Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Der fünfte Wanderbahnhof in NRW

Geschrieben am um 11:17

Ein rundes Jubiläum im größten deutschen Bundesland: Zum fünften Mal schon wurde der wanderbarste Bahnhof des Landes ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte der Bahnhof von Schladern an der Sieg die Ehrung entgegen nehmen.

 

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Auf dieser Panoramaaufnahme von Schladern kann man den Bahnhof (ganz in Rot) etwas rechts vom Bildzentrum hervorragend erkennen. Traditionell eröffnete ich den Wanderbahnhof mit den Gewinnern von “wunderbar wanderbar” und dem Verkehrsminister von NRW, Herrn Groschek. Herr Groschek ist immer froh, es mal nicht mit kaputten Autobahn-Brücken zu tun zu haben, sondern mit hervorragenden Wanderwegen. Und der Verkehrsminister erfreute sich am Highlight von Schladern, den Niagara-Fällen der Region.

 

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Beim Siegwasserfall von Schladern handelt es sich angeblich um den breitesten und höchsten Wasserfall von, Trommelwirbel – - – NRW. Kann das wirklich stimmen?

Aber der Sieg-Wasserfall ist nur einer von sehr vielen Highlights des Mäanderwegs rund um Schladern. Ein anderes ist die Burg Windeck. Die größte Sensation aber ist die Super-Super-Gulaschsuppe des Cafés am Fuße der Burg.

 

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Mir wurde aber nicht klar, ob die Gulaschsuppe so super ist, oder alleine die Tatsache, dass es überhaupt dort etwas zu essen gibt. Wirklich phantastisches Essen gab es dann aber zum Abschluss der Wandertour im Biergarten “Elmore”. Ein höchst alternatives Unternehmen mit selbst gemauertem Holzbackofen und vielen vegetarischen Spezialitäten. Unter anderem: “Gemüsesticks mit Dinkelkräckern” sowie “Gemüsedings mit Curryzeugs (voll veggie)”.

 

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Auch im Elmore war der Minister und seine Familie übrigens noch dabei – keine Selbstverständlichkeit, lassen sich doch hochrangige Politiker bei einer solchen Wanderung gerne mal, nachdem die Pressefotos gemacht sind, von ihrem Chauffeur abholen. Oder sie sind gänzlich am Wandertag “verhindert”. Nicht so Wanderminister Groschek, der schon seit drei Jahren mitwandert, Chapeau!



Auf der Suche nach dem Hasen in der Kammer

Geschrieben am um 12:07

Anfang letzter Woche bin ich die Bopparder Traumschleife „Hasenkammer“ gewandert. Im Unterschied zu den anderen fünf Traumschleifen in Boppard gibt es keinen Rheinblick, sondern Hunsrück pur. Und die Suche nach der Kammer des Hasen. Zu meiner großen Freude war bei der Wanderung wieder der BBB dabei, der Bopparder Bürgermeister Bersch.

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Dr. Walter Bersch ist der Mann am rechten Bildrand, der gerade den Mund etwas voll genommen hat. Sie waren aber zu köstlich, diese süß-reifen Mirabellen an dem Obstbaum am Wegesrand. Ich habe mindstens zwanzig davon genossen. Wir waren am Ortsrand des Bopparder Ortsteils Herschwiesen gestartet. Und – wie der Namen schon andeutet – gibt es rund um Herschwiesen viele Wiesen, Obstwiesen. Traditionell sind Streuobstwiesen ein Jahrhunderte altes Kulturgut. Nicht so rund um Herschwiesen. Dort sind dank Bürgerengagement seit 2006 etliche Obstbäume gepflanzt worden.

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Eine der Verantwortlichen für das Obst-Wunder von Herschwiesen ist Peter Kreiser, Vorsitzender des Vereins Pro Obst. Man kann sich allerdings auch nicht vorstellen, was ein Verein Contra-Obst bezwecken sollte. Peter Kreiser zeigte mir auf jeden Fall eine Info-über-Obst-Klappe. Achtung, nicht einfach achtlos auf der Traumschleife „Hasenkammer“ an allen Info-Tafeln vorbei laufen, einfach mal alles hochklappen, was klappbar aussieht, vielleicht ist noch eine Info darunter versteckt.

