Wander-Blog von Manuel Andrack

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Traumschleife Rheingold

Um es vorwegzunehmen: Ich bin meines Wissens noch nie einen Premiumweg mit so vielen exquisiten Ausblickmöglichkeiten gewandert. Neben den kleinen, immer wieder überraschenden Ausblicken in das Rheintal, sozusagen den Zwischen-den-Bäumen-Ausblicken, gibt es bei der Rheingold-Traumschleife zwischen Holzfeld und Hirzenach sagenhafte elf “amtliche” Ausblicke mit Bänken, Liegen und Hütten.

 

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Man sollte also eine Menge Zeit für die Rheingold-Traumschleife einplanen, denn an den Aussichtspunkten mitsamt liebevoll und außerordentlich interessant gestalteten Infotafeln vorbeizuhasten wäre eine Sünde. Damit man nicht so rast, sollte man sich die Zeit schön einteilen. Daher ist es neuerdings auf den Traumschleifen so etwas wie ein Standard geworden, jeden einzelnen Kilometer des Wanderwegs auszuweisen.

 

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Eine äußerst sinnvolle Maßnahme, möchte man doch jederzeit wissen, wo man ist. Man muss es sich nur merken können. In der Wandergruppe, mit der ich auf der Rheingold-Traumschleife unterwegs war, wurde immer wieder diskutiert, was denn die letzte Zahl auf dem Kilometrierungs-Schild gewesen sei. “Wir sind schon bei der ‘Sieben’ durch” – “Nein, ich habe schon die ‘Acht’ gesehen”. Betretenes Schweigen, als wir kurz danach erst an der ‘Sechs’ vorbei gingen.

An der Ein-Kilometer-Markierung wird auf das erste Highlight, den Wilpertskopf, hingewiesen. Zuerst war ich schockiert, was haben die Bopparder denn mit dem Kopf von Klaus Wilpert, mit dem ich dereinst Abitur machte, veranstaltet? Aber es handelt sich beim Wilpertskopf quasi um die Loreley von Holzfeld, einen charakteristischen Felsen.

 

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Netter Service am Aussichtspunkt Wilpertskopf: Wir genossen den Ausblick über den Rhein, knabberten an Käsehäppchen und genossen den Riesling der Familie Neyer aus der benachbarten Lage Hirzenacher Probsteiberg. Welche Nachricht mich bei Käse und Wein erreichte, davon berichte ich nächste Woche. Die Pause war klasse, hat aber unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) nicht gerade nach oben gejagt. Am Ende haben wir über vier Stunden für die 10,6 Kilometer der Rheingold-Traumschleife benötigt. Das ist wahres Genusswandern.

 

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Für die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit sorgten aber auch ordentliche Steigungsprozente auf traumhaften Bergsporn- und Winzerpfaden. Zwar gibt es noch Wein rund um Hirzenach, wir hatten ja am Wilpertskopf auch welchen verkostet, doch viele Rhein-Hänge sind verbuscht und werden seit Jahrzehnten nicht mehr als Wingert genutzt. Wir gingen durch diese bezaubernden ehemaligen Weinhänge, die ursprüngliche Nutzung kann man noch an einigen Stützmauern erkennen. Damit wir beim Wandern auch immer freie Bahn hatten, hatten wir den Ortsvorsteher von Holzfeld dabei.

 

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Unser Mann mit den Scherenhänden war ziemlich erbost, als ich wagte zu erwähnen, wir würden im Hunsrück wandern. Da wurde ich belehrt, dass der tiefe Hunsrück erst hinter der A 61 anfängt. (Die wurde wahrscheinlich nur als eine Art Limes zum Hunsrück gebaut). Und nein, natürlich wären wir am Rhein, im Rheintal. Er hat mir das dann auch sehr überzeugend geologisch erklärt, so dass ich das nachvollziehen konnte.

Den spektakulärsten Wegabschnitt unter vielen phantastischen Stellen der Rheingold-Traumschleife gab es aber kurz vor dem Ziel…

 

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… Über ein Feld hinab Richtung Rhein, es sieht so aus, als wäre der Rhein die Verlängerung der Traumschleife, das Rheingold liegt zu unseren Füssen. Das muss man zelebrieren, das ist doch wohl klar. Ganz großes Kino! Apropos Kino: Da Edgar Reitz, der alte Heimat-Filmer, auch ein Spezialist für großes Kino ist, hat er an diesem magischen Ort gedreht. Zweite Folge von “Heimat”, Eduard kommt mit seiner Frau Lucie aus Berlin mit dem Auto und macht Picknick genau an der Stelle, die ich so überaus geil finde.

 

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Der Vorteil, den aber alle Wanderer gegenüber den Filmfiguren Eduard und Lucie haben: Wir sind nicht mit dem Auto vorgefahren, sondern durften wandern. Und können so erst richtig den rheingoldigen Ort erfassen. Am 7. Juli geht es weiter mit meiner Bopparder-Traumschleifen-Tournee auf dem “Fünfseenblick”.

 


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Ein Kommentar zu “Traumschleife Rheingold

  1. Hallo Manuel,
    gibt es auf der Rheingold Schleife Passagen, die eine gewisse Überwindung von Höhenangst erfordert? Meine Mum mag es nicht, wenn es auf dem Weg eng wird und dann rechts oder links abschüssig…..
    Vielen Dank für eine kurze Einschätzung.
    Gruß Christoph

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