich beruflich und macht mir zugleich auch noch persönlich Spaß und Freude.“

Ich wünsche Euch, interessante, wertvolle oder einfach auch „nur“ schöne Gedanken, lasst die Wander-Gedanken von der Leine!

 

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Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Leidingen und Leiding

Geschrieben am um 6:23

Ich wollte mal nach dem rechten sehn. Und nach den Rechten sowieso. Denn beunruhigende Nachrichten erreichen uns seit einigen Wochen aus Frankreich. Von den Gelbwesten wird verbreitet, der deutsch-französische Freundschaftsvertrag (in dem unter anderem die Förderung der Zweisprachigkeit in Lothringen und dem Elsass postuliert wird) bereite eine Übernahme von Lothringen und dem Elsass durch Deutschland vor. Metz und Straßburg also wieder deutsch? Eine unfassbar stumpfsinnige Verschwörungstheorie, aber es gibt anscheinend Menschen, zumindest französische Gelbwesten, die daran glauben. Außerdem fordert einer der prominentesten Gelbwesten, die Armee solle die Führung des Landes übernehmen, Frankreich also eine Militärdiktatur werden.

 

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Glücklicherweise ist die französische Grenze bei mir im Saarland um die Ecke, so war ich schnell in Leidingen, ein sehr bilateraler Ort. Getrennt durch die Neutrale Straße gibt es im Osten den deutschen Ortsteil Leidingen, im Westen den Ortsteil Leiding. Überraschenderweise wehen noch zwei Fahnen an der Straße, und die Armee ist auch nicht zu sehen.

 

 

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Dafür muss man schon genau hinschauen, um zu bemerken, in welcher Nation man gerade wandert. Um es den Wanderern auf dem Grenzblickweg von Leidingen leichter zu machen, gibt es den Hinweis, wann man wo in Frankreich ist. Aber wer Augen im Kopf hat und eine botanisch versierte Ehefrau an seiner Seite, braucht gar keine französischen Zusatzmarkierungen

 

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Denn die opulenten Mistelbäume signalisieren überdeutlich, dass die Heimat des Druiden Miraculix nicht weit sein kann. Denn wer braucht sonst schon so gewaltige Mengen an Misteln? Außerdem, ich schwöre, haben wir ein totes Wildschein im französischen Straßengraben gesehen, welches ich aus Gründen der Pietät nicht fotografiert habe. Obelix war wohl satt.

 

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An der Gedenkstelle einer kleineren Schlacht des 2. Weltkriegs um die Eroberung der Höhe 335 fanden wir ein schönes lothringisches Gedicht, noch nicht von militanten nationalistischen Gelbwesten übermalt. Überraschenderweise enthielt das Gedicht große Ähnlichkeiten zum kölschen Idiom: Der „Kopp“, die „Sprooch“, dat is original kölsche Sprooch.

 

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Fazit der Frankreich-Inspektion. Alles (noch) gut beim Nachbarn, und die Marianne und der Michel haben sich noch doller lieb als die Angie und der Emmanu. So sollte es doch auch sein, finde ich.



Die Vorfreude

Geschrieben am um 6:23

 

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„Vorfreude ist die schönste Freude“. Diesen Spruch meiner Eltern habe ich immer gehasst: Das habe ich immer zu hören bekommen, wenn es mir als Kind nicht schnell genug gegangen ist. Nach der Ankunft in der Ferienwohnung direkt an den Strand? Neeein, erstmal alles auspacken, denn: „Vorfreude ist die schönste Freude“, furchtbar, ich hätte die eigentliche Freude liebend gerne mit dieser blöden Vorfreude getauscht.

 

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Mittlerweile sehe ich das anders. Besonders die Vorfreude auf eine Wanderung ist großartig. Ich rede nicht von der Planung einer Tour, die kann Wochen oder Monate vorher stattfinden. Ich meine die Vorfreude, wenn ich morgens aufwache und weiß: Gleich geht es los. Ich meine die Vorfreude bei der Anreise mit Bahn oder Auto – die Landschaft ändert sich und kündigt zukünftige Wanderabenteuer an. Und ich meine vor allem Dingen die Euphorie auf den ersten Wanderkilometern.

