Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Traumschleife Rheingold

Geschrieben am um 5:59

Um es vorwegzunehmen: Ich bin meines Wissens noch nie einen Premiumweg mit so vielen exquisiten Ausblickmöglichkeiten gewandert. Neben den kleinen, immer wieder überraschenden Ausblicken in das Rheintal, sozusagen den Zwischen-den-Bäumen-Ausblicken, gibt es bei der Rheingold-Traumschleife zwischen Holzfeld und Hirzenach sagenhafte elf “amtliche” Ausblicke mit Bänken, Liegen und Hütten.

 

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Man sollte also eine Menge Zeit für die Rheingold-Traumschleife einplanen, denn an den Aussichtspunkten mitsamt liebevoll und außerordentlich interessant gestalteten Infotafeln vorbeizuhasten wäre eine Sünde. Damit man nicht so rast, sollte man sich die Zeit schön einteilen. Daher ist es neuerdings auf den Traumschleifen so etwas wie ein Standard geworden, jeden einzelnen Kilometer des Wanderwegs auszuweisen.

 

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Eine äußerst sinnvolle Maßnahme, möchte man doch jederzeit wissen, wo man ist. Man muss es sich nur merken können. In der Wandergruppe, mit der ich auf der Rheingold-Traumschleife unterwegs war, wurde immer wieder diskutiert, was denn die letzte Zahl auf dem Kilometrierungs-Schild gewesen sei. “Wir sind schon bei der ‘Sieben’ durch” – “Nein, ich habe schon die ‘Acht’ gesehen”. Betretenes Schweigen, als wir kurz danach erst an der ‘Sechs’ vorbei gingen.

An der Ein-Kilometer-Markierung wird auf das erste Highlight, den Wilpertskopf, hingewiesen. Zuerst war ich schockiert, was haben die Bopparder denn mit dem Kopf von Klaus Wilpert, mit dem ich dereinst Abitur machte, veranstaltet? Aber es handelt sich beim Wilpertskopf quasi um die Loreley von Holzfeld, einen charakteristischen Felsen.

 

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Netter Service am Aussichtspunkt Wilpertskopf: Wir genossen den Ausblick über den Rhein, knabberten an Käsehäppchen und genossen den Riesling der Familie Neyer aus der benachbarten Lage Hirzenacher Probsteiberg. Welche Nachricht mich bei Käse und Wein erreichte, davon berichte ich nächste Woche. Die Pause war klasse, hat aber unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) nicht gerade nach oben gejagt. Am Ende haben wir über vier Stunden für die 10,6 Kilometer der Rheingold-Traumschleife benötigt. Das ist wahres Genusswandern.

 

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Für die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit sorgten aber auch ordentliche Steigungsprozente auf traumhaften Bergsporn- und Winzerpfaden. Zwar gibt es noch Wein rund um Hirzenach, wir hatten ja am Wilpertskopf auch welchen verkostet, doch viele Rhein-Hänge sind verbuscht und werden seit Jahrzehnten nicht mehr als Wingert genutzt. Wir gingen durch diese bezaubernden ehemaligen Weinhänge, die ursprüngliche Nutzung kann man noch an einigen Stützmauern erkennen. Damit wir beim Wandern auch immer freie Bahn hatten, hatten wir den Ortsvorsteher von Holzfeld dabei.

 

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Unser Mann mit den Scherenhänden war ziemlich erbost, als ich wagte zu erwähnen, wir würden im Hunsrück wandern. Da wurde ich belehrt, dass der tiefe Hunsrück erst hinter der A 61 anfängt. (Die wurde wahrscheinlich nur als eine Art Limes zum Hunsrück gebaut). Und nein, natürlich wären wir am Rhein, im Rheintal. Er hat mir das dann auch sehr überzeugend geologisch erklärt, so dass ich das nachvollziehen konnte.

Den spektakulärsten Wegabschnitt unter vielen phantastischen Stellen der Rheingold-Traumschleife gab es aber kurz vor dem Ziel…

 

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… Über ein Feld hinab Richtung Rhein, es sieht so aus, als wäre der Rhein die Verlängerung der Traumschleife, das Rheingold liegt zu unseren Füssen. Das muss man zelebrieren, das ist doch wohl klar. Ganz großes Kino! Apropos Kino: Da Edgar Reitz, der alte Heimat-Filmer, auch ein Spezialist für großes Kino ist, hat er an diesem magischen Ort gedreht. Zweite Folge von “Heimat”, Eduard kommt mit seiner Frau Lucie aus Berlin mit dem Auto und macht Picknick genau an der Stelle, die ich so überaus geil finde.

