Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mein erster Antikörpertest – ein Wunder?

Geschrieben am um 6:23

Seit Mitte Februar kann man sich im Landkreis St.Wendel in einem privaten Testzentrum auf Covid-19 testen lassen. Ich dachte mir, das ist die Zukunft, das muss man unterstützen, denn hinter dem Testzentrum steckt der Rockfestival- und Konzertveranstalter Thilo Ziegler.

 

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Sein Ansatz ist schlau: Wer einen negativen Test hat, der kann doch eigentlich auch ein Konzert besuchen – ODER? Das Buchungssystem war auf jeden Fall genial einfach, ich hatte am zweiten Öffnungs-Tag des Testzentrums um 10:02 einen Termin. Angekündigt war ein Drive In und ein Walk In. Ich wollte in walken, aber dem medizinischen Personal war es doch lieber, dass ich mit dem Auto vorfahre. Meinetwegen. Und dann das Wunder: Ich habe einen negativen Antikörpertest!

 

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Das wundersame Ergebnis musste an der Nähe des Testzentrums zu Marpingen liegen. Daher bin ich nach meinem Test (Ergebnis nach 15 Minuten per QR-Code auf dem Handy) zur Marienkapelle nach Marpingen gefahren, das saarländische Lourdes. Ich zitiere aus der verlässlichen Quelle domradio.de: „1876 hatten drei Marpinger Kinder erstmals von Marienerscheinungen berichtet und damit binnen kurzem Tausende Schaulustige in den Härtelwald gelockt. Das Phänomen zog immer weitere Kreise, bis es dem Reichskanzler zu bunt wurde: Der Protestant Otto von Bismarck ließ das preußische Heer aufmarschieren, das Dorf besetzen und den Zugang zum Wald versperren.“

 

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Großartig. Gut, dass die aktuelle Verteidigungsministerin aus dem Saarland kommt, die wird nicht die Bundeswehr bei der nächsten Marienerscheinung losschicken.

Im Internet las ich, die Marienkapelle zu Marpingen sei wegen Verstößen gegen die AHA-Regeln geschlossen. Das kann ich nicht bestätigen, ich weiß auch gar nicht, wie man diese extrem offene Andachtsstätte verschließen oder absperren könnte.

 

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Auch das heilige Quellwasser kann von den Gläubigen weiterhin gezapft werde, aber bitte nicht direkt aus dem Hahn trinken! Das ist ja auch wirklich Pfui, das hat man auch vor Corona nicht gemacht!

 

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Ein wenig irritiert hat mich nur die Kneippanlage, das Tretbecken an der Marienkapelle. Da wird ja das heilige Wasser im wahrsten Sinne des Worts mit Füßen getreten. Ich finde: Das GEHT gar nicht.

Ach ja, wenn Ihr Euch gefragt haben solltet, was ich da für eine Jacke anhabe, schaut Euch doch mal das hier an:

https://www.walbusch.de/wandern

 

 

 



Maria und Marpingen

Geschrieben am um 20:04

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Waldzeit

Geschrieben am um 6:23

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Ich möchte Euch heute einen Weg vorstellen, einen Premiumweg, eine neue Traumschleife, die mir ganz besonders am Herzen liegt. Ganz einfach weil ich nun endlich eine Traumschleife in fußläufiger Entfernung habe. Das ist ein großartiges Gefühl.

Start ist am Sportzentrum im saarländischen Hülzweiler. Da Wandern auch irgendwie Sport ist, darf man auf dem ehemaligen Fußballaschenplatz parken.

 

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Spirituelle Erfrischung kann sich schon nach kurzer Zeit in einer Waldkapelle abholen. Errichtet wurde die Kapelle im Jahr MCML, so steht es an der Fassade. Das ist doch mal ein Jahr, das man in wenigen römischen Ziffern bezeichnen kann. Im Gegensatz zu meinem Geburtsjahr MCMLXV oder aber dem Jahr, in dem ich Abitur machte: MCMLXXXIV. Nun gut, auch das vergangene Jahr war kurz und bündig: MMXX.

