Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Buchen buchen

Geschrieben am um 7:30

Seit kurzem bin ich Baumpate. Bisher hat es für mich zwar zum mehrfachen Vater gereicht, aber ein Patenkind habe ich nicht. Nun habe ich ein Bäumchen als Patenkind. Im zarten Alter von ca. 120 Jahren wird eine Buch am Saarbrücker Wildgehege unverhofft zum Andrack-Baum.

 

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Das mit dem Alter haben mir die Leute vom Nabu gesagt, die mir wortgewaltig die Buche für 250 Euro angedreht haben. Ich kann das Alter nicht wirklich glauben, der Baum sieht mir eher nach 200 Jahren aus, aber das überlasse ich den Naturexperten. Diese Baumpatenschaften laufen unter dem Motto „Buchen buchen“. Bald kann man auch Eichen eichen, Weiden schneiden und Fichten vernichten. Fichten vernichten läuft unter Naturliebhabern als gute Tat, denn man weiß ja: „Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten“. Zurück zu den buchbaren Buchen. Die Idee ist, für einen kleinen Obulus, 250 € eben, Bäume im für die Holzindustrie interessanten Alter dem Bald-bist-Du-ein-Billy-Regal-Schicksal zu entreissen. Vierzig Jahre lang (bis 2055, da bin ich 90 Jahre alt und Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin) gibt es nun für meinen Baum im Saarbrücker Wildgehege Bestandschutz. Und jetzt mal ehrlich: Ist sie nicht wunderschön, meine Buche? Ich habe sie auf jeden Fall knuddellieb…

 

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Nicht erst seit der Lektüre des Bestsellers von Kuschel-Förster Peter Wohlleben weiß ich, dass Bäume Gefühle haben und kommunizieren können. Bäume haben auch die Fähigkeit, das hat mir im Herbst ein Ranger am Rothaarsteig gezeigt, sich selbst zu heilen und zu verbinden…

 

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… der böse Hirsch hatte sein Geweih am Baumstamm gewetzt und damit die Baumrinde verletzt. Nicht schön. Aber der Baum hat sich gesagt, da nutzt kein Jammern und hat sich mit einer weißen Flüssigkeit eine Art Verband gesetzt. Die Rinde kann nun wieder heilen. Wieder was gelernt. Früher dachte ich, wenn ich die weißen Stellen an den Bäumen sah, der Baum würde schimmeln oder das wäre eine phantasielose Wegmarkierung – nein, alles Baum-Erste-Hilfe. Und Bäume (einige) sind clever. Während beim berühmten Kyrill-Sturm im Sauerland und Siegerland Fichten im großen Stil umknickten wie Streichhölzer, blieben die wenigen Douglasien standhaft…

 

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Die Douglasien habe nämlich ein stabile Wurzel, haben im Sturm alle Äste verloren, sie haben sich also sozusagen dünn gemacht. Aber der Stamm, der blieb stehen und mittlerweile sind auch viele Äste wieder nachgewachsen. Von wegen mein Freund der Baum ist tot. Die sind zäh, diese Burschen. Aber apropos toter Baum. Das ist eigentlich der Witz an der Baumpatenschaft. Denn gerade ein toter Baum ist, sagt der Nabu, ein guter Baum, denn das Totholz ist ein Paradies für die Artenvielfalt des Waldes. Meinen Patenbaum wird es also wahrscheinlich, bis er verrottet noch 180 Jahre geben. dann bin ich 230 Jahre alt und Angela Merkel immer noch Bundeskanzlerin. Das wird schön!

Bleibt mir nur noch, allen andrackblog-Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen, ich gehe in die Blog-Winterpause und schreibe den nächsten Blog Anfang Februar…



Mein Wanderhund

Geschrieben am um 6:30

Womit kann man in der medialen Öffentlichkeit immer punkten? Antwort: Kinder und Tiere. Daher ist es an der Zeit, meinen Wanderhund Luna vorzustellen…

 

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Das ist Luna, geboren im Juni 2005, Mutter Border Collie, Vater Berner Sennhund.