Ein Wanderkumpel hat mir verraten, wann er das perfekte Wanderglück empfindet: beim ersten Weizenbier nach der Wanderung – und während der ersten Minuten einer Wandertour. Das ist eigentlich logisch: Mit dem ersten Weizen kehren die Kräfte zurück, aber am stärksten fühlt man sich zu Beginn einer Wanderung. Oft habe ich mich gefragt: Wie bitte, der Rundweg soll nur 12,8 Kilometer lang sein – ich bin bereit für einen Wandermarathon – mindestens! Solcherart Hochgefühle durchströmen die Wanderer zu Beginn (fast) jeder Tour.

 

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Schmetterlinge im Bauch kennt jeder, der sich frisch verliebt hat. Aber man kann sich auch auf eine Wanderung so sehr freuen, dass einem das Herz bis an den Hals schlägt. Gerade zu Beginn einer Wandertour schießen die Endorphine ein, das Wanderglück wird selten intensiver erlebt. Denn wir haben noch nicht die Mühen des Weges erlebt, die fordernden Steigungen, den durchnässenden Regenschauer, die ruhetagende Waldgaststätte. Nein, zu Beginn einer Wanderung herrscht eitel Sonnenschein, auch wenn das Wetter schlecht ist.

 

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Wir freuen uns auf all das, was wir erleben werden, die phantastischen Ausblicke, die Natureindrücke, den intensiven Gedankenaustausch mit dem Wanderkumpel. Das ist Wander-Vorfreude pur.

Voraussetzung ist, dass unser Wanderplan ein guter ist, die Bekleidung wettersicher, die Schuhe bequem und griffig. Um Vorfreude zu erleben sollte man allerdings Wanderer sein, nicht Pilger. Das ist leider so – Wanderer erleben Vorfreude, (viele) Pilger leiden an ihrem Weg. Wie schrieb Hape Kerkeling in seinem Pilgerbuch: „Mir macht das Laufen einfach keinen Spaß. Ich finde den Weg toll, aber das Gehen als solches macht mir nicht die geringste Freude.“ Der Arme: keine Freude am Gehen, das ist wirklich schade.

Ich zelebriere aktuell meine Vorfreude, diesen Blog zu schreiben. Denn es ist der erste Bär-Blog 2019. In diesem Jahr werde ich regelmäßig über viele grundlegende, fundamentale, aber auch auf den ersten Blick banale Wander-Weisheiten bloggen. Auf baer-schuhe.de und andrackblog.de und – ganz neu – bald auch bei facebook. Und diese Blog-Vorfreude ist so schön, dass ich gerne unterschreibe, was ein Leben lang meine Maxime war: Vorfreude ist die schönste Freude!

Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Fuko – Geht doch!

Geschrieben am um 9:41

Kürzlich war ich Teilnehmer eines Kongresses in Berlin. Es ging um das Thema Fußverkehr. Zunächst dachte ich, Fußverkehr wäre irgendein Schweinskram für ganz spezielle Erotik-Fetischisten.

 

 

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Aber ich lag komplett daneben. Denn auf dem 2. Fußverkehrskongress Deutschlands – kurz und liebevoll Fuko genannt – ging es um die Fortbewegung auf den eigenen Füßen als Teil des Straßenverkehrs. 350 Kommunalpolitiker, Raumplaner und Architekten aus allen deutschsprachigen Ländern tauschten Erfahrungen und Visionen aus. Ich habe viel gelernt. Zum Beispiel wusste ich nicht, wie viele Autofahrten eigentlich komplett überflüssig sind, und problemlos zu Fuß zu erledigen wären. Genau ein Zehntel aller Autofahrten sind unter einem Kilometer lang. Die berühmten Fahrten zum Bäcker oder zum Briefkasten. Ein Wahnsinn! Wer nicht gehbehindert ist, kann das ohne Probleme zu Fuß erledigen. Genauso wie die zwölf Prozente alle Autotouren, die unter zwei und die 25 Prozent aller Autofahrten, die nur unter fünf Kilometer lang sind. Theoretisch könnte man also fast die Hälfte sämtlicher Autofahrten vermeiden, wenn man öfter zu Fuß gehen würde.

