Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der Wald verändert sich

Geschrieben am um 8:07

Der Wald verändert sich, nicht nur in NRW. Jeden Freitag gibt es einen neuen You-Tube-Clip auf der Facebook-Seite von Wald und Holz NRW und dem Youtube-Kanal von Wald und Holz NRW. Ich erkunde als Waldbotschafter, was los ist in unseren Wäldern. Eine Menge Holz liegt nicht nur vor der Hütte, sondern im Wald herum, daran werden wir Wanderer uns gewöhnen müssen.

 

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Wieder was gelernt: Die aufeinander geschichteten Baumstämme heißen nicht Holzstapel oder Holzhaufen, sondern Holzpolter. Das Holzpolter. Und nach diesem trockenen Sommer gibt es, Holterdipolter!, eine riesige Menge Holz am Wegrand, so gewaltig, dass es nicht genug Holzlaster gibt, es in die Sägewerke zu fahren. Warum das so ist, erklären mir in einigen You-Tube-Clips die Förster von Wald und Holz NRW. In Kurzform: Durch den trockenen Sommer konnten sich der Borkenkäfer derart vermehren, dass er zwei Millionen Fichtenbäume kaputt gemacht hat. Die müssen jetzt schnell gefällt werden und raus aus dem Wald, sonst droht akute Ansteckungsgefahr.

 

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Wegen der Trockenheit hatte die Fichte keine Möglichkeit sich selbst (mit Harz) gegen die kleinen Monster zu wehren. Gifteinsatz ist nicht zielführend. Also muss im Endeffekt die ganz große Waffe gegen den kleinen Quälgeist Borkenkäfer eingesetzt werden: Der Harvester, der im Minutentakt die Fichten aus dem Wald holt. Ein brachiales Schauspiel.

https://www.youtube.com/attribution_link?a=ecReyVeuj3fAvLje&u=/watch%3Fv%3D_LLld1HCd28%26feature%3Dem-share_video_user

Die Förster staunten, dass ich noch nie einen Harvester in Aktion gesehen hätten. Diese Witzbolde: wenn das Ding in Aktion ist, ist doch der Waldweg gesperrt – und ich würde natürlich nieeeee-mals einen gesperrten Waldweg betreten.

Aber daran werden wir uns in unseren Wander-Wäldern gewöhnen müssen: Öfter einmal gesperrte Wanderwege, damit die Forstbetriebe der dramatischen Lage Herr werden. Bitte habt Verständnis! Und man muss sich an den Anblick neuer Kahlflächen gewöhnen müssen …

 

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Und manchmal sieht das ja auch richtig schön aus. Denn auch das muss man sagen: Die Borkenkäferplage dieses Jahres beschleunigt den Waldumbau – mehr klimaresistente und schädlingsresistente Baumarten, weg von der Fichte, mehr Mischwald. Und Abwechslung im Wald ist ja auch schön für alle Wanderer.



Verlasst die Wälder!

Geschrieben am um 7:00

Kann man überhaupt noch in den Wald gehen? Als Wanderer gehört zur Glücksgrundausstattung, sich im Wald und der Natur wohl zu fühlen, Kraft und Glück aus dem Aufenthalt und der Bewegung im Wald zu schöpfen. Aber was ist, wenn man im Wald auf Leute trifft, die man dort gar nicht sehen, geschweige denn treffen will? Nein, ich rede nicht von großen Wandervereinen, sondern zum Beispiel von Charlotte Roche.

 

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Die Ex-VIVA-Zwo-Moderatorin empfiehlt seit diesem Jahr: „Verlasst die Städte!“, also ab in die feuchten Waldgebiete. Ich hatte den Aufruf gar nicht mitbekommen, las davon in der vorletzten FAS. Ein Grund, warum Städte laut Charlotte nicht so richtig supi sind: „Wie oft kommen wir aus der Wohnung raus und es wurde auf unsere Motorhaube gekotzt?“ Tja, wie oft eigentlich? Seit 53 Jahren lebe ich in Groß- und Kleinstädten, und noch nie wurde mir auf die Motorhaube gekotzt. Gut, das kann natürlich auch daran liegen, dass ich bis vor sieben Jahren kein Auto hatte. Aber dennoch könnten vollgekotzte Motorhauben auch etwas mit dem Auto zu tun haben, das an der Motorhaube dran hängt und dass dieses Auto möglciherweise in einer Kneipengänger-In-Viertel-Straße etwas deplatziert ist. Aber auch wegen der Motorhauben-Geschichte ist Good Charlotte aufs Land gezogen, dort lebt sie im Hier und Jetzt und Glücklichsein. Weil, so Charlotte: „Im Wald triffst du keine anderen Menschen, die dir voll auf den Sack gehen.“