 

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Der Vorteil, den aber alle Wanderer gegenüber den Filmfiguren Eduard und Lucie haben: Wir sind nicht mit dem Auto vorgefahren, sondern durften wandern. Und können so erst richtig den rheingoldigen Ort erfassen. Am 7. Juli geht es weiter mit meiner Bopparder-Traumschleifen-Tournee auf dem “Fünfseenblick”.

 



Der Mann, der aus der Kelte kam

Geschrieben am um 7:05

Mitte Mai bin ich wieder mit Kytta gewandert, ich kann mir nicht helfen, aber diese „Kytta bewegt“-Wanderungen werden langsam Kult, oder bin ich bei diesem Thema etwa nicht objektiv? Auf jeden Fall wandern wir mit Kytta auf den schönsten Wanderwegen der Welt, auf den Wegen der Premiumwanderwelten. Am 15. Mai war ich auf dem Traumpfad „Höhlen- und Schluchtenpfad Kell“ unterwegs, und hatte dabei einen ganz speziellen Wegbegleiter:

 

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Christianix ist der große Kelte der Region, bezeichnet sich selbst als den Mann, der aus der Kelte kam. Er war absolut korrekt gewandet, selbst die Socken sind genadelt und nicht gestrickt. Ich lernte, dass Kelten am liebsten Hunde aßen, ob das auch auf Christian zutrifft, weiß ich nicht. Selbst sein Handy, das auch schon die Kelten kannten, hatte er in einem originalen Kelten-Handy-Beutel, faszinierend.

 

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Der Kelte kannte sich wirklich in und um Kell hervorragend aus, und konnte so auch hervorragend die Trass-Höhlen erklären. Trass ist ein Überbleibsel der letzten vulkanischen Eruption in der Laacher Gegend, eine Art verfestigte Asche. Als ich hörte – Höhlenpfad – dachte ich, klar, da wandert man an so einer Höhle vorbei, guckt kurz rein, weiter. Falsch, bei diesem Traumpfad geht man in die Höhlen, in‘s Finstere hinein und hindurch, absolut spektakulär.

 

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Und schließlich konnte ich ein Häkchen auf meinem Traumpfade-T-Shirt machen: Der 13. Traumpfad für mich, die Hälfte habe ich geschafft!

 

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Knutschen, Quickie, feucht

Geschrieben am um 8:00

In der aktuelle ZEIT vom 5. Juni habe ich einen schönen (ich bin vielleicht etwas zu voreingenommen, um das beurteilen) Text über meine Wanderung im luxemburgischen Vianden geschrieben. Wer‘s (noch) nicht gelesen hat, es geht um „Sing by Foot“, das Konzept kurz zusammengefasst: Morgens treffen sich wildfremde Menschen in einem Ort in Luxemburg, proben einige Lieder, gehen gemeinsam wandern, singen in der Natur weiter. Und am Nachmittag wird das Ganze vor Publikum zum Vortrag gebracht.

 

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Hier nun die ungezeigten Bilder: Zum ersten natürlich die gelbe Knutschbank an einem verwilderten Wegstück, die mir Christian stolz präsentierte. Er schien so begeistert, dass ich Angst hatte, er würde mich zum Knutschen mit auf die Bank zerren. Christian meinte, das mit dem Knutschen mit Blick auf die Skyline von Vianden sei total aus der Mode gekommen im Zeitalter des Quickies. Er wurde korrigiert, dass heiße Selfie. Das kommt auf die Reihenfolge an, manchmal gilt auch: Erst Selfie, dann Quickie

 

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Aber wenn dann Knutschen oder Quickie auf der Bank, dann doch bitte etwas gemütlicher. Ich bevorzuge da eher das Modell „Irish Moos“, vor allem wenn es leicht feucht ist

 

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Bevor der heutige Blogeintrag total in‘s Schlüpfrige abgeleitet (obwohl die Key-Words „Knutschen“, „Quickie“ und „feucht“ bestimmt eine ganz neue Leserschaft auf meinen Wanderblog bringt) zum Schluss noch etwas aus der Abteilung Feuilleton/Hochkultur. In Vianden kann man nämlich direkt an der Our das Hotel bewundern, dass Victor Hugo einst führte. Quatsch, er hat da nur gewohnt.

