Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mein BÄR-Schuhe wandern in den Niederlanden

Geschrieben am um 7:20

Wenn man erzählt, man sei in den Niederlanden gewandert, kommen die immer gleichen mitleidigen Blicken. Holland? Da gibt es doch nur Tulpen, Grachten und Käse. Alles flach, wo soll man denn da wandern? Womöglich noch mit Holzschuhen? Naaatürlich nicht, ich bin selbstverständlich mit meinen Qualitäts-Schuhen aus Bietigheim-Bissingen unterwegs gewesen. Und ja, es gibt tatsächlich etliche Ecken von Holland, an denen man schön wandern kann. Heute möchte ich Euch eine echte Perle vorstellen. Das Meinvennen. Dort, wo echt die Heide blüht.

 

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Analog zu einer antiken Deo-Reklame könnet man jetzt sagen: Mein Venn, Dein Venn, das Venn ist für uns alle da. Interessanterweise kann man den Namen „Mein“ von einer Allemende herleiten, es müsste also eigentlich eher „Unservennen“ heißen. Dass wir in Holland wandern erkennt man leicht daran, dass fleißig auf einen Fietspfad hingewiesen wird.

 

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Nun ist ja allen Freunden des Hollandrads bekannt, dass ein Fietspfad kein Fußpfad ist, sondern ein Weg für die Fietsen, die Fahrräder, das nationale Fortbewegungsmittel Nummer Eins im Land von Oranje und Kaas. Sehr überraschend ist allerdings, dass tatsächlich der schmale Pfad (rechts im Bild) den Fahrradfahrern vorbehalten ist, wogegen der breite Weg die Wanderer beglücken soll. Hm.

 

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Schon sehr merkwürdig. Vielleicht ist eine Erklärung, dass es sehr viele holländische Kampfwanderer gibt. Die lieben es, 40, 50, 60 Kilometer am Stück zu gehen, immer aufm Deich lang. Landschaftliche Schönheiten? Egal! Hauptsache Meter machen. Für diese ganz besondere Spezies sind natürlich die breiten Wege ideal. Aber keine Angst, man kann im Meinvennen auch auf schmalen Pfaden wandeln. Und auf sehr sandigen Wegen

 

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Meine Arnsteins haben sich gefreut, mal wieder eine Art Strandfeeling genießen zu können, wobei man sagen muss, dass doch das Sandwandern zu den anstrengendsten Übungen des Wandersports gehört. Vergleichbare Strapazen kann man nur auf alpinen Wegen erleben. Der flache niederländische Sandweg ist also sozusagen der kleine, flache Bruder der felsigen Gratwanderung.

 

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Quer durch das Mein Venn mäandert der Buschbach. Dieser Bach ist nicht irgendein Bach, sondern irgendwie verwandt mit Rhein, Donau, Inn und Oder. Denn der Buschbach ist ein veritabler Grenzfluss. Nur fällt eine im Wortsinne grenzüberschreitende Aktion bei Rhein und Oder ein klein wenig schwerer. Mit dem rechten Bein in den Niederlanden, mit dem linken in Deutschland, das ist gelebte Völkerverständigung im Spreizschritt.

 

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Wer kennt noch den berühmten Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann? Im Meinvennen bin ich auf jeden Fall auch zum Gagelmann geworden. Denn der Gagel, ein wohlriechendes Heidekraut, das ich auf dem Foto so liebevoll umarme, kann man auch hervorragend zum Bierbrauen gebrauchen. Als Hopfenersatz. Jetzt schreit natürlich der deutsche Brau-Reinheits-Freak laut auf. Aber man sollte den Stoff, das Gagelbier, mal trinken. Eine absolute Sensation. Da wird jeder Bierliebhaber zum Gagelmann!

 

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Die Welt der Wander-Kulinarik

Geschrieben am um 8:15

Wenn einer eine Wanderung macht, dann kann er etwas erleben, vor allem in der aufregenden Welt der Kulinarik.

