Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 07:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

DSCF9929

 

Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

DSCF9931

 

Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

DSCF9933

 

Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

DSCF9942



95, die Zweite

Geschrieben am um 07:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

IMG_2186

 

Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

IMG_2199

 

…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

IMG_2200

 

…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

IMG_2204

 

… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

IMG_2217

 

… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 06:17

“95” ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die “95” mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

IMG_2185

 

Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die “95”

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

IMG_2195
… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: “Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern”, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil III

Geschrieben am um 06:16

Heute dritter und letzter Teil meiner Neanderlandsteig-Trilogie. Nicht ganz so dramatisch wie Winnetou III, ich gebe es zu. Mein Scheitern habe ich ja schon letzte Woche ausgiebig gefeiert. Aber nun gilt es die Leistung einer der der größten Wandersportler aller Zeiten zu feiern. Thorsten the Hoyer. Unglaublich dieser Mann. Er möchte nicht “Extremwanderer” genannt werden. Klar, ist ja auch alles im normalen Bereich, was der Bursche abflaniert. Nennen wir ihn also: “Giga-Wanderer”

 

DSCF9764

 

Aber selbst Giga-Wanderer müssen mal pumpen. Wie hier, sechs Kilometer vor dem Ziel in Erkrath. 232 Kilometer geschafft, da tun die Beine weh. Hinsetzen mochte sich Hoyer nicht, das wäre tödlich gewesen. Also weiter, quäl Dich Du Sau…

 

DSCF9767

 

Hier Hoyer (rechts) auf den letzten Metern. Neben ihm (links) Marion. Marion ist nun wirklich eine Extrem-Wandererin, nach sieben 200-Kilometer-Märschen, unzähligen 100-Kilometer-Märschen, nach vielen Schwächephasen (normalerweise “wandert” sie am liebsten auf Asphalt) hat sie sich immer auf Hoyers Fersen geheftet und auch die 238 Kilometer gemeistert. Respekt!

 

DSCF9775

 

Und dann hat er ihn, den WM-Pokal!!! Ach so, doch nur ein Hefeweizen. Aber das war auf der Strecke immer Hoyers Hauptproblem. Kondition? Alles fit! Tun die Beine weh? Ach wo! Und was ist mit der Unterhopfung? Keine Ironie in Hoyers Blick: Mein wirklich größtes Problem…

 

DSCF9792

 

Und dann gab es noch die “Trophy”. Die offizielle Er-hat-tatsächlich-die-verdammten-238-Kilometer-geschafft-Trophäe. Das war leider nicht eingraviert. Sondern die Umrisse des italienischen Stiefels, so der gar nicht so schlechte Witz des stellvertretenden Landrats, der die Trophäe an Thorsten Hoyer übergab. Nein, es sind natürlich die Umrisse des Neanderlands, die komplette Wegstrecke, die Hoyer gemeistert hat. Ein Wander-Weltrekord im Kreis Mettmann. Ich verneige mich …



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil II

Geschrieben am um 07:11

Thorsten Hoyer war 238 Kilometer nonstop auf dem Neanderlandsteig unterwegs. Da konnte ich den Armen ja nicht komplett alleine lassen. Die Älteren unter Euch werden sich wahrscheinlich noch an meine 82 Kilometer-Wanderung mit Hoyer im Westerwald erinnern. Ausführlich dokumentiert in meinem letzten Wanderbuch. Mein Fazit damals: Na ja, 82 Kilometer sind eigentlich Kindergeburtstag, auf jeden Fall hatte ich danach keine Blase, keine Muskel- und Gelenkschmerzen. Aaaaber, die Nacht durchwandern ist für mich ein totales No Go. Also machte ich im letzten Absatz des Hoyer-Kapitels den kühnen Vorschlag: So eine Strecke könnte man ja auch an einem der längsten Tage des Jahres im Hellen wandern, ohne auf Hoyers blöde Stirnlampe angewiesen zu sein. Und ein neuer Rekord müsste doch eigentlich her, also sollte ich mindestens 83 Kilometer schaffen…

 