 

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Prinzipiell stimme ich dieser Aussage zu. Allerdings – könnte ja sein, dass man Charlotte Roche demnächst über den Weg wandert.

Charlotte ist ja wirklich eine sehr nette Frau, aber auch richtig schlimme Menschen lieben den Wald. Reaktionäre, identitäre, rechtsradikale Menschen. Die Schriftstellerin Madame Nielsen hat – wie es die FAS vom 11.11. berichtet hat – für ein Buchprojekt „Mit Rechten Geredet“, mit AFD-Leuten und Identitären. Und was muss man dort für ein Geschurbel lesen? Marc Jongen „philosophiert“, Zitat: „Das Deutsche ist konservativ, freiheitlich und patriotisch. Nachdenken, Ernsthaftgkeit, Tiefsinn … und ja: der Wald, der Deutsche liebt ja den Wald, ob alleine oder mit Familie im Wald zu wandern, in gehobener Stimmung“. Zum Thema „das Deutsche“ fällt also dem „Chef-Denker“ der AFD nichts anderes ein als Wald und Wandern? Da muss ich echt kotzen.

 

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Egal ob die nicht-rechstradikale Charlotte oder die rechtsradikalen Wald-Spinner, sie haben eines nicht kapiert. Um im Wald glücklich zu sein, muss man weder im Wald wohnen, noch ihn glorifizieren, noch aufs Land ziehen. Macht es wie Wanderer aller Zeiten, von Goethe über die Naturfreunde bis zu den Outdoor-Junkies heutzutage: Wandert, genießt den Wald, und fahrt dann wieder zurück in die Städte und freut Euch des Lebens. Für alle diejenigen, die den Wald glorifizieren und mystisch überladen gilt: Verlasst die Wälder!



Wanderland!

Geschrieben am um 21:59

Wanderer, kommst Du nach Nürnberg, besuche die größte, kreativste, lustigste, bedrückendste, intensivste, informativste und großartigste Wander-Ausstellung aller Zeiten. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (fußläufig vom Hauptbahnhof, nahe der Stadtmauer) wurden ungefähr 400 Exponate zusammengestellt.

 

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Neben dem Rucksack von Hermann Löns und einer meiner Wanderkarten ist auch ein Wanderschuh von Helmut Kohl ausgestellt. Man fragt sich, wo der andere geblieben ist. Gastgeschenk an Mitterand? Im Spendensumpf stecken geblieben? Oder hat die Witwe den zweiten Schuh nicht rausgerückt?

 

 

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Wunderbar ist die Wand mit den Entwürfen für das Wanderparkplatzschild. Der Wandervogel hatte keine Chance gegen Gisela, die Wanderdame mit den wehenden Haaren.

 

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Auch in der DDR gab es Wandervögel, die hatten aber keinen Wanderführer (der „Führer“, behauptet eine Nazi-Postille in der Ausstellung, ist angeblich auch gewandert), sondern Wanderleiter.

 

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Spitzenklasse ist die Filmsequenz aus dem Prädikat-ganz-besonders-wertvoll-Film „Das Wandern ist des Müller’s Lust“ Wir sehen Ilja Richter, wie er eine 22%ige Steigung hochwandert. Entertainment der Extraklasse! Ihr MÜSST die Wanderausstellung sehen. Noch bis 28. April im GNM in Nürnberg. Und wenn ihr wollt, kann ich euch persönlich einige Exponate erklären. Schnappt euch einfach den Audio-Guide!