 

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Neben der Kapelle ein Speed-Kreuzweg – alle 14 Stationen nebeneinander in halbem Meter Abstand, nicht so anstrengend wie die üblichen Kreuzwege an extrem steilen Wegen.

 

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Man sieht auf der neuen Traumschleife, dass das Saarland eine Bergbauregion war. Der Pütt im Südwesten, daher auch der Name der Stadt Püttlingen, Heimat von AKK und MA. Der Förderturm der Grube Elm, der Neyschacht (benannt nach Marschall Ney, der Napoleon beim Russlandfeldzug erfolgreich assistierte, ein französischer Saarländer), ist gut zu erkennen.

 

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Der Premiumweg heißt übrigens Waldzeit. Wanderinstitut-Chef Klaus Erber erzählte mir – kurz nachdem er den Weg vor vier Monaten zertifiziert hatte, dass er fasziniert gewesen sei, vor allem von der Vielzahl der Waldbilder – Fichtenwälder, Buchenwälder, Eichenwälder, Kiefernwälder, Birkenwälder, Robinienwälder – und sogar Lindenwälder. Wenn ich jetzt noch einen Lindenwald erkennen würde, könnte ich das auch genießen.

 

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Eine Allee erkenne ich dagegen jederzeit. Das ist ja auch ein beliebter Song in den Fußballstadien gewesen, als man dort noch Gesänge hörte: Allee, Allee, eine Straße mit Bäumen Alle, eine Straße mit Bäumen Allee, eine Straße mit Bäumen Allee!

 

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Da die Ausblicke auf dem Waldzeit-Weg etwas dürftig sind, hat man einen Aussichtsturm gebaut, von dem aus man (wie üblich) nicht viel mehr sieht, als wenn man unten bleibt.

 

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Was man sehen könnte, wenn nicht der nächste Hügel im Weg wäre, zeigt die Panoramatafel. Zu Erklärung: Gestrichelte Linien zeigen „verborgene“ Ortschaften. Das finde ich gut, dass die Orte verborgen sind, sonst könnte ja jeder auf mein Haus schauen.

 

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Gar nicht verborgen sind viele Grenzsteine am Wegrand. SH bedeutet weder Schleswig-Holstein noch St. Helena, sondern steht für Schwarzenholz. Schwarzenholz war ein nur dem (deutschen) Reich unterstellter, unabhängiger Ort, eine der freien Reichsstädte wie Köln, Nürnberg oder Rottweil.

 

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An exponierter Stelle passieren wir eine sogenannten Dreibannstein. Dort trafen die Gemarkungen der Weltmetropole Schwarzenholz, das Herzogtum Lothringen (markiert mit dem Doppelkreuz) und die Grafschaft Saarbrücken-Nassau zusammen. Letztere markiert mit einer Wolfsangel, ein Zeichen, dass heutzutage nicht mehr gerne gesehen ist, da es die Nazis verwendeten.

Ach ja, und ich darf vorstellen: Der neue Familienhund Mulan.

 

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An der Kneipp-Anlage „Auf Schwarscht“, fasziniert mich vor allem der Flurname „Auf Schwarscht“. Da fühlt man sich ein wenig verarscht, oder?

 

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Kein guter Premiumweg ohne Wasser: Voila, die sogenannte „Auszeit am Waldsee“

 

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Und als Finale wandern wir noch an der Freilichtbühne von Hülzweiler vorbei, in den 1920ern eingebaut in die Naturkulisse. Der Abstand zwischen Zuschauern und Bühne ist voll Corona-tauglich.

Der neue Premiumweg Waldzeit ist ganz großes Natur-Theater!



