Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Närrische Rebstöcke in Franken

Geschrieben am um 6:23

Bei meinen bisherigen Weinwanderungen war es üblich, dass ich zu den Weinflaschen gewandert bin. Auf dem Bocksbeutel-Wanderweg ist es üblich, dass die Flaschen selber wandern.

 

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Das ist auch sinnvoll, denn der Bocksbeutel hat in Franken seine Heimat und kennt sich aus. Die Markierung auf der Tour ist doch eher überschaubar und selten so romantisch umrankt wie auf dem Foto.

 

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Es empfiehlt sich daher unbedingt – natürlich nur wenn man kein Bocksbeutel ist – eine Wanderkarte der Region zu erwerben. ATK 25, hört sich an wie ein Schnellfeuergewehr von Heckler und Koch. Trotz Karte habe ich mich allerdings zweimal desaströs verlaufen.

 

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Die Tour startet im Weinort Thüngersheim am Main in der Nähe von Würzburg. Neben der Vinothek der Wintergenossenschaft geht der Weg an einer bemerkenswerten Grundschule vorbei. Der Namensgeber Georg-Anton Urlaub ist entweder mit Farin Urlaub, dem Sänger von „Die Ärzte“ verwandt. Oder ich missverstehe da etwas und es handelt sich um Herrn Anton, Vorname Georg, der die geniale Idee hatte, eine Grundschule zu gründen, die ständig im Urlaub ist.

 

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Im Anbaugebiet Franken arbeiten die klügsten Winzer. Das kann man alleine daran erkennen, dass die fränkischen Weingärtner die Erntemethode revolutioniert haben. Am Main fließt der Rebsaft direkt von der Traube in die Flasche, nur noch Korken drauf, fertig! Einfach, aber genial.

 

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Was einem Rheinländer wie mir in den letzten Jahrzehnten komplett entgangen ist: Der Franke ist total närrisch. So närrisch, dass sogar die Rebstöcke Narrenkappe tragen.

 

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Ich bin nach Veitshöchheim gewandert, das ist so etwas wie Mainz, Köln und Düsseldorf zusammen für die fränkische Fastnacht. In Veitshöchheim wird jedes Jahr eine (sehr lustige) Sitzung live vom BR ausgestrahlt, das ist die erfolgreichste Sendung des Bayerischen Rundfunks im gesamten Jahr.

 

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Daher treiben sich in Veitshöchheim jedes Jahr äußerst dubiose Menschen herum. Franken – Helau, Oberpfalz – Helau, Veitshöchheim – Helau!

 

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Wanderwitz

Geschrieben am um 6:23

In den thüringischen Februar-Wirren wurde ein Politiker an die Öffentlichkeit gespült, den bislang kaum jemand auf der Rechnung hatte: Der neue Ostbeauftragte (wieso gibt es eigentlich keinen West-Beauftragten? – es gibt ja auch Süd-Beauftragte, man nennt das CSU) der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung also ist Marco Wanderwitz. Nachname Wanderwitz, kein Scherz. Seitdem er also nun zweiter Ost-Beauftragter nach Angela Merkel ist, schickt mir Marco, ein wirklich feiner Kerl, jeden Tag einen Wanderwitz. Hier die besten der letzten Tage:

Ein schwäbisches Ehepaar wandert durch die Alpen und fällt in eine Gletscherspalte. Am nächsten Tag hören sie eine Stimme von oben rufen: „Hallo, hier ist das Rote Kreuz!“ Darauf ruft der Schwabe zurück: „Mir gäbet nix!

 

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Gar nicht mal sooo schlecht. Hier der nächste Wanderwitz:

„Spielst Du eine Wandergitarre?“ – „Nee, wieso?“ – „Das ist Musik zum Weglaufen!“

Na ja, eher die Abteilung Wortspielhölle.

 

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Was passiert, wenn eine Blondine von Deutschland nach Österreich wandert? In beiden Ländern steigt der durchschnittliche IQ.