Wir haben den Hund im Sommer 2014 übernommen (das alte Frauchen hatte schreckliche Hundeallergie bekommen) und Luna war ein richtiger Stadthund. Zu dick, zu wenig Bewegung. Wir haben sie dann auf Diät gesetzt und ich habe sie als Wanderhund ausgebildet. Und Luna ist der perfekte Wanderhund, definitiv.

 

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Als Hütehund braucht sie nicht so viel Auslauf wie ein Jagdhund, aber sie geht sehr gerne, auch im hohen Alter. Das Entscheidende aber ist: Man kann sie problemlos ohne Leine laufen lassen. Andere Hunde, vor allem die kläffenden Exemplare, straft sie mit hoheitlicher Ignoranz. Auch andere Wanderer sind uninteressant, es sei denn, sie essen gerade ein Wurstbrot. Das ist echt äußerst angenehm, ich hätte nie Lust auf einen Hund gehabt, der andere Menschen ungefragt ansabbert, ankläfft, anspringt. Bei Luna ist die Reaktion der anderen Wanderer eher: Oh Gott, ist die süüüss, darf ich sie streicheln?

Nicht zu vergessen. Sie hört auf’s Wort: Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib, Fass, alles im Programm. Nur das mit dem Apportieren klappt nicht. Sie läuft zwar nach dem Stöckchen, will es aber partout nicht wieder hergeben.

 

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Außerdem ist Luna der perfekte Premiumweg-Hund. Als ob sie Wegmarkierungen lesen könnte, biegt sie immer in den richtigen Pfad ein. Auch wenn es mal einen Kilometer über einen breiteren Waldweg geht, findet sie immer zielsicher den Pfad, auf dem der Premiumweg weitergeht. Es gibt wertvolle Trüffelschweine, Luna könnte man als Premiumwegscout einsetzen: „Such den schönsten Weg, such!“

Wenn es überhaupt an Luna etwas zu meckern gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie im Strassenverkehr doch eher unbedarft ist. Wenn es etwas zu schnuppern gibt, lässt sie sich nicht von heran rasenden Autos abhalten und läuft schnurstracks auf die Straße…

 

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Daher gilt auf dem Bürgersteig und bei einer Strassenüberquerung immer Leinenzwang. Denn Sie soll uns ja noch lange erhalten bleiben, unsere Luna. Und noch viele Wanderungen als Wanderhund genießen können.



Hightech-Wandertussis

Geschrieben am um 7:00

Wandern Frauen anders als Männer? Diese Frage, die Heerscharen von Philosophen, Psychologen, Neurobiologen und Soziologen seit Jahrhunderten beschäftigt, wird wohl mehr oder weniger unbeantwortet bleiben. Einer möglichen Antwort dieser Frage bin ich kürzlich bei einer Wanderung im Sauerland näher gekommen. Ich traf Martina, die mir schon kurz nach der Begrüssung erklärte: „Ich bin eine richtige Wandertussi“ Nun, liebe Martina – ich darf es vorweg nehmen, da wir ja mit einer fröhlichen Gruppe den ganzen Tag zusammen gewandert sind und ich Dich ein wenig kennenlernen durfte – Nein, Martina, Du bist wahrlich keine Wandertussi. Aber sehr beeindruckend fand ich die hochprofessionelle Ausstattung von Martina. Sie hatte am Handgelenk eine Art Transponder…

 

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Mit diesem Hightech-Armband konnte sie sich („Beam me up, Scottie“) an jede beliebige Stelle unseres Wanderwegs beamen. Außerdem hatte dieses Armband, wenn ich das richtig verstanden habe, die Funktion, bei einem Absturz in eine tiefe Gletscherspalte Notrufsignale abzusondern. Eine ähnliche Funktion hatte die Wanderpfeife von Martina …

 

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… ich kannte den Begriff „Wanderpfeife“ bislang als Schimpfwort für Menschen, die sich bei einer Wanderung übernehmen und die gesamte Wandertruppe aufhalten: „Du Wanderpfeife!“ Aber die Pfeife an Martinas Rucksack dient dazu, Hilfe herbei zu flöten. Obwohl das Sauerland nicht ungefährlich ist, sind wir bei der gesamten 17-Kilometer-Tour ohne Wanderpfeife und Transponder ausgekommen.

