Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Was man an einem Wanderweg machen kann außer zu wandern

Geschrieben am um 10:48

Viele Wandermuffel sind ja fest davon überzeugt, dass das Wandern soooooooooo langweilig wäre. Jeder leidenschaftliche Wanderer weiß, dass dem nicht so ist. Außerdem wird oft vergessen, dass man bei einer Wanderung nicht nur wandert. Man hängt seinen Gedanken nach, quatscht, trinkt, picknickt, genießt Aussichten. So weit, so klar. Aber natürlich gibt es noch unendlich viele Tätigkeiten am Rande eines Wanderwegs.

 

 

Zum Beispiel kann man den anderen Wanderern den Marsch blasen. Früher war der Trompeter ein wichtiger Bestandteil der kämpfenden Truppe, heute wirkt er durchaus mobilisierend auf die Wandertruppe.

 

 

In der sächsischen Schweiz fand ich dieses in den Sandstein geritzte Mühlespiel. Da haben sich aber nicht Wanderer die Zeit vertrieben, die sind ja Wanderer und nicht Mühlespieler, sondern je nach Legende die römischen oder russischen Soldaten, die am Felsen wache schieben mussten, damit keiner den Felsen erobert. Da hat man viiiiiiiiiieeeel Zeit.

 

 

Einem anderen Hobby frönen die Bogenschützen im Dahner Felsenland. Die flitzen robin-hood-esk mit Pfeil und Bogen durch den Wald und schießen dann amorgleich ihre Pfeile auf große schwarze Zielscheiben, die bei Nichtgebrauch zusammen geklappt werden. Wenn die Pfeile fliegen, ist das Wandern untersagt, das kann nämlich leicht ungesund werden.

 

 

Auch so ein Wanderhobby: Mit schwersten Rucksäcken durch die Gegend wandern. Es gibt eine Harvard-Untersuchung, wie das Unterbewusste mit der Größe des Rucksacks zusammen hängt. Näheres erläutere ich in „Andracks kleiner Wandershow“. Termine auf meiner Homepage.

 



Wenn das der Martin noch erlebt hätte…

Geschrieben am um 9:23

Ich bin im Herbst den Lutherweg gewandert, gestartet bin ich im Lutherstammort Möhra. Stammort heißt nicht, dass da der Martin je gelebt hätte oder zumindest geboren worden wäre. Nein, sein Vater und seine Vorfahren, die haben in Möhra gelebt. Das ist so, als würde die Hansestadt “Merkelstammort Hamburg” heißen. Eigentlich gar nicht so schlecht, die Idee.

 

Aber was entdecke ich in Möhra: Zunächst eine protestantische Kirche, so weit, so normal. Aber kurz danach ein weiteres sprirituelles Zentrum, das buddhistische Dharma-Zentrum

 

 

Da kann man wahrscheinlich die ganze Seele und den Körper noch dazu mal so richtig Dharmamäßig durchspülen, Dharmaspiegelung sozusagen. Wenn das der Martin noch erlebt hätte…

 

 

Ebenfalls total dharmamäßig – aber auch irgendwie ziemlich reformativ – war der Typ drauf, der direkt unterhalb der Wartburg wie ein thüringischer Yogi halsbrecherisch auf einem Ast in vier Meter Höhe im Schneidersitz hockte. Die Augen geschlossen, voll auf dem Wartburg-Trip, und er hat nix von allem drum und dran mitbekommen, weil er sich Ohrstöpsel reingefriemelt hatte.

 

 

Aber das abgefahrenste buddhistisch-hinduistisch-protestantische Friedenssymbol entdeckte ich auf der Wartburg selber. Ich meine, kitschiger geht’s doch nicht, weiße Taube vor Kanonenrohr, eine heilige Zweifaltigkeit. Der Thüringer Wald ist definitiv das spiritistische Zentrum der Welt. Große Klasse!



Das Wollexperiment

Geschrieben am um 7:21

Eigentlich wissen wir viel zu wenig über uns und unsere Körperfunktionen. Selbst die NSA weiß wahrscheinlich nicht viel mehr über Angela Merkel als ihren Beziehungsstatus bei Facebook. Ich wollte mithelfen, das zu ändern. Also habe ich an dem großen WOLLEXPERIMENT der Firma Hess Natur teilgenommen. Zwanzig Freiwillige wurden gebeten, bei einer halbwegs schweißtreibenden Wandertour auf dem Rheinsteig zu testen, wie schweißabsorbierend/schweißtransportierend ein Woll-Shirt im Gegensatz zu einem Acrylshirt ist. Letzteres transportiert ja bekannterweise den Schweiß aus den Klamotten wieder zurück in die Erdatmosphäre.

