Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mein Freund Lurchi stirbt

Geschrieben am um 14:33

Als Kindergartenkind hatte ich einen imaginären Kumpel: den Feuersalamander Lurchi, der immer gut zu Fuß war. In dieser Zeit war ich (noch) ein Einzelkind, aber auf den Wanderungen mit meinen Eltern hatte ich immer jemanden dabei, der neben mir ging, mit dem ich mich unterhielt, der mit mir spielte – Lurchi. Ein wenig schrullig, ich weiß. Aber vielleicht ist es ja der Feuersalamander mit den ledernen Halbschuhen gewesen, der mich schon als Kind für das Wandern begeistert hat. Lurchi war einfach der Beste!

Ich habe vor kurzem lange mit Professor Ziemek, Biologe von der Justus-Liebig-Universität Gießen telefoniert. Nach dem Telefonat wusste ich, dass es sehr schlecht um die Feuersalamander in Europa steht. Die Fakten: Wahrscheinlich wurde aus Südostasien ein Hautpilz eingeschleppt, dieser Molch-Killer wird kurz Bsal genannt. Bsal ist unheilbar, wenn ein Feuersalamander befallen wird, wird er von dem Hautpilz quasi perforiert, durchlöchert und stirbt innerhalb von wenigen Tagen. In Belgien ist der Feuersalamander schon ausgestorben, jetzt greift die Tierseuche auf Deutschland über.

Normalerweise ist es eine Seltenheit, als Wanderer einen Feuersalamander zu sichten, denn das Tier ist nachtaktiv und gut darin, sich zu verstecken. Bei einer Wanderung auf dem Bad Uracher Wasserfallsteig vor sieben Jahren (auf dem Weg vom Parkplatz zum unteren Einstieg am Wasserfall) habe ich einen Feuersalamander am Wegrand gesehen. Richtig fit schien der nicht zu sein. Aber ich habe mir die Fotos noch einmal angesehen und da sieht das kleine, flinke Tier doch sehr lebendig aus, und die für Bsal typischen Merkmale (pockenartige Geschwülste) kann ich nicht erkennen. Aber ich bin ja auch kein Fachmann.

Professor Ziemek hat mir erzählt, dass er im letzten Jahr mit seinem Team von der Uni Giessen eine Wanderung an der Wupper zwischen Solingen und Remscheid gemacht hat. Die Gegend ist an dieser Stelle gut mit Wanderwegen bestückt, die berühmte Müngstener Brücke spannt sich über das Wuppertal. Während ihres Ausflugs entdeckten Ziemek und seine Mitstreiter viele tote Tiere – insgesamt sage und schreibe 87 tote Feuersalamander, allesamt verendet an dem schrecklichen Hautpilz.

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Aber kann man denn gar nichts machen, habe ich Professor Ziemek gefragt. Gegen die Krankheit selber kann man nichts ausrichten.
Aaaber: Gerade die Menschen, die viel im Wald unterwegs sind, können etwas tun: Forstarbeiter, Jäger und natürlich alle Wanderer.
Zum ersten können wir den Biologen helfen, ihr Wissen auf eine solide Basis zu stellen. Denn die Kartierung der Feuersalamander-Bestände steckt in den Kinderschuhen. Die Wissenschaftler brauchen mehr Fakten, wo die Feuersalamander leben und vor allem wo sich die Seuche schon ausgebreitet hat. Also, ein klarer Auftrag an uns Wanderer: Wer einen toten Feuersalamander sieht, bitte in eine Plastiktüte einpacken und sofort einfrieren. Und dann auf der Homepage www.feuersalamander-hessen.de melden.

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Zum zweiten können alle Wanderer helfen, dass die Seuche sich nicht weiterverbreitet. Die Sporen des fiesen Hautpilz Bsal sind nämlich äußerst widerstandsfähig und überdauern jahrelange im Waldboden. Alle Wanderer lieben es, nicht nur die nähere Heimat, sondern auch andere Mittelgebirgsregionen zu entdecken. Und dann wandern wir also in der Eifel, in der Sächsischen Schweiz, im Elsass. Und wir merken gar nicht, dass wir vielleicht entweder den Bsal-verseuchten Waldboden unter unseren Schuhen in die Heimat bringen oder aber – wenn die Seuche schon vor der Haustür wütet – kontaminierten Waldboden in andere Landschaften exportieren. Denn auf der Karte von Professor Ziemek habe ich gesehen, dass es in Baden-Württemberg sehr viele Feuersalamander gibt. Daher die Bitte: Vor und nach einer Wanderung außerhalb der heimatlichen Gefilde bitte Schuhsohlen gut reinigen. Eventuell sogar mit Ethanol einsprühen. Oder im Heizungskeller in die Wärme stellen. Dann hat Bsal keine Chance, aber die Feuersalamander in Deutschland haben vielleicht eine.

