Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Traumschleife Ehrbachklamm

 

Der Start der Traumschleife ist toll, keine Frage. Es geht los im Bopparder Ortsteil Oppenhausen, von dem eingefleischte Bopparder unten am Rhein sagen, das das nicht so richtig Boppard wäre, eher volle Pulle Hunsrück, aber das sollen die Oppenhausener und die Bopparder am Rhein unter sich ausmachen. Es geht durch Felder, der Raps blüht knallgelb, Blicke hinüber in die Eifel bis zur Hohen Acht, vorbei an einem Jugendzeltplatz, ein spektakulärer Felsen (die Beulslay), ja, das ist alles ganz toll, aber dann wird die Traumschleife einfach nur super, super, super, denn dann geht es hinein in die Ehrbachklamm.

 


Ich lege mich da mal fest: Die Ehrbachklamm ist definitiv die schönste, wildeste, romantischste Klamm in den deutschen Mittelgebirgen. Versucht mich da mal vom Gegenteil zu überzeugen, das wird aber schwierig! Keinen Weg bin ich in meinem Leben öfter gewandert. Man wandert über Stock und Stein, manchmal helfen Brücken, Seile und kleine Leitern bei der Wanderung auf dem schmalen Pfad, manchmal nicht.

 


Der BBB (BBB steht für Bopparder Bürgermeister Bersch) ist auf vorstehendem Foto zu sehen, wie er glücklich eine kleine Leiter überwindet. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob der BBB durch sein knallrotes Hemd etwas über seine Parteizugehörigkeit verraten will, muss ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Der BBB wies mich aber auf ein Schild in der Mitte der Klamm hin.

 


Die Ehrentafel erinnerte an den Erfinder der Ehrbachklamm, Herrn Francke. Für die Hunsrücker Bauern war die Klamm immer uninteressant gewesen, weil wirtschaftlich nicht nutzbar – zu eng für Mühlenbetrieb, zu felsig für den Holzabtransport. So blieb es den bildungsbürgerlichen (Apotheker!) Wandervögeln überlassen, die Ehrbachklamm wandertouristisch zu erschließen. Danke Herr Francke! Und: Save the date – tragt Euch schon mal 2021 in Euren Terminkalender ein, da wird die große 100-Jahr-Sause in der Klamm gefeiert.

Dann kamen wir zur Daubisberger Mühle und kehrten zünftig ein. Man sollte sich aber bloß nicht auf den Platz der Mühlenwirtin setzen:

 


Der ist reserviert. Frau Gertrud scheint in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse abzustammen, darauf weisen die viele Kissen hin, die sie benötigt, um auf ihrem Stuhl zu sitzen. Das Tolle ist, es gibt zwei von diesen reservierten Stühlen mit exakt der gleichen Kissenanzahl! Sicher ist sicher. Frau Gertrud fragte den BBB, wie man denn die Lügen, die über sie und die Mühle im Internet stehen, wieder aus diesem Internet herauskriegt. Schwierig, schwierig, das wissen wir alle. Also verkünde ich jetzt hier und heute in meinem Blog, der ja auch quasi ziemlich im Internet ist, dass es in der Daubisberger Mühle keine Forellen mehr gibt wegen ist nicht. Okay? Setzen! Aber nicht auf Tante Gertruds Stuhl!

Dann war aber schnell Schluss mit Klamm und lustig, dann ging es hinauf aus dem Tal.

 


Durch ein traumhaftes Seitental hinauf zum Schloss Schöneck. Und weiter kommen Highlight nach Highlight: Wiesenwege und Feldwege unterhalb von Hübingen, das Waldecho, da kommt es so aus dem Wald zurück, wie man hereinruft. Der Steinerne Hund, die Peterslay, die Teufelskanzel, alles herausragende Felsen mit phantastischen Aussichten.

 


Auf der Teufelskanzel habe ich mich dann zügig in eine Caspar-David-Friedrich-Wanderer-über-dem-Felsenmeer-Pose geworfen und in dieser affektierten Körperhaltung die trutzigen Überreste der Burg Rauschenberg betrachtet. Eine Burg, die der legendäre Burgenbauer Balduin, Erzbischof von Trier, oberhalb der Ehrbachklamm bauen ließ, um die Schöneck und die Ehrenburg zu unterwerfen. Was ihm auch gelang, und das führte im Endeffekt dazu – so der geschichtliche Exkurs des BBB – dass Deutschland ein föderalistischer, kein zentralistischer Staat wie Frankreich wurde. So wurden im Tal des Ehrbachs riesige Pflöcke der deutschen Geschichte eingeschlagen.

 

 

Zum Schluss gab es noch ein Belohnungsbier in der Oppenhauser Gaststätte „Tenne“. Der BBB hat einen ausgegeben. Herrlich eiskaltes Weizenbier belebte die erschöpften Wanderkörper. Das Bier schmeckte nicht nur gut weil es erstens eiskalt und zweitens für umme war, sondern weil drittens die Gaststätte an ihrem Ruhetag extra für uns geöffnet hatte. Ein Hoch auf Oppenhausen und die Traumschleife Ehrbachklamm!


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3 Kommentare zu “Die Traumschleife Ehrbachklamm

  1. Hallo Herr Andrack-

    Berichte gefallen mir super, aber so manche Ortsbezeichnungen etc. sind rechtsfehlerhaft, also vor Veröffentlichung Korrektur lesen lassen, durch Ortskundige.
    Und wenn möglich die Infotafeln im Anhang mit abdrucken: Vor Ort ist Wanderer entweder zu erschöpft, ins Gespräch vertieft, muss was essen, hat die Lesebrille vergessen, genießt die Aussicht, dringt wg. der anderen Leser nicht bis zur Infotafel vor. Manche lesen die Tafeln zwar, vergessen dann aber mit jedem weiteren Wanderschritt einen Satz. Und am Ziel, z. B. beim Schoppenstecher, finden sie die Lesebrille wieder, sind satt und sitt, waren auf der Toilette und haben das Wichtigste erzählt und denken nun an die Infotafel, die in Boppard ein Hydrologie-Professer mustergültig geschrieben hat, aber die hängt jetzt im Wald: Wie gerne würde Wanderer jetzt oder zu Hause noch mal nachlesen! Andrack und BBB könntens möglich machen, wäre m. E. auch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ihres Bopparder Wanderführers.
    Und irgendwo im Bopparder Wanderführer muss auch der Hunsrückbahnweg vorkommen, das kann die Bahn Rheno Veniro bezahlen, gehörte m. E. mit zum Bopparder Andrack-Projekt, sprechen Sie mit BBB darüber.#

    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz Bengart

  2. Hallo! Bei meiner nächsten Urlaubsreise nach Boppard, an erster Stelle, die EHRBACHKALMM! Oft genug davon gehört, jetzt aber total bezaubert. Also, mal, so tief wie sie mich führen wird, mit aller Zeit zum Genuss!
    Roque Danilo Bersch – Arroio do Meio (= Meddelstbach: eine Partnerstadt zu Boppard) – Rio Grande do Sul – Brasil

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