Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Grexit oder nicht Grexit, das ist doch die Frage

Geschrieben am um 07:53

Nun hat man sich “geeinigt” innnerhalb der EU. Aber man wird weiterhin auf alles gefasst sein müsen in Bezug auf Griechenland und seiner neuen Regierung. Was die für tolle Ideen haben, das ist schon erstaunlich! Da merkt man deutlich, dass viele großartige Philosophen früher mal in der Gegend von Athen gewohnt haben. Griechenland gab es in der Antike ja noch nicht. (Man muss zugeben, die deutschen Philosophen waren den Kollegen aus Athen zumindest fußballerisch knapp wegen eines Abseitstores unterlegen, siehe Monty Python).

Ich muss mich aber sehr wundern, dass es den anderen Staaten der EU erst jetzt aufgeht, dass der eine oder andere Grieche eher zur Reformunfähigkeit neigt. Ja was habt ihr denn gedacht? Nehmt doch nur mal die griechische Sprache, das ganze Alphabet sieht ja aus wie eine komplizierte mathematische Gleichung, das kapieren doch nur noch eine Handvoll Altphilologen. Dieses Alphabet hätte man doch schon mal längst reformieren müssen, finde ich.

 

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Letztes Jahr bin ich in Griechenland gewandert. Und da stand ich im Wald vor einem großen Hinweisschild, dass mich durch die Gegend lotsen wollte und sollte. Den Inhalt des Schilds habe ich genauso wenig verstanden wie Schäuble die Vorschläge des griechischen Finanzministers Souflakis versteht.

“3.30” und “5.30”, das habe ich noch lesen können. Und was sollte das heißen? War das die Wegemaut in Euro? Oder in Drachmen? Waren das die Uhrzeiten, zu denen der Grieche an und für sich gerne Siesta macht? Oder sind “3.30” und “5.30” geheime Botschaften, ist es einfach so, dass Griechenland entweder am 30. März oder am 30. Mai aus der Eurozone ausscheidet? Wer kann das schon wissen?

 

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Ich wanderte auf jeden Fall auf einer Art Troikaweg. Es könnte aber auch der Deutschland-Weg gewesen sein. Auf jeden Fall hat man passenderweise auf griechischer Seite ein rotes Tuch als Wegmarkierung ausgesucht. Sehr symbolisch.

Die Rettung kam dann aber beim Belohnungsbier. Endlich Klarheit, endlich habe ich alles verstanden. Fix-Bier, ein Gerstensaft wie eine ganze Nation. Fix gebraut, fix getrunken, fixer Grexit. Bezahlt habe ich noch mit Euro.

 

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DAS ÜBERAUS BELIEBTE ULTIMATIVE ANDRACKBLOG-QUIZ!

Geschrieben am um 07:04

Heute mal wieder das überaus beliebte andrackblog-Quiz. Ob das Quiz wirklich bei Euch beliebt ist, kann ich gar nicht sagen, bei mir selber ist es extrem beliebt, da ich mir zu Fotos, die beim besten Willen in gar keinen Zusammenhang zu bringen sind, noch etwas aus den Fingern saugen kann.

Aber Achtung: Manchmal sind alle Lösungen richtig, manchmal auch keine, manchmal nur eine, manchmal zwei Lösungen. Hört sich kompliziert an? Ist es auch!

Und schon geht es los, was sehen wir hier?

 

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  1. Couchsurfer Horst hat sich verfahren.
  2. Die Beach Boys haben umgesattelt: Wandern statt Surfen.
  3. Mathilde hat ihr Bügelbrett, das noch ein Produkt der VEB Glätten & Bügel aus Chemnitz war, verbotenerweise in einem Tümpel am Hönnetal entsorgt.

Was sehen wir hier?

 

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Markierung für eine Autostraße, die zu einer Praxis für Fußpflege führt

  1. Markierung für einen Weg, auf dem man selbst, quasi autosuggestiv, zu Fuß gehen kann.
  2. Markierung für eine Straße, auf der auch mal ein Auto wandern kann.

 

Und was sehen wir hier?

 

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  1. Den Schneewittchenweg von Mössingen (klar, wegen der Apfelsymbolik!)
  2. Den Paradiesweg von Mössingen (klar, wegen der Apfelsymbolik!)
  3. Den Dreifürstensteig von Mössingen (klar, wegen der Apfelsymbolik! – äh, warum eigentlich?). Denn der Dreifürstensteig von Mössingen, das ist ein Premiumweg, der im Logo nicht etwa drei Fürsten oder meinetwegen drei Kronen führt, sondern einen Apfel. Muss man wohl nicht verstehen.


