Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Andrack jetzt Blog schreibt

Geschrieben am um 10:33

Frisst das fiese Corona-Virus eigentlich auch Gehirnzellen Von Spiegel-Online-Redakteuren?

 

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Wie auch immer: Manuel Andrack jetzt Blog schreibt

 

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Gut, dass die Badeinsel gesperrt ist. Das kann Menschenleben retten. Denn wenn man Ende März bei sechs Grad Außentemperatur in den Badesee springen, drin plantschen und schwimmen würde, könnte man sich den Tod holen.

 

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Alle Gaststätten, vor allem aber die Außengastronomie zuzusperren, obwohl mit ausreichend Sicherheitsabstand dort einzelne Wanderer oder Kleinfamilien etwas verzehren könnten, auch das ist total sinnvoll. Mir fällt zwar kein einziger Grund ein, warum das sinnvoll ist. Aber wenn alle sagen, dass das sinnvoll ist, dann ist das sinnvoll. Genauso sinnvoll, wie sämtliche Geschäfte zuzusperren, obwohl sich nachweislich kein einziger Mensch in Deutschland beim Einkaufen angesteckt hat.

 

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Viele machen es sich in diesen Tagen leicht, und bleiben komplett zu Hause. Andere nehmen es für ihre Gesundheit auf sich, jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Das birgt Risiken, die nichts mit Corona zu tun haben. Vorgestern habe ich mit meiner Familie eine kurze Radtour gemacht. Ich gebe es zu, ich schaffe es nicht, Frau und Tochter JEDEN Tag zum Wandern zu motivieren. Also jeden zweiten Tag Radtour. Warum nicht, immerhin bin ich ehemaliger Rad-Profi. 2008 bin ich die 21 Kehren von Alpe d’Huez in sensationellen 1:43 Stunden hinauf gerast. Nur 1 Stunde und 11 Minuten langsamer als Marco Pantini bei seiner Rekordfahrt für die Ewigkeit. Dafür bin ich still alive, der arme Marco nicht.

 

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Kletterkünste sind das eine beim Radfahren, das andere sind Steuerkünste. Auch unvergessen, wie Jan Ullrich dereinst bei einer Abfahrt – schwupps – hinter der Leitplanke verschwand, kurz darauf aus dem Gebüsch kletterte und wieder aufs Rad steigt. Vorgestern also die kurze Radtour. Wir fuhren an einem schönen Teich entlang, ich drehe mich kurz zu meiner Tochter um, dann wieder nach vorne, merke, dass ich ziemlich nah am rechten Rand meines Weges fahre, da sollte man besser gegensteuern – oder doch bremsen? Die Rettungsmanöver wären auch fast gelungen, wenn nicht plötzlich ein Stück vom Weg einfach gefehlt hätte, weggebrochen, was weiß ich. Sehr merkwürdig wie schnell das gehen kann. Rad und Radfahrer verschwinden im Teich. Ein Jogger kommt vorbei, rettet geistesgegenwärtig mein Fahrrad, bevor das untergeht. Ein Fahrrad ist definitiv wichtiger als mein Leben. Na ja, so schlimm wars auch wieder nicht, auf jeden Fall nicht lebensbedrohlich.

 

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Andrack jetzt fertig mit Blog schreibt

 



Weinlese in Boppard

Geschrieben am um 6:23

Gaaanz langsam naht der Frühling, die Sonnenstrahlen wärmen wieder das Herz nach diesem eisigen, kalten Winter. Bald schon kommt die Zeit der Lese, die Trauben sind reif, der Winzer fährt hinaus in die Weinberge, um die Ernte einzufahren. Wie bitte, es ist erst März? Ach so. Ich dachte, wegen Klimawandel und so, günge das schneller in diesem Jahr. Na gut, dann erzähle ich eben ein wenig von meinem Lese-Abenteuer im Herbst 2019.

 

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Hat sich nicht schon so mancher in seiner Midlife-Crisis gefragt, ob er dereinst wirklich den richtigen Beruf ergriff? Jeden Tag die gleiche Scheiße, die gleichen Kollegen, der gleiche geistig zurückgebliebene Chef. Die Wahrheit ist: ja, wir haben fast alle einen Fehler bei der Berufswahl gemacht – den Fehler, nicht Winzer zu werden. Ein Arbeitsplatz mit garantiert schönen Ausblicken ist schon mal die halbe Miete.