Für einen Blondinenwitz gar nicht so schlecht. Einen Wanderwitz hau ich noch raus …

Zwei Wanderer stehen plötzlich einem riesigen Bären gegenüber. Ruckizucki reißt sich der eine die Stiefel von den Füssen, holt seine Turnschuhe aus dem Rucksack und zieht sie an. „Was soll das denn?“ fragt sein Begleiter, „mit Turnschuhen bist Du auch nicht schneller als der Bär.“ – „Ja und, Hauptsache ich bin schneller als du.“

Der kurze Wanderwitz zum Schluss:

Wie hieß der berühmteste chinesische Wanderer? Ging Hang Lang

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Als Zugabe noch mein Lieblings-Wanderwitz, den ich schon auf vielen Veranstaltungen zum Besten gegeben habe. Diesmal in Reimform, Büttentauglich gemacht für mein Buchprojekt „Mein Jahr als Narr“

Drei Männer, drei Freunde, die haben nen Plan

„Wir wandern auf dem Rheinsteig, geradeaus und bergan!“

Die erste Etappe ist beschwerlich, alle drei sind froh

als sie ihre Unterkunft beziehen, ein Hotel mit Niveau

Sie trinken viele Biere, sie stoßen immer wieder an

Sie sind schon reichlich hinüber, da haben sie einen Plan

Wir grüßen jetzt mal unsere Frauen, am besten per SMS

Alle schreiben das Gleiche – das ist ganz schön kess.

„Wär ich ein Vöglein, flög ich zu Dir

Weil ich ein Wanderer bin, vögel ich hier“

Der nächste Tag beim Frühstück, es summt das erste Telefon

Die Ehefrau Nummer Eins schickt ihre Nachricht schon.

„Schon zu Hause warst Du immer ein Schwein,

auch als Wanderer lässt Du die Schweinereien nicht sein“

Zur Mittagsrast vibriert das zweite Handy

Die nächste Ehefrau schreibt zurück – es ist die Mandy:

„Von Deiner SMS glaub ich kein Wort,

Du konntest schon hier nicht – geschweige denn dort“

Spät am Abend, die zweite Etappe ist bereits gerannt

erhält der dritte Wanderer eine SMS, die ist brisant:

„Weil Du kein Vöglein bist, bist Du ein Wanderer,

sei ganz unbesorgt, mich vögelt ein anderer.“



Winterwanderfundstücke

Geschrieben am um 6:23

Gegen die Überschrift ‚Winterwanderfundstücke‘ könnte man einwenden, dass man schlecht Winterwanderfundstücke präsentieren kann, wenn es gar keinen Winter gab. Schnickschnack. Erstens kann der Winter ja noch kommen, im April oder Mai, habt doch mal Geduld. Und zweitens heißt die Jahreszeit vor und nach der Jahreswende eben auch Winter, wenn es sehr heiß ist.

 

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Am tollen und extrem abwechslungsreichen Premiumspazierwanderweg „Fasanenjagd“ in Zweibrücken habe ich eine sehr exotische Pflanze gefunden. Die Kletterrose Dortmund verströmt einen betörenden Duft nach Hochofen und Stadionwurst und blüht in den herrlichsten gelb-schwarzen Farben. Leider habe ich die Rosenarten Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel nicht gesichtet.

 

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Bei der gleichen Wanderung habe ich die erste Outdoor-Galerie der Pfalz gesehen. Die Hängung ist etwas lieblos, aber die Idee absolut ausbaufähig. Nicht Kunst am Bau, sondern Kunst in der Natur.

 

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Auf der Sauerland-Waldroute in der Nähe von Marsberg (diese Tour beschreibe ich ausführlich im nächsten Wunderbar-Wanderbar-Heft von NRW Busse und Bahnen) habe ich die größte Wetterhütte der Region gesehen. Wer als Wanderführer mit 150 oder 200 Wanderern unterwegs ist, findet dort problemlos wettergeschützt Unterschlupf.

 

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Die Zeit vor den Jahren, zwischen den Jahren und nach den Jahren bietet nicht nur Zeit für Heimeligkeit, Besinnlichkeit und Glühwein. Man kommt auch endlich dazu, ordentlich aufzuräumen, die Steuer zu machen, so Sachen eben. Beim Aufräumen ist mir das legendäre Pfälzer Hüttenquartett in die Hände gefallen. Bekanntlich verfügt der Pfälzer Waldverein über außerordentlich zahlreiche und vorbildlich geführte Wanderhütten. Was das Netz der Hütten angeht, kann selbst der Alpenverein nicht mithalten. Meine Lieblingskategorie (nach „Anzahl der Weine“ und „Meter zum nächsten Parkplatz“ – ganz entscheidend für Wanderer) des Quartetts ist „Leberknödeldurchmesser“. „Leberknödeldurchmesser“, ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Mjam, mjam, mjam.