Dann habe ich noch etwas über Wander-Frauen gelernt. Jeder kennt diese Klischees, dass Frauen angeblich nicht einparken könnten (stimmt überhaupt nicht, sagt mein Fahrlehrer) und alle zwei Tage zehn neue Paar Schuhe kaufen müssen (stimmt schon eher). Im Sauerland hat mir eine Wanderfrau erklärt, Frauen könnten keine Wanderkarten zusammen falten…

 

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Ehrlich gesagt kenne ich ab er auch sehr viele Männer, die das nicht können. Eine Wanderkarte sieht bei denen schnell aus wie ein kreatives Origami-Kunstwerk. Vielleicht sind deshalb ja Premiumweg so beliebt: Die Wege können auch ohne Wanderkarte erwandert werden. Diese Wege sind nicht nur unverlaufbar, sondern auch unverfaltbar.



Bosseln, Torwandschießen, Hundetragen – Sportliche Betätigungen am Wegesrand

Geschrieben am um 20:57

Alte Grundsatzfrage: Ist Wandern Sport oder nicht Sport? Die einen sagen so, die anderen so. Ethymologisch gibt es sowie nur einen Sport: Pferderennen. „Going to the sports“ sagte der Brite, wenn er auf die Rennbahn ging. So ein Pferderennen ist ja für die meisten Beteiligten eine eher passive Angelegenheit: Zugucken, Wetten platzieren, ja wo laufen sie denn? Null Bewegung. Das ist beim Wandern anders, da bewegt sich man kontinuierlich. Aber es gibt keinen Wettbewerb schneller, höher, weiter, das gehört für mich eigentlich zum Sport dazu. Daher finde ich es immer schön, wenn sich Spuren von anderen sportlichen Betätigungen am Wegesrand finden.

 

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Auf dem Sauerland-Höhenflug sah ich eine Truppe junger Menschen, die tatsächlich bosselten. Kennt ihr das? Bosseln ist eigentlich ein ostfriesischer Nationalsport. Da wird eine dicke Kugel einen Feldweg entlang so weit wie möglich geschleudert/geworfen, das geht stundenlang. Ostfriesland eben. Anscheinend möchten die Sauerländer nun die Ostfriesen von NRW sein, anders kann ich mir das Bosseln auf dem Höhenflug nicht erklären.

Auf der Christenbergtour in Münchhausen bei Marburg habe ich eine ganz tolle Torwand am Sportplatz von Mellnau gesehen…

 

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Beim flüchtigen Hinschauen denkt man zuerst, ach, ein Stück der ollen Berliner Mauer. Aber die beiden kreisrunden Löcher links unten und rechts oben weisen eindeutig auf die wahre Bestimmung dieses Beton-Trumms hin: Das ist eine Torwand und man sieht vor seinem geistigen Auge, wie die sportbegeisterte Jugend von Mellnau durch das hohe Gras stapft und einen Ball nach dem anderen auf die Torwand pöhlt – was für ein Spaß. Genauso ein Spaß war es, meinen 30-Kilo-Hund über eine luxemburgische Brücke zu tragen …

 

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… da bekommt der Ausdruck „Ich geh noch mal schnell mit’m Hund“ eine ganz andere Bedeutung.



Nach den Bahnsteigen …

Geschrieben am um 7:35

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das stimmt. Zuletzt habe ich mich auf den Weg in’s Vogtland gemacht, nach Bad Elster an der tschechischen Grenze. Dort habe ich im zauberhaften König-Albert-Theater meine Wandershow gespielt. Großer Abend, tolle Stadt. Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Vielmehr habe ich auf der Reise NACH Bad Elster wieder einiges gelernt. Zum Beispiel könnte ich diese Millionenfrage von Günther Jauch problemlos beantworten: Wo findet sich der längste Bahnsteig Deutschlands?

