Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Steinbachpfad

Geschrieben am um 11:05

Gestern bin ich auf dem Steinbachpfad gewandert. Gefühlt heißt ja jeder zweite Bach in Deutschland Steinbach, liegt ja auch nahe der Name, Steine gibt es in jedem Bach satt. Die andere Hälfte der Bäche heißt übrigens Fischbach. Ich habe bei wikipedia nachgeschaut, Wenn ein Bach Steinbach heißt, dann handelt es sich um ein Hydronym, einen Bachname. Beim Steinbachpfad im Saarland ist es aber komplizierter, denn Steinbach ist in diesem Fall ein Siedlungsname, der Fachmann (und Griechisch-Kenner) sagt: Oikonym. Also, der Steinbachpfad startet im Ort Steinbach in der Nähe von Ottweiler. Zwischen St.Wendel und Neunkirchen. Und für einen vernünftigen Start braucht es einen Einstieg, ein Tor, sonst weiß der Wanderer gar nicht, wo es losgeht.

Im Saarland gibt es an vielen Premiumwegen diese Einstiegstore, es gibt empfindliche Geldstrafen, wenn man nicht durch dieses Tor hindurch startet. Es gibt Wanderer, die finden so etwas albern, ich finde es toll. Man geht ja auch bei einem Haus durch eine Haustür und fühlt sich willkommen, so ist es auch bei den Einstiegstoren der Premiumwege. Sie rufen: „Hallo und Grüß Gott lieber Wanderer, bienvenue, willkommen, welcome auf unserem Wanderweg„. So eine Begrüßung hebt doch direkt die Laune…

Wenige hundert Meter nach dem Einstiegstor ging ich am Steinbacher Fußballplatz vorbei.

Achtet sehr viele Premiumwege streifen Fußballplätze, weil die oft in Ortsrandlage schön gelegen sind. (Für alle Fußballfans: Steinbach spielt Verbandsliga und kickte wenige Stunden nach meiner Wanderung gegen den Spitzen-Club Primstal 2:2)

Dann geht es beim Steinbachpfad highlightmäßig Schlag auf Schlag: Großartige Rundumblicke auf dem Betzelhübel, hinab in ein tolles Kerbtal, runter zur Oster. Na ja, die Durchwanderung des Ostertals ist nicht so der Knaller, man sieht die Straße und hört sie vor allem. Im Ostertal wandert man nicht nur auf dem Steinbachpfad, sondern auch gleichzeitig auf dem Mühlenpfad. Das ist typisch für die vier Premiumwege rund um Hangard (Brunnenpfad, Steinbachpfad, Hangard Schauinsland, Mühlenpfad), sie hängen alle irgendwie zusammen, sind verschränkt und umschlungen.

Dann aber geht es endlich ins Tal des Steinbacher Bachs, ein sehr kurzes Tal.

Dort steht eine SINNENbank in Bergrichtung, gibt den Blick in das steile Kerbtal frei. Etwas ungewöhnlich, sind SINNENbänke gewöhnlich doch eher in Richtung Aussicht gestellt. Find ich aber gut, mal was Neues und optisch absolut SINNvoll und SINNENreich. Oben am Tal steht man überraschend auf dem Dorfspielplatz, wohlgenährte Hähne im Freilaufgehege kamen zur Begrüßung angewackelt. Und auf einer Tafel wird die dramatische Geschichte des Wolkenbruchs vom 4. Juli 1875 nacherzählt. Wiesen waren von Geröllmassen übersät, während der Aufräumarbeiten konsumierten die Steinbacher Bürger 45 Liter Branntwein, für die Kosten kam die Gemeinde auf. Prost auf Steinbach, Prost auf den Steinbacher Bach, Prost auf den Steinbachpfad!!!



