Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus – Ich brach auf der Stelle in Tränen aus…

Geschrieben am um 8:30

Was ist geschehen? Etwas Furchtbares, Schreckliches, Monströses ist geschehen: Ich bin eine Wanderniete. Am Sonntag war ich beim sogenannten Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg dabei. 16 Kilometer von Winnweiler nach Dannenfels. Alles war super: Der Weg, die Aussichten, das Wetter, die Mitwanderer. Wir hatten über die Hälfte der Etappe zurückgelegt, ich hatte mich den ganzen Tag immer mal wieder mit Annegret (Name von der Redaktion geändert) aus Landau in der Südpfalz unterhalten.

 

Plötzlich stutze Annegret, schaute auf meinen rechten Fuß, hier im Bild:

 

 

Annegret schaute skeptisch, sie schaute entsetzt und konstatierte: “Sie laufen krumm, der rechte Fuß wird beim Wandern höher als der linke gezogen und schlenkert nach außen. Ich sehe das, ich arbeite im Krankenhaus in der Ortho – der Orthopädie.” Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen. Aber nach dieser Ansage war ich sprachlos. Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich hatte immer gedacht, ich wäre ein Top-Wanderer, ich bin 82 Kilometer am Stück gewandert, ich habe die Watzmann-Ostwand durchstiegen, ich bin durch die Sahara gewandert. Und jetzt wird mir eine Art Wanderbehinderung unterstellt? Andrack der hinkende Wanderpapst? Ich höre es schon tuscheln: “Ja klar, links wandert er wie der Teufel, aber was macht er  da nur mit dem rechten Bein?” Muss ich jetzt alle Wandertitel zurückgeben, bekomme ich schon meinen Wander-Ehrensold, soll ich abdanken? Ich muss schleunigst zu Dr.Junker, meinem Ortho(päden) in Saarbrücken, ich brauche Klarheit. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Oder vielmehr, äh,  nicht auf dem Laufenden, sondern auf dem Hinkenden…

Für heute bin ich mental zu geschwächt, weiter zu schreiben. In den nächsten Tagen gibt es weitere Highlights vom Wanderauftakt in der Nord-Pfalz



Der Nette-Schiefer Pfad, ein netter Traumpfad? – Teil 1: Die Stärken

Geschrieben am um 12:54

Von Rainer Brämer habe ich gelernt, dass ein Premiumwege-Scout eine ordentliche Stärken/Schwäche-Analyse vornehmen muss, um die Chancen auf eine Premium-Zertifizierung beurteilen zu können. Ich bin nun den Nette-Schiefer-Pfad in der Nähe von Mayen in der Osteifel gewandert. Was wollt Ihr zuerst hören, die guten oder die schlechten Nachrichten? Bitte? Okay, zuerst die Stärken…

Ganz stark…

… sind die meisten Pfade. Das ist ganz großes Kino, das rheinische Schiefergebirge zeigt sich von seiner attraktivsten Seite. Ein paar Mal hat man ein regelrechtes Achterbahn-Feeling, wenn man einen Bergsporn entlangeht und sich fragt, ob einen nun bald der gähnende Abgrund erwartet – aber im letzten Moment wird dann doch noch ein Pfad abwärts sichtbar.

Ganz stark…

… sind auch die Infotafeln am Wegesrand. Da hat sich ein Bürger von Trimbs, dem Start- und Zielort des Traumpfads, so richtig Mühe gemacht: Vorbildlich. Man erfährt eine Menge, zum Beispiel über eine in Stein gehauene Treppe, die schon 3.000 bis 3.500 Jahre alt sein soll. Sagt einer, der es wissen muss…

Ganz stark…

… sind die Blicke ins Nette-Tal, oft schön frei geschnitten, vor allem zum spektakulären Eisenbahnviadukt

Ganz stark…

… sind auch die sehr – bitte verzeiht den billigen Kalauer – netten Pfade unten an der Nette. Großartig, sehr stimmungsvoll.

