Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Nagel in Hamburg

Geschrieben am um 6:23

Heute Folge 2 meiner Reihe: In welche Gaststätte mit Stil gehe ich, wenn ich an einem Bahnhof Wartezeit habe beziehungsweise meinen Zug verpasst habe. In Folge 1 war Mannheim dran, heute Hamburg.

 

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Kürzlich hatte ich auf dem Weg von Saarbrücken nach Wismar einen 41-minütigen Zwischenstopp in der Hansestadt. (Zur Erklärung: ich hatte einen Drehtag in Wismar für den ZDF-Krimi „Soko Wismar“, mehr dazu, wenn ich Euch über den Ausstrahlungstermin informieren kann). Auf der Rückseite des Bahnhofs (also nicht die Mönckebergstraßenseite) sah ich die Restauration Nagel. Wieso habe ich diese Gaststätte nicht schon früher auf dem Schirm gehabt? Das Nagel ist ein herrliches Wirtshaus: Hohe Decken, dunkle Holzvertäfelung, leckere Biere.

 

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Ich habe hin und her überlegt. Nehme ich ein Holsten? Aber Vorsicht. Holsten knallt am dollsten. Nagel ich mir das Hausbier rein? Das Nagel-Bräu ist ein sehr malziges, schwarz-dunkles Bier. Schlussendlich entschied ich mich für ein Astra.

 

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Einige schöne Slogans von Astra:

Astra – Was dagegen?

Du bist Astra!

Ich trink arschkalt. Heiß bin ich selber!

Auch die kulinarische Auswahl im Nagel überzeugt. Hanseatische Spezialitäten wie Bayerischer Leberkäse, Eisbein und sechs Nürnberger Bratwürstl. Ich entschied mich ganz klassisch für Matjes mit Zwiebelringen, erfrischend wie ein Sprung in eiskaltes Meersalzwasser. Und das nächste Mal esse ich Labskaus. Hoffentlich wieder serviert von Günni …

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In Alsfeld am Pranger

Geschrieben am um 7:33

Anfang Juni hatte ich eine Lesung in Alsfeld in Oberhessen. Region Vogelsberg. Wunderschöne Stadt, Fachwerk, märchenhaft. Der Alsfelder und die Alsfelderin bestehen allerdings darauf, dass ihre Heimatstadt mit kurzem „A“ gesprochen wird, immerhin handelt es sich ja nicht um Aachen, Aalen oder sogar Ahlen mit langem „A“. Nein, knackig kurzes „A“, als würde die Stadt „Alzfeld“ heißen. Und wer in Alsfeld nicht Alsfelder trinkt ist selber schuld.

 

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Ich habe die letzte Lesung aus meinem Fußball-Fan-Buch vor der WM (die ja dann leider ausgefallen ist) gehabt. Sehr gutes Publikum, viele in Trikots (Frankfurt, Nürnberg, FC) und eine Journalistin des Oberhessischen zeitung war auch dabei (im Bildvordergrund), die die ganze Lesung mitgeschrieben hat.

 

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Vielleicht bekommt sie vom Verlag auch noch mein Buch „Lebenslänglich Fußball“, dann hätte sie sich das Mitschreiben sparen können. Im Eintrittspreis zur Lesung war auch eine Currywurst enthalten, die von den Service-Mitarbeitern des Marktcafés in Alsfeld serviert wurde.

 

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Da kam richtige Stadionatmosphäre auf, als alle Gäste mit Messer und Gabel ihre Stadionwurst aßen. Kurz nach der Lesung war Schicht im Schacht im Marktcafé, aber ich habe mich mit Thorsten (Wanderkindvater) und Fabian (Ex-DSDS-Kandidat) noch ins Nachtleben von Alsfeld gestürzt. An einem Mittwoch-Abend. Hui!

 

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Unsere Rettung war der Pranger. Wer noch nie am Pranger stand, kann das in Alsfeld mit kurzem „A“ nachholen. Leider haben sich Thorsten und Fabian, nachdem das Handy-Foto gemacht war, aus dem Staub gemacht. Da konnte ich selber sehen, wie ich mich aus dem Pranger-Ding befreie.

 

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Ich danke Thorsten und Fabian für den netten Abend und die Fotos…



Deutschland ist zwar ganz knapp nicht Weltmeister geworden, aber Deutschland ist Genossenschaftsland!

