Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinsichten und Weinsprüche, Akkusativ und Ablativ

Geschrieben am um 6:23

Es gibt ja im Reiche der Önologie, der Weinwissenschaft, einen Haufen Wettbewerbe, Auszeichnungen, Kammermünzen, was weiß ich. 2020 hat das Deutsche Weininstitut die schönsten Weinsichten in allen 13 Anbaugebieten wählen lassen.  Weinsicht, das bedeutet nicht der Blick ins Glas. Etwas korrekter – aber auch komplizierter – wäre der Wettbewerb mit Schönster-Weinberge-Ausblick umschrieben. Egal. Auf jeden Fall habe ich in der Pfalz die schönste Weinsicht am kleinen Kalmit im Weinort Ilbesheim genossen.

 

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Am Ortseingang von Ilbesheim steht:

Verlieb dich in Ilbesheim

 

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Ich war irritiert. Ist in diesem Fall Ilbesheim Ablativ-Objekt (wo verliebe ich mich?) oder Akkusativ-Objekt (in wen oder was verliebe ich mich?)

 

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Bevor ich darauf keine Antwort habe, kann ich auch die Frage auf dem Schild am Ortsausgang nicht beantworten.

Bleiben wir beim Thema Wein-Semantik. Ich liebe ja Weinsprüche. So wie diesen…

Wo ich geh und steh,

tun mir die Knochen weh!

Aber wenn ich sitz und sauf,

hörn die Schmerzen auf!

 

Oder auch, nicht so ganz gender-korrekt, diesen …

 

Alter Wein und junge Weiber, das sind die besten Zeitvertreiber.

 

Aber ich finde, dass man aus Suchtpräventionsgründen diesen Spruch, den ich in Cochem an der Mosel sichtete, nicht mehr gutheißen kann:

 

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Wundersame Bergwelten

Geschrieben am um 6:23

Auch an der Mosel gibt es steile Berge, jawohl! Wer schon einmal über naturbehauene Schiefertreppen, schmale Pfade und Serpentinen in Cochem hinauf zum Pinner Kreuz Gestiegen ist, kennt die alpinen Herausforderungen des Mittelgebirges. Kein Widerspruch!

 

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Wie heißt es im Holländischen so schön: „Iem gouden bergen beloven“, zu deutsch: jemandem goldene Berge versprechen. Irgendwer hat diesen Holländern also vom Pinner Kreuz erzählt, in Corona-Zeiten wandern sie dort verstärkt umher, aber unglaublicherweise sehen die alle total frisch aus, sehr unverschwitzt. Das mag an einer technischen Errungenschaft liegen, die in den Niederlanden Stoeltjeslift heißt.

 

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Ein wenig die Mosel hinunter, Richtung Cochem, sah ich am Berghang merkwürdige Bauten, die aussahen, als hätten Außerirdische, wie sie Erich von Däniken beschrieb, dort als Landestation für ihre Ufos installiert. (Auch die Pyramiden von Gizeh wurden ja laut Däniken als eine Art Landebahn von Außerirdischen gebaut.)

 

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Ich hatte allerdings keine unheimliche Begegnung der dritten Art, musste allerdings zur Kenntnis nehmen, dass es eine mir vorher unbekannte Sportart gibt: Berggolf.

 

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Noch unbekannter ist eine Sportart, deren Namen mir noch nicht einmal geläufig ist. Unterhalb des Belchengipfels sah ich beim Überqueren einer Straße zwei behelmte Menschen. Der eine stellte sich auf ein Skateboard, der andere nahm Schwung und legte sich mit dem Rücken flach auf eine Art Rodelschlitten auf Rädern. Dann heizten die beiden Wahnsinnigen in mörderischem Tempo die abschüssige Straße hinunter.

 

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Am wundersamsten finde ich in deutschen Mittelgebirgen, wenn Wanderer an steinreichen Stellen ganze Armeen von Steinmännchen errichten (ist das gendermäßig korrekt, müsste es nicht auch Stein*menschlein geben?)

