Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wandererparkplatzschild reloaded

Geschrieben am um 7:23

Alle, die schon mal in meiner Wandershow waren (ach, apropos Wandershow, meine kleine Herbsttour hat gerade begonnen, wer in der Nähe von Losheim, dem sächsischen Bad Elster, Denzlingen bei Freiburg oder Bad Pyrmont wohnt, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen…) werden wissen, welches mein liebstes Wanderschild ist: Schild Nummer 317 der StVO: Das Schild, das auf einen Wandererparkplatz hinweist. Der Klassiker ist natürlich die Vintage-Version…

 

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… die beiden Wanderleute auf dem Schild erzählen so viele Geschichten, die ich alle auf meiner Wandershow (ach, apropos Wandershow, meine kleine Herbsttour hat gerade begonnen, wer in der Nähe von Losheim, dem sächsischen Bad Elster, Denzlingen bei Freiburg oder Bad Pyrmont wohnt, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen…) erzähle. Die neue Variante des Wandererparkplatzschilds ist dagegen deutlich frugaler gestaltet, mehr so als Piktogramm …

 

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… bei den wandernden Glatzköpfen auf dem Schild weiß man heutzutage leider nicht, ob die wirklich politisch korrekt sind: Sind das Hooligans auf dem Weg zum Hogesa, ganz durchschnittliche Pegida-Mitläufer oder einfach frühverglatzte Links-Intelektuelle? Keiner wird das je in Erfahrung bringen können.

Nun hat mir aber mein Nürtinger Kumpel Jürgen ein Wanderparkplatz-Schild geschickt, das er im Piemont gesichtet hat…

 

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Was direkt in’s Auge fällt, ist das Kopftuch der Wanderfrau. Im doch eher konservativ sozialisierten Piemont ist nicht ganz klar, wie man dieses weibliche Kleidungsstück deuten soll. Ist es eine alte Katholikin, die mit Kopftuch zur Sonntagsmesse wandert? Oder ist es doch die Vorbotin einer neuen Wandergeneration, die gerade massiv nach Europa einwandert? Werden jetzt schon die Wandererparkplatz-Schilder islamisiert? Fragen über Fragen, auf die wohl nur Horst Seehofer eine Antwort hat …



Bankenkrise: Tanjas Bank und virtuelle Sinnenbänke

Geschrieben am um 7:56

Seit ich wandere, haben mich die unterschiedlichen Möglichkeiten fasziniert, eine Ruhebank am Wegesrand aufzustellen. Schon in meinen Gesammelten Wanderabenteuern (S. 65 – 68) stellte ich einige Arten von Banken vor: Spießige, rustikale und teilamputierte Wanderbänke.

In der Wandersaison 2015 habe ich weitere exotische Exemplare für Euch ausfindig genmacht. Zunächst einmal die faszinierende XXL-Bank an der Ahr, die durch eine Art atomare Bankenfusion entstanden sein muss. „Liebling, ich habe die Wanderer geschrumpft“ könnte als Motto über diesem monströsen Sitzmöbel stehen (übrigens tierisch ungemütlich) …

 

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In Siebenmeilenstifeln war es kleiner Sprung in’s Altmühltal zu einer ganz besonderen Patenschaftsbank. Dass der Spender einer Wanderbank sich mit einem Metallschildchen auf der Rückenlehne verewigt, ist hinlänglich bekannt: Das sind meistens Kreissparkassen, Schuhfachgeschäfte, Mittelgebirgsvereine. Das man nun aber schon salopp eine Patenschaft mit dem Vornamen übernehmen kann, war mir neu. Ich spare schon auf eine Manuel-Bank, denn was die Tanja kann, kann ich schon lange …

 

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Mittlerweile sind wahrscheinlich die bekanntesten und beliebtesten Bänke der Welt die – seit Eröffnung des Rothaarsteigs Anfang der Nuller Jahre erfundenen – ergonomischen Sinnenbänke. Besonders sinnlich und anspruchsvoll fand ich ein Exemplar am saarländischen Schluchtenweg …

 

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… man muss sich bei diesem Sitzmöbel in eine Art hypnotischen Sinnestaumel hinein versetzen, um als schwebende Jungfrau (oder Jungmann) die Füsse hoch zu legen. Ich habe das ausprobiert, habe aber das sinnliche Abenteuer mit einer schmutzigen Hose und einem schmerzenden Hintern abbrechen müssen. Irgendetwas scheint mit dieser virtuellen Sinnenliege nicht zu stimmen.