Machen wir ne Herrentour, an die schöne Ahr, trinken wir Burgunder nur, das ist sonnenklar

Geschrieben am um 7:22

Der wahrscheinlich bekannteste und meist frequentierte Weinwanderweg Deutschlands ist der Rotweinwanderweg im Ahrtal

 

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Seit kurzem gibt es in Ahrweiler die sogenannten Traubenwege, ich habe Traubenweg Nummer Zwo ausprobiert, ein Rundweg, der am Bahnhof in Walporzheim startet und teilweise auf dem Rotweinwanderweg verläuft.

 

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Die Anbindung an den ÖPNV ist im Ahrtal gigantisch, wer also dort seine nächste Weinwanderung plant, sollte – auch wegen des obligatorischen Konsums des großartigen Spätburgunders – unter jeden Umständen auf das Auto verzichten. Außerdem ist man durch die Anreise im Zug so ausgeruht, dass man problemlos die größte sportliche Herausforderung des 2er Traubenwegs meistern kann.

 

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Nach gemächlichen Beginn durch die Weinberge geht es auf einem sogenannten Bergpfad durchaus alpin hinauf zur Bunten Kuh. 300 Meter lang, gefühlt 200 Höhenmeter. Über der kuriosen Felsformation eine Aussichtshütte und hier die schöne Legende, warum der Felsen Bunte Kuh heißt: Französische Soldaten machten dereinst eine Herrentour an die Ahr und tranken nur Burgunder, das ist sonnenklar. Die Wertung der Weinkenner fiel positiv aus: „C’est bon de gout“, übersetzt: Schmeckt gut. Die Ureinwohner an der Ahr verstanden nur Bahnhof und machten aus bon de gout Bunte Kuh.

 

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Man sollte ja keine Namenswitze machen, aber hat da jemand den falschen Beruf ergriffen? Horst Vegetarier wird ja auch nicht Metzger.

 

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Hinter der Bunten Kuh liegt nach einem Kilometer fast am Weg eine der phantastischsten Weingaststätten der Welt. Warum? Erstens die Ausblicke, zweitens der hauseigene Spätburgunder. Drittens: Jede Menge vegane Speisen, viertens gibt es Flammkuchen vun de Ahr: Schwadlappe, Parat jemaht und Ärm Diersche. Ich habe mich allerdings für die hausgemachte Eifler Rotwein-Wildsülze entschieden.

 

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Der Traubenweg No. 2 geht auch ins Hinterland und ist teilweise so schön wie bei diesem schmalen Pfad. Manchmal auch nicht.

 

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Mitten im Wald stehen wir vor dem EVA Turm. Die Abkürzung steht für Eindeutig Verhunzte Ausblicke. Man sieht auf Baumspitzen und das in alle Himmelsrichtungen. Enttäuschend.

 

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Der Hammer dagegen ist – auch direkt am Wanderweg – der ehemalige Regierungsbunker der Bundesregierung, der im Falle eines Atomkriegs die neue Heimat der Regierung, sowie von Bundestag und Bundestag gewesen wäre. 936 Schlafräume und 897 Büroräume wurden in den Fels gebaut. Hoffentlich waren die Weinvorräte auch ausreichend angelegt.

 

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Fazit: Auch ohne Herrentour (oder als Ein-Mann-Herrentour) eine sehr feine Weinwanderung an der Ahr.



Mein Name ist Gurkasch – Thomas Gurkasch

Geschrieben am um 12:03

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge der Krimi-Serie heißt „Der Bierflüster“. Und ich darf einen rheinischen Bierexperten spielen, der in einen Mordfall verwickelt ist. Was hat denn den Rheinländer nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen? Das darf ich natürlich nicht verraten.

Beim ersten Besuch der beiden Kommissare ist Gurkasch (so mein Rollenname) noch gut gelaunt, auch wenn die beiden sich über meinen Namen lustig machen…

 

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v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber egal. Immer rein in die gute Stube, die vom Innenrequsiteur sehr dezent ausgestattet wurde. Man merkt kaum, dass dort ein Bierexperte wohnen soll…

 

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In meinen eigenen vier Wänden nehmen mich dann Kriminalhauptkomissarin Karoline Joost und Kriminaloberkomissar Lars Pöhlmann nach allen Regeln der Kunst in die Mangel…

 

321-25-01, v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann

v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber vielleicht ist ja die Rettung für Thomas Gurkasch, dass er ein geniales Bier-Prüf-Verfahren entwickelt hat, welches … (STOPP! SPOILER-SCHUTZ!)