Wanderhüttenschock, über’s Wasser gehen und unter’m Wasser stehen

Geschrieben am um 06:29

Was war der größte Aufreger des noch jungen Jahres? Natürlich diese Meldung:

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Verdammter Mindestlohn! Als ich das las, wurde ich so wütend, Wutbürger sozusagen, dass ich fast ausgewandert wäre. Aber dann habe ich eine Protestbewegung gegründet: Wanderhüttenfans gegen die Unterhopfung des Abendlands, kurz WANGUDA. Kommt alle mit und protestiert! Das Gute: Die Protestmärsche sind dezentral, jeder kann jederzeit überall alleine oder mit Gleichgesinnten losmarschieren.

Losmarschieren für WUNGUDA ist super, aber was ist der geignete Wanderwegeuntergrund für die Protestmärsche? Erde ist dasjenige der vier Elemente, das am Besten für das Wandern geeignet ist. Eindeutig. Allerdings ist auch Wasser in der Religionsgeschichte schon mal als Weguntergrund genutzt worden. Da muss man nur mal im Neuen Testament nachschlagen. Aber – um mit Eckart von Hirschhausen zu sprechen – es durchaus möglich, über Wasser zu gehen, alles nur ein Frage des Aggregatszustands. Gerade bei den derzeitigen Temperaturen ist Übers-Wasser-Gehen quasi ein Kinderspiel.

Allerdings haben immer wieder berühmte Wanderer versucht, über Wasser zu gehen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Wandermagazin-Chefredakteur Michael Sänger an einem lauschigen Waldweiher im Siegerland die Oberflächenspannung von H2O getestet hat.

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Hat nicht so ganz geklappt, aber seine qualitativ hochwertig vearbeiteten, zwiefach genähten Wanderschuhe haben – angeblich – keinen Tropfen an Socke und Fuss durchdringen lassen.

Aber am schönsten ist Wasser immer noch, wenn man selber auf festem Boden steht, und das Wasser die Zierde eines schönen Wandertages ist. Wandern an Bächen, an Flüssen, an Seen, oder an Wasserfällen wie in Bad Urach lassen jedes Wandererherz höher schlagen. Das Über-Wasser-Gehen überlasse ich anderen, ich stehe mehr auf unter-dem-Wasser-stehen, ich bin halt ein Warmduscher.

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Aber was befindet sich oberhalb des Wasserfalls von Bad Urach? Ein Waldkiosk, der wahrscheinlich auch bald Probleme mit dem Mindestlohn bekommt. Obwohl, Bad Urach liegt ja in Baden-Württemberg, dort gilt schon seit Jahren ein Mindestlohn von 18,50 €. Keine Chance also für WANGUDA-Märsche in Bad Urach.



Der fünfte Männerwandergeburtstag von Markus

Geschrieben am um 21:35

Wahre Perlen in meinem Wanderleben sind immer wieder die Männerwandergeburtstage meines besten Freundes Markus, den ich seit über 30 Jahre kenne und schätze. Die Idee ist: Nur Männer dürfen mitwandern, nur Männer trinken und unterhalten sich über die wesentlichen Dinge des Lebens: FC, FC, FC! Allerdings findet diese wunderbare Wander-Party nur alle zwei Jahre statt.

Dieses Jahr ging es Ende Januar in Rösrath-Stümpen los und schon nach wenigen Meter sichtete ich den Tourbus eines Stümper in Stümpen, das Tourvehikel des guten alten Willi Herren.

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Man weiß nicht, ob der Willi auf dem Foto boxt, sich einfach freut und ob er tatsächlich Geld für dieses T-Shirt ausgegeben hat. Hauptsache, er ist nicht mitgewandert. Nach einem Kilometer gab es schon die erste Rast. Hier ein Fotodokument der Spezereien:

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Das Picknick hatte Markus ganz toll vorbereitet, aber ehrlich gesagt lässt er nach. Beim letzten Männerwandergeburtstag an der Wupper sah das Buffet noch so aus:

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Tja, Schlaraffenland Hilfsbegriff, selbstgemachte Frikadellen und selbstgemachte BIO-Putenschnitzel am Zahnstocher. Das hat richtig gerockt, damals an der Wupper. Was ist das aktuelle Problem Markus, hatten die Hausangestellten frei? Ist der Mindestlohn schuld? Wenn das so weitergeht, gibt es beim nächsten Wandergeburtstag nur Krümel vom Baguette. Und Schnaps natürlich.

