Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Sieg!

Geschrieben am um 12:52

Vor einigen Wochen ging ich entspannt mit einer Wandertruppe an der Sieg entlang und wurde unverhofft vor eine Wahl gestellt, die mein Leben entscheiden könnte…

 

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„Bootsverleih oder kühles Bier“, das ist doch der Hammer! NATÜRLICH wollte ich mir eigentlich im beschaulichen Dattenfeld ein Boot leihen, aber die Aussicht auf WARMES Bier hat mich abgeschreckt. Also bin ich einfach weitergewandert, Pech gehabt.

Mein Wanderführer an meinem Wandertag auf dem Natursteig Sieg war Hans-Peter, ein rheinisches Original. Man lernt ja nie aus. Er begrüsste die ungefähr 30 Mitwanderer mit einem herzlichen „Hallo“ und hat dann die weiblichen Miwanderinnen intensiv umarmt. „Das mache ich immer so“ sagte crazy Hans-Peter. Ich überlege bis heute, ob ich die Frauen-Umarmung als Begrüßungsritual übernehmen sollte. (Bitte keine Kommentare dazu von den fränkischen Brüdern, sondern nur von qualifizierten weiblichen Wanderern.) Also noch mal: Fändet ihr das toll, wenn ich Euch (auch unbekannterweise) bei der nächsten gemeinsamen Wanderung um den Hals falle? Ganz ehrlich bitte. Wenn eine Mehrheit: „Jaaaaaa“ sagt, mache ich das.

Zur Erholung von dieser Debatte hier der Dattenfelder Dom. (Warum darf sich eigentlich jede Dorfkirche mit zwei Türmen anmassend „Dom“ nennen???)

 

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… jetzt mal wieder was Ernstes: Wie krank ist eigentlich unsere Wanderwelt, dass wir uns auf der Burg Windeck gegen Drohnen wehren mussten…

 

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Dort wurde oben an der Burgruine wurde tatsächlich Jagd gemacht, Jagd auf unschuldige Wanderer. STOPPT DIESEN IRRSINN! Ich unterschreibe ab heute jede Petition gegen Kampfdrohnen für oder gegen Wanderer, und auch gegen zu viele Umarmungen von Wanderführern werde ich protestieren. Oder etwa doch nicht?



Spannende Tierbegegnungen

Geschrieben am um 9:10

Es gibt ja Wanderfreunde, für die ist eine Wanderung nur eine richtige Wanderung, wenn sie haufenweise Tiere in Wald und Flur gesichtet haben: Hirsche, Rehe, Eichhörnchen. Wildkatzen, Dachse, Milane, Bussarde. Feuersalamander, Käfer, Ameisen. Natürlich habe ich auch schon mal ein Reh durch den Wald hüpfen gesehen, und einen Ameisenhaufen kann ich von einem Müllhaufen unterscheiden. Aber ein richtiger Fauna-Experte werde ich wohl nicht mehr werden. Um so besser, dass ich auf meinen Wanderungen dann doch immer wieder auf mehr oder weniger exotische Tierarten treffe.

 

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Wie zum Beispiel den Canus bayerleverkusenensis, der in einem kleinen Biotop zwischen Wuppermündung und Rhein heimisch ist. „SV“ hielt ich bislang immer für die Abkürzung von „Schülervertretung“, aber da man in Leverkusen Schäverhunde mit „V“ schreibt, weil es ja eben Leverkusener Schäverhunde sind und nicht Leferkusener Schäferhunde, muss es auch „SV“ heißen.

 

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Im schwäbischen Lonetal sah ich hingegen eine Lagune, in der auch Krokodile heimisch waren. Das ist natürlich eine Weile her, 150 Millionen Jahre. Schade eigentlich, da hätte es sich wirklich gelohnt, in eine Wellness-Abenteuer-Hotelanlage direkt an der Lagune zu investieren.

Am meisten nerven mich ja die – zumeist gehechelt vorgetragenen – Erlebnisberichte von anderen Wanderern, wenn sie von ihren diversen ultra-gefährlichen aber dann noch gerade so glimpflich ausgegangenen Begegnungen mit Wildschweinen berichten. Was machen diese Wildschwein-Connaisseure richtig beziehungsweise falsch oder was mache ich falsch beziehungsweise richtig, dass ich noch NIE NIE NIE ein Wildschwein bei meinen Wanderungen gesehen habe?