 

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v.l.n.r.: Manuel Andrack – copyright ZDF/Meyerbroeker

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge: „Der Bierflüster“



Zu Fuß zum Vesuv

Geschrieben am um 7:26

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Das war mal wieder eine Wanderung, die auch meine letzte hätte sein können. Im Hintergrund Neapel, eine Stadt, die ich ausnahmsweise nicht besucht habe, weil der 1.FC Köln dort im Europapokal spielte. (internationale Effzeh-Spiele gibt es erst wieder ab nächsten Herbst). Nein, Neapel war der Ausgangspunkt meiner Expedition hinauf zum Vesuv. Okay, ich bin natürlich wie alle anderen erst mal die Serpentinen hinauf mit dem Bus gefahren, danach – wie alle anderen – die letzten 1.600 Meter zu Fuß gegangen. Zugegebenermaßen keine alpine Spitzenleistung.

 

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Und für alle, denen das noch zu anstrengend war, bot ein junger Mann Wanderstöcke an: „For free, kooostenlos“ rief er. Als eine ältere Frau sich einen Wanderstock schnappen wollte, hielt er die Hand auf: „Ein Euro“. Das ist gelebte neapolitanische Kostenlosigkeit.

 

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Man muss es noch einmal betonen: Der Vesuv ist ein AKTIVER Vulkan. Es ist zwar schon eine Weile her, dass er sich über Pompeji ergossen hat, aber man weiß ja nie. Mir ist es vor Ort erst klar geworden, welchen Wumms der Vulkanausbruch von August 79 hatte. Heute ist der Vesuv 1.281 Meter hoch. Nach Schätzungen war er vor dem Ausbruch ein 3.000-Meter-Berg. Wo sind die restlichen 1.700 Meter geblieben? Nun, die sind bei dem Ausbruch fünfzig Kilometer in die Höhe geschleudert worden und dann auf Pompeji und andere Städte gefallen. Ein monströser Steinregen. Auf dem Foto oben sieht man den eigentlichen, heute zart bewaldeten Kraterrand.

 

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Das, was heutzutage als eigentlicher Krater gilt, ist im engeren Sinne nur eine Art Nebenkrater. Damit nichts schief geht, bin ich mit dem neuesten rot-schwarzen Hemd von Fifty Five ausgestattet. Eigentlich heißen alle Hemden von Fifty Five André, seit dem Marsch auf den Vulkan ist es für mich das Modell „Vesuv“ – rot wie die Lava, schwarz wie vulkanisches Gestein.

 

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Obwohl das vulkanische Gestein ehrlich gesagt eine hell-beige Färbung hatte. Wieder am Bus angekommen, erhielten wir (im Bild auch die Schuhe meiner Tochter) eine exklusive Fuß- äh Schuhwaschung von unserem Busfahrer. Mit dem Hochdruck-Reiniger wurden unsere Schuhe so sauber, wie sie noch nie waren.

 

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Auf der Fahrt vom Vesuv hinunter nach Neapel sahen wir, wie vorbildlich die italienischen Sicherheitsvorkehrungen sind, falls es doch zu vulkanischen Aktivitäten kommen sollte. Für den Fall der Fälle steht die neapolitanische Feuerwehr bereit. Forza Italia!

 



Die heißesten Wanderaccessoires

Geschrieben am um 7:31

Wandern ist eigentlich nur schön, wenn auch die Wander-Accessoires stimmen.

 

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Der exquisite (und nicht ganz billige) „Wanderrucksack Modell Hermann Hesse“ ist erste Wahl für jeden Old-School-Wanderer. Ich sah das Exemplar im Hermann-Hesse-Museum in Calw. Der klassische Tropfenform-Rucksack besticht durch antikes Design. Was ich nur komisch finde: Meines Wissens ist Hermann Hesse meistens nackt gewandert, wo ist dann sein Rucksack geblieben?