Nun könnte man also, wenn man sich nur die Stärken anschaut, meinen, dass die stolzen 70 Punkte, die das Deutsche Wanderinstitut für diesen Weg vergibt, voll in Ordnung wären. Aaaaber, es gibt wirklich fundmentalen Schwächen des Nette-Schiefer-Pfades, die einen überaus faden Beigeschmack nach dem Wanderlebnis hinterlassen. Dazu übermorgen mehr…



Klein aber oho – Der Druidenpfad

Geschrieben am um 11:04

Letzten Sonntag war ich auf dem Druidenpfad unterwegs. In der Nähe von Niedaltdorf in Westen des Saarlands. Im westlichsten Westen des Saarlands. Das heißt, die Hälfte des Wegs verläuft direkt an der französischen Grenze. Daher kann man auch immer wieder Grenzsteine erkennen, die 1830 in wilden Zeiten der Revolution errichtet wurden. Zweimal haben seitdem unsere deutschen Vorfahren diese Grenze sehr gewaltsam  verschoben. Genutzt hat es gar nix, jetzt ist die Grenze wieder dort, wo sie eben auch 1830 stand.

 

 

Wer die Gelegenheit hat, sollte möglichst noch im März den Druidenpfad wandern. Zur Zeit finden sich dort die herrlichsten Bärlauch-Felder. Das wäre etwas für den Druiden Miraculix gewesen. Wir haben daheim sofort einen tödlich leckeren Bärlauchquark als Zaubertrank-Ersatz angerichtet. Mjam, mjam, mjam, das sagt man wohl in diesem Fall.

 

 

Zur Zeit tobt der Wahlkampf im Saarland. Ich bin noch komplett unentschieden, welcher Partei ich meine Zustimmung geben soll: Der Heiko wäre langsam mal dran, der Oskar vielleicht mal wieder dran, s’Annegret scheint Ministerpräsidentin zu können. Oder sollte ich mal wieder Grün wählen? Oder sollte ich Welpenschutz für bedrohte Parteien praktizieren und der FPD mein Kreuzchen schenken? Oder vielleicht probiere ich es mit den total internet-und-blog-affinen Piraten? Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nur, dass die CDU – noch zu Zeiten der absoluten Mehrheit – an der Nied eine Wanderhütte renoviert hat. Tolle Sache, aber ob mich das in meiner Wahlentscheidung beeinflussen wird?

 

 

Der Druidenpfad ist ein unterhaltsame, abwechslungsreiche, familienfreundliche Mini-Wander-Runde. Echt kurz, genau sechs Kilometer. Lohnt sich das denn? Ist das überhaupt noch eine Wanderung? Die einen sagen so, die anderen so. Ich finde, es lohnt auf jeden Fall. Der Trend geht eindeutig zu immer kürzeren Wanderrunden, viele, auch viele Viel-Wanderer, empfinden schon Wege über zehn Kilometer – zumal Premiumwege mit ihren vielen Steigungen – oft als zu anstrengend. Lieber mal ne kuschelige Halbtagestour, dann eine schöne Einkehr: Wunderbar! Wie zum Beispiel auf dem Druidenpfad.

 



Rote Karte für Poldi

Geschrieben am um 17:49

Poldi hat am letzten Samstag gegen Hertha eine rote Karte bekommen. Die ungerechteste Rote aller Zeiten. Kobiashvili nimmt Poldi in den Klammergriff, der befreit sich, in dem er nach unten wegtaucht. Der Schiri gibt zu, er habe nichts gesehen, aber sein Assistent, der habe irgendwas gesehen. Dafür gibt es also schon Rot, für “irgendwas sehen“. Nun ist das Strafmaß für Poldi festgesetzt: ein Spiel Sperre. Eigentlich ist dieses Strafmaß schon das Eingeständnis, dass da nix war. Aber ein Spiel Sperre muss ja beim DFB immer sein, um die Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter zu schützen. So ein Quatsch! Warum übergeht dann der Kontrollausschuss des DFB regelmäßig die Tatsachenentscheidungen seiner Schiedsrichter und leitet Ermittlungsverfahren aufgrund von Fernsehbildern ein, wie jüngst gegen Pizarro wegen einer Ohrfeige? Warum kann der gleiche Kontrollausschuss dann nicht auch aufgrund von Fernsehbildern ein Ermittlungsverfahren PRO Poldi einleiten und keine Sperre verhängen? Mal prinzipiell gefragt: Wer kontrolliert eigentlich den Kontrollausschuss?