Mein Freund Lurchi stirbt, das ist todtraurig. Wir Wanderer können wenig tun, aber wir können etwas tun. Helft bitte alle, dass der Feuersalamander nicht ausstirbt.

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Auf dem Holzweg in Bayern

Geschrieben am um 6:23

Glaubt bitte nicht, dass ich ausschließlich in den deutschen Mittelgebirgen wandere. Hach! Nein, ab und an verirre ich mich auch in den alpinen Raum, genieße aber auch dort die (manchmal trügerische) Sicherheit der vertrauten Premiumwege.

 

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Daher verließ ich mich bei einer Wandertour, die ich mit einer kleinen Gruppe geplant hatte, auf die Markierung des Alpenpfades Leitzachtaler Bergblicke in der Nähe des Schliersees. Wenn man sich das Foto anschaut, waren Bergblicke wegen der Großwetterlage unmöglich, aber man kann so einen Weg ja auch nicht ständig umbenennen – Leitzachtaler Nebelblicke oder Leitzachtaler Wolkenblicke vielleicht.

 

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Auf jeden Fall macht es immer einen extrem unsouveränen Eindruck, wenn man sich mit einer Wandergruppe schon auf den ersten Metern verläuft. Und dann noch in einem Sägewerk! Da liegen die blöden Sprüche nah – „Da sind wir wohl auf dem Holzweg, har, har, har“

 

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Zur Strafe für alle Mitwanderer, die so laut wie Kater Carlo „Har, har, har“ gelacht hatten, zog ich das Tempo merklich an und wir sprinteten auf den Kalvarienberg von Fischbachau. Im Nebel dachte ich zuerst, wir würden Zeuge eines leibhaftigen Passionsspiels, aber die drei Jungs am Kreuz waren doch nur naturalistisch ausgearbeitete Skulpturen

 

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Eine weitere bemerkenswerte Kultstätte bayerischer Volksfrömmigkeit ist der Wallfahrtsort Birkenstein. Maria ist der Superstar dieser heiligen Stätte. Das monumentale Andachtsbild verdeutlicht sehr schön, was unter dem Begriff „Bedeutungsperspektive“ zu verstehen ist.

 

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Auf dem Rückweg nach Fischbachau (herrliche Schlusseinkehr im Klosterstüberl mit Augustiner vom Fass, ein Fest!) folgt man auf schmalen Pfaden dem Flusslauf der Leitzach. Das muss ich zugeben: Eigentlich ist dieser Alpenpfad dann doch ein Mittelgebirgsweg, denn hinauf in die Berge geht es nicht, das Hochgebirge ist Kulisse.

 

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Aber, und das ist der Punkt, diese Berge hatten sich an diesem feuchten Wandertag versteckt. Ich hatte alpines Flair gesucht, aber da war ich wohl auch auf dem Holzweg gewesen.



Mit dem Schwarzwaldverein auf dem Kaiserstuhlpfad

Geschrieben am um 6:23

Es gab für mich drei Gründe, den Kaiserstuhlpfad Ende September mit dem Schwarzwaldverein zu erwandern:

Erstens wurde der Kaiserstuhlpfad 2019 Zweiter. Silbermedaille als Deutschlands schönster Wanderweg, muss man gegangen sein.

Zweitens hatte ich Andreas vom Schwarzwaldverein Ortsgruppe Lahr versprochen, mal eine Wanderung mit seiner Truppe zu machen, nachdem er mich letztes Jahr in seinen Verein gelockt hatte (siehe Blog vom 8. November 2019)

Drittens ist der Kaiserstuhl ein begnadetes Weinanbaugebiet und war daher prädestiniert für meine badische Weinwanderung 2020.