 

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A: München

B: Langenau

C: Langenfeld

D: Gößnitz

Die richtige Antwort ist Gößnitz, die südthüringische Metropole zwischen Gera und Zwickau. Ich habe diesen XXXL-Bahnsteig fotografiert, sieht mega-interessant aus…

 

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Ich hatte wirklich sehr viel Zeit zum Längste-Bahnsteig-Deutschlands-Fotografieren, denn mein Anschlußzug hatte 80 Minuten Verspätung. Lange Verspätungen sind nur halbwegs erträglich, wenn man (erstens) im verspäteten Zug selber sitzt (am besten im Zugrestaurant), es (zweitens) warm genug ist, am Bahnsteig auf einer Bank sitzend etwas zu lesen oder (drittens) eine halbwegs vernünftige Bahnhofsgastronomie vorhanden ist. In Gößnitz traf keine der drei Axiome zu. Schade. Also habe ich in 80 Minuten 80 Fotos vom längsten Bahnsteig Deutschlands gemacht.

Als ich dann endlich im Bahnhof von Zwickau war, wusste ich auch, wie man in Westsachsen auf Bahnsteige im Allgemeinen und auch im Besonderen hinweist, genau so:

 

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… ich habe verzweifelt gesucht, wie der Satz „Nach den Bahnsteigen…“ weitergeht. „Nach den Bahnsteigen ist vor den Bahnsteigen“ oder „Nach den Bahnsteigen kommt erst mal gar nichts“. Aber es blieb bei: „Nach den Bahnsteigen“. Da bin ich einfach nach den Bahnsteigen gegangen und in die Vogtlandbahn nach Bad Elster gestiegen.

Allerdings habe ich vor der letzten Zugetappe noch das stille Örtchen, den Locus, das WC, die Doppel-Null aufgesucht. Im Zwickau ist das eine Pachttoilette.

 

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.



Der sechste Wanderbahnhof in NRW

Geschrieben am um 6:28

Nach dem dritten Mann in Wien und zwölften Mann im Stadion gibt es seit Ende Oktober den sechsten Wanderbahnhof in NRW in Soest. Als Pate („Du bist mir noch einen Gefallen schuldig…“) der Aktion „Wunderbar Wanderbar“ war ich natürlich vor Ort anwesend und habe den Bahnhof Soest als Wanderbahnhof eingeweiht. Der Bahnhof ist ein wirkliches Schmuckstück: Mit einem ballsaalgroßem Zeitschriftenladen, in dem man sich aber auch mit (Wander-)Reiseproviant versorgen kann: Süßigkeiten, Kekse, Schnaps. Und einer eher klein geratenen Bäckerei, an der sich an einem Sonntag Morgen Schlangen bildeten, die man sonst nur an den Vorverkaufsstellen für Howard-Carpendale-Konzerten kennt. Als ich dann auf den Bahnhofsvorplatz trat, um mir das Gesamtensemble des Prachtbaus anzuschauen, habe ich allerdings nicht schlecht gestaunt …

 

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… wer hätte das gedacht, dass der Bahnhof der CDU gehört, die das ganze auch nicht verheimlicht, sondern in sozialistisch-roten Lettern brav an die Fassade anschreibt. Der Bahnhof Soest ist also sozusagen eine Merkel-Immobilie! Direkte Bahnverbindungen nach Berlin gibt es vom Bahnhof Soest allerdings nicht, man kann   nur mit dem ICE durchgehend zu Frau Kraft nach Düsseldorf fahren (andere Partei) oder zu Seehofers Horst (sehr andere Partei) nach München. Das ist doch schon mal was…

 