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Wir erreichten dann ziemlich zügig einen Schießstand, an dem man in aller Ruhe auf die Hasen in der Kammer schießen kann… Ach ne, Quatsch, das sollte ein Bilderrahmen sein, um das Dorfzentrum von Herschwiesen mit der bemerkenswert prächtigen Barockkirche St.Pankratius in’s rechte Bild zu rücken. Der Bilderrahmen war aber derart niedrig platziert, dass man – eigentlich passend zum sakralen Bildinhalt – schon hinknien musste, um den Kirchturm im Bildmittelpunkt zu haben.

„Hasenkammer“, der Titel unserer Traumschleife, ist übrigens eine Flurbezeichnung, durch die wir kurz hinter Herschwiesen wanderten. Um es vorwegzunehmen: Wir haben keinen Meister Lampe auf unserer Wanderung gesehen.

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Allerdings trafen wir einen riesigen Schmetterling. Aus Filz. Diese Filzinstallation gehörte zu einer Reihe von künstlerisch gestalteten Filzobjekten, die am Wegesrand hängen, liegen oder an Bäumen versteckt sind. Dass es eine ganze Filz-Kunstgattung gibt, war mir neu. Ich wusste nur, dass der legendäre Joseph Beuys ab und an ganz gerne mit Filz und Fett gearbeitet hat Der Schmetterling ist auf jeden Fall in Nassfilztechnik mit extrafeinem Merino-Vlies gestaltet worden, Chapeau!

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Aus der lieblichen Hasenkammer ging es hernach hinab in’s dramatisch wilde Tal des Brodenbachs. Das Brodenbach-Tal ist eine echte Entdeckung, führt dieses Tal in der Region doch ein wenig ein Schattendasein hinter der ungleich berühmteren Ehrbachklamm und dem Baybachtal. Erfreulich lange schlängelte sich die Traumschleife am romantischen Brodenbach entlang bis zur Grenze.

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Denn schon bald ging es hinauf aus dem Tal und wir verliessen die EU, an Wechselstuben am Wegesrand konnte man Euro in Franken wechseln, denn es ging in die Schweiz. Eine Schweiz ohne löchrigen Käse, Kuhglocken und Wilhelm Tell. Aber mit phantastischen Blicken über die Grüne Hölle des Brodenbacher Tals. Wir befanden uns in der Udenhausener Schweiz. Dort wird der Weguntergrund steinig, felsig, der rheinische Schiefer drängt mit Macht an’s Tageslicht. Sehr schön.

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Und plötzlich stand ein Senner mit einer Sonnenblume vor uns. Nein, nachdem ich meinen Blick scharf gestellt habe, erkannte ich, es war ein Einwohner von Herschwiesen mit einem riesigen Pilz, einem goldgelben Pfifferling.

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Und dann gingen wir hinaus aus dem Wald mit den vielen Bäumen und sahen wieder: viele Bäume, aber in der Horizontalen, die hatten sich also sozusagen schlafen gelegt. Bäume gibt es reichlich, die Gemeinde Boppard hat ordentlich Holz vor der Hütte. Der BBB erzählte mir stolz, dass Boppard nach Neustadt an der Weinstraße über den zweitgrößten kommunalen Waldbestand von Rheinland-Pfalz verfügt. Das glaubte ich gerne, die Traumschleife könnte statt Hasenkammer auch Baumhaus heißen, so viel Holz habe ich heute schon gesehen.

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Kaum hatten wir die Schweiz verlassen, ging es schon wieder um Ländergrenzen, nämlich die trilateralen Beziehungen der Gemeinden Buchholz, Herschwiesen und Udenhausen. Denn unten am Bodenbach, den wir auf dem Rückweg nach Herschwiesen erneut queren mussten, dort unten an der Holzbrücke über den Brodenbach, dort findet sich das Dreiländereck der vorgenannten Gemeinden.Schließlich ging es wieder hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung. Und wenn man, wie die Wandertruppe letzten Montag, das Glück hatte, mit dem BBB zu wandern, dann bekam man sogar ein Belohnungsbier im edlem Ambiente einer Bopparder Gaststätte spendiert. Das ist die Traumschleife Hasenkammer: Obst, Schweiz, jede Menge Holz und Landschaft, mit ein wenig Glück auch noch ein Bier, und dass alles für umme. Ganz großes Kino!