Geschafft! Mein letzter Premiumweg im Saarland

Geschrieben am um 6:23

Unglaublich, aber wahr – nach zwölf Jahren, in denen ich in meiner saarländischen Neu-Heimat lebe, habe ich endlich alle saarländischen Premiumwege erwandert. Immerhin ist das kleinste Flächenbundesland die Nummer Eins in Deutschland, was die Premiumweg-Dichte angeht: Sechsundsiebzig Premiumwege (inklusive Spazierwanderwege) drängeln sich auf einer Fläche, die normalerweise als Vergleichsmaß für Steppenbrände und Ölteppiche weltweit herangezogen wird. Die Beispiele für „XY ist so groß wie das gesamte Saarland“ sind legendär.

 

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Mein letzter saarländischer Premiumweg war der Tiefenbachpfad oberhalb von St.Wendel. ich war immer schon Teilstücke gewandert, aber noch nie die Gesamtstrecke. Wer noch nie in St.Wendel war oder noch nie vom Heiligen Wendelinus (der im Wendelinus-Dom liegt, auf dem nächsten Foto am linken Bildrand) gehört hat, kann auf dem Weg einen sehr guten Eindruck über die gesamte Stadt verschaffen.

 

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Welcher der zahlreichen Kerbtäler auf meiner Wanderstrecke nun der Tiefenbach war, habe ich nicht kapiert. Auf jeden Fall geht es über teilweise äußerst gewagt Treppenkonstruktionen, bergab und bergan. Die letzten Anstiege der Tour haben bei Temperaturen weit über dreißig Grad richtig wehgetan, zumal ich wegen meines Corona-Bauchs nicht gewillt war, Anstiege mit gedrosseltem Tempo anzugehen.

 

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Aber was ist der schönste Premiumweg ohne gescheite Schlusseinkehr? Nichts wäre das wert, genau. Daher wird man auch auf dem Tiefenbachpfad ständig gefragt: Hunger? Antwort: Ja, schon, aber vor allem Durst.

 

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Daher am Ende natürlich Einkehr im Wendelinushof (hier ist alles wendelig), einem integrativen Lebenshilfe-Projekt. Fast alles, was auf den Tisch kommt, Fleisch und Gemüse, ist im Hof produziert worden.

 

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Auch die zukünftige Gulaschsuppe war schon angetreten, um im Schatten das Futter zu genießen. Das war’s also, mein letzter saarländische Premiumweg, ein wenig Wehmut ist schon dabei, denn was sind die neuen Ziele? Vielleicht sind demnächst alle Premiumwege von Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin dran. Damit müsste ich ziemlich schnell durch sein.



Reptiloiden! – es gibt sie wirklich

Geschrieben am um 6:51

Ich musste immer kotzen, wenn jemand vor, nach und während der sogenannten Flüchtlingskrise sagte: „Ich habe ja nicht gegen Flüchtlinge, aber …“ Ich muss immer noch kotzen, wenn ich nur daran denke. Aber: Ich glaube ja nicht an Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit der sogenannten Corona-Epedemie, aaaber: Wenn ihr diese Story hört, denkt ihr vielleicht anders darüber …

 

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Gestern bin ich in einem ganz normalen saarländischen Wald gewandert. Obwohl unter freiem Himmel gar nicht vorgeschrieben, hatte ich Maskenschutz angelegt. Na ja, was heißt Maske, halt so einen ollen Buffer von meinem Ex-Sponsor. Den nutze ich schon seit Beginn der Maskenpflicht und habe ihn relativ selten gewaschen. Das Ding müffelt schon ein wenig. Aber das ist nicht das Thema. Ich wandere also in diesem saarländischen Urwald, da begegnete mir plötzlich Angela Merkel.

