Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Raffael und Lenin in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 06:16

Es ist hinlänglich bekannt, dass ich durchaus ein passionierter Alleinwanderer bin. Keinem verpflichtet, mein eigener Herr, herrlich! Aaaaaber, wenn ich in der Sächsischen Schweiz unterwegs bin, dann gibt es für mich nur eins, ich muss Arndt dabei haben, Mitglied im Stiegen- und Wanderfreundeverein der Sächsischen Schweiz. Warum Arndt so klasse ist? Weil er einem Sachen zeigen kann, die man sonst im Leben nicht gefunden hätte. Wie zum Beispiel dieses Engelsgesicht oberhalb der Amselfallbaude.

 

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Zunächst einmal hätte ich ohne Arndt den Weg dorthin gar nicht gefunden. Ein Weg gänzlich ohne Wegweiser, überwachsen von Gestrüpp, einer der vielen verbotenen Wege der Sächsischen Schweiz. Man fragt sich nur, wer sich die Mühe gemacht hat, diesen wunderschönen Engelskopf dorthin zu drapieren. Andereseits, wozu habe ich vor etlichen Monden Kunstgeschichte studiert? Gehen wir die Sache doch mal logisch an…

 

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An was denkt man denn, wenn man hört: Sachsen und Engel? Nein nicht Engels, Engel. Und- auch Nein – ich ich meine nicht Sahra Wagenknecht, die kommt aus Thüringen. ich meine natürlich die berühmten schelmisch guckenden Putten am unteren Bildrand der Sixtinischen Madonna von Raffael. Millionenfaches Postkartenmotiv. Aber wie hat der Raffael diese tollen, süßen Puttengesichter hingekriegt? Na klar: Üben, üben, üben! Und so hat sich der große Raffael in die Einsamkeit der Sächsichen Schweiz verzogen, hat erst mal dort ein Puttengesicht in den Felsen gemeißelt. Nicht schlecht geworden! Und nach dieser Steinskizze hat er dann sein berühmtes Gemälde gemalt. Lösung gefunden.

Dann hat mir Arndt noch unterhalb von Hohenstein einen weiteren Engel gezeigt, sozusagen die russische Variante.

 

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Der gute alte Lenin in Stein gemeißelt. Ich frage mich: Warum ist das kein Pilgerort? Bei diesem Bildnis liegt es nahe, dass Zar Putin I. persönlich (denn er hat ja lange in Dresden gelebt) den mächtigen Revolutionsführer in den Fels gehauen hat. Ein wunderschönes Lenin-Denkmal, denn auch in der Sächsischen Schweiz gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, das ist ja mein Lieblingsspruch des alten Sowjet-Zausels.



Paris, Litermont, Nette, Felsenweg

Geschrieben am um 06:57

Wer mich kennt, weiß ich, dass ich ein Faible für leicht obskure Wegweiser und Straßenschilder habe. Also hatte ich großen Spaß an dem Einbahnstrassenschild, dass ich bei einer Wanderung durch Paris sah.

 

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Geile Idee, den weißen Balken wegtragen zu lassen. Dieses Symbol eines totalitären Straßenverkehrsystems zu entfernen, ist ein Akt gelebter Revolution. Und Revolution können die Pariser.

Ein kleiner Sprung ist es von der Metropole an der Seine in’s nördliche Saarland. Und auch dort spielt Haute Couture eine Rolle.

 

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Am Eingangsportal des Litermont-Gipfelpfads ist ein sinnvoller Hinweis angebracht. Bitte nicht High Heels beim Wandern tragen. Aber weil wir ja in Deutschland sind, bleibt es nicht bei einer freundlichen Empfehlung, nein, es wird ein Verbot ausgesprochen. Ich fordere Freiheit für High-Heels-Trägerinnen! Und High-Heels-Träger genauso! Soll doch jeder wandern wie er will. Und die hohen Absätze kann man an den steilen Passagen doch aucb gewinnbringend einsetzen: Als eine Art einzackiges Steigeisen zum Beispiel.

Jetzt aber nach so viel Revolution und Verbot, einfach mal was Nettes:

 

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Die ist so nett die Brücke, die grüßt auch höflich und befördert einen trockenen Fusses von einem zum anderen Ufer, sensationell!