Geburtenhain, spielende Tiere und was 1933 geschah – Neues vom Neanderlandsteig

Geschrieben am um 07:01

In diesem Jahr wird der Neanderlandsteig vollendet, die letzten sechs Etappen im Norden des Kreises Mettmann werden fertig markiert und eröffnet (nächste Eröffnung am 7. September von Homberg nach Erkrath). Hier ein paar Impressionen von den neuen Wegabschnitten.

 

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Nördlich von Heiligenhaus verläuft der Neanderlandsteig im Rinderbachtal und dort sah ich an einer Holzbrücke ein Megaphon aus Metall für die Aktion: „Was-ich-meinem-Bach-schon-immer-mal-sagen-wollte“ Natürlich habe ich das direkt probiert und in einer Art Urschreitherapie mal alles rausgelassen, was ich dem Rinderbach immer schon sagen wollte. Das hat vielleicht gut getan, das war irgendwie befreiend…

 

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Den sogenannten Geburtenhain habe ich kurz hinter Velbert gesehen. Auf dieser Wiese haben aller Wahrscheinlichkeit nach in vergangenen Zeiten (1970er oder 1980er Jahre) alle Schwangeren von Velbert kurz vor der Niederkunft gezeltet, um auf dem Hain ihre Kinder zu bekommen. Der struppige Rasen sah nicht so aus, als wenn diese Tradition Bestand haben würde.

 

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Kurz vor Selbeck, einem Ortsteil von Mülheim an der Ruhr, sah ich an einem Bauernhof dieses Schild. Wie ist das zu verstehen, so im Sinne eines Warnschildes vor dem bissigen Hund, der nur spielen will? Sollte man Angst haben oder bekommen vor den Kindern und Tieren? Nun, so alt wie das Schild ist, sind ja zumindest die Kinder schon eher aus dem Haus, aber vielleicht gibt es ja auf dem Hof immer noch (Skat) spielende Tiere.

 

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Sehr schön auch auf dem Waldlehrpfad im Düsseldorfer Stadtwald, diese dicke Holzscheibe. Alle wichtigen Daten zwischen 1910 (da wurde der Baum gepflanzt) und 1999 (da wurde er gefällt) waren vorhanden:

1945 – Ende des 2. Weltkriegs,

1961 – Bau der Berliner Mauer,

1969 – Mondlandung.

Und 1933? Man denkt, ja klar, Machtergreifung der Na… – ach ne, wenn man genauer hinschaut steht dort: “1933: Fortuna wird Deutscher Meister” Was man alles auf dem Neanderlandsteig lernen kann!!!



Warum ist es am Rhein so schön?

Geschrieben am um 07:57

Warum ist es am Rhein so schön? Weil man nicht nur auf dem Rheinsteig, sondern auch gegenüber auf der linken Rheinseite auf dem Rheinburgenweg wandern kann. Und zumindest auf dem Abschnitt zwischen St.Goar und Oberwesel ist das sogar fast ergiebiger als auf dem Rheinsteig, denn man hat phantastische Ausblicke AUF DIE Loreley, auf dem Rheinsteig hat man „nur“ Ausblicke VON DER Loreley…

 

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Auf dieser Panorama-Fotografie hat man alle Highlights der Region zusammengefasst: Vater Rhein, Stieftochter Loreley (nicht im Bild, holt sich bei DM oder Rossmann gerade einen neuen Kamm), Burg Katz in der linken Bildhälfte und ganz am linken Bildrand der hässlichste Hotelbau am Rhein. Herrrrrlich!!!

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Bänke stehen, die irgendwann einmal von edlen Vereinigungen gespendet wurden, das ist ein Segen für den müden Wanderer. Ein Hoch auf die Bankspender! …

 

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… Allerdings wird es für immer ein Geheimnis bleiben, wer der edle Spender war, denn durch Kratzen (neudeutsch: Scratching) ist der Name VÖLLIG unkenntlich gemacht worden.

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Wünschen noch etwas hilft. Ich habe mir die Bedienungsanleitung des „Wunschwassers“ bei St.Goar aufmerksam durchgelesen…

 

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… leider hatte ich aber blöderweise keine Schiefertafel dabei, daher habe ich die komplette Versuchsanordnung mit der modernen Schiefertafel, also meinem Ipad, durchgeführt. Ergebnis: Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Ipad ist kaputt. Ipad mag kein wasser, auch kein Wunschwasser.