Geschrieben am um 8:36

Schön war sie, meine Raiffeisen-Tour 2018. Von März bis Juni habe ich ungefähr 50 Genossenschaften in Deutschland entdeckt und bin so zum Geno-Fan geworden. Meine Reise ging durch ganz Deutschland. Auf einer Schwarzwaldalm habe ich morgens um 5.30 Uhr für die Genossenschaft Schwarzwaldmilch die Kühe in den Stall getrieben und Milch gemolken.

 

St-Märgen - Raiffeisen-Tour 2018

Meine Entdeckungen sind auf der Seite www.raiffeisen-tour.de bestens dokumentiert. Dabei bin ich natürlich nicht nur durch Deutschland gewandert, sondern habe auch die erste Tandem-Tour meines Lebens gewagt. Das war gefährlicher, als ich gedacht habe.

 

AGRAVIS Münsterland - Raiffeisen-Tour 2018

In Berlin habe ich eine ganz besondere Genossenschaft besucht: Die Weiberwirtschaft. Ich kann schon mal verraten – es handelt sich NICHT um eine Berliner Hipster-Kneipe

 

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Aber sehr oft bin ich natürlich auch gewandert, zum Beispiel auf dem Westerwaldsteig, der zu Ehren des 200. Geburtstags von Friedrich WILHELM Raiffeisen in Wilhelmsteig umbenannt wurde.

 

Wanderung nach Hamm (Sieg)

Auf dem Wilhelmsteig bin ich auch nach Flammersfeld gewandert, wo ich am Raiffeisenhaus den Bundespräsidenten traf.

 

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Reiner Zufall war das natürlich nicht, ist doch Frank-Walter Steinmeier der Schirmherr des Raiffeisen-Jahres.



Als kriechender Günzel auf dem Nordrandweg der Schwäbischen Alb

Geschrieben am um 6:40

Im Juni bin nach längerer Zeit mal wieder mit „meiner“ Ortsgruppe Oberboihingen des Schwäbischen Albvereins gewandert. Es war sozusagen eine Reise in die Vergangenheit. Denn genau vor zehn Jahren, 2008, habe ich meine Wanderfreunde aus Oberboihingen das erste mal kennen gelernt. Und wir sind ebenso wie 2018 auf dem HW1, dem Nordrandweg des Schwäbischen Albvereins gegangen. Es war übrigens die erste Albwanderung für mein neues Fifty-Five-Wanderhemd Andre in der Farbkombi navy/red.

 

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Start in Hepsisau, durch das Zipfelbachtal geht es spektakulär bergan. Alpines Wandern ist das, Testgelände für Leki-Wanderstöcke aus Kirchheim/Teck. Schafft ein Wanderer (mit und ohne Stock) das Zipfelbachtal, hat er sozusagen das Seepferdchen des Wanderns gemacht. Mindestens. Die Wandertour wurde von Martin geführt, dem weltbekannten Flora- und Fauna-Experten. (Siehe Gesammelte Wanderabenteuer, Seiten 351 bis 364)

 

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Es stellt sich heraus: Martin kann nicht nur Blumen und Floristik, sondern auch Steine und Geologie. Und so zeigte er jeden Stein im Zipfelbachtal und bestimmte dessen Alter – zwischen 15 Millionen und 15.000 Jahren. Nachdem wir den Mörikefels passiert hatten, erinnerte ich mich an die Stelle am Wegrand, an der mir Martin vor zehn Jahren das erste Mal die Frühlingsplatterbse gezeigt hatte. Tränen der Rührung stiegen mir in die Augen.

 

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Aber das war noch nicht alles, wir sahen auch den kriechenden Günzel! Der kriechende Günzel war ganz schön im Futter und kroch auf dem Boden herum- ein possierliches Kerlchen! Kurz vor dem Breitenstein kam uns dann sogar das erste Mitglied des Schwäbischen Albvereins entgegen. Der gute Mann war ohne Begleitung unterwegs aber immer noch gut zu Fuß.

 

 

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Am Breitenstein sieht man dann schon die Burg Teck, aber leider ist die durchgehende Hängebrücke immer noch nicht in Betrieb, nächstes Jahr soll sie fertig sein. Richard freut sich schon sehr darauf.

 

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Nach zwei Hefeweizen auf der Burg Teck war der Abstieg nach Owen (gesprochen Aue, also wie die Zweitligastadt im Erzgebirge) doch unerwartet hart. Steile Wiesenhänge bergab, das zwiebelte ganz schön in Ober- und Unterschenkel. Bergan ist doch irgendwie immer viel viel schöner. Danke an die Oberboihinger für diesen tollen Wandertag!