 



Mohren im Vorarlberg

Geschrieben am um 6:53

In der vergangenen Woche bin ich in’s benachbarte Ausland gefahren, um meine Wandergrenzen mal wieder neu auszuloten. Grenzen sind zur Zeit ja ein großes Thema! Ich fuhr zum wunderschönen Bodensee und bin auf den (gemässigten) Höhen des Bregenzer Wald gewandert. Beim Grenzübertritt zwischen Lindau und Bregenz habe ich übrigens keine Flüchtlingsströme gesehen, auch kein Flüchtlingsbächlein, noch nicht mal eine einzigen Flüchtling, vielleicht könnte aber diese österreichisch-deutsche Grenze eine Art Geheimtipp unter den Migranten werden (so lange der ZAUN noch nicht hoch gezogen ist). Was wirklich jeden Menschen glücklich macht, von innen raus sozusagen, sind die phantastischen Ausblicke im Bregenzer Wald oberhalb von Dornbirn …

 

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Da wandert man caspar-david-friedrichesk über einem Nebelmeer und fühlt sich wirklich wie im siebten Himmel. Ich bin ja nicht oft in alpinen Gegenden unterwegs, vielleicht sollte ich das öfter mal machen, denn als ich mich in der ersten Hütte am Weg, der Lustenauer Hütte niederlasse, habe ich ein Getränkeerlebnis der dritten Art (siebter Himmel + dritte Art ergeben übrigens addiert nicht die zehn Gebote). Hüttenwirt Peter schenkte mir ordentlich einen ein, einen giftgrünen Hammercocktail…

 

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… okay, zugegeben: ich habe die Waldmeisterlimo überlebt, obwohl mich der hammer-süssliche Geschmack an längst verschüttete klebrige Kindheitszungen-Genüsse erinnerte. Nachdem ich eine schöne Runde auf das Hochälple hinauf gewandert bin und die dortige Hütte geschlossen vorfand, bin ich wieder zurück zur Lustenauer Hütte gegangen. Weil dann schon Mittagszeit war, gab es deftiges Rindergulasch mit großartigen Semmelknödeln und ein Bier…

 

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… von Mohrenbräu. Mohrenbräu ist DAS Bier im Vorarlberg und der stark pigmentierte Junge mit den wulstigen Lippen auf dem Emblem zeugt davon, dass in Europa auch in vergangenen Jahrhunderten immer wieder gewandert wurde: Einwanderung, Auswanderung, man nennt es heutzutage vornehm Migration – aber ohne Mohr eben auch kein Mohrenbräu, das ist nun mal ein Fakt. Und dieses Getränk schmeckte so tausendmal besser als die giftgrüne Waldmeisterlimo, dass ich zügig ein zweites Mohrenbräu bestellt habe. Ein Prosit der Gemütlichkeit auf die Vorarlberger Bierkultur! Und die Migrationskultur!



Haben wir kein schönes Klima, fahren wir sofort nach Lima

Geschrieben am um 6:45

Über das Mega-Thema „Flüchtlinge“ gerät das Langzeit-Thema „Klimawandel“ etwas aus dem Fokus der Berichterstattung. Dabei steht Ende des Jahres in Paris die nächste große Klimakonferenz an, die Erwartung an konkrete Ergebnisse ist eher niedrig.

Manchmal kann der Kampf gegen den Klimawandel ganz einfach sein. Man muss zum Beispiel nur auf dem KlimaErlebnisWeg im Teutoburger Wald in der Nähe des Hermannndenkmals wandern.

 

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Bei jedem Schritt auf diesem Klimaweg bessert sich das Klima, je nach Bedarf wird es wärmer oder kälter. Ich sage es doch immer: Nur die kleinen Schritte führen zum Erfolg! Allerdings hätte man sich von den Intiatoren des Klimawegs etwas nachhaltigere Lösungen gewünscht. Nur ein paar Infotafeln zum bösen Klimawandel aufzustellen ist etwas dürftig. Man hätte zum Beispiel über die gesamten17 Kilometer in den Waldboden Trittplatten einlassen können, die beim Drauftreten einen Impuls auslösen, der Energie erzeugt. Nicht Atom- und Windkraft, sondern Fußkraft, das ist die Zukunft. Das ist übrigens keine Science Fiction, solche Bodenplatten sind schon in der City von London getestet worden.