Und so startete ich am Samstag, 13. Juni, um 4:00 in der Dämmerung in Velbert, stoße zu Hoyer, der schon 88 Kilometer und eine durchwanderte Nacht in den Beinen hat. Ich mache für Hoyer ein wenig den Hasen, die Tempo-Lokomotive, ich bin ja noch frisch. Nur ein kleiner Schauer bei Kilometer 33 (dokumentiert durch Hoyers kreatives Regenjacken-Arrangement im letzten Blogeintrag) als Hindernis war zu verzeichnen. Na und? Und bei Kilometer 49 dann noch ein erfrischende Taufe…

 

DSCF9740

 

… mit Düsselwasser. Info für alle Nörgler und Zweifler: Hat gar nicht weh getan. Genau so wenig, wie ein Altbier zu trinken. Nur alte Männer wie Pur-Sänger Campino pflegen noch diese ranzige Köln-Düsseldorf-Rivalität. Aber irgendetwas scheint mit diesem Düsselwasser doch nicht gestimmt zu haben. Denn ab Kilometer 53, ab Gruiten Bahnhof, habe ich massiv angefangen zu schwächeln. Kondition war in Ordnung, aber jeder Schritt hat geschmerzt. Denn: Wie ein totaler Wanderdilettant habe ich für diese Mörder-Tour keine Ersatz-Socken und keine Blasenpflaster mitgenommen. Aaaaaarghhh! Erst haben mir die noch vom Schauer nassen Socken die Blasen beschert, die ohne Blasenpflaster sich mit jedem Schritt zu Kopfkissengröße aufpumpten. Was soll ich sagen, bei 64 Kilometer war Schluss mit lustig…

 

DSCF9757

 

Und wenn man denkt, die Blamage, die Erniedrigung könnte nicht größer gewesen sein, wartet dann noch ein Neanderlandsteig-Besenwagen, in den man wie ein willenloser Ork einsteigt, und Foto-Opfer von irgendwelchen Leser-Reportern wird. Peinlich.

 

DSCF9749

 

Nun ja, zuletzt hat Harald Martenstein im ZEIT Magazin eine schönen Satz zitiert: “Von Deinen Erfolgen wollen nur Deine Eltern etwas hören, alle anderen interessieren sich für Deine Misserfolge.”



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil I

Geschrieben am um 07:23

Heute starte ich eine Trilogie: Drei Blogeinträge über ein einmaliges Experiment. Eine Trilogie, die vom Spannungsfaktor knapp an „Winnetou I – III“ und an „Die Wanderhure teil 1 – 3“ heranreicht. Es geht um das Experiment: Schafft es mein Wanderkumpel Thorsten Hoyer, die 238 Kilometer auf dem Neanderlandsteig Non-Stop zu gehen? Ohne Schlaf, nur kurze Pausen. Um es vorwegzunehmen: Er hat es geschafft. So sah er zum Start aus…

 

DSCF9762
… unternehmungslustig nimmt er noch einen aufmunternden Schluck und freut sich auf die 226 Kilometer, die vor ihm liegen …

Und hier am Ende der Tour: Ausgepumpt, am Ende der Kräfte, hofft er das im Outback des Kreises Mettmann irgendwann noch mal ein Bus kommt …

 

DSCF9723
In Wirklichkeit war es genau umgekehrt. Kurz nach dem Start hat sich Thorsten kurz hingesetzt, am Ende der Strecke, nach 57 Stunden, musste er alle paar Meter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Ich bin einige Kilometer an der Seite von Thorsten gewandert (dazu nächste Woche mehr), daher konnte ich beobachten, dass er mindestens 200 Kilometer ein absolut vorbildlicher Wanderprofi war…

 

DSCF9725

 

Er ging voran, hatte eine beeindruckende Tempokonstanz. Thorsten nahm immer wieder die Hände hoch an den Rucksackgurt, um nicht dicke Finger (wegen des Blutstaus) zu bekommen, etwas, dass mir bei längeren Wanderungen immer wieder passiert. Außerdem hatte er seine blaues Handtuch immer griffbereit, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Das Beste aber: Zogen sich bei unserer Wanderung mal die Wolken zusammen, konnte er immer exakt das Wetter prognostizieren. “Das wird schon nicht regnen…”

 

DSCF9730

 

… na ja, nicht jeder ist ein Kachelmann. Übrigens ist weder der Reißverschluss seiner Regenjacke kaputt gewesen, noch ist seine Jacke im Regen geschrumpft, nein – Hoyer ist eben ein Meister seines Fachs – er hat mit der Regenjacke zugleich seinen Rucksack bedeckt.