Amöneburg sehen – und Amöneburg lieben

Geschrieben am um 7:11

Erhaben, wirklich erhaben. Ich möchte das altmodische Wort des „Erhabenen“ benutzen. Denn das ist das Gefühl, als ich mich im Auto Amöneburg nähere. Majestätisch, wuchtig aber gleichzeitig filigran (doch, doch, das geht) erhebt sich östlich von Marburg ein Basaltkegel aus der Landschaft, auf der Bergkuppe ein Kirchturm und eine Burgruine.

 

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Normalerweise fotografiere ich erst, wenn die Wanderung beginnt, aber den Amöneburg-Berg muss ich schon von der Landstraße aus fotografieren. Oben an der Burg starten wir eine Wanderung auf dem Amanaburch-Tour, 10,7 Kilometer sehr abwechslungsreiche Kilometer. Die blaue Markierung ist mit einem weißen „A“ auf blau versehen.

 

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Mich hat die Form des „A“ an die Signatur von Albrecht Dürer erinnert. Passen würde das eigentlich, denn Amöneburg ist sowohl bildschön, mittelalterlich, aber auch malerisch. Unter schattigen Bäumen wandern wir auf dem Premiumweg bergab, wobei sich gigantische Ausblicke ergeben. Zunächst Richtung Marburg, im der Ferne der Kellerwald und das Rothaargebirge. Richtung Norden geht der Blick über die nordhessische Hügellandschaft. Ein weiß-eckiges Industrie-Gebäude scheint die Idylle zu stören. Aber Moment! Dort werden tatsächlich „regionale“ Produkte der ganz anderen Art produziert: Nutella, Ferrero Rocher, Mon Cheri, Milchschnitte. In Stadtallendorf zu Fuße von Amöneburg sind die Produktionshallen von Ferrero deutlich zu erkennen.

 

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Wir erreichen die Waschbachquelle. Ein mystischer Ort, der Geschichte(n) erlebt hat und davon erzählt. Der heilige Bonifatius soll dort schon getauft haben. Seit dem 16. Jahrhundert haben an dieser Stelle die Mägde die Wäsche gewaschen und gebleicht. Zwei der Mägde habe in längst vergangenen Zeiten einen tödlichen Eifersuchtsstreit ausgetragen und sind mit Sicheln aufeinander los gegangen. Ergebnis: Beide tot! Ob das der Typ wert war?

 

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Neben der Waschbachquelle entdecke ich übrigens auch noch den größte Feldahorn Hessens. Applaus! Nachdem ich die Amanaburch-Tour gelaufen bin, habe ich noch eine kleine Runde um den Amöneburg-Berg gedreht. Mit meiner Familie und vielen anderen Familien. Wir sind knapp fünf Kilometer auf der Geotour „Stock und Stein“ gelaufen. Georoute hört sich jetzt nicht so aufregend für Kinder an, ist es aber. Zwei Spielplätze, viele kindgerechte Info-Tafeln, ein Ziegen-Projekt, Burgruinen, ein Brunnen mit kühlem Wasser. Meine Tochter Nika fand es auf jeden Fall klasse, sie hat eine echte Wanderfreundin kennen gelernt und will auf jeden Fall wiederkommen.

 

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Ob ich wieder nach Amöneburg komme, hat mich der Bürgermeister des Ortes am Ende des (Doppel-) Wandertages gefragt. Tausendprozentig, denn dieser Ort ist wirklich magisch, und das nicht nur wegen der grandiosen Aussichten. Und das findet übrigens auch meine Familie …

 

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Richtfest auf dem Wispertaunus-Steig, Teil II

Geschrieben am um 8:16

Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen.Im Wispertal wurde unzählige Bäume und Sträucher entfernt, um den Blick auf das Wesentliche frei zu machen: Die Wisper und die grünen Auenwiesen. Wir durchqueren das Tal (an dieser Stelle heißt es Wispercanyon) auf einer weiteren, niegelnagelneuen Brücke. Der Bürgermeister rollt sein Wanderhemd hoch und zeigt mir seinen Bizeps.

 

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Zuerst denke ich, er hat sich dort die 19 Ortsteile von Heidenrod tätowiert. Nein, er zeigt mir einen voluminösen blauen Fleck, ein Andenken an die schweren Balken der neu errichteten Brücke. An einem Wanderparkplatz haben wir dann doch die Wisperstraße erreicht, daher führt uns der Wispertaunussteig hinaus aus dem Tal in luftige Höhen.