 

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Allerdings hat es ein Winzer in Zeiten des Klimawandels nicht leicht. Ich durfte beim genialen und traditionsreichen Weingut „Heilig Grab“ in Boppard bei der Weinlese helfen. Traditiosnreich? Und wie! Warum liegt das Weingut direkt am Bahnhof? – Der Bahnhof wurde eben später erbaut. Aber wenn der Sommer zu heiß war, dann sehen die Trauben eher wie Rosinen aus, bei der Lese heißt das: Traube ernten, die trockenen Stellen mit dem dicken Daumen wegpiddeln, ab in die Plastikkiste.

 

 

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Wir haben früh in der Steillage angefangen, das war echt harte Arbeit. In der Truppe zu arbeiten war sehr schön. Es wurde viel geredet. Was man so alles über die Bürger von Boppard erfahren konnte… Mein Lieblingsspruch eines Erntehelfers nach einem kurzen, aber heftigen Regenschauer: „Die Trauben kann man aber nicht mehr zu trockenem Wein verarbeiten.“

 

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Das Beste am Weinlesen sind die Pausen. Zweites Frühstück und Mittagessen, Kaffee und Kuchen gibt es bei der Rückkehr im Weingut. Die Frage ist immer, ob die Biertischgarnitur unterhalb oder oberhalb des Wingerts aufgestellt wurde. Beim Mittagessen ging es nach oben. Die polnischen Frauen durften mit dem Schlitten hochfahren, ich musste die 70-prozentige Steigung hochstiefeln. Die letzten zwei Meter habe ich nicht geschafft, mit vereinten Kräften wurde ich hochgezogen.

 

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Das Schönste an der Pause ist, wenn der Wein kommt. Eiserne Regel: Kein Wein ZUM Essen, sondern erst danach. Als Dessert. Als Absacker. Als Muntermacher für die nächsten Rebreihen.

 

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Irgendwann hatte ich Rücken vom vielen Bücken, um an die Trauben zu kommen. Also erfand ich die Bopparder Sitzlese. Das ist bequem und effizient. Von wegen Sitzen ist für den Arsch. Eher eine Art entspannte Yoga-Übung mit sinnvollem Ertrag. Wenn ihr Wein kosten wollt, den ich vielleicht auch mitgelesen habe, müsst ihr Euch noch ein wenig gedulden, bis der 2019er fertig ist. Bestellungen an weine@heiliggrab.de



Du musst wandern – gegen Corona

Geschrieben am um 12:52

Wie Kollege Hintermstoaner zuletzt richtig bemerkte, ist die Wortwahl der Anweisungen, warum man zur Zeit gerade noch das Haus verlassen darf, in Bezug auf die unbedingt notwendige Bewegung an der frischen Luft sehr merkwürdig. Da ist immerzu von Spaziergängen die Rede, nie von Wanderungen. Ich halte die Wortwahl sogar für brandgefährlich, denn historisch gesehen fand der „Spaziergang“, das „Flanieren“ immer im städtischen Umfeld statt. Und genau das ist ja eben unvernünftig. Wenn alle jetzt (auch einzeln und in der Kleinfamilie) im Stadtpark spazieren gehen, ist das einfach Scheiße! Nein, wir müssen raus, raus in die Natur, in die Wälder und wandern.

 

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Ich habe eine Vermutung, warum die Politiker das Wort „Wandern“ scheuen. Weil sie nicht wissen, dass man auch kurze Strecken wandern kann. Für die meisten bedeutet „Wandern“ immer noch eine mehrtägige Wandertour (geht nicht mehr) oder Gruppen-Veranstaltungen mit dem Wanderverein (geht natürlich auch nicht mehr). Aber Wandern bedeutet ganz simpel, raus aus der Stadt zu kommen, sich in zivilisationsferne Gegenden zu begeben. Ich weiß ich habe gut reden, ich wohne im ländlichen Raum, habe es nicht weit bis zur nächsten Wanderung und Fahrradtour. Aber auch in der Nähe von Düsseldorf und Hamburg (nur mal so als Beispiel) kann man hervorragend wandern.

