Wander-Blog von Manuel Andrack

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Auf dem Holzweg in Bayern

Glaubt bitte nicht, dass ich ausschließlich in den deutschen Mittelgebirgen wandere. Hach! Nein, ab und an verirre ich mich auch in den alpinen Raum, genieße aber auch dort die (manchmal trügerische) Sicherheit der vertrauten Premiumwege.

 

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Daher verließ ich mich bei einer Wandertour, die ich mit einer kleinen Gruppe geplant hatte, auf die Markierung des Alpenpfades Leitzachtaler Bergblicke in der Nähe des Schliersees. Wenn man sich das Foto anschaut, waren Bergblicke wegen der Großwetterlage unmöglich, aber man kann so einen Weg ja auch nicht ständig umbenennen – Leitzachtaler Nebelblicke oder Leitzachtaler Wolkenblicke vielleicht.

 

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Auf jeden Fall macht es immer einen extrem unsouveränen Eindruck, wenn man sich mit einer Wandergruppe schon auf den ersten Metern verläuft. Und dann noch in einem Sägewerk! Da liegen die blöden Sprüche nah – „Da sind wir wohl auf dem Holzweg, har, har, har“

 

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Zur Strafe für alle Mitwanderer, die so laut wie Kater Carlo „Har, har, har“ gelacht hatten, zog ich das Tempo merklich an und wir sprinteten auf den Kalvarienberg von Fischbachau. Im Nebel dachte ich zuerst, wir würden Zeuge eines leibhaftigen Passionsspiels, aber die drei Jungs am Kreuz waren doch nur naturalistisch ausgearbeitete Skulpturen

 

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Eine weitere bemerkenswerte Kultstätte bayerischer Volksfrömmigkeit ist der Wallfahrtsort Birkenstein. Maria ist der Superstar dieser heiligen Stätte. Das monumentale Andachtsbild verdeutlicht sehr schön, was unter dem Begriff „Bedeutungsperspektive“ zu verstehen ist.

 

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Auf dem Rückweg nach Fischbachau (herrliche Schlusseinkehr im Klosterstüberl mit Augustiner vom Fass, ein Fest!) folgt man auf schmalen Pfaden dem Flusslauf der Leitzach. Das muss ich zugeben: Eigentlich ist dieser Alpenpfad dann doch ein Mittelgebirgsweg, denn hinauf in die Berge geht es nicht, das Hochgebirge ist Kulisse.

 

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Aber, und das ist der Punkt, diese Berge hatten sich an diesem feuchten Wandertag versteckt. Ich hatte alpines Flair gesucht, aber da war ich wohl auch auf dem Holzweg gewesen.


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4 Kommentare zu “Auf dem Holzweg in Bayern

  1. Ja, da hättest du auch bei uns im Hunsrück wandern können, da sieht es seit zwei Wochen genauso aus. – Blog lesen bildet: Hatte noch nie das Wort “ Bedeutungsperspektive“ gehört, aber dank des Marienbildes weiß ich jetzt auf Anhieb genau was das ist. Ohne Wiki und trotzdem bedeutungsschwer.

    • In der Kartographie gibt es laut Wikipedia dazu ein sehr eindrucksvolles Wort: „In der Kartographie nennt man eine Karte mit größenmäßiger Betonung bestimmter inhaltlicher Merkmale Kartenanamorphote“. Wahrscheinlich der Albtraum eines jeden um Präzision bemühten Kartographen, aber eine große Freude für Tourismus-Experten!

  2. Interessant und etwas rätselhaft, dass vom motorisierten Besuch des Ortes Point offenkundig nur Oldtimer-Fahrzeuge ausgeschlossen sind.

    • Ein Weiler, der zu Fischbachau gehört. Eigentlich stellt man sich vor, dass speziell Oldtimer dort willkommen seien. Ich imaginiere einen alten Porsche-Traktor… gibt ganz schön viele Points in Bayern, stellte ich fest.

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