Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




In der Batsch

Geschrieben am um 8:59

In Saarbrücken gibt es einen Urwald. Dieser Urwald ist zugegebenermaßen noch ziemlich jung, ein paar Jahrzehnte darf dort erst das Holz liegen bleiben, wo es hinfällt. Für den Wanderer ganz interessant: Man darf kreuz und quer durch den Urwald streunen, es gibt keine Pflicht, auf den Wegen zu bleiben. Für alle, denen das Wildwandern zu anstrengend ist, gab es allerdings seit 2005 einen Premiumweg im Urwald, eine acht Kilometer lange Tafeltour, auch Kochmützentour (wegen der Markierung) genannt. Diese Urwald-Tafeltour war der erste Premiumweg, den ich 2008 im Saarland gewandert bin. Ich fand das sensationell: Mit der Straßenbahn konnte man vom Saarbrücker Zentrum bis zum Startpunkt des Weges fahren. Das ist weltweit einzigartig. Also entschied ich mich, ins Saarland zu ziehen. Aaaaaber: Spätestens 2010 kam die große Enttäuschung. Die Markierung des Weges war nicht mehr durchgehend vorhanden, der Premiumweg wurde nicht mehr gepflegt, eine Verlängerung der Zertifizierung nicht mehr angestrebt.

Was war das für ein Freude, als ich davon hörte, dass die Urwald-Tafeltour Anfang Mai wieder eröffnet und neu zertifiziert werden sollte. Mit mir freuten sich vorgestern ungefähr achtzig Wanderer, die fast alle Regenschirme dabei hatten.

 

Die hat man auch gebraucht, am letzten Sonntag in Saarbrücken. Der erste Versuch, um Punkt 14.00 Uhr den Premiumweg zu gehen, endete in einer Flucht nach 100 Metern zurück in die Scheune am Forsthaus Neuhaus. Zu heftig war der Schauer.

Als es zehn Minuten später dann richtig losging, glich die Wanderung oft einer Rutschpartie. Ordentlich viel BATSCH, wie der Saarländer sagt. ES WAR ETWAS MATSCHIG, würde der Hochdeutsche sagen.

Einige Wanderer setzten sich bei der Rutschpartie auf den Hosenboden. Nicht so der agilste Wanderteilnehmer, der Diensthund des Urwaldförsters Peter, der hyperaktiv durch den Wald sprintete, hechelte, bellte. Erstaunlich, wir haben trotzdem ein Reh gesehen, das aber wahrscheinlich unter Schwerhörigkeit im Endstadium litt. Peter Schneider hat mir erklärt, ab wann ein Diensthund ein Diensthund ist. Wenn es Futtergeld gibt und wenn der Hund steuerbefreit ist. Nicht schlecht so ein Diensthund, vor allem wenn er wie ein irrer Baggerführer auf Speed den Waldboden nach Schätzen durchpflügt.



„Der Weg ist in der Zertifizierung“ – aber welcher genau?

Geschrieben am um 11:18

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Blogpost über den Druidenpfad bei Niedaltdorf im Saarland. Ich hatte von dem Weg durch die Touristiker der Gemeinde Rehlingen-Siersburg gehört, sonst wäre ich ahnungslos gewesen. In einem Kommentar zu diesem Text schrieb Klaus Erber vom Wanderinstitut, dass es der Weg verdient habe, die Zertifizierung als Premiumweg zu erhalten. Ich verstehe das als verschlüsselte Nachricht, dass der Weg in der Zertifizierung ist.

 

„Der Weg ist in der Zertifizierung“, diesen Satz höre ich oft von Touristikern. Das heißt, dass der zukünftige Premiumweg fertig konzipiert, ausgeschildert, markiert und möbliert wurde. Und dann klingelt der Zertifizierer zweimal und irgendwann kommt die ersehnte Urkunde und die erhoffte Punktzahl vom Wanderinstitut.

„Der Weg ist in der Zertifizierung“ – diesen Satz höre ich aber leider nur zufällig, ich würde mich aber gerne generalstabsmäßig auf die neuen Premiumwege freuen. Daher schlage ich den Jungs vom Wanderinstitut vor, eine Liste auf ihre Homepage zu stellen, die Wege also zu benennen, die zur Zeit oder in nächster Zukunft zertifiziert werden sollen. Es gibt ja auch eine Liste der EU-Länder im Wartestatus. Oder man weiß, welche Bücher oder CDs bald die Hitlisten stürmen werden.  Also her mit der „Ist-gerade-in-der-Zertifizierung-Liste“. Ihr wisst doch, Vorfreude ist die schönste Freude.!

