Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 06:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. “Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern” könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt “Zum Hungersberg”, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: “Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt”. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, “für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen”. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



Bombige Wanderfundstücke, von denen man sich mal eine Scheibe abschneiden könnte, oder um die man einen Haken schlagen sollte – sowie ein Dings

Geschrieben am um 08:45

Gerade wenn bei einer Gruppenwanderung die Stimmung bombig ist, sollte man sich daran erinnern, dass es mal Zeiten gab (vor allem nach dem letzten Weltkrieg), an dem jeder Schritt im Wald ein gewisses Restrisiko beinhaltete.

 

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Diese amerikanische Fliegerbombe traf ich …, nein Quatsch, noch mal. Diese amerikanische Fliegerbombe sah ich bei einer Wanderung oberhalb der Sauer in Luxemburg. Wenn solche Bomben normalerweise in den Medien auftauchen, dann werden zumeist ganze Stadtviertel evakuiert. Hoffen wir mal, dass die luxemburgischen Bombenentschärfer auch ihr Geschäft verstehen, und das Ding am Wanderrastplatz nicht noch scharf ist…

 

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… scharf wie diese Brotschneidemaschine am Neanderlandsteig zwischen Velbert-Nierenhof und Nordrath. Was soll dieses Gesamtkunstwerk dem Wanderfreund sagen? Schärfe Deine Sinne? Von diesem Wanderweg kann man sich mal ‘ne Scheibe abschneiden? Darf’s ein bißchen mehr sein?

Letztes Jahr war es die Weltneuheit, 2015 ist das Ding schon ein wenig abgehangen (sorry für den schwachen Kalauer). Die Rede ist vom “Hiking Hook”, dem Cousin von Captain Hook von der Jolly Roger.

 

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Diesen Wanderhaken soll, kann, muss man mit einem Band an einen x-beliebigen Baum binden, dann kann man seinen Rucksack oder eine Jacke bequem aufhängen. Eher etwas für ordentliche Leute, die ihren Kram auch daheim nicht einfach auf den Fußboden pfeffern. Und dann habe ich noch ein Fundstück, das mir Kai-Uwe, ein in der Schweiz lebender Exil-Saarländer (was es alles gibt!) geschickt hat…

 

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Kai Uwe hat das Dings auf einem Schweizer Flohmarkt erstanden, ganz genau konnte ihm der Verkäufer auch nicht sagen, wie dieses Dings funktioniert, angeblich sei es aber ein Entfernungs-Messgerät für Wanderer. Nun fragt sich Kai-Uwe, und ich frage mich das auch: Aus welchem Jahrhundert ist dieses Dings, wer war der Hersteller, wie benutzt man es genau und vor allem: Warum gehen auf dem großen Rad die Zahlen nur bis 18? Ist das ein Messgerät nur für Wanderer bis zum Erreichen der Volljährigkeit? Oder nur für Touren bis 18 Kilometer? Ich bitte Euch, helft Kai-Uwe und mir: Sachdienliche Hinweise nimmt das Aktenzeichen XY, die örtlichen Polizeidienststellen sowie die Kommentarleiste dieses Blogs entgegen.



Poco, Stempeldings und Äbbelwoi – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 2

Geschrieben am um 07:46

… weiter geht es auf der super-amtlichen Grüngürtelwegwanderung. Das Logo des 66 Kilometer langen Rundwanderwegs ist recht hübsch geraten …

 

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… zumindest lässt es der Fantasie (dummer Kinder Kalauer: was ist das Gegenteil von Fantasie? – Cola-Er!) freien Spielraum. Die Leute vom Amt erzählten etwas von grünem Gürtel, dem Main und der Stadt (symbolisiert durch einen Punkt). Na ja. Ich sehe eher ein windschiefes Smiley-Gesicht. Oder eine Art hessische Version des @-Zeichens. Sozusagen ein @ nach vielen vielen Äbbelwois.

Ich hatte schon letzte Woche angedeutet, dass man auf dem Grüngürtelweg an superalten Buchen entlang wandert, durch Naturschutzgebiete, durch den Fechenheimer Wald, aber auch eben am Poco entlang…

 

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… ich hatte kurz überlegt, mich dort mal nach einer dringend benötigten Schrankwand umzuschauen, bin aber dann doch bis zum nächsten Stempelpunkt mitgewandert. Stempelheftchen, einerseits ein alter Hut, andererseits immer wieder der Hit bei alt und vor allem jung, denn da kommen die uralten Triebe des Jäger und Sammlers heraus. Stempel sammeln ist einfach großartig.