2016 war ja für mich das Jahr des großen Rotkäppchen-Markenkäse-Gewinnspiels: 14 Wanderungen mit glücklichen Gewinnern auf den Wanderwegen Deutschlands waren für mich das gelungenste Wander-Gewinnspiel aller Zeiten. Natürlich gab es bei jeder Wanderung auch eine ordentliche Stulle für unterwegs mit original Rotkäppchen-Camembert und Rotkäppchen-Landrahm. Es gibt aber, auch das ist bekannt, noch ein anderes deutsches Nahrungsmittel, das „Rotkäppchen“ heißt:

 

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Wegen der roten Kappe war der Rotkäppchen-Sekt schon zu DDR-Zeiten legendär. Allerdings wurden die Piccolöchen-Flaschen von Rotkäppchen während der Rotkäppchen-Wanderung in Brandenburg von zwei Berliner Studenten zweckentfremdet: Als Flachmann-Ersatz für den Spezial-Wodka. Da hieß es dann Nastrovje auf Rotkäppchen, das wir komischerweise schnell doppelt gesehen haben.

 

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Bei einer anderen Rotkäppchen-Wanderung auf dem Wasserfallsteig (Schönster Wanderweg Deutschlands 2016) tranken wir nach der Wanderung mit den 20 Gewinnern noch einige Belohnungsbiere. Zu später Stunde oderte ich erschöpft und überhopft noch ein kleines Weizen – und bekam das kleinste Weizen der Welt, links im Bild.

Wieder Ortswechsel, Mosel. Eine andere Gewinnerwanderung,eine sehr schöne Veranstaltung mit der Moselland Weingenossenschaft. Erstmals in meinem Leben sah ich einen Öchslemesser.

 

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Damit konnte man punktgenau bestimmer, wie viel Öchsle man schon intus hatte, wenn ich das genau verstanden habe.

 

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Wieder Ortswechsel. Im Hochsommer bin ich im Renchtal auf dem Brennersteig gewandert, ich berichtete darüber in diesem Blog. Unser Wanderführer hatte einen Kartoffelsack dabei. Wollte der Kartoffeln sammeln und daraus ein gescheites Wässerchen nach russischer Art brennen? Weit gefehlt, im leeren Kartoffelsack, so lernte ich, lassen sich trefflich Pfifferlinge sammeln. Geschützt, aber luftig verpackt, damit sie nicht auf dem Weg zur heimischen Pfanne kaputt gehen. Wieder etwas gelernt aus der Welt der Kulinarik am Wegesrand.



Über Hansestädte, den Maierweg und „Bitte ein …“

Geschrieben am um 11:14

Ich schaue bei meinen Wanderungen immer auf die Schilder am Wegrand, da kann man sehr viel über Land, Leute und die Weltgeschichte lernen..

Zuletzt bin ich auf einem bergischen „Streifzug“ durch Wipperfürth gewandert, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren…

 

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Wenn man 100 Leute (wie damals beim Familien Duell) fragt, was Ihnen zum Begriff „Hansestadt“ einfällt, sagen mindestens 95 davon wahrscheinlich „Hamburg“. Aber nur, weil die Heimat der HSV-Looser großspurig ein HH im Autokennzeichen führt, sollte man sich nicht auf die falsche Fährte locken lassen: Hamburg war zu Hochzeiten der Hanse von 1400 bis 1600 nicht mal eine richtige Stadt, geschweige denn eine Hansestadt. Das waren damals Lübeck, Bremen, Soest, Köln – und natürlich Wipperfürth. Die Wipperfürther bewerben sich schon um das Autokennzeichen HWIP.

Menschen mit Nachnamen wie Schmidt, Müller, Maier haben immer damit zu kämpfen, sich wenig aus der Masse herausheben zu können. Wer weiß zum Beispiel , wie unser aktueller Landwirstchaftsminister heißt? Christian MüllerSchmidtMaier? Gar nicht so einfach. Um so lobenswerter, dass in der Sächsischen Schweiz vor einiger Zeit ein Wanderweg mit echten Premiumqualitäten eingeweiht wurde: Der Maierweg. Wirklich eine der schönsten Wanderwege Deutschlands!

