Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wehinger Viezpfad

Geschrieben am um 6:23

Der Wehinger Viezpfad stand schon sehr sehr lange auf meiner Wander-To-Do-Liste. Warum es erst jetzt geklappt hat? Ganz einfach, ich dachte an ungefähr 48 Wochen im Jahr, dass es doch viel schöner wäre, den Weg in Zeiten der Apfelblüte zu wandern. Und meisten haben ich eben diesen Zeitraum verpasst.

 

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Dieses Jahr hat es endlich funktioniert und mit an Bord waren meine luxemburgischen Wanderfreunde Camille und Christian. Ich gebe den beiden von Zeit zu Zeit Anschauungsunterricht, wie schön man im Saarland wandern kann.

 

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Auf dem ersten Abschnitt ergeben sich auf dem Wehinger Viezpfad geniale Ausblicke Richtung Saarschleife/Mettlach (man kann den Aussichtsturm des Baumwipfelpfads erkennen) und Richtung Merzig bis ins St.Wendeler Land (sogar der Schaumbergturm ist zu sehen). Immer wieder geht es durch Niederwald, früher wurden dort immer wieder die Bäum auf den Stock gesetzt, das heißt extrem beschnitten, so dass sie jetzt mit mehrerern dünnen Stimmen wie Blumensträusse spriessen.

 

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Manche Äste hängen auch über den Weg, da kann man leicht ein Brett vor dem Kopf haben. Okay, das obige Bild ist gestellt, aber ich bin tatsächlich bei einer kurzen Steilpassage, Blick auf den Boden, volle Lotte gegen einen Ast gedengelt, aua, aua, aua. Neu war mir, dass es auch „Sinnebänke“ gibt …

 

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… ich dachte immer, die hießen „Sinnenbänke“. Wenn man aber nicht mehr alle fünf Sinne zusammen hat, kann man es sich auch auf einer „Sinnebank“ gemütlich machen. Und dann endlich: Blühende Bäume!

 

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In diesem Jahr hat sich wegen des nass-kalten Mai die Apfelbaumblüte ganz schön verzögert, so dass auch noch Mitte Mai Baumschmuck vorhanden war.

 

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Natürlich hatte ich, um das Sinne-Erlebnis abzurunden, zwei Flaschen Viez mitgebracht. Der süsse war etwas konturloser, aber der feinherbe schmeckte großartig. Gefährlich ist, dass man im Unterschied zu Bier, Wein und Schnaps beim Viez den Alkohol nicht schmeckt. Nach den zwei Litern, die wir genüsslich gluckerten, konnte man beim Weiterwandern nur konstatieren: Da näherten sich drei schwankende Gestalten.

 

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Gegen Ende der Tour gingen wir über Almwiesen, um die der Allgäu das Saarland bestimmt beneidet, traumhaft. Ich wanderte durchs hohe Gras (mit kurzer Hose) und handelte mir vier Zecken an den Knöcheln und der Leistengegend ein. Ein runder Tag: Brett vorm Kopf, Apfelblüte, Viez-Genuss, zwei blendend gelaunte Luxemburger und vier glückliche Zecken!



Der Nenniger Weinwandergenuss

Geschrieben am um 6:23

Kürzlich habe ich mit meinem luxemburgischen Wanderkumpel Christian die Weinwandersaison mit einer ganz besonderen Rundtour an der Mosel begonnen.

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Seit Juni ist der Dolinenweg im saarländischen Perl-Nennig offiziell eröffnet. Anstatt den Namen Dolinenweg zu wählen, wäre auch Nenniger Weingenussschleife eine passende Bezeichnung für die 9,4 lange Rundtour gewesen.

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Zu Beginn der Wanderung machten wir eine kleine Schleife durch den Ort Nennig, direkt an Dorfbrunnen, Kirche und alter römischer Villa vorbei. Schon die Römer haben Wein an der Obermosel angebaut, der Elbling (von lateinisch albus = weiß) ist dort seit 2.000 Jahren heimisch.

Oberhalb der Weinberge erreichten wir einen Wald, in dem noch einige Schützengräben des Westwalls zu erkennen waren…

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Warum heißt es eigentlich: Sie LAGEN in ihren Stellungen? Haben die Soldaten wirklich immer gelegen?