 

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Merkwürdigerweise erzeugen diese Steinmännchen bei mir sehr große Aggressionen. Ich würde am liebsten wie ein Berserker die Dinger kaputttreten. Woher kommen diese negativen Gefühle? Das erinnert doch stark an ein Kleinkind, dass die mühevoll errichteten Bauklotztürme der anderen Bälger zerstören will. Vielleicht mag ich diese Steinmännchen nicht, weil die wirklich einzige sinnvolle Begründung, so ein Ding zu bauen, die Funktion eines Wegweisers im Hochgebirge ist. Wenn allerdings nicht ein Steinmännchen, sondern Dutzende am Hang herumstehen, obwohl ich auf einem unverlaufbaren und bestens markierten Premiumweg gehe, dann ist das so dermaßen sinnlose Natur-L’Art pour L’Art, dass ich wütend werde, man möge mir das verzeihen. Ich denke, ich mache eine Steinmännchen-Therapie. Andererseits las ich kürzlich in der FAZ, ich zitiere: „Selbst in der Natur gibt es kein Entrinnen: Kann man noch irgendwo wandern, ohne dass jemand vor einem einen dieser Steintürme am Wegesrand hinterlassen hat? Was Liebesschlösser an Brücken sind, ist diese epedemisch gewordene Land Art für Anfänger außerhalb der Stadt. Naturschützer finden mit ihrer Aufforderung still zu halten, kaum Gehör. Obwohl unter den Steinen Insekten, Reptilien oder Spinnentiere Zuflucht nehmen und jeder Stapel ein kleines Ökosytsem zerstört.“ Ha, na also. dann doch lieber Steinmännchen zerstören und Ökosysteme ermöglichen, oder?



Begegnungsverkehr, Selbstkontrolle, Hoffnung für 2023

Geschrieben am um 6:23

Erster ganz heißer Favorit für das Unwort des Jahres: „Begegnungsverkehr“.

 

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Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man sich beim Verkehr, egal wie man Verkehr definiert, begegnet. In der U-Bahn begegnet man sich, entgegenkommende Autos begegnen sich, auch auf Fahrradwegen soll es schon zu Begegnungen gekommen sein. Genauso natürlich ist eine Begegnung auf Wanderwegen. Üblicherweise grüßt man fröhlich, zu Umarmungen und sexuellen Ausschweifungen bei diesen Begegnungen kommt es meines Wissens relativ selten. Weswegen man auch die Kirche im Dorf und die Begegnung zulassen sollte.

 

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Zumindest wenn man alles unter Kontrolle hat. Ich meine nicht das Weltgeschehen, das kann man nicht unter Kontrolle haben. Aber sich selbst sollte man schon kontrollieren können, oder?

Ich kontrolliere mich mal selbst: LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203. Kontrolle beendet, alles schön aufgeräumt im Oberstübchen!

 

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War nicht eigentlich die prinzipiell sehr lobenswerte Idee jedes Premiumwegs, für komplette Orientierung zu sorgen? Früher übrigens auch mit erlaubtem Begegnungsverkehrs. Aber wenn wie hier in der Nähe von Schloss Sayn Premium-Weitwanderweg, Premium-Traumpfad und Premium-Traumpfädchen ihr Recht fordern, wird es doch ein ganz klein wenig unübersichtlich.

 

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Da lobe ich mir doch klare Ansagen. Die Abkürzung des Cochemer Rittersprungs und das Finale des Endertwegs (immerhin Sieger Deutschlands schönster Wanderweg 2019) ist bis 2023 nicht begehbar. Da droht Gott sei Dank auch kein Begegnungsverkehr.

