Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wahlempfehlung für den kommenden Sonntag

Geschrieben am um 8:09

Count Down an der Saar. Nächsten Sonntag wird gewählt. Die spannende Frage: Bleibt AKK Ministerpräsidentin und macht weiter mit GroKo, oder wird die ehemalige Kugelstoßerin AR (die immer noch den saarländischen Rekord hält) Ministerpräsidentin und macht weiter mit GroKo. Oder wird es doch ganz annersch und unser Oskar wird mal wieder Ministerpräsident? Im Wahlkampf-Endspurt begann alles ganz harmlos: Anke Rehlinger warb für gleiche Chancen bei der Bildung. Ganz ganz heißes Eisen. Lafonataine legte eine Schippe drauf und versprach eine Rentenerhöhung um satte 800 Euro im Schnitt. So wie in Österreich. Klar, aus Österreich kamen schon immer die besten Ideen.

 

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Kurz vor der Wahl ist dem Wahlteam um Oskar etwas total Verrücktes eingefallen: Sie haben den Oskar auf den Cloepfad oberhalb der Saarschleife hingestellt und er findet, dass „wir“ das Saarland lieben. Wer ist „wir“? Oskar und seine drei Ex-Frauen und die aktuelle? An dieser Saarschleife hängt übrigens immer noch das Blatt, das nicht zwischen Schröder und Lafontaine passen sollte. Denn exakt an der gleichen Saarschleifen-Aussichtsstelle veranstalteten vor fast 20 Jahren die beiden SPD-Alphatiere ein Händchenhalten mit Ehefrauen. Also mit den derzeitigen Ex-Ehefrauen.

 

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Als die sportliche Frau Rehlinger das Wahlplakat von Herrn Lafontaine sah, wollte sie auch so eines. Aber mit einer klaren politischen Aussage, nicht so ein Wischi-Waschi wie beim kleinen Napoleon von der Saar. Also steht sie jetzt mit einem Gesichtsausdruck, als müsste sie vor Glück heulen, dass Gabriel Martin Schulz erfunden hat, vor der Saarschleife und will das Saarland und die Stärke.

 

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Der feine Unterschied zu Lafo ist: Rehlinger steht. was jeder saarländische Wanderfreund sofort sieht, eine Stufe höher an der Saarschleife. Seit letztem Jahr thront nämlich ein mächtiger Baumwipfelpfad samt spiraligem Aussichtsturm über der Cloef.

 

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Mit etwas Höhenangst steht Frau Rehlinger sozusagen an der Rehling (schlimer Kalauer, Entschuldigung) und zeigt, in welchem Stockwerk Sie sich und ihre Partei ansiedelt. Ganz, ganz weit oben. Gut, dass die amtierende Ministerpräsidentin AKK noch ein Ass im Ärmel hat. Sie wird kurz vor der Wahl noch ein Plakat-Motiv veröffentlichen, auf dem sie herzhaft in eine Lyoner (Wurst) beißt, während sie im Gleitschirm über die Saarschleife fliegt. Dabei sagt sie: „Ich mache das Saarland wieder groß“.



Auf dem Offizierspfad

Geschrieben am um 8:57

Die Winterzeit ist für mich immer eine schöne Gelegenheit, saarländische Premiumwege abzuwandern, die ich noch nicht kenne. Für alle, die es noch nicht wussten: Es gibt im Saarland fast so viele Premiumwege wie Einwohner. Apropos schlechte Saarland-Witze: Irgendwer sollte dem Bremer Polizisten-Sohn Böhmermann (der ein wirklich tolles Haus in Köln-Neu-Ehrenfeld gekauft hat) mal sagen, dass das Genre des Saarland-Witzes so sexy ist wie die Frisur von Donald Trump.

 

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Es erschließt sich auf den ersten Schritt übrigens nicht so recht, warum eine Kochmütze als Logo für den Offizierspfad gewählt wurde. Ist eine Kochmütze eine typische Kopfbedeckung von Offizieren? Außerdem ist es sowieso etwas merkwürdig, einen Wanderweg nach einem Offizier zu nennen. Die feinen Herren Offiziere sind doch nicht gewandert, sondern waren die berühmten Herrenreiter.

