Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Von „Wanderschweinen“ und einem Schlumpfine-Aufstieg

Geschrieben am um 22:00

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas.

Kletterhalle, die Erste. Ich stehe mit Andreas und zwei Teenies in der Kletterhalle Saarbrücken. Ein Sonntag Mitte Juli, ein regulärer Kletterhalleneinführungskurs. Andreas arbeitet als Heimerzieher und ist ausgewiesener Kenner der Kletterpädagogik. Das merkt man schnell. Die Sicherungsschlinge für den Kletterer wird nach der Regel “Fritz läuft einmal um den Baum herum und springt dann von hinten in den See” gebunden. Die Knoten, die wir üben, sind Old School. Die Doppel-Achter zum Sichern des Kletterers hat schon der alte Luis Trenker gebunden. Andreas sagt: “Der war eigentlich kein guter Kletterer, aber ein gnadenlos guter Selbstvermarkter”.

Andreas war beim Bund, Fallschirmspringer, er hat überlebt. Das heißt, er hat immer viel Wert auf Sicherheit und Materialprüfung gelegt. In der Kletterhalle Saarbrücken, in der früher Karnevalsveranstaltungen stattfanden, ist seit der Eröffnung vor zwei Jahren noch kein Unfall passiert. Andreas stellt direkt klar: Bergsteigen ist nicht Klettern. Der Bergsteiger will auf den Gipfel, egal wie, egal mit welchen Hilfsmitteln, möglichst schnell. Den Kletterer interessiert der Gipfel nicht. Nur die nächste schwierige Wand reizt ihn. Der Kletterer würde am liebsten immer mit dem Auto direkt vor der Felswand parken. Geht das nicht, muss er gar zwei, drei Kilometer zum Felsen seiner Träume gehen, schimpft der Kletterer, man sei doch keiner von den “Wanderschweinen”. Die Kletterer sagen wirklich zu Leuten wie mir “Wanderschweine”! Diese Klettersäue! Dann geht es nach einer Stunde Theorie endlich los. Ich bekomme in Sekundenschnelle heftige Schweißausbrüche, die nicht von der Anstrengung kommen können. Kann das zierliche Mädchen unten am Seil mich überhaupt halten? Ich werde hektisch. Schürfe mir das Knie ab. Ich erinnere mich, dass man möglichst nicht mit kurzen Hosen klettern sollte, vor allem nicht als Anfänger.

Zweiter Kletterversuch. Ich merke schon bald, wie die Unterarme “zu machen”. Andreas hatte mich gewarnt, Kraft in den Unterarmen müsse ich mir antrainieren. Es kämen Body-Builder zu ihm in die Kletterhalle, die hätten tausend Volt im Oberarm, aber nichts in den Unterarmen. Pah, ich schleppe seit sieben Monaten den halben Tag ein Baby auf den Armen herum, das wird ja wohl reichen. Falsch, Babytragen bringt es nicht. Und ich weiß, warum alle wollten, dass ich ordentlich in der Kletterhalle übe. Wenn mir das nach 1.700 Höhenmetern am Watzmann passiert, dass meine Unterarme ihren Dienst versagen, dann habe ich ein Problem. Die muss ich noch ordentlich trainieren, die Unterarmmuskeln. Die haben natürlich auch mein Schlachtgewicht von 93 Kilogramm zu tragen. Abnehmen wäre auch eine Option. Aber richtiger Gewichtsverlust geht nur mit brachialem Fasten, dann bin ich am Watzmann womöglich noch geschwächt. Fasten-Option ist gestrichen.

Dritte Kletterwand. Bisher bin ich Smarties geklettert, so heißt das, wenn die Anfänger jede Möglichkeit mit Händen und Füssen ergreifen, hoch zu kommen. Eigentlich sollte man nur die grünen, oder die roten oder die grauen Knubbel benutzen, um  nach oben zu kommen. Bei diesem dritten Mal nehme ich mir vor, AUSSCHLIESSLICH die blauen Knubbel zu nehmen.