 

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Jetzt werden die meisten sagen: Diese Urzeit-Echse sieht ja gar nicht aus wie aus wie unsere heldenhafte Kanzlerin. Tja, Merkel hatte eben nicht gut genug aufgepasst und für eine Millisekunde ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich habe nämlich, muss ich dazu sagen, die Fähigkeit, Reptiloiden zu erkennen. Das ist so wie beim Kinderspiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst.“ Ich bin Reptiloiden-Detektiv. Mal ehrlich: Die da oben wollen uns doch für blöd verkaufen. Die einen verabreichen Mikro-Chips intravenös, andere versprühen Gift mit Flugzeugen. Aber jedes Kind weiß doch, dass schon lange Reptiloide die Welt beherrschen wollen. Diese Echsen leben in unterirdischen Höhlen, ernähren sich von Kindern, können menschliche Gestalten annehmen und wollen konsequent das menschliche Leben auf der Erde verechsen, indem die ekligen Reptilien menschliche Gestalt annehmen.

 

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Aber im Saarland, in der Nähe von Landsweiler-Reden, da hat man die Maske fallen lassen. Wenn sogar „Mitarbeiter“ aussehen wie kleine Dinos, dann muss man da ja wohl nicht mehr viel zu sagen. Und nächste Woche öffne ich Euch endlich, sehnsüchtig erwartet, die Augen über die Wandersinfonie von Ludwig van Beethoven – garantiert keine Verschwörungstheorie.



Mut zur närrischen Maske oder: Sprich einfach mit dem Virus

Geschrieben am um 6:23

Seit gestern herrscht bundesweit die Maskenpflicht. Ich gebe zu, begeistert war ich nicht, dass man zukünftig beim Einkaufen eine Maske tragen muss. Die Zahl der Infizierten geht zurück und die Freiheitsrechte werden noch mehr beschnitten. Wo ist die Logik? Die Logik steckt natürlich im Detail. Die Bundesregierung und alle Ministerpräsidenten von A wie Achim bis Z wie Zöder wollen heimlich Werbung für mein nächstes Buch machen …

 

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…. das erscheint zwar erst im November, aber es ist natürlich eine geniale Idee der politisch Verantwortlichen, nun ganzjährig Masken, ob närrisch oder nicht, vorzuschreiben. Als ich kapiert hatte, was für eine geniale Marketing-Masche hinter der Maskenpflicht steckt, habe ich mir in Internet (AMAZON!!!) eine Spiderman-Maske – Größe Adult – bestellt. Der perfekte Schutz vor dem fiesen Virus, nicht nur Mund und Nase, sondern das ganze Gesicht ist bedeckt. In dieser Maskerade wollte ich beim Aldi einkaufen gehen, …

 

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… stellte aber fest, dass die Maske doch ein klein wenig zu klein für meinen Quadratschädel ist. Oder hatte ich das Ding vielleicht falsch angelegt? Ich probierte es noch einmal, …

 

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… aber das war auch nicht besser, statt zwei Spiderman-Augen hatte ich nun zyklopesk ein Spiderman-Auge auf der Stirn kleben. Ich werde das Ding zurück schicken, erst mal nicht einkaufen gehen, (wozu hat man gehamstert?) und warten, bis sich das blöde Virus endlich vom Acker gemacht hat. Auf einem der saarländischen Berggipfel, dem Litermont, habe ich ein Schild gesehen, dass direkt auf das Corona-Virus einwirkt …

 

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… es kommt eben immer auf den richtigen Ton an: Wenn man das Virus bittet, doch einfach mal zu beachten, den Gipfel nicht zu betreten, ist schon mal viel geholfen. Veneceremos!



