Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 2

Geschrieben am um 06:45

Letzte Woche habe ich schon ein wenig über meine Wanderung mit dem Schwäbischen Albverein auf dem Westweg berichtet. Wie ist er denn nun so, dieser Westweg, den man ja schon fast legendär nennen kann und muss. Es ist fraglos der beliebteste aller Schwarzwälder Weitwanderwege und stellenweise, zum Beispiel auf der Passage hinter der Darmstädter Hütte, ein wirklich zauberhafter Weg.

 

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Zu dem schönen Weg passten die schönen zwischenmenschlichen Kontakte in der Wandertruppe. Nun mal ehrlich, dafür wandert man doch in einer so riesigen Gruppe, dass man sich richtig kennen lernen kann. Und zwei Singles aufeinander treffen, wird ja vielleicht ja auch mehr draus. Ich belauschte auf jeden Fall ein sehr interessantes Anbandelungsgespräch. Normalerweise checkt man erst einmal, ob gemeinsame Interessen vorhanden sind, der Musikgeschmack auf einen Nenner zu bringen ist, so ein Zeug eben. Aber wie die zwei turtelnden Täubchen sich erst einmal über ihre Vorlieben bei Haushaltsgeräte austauschten, das war mir neu. „Das ist ja lustig, ich habe auch eine Miele-Spülmaschine“ – „Ich schwöre ja auf die Siemens-Staubsauger – ach was, Du auch?“ Ich habe die Hochzeitsglocken schon läuten gehört, statt Konfetti und Reis werden aber Staubsaugerbeutel geworfen.

 

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Aber auch das ist der Westweg: Schnurgerade, breiter, staubiger, schattenfreier Weg, und dann kommt auch noch der Granit-Transporter. Das Gute war, er hat tatsächlich abgebremst und ist im Schritttempo an uns vorbei gefahren. Der Nachteil: er kam insgesamt dreimal an uns vorbei, scheint immer im Kreis gefahren zu sein, Hat der Granit-Transporter-Fahrer Fuzzy keine anderen Hobbys?

 

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Dann der Lotharpfad. Ich dachte ja zuerst, dass das ein spezieller Weg am Westweg wäre, der einem ollen König, Lothar der Barfüssige oder so, gewidmet worden wäre. Aber weit gefehlt: Lothar ist ein Schreckensname für die Bäume des Schwarzwald, denn dieser Sturm aus dem Jahre 1999 sorgte für umfassenden Kahlschlag.

Die Idee des Lotharpfades ist nun, eine dieser Sturm-Flächen im chaotischen Ist-Zustand von Dezember 1999 zu belassen. Seither ist natürlich einiges gewuchert und gewachsen, so dass man einen achterbahnartigen Weg, um nicht zu sagen: Holzweg gebaut hat, um über umgestürzte Bäume gefahrfrei klettern zu können.

 

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Besser aber noch als das Erlebnis Lotharpfad waren mal wieder die erfrischenden Gespräche mit meinen lieben Oberboihingern. Ich muss aber noch mal genau hinschauen, welche Marke meine Spülmaschine und mein Staubsauger hat, kann man vielleicht irgendwann noch mal gebrauchen…



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 1

Geschrieben am um 06:26

Seit meinem letzten Wanderbuch sollten meine Oberboihinger Wanderfreunde Euch genauso an‘s Herz gewachsen sein wie mir. Alle zwei Jahre veranstalten die rührigen Wanderer des Schwäbischen Albvereins aus Oberboihingen eine lange Wanderwoche. 2010 war ich an der oberen Donau mit ihnen gewandert und abends auf der Hütte „Rauher Stein“ beim Belohnungsbier das 548. Mitglied der Ortsgruppe Oberboihingen geworden.

 

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Im Juni 2014 war die Truppe auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs, von Pforzheim nach Hausach. Ich bin eine Etappe mitgewandert und wurde an der Darmstädter Hütte oberhalb von Seebach herzlich von meinem Wanderfreund Richard begrüßt. Dann gab es das unvermeidliche morgendliche Singen. Aus den ausgeteilten Liederheften intonierten wir „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…“. Das hat der gute alte Eichendorff gedichtet, hatte ich gar nicht gewusst.