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Es stellt sich natürlich die Frage: Kann man in Soest überhaupt gescheit wandern? Was die Stadt selber angeht muss man sagen: Ja, die städtischen Wandermöglichkeiten sind absolut überdurchschnittlich. Es gibt eine gut erhaltenen Wallanlage um die Innenstadt herum, mit naturbelassenen Bäumen, schönen Ausblicken auf alte Bürgerhäuser und uralten Bäumen am Wegrand. Nicht ganz so toll ist es, in südliche Richtung zum Möhnesee zu wandern. Viel Asphalt, wenig Landschaft – und ein Naturschutzgebiet im ehemaligen militärischen Sperrbereich, südlich von Hiddingsen. Obwohl sich schon lange Wildpferde und Büffel statt Panzern und Infantristen auf dem Areal herum treiben, gibt es immer noch dieses Warnschild aus dem sehr sehr kalten Krieg

 

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Da habe ich mich zunächst gefragt, wie alt ist eigentlich ein Standortältester? Siebzig, Achtzig, Hundert? So eine Art Methusalem etwa? Und darf der Standortälteste noch andere Sachen verfassen als überflüssige Warnschilder? Kartoffeln schälen und Betten beziehen oder so was? Und irgendwie ist dieses Schild doch sinnlos, oder? Okay, betreten sollte man aus Gründen der eigenen Sicherheit ein militärisches Übungsgelände besser nicht. Aber wenn man denn dort Munition oder Munitionsteile finden sollte, wer ist den dann so blöd und fasst das Zeug an? Andere Standortälteste? Schön, wenn man sich beim Wandern doch immer wieder wundern kann.



Wandererparkplatzschild reloaded

Geschrieben am um 7:23

Alle, die schon mal in meiner Wandershow waren (ach, apropos Wandershow, meine kleine Herbsttour hat gerade begonnen, wer in der Nähe von Losheim, dem sächsischen Bad Elster, Denzlingen bei Freiburg oder Bad Pyrmont wohnt, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen…) werden wissen, welches mein liebstes Wanderschild ist: Schild Nummer 317 der StVO: Das Schild, das auf einen Wandererparkplatz hinweist. Der Klassiker ist natürlich die Vintage-Version…

 

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… die beiden Wanderleute auf dem Schild erzählen so viele Geschichten, die ich alle auf meiner Wandershow (ach, apropos Wandershow, meine kleine Herbsttour hat gerade begonnen, wer in der Nähe von Losheim, dem sächsischen Bad Elster, Denzlingen bei Freiburg oder Bad Pyrmont wohnt, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen…) erzähle. Die neue Variante des Wandererparkplatzschilds ist dagegen deutlich frugaler gestaltet, mehr so als Piktogramm …

 

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… bei den wandernden Glatzköpfen auf dem Schild weiß man heutzutage leider nicht, ob die wirklich politisch korrekt sind: Sind das Hooligans auf dem Weg zum Hogesa, ganz durchschnittliche Pegida-Mitläufer oder einfach frühverglatzte Links-Intelektuelle? Keiner wird das je in Erfahrung bringen können.

Nun hat mir aber mein Nürtinger Kumpel Jürgen ein Wanderparkplatz-Schild geschickt, das er im Piemont gesichtet hat…

 

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Was direkt in’s Auge fällt, ist das Kopftuch der Wanderfrau. Im doch eher konservativ sozialisierten Piemont ist nicht ganz klar, wie man dieses weibliche Kleidungsstück deuten soll. Ist es eine alte Katholikin, die mit Kopftuch zur Sonntagsmesse wandert? Oder ist es doch die Vorbotin einer neuen Wandergeneration, die gerade massiv nach Europa einwandert? Werden jetzt schon die Wandererparkplatz-Schilder islamisiert? Fragen über Fragen, auf die wohl nur Horst Seehofer eine Antwort hat …



Bankenkrise: Tanjas Bank und virtuelle Sinnenbänke

Geschrieben am um 7:56

Seit ich wandere, haben mich die unterschiedlichen Möglichkeiten fasziniert, eine Ruhebank am Wegesrand aufzustellen. Schon in meinen Gesammelten Wanderabenteuern (S. 65 – 68) stellte ich einige Arten von Banken vor: Spießige, rustikale und teilamputierte Wanderbänke.