Die flache Landschaft

Geschrieben am um 6:23

Das Hochgebirge: aufregend, spektakulär, atemraubend im wahrsten Sinne des Wortes. Das Mittelgebirge: aussichtsreich, angenehm, abwechslungsreich. Das Flachland: öde, fade, langweilig. Mit einer Wanderung im flachen Land (nicht umsonst spricht man ja auch von den „Mühen der Ebene“) verbindet man kein großartiges Erlebnis. Bezeichnend die Beschreibung des Wortkünstlers Arno Schmidt in seinem Jahrhundertroman „Das steinerne Herz“: „Die Sonne machte mir gleich eine flüssige Maske. Beim Umsehen wickelte ich mir die Landschaft ums Gesicht. Nur 3 Farben : unten grün ; oben blau ; der Braune Schlammstrich ; meines Weges“.

 

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Nun ja, lieber Arno Schmidt, immerhin hat es nicht geregnet, dann hätte es nur zwei Farben gegeben, braun und grau. Ich frage mich aber, ob dieses negative Bild der flachen Landschaft der Realität entspricht. Es stimmt natürlich: wenn ich über einen schnurgeraden, schattenlosen Feldweg gehe, am Horizont keine strukturierenden Hügel oder Berge, ich kann in der Ferne schon sehen, wo ich übermorgen sein werde, das ist wirklich keine große Wanderfreude. Ich kann mich an eine Wanderung in der Nähe von Cottbus erinnern. Ich ging auf einem markierten Fernwanderweg, meistens an Feldern vorbei. Stundenlang habe ich keinen Wanderer gesehen, dafür viele Fahrradfahrer, sehr viele Radfahrer, denn der Wanderweg war gleichzeitig eine äußerst beliebte Radstrecke. Da kommt man natürlich ins Grübeln. Wäre es vielleicht schlauer gewesen, eine Radtour anstelle einer Wanderung zu machen?

 

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Eine vergleichbare Wanderung habe ich auch mal im Münsterland erlitten, einer absoluten Fahrradregion. Ich komme in diesen Regionen ganz schnell an den Punkt, an dem ich das Gehen an sich in Frage stellt.

Und dann gibt es ja noch die Sache mit den Namen der Landschaften. Hochgebirge sind zumeist weltbekannt: Die Alpen, die Kordilleren, der Himalaya. Deutsche Mittelgebirge heißen Eifel, Harz und Rhön.

 

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Aber flache Landschaften? Haben die überhaupt Namen? Wie heißt die Ebene südlich von Augsburg? Wie nennt sich die Gegend um Osnabrück? Okay, Osnabrücker Land (früher gab es eine schöne touristische Tafel am Osnabrücker Hauptbahnhof: „Osnabrück, Hauptstadt im Osnabrücker Land“, ich war immer schwer beeindruckt), aber wer findet es reizvoll, dort einmal zu wandern? Es gibt allerdings Ausnahmen, schillernde Flachlandgebiete, in denen man genial wandern kann. Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet westlich von Mönchengladbach gibt es die Premiumwanderregion „Wasser.Wander.Welt.“ Die Interpunktion erinnert an Arno Schmidt.

 

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Im Maas-Schwalm Nette-Gebiet wandert man auf deutscher und niederländischer Seite auf acht Premiumwegen, die Rundtouren haben zwischen zwei und fünf Höhenmetern. Und trotzdem funktioniert das abwechslungsreiche Wandererlebnis. Schmale Pfade, durch Auenwälder, über Felder, durch Mischwald, an Seen, Bächen, Kanälen entlang. Auch ambitionierte urbane Wege wie zum Beispiel der Frankfurter Grüngürtelweg beweisen, dass man auch ohne Höhenmeter lustvoll wandern kann. Es stimmt, man muss in der Ebene nach den schönen Wegen suchen, muss viel Spreu vom Weizen trennen, aber es geht auch im Flachland.