 

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Auf alpinen Zickzackpfaden geht es bergan, immer wieder passieren wir Felsformationen, bis wir das Geroldsteiner Tor erreichen. Das Geroldsteiner Tor ist ein phantastischer Talblick, gerahmt von Bäumen und Zweigen. Bildschön. Aber es geht noch besser. Wir kraxeln noch ein Stockwerk höher und nach dem Tor können wir einen Kilometer später durch das Fenster hinausschauen, das Dickschieder Fenster. Gigantisch!

 

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Vom Ortsteil Geroldstein im Tal geht der Blick bis zum Hunsrück mit vielen Windrädern auf der anderen Rheinseite. Dazwischen verzahnen sich die Bergnasen des Wispertals zu einem grün bewachsenen, riesigen Reißverschluss. Nach dem wir das Fenster geschlossen haben, verlassen wir den Wald. Es geht über eine freie Fläche mit angrenzenden Weiden hinauf nach Dickschied und ich denke, das ist ein hübscher, kleiner Spaziergang zum Abschluss der Etappe. Von wegen. Das Schlussstück zieht sich ganz schön und es sind noch einige Höhenmeter zu überwinden. Im Dorf laufen die Richtfest-Organisatoren zur Hochform auf: Kulinarische Genüsse (gebackener Camembert, Wildbratwurst, Flammkuchen) sowie flüssige Köstlichkeiten (Spitzenweine eines Lorcher Weinguts, zwei Craft-Bier-Brauereien, große alkoholfreie Getränke-Auswahl) begeistern die Wanderer und sorgen für sehr gute Laune. Ein runder Richtfest-Wandertag!

 

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Mein Fazit: Die äußerst abwechslungsreiche und sehr naturnahe zehn-Kilometer-Etappe vom Strupsel nach Dickscheid macht mich neugierig auf die weiteren Etappen des Wispertaunussteigs und die dreizehn zukünftigen Premiumrundwege. Es ist bekanntlich wissenschaftlich erwiesen: nach einer Wanderung ist man entspannter, besser gelaunt, glücklicher als zum Start der Wanderung. Speziell das Wandern im Wispertaunus macht definitiv glücklich, mega-glücklich. Für mich sind diese Wispertauns-Wanderwege Pfade zum Glück, es sind Glückspfade.

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Meine Raiffeisen-Tour 2018

Geschrieben am um 9:22

Viele Menschen sind verblüfft, dass Deutschland Genossenschaftsland ist. Es gibt 22 Millionen Genossenschaftler in Deutschland. Die meisten haben Anteile an den Volks-und Raiffeisenbanken. Aber es gibt auch landwirtschaftliche Genossenschaften, Energiegenossenschaften, Kinogenossenschaften, Winzergenossenschaften, Zeitungsgenossenschaften, Ärztegenossenschaften, Friedhofsgenossenschaften, Apothekergenossenschaften und Brauereigenossenschaften.

 

Brauereigenossenschaft Oberhaching eG

 

In Oberhaching habe ich im Rahmen der Raiffeisen-Tour 2018 eine ganz junge Brauereigenossenschaft besucht. Tolle, ehrenamtliche Bürger, die ihr Hopfen-Glück in die eigene Hand genommen haben. Begeistert habe ich auch einen Anteil erworben und mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen darauf angestossen.

 

Rewe Wissen

 

Viele große Unternehmen gehören zur Genossenschaftsfamilie: Schwäbisch Hall, R + V Versicherungen, EDEKA, REWE. Anlass, einmal ein Praktikum an der REWE-Kasse zu machen und denSpruch zu üben: „Sammeln Sie Punkte?“ Alle meine Abenteuer im Raiffeisen-Land könnt ihr Euch bei www.raiffeisen-tour.de anschauen. Egal ob ich Löcher in den Käse gestanzt habe oder in der Nähe von Karlsruhe Hühner beaufsichtigt habe.

 

Hühner und Pferdehof Burkhard, Bretten

In Lübeck habe ich eine Ladestation einer Car-Sharing-Genossenschaft gefunden, um wieder neue Energie zu tanken.

 

StattAuto eG, Lübeck - Raiffeisen-Tour 2018

Und beim Charlie in Trier, auch 200-jährig geworden, habe ich mit Raiffeisen vorbei geschaut. Während der gute Marx als Ökonom krass versagt hat, hat Raiffeisen entschieden mehr Follower und die Genossenschaftsidee ist immer noch im Gegensatz zum Kommunismus taufrisch und aktuell.

