Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wander-Comedy-Fans-Wanderung auf dem Kölnpfad mit falschem Pilz

Geschrieben am um 8:00

Am 10. April durfte ich Premiere feiern: erstmals bin ich mit einer kleinen Wandertruppe direkt zu einem Auftritt meiner Wandershow marschiert. Nachdem mir klar geworden war, dass der Auftrittsort Eltzhof am Schloss Wahn DIREKT am Kölnpfad liegt, war der Plan geboren: Wir treffen uns um 15:00 an der Endhaltestelle der Linie 9 und wandern durch Königsforst und Wahner Heide bis zum Auftrittsort, dann ein paar Zwischenbiere und als Sahnehäubchen die Wandercomedy…

 


Die Wandertruppe war super drauf und sehr fit, ein Stundenschnitt von fünf Kilometer ist für eine 16-köpfige Gruppe mehr als ordentlich. Als Leitwolf auf diesem Bildausschnitt ist ein lieber Wanderfreund zu sehen, der auch ab und an Kommentare in diesem Blog postet, aber unter Pseudonym, welches ich an dieser Stelle natürlich keinesfalls lüften möchte.

Der hervorragende Schnitt wurde durch zwei Faktoren begünstigt: Zum einen waren einige Herren in der Wandertruppe ziemlich schnell ziemlich unterhopft. Hallo Markus, hallo Stephan! Die haben dann ziemlich am Horn gezogen. Zum zweiten ist der Kölnpfad generell und speziell zwischen Königsforst und Wahn topfflach, keine Steigungen, niederrheinische Tiefebene…

 


Nun ist der Kölnpfad, Rundweg um Köln, nicht der schönste Wanderweg des Rheinlands (zu laut, zu viel Asphalt, zu viele breite Wege), aber der Abschnitt zwischen Königsforst und Wahn hat doch einige hübsche Passagen zu bieten, am besten haben uns die netten Pfade im Grengeler Park gefallen, ein kleiner Weiher, ein nettes Bächlein. Und die beiden einheimischen Mitwandererinnen waren ganz stolz, ihren Grengeler Wetterpilz zu zeigen (Gruß an Wetterpilzexperte Klaus Herda, der auch in der Wandershow war!):

 


Aaaaber: wir mussten die Damen enttäuschen, das ist natürlich kein richtiger Wetterpilz, denn ein richtiger Wetterpilz hat nur EINEN Fuß, seit wann hat ein Pilz VIER Beine? Na also. Das Ding im Grengeler Park erinnerte eher an ein Monster aus dem Krieg der Welten, einen Kampfpilz auf vier Beinen.

 

Apropos Kampfpilz. (ganz weit oben auf der Liste der absolut sinnfreien Überleitungen): Besucht doch bitte mal den Blog meines Sponsors:

 

Blogger schenken Lesefreude!

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Die Traumschleife Ehrbachklamm

Geschrieben am um 15:00

 

Der Start der Traumschleife ist toll, keine Frage. Es geht los im Bopparder Ortsteil Oppenhausen, von dem eingefleischte Bopparder unten am Rhein sagen, das das nicht so richtig Boppard wäre, eher volle Pulle Hunsrück, aber das sollen die Oppenhausener und die Bopparder am Rhein unter sich ausmachen. Es geht durch Felder, der Raps blüht knallgelb, Blicke hinüber in die Eifel bis zur Hohen Acht, vorbei an einem Jugendzeltplatz, ein spektakulärer Felsen (die Beulslay), ja, das ist alles ganz toll, aber dann wird die Traumschleife einfach nur super, super, super, denn dann geht es hinein in die Ehrbachklamm.

 


Ich lege mich da mal fest: Die Ehrbachklamm ist definitiv die schönste, wildeste, romantischste Klamm in den deutschen Mittelgebirgen. Versucht mich da mal vom Gegenteil zu überzeugen, das wird aber schwierig! Keinen Weg bin ich in meinem Leben öfter gewandert. Man wandert über Stock und Stein, manchmal helfen Brücken, Seile und kleine Leitern bei der Wanderung auf dem schmalen Pfad, manchmal nicht.

 


Der BBB (BBB steht für Bopparder Bürgermeister Bersch) ist auf vorstehendem Foto zu sehen, wie er glücklich eine kleine Leiter überwindet. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob der BBB durch sein knallrotes Hemd etwas über seine Parteizugehörigkeit verraten will, muss ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Der BBB wies mich aber auf ein Schild in der Mitte der Klamm hin.