Felsenweg, die Zweite

Geschrieben am um 9:27

Nachdem vorgestern so viel Negatives über den Felsenweg im Nord-Saarland zu lesen war, heute ein Bilderreigen, warum man es toll ist, dort zu wandern. Geradezu paradiesisch, wandert man doch durch das Paradies auf Erden

Und paradiesisch war auch schon die Parkmöglichkeit am Starttor des Felsenwegs

Ich war versucht, dort mein Automobil zu parken, wurde meine Wenigkeit doch in dem einen oder anderen Presse-Erzeugnis schon als “Wanderpapst” bezeichnet. Habe dann doch aber nicht dort geparkt, das wäre Amtsanmassung gewesen.

Paradiesisch auch die Nordtangente des Felsenwegs auf dem alten Grenzweg zwischen Lothringen und Kurtrier, heute die Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz.

Ebenso paradiesisch ist jenes kuriose Wandermöbel, keine Sinnenbank, sondern eine sinnliche Hollwood-Schaukel. Großartig!

Ob allerdings alle Enthaupteten an der Gesteinsgruppe, an der die alten Kelten Menschenopfer durchführten, auch ins Paradies gekommen sind, ist leider nicht überliefert.

Fest steht auf jeden Fall, dass eine bestimmte Dame paradiesische Gefühle gehabt hatte, als sie sich am Felsenweg ihres Büstenhalters entledigte. Der Felsenweg, ein paradiesisches Wandervergnügen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Scharlatan.



Felsenweg, die Erste

Geschrieben am um 8:06

Endlich, endlich bin ich den Felsenweg gewandert. Peinlich genug, dass ich jetzt schon seit fast vier Jahren im Saarland lebe, und noch DEN Felsenweg gelaufen bin. Mythisch, weil Schönster Wanderweg des Jahres 2005. Mythisch, weil der schönste Wanderweg überhaupt. Mythisch, weil der Urgedanke der Premiumwege Realität wurde.

Jetzt kommt die Wanderkritik: Felsen gibt es schon mal satt. Hier der Teufelsfelsen:

Deutlich erkennt man die verzerrten Teufelsfratzen, vier an der Zahl. Felsen gibt es auf dem ersten zwei Dritteln reichlich, irgendwo her muss der Weg ja seinen Namen haben. Das muss 2005 eine Sensation gewesen sein: Diese Felsen, diese Wegdramaturgie, diese vielen schmalen Pfade. 2012 hat die Einzigartigkeit des Felsenwegs fast vollkommen der Saar-Hunsrück-Steig aufgesaugt. Auf der Etappe zwischen Weiskirchen und Losheim am See verläuft der SH-Steig (wie er von Kennern zärtlich genannt wird) ganze ACHT Kilometer parallel zum Felsenweg.

Das ist ja prinzipiell okay, dass sich der Weitwanderweg auf die Wegeführung der Ein-Tages-Tour drauf setzt. Aber es nimmt dem Felsenweg doch Einiges. Zumal: Nachdem der Felsenweg nicht mehr parralele zum SH-Steig verläuft, auf den letzten fünf Kilometern wieder zurück nach Waldhölzbach, passiert in Sachen Naturhighlights – gar nichts mehr. Wenn man nicht die Dreisprung-Grube am Barfusspfad des Waldhölzbacher Parks als Highlight bezeichnen will.