 

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Ist aber auch nicht ganz korrekt, denn nur seine Frau und seine Mätresse wohnten in dem Hotel (die scheinen sich ja blendend verstanden zu haben). Der alte Hugo wohnte im Haus Vis-a-via, was ihn aber nicht daran hinderte, seiner Mätresse eifrig Briefe zu schreiben und die halbe weibliche Bevölkerung von Vianden zu schwängern. Wobei wir wieder bei der Knutschbank wären…



Nachtrag zu den Dingen, die ein Wanderer unbedingt benötigt und Neues vom roten Hemd und Kloppo

Geschrieben am um 10:56

Ich muss mich entschuldigen, aber meine Liste vom 28. April – Drei Dinge, die ein Wanderer benötigt… – war natürlich sehr unvollständig. So sah ich kürzlich diesen jungen Mann:

 

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Zuerst dachte ich, das benutzte Gerät wäre ein Asthmaspray aus Holz. Dann war ich mir sicher: das müsse ein mobiles Sauerstoffgerät sein, welches Wanderern im Mittelgebirge auch Gipfelbesteigungen ab 500 Meter ermöglicht. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es handelt sich tatsächlich (wäre auch mal was für Dings vom Dach) um eine Nasenflöte, die den Kuckuck imitiert. Akustisch sehr beeindruckend. Der junge Mann auf dem Foto antwortete mit dem Ding auf der Nase einem Kuckuck auf der anderen Talseite. Glaubte er. Ich vermute eher, dass dort ebenfalls ein Nasenflötenkuckucksimitator saß, und sich am Wechselspiel der urigen Laute erfreute.

Und dann das:

 

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Als ich es sah, wusste ich, dass ich das schon mein ganzes Wanderleben vermisst hatte. Ein Haken an der Rückenlehne einer Aussichtsbank, um den Rucksack aufzuhängen. Endlich steht der Rucksack nicht mehr im Schmodder oder nimmt anderen Wanderern einen Platz auf der Bank weg.

 

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Ich weiß jetzt auch, warum der Bopparder Bürgermeister Bersch (BBB, vergleiche den Eintrag vom 2. Mai) beim Wandern stets ein rotes Hemd trägt. Es ist seiner alten Liebe zum 1.FC Köln geschuldet, der Zeit, als er noch stolz den Autogrammen von Wolfgang Weber und Wolfgang Overath hinter her jagte. Ich dachte schon, es wäre vielleicht ein politisches Statement gewesen, so kann man sich täuschen. Ich werde als überzeugter Fan des FC selbstverständlich auch versuchen, in Zukunft in Rothemden zu marschieren…

 

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Wo ich schon beim Thema Fußball bin: ich habe sein Refugium gefunden, ich weiß, wo er den letzten Sommer verbracht hat, ich kann sagen, wo er sich das frische Haupthaar bürstet: Kloppo hat – landschaftlich überaus reizvoll – an der Ehrbachklamm eine Wochenendresidenz bezogen. Nur mal ehrlich Kloppo – ist das so schlau, auf deine Waldhütte auf großen Wegweisern hinzuweisen? Ich weiß es nicht.



Was war das für eine geile Wandertruppe!

Geschrieben am um 7:42

Zuletzt Kytta Wanderung in der Pfalz, echt geil. Super Wandertruppe, Super Wetter, Super Weg, Super Salbe. Wir wanderten auf dem Busenberger Holzschuhpfad südlich von Dahn im pfälzischen Felsenland.

 

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Holzschuhe deswegen, weil die Südpfalz lange ein Teil von Holland waren. Busenberger Gouda und Busenberger Tulpen sind von der pfälzischen Evolution hinweg gespült worden, nur der Holzschuh hängt noch immer im Wald am Nagel. Die meisten meiner pfälzischen Mitwanderer hatten allerdings schon Wanderschuhe aus Leder.

 

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Interessant, ganz Deutschland ist wiedervereinigt, aber beim Busenberger Handschuh- äh Holzschupfad gibt es noch Ost und West. Hoffentlich entwickelt sich der Westteil nicht separatistisch hin zum Saarland, das wäre für einen echten Pfälzer absolut nicht nachvollziehbar.