 

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Es müsste also eher Offizier-der-sein-Pferd-verloren-hat-Pfad heißen. Ist aber für die Vermarktung etwas zu lang. Sehr schön ist es, im Winter auf dem Offizierspfad zu wandern, wenn der Schnee unter den Offiziersstiefeln knirscht und der fast bodenlange Offiziersmantel den Wams wärmt.

 

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Am Wegrand steht als Überbleibsel aus dem saarländischen Winterkrieg 70/74 eine 300 Jahre alte Napoleoneiche. 300 Jahre alt, da war der kleine Korse doch noch gar nicht geboren! Neben der Eiche gut zu erkennen: Ein Veteran aus dem russischen Winterkrieg 54/90.

Ein Highlight der Wanderung ist das Hofgut Imsbach:

 

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Napoleon selber hat es seinem Offizier (daher der Offiziersbezug!) Charles Louis Narcisse Lapointe geschenkt Chapeau!

Man kann auf dem Hofgut auch übernachten, das scheint sehr sehr komfortabel zu sein…

 

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Aber die Öffnungszeiten der Gastronomie sind, weil abendlastig, nicht sehr wanderfreundlich. Ganz anders dagegen das zweite Highlight der Wanderung, die Johann Adams Mühle

 

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Dort kann man einkehren, wann man will. Morgens um 10.00 zum Frühstück, um 13.00 um den Scharfen Heinz zu genießen, Nachmittags zum Kaffee/Kuchen oder Abends zum Bier. Kein Ruhetag, keine Betriebsferien. Herrlich.



Die Bären und die Wölfe

Geschrieben am um 8:07

Der Wolf hat ja nicht das beste Image. Er gilt traditionell als „böse“, nachfragen kann man da bei Rotkäppchen, der Großmutter und den sieben Geißlein. Nun haben uns in den letzten Jahren Wolfsforscher erzählt, die Legende vom bösen Wolf wäre falsch, der würde sich gar nicht für Menschen interessieren, nur als Schaf oder Huhn sollte man sich ein wenig vor dem Isegrim in Acht nehmen. Aber für den Menschen, so die Wolfs-Experten, bestünde keine Gefahr. Das sei komplett falsch, las ich letztes Jahr mit Erstaunen in einer Qualitätszeitung. Weltweit seien etliche Fälle auch in der Neuzeit dokumentiert, in der Wölfe Menschen angegriffen hätten? Ja was denn nun?

Als Top-Rechercheur habe ich mich umgeschaut in Deutschlands Paradies der Wölfe, dem Wolfspark bei Merzig, um zu schauen, wir er ist denn so drauf, der Kollege Wolf.

 

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In Merzig sind in weitläufigen Gehegen Dutzende Wölfe untergebracht, Mongolische Wölfe, schwedische Wölfe und weiße Polarwölfe. Die putzigen Kerlchen hören (unter anderem) auf die Namen Wilhelm, Otto, Annegret. Zwei deutsche Kaiser und eine saarländische Ministerpräsidentin. Wenn man an den Gehegen entlang geht, kann es schnell passieren, dass das ganze Rudel anfängt zu heulen, und dann antwortet ein anderes Rudel heulend aus etlichen hundert Meter Entfernung und dann ist man doch froh, dass die Gitter an den Gehegen relativ stabil zu sein scheinen. Der Wanderer kann sich das saarländische Wolfsland auf der Traumschleife Wolfsweg erwandern, der direkt auf dem Geländen des Wolfsparks (Eintritt ist übrigens frei) beginnt.

 

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Der Wolfsweg ist natürlich, wie alle Traumschleifen, ein Rundweg. So ein Rundweg hat normalerweise die Formen rund, oval oder Schmetterling. Der Wolfsweg ist anders, der Wegverlauf ist ungewöhnlich, eher schlauchartig, wie eine schmale Wolfsfährte sind Hin- und Rückweg oft nur wenige Meter entfernt, man kann durchaus sehen, wo man vor kurzem noch entlang gegangen ist. Liebevoll wird das Thema Wolf auch bei den Sitzmöbeln des Wegs bespielt.