Eine ganz besondere Art von Begegnungsverkehr hatte ich auf der Traumschleife Heimat. Dort traf ich im Gebüsch einen Strohhutmenschen mit einem rot-weißen Trikot

 

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Das Trikot war auf links gedreht, aber man konnte den Namen des Vereins entziffern: TB Andernach. Nun gut, da hat sich also ein Fan oder Aktiver des TB Andernachs seines Trikots entledigt. Um was zu machen? Begegnungsgverkehr? Falsch. Die TB Andernach ist weltberühmt dafür, hervorragende Karate-Kämpfer in ihren Reihen zu haben. Im Wald oberhalb von Gehlweiler hat ein Kampf stattgefunden, der Karate-Mensch aus Andernach hat verloren und danach sein Trikot als Zeichen seiner Niederlage hinterlassen. So muss es gewesen sein!



Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 1 – der Belchensteig

Geschrieben am um 6:23

Der Belchen im Südschwarzwald. Monolith, Brocken, „Der Strahlende“, wie ihn die Kelten nannten. Den Feldberg kennt jeder, obwohl das gar kein richtiger Berg ist, eher so ein Hochplateau als Freizeitpark. Aber der Belchen – der noch zwei internationale Geschwister hat, den Schweizer Belchen (auch Belchenflue genannt) und den Elsässer Belchen (auch Ballon d’Alsace genannt) – der Belchen also ist eigentlich DER Berg. Fachleute nennen den Belchen den höchsten Berg im Deutschen Mittelgebirge, weil der die höchste Reliefenergie aufweist-Übersetzung von Reliefenergie: Auf allen Hängen gibt es eine sehr große Höhendifferenz zu den Tälern, also genau das, was man landläufig unter einem BERG versteht.

 

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Seit 2018 gibt es den Premiumweg Belchensteig. Ich empfehle den Start am Wiedener Eck und dann den Weg gegen den Uhrzeigersinn zu gehen. Das ist Natur pur, alpine Wege und Ausblicke, Kinder, das sind Ausblicke zum Niederknien. Niederknien aber nicht zu empfehlen, weil man als alter weißer Mann so schwer wieder hochkommt.

 

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Blicke ins Münstertal, Blicke in die Rheinebene, der Kaiserstuhl sieht wirklich winzig aus. Dazu hochmoderne Sitzmöbel, Grenzsteine am Gipfel von 1790. Damals grenzte Österreich an Baden genau auf dem Gipfel.

 

 

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Auf dem Gipfel merke ich mal wieder, dass ich eigentlich kein Bergfex bin. Ich bin der einzige Vollhorst ohne Jacke, es stürmt auf dem Gipfel. Verschwitzt vom Aufstieg pfeift der Wind durch und durch. Mir ist sehr sehr kalt.

 

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Beim Abstieg muss ich husten und werde komisch angeschaut. Entspannt Euch Leute, ich habe kein Corona, nur BEL-CHEN.

Und weil es so schön ist auf dem Belchensteig, ist der Weg zum Schönsten Wanderweg Deutschlands 2020 gewählt worden. Die Preisverleihung fand am Belchenhaus unterhalb des Gipfels statt.

 

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Ich habe schon vor Ort gratuliert, aber noch mal von dieser Stelle ganz herzliche Glückwünsche in den Schwarzwald!



Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 2

Geschrieben am um 6:23

Die Entscheidungen beim Wettbewerb „Deutschlands schönster Wanderweg“ sind gefallen. Auf den zweiten Platz kommt die Heimat. Genauer: Die Traumschleife Heimat. Warum Heimat? Eigentlich ist doch jeder Wanderweg ein Stück Heimat, zumindest für diejenigen, die vor Ort wohnen. Oder für alle Wanderer, die so gerne auf dem Weg wandern, dass sie immer wieder gerne zurückkehren. Für mich ist zum Beispiel der Lieserpfad eine Art Heimat. Was also ist das Geheimnis der Traumschleife Heimat?

 

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Ist das Highlight des Weges der Brunnen am Koppenstein, aus dem nach der Legende der Klapperstorch alle neugeborenen Kinder zog? Nein, das Highlight des Weges ist anderswo zu finden. Ich war nur irritiert. Alle Kinder hat der Klapperstorch dort rausgezogen? Wirklich alle Kinder der Welt? Der Brunnen scheint mächtig tief gewesen zu sein.