 

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Irritiert hat mich meine Lieblings-Politikerin (keine Ironie) Annegret Kramp-Karrenbauer. In einer Mitteilung der letzten Tage schrieb sie: „… die kommenden Tage und Wochen stellen uns vor bisher unbekannte Herausforderungen. Ich bin mir sicher, wir werden sie bewältigen. Je enger wir zusammenstehen, desto besser kann dies gelingen.“ Eng zusammenstehen, Klammerblues und so? Liebe AKK, das sollte man besser unterlassen.

In der FAZ las ich gestern:„Kretschmann hat erklärt, dass Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen nun verboten seien, außer für Familien und Paare.“ Gut, vier-, fünf–, oder sechsköpige Familien kann ich mir vorstellen. Aber Paare mit vier und mehr Leuten? Mal nachzählen: Ein Paar sind: Eins, zwei. Bin gespannt, auf die ersten fünf Jugendlichen, die sich als EIN Paar ausgeben.

 

 

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Toll finde ich, dass auch Herr Jauch zu Hause bleibt. Aber was macht der gute Mann denn da mit seinen Händen? Ist das ein gut gemeinter Tipp von Onkel Günter, was entnervte Eltern mit ihren Kleinkindern spielen sollen, die nicht mehr auf den Spielplatz dürfen? Der Bi-Ba-Butzemann geht in unserem Haus herum, widdebum? Oder soll der vom Betrachter gesehen linke Arm anzeigen, wie die Kursverläufe in Jauchs Depot VOR der Corona-Krise waren und der rechte Arm die Kursverluste NACH Corona andeuten?

Fazit Stand heute: Zuhause bleiben ist hervorragend, zu Hause bleiben und täglich kurz Wandern (oder Raddfahren) ist noch besser.



Über sieben Autobahnbrücken wirst du gehen

Geschrieben am um 6:23

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Natur, Natur, Natur. Natur pur, so stellen sich die meisten Amateure das Wanderleben vor. Ha, Fehler! Erst die Errungenschaften der Zivilisation machen das Wanderleben rund: Naturfreundehäuser, Waldgaststätten, Gipfelkreuze, Gipfelbücher, Sinnenliegen, Info-Tafeln – alles menschgemachte Errungenschaften, die das Herz des Wanderers erfreuen. Und Autobahnraststätten

 

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Und wenn man das Hohelied des Mittelgebirgswanderns in deutschen Landschaften singt, kann man auch nicht leugnen, dass man in dicht besiedelten Regionen auch ab und an eine Autobahn über- oder unterqueren muss.

 

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Besonders markant die Überquerung der A2 auf dem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Qualitätsweg Hansaweg X9 auf der Etappe von Herford nach Bad Salzuflen. Ich fand das eigentlich sehr schön, entschleunigt über die Brücke zu schlendern, während unten drunter auf Deutschlands meistbefahrener polnischen Autobahn die Automobilisten sich zwischen Kamener Kreuz und Berlin hetzen müssen.

 

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Sehr schön auch die Unterquerung der Autobahnbrücke über dem Lieserpfad. Lieserpfad, habe ich den nicht mal als schönsten Wanderweg der Welt bezeichnet? Nun ja, der Filetabschnitt zwischen Manderscheid und Wittlich ist komplett autobahnbrückenfrei, aber ein paar Kilometer hinter der Quelle muss man eben unter der A1 hindurch. Wobei man betonen muss, dass über diese Brücke gefühlt drei bis vier Autos pro Stunde fahren, weil die A1 immer noch zwischen Kelberg und Blankenheim unterbrochen ist. Auf jeden Fall eine geniale Stelle für ein zünftiges Wander-Picknick

 

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Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, in Sichtweite (oder auch Hörweite) von Autobahnen zu wandern. Auf dem Premiumweg Primstal Panoramaweg ist die A1 (im Saarland ist auf dieser Autobahn mehr los, da fahren bestimmt einundzwanzig bis zweiundzwanzig Autos in der Stunde) immer ein treuer Begleiter.

 

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Im letzten Jahr habe ich südlich von Salzburg auf dem Salzalpensteig die Autobahn A10 Salzburg-Villach in der Nähe von Kuchl gekreuzt (zuerst wollte ich „unterwandert“ schreiben, das hört sich aber so nach V-Mann an). Gar nicht störend, weiß man doch, atmet man doch neben dem LKW-Diesel schon die Luft der Adria und der Alpen.