Urlaub in der zweiten Liga

Geschrieben am um 13:48

Gerade lese ich im Internet die Ergebnisse des Bundesliga-Nachmittags. Für den FC nicht schön. Hertha und Freiburg haben gewonnen, Augsburg und Kaierslautern immerhin einen Punkt geholt. Die Meute hinter uns rückt näher. Ich habe die Schnauze voll. Egal, wie der FC morgen in Hoffenheim spielt, es wird bis zum 34. Spieltag wieder knüppelharter Abstiegskampf werden. „Saisonübergreifender Abstiegskampf“, wie die FAZ schreibt. Ja, schon seit fast vier Jahren dauert der an, der Abstiegskampf, und wenn wir uns diesmal wieder retten, beginnt er in der nächsten Saison wieder ab dem ersten Spieltag. Ich habe keinen Bock mehr. Ich habe einen Antrag auf einjährigen Urlaub in der zweiten Liga eingelegt. Die Vorteile liegen auf der Hand:

1. Endlich mal wieder oben in der Tabelle stehen
2. Endlich wieder singen können: „Wir steigen auf, wir steigen ab, wir steigen auf, das finden wir lustig, weil wir bescheuert sind“
3. Endlich wieder mit erwartungsvoller Vorfreude ins Stadion gehen und nicht mit vollen Hosen aus Angst vor der nächsten Heimpleite
4. Endlich ein Saison ohne Werksvereine
5. Endlich wieder Auswärtsspiele im Osten: In Dresden, in Cottbus in Aue (in Rostock ja wohl eher nicht)
6. Endlich neue Grounds in Berlin (Eisern Union), Braunschweig, Ingolstadt, Sandhausen, Heidenheim, Aalen
7. Packende Derbys gegen Bochum, Duisburg und Düsseldorf (Mannschaften, die von Kopfstoss-Meier trainiert werden, dürfen nicht aufsteigen)
8. Außerdem kann man Mönchengladbach ärgern, weil man die Ponys um sicher geglaubte sechs Punkte gegen uns bringt.

Wenn wir nicht direkt wieder aufsteigen und ein neuer nicht enden wollende Abstiegskampf einsetzt, macht es natürlich auch in der zweiten Liga keinen Spaß.



Schaumberg Tafeltour

Geschrieben am um 13:45

Heute bin ich die Tafeltour am Schaumberg gewandert. Im Münsterland kennt man den traditionellen Kiepenkerl, eine Art fliegenden Händler. Bei der Wanderung am Schaumberg war ich der Kiepenkerl.

Meine jüngste Tochter wiegt mittlerweile schon so viel wie ein Kasten Bier, das merkt man bergauf schon. Aber das ist ein gutes Training und ihre blendende Laune war Ansporn genug. Ich hatte ja erst ein wenig Angst gehabt, dass es ihr nach einer halben Stunde Kiepe zu langweilig werden könnte, sie war nämlich auch kein Tragetuch-Kind. Aber sie liebte die Ausguckposition und das schaukeln in der Kiepe: Hach, es ist eben MEINE Tochter, ein Wanderkind. Okay, meine Frau hat gerade protestiert: UNSER Wanderkind selbstverständlich.

Der Wanderparkplatz an der Blasiuskapelle, an der wir gestartet waren, wies ein seltsames Zusatzschild auf:

Merkwürdig, merkwürdig, ich dachte bisher immer, Pilger sollten pilgern, nicht parken. Natürlich haben wir auf diesem Parkplatz unsere Stretch-Limo, die vier Parkplätze gleichzeitig belegt, geparkt. Denn wir fühlten uns auf jeden Fall angesprochen durch das Schild, waren wir doch Pilger zum Schaumberg.

Am Schaumberg gibt es viel zu sehen. Zunächst einen Bücherbaum.

Dort kann man Bücher hineinstellen und Bücher hinausnehmen. Die Qualität der hinterlassenen Bücher scheint aber nicht die Qualität der entnommenen zu haben.

Dann sahen wir den Klapperstorchstein.