 

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Oder ist der Knaller des Weges die Burgruine Koppenstein selber? Nicht wirklich.

 

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Auch der großartige Blick ins nahe Naheland ist nicht das Highlight des Weges. Ich habe mich übrigens gefragt, ob es schon eine Ausblick-App gibt, die anzeigt, was man genau sieht, welche Berge, welche Ortschaften. Es gibt ja auch Lied-Erkennungs-Apps und Flugzeuge-über-mir- Erkennungs-Apps.

 

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Der Abstieg vom Koppenstein ins Simmerbachtal ist lang und steinig. Und oft steil, sehr steil. Und so langsam nähern wir uns dem Highlight des Weges.

 

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Normalerweise sind bei Premiumwegen Ortsdurchquerungen eher Pflicht als Kür. Vielleicht eine gute Einkehrmöglichkeit, aber eigentlich möchte man ja wieder in die Natur. In Gehlweiler ist das anders. Dort befindet sich das Hunsrück-Hollywood.

 

 

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Im Ort wurde die beste Fernsehserie aller Zeiten gedreht. Heimat von Edgar Reitz. Und vor allem dienten die Häuser und Gassen in Gehlweiler als Kulisse für den dreistündigen Film von Edgar Reitz „Die andere Heimat“. Ein Film-Epos, ein Meisterwerk. Siehe auch die Filmkritik in der FAZ von Dirk Schümer.

Dieser Film spielt in den 1840er Jahren, ein Film vor der industriellen Revolution. Diesen Film sollten alle Friday-for-Future-Fans sehen, denn er zeigt, wie scheußlich und unmenschlich das Klima vor der jüngsten Erderwärmung war.

 

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Die Häuser und Straßen sehen natürlich nicht mehr so aus wie in den 1840er Jahren, sie wurden sozusagen verkleidet, kostümiert. An vielen Häusern hängen – das ist sehr schön gemacht – die Fotos, wie das jeweilige Haus am Filmset aussah. Ich muss mir jetzt noch mal den Film daraufhin anschauen. Und ihr solltet Euch unbedingt diese Heimat anschauen.



Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 3

Geschrieben am um 6:23

Seit 2004 gibt es die Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg. Der Wettbewerb wurde von Wandermeister Michael Sänger vom Wandermagazin erfunden und jedes Jahr am ersten Samstag im September auf der Tour Natur in Düsseldorf verliehen. Da es 2020 kein Bühnenprogramm auf der Messe gab, durfte ich den Preis für die Tagestouren in genialer Outdoor-Atmosphäre verleihen. Aber wer hat denn nun gewonnen?

 

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Auf Platz 3 kam – Trommelwirbel, Tusch, nein, Fanfare trifft es am besten – der Burgenstieg in Manderscheid. Manderscheid (meine Kinder nannten den Ort, wenn wir dort urlaubten, gerne Wanderscheid, ich glaube aber, sie meinten es nicht positiv), Manderscheid also ist mir über die Jahre zur zweiten Heimat geworden. Was hat diese Stadt nicht alles zu bieten: Ein Maarmuseum, ein Freibad, Top-Gastronomie (Heidsmühle! Grüße an Tobias), Top-Ferienbauernhof (Kapellenhof! Grüße an Familie Krämer), nicht zuletzt den schönen Kurpark.

 

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Dort startet der Burgenstieg. Man muss etwas suchen, bis man das erste Hinweisschild findet, denn auch Lieserpfad und Eifelsteig gehen am Kurhaus vorbei. Schnell verlässt man den Ort, geht über typisch lieserpfadige Wege (schmal, und immer um die Felsnasen herum) und hat schon bald die ersten Blicke auf das Top-Highlight von Manderscheid:

 

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Oberburg und Niederburg, so eng stehen zwei Burgen weltweit nicht beieinander, ein phantastisches Ensemble. Auf der einen Burg hockten die Trierer, auf der anderen die Luxemburger Junker, man belauerte sich, kalter Krieg im Mittelalter, Checkpoint Manderscheid.