 

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Ein wunderbares Tool für alle Premiumwegebetreiber ist die kleine Trittstufe, die man an querliegenden Bäumen befestigen kann, auch in der Version „To Go“ erhältlich. Der Wanderer erlebt die wilde Natur, kann aber zivilisiert über die Bäume steigen

 

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Sehr hip ist das schwedische Tisch-Modell Palettölö. Aus hochwertigen Edelhölzern gefertigte Holzpaletten ergeben ein formschönes Waldmöbel, das auch jeden Schrebergarten schmückt.

 

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Auch im Fußtextilbereich kann man es sich extravagant und elegant gut gehen lassen. Die Wanderschlappen „Opi“ gibt es im Verleih unter anderem in einer Gaststätte an der Wildenburg in der Nordeifel. Dreckige Wanderstiefel aus, Hauschuhe „Opi“ an, einfach herrlich!

 

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Und wer sich den Vorgarten verschönern will, kann bei Manufaktum die Figuren-Trilogie „Familien-Therapie“ bestellen. Da ist für jeden Geschmack, von sehr jung bis sehr alt, etwas dabei.



Die Weine der gräflichen Familie – eine Weinwanderung in Rheinhessen

Geschrieben am um 7:44

Wenn man in Rheinhessen, der größten Weinbauregion Deutschlands auf schönen Wegen wandern will, sollte man eine der mittlerweile neun Hiwweltouren testen. Ich habe meiner Frau zum Hochzeitstag eine herbstliche Weinwanderung auf der Hiwweltour „Westerberg“ geschenkt. Wir parken in Schwabenheim und gehen schon bald über schöne Graswege hinauf in die Weinberge. Wenn wir uns umschauen, sehen wir ausgedehnte Weinfelder in der hügeligen Landschaft, so weit das Auge reicht.

 

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Die große Lese war schon vor einem guten Monat, nun, Ende Oktober, hängen zwar noch einige wenige Trauben an den Rebstöcken. Aber viele Beeren sind vertrocknet, andere so überreif und geschmacksintensiv, dass in der Mundhöhle schon eine Spontangärung einsetzt. Ein Winzer aus Schwabenheim hat vier Reihen Rebstöcke mit einem Netz eingepackt. Das soll ein Geschenk an die Weinliebhaber werden: eine Eiswein-Experience, drücken wir mal die Daumen, dass es klappt.

 

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Nachdem wir die Höhen des Westerbergs erstiegen haben, erreichen wir schon bald Schloss Westerhaus. An der rot-weißen Tür kündet ein Messing-Schild davon, dass sich hinter den trutzigen Mauern ein VDP-Weingut verbirgt. Also schnell geklingelt und siehe da, der Graf persönlich öffnet.

 

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„So ein Glück,“ sagt der Graf, „den Weinwanderer und seine Frau persönlich begrüßen zu dürfen.“ „So ein Glück,“ sage ich, „den Hausherrn persönlich anzutreffen.“ Graf von Schönburg-Glauchau berichtet, dass die Hiwweltour „Westerberg“ im August 2017 eröffnet wurde. Seitdem haben schon reichlich Hiwweltour-Wanderer an der rot-weiß gestreiften Haustür geklingelt. Man bekomme, erzählt der Graf, von den Wanderern ein großartiges und vor allem schnelles Feedback. „Die sind noch nicht mal bei der Eulenmühle, da gibt es schon einen guten Tweet oder ein Foto, auf dem sie den Wein des Weingutes auf einer Bank verkosten mit der Message: Vielen Dank, es war so schön.“

 

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Der Name Schönburg-Glauchau stammt von einem Adelsgeschlecht aus Westsachsen, er ist der Liebe wegen nach Rheinhessen gezogen. Seine Frau hieß früher Opel, sie ist die Ururenkelin von Adam Opel. „Ich bin durch die Liebe zum Wein gekommen“. Der Sohn von Adam Opel hat 1900 das Schloß gekauft, seitdem ist es quasi das Stammhaus der Autobauer mit edlem Pferdegestüt und Weinbau. Der Graf wohnt mit seiner Frau und den fünf Kindern im Schloss. Ein ZDF-Krimi wurde auch schon in den Gemäuern gedreht. Achtung, Spoiler: „Es war die Witwe, das kann ich schon mal verraten“. Als Einstieg einer kleinen Weinprobe trinken wir einen Gutswein, einen Riesling. „Ein ernsthafter Wein“, so der Graf lächelnd, „bei dem man muss man nicht warten bis Sonntag ist.“ Der Hausherr fügt hinzu: „Es gibt so viele Augenblicke, in dem ich meinen Job mit keinem anderen auf der Welt tauschen möchte.“ Da hat er etwas mit mir gemeinsam.