 

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Und wenn ich was vom Wildschein sehe, dann nur noch kümmerliche Überreste, wie diesen Oberkiefer. Eine richtige Sauerei ist das!



Aus dem Maschinenraum eines Premiumwegs: Die Traumschleife Marienberg in Boppard

Geschrieben am um 6:50

Als Wanderer kennt und schätzt man die hohe Qualität der Traumschleifen. Diese Qualität ist aber nicht ohne harte Arbeit zu haben. Wer denkt, man müsste für so einen Premiumweg nur ein paar bunte Schildchen an die Bäume nageln, der irrt. Gewaltig. Denn selbst in Boppard, in einer Gemeinde, die ordentlich von der landschaftlichen Muse geküsst wurde, ist die Kreation einer Traumschleife kein Kinderspiel.

Boppard hat bislang sechs Traumschleifen, am 20. September wird eine siebte eröffnet, die Traumschleife Marienberg. Der Clou ist: Ich durfte bei einer Arbeitswanderung einige Monate vor der Eröffnung des Premiumwegs teilnehmen. So erhalte ich Einblick in die Arbeit im Maschinenraum einer Traumschleife, dies ist also quasi ein Making-Of-Report. Bei der Arbeitswanderung dabei sind der BBB (Bopparder Bürgermeister Bersch), Ortsvorsteher Strömann, Verantwortliche vom Bauhof, einige Premiumweg-Experten und der Revierförster Ralf Kerber. Wir starten im Park des ehemaligen Klosters Marienberg. Kleiner Insider-Tipp: Wer ungefähr 20 Millionen Euro übrig hat, darf das Kloster erwerben und renovieren, das ist eine Top-Immobilie! Dann wandern wir das Bruder-Michels-Tal hinauf. Förster Kerber betätigt sich immer wieder als Graffiti-Künstler, allerdings fallen seine Sprüh-Aktionen sehr monochrom aus.

 

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Immerzu sprüht Kerber orange Graffitis: Pfeile, Buchstaben, ein „A“. Das „A“ steht nicht für „Anarchie“, ganz im Gegenteil, es soll ja ordentlich zugehen auf der neuen, 10,4 Kilometer langen Traumschleife. Das „A“ steht vielmehr für eine „Aussicht“. Denn ein dichter Wald ist ja schön und gut, aber manchmal müssen auch mal ein paar Bäume weg genommen werden, um Blickachsen Richtung Rhein zu eröffnen. An dieser Stelle möchte ich mal mit dem Missverständnis aufräumen, der Wald in Deutschland würde immer mehr verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall: Noch nie in den letzten 1.200 Jahren gab es mehr Waldflächen als aktuell. Und aus dem Holz der Bäume kann man ja vielleicht eine ganz schicke Bank schnitzen. Bänke, das ist immer wieder das Stichwort für den BBB. Mike, der Bauhof – Vorarbeiter mit dem Klemmbrett, kommt kaum hinterher, die ganzen Standorte zu notieren, die sich der BBB wünscht. Auf dem folgenden Fotodokument hält der oberste Banken-Berater von Boppard, Bürgermeister Bersch, wieder Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für ein weiteres Ruhemöbel …

 

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Man kann auf dem Foto auch schön sehen, wie die Vorarbeiten des Bauhofs ausgesehen haben: Mit Hacke, Schaufel und Muskelkraft ist ein neuer Pfad entstanden, der wunderschön am Hang entlang führt. Man sieht allerdings auch, was noch zu tun ist: Die neuen Treppenstufen sind zusätzlich mit Holzlatten abzusichern, damit die Stufen stabiler sind. Das Verrückte ist: Schon nach wenigen Monaten, wenn der Weg durch viele Wanderer genutzt wurde, wird dieser neu angelegte Pfad aussehen wie ein jahrzehntealter Trampelpfad.

Dann haben wir es aus dem Mittelbachtal hinauf geschafft bis zu einer Aussichtsplattform, und dort oben muss man gar keine Bank mehr installieren – da steht schon eine.

 

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Die Bank trägt eine Nummer: 174. Das ist die Bank Nummer 174 des VVV Boppard (VVV ist die Abkürzung für Vitaler Verschönerungs Verein). Der VVV hat alle 689 Bänke in der Gemeinde Boppard durchnummeriert, in Kataster verzeichnet, und – was das Wichtigste ist – geklont. Das heißt: In einer riesigen Lagerhalle in Boppard stehen alle 689 Bänke identisch noch einmal, und wenn eine Bank im Wald wegen Altersschwäche oder Vandalismus schwächelt, wird sie ruckizucki ausgetauscht. Großartiges Prinzip! Wenn man genau hinschaut, sieht man auch die dunstige Aussicht auf Boppard und die kleine weiße Kirche mit den Doppeltürmen, St. Severus.