 

Raiffeisen trifft Marx in Trier - Raiffeisen-Tour 2018

Raiffeisen hat eben nicht das Kapital geschrieben, sondern es in die Pflicht genommen.



Richtfest auf dem Wispertaunussteig, Teil I

Geschrieben am um 8:07

Am Wanderparkplatz mit dem lustigen Namen Strupsel trifft sich eine große Gruppe mit Wanderern. Sie sind zusammen gekommen, um Richtfest der Premiumwanderregion Wispertaunus zu feiern. Die Premiumwanderregion Wispertaunus ist aktuell eines der spannendsten Projekte in Wanderdeutschland. Im südwestlichsten Zipfel von Hessen findet der Wanderer in Zukunft einen Weitwanderweg, den Wispertaunussteig. Dazu kommen noch dreizehn Premiumtagestouren. Insgesamt sind es 208 traumhafte Kilometer (in Worten Zweihundertacht!) durch eine verwunschene Landschaft. Der Strupsel-Fels liegt unterhalb der Wisper-Quelle und schnell haben wir den Wispersee erreicht.

 

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Der Wispersee ist ein Angelteich, damit hat das Gewässer nicht annährend die Ausmaße des Bodensees. Wir gehen über eine Brücke, das Holz der Wanderbrücke strahlt hell. Man sieht es deutlich an den Wegweisern und Brückenbauten am Wispertaunussteig: Das Fundament des Weges ist frisch, der „Dachstuhl“ ist gerade fertig geworden, daher feiern wir ja heute auch Richtfest.

 

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Vom Wispersee aus geht es erst einmal ordentlich bergan. Ich kann es schon einmal vorweg nehmen: Die Steigungen auf dem Wispertaunussteig sind nicht ohne, man sollte schon eine gute Kondition haben, sonst wird aus dem Wispern ein Keuchen.

Wir durchqueren einen Teil der Naurother Schweiz. Ein schmaler Pfad, Trittsicherheit ist zu empfehlen, schlängelt sich im Auf und Ab durch Felsformationen. In Deutschland wird ja jeder Hügel direkt Schweiz genannt (siehe Holsteinische Schweiz), aber die Naurother Schweiz trägt ihren Namen vollkommen zu Recht, das schweizt ordentlich. Auf einer Hinweistafel erfahren wir, dass der spektakuläre Felsenberg die Wild-Weibchens-Ley genannt wird.

 

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Wie die Loreley ist das auch eine Ley (mittelhochdeutsch für Felsen). Wie bei der Loreley ist auch ein „Weib“ mit im Spiel. Ich finde aber, angesichts der landschaftlichen Schönheit der Wild-Weibchens-Ley kann die Loreley – nein, nicht den Löffel – aber ihren Kamm abgeben.

Wir gehen talwärts an einem Seitenbach der Wisper entlang. Wunderschön spielt das Wasser über große Steinplatten, fließt in Felskaskaden Richtung Tal. Ein Skandal, dass dieser Bach keinen Namen hat. In anderen Regionen würde um so einen phantastischen Bach herum ein ganzer Nationalpark hochgezogen. Allerdings bietet die Namenlosigkeit die Chance, kreativ zu werden: Wir wäre es mit folgenden Namen: Wilder Bach. Felsbach. Wanderglückbach. Schönbach. Das sind nur so ein paar Vorschläge.

Schade, dass auch der schönste Bach irgendwann einmal mündet und damit endet. Daher gehen wir, als wir die Wisper erreichen erneut über eine Brücke und machen eine kurze rast auf dem Hexenmüllerplatz. Leider steht die Mühle nicht mehr, und nach allem was man hört, war der als Hexe diffamierte Müller einfach nur ein kluger und geschäftstüchtiger Mann. Aber das hat ihm eben auch Neider verschafft.

Wir wandern durch das wunderschöne Wispertal, das im oberen Teil (noch 15 Kilometer vom Rhein entfernt), noch komplett autofrei und auch motorradfrei ist. Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen. Cliffhanger: Um welche Entscheidung es sich handelt, lest ihr in acht Tagen auf andrackblog.de

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Mit Andre auf dem Wilden Netzbachpfad

Geschrieben am um 8:28

Ich habe immer geglaubt, mich in der Welt der Premiumwege auszukennen. Gut, sämtliche Extratouren, Traumschleifen usw. bin ich noch nicht gegangen. Aber ich informiere mich regelmäßig auf wanderinstitut.de über neu zertifizierte Premiumwege deutschlandweit. Wie groß daher mein Entsetzen, dass ich direkt vor meiner Haustür im Saarland seit drei Jahren einen Premiumweg übersehen habe.