Sehr schön war aber die Einkehr in Altenrath an der Wahner Heide, die Stammkneipe der Dorfhühner. Die Hühner waren aber nicht anwesend, wahrscheinlich mussten sie zeitgleich Eier legen.

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Dann haben wir natürlich noch ein Gruppenfoto gemacht, denn es gab einen Teilnehmerrekord. Noch nie sind so viele Männer bei Markus mitgemännerwandert. Markus (2. von links) war so begeistert vom Männerwanderrekord, dass er angefangen hat, “Männer” von Grönemeyer zu singen. Ich habe mich vorsichtshalber als einziger nicht auf die Brücke gestellt. Man weiß ja nie, ich will ja auch noch den sechsten Männerwandergeburtstag von Markus erleben…

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Andrack im Tibet

Geschrieben am um 06:20

Im aktuellen Wandermagazin könnt ihr die hochalpine Tour mit dem deutschen Fjäll-Räven-Chef Alex Koska und dem Hanwag-Chef Jürgen Siegwarth verfolgen, zwei super Typen. Wir sind auf dem “Luftigen Grat” gewandert, dem am besten bewerteten Premiumweg im hochalpinen Bereich. Ich möchte heute in meinem Blog, auch wenn ihr meinen Report im Wandermagazin schon auswändig gelernt habt, einige Highlights dieser Tour aufarbeiten. Denn “high” im Sinne von hoch ist der “Luftige Grat” allemal, sonst wäre es ja auch eher ein Grätchen. Auf über 1.000 Höhenmetern liegt der Startpunkt, da empfiehlt es sich, mit der Bergbahn anzureisen.

 

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Aber man sieht direkt – Hoppla! – auch die Preise der Bergbahn sind ganz schön high. Da waren wir aber alle froh, dass Onkel Michael vom Wandernagazin alle Tickets bezahlt hat, 40 Euro für die gesamte Truppe für eine Tour, ganz schön happig. Und Michael hat sich wahrscheinlich auch gefragt, warum er nicht Chefredakteur des Bergbahnmagazins ist, dann wären wir wahrscheinlich für umme transportiert worden.

Dann also hoch mit der Bergbahn und schnell standen wir vor der Himmelspforte, dem Eingangportal des Luftigen Grats, Premiumweg mit der sagenhaften Erlebnispunktzahl von 92 Big Points, auch Teil der Premiumwanderwelten.

 

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Gefühlt mussten wir seit dem Start schon auf einer Höhe von über 5.000 gelandet sein, denn wir waren plötzlich mitten in Tibet, die bunten tibetischen Fähnchen am Eingangsportal lieferten untrügliche Beweise. Aufregend, kannte ich doch Tibet vor allem aus dem Comic-Band “Tim im Tibet”. Nun würde ich auch bald mit den Jungs diese geheimnisvolle Welt betreten. Andrack im Tibet mit allem Drum und dran, Yeti, Messner und so…

Enttäuschend war es dann aber, durch profane Sperren gehen zu müssen, die die Almweiden begrenzten und die Rindviecher am Durchschlüpfen hindern sollten.

 

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Diese Allgäuer Schiebetüren erinnerten mich an die Spielgeräte auf den Spielplätzen der 1960er Jahre, an denen man sich früher immer so schrecklich weh getan hat.

Eh’ man sich’s versieht, ist man dann auch schon wieder auf dem Abstieg. Und der große Blonde vom Wandermagazin zeigte den Jungs von Fjäll Räven und Hanwag mal, was eine Harke ist.

 

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Aber, was will uns Michael Sänger da wirklich zeigen? Wie groß der Fisch ist, denn er daheim am Rhein kürzlich geangelt hat? Auf welchem großen Fuss er lebt? Wie breit die Fußspur des Yetis war, den er zuletzt in seiner Heimat, der Pfalz, gesehen hat? Oder zeigt uns der Wandermagazin-Chef, wie viele Wanderblogs er schon gelesen hat? Unlängst hat er ja einige Wanderblogs in seinem Heft proträtiert, und sich auch durchaus lobend mit unter anderem dem Schlenderer (www.schlenderer.de) befasst. Das ist ein echt guter Wanderblog. In eigener Sache kann ich nur den überaus netten und ungemein ausführlichen Kommentar zu meinem letzten Wanderbuch hervorheben. Findet man unter “Bücher”. Weiter so geschlendert, Schlenderer, auch im nächsten Jahr!