 

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Eben diese Bopparder Kirche St.Severus wird am 19. Juli 2015 offiziell zur Basilika „erhoben“, wie das der katholische Amtsschimmel nennt. Warum St.Severus zu dieser Ehre kommt, weiß selbst Bürgermeister Bersch nicht so genau. Aber er hat eine Theorie, und die geht so: Rückblende – wir schreiben das Jahr 1985, ein nicht mehr ganz so junger Priester aus Argentinien verbringt zwei Monate im schönen Boppard am Rhein und erlernt dort die deutsche Sprache am Goethe-Institut. Der argentinische Priester wohnt zur Untermiete bei Familie Schmidt. Fremdsprachenkenntnisse kann man immer gebrauchen, vor allem wenn man Herr Bergoglio heißt und fast dreißig Jahre später Papst wird. Nun, so die Theorie von Walter Bersch, kann es nicht mehr lange dauern, bis der Papst höchstpersönlich die Bopparder Stadtkirche zum Dom macht.

Ein fast ein biblisches Wunder habe ich oberhalb des Bopparder Ortsteils Buchenau fotografiert:

 

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Dort vereinigen sich in fast schon unzüchtiger Manier eine Eiche und eine Buche. Da hat sich die Eiche den Merksatz „Buchen sollst Du suchen“ zu Herzen genommen. Es ist nur so: die Buche konnte nicht schnell genug weg, denn die wusste ja auch: „Eichen sollst Du weichen…“ Fanatische Bopparder interpretieren diese Naturwunder ganz anders: Die stolze Eiche, das sei Boppard, und die Buche symbolisiere Bad Salzig. Beide Orte sind ja nun in der Gemeinde Boppard vereinigt, aber mental noch nicht so zusammen gewachsen wie diese beiden Bäume.

Wir wandern Richtung Rhein, erreichen das Hochplateau Eisenbolz. Weiter geht es arbeitswandernd oberhalb des Rheins Richtung Boppard zurück auf einem sensationellen, neu angelegten Pfad.

Wenige Kilometer, bevor wir wieder im Park des Klosters Marienberg ankommen, geht es schließlich in Hanglage an einer verfallenen Hütte vorbei. Dort hat sich der national bekannte Verbrecher Dieter Freese 1989 für einige Zeit versteckt gehalten. Es wird diskutiert, ob dieser für einen Wanderweg sehr schräge Ort mit einer Info-Tafel versehen wird oder nicht. Ergebnis bei Redaktionsschluss noch offen. Ich habe mich aber mit Bauhof-Vorarbeiter Mike vor der Hütte ablichten lassen, denn Mike ist der Neffe eines Polizisten, der den Ganoven mit Hilfe seines Schäferhundes geschnappt hat. Kriminalgeschichte pur an einer Traumschleife!

 

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Jetzt fragt sich der geneigte Leser natürlich: Hat sich der feine Herr Andrack überhaupt auch nützlich gemacht bei dieser Arbeitswanderung oder hat er immer nur mit weit offenem Mund staunend daneben gestanden, wenn die großen Entscheidungen anstanden: Bank oder nicht Bank, Infotafel oder nicht, Aussichtspunkt oder Sinnenliege? Klar habe ich zum Erfolg der Traumschleife Marienberg beigetragen. Ich habe mich einfach mal hingesetzt, auf eine Schiefermauer.

 

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Und da haben alle gerufen: Genial! Super!! Grandios!!! Da machen wir keine Bank hin und auch keine Sinnenliege, sondern wir nageln einfach einige Holzlatten auf den Schiefer, schon haben wir eine prima Bank mit Blick auf Vater Rhein. Eine „Andrack-Bank“, wenn ich das mal in aller Unbescheidenheit sagen darf. Viel Spaß auf der Traumschleife Marienberg mit all ihren Bänken und Aussichtspunkten!