Schließlich noch einen schöner Wegweiser am Startpunkt des Felsenwegs. Eine schöne Anregung für Gemeinden, die gleichzeitig etwas gegen die Kostenexplosion für stationäre Wegweiser und die kommunale Arbeitslosigkeit machen wollen.

 

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Immer wieder diese Grenzerfahrungen

Geschrieben am um 07:53

Wahrlich ich sage Euch, ich habe in den letzten Jahren einen Haufen Grenzerfahrungen beim Wandern gemacht. Ob das die 82 Kilometer mit Thorsten Hoyer waren, die Watzmann-Ostwand-Besteigung, die Wanderungen mit dem Schwäbischen Albverein oder meine Wüstenwanderung bei den Sahauris. Aber auch all die Blasen, unterhopften Wanderkilometer und unvermuteten Regengüsse waren natürlich Grenzerfahrungen.

Vor kurzem, anlässlich der letzten Kytta-bewegt-Wanderung des Jahres auf dem Felsenweg bei Losheim, habe ich eine neue Grenzerfahrung gemacht. Ungefähr zwei Kilometer nach dem Start in Waldhölzbach verläuft der Felsenweg genau auf der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz. So weit erst mal nix besonderes, ist doch das Saarland so klein, dass man schnell an seine Grenzen stösst. Aber was wirklich erstaunlich war: Auf saarländischer Seite war ein Wald mit dem üblichen Unterholz zu sehen. Auf rheinland-pfälzischer Seite dagegen Moos, so weit das Auge reichte.

 

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Unglaublich, eigentlich ist auch Rheinland-Pfalz hochverschuldet, dass die so viel Moos haben, hätte ich nicht gedacht.

Eine weitere Grenzerfahrung habe ich im Sommer auf dem “Luftigen Grat” bei Oberstaufen gemacht, dem spektakulären alpinen Premiumweg im Allgäu. Ich ging nicht über eine Landesgrenze, aber der luftige Grat markierte eine Wetterscheide, eine Wettergrenze.

 

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Auf der einen Seite freie Sicht, auf der anderen Seite eine dichte Nebelwand, die sich zögerlich anschickte, über den Grat zu kriechen. So eine meteorologische Grenzerfahrung habe ich noch nie gemacht. Den vollständigen Luftigen Grat-Report könnt ihr übrigens im aktuellen Wandermagazin lesen …

Aber noch nicht zu vergleichen ist das alles mit der unglaublichen Grenzerfahrung, auf dem Mössinger Dreifürstensteig auf der unterwöbten Hangkante zu stehen.

 

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Ich habe diese Warnmeldung nicht verstanden. Entweder ist das saugefährlich, an den Hangkante zu stehen, dann sollte man die sperren. Oder aber jeder ist seines Glückes Schmied, dann sollte man das Schild weglassen, denn es erzeugt nur eines: Angst. Ich habe mich natürlich trotzdem todesmutig für wenige Sekunden auf die total unterwölbte Hangkante gestellt. Eine weitere Grenzerfahrung.

 

Und jetzt seid ihr dran mit Euren Grenzerfahrungen…



Fotogen sind eher die anderen

Geschrieben am um 06:50

Ich muss mal etwas klar stellen. Sehr oft, zu oft, werde ich in letzter Zeit gefragt, ob ich denn diese ganzen Wandertouren, die ich in meinem Blog beschreibe, oder im Wandermagazin, in der ZEIT, in meinen Büchern, ob ich all diese Touren wirklich alle SELBST gelaufen bin. Hallo? Geht’s noch? Denkt ihr, ich delegiere das? Denkt ihr, ich lasse wandern? Nur um danach eine paar dürre Zeilen über Nicht-selbst-Erlebtes zu verfassen? Oder das auch noch geistschreiben zu lassen? Nein, natürlich wandere ich das alles selber, das ist mein BERUF und: Ich mache es auch noch gerne. Vielleicht sind diese zunehmenden Verdächtigungen der Grund, warum ich bei meiner letzten Wanderung in der Sächsischen Schweiz Mitte November eine Menge Beweisfotos gemacht habe. Quasi unumstösslicher Beweis: Ja, ich war da!