 

DSCF9748

 

Aber nicht für diesen Trick gibt es hier Applaus, sondern für die 150, die 150 Kilometer, die Hoyer zu diesem Zeitpunkt erreicht hatte. Mangels Arena-Publikum klatschten die Mitwanderer. Und was ich mir vorgenommen hatte auf dem Neanderlandsteig, davon berichte ich nächste Woche …

 



Der schönste Rastplatz der Welt

Geschrieben am um 06:04

Was ist noch mal das Schönste am Wandern? Die Bewegung an der frischen Luft? Das Naturerlebnis? Das Belohnungsbier? Nun, ich denke, von allem ein bisschen, aber das Entscheidende an der Wanderlust ist doch, dass man bei den meisten Wanderungen immer etwas Neues erlebt. Allerdings ist “neu” auch relativ, Denn nach unzähligen Burgruinen, idyllischen Bachläufen und schnuckeligen Fachwerkhäusern braucht auch der größte Wander-Romantiker mal etwas Abwechslung – voila…

 

DSCF9556
… ein ästethisches Meisterwerk, eine überragende Ingenieur-Meister-Leistung, ein Bauwerk für die Ewigkeit – die Autobahnbrücke über die Lieser, die A1 von Saarbrücken (in 300 Jahren vielleicht auch durchgehend) nach Puttgarden. Und unter diesem gigantischen Monument deutscher Autobahnkunst hindurch wanderte ich am Vatertag auf dem Lieserpfad.

 

DSCF9545

 

Wenn ich “Lieserpfad” höre, denke ich natürlich wie die meisten Eifelwanderer an den spektakulären Abschnitt dieses Wanderwegs von Daun nach Wittlich über Manderscheid. Dereinst schwärmte ich daher vom Lieserpfad als “schönstem Wanderweg der Welt”. Aber nun gibt es einen durchgehend markierten Lieserpfad von der Quelle in Boxberg bis zur Mündung in Lieser an der Mosel. Auf dem ersten Abschnitt gibt es tolle Wiesenwege mit weiten Blicken in’s Tal, die Lieser ist eher noch ein Lieserchen und es gibt eben jene spektakuläre Autobahnbrückenunterquerung. Die ist so spekatakulär, dass extra ein Rastplatz mit sage und schreibe drei Sinnenbänken eingerichtet wurde.

 

DSCF9554

 

Auf dem Rastplatz hatten sich einige Väter breit gemacht, die manche Stubbi aus dem Kreis Bitburg vernichtet haben. Mir wurde zwar ein Bier angeboten, aber ich bieb hart – kein Bier unter der Brücke, das hatte ich mir dereinst geschworen, denn mit dem ersten Bier unter der Brücke hat schon so mancher menschliche Absturz in die Gosse begonnen. Bei einem anderen Rastplatz am Lieserpfad habe ich mich erst etwas gewundert:

 

DSCF9543

 

Wofür ist dieser Tisch gedacht? Zum Abstellen der Getränke, okay. Aber wie lange Arme braucht man denn bitte schön, um von der Sinnenliege aus die Kaltgetränke auf dem Holztisch zu erreichen? Vielleicht kann man den Tisch ja in Zukunft etwas an die Sitzmöbel heran rücken, damit nicht die Väter am Vatertag von der Liege rollen und für immer am Lieserpfad liegen bleiben müssen.