 

 

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Nun gut, die Bank war bei meiner Begehung etwas zu nass, um sich bequem dort nieder zu lassen. Aber es ist doch immer beruhigend, sich von Wölfen eskortieren zu lassen. Und auf so einer Bank kann man ja auch schön darüber sinnieren, vielleicht ja auch bei einem Sinnierbier, welche Gemeinsamkeiten Wölfe und Bären haben. Beide Tierarten sind starke Säugetiere, sie können sich auf vier Beinen wesentlich schneller vorwärts bewegen als Menschen auf zwei. Wölfe UND Bären sind nicht ungefährlich, beide leben gerne in Rudeln bzw. Familien. Und vor allem: Die Fußabdrücke von Wolf und Bär ähneln sich doch ziemlich. Wolfstatzen und Bärentatzen sind auf den ersten Blick nur sehr schwer zu unterscheiden. Den Beweis seht Ihr hier:

 

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Rechts eine Bärentatze, klar, die habe ich mit meinen Bär-Schuhen hinterlassen. Und links ganz eindeutig eine Wolfsspur. Da staunt doch der Laie und der Fachmann wundert sich.

Zum Ende der Tour bin ich wieder im Wolfspark angekommen, die Traumschleife geht durch das Tal der weißen Wölfe. Diese putzigen Kerlchen sehen wirklich so aus, als seien sie mit Perwoll gewaschen, schneeweiß Hilfsbegriff.

 

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Man sollte mal an einem ersten Sonntag im Monat in den Wolfspark fahren. Dann werden die weißen Wölfe von Wärtern umschmust und man bekommt eine Live-Fütterung zu sehen. Man wundert sich immer, dass die menschlichen Wolfs-Betreuer lebend aus den Gehegen heraus kommen. Auf jeden Fall ist der Wolfspark bei Merzig eine wunderbare Geschichte und der Wolfsweg auch. Vielleicht ist es mal eine Idee für Sebastian und Christof Bär, einen Bärenpark bei Bietigheim-Bissingen anzulegen. Dann könnte man das mit den Bärenspuren und den Wolfsspuren mal so richtig klären.

Und was machen Bären im Winter? Richtig – Winterschlaf! Den mach ich jetzt auch, aber nur einen Januar lang. Anfang Februar geht’s weiter…



Auf dem Erzgräberweg in Schmelz

Geschrieben am um 7:05

Ich möchte mich vorab entschuldigen. In diesem Post wimmelt es von Namenswitzen. obwohl diese, laut einem ungeschriebenen Gesetz der Unterhaltungsbranche, absolut verboten sind. Würde zum Beispiel unser nächster Finanzminister Wolfgang Nimsgern (ein – nicht nur im saarland – durchaus üblicher deutscher Nachname), so wären alle Scherze über „nehmen ist seliger als geben“ AB-SO-LUT verboten. Aber wenn eine Traumschleife in Schmelz in Saarlands Mitte startet, wird man doch auf den zarten Schmelz hinweisen dürfen, mit dem einen dieser Ortsname über die Lippen kommt. Natürlich hat der Ortsname Schmelz auch etwas mit der Industrie-Geschichte des Orts zu tun. Eisenschmelzen und so.

 

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Und die Erzgruben sind ein großes Thema auf der Traumschleife, und wie man sieht, auch durchaus für Exkursionen mit dem Mathematik-Lehrer (vielleicht ist der Mathe-Pauker ja der große Horst?) geeignet: wenn der Durchmesser = 40 Meter, wie groß ist dann der Radius r und das Volumen V? Rechne und begründe!

 

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Aber auch die Erdkunde-Lehrerin kommt zu ihrem Recht. Denn obwohl die Lausebengel aus der letzten Reihe im Schritt des Kumpels nachgrabschen, ob der auch Lebacher Eier hat, ist er durchaus interessant, sich diese spezielle Gesteinsform bei Schmelz zu betrachten.