 


Die Ehrentafel erinnerte an den Erfinder der Ehrbachklamm, Herrn Francke. Für die Hunsrücker Bauern war die Klamm immer uninteressant gewesen, weil wirtschaftlich nicht nutzbar – zu eng für Mühlenbetrieb, zu felsig für den Holzabtransport. So blieb es den bildungsbürgerlichen (Apotheker!) Wandervögeln überlassen, die Ehrbachklamm wandertouristisch zu erschließen. Danke Herr Francke! Und: Save the date – tragt Euch schon mal 2021 in Euren Terminkalender ein, da wird die große 100-Jahr-Sause in der Klamm gefeiert.

Dann kamen wir zur Daubisberger Mühle und kehrten zünftig ein. Man sollte sich aber bloß nicht auf den Platz der Mühlenwirtin setzen:

 


Der ist reserviert. Frau Gertrud scheint in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse abzustammen, darauf weisen die viele Kissen hin, die sie benötigt, um auf ihrem Stuhl zu sitzen. Das Tolle ist, es gibt zwei von diesen reservierten Stühlen mit exakt der gleichen Kissenanzahl! Sicher ist sicher. Frau Gertrud fragte den BBB, wie man denn die Lügen, die über sie und die Mühle im Internet stehen, wieder aus diesem Internet herauskriegt. Schwierig, schwierig, das wissen wir alle. Also verkünde ich jetzt hier und heute in meinem Blog, der ja auch quasi ziemlich im Internet ist, dass es in der Daubisberger Mühle keine Forellen mehr gibt wegen ist nicht. Okay? Setzen! Aber nicht auf Tante Gertruds Stuhl!

Dann war aber schnell Schluss mit Klamm und lustig, dann ging es hinauf aus dem Tal.

 


Durch ein traumhaftes Seitental hinauf zum Schloss Schöneck. Und weiter kommen Highlight nach Highlight: Wiesenwege und Feldwege unterhalb von Hübingen, das Waldecho, da kommt es so aus dem Wald zurück, wie man hereinruft. Der Steinerne Hund, die Peterslay, die Teufelskanzel, alles herausragende Felsen mit phantastischen Aussichten.

 


Auf der Teufelskanzel habe ich mich dann zügig in eine Caspar-David-Friedrich-Wanderer-über-dem-Felsenmeer-Pose geworfen und in dieser affektierten Körperhaltung die trutzigen Überreste der Burg Rauschenberg betrachtet. Eine Burg, die der legendäre Burgenbauer Balduin, Erzbischof von Trier, oberhalb der Ehrbachklamm bauen ließ, um die Schöneck und die Ehrenburg zu unterwerfen. Was ihm auch gelang, und das führte im Endeffekt dazu – so der geschichtliche Exkurs des BBB – dass Deutschland ein föderalistischer, kein zentralistischer Staat wie Frankreich wurde. So wurden im Tal des Ehrbachs riesige Pflöcke der deutschen Geschichte eingeschlagen.

 

 

Zum Schluss gab es noch ein Belohnungsbier in der Oppenhauser Gaststätte „Tenne“. Der BBB hat einen ausgegeben. Herrlich eiskaltes Weizenbier belebte die erschöpften Wanderkörper. Das Bier schmeckte nicht nur gut weil es erstens eiskalt und zweitens für umme war, sondern weil drittens die Gaststätte an ihrem Ruhetag extra für uns geöffnet hatte. Ein Hoch auf Oppenhausen und die Traumschleife Ehrbachklamm!



Drei Dinge braucht der Wanderer: Stempelzange, Notrufsäule, Zahnbürste

Geschrieben am um 7:41

Viele denken, der gemeine Wanderer würde nur drei Dinge benötigen: Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Falsch, falsch, falsch!!! Wanderhut ist mega-out, Wanderstock noch outerer, und Damenunterröcke zieht man doch nicht zum Wandern an, sondern wenn man als Mann vor’m Spiegel mal wieder Weiberfummel anlegen will.

Nein, zunächst einmal braucht jeder Wanderer eine Stempelzange, damit er in seinem Wanderbüchlein zum Beweis seines Wanderschaffens die entsprechende Felder abstempeln kann. Auf dem Viaduktweg rund um Altenbeken sah ich diese Stempelzange, an Station V. V wie Viadukt, V wie Victory, V wie Fünf. Da ich kein Viadukt-Stempelheft bei mir hatte, habe ich mir die Ohrläppchen mit dem Ding gepierced.