Vor der Wandertour hatte ich beim genialen Weingut Karl Petgen in Nennig eine kühle Flasche Auxerrois vom herausragenden 2018er Jahrgang besorgt.

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Bevor ich ins Saarland zog wusste ich es nicht: Saarländischen Wein gibt es nicht an der Saar (alle Saar-Weingüter, auch das Weingut Othgraven von Günter Jauch, liegen in Rheinland-Pfalz), sondern nur an der Obermosel gegenüber von Luxemburg in den Ortsteilen von Perl – Perl, Sehndorf und eben Nennig.

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An einigen Passagen des Dolinenwegs sahen wir Baumleichen, die von den letzten Stürmen umgehauen wurden. Einige Bäume waren zwar schon entwurzelt, aber noch nicht komplett umgestürzt. Gefährlich für die Wanderer, weswegen ich mich als finaler Baumwerfer verdient gemacht habe.

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Und dann endlich die Dolinen, Ausspülungen aus dem Kalkgestein, wenn ich das richtig verstanden habe. Etwas ratlos stand ich vor dem geologischen Phänomen der Schlucklöcher. Eigentlich ein gemeines Schimpfwort für exzessive Belohnungsbiertrinker.

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Eine andere Variante ist die Lösungs-Doline, ein kleines verschilftes Feuchtgebiet. Ganz ehrlich, Weinberge finde ich ästhetischer, und – so ein Zufall – auf dem Rückweg zum Schloss laufen wir durch die Weinberge des Weinguts Karl Petgen. Wir fanden die Rebreihen mit dem Auxerrois, den wir noch vor kurzem gekostet hatten: das ist Weinwandern in Perfektion

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Nach der Wandertour kann man in der “Scheune“ einkehren, dort gibt es gehobene Landhausküche und natürlich die Weine der Region. Wenn man etwas mehr Geld (und auch Zeit) mitbringt, empfängt einen gerne das Team von Christian Bau im Schloss-Restaurant. Bau ist einer von zwei saarländischen Drei-Sterne-Köchen, er kocht in der weltweiten Champions League. In so einem Drei-Sterne-Restaurant ist es allerdings angebracht, die Wanderkleidung zu wechseln, ein wenig Stil muss sein.



Saar Statut

Geschrieben am um 6:23

Ihr glaubt, dass Saarland sei in Deutschland überrepräsentiert? Stichwort AKK, Heiko Maas, Peter Altmeyer, Sarah Wagenknecht Heinz Becker und Patrick Herrmann? Falsch, komplett falsch. Denn das Saarland gehört gar nicht zu Deutschland, weil sich die Einwohner in der entscheidenden Abstimmung 1955 entschieden haben, ein eigenständiger europäischer Mustertstaat zu sein. Seitdem befinden sich alle europäischen Institutionen im Saarland. Gut so, man stelle sich vor, die wären in Brüssel oder so.

Doch die heile saarländische Welt bröckelt, seit saarländische Rechtspopulisten aus der EU austreten wollen. Es hat sich im eigenständigen Saarland allerdings eine große Gegenbewegung formiert, die FÜR das Saar-Statut kämpft.

 

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Kürzlich nahm ich an einer großen Demo-Wanderung in deutsch-französischen Grenzgebiet bei Berus teil. Aus Deutschland war ein Kamerateam des ZDF angereist, um über die engagierten, proeuropäischen Saarländer zu berichten.

 

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Im französischen Berviller trafen wir auf Dutzende Gemeindemitglieder, die gerade aus der örtlichen Festhalle strömten. Auch sie waren komplett proeuropäisch eingestellt, keiner trug eine gelbe Weste. Auf dem Dorfplatz ein Interview mit dem ZDF.

 

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Bei dieser Wanderung war auch meine Tochter Nika dabei. Für die saarländischen Kinder ist es ja unbegreiflich, dass es in grauer Vorzeit so etwas wie Grenzsteine oder Schlagbäume gegeben hat. Völlig verrückt!