 

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Die Poetik

Geschrieben am um 6:23

Jede gelungene Wanderung ist ein Gedicht. Manche möchten singen, um ihr Hochgefühl hinaus zu posaunen, andere schreiben lieber Reime. So wie der ungekrönte König aller Wandergedichte, der unübertreffliche Joseph von Eichendorff. Ich empfehle, von Zeit zu Zeit das gelbe Reclam-Heft mit seinen Gedichten zur Hand zu nehmen. Bei dem meisten Versen kann man im Kopf mitwandern:

Der absolute Gassenhauer ist natürlich das Poem Der frohe Wandersmann, durch die Vertonung auch zum Mitsummen geeignet

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

Den schickt er in die weite Welt;

Dem will er seine Wunder weisen

In Berg und Wald und Strom und Feld

 

Aber schon in der zweiten Strophe kriegen diejenigen eins drüber, die zuhause bleiben:

Die Trägen, die zu Hause liegen,

Erquicket nicht das Morgenrot,

Sie wissen nur von Kinderwiegen,

Von Sorgen, Last und Not um Brot

 

Pech gehabt, wer sich ums tägliche Brot kümmern muss, der kann halt eben nicht gottesgünstig wandernd gehen. So spricht die (wandernde) Elite. In Eichendorffs Gedicht Allgemeines Wandern heißt es:

Und die im Tal verderben

In trüber Sorgen Haft,

Er möchte sie alle werben

Zu dieser Wanderschaft

Dagegen singt Der wandernde Musikant bei Eichendorff:

Wandern lieb ich für mein Leben,

Lebe eben wie ich kann,

Wollt ich mir auch Mühe geben,

Paßt es mir doch gar nicht an.

 

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Aber nicht nur bei den großen Meistern kann man wunderbare Wanderpoesie entdecken. Im weitesten Sinne muss sich ein Gedicht nicht zwingend reimen. Daher empfinde ich die Kreuzworträtselumschreibungen (Um die Ecke gedacht) des ZEIT-Magazins als ganz hohe Schule des poetischen Schreibens über alltägliche Begriffe des Wanderers.

Malheurmeldung vielleicht vom Wandertag, vielleicht aus dem Aquarellmalkurs? – VERLAUFEN

Atemberaubende Wanderwegqualität? – STEIL

Kommt laufend zu neuen Weltansichten? – WANDERER

Das finde ich absolut großartig, wunderschön!

 

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In Florian Illies‘ zweitem 1913-Buch fand ich einen Brief von Rainer Maria Rilke, der mehr Gedicht als Alltagsprosa ist. Er preist die vergangenen romantischen Wanderstunden mit seiner angebeteten Hedwig:

Hedwig, wie fehlst Du mir. Sind wirklich alle Wege noch da, dort hinten im Regen? Hast Du sie mit Dir hinweggenommen? Aber wenn ich hinsehe, wo wir gingen: gingen wir denn? Wars nicht Fliegen, Stürmen, Strömen?

 

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Hach, ist das schön – nur ein ganz ganz klein wenig schwülstig/kitschig. Jetzt bin ich erschöpft von so viel Wander-Pösie. Ich leg mich hin, im Hinterkopf Goethes Wanderers Nachtlied

Über alle Gipfeln ist Ruh

In allen Gipfel spürst du

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein schweigen im Walde.

Warte nur, balde ruhest Du auch

 

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Weißenstein und Weissenstein

Geschrieben am um 6:23

And the winner is … Overath. Seit fast zehn Jahren kürt das Land NRW den Wanderbahnhof des Jahres, ein Bahnhof also, der erstens gut erreichbar ist, zweitens über eine gewisse Infrastruktur verfügt (Stichworte Belohnungsbier und Wanderverpflegung beziehungsweise Wanderbier und Belohnungsverpflegung) und drittens natürlich wanderbar ist.

 

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Bevor es losging, habe ich mich nicht nur mit Wanderverpflegung und Fanartikeln des 1.FC Köln versorgt (warum tut man das eigentlich noch?), sondern wollte auch noch schnell heiraten, doppelt genäht hält besser, dachte ich, aber der Standesbeamte hatte einfach extrem viel zu tun, im Wanderbahnhof Overath wurde im Akkord geheiratet. Außerdem fiel mir im letzten Moment ein, dass ich ja schon verheiratet bin.