Und wie der Pfälzer so tickt, das konnte ich in der PWV-Hütte am Drachenfels (ich hatte vor dieser Wanderung immer gedacht, der höchste Berg der Holländer liege im Siebengebirge) ablesen: Des Pfälzer‘s Charakter:

 

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So ehrlich, schonungslos und offen wünschte man sich auch öfter mal die Selbstbeschreibung anderer Regionen.

Ich habe es immer wieder gesagt und geschrieben, dass die Pfälzer Wald Vereins-Hütten ganz speziell sind und ein Geschenk des Wandergotts an seine Schäfchen. In der Busenberger PWV-Hütte am Drachenfels ist Ernst der Chef, Ernst steht seit 50 Jahren jeden Mittwoch hinter der Theke der Hütte und gibt die Getränke aus. Als ich Ernst sah, dachte ich, ich hätte ihn schon einmal in irgendeinem Lucks-Luke-Comic gesehen, ich kann mich aber täuschen. Schöne Grüße, Ernst, ich komme bald wieder!

 

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Wanderer, kommst Du nach Sparta …

Geschrieben am um 9:45

Ich war in den Osterferien in Griechenland auf ausgedehnter Bildungsreise, fahre von Thessaloniki nach Athen und sehe an der Autobahnausfahrt einen Hinweis auf die Thermopylen. Da war doch was, 300 Spartaner gegen eine Million Perser (mindestens), martialischer Hollywood-Quatsch (gerade laufen die Sequals 301, 302, 501 und 4711). Ich also runter von der Autobahn und fahre zu den Thermopylen, wörtlich die heißen Quellen.

 

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Hübsch ist es dort, sehr idyllisch, Wasserfall, alles grün, bewaldete Berge, Pinien. Und es stinkt – extrem. Nach Großfurz, sprich Schwefel. Ein Grieche badet in den heißen Quellen, dann kommen noch ein, zwei Autos mit Badefreaks. In Deutschland würde man drumherum ein ganzes Kurbad aufbauen. Bad Thermopyl-Hausen.

 

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Dann einige hundert Meter weiter das Denkmal des Leonidas, dem unerschrockenen Heerführer der Spartaner. Ich mache sofort ein Selfie, das muss sein.

Wenn man sich den feinen Herr Leonidas genauer anschaut, ist der bis auf Speer und Schild – sozusagen also der Hut und Stock des Spartaners – total nackt. Auffallend ist bei diesen klassischen (oder auch pseudo-klassischen) Skulpturen, dass Penis und Skrotum immer auffallend klein sind, klassisch eben. Penisneid wurde eben erst später erfunden.

 

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Abends dann ein Bier aus Hellas im Ferienort Kamena Vourla. Schnell bringt es der Kellner, es ist eiskalt. Ein Bier wie eine ganze Nation. FIX.

Es geht aufwärts mit und in Griechenland, heiße Quellen und eiskaltes Bier (mit 32 Goldmedaillen auf Bierwettbewerben ausgezeichnet!): was will man mehr!

 

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Wander-Comedy-Fans-Wanderung auf dem Kölnpfad mit falschem Pilz

Geschrieben am um 8:00

Am 10. April durfte ich Premiere feiern: erstmals bin ich mit einer kleinen Wandertruppe direkt zu einem Auftritt meiner Wandershow marschiert. Nachdem mir klar geworden war, dass der Auftrittsort Eltzhof am Schloss Wahn DIREKT am Kölnpfad liegt, war der Plan geboren: Wir treffen uns um 15:00 an der Endhaltestelle der Linie 9 und wandern durch Königsforst und Wahner Heide bis zum Auftrittsort, dann ein paar Zwischenbiere und als Sahnehäubchen die Wandercomedy…

 


Die Wandertruppe war super drauf und sehr fit, ein Stundenschnitt von fünf Kilometer ist für eine 16-köpfige Gruppe mehr als ordentlich. Als Leitwolf auf diesem Bildausschnitt ist ein lieber Wanderfreund zu sehen, der auch ab und an Kommentare in diesem Blog postet, aber unter Pseudonym, welches ich an dieser Stelle natürlich keinesfalls lüften möchte.