 

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Schon ein Blick aus dem Zugfenster verriet, eigentlich ist der Kaiserstuhl ziemlich überschaubar. Als eines der kleinsten Mittelgebirge Deutschlands erhebt es sich zwischen Freiburg und Elsass aus der Rheinebene.

 

 

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Andreas, der Inspektor Columbo des Schwarzwaldvereins, hatte sich für unsere Wandertour in Schale geworfen. Perfektes Branding nennt man das, ein Hoch auf die rote Raute. Ganz schön praktisch, wenn der Wanderführer sozusagen eine wandelnde Markierung ist.

 

 

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Es war schon beeindruckend, dass der Schwarzwaldverein Lahr anscheinend sehr berühmte Mitglieder hat. Ralph Fiennes konnte ich zu einem gemeinsamen Selfie überreden. Der englische Patient und Lord Voldemort, der auch in Schindlers Liste und Quiz-Show Hauptrollen hatte, ist ein begeisterter Wanderer. Wer hätte das gedacht.

 

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Sehr spektakulär sind die Lösshohlwege des Kaiserstuhlpfads. Ich dachte zunächst, als ich davon hörte, nun ja, was soll schon sein, das sind halt Hohlwege, haste einen gesehen, haste alle gesehen.

 

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Mitnichten, diese Hohlwege haben sich so tief in den weichen Löss eingegraben, dass man eher von Hohlschluchten sprechen müsste. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.

 

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Auf jeden Fall ist der Kaiserstuhl eine Region, in der man auf eine gewisse Ordnung achtet. Denn wo käme man da hin, wenn jede oder jeder einfach jedes Loch betreten würde, so, wie er gerade lustig ist. Dann doch lieber ein Lochbetretungsverbotsschild. An das ich mich natürlich gehalten habe.

 

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Ach ja, Thema Wein. Andreas hatte die Tour (immerhin 22,3 Kilometer über 703 Höhenmeter) mit steilsten Rampen hinauf zu den drei höchsten Gipfeln, (Serpentinen oder Stufen sind im Kaiserstuhl noch nicht erfunden worden) wirklich vorbildlich geplant. Er hatte acht Flaschen Wein aus vier Weinorten der Region dabei, die sich wunderbar auf die sechzehn Wanderer verteilten. Unter anderem die Oberbergener Baßgeige. Oberbergen, richtig, dort hat auch unser DFB-Präsident Fritz Keller sein Weingut.

 

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Und wegen des vielen Weines war es der Wandertruppe auch gar nicht peinlich, gemeinsam das Baden-Lied anzustimmen. Zu unserer Wandertour passte die dritte Strophe:

Bei Freiburg wächst der Wein,
Im Schwarzwald schöne Mädchen,
Ein Badner möcht ich sein!

So ist das. Die Einwohner von Baden nennen sich übrigens generell Badner oder Badener. Nur die Schwaben verwenden das Schimpfwort Badenser.



Mein Jahr als Narr

Geschrieben am um 11:11

Heute ist der 11.11. Keinem ist nach Feiern zu Mute. Obwohl. Vielleicht doch? Nein, besser nicht. Dann doch lieber als Methadon „Mein Jahr als Narr“.

Was waren das für geile närrische Wanderungen. Aber eben nur bis zum Aschermittwoch 2020. Etwas peinlich waren meine Spaziergänge in Venedig im Oktober 2019. Warum denn schon im Oktober, und warum peinlich? Könnt ihr alles nachlesen.

 

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Sehr interessant eigentlich auch aus heutiger Sicht, wer beim Orden wider den tierischen Ernst 2020 in Aachen anwesend war und wer nicht und warum. Laschet in der Bütt, Merz im Publikum, Söder nicht da (war aber schon Ordensträger), AKK auch nicht da (war auch schon Ordensträgerin, die beste überhaupt) und Christan Lindner auch nicht. Der musste mit dem thüringischen FDP-FÜHRER Kemmerling noch einen heben. Könnt ihr alles nachlesen.

 

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Eine besondere Selbsterfahrung war es, mit einer selbstgereimten hoch-intellektuellen (na ja) Büttenrede vor einem leicht angeheiterten Publikum im Saarland anzutreten. Könnt ihr alles nachlesen.