 

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Und dann bin ich noch einem unglaublichen Werbespruch-Klau auf die Schliche gekommen…

 

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Auf dem Moselsteig sah ich dieses jahrundertealte Werbeschild für guten Moselwein. Aber ich BITte zu beachten, dass sich eine kleine Brauerei aus der Südeifel diesen Marketing-Spruch angeeignet hat, und damit zu einer deutschen Premiumbiermarke aufgestiegen ist. Echt frech…



Auf dem Erzgräberweg in Schmelz

Geschrieben am um 7:05

Ich möchte mich vorab entschuldigen. In diesem Post wimmelt es von Namenswitzen. obwohl diese, laut einem ungeschriebenen Gesetz der Unterhaltungsbranche, absolut verboten sind. Würde zum Beispiel unser nächster Finanzminister Wolfgang Nimsgern (ein – nicht nur im saarland – durchaus üblicher deutscher Nachname), so wären alle Scherze über „nehmen ist seliger als geben“ AB-SO-LUT verboten. Aber wenn eine Traumschleife in Schmelz in Saarlands Mitte startet, wird man doch auf den zarten Schmelz hinweisen dürfen, mit dem einen dieser Ortsname über die Lippen kommt. Natürlich hat der Ortsname Schmelz auch etwas mit der Industrie-Geschichte des Orts zu tun. Eisenschmelzen und so.

 

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Und die Erzgruben sind ein großes Thema auf der Traumschleife, und wie man sieht, auch durchaus für Exkursionen mit dem Mathematik-Lehrer (vielleicht ist der Mathe-Pauker ja der große Horst?) geeignet: wenn der Durchmesser = 40 Meter, wie groß ist dann der Radius r und das Volumen V? Rechne und begründe!

 

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Aber auch die Erdkunde-Lehrerin kommt zu ihrem Recht. Denn obwohl die Lausebengel aus der letzten Reihe im Schritt des Kumpels nachgrabschen, ob der auch Lebacher Eier hat, ist er durchaus interessant, sich diese spezielle Gesteinsform bei Schmelz zu betrachten.

 

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Und dann ist die Biologie-Lehrerin an der Reihe. Denn die kann etwas über die Mendelschen Gesetze erzählen, während die Schulklasse staunend ins Bohnental hinab schaut und sich fragt, wo denn diese Hülsenfrüchte nun wachsen. Und das gesamte Kollegium der unteren Baumschule von Schmelz jauchzt, wenn es ungefähr bei der Hälfte des Erzgräberwegs zum Aussichtspunkt über fast das gesamte Nordsaarland geht. Wie in der Kommandozentrale des Raumschiffs Enterprise fühlt man sich dort, didaktisch überversorgt durch drei Schau- und Panoramatafeln. Wow!

 

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Ein weiteres Highlight kurz vor Schluss dieser Traumschleife: Der Steinbruch Großer Horst. (Schlimmer Kalauer-Gag: Was sucht der schwule Adler in den Lüften? Seinen Horst) Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Menschenhand nicht nur Landschaft zerstören, sondern auch aufregend modellieren kann. wenn man das sieht, kann man sich die Fahrt an den Grand Canyon doch echt sparen, oder?

 

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Nach den sehr abwechslungsreichen 12,5 Kilometern auf dem. Erzgräberweg kann man sich dann gemütlich in den Zug setzen und nach Lebach fahren. Ach so, die Strecke ist schon seit 1980 für den Personenverkehr stillgelegt? Schade, sehr schade. dann müssen Sie eben mit der Draisine nach Hause fahren. oder zu Fuß gehen.

 

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Meine BÄR-Schuhe wandern in Baerenthal

Geschrieben am um 7:14

Meine Bär-Schuhe sind sehr international aufgestellt, wie man so schön sagt. Und meine Wander-Treter freuen sich besonders, wenn Sie an Orten wandern dürfen, die schon vom Namen her eine gewissen Bären-Anteil versprechen. In den nördlichen Vogesen findet sich, eingerahmt von einer imposanten Waldlandschaft, der kleine Ort Bärenthal. Oder vielmehr Baerenthal, denn das Französische kennt ja den Umlaut „Ä“ nicht, das sieht in französischen Augen genauso exotisch aus wie für uns das dänische „Ø“ in SMØREBRØD.