In der Wandersaison 2015 habe ich weitere exotische Exemplare für Euch ausfindig genmacht. Zunächst einmal die faszinierende XXL-Bank an der Ahr, die durch eine Art atomare Bankenfusion entstanden sein muss. „Liebling, ich habe die Wanderer geschrumpft“ könnte als Motto über diesem monströsen Sitzmöbel stehen (übrigens tierisch ungemütlich) …

 

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In Siebenmeilenstifeln war es kleiner Sprung in’s Altmühltal zu einer ganz besonderen Patenschaftsbank. Dass der Spender einer Wanderbank sich mit einem Metallschildchen auf der Rückenlehne verewigt, ist hinlänglich bekannt: Das sind meistens Kreissparkassen, Schuhfachgeschäfte, Mittelgebirgsvereine. Das man nun aber schon salopp eine Patenschaft mit dem Vornamen übernehmen kann, war mir neu. Ich spare schon auf eine Manuel-Bank, denn was die Tanja kann, kann ich schon lange …

 

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Mittlerweile sind wahrscheinlich die bekanntesten und beliebtesten Bänke der Welt die – seit Eröffnung des Rothaarsteigs Anfang der Nuller Jahre erfundenen – ergonomischen Sinnenbänke. Besonders sinnlich und anspruchsvoll fand ich ein Exemplar am saarländischen Schluchtenweg …

 

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… man muss sich bei diesem Sitzmöbel in eine Art hypnotischen Sinnestaumel hinein versetzen, um als schwebende Jungfrau (oder Jungmann) die Füsse hoch zu legen. Ich habe das ausprobiert, habe aber das sinnliche Abenteuer mit einer schmutzigen Hose und einem schmerzenden Hintern abbrechen müssen. Irgendetwas scheint mit dieser virtuellen Sinnenliege nicht zu stimmen.

 



Mohren im Vorarlberg

Geschrieben am um 6:53

In der vergangenen Woche bin ich in’s benachbarte Ausland gefahren, um meine Wandergrenzen mal wieder neu auszuloten. Grenzen sind zur Zeit ja ein großes Thema! Ich fuhr zum wunderschönen Bodensee und bin auf den (gemässigten) Höhen des Bregenzer Wald gewandert. Beim Grenzübertritt zwischen Lindau und Bregenz habe ich übrigens keine Flüchtlingsströme gesehen, auch kein Flüchtlingsbächlein, noch nicht mal eine einzigen Flüchtling, vielleicht könnte aber diese österreichisch-deutsche Grenze eine Art Geheimtipp unter den Migranten werden (so lange der ZAUN noch nicht hoch gezogen ist). Was wirklich jeden Menschen glücklich macht, von innen raus sozusagen, sind die phantastischen Ausblicke im Bregenzer Wald oberhalb von Dornbirn …

 

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Da wandert man caspar-david-friedrichesk über einem Nebelmeer und fühlt sich wirklich wie im siebten Himmel. Ich bin ja nicht oft in alpinen Gegenden unterwegs, vielleicht sollte ich das öfter mal machen, denn als ich mich in der ersten Hütte am Weg, der Lustenauer Hütte niederlasse, habe ich ein Getränkeerlebnis der dritten Art (siebter Himmel + dritte Art ergeben übrigens addiert nicht die zehn Gebote). Hüttenwirt Peter schenkte mir ordentlich einen ein, einen giftgrünen Hammercocktail…

 

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… okay, zugegeben: ich habe die Waldmeisterlimo überlebt, obwohl mich der hammer-süssliche Geschmack an längst verschüttete klebrige Kindheitszungen-Genüsse erinnerte. Nachdem ich eine schöne Runde auf das Hochälple hinauf gewandert bin und die dortige Hütte geschlossen vorfand, bin ich wieder zurück zur Lustenauer Hütte gegangen. Weil dann schon Mittagszeit war, gab es deftiges Rindergulasch mit großartigen Semmelknödeln und ein Bier…