 

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Absolutes Highlight eines autobahnaffinen Wanderwegs ist die Etappe des Neanderlandsteigs von Mülheim-Selbeck nach Ratingen. Man wandert tatsächlich auf schmalen Pfaden mitten durch das Autobahnkreuz Düsseldorf-Nord, an dem sich A52 und A44 kreuzen. Smells like trucker spirit. Aber irgendwie gut, speziell, außergewöhnlich.



DU! MUSST!! WANDERN!!!

Geschrieben am um 9:11

Beim Titel meines ersten Wanderbuchs „Du musst wandern“ hatte ich bewusst auf Ausrufezeichen verzichtet – ich wollte ja nicht befehlen, sondern heiter ermuntern, sich zu bewegen. Das ist heute anders, DU MUSST WANDERN ist zur Handlungsanweisung geworden. In Pandemie-Zeiten geht es ein wenig unter: Erste Bürgerpflicht ist WANDERN. Schulen, Kitas, Theater, Clubs, Grenzen zu schließen, alles sinnvolle Maßnahmen. Aber natürlich ist – neben dem gründlichen Händewaschen (Dreissig Sekunden!) die Bewegung an der frischen Luft zur Zeit der einzige wirksame Schutz vor dem fiesen Krönchen-Virus. Vorzeige-Virologe Kekulé hat es gestern Abend bei Anne Will (warum gilt nicht auch für politische Talk-Shows ein Versammlungsverbot?) auf den Punkt gebracht: „‚Die ganze Republik jetzt in die Bude einzusperren, dafür gibt es keine medizinische Indikation‘, sagt er. Spaziergänge im Park mit der Familie hält er sogar für vernünftig.“ So war das heute morgen bei Spiegel Online zu lesen.

 

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Was Kekulé vergass zu erwähnen: Auch lange Spaziergänge, Wanderungen genannt, Tagestouren oder Halbtagestouren, ob mit ohne Familie, sind wichtig und können Leben retten. Warum? Erstens: Wandern stärkt das Immunsystem. Wer wandert erhöht die Chance, sich nicht anzustecken. Zweitens: An der frischen Luft haben es die Viren im Gegensatz zu geschlossenen Räumen sehr schwer, sich zu verbreiten. Drittens: Selbst wenn es einen erwischt hat, man aber zuvor viel gewandert ist, ist ein milder Krankheitsverlauf äußerst wahrscheinlich. Deutschland steht weitestgehend still. Nutzt die gewonnene Zeit. Geht WANDERN! Am besten täglich. Viel Spaß dabei und bleibt gesund!

 

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Andrack weinwandert in Heppenheim

Geschrieben am um 6:24

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Weinwandern im kleinsten Anbaugebiet Deutschlands, an der Hessischen Bergstraße. In Heppenheim liegt – think big – das Viniversum, die Vinothek der Genossenschaft Bergsträsser Winzer. Natürlich habe ich mir für meine kurze Wanderung eine Flasche Wein mitgenommen, einen Goldmuskateller 2018, den ich (einen schönen Gruß an alle Ohne-Rucksack-Fans) in meiner Kameratasche verstaut habe.

 

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Um den Hals baumelt ein Probierglas, das ich im Viniversum erstand. Sieht albern aus, aber ein Versuch ist es wert. Das Glas darf nur und ausschließlich auf dem Erlebnispfad Wein & Stein verwendet werden, nach der Wanderung kommt es in die Vitrine zu den anderen 1.687 Probiergläsern.

 

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Erlebnispfad ist nicht gleich Erlebnispfad. Manchmal kann man Spannendes erleben, manchmal kann man erleben, wie sich Langeweile anfühlt.

 

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Nicht langweilig, eher sehr sehr seltsam war die Aromabar. Ein grandioses Training für die Geruchs-Sensorik, denn schon immer wollte ich riechen lernen, wie ein Wein nach Aprikose, Zimt und Gewürznelke duften kann. Für mich riecht Wein meistens nach – Wein. Und die Geruchsproben der Heppenheimer Aromabar riechen nach, nein, nicht Teen Spirit, sondern Klostein. Da nimmt man doch gerne eine volle Nase.