Der hervorragende Schnitt wurde durch zwei Faktoren begünstigt: Zum einen waren einige Herren in der Wandertruppe ziemlich schnell ziemlich unterhopft. Hallo Markus, hallo Stephan! Die haben dann ziemlich am Horn gezogen. Zum zweiten ist der Kölnpfad generell und speziell zwischen Königsforst und Wahn topfflach, keine Steigungen, niederrheinische Tiefebene…

 


Nun ist der Kölnpfad, Rundweg um Köln, nicht der schönste Wanderweg des Rheinlands (zu laut, zu viel Asphalt, zu viele breite Wege), aber der Abschnitt zwischen Königsforst und Wahn hat doch einige hübsche Passagen zu bieten, am besten haben uns die netten Pfade im Grengeler Park gefallen, ein kleiner Weiher, ein nettes Bächlein. Und die beiden einheimischen Mitwandererinnen waren ganz stolz, ihren Grengeler Wetterpilz zu zeigen (Gruß an Wetterpilzexperte Klaus Herda, der auch in der Wandershow war!):

 


Aaaaber: wir mussten die Damen enttäuschen, das ist natürlich kein richtiger Wetterpilz, denn ein richtiger Wetterpilz hat nur EINEN Fuß, seit wann hat ein Pilz VIER Beine? Na also. Das Ding im Grengeler Park erinnerte eher an ein Monster aus dem Krieg der Welten, einen Kampfpilz auf vier Beinen.

 

Apropos Kampfpilz. (ganz weit oben auf der Liste der absolut sinnfreien Überleitungen): Besucht doch bitte mal den Blog meines Sponsors:

 

Blogger schenken Lesefreude!

http://www.fiftyfive.eu/blog/blogger-schenken-lesefreude-fifty-five-macht-mit/

 



Die Traumschleife Ehrbachklamm

Geschrieben am um 15:00

 

Der Start der Traumschleife ist toll, keine Frage. Es geht los im Bopparder Ortsteil Oppenhausen, von dem eingefleischte Bopparder unten am Rhein sagen, das das nicht so richtig Boppard wäre, eher volle Pulle Hunsrück, aber das sollen die Oppenhausener und die Bopparder am Rhein unter sich ausmachen. Es geht durch Felder, der Raps blüht knallgelb, Blicke hinüber in die Eifel bis zur Hohen Acht, vorbei an einem Jugendzeltplatz, ein spektakulärer Felsen (die Beulslay), ja, das ist alles ganz toll, aber dann wird die Traumschleife einfach nur super, super, super, denn dann geht es hinein in die Ehrbachklamm.

 


Ich lege mich da mal fest: Die Ehrbachklamm ist definitiv die schönste, wildeste, romantischste Klamm in den deutschen Mittelgebirgen. Versucht mich da mal vom Gegenteil zu überzeugen, das wird aber schwierig! Keinen Weg bin ich in meinem Leben öfter gewandert. Man wandert über Stock und Stein, manchmal helfen Brücken, Seile und kleine Leitern bei der Wanderung auf dem schmalen Pfad, manchmal nicht.

 


Der BBB (BBB steht für Bopparder Bürgermeister Bersch) ist auf vorstehendem Foto zu sehen, wie er glücklich eine kleine Leiter überwindet. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob der BBB durch sein knallrotes Hemd etwas über seine Parteizugehörigkeit verraten will, muss ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Der BBB wies mich aber auf ein Schild in der Mitte der Klamm hin.

 


Die Ehrentafel erinnerte an den Erfinder der Ehrbachklamm, Herrn Francke. Für die Hunsrücker Bauern war die Klamm immer uninteressant gewesen, weil wirtschaftlich nicht nutzbar – zu eng für Mühlenbetrieb, zu felsig für den Holzabtransport. So blieb es den bildungsbürgerlichen (Apotheker!) Wandervögeln überlassen, die Ehrbachklamm wandertouristisch zu erschließen. Danke Herr Francke! Und: Save the date – tragt Euch schon mal 2021 in Euren Terminkalender ein, da wird die große 100-Jahr-Sause in der Klamm gefeiert.

Dann kamen wir zur Daubisberger Mühle und kehrten zünftig ein. Man sollte sich aber bloß nicht auf den Platz der Mühlenwirtin setzen:

 


Der ist reserviert. Frau Gertrud scheint in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse abzustammen, darauf weisen die viele Kissen hin, die sie benötigt, um auf ihrem Stuhl zu sitzen. Das Tolle ist, es gibt zwei von diesen reservierten Stühlen mit exakt der gleichen Kissenanzahl! Sicher ist sicher. Frau Gertrud fragte den BBB, wie man denn die Lügen, die über sie und die Mühle im Internet stehen, wieder aus diesem Internet herauskriegt. Schwierig, schwierig, das wissen wir alle. Also verkünde ich jetzt hier und heute in meinem Blog, der ja auch quasi ziemlich im Internet ist, dass es in der Daubisberger Mühle keine Forellen mehr gibt wegen ist nicht. Okay? Setzen! Aber nicht auf Tante Gertruds Stuhl!