Am Rennsteig bin ich auf einige Zeugen von Old School-Energieversorgung gestoßen.

 

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Zuerst dachte ich, ich wäre auf einem Minigolf-Platz gelandet, denn die lustigen Hütchen auf den Vollpfosten erinnerten mich an die lauschigen Lampen auf den Mini-Golf-Plätzen meiner Jugend. Aber dann war klar, da führt parallel zum Rennsteig der Gassteig, zwei Wege, und beide erzeugen Energie.

Viel wird ja über die Ursachen des Klimawandels geschrieben, geforscht, gestritten. Ist der Klimawandel menschengemacht oder eine halbwegs natürliche Erscheinung? Immerhin befinden wir uns vom Erdzeitalter her immer noch in einer abnehmenden Eiszeit, logisch, dass es da wärmer werden muss. Oder ist doch der böse böse Mensch an allem schuld? Ich habe bei einer Wanderung an der Sauer in Luxemburg am Wegesrand einen der Hauptverursacher der globalen Klimaerwärmung gesehen.

 

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Dieser pfiffige luxemburgische Heimwerker hatte sich eine imposante Grill-Lok gebastelt, die nicht nur formschön ist, sondern auch jede Menge Hitze für Unmengen von Grillgut entwickelte. Das strahlte vielleicht ab, mein lieber Mann, bei eher kühlen 14 Grad fühlte sich unser Grill-Lok-Konstrukteur bemüssigt, sich seiner Oberkleidung zu entledigen. Und die Atmosphäre rund um das sympathische Herzogtum hat sich um mindestens fünf Grad aufgeheizt.



Sieg!

Geschrieben am um 12:52

Vor einigen Wochen ging ich entspannt mit einer Wandertruppe an der Sieg entlang und wurde unverhofft vor eine Wahl gestellt, die mein Leben entscheiden könnte…

 

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„Bootsverleih oder kühles Bier“, das ist doch der Hammer! NATÜRLICH wollte ich mir eigentlich im beschaulichen Dattenfeld ein Boot leihen, aber die Aussicht auf WARMES Bier hat mich abgeschreckt. Also bin ich einfach weitergewandert, Pech gehabt.

Mein Wanderführer an meinem Wandertag auf dem Natursteig Sieg war Hans-Peter, ein rheinisches Original. Man lernt ja nie aus. Er begrüsste die ungefähr 30 Mitwanderer mit einem herzlichen „Hallo“ und hat dann die weiblichen Miwanderinnen intensiv umarmt. „Das mache ich immer so“ sagte crazy Hans-Peter. Ich überlege bis heute, ob ich die Frauen-Umarmung als Begrüßungsritual übernehmen sollte. (Bitte keine Kommentare dazu von den fränkischen Brüdern, sondern nur von qualifizierten weiblichen Wanderern.) Also noch mal: Fändet ihr das toll, wenn ich Euch (auch unbekannterweise) bei der nächsten gemeinsamen Wanderung um den Hals falle? Ganz ehrlich bitte. Wenn eine Mehrheit: „Jaaaaaa“ sagt, mache ich das.

Zur Erholung von dieser Debatte hier der Dattenfelder Dom. (Warum darf sich eigentlich jede Dorfkirche mit zwei Türmen anmassend „Dom“ nennen???)

 

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… jetzt mal wieder was Ernstes: Wie krank ist eigentlich unsere Wanderwelt, dass wir uns auf der Burg Windeck gegen Drohnen wehren mussten…

 

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Dort wurde oben an der Burgruine wurde tatsächlich Jagd gemacht, Jagd auf unschuldige Wanderer. STOPPT DIESEN IRRSINN! Ich unterschreibe ab heute jede Petition gegen Kampfdrohnen für oder gegen Wanderer, und auch gegen zu viele Umarmungen von Wanderführern werde ich protestieren. Oder etwa doch nicht?