 

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Sehr schön die Skulptur am Wegrand „aus die Laus“. Kein peinliches Herumgerede um Insektenschutz und Umweltverträglichkeit. Nein, Schädlinge schaden dem Wein, dem Winzer, dem Weintrinker, und müssen bekämpft werden, egal ob mit konventionellen, ökologischen oder vorsintflutlichen Mitteln wie einem Speer

 

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Genial auch, dass auf dem Erlebnispfad auch Ferienhäuser zur Verfügung stehen. Platz ist in der kleinsten Hütte, aber in so einem Häuschen kommt sich auch schnell menschlich sehr nahe

 

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Absolut sensationelle Entdeckung: Der Blaue Kölner. Das Mini-Anbaugebiet Hessische Weinstraße ist berühmt dafür, auch seltene Traubensorten zu pflegen und anzupflanzen. Warum also nicht den Blauen Kölner? Ich habe mich übrigens nicht angesprochen gefühlt.



Achtung Sharf

Geschrieben am um 6:27

Save the date – notiert Euch im relativ neuen Jahr schon mal einen Termin. Am 19. + 20. Juni wandere ich im Pirmasenser Land und spiele Andracks Kleine Wandershow. Pirmasens, wo war das denn noch mal? Das ist Westpfalz, südwestliche Ecke von Deutschland. Und dort gibt es einen Haufen neuer Premiumwege zu entdecken, unter anderem den Helmut-Kohl-Weg

 

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Ob der Altkanzler dort wirklich gewandert ist, weiß ich nicht. Klar ist auf jeden Fall, dass die Wanderungen von Kohl weltgeschichtliche Auswirkungen hatten. Wie sähe die Welt heute aus, wenn Birne nicht dem Gorbatschow auf den Waldspaziergängen die DDR abgequatscht hätte? Vielleicht würde dann Gospodin Putin in Erfurt, Magdeburg und Rostock regieren.

Aber jetzt mal im Ernst, der Premiumweg, von dem ich heute erzählen will, hat natürlich einen anderen Namen.

 

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Das Pirmasenser Land liegt eben so weit im Südwesten, dass die Grenze zum ehemaligen Erbfeind sehr nahe ist. Normalerweise denkt man bei Grenzwegen eher an langweilige, schnurgerade Forstpfade. Nicht so bei diesem Spitzenweg. Mitten im Wald schlängelt sich ein schmaler Pfad bergan, bergab, von Felsen begleitet an der Grenze entlang. Historische Grenzsteine belegen, dass die Frontière schon seit Jahrhunderten in der heutigen Form Bestand hat. Einen sehr gut erhaltenen Stein von 1609 habe ich gefunden, der die Grenze zum damaligen Lothringen markiert.

 

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Auf jüngeren Grenzsteinen irritiert auf den ersten Blick, dass zwar auf der einen Seite ein „F“ für France hinein gemeißelt wurde, auf der anderen aber ein „B“. „B“ wie Birmasens oder die Bfalz? Nein, bis 1920 war die Pfalz bayerisches Territorium, sakrakruzifixochamol. Erst musste Bayern die Pfalt abgeben, als nächstes macht sich auch noch Franken selbstständig.

 

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Wenn man auf dem Grenzweg wandelt, sollte man sich nicht über die Geräusche wundern. Keine Sorge, auch das französische Militär weiß, dass die Erbfeindschaft überwunden ist, aber man dachte sich, dass ein so wunderbar abgelegener Wald sehr geeignet für ein Truppenübungsgelände sei. Daher: immer schön auf dem Premiumweg bleiben, sonst Lebensgefhar!

 

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Jetzt aber mal ehrlich, cher amis, muss denn so was sein? Das beschädigt doch die deutsch-französische Freundschaft, wenn ihr noch nicht einmal die simpelsten deutschen Worte richtig schreiben könnt. Wir schreiben ja auch nicht Frongs auf unsere Schilder, wenn wir auf Euer schönes Land mit Baguette und Jeanette hinweisen wollen.

 

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Und der Hinweis „Achtung Sharf“ gehört nur auf die Speisekarte indischer oder chinesischer Spezialitätenrestaurants.



Närrische Rebstöcke in Franken

Geschrieben am um 6:23

Bei meinen bisherigen Weinwanderungen war es üblich, dass ich zu den Weinflaschen gewandert bin. Auf dem Bocksbeutel-Wanderweg ist es üblich, dass die Flaschen selber wandern.