 

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Und dann sangen alle noch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Das war sehr nett, war mein Geburtstag doch schon seit zwei langen Tagen in Vergessenheit geraten. Aber sie hatten ja recht mit dem Lied. Ich würde mich ehrlich gesagt auch sehr vermissen, wenn ich nicht geboren worden wäre.

 

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Wir waren kaum drei Kilometer gewandert, da rasteten wir auch schon wieder, und zwar passenderweise auf dem sogenannten Ruhestein. Pause natürlich nicht wegen Erschöpfung, sondern weil wir auf eine naturkundliche Führung warteten. Exakt auf dem flachen Ruhestein verläuft übrigens die Grenze zwischen Baden und Württemberg, die hochexplosivste Grenze nach Nord- und Südkorea.

 

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Ehrensache für die Oberboihinger, mit dem Hintern noch knapp im württembergischen Heimatland zu sitzen. Praktischerweise konnte man mit der Hinwendung des Hinterteils Richtung Baden auch deutlich machen, was man von diesem Landesteil zu halten hat. Als Wanderschwabe. Nächste Woche berichte ich weiter über die Wanderung mit „meinen“ Oberboihingern, erzähle, wie der Westweg so ist, was es mit dem Lotharpfad auf sich hat und wie man sich zwischenmenschlich unter Schwaben so annähert.



Locker Bleiben

Geschrieben am um 07:31

Kytta-Wanderung die Dritte: Wandern in der neuen Heimat auf der immer wieder sensationellen Saarschleifen Tafeltour. Die Saar, die Burg Montclair, die Fähre Welles über die Saar, das urige Steinbachtal und dann, natürlich: Die Saarschleife.

 

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Ich fand es gut, dass viele Teilnehmer der Kytta-Wandergruppe nicht aus dem Saarland kamen, und das Erlebnis Saarschleife Neuland für sie war. Böse Zungen sagen ja, dass der Saarländer die Saarschleife nicht wegen ihrer natürlichen Ursprünglichkeit liebt, sondern weil sie die Form der beliebten Fleischwurst, der Lyoner nachbildet. Aber das ist natürlich Kokolores. Freudig überrascht war ich, dass es – vergleichbar mit den durstigen Kytta-Freunden in der Pfalz – auch schon regelrechte Kytta-Wanderfans an der Saarschleife gab, die schon im letzten Jahr (an der Burg Eltz) dabei waren. Im Gedenken an die durstige Pfalz noch ein Bild-Dokument. Ohne Worte.

 

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An der Saarschleife kreiste nicht die Weinschorle, sondern Kytta-Stammgast Clemens hatte selbstgebrannten Schnaps dabei. Clemens kommt aus der Umgebung von Wiesbaden, in seinem Heimatort verehrt man aber einen gebürtigen Saarländer, der die Kultur des Obstvereins ins Hessische exportiert hat. Ein Saarländer macht die Hessen glücklich – so viel Völkerverständigung war selten. Ein Rezept für den Weltfrieden? Sollten die saarländischen Obstbauvereine verstärkt bei der Hamas missionieren? Oder bei NSA/CIA/KGB? Völker hört die Signale, brennt mehr Schnaps!

 

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Zu der herrlich entspannten Wanderung passte schließlichdas Motto der Saarschleife, die sich ein ganzes Bundesland im Südwesten Deutschlands zu eigen gemacht hat:

 

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Bopparder Traumschleife Fünfseenblick

Geschrieben am um 15:46

Die Fünf steht: ich hatte letzten Montag alle meine fünf Sinne beisammen, als ich meine fünfte Traumschleife in Boppard wanderte, meine fünf Freunde (und noch mehr) wanderten mit: Auf zum Fünfseenblick. Start im Kurpark von Bad Salzig, der erste Höhepunkt schon nach einem guten Kilometer: Tolle Aussicht an einer Felsnase mit Blick auf Bad Salzig, den Rhein und die beiden Burgen auf der anderen Rheinseite, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein

 