 

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Die Wanderung war ein Bestandteil der Doku-Fiction „das Saar-Statut“ von Michael Koob, mehr Infos unter www.statut.eu



Leidingen und Leiding

Geschrieben am um 6:23

Ich wollte mal nach dem rechten sehn. Und nach den Rechten sowieso. Denn beunruhigende Nachrichten erreichen uns seit einigen Wochen aus Frankreich. Von den Gelbwesten wird verbreitet, der deutsch-französische Freundschaftsvertrag (in dem unter anderem die Förderung der Zweisprachigkeit in Lothringen und dem Elsass postuliert wird) bereite eine Übernahme von Lothringen und dem Elsass durch Deutschland vor. Metz und Straßburg also wieder deutsch? Eine unfassbar stumpfsinnige Verschwörungstheorie, aber es gibt anscheinend Menschen, zumindest französische Gelbwesten, die daran glauben. Außerdem fordert einer der prominentesten Gelbwesten, die Armee solle die Führung des Landes übernehmen, Frankreich also eine Militärdiktatur werden.

 

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Glücklicherweise ist die französische Grenze bei mir im Saarland um die Ecke, so war ich schnell in Leidingen, ein sehr bilateraler Ort. Getrennt durch die Neutrale Straße gibt es im Osten den deutschen Ortsteil Leidingen, im Westen den Ortsteil Leiding. Überraschenderweise wehen noch zwei Fahnen an der Straße, und die Armee ist auch nicht zu sehen.

 

 

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Dafür muss man schon genau hinschauen, um zu bemerken, in welcher Nation man gerade wandert. Um es den Wanderern auf dem Grenzblickweg von Leidingen leichter zu machen, gibt es den Hinweis, wann man wo in Frankreich ist. Aber wer Augen im Kopf hat und eine botanisch versierte Ehefrau an seiner Seite, braucht gar keine französischen Zusatzmarkierungen

 

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Denn die opulenten Mistelbäume signalisieren überdeutlich, dass die Heimat des Druiden Miraculix nicht weit sein kann. Denn wer braucht sonst schon so gewaltige Mengen an Misteln? Außerdem, ich schwöre, haben wir ein totes Wildschein im französischen Straßengraben gesehen, welches ich aus Gründen der Pietät nicht fotografiert habe. Obelix war wohl satt.

 

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An der Gedenkstelle einer kleineren Schlacht des 2. Weltkriegs um die Eroberung der Höhe 335 fanden wir ein schönes lothringisches Gedicht, noch nicht von militanten nationalistischen Gelbwesten übermalt. Überraschenderweise enthielt das Gedicht große Ähnlichkeiten zum kölschen Idiom: Der „Kopp“, die „Sprooch“, dat is original kölsche Sprooch.

 

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Fazit der Frankreich-Inspektion. Alles (noch) gut beim Nachbarn, und die Marianne und der Michel haben sich noch doller lieb als die Angie und der Emmanu. So sollte es doch auch sein, finde ich.



So sehen Sieger aus!

Geschrieben am um 8:19

Wer hat schon Lust, sich eine 3:5 Heimniederlage anzuschauen? Ich nicht! Übrigens, lieber FC: dass es in jedem Spiel mit euch eine Acht-Tore-Garantie gibt, das ist ja gut und schön. Aber wie wäre es dann auch mal mit einem 8:0 oder meinetwegen auch 7:1? Denk doch mal darüber nach, lieber FC. Egal, ich habe letztes Wochenende ein anderes Fußballfest genossen. Seit ich mit Groundhopper Bastl beim TSV Havelse war (nachzulesen in meinem Buch „Lebenslänglich Fußball“ ab Seite 230) habe ich doch ein gewisses Verständnis für Menschen, die sich einfach auf wildfremden Fußballplätzen herum treiben. Da mir aber Spiele in der zweit ukrainischen Liga zu weit weg sind und ich auch auf Länderpunkte pfeife, bin ich jetzt Saarland-Groundhopper.

 

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Angefangen habe ich am Samstag in Auersmacher, die mit einem großartigen Slogan werben: Die Zukunft ist grün. Das passt zu einem großen Energieversorger (zum Beispiel RWE), das passt aber auch für Protestler gegen die großen Energieversorger, damit könnte Irland für sich werben, aber auch der deutsche Wanderverband. Und das Stadion in Auersmacher liegt wirklich wunderschön im Grünen.