Wenn Ehepaare nur ein Kind haben, muss die Tochter zweimal um den Stein herumlaufen, und rufen: „Klapperstorch du Guter, bring mir einen Burder“. Wenn es ein Sohn ist, muss dieser sogar dreimal um den Klapperstorchstein kreisen und rufen: “Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester“. Da meine 15 Monate alte Tochter nun mal in der Kiepe saß, befahl sie mir an ihrer Statt um den Stein zu laufen. Ich werde November an gleicher Stelle berichten, ob es geklappt hat.

Auf jeden Fall wurde mir durch die ganze um den Stein-Herumlauferei so kotzschlecht, dass ich debil grinsen und mich an einem dünnen Bäumchen festhalten musste.

Sonne, ich halte Bäumchen fest, es ist ergriffen, ich bin ergriffen

Ach ja, nur mal wegen des Namens Tafeltour Schaumberg und der Kochmütze auf dem Markierungstäfelchen: Es wäre doch ganz schön, wenn es dann auch eine Einkehrmöglichkeit DIREKT am Weg gäbe, wie bei den Tafeltouren in Kirkel oder bald wieder im Saarbrücker Urwald. Tafelfreuden an der Tafeltour, nur mal so‘ne Idee.



Warum Premiumwandern? – Der Idesbachpfad

Geschrieben am um 11:04

Premiumwandern, muss es immer Premiumwandern sein? Das höre ich in letzter Zeit öfter. Um es direkt zu sagen: das ist eine selten dämliche Frage. Natürlich MUSS man nicht Premium wandern, es gibt auch abseits der prämierten Qualitätswege genug wanderbare Wege auf der Welt. Premium ist ganz einfach ein Angebot, ein Angebot für den Wanderer, eine Qualitätsgarantie. Man könnte mit der gleichen Berechtigung fragen, ob es denn immer ein Essen beim Drei-Sterne-Koch sein müsse. Nein, natürlich nicht, aber es ist doch schön, dass es Bewertungen gibt, an denen man sich orientieren kann. Und die dem Wanderer Wege, Regionen, Highlights am Weg zeigen, die er ohne den Premiumwege-Planer vielleicht nicht gesehen hätte.

Beispiel Idesbachpfad:

Heute Nachmittag habe ich den ersten Anflug von Frühling im Saarland genutzt, um auf dem 18 Kilometer langen Premiumweg in der Nähe von Dillingen zu wandern. Ich bin dankbar, dass ich auf einem Premiumweg gewandert bin, hier die Gründe:

1. Ohne die tolle Markierung hätte ich mich mit Sicherheit verlaufen.

2.Ohne die dramaturgisch exzellente Wegführung wäre ich an einer alten Fliehburg vorbeigelaufen…

3…. ich hätte nicht tolle Gräte gesehen und auch noch erfahren, dass Gräte nichts mit fischen zu tun haben, sondern die tief geschnittenen Schluchten im Saarland bezeichnen…

4…. ich wäre am Golfplatz oben in Oberlimberg vorbeigelaufen. Dort oben wohnte mal Oskar Lafontaine, aber der ist jetzt mit seiner neuen Flamme Rosa Luxemburg ein paar Dörfer weiter gezogen. Auf dem Golfplatz grüßte ich auf jeden Fall zwei beleibte Golfspieler, die darf man grüssen. Im Gegensatz zu Mountainbikern.

5…. ich hätte ohne Premiumwegeführung nicht die tollen Ausblicke auf Siersburg und auf Dillingen gehabt. Nun ja, der Blick auf Dillingen war nicht ganz so toll, aber immerhin habe ich den Ausblick beurteilen können, weil der Premiumweg mich dorthin geführt hat.

Und ganz phantastisch fand ich am Idesbachpfad, dass mich die Infotafeln am Wegesrand persönlich angesprochen haben: „Lieber Wanderer, wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“ usw.

Das nenne ich Premium-Wandern. Und das meiste hätte ich nicht mitgekriegt, wenn ich „einfach mal so“ zwischen Siersburg, Oberlimberg und Dillingen gewandert wäre.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.