Das ist eine Kosten- Nutzungsrechnung: Wenn der erfüllte Wunsch so richtig geil ist (ab unsterblich sein aufwärts), kann man ehrlich gesagt auch auf‘s Ipad verzichten.



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 2

Geschrieben am um 06:45

Letzte Woche habe ich schon ein wenig über meine Wanderung mit dem Schwäbischen Albverein auf dem Westweg berichtet. Wie ist er denn nun so, dieser Westweg, den man ja schon fast legendär nennen kann und muss. Es ist fraglos der beliebteste aller Schwarzwälder Weitwanderwege und stellenweise, zum Beispiel auf der Passage hinter der Darmstädter Hütte, ein wirklich zauberhafter Weg.

 

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Zu dem schönen Weg passten die schönen zwischenmenschlichen Kontakte in der Wandertruppe. Nun mal ehrlich, dafür wandert man doch in einer so riesigen Gruppe, dass man sich richtig kennen lernen kann. Und zwei Singles aufeinander treffen, wird ja vielleicht ja auch mehr draus. Ich belauschte auf jeden Fall ein sehr interessantes Anbandelungsgespräch. Normalerweise checkt man erst einmal, ob gemeinsame Interessen vorhanden sind, der Musikgeschmack auf einen Nenner zu bringen ist, so ein Zeug eben. Aber wie die zwei turtelnden Täubchen sich erst einmal über ihre Vorlieben bei Haushaltsgeräte austauschten, das war mir neu. „Das ist ja lustig, ich habe auch eine Miele-Spülmaschine“ – „Ich schwöre ja auf die Siemens-Staubsauger – ach was, Du auch?“ Ich habe die Hochzeitsglocken schon läuten gehört, statt Konfetti und Reis werden aber Staubsaugerbeutel geworfen.

 

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Aber auch das ist der Westweg: Schnurgerade, breiter, staubiger, schattenfreier Weg, und dann kommt auch noch der Granit-Transporter. Das Gute war, er hat tatsächlich abgebremst und ist im Schritttempo an uns vorbei gefahren. Der Nachteil: er kam insgesamt dreimal an uns vorbei, scheint immer im Kreis gefahren zu sein, Hat der Granit-Transporter-Fahrer Fuzzy keine anderen Hobbys?

 

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Dann der Lotharpfad. Ich dachte ja zuerst, dass das ein spezieller Weg am Westweg wäre, der einem ollen König, Lothar der Barfüssige oder so, gewidmet worden wäre. Aber weit gefehlt: Lothar ist ein Schreckensname für die Bäume des Schwarzwald, denn dieser Sturm aus dem Jahre 1999 sorgte für umfassenden Kahlschlag.

Die Idee des Lotharpfades ist nun, eine dieser Sturm-Flächen im chaotischen Ist-Zustand von Dezember 1999 zu belassen. Seither ist natürlich einiges gewuchert und gewachsen, so dass man einen achterbahnartigen Weg, um nicht zu sagen: Holzweg gebaut hat, um über umgestürzte Bäume gefahrfrei klettern zu können.

 

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Besser aber noch als das Erlebnis Lotharpfad waren mal wieder die erfrischenden Gespräche mit meinen lieben Oberboihingern. Ich muss aber noch mal genau hinschauen, welche Marke meine Spülmaschine und mein Staubsauger hat, kann man vielleicht irgendwann noch mal gebrauchen…



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 1

Geschrieben am um 06:26

Seit meinem letzten Wanderbuch sollten meine Oberboihinger Wanderfreunde Euch genauso an‘s Herz gewachsen sein wie mir. Alle zwei Jahre veranstalten die rührigen Wanderer des Schwäbischen Albvereins aus Oberboihingen eine lange Wanderwoche. 2010 war ich an der oberen Donau mit ihnen gewandert und abends auf der Hütte „Rauher Stein“ beim Belohnungsbier das 548. Mitglied der Ortsgruppe Oberboihingen geworden.

 

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Im Juni 2014 war die Truppe auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs, von Pforzheim nach Hausach. Ich bin eine Etappe mitgewandert und wurde an der Darmstädter Hütte oberhalb von Seebach herzlich von meinem Wanderfreund Richard begrüßt. Dann gab es das unvermeidliche morgendliche Singen. Aus den ausgeteilten Liederheften intonierten wir „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…“. Das hat der gute alte Eichendorff gedichtet, hatte ich gar nicht gewusst.