Das ist der einfachste Weg überhaupt, Schwierigkeitsgrad 3+ (es geht bis Schwierigkeitsgrad 10). Der Aufstieg hat den Namen “Schlumpfine”. Ich scheitere jämmerlich, stürze ab, muss doch wieder auf andersfarbige Knubbel zurückgreifen. Ist das peinlich. Der Schlumpfine-Aufstieg war zu schwer für mich!

… übermorgen geht es weiter…

 



Highlights auf dem Pfälzer Höhenweg – Teil 3

Geschrieben am um 8:38

Frühjahrszeit, Krötenwanderung-Zeit. Kennt man ja. Ich hatte schon viel über Krötenwanderungen gehört, nun wurde ich auf dem Pfälzer Höhenweg Zeuge, wie so etwas vor sich geht. Drei, vier Kröten krabbelten über den breiten Wanderweg, und kopulierten dabei, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine veritable Swinger-Party auf dem Pfälzer Höhenweg! Ich persönlich finde es bedenklich und jugendgefährdend, was Kröten unter “Wandern” verstehen. Wenn sich diese Begriffsverirrung auch bei den Menschen durchsetzt, wird der Satz: “Schatz, ich gehe jetzt Wandern” leicht missverständlich.

 

 

Der Mann, der sich auf den Wanderweg warf um die Kröten zu filmen, ist Kameramann beim SWR.

 

 

Dieser Sender zeigte am Montagabend einen heißen und schmutzigen Film über Krötenwanderungen. Bitte? Ach, doch nicht, sorry. Nein, eigentlich drehte der SWR einen Film über den Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg (Zu sehen in der Mediathek des SWR). Alle Wanderer wurden nach ihren Wanderfrühlingsgefühlen befragt. Um die Wandergruppe schön ins Bild zu bringen, wurden die Leute vom SWR manchmal ungemütlich und scheuten sich auch nicht davor, teilweise unseren Wanderführer, den großartigen O. Denzer, zu entmachten. “Stop!”, “Halt”, “Jetzt bitte”, so hallten die Kommandos wie in Hollywood durch den Wald, denn so ein Kameramann geht nicht nur vor Kröten in die Knie, sondern braucht für die schönsten Kamera-Einstellungen jede Menge Zeit. So ging natürlich der Wanderfluss der Truppe verloren. Kommentar einer Mitwandererin: “Echt nevvisch!”

 



Immer wieder Sonntags…

Geschrieben am um 7:20

Letzen Sonntag war ich in der Nord-Pfalz unterwegs, beim Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg. Aus allen Himmelsrichtungen waren Wandertouren angeboten worden, ich war in Winnweiler losgewandert. Alle Wandergruppen trafen sich nachmittags in Dannenfels, in der Gemeindehalle, auch als Turnhalle genutzt. Dort gab es deftige pfälzische Küche, der brandneue Pfälzer Wanderwein wurde von Weinkönigin Anna der Einzigen präsentiert und Karl Koppold spielte an der Hammond-Orgel

 

 

Ich stelle mir Allein-Unterhalter immer als Mittfünfziger mit Schnauzbart vor, schlechte Haut vom Rauchen, Saufen und dem Schlafentzug, Frisur Mini-Pli. Es geht auch anders: Karl Koppold (Koppold ist die pfälzische Sprach-Version von “Kobold”) in mintgrünem Anzug griff in die Tasten mit schmachtendem Blick und beherzter Stimme, so dass der Saal bebte, schunkelte und mitsang. Zum Beispiel “Immer wieder Sonntags…“ von Cindy und Bert, obwohl die aus dem Saarland kommen.

 

Jetzt aber erst einmal ein fescher Gruß: WALD HEIL!