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“Feindliche Brüder” werden diese beide Burgen genannt, sie stehen ja auch ganz schön nahe. In diesem Zusammenhang muss ich erneut auf den Blödsinn hinweisen, die beiden sehr weit auseinander liegenden Burgen in der Nähe der Loreley “Katz” und “Maus” zu nennen. Ein klarere Fall von Etikettenschwindel, die beiden Burgen sind so weit entfernt, dass eine ganze Zeitzone dazwischen liegen könnte. Dagegen die feindlichen Brüder, das ist Nähe. Oder Ober- und Niederburg in Manderscheid: Die spielen wirklich miteinander Katz und Maus. Ich fordere den Bundespräsidenten und den Weltkulturerberat auf, diesen Blödsinn zu unterbinden, Katz und Maus die Namensrechte zu entziehen und Burg Sterrenberg sowie Burg Liebenstein dafür Katz und maus zu nennen.

 

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Wo ich schon bei den Beschwerden bin. Beim nächsten Ausblick der Traumschleife betet uns eine hölzerne Nonne an. Die Arme, muss sich immer diese verschwitzten Wanderer anschauen. Dabei würde sie viel lieber Richtung Rheintal blicken, wie es historisch bei Ihrer Vorgängerin aus Stein auch Usus war. Ich unterschreibe daher jede “Dreht-die-Nonne-um-Hundertachtzig-Grad-Petition” sofort.

 

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Als ich das Höhenprofil der Traumschleife Fünfseenblick sah, war ich schon beeindruckt: Von Rheinniveau im Kurpark geht es hinauf auf über 500 Meter. Das ist eine amtliche Höhendifferenz. Das Höhenprofil hat mich irgendwie an den Paramount Berg im Vorspann vieler Hollywood-Filme erinnert. Daher war es auch kein Wunder, dass sich das Teilnehmerfeld der Mitwanderer ganz schön auseinander zog. Ich hielt mich in Blickweite der Bergziegen und unterhielt mich am höchsten Punkt der Tour, nahe der Fleckertshöhe, mit dem roten-T-Shirt-Mann aus Gießen.

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Der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen erweiterte mein Wanderwissen um einige Anekdoten seiner Dolomitentour mit spektakulärer Rettung durch die Bergwacht inklusive Hubschrauberflug. Und ich nahm seine eiserne Regel mit: Das Outfit eines Wanderers muss immer rot sein: Rotes T-Shirt, rote Regenjacke, roter Rucksack, sogar rote Unterhose. Denn: wenn man in Bergnot gerät (kann auch in der Gemeinde Boppard schnell passieren), kann man sich mit dieser Signalfarbe immer bemerkbar machen. Ob der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen bei seiner Bergrettung auch seine Unterhose geschwenkt hat, habe ich vergessen zu fragen.

Schließlich kam unsere kleine Wandertruppe ohne jede Zwischenfälle und Hubschrauberrettungsaktionen am Aussichtsturm des Fünfseenblicks an. Ich habe mich da tatsächlich hoch getraut.

 

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Dass das für einen alten Vertigo-Patienten wie mich kein leichtes unterfangen war, zeigt dieser Blick durch viele Gitterroste zwanzig Meter in die Tiefe. Hat mal jemand darüber nachgedacht, warum ein “Gitterrost” “Gitterrost” heißt? Natürlich weil die Dinger rosten können. Na ja, immerhin war der Blick oben vom Turm gigantisch. Obwohl man nur vier “Seen” sehn konnte. Im Sommer ist der Wasserstand des Rheins eben zu niedrig, den fünften “See” kann nur im Winter erblicken.

Ab dem Aussichtsturm ging es nur noch bergab und wir erreichten wieder den Kurpark von Bad Salzig. Dort sah ich, dass es in der Kurklinik eine Kinderbetreuung gegeben hätte. Hätte ich das mal gewusst, dann hätte ich meine fünf Bälger ja mitbringen können.

 

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Fazit: Ich muss sagen, dass der Fünfseenblick eine sehr fordernde Traumschleife ist, aber eine sehr lohnende. Beim Fünfseenblick kann man alle Fünfe gerade sein lassen, denn kann man ja eh nur vier “Seen” sehn. Und eigentlich ist doch die “Vier” das, worauf es ankommt, worauf wir alle hoffen: Auf den vierten Stern auf der Brust unserer Nationalmannschaft am Sonntag im Maracana.



Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel?

Geschrieben am um 09:07

Bin zuletzt auf dem Rheinburgenweg gewandert und sah kurz vor Oberwesel einen Skulpturenpark mit teils grausigen, teils unterirdischen, teils tollen und manchmal auch peinlichen Exponaten. Zur letzteren Kategorie gehörten mehrere „Troll“-Figuren wie diese hier, die unter dem Titel „Rheines Lust“ einen verkommenen Penner-Troll mit Flaschbier auf einer Parkbank darstellen soll.

 

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Schön fand ich, dass sich keiner zu diesem „Kunstwerk“ bekennen wollte. ‚Künstler unbekannt’ – sehr lustig, wie muss ich mir das vorstellen? Lagen die Troll-Kunstwerke wie Findelkinder am Straßenrand, keiner kennt die Eltern? Oder sind die Trolle von Beltracchi gefälscht worden? Sehr mysteriös.

Dann doch besser mit einer der schönsten Aussichten auf den Rhein (wenn man von den Rheingold-Traumschleife-Ausblicken absieht) im Günderrodehaus ein Bier trinken und einen Flammkuchen essen…

 

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… Danke Edgar Reitz, hätten Sie nicht Heimat 3 in Oberwesel in diesem fiktiven Günderrodehaus gedreht, gäbe es diesen lauschigen Ort gar nicht. Fiktion schlägt Realität, das ist KUNST!!!

 

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Wenn man in Oberwesel ist, ist man noch lange nicht am Bahnhof, sondern geht noch gefühlt kilometerlang an der Stadmauer von Oberwesel vorbei, die zweitlängste Mauer der Welt nach der chinesischen. Daher müsste auch die Werbetafel von Oberwesel etwas modernisiert werden:

 

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Erst mal wäre es schön, wenn man irgendwo noch ein „Ü“ entdecken würde, denn das hochgestellte Umlaut-“E“ von „Tuerme“ sieht doch etwas merkwürdig aus. Und dann müsste es heißen: Oberwesel: Stadt der Türme, der Heimat-Drei-Drehorte, des Weines, der Mauer und der hässlichen Troll-Kunstwerke.



Alles nur Materie

Geschrieben am um 08:04

Normalerweise geht es beim Wandern um die pure Natur, um Himmel, Flüsse, Wege, Bäume. Heute soll es mal um tote Materie gehen, um Material sozusagen. Na gut, ein bisschen auch um Bäume…

 

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Nehmt nur mal diese Sinnenbank am Aussichtspunkt Wilpertskopf, auf der ich mich so entspannt auf der Rheingolf-Traumschleife dahin lümmele. Sieht auf den ersten Blick ganz „normal“ aus. Aber was ist schon „normal“? Ein 5:1 von Holland gegen Spanien? Nein, diese Sinnenbank ist eine Recycling-Bank, das was die DANKE-Klopapierrolle für den Toilettenbereich ist, ist diese Sinnenbank für den Wanderweg. Diese Bank sagt nicht: Ich war ein Dose. Nein, die Bank sagt: Ich war einmal ein oder mehrere Gelbe Säcke. Eine Plastikbank. Vorteil 1: Recycling ist immer löblich, ein schönes Gefühl, auf seinem alten Joghurtbecher zu sitzen. Vorteil 2: sie verrottet nicht so schnell wie eine Holzbank. Nachteil: Wird bei Sonnenbestrahlung tierisch heiß. Mir wurde es aber aus anderem Grund heiß und kalt, als ich auf der Bank lag, denn ich hörte, wie eine aufgeregte Frau von einem umgestürzten Baum am Wandererparkplatz berichtete. Hier ist der Schlingel:

 

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Und ratet mal welches Auto genau unter dem Baum stand. Kleiner Tipp: Das Kennzeichen fing mit SB an und es war ein Geißbock-Aufkleber drauf. Wow, so schnell habt Ihr das erraten? Genau, es war mein geliebtes Wanderauto, im Bild rechts.