 

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Und dann ist die Biologie-Lehrerin an der Reihe. Denn die kann etwas über die Mendelschen Gesetze erzählen, während die Schulklasse staunend ins Bohnental hinab schaut und sich fragt, wo denn diese Hülsenfrüchte nun wachsen. Und das gesamte Kollegium der unteren Baumschule von Schmelz jauchzt, wenn es ungefähr bei der Hälfte des Erzgräberwegs zum Aussichtspunkt über fast das gesamte Nordsaarland geht. Wie in der Kommandozentrale des Raumschiffs Enterprise fühlt man sich dort, didaktisch überversorgt durch drei Schau- und Panoramatafeln. Wow!

 

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Ein weiteres Highlight kurz vor Schluss dieser Traumschleife: Der Steinbruch Großer Horst. (Schlimmer Kalauer-Gag: Was sucht der schwule Adler in den Lüften? Seinen Horst) Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Menschenhand nicht nur Landschaft zerstören, sondern auch aufregend modellieren kann. wenn man das sieht, kann man sich die Fahrt an den Grand Canyon doch echt sparen, oder?

 

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Nach den sehr abwechslungsreichen 12,5 Kilometern auf dem. Erzgräberweg kann man sich dann gemütlich in den Zug setzen und nach Lebach fahren. Ach so, die Strecke ist schon seit 1980 für den Personenverkehr stillgelegt? Schade, sehr schade. dann müssen Sie eben mit der Draisine nach Hause fahren. oder zu Fuß gehen.

 

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Cloefpfad 4.0

Geschrieben am um 6:45

Bei der schon fast unüberschaubaren Anzahl von Premiumwegen komme ich gar hinterher, alle neuen Premiumwege zu erwandern. Selbst neue und alte Premiumwege in meinem Wohnumfeld habe ich noch nicht komplett erkundet. Ich wohne ja seit einigen Jahren im Saarland (das sind die, die erst seit 1957 dabei sind, nicht die, die erst seit 1990 dabei sind) und da gibt es bei mir umme Ecke die Traumschleifen. Leider oder Gott sei Dank sind es aber genau 111 Traumschleifen und ich habe erst ungefähr 48,2 Prozent unter die Füsse genommen. Ich bin natürlich bemüht, meinen Traumschleifenquotienten zu erhöhen, dafür muss/sollte ich immer neue Wege gehen. Wenn ich allerdings mit einer größeren Gruppe gehe, wie zuletzt Anfang Juli, schlage ich wiederum gerne Wege vor, die ich schon kenne und schätze.

 

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Also bin ich den Cloef-Pfad gewandert, den ich schon vor zwei Jahren gegangen bin. Gut, da erwartet man eben die gleiche solide Wegführung. Aber nichts da. Die ersten ungefähr zwei/zweieinhalb Kilometer des Cloef-Pfads waren vollkommen NEU, spektakulär an Felsen vorbei und über Felsen drüber, schmale Pfade ohne Ende und als Highlight eine Passage durch einen mediterran anmutenden Hof in Orscholz. Très magnifique! Nicht genug der Neuerungen, der Cloefpfad schien runderneuert, gepimpte Version, Wanderweg 4.0 sozusagen.

 

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Denn dass der Baumwipfelpfad mit dem Aussichts-Wendel-Wandel-Turm soooo schnell fertig würde, hätte ich nicht gedacht. Von unten an der Saar stehend sieht er etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie eine hölzerne Riesenwarze über der Cloef. Wenn man oben am Saarschleifen-Aussichtspunkt steht, geht es eigentlich. das Ding ist schon monströs, aber von vielen Bäumen umsäumt/versteckt. Eins bleibt auf jeden Fall unberührt, beim Blick vom saarländischen Balkon…

 

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… die Aussicht auf der Dom, äh, auf die Saarschleife. Wenn man sich dann an den Baumwipfelpfadturm gewöhnt hat und weiter Richtung Atrium wandert, sieht man die gigantischen Dimensionen dieses Projekts. Für schlappe 21,50 Euro (das sind annähernd 40 Pfund, liebe Engländer) kann man mit der Kleinfamilie den Baumwipfelpfad entlang gehen. Mal gucken, ob ich das investiere. Ich habe – statt Baumwipfelpfad – lieber am Ende des Wegs für den höchst gelungenen Cloefpfad fünf Euro gespendet und bin dafür mit einem halb-esoterischen Spruch belohnt worden.