 



Habe ich ein Sportbuch geschrieben?

Geschrieben am um 6:16

Letzte Woche flatterte mir eine Bestsellerliste der Fachzeitschrift „Bücherreport“ ins Haus. Dort waren die zehn erfolgreichsten Sportbücher des Jahres aufgelistet. Ein Jahr umfasst beim Bücherreport übrigens die Zeitspanne von März bis Februar; keine Ahnung, wo die ihren Kalender herhaben. Platz Eins der erfolgreichsten Sportbücher: ein Buch über Borussia Dortmund, dann weitere Fußballbücher, eines über Lauftraining, ein Buch über Volleyball. Und auf Platz Acht: Mein letztes Buch „Das Neue Wandern“.

Nachdem ich mit einem Kasten Bier darauf mit mir selbst angestoßen hatte, habe ich mal scharf nachgedacht und mich gefragt: Habe ich wirklich ein Sportbuch geschrieben? Genereller gefragt: Ist Wandern überhaupt Sport? Diese Frage habe ich in der letzten Woche auch mit dem Chefredakteur der neuen Zeitschrift SPORTSFREUND diskutiert, der mich über „Wandersport“ interviewte. Spielen wir das doch mal durch. Natürlich habe ich schon an einer Wanderolympiade des WANDERMAGAZINS teilgenommen. Das war aber eher ein Jux mit Rucksackweitwurf und Riesenschuhschnürsenkelbinden. Aber ist ein Weltrekord im 10-Kilometer-Wandern denkbar? Natürlich nicht. Das Gemütliche und Entspannende ist doch ein Merkmal des Wanderns.

Ist eine Wanderbundesliga der Wandervereine denkbar? Der Eifelverein hätte dort ein schweres Auswärtsspiel beim Rhönclub. Und was machen die dann beim Auswärtsspiel? Um die Wette wandern? So ein Quatsch! Genauso ein Blödsinn wie die Wanderweltmeisterschaft, an der ich dereinst in Österreich teilnahm.

Es gibt nur ein Fazit: man bewegt sich zwar beim Wandern, aber es fehlt völlig die Wettbewerbs- und Rekorde-Ebene. Wandern ist eben Wandern. Irgendwie unvergleichlich. Deswegen fordere ich ein separate Bücherliste der Bestseller über Wandern. Ach, da wäre mein Buch ja auf Platz Eins. Hurra!!! Wo ist die nächste Kiste Bier?

 



Wandern und Witze

Geschrieben am um 13:42

Kennt ihr den? Zwei ältere Männer gehen miteinander wandern. Sie bekommen mit der Zeit einen richtig großen Hunger. Nach langer Zeit laufen sie an einer Wirtschaft heran. Draussen steht eine Tafel: „Hier essen Sie wie zu Hause.“ Da meint der eine zum anderen: „Komm, wir gehen ein Haus weiter.“

Wer so etwas irre komisch findet, ist genau richtig auf dem Witzweg im Appenzeller Land. Ein Wanderweg mit Tafeln, auf denen an die hundert Witze zu lesen sind.

Wer das nicht so richtig lustig findet, der sollte meine große Witzweg-Reportage im aktuellen WANDERMAGAZIN lesen. Im gleichen Heft findet sich übrigens auch eine noch größere Reportage über meine Wander-Erlebnisse in der belgischen Wallonie. Ein richtiger Geheim-Tipp. Wie bitte? Ach so, ihr wollt noch einen Witz vom Witzweg lesen. Bitte schön:

Was schenkst du denn deiner Frau zum Geburtstag? – Etwas, dass zu ihrem Gesicht passt“ – „Was ist das denn?“ – „Ein Faltenrock“



Kein Traumpfad – leider

Geschrieben am um 20:54

Die Traumpfade an Rhein, Mosel und in der Eifel sind in wenigen Jahren eine überaus erfolgreiche Wandernarke in Deutschland geworden. Super professionelles Marketing, ein unschlagbar guter Internet-Auftritt und natürlich – das A und O: Topwege. Bei dem Traumpfaden hat man wirklich darauf geschaut, dass nur top bewertete Wege zu dem Traumpfaden zählen. Darf man sich normalerweise schon ab 35 Punkte (die das Wanderinstitut vergibt) als Tagestour Premiumweg nennen, muss ein Traumpfad mindestens 50 Punkte erreichen. Das hat nicht das Wanderinstitut entschieden, das ist eine selbst gelegte Latte der Traumpfade-Touristiker.