 

 

Um das Exeperiment, begleitet von der Universität Graz, durchführen zu können, musste man sich ein Messgerät in die Haut implantieren lassen, eine Art ewiges Piercing im Dienste der Wissenschaft. Das Ding wurde mit einem riesigen Tacker in die Nähe des Solar Plexus eingeschossen und liefert nun sekundengenau meine Schweißabsonderungen an die Uni Graz.

 

 

Aber natürlich musste auch ab und an, vor allem nach größeren Anstiegen auf dem Rheinsteig, der Puls gemessen werden. Wenn eine größere Gruppe kollektiv sich auf den eigenen Pulsschlag konzentriert, hat das etwas Spirituelles – die Blicke sind entrückt, die Gesichtszüge entgleisen, alle befinden sich im Puls-Nirvana.

 

 

Das Problem dieser Wandertour am ersten Oktober-Wochenende war allerdings, dass es am ersten Wandertag Hund und Katzen regnete. Daran konnte auch die Gaststätte “Zur Sonne” nichts ändern. Und bezüglich des Woll-Experiment musste man das feststellen, dass regennasse Wollshirts wesentlich langsamer austrocknen. Aber vielleicht lag das auch daran, dass die hessischen Weinspezialitäte im Kloster Eberbach die Austrocknung doch erheblich verzögert haben.

 



Erst kommt das Fressen …

Geschrieben am um 14:19

Erst kommt das Fressen, dann die Moral, das wusste schon der alte Bert Brecht. Das gilt natürlich auch Wanderer und es ist doch einfach nur schön, wenn man auf dem Ahrsteig, der erstaunlicherweise relativ nah an der Ahr verläuft, auf einem vollbetonierten Wanderweg kurz hinter der Kläranlage eine herzliche Einladung vom örtlichen Bürgermeister erhält.

 

 

Ich habe mir die Äpfel aus der Augenhöhle geguckt, hatte einen Riesenschmacht nach einem Bankett, auf dem sich die Tische biegen, aber das Bankett muss in besagter Kläranlage von Blankenheim verschwunden sein.

Dabei hätte ich mit diverse Köstlichkeiten gewünscht. So wie auf meiner letzten Wanderung im Dahner Felsenland. Ich werde ja nicht müde, die überragende Kultur der Pfälzer-Wald-Verein (PWV)-Hütten zu loben. Und der Saumagen in der PWV-Hütte Dahn ist wirklich etwas für absolute Gourmets.

 

 

Genauso wie die Ahle Woosch in Nordhessen, meisterhaft hergestellt am Premiumweg P8 der Werratal-Entdecker Touren in der Jausenstation. Alt heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass der Hesse gerne gammelige Wurst verspeist, sondern ist natürlich vielmehr ein Qualitätsnachweis einer längeren Reifung.

 

 

Aber was wäre das schönste Bankett ohne eine schönes, frisches Bier. Der Mensch lebt doch nicht vom Brot alleine. Einen wunderbaren Trinkspruch sah ich kürzlich in der Nähe der Wartburg im Thüringer Wald.

 

 

 

Die Gaststätte an der Sängerwiese liegt direkt am Lutherweg und der Spruch passt natürlich zum Maddin wie das Tintenfass zum Teufel. Wohl bekomm’s!



S – L- R – SM

Geschrieben am um 11:29

Unser Leben ist voll von zum Teil unverständlichen Abkürzungen und auch beim Wandern ist es oft nicht so einfach, wie es manchmal scheint. Nach meinem Auftritt mit “Andracks Kleiner Wandershow” in Erfurt bin ich am nächsten Tag auf dem Lutherweg von Möhra zur Wartburg gewandert.

 

 

Das verschnörkelte und historisierende “L” steht natürlich eigentlich für den Lutherweg, könnte aber auch für L-lustige Gespräche während der Wanderung, L-langweilige Wegpassagen und L-leichtfertige Wegmarkierung stehen, weil wir uns einmal übel verlaufen haben.