 

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Ein Felsen wie ein Stiefel

Geschrieben am um 8:03

Im Saarland pilgert man zum großen Stiefel, das habe ich schnell gelernt, als ich vor einigen Jahren in das kleinste Bundesland Deutschlands gezogen bin. Da ich seit zwei Jahren der Chefwanderbeauftragte von BÄR-Schuhen bin, bin ich mal wieder zum großen Stiefel in St.Ingbert vor den Toren von Saarbrücken gewandert. Ich hatte mir für meine Tour extra einen Mittwoch Nachmittag frei gehalten, denn als Wanderfreund weiß man, die Stiefel-Hütte, die hat nur Mittwoch Nachmittag und Sonntag geöffnet.

 

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Denn die Wanderhütte am großen Stiefel gehört zum eng gewebten Netz der Wanderhütten des Pfälzischen Wald Vereins, die in Deutschland in punkto Urigkeit unvergleichlich sind. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich – wieso Pfälzischer Wald Verein mitten im Saarland? Die Saarländer und die Pfälzer, das muss man dazu sagen, verhalten sich zueinander wie Feuer und Eis, wie Köln und Düsseldorf, wie Nord- und Südkorea, wie Geha und Pelikan. Man muss aber wissen, dass der südöstliche Teil des Saarlands bis 1920 zur bayerischen Pfalz gehörte, weswegen es (Gott sei Dank) auch im Saarland P.W.V. Hütten gibt.

 

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Aber ohne Schweiß kein Preis. Es geht ein ziemlich steiler Weg hinauf zun Stiefel-Felsen, da musste ich hinauf stiefeln mit meinen herrlichen Sieben-Meilen-Stiefeln. Oben am Felsen stellte ich fest, dass der Stiefel-Felsen eigentlich Stiefeler Felsen heißt. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Irgendwie hört sich das sehr sehr komisch an. Ich bleibe dabei, das ist der Stiefel-Felsen.

 

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Denn dieser Felsen ist wirklich klasse. Manchmal hat man es ja mit Felsen-Benamsungen zu tun, die einen verzweifeln lassen. Die drei steinernen Jungfrauen auf der Ostalb sehen zum Beispiel eher aus wie Mensch-Ärgere-Dich-Spielfiguren (siehe Gesammelte Wanderabenteuer Seite 356). Gaaaanz anders der Stiefel-Felsen, da sieht man direkt: so wird ein Schuh draus. Ein SCHUH, denn ein Stiefel ist das Ding nicht, es ja gar kein hoher Schaft bis knapp unters Knie erkennbar. Nein, das ist ein richtiger Wanderschuh. Und da man sieht, dass der Platz für Zehen und Vorderfuß gigantisch ist, muss es eines der Ursprungsmodelle von BÄR sein.

Ich habe mich aber nicht lange mit diesen Überlegungen aufgehalten, sondern bin wie ein gestiefelter Kater noch einige Höhenmeter weiter gegangen, denn es lockte ja das Belohnungsbier in der Hütte. Was für eine Enttäuschung, als ich sah: Die Hütte hat geschlossen. Und auf dem Schild mit den Öffnungszeiten war der Mittwoch einfach schnöde durchgestrichen. Kinners, so geht das aber nicht!

 

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Glücklicherweise hatte ich auf der Hinfahrt einen zauberhaft schönen Biergarten im Dorf Sengscheid unterhalb des Stiefel-Felsens entdeckt. Dort saß ich unter den Linden und durfte mir das Hofpengold durch die durstige Kehle rinnen lassen. Beim Thema Bier und Stiefel denke ich natürlich sofort an das Sommerfest bei den BÄRs am 5. August. Es gibt nicht nur ein Super-Programm, eine Super-Wanderung am Neckar, sondern auch die Weltpremiere des Joe-Nimble-Biers. Schuh und Bier, Bier im Schuh, das wird bestimmt eine tolle Sache. Ich werde berichten. Nächsten Monat.