Dann war aber schnell Schluss mit Klamm und lustig, dann ging es hinauf aus dem Tal.

 


Durch ein traumhaftes Seitental hinauf zum Schloss Schöneck. Und weiter kommen Highlight nach Highlight: Wiesenwege und Feldwege unterhalb von Hübingen, das Waldecho, da kommt es so aus dem Wald zurück, wie man hereinruft. Der Steinerne Hund, die Peterslay, die Teufelskanzel, alles herausragende Felsen mit phantastischen Aussichten.

 


Auf der Teufelskanzel habe ich mich dann zügig in eine Caspar-David-Friedrich-Wanderer-über-dem-Felsenmeer-Pose geworfen und in dieser affektierten Körperhaltung die trutzigen Überreste der Burg Rauschenberg betrachtet. Eine Burg, die der legendäre Burgenbauer Balduin, Erzbischof von Trier, oberhalb der Ehrbachklamm bauen ließ, um die Schöneck und die Ehrenburg zu unterwerfen. Was ihm auch gelang, und das führte im Endeffekt dazu – so der geschichtliche Exkurs des BBB – dass Deutschland ein föderalistischer, kein zentralistischer Staat wie Frankreich wurde. So wurden im Tal des Ehrbachs riesige Pflöcke der deutschen Geschichte eingeschlagen.

 

 

Zum Schluss gab es noch ein Belohnungsbier in der Oppenhauser Gaststätte „Tenne“. Der BBB hat einen ausgegeben. Herrlich eiskaltes Weizenbier belebte die erschöpften Wanderkörper. Das Bier schmeckte nicht nur gut weil es erstens eiskalt und zweitens für umme war, sondern weil drittens die Gaststätte an ihrem Ruhetag extra für uns geöffnet hatte. Ein Hoch auf Oppenhausen und die Traumschleife Ehrbachklamm!



Drei Dinge braucht der Wanderer: Stempelzange, Notrufsäule, Zahnbürste

Geschrieben am um 7:41

Viele denken, der gemeine Wanderer würde nur drei Dinge benötigen: Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Falsch, falsch, falsch!!! Wanderhut ist mega-out, Wanderstock noch outerer, und Damenunterröcke zieht man doch nicht zum Wandern an, sondern wenn man als Mann vor’m Spiegel mal wieder Weiberfummel anlegen will.

Nein, zunächst einmal braucht jeder Wanderer eine Stempelzange, damit er in seinem Wanderbüchlein zum Beweis seines Wanderschaffens die entsprechende Felder abstempeln kann. Auf dem Viaduktweg rund um Altenbeken sah ich diese Stempelzange, an Station V. V wie Viadukt, V wie Victory, V wie Fünf. Da ich kein Viadukt-Stempelheft bei mir hatte, habe ich mir die Ohrläppchen mit dem Ding gepierced.

 


Sehr praktisch fand ich auch die orangene Notrufsäule am Rande des Neanderlandsteigs. Pedanten würden sagen, die gehört doch zu parallel verlaufenden A 52 und nicht zum Wanderweg, aber ich finde es sehr schön, auch beim Wandern endlich eine Notrufmöglichkeit zu haben. Holen sie mich ab, ich habe mir ein Blase gelaufen, mein Schnürsenkel ist offen, ich bin total unterhopft!!!

 

 

Und dann habe ich unterhalb der Burg Teck in der Nähe von Owen ein ganz entscheidendes Reiseuntensil genießen: die Zahnbürste. Wer kennt es nicht, wenn die Zunge über den pelzigen Belag auf den Schneidezähnen gleitet. Dann ist man doch froh, wenn da einfach so eine Zahnbürste in der Landschaft steht. Das sind wirklich die Dinge, die ein Wanderer braucht!!!