 


Sehr praktisch fand ich auch die orangene Notrufsäule am Rande des Neanderlandsteigs. Pedanten würden sagen, die gehört doch zu parallel verlaufenden A 52 und nicht zum Wanderweg, aber ich finde es sehr schön, auch beim Wandern endlich eine Notrufmöglichkeit zu haben. Holen sie mich ab, ich habe mir ein Blase gelaufen, mein Schnürsenkel ist offen, ich bin total unterhopft!!!

 

 

Und dann habe ich unterhalb der Burg Teck in der Nähe von Owen ein ganz entscheidendes Reiseuntensil genießen: die Zahnbürste. Wer kennt es nicht, wenn die Zunge über den pelzigen Belag auf den Schneidezähnen gleitet. Dann ist man doch froh, wenn da einfach so eine Zahnbürste in der Landschaft steht. Das sind wirklich die Dinge, die ein Wanderer braucht!!!

 



Die Traumschleife Mittelrhein Klettersteig

Geschrieben am um 6:36

 

Anfang April war ich auf der Traumschleife Mittelrhein Klettersteig unterwegs. Ein Schwergewicht unter den deutschen Premiumwegen: 86 Punkten vom Deutschen Wabnderinstitut, das ist mal eine Ansage, das ist ein Brett. Erst mal überraschend: Nur 5,1 Kilometer, das wandert man ja in flacherem Geläuf auf der linken Backe in einer knappen Stunde ab. Nicht so beim Mittelrhein Klettersteig, da geht es (fast) nur hinauf und hinter auf schmalen Pfaden, das dauert seine Zeit…

 


… mit Einkehr und einigen Verschnauf-und-Rheinblick-Pausen war ich insgesamt drei Stunden unterwegs. Das Interessante an dieser Traumschleife ist: Es gibt eine wandersportliche und eine klettersportliche Variante. Man kann also ganz „normal“ seine Runde wandern, oder sich für die halsbrecherische Variante entscheiden. Ich habe mir das mal angeguckt…

 


… und dann eingedenk meines Watzmann-Abenteuers entschieden – äh, neeeeiiin. Klar ist es , dass die Traumschleife, wie sich das für einen Premiumweg gehört, optimal und unverlaufbar gekennzeichnet ist. Die Gemeinde hat sogar weder Mühen geschweige denn Kosten gescheut, an besonders unübersichtlichen Stellen lebende Wegweiser aufzustellen. Vorbildlich!!!

 

 

In der Nähe des Engbachtals gibt es eine Wegstelle, wo man (noch) je nach Windrichtung am Besten mit Nasenklammern wandert, denn es geht an der Kläranlage von Boppard entlang, das ist oben rechts im Bild das runde Ding…

 

 

… „noch“ heißt, dass die Anlage bald stillgelegt wird, weil die Abwässer in Zukunft im Nachbarort „Bad Salzig“ geklärt werden. Eine lokale Karnevals-Combo dichtete daraufhin auf die Meldodie von „Mer losse den Dom in Kölle“: „Wir schicken die Scheiße nach Salzig, denn do jehört se hin!“. Das führte zu einem lebenslangen Auftrittsverbot der karnevalistischen Spaßmacher.

Damit man nach dem dreissigsten traumhaften Blick auf Vater Rhein auch WIRKLICH begreift, dass es sich um eine BILDschöne Landschaft handelt, durch die wir da wandern, hat man einen Bilderrahmen vor das Panorama mit der Weinlage „Bopparder Hamm“ platziert. Da können dann alle im Chor ausrufen: „Da hammer einen Hammer-Hamm-Blick gehabt!“

Eine weiteren Hammer-Blick gibt es wenig später am Gedeonseck. Dort stürzen sich lebensmüde Zeitgenossen mit Paraglidern in die Tiefe, nun ja, jedem sein Hobby. Dass das Gedeonseck nicht Gedeonsblick heißt, könnte an dem schrecklichen Gemälde liegen, dass den guten Gedeon hoch zu Ross zeigt.