 

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Geil natürlich die Ranzen-Garde in Mainz. Früher waren dort nur Fünf-Zentner-Typen erlaubt. Heute gehen da Spargel-Tarzane so um  150 Kilo mit, ein Trauerspiel.

 

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Einer von mindestens drei Höhepunkten meiner Narren-Wanderungen waren die sieben Kilometer des Kölner Rosenmontagszugs als Roter Funk. Da wird man süchtig. Alaaf. Alaaf. Alaaf.

 

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Und im fränkischen Veitshöchheim hat man eindeutig erkannt, wer schon lange hinter Gittern gehört. Ob mit oder ohne Verkleidung. Könnt ihr alles nachlesen.

 

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Wer schwankt, hat mehr vom Weg

Geschrieben am um 6:23

Zunächst noch ein Update zu meinem letzten Beitrag über die virtuelle Weintour. Seit einigen tagen sind nun alle Weinpakete, die ich online moderieren, geniessen, besprechen darf, ausverkauft. Aaaaaber: ihr könnt trotzdem an der virtuellen Weinprobe teilnehmen. Einfach auf virtuelle.weintour.net den Live-Stream anschauen. Ihr habt dann eben nicht die Weine, die ich dort verkoste, aber es macht bestimmt auch Spaß zuzuschauen, wenn ihr auf dem trockenen sitzt. Oder ihr besorgt euch Alternativ-Weine, sie müssen nur aus deutschen Anbaugebieten sein, darauf besteh ich. Ich werde das kontrollieren!

Hier meine Termine zum virtuell Reinschauen:

– Samstag, 7. November, 20:00

– Sonntag, 8. November, 15:00

– Freitag, 13. November, 18:00

– Sonntag, 15. November, 17:00

Und was passiert, wenn man vom guten Mosel-Riesling (auf der virtuellen Weintour oder auch nicht) zu viele Schoppen trinkt? Man beginnt zu torkeln. In der FAZ las ich zuletzt: „Wer schwankt, hat mehr vom Weg“ Da ist echt was dran. Aber wenn man ordentlich gebechert hat, dann wird der Blick immer schiefer, Fachausdruck: Moselschieferblick

 

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Nun zu etwas völlig anderem: Wenn die Hand zum Gegenstand wird – das Hand sagt man ja auch – dann herrscht natürlich akute Brangefahr. Wie immer hilft das Internet weiter. Mit Hilfe der Datenkrake Google erfährt man, dass Bran eine Gemeinde in Siebenbürgen ist, die früher Törzburg hieß. Bran Stoker hat ja auch Schauerroman Dracula geschrieben. Ach ja, und auf Englisch heißt „Kleie“ Bran. Und Kleie ist bekanntermaßen hochgefährlich. Für die Verdauung.

 

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Nun zu etwas völlig anderem: Marienkapellen kennt jeder Wanderer. Und meistens wird der Jungfrau Maria für irgendetwas gedankt. Was der Dankensgrund ist, erfährt man nie. Hat der Sohnemann das Abitur geschafft, der Onkel eine schwere Krankheit überstanden, oder hat es das Wunder von Bern gegeben?

 

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Kam der Ehemann unvermutet ohne Fahne aus der Kneipe, gab es im Mai schon hochsommerliche Temperaturen oder ist Deutschland mal wieder Fußball-Weltmeister geworden?

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Hauptsache eben, Maria hat geholfen, nachdem man sie um etwas gebeten hat. Die moderne, badische Version der helfenden Maria sah ich im Kaiserstuhl. Wahrscheinlich ist in der Sprühdose ein Anti-Corona-Spray, dass die Seuche vertreibt. Danke Maria!

 

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Nur noch eine Weißweinreise im Angebot

Geschrieben am um 21:43

Hurra, übernächstes Wochenende fahren wir nach Hamburg und lassen es auf der Weintour so richtig krachen, wie geil wird das denn!!!

 

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Stopp! Stopp! Stopp! Weinseligkeit in Hamburg ist leider im Moment nur eine schöne Erinnerung. Zurzeit ist es aber keine wirklich gute Idee, eine Weinmesse zu veranstalten, außer man hat ein Faible für Alu-Hüte.