 

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Quasi verbunden mit der wohlbekannten Urwald-Tour vor den Toren Saarbrückens, sozusagen als kleine Schwester, entdeckte ich vor kurzem im Internet den Wilden Netzbachpfad. Wow! Das ist so, als läge schon lange ein Diamantenstollen vor der Tür, und man würde ihn erst wahr nehmen, wenn man schon die halbe Welt bereist hat.

 

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Zur Feier des Tages habe ich mich schick gemacht. Am Vortag meiner Wanderung hatte ich die neuen Wanderkurzarmhemden von Fifty Five bekommen. Für die Premiere auf dem Wilden Netzbachpfad habe ich mich für das Hemd Andre in der Kombination schwarz-grau entschieden.

 

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Andre schwarz-grau ist ein – so scheint es mir – sehr vornehmes Hemd. „Vürnehm“ würde mein Vater sagen, denn die Ü-Pünkelchen unterstreichen noch die „Vürnehmheit“. Für mich eindeutig ein Hemd für die großen Wanderfeiertage. Und einen Wanderfeiertag genieße ich auf dem Saarbrücker Premiumweg definitiv.

 

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Ich wandere am Hortenbachweiher vorbei, ein hübscher See mitten im Wald. Das Wegeformat auf den ersten drei der insgesamt neun Kilometer war solide, sehr naturnah, kein Schotter, kein Asphalt. Das Highlight der Tour ist allerdings der Pfad im Tal am Netzbach selber. Zweieinhalb Kilometer geht es nicht nur über den berühmten Stock und den noch berühmteren Stein. Sondern über einen regelrechten Fitnessparcours aus umgestürzten Bäumen.

 

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So etwas habe ich noch nie auf einem Premiumweg erlebt. Weil ich durch einen Teil des Saarbrücker Urwalds vor den Toren der Stadt wandere, liegen eben Bäume kreuz und quer und bleiben dort auch liegen, das ist das Natur-Konzept. Keine Waldwirtschaft, ein Fest für die Artenvielfalt. Und ein Fest für die Fitness! Ich habe genau gezählt, zwölfmal musste ich über Bäume steigen und klettern, dreizehnmal mich extrem ducken. Kleinwüchsige haben also einen leichten Vorteil auf diesem Weg. Am Netzbachweiher kann man einen Stopp am Gasthaus Seeblick machen. Dann geht es wieder hinaus aus dem Netzbachtal, aber mit sehr kommoder Steigung.

 

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Zum Finale des Wegs sollte man im Restaurant Forsthaus Neuhaus einkehren, am Scheitelpunkt vom Wilden Netzbachpfad und Urwaldtour. Das ist die dritte Premiere des Tages. Nach Wanderweg, Andre-Hemd von Fifty-Five nun endlich wieder Einkehr im Restaurant Forsthaus Neuhaus. Denn die traumhaft gelegene Gaststätte hatte gefühlt zehn Jahre geschlossen. Nach meinem Belohnungs-Bier habe ich einen Plan. Bald wieder im Andre-Hemd rund ums Forsthaus Neuhaus wandern. Versucht es auch einmal!



Royal weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:08

Die royale Weinwanderung mit der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab steht unter der Überschrift „Zwei“. Warum? Nun, Katharina und ich sind zwei Majestäten, Weinkönigin und Wanderkönig, die gemeinsam wandern. Außerdem ist das pfälzische Weingut Bangerth-Rinck, wo die royale Weinwanderung stattfindet, ein Doppeltes-Lottchen-Weingut.

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Auf dem Glas des Weinguts Bangerth-Rinck sind zwei weingefüllte Gläser zu sehen. Und der Vogel, ist das vielleicht ein Rabe? Sehr mystisch, Vater Bangerth hat einen Raben aufgezogen, der sogar sprechen konnte, Herr Bangerth war wohl so etwas wie ein Hexenmeister des pfälzischen Weins. Das ist interessant, zumindest ungewöhnlich. Winzerin Esther Bangerth erklärt mir zunächst, was es mit den beiden Gläsern auf sich hat. „Unsere Eltern haben geheiratet, da haben sich die Weingüter quasi verdoppelt.“ Seit zehn Jahren führen zwei der drei Töchter das doppelte Weingut weiter. Und die Männer der Töchter? Die haben umgeschult zum Winzer und sind jetzt auch „mit Herz und Leidenschaft“ dabei. Es gibt allerdings einen Keller, eine Bilanz, zwei Standorte, das Weingut Bangerth-Rinck ist sozusagen ein siamesischer Zwilling mit zwei Körpern, aber einem Gehirn.