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Ich bin mit dem Fahrrad die Saar herunter gefahren und dachte, Auersmacher läge wie Güdingen, Bübingen und Kleinblittersdorf direkt am großen Strom. Mitnichten! Auersmacher ist ein regelrechtes Bergdorf, und hätte ich vor meiner Radtour auch noch meinen Hinterreifen aufgepumpt, hätte ich auch nicht so viel den Berg hinauf das Rad schieben müssen. Dafür wurde ich auf der Tribüne des SV Auersmacher mit einem schönen Blick über das Saartal bis nach Frankreich hinein entschädigt.

 

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Der berühmteste Spieler des SV Auersmacher ist natürlich FC-Held und Buffon-Bezwinger Jonas „Fußballgott“ Hector. Sein Bruder Lucas spielt aktuell mit der Rückennummer 15 in der ersten Mannschaft von Auersmacher in der Saarlandliga. Lucas Hector ist ein stämmiger und riesengroßer Sturmtank, eine Mischung aus Norbert Dickel und Günter Delzepich.

 

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Natürlich beherrschten die Auersmacher ihren Gegner nach Belieben und siegten verdient 2:0 (mein Foto zeigt den überschäumenden Torjubel nach dem zweiten Treffer). Immerhin gewann man gegen Tabellenführer Elversberg II und so haben die Auersmacher den zweiten Tabellenplatz gefestigt. Wenn das so weiter geht, steigen sie nächste Saison in die fünfte Liga auf, das gelang zuletzt mit Jonas Hector. Ich drücke die Daumen und werde bald andere saarländische Grounds erorbern. Ohne Fahrrad.



53 – Traumhaft, wunderbar!

Geschrieben am um 7:46

Kürzlich bin ich auf der Traumschleife „Der Bergener“ in der Nähe von Losheim am See gewandert. Einige fahren nach Bergen in Norwegen, andere nach Bergen auf Rügen, ich favorisiere Bergen im Nordsaarland. Start der Tour ist an der Girtenmühle, zu diesem besonderen Ort später mehr. Schnell befand ich mich – das kann man ja von einer Traumschleife auch erwarten – in einer traumhaften Landschaft. Der wurzelige Pfad schlängelte sich am romantischen Bachlauf und ich passte mich mit meinem Outfit perfekt an die Landschaft an.

 

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Denn da ich mit meinem neuen Fifty-Five-Wanderhemd „Andre navy/green“ unterwegs war, verschmolz ich einem Chamäleon gleich mit der Natur. Grün und Blau, die Farben der Bäumer/Sträucher und des Himmels/Wassers spiegelten sich in meinem Outfit. Apropos Wasser: Wer auf dem Bergener schon nach einem guten Kilometer das Handtuch werfen möchte, kann das gerne tun.

 

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Ich fand auf jeden Fall den Service gigantisch, am Kneippbecken von Bergen auch ein Handtuch zur Verfügung zu stellen. Leicht schmuddelig, okay, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Eine der viele Highlights auf dem „Bergener“ ist die Armee der Felsenmännchen…

 

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… vor einer beeindruckenden Felsenkulisse. Ganz plötzlich taucht diese Felswand im Wald auf. Wie immer war Verlaufen auf dem „Bergener“ nicht möglich, man musste nur das richtige Markierungs-Schildchen suchen. Denn um Losheim verdichten sich die saarländischen Premiumwege, das ist die Grundlage des wandertouristischen wirtschaftlichen Erfolg der Region.

 

 

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Ich wanderte also nicht nur auf dem „Bergener“, sondern zeitweise auch auf dem „Hochwälder“, der „Tafeltour Stausee“ und dem legendären Saar-Hunsrück-Steig. Außerdem wurde anscheinend ein neuer Premiumweg mit dem interessanten Namen „Wanderweg-nicht-verlassen“ angelegt. Scheint ein aufregendes Wegkonzept zu sein. Über fünf Kilometer des „Bergener“ laufen parallel zum Saar-Hunsrück-Steig. Da genauso wie bei den Traumschleifen jeder Kilometer des Saar-Hunsrück-Steigs ausgewiesen wird, näherte ich mich schon bald den Fünfzigern, gezählt ab dem Start des Steigs in Perl.