 


Wenn Sie einem Menschen übelwollen, Schwiegermutter, Chef oder so, dann schenken Sie ihm doch ein exklusives Porträt des Gedeon-Künstlers, der Porträtierte wird nie mehr ein Wort mit Ihnen wechseln. Zwischen dem Gedeonseck und der Seilbahnbergstation entdeckte ich dieses wunderbare Schild …

 

 

… das muss man natürlich erklären, das mit dem Vierseenblick und auch das mit dem „2.Restaurant“: „2.Restaurant“ bedeutet nicht, dass etwa das erste Restaurant besser wäre, sondern, dass erst noch das Restaurant am Gedeonseck kommt, und dann, danach als zweites Restaurant, als übernächstes Restaurant sozusagen, das Restaurant am Vierseenblick. Vom Viersseenblick war ich etwas enttäuscht. Ich hatte gedacht, dass man von dort mindestens Bodensee, Laacher See, die Ostsee und den Baikalsee sehen könnte. Pustekuchen! Nur mühsam und schonend konnte ich die einheimischen Mitwanderer davon überzeugen, dass stets nur und ausschließlich Abschnitte von Vater Rhein zu sehen waren. Und das ist doch ein FLUSS und kein SEE, geschweige denn VIER SEEN!

Ach ja, am Montag nach den Osterferien, den 28. April, wandere ich meine nächste Traumschleife in der Gemeinde Boppard, die Ehrbachklamm. Jeder der mitmöchte, kann mitmachen, Treffpunkt ist um 11.00 am Wanderparkplatz in Oppenhausen.



Betrifft: Die Wanderfreunde aus Oberboihingen – Nachtrag für die Loseblattsammlung

Geschrieben am um 9:07

Vielleicht erinnern sich die Älteren noch an ein Fossil der analogen Zeiten: Die Loseblattsammlung. Gerne wurde sie genutzt bei Nachschlagewerken, die sich laufend ergänzen – zum Beispiel bei Gesetzestexten. Da wurden dann die losen Blätter des neuen Textes zu den schon vorhandenen geheftet, ein äußerst praktisches Verfahren.

Ich habe heute auch einen Ergänzungstext zum Kapitel „Von Frühlingsplatterbsen und Wanderhandtüchern – Unterwegs mit dem Wanderverein Oberboihingen“. Ihr müsst nur den Text und die Fotos dieses Blogbeitrags ausdrucken und zwischen die Seiten 364 und 365 in meine Gesammelten Wanderabenteuer heften, so einfach ist das.

Es begab sich nämlich Ende Februar, dass ich mit dem Schwäbischen Albverein gewandert bin. Allerdings hatte nicht die Ortsgruppe Oberboihingen, sondern die Ortsgruppe Owen eingeladen, die 2014 ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Aber die Freunde aus Oberboihingen waren zahlreich zum „Auswärtsspiel“ unterhalb der Burg Teck angereist. Und so kam ich in den Genuss, wieder Martin zu begegnen, den Frühlingsplatterbsen- und Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-und-dann-hast-Du-noch-nichts-getrunken-Experten. Nun ist die Vegetation an der Albtrauf trotz milden Winters Ende Februar nicht gerade üppig gewesen. Aber Martin zeigte mir den Stinkenden Nießwurz.

 


Zunächst dachte ich, dass er mich mal wieder auf den Arm nehmen würde, aber nein, diese Gewächs heißt tatsächlich so. Wir haben dann ein Exemplar gepflückt (War das verboten? – Nein; zu „Bestimmungszwecken“ darf man das machen) und dem Stink-Test unterzogen. Nun ja, da kenne ich aber mindestens fünf Körpergerüche von lieben Mitmenschen, die grausamer sind. Das war eher ein dezent riechender Nießwurz.

 

 

Dann wanderten wir an einer merkwürdigen Baumgruppe vorbei, der Owener sagt dazu „Unter den Linden“ – Großstadtflair unterhalb der Teck. Hintergrund dieser Baumgruppierung ist aber, dass sie im Hochsommer Schatten für Herde und Schäfer bietet, großartige Einrichtung!

 

 

Zum zünftigen Abschluss der Wanderung kehrten wir dann noch ein. Im Gasthaus Zum Adler. Da habe ich wieder etwas gelernt: Wenn der Blumenstrauss des Albvereins die Hauswand der Gaststätte ziert, wie das beim Gasthaus Zum Adler der Fall war, dann darf man nach alter Väter Sitte sein Essen selber mitbringen, die Getränke aber beim Wirt bestellen. Eine schöne Sitte aus den analogen Zeiten der Loseblattsammlung!