 

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Wege des Wassers + der Eisenbahnen + der Buchstaben + der Wegewarte + der Grenzen

Geschrieben am um 7:49

Im langen Spätwinter des Jahres 2016 bin ich eine Traumschleife im Nord-Saarland gewandert, die ich bisher nicht kannte. Der Name: Wege des Wassers. Start ist im ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Büschfeld. Dort trafen die Verkehrsachsen Losheim – Büschfeld und Nonnweiler – Lebach aufeinander. Lange ist es her, heute kann man auf den alten Eisenbahntrassen sehr schön wandern.

 

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Ich liebe das Wandern auf ehemaligen Eisenbahntrassen, fragt mich nicht warum. Beim Eisenbahntrassenwandern kommen zwei Leidenschaften bei mir zusammen: Der Trainspotter, der wahrscheinlich immer noch hofft, dass ein Zug um die Ecke kommt, und der Wanderer, der manchmnal ebene und bequeme Strecken schätzt. Es gibt eine sensationelle Seite über das Bahntrassenradeln im Netz, warum gibt es noch keine Seite über das Bahntrassenwandern? Hintermstoaner, übernehmen Sie! Ich gehe also auf der Eisenbahntrasse, und denke, dass der Weg ja auch gut Wege der Eisenbahnen heißen könnte, da komme ich am Buchstabenfelsen vorbei.

 

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Allerdings müssen das Legasniker gewesen sein, regelrechte Anal-Fabäten, die diesen Felsen Buchstabenfelsen genennt haben, es sind nemlich gar keine Buchstaben zu erkenen. Sehr schön war, dass ich an einer steilen Passage der Traumschleife einem waschechten Traumschleifen-Wegewart begegnet bin. Der war ausgestattet mit Säge, Schaufel, Schneidegerät, Hammer, Markierungs-Täfelchen und bereitete den Weg für die kommende Wandersaison vor…

 

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Schon eine feine Sache so eine freigeputze Treppe, der Mann könnte bei mir zu Hause auch mal für Ordnung und Sauberkeit sorgen! Okay, jede Menge Wasser in vielen Bächen war auf dem Weg des Wassers natürlich auch zu sehen. Ganz klarer Höhepunkt der Traumschleife war das Sollbachtal. Dort wurde der Weg des Wassers zum Weg der Grenzen, denn nicht nur drei saarländische Gemeinden treffen in diesem Tal aufeinander …

 

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… nein, dieses Tal markierte dereinst auch die Grenze zwischen dem Deutschen Reich und dem Saarland. Die geschichtlichen Hardfacts sind in dem Tal von Info-Tafeln aufgearbeitet, die in Anschaulichkeit und Informationswert absolute Extraklasse sind. So geht Info-Tafel!

 

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Der Schwarzenholzer Grenzsteinweg

Geschrieben am um 6:46

Die Tage werden wieder länger. In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs über die Sommerzeit. Von Jahr zu Jahr steigt der Unwillen über die Sommerzeit. Vor allem bei der Zeitumstellung im Frühjahr werden ständig die Stimmen lauter, die die „gestohlene“ Stunde beklagen und ein Ende der künstlichen Zeitumstellung fordern. Ich gestehe: ich bin ein großer Fan der Zeitumstellung. Energieeinsparung? Ist mir piepegal. Aber die langen Abenden im Biergarten, die Wanderungen bis neun/zehn Uhr Abends, das ist doch einfach großartig. Wer bitte schön hätte einen Vorteil, wenn es im Hochsommer schon morgens um 4.00 Uhr hell ist?

Und gerade die Sommerzeit ermöglicht es uns, auch wieder nach der Arbeit in der nächsten Umgebung zu wandern. Am Wochenende, ja, da nehmen wir uns die Wege vor, die in den hübschesten Ecken der Republik liegen. Aber während der Sommerzeit wird auch verstärkt in der nahen und nächsten Umgebung gewandert. Daher habe ich jetzt auch erst den Schwarzenholzer Grenzsteinweg entdeckt. Der Start ist ungefähr drei Kilometer von meinem Haus entfernt.