Bei einem Glas Sekt begrüßen wir – also Esther Bangerth, Katharina Staab und ich – die ungefähr fünfzig Weinwanderer. Der Secco ist aus einem sortenreinen Kernling gemacht, sehr fruchtig, er ist aber, betont Winzerin Bangerth, auch etwas für Trockentrinker. Ist nun ein Trockentrinker einer, der versucht, aus einem leeren Glas zu trinken, oder jemand, der normalerweise trockene Weine bevorzugt? Oder ist der Trockentrinker jemand, der jedes Glas ruckizucki trocken trinkt? Das wäre doch mal eine Frage für „Wer wird Millionär“. Anschließend dürfen die Weinwanderer die Weißweine des Weinguts verkosten, es bleibt fast zu wenig Zeit, um auch nur die Hälfte der Weine auszuprobieren. Denn wir wollen ja auch noch wandern, und zwar von dem einem Weingut zum andern.

 

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Wir gehen von Esther Bangerth geführt aus dem Ort Mühlhofen hinaus und haben schnell die Weinberge erreicht, die in der Pfalz ja traditionell eher Weinfelder sind. Um Mühlhofen laufen wir auf einem kleinen Weinkulturpfad, der einem die Schönheiten des Rebensaftes näherbringt. Esther Bangerth erklärt, wie sie den Schädling Traubenwicklermännchen bekämpft. Es werden an den Rebstöcken Dispenser ausgebracht, die durch Ihre Duftstoffe die Traubenwicklermännchen verwirren. Und Verwirrte können sich nicht paaren, das leuchtet ein. Aber die gesamte Region muss verwirrt sein, sonst funktioniere es nicht, deshalb müssen alle Winzer mitziehen: „Die Duftglocke muss über allen Weinbergen hängen“

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Es weinwandern auch vier Hunde mit, unter anderem mein Border Collie/Berner Sennhund-Mischling Luna. Was auffällt: Weinwanderhunde sind anscheinend ausnahmslos extrem tiefenentspannt, da gibt es kein Herumzicken, Kläffen, Bellen, Knurren. Ich glaube, es liegt an der Coolness der Besitzer, die durch den Doppelgenuss Wandern und Wein ihre Lebensfreude auf ihre Vierbeiner übertragen. Allerdings haben die Hunde keinen Sinn für die großartigen Fernblicke auf unserer Wanderung. Vor uns erheben sich die Höhenzüge des Pfälzer Walds mit vielen kegelförmigen Bergen, die aussehen wie der Zuckerhut von Rio de Janeiro. Der Blick geht hinein bis nach Frankreich und die Gegend von Wissembourg.

 

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Hinter uns schauen wir in den Odenwald (der ist ein wenig flacher) und in den Schwarzwald hinter Karlsruhe, der sich mächtig über dem Rheintal erhebt. Nachdem wir durch die Weinlagen Mühlhofener Rosenberg und Ingenheimer Pfaffen gewandert sind, immer hart am Rebstock entlang, erreichen wir eine herrlich blühende Streuobstwiese. Dort wartet auf uns schon ein mit weißem Tuch gedeckter Tisch. Das erinnert von der Optik ein wenig an das letzte Abendmahl, aber für uns ist es die Rast-Station mit dem Schwerpunkt Rosé-Weine.

 

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Esther Bangerth präsentiert drei Rosé-Weine, einen Blanc de Noir (aus einem Blauen Zweigelt), der eigentlich aussieht wie ein Weißwein, einen Bari-Rosé aus Dornfelder und Spätburgunder und einen farblich schon sehr ins Rötliche gehenden Weißherbst mit einem großen Anteil an Dornfelder.

Seit genau zehn Jahren gibt es schon das Weinwanderwochenende, genau zehn Jahre ist auch schon das Weingut Bangerth-Rinck dabei. Jedes Jahr gehen die Gäste die gleiche Tour, das bietet sich nun mal an – vom Schwesternweingut in Mühlhofen zum Schwesternweingut in Klingen. Für die Stammgäste ist das ein wenig wie Jährlich-grüßt-das-Murmeltier, aber es bedeutet auch ein Stück Heimat.

