Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Andracks Lieblingsjacke – der Plan

Seit 38 Jahren liebe ich die Musik von „Die Ärzte“. Seit fast 50 Jahren liebe ich das Wandern. „Die Ärzte“ nennen sich – in aller Bescheidenheit – die beste Band der Welt. Ich entwickle mit der Firma Walbusch/Klepper die beste Wanderjacke der Welt. Die Andrack-Jacke.

In der Zeit der großen Zoom-Konferenzen 2020 bin ich mit den Verantwortlichen von Walbusch/Klepper in Solingen verbunden. Ich schleppe einen Berg Jacken von anderen Herstellern ran, um klar zu machen, was zu einer richtig guten Jacke gehört und was nicht. Wir entwickeln zusammen die elf Gebote für die beste Wanderjacke der Welt.

  1. Mein Prinzip ist No Logo, Riesen-Logos auf der Jacke sind ein No Go. Meine Frau besitzt zum Beispiel eine Fleece-Jacke eines deutschen Herstellers, auf dem Rücken eine riesige Katze, Fratze oder Tatze, was weiß ich. Das ist nicht so mein Ding. Walbusch-Produktentwickler Stefan Biergans versichert, dass seine Firma sich nicht über Logos definiert: „Wir leben über Produkt-Primärwerte: Passform, Material, Verarbeitung, Liebe zum Detail, Funktionalität. Stilistisch halten wir uns eher zurück. Unsere Kompetenz ist der Wert, die Qualität.“

 

  1. Das Wichtigste an einer Jacke sind für mich die Taschen. Vor allem die Außentaschen in Hüfthöhe sollten große Volumina haben, um die wichtigsten Accesoires des Wanderers mitführen zu können. Eine kleine Wasserflasche, eine Taschenschirm zum Beispiel. Ehrlich gesagt bin ich auf den meisten Wanderungen froh, wenn ich auf einen Rucksack verzichten kann, wenn in meiner Jacke Platz für Wasserflasche und Regenschirm ist, wäre das wunderbar. Warum eigentlich ein Regenschirm beim Wandern? Ist das nicht furchtbar unpraktisch und sieht auch noch dämlich aus? Keinesfalls! Ich hasse Regenhosen (da schwitzt man sehr drin) und Regenponchos (die sehen nun wirklich dämlich aus). Meine Jacke braucht auch keine Urwald-taugliche Wassersäule von 20.000 Millimetern. Ich will ja wandern, nicht schwimmen gehen.

 

  1. Außerdem sollte die beste Jacke der Welt zumindest eine schräge Außentasche in Brusthöhe haben. Dort kann man kleinere Sachen verstauen, die man schnell zur Hand haben muss. Zum Beispiel ist mein Mobiltelefon ein wichtiges Werkzeug für mich, dass muss ich schneller ziehen können als Cowboys ihren Colt. Nicht etwa, weil ich beim Wandern den Drang habe zu telefonieren oder Twitter-Nachrichten abzusetzen. Allerdings möchte ich lustige Eindrücke am Wegrand (kuriose Wegschilder, die in die falsche Richtung zeigen, derangierte Mitwanderer im roten Regenponcho) mit dem Handy dokumentieren. Produktentwickler Biergans schlägt vor, man könne – neben dem Regenschirm – ja auch einen Klepper-Schokoriegel mitliefern. Nun, das wohl eher nicht, wenns draußen warm wird, verliert der seine Paßform. Außerdem bin ich sowieso kein Freund davon, die Wander-Verpflegung mitzuschleppen. Zu einer Wanderung gehören doch auch die regionalen Genüsse vor Ort – die traditionellen Speisen, das regionale Bier, der Wein von den heimischen Reben.

 

  1. Innentaschen auf beiden Seiten sind ebenfalls essentiell. Da verschwindet alles drin, was sonst noch wichtig ist: Die zusammengefaltete Zeitung, das Päckchen Taschentücher, die Blasenpflaster, das Schweizer Messer.

 

  1. Eine Kapuze ist natürlich auch obligatorisch für meine neue Lieblingsjacke. Die Kapuze sollte allerdings fest am Kragen vernäht sein. Es gibt ja Jacken mit abnehmbarer Kapuze. Das wirkt auf den ersten Blick sehr praktisch. Aber wenn die Kapuze mal ab ist und im Schrank verschwunden, fehlt sie dann beim nächsten Regenschauer. In diesem Zusammenhang ganz wichtig: Die Kapuze muss sitzen, ohne sie festhalten zu müssen. Ich besitze viele Jacken, bei denen man die Kapuze mit Schnüren und Kordelstoppern befestigen soll. Ehrlich gesagt habe ich noch nie kapiert, wie das funktionieren soll, ich bin da zu blöd für. Das Resultat war dann oft, dass ich bei Gegenwind und Regen meine Kapuze festhalten muss. Also bitte: Kapuze fest mit der Jacke verschweißen.