 

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In Frankfurt hat man stempelmäßig den Stein des Weisen gefunden: Eine stabile, wetterfeste Stempelmaschine. Kein Ärger mit Gastronomen, die den Stempel nicht rausrücken oder ständig Ruhetag haben. Keine Vandalisten, die das Stempelkissen an der Kette klauen, zerstören, unbrauchbar machen. Super-Sache. Aber ohne Fleiß kein Preis, denn ich hatte mich auf eine relaxte Flachlandwanderung eingestellt – und dann kam die Steigung am Berger Hang. Alpe d’Huez Hilfsbegriff. Hoch auf den 1600, äh 160 Meter hohen Gipfel…

 

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… Belohnung: Ein schöner Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Apropos Belohnung. Nach dreizehn Kilometer auf dem Grüngürtelweg war ich ordentlich unterhopft und hatte Lust auf ein eiskaltes Binding, ich war bereit für flüssiges Lokalkolorit. Aber im Main Äppel Haus gab es nur typisch hessischen Apfelwein. Junge Mitwanderer hatten mich die ganze Zeit damit genervt, wie sehr sie sich auf einen gespritzten Äppler freuen würden. Aha, dachte ich mir, in der Post-Heinz-Schenk-Ära sagt man wohl Äppler statt Äbbelwoi. Also bestellte ich beim Chef des Main Äppel Haus einen Äppler. Der hätte mich fast geteert und gefedert und zu Apfelsaft verarbeitet…

 

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… um es ganz klar zu sagen. man sagt ÄBBELWOI. Punkt. Und wenn man genug von dem Zeug getrunken hat, kann man die nächsten Etappen des Grüngürtelwegs in Angriff nehmen!



Urban Bee Keeping und Böller beim American Football – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 1

Geschrieben am um 06:40

Wenn mein alter Wanderkumpel Michael vom Wandermagazin schon seine Hand für einen Wanderweg in’s Feuer legt („großartiger Stadtwanderweg, wirklich durchdachtes Konzept“), dann liegt die Latte schon mal ziemlich hoch. Irgendwie hat der gute Michael sich ganz schön in den Grüngürtel-Weg in Frankfurt verliebt. Immerhin hat dieser Weg im letzten Jahr den Preis für den schönsten Wanderweg Deutschlands in einer Metropolregion gewonnen. Zeit, sich das mal anzuschauen. Letzten Sonntag bin ich dort gewandert und ich muss sagen: wahrscheinlich bin ich im meinem Leben noch nie so AMTLICH gewandert wie in Frankfurt, denn ich hatte mich mit 80 anderen Wanderern auf Einladung des Frankfurter UmweltAMTS auf dem Danziger Platz am Ostbahnhof eingefunden. Dieser Platz ist wirklich magisch. Die liebe EZB (die laut Herrn V. angeblich die Krieschen terrorisiert) ist mit ihrem etwas windschiefen Gebäudekomplex in Sichtweite.

 

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… aber mitten auf dem Danziger Platz breitet sich seit zwei Jahren der “Frankfurter Garten” aus, ein Projekt, das man eher in Kreuzberg verorten würde. Ein städtisch-alternatives Gartenprojekt mit gefühlt 500 unterschiedlichen Tomatensorten, einem coolen Biergarten und einem Urban Bee Keeping Projekt. Ihr kanntet noch nicht Urban Bee Keeping? keine Sorge, ich auch nicht, das ist der letzte Schrei, gib Biene Maja eine faire Chance und verwerte Deinen eigenen Honig …

 

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Die Bienenkästen im Frankfurter Garten sehen ein wenig aus wie tibetische Kindersärge, aber den Bienen geht es mitten in der Großstadt angeblich besser als auf dem Lande bei reaktionären Alt-Imkern. Ich war dennoch ganz froh, dass die kleinen Summer nicht mitgewandert sind. Um es mir mit meiner Bewertung des Grüngürtelwegs nicht zu einfach zu machen, hatte man die urbanste, städtischste, asphaltierteste Etappe für mich und die 80 Mitstreiter ausgesucht. Aber der Ostpark, den fand ich schon klasse …

 

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Nicht nur wegen der alten Bäume, sondern auch wegen einer großartigen Skulptur von F.W.Bernstein. Bernstein hat, wie viele Vertreter der Neuen Frankfurter Schule (Titanic, Pardon, Robert Gernhardt und Co, leider zu viele schon zu früh verstorben) humorvolle Skulpturen an den Grüngürtelweg gestellt. Großes Kino. Elfmeterpunkt auf Erdachse, muss man sich angucken.