 

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Nach einem Steilstück durch den Wald erreichten wir den kleinen Ort Büscherhöfchen und die Straße Weißenstein beziehungsweise Weissenstein. Alte Rechtschreibung, neue Rechtschreibung? Alte Rechthaber und neue Rechthaber? Ich vermute, dass in dieser kleinen Stichstraße mindestens zwei pensionierte Oberstudienräte wohnen, die über dicke Aktenordner verfügen, in denen sie hunderte Gutachten von Historikern, Sprachwissenschaftlern und Weißer-Riese-Forschern gesammelt haben, um sich gegenseitig zu beweisen, wie denn nun dieser Weißenstein beziehungsweise Weissenstein geschrieben wird. Sehr salomonisch, beide Versionen auszuschildern.

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Ein richtiger Pilgerweg ist ohne Pilgereinkehr natürlich nichts wert. Daher neben dem Dom in Marialinden Haus Altenrath. Sehr zu empfehlen, vor allem das Päffgen Kölsch vom Fass. Man sollte aber entweder alleine oder mit einer Gruppe zehn Liter schaffen, sonst schlägt der Wirt kein Fässchen an.

 

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Der schönste Teil des Weges eindeutig die zweite Hälfte ab Marialinden, vor allem die Passage an der Agger, aber auch kurz davor der Weg an einem Bauernhaus vorbei. Liebliche Zwerge und Schneewittchen grüßen vom Wegrand und der Bauer hat zwar keine Leiche im Keller, aber eine Leiche im Grünschnitt.

 

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Wenn man den Overather Ortsteil Wasser erreicht, möchte man fast die Bewohner des Ortsteils bedauern, denn wahrscheinlich müssen sie sich ständig das blöde Wortspiel anhören: „Du hast wohl zu nah am Wasser gebaut!“ Der totale Heuler.

 

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Dann aber noch der Pfad an der Agger entlang, ich erwähnte es schon. Und ruckizucki ist man wieder am Wanderbahnhof 2019 in Overath angekommen. Möglichst aber die Tour so timen, dass man erst ab 17:00 am Bahnhof ankommt, denn vorher hat die sehr gute Bahnhofsgaststätte nicht geöffnet.

 

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Beckinger Saarblicke

Geschrieben am um 6:23

Es ist doch immer wieder schön, einen Haken hinter eine der 111 Traumschleifen zu machen, noch schöner, wenn die Traumschleife in meiner Wahlheimat gelegen ist, dem kleinen Bundesland mit den vielen Spitzenpolitikern, die sich immer ganz doll lieb haben. Beckingen ist ein Ort südlich von Merzig. Die berühmte saarländische Familie Becker wohnt nicht in Beckingen. Es kommt nicht sehr oft vor, dass ein Schiff in Beckingen anlegt. Der Grund ist, dass der gewerbliche Schiffsverkehr der Saar schon kurz vor Saarbrücken endet. Daher singt man Beckingen, wehmütig auf die Saar blickend: „Ein Schiff wird kommen…“

 

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Trotz des unregen Schiffsverkehrs hat man am Saarufer einen – allerdings unbemannten – Leuchtturm errichtet. Die Ernsthaftigkeit dieses Leuchtturms ist leider äußerst zweifelhaft, hat man doch einen Sandkasten und Kinderspielplatz um dieses Gebäude errichtet.

 

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Kein Kinderspielplatz findet sich am Bunker der Bauart „Regelbau 10“ im Beckinger Ortsteil Haustadt. In dem Bunker ist ein Westwallmuseum eingerichtet. Ich bekomme schon klaustrophobische Beklemmungen, wenn ich das Ding nur von außen sehe.

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Oberhalb der Saar, kurz vor der grandiosen Einkehr Fischerberghütte, findet sich dieser hervorragend erhaltene Grenzstein. Deutlich ist die Lilie zu sehen, aber nicht als Erkennungszeichen der Fans von Darmstadt 98, sondern als Herrschaftszeichen der französischen Krone. Zwischen 1679 und 1697 und noch einmal zwischen 1766 und 1815 war Beckingen französisch und wurde eher Béckongsche ausgesprochen.

 

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Inzwischen redet man aber in dem Ort wieder saarländisch und das ist auch gut so. Und nach den Saarblicken vom Leinpfad aus ergeben sich auch viele Saarblicke aus der Höhe.