Beckinger Saarblicke

Geschrieben am um 6:23

Es ist doch immer wieder schön, einen Haken hinter eine der 111 Traumschleifen zu machen, noch schöner, wenn die Traumschleife in meiner Wahlheimat gelegen ist, dem kleinen Bundesland mit den vielen Spitzenpolitikern, die sich immer ganz doll lieb haben. Beckingen ist ein Ort südlich von Merzig. Die berühmte saarländische Familie Becker wohnt nicht in Beckingen. Es kommt nicht sehr oft vor, dass ein Schiff in Beckingen anlegt. Der Grund ist, dass der gewerbliche Schiffsverkehr der Saar schon kurz vor Saarbrücken endet. Daher singt man Beckingen, wehmütig auf die Saar blickend: „Ein Schiff wird kommen…“

 

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Trotz des unregen Schiffsverkehrs hat man am Saarufer einen – allerdings unbemannten – Leuchtturm errichtet. Die Ernsthaftigkeit dieses Leuchtturms ist leider äußerst zweifelhaft, hat man doch einen Sandkasten und Kinderspielplatz um dieses Gebäude errichtet.

 

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Kein Kinderspielplatz findet sich am Bunker der Bauart „Regelbau 10“ im Beckinger Ortsteil Haustadt. In dem Bunker ist ein Westwallmuseum eingerichtet. Ich bekomme schon klaustrophobische Beklemmungen, wenn ich das Ding nur von außen sehe.

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Oberhalb der Saar, kurz vor der grandiosen Einkehr Fischerberghütte, findet sich dieser hervorragend erhaltene Grenzstein. Deutlich ist die Lilie zu sehen, aber nicht als Erkennungszeichen der Fans von Darmstadt 98, sondern als Herrschaftszeichen der französischen Krone. Zwischen 1679 und 1697 und noch einmal zwischen 1766 und 1815 war Beckingen französisch und wurde eher Béckongsche ausgesprochen.

 

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Inzwischen redet man aber in dem Ort wieder saarländisch und das ist auch gut so. Und nach den Saarblicken vom Leinpfad aus ergeben sich auch viele Saarblicke aus der Höhe.

 

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Die Fehler

Geschrieben am um 6:37

Fehlerforscher der Uni München – wollen wir mal hoffen, dass Fehlerforscher nicht so viele Fehler beim fehlerforschen machen – haben etwas herausgefunden. Beim entspannten Arbeiten machen alle Menschen im Schnitt alle 30 Minuten einen Fehler. Bei extrem stressigen Situationen kommt es sogar alle 30 Sekunden zu Fehlern. Erschreckend.

Wandern ist im Zweifelsfall NICHT extrem stressig, im Gegenteil: es soll ja entspannen. Trotzdem kann man auch beim Wandern Fehler machen. Ein ganzes Fehlerfestival habe ich Anfang des Jahres auf einer Wanderung zum Dollberg veranstaltet.

 

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Der Dollberg ist die höchste saarländische Erhebung und ich wanderte mit einem Wanderkollegen vom Bayerischen Rundfunk den Premiumweg „Dollbergschleife“. Der gute Mann war extra aus München angereist, daher hatte ich es verpasst, die Wanderung zu verschieben. Erster großer Fehler, denn es regnete an diesem Märztag derart, dass man keinen Hund vor die Tür schicken geschickt hätte. Der zweite Fehler: Ich hatte gehofft, mich mit einem Regenschirm gegen die Feuchtigkeit schützen zu können, allerdings regnete es nicht nur, sondern stürmte auch noch, so dass der Regenschirm (2,99 Euro vom Rossmann) nach den ersten Windstößen hinüber war. Daher ergab sich schon nach wenigen Kilometern, dass Fehler drei offensichtlich war: ich hatte die falschen Klamotten angezogen. Die Hose war komplett durchnässt, ebenso die Unterhose und die Strümpfe erst recht. Um es klar ausdrücken, es zog bei mir untenrum heftig bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

 