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  1. Schwarze Wander-Jacken finde ich furchtbar. Schwarz ist doch keine Farbe. Außerdem: Ich bin doch auf einer Wanderung, nicht auf einer Beerdigung! Ich finde, Rausgehen hat etwas mit Aufbruch, mit Lebensfreude zu tun. Deswegen darf auch meine Jacke Farbe haben, einfarbig wäre allerdings schön, wie ein Papagei möchte ich dann doch nicht herumlaufen. Rot gefällt mir, türkis auch, meinetwegen auch blau. Ich bin ja ein Junge. Nicht zu grell sollte die Farbe sein, in der Natur sollte die Farbe vorkommen, in einem gut sortierten Tulpenfeld zum Beispiel.

 

  1. Stell Dir vor, Du hast die beste Wanderjacke der Welt, aber überhaupt keinen Plan, wo die nächste Wanderung hingehen soll. In so einem Fall sollte schon im Lieferumfang der Jacke eine Wanderbroschüre vorhanden sein. Am Besten im regionalen Umfeld des Käufers. Die Touristiker steuern gerne die entsprechenden Informationen bei. Wenn ich die Jacke in Solingen kaufe, bekomme ich Infos zum Neanderlandsteig und zum Bergischen Weg. Kaufe ich die Jacke in Koblenz, steckt in der Innentasche schon die Wanderbroschüre der Traumpfade. Und kaufe ich die Andrack-Jacke in Hamburg, sind die Nordpfade schon mit dabei.

 

  1. Ganz wichtig beim Thema Materialqualität: Bitte nicht am Reißverschluss sparen. Über den Reißverschluss darf ich gar nicht nachdenken, der muss einfach funktionieren. Ich hatte mal ein wirklich sehr schöne Jacke eines Markenherstellers, dessen Namen ich nicht nennen möchte. Sagen wir mal, die Firma hieß Dino. Die Jacke wie gesagt wirklich toll, gute Farbe, viele Taschen, Kapuze angenäht, hat mir alles sehr gut gefallen. Nach zwei Monate später klemmte der Reißverschluss, ein paar Wochen später war er total hinüber. Die Jacke konnte ich nicht mehr gebrauchen. Also bitte: Reißverschluss in 1A-Qualität.

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  1. Wichtig ist eine optimale Passform. Es ist doch so: Mit Mitte Fünfzig darf ich Bauch tragen. Die meisten Wanderer sind eben keine Hochleistungssportler, wir haben alle keine Figur wie Brad Pitt und müssen unseren Ranzen körpermittig tragen. Bitte deswegen nicht die Jacke Slim-Fit schneidern. Walbusch-Produktentwickler Biergans betont während der Konferenz die Größenkompetenz der Firma. Das finde ich gut. Denn auch die Länge der Jacke ist ein wichtiges Thema: Die Wanderjacke darf nicht zu lang sein. Ich mag keine Wandermäntel, ich möchte nicht aussehen wie ein Fußballprofi im Winter, der von der Ersatzbank kommt. Was ich allerdings ganz schlimm finde: Wenn die Arme einer Jacke mit Reißverschluss abnehmbar sind. Ich möchte einfach keine Weste, sondern eine Jacke mit Ärmeln haben.

 

  1. Ich wünsche mir eine farblich abgesetzte Schlaufe zum Aufhängen der Jacke, damit ich auch in einer schlecht beleuchteten Garderobe in einer Wander-Hütte die Schlaufe problemlos finde und die Jacke aufhängen kann. Walbusch-Geschäftsführer Ralph Hürlemann verspricht: „Das machen wir mit Reflektortape, dann können sie auch bei Dunkelheit die Schlaufe erkennen.“ Perfekt!

 

  1. Viele Wanderer leiden an einer schlimmen Krankheit: Unterhopfung. Es gibt Wanderer, die finden eine Einkehr das Schönste an einer Wanderung. Diese Wanderer suchen ihre Touren aus nach dem Motto: „Berge von unten, Kirchen von außen, Kneipen von innen.“ Ich fände es Klasse, wenn an der Andrack-Jacke, der besten Jacke der Welt, ein kleiner Flaschenöffner befestigt wäre. Noch besser: Flaschenöffner UND Korkenzieher für meine Weinwanderungen.

 

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2 Kommentare zu “Andracks Lieblingsjacke – der Plan

  1. „Und kaufe ich die Andrack-Jacke in Hamburg, sind die Nordpfade schon mit dabei.“
    Na sowas, die „Nordpfade“ gibt’s ja als solche in echt! 24 Stück. Warum hatte ich die bisher überhaupt nicht auf dem Wanderschirm? Wahrscheinlich weil ohne Auto von HH aus schwer zu erreichen.
    Zwei kommen aber per Bahn in Frage: „Nordpfad Wümmeniederung“ bei Rotenburg (Wümme) und „Nordpfad Wümme und Vareler Heide“ bei Scheeßel.
    Ersterer nach offiziellen Angaben: „Schwierigkeit: leicht / Streckenlänge: 135km“. Passt. Den nehme ich bei Gelegenheit mal auf einer Rückfahrt nach einer Wandertour in Bremen mit, die ich eh schon länger vor habe.

  2. Schöner Plan und besonders schön, dass Andrack offenbar anerkannt hat, dass Schweizer Messer nicht, wie noch im ersten Wanderbuch verkündet, „uncool“ sind, sondern höchst praktisch. Ich besitze sogar 3 in allen Größen, das kleinste ist ein Schlüsselanhänger.

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