 

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Vor dem Ortsschild von Baerenthal hat sich mein Arnstein selbstständig gemacht und freut sich schon auf die kurze Wanderung im Départment 67, dem Départment Bas-Rhin. Das ist schon lustig, dass die Nordvogesen von Frankreich aus gesehen der Niederrhein sind. Wobei es in Baerenthal etwas anders aussieht als in Viersen, Hückelhoven und Mönchengladbach.

Weltberühmt in Baerenthal sind die „Ruines Ramstein“. Ein Ramstein, dass man nicht mit der amerikanischen Airbase Ramstein bei Kaiserslautern verwechseln sollte. Und erst recht nicht mit den Krach-Rockern von Rammstein. Der Name „Ramstein“ stammt übrigens wahrscheinlich von „Raben-Stein“, damit sind die Raben gemeint, die den Bären aus dem Baerenthal den Pelz gelaust haben.

 

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Interessant an dem Ruinen von Ramstein Schild ist ja auch, dass auf den „Col du petit Dunkeltal“ hingewiesen wird. „Col du petit Dunkeltal“. Das hört sich nach schwerer Bergetappe bei der Tour de France an. Ich finde auf jeden Fall die Mischung aus deutschem Originalnamen und französischer Sprachbesetzung herrlich. Aber ich wollte ja zu die Ruines Ramstein besichtigen. Und ich wandere und wandere, und sehe viel Wald, und ich sehe viele Felsen, aber was ich nicht sehe, das sind die Ruinen von Ramstein. Komplette Fehlanzeige. Möglichkeit Eins: Die Ruinen werden nach Bedarf in den Wald gestellt. Wochentags werden die abgebaut. Möglichkeit zwei: Die Bewohner von Baerenthal haben die Ruinen längst als Steinbruch entdeckt und ihre Häuser verschönert. Möglichkeit drei: Ich bin mit Blindheit geschlagen.

 

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Oder, quasi Möglichkeit vier: Vielleicht habe ich ja keine Augen für steinerne Ruinen, wenn man auf so schönen Wegen wandern darf. Wobei die Wege der Vogesen landschaftliche Ähnlichkeiten zu den Wegen der Pfalz aufweisen. Logisch, ist ja auch geographisch gesehen eine Einheit. Und meine Schuhe fühlen sich wohl auf diesen Wegen.

 

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Können diese meine Wanderschuhe doch auf flauschig weichem Weguntergrund wandeln, einem rot-sandigen Untergrund mit diesen Dingsen von der Kiefer. Ich wollte schreiben „Kiefernnadeln“ aber das ist natürlich Quatsch. Das sind doch keine Nadeln. Muss ich jetzt mal googeln. Okay gegoogelt, es handelt sich natürlich um Kieferzapfen, klar, Zapfen, wie BIER ZAPFEN, das lag mir doch auf der Zunge.

 

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Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine Baerenthal-Tour bei höchsstsommerlichen Temperaturen unternommen habe? 35 Grad im Schatten, da ist man froh über jede Menge Schatten. Oder den Badesee von Baerenthal. Erfrischung für den erhitzten Körper. Meine Schuhe waren etwas traurig, dass sie nicht mitkommen durften. Aber sie haben mir beim Baden zugeschaut und auf meinen Rucksack aufgepasst. Wandern + Baden, eine phantastische Kombination: Auf nach Baerenthal!

 

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Traumschleife Nummer 94

Geschrieben am um 6:08

Traumschleife Nummer 94, Klingelfloß. Hört sich sehr interessant an, das macht mich neugierig. Ich starte am Restaurant Birkenhof. Ich habe das mal umgekehrt gemacht, erst Essen und Belohnungsbier schon vor der Wanderung. Das hat den Vorteil, dass man sich die überschüssigen. Kalorien direktemang wegwandern kann.