 

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Wen man allerdings ein Selfie macht, sollte man ein wenig darauf achten, nicht auszusehen wie ein Fisch, der an Land nach Luft schnappt. Ich habe aus diesem etwas verunglückten Bildmotiv gelernt, eher zehn Selfies zu machen, auf irgendeinem wird man schon aussehen wie ein Mensch.

Dann habe ich Mitwanderer Arndt die Kamera in die Hand gedrückt, er solle doch mal bitte ein schönes Andrack-klettert-in-der-Sächsischen-Schweiz-Foto machen.

 

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Allerdings sieht es auf dem Bild so aus, als hätte ich akute Darmprobleme. Nein, es sieht eigentlich exakt wie im Nachtprogramm von Sport1 aus. Wenn bei den Sexy Sports Clips eine junge Dame so tut, als wenn sie klettern würde, aber nur sichtbar scharf darauf ist, das nächste Kleidungsstück los zu werden.

 

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Auch dieses Foto ist leider misslungen. Wie bescheuert ist das denn, wie ich da in den weltberühmten Schwedenlöchern rumstehe? Wir Graf Großkotz: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Schwedenlöcher! Fehlt nur noch, dass ich unter dem Fuss den erlegten Löwen habe, aber den sieht ja man gnädigerweise nicht. Also den Fuss.

Ich habe Arndt die Kamera wieder weg genommen, obwohl der arme Mann für die Posen seines Models am wenigsten konnte. Habe ich eben mal wieder ein Selfie gemacht.

 

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Ein wirklich schlimmes Selfie. Das sieht aus wie die letzte Aufnahme eines Mannes in blauer Jacke, der für immer in der Sächsischen Schweiz verschwand. Schon seit Monaten wird er auf Flugblättern, Aushängen und bei Aktenzeichen XY gesucht wird. Ein Versprechen: In den nächsten Blogs gibt es nur Andrack-freie-Fotos. Ganz ehrlich.



Jaume, der Pep Guardiola der Wanderwege

Geschrieben am um 09:30

Und noch mal die Costa Brava:

Im Herbst war ich ja mal wieder mit Anton Götten Reisen bei einigen Wanderungen an der Costa Brava dabei gewesen. “Überragend”, wie Lukas Podolski sagen würde, ist der Wanderführer bei diesen Wandertouren. Jaume, ein waschechter Katalane, ein Pep Guardiola der Wanderwege, er zeigt unserer Wandertruppe immer neue Laufwege auf.

 

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Und wer dieses Foto von Jaume sieht, kommt nicht umhin, an die revolutionäre Ikongraphie eines Lenin zu denken. Das Kreuz im Rücken macht Jaume sogar zu einem regelrechten Wanderprediger. Kurz und gut, dieser Jaume ist einfach ein Charismatiker wie er im Buch steht und zeigte unserer kleinen Wandertruppe die schönsten Buchten der Costa Brava.

 

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Und ich schwöre beim Heiligen Jaume, dass sich hinter diesen Buchten keine bösen Bettenburgen à la Lloret de Mar verstecken, nein, alles Natur mit Naturisten, Nudisten und Neymar-Fans. Die Region hat in Zeiten – das habe ich von Jaume Guardiola gelernt – als der Tourismus noch nicht an der wilden Küste Einzug gehalten hatte, hauptsächlich von der Korkindustrie gelebt. Auch Jaumes Vorfahren waren Korkarbeiter, aber nicht in dem Sinne von Gérard Dépardieu, der nach eigener Aussage jeden Tag genau 14 Flaschen Wein entkorkt. Nein, die Costa Bravianer sind der Korkeiche an die Rinde gegangen

 

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Warum allerdings die Rinde nur bis Brusthöhe abgeschnitten ist, das machte mich stutzig. Das sieht doch sehr nach Kinderarbeit ist, bei der die kurzen Ärmchen nur bis in eine gewisse Höhe langen. Der Showdown unserer Wanderungen führte uns schließlich an eine Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Gedächtnis-Hütte am Montgri, dem grauen Pamela-Anderson-Berg. Leider hatte ich keine Mundharmonika dabei.

 

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Katalanische Impressionen

Geschrieben am um 07:46

Vorletzte Woche war ich mal wieder im Wanderurlaub in Playa de Aro an der Costa Brava. Traumwetter, eine sehr schöne Sache für den herbstlichen Ausklang der Wandersaison.