Euer Wanderblogger Manuel macht jetzt einen kurzen Winterschlaf, macht einen Blog-Sabbat-Monat und meldet sich Ende Januar in aller Frische wieder. Frohes Fest und Guten Rutsch!!!



Raffael und Lenin in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 06:16

Es ist hinlänglich bekannt, dass ich durchaus ein passionierter Alleinwanderer bin. Keinem verpflichtet, mein eigener Herr, herrlich! Aaaaaber, wenn ich in der Sächsischen Schweiz unterwegs bin, dann gibt es für mich nur eins, ich muss Arndt dabei haben, Mitglied im Stiegen- und Wanderfreundeverein der Sächsischen Schweiz. Warum Arndt so klasse ist? Weil er einem Sachen zeigen kann, die man sonst im Leben nicht gefunden hätte. Wie zum Beispiel dieses Engelsgesicht oberhalb der Amselfallbaude.

 

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Zunächst einmal hätte ich ohne Arndt den Weg dorthin gar nicht gefunden. Ein Weg gänzlich ohne Wegweiser, überwachsen von Gestrüpp, einer der vielen verbotenen Wege der Sächsischen Schweiz. Man fragt sich nur, wer sich die Mühe gemacht hat, diesen wunderschönen Engelskopf dorthin zu drapieren. Andereseits, wozu habe ich vor etlichen Monden Kunstgeschichte studiert? Gehen wir die Sache doch mal logisch an…

 

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An was denkt man denn, wenn man hört: Sachsen und Engel? Nein nicht Engels, Engel. Und- auch Nein – ich ich meine nicht Sahra Wagenknecht, die kommt aus Thüringen. ich meine natürlich die berühmten schelmisch guckenden Putten am unteren Bildrand der Sixtinischen Madonna von Raffael. Millionenfaches Postkartenmotiv. Aber wie hat der Raffael diese tollen, süßen Puttengesichter hingekriegt? Na klar: Üben, üben, üben! Und so hat sich der große Raffael in die Einsamkeit der Sächsichen Schweiz verzogen, hat erst mal dort ein Puttengesicht in den Felsen gemeißelt. Nicht schlecht geworden! Und nach dieser Steinskizze hat er dann sein berühmtes Gemälde gemalt. Lösung gefunden.

Dann hat mir Arndt noch unterhalb von Hohenstein einen weiteren Engel gezeigt, sozusagen die russische Variante.

 

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Der gute alte Lenin in Stein gemeißelt. Ich frage mich: Warum ist das kein Pilgerort? Bei diesem Bildnis liegt es nahe, dass Zar Putin I. persönlich (denn er hat ja lange in Dresden gelebt) den mächtigen Revolutionsführer in den Fels gehauen hat. Ein wunderschönes Lenin-Denkmal, denn auch in der Sächsischen Schweiz gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, das ist ja mein Lieblingsspruch des alten Sowjet-Zausels.



Paris, Litermont, Nette, Felsenweg

Geschrieben am um 06:57

Wer mich kennt, weiß ich, dass ich ein Faible für leicht obskure Wegweiser und Straßenschilder habe. Also hatte ich großen Spaß an dem Einbahnstrassenschild, dass ich bei einer Wanderung durch Paris sah.

 

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Geile Idee, den weißen Balken wegtragen zu lassen. Dieses Symbol eines totalitären Straßenverkehrsystems zu entfernen, ist ein Akt gelebter Revolution. Und Revolution können die Pariser.

Ein kleiner Sprung ist es von der Metropole an der Seine in’s nördliche Saarland. Und auch dort spielt Haute Couture eine Rolle.

 

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Am Eingangsportal des Litermont-Gipfelpfads ist ein sinnvoller Hinweis angebracht. Bitte nicht High Heels beim Wandern tragen. Aber weil wir ja in Deutschland sind, bleibt es nicht bei einer freundlichen Empfehlung, nein, es wird ein Verbot ausgesprochen. Ich fordere Freiheit für High-Heels-Trägerinnen! Und High-Heels-Träger genauso! Soll doch jeder wandern wie er will. Und die hohen Absätze kann man an den steilen Passagen doch aucb gewinnbringend einsetzen: Als eine Art einzackiges Steigeisen zum Beispiel.