 

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Fazit: Unbedingt mal hinfahren. Der Burgenstieg ist knapp sechs Kilometer lang, ist familienfreundlich, aber durch einige Höhenmeter auch durchaus anspruchsvoll. Für mich ist der Manderscheider Burgenstieg Deutschlands schönster Wanderweg. Der Herzen. Na ja, Bronze ist ja auch ganz schön, Hauptsache aufm Treppchen. Es soll ja auch tolle Fußballvereine geben, die nicht jedes Jahr deutscher Meister werden.



Weinwandern großstadtnah

Geschrieben am um 6:23

Weinwandern großstadtnah, das wäre doch eine feine Sache. Wandern in den Weinbergen in Pinneberg bei Hamburg oder in Hürth bei Köln, edle Tropfen testen in den Weingütern von Oranienburg bei Berlin und Erding bei München, zwischen den Reben flanieren in Ratingen bei Düsseldorf. In Fellbach bei Stuttgart ist das großstadtnahe Weinwandern Realität, sofern wir uns darauf einigen können, dass Stuttgart eine Großstadt ist

 

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Einfach mit der U1 aus der Stuttgarter Innenstadt die Anhöhen am Neckar hinauffahren, an der Endstation Fellbach Lutherkirche aussteigen und zehn Minuten zur Vinothek der Winzergenossenschaft gehen – und schon hat man eine paradiesische Auswahl für die Wegzehrung.

 

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Da es sich bei den Fellbachern um Winzergenossen handelt, müssen die beteiligten Betriebe natürlich wissen, wann sie welche Trauben anliefern sollen. Das steht praktischerweise an einer Tafel angeschrieben, so dass auch der Endkunde bei der Anlieferung zuschauen kann.

 

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Wie großstadtnah der Fellbacher Weinwanderweg ist, sieht man schon daran, dass man das Stadion der schwäbischen Fahrstuhltruppe richtig gut sehen kann. Nun gut, so etwas wie Fußballstimmung wird coronabedingt für lange Zeit nicht bis in die Weinberge hineinwehen.

 

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Ein Pluspunkt: In den Fellbachern Weingärten kann man sich auch an heißen Tagen unter den schicken Wetterpilzen einen Schatten-Platz suchen. Zwar haben die Dinge keinen klassischen Holzaufbau, entsprechen aber ansonsten den Vorgaben des Kölner Wetterpilzgurus Klaus Herda.

 

 

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Im letzten Jahr habe ich Klaus Herda bei einer Ausstellung in Köln getroffen, die den Kosmos „Wetterpilz“ als architektonisches Outdoor-Wunder Nummer Eins beleuchtete. Die Suche und – wie in Fellbach – der zufällige Fund von Wetterpilzen mit einhergehender Erwähnung auf wetterpilze.de ist immer wieder ein erhabenes Erlebnis, wie die Erstbesteigung eines unbekannten Gipfels.

 

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Nun aber auf nach Fellbach, auch auf der Durchreise (so war das bei mir), kann man in der Nähe von Stuttgart schöne Weinabenteuer erleben. Und die fast zwei Millionen Liter Wein, die können die Einwohner von Fellbach beim besten Willen nicht alleine trinken.



Der Wanderknigge

Geschrieben am um 6:23

Seit dem Lockdown haben viele Menschen das Wandern für sich entdeckt. Das ist sehr schön, allerdings stellen sich diese Wander-Novizen viele Fragen: Wie, Wo und mit wem. Daher bin ich mit Filmemacher Philippe und Wander-Altmeister Michael losgezogen, um einen Wanderknigge zu drehen, der die wichtigsten Fragen beantwortet: Wie schnell soll ich gehen, welche Touren soll ich aussuchen, wieviel Zeit soll ich einplanen, was soll ich in den Rucksack einpacken, wie informiere ich mich über die Ruhetage der Wanderhütte.