Ganz kleines Karo

Geschrieben am um 8:06

Ich werde oft gefragt, was ein Wanderexperte/Wanderprofi/Wandermeister (siehe Eintrag vom 19. Mai) den lieben langen Tag macht. Wandern hauptsächlich, klar. Wanderwege eröffnen, Wanderveranstaltungen moderieren, Wandershows präsentieren, extrem lustige Wanderlesungen abhalten. So weit kann man das ja auch aus meinem Terminkalender ableiten. Aber aktuell ist eine ganz neue Beschäftigung dazu gekommen: Ich bin Assistent Head Controller of Karomuster Design. Das ist eine Tätigkeit, die mich seit Wochen ausfüllt. Denn die Herbstkollektion von Fifty Five für das Jahr 2018 steht vor der Tür. Und erstmals sollen Lang-Arm-Wanderhemden im Angebot sein. Und Wanderhemden müssen nun mal, warum weiß wirklich nur der Wanderpapst, immer und stets kariert sein. Seit Wochen wälze ich nun kiloschwere Musterbücher …

 

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In den Musterbüchern sehe ich kleines Karo, ganz kleines Karo, mittelgroßes Karo verschränkt und verschwurbelt mit großem und kleinem Karo. Das alles natürlich in allen möglichen Farbkombinationen. Der Hammer! Sechs Richtige im Lotto sind wahrscheinlicher als DAS perfekte Karo zu designen. Aber ich habe einen glasklaren Karofavoriten. Und nun frage ich Euch, liebe Netzgemeinde (auch ein Netz ist ja im Endeffekt aus Karos gestrickt, faszinierende Paralelle!) ich frage Euch also, wie gefällt Euch das rot-weiss-schwarze Muster No. 25:

 

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Wusste ich doch, ich habe Euren Geschmack getroffen!!! Fifty Five wird stinkreich werden, wenn sie dieses Karomuster für ihre Herbst-Wanderhemden verwenden werden, weil ihr alle das Andrack-hat-das-Karo-ausgesucht-Hemd kaufen wollen. Bevor wir (die Fifty Fives und ich) aber stinkreich werden, gehen wir erst noch mal auf Welt-Tournee mit dem Fifty-Five-Mobil. Ich habe Glück gehabt, ich muss nicht wie Stefan auf dem Beifahrersitz schlafen. Nein, ich habe ein riesiges Zelt ganz für mich allein. Und in meinem neuen Heim, dem feuerroten Fifty-Five-Zelt, dort schlafe ich Nacht für Nacht und träume von kleinen, bunten Karos…

 

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Ach ja, und am 12. September gibt’s die große Fifty Five-Sause am Firmensitz in Netphen bei Siegen. Essen, Trinken, Wandern auf dem Rothaarsteig, Mucke, kurze Lesung aus meinen Büchern und natürlich Verkauf von Fifty-Five-Klamotten noch günstiger als sonst. Wer nicht kommt ist selber schuld…

 



Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 6:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. „Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern“ könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt „Zum Hungersberg“, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, „für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen“. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



Bombige Wanderfundstücke, von denen man sich mal eine Scheibe abschneiden könnte, oder um die man einen Haken schlagen sollte – sowie ein Dings

Geschrieben am um 8:45

Gerade wenn bei einer Gruppenwanderung die Stimmung bombig ist, sollte man sich daran erinnern, dass es mal Zeiten gab (vor allem nach dem letzten Weltkrieg), an dem jeder Schritt im Wald ein gewisses Restrisiko beinhaltete.

 

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Diese amerikanische Fliegerbombe traf ich …, nein Quatsch, noch mal. Diese amerikanische Fliegerbombe sah ich bei einer Wanderung oberhalb der Sauer in Luxemburg. Wenn solche Bomben normalerweise in den Medien auftauchen, dann werden zumeist ganze Stadtviertel evakuiert. Hoffen wir mal, dass die luxemburgischen Bombenentschärfer auch ihr Geschäft verstehen, und das Ding am Wanderrastplatz nicht noch scharf ist…

 

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… scharf wie diese Brotschneidemaschine am Neanderlandsteig zwischen Velbert-Nierenhof und Nordrath. Was soll dieses Gesamtkunstwerk dem Wanderfreund sagen? Schärfe Deine Sinne? Von diesem Wanderweg kann man sich mal ’ne Scheibe abschneiden? Darf’s ein bißchen mehr sein?

Letztes Jahr war es die Weltneuheit, 2015 ist das Ding schon ein wenig abgehangen (sorry für den schwachen Kalauer). Die Rede ist vom „Hiking Hook“, dem Cousin von Captain Hook von der Jolly Roger.