Jetzt aber nach so viel Revolution und Verbot, einfach mal was Nettes:

 

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Die ist so nett die Brücke, die grüßt auch höflich und befördert einen trockenen Fusses von einem zum anderen Ufer, sensationell!

Schließlich noch einen schöner Wegweiser am Startpunkt des Felsenwegs. Eine schöne Anregung für Gemeinden, die gleichzeitig etwas gegen die Kostenexplosion für stationäre Wegweiser und die kommunale Arbeitslosigkeit machen wollen.

 

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Immer wieder diese Grenzerfahrungen

Geschrieben am um 07:53

Wahrlich ich sage Euch, ich habe in den letzten Jahren einen Haufen Grenzerfahrungen beim Wandern gemacht. Ob das die 82 Kilometer mit Thorsten Hoyer waren, die Watzmann-Ostwand-Besteigung, die Wanderungen mit dem Schwäbischen Albverein oder meine Wüstenwanderung bei den Sahauris. Aber auch all die Blasen, unterhopften Wanderkilometer und unvermuteten Regengüsse waren natürlich Grenzerfahrungen.

Vor kurzem, anlässlich der letzten Kytta-bewegt-Wanderung des Jahres auf dem Felsenweg bei Losheim, habe ich eine neue Grenzerfahrung gemacht. Ungefähr zwei Kilometer nach dem Start in Waldhölzbach verläuft der Felsenweg genau auf der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz. So weit erst mal nix besonderes, ist doch das Saarland so klein, dass man schnell an seine Grenzen stösst. Aber was wirklich erstaunlich war: Auf saarländischer Seite war ein Wald mit dem üblichen Unterholz zu sehen. Auf rheinland-pfälzischer Seite dagegen Moos, so weit das Auge reichte.

 

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Unglaublich, eigentlich ist auch Rheinland-Pfalz hochverschuldet, dass die so viel Moos haben, hätte ich nicht gedacht.

Eine weitere Grenzerfahrung habe ich im Sommer auf dem “Luftigen Grat” bei Oberstaufen gemacht, dem spektakulären alpinen Premiumweg im Allgäu. Ich ging nicht über eine Landesgrenze, aber der luftige Grat markierte eine Wetterscheide, eine Wettergrenze.

 

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Auf der einen Seite freie Sicht, auf der anderen Seite eine dichte Nebelwand, die sich zögerlich anschickte, über den Grat zu kriechen. So eine meteorologische Grenzerfahrung habe ich noch nie gemacht. Den vollständigen Luftigen Grat-Report könnt ihr übrigens im aktuellen Wandermagazin lesen …

Aber noch nicht zu vergleichen ist das alles mit der unglaublichen Grenzerfahrung, auf dem Mössinger Dreifürstensteig auf der unterwöbten Hangkante zu stehen.

 

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Ich habe diese Warnmeldung nicht verstanden. Entweder ist das saugefährlich, an den Hangkante zu stehen, dann sollte man die sperren. Oder aber jeder ist seines Glückes Schmied, dann sollte man das Schild weglassen, denn es erzeugt nur eines: Angst. Ich habe mich natürlich trotzdem todesmutig für wenige Sekunden auf die total unterwölbte Hangkante gestellt. Eine weitere Grenzerfahrung.

 

Und jetzt seid ihr dran mit Euren Grenzerfahrungen…



Fotogen sind eher die anderen

Geschrieben am um 06:50

Ich muss mal etwas klar stellen. Sehr oft, zu oft, werde ich in letzter Zeit gefragt, ob ich denn diese ganzen Wandertouren, die ich in meinem Blog beschreibe, oder im Wandermagazin, in der ZEIT, in meinen Büchern, ob ich all diese Touren wirklich alle SELBST gelaufen bin. Hallo? Geht’s noch? Denkt ihr, ich delegiere das? Denkt ihr, ich lasse wandern? Nur um danach eine paar dürre Zeilen über Nicht-selbst-Erlebtes zu verfassen? Oder das auch noch geistschreiben zu lassen? Nein, natürlich wandere ich das alles selber, das ist mein BERUF und: Ich mache es auch noch gerne. Vielleicht sind diese zunehmenden Verdächtigungen der Grund, warum ich bei meiner letzten Wanderung in der Sächsischen Schweiz Mitte November eine Menge Beweisfotos gemacht habe. Quasi unumstösslicher Beweis: Ja, ich war da!