 

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Bis zu 55 (hallo Fifty Five!) habe ich es nicht ganz geschafft, aber das werde ich nachholen. Immerhin habe ich noch Kilometer 53 gesehen, und das ist ja auch schon eine ordentliche Zahl, denn so viele Lenze zähle ich nun auch schon seit Juni. Das Belohnungsbier trank ich an der Wunderbar der Girtenmühle.

 

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Die Girtenmühle wird seit kurzem von ein paar jungen Holländern betrieben. Es gibt einen Campingplatz, ein kleines Hotel, die wunderbare Bar und seit neuestem auch ein Tagesgericht. Der Ort ist eine holländische Exklave, auch ich wurde mit „Minher?“ nach meinen Hopfen-Wünschen gefragt. Das Tolle ist: Man fühlt sich im Andre-Hemd von Fifty Five wie im Urlaub. Die Wunderbar wird ihrem Namen gerecht.



Mit Andre auf dem Wilden Netzbachpfad

Geschrieben am um 8:28

Ich habe immer geglaubt, mich in der Welt der Premiumwege auszukennen. Gut, sämtliche Extratouren, Traumschleifen usw. bin ich noch nicht gegangen. Aber ich informiere mich regelmäßig auf wanderinstitut.de über neu zertifizierte Premiumwege deutschlandweit. Wie groß daher mein Entsetzen, dass ich direkt vor meiner Haustür im Saarland seit drei Jahren einen Premiumweg übersehen habe.

 

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Quasi verbunden mit der wohlbekannten Urwald-Tour vor den Toren Saarbrückens, sozusagen als kleine Schwester, entdeckte ich vor kurzem im Internet den Wilden Netzbachpfad. Wow! Das ist so, als läge schon lange ein Diamantenstollen vor der Tür, und man würde ihn erst wahr nehmen, wenn man schon die halbe Welt bereist hat.

 

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Zur Feier des Tages habe ich mich schick gemacht. Am Vortag meiner Wanderung hatte ich die neuen Wanderkurzarmhemden von Fifty Five bekommen. Für die Premiere auf dem Wilden Netzbachpfad habe ich mich für das Hemd Andre in der Kombination schwarz-grau entschieden.

 

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Andre schwarz-grau ist ein – so scheint es mir – sehr vornehmes Hemd. „Vürnehm“ würde mein Vater sagen, denn die Ü-Pünkelchen unterstreichen noch die „Vürnehmheit“. Für mich eindeutig ein Hemd für die großen Wanderfeiertage. Und einen Wanderfeiertag genieße ich auf dem Saarbrücker Premiumweg definitiv.

 

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Ich wandere am Hortenbachweiher vorbei, ein hübscher See mitten im Wald. Das Wegeformat auf den ersten drei der insgesamt neun Kilometer war solide, sehr naturnah, kein Schotter, kein Asphalt. Das Highlight der Tour ist allerdings der Pfad im Tal am Netzbach selber. Zweieinhalb Kilometer geht es nicht nur über den berühmten Stock und den noch berühmteren Stein. Sondern über einen regelrechten Fitnessparcours aus umgestürzten Bäumen.

 

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So etwas habe ich noch nie auf einem Premiumweg erlebt. Weil ich durch einen Teil des Saarbrücker Urwalds vor den Toren der Stadt wandere, liegen eben Bäume kreuz und quer und bleiben dort auch liegen, das ist das Natur-Konzept. Keine Waldwirtschaft, ein Fest für die Artenvielfalt. Und ein Fest für die Fitness! Ich habe genau gezählt, zwölfmal musste ich über Bäume steigen und klettern, dreizehnmal mich extrem ducken. Kleinwüchsige haben also einen leichten Vorteil auf diesem Weg. Am Netzbachweiher kann man einen Stopp am Gasthaus Seeblick machen. Dann geht es wieder hinaus aus dem Netzbachtal, aber mit sehr kommoder Steigung.