Beim Gang durch den Sand der wunderschön-tiefromantischen Buchten, vorbei an den weiß getünchten Häusern, inmitten dieser ganzen costabravischen Herrlichkeit, fiel mein Blick auf einen Reifen am Strand

 

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Eindeutig ein Reifen in den katalanischen Landesfarben, angekettet an ein Fischerboot. Aber was will uns dieser Reifen sagen? Ist das Boot voll, aus Sicht der katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter? Und die ganzen Spanier sollte man wohl über Bord schmeißen, oder was? Oder fühlen sich die Katalanen wie das fünfte Rad am iberischen Wagen? Braucht man schon einen Rettungsschirm, weil man als katalonische Provinz jetzt schon hoch verschuldet ist? Der gelb-rote Reifen ist ein Buch mit sieben Siegeln aus Gummi.

Am nächsten Tag wanderte ich auch auf dem Küstenweg GR 92, aber etwas abseits vom Wasser, es wurde bergiger. Und auf einer Bergkuppe erreichte ich dann eine Burg aus dem 15. Jahrhundert, das Castell del Montgri, frei übersetzt also die Burg auf dem grauen Berg.

 

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Nun freute man sich schon auf eine schöne Schloßbesichtigung, so mit Himmelbett gucken und große Kronleuchter bewundern. Denn so eine katalanische Burg ist ja nicht, wie fast alle Burgen an Rhein und Mosel, vom Franzmann platt gemacht worden. Aber nix mit Burgführung, in der Burg gibt es keine Innenräume. Aber nicht dass ihr denkt, na klar Ruine, deswegen keine prachtvollen Gemächer. Nein, Wanderführer Jaume klärte mich auf, dass einfach vor über 500 Jahren das Geld knapp wurde, und daher nur die Außenmauern gebaut werden konnten. Das gibt’s doch gar nicht, die spanische Immobilienkrise hat also eine jahrhundertelange Tradition!

 

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Wenn man sich den grauen Berg mit Leerer-Hülle-Burg oben drauf aus der Ferne anschaut, wird der Montgri zum mittleren Bestandteil einer Dreier-Bergkette. Im Volksmund wird diese Hügelkette “Der liegende Bischof” genannt. Links Kopf mit Mütze, in der Mitte der dicke Bauch mit darauf gefalteten Händen, die Burg als Siegelring, und der rechte Berg sind dann die Beine. Hm. Siegelring? Wer kommt denn auf so was? Wenn da wer liegt, dann ist das doch eher eine Frau mit beeindruckender Oberweite und das Castell del Montgri sind die Brustnippel.

 

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Seh das nur ich so oder muss ich deswegen jetzt besser in Behandlung?



Ziegel, rutsch weg!

Geschrieben am um 07:02

Dass jede Straße einer Stadt einen Namen hat, daran hat man sich selbredend gewöhnt. Aber immer wieder trifft man auch bei einer Wanderung im Wald auf Benamsungen von Forstwegen. Heimatliche Gefühle bekam ich auf dem Dreifürstensteig in Mössingen, als ich dem Ziegelrutschweg begegnete.

 

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Ich bin in Köln im Steinrutschweg aufgewachsen, was in drei Wörtern gelesen auch als Aufforderung an einen Stein verstanden werden könnte. Gemeint ist das Identische wie auf der Schwäbischen Alb: Der Name deutet auf die frühere Existenz einer Ziegelei.

Dann sah ich am Schluchsee im Schwarzwald den Sackweg.

 

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Und da habe ich überlegt, warum es eigentlich immer Sackgasse heißt, obwohl es wirkliche Gassen, so schmale gepflasterte Sträßchen, doch so gut wie gar nicht mehr gibt in unserem Land. Aber nie gibt es eine Sackstraße, umgekehrt aber auch keinen Einbahnweg oder eine Einbahngasse. Ich halte das für eine sprachliche Armut und protestiere schärfstens und brutalstmöglich dagegen. Aus Protest, werde ich in Zukunft nur noch Sackweg sagen, wenn ich auf einer Strasse nicht weiterkommen. Wenn man das auch noch in zwei Wörtern liest, bedeutet das nicht nur, dass womöglich ein Sack Reis in China umgefallen ist, sondern auch, dass der Sack einfach weg ist. Oder sein könnte.