 

 

Aber beim Verlaufen haben wir den S-schönen S-Weg gesehen, der S-schwungvoll sich durch den Thüringer Wald wand und doch recht hübsch war. Kor allem schien auf dem S-Weg die S-sonne, wogegen es auf dem Rennsteig…

 

 

… R-rrregnete. Zum wiederholten mal, seit ich das erste mal auf dem Rennsteig ging, merke: R = Regen.

In die sexuelle Spezialitätenkiste ging es, als wie dann schließlich an dem SM-Stein vorbeigingen. SM = Sehr matschig, Steinernes Meer oder einfach: Süsse Markierung

 

 



Mönch im Nebelmeer

Geschrieben am um 7:33

Unlängst hatte ich wieder einmal das Vergnügen, in der Sächsischen Schweiz zu wandern. Über ganz Deutschland lachte an diesem meinem Wandertag die Sonne, nur nicht über dem östlichen Sachsen. Der Grund: Natürlich wirkt das geniale Felsenensemble des Elbsandsteingebirges nur wirklich Caspar-David-Friedricheresk, wenn sich die Nebelschwaden im Felsenmeer ergießen. Wie hier am Mönch in der Nähe der Bastei.

 

 

Apropos ergießen. In der Amselfall-BAUDE – „Baude“, so heißt die Einkehrmöglichkeit in Sachsen, in anderen Regionen nennt man so was Hütte oder Kneipe, in Sachsen ist es die BAUDE – am Amselfall also ergoss sich nicht nur der Wasserfall in ein kleines Wasserbecken, sondern auch das ein oder andere Bier in die weit geöffneten, durstigen Wanderer-Kehlen. Es ist ratsam, an der Amselfallbaude immer Kleingeld parat zu haben. Für 30 Cent zieht der Wirt an der großen Schnur und dann geht der Wasserfall so richtig ab, ein Wasser-Kraft-Werk gewissermaßen. Und auch ein 20-Cent-Stück sollte man immer mit sich führen. Die Leser meines letzten Buchs „Das Neue Wandern“ (das erscheint, das mal nur so nebenbei, im Doppelpack mit meinem ersten Wanderknaller „Du musst Wandern“ im Dezember bei Malik in der National Geographic-Reihe mit einem endgeilen neuen Vorwort, aber das nur so nebenbei…) werden sich an die Toilette von Kloster Beuron erinnern, für die man DREI ZEHN CENT STÜCKE braucht – um von innen die Türe des Locus zu verriegeln. In der Amselfallbaude braucht man EIN ZWANZIG CENT STÜCK, um die Tür des WCs überhaupt erst zu öffnen. Merke: Wer wandert, tut immer gut daran, genug Kleingeld dabei zu haben, Wandermünzen sozusagen, ihr wisst, ja, Taler, Taler, Du muss wandern. Apropos, „Du musst Wandern„, hatte ich schon erwähnt, dass im Dezember – ach so, hatte ich schon, dann ist ja gut…



Sommerzeit, Meditationszeit

Geschrieben am um 6:21

Hier ein exklusiver Service von mir, eine kleine Meditationsübung, gefunden auf dem Kunstwanderweg im Fläming.

 

 

Auf die beiden Punkte musst Du schauen. Und jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt kommt die Meditationsanleitung.

SETZ DICH!

 

 

So, und wenn das nicht geklappt hast, bist Du entweder farbenblind, oder, was sehr sehr wahrscheinlich ist, total UNSENSIBEL. UND ÜBERHAUPT, HAST DU DICH WAHRSCHEINLICH NULL AUF DIE TOLLE MEDITAION EINGELASSEN, ALSO GEFÜHLSMÄSSIG MEINE ICH!!!!!!

So, jetzt SETZ DICH!, und noch mal von vorne, bis das klapppt….



Heute mal Werbung in eigener Sache…

Geschrieben am um 21:29

… ich versuche, das mal so dezent wie möglich zu machen: Also:

ALLE MAL HERHÖREN!!! DER FEINE HERR ANDRACK GEHT JETZT AUF DIE BÜHNE: MIT EINEM PROGRAMM ÜBER’S WANDERN: FÜR WANDERFREUNDE UND WANDERHASSER: FÜR ALLE ALSO. ACH JA; DAS WIRD LUSTIG, KEIN WITZ! TICKETS GIBT S AB SOFORT!!! ALLE INFOS AUF MEINER HOMEPAGE WWW.MANUEL-ANDRACK.DE