Aber es gibt eine Alternative, die – Trommelwirbel – erste deutsche virtuelle Weintour der Welt! Wie funktioniert das denn, denken jetzt vielleicht alle, die genau so doof im Umgang mit digitalen Medien sind wie ich. Keine Sorge, IHR SCHAFFT DAS!!!

 

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Einfach auf www.virtuelle.weintour.net ein Weinpaket bestellen und dann bequem (und sicher) von zuhause mit mir zechen und weinwandern. Wenn ihr noch alle Latten auf dem Zaun habt, bestellt ihr natürlich zuerst ein Weinpaket von mir, dann von denen, die noch nicht ausverkauft sind.

Das ist nämlich ein kleines Problem: Zwei meiner virtuellen Weintouren sind nämlich schon ausverkauft. Aber es bleiben Euch zwei Pakete: „Weißweinreise“ am 8.11. um 15:00 und „Wandern Du musst“ am 13.11. 18:00. Lasst Euch bitte nicht von letzterem Titel abschrecken, es wird echt sehr sehr lustig, versprochen! Ups, gerade sehe ich, „Wandern Du musst“ ist auch ausverkauft. Trotz des Titels. Also ran an die Weißweinreise!

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Ach ja, ich habe bei jeder virtuellen Weintour extrem kompetente und dazu charmante Verstärkung. Ende September durfte ich in Neustadt/Weinstraße die neuen Deutschen Weinhoheiten wählen. Leider mussten sie sich wegen Corona die Corona selber aufsetzen.

Wir sehen und trinken uns!

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Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 1 – der Belchensteig

Geschrieben am um 6:23

Der Belchen im Südschwarzwald. Monolith, Brocken, „Der Strahlende“, wie ihn die Kelten nannten. Den Feldberg kennt jeder, obwohl das gar kein richtiger Berg ist, eher so ein Hochplateau als Freizeitpark. Aber der Belchen – der noch zwei internationale Geschwister hat, den Schweizer Belchen (auch Belchenflue genannt) und den Elsässer Belchen (auch Ballon d’Alsace genannt) – der Belchen also ist eigentlich DER Berg. Fachleute nennen den Belchen den höchsten Berg im Deutschen Mittelgebirge, weil der die höchste Reliefenergie aufweist-Übersetzung von Reliefenergie: Auf allen Hängen gibt es eine sehr große Höhendifferenz zu den Tälern, also genau das, was man landläufig unter einem BERG versteht.

 

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Seit 2018 gibt es den Premiumweg Belchensteig. Ich empfehle den Start am Wiedener Eck und dann den Weg gegen den Uhrzeigersinn zu gehen. Das ist Natur pur, alpine Wege und Ausblicke, Kinder, das sind Ausblicke zum Niederknien. Niederknien aber nicht zu empfehlen, weil man als alter weißer Mann so schwer wieder hochkommt.

 

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Blicke ins Münstertal, Blicke in die Rheinebene, der Kaiserstuhl sieht wirklich winzig aus. Dazu hochmoderne Sitzmöbel, Grenzsteine am Gipfel von 1790. Damals grenzte Österreich an Baden genau auf dem Gipfel.

 

 

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Auf dem Gipfel merke ich mal wieder, dass ich eigentlich kein Bergfex bin. Ich bin der einzige Vollhorst ohne Jacke, es stürmt auf dem Gipfel. Verschwitzt vom Aufstieg pfeift der Wind durch und durch. Mir ist sehr sehr kalt.

 

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Beim Abstieg muss ich husten und werde komisch angeschaut. Entspannt Euch Leute, ich habe kein Corona, nur BEL-CHEN.

Und weil es so schön ist auf dem Belchensteig, ist der Weg zum Schönsten Wanderweg Deutschlands 2020 gewählt worden. Die Preisverleihung fand am Belchenhaus unterhalb des Gipfels statt.

 

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Ich habe schon vor Ort gratuliert, aber noch mal von dieser Stelle ganz herzliche Glückwünsche in den Schwarzwald!