 

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Die Heckscheibe hatte sich entmaterialisiert, ich bin sturmgeschädigt! Aber was ist das auch für ein dummes Auto! Es weiß seit fast zwei Jahren, dass es das Auto eines Wanderers ist, und dann stellt sich dieses blöde Ding genau unter einen Baum, der beim ersten Windhauch einfach umfällt. Wenn die Heckscheibe erneuert ist, bekommt die Karre erst mal eine Woche Stubenarrest, Strafe muss sein. Aber was soll‘s, ist eh alles nur Materie, oder?



Traumschleife Rheingold

Geschrieben am um 05:59

Um es vorwegzunehmen: Ich bin meines Wissens noch nie einen Premiumweg mit so vielen exquisiten Ausblickmöglichkeiten gewandert. Neben den kleinen, immer wieder überraschenden Ausblicken in das Rheintal, sozusagen den Zwischen-den-Bäumen-Ausblicken, gibt es bei der Rheingold-Traumschleife zwischen Holzfeld und Hirzenach sagenhafte elf “amtliche” Ausblicke mit Bänken, Liegen und Hütten.

 

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Man sollte also eine Menge Zeit für die Rheingold-Traumschleife einplanen, denn an den Aussichtspunkten mitsamt liebevoll und außerordentlich interessant gestalteten Infotafeln vorbeizuhasten wäre eine Sünde. Damit man nicht so rast, sollte man sich die Zeit schön einteilen. Daher ist es neuerdings auf den Traumschleifen so etwas wie ein Standard geworden, jeden einzelnen Kilometer des Wanderwegs auszuweisen.

 

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Eine äußerst sinnvolle Maßnahme, möchte man doch jederzeit wissen, wo man ist. Man muss es sich nur merken können. In der Wandergruppe, mit der ich auf der Rheingold-Traumschleife unterwegs war, wurde immer wieder diskutiert, was denn die letzte Zahl auf dem Kilometrierungs-Schild gewesen sei. “Wir sind schon bei der ‘Sieben’ durch” – “Nein, ich habe schon die ‘Acht’ gesehen”. Betretenes Schweigen, als wir kurz danach erst an der ‘Sechs’ vorbei gingen.

An der Ein-Kilometer-Markierung wird auf das erste Highlight, den Wilpertskopf, hingewiesen. Zuerst war ich schockiert, was haben die Bopparder denn mit dem Kopf von Klaus Wilpert, mit dem ich dereinst Abitur machte, veranstaltet? Aber es handelt sich beim Wilpertskopf quasi um die Loreley von Holzfeld, einen charakteristischen Felsen.

 

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Netter Service am Aussichtspunkt Wilpertskopf: Wir genossen den Ausblick über den Rhein, knabberten an Käsehäppchen und genossen den Riesling der Familie Neyer aus der benachbarten Lage Hirzenacher Probsteiberg. Welche Nachricht mich bei Käse und Wein erreichte, davon berichte ich nächste Woche. Die Pause war klasse, hat aber unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) nicht gerade nach oben gejagt. Am Ende haben wir über vier Stunden für die 10,6 Kilometer der Rheingold-Traumschleife benötigt. Das ist wahres Genusswandern.

 

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Für die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit sorgten aber auch ordentliche Steigungsprozente auf traumhaften Bergsporn- und Winzerpfaden. Zwar gibt es noch Wein rund um Hirzenach, wir hatten ja am Wilpertskopf auch welchen verkostet, doch viele Rhein-Hänge sind verbuscht und werden seit Jahrzehnten nicht mehr als Wingert genutzt. Wir gingen durch diese bezaubernden ehemaligen Weinhänge, die ursprüngliche Nutzung kann man noch an einigen Stützmauern erkennen. Damit wir beim Wandern auch immer freie Bahn hatten, hatten wir den Ortsvorsteher von Holzfeld dabei.

 

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Unser Mann mit den Scherenhänden war ziemlich erbost, als ich wagte zu erwähnen, wir würden im Hunsrück wandern. Da wurde ich belehrt, dass der tiefe Hunsrück erst hinter der A 61 anfängt. (Die wurde wahrscheinlich nur als eine Art Limes zum Hunsrück gebaut). Und nein, natürlich wären wir am Rhein, im Rheintal. Er hat mir das dann auch sehr überzeugend geologisch erklärt, so dass ich das nachvollziehen konnte.