 

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Nun gut, sehr sexy ist der Park-und-Mitfahrer-Parkplatz an der A8 nicht, der der Startpunkt der 14 Kilometer langen Wanderrunde ist. Achtung: Die großen blauen Wegweiser sind nicht für Wanderer bestimmt. Es empfiehlt sich also nicht, in Richtung Köln zu wandern, es sei denn, man will einmal der Held im Verkehrsfunk sein. Aber ganz ganz klein kann man schon am rostig-silbernen Pfeiler die Markierung des Grenzsteinwegs erkennen.

 

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Hübsche Markierung und – um das vorweg zu nehmen – die Markierung des ganzen Wegs ist perfekt und eindeutig premiumwürdig. Man fragt sich aber natürlich als von Natur aus skeptischer Mensch, ob denn das Versprechen mit den Grenzsteinen eingelöst wird. Man kennt das ja, kaum muss man mal 100 Höhenmeter überwinden, schon hat man es mit einem „Steig“ zu tun. Kaum steht eine alte Eiche am Wegrand, schon geht man auf dem „Eichenpfad“. Aber keine Angst, auf dem Schwarzenholzer Grenzsteinweg sieht man knapp 50 Grenzsteine, das reicht doch für’s Erste, oder?

 

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Auf vielen Steinen ist „SH“ eingemeißelt, das heißt Schwarzenholz, „S“ steht für Schwalbach, aber was bedeutet „F“? Steht das für Faarbrücken? Für Faarlouis? Oder für Füttlingen? Keine Ahnung. Es gibt aber nicht nur Grenzsteine am Wegrand, sondern auch jede Menge schöne Wegpassagen.

 

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Fazit: Dank der Sommerzeit bin ich den Grenzsteinweg nun endlich gegegangen. 50 Prozent sind voll Premiumtauglich, 30% qualitätswegtauglich, die restlichen 20 % sind: na ja. Für einen Weg-um-die-Ecke ist diese Mischungsverhältnis voll okay.



Frohes neues Jahr und der erste Wanderskandal des Jahres

Geschrieben am um 4:44

Ich wünsche Euch allen ein frohes, glückliches, erfolgreiches, gesundes, aufregendes, emotionales und tolles neues Jahr! Viele denken, ich hätte in meiner Blogpause von Ende Dezember bis zum 1. Februar auf der faulen Haut gelegen. Falsch! Erstens habe ich keine faule, sondern nur eine fleißige Haut. Und zweitens bin ich NATÜRLICH gewandert, was denn sonst. Bevorzugt wandere ich außerhalb der Wandersaison in den neuheimatlichen Gefilden des Saarlands. Also habe ich mir – endlich – den Oppig-Grät-Weg südlich von Losheim vorgenommen. Dieser Weg ist übrigens der Geheimfavorit aller saarländischen Premiumwege eines führenden Mitarbeiter des Deutschen Wanderinstituts. Und warum? Natürlich wegen der Oppig Grät, übersetzt auf deutsch: Wegen der Oppig Schlucht. Lange musste ich gehen, bis ich den Einstieg in die enge Schlucht erreicht hatte. Aber dann das:

 

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Ein Wegweiser mit Klebeband verhüllt. Hatte der Wegweiser Aua? Musste das Schild notdürftig geflickt werden? Nein, der Weg war offiziell und amtlich gesperrt. Das hat mich natürlich erst recht gereizt. Baumfällarbeiten konnten es nicht sein (kein Krach nirgendwo), also was würde mich in der Schlucht erwarten?