Weinwandern großstadtnah

Geschrieben am um 6:23

Weinwandern großstadtnah, das wäre doch eine feine Sache. Wandern in den Weinbergen in Pinneberg bei Hamburg oder in Hürth bei Köln, edle Tropfen testen in den Weingütern von Oranienburg bei Berlin und Erding bei München, zwischen den Reben flanieren in Ratingen bei Düsseldorf. In Fellbach bei Stuttgart ist das großstadtnahe Weinwandern Realität, sofern wir uns darauf einigen können, dass Stuttgart eine Großstadt ist

 

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Einfach mit der U1 aus der Stuttgarter Innenstadt die Anhöhen am Neckar hinauffahren, an der Endstation Fellbach Lutherkirche aussteigen und zehn Minuten zur Vinothek der Winzergenossenschaft gehen – und schon hat man eine paradiesische Auswahl für die Wegzehrung.

 

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Da es sich bei den Fellbachern um Winzergenossen handelt, müssen die beteiligten Betriebe natürlich wissen, wann sie welche Trauben anliefern sollen. Das steht praktischerweise an einer Tafel angeschrieben, so dass auch der Endkunde bei der Anlieferung zuschauen kann.

 

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Wie großstadtnah der Fellbacher Weinwanderweg ist, sieht man schon daran, dass man das Stadion der schwäbischen Fahrstuhltruppe richtig gut sehen kann. Nun gut, so etwas wie Fußballstimmung wird coronabedingt für lange Zeit nicht bis in die Weinberge hineinwehen.

 

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Ein Pluspunkt: In den Fellbachern Weingärten kann man sich auch an heißen Tagen unter den schicken Wetterpilzen einen Schatten-Platz suchen. Zwar haben die Dinge keinen klassischen Holzaufbau, entsprechen aber ansonsten den Vorgaben des Kölner Wetterpilzgurus Klaus Herda.

 

 

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Im letzten Jahr habe ich Klaus Herda bei einer Ausstellung in Köln getroffen, die den Kosmos „Wetterpilz“ als architektonisches Outdoor-Wunder Nummer Eins beleuchtete. Die Suche und – wie in Fellbach – der zufällige Fund von Wetterpilzen mit einhergehender Erwähnung auf wetterpilze.de ist immer wieder ein erhabenes Erlebnis, wie die Erstbesteigung eines unbekannten Gipfels.

 

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Nun aber auf nach Fellbach, auch auf der Durchreise (so war das bei mir), kann man in der Nähe von Stuttgart schöne Weinabenteuer erleben. Und die fast zwei Millionen Liter Wein, die können die Einwohner von Fellbach beim besten Willen nicht alleine trinken.



Der Wanderknigge

Geschrieben am um 6:23

Seit dem Lockdown haben viele Menschen das Wandern für sich entdeckt. Das ist sehr schön, allerdings stellen sich diese Wander-Novizen viele Fragen: Wie, Wo und mit wem. Daher bin ich mit Filmemacher Philippe und Wander-Altmeister Michael losgezogen, um einen Wanderknigge zu drehen, der die wichtigsten Fragen beantwortet: Wie schnell soll ich gehen, welche Touren soll ich aussuchen, wieviel Zeit soll ich einplanen, was soll ich in den Rucksack einpacken, wie informiere ich mich über die Ruhetage der Wanderhütte.

 

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Entscheidend für eine gelungene Wanderung: Immer genug Wasser mitnehmen und am besten immer dort wandern, wo es viel Wasser gibt. Daher hat Philippe auch am liebsten Wasser gefilmt. Während Wanderfilmemacher fast ausschließlich Wasser filmen …

 

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… müssen Wanderfilmproduzenten pausenlos telefonieren, irgendetwas organisieren, das ist nun einmal Produzentenalltag. Nachteil: Wenn düsenjägerlaut telefoniert wird, muss man immer wieder den Dreh unterbrechen, was bei Filmemacher und Protagonist totale Begeisterung auslöste.

 

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Ein wichtiges Thema im Wanderknigge war der Umgang mit Müll. Denn auch erfahrene Wanderer wissen oft nicht, dass es einen Grund hat, warum sich an Premiumwege-Rastplätzen keine Mülleimer befinden – die Wanderer sollen eben ihre Abfälle wieder mitnehmen. An Outdoor-Mülleimer bedienen sich gerne auch die Tiere des Waldes, und das Ergebnis ist immer eine große Sauerei.