 

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Wir blicken durch die Fenster auf die herbstliche Landschaft und die Weinhänge auf der gegenüberliegenden Talseite. Die Weingärten haben unterschiedliche Färbungen, von Hellgelb über Ocker bis Dunkelbraun. Kann man an der Färbung der Wingerte eigentlich die Rebsorte erkennen? Beim dunkelroten Feld an dem Gegenhang ist sich Graf von Schönburg-Glauchau sicher, das ist Dunkelfelder. Klar, das ist auch die dunkelste Einfärbung.

 

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Wir sind inzwischen bei einem der Spitzenweine des Weinguts angelangt: Ein GG Wein (Grand Cru), ein Spätburgunder von 2013. Wir schwenken wie die Weltmeister. Solche gigantischen Rotweingläser könnte man allerdings nicht mit auf die Wanderung nehmen. Wir lernen, den Wein richtig zu genießen und auch in den Körper zu horchen. Der Graf empfiehlt, man müsse immer bis drei zählen: Als erstes komme der Geruch im Glas, als zweites der Geschmack im Mund (schlürfen ist daher Pflicht!) und drittens müsse man den guten Tropfen dort spüren und schmecken. Dabei zeigt unser Gastgeber auf die Speiseröhre. Das ist der Dreiklang der Geschmacks-Sinne.

 

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Nachdem wir eine dem Wanderer angemessene Anzahl von Flaschen erworben haben, verabschieden wir uns herzlich vom Grafen, der uns ein außerordnenlich vergnügliche und leckere Wanderpause beschert hat. Er gibt schon einen Ausblick auf die folgende Wegstrecke: „Jetzt kommen die Hohlwege mit den Dachsbauten.“

 

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Weder Hohlweg noch Dachsbauten, die wirklich gigantisch groß sind, kann man übersehen. Viele Ochsenkarren haben wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten den guten Wein vom Westerberg transportiert, so tief ist der Hohlweg in den Berg eingeschnitten. Im Tal liegt direkt am Weg die Eulenmühle, die man unbedingt besuchen sollte. Natürlich nicht nur besuchen, sondern auch etwas von der köstlichen Landküche und den Weinen Rheinhessens kosten, das versteht sich ja von selber.

 

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Nach genau 11,8 Kilometern haben wir wieder Schwabenheim erreicht. Diese Weinwandertour ist eine runde Sache und sehr empfehlenswert. Wie hatte der Graf noch so treffend analysiert: „Die Wanderer wollen das Full Entertainment – Wandern und Weingenuss!“



Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

Geschrieben am um 8:42

Mein neuester Bahnhof-Einkehrtipp befindet sich erstmals im Osten Deutschlands, nachdem ich die westdeutschen Top-Bahnhofs-Kneipen von Mannheim und Hamburg beschrieben habe. Aber kann es denn Göschwitz mit Großstädten aufnehmen?

 

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Klar ist zumindest, dass nicht jeder Dorfbahnhof Aufnahme in meiner Reihe der Bahnhofs-Einkehr-Tipps finden kann. Ein tolles Restaurant in einem nicht mehr genutzten Bahnhofsgebäude in der Eifel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide, das gilt nicht, das geht an meiner Intention vorbei. Es muss schon ein Bahnhof sein, an dem man umsteigen oder einen Zug verpassen kann und dann die erhoffte oder unverhoffte Wartezeit bei einem Kaltgetränk verkürzt. Offiziell heißt der Bahnhof an der Saale Jena-Göschwitz, dort halten sogar Intercitys. Oder man steigt von einer Wanderung an der Saale kommend in Göschwitz Richtung Erfurt um, so habe ich das gemacht.