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Irgendwie scheint auch mein Gehirn eingefroren gewesen zu sein, denn kurz vor Ende des Rundwegs war an einer Wegkreuzung unsere Markierung nicht mehr zu sehen. Vierter Fehler, zu viel mit dem Wanderkollegen gequatscht und daher nicht auf die Wegzeichen geachtet. Dann aber der Hammerfehler (Nummer fünf inzwischen) Anstatt zweihundert Meter zurück zu gehen und den richtigen Weg zu finden, entschied ich: wir gehen um den See herum. Wir standen nämlich am Nonnweiler Stausee, den ich gar nicht groß in Erinnerung hatte. Um es kurz zu machen: Wir sind dann einmal um den See herum gegangen, elf Kilometer extra, bei eisigen Winden, Starkregen und auf stumpfen Forstwegen. Der Stausee zu Nonnweiler verfügt über einen Seitenarm, einem Fjord ähnlich, der Weg zog sich, in der Leistengegend wurde es auch nicht wärmer. Der bedauernswerte Journalist hatte, wie er am Ende der Wanderung gestand, bei der Seeumrundung Wahrnehmungsstörungen. Er konnte nicht unterscheiden, ob ich von ihm weg laufe (was ich tat) oder ob ich ihm entgegen komme.

 

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Einen Fehler habe ich allerdings nicht begangen: ich habe – Ehrensache als Blogbär – nicht das falsche Schuhwerk angehabt, Blasen blieben mir trotz nasser Socken erspart. Als mein Wanderfreund bei der Rückfahrt wieder zu sich kam, meinte er, er werde diese Wanderung sein Lebtag nicht mehr vergessen. Ich auch nicht.

 

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Wehinger Viezpfad

Geschrieben am um 6:23

Der Wehinger Viezpfad stand schon sehr sehr lange auf meiner Wander-To-Do-Liste. Warum es erst jetzt geklappt hat? Ganz einfach, ich dachte an ungefähr 48 Wochen im Jahr, dass es doch viel schöner wäre, den Weg in Zeiten der Apfelblüte zu wandern. Und meisten haben ich eben diesen Zeitraum verpasst.

 

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Dieses Jahr hat es endlich funktioniert und mit an Bord waren meine luxemburgischen Wanderfreunde Camille und Christian. Ich gebe den beiden von Zeit zu Zeit Anschauungsunterricht, wie schön man im Saarland wandern kann.

 

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Auf dem ersten Abschnitt ergeben sich auf dem Wehinger Viezpfad geniale Ausblicke Richtung Saarschleife/Mettlach (man kann den Aussichtsturm des Baumwipfelpfads erkennen) und Richtung Merzig bis ins St.Wendeler Land (sogar der Schaumbergturm ist zu sehen). Immer wieder geht es durch Niederwald, früher wurden dort immer wieder die Bäum auf den Stock gesetzt, das heißt extrem beschnitten, so dass sie jetzt mit mehrerern dünnen Stimmen wie Blumensträusse spriessen.

 

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Manche Äste hängen auch über den Weg, da kann man leicht ein Brett vor dem Kopf haben. Okay, das obige Bild ist gestellt, aber ich bin tatsächlich bei einer kurzen Steilpassage, Blick auf den Boden, volle Lotte gegen einen Ast gedengelt, aua, aua, aua. Neu war mir, dass es auch „Sinnebänke“ gibt …

 

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… ich dachte immer, die hießen „Sinnenbänke“. Wenn man aber nicht mehr alle fünf Sinne zusammen hat, kann man es sich auch auf einer „Sinnebank“ gemütlich machen. Und dann endlich: Blühende Bäume!

 

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In diesem Jahr hat sich wegen des nass-kalten Mai die Apfelbaumblüte ganz schön verzögert, so dass auch noch Mitte Mai Baumschmuck vorhanden war.

 

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Natürlich hatte ich, um das Sinne-Erlebnis abzurunden, zwei Flaschen Viez mitgebracht. Der süsse war etwas konturloser, aber der feinherbe schmeckte großartig. Gefährlich ist, dass man im Unterschied zu Bier, Wein und Schnaps beim Viez den Alkohol nicht schmeckt. Nach den zwei Litern, die wir genüsslich gluckerten, konnte man beim Weiterwandern nur konstatieren: Da näherten sich drei schwankende Gestalten.