Spannende Tierbegegnungen

Geschrieben am um 9:10

Es gibt ja Wanderfreunde, für die ist eine Wanderung nur eine richtige Wanderung, wenn sie haufenweise Tiere in Wald und Flur gesichtet haben: Hirsche, Rehe, Eichhörnchen. Wildkatzen, Dachse, Milane, Bussarde. Feuersalamander, Käfer, Ameisen. Natürlich habe ich auch schon mal ein Reh durch den Wald hüpfen gesehen, und einen Ameisenhaufen kann ich von einem Müllhaufen unterscheiden. Aber ein richtiger Fauna-Experte werde ich wohl nicht mehr werden. Um so besser, dass ich auf meinen Wanderungen dann doch immer wieder auf mehr oder weniger exotische Tierarten treffe.

 

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Wie zum Beispiel den Canus bayerleverkusenensis, der in einem kleinen Biotop zwischen Wuppermündung und Rhein heimisch ist. „SV“ hielt ich bislang immer für die Abkürzung von „Schülervertretung“, aber da man in Leverkusen Schäverhunde mit „V“ schreibt, weil es ja eben Leverkusener Schäverhunde sind und nicht Leferkusener Schäferhunde, muss es auch „SV“ heißen.

 

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Im schwäbischen Lonetal sah ich hingegen eine Lagune, in der auch Krokodile heimisch waren. Das ist natürlich eine Weile her, 150 Millionen Jahre. Schade eigentlich, da hätte es sich wirklich gelohnt, in eine Wellness-Abenteuer-Hotelanlage direkt an der Lagune zu investieren.

Am meisten nerven mich ja die – zumeist gehechelt vorgetragenen – Erlebnisberichte von anderen Wanderern, wenn sie von ihren diversen ultra-gefährlichen aber dann noch gerade so glimpflich ausgegangenen Begegnungen mit Wildschweinen berichten. Was machen diese Wildschwein-Connaisseure richtig beziehungsweise falsch oder was mache ich falsch beziehungsweise richtig, dass ich noch NIE NIE NIE ein Wildschwein bei meinen Wanderungen gesehen habe?

 

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Und wenn ich was vom Wildschein sehe, dann nur noch kümmerliche Überreste, wie diesen Oberkiefer. Eine richtige Sauerei ist das!



Aus dem Maschinenraum eines Premiumwegs: Die Traumschleife Marienberg in Boppard

Geschrieben am um 6:50

Als Wanderer kennt und schätzt man die hohe Qualität der Traumschleifen. Diese Qualität ist aber nicht ohne harte Arbeit zu haben. Wer denkt, man müsste für so einen Premiumweg nur ein paar bunte Schildchen an die Bäume nageln, der irrt. Gewaltig. Denn selbst in Boppard, in einer Gemeinde, die ordentlich von der landschaftlichen Muse geküsst wurde, ist die Kreation einer Traumschleife kein Kinderspiel.

Boppard hat bislang sechs Traumschleifen, am 20. September wird eine siebte eröffnet, die Traumschleife Marienberg. Der Clou ist: Ich durfte bei einer Arbeitswanderung einige Monate vor der Eröffnung des Premiumwegs teilnehmen. So erhalte ich Einblick in die Arbeit im Maschinenraum einer Traumschleife, dies ist also quasi ein Making-Of-Report. Bei der Arbeitswanderung dabei sind der BBB (Bopparder Bürgermeister Bersch), Ortsvorsteher Strömann, Verantwortliche vom Bauhof, einige Premiumweg-Experten und der Revierförster Ralf Kerber. Wir starten im Park des ehemaligen Klosters Marienberg. Kleiner Insider-Tipp: Wer ungefähr 20 Millionen Euro übrig hat, darf das Kloster erwerben und renovieren, das ist eine Top-Immobilie! Dann wandern wir das Bruder-Michels-Tal hinauf. Förster Kerber betätigt sich immer wieder als Graffiti-Künstler, allerdings fallen seine Sprüh-Aktionen sehr monochrom aus.