Die Traumschleife Elfenlay

Geschrieben am um 16:04

 

In Boppard am Mittelrhein tut sich Traumhaftes für alle Wanderer: 2014 wird Wanderdeutschland um sechs Premiumwege reicher – In der Gemeinde Boppard kann man an Rhein und Hunsrück herausragend schön wandern. Ich werde über diese neuen Traumschleifen in den nächsten Monaten in lockerer Folge berichten.

Am vergangenen Sonntag wurde feierlich die Traumschleife “Elfenlay” eröffnet. Der 30. März ist ein sehr mutiger Termin für eine Wanderweg-Eröffnung im deutschen Mittelgebirge, bewegte sich doch die Temperatur im Jahre 2013 um den Gefrierpunkt. Aber 2014 sieht das alles viel besser aus, und so stiefelten mehr als 200 Wandersüchtige die schmalen Pfade hinauf zur Elfenlay.

 


Der namensgebende Lay = Fels war relativ schnell erreicht und alle Mitwanderer wurden mit atemraubenden Blicken über die größte Rheinschleife der Welt belohnt. Meine Kamera hätte eine Breitwand-Cinemascope-Funktion gebraucht, um das Spektakel korrekt abzubilden, na ja, da müsst ihr dann mal selber hinwandern, um das komplette Panorama zu genießen. Ich dachte, da haben wir ja eine schöne Höhe erreicht, so kann es weiter Richtung Hunsrück gehen, aber dann ging es wieder hinunter ins Mühltal auf einen wunderbaren Weg, den Kronprinzenpfad am Mühlbach

 


Das ist eine schöne Geschichte, denn 1904, in dem Jahr, als ein Fußballverein in Gelsenkirchen gegründet wurde, der Name ist mir gerade entfallen, 1904 also fanden die Bopparder, Mensch, unser Pfad soll nicht Trampelpfad oder Mühltalpfad heißen, sondern einen majestätischen Klang haben. Also fragte man hochoffiziell beim Kaiserhaus in Berlin nach, ob der Kronprinz als Pate bereit stünde. Das wurde huldvoll gewährt, und bis heute muss der arme Kronprinz im Mühltal herum geistern, denn er wartet immer noch darauf, Kaiser zu werden, es war ihm bis heute nicht gegönnt.

 


Dann ging es auf dem Elfenlay-Weg wieder steil bergan und auf einem Bergsporn die nächste Überraschung: Ein Schild mit dem Fahrplan der Hunsrückbahn. Klar, man will ja nicht den Zug verpassen, aber auf dem Felsen war weit und breit kein Bahnhof und kein Haltepunkt zu sehen. Dieser Fahrplan ist ein Hinweis auf alle Trainspotter, die nicht verpassen wollen, wie der Zug sich die 328 Höhenmeter von Boppard am Rhein hinauf nach Buchholz im Hunsrück wuchtet.

 

 

Ich hatte Glück, dass eine Hunsrückbahn genau in dem Moment kam, als ich einen perfekten Blick auf den Hubertusviadukt (überall Wanderwege mit Viadukten, erst Altenbeken, dann Boppard!) hatte. Ein majestätischer Anblick, wie dieser lange Lindwurm über die Golden gate Bridge von Boppard gleitet. Der Zugführer hupte noch zweimal, nicht um auf eine Gefahrenstelle hinzuweisen, sondern damit alle auch brav hinschauten und winkten. Zugführer der Hunsrückbahn sind eben auch eitle Menschen und wollen beachtet werden.

Inzwischen hatte ich den größten Teil der Höhenmeter der Traumschleife hinter mich gebracht, und genau auf der Hälfte des Premiumwegs, bei Kilometer 5,2 (nur für die Mathematiker unter uns, die Elfenlay ist exakt 10,4 Kilometer lang), genau bei der Hälfte steht Liesenfelds Hütte. Das ist eine (normalerweise) nicht bewirtschaftete Hütte, wegen der festlichen Eröffnung wurden aber diverse Kaltgetränke angeboten.

 

 

Ich nahm mir ein regionales Bier aus der Stubbi-Flasche, ein Pils von der Koblenzer Brauerei am Königsbach, so viel Werbung muss sein. Das Bier bewahrte mich vor der schlimmsten Unterhopfung. Und weiter ging es über zumeist schmale Pfade durch die Wälder des Hunsrücks, bis der nächste Premiumblick auf den Rhein am Sabelsköpfchen erreicht war.