 

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Zum Finale des Wegs sollte man im Restaurant Forsthaus Neuhaus einkehren, am Scheitelpunkt vom Wilden Netzbachpfad und Urwaldtour. Das ist die dritte Premiere des Tages. Nach Wanderweg, Andre-Hemd von Fifty-Five nun endlich wieder Einkehr im Restaurant Forsthaus Neuhaus. Denn die traumhaft gelegene Gaststätte hatte gefühlt zehn Jahre geschlossen. Nach meinem Belohnungs-Bier habe ich einen Plan. Bald wieder im Andre-Hemd rund ums Forsthaus Neuhaus wandern. Versucht es auch einmal!



Saarlännisch foor Beginners

Geschrieben am um 6:34

Seit feststeht, dass unsere nächste Bundeskanzlerin aus dem Saarland kommt, sollte jeder, der noch alle Tassen im Schrank hat, dringend saarländisch lernen. Erfreulicherweise bekamm ich sogar kürzlich eine Mail von meinem lieben Freund Ulli, dem Chef von Fifty Five. Und siehe da, auch er ist total scharf darauf, saarländisch zu lernen. Legen wir also direkt mit Lektion eins los, Vokabelhefte raus, das erste Wort ist die für jeden saarländischen Mann unerlässliche:

SCHAFFBUX

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Die Schaffbux ist die spezielle Hose, die man nicht unbedingt für gut anziehen würde. Die Schaffbux wird vielmehr am Samstag angezogen, wenn man im Garten schafft (=arbeitet) oder kleinere Reparaturen am Haus erledigt. Denn merke: Der Saarländer hat den weitaus größten Eigenheim-Anteil aller Deutschen. Es kann natürlich auch mal passieren, dass man überhaupt keine Lust hat, zu schaffen, weil man gerade die

FLEMM hat.

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Wenn jemand sagt: „Ich hann die Flemm“ bedeutet das, dass sich über denjenigen oder diejenige eine leichte Schwermütigkeit gelegt hat. Keineswegs handelt es sich bei der FLEMM um eine schwerwiegende Depression, nein, man gönnt sich nur eine kleine psychische Auszeit, nur Idioten sind immer gut drauf. Nicht schön ist es, wenn man nicht nur die Flemm hat, sondern auch die:

FRECK

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Wer die FRECK hat, ist krank, aber auch in diesem Fall gilt: Das ist eher eine Krankheit light, man kann also durchaus schaffen gehen, auch ein eventuellerKrankenhausaufenthalt ist weit entfernt. Aber man sollte demjenigen, der die Freck hat, nicht zu nahe kommen, sonst steckt man sich noch womöglich an.

Das letzte Wort für heute ist UWWERAASCH.

 

 

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Neunmalkluge, vorlaute Streber meinen jetzt vielleicht, das hieße Oberarsch. Mitnichten! Wenn es Unordnung gibt, Chaos, dann spricht man im Saarland von UWWERAASCH. So wie ich, wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden kann, welches Wanderhemd ich anziehe. Wenn man die Freck oder die Flemm hat, bleibt eben manchmal etwas liegen, dann gibt es Uwwerasch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man die Schaffbux anziehen, um wieder die Ordnung herzustellen.

Die ersten Vokabeln frage ich beim nächsten Mal ab. Aber ihr könnt Euch freuen, denn in Zukunft könnt ihr Eure Kanzlerin AKK etwas besser verstehen.



Unterwegs mit den coolsten Wander-You-Tubern und Wander-Bloggern der Republik

Geschrieben am um 8:41

Erster Mai, auch für mich Tag der Arbeit. Arbeitstreffen war in Homburg/Saar. Gekommen waren die coolsten Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Mitglieder der größten Facebook-Gruppe „Wandern und Fernwandern“, schon über 10.000 Mitglieder hat die Gruppe.

 

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Angesprochen hatte mich Youtuber Timo, (sein Kanal (heißt das Kanal bei Youtube?) heißt ‚Waldkult’) Timo ist admin der 10.000 Mitglieder Facebook-Gruppe. Mit ihm bin ich vor drei Jahren auf dem Harzer Hexenstieg gewandert. Timo kommt aus dem Ruhrpott und war daher sehr angetan von jedem Torbogen, der aussah wie ein Stolleneingang.