 

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Am Nachmittag des ersten Konferenztags machten sich alle Teilnehmer daran, selber zu Fuß zu gehen – vom Versammlungsort in der Nähe der Friedrichsstraße zu Landesvertretung Nordrhein-Westfalen südlich des Tiergartens.

 

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3,6 Kilometer, ein schöner Spaziergang. Wenn allerdings in Berlin 350 Menschen wandern, von einem Ort zum anderen, dann muss das bei der Polizei angemeldet werden. Und schwuppdiwupps wird aus dem Spaziergang eine Demonstration mit Blaulicht und abgesperrten Straßen.

 

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Ich glaube, es wäre viel geholfen, wenn alle vierzig Millionen Wanderer in Deutschland entdecken würden, dass auch der Fußweg zum Bäcker, durch die Stadt, zum Gassigehen und zum nächsten Ort Spaß macht. Nebenher tut man noch etwas fürs Klima und die eigene Gesundheit. Geht doch!

 

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Die Langversion des Fuko-Textes könnt ihr im aktuellen Wandermagazin Nummer 201 nachlesen.



Wadoko reloaded

Geschrieben am um 7:34

Vor einigen Monden beschrieb ich in meinem zweiten Wanderbuch mit dem schlichten Titel „Wandern“, wie ich mit einer munteren Männerrunde das Doppelkopf-Spiel mit dem Wandern zum Wadoku verbinde. Das ist anregender für Körper UND Geist als jedes Sudoku.

Am zweiten Januarwochenende zockten und wanderten wir in und um Birresborn/Eifel, einem kleinen Ort im Kylltal bei Gerolstein. Sehr intensiv haben wir die Wanderwege und Ausblicke genossen, allerdings erst nach ausdrücklicher Aufforderung.

 

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Und ihr da draußen, könnt jetzt auch schauen. In den Wald. Na los, wird’s bald!!!!

SCHAU! IN! DEN! WALD!

 

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Das absolute Highlight der Region, im Wald oberhalb von Birresborn, sind die Eishöhlen. Das Tolle ist: diese Höhlen sind nicht nur begehbar, es sind auch richtige Höhlen. Höhlen-Höhlen sozusagen, also mit superdunkel, Kopfstoßgefahr und jeder Menge Fledermäuse, die Peter und mir um die Ohren zischten.

 

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Wir haben schließlich eine Wegesperrung ignoriert, das war gaaanz schlecht ….

 

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… denn wir wurden zwar nicht von Bäumen erschlagen (auch Waldarbeiter haben ein Recht auf Wochenendruhe), aber wir haben uns in Ermangelung eines wirklich professionellen Wanderführers hoffnungslos verlaufen. Die Belohnung war, auf dem letzten Kilometer bis Birresborn an einer romantischen regennassen Landstraße mit Eifelrasern nicht unter 180 Ka-Emm-Ha entlang zu wandern.

 

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Aber dann haben wir wieder Doko gespielt, und ich habe wirklich JEDE Runde gewonnen. An Erfahrung.



IVV Wandern

Geschrieben am um 8:19

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Für die große Wanderland-Ausstellung in Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum, noch bis zum 28. April) sollte und wollte ich einen Beitrag zu IVV-Wanderungen schreiben. Dann fiel mir auf, dass ich noch nie an einem solchen Ereignis teilgenommen habe. Das habe ich sofort geändert.

 

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Bei einer IVV-Wanderung wird nichts dem Zufall überlassen. Für jede Strecke (6, 10, 15 Kilometer und ein Halbmarathon) werden ellenlange Plastikbänder um die Bäume geschlungen. Auch so geht unverlaufbar. Eindeutig stammen die IVV-Wanderungen aus dem Pleistozän des Genusswanderns. IVV-Wanderungen sind – zumindest was die Unverlaufbarkeit angeht – „Premiumwege“ für einen Tag.