Und wo ich schon mal am Nörgeln bin: Auf den letzten sechs Kilometern geht man viel auf Asphalt, sieht viel Asphalt, hört man viele Autos. Dass dann hinter Scheiden ein wenig getrickst wird, und der eigentliche Wanderweg auf einem Pfad neben dem Asphaltweg markiert ist (das gibt natürlich Pfad-Plus-Punkte vom Zertifizierer!) hilft auch nicht viel.

Fazit: ich war enttäuscht vom Felsenweg, von einem “Schönsten Wanderweg Deutschlands” hatte ich mehr erwartet. Lag es an meiner zu hohen Erwartungshaltung? Ich weiß es nicht. Zu viel genörgelt? Kann sein. Daher übermorgen als Ausgleich ein Report, wie toll, geradezu paradiesisch es ist, auf dem Felsenweg zu wandern.



Magath im ICE

Geschrieben am um 13:48

Heute ein Blogeintrag der Sorte Promi-Spotting. Mittags, gegen 12.00 Uhr, im Bord-Restaurant des ICE von München nach Berlin zwischen Göttingen und Hildesheim. Schräg mir gegenüber sitzt Felix Magath. Vor ihm die neueste Ausgabe des GEO (Titelstory: „Aus Fehlern lernen – der wert falscher Entscheidungen“) und die Wirtschaftswoche (Titelstory: „Hält der Immobilienboom“) Er spielt mit seinem Schlüssel, anscheinend fährt er keinen VW. Er trinkt erst Holunder-Bionade, später ein Adelholzer Sprudelwasser, keinen grünen Tee.

Was macht Felix Magath an einem Dienstag Mittag im ICE? War er auf Heimaturlaub bei seiner Familie in München? Hat er noch die Montagabend-Partie 1860 gegen St.Pauli auf der Suche nach neuen Spielern geschaut? Ha, ha, Klischee, Klischee, Magath immer auf der Suche nach neuen Spielern obwohl er schon ungefähr fünfundfünfzig im Kader hat, ha, ha. Ist aber gar kein Klischee, denn er telefoniert viel, und ruft auch einen Mister X an. Erst fragt Magath Mister X „Wie geht‘s?“. Das ist doch mal eine sehr freundliche, am zutiefst menschlichen interessierte Frage, passt gar nicht zum angeblich gefühlskalten Menschenverachter Magath. Dann die entscheidende Frage: „Schaffen Sie es, morgen nach Bologna zu fahren?“ Das ist doch mal eine Magath-Frage. Mich hat noch nie einer gefragt, ob ich „morgen“ Zeit hätte, nach Bologna zu fahren. Hätte ich im Übrigen auch nicht. Wahrscheinlich ist Mister X Spielerbeobachter und soll eine Granate in Diensten von Bologna beobachten. Der nächste Transfer von Spieler Nummer sechsundfünfzig bahnt sich da an, mittags um 12.00 im ICE-Bordrestaurant.
Nach dem Telefonat zahlt Magath und wünscht mir noch einen „Guten Appetit“. dann muss er in Braunschweig aus- und umsteigen, denn unser ICE hält leider – planmäßig versteht sich – nicht in Wolfsburg.



Steinbachpfad

Geschrieben am um 11:05

Gestern bin ich auf dem Steinbachpfad gewandert. Gefühlt heißt ja jeder zweite Bach in Deutschland Steinbach, liegt ja auch nahe der Name, Steine gibt es in jedem Bach satt. Die andere Hälfte der Bäche heißt übrigens Fischbach. Ich habe bei wikipedia nachgeschaut, Wenn ein Bach Steinbach heißt, dann handelt es sich um ein Hydronym, einen Bachname. Beim Steinbachpfad im Saarland ist es aber komplizierter, denn Steinbach ist in diesem Fall ein Siedlungsname, der Fachmann (und Griechisch-Kenner) sagt: Oikonym. Also, der Steinbachpfad startet im Ort Steinbach in der Nähe von Ottweiler. Zwischen St.Wendel und Neunkirchen. Und für einen vernünftigen Start braucht es einen Einstieg, ein Tor, sonst weiß der Wanderer gar nicht, wo es losgeht.