Als wir weitergehen, komme ich mit der Deutschen Weinkönigin Katharina ins Gespräch. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie wanderbegeistert und wandererfahren Katharina ist.

 

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Ich muss sogar zugeben, dass die Weinkönigin eindeutig in einer anderen Wanderliga unterwegs ist als ich. Ich bin ja eher der Genusswanderer, Katharina dagegen liebt lange, anspruchsvolle Wanderungen, viel Gepäck auf dem Rücken, karge Landschaften. „Ich gehe immer die schwarzen Routen“, sagt die Deutsche Weinkönigin. Ich kannte schwarzen Pisten und den schwarzen Gürtel der Judoka, aber was sind schwarze Pisten? Ich lasse mich aufklären, dass in den handelsüblichen Wanderführern des Rother-Verlags die Wandertouren je nach Schwierigkeit eingefärbt sind: Die leichtesten sind Blau, dann kommt Rot und die Profi-Routen sind schwarz. Und die geht Katharina am liebsten. 30 Kilometer, 40 Kilometer, egal, Hauptsache sie kann abschalten, denn beim Wandern möchte sie den Kopf frei bekommen, abtauchen in eine andere Welt. Am besten, sie ist nicht erreichbar, kein Handyempfang, Natur pur – das ist für sie der größte Wanderspaß. Auf diese Art und Weise war sie im Tramantura-Gebirge auf Mallorca unterwegs, in den Anden und die klassische Alpenüberquerung hat sie auch schon geschafft.

Wir können auf unser pfälzischen royalen Weinwanderung schon das Dorf Klingen sehen, in einer Tal-Mulde gelegen, umgeben von Weinbergen, dem Klingener Herrenpfad. In Klingen erwartet uns ein großartiges Schlussbuffet mit mediterrannen Köstlichkeiten, aber auch Schmalz- und Leberwurstbroten.

 

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Wie sehr die Pfälzer ihre Leberwurst verehren, werde ich noch zum Abschluss des Tages erfahren. Im Hof des Klingener Schwesternweinguts kann man sämtliche Rotweine des Weinguts verkosten. Der Spätburgunder ist phänomenal. Kann ich den mir bei dieser Qualität überhaupt leisten? Ich studiere den Info-Zettel neben der Weinflasche und entdecke, dass die Flasche 5,60 Euro kostet. In Worten: Fünf Euro und sechzig Cent. Jetzt mal ehrlich, gehen Sie in einen Discounter (Stichwort Jauch-Wein) oder einen Supermarkt ihres Vertrauens und zeigen Sie mir einen Wein mit diesem sensationellen Preis/Leistungs-Verhältnis. Und zwar einen traubenreinen, nicht verschnittenen Wein aus einer definierten Ortslage. So was gibt es nur in der Pfalz, so etwas gibt es nur beim Weingut Bangerth-Rinck.

Ich stoße mit dem Ehepaar aus Köln neben mir an, die sind nicht nur Fans des Weingut Bangerth-Rinck, sondern auch der Wandermöglichkeiten in der Pfalz. Deshalb sind die beiden, wegen des Weins und der Wanderlandschaft, vor ein paar Jahren in die Nähe von Klingen und Mühlhofen gezogen. Eine weise Entscheidung. Nach vielen schönen Gesprächen und Weinen fährt unser Taxi vor: Ein Traktor mit einem gemütlichen, überdachten Anhänger.

 

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Kaum sind wir mit dem Traktor-Gespann losgefahren, stimmen die einheimischen Weinwanderer eine Ode an den Pfälzer Wind an: „Das ist der Wind, Wind der Pfälzer Wind, der wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“. Sehr interessant, ich dachte immer, nur der Wind im Westerwald, der dort soooo kalt ist, würde besungen. Aber nein, auch die pfälzischen Luftströmungen werden besungen. Ich fordere die Truppe auf, das berühmte Pfälzer Leberwoosch-Lied zu singen. Alle schauen unschuldig, keiner scheint zu wissen, was ich meine. Das kann doch nicht sein! Ich intoniere „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ auf die Melodie der deutschen Nationalhymne (auf die die Pfälzer gewissermaßen einen Anspruch haben, wegen Hambacher Schloss 1832 und so). Und plötzlich – so ein Zufall – haben doch wieder alle den „Text“ präsent und es schmettert aus vielen Kehlen „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ durch Klingen. Lebensfreude pur nach unserem schönen royalen Weinwandertag in Mühlhofen und Klingen.

Ich bedanke mich bei Caro Photo für vier Fotos!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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