 

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Wen man allerdings ein Selfie macht, sollte man ein wenig darauf achten, nicht auszusehen wie ein Fisch, der an Land nach Luft schnappt. Ich habe aus diesem etwas verunglückten Bildmotiv gelernt, eher zehn Selfies zu machen, auf irgendeinem wird man schon aussehen wie ein Mensch.

Dann habe ich Mitwanderer Arndt die Kamera in die Hand gedrückt, er solle doch mal bitte ein schönes Andrack-klettert-in-der-Sächsischen-Schweiz-Foto machen.

 

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Allerdings sieht es auf dem Bild so aus, als hätte ich akute Darmprobleme. Nein, es sieht eigentlich exakt wie im Nachtprogramm von Sport1 aus. Wenn bei den Sexy Sports Clips eine junge Dame so tut, als wenn sie klettern würde, aber nur sichtbar scharf darauf ist, das nächste Kleidungsstück los zu werden.

 

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Auch dieses Foto ist leider misslungen. Wie bescheuert ist das denn, wie ich da in den weltberühmten Schwedenlöchern rumstehe? Wir Graf Großkotz: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Schwedenlöcher! Fehlt nur noch, dass ich unter dem Fuss den erlegten Löwen habe, aber den sieht ja man gnädigerweise nicht. Also den Fuss.

Ich habe Arndt die Kamera wieder weg genommen, obwohl der arme Mann für die Posen seines Models am wenigsten konnte. Habe ich eben mal wieder ein Selfie gemacht.

 

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Ein wirklich schlimmes Selfie. Das sieht aus wie die letzte Aufnahme eines Mannes in blauer Jacke, der für immer in der Sächsischen Schweiz verschwand. Schon seit Monaten wird er auf Flugblättern, Aushängen und bei Aktenzeichen XY gesucht wird. Ein Versprechen: In den nächsten Blogs gibt es nur Andrack-freie-Fotos. Ganz ehrlich.



Jaume, der Pep Guardiola der Wanderwege

Geschrieben am um 09:30

Und noch mal die Costa Brava:

Im Herbst war ich ja mal wieder mit Anton Götten Reisen bei einigen Wanderungen an der Costa Brava dabei gewesen. “Überragend”, wie Lukas Podolski sagen würde, ist der Wanderführer bei diesen Wandertouren. Jaume, ein waschechter Katalane, ein Pep Guardiola der Wanderwege, er zeigt unserer Wandertruppe immer neue Laufwege auf.

 

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Und wer dieses Foto von Jaume sieht, kommt nicht umhin, an die revolutionäre Ikongraphie eines Lenin zu denken. Das Kreuz im Rücken macht Jaume sogar zu einem regelrechten Wanderprediger. Kurz und gut, dieser Jaume ist einfach ein Charismatiker wie er im Buch steht und zeigte unserer kleinen Wandertruppe die schönsten Buchten der Costa Brava.

 

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Und ich schwöre beim Heiligen Jaume, dass sich hinter diesen Buchten keine bösen Bettenburgen à la Lloret de Mar verstecken, nein, alles Natur mit Naturisten, Nudisten und Neymar-Fans. Die Region hat in Zeiten – das habe ich von Jaume Guardiola gelernt – als der Tourismus noch nicht an der wilden Küste Einzug gehalten hatte, hauptsächlich von der Korkindustrie gelebt. Auch Jaumes Vorfahren waren Korkarbeiter, aber nicht in dem Sinne von Gérard Dépardieu, der nach eigener Aussage jeden Tag genau 14 Flaschen Wein entkorkt. Nein, die Costa Bravianer sind der Korkeiche an die Rinde gegangen

 

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Warum allerdings die Rinde nur bis Brusthöhe abgeschnitten ist, das machte mich stutzig. Das sieht doch sehr nach Kinderarbeit ist, bei der die kurzen Ärmchen nur bis in eine gewisse Höhe langen. Der Showdown unserer Wanderungen führte uns schließlich an eine Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Gedächtnis-Hütte am Montgri, dem grauen Pamela-Anderson-Berg. Leider hatte ich keine Mundharmonika dabei.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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