Wandern ist eine gute Möglichkeit, zu denken

Geschrieben am um 07:53

Vorgestern blätterte ich im Feuilleton der FAZ und blieb an dieser Überschrift hängen:

 

DSCF9641
“Wandern ist eine gute Möglichkeit, zu denken”. Genau, das sage ich doch schon seit Jahrzehnten. Von wegen den Kopf LEER wandern, man wandert ihn VOLL, denn wie die griechischen Philosophen in ihren Wandelhallen philosophierten, so kann man auch beim Wandern durch Wald und Flur auf die tollsten Ideen kommt. Findet auch “Wanderkünstler” Richard Long, der kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag feierte. “Wanderkünstler”, tolle Berufsbezeichung. Ich dachte immer, “Wanderkünstler” seien die Leute, die mit der Staffelei unter dem Arm durch die Fußgängerzonen der Republik ziehen und dort wehrlose Kinder proträtieren. Oder sind “Wanderkünstler” die Künstler, die auch gerne wandern, so wie Markazero??? Nein, es gibt wohl waschechte “Wanderkünstler” wie eben Richard Long, der, nomen est omen, ganz schön lange Strecken für seine Wanderkunstskulpturen gegangen ist. Zum Beispiel ist er mal 1.000 Meilen in 1.000 Stunden gewandert. Und er ist dabei nicht auf Wanderwegen unterwegs gewesen, sondern auf einem von ihm vorbestimmten Muster. Aber bitte schön Herr Long, 1.000 Meilen in 1.000 Stunden, was ist denn das für eine WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit)? Da fallen einem ja die Füße ab vor Langeweile.

 

DSCF9644

 

Apropos Füße: Noch eine Frage Herr Long: Wenn sie doch so gerne wandernd Kunst machen, wieso tragen Sie dann auf dem Foto in der FAZ ein T-Shirt mit einer Hand drauf? Das hat meines Erachtens weder Hand noch Fuß.

 

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag nachträglich, lieber Wanderkünstler Richard



Auf der Garten-Wellness-Runde

Geschrieben am um 07:06

Die Traumschleifen-Dichte im näheren Umkreis des Stausees von Losheim ist wahrscheinlich weltweit unerreicht. Ein richtiger Wohlfühlweg ist vor nicht allzu langer Zeit dazu gekommen: Die Garten-Wellness-Runde (auf französisch: jardins et bien-etre)

 

IMG_1842

 

Es geht direkt am Festivalgelände des Losheimer Sees los, man muss durch ein Eingangsportal schreiten. Durch Türen kann man gehen, aber durch ein Portal muss man schreiten. Ich habe mich immer gefragr, warum diese Wanderportale so schrecklich hoch, und vor allem so schrecklich breit sein müssen. Im Falle der Garten-Wellness-Runde fällt die Antwort leicht: Dieser Premiumweg hat mit sechs Kilometern und 80 Höhenmetern genau die richtigen Wohlfühlmasse, um auch für sehr hohe und sehr breite Wanderer gehbar zu sein. Denn durch dieses Portal würde eben auch Rainer Calmund zusammen mit Sigmar Gabriel passen…

 

IMG_1849

 

Ob allerdings der Ex-Manager von Leverkusen und der zukünftige Bundeskanzler auf dem hübschen Steg über den Metzenbach balancieren könnten und ob jener Steg auch mit Stahlträgern verstärkt ist, das bezweifle ich sehr. Ich finde es aber klasse, welche unterschiedlichen Geh-Erlebnisse die Garten-Wellness-Runde bereit hält. Stege, sehr schmale Pfade, ziemlich schmale Pfade, mit und ohne Wurzeln, Baumstammscheiben als Trittsteine, breitere Wege, mal als Wiesenweg, mal als Forstweg…

Beeindruckend wie diese kurze Traumschleife alles an Abwechslung bereit hält, wovon der Wanderer träumt.