Und dann noch diese geile Straßennamenkombi in Wingeshausen am Rothaarsteig. Ohne Worte…

 

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Schwarzbrenner, Vitamin C und die Explosionsgefahr

Geschrieben am um 06:53

Ich gebe es zu, ich habe schon des öfteren die beglückende Schönheit eines Belohnungsbieres gepriesen. Das sollte aber nie, wirklich nie, ein Aufruf zum Alkohol-Mißbrauch sein. NIE! Auch eine Belohnungs-Apfelschorle, oder, sagen wir mal, eine Belohnungs-Johannisbeerschorle (schöne Grüße an Michael!) oder auch ein Belohnungs-Düsselwasser (schöne Grüße an Friedhelm) ist etwas gaaaaanz Tolles. Ehrlich. Denn wenn man die zerstörende Wirkung von Alkohol sehen möchte, muss man auf den Wisentpfad durch Wingeshausen wandern.

 

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Dort geht man an der Kneipe “Schwarzbrenner” vorbei, die sehr wandererunfreundliche Öffnungszeiten hat: Freitags und Samstags ab 18.00. Dann öffnet Kevin die Türen. Kevin ist der junge Mittzwanziger auf dem Foto, das viele schwarzbrennen lässt den armen Kevin ziemlich alt ausehen.

Kürzlich bin ich in Frankreich gewandert, genauer im Départment Hautes Seine nahe von Paris. Sehr hilfreich fand ich bei beim Zurechtfinden dieses Schild:

 

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Das ist doch mal eine sehr konkrete Ortsbeschreibung, von einem Wald … zum anderen. Noch zu ergänzen wären die Orientierungsangaben “von einem Misthaufen … zum anderen” und “von einem Schwarzbrenner … zum anderen”.

Jetzt zum Thema Vitamine. Manchmal ist es doch so einfach, auf Kinderfragen zu antworten. Wo kommt die beste Schokolade her? Natürlich aus den Eutern der lila Kühe. Zuletzt sah ich am Rheinsteig bei Rüdesheim auch die Antwort auf die Frage, wo der Saft vom “Hohen C” wächst. natürlich an den Weinhängen des Rheins, und zwar praktischerweise direkt in die Tüte rein.

 

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Ich wollte den Rheinsteig einfach weiter wandern, aber DANN! HILFE!!! EXPLOSIONSGEFAAAAHR!

 

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Wer in der Gegend von Rüdesheim auf dem Rheinsteig wandert, sollte sich bloss keinen Millimeter vom Hauptweg weg bewegen, sonst droht Extrem-Pulverisierung. Gut, das gilt eigentlich auch anderswo, wer sich von den Wanderwegen weg bewegt, der riskiert sein Leben. Als Pilzsammler (Achtung! – Vergiftungsgefahr!) Natürlich auch für junge Liebespaare (Achtung! – Nachwuchsgefahr!) Und auch für An-den-Weidezaun-Pinkler (Achtung! – Elektroschockgefahr!) Nicht nur schwarzbrennen kann die Haut eben sehr alt aussehen lassen.



Fünf Gründe, warum man den Wasserfallsteig auf jeden Fall wandern sollte

Geschrieben am um 06:48

Oft gibt es – wie es so schön in der Mathematik heißt – eine notwendige Bedingung, einen Weg zu wandern. Manchmal auch zwei. Gaaaanz selten gibt es aber auch fünf gute Gründe einen Weg zu wandern. Ich bin in’s ferne Schwabenland gereist und den Wasserfallsteig von Bad Urach gewandert. Und wahrlich ich sage Euch, hier sind die Top-Fünf-Gründe, diesen Premiumweg zu wandern:

Top-Grund 5, den Wasserfallsteig zu wandern:

Ich habe mein Wanderlebtag noch nie eine derartige Völkerwanderung von Lurchis gesehen. Feuersalamander sind nicht überaus häufig, aber in Bad Urach scheinen Sie ihr persönliches Glück am Wasserfall gefunden zu haben. Man sollte sie in Wassersalamander umbenennen.