 

 

Nach Ski, Berg und Sieg jetzt eben auch: Wald Heil – warum nicht. Wir lasen dieses Motto über der PWV-Hütte Imsbach.(für Nicht–Eingeweihte, PWV = Pfälzer Waldverein). Diese (die Hütte) hat regulär erst ab Ostermontag geöffnet, aber der PWV-Ortsgruppen-Leiter hatte schon mal einen Lage Schnaps spendiert. Und die Aussicht von der Kupferberghütte auf die tolle Gegend um  Winnweiler herum ist sensationell. Ich konnte an der Hütte und in der Hütte kein WC finden, also versuchte ich mich in die Büsche zu schlagen, was angesichts der zur Zeit doch äußerst blattlosen Bäume nicht ganz so einfach war. Doch da entdeckte ich doch noch das grün gestrichene Toiletten-Gebäude. Kein Unisex-Lokus, sondern klar getrennt nach Mudder und Vadder. Pipi Heil!

 



Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus – Ich brach auf der Stelle in Tränen aus…

Geschrieben am um 8:30

Was ist geschehen? Etwas Furchtbares, Schreckliches, Monströses ist geschehen: Ich bin eine Wanderniete. Am Sonntag war ich beim sogenannten Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg dabei. 16 Kilometer von Winnweiler nach Dannenfels. Alles war super: Der Weg, die Aussichten, das Wetter, die Mitwanderer. Wir hatten über die Hälfte der Etappe zurückgelegt, ich hatte mich den ganzen Tag immer mal wieder mit Annegret (Name von der Redaktion geändert) aus Landau in der Südpfalz unterhalten.

 

Plötzlich stutze Annegret, schaute auf meinen rechten Fuß, hier im Bild:

 

 

Annegret schaute skeptisch, sie schaute entsetzt und konstatierte: “Sie laufen krumm, der rechte Fuß wird beim Wandern höher als der linke gezogen und schlenkert nach außen. Ich sehe das, ich arbeite im Krankenhaus in der Ortho – der Orthopädie.” Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen. Aber nach dieser Ansage war ich sprachlos. Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich hatte immer gedacht, ich wäre ein Top-Wanderer, ich bin 82 Kilometer am Stück gewandert, ich habe die Watzmann-Ostwand durchstiegen, ich bin durch die Sahara gewandert. Und jetzt wird mir eine Art Wanderbehinderung unterstellt? Andrack der hinkende Wanderpapst? Ich höre es schon tuscheln: “Ja klar, links wandert er wie der Teufel, aber was macht er  da nur mit dem rechten Bein?” Muss ich jetzt alle Wandertitel zurückgeben, bekomme ich schon meinen Wander-Ehrensold, soll ich abdanken? Ich muss schleunigst zu Dr.Junker, meinem Ortho(päden) in Saarbrücken, ich brauche Klarheit. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Oder vielmehr, äh,  nicht auf dem Laufenden, sondern auf dem Hinkenden…

Für heute bin ich mental zu geschwächt, weiter zu schreiben. In den nächsten Tagen gibt es weitere Highlights vom Wanderauftakt in der Nord-Pfalz



Der Nette-Schiefer Pfad, ein netter Traumpfad? – Teil 1: Die Stärken

Geschrieben am um 12:54

Von Rainer Brämer habe ich gelernt, dass ein Premiumwege-Scout eine ordentliche Stärken/Schwäche-Analyse vornehmen muss, um die Chancen auf eine Premium-Zertifizierung beurteilen zu können. Ich bin nun den Nette-Schiefer-Pfad in der Nähe von Mayen in der Osteifel gewandert. Was wollt Ihr zuerst hören, die guten oder die schlechten Nachrichten? Bitte? Okay, zuerst die Stärken…

Ganz stark…

… sind die meisten Pfade. Das ist ganz großes Kino, das rheinische Schiefergebirge zeigt sich von seiner attraktivsten Seite. Ein paar Mal hat man ein regelrechtes Achterbahn-Feeling, wenn man einen Bergsporn entlangeht und sich fragt, ob einen nun bald der gähnende Abgrund erwartet – aber im letzten Moment wird dann doch noch ein Pfad abwärts sichtbar.