 

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Und dann sangen alle noch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Das war sehr nett, war mein Geburtstag doch schon seit zwei langen Tagen in Vergessenheit geraten. Aber sie hatten ja recht mit dem Lied. Ich würde mich ehrlich gesagt auch sehr vermissen, wenn ich nicht geboren worden wäre.

 

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Wir waren kaum drei Kilometer gewandert, da rasteten wir auch schon wieder, und zwar passenderweise auf dem sogenannten Ruhestein. Pause natürlich nicht wegen Erschöpfung, sondern weil wir auf eine naturkundliche Führung warteten. Exakt auf dem flachen Ruhestein verläuft übrigens die Grenze zwischen Baden und Württemberg, die hochexplosivste Grenze nach Nord- und Südkorea.

 

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Ehrensache für die Oberboihinger, mit dem Hintern noch knapp im württembergischen Heimatland zu sitzen. Praktischerweise konnte man mit der Hinwendung des Hinterteils Richtung Baden auch deutlich machen, was man von diesem Landesteil zu halten hat. Als Wanderschwabe. Nächste Woche berichte ich weiter über die Wanderung mit „meinen“ Oberboihingern, erzähle, wie der Westweg so ist, was es mit dem Lotharpfad auf sich hat und wie man sich zwischenmenschlich unter Schwaben so annähert.



Locker Bleiben

Geschrieben am um 07:31

Kytta-Wanderung die Dritte: Wandern in der neuen Heimat auf der immer wieder sensationellen Saarschleifen Tafeltour. Die Saar, die Burg Montclair, die Fähre Welles über die Saar, das urige Steinbachtal und dann, natürlich: Die Saarschleife.

 

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Ich fand es gut, dass viele Teilnehmer der Kytta-Wandergruppe nicht aus dem Saarland kamen, und das Erlebnis Saarschleife Neuland für sie war. Böse Zungen sagen ja, dass der Saarländer die Saarschleife nicht wegen ihrer natürlichen Ursprünglichkeit liebt, sondern weil sie die Form der beliebten Fleischwurst, der Lyoner nachbildet. Aber das ist natürlich Kokolores. Freudig überrascht war ich, dass es – vergleichbar mit den durstigen Kytta-Freunden in der Pfalz – auch schon regelrechte Kytta-Wanderfans an der Saarschleife gab, die schon im letzten Jahr (an der Burg Eltz) dabei waren. Im Gedenken an die durstige Pfalz noch ein Bild-Dokument. Ohne Worte.

 

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An der Saarschleife kreiste nicht die Weinschorle, sondern Kytta-Stammgast Clemens hatte selbstgebrannten Schnaps dabei. Clemens kommt aus der Umgebung von Wiesbaden, in seinem Heimatort verehrt man aber einen gebürtigen Saarländer, der die Kultur des Obstvereins ins Hessische exportiert hat. Ein Saarländer macht die Hessen glücklich – so viel Völkerverständigung war selten. Ein Rezept für den Weltfrieden? Sollten die saarländischen Obstbauvereine verstärkt bei der Hamas missionieren? Oder bei NSA/CIA/KGB? Völker hört die Signale, brennt mehr Schnaps!

 

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Zu der herrlich entspannten Wanderung passte schließlichdas Motto der Saarschleife, die sich ein ganzes Bundesland im Südwesten Deutschlands zu eigen gemacht hat:

 

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Bopparder Traumschleife Fünfseenblick

Geschrieben am um 15:46

Die Fünf steht: ich hatte letzten Montag alle meine fünf Sinne beisammen, als ich meine fünfte Traumschleife in Boppard wanderte, meine fünf Freunde (und noch mehr) wanderten mit: Auf zum Fünfseenblick. Start im Kurpark von Bad Salzig, der erste Höhepunkt schon nach einem guten Kilometer: Tolle Aussicht an einer Felsnase mit Blick auf Bad Salzig, den Rhein und die beiden Burgen auf der anderen Rheinseite, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein

 

