Wander-Blog von Manuel Andrack

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Waldzeit

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Ich möchte Euch heute einen Weg vorstellen, einen Premiumweg, eine neue Traumschleife, die mir ganz besonders am Herzen liegt. Ganz einfach weil ich nun endlich eine Traumschleife in fußläufiger Entfernung habe. Das ist ein großartiges Gefühl.

Start ist am Sportzentrum im saarländischen Hülzweiler. Da Wandern auch irgendwie Sport ist, darf man auf dem ehemaligen Fußballaschenplatz parken.

 

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Spirituelle Erfrischung kann sich schon nach kurzer Zeit in einer Waldkapelle abholen. Errichtet wurde die Kapelle im Jahr MCML, so steht es an der Fassade. Das ist doch mal ein Jahr, das man in wenigen römischen Ziffern bezeichnen kann. Im Gegensatz zu meinem Geburtsjahr MCMLXV oder aber dem Jahr, in dem ich Abitur machte: MCMLXXXIV. Nun gut, auch das vergangene Jahr war kurz und bündig: MMXX.

 

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Neben der Kapelle ein Speed-Kreuzweg – alle 14 Stationen nebeneinander in halbem Meter Abstand, nicht so anstrengend wie die üblichen Kreuzwege an extrem steilen Wegen.

 

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Man sieht auf der neuen Traumschleife, dass das Saarland eine Bergbauregion war. Der Pütt im Südwesten, daher auch der Name der Stadt Püttlingen, Heimat von AKK und MA. Der Förderturm der Grube Elm, der Neyschacht (benannt nach Marschall Ney, der Napoleon beim Russlandfeldzug erfolgreich assistierte, ein französischer Saarländer), ist gut zu erkennen.

 

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Der Premiumweg heißt übrigens Waldzeit. Wanderinstitut-Chef Klaus Erber erzählte mir – kurz nachdem er den Weg vor vier Monaten zertifiziert hatte, dass er fasziniert gewesen sei, vor allem von der Vielzahl der Waldbilder – Fichtenwälder, Buchenwälder, Eichenwälder, Kiefernwälder, Birkenwälder, Robinienwälder – und sogar Lindenwälder. Wenn ich jetzt noch einen Lindenwald erkennen würde, könnte ich das auch genießen.

 

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Eine Allee erkenne ich dagegen jederzeit. Das ist ja auch ein beliebter Song in den Fußballstadien gewesen, als man dort noch Gesänge hörte: Allee, Allee, eine Straße mit Bäumen Alle, eine Straße mit Bäumen Allee, eine Straße mit Bäumen Allee!

 

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Da die Ausblicke auf dem Waldzeit-Weg etwas dürftig sind, hat man einen Aussichtsturm gebaut, von dem aus man (wie üblich) nicht viel mehr sieht, als wenn man unten bleibt.

 

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Was man sehen könnte, wenn nicht der nächste Hügel im Weg wäre, zeigt die Panoramatafel. Zu Erklärung: Gestrichelte Linien zeigen „verborgene“ Ortschaften. Das finde ich gut, dass die Orte verborgen sind, sonst könnte ja jeder auf mein Haus schauen.

 

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Gar nicht verborgen sind viele Grenzsteine am Wegrand. SH bedeutet weder Schleswig-Holstein noch St. Helena, sondern steht für Schwarzenholz. Schwarzenholz war ein nur dem (deutschen) Reich unterstellter, unabhängiger Ort, eine der freien Reichsstädte wie Köln, Nürnberg oder Rottweil.

 

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An exponierter Stelle passieren wir eine sogenannten Dreibannstein. Dort trafen die Gemarkungen der Weltmetropole Schwarzenholz, das Herzogtum Lothringen (markiert mit dem Doppelkreuz) und die Grafschaft Saarbrücken-Nassau zusammen. Letztere markiert mit einer Wolfsangel, ein Zeichen, dass heutzutage nicht mehr gerne gesehen ist, da es die Nazis verwendeten.

Ach ja, und ich darf vorstellen: Der neue Familienhund Mulan.

 

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An der Kneipp-Anlage „Auf Schwarscht“, fasziniert mich vor allem der Flurname „Auf Schwarscht“. Da fühlt man sich ein wenig verarscht, oder?

 

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Kein guter Premiumweg ohne Wasser: Voila, die sogenannte „Auszeit am Waldsee“

 

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Und als Finale wandern wir noch an der Freilichtbühne von Hülzweiler vorbei, in den 1920ern eingebaut in die Naturkulisse. Der Abstand zwischen Zuschauern und Bühne ist voll Corona-tauglich.

Der neue Premiumweg Waldzeit ist ganz großes Natur-Theater!


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2 Kommentare zu “Waldzeit

  1. „Endlich fußläufig Traumschleife“ und „Parken am Aschenplatz“ bring‘ ich zwar noch nicht ganz zusammen, aber offensichtlich ist der angeknackste Wanderfuß wieder voll einsatzfähig und das ist die Hauptsache!

  2. Ist in dieser Ecke nicht auch „die Madonna von Marpingen“ zuhaus? Diese Marienerscheinung hat wohl die meisten Saarländer unendlich beeindruckt. Noch heute hört man von genervten Angehörigen: „Glotz net so wie die Madonna von Marpingen!“

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