 

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Das ist auch sinnvoll, denn der Bocksbeutel hat in Franken seine Heimat und kennt sich aus. Die Markierung auf der Tour ist doch eher überschaubar und selten so romantisch umrankt wie auf dem Foto.

 

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Es empfiehlt sich daher unbedingt – natürlich nur wenn man kein Bocksbeutel ist – eine Wanderkarte der Region zu erwerben. ATK 25, hört sich an wie ein Schnellfeuergewehr von Heckler und Koch. Trotz Karte habe ich mich allerdings zweimal desaströs verlaufen.

 

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Die Tour startet im Weinort Thüngersheim am Main in der Nähe von Würzburg. Neben der Vinothek der Wintergenossenschaft geht der Weg an einer bemerkenswerten Grundschule vorbei. Der Namensgeber Georg-Anton Urlaub ist entweder mit Farin Urlaub, dem Sänger von „Die Ärzte“ verwandt. Oder ich missverstehe da etwas und es handelt sich um Herrn Anton, Vorname Georg, der die geniale Idee hatte, eine Grundschule zu gründen, die ständig im Urlaub ist.

 

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Im Anbaugebiet Franken arbeiten die klügsten Winzer. Das kann man alleine daran erkennen, dass die fränkischen Weingärtner die Erntemethode revolutioniert haben. Am Main fließt der Rebsaft direkt von der Traube in die Flasche, nur noch Korken drauf, fertig! Einfach, aber genial.

 

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Was einem Rheinländer wie mir in den letzten Jahrzehnten komplett entgangen ist: Der Franke ist total närrisch. So närrisch, dass sogar die Rebstöcke Narrenkappe tragen.

 

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Ich bin nach Veitshöchheim gewandert, das ist so etwas wie Mainz, Köln und Düsseldorf zusammen für die fränkische Fastnacht. In Veitshöchheim wird jedes Jahr eine (sehr lustige) Sitzung live vom BR ausgestrahlt, das ist die erfolgreichste Sendung des Bayerischen Rundfunks im gesamten Jahr.

 

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Daher treiben sich in Veitshöchheim jedes Jahr äußerst dubiose Menschen herum. Franken – Helau, Oberpfalz – Helau, Veitshöchheim – Helau!

 

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Wanderwitz

Geschrieben am um 6:23

In den thüringischen Februar-Wirren wurde ein Politiker an die Öffentlichkeit gespült, den bislang kaum jemand auf der Rechnung hatte: Der neue Ostbeauftragte (wieso gibt es eigentlich keinen West-Beauftragten? – es gibt ja auch Süd-Beauftragte, man nennt das CSU) der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung also ist Marco Wanderwitz. Nachname Wanderwitz, kein Scherz. Seitdem er also nun zweiter Ost-Beauftragter nach Angela Merkel ist, schickt mir Marco, ein wirklich feiner Kerl, jeden Tag einen Wanderwitz. Hier die besten der letzten Tage:

Ein schwäbisches Ehepaar wandert durch die Alpen und fällt in eine Gletscherspalte. Am nächsten Tag hören sie eine Stimme von oben rufen: „Hallo, hier ist das Rote Kreuz!“ Darauf ruft der Schwabe zurück: „Mir gäbet nix!

 

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Gar nicht mal sooo schlecht. Hier der nächste Wanderwitz:

„Spielst Du eine Wandergitarre?“ – „Nee, wieso?“ – „Das ist Musik zum Weglaufen!“

Na ja, eher die Abteilung Wortspielhölle.

 

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Was passiert, wenn eine Blondine von Deutschland nach Österreich wandert? In beiden Ländern steigt der durchschnittliche IQ.