Da ich ja eher ein digitaler Legastheniker bin, dachte ich, ich schaue mir mal an, wie Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Facebook-Wanderer so unterwegs sind. Wir sind übrigens den Premiumweg Schlossbergpfad gegangen, 13,9 Kilometer, sehr abwechslungsreich und interessant.

 

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Einige Steigungen waren natürlich auch zu meistern und ich habe gestaunt, wie professionell die coolen Social-Media-Wanderer ausgestattet waren. Die meisten hatten tatsächlich Beatmungsgeräte dabei und nach ein paar Luftzügen mit reinem Sauerstoff wurde die Atmung wieder flacher.

 

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Auch eine Einkehr mit Wander-You-Tubern ist speziell. Während sich um uns herum alle Jugendlichen mit unterschiedlichsten berauschenden Getränken erster-Mai-mäßig zudröhnten, standen bei den Social-Media-Wanderern Equipment von Feinsten auf dem Tisch.

 

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Ein Gruppenfoto haben wir natürlich auch gemacht. Es waren wirklich Menschen aus allen Ecken Deutschlands dabei: Heidelberg, Wolfsburg, Darmstadt, Ost-Belgien, Baden-Baden. Und sogar aus dem Saarland, völlig verrückt!

 

 

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Eins habe ich gelernt, als angesagter Video-Blogger musst man eine Art Uniform tragen: Hipster-Bart, Nerd-Brille, Hipster-Kappe. Da muss ich echt noch dran arbeiten.

 

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Traumschleife Nummer 55: Die Wadrilltal-Tafeltour im Nordsaarland

Geschrieben am um 7:21

Schon seit Jahren wollte ich die Tafeltour rund um Nonnweiler-Sitzerath (der Start ist verkehrsgünstig in der Nähe der A1 gelegen, Wanderer aus Hamburg, Bremen, Hagen, Köln und Saarbrücken sind also ruckizucki in Sitzerath) wandern, aber es hatte sich nie ergeben.

 

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Dann aber elektrisierte mich ein Blick in die Traumschleifen-Broschüre. Dazu muss man wissen, dass jede der 111 Traumschleifen eine eigene Nummer hat. Und die Tafeltour Wadrilltal hat tatsächlich die Nummer 55! It’s magic, den mein Klamottenausrüster ist bekanntlich Fifty Five. Also hopp, auf zu Traumschleife Fifty Five.

Lustigerweise ging ich an genau 55 Windrädern vorbei…

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Nein, nur ein Scherz, ganz so viele waren es nicht. Aber etwas anderes fiel mir auf: Auf der Traumschleife Nummer 55 wird mit menschlichen Wegweisern experimentiert. Die sollten aber besser geschult werden: Während die Markierungstafel nach links zeigt, zeigt der wegweisende Hominide nach oben. Ja was denn nu?

 

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Nach ungefähr vier Kilometern hatte ich das Wadrilltal erreicht. Völlig verrückt, aber wikipedia weiß zu berichten, dass das Einzugsgebiet des Flusses Wadrill 55 Quadratkilometer beträgt. Das ist doch alles kein Zufall mehr…

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Nachdem ich an 55 Felsen und 55 Bänken vorbeigewandert bin habe ich noch schnell auf einem Hochstand am Wegesrand 55 Wildschweine geschossen …

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Und dann, nur noch zwei Kilometer vor dem Ziel, die 10-Kilometer-Marke. Da steckt doch ein Generalplan dahinter, denn jetzt frage ich Euch mal: Was genau ist die Quersumme von 55? Hm? Da wird man doch glatt zum Verschwörungstheoretiker.

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In Sitzerath sollte man dann unbedingt im Landgasthaus Paulus mit sehr ambitionierter Küche und einem Weltklasse-Weinangebot tafeln. Deswegen heißt es ja auch Tafel-Tour. Ich bin natürlich auch eingekehrt, habe eine Parmesan-Crème-Brulée gegessen und einen Spitzen-Wein von der Obermosel getrunken.

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Das große Menü bei Paulus kostete übrigens 50 Euro. Wenn man ein Glas Wasser dazu trinkt und aufrundet zahlt man: Fifty Five Euro!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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