Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Von Wandervögeln und Schnapsdrosseln

Geschrieben am um 12:36

 

Der Durst so mancher Wanderer ist legendär. Der Einkehrschoppen, der Gipfelschnaps, das Belohnungsbier, da wird so mancher Wandervogel zur Schnapsdrossel. Daher ist das Verbots- und Hinweisschild, das ich in der Sächsischen Schweiz sah, nur recht und billig. Man sollte also als trinkfreudiger Wanderfreund immer ein paar Pfennigstücke in petto haben, am besten DDR-Währung, ich weiß nämlich nicht, ob die sächsische Wanderpolizei schnöden Euro-Cent-Mammon akzeptiert.

 

 

In der Pfalz kennt man auf jeden Fall keinen Trinker-Obulus, im Gegenteil, die füllen ihre Weinschorle immer in diese Halblitereimer ab und dann hoch die Tassen. Schon mein Großvater, der alte Held der Ardennen, wusste: „Viel hilft viel“

 

 

Und dann könnte man angesichts des legendären Schierker Feuersteins denken, dass ich mal wieder am Brocken gewandert bin. Falsch! Ein nordrhein-westfälischer Wanderfreund drückte mir und den Umstehenden bei der letzten Eröffnung des Neanderlandsteigs von Gruiten nach Düssel in eben diesem Düssel (ja, ja, es gibt auch einen Ort der heißt Düssel, ohne DORF!!!) der drückte uns also den kleinen Schierker Beschleuniger in die Hand und weg war er. Nicht der wanderer, der Schnaps. Da frag ich mich grad, ob Andrack-Blog-Intimus Markazero, der neben mir am Etappenziel in Düssel fröhlich dunkles fränkisches Bier zischte, auch einen Feuerstein abbekommen hat? Wäre schade, wenn nicht.

 

 

Was hat nun diese ganze Sauferei verdammt noch mal mit unserem Wandersport zu tun? Hm, ehrlich gesagt: Nichts. Und die Burg Eltz ist eh so schön, die muss man sich eigentlich nicht schön saufen. Aber was soll‘s, Watt mutt, dat mutt. Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken! Prost!!!



Es ist zum Heulen

Geschrieben am um 9:34

Jahrzehntelang habe ich im Kölner Landkartenhaus Gleumes meinen Bedarf an Wanderkarten, Landkarten, Reiseführern gedeckt. Die Beratungsqualität war großartig, die Auswahl gigantisch. Ein Paradies für Liebhaber der Faltkarte. Am Samstag schließt das Geschäft am Kölner Ring, es ist wirklich zum Heulen. Der nette Mann an der Kasse fragte mich, als ich die letzte Gleumes-Wanderkarte meines Lebens kaufte (Östlicher Bodensee, Friedrichshafen/Ravensburg, wenn ich am 12. Oktober in Baienfurt/Nähe Ravensburg mit “Andracks kleiner Wandershow” auftrete, möchte ich dort auch tagsüber wandern) als ich also diese Karte bezahlte, da fragte mich der Gleumes-Mann: “Und Herr Andrack, was werden Sie jetzt ohne uns machen?” Ich antwortete mit Kloß im Hals: “Weiß nicht”.

 

 

Ich weiß wirklich nicht, wo ich in Zukunft meine Karten kaufen soll, wo ich beraten werde, wie man in Mazedonien, Schottland, Israel und der Eifel wandern kann. Ich weiß es nicht. Aber eins weiß ich, dass ich als Kunde eine Mitschuld habe. Natürlich habe ich schon jede Menge Wanderkarten und -führer bei Amazon bestellt, das ist ja soooo bequem. Aber es ist ein Fehler und es hat eines der besten Geschäfte der Welt – Gleumes am Ring – kaputt gemacht. Ich habe schon seit einigen Monaten umgesteuert, und kaufe (oder bestelle) meine Wanderkarten und Bücher beim Buchhandel. In Köln zum Beispiel bleibt noch Globetrotter, die auch eine passabel sortierte Karten- und Wanderführersammlung haben, und auch sehr gut beraten. Nicht zu vergleichen mit Gleumes, aber immerhin. Die Globetrotters kann ich zum Beispiel auch vom Saarland aus anrufen und die schicken mir (natürlich portofrei), was ich brauche. Das machen auch viele lokale Buchhändler mittlerweile so. Mit diesem Amazon-Boykott (dass diese “Firma” auch noch den deutschen Steuerzahler betrügt, ist auch ein Thema für sich…) mache ich Gleumes auch nicht wieder lebendig, aber ich tue etwas gegen mein schlechtes Gewissen. Immerhin kann ich jetzt noch in und um Baienfurt wandern., mit meiner letzten Gleumes-Karte.