Aber dann zerreisst ein Knall die Luft, ein Riesen-Böller startet in den azurblauen Himmel. Wir wandern am Stadion des FSV Frankfurt vorbei, aber seit wann werden da Böller gezündet? Haben die überhaupt schon mal ein Tor geschossen? Die mitwandernde Journalistin des Fechenheimer Anzeiger klärt mich aufgeregt auf. In dem Stadion fände doch jetzt ein Spiel der Frankfurt Galaxy American Football Mannschaft gegen München statt, und bei jedem Böller gäbe es einen Touch Down der Frankfurter zu feiern…

 

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… aaach so, Mensch, es ist ja eine Stimmung im Stadion, da fliegt ja bald die Gummipuppe des 12. Manns weg. Fast wäre ich versucht, mir im Stadion dieses hyperspannende Spiel anzschauen, aber ich muss weiterwandern, auf dem Grüngürtelweg. Aber wer oder was Poco ist, warum die amtlichen Frankfurter Wanderexperten eine Weltsensation erfunden haben und warum ich kein Belohnungsbier bekommen habe, das erfahrt Ihr leider leider erst nächste Woche …



Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 07:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

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Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

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Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

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Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

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95, die Zweite

Geschrieben am um 07:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

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Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

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…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

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…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

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… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

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… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 06:17

“95” ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die “95” mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

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Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die “95”

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

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… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: “Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern”, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil III

Geschrieben am um 06:16

Heute dritter und letzter Teil meiner Neanderlandsteig-Trilogie. Nicht ganz so dramatisch wie Winnetou III, ich gebe es zu. Mein Scheitern habe ich ja schon letzte Woche ausgiebig gefeiert. Aber nun gilt es die Leistung einer der der größten Wandersportler aller Zeiten zu feiern. Thorsten the Hoyer. Unglaublich dieser Mann. Er möchte nicht “Extremwanderer” genannt werden. Klar, ist ja auch alles im normalen Bereich, was der Bursche abflaniert. Nennen wir ihn also: “Giga-Wanderer”

 

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Aber selbst Giga-Wanderer müssen mal pumpen. Wie hier, sechs Kilometer vor dem Ziel in Erkrath. 232 Kilometer geschafft, da tun die Beine weh. Hinsetzen mochte sich Hoyer nicht, das wäre tödlich gewesen. Also weiter, quäl Dich Du Sau…

 

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Hier Hoyer (rechts) auf den letzten Metern. Neben ihm (links) Marion. Marion ist nun wirklich eine Extrem-Wandererin, nach sieben 200-Kilometer-Märschen, unzähligen 100-Kilometer-Märschen, nach vielen Schwächephasen (normalerweise “wandert” sie am liebsten auf Asphalt) hat sie sich immer auf Hoyers Fersen geheftet und auch die 238 Kilometer gemeistert. Respekt!

 

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Und dann hat er ihn, den WM-Pokal!!! Ach so, doch nur ein Hefeweizen. Aber das war auf der Strecke immer Hoyers Hauptproblem. Kondition? Alles fit! Tun die Beine weh? Ach wo! Und was ist mit der Unterhopfung? Keine Ironie in Hoyers Blick: Mein wirklich größtes Problem…

 

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Und dann gab es noch die “Trophy”. Die offizielle Er-hat-tatsächlich-die-verdammten-238-Kilometer-geschafft-Trophäe. Das war leider nicht eingraviert. Sondern die Umrisse des italienischen Stiefels, so der gar nicht so schlechte Witz des stellvertretenden Landrats, der die Trophäe an Thorsten Hoyer übergab. Nein, es sind natürlich die Umrisse des Neanderlands, die komplette Wegstrecke, die Hoyer gemeistert hat. Ein Wander-Weltrekord im Kreis Mettmann. Ich verneige mich …



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil II

Geschrieben am um 07:11

Thorsten Hoyer war 238 Kilometer nonstop auf dem Neanderlandsteig unterwegs. Da konnte ich den Armen ja nicht komplett alleine lassen. Die Älteren unter Euch werden sich wahrscheinlich noch an meine 82 Kilometer-Wanderung mit Hoyer im Westerwald erinnern. Ausführlich dokumentiert in meinem letzten Wanderbuch. Mein Fazit damals: Na ja, 82 Kilometer sind eigentlich Kindergeburtstag, auf jeden Fall hatte ich danach keine Blase, keine Muskel- und Gelenkschmerzen. Aaaaber, die Nacht durchwandern ist für mich ein totales No Go. Also machte ich im letzten Absatz des Hoyer-Kapitels den kühnen Vorschlag: So eine Strecke könnte man ja auch an einem der längsten Tage des Jahres im Hellen wandern, ohne auf Hoyers blöde Stirnlampe angewiesen zu sein. Und ein neuer Rekord müsste doch eigentlich her, also sollte ich mindestens 83 Kilometer schaffen…

 