 

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Top-Grund 4, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wenn man die erste größere Steigung hinter sich hat, wartet eine Erfrischungsbude auf den durstigen Wanderer, die Wasserfallhütte. In Sachsen würde man den Getränkekiosk Baude nennen. Was die Sachsen den Schwaben voraus haben: Die Getränke sind kühler. Aber der Schwabe sagt sich, das Geld für den Kühlschrank kann man sich doch eigentlich sparen, die Leute sind nach dem Aufstieg so durstig, die trinken auch warmes Bier.

 

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Top-Grund 3, den Wasserfallsteig zu wandern …

… ist einfach die Albtrauf. Mehr Balkon geht nicht. Allerdings, um es mit den Bläck Fööss zu sagen: Es fehlt nur vom Balkon, die Aussicht auf den Dom.

 

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Top-Grund 2, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wer kennt das nicht, am Vorabend hat man dem Belohnungsbier nach einer erfüllenden Wanderung zu eifrig zugesprochen – der Kopf brummt, das Aspirin ist mitsamt der gesamten Reiseapotheke zu Hause geblieben (Stichwort: Gewicht im Rucksack sparen), als was tun. Da helfen die extra-niedrigen Bahnunterführungen von Bad Urach, wenn man einmal kräftig gegen die Betonkante gelaufen ist, denkt man mit Sicherheit nicht mehr an den Kater.

 

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Top-Grund 1, den Wasserfallsteig zu wandern:

Da war doch noch was? Aaah ja, klar, am Wasserfallsteig gibt es natürlich, wenig verwunderlich, denn sonst wäre es ja ein Fall für den Etikettenschwindelbeauftragten der Bundesregierung, einen WASSERFALL!

 

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Und der ist gewaltig, nicht so ein Gerausche über ein paar Steine, also das, was sie in NRW zum Beispiel einen Wasserfall nennen (siehe Blog vom 1. September) Nein, in Bad Urach schießt ein Strahl feuchter Urgewalt den Felsen herab. Großes Kino!



Danke Stefan!

Geschrieben am um 06:15

Seit diesem Herbst bin ich auf Wanderschaft für den jungen, aufstrebenden Wanderklamottenhersteller Fifty Five. Dabei habe ich mit Fifty-Five Marketingleiter Stefan schon so manches Abenteuer erlebt, manchmal an der Grenze zur Illegalität. Denn dass Stefan noch so manche Leiche – nicht im Keller – aber im Kofferraum hat, habe ich mit Schrecken sehen müssen.

 

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Aber, keine Frage, Stefan hat sich wandertechnisch voll reingehauen. Dabei präsentierte er der gesamten Wandertruppe sehr elegant eine neue Kreation von Fifty Five, die Vintage-Wander-Dreckshose, fertig lieferbar inklusive Schlammspritzer. Da muss man gar nicht gewandert sein und sieht schon aus wie Sau nach einer zweiwöchigen Trekkingtour. Spitze!

 

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Gleich geht es weiter mit einer traumhaften Aussicht, erst aber eine kleine Werbepause …

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Musst Du bei fifftyfive.eu vorbeischaun – auch die Ellen

Wer diese Ellen ist, verrate ich Euch nächste Woche…

 

Aber jetzt weiter zu meiner Wanderung mit Stefan. Wir waren auf dem Premiumweg Jägersteig im Schwarzwald unterwegs, standen am Aussichtspunkt Bildstein, guckten, staunten, und konnten uns vom Ausblick auf den Schluchsee kaum losreissen. Noch beeindruckender als die Aussicht auf den Gebirgssee fand ich aber den Blick auf Stefans quietschorange Soft-Shell-Weste, eine Mischung aus holländischem Fan-Wear, Müllfahrer-Jacke und Pannenoutfit.

 

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Ewig dankbar werde ich Stefan aber sein, dass er sich bei unserer Wanderung auf dem Wisentpfad als Fluchthelfer aus einem sauerländischen Großgehege betätigte (ist das eigentlich strafbar?) und der ganzen Wandertruppe so einen halbstündigen Umweg ersparte. Fünfundfünfzig-fachen Dank dafür!

 

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Wer spontan mit Stefan, mir und Fifty Five wandern möchte: Am Samstag gehen wir ab 15:00 am Niederrhein auf dem Nette-Seen-Pfad und am Sonntag ab 10:00 im Saarland auf dem Bietzerberger. Anmeldungen unter fiftyfive.eu


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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