Für einen Blondinenwitz gar nicht so schlecht. Einen Wanderwitz hau ich noch raus …

Zwei Wanderer stehen plötzlich einem riesigen Bären gegenüber. Ruckizucki reißt sich der eine die Stiefel von den Füssen, holt seine Turnschuhe aus dem Rucksack und zieht sie an. „Was soll das denn?“ fragt sein Begleiter, „mit Turnschuhen bist Du auch nicht schneller als der Bär.“ – „Ja und, Hauptsache ich bin schneller als du.“

Der kurze Wanderwitz zum Schluss:

Wie hieß der berühmteste chinesische Wanderer? Ging Hang Lang

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Als Zugabe noch mein Lieblings-Wanderwitz, den ich schon auf vielen Veranstaltungen zum Besten gegeben habe. Diesmal in Reimform, Büttentauglich gemacht für mein Buchprojekt „Mein Jahr als Narr“

Drei Männer, drei Freunde, die haben nen Plan

„Wir wandern auf dem Rheinsteig, geradeaus und bergan!“

Die erste Etappe ist beschwerlich, alle drei sind froh

als sie ihre Unterkunft beziehen, ein Hotel mit Niveau

Sie trinken viele Biere, sie stoßen immer wieder an

Sie sind schon reichlich hinüber, da haben sie einen Plan

Wir grüßen jetzt mal unsere Frauen, am besten per SMS

Alle schreiben das Gleiche – das ist ganz schön kess.

„Wär ich ein Vöglein, flög ich zu Dir

Weil ich ein Wanderer bin, vögel ich hier“

Der nächste Tag beim Frühstück, es summt das erste Telefon

Die Ehefrau Nummer Eins schickt ihre Nachricht schon.

„Schon zu Hause warst Du immer ein Schwein,

auch als Wanderer lässt Du die Schweinereien nicht sein“

Zur Mittagsrast vibriert das zweite Handy

Die nächste Ehefrau schreibt zurück – es ist die Mandy:

„Von Deiner SMS glaub ich kein Wort,

Du konntest schon hier nicht – geschweige denn dort“

Spät am Abend, die zweite Etappe ist bereits gerannt

erhält der dritte Wanderer eine SMS, die ist brisant:

„Weil Du kein Vöglein bist, bist Du ein Wanderer,

sei ganz unbesorgt, mich vögelt ein anderer.“



Winterwanderfundstücke

Geschrieben am um 6:23

Gegen die Überschrift ‚Winterwanderfundstücke‘ könnte man einwenden, dass man schlecht Winterwanderfundstücke präsentieren kann, wenn es gar keinen Winter gab. Schnickschnack. Erstens kann der Winter ja noch kommen, im April oder Mai, habt doch mal Geduld. Und zweitens heißt die Jahreszeit vor und nach der Jahreswende eben auch Winter, wenn es sehr heiß ist.

 

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Am tollen und extrem abwechslungsreichen Premiumspazierwanderweg „Fasanenjagd“ in Zweibrücken habe ich eine sehr exotische Pflanze gefunden. Die Kletterrose Dortmund verströmt einen betörenden Duft nach Hochofen und Stadionwurst und blüht in den herrlichsten gelb-schwarzen Farben. Leider habe ich die Rosenarten Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel nicht gesichtet.

 

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Bei der gleichen Wanderung habe ich die erste Outdoor-Galerie der Pfalz gesehen. Die Hängung ist etwas lieblos, aber die Idee absolut ausbaufähig. Nicht Kunst am Bau, sondern Kunst in der Natur.

 

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Auf der Sauerland-Waldroute in der Nähe von Marsberg (diese Tour beschreibe ich ausführlich im nächsten Wunderbar-Wanderbar-Heft von NRW Busse und Bahnen) habe ich die größte Wetterhütte der Region gesehen. Wer als Wanderführer mit 150 oder 200 Wanderern unterwegs ist, findet dort problemlos wettergeschützt Unterschlupf.

 

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Die Zeit vor den Jahren, zwischen den Jahren und nach den Jahren bietet nicht nur Zeit für Heimeligkeit, Besinnlichkeit und Glühwein. Man kommt auch endlich dazu, ordentlich aufzuräumen, die Steuer zu machen, so Sachen eben. Beim Aufräumen ist mir das legendäre Pfälzer Hüttenquartett in die Hände gefallen. Bekanntlich verfügt der Pfälzer Waldverein über außerordentlich zahlreiche und vorbildlich geführte Wanderhütten. Was das Netz der Hütten angeht, kann selbst der Alpenverein nicht mithalten. Meine Lieblingskategorie (nach „Anzahl der Weine“ und „Meter zum nächsten Parkplatz“ – ganz entscheidend für Wanderer) des Quartetts ist „Leberknödeldurchmesser“. „Leberknödeldurchmesser“, ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Mjam, mjam, mjam.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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