 

 

So, jetzt kann ich mal zeigen, wie die Rheinschleife weitergeht, man muss also nur das erste und das letzte Bild dieses Blogs zusammen kleben, schon hat man das schönste Bopparder Rheinpanorama. Das allergeilste an dem Tag auf der Elfenlay war aber, als wir in netter Runde im Lokal Schoppenstecher bei Schoppen, Hausmacherschlachtplatte und Rührei (mit und auf Sonderwunsch auch ohne Speck) saßen, dass die Kunde vom 1:0 Sieg der Kölner in München die Runde machte. Endlich hatte mal ein vernünftiger Fußballverein gegen die Bayern gewonnen, also diese Bayern von 1860 München. So wurde der Tag auf der Traumschleife Elfenlay zu einem der schönsten Tage in meinem Leben.



Wandern, Fliegen und der Viadukt

Geschrieben am um 6:53

Der Wanderer liebt die Natur und wenn es nach den Wünschen des Wanderers günge, könnte ihm die Zivilisation gestohlen bleiben, alles sollte möglichst schön naturnah sein. Aber manchmal ist es doch reizvoll, sich Gebäude (siehe Burgen) oder technische Errungenschaften beim Wandern anzuschauen. Zu einiger Bekanntheit und Beliebtheit hat es ja in den letzten Jahren der Viadukt-Wanderweg von Altenbeken gebracht. Ein zertifizierter Rundwanderweg mit dem mächtigen Viadukt von Altenbeken im Mittelpunkt.

 


Sensationell ist die Terrasse am Wanderweg mit Ausblick und Rastmöglichkeit – ein Paradies für Trainspotter. Hier kann man die Stulle auspacken und den Zügen zuschauen, manchmal ist sogar ein ICE darunter. Apropos Butter Brot auspacken und Zugfahren – Was ist eigentlich aus der berühmten Bahn-Brotzeit  geworden? Früher sah man immer ältere Herrschaften, die, kaum dass sie ihren Platz eingenommen hatten, Brote, hartgekochte Eier und Salzstreuer auspackten. Habe ich lange nicht mehr gesehen. Ist das etwas mittlerweile verboten?

 

 

Klar ist aber auch, der Viadukt ist vom Wanderweg aus gesehen spannender als vom Zug aus. Denn wenn man im Zug sitzt, kann man nur schlecht einen Blick auf das erhaschen, über das man gerade fährt. Nur ein winziger Blick war mir bei der Rückfahrt auf den Viadukt vergönnt.

 

 

Im Düsseldorfer Stadtwald, an einer zukünftigen Etappe des Neanderlandsteigs, gibt es einige Bänke, die Richtung Zaun aufgestellt sind. Zunächst denkt man, wer setzt sich denn da schon hin. Nun, es gibt ja nicht nur Trainspotter, sondern auch Planespotter, und hinter dem Zaun beginnt die Landebahn des Düsseldorfer Flughafens.

 

 

Ich fand das wirklich spannend, beim Wandern die großen Vögel bei der Landung zu beobachten, wesentlich spannender zumindest als den roten Milanen, Bussarden und Krähen hinterher zu schauen. Der eindeutige Vorteil gegenüber der Ornithologie besteht nun einmal darin, dass man nicht lange über die Artbestimmung rätseln muss: Es ist groß auf das Flugzeugheck gepinselt, ob der Vogel auf den Namen Air Berlin, Lufthansa oder Turkish Airlines hört.



Winter ade!

Geschrieben am um 7:47

 

 

Ich lese jetzt überall, wir hätten einen äußerst milden Winter in Mitteleuropa erlebt. Hat man da auch noch mal bei den Bewohnern von Sachsen, Kärnten, Slowenien und dem Piemont ganz genau nachgefragt? Die hätten sich alle vielleicht einen milden Winter gewünscht. Nun ja, im Saarland und im Rheinland, das stimmt schon, herrschte schneefreie Zone, was wiederum die Wanderer auf die (Premium-) Wege trieb und zu Beschwerden führte, die ausgezeichneten Wege seien so matschig. Komisch, matschige Wanderweg im Dezember und Februar, gibt‘s ja gar nicht! Dann doch lieber auf Asphalt wandern, oder?

 


Einen Hauch von Winter habe ich mir Anfang Februar auf der Schwäbischen Alb gegönnt. DA gab es tatsächlich Schnee! Ich wanderte auf dem „Wacholderheide“ einem Premiumweg der Traufgänge. Die Traufkante mit Puderzuckerguss war allerliebste anzuschauen, und die Wege waren gar nicht matschig – nur glatt!