Nun hat aber die Region Weißenthurm gemault, auch einen Traumpfad haben zu wollen, und man hätte doch diese tollen Streuobstwiesen bei Mülheim-Kärlich.

 

Bingo, schon entstand der Streuobstwiesenweg. Tragisch nur, dass es der Weg in der Zertifizierung “nur” 45 Punkte erreichte. Eigentlich ein ordentliches Ergebnis, ein klarer Premiumweg, aber eben kein Traumpfad. So muss der Streuobstwiesenweg auf der Übersichtskarte der Traumpfade und im Internet-Auftritt ein Schwarzer-Schaf-Aschenputtel-Dasein fristen. Schade. Wenn man den Weg im Frühjahr wandert, kann man solche tolle Blüten sehen:

 

Das ist doch alleine 480 Blütenpunkte wert! Ich frage mich, ist die Blütenpracht überhaupt mitbewertet worden? Nun gut, man sieht des öfteren das alte AKW am Rhein, aber das wird ja bald gesprengt. Und in der Praxis sieht es nun mal so aus, dass der Weg extrem gut von den Wanderern angenommen wird. Ich wanderte dort an einem Mittwoch im April und zählte an einem Nachmittag 89 Wanderer, die mir entgegen kamen. Das ist ein unglaublicher Spitzenwert. Und alle fanden, trotz AKW: Kärlich is herrlich

Deshalb fordere ich: Macht den Streuobstwiesenweg zum Traumpfad. Er hat es verdient!



Mein rechter Fuß

Geschrieben am um 13:04

Vorgestern war ich in Köln beim orthopädischen Schuster meines Vertrauens. Anlass meines Besuchs war das schockierende Erlebnis, als ich Ende März beim Wanderauftakt im Donnersbergkreis von meiner Wanderanamolie erfuhr. Diese traumatische Erfahrung habe ich unter “Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich brach auf der Stelle in Tränen aus” gebloggt. In diesem Zusammenhang herzlichen Glückwunsch an Jochen S. aus Saarbrücken an der Saar, der spontan erkannte, dass die Blogüberschrift dem weltberühmten Grace-Kelly-Song von Die Ärzte entlehnt ist. Jochen S. ist fürstlich für seine Entdeckung entlohnt worden. Apropos Ärzte. Auf deren neuen, sehr schönen CD “auch” outet sich Farin Urlaub als Wanderer, der auf einem Waldspaziergang ein Stück heiliges Holz findet und sich aus diesem einen Gott schnitzt. Ein wunderschöner Song, danke Farin!

Jetzt aber zurück zu meinem rechten Fuß, mit dem ich mal zum “Ortho” sollte, weil ich den so “wegschlenkere” beim Wandern. Thomas (so heißt der orthopädische Schuster meines Vertrauens), Thomas also fragte mich, ob mir denn irgend etwas weh tue. Nöö, habe ich geantwortet. Na, dann ist doch alles prima, dann gehst du eben so, wie du gehst. Da gäbe es, so Thomas, auch wieder tausend Theorien, aber seiner Meinung nach habe der eine Haarausfall, die andere sehr große Brüste, und ich würde eben mit dem rechten Fuß etwas nach außen schlenkern. “Sollen wir das jetzt orthopädisch ändern?” fragte er rhetorisch. Mit dem herumdoktern könnten Probleme und Schmerzen auftauchen, die eigentlich nie ein Thema waren.

Fazit. Ich darf so wandern, wie ich bin. Nicht perfekt, sondern mit dieser leichten Besonderheit, so dass man schon auf ungefähr zwei tausend Metern sieht: schaut Euch das an, da hinten wandert der Andrack.



Letzte Woche bin ich auf dem E8 gewandert

Geschrieben am um 7:46

 

Ich bin ja kein richtiger Fernwanderer, daher bin ich auch nicht die gesamte Strecke gegangen, nur so ein kleines Stück am Niederrhein, im Maas-Schwalm-Nette-Gebiet an der holländischen Grenze. Ich habe sozusagen schon die Nordseeluft riechen können. Die Gegend um Lobberich herum ist ein veritables Freizeitgebiet. Dort kann man schwimmen und angeln, Kanu fahren und Radfahren. Aber was ist das alles gegen eine schöne Partie Miniaturgolf. Ich habe schon oft festgestellt, dass schöne Wanderwege an Fußballfeldern, Kläranlagen und Freibädern vorbei führen. Aber meines Erachtens werden viel zu selten Minigolf-Anlagen passiert