 

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Sensationell sind die wochentäglich wechselnden Mittagsgerichte im Gleis Dreiviertel. Montag: DDR-Tomatensoße, das ist doch echt stark. Heißt die DDR-Tomatensoße so, weil sie rot ist wie der flammende Kommunismus? Dann wäre aber auch jede herkömmliche Barilla Sauce eine DDR-Tomatensoße. Ich vermute eher, dass diese Sauce aus Tomaten gemacht ist, die vierzig Jahre in der Bitterfelder Sonne reifen durften. Oder aber es handelt sich um ein feines Rezept von Margot Honecker. Ich komme auf jeden Fall mittwochs noch mal nach Göschwitz, um die Tiegel-Wurst nach Petras Art zu kosten. „Tote Oma“ wollte ich schon immer essen. Mjam, mjam, mjam …

 

Die Bierspezialitäten haben einen leichten irischen Schwerpunkt, was mich dazu verleitete, ein (etwas zu warmes) Kilkenny zu trinken. Ich zahlte den Normalpreis, da ich nun mal weder Lokführer noch Eisenbahner bin …

 

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… denn den unschlagbaren Lokführer-Menü Sonderpreis für alle Eisenbahner (Eisenbahner sind die, die nicht gesellschaftlich abgehängt sind, sondern die, die ab und an Lokomotiven und Güterwagen abhängen sowie anhängen und auch noch am Gleis Dreiviertel in Göschwitz abhängen) können nur echte Bahner in Anspruch nehmen.



Der vierte Fifty Five Wandertag in Netphen

Geschrieben am um 6:45

Fifty Five hat schon zum vierten Mal im wunderschönen Siegerland bei Kaiserwetter eine Septemberwanderung veranstaltet. Was braucht man, um Jahr für Jahr eine derart unterhaltsame Wanderung mit unterschiedlichen Touren auf die Beine zu stellen? Erstens benötigt man zwei erfahren Wanderhasen.

 

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Es gibt Wandervögel, aber noch besser sind Wanderhasen am Hasenbahnhof. Helmut vollbringt als erfahrener SGV-Wanderführer jedes Jahr das Kunststück, direkt vom Fifty-Five-Domizil in Netphen an der Siegaue eine attraktive Wanderroute zu entwerfen. Respekt! Nebenbei trägt Helmut als Wandermodel die Fifty-Five-Jacke „Alert“, die in einem Test von Soft-Shell-Jacken aller bekannten deutschen Marken die NUMMER EINS war: Mit einer Durchschnittsnote von 1,4.

 

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Zweitens benötigt man für eine gelungene Fifty-Five-Wanderung einen Ulli und einen Manuel, die beiden Zwillinge, die noch nicht mal die eigene Mutter unterscheiden kann, so ähnlich sind sich die beiden.

 

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Drittens braucht man für eine überraschende Fifty-Five-Wanderung eine skurille Begegnung im Wald mit regionaler Färbung. Wir sahen im Wald ungefähr zehn Männer, die Reisig sammelten und zu Bündeln schnürten. Das waren die Martinsfeuer-Jungs, die schon im September das Holz sammeln, um am 11. November ein ordentliches (zwanzig Meter hohes) Martinsfeuer anzufackeln. Da braucht man im Anhänger natürlich jede Menge Löschmaterial.

 

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Viertens sollte man bei einem Fifty-Five-Wandertag immer daran denken, ausreichend im Lagerverkauf zu shoppen. Und dann machte ich eine Entdeckung, die auch diese Fifty-Five-Wanderung zu einer ganz besonderen machte.

 

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Auf einer Premiumbiermarke, deren Name hier nicht verraten wird, ist tatsächlich im Logo ein Wanderweg versteckt, der zu einem Turm führt. Das ist natürlich der Kindelsbergturm oberhalb von Krombach, und auf dem Kindelsbergpfad bin ich selbstredend auch schon gewandert.

 

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Und dieser Turm sollte (fünfte Bedingung für eine gelungene Fifty-Five-Wandertour) immer zu sehen sein, wenn man oberhalb von Netphen wandert.

 

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Zum Schluß unserer Tour kamen wir noch am Norbert-Dickel-Stadion (das den gleichen Großsponsor wie der FC hat) von Netphen vorbei. Der ehemalige BVB-Stürmer und jetzige Kult-Stadionsprecher hat seine ersten Erfolgen in genau diesem Stadion gefeiert. Das freut alle Wanderhasen und Wanderhäsinnen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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