 

 

 

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Man muss sich aber bei einem IVV-Wandertag nicht schon am Start auf die Streckenlänge festlegen. Ein kleiner Vorteil vom IVV zum Premiumweg. Beim IVV gibt es immer die Wahlmöglichkeit, sozusagen eine urdemokratische, eher altliberale Form des Wanderns. Wenn ich mich bärenstark fühle, gehe ich eben noch ein paar Kilometer mehr. Wenn nicht, dann wähle ich den schnelleren Heimweg

 

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Was auffällt: Der IVV-Wanderer ist generell eher solitär unterwegs. Man darf sich nicht täuschen. Beim IVV-Wandern wird nicht das teilweise geschwätzige, aber immer gemütliche Vereinswandern zelebriert. Ich dachte mir nach zwei Kilometern: Den Opi vor mir hast Du doch an der übernächsten Biegung ein- beziehungsweise überholt. Nix da. Beim IVV-Wandern wird richtig Tempo gebolzt.

 

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Aber es gibt Gott sei Dank auch kurze Boxenstopps. Man muss sich durch einen Stempel legitimieren, dass man den Posten passiert hat. Ich bekam einen Schlumpf-Stempel. Und dazu noch einen warmen, süßen Tee. Das war himmlisch.

 

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Und zurück im Gemeindehaus gab es dann noch den finalen Geschafft-Stempel! Leider: No medal this year. But maybe next year, at the IVV in Lambsborn. Übrigens: Zum Thema IVV findet sich auch Interessantes in der Wanderland-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Und am 30. Januar gibt es in den Räumen des Germanischen Nationalmuseums um 19:00 einen Vortrag/Lesung über meine Wanderabenteuer.



Auf den höchsten Berg der Insel

Geschrieben am um 7:39

Mit Fifty Five besuche ich ferne Gestaden und möchte heute von einem ganz besonderen Abenteuer erzählen. Wanderort: Ischia, Wanderzeit: Sommer. Mein Plan: Vom Meerespiegel hinauf zum höchsten Berg den Insel, den Epomeo auf 788 Meter. Jedes Jahr im April urlaubt übrigens auch die Kanzlerin auf der Insel der heißen Quellen, auch sie eine begeisterte Wandererin, das aber nur so nebenbei.

 

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Nach dem Start an Ischias größtem Strand im Süden ist schnell klar, dass auf Ischia nicht die Serpentine erfunden wurde. Gnadenlos steil geht man in den Berg hinein, vierzig bis fünfundvierzig Steigungsprozente sind gar keine Seltenheit. Wenn ein Fels im Wege steht, wird der eben weggesprengt, dann verläuft der Weg durch eine hohle Gasse.

 

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Schon fast am Gipfel angelangt, ging ich über einen (ausnahmsweise) fast ebenen Weg. Das war so erholsam, dass ich schon Visionen hatte: ich sah plötzlich am Wegrand ein Kamel und noch heute glaube ich, dass ich nicht halluzioniert habe.

 

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Auf dem Gipfel war ich leider nicht alleine, eine russische Familie war schon um kurz vor 8:00 Uhr vor mir dort gewesen. Die waren bestimmt nicht auf Meereshöhe losgegangen.

 

 

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Vom Gipfel des Epomeo kann man in allen Himmelsrichtungen die komplette Insel überblicken. Bei günstigem Wetter geht die Sicht bis Neapel und Capri. Nachdem ich auf den letzten Kilometer zum Epomeo nur durch Weinberge und unberührte Natur gewandert war, hätte ich niemals am höchsten Berg von Ischia eine Berggaststätte erwartet.

 

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Aber tatsächlich: In luftiger Höhe habe ich kleines Frühstückchen zu mir genommen, für ein Belohnungsbier war es noch etwas früh am Tage. Auch die Frisur saß noch nicht richtig. Na ja, nicht so entscheidend für einen richtigen Bergfex auf Ischia.

 

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Mit diesen sonnigen Gipfel-Impressionen empfehle ich mich für dieses Jahr 2018. Ich wünsche allen andrackblog-Fans wunderschöne Feiertage! Ich lege mich jetzt einen Monat in die Kältekammer, um ab 23. Januar 2019 wieder frisch weiter zu wandern und weiter zu bloggen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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