 

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Wenige Meter vom Birkenhof entfernt findet sich das Eingangsportal der Traumschleife. Die aus Holz geschnitzte Glocke soll wohl an die ominöse Klingel im Titel dieses Premiumwegs erinnern. Aber jetzt mal ehrlich? Wieso ist die Glocke denn aus Holz? Die klingelt doch gar nicht. Da kann man vielleicht gegenhämmern, aber doch nicht klingeln. Ich fände es hübsch, wenn eine supergroße Klingel dort angebracht wäre, und immer wenn ein Wanderer auf der Traumschleife geht, klingelt man. Und das ist dann so laut, dass man es auch in Kastellaun und Simmern hören kann.

Man muss es ganz offen sagen, auf den ersten beiden Kilometern der Traumschleife Nummer 94 muss man schon ein großer Fan der Windkraft sein, um diese Traumschleife umwerfend zu finden. Da klingelt nicht nur das Floß, sondern es rauscht auch das Windrad.

 

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Aber es gibt immer wieder wunderschöne Pfade, kleine Stege, Brückchen, einen schönen Bachlauf, verwunschene Nadelwälder, Fischteiche des nahegelegenen Klosters, alles sehr großartig.

 

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Highlight der Tour ist natürlich das namensgebende Waldstück Klingelfloß. Das ist einfach ein etwas merkwürdiger Flurname. Und am kleinen, feinen, uralten Teich, auf dem man ganz bestimmt kein Floß braucht, denn da kann man fast an’s andere Ufer springen, an diesem Teich also steht eine wunderbar altmodische Schutzhütte für die Waldarbeiter. Nach einem Vorbild aus den Karpaten gebaut.

 

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Was ist das?

Geschrieben am um 8:52

Ich habe, fällt mir gerade auf, schon sehr lange kein Fotoquiz mehr gemacht. Dabei habe ich tonnenweise Wanderfotos, von denen ich echt nicht mehr weiß, was da genau drauf ist. Wie immer gibt es vier Möglichkeiten, Günter-Jauch-Prinzip, Ihr müsst mir helfen:

 

Was ist das?

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A: Super-leckerer Hotdog mit extra-scharfem Senf

B: Das Karnevalkostüm von Sigmar Gabriel

C: Burka für Männer

D: Ein Exhibitionist, komplett der Fleischeslust verfallen

 

Was ist das?

 

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A: Der Fotograph Jürgen Teller geht neue Wege

B: So muss man wandern, wenn man nicht auf Premiumwegen gehen will

C: Sigmar Gabriels erster Nordic Walking-Kurs

D: Stockente im Urlaub

 

Was ist das?

 

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A: Naturschutzgebiet auf Holländisch: Halt die Klappe, sei still, hier regieren die Tiere und Pflanzen!

B: Niederländischer Schutzraum für stillende Mamas

C: Stilisierte Wolken über einem See im Stile von de Stijl

D: Aufforderung an Sigmar Gabriel, ab und zu mal die Klappe zu halten

 

Was ist das?

 

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A: Das ist die goldene Mitte

B: Eine Künstlerin aus Osnabrück hat die Himmelsleiter zum Hermannsweg mit echtem Blattgold verziert

C: Ein Goldbär auf Wanderschaft

D: Stairway to heaven in Tecklenborough

 

Was ist das?

 

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A: Die beschissenste Bibliothek der Welt

B: Endlich mal genügend Lektüre für die schönsten Minuten/Stunden des Tages

C: Eine Toilette in einem Pub in Stavanger/Norwegen

D: Nie mehr Panik wegen fehlendem Klopapier



Es werde Licht

Geschrieben am um 7:43

Mitte September war ich auf einem Literaturfestival in Stavanger im westlichen Norwegen eingeladen. Natürlich habe ich meine freie Zeit dafür genutzt, mich über die Wandermöglichkeiten in Norwegen zu informieren. Vandring in Norwegen? Fabelhaft, phantastisch. An jeder Ecke Wanderwege, Küstenwege, Waldwege, alpine Wege, alles, was das Herz begehrt. Ich war regelrecht hin und weg von der Landschaft.