 

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Entscheidend für eine gelungene Wanderung: Immer genug Wasser mitnehmen und am besten immer dort wandern, wo es viel Wasser gibt. Daher hat Philippe auch am liebsten Wasser gefilmt. Während Wanderfilmemacher fast ausschließlich Wasser filmen …

 

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… müssen Wanderfilmproduzenten pausenlos telefonieren, irgendetwas organisieren, das ist nun einmal Produzentenalltag. Nachteil: Wenn düsenjägerlaut telefoniert wird, muss man immer wieder den Dreh unterbrechen, was bei Filmemacher und Protagonist totale Begeisterung auslöste.

 

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Ein wichtiges Thema im Wanderknigge war der Umgang mit Müll. Denn auch erfahrene Wanderer wissen oft nicht, dass es einen Grund hat, warum sich an Premiumwege-Rastplätzen keine Mülleimer befinden – die Wanderer sollen eben ihre Abfälle wieder mitnehmen. An Outdoor-Mülleimer bedienen sich gerne auch die Tiere des Waldes, und das Ergebnis ist immer eine große Sauerei.

 

 

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Dummerweise fand sich genau am Drehort für ein vorbildliches Wanderpicknick ein auffälliger Mülleimer, der die Basis-Message aber sowas von konterkarierte. Da bekanntlich in den Medien grundsätzlich nur geschummelt und getürkt wird, hat der Wanderknigge-Produzent den Mülleimer einfach verschwinden lassen, beziehungsweise mit drei Rucksäcken versteckt. So arbeitet die Lügenpresse!

 

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Allerdings war sich unser Produzent nicht zu schade, einen ganzen Müllbeutel, den wir an einer anderen Sitzgruppe im Bach fanden, durch den Wald zu schleppen, vom Saarland bis nach Bonn zu fahren und ebenda fachgerecht zu entsorgen.

 

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Und so ist ein wunderschöner Wanderknigge entstanden, bald auf allen Kanälen (unter anderem Wandermagazin.de) nachzuschauen. Einige Filme, die alle Wander-Einsteiger an die Hand nehmen, so wie der Mann seine Frau auf dem Wanderwegweiser.



Geschafft! Mein letzter Premiumweg im Saarland

Geschrieben am um 6:23

Unglaublich, aber wahr – nach zwölf Jahren, in denen ich in meiner saarländischen Neu-Heimat lebe, habe ich endlich alle saarländischen Premiumwege erwandert. Immerhin ist das kleinste Flächenbundesland die Nummer Eins in Deutschland, was die Premiumweg-Dichte angeht: Sechsundsiebzig Premiumwege (inklusive Spazierwanderwege) drängeln sich auf einer Fläche, die normalerweise als Vergleichsmaß für Steppenbrände und Ölteppiche weltweit herangezogen wird. Die Beispiele für „XY ist so groß wie das gesamte Saarland“ sind legendär.

 

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Mein letzter saarländischer Premiumweg war der Tiefenbachpfad oberhalb von St.Wendel. ich war immer schon Teilstücke gewandert, aber noch nie die Gesamtstrecke. Wer noch nie in St.Wendel war oder noch nie vom Heiligen Wendelinus (der im Wendelinus-Dom liegt, auf dem nächsten Foto am linken Bildrand) gehört hat, kann auf dem Weg einen sehr guten Eindruck über die gesamte Stadt verschaffen.

 

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Welcher der zahlreichen Kerbtäler auf meiner Wanderstrecke nun der Tiefenbach war, habe ich nicht kapiert. Auf jeden Fall geht es über teilweise äußerst gewagt Treppenkonstruktionen, bergab und bergan. Die letzten Anstiege der Tour haben bei Temperaturen weit über dreißig Grad richtig wehgetan, zumal ich wegen meines Corona-Bauchs nicht gewillt war, Anstiege mit gedrosseltem Tempo anzugehen.