Im Saarland gibt es an vielen Premiumwegen diese Einstiegstore, es gibt empfindliche Geldstrafen, wenn man nicht durch dieses Tor hindurch startet. Es gibt Wanderer, die finden so etwas albern, ich finde es toll. Man geht ja auch bei einem Haus durch eine Haustür und fühlt sich willkommen, so ist es auch bei den Einstiegstoren der Premiumwege. Sie rufen: „Hallo und Grüß Gott lieber Wanderer, bienvenue, willkommen, welcome auf unserem Wanderweg„. So eine Begrüßung hebt doch direkt die Laune…

Wenige hundert Meter nach dem Einstiegstor ging ich am Steinbacher Fußballplatz vorbei.

Achtet sehr viele Premiumwege streifen Fußballplätze, weil die oft in Ortsrandlage schön gelegen sind. (Für alle Fußballfans: Steinbach spielt Verbandsliga und kickte wenige Stunden nach meiner Wanderung gegen den Spitzen-Club Primstal 2:2)

Dann geht es beim Steinbachpfad highlightmäßig Schlag auf Schlag: Großartige Rundumblicke auf dem Betzelhübel, hinab in ein tolles Kerbtal, runter zur Oster. Na ja, die Durchwanderung des Ostertals ist nicht so der Knaller, man sieht die Straße und hört sie vor allem. Im Ostertal wandert man nicht nur auf dem Steinbachpfad, sondern auch gleichzeitig auf dem Mühlenpfad. Das ist typisch für die vier Premiumwege rund um Hangard (Brunnenpfad, Steinbachpfad, Hangard Schauinsland, Mühlenpfad), sie hängen alle irgendwie zusammen, sind verschränkt und umschlungen.

Dann aber geht es endlich ins Tal des Steinbacher Bachs, ein sehr kurzes Tal.

Dort steht eine SINNENbank in Bergrichtung, gibt den Blick in das steile Kerbtal frei. Etwas ungewöhnlich, sind SINNENbänke gewöhnlich doch eher in Richtung Aussicht gestellt. Find ich aber gut, mal was Neues und optisch absolut SINNvoll und SINNENreich. Oben am Tal steht man überraschend auf dem Dorfspielplatz, wohlgenährte Hähne im Freilaufgehege kamen zur Begrüßung angewackelt. Und auf einer Tafel wird die dramatische Geschichte des Wolkenbruchs vom 4. Juli 1875 nacherzählt. Wiesen waren von Geröllmassen übersät, während der Aufräumarbeiten konsumierten die Steinbacher Bürger 45 Liter Branntwein, für die Kosten kam die Gemeinde auf. Prost auf Steinbach, Prost auf den Steinbacher Bach, Prost auf den Steinbachpfad!!!



Urlaub in der zweiten Liga

Geschrieben am um 13:48

Gerade lese ich im Internet die Ergebnisse des Bundesliga-Nachmittags. Für den FC nicht schön. Hertha und Freiburg haben gewonnen, Augsburg und Kaierslautern immerhin einen Punkt geholt. Die Meute hinter uns rückt näher. Ich habe die Schnauze voll. Egal, wie der FC morgen in Hoffenheim spielt, es wird bis zum 34. Spieltag wieder knüppelharter Abstiegskampf werden. „Saisonübergreifender Abstiegskampf“, wie die FAZ schreibt. Ja, schon seit fast vier Jahren dauert der an, der Abstiegskampf, und wenn wir uns diesmal wieder retten, beginnt er in der nächsten Saison wieder ab dem ersten Spieltag. Ich habe keinen Bock mehr. Ich habe einen Antrag auf einjährigen Urlaub in der zweiten Liga eingelegt. Die Vorteile liegen auf der Hand:

1. Endlich mal wieder oben in der Tabelle stehen
2. Endlich wieder singen können: „Wir steigen auf, wir steigen ab, wir steigen auf, das finden wir lustig, weil wir bescheuert sind“
3. Endlich wieder mit erwartungsvoller Vorfreude ins Stadion gehen und nicht mit vollen Hosen aus Angst vor der nächsten Heimpleite
4. Endlich ein Saison ohne Werksvereine
5. Endlich wieder Auswärtsspiele im Osten: In Dresden, in Cottbus in Aue (in Rostock ja wohl eher nicht)
6. Endlich neue Grounds in Berlin (Eisern Union), Braunschweig, Ingolstadt, Sandhausen, Heidenheim, Aalen
7. Packende Derbys gegen Bochum, Duisburg und Düsseldorf (Mannschaften, die von Kopfstoss-Meier trainiert werden, dürfen nicht aufsteigen)
8. Außerdem kann man Mönchengladbach ärgern, weil man die Ponys um sicher geglaubte sechs Punkte gegen uns bringt.

Wenn wir nicht direkt wieder aufsteigen und ein neuer nicht enden wollende Abstiegskampf einsetzt, macht es natürlich auch in der zweiten Liga keinen Spaß.



Schaumberg Tafeltour

Geschrieben am um 13:45

Heute bin ich die Tafeltour am Schaumberg gewandert. Im Münsterland kennt man den traditionellen Kiepenkerl, eine Art fliegenden Händler. Bei der Wanderung am Schaumberg war ich der Kiepenkerl.

Meine jüngste Tochter wiegt mittlerweile schon so viel wie ein Kasten Bier, das merkt man bergauf schon. Aber das ist ein gutes Training und ihre blendende Laune war Ansporn genug. Ich hatte ja erst ein wenig Angst gehabt, dass es ihr nach einer halben Stunde Kiepe zu langweilig werden könnte, sie war nämlich auch kein Tragetuch-Kind. Aber sie liebte die Ausguckposition und das schaukeln in der Kiepe: Hach, es ist eben MEINE Tochter, ein Wanderkind. Okay, meine Frau hat gerade protestiert: UNSER Wanderkind selbstverständlich.

Der Wanderparkplatz an der Blasiuskapelle, an der wir gestartet waren, wies ein seltsames Zusatzschild auf:

Merkwürdig, merkwürdig, ich dachte bisher immer, Pilger sollten pilgern, nicht parken. Natürlich haben wir auf diesem Parkplatz unsere Stretch-Limo, die vier Parkplätze gleichzeitig belegt, geparkt. Denn wir fühlten uns auf jeden Fall angesprochen durch das Schild, waren wir doch Pilger zum Schaumberg.

Am Schaumberg gibt es viel zu sehen. Zunächst einen Bücherbaum.

Dort kann man Bücher hineinstellen und Bücher hinausnehmen. Die Qualität der hinterlassenen Bücher scheint aber nicht die Qualität der entnommenen zu haben.

Dann sahen wir den Klapperstorchstein.

Wenn Ehepaare nur ein Kind haben, muss die Tochter zweimal um den Stein herumlaufen, und rufen: „Klapperstorch du Guter, bring mir einen Burder“. Wenn es ein Sohn ist, muss dieser sogar dreimal um den Klapperstorchstein kreisen und rufen: “Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester“. Da meine 15 Monate alte Tochter nun mal in der Kiepe saß, befahl sie mir an ihrer Statt um den Stein zu laufen. Ich werde November an gleicher Stelle berichten, ob es geklappt hat.

Auf jeden Fall wurde mir durch die ganze um den Stein-Herumlauferei so kotzschlecht, dass ich debil grinsen und mich an einem dünnen Bäumchen festhalten musste.

Sonne, ich halte Bäumchen fest, es ist ergriffen, ich bin ergriffen

Ach ja, nur mal wegen des Namens Tafeltour Schaumberg und der Kochmütze auf dem Markierungstäfelchen: Es wäre doch ganz schön, wenn es dann auch eine Einkehrmöglichkeit DIREKT am Weg gäbe, wie bei den Tafeltouren in Kirkel oder bald wieder im Saarbrücker Urwald. Tafelfreuden an der Tafeltour, nur mal so‘ne Idee.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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