 

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Immerzu sprüht Kerber orange Graffitis: Pfeile, Buchstaben, ein „A“. Das „A“ steht nicht für „Anarchie“, ganz im Gegenteil, es soll ja ordentlich zugehen auf der neuen, 10,4 Kilometer langen Traumschleife. Das „A“ steht vielmehr für eine „Aussicht“. Denn ein dichter Wald ist ja schön und gut, aber manchmal müssen auch mal ein paar Bäume weg genommen werden, um Blickachsen Richtung Rhein zu eröffnen. An dieser Stelle möchte ich mal mit dem Missverständnis aufräumen, der Wald in Deutschland würde immer mehr verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall: Noch nie in den letzten 1.200 Jahren gab es mehr Waldflächen als aktuell. Und aus dem Holz der Bäume kann man ja vielleicht eine ganz schicke Bank schnitzen. Bänke, das ist immer wieder das Stichwort für den BBB. Mike, der Bauhof – Vorarbeiter mit dem Klemmbrett, kommt kaum hinterher, die ganzen Standorte zu notieren, die sich der BBB wünscht. Auf dem folgenden Fotodokument hält der oberste Banken-Berater von Boppard, Bürgermeister Bersch, wieder Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für ein weiteres Ruhemöbel …

 

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Man kann auf dem Foto auch schön sehen, wie die Vorarbeiten des Bauhofs ausgesehen haben: Mit Hacke, Schaufel und Muskelkraft ist ein neuer Pfad entstanden, der wunderschön am Hang entlang führt. Man sieht allerdings auch, was noch zu tun ist: Die neuen Treppenstufen sind zusätzlich mit Holzlatten abzusichern, damit die Stufen stabiler sind. Das Verrückte ist: Schon nach wenigen Monaten, wenn der Weg durch viele Wanderer genutzt wurde, wird dieser neu angelegte Pfad aussehen wie ein jahrzehntealter Trampelpfad.

Dann haben wir es aus dem Mittelbachtal hinauf geschafft bis zu einer Aussichtsplattform, und dort oben muss man gar keine Bank mehr installieren – da steht schon eine.

 

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Die Bank trägt eine Nummer: 174. Das ist die Bank Nummer 174 des VVV Boppard (VVV ist die Abkürzung für Vitaler Verschönerungs Verein). Der VVV hat alle 689 Bänke in der Gemeinde Boppard durchnummeriert, in Kataster verzeichnet, und – was das Wichtigste ist – geklont. Das heißt: In einer riesigen Lagerhalle in Boppard stehen alle 689 Bänke identisch noch einmal, und wenn eine Bank im Wald wegen Altersschwäche oder Vandalismus schwächelt, wird sie ruckizucki ausgetauscht. Großartiges Prinzip! Wenn man genau hinschaut, sieht man auch die dunstige Aussicht auf Boppard und die kleine weiße Kirche mit den Doppeltürmen, St. Severus.

 

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Eben diese Bopparder Kirche St.Severus wird am 19. Juli 2015 offiziell zur Basilika „erhoben“, wie das der katholische Amtsschimmel nennt. Warum St.Severus zu dieser Ehre kommt, weiß selbst Bürgermeister Bersch nicht so genau. Aber er hat eine Theorie, und die geht so: Rückblende – wir schreiben das Jahr 1985, ein nicht mehr ganz so junger Priester aus Argentinien verbringt zwei Monate im schönen Boppard am Rhein und erlernt dort die deutsche Sprache am Goethe-Institut. Der argentinische Priester wohnt zur Untermiete bei Familie Schmidt. Fremdsprachenkenntnisse kann man immer gebrauchen, vor allem wenn man Herr Bergoglio heißt und fast dreißig Jahre später Papst wird. Nun, so die Theorie von Walter Bersch, kann es nicht mehr lange dauern, bis der Papst höchstpersönlich die Bopparder Stadtkirche zum Dom macht.

Ein fast ein biblisches Wunder habe ich oberhalb des Bopparder Ortsteils Buchenau fotografiert:

 

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Dort vereinigen sich in fast schon unzüchtiger Manier eine Eiche und eine Buche. Da hat sich die Eiche den Merksatz „Buchen sollst Du suchen“ zu Herzen genommen. Es ist nur so: die Buche konnte nicht schnell genug weg, denn die wusste ja auch: „Eichen sollst Du weichen…“ Fanatische Bopparder interpretieren diese Naturwunder ganz anders: Die stolze Eiche, das sei Boppard, und die Buche symbolisiere Bad Salzig. Beide Orte sind ja nun in der Gemeinde Boppard vereinigt, aber mental noch nicht so zusammen gewachsen wie diese beiden Bäume.