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“Feindliche Brüder” werden diese beide Burgen genannt, sie stehen ja auch ganz schön nahe. In diesem Zusammenhang muss ich erneut auf den Blödsinn hinweisen, die beiden sehr weit auseinander liegenden Burgen in der Nähe der Loreley “Katz” und “Maus” zu nennen. Ein klarere Fall von Etikettenschwindel, die beiden Burgen sind so weit entfernt, dass eine ganze Zeitzone dazwischen liegen könnte. Dagegen die feindlichen Brüder, das ist Nähe. Oder Ober- und Niederburg in Manderscheid: Die spielen wirklich miteinander Katz und Maus. Ich fordere den Bundespräsidenten und den Weltkulturerberat auf, diesen Blödsinn zu unterbinden, Katz und Maus die Namensrechte zu entziehen und Burg Sterrenberg sowie Burg Liebenstein dafür Katz und maus zu nennen.

 

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Wo ich schon bei den Beschwerden bin. Beim nächsten Ausblick der Traumschleife betet uns eine hölzerne Nonne an. Die Arme, muss sich immer diese verschwitzten Wanderer anschauen. Dabei würde sie viel lieber Richtung Rheintal blicken, wie es historisch bei Ihrer Vorgängerin aus Stein auch Usus war. Ich unterschreibe daher jede “Dreht-die-Nonne-um-Hundertachtzig-Grad-Petition” sofort.

 

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Als ich das Höhenprofil der Traumschleife Fünfseenblick sah, war ich schon beeindruckt: Von Rheinniveau im Kurpark geht es hinauf auf über 500 Meter. Das ist eine amtliche Höhendifferenz. Das Höhenprofil hat mich irgendwie an den Paramount Berg im Vorspann vieler Hollywood-Filme erinnert. Daher war es auch kein Wunder, dass sich das Teilnehmerfeld der Mitwanderer ganz schön auseinander zog. Ich hielt mich in Blickweite der Bergziegen und unterhielt mich am höchsten Punkt der Tour, nahe der Fleckertshöhe, mit dem roten-T-Shirt-Mann aus Gießen.

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Der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen erweiterte mein Wanderwissen um einige Anekdoten seiner Dolomitentour mit spektakulärer Rettung durch die Bergwacht inklusive Hubschrauberflug. Und ich nahm seine eiserne Regel mit: Das Outfit eines Wanderers muss immer rot sein: Rotes T-Shirt, rote Regenjacke, roter Rucksack, sogar rote Unterhose. Denn: wenn man in Bergnot gerät (kann auch in der Gemeinde Boppard schnell passieren), kann man sich mit dieser Signalfarbe immer bemerkbar machen. Ob der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen bei seiner Bergrettung auch seine Unterhose geschwenkt hat, habe ich vergessen zu fragen.

Schließlich kam unsere kleine Wandertruppe ohne jede Zwischenfälle und Hubschrauberrettungsaktionen am Aussichtsturm des Fünfseenblicks an. Ich habe mich da tatsächlich hoch getraut.

 

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Dass das für einen alten Vertigo-Patienten wie mich kein leichtes unterfangen war, zeigt dieser Blick durch viele Gitterroste zwanzig Meter in die Tiefe. Hat mal jemand darüber nachgedacht, warum ein “Gitterrost” “Gitterrost” heißt? Natürlich weil die Dinger rosten können. Na ja, immerhin war der Blick oben vom Turm gigantisch. Obwohl man nur vier “Seen” sehn konnte. Im Sommer ist der Wasserstand des Rheins eben zu niedrig, den fünften “See” kann nur im Winter erblicken.

Ab dem Aussichtsturm ging es nur noch bergab und wir erreichten wieder den Kurpark von Bad Salzig. Dort sah ich, dass es in der Kurklinik eine Kinderbetreuung gegeben hätte. Hätte ich das mal gewusst, dann hätte ich meine fünf Bälger ja mitbringen können.

 

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Fazit: Ich muss sagen, dass der Fünfseenblick eine sehr fordernde Traumschleife ist, aber eine sehr lohnende. Beim Fünfseenblick kann man alle Fünfe gerade sein lassen, denn kann man ja eh nur vier “Seen” sehn. Und eigentlich ist doch die “Vier” das, worauf es ankommt, worauf wir alle hoffen: Auf den vierten Stern auf der Brust unserer Nationalmannschaft am Sonntag im Maracana.



Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel?