Und so startete ich am Samstag, 13. Juni, um 4:00 in der Dämmerung in Velbert, stoße zu Hoyer, der schon 88 Kilometer und eine durchwanderte Nacht in den Beinen hat. Ich mache für Hoyer ein wenig den Hasen, die Tempo-Lokomotive, ich bin ja noch frisch. Nur ein kleiner Schauer bei Kilometer 33 (dokumentiert durch Hoyers kreatives Regenjacken-Arrangement im letzten Blogeintrag) als Hindernis war zu verzeichnen. Na und? Und bei Kilometer 49 dann noch ein erfrischende Taufe…

 

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… mit Düsselwasser. Info für alle Nörgler und Zweifler: Hat gar nicht weh getan. Genau so wenig, wie ein Altbier zu trinken. Nur alte Männer wie Pur-Sänger Campino pflegen noch diese ranzige Köln-Düsseldorf-Rivalität. Aber irgendetwas scheint mit diesem Düsselwasser doch nicht gestimmt zu haben. Denn ab Kilometer 53, ab Gruiten Bahnhof, habe ich massiv angefangen zu schwächeln. Kondition war in Ordnung, aber jeder Schritt hat geschmerzt. Denn: Wie ein totaler Wanderdilettant habe ich für diese Mörder-Tour keine Ersatz-Socken und keine Blasenpflaster mitgenommen. Aaaaaarghhh! Erst haben mir die noch vom Schauer nassen Socken die Blasen beschert, die ohne Blasenpflaster sich mit jedem Schritt zu Kopfkissengröße aufpumpten. Was soll ich sagen, bei 64 Kilometer war Schluss mit lustig…

 

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Und wenn man denkt, die Blamage, die Erniedrigung könnte nicht größer gewesen sein, wartet dann noch ein Neanderlandsteig-Besenwagen, in den man wie ein willenloser Ork einsteigt, und Foto-Opfer von irgendwelchen Leser-Reportern wird. Peinlich.

 

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Nun ja, zuletzt hat Harald Martenstein im ZEIT Magazin eine schönen Satz zitiert: “Von Deinen Erfolgen wollen nur Deine Eltern etwas hören, alle anderen interessieren sich für Deine Misserfolge.”



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil I

Geschrieben am um 07:23

Heute starte ich eine Trilogie: Drei Blogeinträge über ein einmaliges Experiment. Eine Trilogie, die vom Spannungsfaktor knapp an „Winnetou I – III“ und an „Die Wanderhure teil 1 – 3“ heranreicht. Es geht um das Experiment: Schafft es mein Wanderkumpel Thorsten Hoyer, die 238 Kilometer auf dem Neanderlandsteig Non-Stop zu gehen? Ohne Schlaf, nur kurze Pausen. Um es vorwegzunehmen: Er hat es geschafft. So sah er zum Start aus…

 

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… unternehmungslustig nimmt er noch einen aufmunternden Schluck und freut sich auf die 226 Kilometer, die vor ihm liegen …

Und hier am Ende der Tour: Ausgepumpt, am Ende der Kräfte, hofft er das im Outback des Kreises Mettmann irgendwann noch mal ein Bus kommt …

 

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In Wirklichkeit war es genau umgekehrt. Kurz nach dem Start hat sich Thorsten kurz hingesetzt, am Ende der Strecke, nach 57 Stunden, musste er alle paar Meter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Ich bin einige Kilometer an der Seite von Thorsten gewandert (dazu nächste Woche mehr), daher konnte ich beobachten, dass er mindestens 200 Kilometer ein absolut vorbildlicher Wanderprofi war…

 

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Er ging voran, hatte eine beeindruckende Tempokonstanz. Thorsten nahm immer wieder die Hände hoch an den Rucksackgurt, um nicht dicke Finger (wegen des Blutstaus) zu bekommen, etwas, dass mir bei längeren Wanderungen immer wieder passiert. Außerdem hatte er seine blaues Handtuch immer griffbereit, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Das Beste aber: Zogen sich bei unserer Wanderung mal die Wolken zusammen, konnte er immer exakt das Wetter prognostizieren. “Das wird schon nicht regnen…”

 

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… na ja, nicht jeder ist ein Kachelmann. Übrigens ist weder der Reißverschluss seiner Regenjacke kaputt gewesen, noch ist seine Jacke im Regen geschrumpft, nein – Hoyer ist eben ein Meister seines Fachs – er hat mit der Regenjacke zugleich seinen Rucksack bedeckt.

 

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Aber nicht für diesen Trick gibt es hier Applaus, sondern für die 150, die 150 Kilometer, die Hoyer zu diesem Zeitpunkt erreicht hatte. Mangels Arena-Publikum klatschten die Mitwanderer. Und was ich mir vorgenommen hatte auf dem Neanderlandsteig, davon berichte ich nächste Woche …

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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