Den spektakulärsten Wegabschnitt unter vielen phantastischen Stellen der Rheingold-Traumschleife gab es aber kurz vor dem Ziel…

 

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… Über ein Feld hinab Richtung Rhein, es sieht so aus, als wäre der Rhein die Verlängerung der Traumschleife, das Rheingold liegt zu unseren Füssen. Das muss man zelebrieren, das ist doch wohl klar. Ganz großes Kino! Apropos Kino: Da Edgar Reitz, der alte Heimat-Filmer, auch ein Spezialist für großes Kino ist, hat er an diesem magischen Ort gedreht. Zweite Folge von “Heimat”, Eduard kommt mit seiner Frau Lucie aus Berlin mit dem Auto und macht Picknick genau an der Stelle, die ich so überaus geil finde.

 

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Der Vorteil, den aber alle Wanderer gegenüber den Filmfiguren Eduard und Lucie haben: Wir sind nicht mit dem Auto vorgefahren, sondern durften wandern. Und können so erst richtig den rheingoldigen Ort erfassen. Am 7. Juli geht es weiter mit meiner Bopparder-Traumschleifen-Tournee auf dem “Fünfseenblick”.

 



Der Mann, der aus der Kelte kam

Geschrieben am um 07:05

Mitte Mai bin ich wieder mit Kytta gewandert, ich kann mir nicht helfen, aber diese „Kytta bewegt“-Wanderungen werden langsam Kult, oder bin ich bei diesem Thema etwa nicht objektiv? Auf jeden Fall wandern wir mit Kytta auf den schönsten Wanderwegen der Welt, auf den Wegen der Premiumwanderwelten. Am 15. Mai war ich auf dem Traumpfad „Höhlen- und Schluchtenpfad Kell“ unterwegs, und hatte dabei einen ganz speziellen Wegbegleiter:

 

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Christianix ist der große Kelte der Region, bezeichnet sich selbst als den Mann, der aus der Kelte kam. Er war absolut korrekt gewandet, selbst die Socken sind genadelt und nicht gestrickt. Ich lernte, dass Kelten am liebsten Hunde aßen, ob das auch auf Christian zutrifft, weiß ich nicht. Selbst sein Handy, das auch schon die Kelten kannten, hatte er in einem originalen Kelten-Handy-Beutel, faszinierend.

 

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Der Kelte kannte sich wirklich in und um Kell hervorragend aus, und konnte so auch hervorragend die Trass-Höhlen erklären. Trass ist ein Überbleibsel der letzten vulkanischen Eruption in der Laacher Gegend, eine Art verfestigte Asche. Als ich hörte – Höhlenpfad – dachte ich, klar, da wandert man an so einer Höhle vorbei, guckt kurz rein, weiter. Falsch, bei diesem Traumpfad geht man in die Höhlen, in‘s Finstere hinein und hindurch, absolut spektakulär.

 

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Und schließlich konnte ich ein Häkchen auf meinem Traumpfade-T-Shirt machen: Der 13. Traumpfad für mich, die Hälfte habe ich geschafft!

 

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Knutschen, Quickie, feucht

Geschrieben am um 08:00

In der aktuelle ZEIT vom 5. Juni habe ich einen schönen (ich bin vielleicht etwas zu voreingenommen, um das beurteilen) Text über meine Wanderung im luxemburgischen Vianden geschrieben. Wer‘s (noch) nicht gelesen hat, es geht um „Sing by Foot“, das Konzept kurz zusammengefasst: Morgens treffen sich wildfremde Menschen in einem Ort in Luxemburg, proben einige Lieder, gehen gemeinsam wandern, singen in der Natur weiter. Und am Nachmittag wird das Ganze vor Publikum zum Vortrag gebracht.