Nachdem mir vor fünf Wochen die Goldenen Wanderschuhe verliehen wurden, bin ich größenwahnsinnig geworden und habe das Programm “Andracks Kleine Wandershow” geschrieben. Regie führt Eckart von Hirschhausen, der mich als mein Hausarzt und Bühnendoktor coacht. Und nun kann, wer in Stuttgart, Augsburg, Sulingen, Pirna, Leipzig, Erfurt, Magdeburg, Emmelshausen, Baienfurt, Rastatt oder in der Nähe der genannten Orte lebt, arbeitet, Urlaub oder Liebe macht, der kann also Tickets bestellen. Nun gut, ich bin vielleicht nicht gaaaaanz objektiv, aber ich würde das an Eurer Stelle machen, das mit dem Tickets bestellen. Denn bei einem kleinen Test-Vorlauf haben sich die Gäste schon ziemlich viele Blasen gelacht. Ich freu’ mich auf Euch…

 

Infos auf www.manuel-andrack.de



Modewandern über gespurte Strecken

Geschrieben am um 8:55

Vorletzten Sonntag las ich im Reiseteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Erfahrungsbericht des Autoren Herrn Winter. Herr Winter hat in einer Bergwanderschule das Wandern gelernt, darüber berichtet er. Herr Winter musste als erste lektion der Bergwanderschule etwas sehr sehr Schweres machen: Einen Rucksack anziehen! Das war das erste Mal im Leben von Herrn Winter, dass er einen Rucksack schulten musste und er empfand dieses “erste Mal” als “Lebensabstieg”.

In der Vergangenheit konnte der Wanderboom den Herrn Winter nicht reizen. In diesem Zusammenhang hat Herr Winter einen tollen Satz zu Papier gebracht:

 

 

Das “Modewandern über gespurte und prämierte Strecken”, großartig, danke Herr Winter. Jetzt weiß ich endlich, warum auf ALLEN Premiumwegen in Deutschland immer diese zwei Rillen in die Erde gefräst sind, die Wege sind gespurt! Jetzt hat es Klick bei mir gemacht.

Unter “Modewandern” hatte ich allerdings bisher das Hin- und Hergestakse von Mager-Models auf dem Laufsteg verstanden. Aber der Premiumweg wird nun auch zum Modeweg, sozusagen zum “Weg à la mode” mit den Frühjahrskollektionen von Hermès Wolfskin, North Gucci Face und Versace-Vaude. Alles präsentiert in der Wander-Vogue. Très chic!



Schnaps, das war mein letztes Wort…

Geschrieben am um 8:52

Letzten Sonntag wurde der sehr spektakuläre Peterstaler Schwarzwaldsteig eröffnet. Wie es sich für den Schwarzwald mit seiner Brennrecht-Tradition gehört, spielte das Thema Schnaps eine große Rolle. Sehr beeindruckt war ich von einer Idee von Verena. Verena ist Deutschlands jüngste Brennmeisterin und auch wahrscheinlich die pfiffigste. Denn Obstsorten kann ja jeder, daher hat sich Verena einen Fichtenschnaps ausgedacht. Wer das für eine Schnapsidee hält, sollte den Black Wood einfach mal testen. Er riecht erst einmal sehr nach Holzleim, aber wenn man den ersten Schluck intus hat, ist das ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Als hätte man in einen Fichtenstamm gebissen, Wahnsinn.

 

 

Auch am Schnapsbrunnen der Familie Huber musste unsere kleine Wandertruppe halt machen. Dort kann man sich mit diversen Schnäpsen und auch nicht-alkoholischen Getränken stärken und dafür einen Obulus in der Kasse hinterlassen – oder auch nicht. Ich finde das sagenhaft, mit welchem Engagement und welcher Liebe die Anrainer des Peterstaler Schwarzwaldsteig bei der Sache sind. Ich möchte jeden Wanderer bitten, ordentlich in die Kasse bei Hubers einzuzahlen.

 

 

Nun ja, und was wäre ein Ausflug in den Schwarzwald ohne Kirschwasser: Ein Schurkenstück, genau. Ich genoß das Kirschwasser mit jeder Menge der berühmten Torte drum herum. Danach konnte ich nicht mehr “Schnaps” sagen, so satt war ich. Damit war Schnaps wirklich das letzte Wort für mich gewesen. Zumindest für letzten Sonntag, inzwischen habe ich die Sprache wiedergefunden, so schnell tragen mich die Engelein noch nicht fort.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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