 

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… von Mohrenbräu. Mohrenbräu ist DAS Bier im Vorarlberg und der stark pigmentierte Junge mit den wulstigen Lippen auf dem Emblem zeugt davon, dass in Europa auch in vergangenen Jahrhunderten immer wieder gewandert wurde: Einwanderung, Auswanderung, man nennt es heutzutage vornehm Migration – aber ohne Mohr eben auch kein Mohrenbräu, das ist nun mal ein Fakt. Und dieses Getränk schmeckte so tausendmal besser als die giftgrüne Waldmeisterlimo, dass ich zügig ein zweites Mohrenbräu bestellt habe. Ein Prosit der Gemütlichkeit auf die Vorarlberger Bierkultur! Und die Migrationskultur!



Haben wir kein schönes Klima, fahren wir sofort nach Lima

Geschrieben am um 6:45

Über das Mega-Thema „Flüchtlinge“ gerät das Langzeit-Thema „Klimawandel“ etwas aus dem Fokus der Berichterstattung. Dabei steht Ende des Jahres in Paris die nächste große Klimakonferenz an, die Erwartung an konkrete Ergebnisse ist eher niedrig.

Manchmal kann der Kampf gegen den Klimawandel ganz einfach sein. Man muss zum Beispiel nur auf dem KlimaErlebnisWeg im Teutoburger Wald in der Nähe des Hermannndenkmals wandern.

 

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Bei jedem Schritt auf diesem Klimaweg bessert sich das Klima, je nach Bedarf wird es wärmer oder kälter. Ich sage es doch immer: Nur die kleinen Schritte führen zum Erfolg! Allerdings hätte man sich von den Intiatoren des Klimawegs etwas nachhaltigere Lösungen gewünscht. Nur ein paar Infotafeln zum bösen Klimawandel aufzustellen ist etwas dürftig. Man hätte zum Beispiel über die gesamten17 Kilometer in den Waldboden Trittplatten einlassen können, die beim Drauftreten einen Impuls auslösen, der Energie erzeugt. Nicht Atom- und Windkraft, sondern Fußkraft, das ist die Zukunft. Das ist übrigens keine Science Fiction, solche Bodenplatten sind schon in der City von London getestet worden.

Am Rennsteig bin ich auf einige Zeugen von Old School-Energieversorgung gestoßen.

 

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Zuerst dachte ich, ich wäre auf einem Minigolf-Platz gelandet, denn die lustigen Hütchen auf den Vollpfosten erinnerten mich an die lauschigen Lampen auf den Mini-Golf-Plätzen meiner Jugend. Aber dann war klar, da führt parallel zum Rennsteig der Gassteig, zwei Wege, und beide erzeugen Energie.

Viel wird ja über die Ursachen des Klimawandels geschrieben, geforscht, gestritten. Ist der Klimawandel menschengemacht oder eine halbwegs natürliche Erscheinung? Immerhin befinden wir uns vom Erdzeitalter her immer noch in einer abnehmenden Eiszeit, logisch, dass es da wärmer werden muss. Oder ist doch der böse böse Mensch an allem schuld? Ich habe bei einer Wanderung an der Sauer in Luxemburg am Wegesrand einen der Hauptverursacher der globalen Klimaerwärmung gesehen.

 

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Dieser pfiffige luxemburgische Heimwerker hatte sich eine imposante Grill-Lok gebastelt, die nicht nur formschön ist, sondern auch jede Menge Hitze für Unmengen von Grillgut entwickelte. Das strahlte vielleicht ab, mein lieber Mann, bei eher kühlen 14 Grad fühlte sich unser Grill-Lok-Konstrukteur bemüssigt, sich seiner Oberkleidung zu entledigen. Und die Atmosphäre rund um das sympathische Herzogtum hat sich um mindestens fünf Grad aufgeheizt.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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