Die friedlichste Stadt der Welt

Geschrieben am um 6:36

 

 

Wenn ein Bild mehr sagt als hunderte Seiten Lyrik. Gerade für einen kölschen Jung wie mich, ist es doch immer wieder schön, auf den alten – aber dennoch ewig jungen – Vater Rhein zu blicken. Und beim tränenverhangenen Blick (oder war es doch Starkregen???) auf den Strom, beantwortet sich doch die Frage von selber, warum es am Rhein so schön ist. Ich hatte den romantischsten Weg gewählt, den Rhein zu überqueren: mit einer Fähre, und zwar war ich mit der nördlichsten Kölner Rheinfähre von Langel nach Hitdorf gefahren, um dann wenige Kilometer rheinabwärts auf den Kreis Mettmann und den Neanderlandsteig zu stossen, seit einigen Monaten mein kleines Patenkind.

 

 

Wenigen Kölnern wird es überhaupt bewusst sein, dass im Norden der Schunkelstadt eine gemeinsame Grenze mit dem Kreis Mettmann besteht, aber so ist das. Auf dem Neanderlandsteig kann man richtig nett am Rhein entlang wandern, zur linken die Industrieanlagen von Bayer Dormagen, zur rechten die Schafe.

 

Zum Abschluss meiner kurzen Wanderung (6,873 km) vom Hof Blee in die Monheimer Altstadt trank ich noch eine Gerstenkaltschale und beobachtete neben mir ein wunderliches Ehepaar. Er trank Altbier, sie Kölsch, beide schienen sich zu mögen. Man erklärte mir, durch Monheim verlaufe der Bieräquator der beiden Getränke, und die Geschmäcker seien halt verschieden. Eine gesegnete Stadt, diese Monheim, kein Gezänk, kein pubertärer Bierstreit. Es ist, als wenn der Papst mit dem Ajatollah Tango tanzt. Prost!

 



Warum ist das orange?

Geschrieben am um 14:36

 

Der neueste Schrei auf dem Premiumwanderwege-Markt: Ein Kinderpremiumweg. Das deutsche Wanderinstitut sagt zwar streng: Was soll das heißen: „ Kinderpremiumweg“? Es gibt Premiumwege, Punkt. Aber keine Kinderpremiumwege oder Seniorenpremiumwege oder 1.FC-Köln-Premiumwege. Obwohl: Den könnte man ja rund um‘s Geißbockheim anlegen. Na ja, egal.

Trotzdem ist der neue Premiumweg „Nahequelle-Pfad“ im Nordsaarland eindeutig auf die Bedürfnisse von Kindern angelegt. Alle 600 bis 800 Meter findet zum Beispiel sich ein phantasievolles Holzhäuschen oder eine Schaukel.

 

 

Außerdem, für Kinder ganz wichtig, spielen Tiere eine große Rolle. Ein Wildgehege, ein freilaufender Pfau und Streichelziegen- und Geißböcke lassen Kinder- und 1.FC-Köln-Fan-Herzen höher schlagen. (Vielleicht sollte sich man das mit dem 1.FC-Köln-Premiumweg doch ernsthaft überlegen).

 

 

Ein weiteres Muss für eine Wanderweg, der Kindern gefällt: Wasser sollte eine große Rolle spielen. Ein Bächlein, das sich durch den Wald schlängelt war schnell gefunden. Und dann gab es noch die Nahequelle zu finden, die dem Weg nun mal den Namen verleiht. Als wir die dezent sprudelnde Quelle entdeckten, fragte meine jüngste Tochter, die als Testkind dabei war: „Warum ist das orange?“ Tja, äh, weil die Nahequelle Holland-Fan ist oder, äh, weil das Wasser so eisenhaltig ist, oder…“ Aber da interessierte sich meine Tochter schon nicht mehr für meine gestammelten Erklärungsversuche, sondern warf eifrig und stundenlang Steinchen in die Quellpfütze.