 

IMG_1858

 

Apropos Wanderertraum: Dazu gehört, sagen die Wanderglücksforscher, ganz unbedingt: Wasser. Neben dem Metzenbach kann da die Garten-Wellness-Runde natürlich gehörig mit dem Losheimer See punkten. Im wogenden Schilf habe ich, meine ich, glaube ich, könnte sein, ein Weidenkörbchen gesehen. Der saarländische Moses? Wenn man am See entlang geht, ist das Wasser so nah, dass man glaubt, mit einem Bein im Wasser zu stehen.

 

IMG_1851

 

Mit beiden Beinen im Wasser steht man defintiv, wenn man sich in der Kneippanlage am Wegesrand vergnügt. Kneippen hat ja mancherorts ein etwas verstaubtes Image, aber wenn man diese blitzende Highttech-Kneippanlage sieht, möchte man ja am liebsten nicht nur mit den Beinen, sondern mit dem ganzen Körper kneippen. Das könnte ein neuer Trend werden: FKK-Kneippen.

 

IMG_1861

 

Einen Großteil der Strecke verläuft der GW parallel zu zwei anderen Premiumwegen, so dass man sich aussuchen kann: Möchte ich – erstens – auf der Tafeltour laufen, und in der Gastronomie von Losheim schlemmen? Oder möchte ich – zweitens – auf dem Saar-Hunsrück-Steig weiter wandern, komplett bis nach Perl an der Obermosel oder in der anderen Richtung nach Boppard an den Rhein? Dann würde man zu den Harten gehören, denn nur die kommen sprichwörtlich in den Garten. Oder entscheidet man sich – drittens – für unsere Garten-Wellness-Runde, dann hat man beides: Garten und lukullische Genüsse am See. Entscheidet selber…



Der Wandermeister und die Königinnen

Geschrieben am um 08:02

Am 1. Mai bin ich in Mülheim-Kärlich auf dem Streuobstwiesenweg gewandert. Die Wanderung war umrahmt von einem zünftigen Maifest mit nahezu allen Vereinen, die der Ort – gegenüber von Neuwied gelegen – aufzubieten hat. Bevor es losging, war ich sehr gerührt. Da hatte doch der kleine Paul ein großartiges Bild für mich gemalt. Und für Paul war ich der “Wandermeister”, wunderbar.

 

DSCF9464

 

In den letzten Jahren habe ich unzählige Etiketten angeheftet bekommen: Wander-Experte, Wanderprofi, Wanderguru (ich kann nicht schweben), Wanderpapst (auch Quatsch, weder werde ich jemals zurück treten, noch wasche ich anderen Wanderern permanent die Füße), Wanderfachmann. Aber “Wandermeister”, da muss man erst mal drauf kommen, danke Paul!

 

DSCF9469

 

Dann ging es an Unmengen von Kirsch- und Apfelbäumen entlang, die gerade noch so in ihrer letzter Blüte standen. Aber das eigentliche Highlight des Tages sollte nicht die üppige Flora sein, sondern die üppige… Nein, ich muss das anders formulieren. ich hatte das Vergnügen, nach der Wanderung neben dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm, dem Ortsbürgermeister von Mülheim-Kärlich, dem Ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Weißenthurm, dem Vorsitzender der Kirmes & Karnevalsgesellschaft “Vergnügt 1920″ Kärlich e.V. und dem Vertreter der Ortsbauernschaft die alte Kirschblütenkönigin Nadine zu verabschieden und die neue Kirschblütenkönigin Franziska zu begrüssen.

 

DSCF9471

 

Eine Karnevalsgesellschaft “Vergnügt 1920″ zu nennen hat mich irritiert. Waren die nur 1920 vergnügt oder existieren permanent 1.920 super-vergnügte Mitglieder? Aber das war noch nicht alles. Zum Gruppenbild kamen dann auch noch die Ex-Kirschblütenköniginnen Anke (ganz links) und Linda (ganz rechts, mit der rut-wiessen Schärpe) dazu und sogar die erst Holunderblütenkönigin Andrea I. (zweite von links). Damit verfügt Mülheim-Kärlich wahrscheinlich über eine höhere Königinnendichte als das englische Königshaus. Ich kann mich nur vor allen Majestäten verneigen…

 

DSCF9475


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2015 Manuel Andrack.