 

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Diesen Wanderhaken soll, kann, muss man mit einem Band an einen x-beliebigen Baum binden, dann kann man seinen Rucksack oder eine Jacke bequem aufhängen. Eher etwas für ordentliche Leute, die ihren Kram auch daheim nicht einfach auf den Fußboden pfeffern. Und dann habe ich noch ein Fundstück, das mir Kai-Uwe, ein in der Schweiz lebender Exil-Saarländer (was es alles gibt!) geschickt hat…

 

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Kai Uwe hat das Dings auf einem Schweizer Flohmarkt erstanden, ganz genau konnte ihm der Verkäufer auch nicht sagen, wie dieses Dings funktioniert, angeblich sei es aber ein Entfernungs-Messgerät für Wanderer. Nun fragt sich Kai-Uwe, und ich frage mich das auch: Aus welchem Jahrhundert ist dieses Dings, wer war der Hersteller, wie benutzt man es genau und vor allem: Warum gehen auf dem großen Rad die Zahlen nur bis 18? Ist das ein Messgerät nur für Wanderer bis zum Erreichen der Volljährigkeit? Oder nur für Touren bis 18 Kilometer? Ich bitte Euch, helft Kai-Uwe und mir: Sachdienliche Hinweise nimmt das Aktenzeichen XY, die örtlichen Polizeidienststellen sowie die Kommentarleiste dieses Blogs entgegen.



Poco, Stempeldings und Äbbelwoi – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 2

Geschrieben am um 7:46

… weiter geht es auf der super-amtlichen Grüngürtelwegwanderung. Das Logo des 66 Kilometer langen Rundwanderwegs ist recht hübsch geraten …

 

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… zumindest lässt es der Fantasie (dummer Kinder Kalauer: was ist das Gegenteil von Fantasie? – Cola-Er!) freien Spielraum. Die Leute vom Amt erzählten etwas von grünem Gürtel, dem Main und der Stadt (symbolisiert durch einen Punkt). Na ja. Ich sehe eher ein windschiefes Smiley-Gesicht. Oder eine Art hessische Version des @-Zeichens. Sozusagen ein @ nach vielen vielen Äbbelwois.

Ich hatte schon letzte Woche angedeutet, dass man auf dem Grüngürtelweg an superalten Buchen entlang wandert, durch Naturschutzgebiete, durch den Fechenheimer Wald, aber auch eben am Poco entlang…

 

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… ich hatte kurz überlegt, mich dort mal nach einer dringend benötigten Schrankwand umzuschauen, bin aber dann doch bis zum nächsten Stempelpunkt mitgewandert. Stempelheftchen, einerseits ein alter Hut, andererseits immer wieder der Hit bei alt und vor allem jung, denn da kommen die uralten Triebe des Jäger und Sammlers heraus. Stempel sammeln ist einfach großartig.

 

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In Frankfurt hat man stempelmäßig den Stein des Weisen gefunden: Eine stabile, wetterfeste Stempelmaschine. Kein Ärger mit Gastronomen, die den Stempel nicht rausrücken oder ständig Ruhetag haben. Keine Vandalisten, die das Stempelkissen an der Kette klauen, zerstören, unbrauchbar machen. Super-Sache. Aber ohne Fleiß kein Preis, denn ich hatte mich auf eine relaxte Flachlandwanderung eingestellt – und dann kam die Steigung am Berger Hang. Alpe d’Huez Hilfsbegriff. Hoch auf den 1600, äh 160 Meter hohen Gipfel…

 

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… Belohnung: Ein schöner Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Apropos Belohnung. Nach dreizehn Kilometer auf dem Grüngürtelweg war ich ordentlich unterhopft und hatte Lust auf ein eiskaltes Binding, ich war bereit für flüssiges Lokalkolorit. Aber im Main Äppel Haus gab es nur typisch hessischen Apfelwein. Junge Mitwanderer hatten mich die ganze Zeit damit genervt, wie sehr sie sich auf einen gespritzten Äppler freuen würden. Aha, dachte ich mir, in der Post-Heinz-Schenk-Ära sagt man wohl Äppler statt Äbbelwoi. Also bestellte ich beim Chef des Main Äppel Haus einen Äppler. Der hätte mich fast geteert und gefedert und zu Apfelsaft verarbeitet…

 

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… um es ganz klar zu sagen. man sagt ÄBBELWOI. Punkt. Und wenn man genug von dem Zeug getrunken hat, kann man die nächsten Etappen des Grüngürtelwegs in Angriff nehmen!