 

Oder täusche ich mich da etwa? Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber die Mischung Premiumweg/Qualitätsweg/Weitwanderweg und Mini-Golfplatz ist eine Rarität. Obwohl es sich bei dem Mini-Golfplatz an der E8 natürlich genau genommen um eine Miniatur-Golfbahn handelt, das sind die mit den Sieben-Meter-Eternit-Bahnen, die man nicht betreten darf. In meiner wild bewegten Jugend war ich einige mal Amateur-Tagesieger auf der Miniaturgolf-Anlage in Dahme/Ostsee. Ach herrje, ist das lange her.

Zurück zum E8. Die Natur am Weg ist spektakulär abwechslungsreich. Auenlandschaften, Seen, Felder, Weidenbäume, kleinen Forstungen, wunderbar. Aber der totale Knaller ist ein Feuchtbiotop am De Wittsee.

 

Erst mal ist es ziemlich FEUCHT dort, (ein ausgedehntes Schilfgebiet), dann total BIO (Super Pflanzen wachsen da: Froschlöffel, Blut-Weiderich, Flatter-Binse, der giftige Hahnenfuss, der bittersüsse Nachtschatten). Und natürlich wäre das Feuchtbiotop kein richtiges Feuchtbiotop, wenn sich nicht haufenweise TOP-Tiere dort pudelwohl fühlen würden. Es quakt, kräht und schnattert dort, dass man halb taub wird. Ein Paradies für Have-a-Break-have-a-Kitkat-Fans…

 



Immer falsch gewandert?

Geschrieben am um 21:53

Manchmal nervt es echt. Man hat einen wunderschöne Wanderung hinter sich, ist von einem Ortskundigen begleitet worden. Man ist voll des Lobes über Aussichten, Wiesengründe, die erlebte Natur im Speziellen und auch im Besonderen. Aber dann kommt das große ABER. “Aber,” sagt dann nämlich der Ortskundige, “aber Sie müssen mal im (wahlweise) April/Mai/Juni/Oktober/Dezember wieder kommen, wenn die (wahlweise) Orchideen, Kirschbäume, Sumpfdotterblumen oder auch einfach das Marzipan blüht. Mensch, denkt man sich dann, was bin ich nur für ein Trottel, dass ich IMMER, aber auch wirklich IMMER zur falschen Jahreszeit auf diesen Wegen unterwegs bin. Aber am 11. APRIL bin ich zur richtigen Zeit gewandert.

 

Streuobstwiesenweg am Rhein in Mülheim-Kärlich. Den Weg sollte man nun wirklich wandern, wenn die Tausenden Obstbäume, Apfel- ,Kirsch-, Holunderbäumen blühen. Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, das nicht wunder- wunderschön zu finden. Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass die Gegend nördlich von Koblenz eine solche Obstgegend ist. Und sie beschäftigt die Menschen – ich sah Obstbauern, die eifrig an den blühenden Bäumen herum schnitten und Zeugs auf die Blüten spritzten. Wahrscheinlich alles total ökologisch, ist doch logisch. Außerdem hat man in dieser Region ein Faible für Weidenbäume und Weiden, blöd nur, wenn der Weidenkorb erstens zu groß geraten ist und zweitens dann auch noch kaputt ist. Kinder, so geht das aber nicht!

 

Man könnte jetzt natürlich denken, Mist, wenn ich zum Streuobstwiesenweg fahre, ist bestimmt  alles verblüht. Aber keine Angst, zur Zeit ist es ja wieder etwas kühler und wechselhaft geworden, die Bäume haben noch nicht ihre volle Blütenpracht erreicht. Lassen Sie alles stehen und liegen und fahren sie nach Mülheim-Kärlich, übrigens auch gut mit dem Bus 357 aus Richtung Neuwied und Koblenz zu erreichen, wochentags halbstündlich angebunden, einfach Kärlich Kirche aussteigen und dann über die Blütenstraße und “Im grünen Meer” (sind das nicht tolle Straßennamen?)zum Streuobstwiesenweg wandern.

 

Alles traumhaft, eigentlich. Aber warum der Streuobstwiesenweg trotzdem kein Traumpfad ist, aber einer sein sollte, dazu bald mehr an gleicher Stelle.