 

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Gegen Ende der Tour gingen wir über Almwiesen, um die der Allgäu das Saarland bestimmt beneidet, traumhaft. Ich wanderte durchs hohe Gras (mit kurzer Hose) und handelte mir vier Zecken an den Knöcheln und der Leistengegend ein. Ein runder Tag: Brett vorm Kopf, Apfelblüte, Viez-Genuss, zwei blendend gelaunte Luxemburger und vier glückliche Zecken!



Der Nenniger Weinwandergenuss

Geschrieben am um 6:23

Kürzlich habe ich mit meinem luxemburgischen Wanderkumpel Christian die Weinwandersaison mit einer ganz besonderen Rundtour an der Mosel begonnen.

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Seit Juni ist der Dolinenweg im saarländischen Perl-Nennig offiziell eröffnet. Anstatt den Namen Dolinenweg zu wählen, wäre auch Nenniger Weingenussschleife eine passende Bezeichnung für die 9,4 lange Rundtour gewesen.

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Zu Beginn der Wanderung machten wir eine kleine Schleife durch den Ort Nennig, direkt an Dorfbrunnen, Kirche und alter römischer Villa vorbei. Schon die Römer haben Wein an der Obermosel angebaut, der Elbling (von lateinisch albus = weiß) ist dort seit 2.000 Jahren heimisch.

Oberhalb der Weinberge erreichten wir einen Wald, in dem noch einige Schützengräben des Westwalls zu erkennen waren…

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Warum heißt es eigentlich: Sie LAGEN in ihren Stellungen? Haben die Soldaten wirklich immer gelegen?

Vor der Wandertour hatte ich beim genialen Weingut Karl Petgen in Nennig eine kühle Flasche Auxerrois vom herausragenden 2018er Jahrgang besorgt.

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Bevor ich ins Saarland zog wusste ich es nicht: Saarländischen Wein gibt es nicht an der Saar (alle Saar-Weingüter, auch das Weingut Othgraven von Günter Jauch, liegen in Rheinland-Pfalz), sondern nur an der Obermosel gegenüber von Luxemburg in den Ortsteilen von Perl – Perl, Sehndorf und eben Nennig.

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An einigen Passagen des Dolinenwegs sahen wir Baumleichen, die von den letzten Stürmen umgehauen wurden. Einige Bäume waren zwar schon entwurzelt, aber noch nicht komplett umgestürzt. Gefährlich für die Wanderer, weswegen ich mich als finaler Baumwerfer verdient gemacht habe.

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Und dann endlich die Dolinen, Ausspülungen aus dem Kalkgestein, wenn ich das richtig verstanden habe. Etwas ratlos stand ich vor dem geologischen Phänomen der Schlucklöcher. Eigentlich ein gemeines Schimpfwort für exzessive Belohnungsbiertrinker.

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Eine andere Variante ist die Lösungs-Doline, ein kleines verschilftes Feuchtgebiet. Ganz ehrlich, Weinberge finde ich ästhetischer, und – so ein Zufall – auf dem Rückweg zum Schloss laufen wir durch die Weinberge des Weinguts Karl Petgen. Wir fanden die Rebreihen mit dem Auxerrois, den wir noch vor kurzem gekostet hatten: das ist Weinwandern in Perfektion

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Nach der Wandertour kann man in der “Scheune“ einkehren, dort gibt es gehobene Landhausküche und natürlich die Weine der Region. Wenn man etwas mehr Geld (und auch Zeit) mitbringt, empfängt einen gerne das Team von Christian Bau im Schloss-Restaurant. Bau ist einer von zwei saarländischen Drei-Sterne-Köchen, er kocht in der weltweiten Champions League. In so einem Drei-Sterne-Restaurant ist es allerdings angebracht, die Wanderkleidung zu wechseln, ein wenig Stil muss sein.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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