 

 



Nicht stehen bleiben!

Geschrieben am um 7:20

Vor kurzem war es mal wieder soweit: Der Berg rief. Erst dachte ich, lass den mal rufen und schaltete auf Durchzug. Dann erkannte ich aber die Stimme von Lukas Meindl und Wandermagazin-Chefredakteur Michael Sänger, und es klang plötzlich nicht mehr nach Rufen, sondern fast wie ein Befehl. Ich wäre noch so gerne in der Meindlschen Jagdhütte geblieben, hoch oben auf der Reiter Alm, südlich von Traunstein. In der Hütte war es kühl und nicht so heiß, wie in der glühenden Sonne. Aber vor allem hatte Lukas Meindl eine Brotzeit in seinem Rucksack mitgeschleppt, die es in sich hatte. Herrlich. Noch besser als der Käseteller der SBB.

 

 

Ich wollte also in der Hütte bleiben und noch mehr futtern, aber es half nichts, mit Zweidrittelmehrheit haben die beiden Bergfexe entschieden: Aufi geht’s! Dabei ist Bergwandern doch soooooo gefährlich. Das zeigt mal wieder diese Schild, dass ich beim Aufstieg zu Reiter Alm sah.

 

 

Ich blieb stehen, um das Schild zu studieren. Hatte ich als Flachlandtiroler schon wieder einen Fehler gemacht? Denn stehenbleiben war doch wegen Felssturz strengstens verboten. Aber wie hätte ich denn ohne Stehen zu bleiben die Gefahrenmeldung lesen sollen? Die Bergwelt ist ein Buch mit sieben Siegeln für mich. Aber eins muss ich zugeben. Am Gipfel isses dann doch immer wieder wunderbar. Hier mein schönstes Foto vom Gipfelkreuz, da geht einem doch das Herz auf, oder?

 



Die aufregendste Wanderweg-Eröffnung der Welt

Geschrieben am um 14:20

Was war DER Aufreger der letzten Tage? Das Unwetter über Hessen? Die NSA-Affäre? Der Sieg von Saarbrücken gegen Bremen? Mitnichten! Und auch mitneffen!

Der Aufreger überhaupt war natürlich die 2. Eröffnung des Neanderlandsteigs. So aufregend, dass die Polizei den gesamten Kreis Mettmann und Düsseldorf tagelang abgesperrt hatte.

 

 

So aufregend, dass Dutzende Wanderer wegen drohendem Sonnenstich und Dehydrierung zu kollabieren drohten. Gott sei dank haben die Heinzelmännchen des Kreises Mettmann das mit vielen Wasserbechern verhindert.

 

 

Und dann dieser Ansturm vor dem Drehkreuz zum Privatwald im Garather Forst! So dringend wollte kein Mensch mehr durch einen Zaun seit dem Sturm auf die Prager Botschaft im Sommer 1989. Dramatische Szenen!

 

 

Zurecht gab es am Etappenziel Standing Ovations für die Handvoll Wanderer, die den Strapazen des 11 Kilometer langen. topfflachen Wanderung getrotzt hatten. Hurra!

 

 



Unterwegs in den Lippe-Auen

Geschrieben am um 8:19

Im August in DB Mobil: Mein text über die Lippe-Auen. In meinem Blog gibts jetzt noch exklusive Zusatzinfos.

 

 

Ich habe schon viel gesehen, aber so ein Auto wie den grünen Fiat Punto von Scharf noch nicht. Scharf holt mich vom Bahnhof Lippstadt ab, wir wollen das Naturschutzgebiet in den Lippe-Auen erkunden. Sein Auto sieht aus wie eine Mischung aus Rinderstall und Ersatzteillager, der Fahrzeugboden ist übersät von Rübenschnitzeln. “So sieht eben das Auto eines Rinderzüchters aus” sagt Scharf und lacht. “Die Rübenschnitzel brauche ich, um mich bei den Viechern einzuschleimen. Da hab’ ich auch schon Kälber hintendrin gehabt, hinter der Rückbank, schön gefesselt und geknebelt, damit das nicht unterwegs aufspringt. Und wenn man die richtig quetscht (nein keine Angst, nicht die Kälbchen), passen acht Bund Heu in den Punto.“ Ich bin beeindruckt. Genauso beeindruckt wie von dem Auto-Aufkleber des Naturschützers.