 

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Die Komik

Geschrieben am um 6:23

Ein Wanderwitz: Die Wandervögel habe sich getrennt. Die eine Hälfte wollten nur noch Wandern.

Pruha, ein Schenkelklopfer, ein Abbücker, ein Brüller, der kürzeste Wanderwitz der Welt!

 

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Nicht lustig? Finde ich schon. Die prinzipielle Frage ist doch: Gibt es komische, humoristische Aspekte beim Wandern? Ich glaube schon. Prinzipiell ist es natürlich nicht lustig, einen Schritt vor den anderen zu setzen oder die Landschaft zu betrachten. Etwas anderes ist, mit einer luxemburgischen Wandertruppe an der Mosel unterwegs zu sein, und an einer Rinderweide vorbei zu kommen. Die Kühe kommen neugierig näher, und dann fangen die ungefähr zwanzig Menschen auch noch an zu singen. Und die Rindviecher lauschen ergriffen, könnten sie applaudieren, würden sie es tun, überhaupt keine Frage. Das fand ich schon sehr lustig.

 

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Natürlich freue ich mich auch immer, wenn ich ein Wanderparkplatz-Schild sehe. Der Wandersmann mit Hut und Stock, der voranschreitet. Die Wandersfrau, was sage ich, die Wanderdame dahinter, ohne Hut und Stock, dafür mit superkurzem Rock, Handtasche und wehenden Haaren. Die beide legen ein unglaubliches Tempo vor, das Schild ist definitiv das komischste Verkehrsschild Deutschlands. Interessanterweise gibt es eine badische Variante des Schildes, eine züchtigere Variante: Die Wanderdame hat einen knöchellangen Rock, die fliegenden Haare sind zum strengen Dutt geknotet. So geht es doch auch.

 

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Komik entsteht auch dadurch, dass sich der Held einer Geschichte, sagen wir einmal ein national durchaus angesehener Wanderexperte, immer wieder in Situationen bringt, die ihn fordern, um nicht zu sagen überfordern. 82 Kilometer am Stück wandern. Mitglied beim Schwäbischen Albverein sein. In der Steilwand der Watzmann-Ostwand hängen. Es ist eine Art mathematischer Humor-Rechnung: Die Differenz zwischen Wollen und Können ist die Keimzeile der Komik. Wenn Sätze wie: „Ich kenne mich hier aus, ich brauche keine Karte!“ oder „Es wird heute garantiert kein Gewitter geben“ mit der Realität kollidieren, ist das immer ziemlich lustig.

 

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Oder man erzählt einfach noch einen Wanderwitz, einen hab‘ ich noch: Warum ist Moses mit dem Volk Israel vierzig Jahre durch die Wüste gewandert? – Männer fragen nicht nach dem Weg.

 

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Youtube: Andrack_1

Geschrieben am um 19:13

Heute mal was ganz anderes, nicht immer nur – Wandern, sondern: Geile Musik!

Es ist doch so: Wenn ich Radio höre, laufen da nie die richtigen Songs. Weder bei Rock Radio Classic (nur AC/CD und Queen), noch in den das bester der 60er, 70er usw. Sendern) Der Plattenspieler funktioniert nicht mehr richtig, CDs sind Scheiße und gehen alle kaputt, die alten Mix-Tapes leiern.

 

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Deshalb habe ich meine erste Playlist bei Youtube gestartet. Andrack_1. Ich muss meinem Freund Peter recht geben: „Grandios!“ Es beginnt mit den Teenage Kicks, dem Lieblings-Song des legendären John Peel, der sich mit diesem Song, so hat es mir Dirk Schümer erzählt, beerdigen ließ

 

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Wenig später auf der Playlist: Rock Lobster. Das ist das Geile an Youtube: Ich sehe 35 – 40 Jahre später erst richtig den Look meiner liebsten Bands. Schaut Euch mal die Hemdkragen/Pullover der Buzzcocks an. Das ist Punk Rock, so sah ich in Köln-Ostheim auch aus!

 

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Meine absolute (nicht-deutsche) Lieblingsband der Achtziger: Die irischen Bob-Geldof-Buben. Okay, I don’t like Mondays. Aber die sechs Jungs haben einen Haufen weitere großartige Lieder geschrieben. Der erste, den ich von ihnen hörte – Like Clockwork.