 

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Stellt Euch eine ideale Mischung aus den Landschaften von Mallorca, Schottland und der Schweiz vor, dann habt ihr die Landschaften von Norwegen vor Augen. Nicht nur Fjorde, sondern auch jede Menge Wälder, Binnenseen, Wasserfälle, Täler, Schluchten, Wiesen, Küste. Mehr braucht man nicht als Wanderer. Schön ist auch, dass der Norweger an die Wanderer in der dunklen Jahreszeit gedacht hat. In einem Tourismus-Katalog von Stavanger wurde zum Beispiel eine Wanderung rund um den See Halandsvatnet angepriesen. Zitat: „Ein 7,5 Kilometer langer und durchgängig beleuchteter Rundweg führt um den See herum.“

 

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Durchgängig beleuchtete Wanderwege, das ist doch der Hit! Wie oft habe ich mich im Winter geärgert (und der durchschnittliche deutsche Winter wird doch dank Klimaerwärmung immer wanderbarer) wie of habe ich mich also geärgert, dass ich mich hetzten musste, um noch vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel zu erreichen? Das müsste doch nicht sein. Warum gibt es keine beleuchteten Premiumwege? Nach Premiumstadtwandern und Premiumspazierwegen müsste nur noch das Zertifikat Nachtpremiumwandern erfunden werden. Was das alles wieder kostet? Klar, so reich wie die Norweger ist eine deutsche Kommune nicht. Aber ein wenig sollte man in einen schönen Dunkelwanderweg investieren.

 

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Man könnte durchaus die Wanderer an den Kosten des Weges beteiligen. Wenn man zwei Euro per SMS schickt (wie eine Parkgebühr) oder bar bezahlt, geht das Licht an. Dann sind die Stromkosten schon mal gedeckt. An anspruchsvollen Wegpassagen ist auch an eine Bodenbeleuchtung zu denken, vielleicht sogar an einen Leuchtspur im Boden wie im Flugzeug üblich. Mann, das ist das kommende Ding! Lasst uns darüber reden, ich bin sofort dabei, den ersten beleuchtetet Nachtwanderweg Deutschlands zu planen. Es werde Licht!



Meine BÄR-Schuhe in London

Geschrieben am um 6:22

Ein Bärxit, also jemals einen BÄR-Schuh wieder auszuziehen, ist natürlich unvorstellbar. Aber ich hatte hier und dort gelesen, dass die Briten, traditionell von allen guten Geistern verlassen (Stichworte Linksverkehr + Frühstückssitten) tatsächlich am Tag meines 51. Geburtstags für den Bräxit gestimmt haben. Das war so unglaublich, dass ich beschloss, meinen Sommerurlaub in England zu verbringen.

 

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Da ich mich relativ spät um eine angemessene Herberge in London bemüht hatte, bekam ich einen, nun ja, relativ dürftigen Schlafplatz zugewiesen. Man hatte mich bei einer Familie einquartiert, die hießen Bearsley oder so. Nicht sehr freundlich, vor allem der dicke Junge der Bearsleys ging mir kolossal auf die Nerven. Ich war im Gästezimmer der Familie unter der Treppe untergebracht worden, das war gar nicht so schlecht, ich habe meistens relativ hervorragend geschlafen.

Falls jemand auch dieses Gästezimmer buchen möchte, da sollte man mal B’är’nB nachschauen, in London-Tooting …

 

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… die Adresse des Bearsleys ist Backpacker Street 221 B, das Haus ist nicht zu verfehlen. Ich habe lustigerweise bei meinen Streifzügen durch London eine ähnliche Adresse gefunden. Weil ein englischer Ordnungshüter die Tür bewacht und sich viele Menschen mit orangenen Referntenmappen vor dem Hauseingang drängelten, gehe ich davon aus, dass es sich um den Regierungssitz der britischen Minsterpräsidentin handelt.

 

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Kreuz und quer bin ich durch die Stadt gefahren, meistens mit der Underground-Bahn. Die schüttelt einen schön durch und die Luft ist so stickig, dass ich immer froh war, wenn ich aussteigen konnte. Oft habe ich den Meisterdetektiv James in der nach ihm benannten Bond Street besucht. 007 war ein wenig melancholisch gestimmt, denn seine zukünftigen Ermittlungen und amourösen Abenteuern an den schönsten und elegantesten Lokationen wie St. Moritz, Venedig, Prag und der Cote d’Azur werden sich nach dem Brexit in Zukunft wohl deutlich schwieriger gestalten.