Geschrieben am um 09:07

Bin zuletzt auf dem Rheinburgenweg gewandert und sah kurz vor Oberwesel einen Skulpturenpark mit teils grausigen, teils unterirdischen, teils tollen und manchmal auch peinlichen Exponaten. Zur letzteren Kategorie gehörten mehrere „Troll“-Figuren wie diese hier, die unter dem Titel „Rheines Lust“ einen verkommenen Penner-Troll mit Flaschbier auf einer Parkbank darstellen soll.

 

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Schön fand ich, dass sich keiner zu diesem „Kunstwerk“ bekennen wollte. ‚Künstler unbekannt’ – sehr lustig, wie muss ich mir das vorstellen? Lagen die Troll-Kunstwerke wie Findelkinder am Straßenrand, keiner kennt die Eltern? Oder sind die Trolle von Beltracchi gefälscht worden? Sehr mysteriös.

Dann doch besser mit einer der schönsten Aussichten auf den Rhein (wenn man von den Rheingold-Traumschleife-Ausblicken absieht) im Günderrodehaus ein Bier trinken und einen Flammkuchen essen…

 

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… Danke Edgar Reitz, hätten Sie nicht Heimat 3 in Oberwesel in diesem fiktiven Günderrodehaus gedreht, gäbe es diesen lauschigen Ort gar nicht. Fiktion schlägt Realität, das ist KUNST!!!

 

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Wenn man in Oberwesel ist, ist man noch lange nicht am Bahnhof, sondern geht noch gefühlt kilometerlang an der Stadmauer von Oberwesel vorbei, die zweitlängste Mauer der Welt nach der chinesischen. Daher müsste auch die Werbetafel von Oberwesel etwas modernisiert werden:

 

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Erst mal wäre es schön, wenn man irgendwo noch ein „Ü“ entdecken würde, denn das hochgestellte Umlaut-“E“ von „Tuerme“ sieht doch etwas merkwürdig aus. Und dann müsste es heißen: Oberwesel: Stadt der Türme, der Heimat-Drei-Drehorte, des Weines, der Mauer und der hässlichen Troll-Kunstwerke.



Alles nur Materie

Geschrieben am um 08:04

Normalerweise geht es beim Wandern um die pure Natur, um Himmel, Flüsse, Wege, Bäume. Heute soll es mal um tote Materie gehen, um Material sozusagen. Na gut, ein bisschen auch um Bäume…

 

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Nehmt nur mal diese Sinnenbank am Aussichtspunkt Wilpertskopf, auf der ich mich so entspannt auf der Rheingolf-Traumschleife dahin lümmele. Sieht auf den ersten Blick ganz „normal“ aus. Aber was ist schon „normal“? Ein 5:1 von Holland gegen Spanien? Nein, diese Sinnenbank ist eine Recycling-Bank, das was die DANKE-Klopapierrolle für den Toilettenbereich ist, ist diese Sinnenbank für den Wanderweg. Diese Bank sagt nicht: Ich war ein Dose. Nein, die Bank sagt: Ich war einmal ein oder mehrere Gelbe Säcke. Eine Plastikbank. Vorteil 1: Recycling ist immer löblich, ein schönes Gefühl, auf seinem alten Joghurtbecher zu sitzen. Vorteil 2: sie verrottet nicht so schnell wie eine Holzbank. Nachteil: Wird bei Sonnenbestrahlung tierisch heiß. Mir wurde es aber aus anderem Grund heiß und kalt, als ich auf der Bank lag, denn ich hörte, wie eine aufgeregte Frau von einem umgestürzten Baum am Wandererparkplatz berichtete. Hier ist der Schlingel:

 

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Und ratet mal welches Auto genau unter dem Baum stand. Kleiner Tipp: Das Kennzeichen fing mit SB an und es war ein Geißbock-Aufkleber drauf. Wow, so schnell habt Ihr das erraten? Genau, es war mein geliebtes Wanderauto, im Bild rechts.

 

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Die Heckscheibe hatte sich entmaterialisiert, ich bin sturmgeschädigt! Aber was ist das auch für ein dummes Auto! Es weiß seit fast zwei Jahren, dass es das Auto eines Wanderers ist, und dann stellt sich dieses blöde Ding genau unter einen Baum, der beim ersten Windhauch einfach umfällt. Wenn die Heckscheibe erneuert ist, bekommt die Karre erst mal eine Woche Stubenarrest, Strafe muss sein. Aber was soll‘s, ist eh alles nur Materie, oder?


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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