 

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Hier nun die ungezeigten Bilder: Zum ersten natürlich die gelbe Knutschbank an einem verwilderten Wegstück, die mir Christian stolz präsentierte. Er schien so begeistert, dass ich Angst hatte, er würde mich zum Knutschen mit auf die Bank zerren. Christian meinte, das mit dem Knutschen mit Blick auf die Skyline von Vianden sei total aus der Mode gekommen im Zeitalter des Quickies. Er wurde korrigiert, dass heiße Selfie. Das kommt auf die Reihenfolge an, manchmal gilt auch: Erst Selfie, dann Quickie

 

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Aber wenn dann Knutschen oder Quickie auf der Bank, dann doch bitte etwas gemütlicher. Ich bevorzuge da eher das Modell „Irish Moos“, vor allem wenn es leicht feucht ist

 

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Bevor der heutige Blogeintrag total in‘s Schlüpfrige abgeleitet (obwohl die Key-Words „Knutschen“, „Quickie“ und „feucht“ bestimmt eine ganz neue Leserschaft auf meinen Wanderblog bringt) zum Schluss noch etwas aus der Abteilung Feuilleton/Hochkultur. In Vianden kann man nämlich direkt an der Our das Hotel bewundern, dass Victor Hugo einst führte. Quatsch, er hat da nur gewohnt.

 

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Ist aber auch nicht ganz korrekt, denn nur seine Frau und seine Mätresse wohnten in dem Hotel (die scheinen sich ja blendend verstanden zu haben). Der alte Hugo wohnte im Haus Vis-a-via, was ihn aber nicht daran hinderte, seiner Mätresse eifrig Briefe zu schreiben und die halbe weibliche Bevölkerung von Vianden zu schwängern. Wobei wir wieder bei der Knutschbank wären…



Nachtrag zu den Dingen, die ein Wanderer unbedingt benötigt und Neues vom roten Hemd und Kloppo

Geschrieben am um 10:56

Ich muss mich entschuldigen, aber meine Liste vom 28. April – Drei Dinge, die ein Wanderer benötigt… – war natürlich sehr unvollständig. So sah ich kürzlich diesen jungen Mann:

 

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Zuerst dachte ich, das benutzte Gerät wäre ein Asthmaspray aus Holz. Dann war ich mir sicher: das müsse ein mobiles Sauerstoffgerät sein, welches Wanderern im Mittelgebirge auch Gipfelbesteigungen ab 500 Meter ermöglicht. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es handelt sich tatsächlich (wäre auch mal was für Dings vom Dach) um eine Nasenflöte, die den Kuckuck imitiert. Akustisch sehr beeindruckend. Der junge Mann auf dem Foto antwortete mit dem Ding auf der Nase einem Kuckuck auf der anderen Talseite. Glaubte er. Ich vermute eher, dass dort ebenfalls ein Nasenflötenkuckucksimitator saß, und sich am Wechselspiel der urigen Laute erfreute.

Und dann das:

 

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Als ich es sah, wusste ich, dass ich das schon mein ganzes Wanderleben vermisst hatte. Ein Haken an der Rückenlehne einer Aussichtsbank, um den Rucksack aufzuhängen. Endlich steht der Rucksack nicht mehr im Schmodder oder nimmt anderen Wanderern einen Platz auf der Bank weg.

 

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Ich weiß jetzt auch, warum der Bopparder Bürgermeister Bersch (BBB, vergleiche den Eintrag vom 2. Mai) beim Wandern stets ein rotes Hemd trägt. Es ist seiner alten Liebe zum 1.FC Köln geschuldet, der Zeit, als er noch stolz den Autogrammen von Wolfgang Weber und Wolfgang Overath hinter her jagte. Ich dachte schon, es wäre vielleicht ein politisches Statement gewesen, so kann man sich täuschen. Ich werde als überzeugter Fan des FC selbstverständlich auch versuchen, in Zukunft in Rothemden zu marschieren…

 

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Wo ich schon beim Thema Fußball bin: ich habe sein Refugium gefunden, ich weiß, wo er den letzten Sommer verbracht hat, ich kann sagen, wo er sich das frische Haupthaar bürstet: Kloppo hat – landschaftlich überaus reizvoll – an der Ehrbachklamm eine Wochenendresidenz bezogen. Nur mal ehrlich Kloppo – ist das so schlau, auf deine Waldhütte auf großen Wegweisern hinzuweisen? Ich weiß es nicht.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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