Wir wandern Richtung Rhein, erreichen das Hochplateau Eisenbolz. Weiter geht es arbeitswandernd oberhalb des Rheins Richtung Boppard zurück auf einem sensationellen, neu angelegten Pfad.

Wenige Kilometer, bevor wir wieder im Park des Klosters Marienberg ankommen, geht es schließlich in Hanglage an einer verfallenen Hütte vorbei. Dort hat sich der national bekannte Verbrecher Dieter Freese 1989 für einige Zeit versteckt gehalten. Es wird diskutiert, ob dieser für einen Wanderweg sehr schräge Ort mit einer Info-Tafel versehen wird oder nicht. Ergebnis bei Redaktionsschluss noch offen. Ich habe mich aber mit Bauhof-Vorarbeiter Mike vor der Hütte ablichten lassen, denn Mike ist der Neffe eines Polizisten, der den Ganoven mit Hilfe seines Schäferhundes geschnappt hat. Kriminalgeschichte pur an einer Traumschleife!

 

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Jetzt fragt sich der geneigte Leser natürlich: Hat sich der feine Herr Andrack überhaupt auch nützlich gemacht bei dieser Arbeitswanderung oder hat er immer nur mit weit offenem Mund staunend daneben gestanden, wenn die großen Entscheidungen anstanden: Bank oder nicht Bank, Infotafel oder nicht, Aussichtspunkt oder Sinnenliege? Klar habe ich zum Erfolg der Traumschleife Marienberg beigetragen. Ich habe mich einfach mal hingesetzt, auf eine Schiefermauer.

 

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Und da haben alle gerufen: Genial! Super!! Grandios!!! Da machen wir keine Bank hin und auch keine Sinnenliege, sondern wir nageln einfach einige Holzlatten auf den Schiefer, schon haben wir eine prima Bank mit Blick auf Vater Rhein. Eine „Andrack-Bank“, wenn ich das mal in aller Unbescheidenheit sagen darf. Viel Spaß auf der Traumschleife Marienberg mit all ihren Bänken und Aussichtspunkten!



Ganz kleines Karo

Geschrieben am um 8:06

Ich werde oft gefragt, was ein Wanderexperte/Wanderprofi/Wandermeister (siehe Eintrag vom 19. Mai) den lieben langen Tag macht. Wandern hauptsächlich, klar. Wanderwege eröffnen, Wanderveranstaltungen moderieren, Wandershows präsentieren, extrem lustige Wanderlesungen abhalten. So weit kann man das ja auch aus meinem Terminkalender ableiten. Aber aktuell ist eine ganz neue Beschäftigung dazu gekommen: Ich bin Assistent Head Controller of Karomuster Design. Das ist eine Tätigkeit, die mich seit Wochen ausfüllt. Denn die Herbstkollektion von Fifty Five für das Jahr 2018 steht vor der Tür. Und erstmals sollen Lang-Arm-Wanderhemden im Angebot sein. Und Wanderhemden müssen nun mal, warum weiß wirklich nur der Wanderpapst, immer und stets kariert sein. Seit Wochen wälze ich nun kiloschwere Musterbücher …

 

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In den Musterbüchern sehe ich kleines Karo, ganz kleines Karo, mittelgroßes Karo verschränkt und verschwurbelt mit großem und kleinem Karo. Das alles natürlich in allen möglichen Farbkombinationen. Der Hammer! Sechs Richtige im Lotto sind wahrscheinlicher als DAS perfekte Karo zu designen. Aber ich habe einen glasklaren Karofavoriten. Und nun frage ich Euch, liebe Netzgemeinde (auch ein Netz ist ja im Endeffekt aus Karos gestrickt, faszinierende Paralelle!) ich frage Euch also, wie gefällt Euch das rot-weiss-schwarze Muster No. 25:

 