 



Die Traumschleife Mittelrhein Klettersteig

Geschrieben am um 6:36

 

Anfang April war ich auf der Traumschleife Mittelrhein Klettersteig unterwegs. Ein Schwergewicht unter den deutschen Premiumwegen: 86 Punkten vom Deutschen Wabnderinstitut, das ist mal eine Ansage, das ist ein Brett. Erst mal überraschend: Nur 5,1 Kilometer, das wandert man ja in flacherem Geläuf auf der linken Backe in einer knappen Stunde ab. Nicht so beim Mittelrhein Klettersteig, da geht es (fast) nur hinauf und hinter auf schmalen Pfaden, das dauert seine Zeit…

 


… mit Einkehr und einigen Verschnauf-und-Rheinblick-Pausen war ich insgesamt drei Stunden unterwegs. Das Interessante an dieser Traumschleife ist: Es gibt eine wandersportliche und eine klettersportliche Variante. Man kann also ganz „normal“ seine Runde wandern, oder sich für die halsbrecherische Variante entscheiden. Ich habe mir das mal angeguckt…

 


… und dann eingedenk meines Watzmann-Abenteuers entschieden – äh, neeeeiiin. Klar ist es , dass die Traumschleife, wie sich das für einen Premiumweg gehört, optimal und unverlaufbar gekennzeichnet ist. Die Gemeinde hat sogar weder Mühen geschweige denn Kosten gescheut, an besonders unübersichtlichen Stellen lebende Wegweiser aufzustellen. Vorbildlich!!!

 

 

In der Nähe des Engbachtals gibt es eine Wegstelle, wo man (noch) je nach Windrichtung am Besten mit Nasenklammern wandert, denn es geht an der Kläranlage von Boppard entlang, das ist oben rechts im Bild das runde Ding…

 

 

… „noch“ heißt, dass die Anlage bald stillgelegt wird, weil die Abwässer in Zukunft im Nachbarort „Bad Salzig“ geklärt werden. Eine lokale Karnevals-Combo dichtete daraufhin auf die Meldodie von „Mer losse den Dom in Kölle“: „Wir schicken die Scheiße nach Salzig, denn do jehört se hin!“. Das führte zu einem lebenslangen Auftrittsverbot der karnevalistischen Spaßmacher.

Damit man nach dem dreissigsten traumhaften Blick auf Vater Rhein auch WIRKLICH begreift, dass es sich um eine BILDschöne Landschaft handelt, durch die wir da wandern, hat man einen Bilderrahmen vor das Panorama mit der Weinlage „Bopparder Hamm“ platziert. Da können dann alle im Chor ausrufen: „Da hammer einen Hammer-Hamm-Blick gehabt!“

Eine weiteren Hammer-Blick gibt es wenig später am Gedeonseck. Dort stürzen sich lebensmüde Zeitgenossen mit Paraglidern in die Tiefe, nun ja, jedem sein Hobby. Dass das Gedeonseck nicht Gedeonsblick heißt, könnte an dem schrecklichen Gemälde liegen, dass den guten Gedeon hoch zu Ross zeigt.

 


Wenn Sie einem Menschen übelwollen, Schwiegermutter, Chef oder so, dann schenken Sie ihm doch ein exklusives Porträt des Gedeon-Künstlers, der Porträtierte wird nie mehr ein Wort mit Ihnen wechseln. Zwischen dem Gedeonseck und der Seilbahnbergstation entdeckte ich dieses wunderbare Schild …

 

 

… das muss man natürlich erklären, das mit dem Vierseenblick und auch das mit dem „2.Restaurant“: „2.Restaurant“ bedeutet nicht, dass etwa das erste Restaurant besser wäre, sondern, dass erst noch das Restaurant am Gedeonseck kommt, und dann, danach als zweites Restaurant, als übernächstes Restaurant sozusagen, das Restaurant am Vierseenblick. Vom Viersseenblick war ich etwas enttäuscht. Ich hatte gedacht, dass man von dort mindestens Bodensee, Laacher See, die Ostsee und den Baikalsee sehen könnte. Pustekuchen! Nur mühsam und schonend konnte ich die einheimischen Mitwanderer davon überzeugen, dass stets nur und ausschließlich Abschnitte von Vater Rhein zu sehen waren. Und das ist doch ein FLUSS und kein SEE, geschweige denn VIER SEEN!

Ach ja, am Montag nach den Osterferien, den 28. April, wandere ich meine nächste Traumschleife in der Gemeinde Boppard, die Ehrbachklamm. Jeder der mitmöchte, kann mitmachen, Treffpunkt ist um 11.00 am Wanderparkplatz in Oppenhausen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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