 

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You know what this one is…? Depeche Mode live at Hammersmith Odeon 1982, ich hatte diese Live-Version als Kopie einer Bootleg-Pressung auf einem Mix-Tape. Mix-Tape leider verschollen. Das beste Lied von Depeche Mode. Im Jahr 2000 zum Beispiel bin ich bei einem Depeche-Mode-Konzert in Köln eingeschlafen. Ich habe jetzt erst kapiert, warum nach 1982 bei Gore und Gahan nichts mehr gekommen ist. Fast alle Kracher auf der Debüt-Platte hat Vincent Clarke geschrieben (später Yazoo und Erasure), auch „I just cant get enough“, meiner Meinung nach ist Clarke auch im Clip zu sehen, obwohl er laut wikipedia zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr bei DM (und auch nicht bei Rossmann) war.

 

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Einfach ein saugeiler Song. Alleine die Bassline zu Beginn: Zum Niederknien

 

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Passion von Flirts. Peinlich, ich weiß. Trotzdem gut. Crossover eben.

 

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Die Vapors, typische One-Hit-Wonder-Oand. Aber was für ein One Hit!

Und dann gibt es auch noch die Klassiker wie die Ramones, Sex Pistols und Sham69 in der Playlist. Und Bots. Viel Spaß, play it loud!



Luxembourg, 91 Points

Geschrieben am um 6:23

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Mit meinem Freund Camille, dem bedeutendsten luxemburgischen Komponisten, arbeite ich die Traumschleifen in der Grenzregion ab. Zuletzt war wieder einer dieser Feiertage (also nicht wirklich im Kalender, die denken wir uns einfach aus). Wir gourmieren die Traumschleife „Manternacher Fiels“, 91 Punkte hat die vom unbestechlichen Wanderinstitut bekommen, welches mit Sicherheit keine Konten bei luxemburgischen Banken hat. 91 Punkte, das ist natürlich ein Brett, wir sind gespannt. Und machen ein entspanntes Selfie am Manternacher Fiels/Felsen.

 

 

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Wir wandern zunächst im Syrtal, fernab von Syrien, Syrtaki und Köln-Syrth. Außer den Wanderwegen im lauschigen Tale finden sich auch die Gleise der internationalen Bahnstrecke Luxembourg – Wasserbillig – Trier. Manchmal rauscht daher ein Zug vorbei, was den erfahrenen Trainspotter freut, der natürlich immer weiß, ob der RE von oder nach Koblenz pünktlich ist oder Verspätung hat.

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Kein 91-Punkte-Weg ohne Ausblick, in diesem Fall bis weit ins Tal der Obermosel. So ein Ausblick ist aber auch immer die Gelegenheit für zwei relativ alte und ziemlich weiße Männer, mal ordentlich zu verschnaufen und die Knochen zu sortieren.

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Sehr spektakulär ist der Abstieg durch eine komplett gerodete Waldparzelle. Da war kein Sturm durchgefegt, sondern bewusst entwaldet worden, um die alten Trockenmauern eines Weinbergs – vermutlich seit dem Siegeszug der Reblaus vor 120 Jahren unbenutzt – frei zu legen. Und wahrscheinlich wird dort bald wieder Wein angebaut.

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Dann vermutlich eine kleine Kapelle am Wegrand, ein abgeschiedener Ort mit würdevoller Rückzugsmöglichkeit, ein besinnlicher Platz der Ruhe und Kontemplation. Falsch!!! beim Blick durch die Fenster entdecken wir ein Weinfass, über der Tür entziffern wir den Namen des Weingotts – dieser Platz ist ein Ort des bacchantische Genusses mitten im Wald, hoch die Tassen.

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Nun hätten wir zum Abschluss unserer Tour am Naturschutzzentrum in Manternach auch noch ganz gerne einen gehoben. Es gibt nämlich tatsächlich auch einen lokalen Wein mit der Lagenbezeichnung Manternacher Fiels. Aber der Naturschutzwart zuckt nur mit den Schultern: Nichts mehr da. Gut, dass Camille die besten Winzer des Großherzogtums kennt, also probieren wir im Weingut Stronck-Pinnel einen schönen Auxerrois, einen Elbling und einen sensationellen Pinot Gris von 2018. In Luxemburg, da lässt es sich fein leben!

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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