 



Mein schönstes Ostererlebnis

Geschrieben am um 12:05

Kurz bevor ich nach Mainz fahre, eine Auswärtspartie höchst ungewissen Ausgangs, möchte ich schnell mein schönstes Ostererlebnis verkünden. Es hat sich mittlerweile herum gesprochen, dass man als FC-Fan mit tonnenweise schlechten Nachrichten leben muss:

– eine grottenschlechte Rückrunde, Ergebnis: Abstiegsplatz

– seit Monaten kein Präsident, die Nachfolge droht zur großen Schlammschlacht zu eskalieren

– seit Wochen kein Sportdirektor, Nachfolge ungewiss

– Suff-Skandal I, die slowenische Variante: Brecko genehmigt sich einen auf der FC-Karnevalsfeier (wie will man auch sonst einen Karnevalssitzung überleben?) und landet mit seinem Auto im Gleisbett der KVB

– Suff-Skandal II, die polnische Variante: Peszko trinkt nach dem Spiel gegen Bremen einen über den Durst, hat eine kleine Diskussion mit einem Taxifahrer und landet in Polizeigewahrsam

Alle Diskussionen um Solbakken, Wilde Horde, Geromel, Poldi und und und verschweigen wir mal ganz.

Aber dann diese Szene: Ostersamstag, Müngersdorfer Stadion, 15.46 Uhr. das Spiel gegen Bremen läuft seit sechzehn Minuten, es steht 0:0. Da ergreife ich meinen Chance. Denn unserer Ultras, die Wilde Horde, sind verstummt, geben nicht mehr den Ton der Stadion-Gesänge an. Die Gesänge kommen anarchisch aus allen Ecken des Stadions, wunderbar. Auswärts, in St.Pauli, Cottbus, Freiburg, Augsburg, ja auswärts habe ich schon oft die Kurve angesungen. Das war relativ einfach. Um 15.46 Uhr am Ostersamstag stimme ich an : „Denn mer sin kölsche Jonge…“, zwanzig Sekunden später singt das halbe Stadion mit – 25.000 Leute. Ich bin überglücklich. Endlich mal ein positive Nachricht im Zusammenhang mit dem 1.FC Köln!



Kraft-Ei und Schleifer Andreas

Geschrieben am um 17:25

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas. Hier Teil 3 meiner Kletterhallen-Vorbereitung.

Nach der zweiten Kletterstunde war ich in ein einschlägiges Sportgeschäft gegangen, um mir einen Unterarm-Mucki-Fitmacher zuzulegen. Ich stehe staunend vor einem Power-Grip, einem Knetball, und einer Knetmuschel. Ich entscheide mich für ein Kraft-Ei. Grün und weich ist das Ei, erinnert an das Zeug, dass es früher unter dem Namen SLIME zu kaufen gab.

Kletterhalle, die Dritte. Wie bei vielen sportlichen Betätigungen, die man als blutiger Laie beginnt, ist der Anfangserfolg enorm. Ich  schaffe problemlos zusammengerechnet 120 Meter Kletterwand, elfmal steige ich innerhalb einer Stunde hoch. Nach dem zehnten Versuch kann ich eigentlich nicht mehr, aber Schleifer Andreas jagt mich noch mal hoch. “Und jetzt Tempo – eine Gewitterfront zieht auf” ruft er von unten am Sicherungsseil. Ich klettere wie ein Verrückter. Andreas war eben beim Bund Ausbilder für Einzelkämpfer, man muss es ihm also verzeihen, dass er mich so scheucht.

Seit viele Tagen erreichen mich gute Tipps von allen Seiten, die einen sagen, ich solle mir gute Bergstiefel besorgen, die würde ich im Hochgebirge brauchen. Quatsch, sagen die anderen, vielleicht sollte ich nicht gerade mit meinen geliebten Jogging-Schuhen den Watzmann hoch gehen, aber meine normalen leichten Wanderschuhe würden reichen, Bergstiefel seien doch viel zu schwer. Auch Andreas macht mir bei der dritten Kletterstunde Mut. Er habe sich erkundigt, wenn ich den sogenannten Berchtesgardener Weg in der Watzmann-Ostwand steigen würde, wäre das kein Problem für mich. Und auf die Kletterpassage würde er mich vorbereiten. Schön sind auch die vertrauensbildenden Maßnahmen, die ich mit Andreas trainiere: Einfach mal ein Abrutschen simulieren und ins Seil fallen lassen. Wichtig dabei: Finger weg von der Wand. Das kann bei einer Naturwand dazu führen, dass ein Finger im Fels stecken bleibt. Aua.

… und weiter geht es im GEO Special Heft …


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.