 

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Ich kam gut voran, nun gut, da lagen ein paar Bäume quer, aber der Weg war wirklich klasse, wildromantisch, mehrere Bachüberquerungen, ein tolles Wegerlebnis. Am Ende kraxelte ich steil aus der Grät und wunderte mich. Es hatte sich keine Erdbebenspalte aufgetan, ich war nicht von einem Baum erschlagen worden und auch kein Bär hatte mich aufgefressen. Warum also war der Weg gesperrt? Am Ende der Schlucht las ich auf einem Warnschild die Auflösung:

 

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Kinners, das ist nicht Euer Ernst, oder? Es ist schon klar, dass bei Regenwetter, Eis oder Schnee man etwas vorsichtiger in der Oppig Grät sein muss, aber immerhin ist in unserem Land noch jeder Wanderer für sein körperliches Wohl selber verantwortlich. Ein Schild mit der Aufschrift BEGEHEN AUF EIGENE GEFAHR! hätte meines Erachtens komplett ausgereicht. Aber darüber hinaus dem Weg generell die Kinder-Eignung abzusprechen, ist ein kleiner Wanderskandal. Womit wollt ihr denn Kinder für’s Wandern begeistern? 100 Kilometer Asphalt geradeaus, aber bombensicher??? Genau solche Wege wie in der Oppig Grät lieben die Kleinsten! Ein wenig Klettern, verschlungene Pfade am Bach, jede Menge Wanderabenteuer! Ich werde auf jeden Fall mit meiner Tochter den Weg bald gehen, in der Kurzversion, nur die Oppig-Grät, zweieinhalb Kilometer lang, ein wunderbarer Kinderpremiumweg!

 

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Und eins kann ich auf jeden Fall garantieren: Hunden macht der Weg auf jeden Fall Spaß! Auch im Winter.



Mein Wanderhund

Geschrieben am um 6:30

Womit kann man in der medialen Öffentlichkeit immer punkten? Antwort: Kinder und Tiere. Daher ist es an der Zeit, meinen Wanderhund Luna vorzustellen…

 

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Das ist Luna, geboren im Juni 2005, Mutter Border Collie, Vater Berner Sennhund.

Wir haben den Hund im Sommer 2014 übernommen (das alte Frauchen hatte schreckliche Hundeallergie bekommen) und Luna war ein richtiger Stadthund. Zu dick, zu wenig Bewegung. Wir haben sie dann auf Diät gesetzt und ich habe sie als Wanderhund ausgebildet. Und Luna ist der perfekte Wanderhund, definitiv.

 

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Als Hütehund braucht sie nicht so viel Auslauf wie ein Jagdhund, aber sie geht sehr gerne, auch im hohen Alter. Das Entscheidende aber ist: Man kann sie problemlos ohne Leine laufen lassen. Andere Hunde, vor allem die kläffenden Exemplare, straft sie mit hoheitlicher Ignoranz. Auch andere Wanderer sind uninteressant, es sei denn, sie essen gerade ein Wurstbrot. Das ist echt äußerst angenehm, ich hätte nie Lust auf einen Hund gehabt, der andere Menschen ungefragt ansabbert, ankläfft, anspringt. Bei Luna ist die Reaktion der anderen Wanderer eher: Oh Gott, ist die süüüss, darf ich sie streicheln?

Nicht zu vergessen. Sie hört auf’s Wort: Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib, Fass, alles im Programm. Nur das mit dem Apportieren klappt nicht. Sie läuft zwar nach dem Stöckchen, will es aber partout nicht wieder hergeben.

 

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Außerdem ist Luna der perfekte Premiumweg-Hund. Als ob sie Wegmarkierungen lesen könnte, biegt sie immer in den richtigen Pfad ein. Auch wenn es mal einen Kilometer über einen breiteren Waldweg geht, findet sie immer zielsicher den Pfad, auf dem der Premiumweg weitergeht. Es gibt wertvolle Trüffelschweine, Luna könnte man als Premiumwegscout einsetzen: „Such den schönsten Weg, such!“

Wenn es überhaupt an Luna etwas zu meckern gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie im Strassenverkehr doch eher unbedarft ist. Wenn es etwas zu schnuppern gibt, lässt sie sich nicht von heran rasenden Autos abhalten und läuft schnurstracks auf die Straße…

 

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Daher gilt auf dem Bürgersteig und bei einer Strassenüberquerung immer Leinenzwang. Denn Sie soll uns ja noch lange erhalten bleiben, unsere Luna. Und noch viele Wanderungen als Wanderhund genießen können.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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