 

 

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Dummerweise fand sich genau am Drehort für ein vorbildliches Wanderpicknick ein auffälliger Mülleimer, der die Basis-Message aber sowas von konterkarierte. Da bekanntlich in den Medien grundsätzlich nur geschummelt und getürkt wird, hat der Wanderknigge-Produzent den Mülleimer einfach verschwinden lassen, beziehungsweise mit drei Rucksäcken versteckt. So arbeitet die Lügenpresse!

 

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Allerdings war sich unser Produzent nicht zu schade, einen ganzen Müllbeutel, den wir an einer anderen Sitzgruppe im Bach fanden, durch den Wald zu schleppen, vom Saarland bis nach Bonn zu fahren und ebenda fachgerecht zu entsorgen.

 

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Und so ist ein wunderschöner Wanderknigge entstanden, bald auf allen Kanälen (unter anderem Wandermagazin.de) nachzuschauen. Einige Filme, die alle Wander-Einsteiger an die Hand nehmen, so wie der Mann seine Frau auf dem Wanderwegweiser.



Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO

Geschrieben am um 6:23

Ich schrub es schon in meinem ersten Wanderbuch: Die Planung einer Wanderung macht den meisten Wanderern fast genauso viel Freude wie die Tour an sich. Nun nahen ja die Sommerferien (gefühlt hat man eigentlich schon lange genug Ferien gehabt, seit dem 13. März um genau zu sein), aber die langen, warmen Tage wollen ausgefüllt werden. Und da stellt sich zunächst mal die Gretchenfrage: Ins Mittelgebirge oder ins Hochgebirge? Es ist hilfreich eine Landkarte zur Hand zu haben, die etwas Orientierung bietet.

 

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Ich denke, ich werde mir eine Pension in Kirchdorf nehmen. Von dort kann man Wanderungen sowohl ins Hoch- als auch ins Mittelgebirge (zum Aussichtsturm) planen. Und zum Hauptfluß und zur Talsperre ist es auch nur ein Katzensprung

Wenn ihr noch eine Wanderempfehlung für den Sommer braucht, kann ich Euch den Pfälzer Weinsteig in der Nähe von Bad Bergzabern ans Herz legen.

 

 

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Aber sehet, sprach der Investor, dort entstehet am Liebfrauenberg eine Wandergaststätte. Doch höret, ihr Bürger-Scharen, die ihr den Wut-Investor angeschissen habet, dass eher ein Erdaushub durch einen Kaffeelöffel ins Himmelreich komme, als ein Teelöffel. Erbebet, ihr Ungläubigen, die ihr nur Klatschen und Singen in der Schule hattet. Denn frohlocket, liebe Wanderer, freuet Euch auf die bald genial ausgebaute Einkehrmöglichkeit am Pfälzer Weinsteig. Habemus Hefeweizen.

Die große Frage in Corona-Zeiten bleibt: Wie halten es die Behörden mit dem Gruppenwandern? Wann darf ich wieder mit dem Schwäbischen Albverein wandern? Ist denn Wandern etwa kein Sport?

 

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Die Antwort(en) gibt die sächsische Corona-Wander-Behörde, die mir von einem Wanderkumpel zugespielt wurde: „Ihr Anfrage zielt auf die Bewertung, ob die Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO zulässig ist. Nach § 4 Absatz 1 sind weiterhin grundsätzlich alle Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Ausnahmen von diesem Grundsatz sind ausdrücklich in Absatz 2 benannt. Insbesondere sind dort Ansammlungen von Menschen gestattet, wo die Öffnung und der Besuch nach § 6 Absatz 2 zulässig ist. So ist die Öffnung von Sportstätten ohne Publikum nach § 6 Absatz 2 Nr. 16 zulässig. Sportstätten iSd SächsCoronaSchVO sind von dem öffentlichen Raum abgegrenzte Bereiche, die der Ausübung von Sportarten dienen. Unter diesen Begriff fallen sowohl Innen- als auch Außensportstätten. Der Wanderweg ist jedoch ein markierter Weg, der nicht zum Zwecke der Ausübung von Sportarten vom öffentlichen Raum abgegrenzt ist, sondern vielmehr trotz Benutzung zum Wandersport auch jederzeit von weiteren Personen zum Zwecke des Spazierens, Reitens o.ä. benutzt werden kann. Die Benutzung von öffentlichen Wanderwegen fällt somit nicht unter die Ausnahme für die Öffnung und Benutzung von Sportstätten.“


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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