 

 

Scharf ist gegen Windkrafträder Solaranlagen und Mais auf den Feldern. Dann doch lieber Atomstrom. So konsequent kann Naturschutz sein, ob das wohl jeder Politiker der Grünen unterschreiben würde?



Voll obermodern, das Müüsli

Geschrieben am um 10:31

Im nächsten WANDERMAGAZIN geht die schöne Serie “Andrack wandert mit den Outdoor-Firmen-Chefs-und-Chefinnen” in die nächste Runde. Diesmal wandere ich mit Rolf E. Schmid, dem Chef von Mammut. Die Tour war geil, was zum ersten an der Landschaft lag, denn die Ausblicke auf den Vierwaldstätter See lassen auch einem eingefleischten Mittelgebirgswanderer das Herz aufgehen.

 

 

Zum zweiten haben wir auch einige schöne Gipfel erklommen. Obwohl der Huserstock mit seinen 1904 Meter doch eher etwas für einen beinharten Schalke-Fan gewesen wäre. Die nächste Schweizer-Wander-Tour sollte daher für mich als FC-Fan am Berg Haglere (1948 m) vorbeiführen, vor allem, weil ich den beim googeln unter der URL www.bierwandern.ch gefunden habe.

 

 

Aber was soll man bitte schön von Kreuzsponsoren halten, die Roli & Müüsli heißen? Rätselhafte Eidgenossen…

Ich bin mit dem Mammut-Chef an einem dieser unendlich heißen Juni-Tage gewandert. Es war so abartig heiß, dass sogar diese Kuh (zuerst hatte ich gedacht, das Rindviech hätte ihren Kopf in den Seilbahnmast eingeklemmt) allerlei Verrenkungen machte, um mit dem Kopf im Schatten zu sein.

 

 

Alles in allem wie gesagt eine geile Tour, oder sollte ich statt “geil” “obermodern” sagen? Diesen Ort entdeckte ich bei der Rückfahrt von Luzern nach Saarbrücken in der Nähe von Straßburg. Ich bin mir nur nicht sicher, ob man den Namen als Adjektiv oder als Verb benutzen darf, kann und sollte.

 



Sommerzeit, Meditationszeit

Geschrieben am um 6:21

Hier ein exklusiver Service von mir, eine kleine Meditationsübung, gefunden auf dem Kunstwanderweg im Fläming.

 

 

Auf die beiden Punkte musst Du schauen. Und jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt kommt die Meditationsanleitung.

SETZ DICH!

 

 

So, und wenn das nicht geklappt hast, bist Du entweder farbenblind, oder, was sehr sehr wahrscheinlich ist, total UNSENSIBEL. UND ÜBERHAUPT, HAST DU DICH WAHRSCHEINLICH NULL AUF DIE TOLLE MEDITAION EINGELASSEN, ALSO GEFÜHLSMÄSSIG MEINE ICH!!!!!!

So, jetzt SETZ DICH!, und noch mal von vorne, bis das klapppt….



Wanderkunst

Geschrieben am um 12:02

Seit gestern kann man im Reiseteil der ZEIT meine Reportage über meine Tour mit dem Kunstwanderer Hendrik Sturm auf dem GR2013 lesen, studieren, auswendig lernen. Eine sehr aufregende und ungewöhnliche Wanderung war das…

Hier ein kleiner Bilderreigen zu diesem Erlebnis.

1. Die mysteriösen Hinterlassenschften der Asiatin

2. Leere Kondompackung am szenebekannten Gay-Treff

3. Mit Hendrik Sturm beim Picknick im Talkessel, in dem schon Marlene Dietrich sang

4. Brennendes Haus auf dem Übungsgelände der französischen Feuerwehr


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche

Letzte Kommentare


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.