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Wusste ich doch, ich habe Euren Geschmack getroffen!!! Fifty Five wird stinkreich werden, wenn sie dieses Karomuster für ihre Herbst-Wanderhemden verwenden werden, weil ihr alle das Andrack-hat-das-Karo-ausgesucht-Hemd kaufen wollen. Bevor wir (die Fifty Fives und ich) aber stinkreich werden, gehen wir erst noch mal auf Welt-Tournee mit dem Fifty-Five-Mobil. Ich habe Glück gehabt, ich muss nicht wie Stefan auf dem Beifahrersitz schlafen. Nein, ich habe ein riesiges Zelt ganz für mich allein. Und in meinem neuen Heim, dem feuerroten Fifty-Five-Zelt, dort schlafe ich Nacht für Nacht und träume von kleinen, bunten Karos…

 

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Ach ja, und am 12. September gibt’s die große Fifty Five-Sause am Firmensitz in Netphen bei Siegen. Essen, Trinken, Wandern auf dem Rothaarsteig, Mucke, kurze Lesung aus meinen Büchern und natürlich Verkauf von Fifty-Five-Klamotten noch günstiger als sonst. Wer nicht kommt ist selber schuld…

 



Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 6:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. „Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern“ könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt „Zum Hungersberg“, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, „für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen“. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



Bombige Wanderfundstücke, von denen man sich mal eine Scheibe abschneiden könnte, oder um die man einen Haken schlagen sollte – sowie ein Dings

Geschrieben am um 8:45

Gerade wenn bei einer Gruppenwanderung die Stimmung bombig ist, sollte man sich daran erinnern, dass es mal Zeiten gab (vor allem nach dem letzten Weltkrieg), an dem jeder Schritt im Wald ein gewisses Restrisiko beinhaltete.

 

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Diese amerikanische Fliegerbombe traf ich …, nein Quatsch, noch mal. Diese amerikanische Fliegerbombe sah ich bei einer Wanderung oberhalb der Sauer in Luxemburg. Wenn solche Bomben normalerweise in den Medien auftauchen, dann werden zumeist ganze Stadtviertel evakuiert. Hoffen wir mal, dass die luxemburgischen Bombenentschärfer auch ihr Geschäft verstehen, und das Ding am Wanderrastplatz nicht noch scharf ist…

 

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… scharf wie diese Brotschneidemaschine am Neanderlandsteig zwischen Velbert-Nierenhof und Nordrath. Was soll dieses Gesamtkunstwerk dem Wanderfreund sagen? Schärfe Deine Sinne? Von diesem Wanderweg kann man sich mal ’ne Scheibe abschneiden? Darf’s ein bißchen mehr sein?

Letztes Jahr war es die Weltneuheit, 2015 ist das Ding schon ein wenig abgehangen (sorry für den schwachen Kalauer). Die Rede ist vom „Hiking Hook“, dem Cousin von Captain Hook von der Jolly Roger.

 

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Diesen Wanderhaken soll, kann, muss man mit einem Band an einen x-beliebigen Baum binden, dann kann man seinen Rucksack oder eine Jacke bequem aufhängen. Eher etwas für ordentliche Leute, die ihren Kram auch daheim nicht einfach auf den Fußboden pfeffern. Und dann habe ich noch ein Fundstück, das mir Kai-Uwe, ein in der Schweiz lebender Exil-Saarländer (was es alles gibt!) geschickt hat…

 

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Kai Uwe hat das Dings auf einem Schweizer Flohmarkt erstanden, ganz genau konnte ihm der Verkäufer auch nicht sagen, wie dieses Dings funktioniert, angeblich sei es aber ein Entfernungs-Messgerät für Wanderer. Nun fragt sich Kai-Uwe, und ich frage mich das auch: Aus welchem Jahrhundert ist dieses Dings, wer war der Hersteller, wie benutzt man es genau und vor allem: Warum gehen auf dem großen Rad die Zahlen nur bis 18? Ist das ein Messgerät nur für Wanderer bis zum Erreichen der Volljährigkeit? Oder nur für Touren bis 18 Kilometer? Ich bitte Euch, helft Kai-Uwe und mir: Sachdienliche Hinweise nimmt das Aktenzeichen XY, die örtlichen Polizeidienststellen sowie die Kommentarleiste dieses Blogs entgegen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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