Ich erreichte eine sagenhafte Höhe von 937 Metern, das war so hoch, dass da auch eine mittelalterliche Burg einen Abgang hatte oder einer abgegangen ist oder, na ja, ich habe es nicht genau verstanden.

 


Ich habe auf jeden Fall die phantastischen Aussichten, für die die Traufgänge weltberühmt sind, unglaublich genossen.

 

 

Das absolute Highlight war aber die Sprungschanze für Wanderer, die die Stadt Albstadt am Wegrand der „Wacholderheide“ errichtet hat. Man sollte sich auf den Hosenboden setzen, am besten auf eine Plastiktüte, dann nimmt man Geschwindigkeit auf und rollt bis kurz vor die Traufkante, danach darf man sich einen echten Traufgänger nennen! Aber Vorsicht, bitte nicht so abgehen, dass ein Abgang droht!

 



Lieserpfad, je t’aime

Geschrieben am um 20:46

 

Gestern und vorgestern gastierte ich mit meiner Wandershow in der Heidsmühle in Manderscheid. Leider war das Wetter so gut, dass ich mit meiner Tour-Crew nicht die Rock‘n‘Roll-Nummer abgezogen habe (Hotelbar leer trinken, Groupies, Hotelzimmereinrichtung kurz und klein schlagen), nein, ich bin mit meiner Crew natürlich auf dem Lieserpfad gewandert. Meine Crew ist mein Techniker Kai, der sozusagen mein Wander-Azubi ist.

 


Eine kleine Überraschung hatte Heidsmühlen-Chef Tobias (Spitzen-Typ, nicht nur weil er FC-Fan ist) für Kai, die kleine Wandertruppe und mich an der Schutzhütte Weifelsjunk deponiert. Gut versteckt im Laub ein Kasten Vulkan-Bier. Es war erst 10.30, eigentlich heißt es ja, kein Bier vor 12.00, aber irgendwo auf dieser gottverdammten Welt war es doch schon mit Sicherheit zwölf Uhr …

 

 

Zurück zur Heidsmühle ging es dann durch das wunderbare Tal der kleinen Kyll. Wanderglück pur.

 

 

Und in der Heidsmühle – die Mühle heißt Heizmühle, weil man schon bei frostigen Temperaturen im Frühjahr auf der Terrasse unter Heizpilzen sitzen kann – hatte ich dann die große Ehre, mich in‘s Goldene Buch der Stadt Manderscheid (erkennbar an der Goldkante) eintragen zu dürfen.

 

 

Die erste Unterschrift in dem Buch stammt von Wander-Bundespräsident Carl Carstens…

 

 

 

… die letzte (bislang) vom Wander-Andrack. Der Unterschied: Bei mir kann man sicher sein, dass ich nicht in der Partei war.



Achtung Forstarbeiten!

Geschrieben am um 10:54

Jeder Wanderer kennt das: Ein rot-weißes Flatterband ist quer über den Wanderweg gespannt und versperrt den Weg. Mit Totenköpfen wird dringend gewarnt, diesen Weg weiter zu benutzen. Meistens ein doppeltes Ärgernis: Denn erstens ist zumeist keine Alternativroute ausgeschildert und zweitens ist es oft offensichtlich, dass gar keine Forstarbeiten stattfinden. Diese Tätigkeiten sind nun mal nicht gerade sehr geräuscharm. Daher dachte ich auch, als ich den Holzlaster auf meinem Wanderweg 10a des Eifelvereins des Eifelvereins sah, Hut ab, da wird ja endlich mal richtig geschafft im Wald.

 

 

Nerviges rot-weißes Flatterband gab es auch nicht, man hat doch Augen und Ohren im Kopf. Und es wurde gesägt, das war lautstark zu vernehmen. Nun gut, als ich einige Bäume quer über diesen Hauptwanderweg des Eifelvereins liegen sah, da habe ich doch einen kleinen Bogen durch‘s Unterholz gemacht, schließlich wandert man ja gewöhnlich nicht mit Sicherheitshelm.

 

 

Das letzte, was ich dann noch hörte, war ein leichtes Knacken hinter mir. Im Umdrehen konnte ich gerade noch diesen Dokumentarfilm drehen. Gut, dass keine Wandertruppe hinter mir hergegangen ist. Dann doch lieber Flatterband….

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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