 

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Aber was ist der schönste Premiumweg ohne gescheite Schlusseinkehr? Nichts wäre das wert, genau. Daher wird man auch auf dem Tiefenbachpfad ständig gefragt: Hunger? Antwort: Ja, schon, aber vor allem Durst.

 

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Daher am Ende natürlich Einkehr im Wendelinushof (hier ist alles wendelig), einem integrativen Lebenshilfe-Projekt. Fast alles, was auf den Tisch kommt, Fleisch und Gemüse, ist im Hof produziert worden.

 

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Auch die zukünftige Gulaschsuppe war schon angetreten, um im Schatten das Futter zu genießen. Das war’s also, mein letzter saarländische Premiumweg, ein wenig Wehmut ist schon dabei, denn was sind die neuen Ziele? Vielleicht sind demnächst alle Premiumwege von Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin dran. Damit müsste ich ziemlich schnell durch sein.



Die höchste Felswand

Geschrieben am um 6:23

Ich muss es immer wieder betonen. Das Schönste beim Wandern sind die überraschenden (Natur-)-Erlebnisse und die Vielfalt. Eine Wandertour sollte abwechslungsreich sein, in Patagonien können die anderen wandern. Sehr schön finde ich, dass auch keine Weinwanderung der anderen ähnelt. Man könnte ja denken, dass sich da viel wiederholt. Durch Weinberge gehen, einen guten Tropfen trinken, Heimfahrt.

 

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Aber dann ist da plötzlich an der Nahe dieser gigantische Steinbrocken. Der Rotenfels! 1.200 Meter lang, über 200 Meter hoch. Die höchste Felswand zwischen Alpen und Skandinavien, zwischen Matterhorn und den norwegischen Fjorden. Und… ja, unglaublich aber wahr, ich fahre gerade unten am Rotenfels im Zug vorbei, während ich über diese Weinwanderung schreibe. Tausendmal dran vorbeigefahren, mit der Vlexx von Saarbrücken über St.Wendel und Idar-Oberstein. Und kurz vor Bad Münster am Stein (mit dem Stein ist übrigens ein anderer Stein gemeint, der Grafenstein) erhebt sich dann der Koloss.

 

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Ich bin mit Marian auf der Vitaltour Rotenfels gewandert. Knackige 16,6 Kilometer, da braucht man schon einige Vitalität. (Kritisch angemerkt: Vitaltour finde ich als Wanderwegname etwas unglücklich, das hört sich an wie, Kurschatten oder einer Kur zum Abnehmen.

 

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Ein Teil des Premiumwegs verläuft durch Bad Kreuznach. Ich musste meine Vorurteile revidieren, denn ich hielt die Geburtsstadt von Julia Klöckner immer für das hässliche Entlein von der Nahe. Fehler, denn es gibt sogar eine ziemlich alte Stadtmauer …

 

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… und sogar sehr schöne Abschnitte der Nahe. Vielleicht doch den nächsten Urlaub in Bad Kreuznach buchen. Wie sich das für eine Weinwanderung gehört, habe ich mich – in Ermangelung von Gastronomie am Wegesrand (Coronabedingt geschlossen) vorab mit Wein versorgt.

 

 

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Im Weinort Traisen am Rotenfels hatte ich beim Weingut Beisiegel vier Flaschen gekauft. Einen Frühburgunder trocken (phantastisch!), einen Spätburgunder trocken und halbtrocken und einen Grauburgunder. Und so haben wir (ich hatte auch Käse und ein frisches Baguette dabei) als Edelpenner im Schlosspark von Bad Kreuznach eine großartige Weinprobe gemacht.

 

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In den Wäldern zwischen Bad Kreuznach und Rotenfels fanden wir in einer Schutzhütte eine Werbung für Wandern im Kaukasus. Nicht weit von der Nahe entfernt und die georgischen Weine sind auch recht ordentlich. Zum Abschluss gab es dann wieder spektakuläre Ausblicke auf die mächtigen Steinbrocken des Rotenfels. Eine absolute Must-Have-Wanderung.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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