 

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Das wird echt peinlich für Herrn 007, wenn er bei der Einreise in diese europäischen Länder immer nach seinem Visum kramen muss.

Jetzt mal zu etwas komplett anderem: Ganz ohne Schuhe ist übrigens Paul McCartney über den Zebrastreifen der Abbey Road gegangen. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, dieses berühmteste Wander-Foto aller Zeiten nachzustellen. Natürlich bin ich in meinen Arnsteins über die Straße an den Abbey Road Studios gegangen. Eins steht fest: Hätten die Beatles schon BÄR-Schuhe gekannt, hätten die Jungs aus Liverpool sich niemals getrennt.

 

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Tradition und Evolution im Harz und in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 9:19

In diesem Sommer bin ich auf einigen Wegen gewandert, auf denen mich meine Vergangenheit eingeholt hat. Unter anderem im Harz und in der Sächsischen Schweiz. Ich bin im Harz auf dem Hexenstieg zwischen Treseburg und Tahle im berühmten Bodetal gegangen und in der Sächsischen habe ich die traditionellen Highlights Bastei und Schwedenlöcher besucht. Ich wurde bei diesen Touren von Mitwanderern oft gefragt, wann ich denn diese Wege im Harz und in der Sächsischen Schweiz das erste Mal gegangen bin. Die Antwort treibt mir die Tränen in die Augen: Das war 2004, ich war noch nicht mal 40 Jahre alt, die Harald Schmidt Show war noch ein Versprechen und nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet und Gerhard Schröder war unser Kanzler. Ganz schön lange her.

 

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Deshalb kann ich mich auch nicht im geringsten daran erinnern, 2004 im Harzer Bodetal über die Teufelsbrücke gegangen zu sein. Ich wurde dann aber aufgeklärt, dass die Brücke vor ein paar Jahren grundsaniert wurde. Dabei hat man wahrscheinlich auch direkt die äußerst geschmackvolle Teufelsbandarole über der Brücke installiert. damit auch Analphabeten merken, dass sie gerade über die TEUFELSbrücke gehen. Eine vergleichbare Bandarole hätte ich mir etwas flußabwärts auch für die JUNGFERNbrücke gewünscht. Leider Fehlanzeige…

 

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Im Bodetal kann man sich wirklich nicht verlaufen, trotzdem ist natürlich jeder Wanderer immer froh über beruhigende Wegmarkierungen. Der HET-Weg geht auch durch’s Bodetal, gepflegt vom Harz-Klub. Ich finde ja ehrlich gesagt die Bezeichnung Klub für einen Wanderverein toll. Es gibt den EifelVEREIN, den Schwäbische AlbVEREIN, den Sauerländischen GebirgsVEREIN, den SchwarzwaldVEREIN und dutzend weitere Vereine. Aber den Harz Klub. Und den Rhönklub. Und Kraftklub. Klub, das hat etwas Feines, Snobistisches, Englisches, Distinguiertes. Gefällt mir.

 

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In der Sächsischen Schweiz bin ich seit 2004 sehr sehr oft gewesen, aber trotzdem bin ich in den Schwedenlöchern immer an dem großartigen Antik-Graffito „ICH“ vorbei gegangen. Kann das wirklich sein, dass das aus dem Jahre 1782 stammt, also sieben Jahre, bevor ein paar französische Halbstarke die Bastille erstürmt haben? Unglaublich! Es waren doch wahrscheinlich eher Außerirdische vom Planeten 178-Z, die sich mit einem markigen ICH in den Schwedenlöchern verewigt haben.

 

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Auch der Blick von der Bastei ist in den letzten Jahren ein anderer geworden. Nun gut, es war schon im Jahre 2000, dass ein beträchtlicher Brocken vom Felsen in der Mitte herab gestürzt war. Der Fels hat sich einfach aus dem Staub gemacht, ein Saxit auf Raten.

Und noch etwas war 2004 anders…

 

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… ich war damals noch gelenkiger als heute, und hätte nicht mit Schmerzensmiene kleinere Niedrigpassagen im Elbsandsteingebirge bewältigt. As Times go by.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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