Urban Bee Keeping und Böller beim American Football – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 1

Geschrieben am um 6:40

Wenn mein alter Wanderkumpel Michael vom Wandermagazin schon seine Hand für einen Wanderweg in’s Feuer legt („großartiger Stadtwanderweg, wirklich durchdachtes Konzept“), dann liegt die Latte schon mal ziemlich hoch. Irgendwie hat der gute Michael sich ganz schön in den Grüngürtel-Weg in Frankfurt verliebt. Immerhin hat dieser Weg im letzten Jahr den Preis für den schönsten Wanderweg Deutschlands in einer Metropolregion gewonnen. Zeit, sich das mal anzuschauen. Letzten Sonntag bin ich dort gewandert und ich muss sagen: wahrscheinlich bin ich im meinem Leben noch nie so AMTLICH gewandert wie in Frankfurt, denn ich hatte mich mit 80 anderen Wanderern auf Einladung des Frankfurter UmweltAMTS auf dem Danziger Platz am Ostbahnhof eingefunden. Dieser Platz ist wirklich magisch. Die liebe EZB (die laut Herrn V. angeblich die Krieschen terrorisiert) ist mit ihrem etwas windschiefen Gebäudekomplex in Sichtweite.

 

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… aber mitten auf dem Danziger Platz breitet sich seit zwei Jahren der „Frankfurter Garten“ aus, ein Projekt, das man eher in Kreuzberg verorten würde. Ein städtisch-alternatives Gartenprojekt mit gefühlt 500 unterschiedlichen Tomatensorten, einem coolen Biergarten und einem Urban Bee Keeping Projekt. Ihr kanntet noch nicht Urban Bee Keeping? keine Sorge, ich auch nicht, das ist der letzte Schrei, gib Biene Maja eine faire Chance und verwerte Deinen eigenen Honig …

 

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Die Bienenkästen im Frankfurter Garten sehen ein wenig aus wie tibetische Kindersärge, aber den Bienen geht es mitten in der Großstadt angeblich besser als auf dem Lande bei reaktionären Alt-Imkern. Ich war dennoch ganz froh, dass die kleinen Summer nicht mitgewandert sind. Um es mir mit meiner Bewertung des Grüngürtelwegs nicht zu einfach zu machen, hatte man die urbanste, städtischste, asphaltierteste Etappe für mich und die 80 Mitstreiter ausgesucht. Aber der Ostpark, den fand ich schon klasse …

 

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Nicht nur wegen der alten Bäume, sondern auch wegen einer großartigen Skulptur von F.W.Bernstein. Bernstein hat, wie viele Vertreter der Neuen Frankfurter Schule (Titanic, Pardon, Robert Gernhardt und Co, leider zu viele schon zu früh verstorben) humorvolle Skulpturen an den Grüngürtelweg gestellt. Großes Kino. Elfmeterpunkt auf Erdachse, muss man sich angucken.

Aber dann zerreisst ein Knall die Luft, ein Riesen-Böller startet in den azurblauen Himmel. Wir wandern am Stadion des FSV Frankfurt vorbei, aber seit wann werden da Böller gezündet? Haben die überhaupt schon mal ein Tor geschossen? Die mitwandernde Journalistin des Fechenheimer Anzeiger klärt mich aufgeregt auf. In dem Stadion fände doch jetzt ein Spiel der Frankfurt Galaxy American Football Mannschaft gegen München statt, und bei jedem Böller gäbe es einen Touch Down der Frankfurter zu feiern…

 

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… aaach so, Mensch, es ist ja eine Stimmung im Stadion, da fliegt ja bald die Gummipuppe des 12. Manns weg. Fast wäre ich versucht, mir im Stadion dieses hyperspannende Spiel anzschauen, aber ich muss weiterwandern, auf dem Grüngürtelweg. Aber wer oder was Poco ist, warum die amtlichen Frankfurter Wanderexperten eine Weltsensation erfunden haben und warum ich kein Belohnungsbier bekommen habe, das erfahrt Ihr leider leider erst nächste Woche …



Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 7:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

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Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

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Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

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Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

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95, die Zweite

Geschrieben am um 7:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

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Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

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…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

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…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

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… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

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… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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