Ganz stark…

… sind auch die Infotafeln am Wegesrand. Da hat sich ein Bürger von Trimbs, dem Start- und Zielort des Traumpfads, so richtig Mühe gemacht: Vorbildlich. Man erfährt eine Menge, zum Beispiel über eine in Stein gehauene Treppe, die schon 3.000 bis 3.500 Jahre alt sein soll. Sagt einer, der es wissen muss…

Ganz stark…

… sind die Blicke ins Nette-Tal, oft schön frei geschnitten, vor allem zum spektakulären Eisenbahnviadukt

Ganz stark…

… sind auch die sehr – bitte verzeiht den billigen Kalauer – netten Pfade unten an der Nette. Großartig, sehr stimmungsvoll.

Nun könnte man also, wenn man sich nur die Stärken anschaut, meinen, dass die stolzen 70 Punkte, die das Deutsche Wanderinstitut für diesen Weg vergibt, voll in Ordnung wären. Aaaaber, es gibt wirklich fundmentalen Schwächen des Nette-Schiefer-Pfades, die einen überaus faden Beigeschmack nach dem Wanderlebnis hinterlassen. Dazu übermorgen mehr…



Klein aber oho – Der Druidenpfad

Geschrieben am um 11:04

Letzten Sonntag war ich auf dem Druidenpfad unterwegs. In der Nähe von Niedaltdorf in Westen des Saarlands. Im westlichsten Westen des Saarlands. Das heißt, die Hälfte des Wegs verläuft direkt an der französischen Grenze. Daher kann man auch immer wieder Grenzsteine erkennen, die 1830 in wilden Zeiten der Revolution errichtet wurden. Zweimal haben seitdem unsere deutschen Vorfahren diese Grenze sehr gewaltsam  verschoben. Genutzt hat es gar nix, jetzt ist die Grenze wieder dort, wo sie eben auch 1830 stand.

 

 

Wer die Gelegenheit hat, sollte möglichst noch im März den Druidenpfad wandern. Zur Zeit finden sich dort die herrlichsten Bärlauch-Felder. Das wäre etwas für den Druiden Miraculix gewesen. Wir haben daheim sofort einen tödlich leckeren Bärlauchquark als Zaubertrank-Ersatz angerichtet. Mjam, mjam, mjam, das sagt man wohl in diesem Fall.

 

 

Zur Zeit tobt der Wahlkampf im Saarland. Ich bin noch komplett unentschieden, welcher Partei ich meine Zustimmung geben soll: Der Heiko wäre langsam mal dran, der Oskar vielleicht mal wieder dran, s’Annegret scheint Ministerpräsidentin zu können. Oder sollte ich mal wieder Grün wählen? Oder sollte ich Welpenschutz für bedrohte Parteien praktizieren und der FPD mein Kreuzchen schenken? Oder vielleicht probiere ich es mit den total internet-und-blog-affinen Piraten? Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nur, dass die CDU – noch zu Zeiten der absoluten Mehrheit – an der Nied eine Wanderhütte renoviert hat. Tolle Sache, aber ob mich das in meiner Wahlentscheidung beeinflussen wird?

 

 

Der Druidenpfad ist ein unterhaltsame, abwechslungsreiche, familienfreundliche Mini-Wander-Runde. Echt kurz, genau sechs Kilometer. Lohnt sich das denn? Ist das überhaupt noch eine Wanderung? Die einen sagen so, die anderen so. Ich finde, es lohnt auf jeden Fall. Der Trend geht eindeutig zu immer kürzeren Wanderrunden, viele, auch viele Viel-Wanderer, empfinden schon Wege über zehn Kilometer – zumal Premiumwege mit ihren vielen Steigungen – oft als zu anstrengend. Lieber mal ne kuschelige Halbtagestour, dann eine schöne Einkehr: Wunderbar! Wie zum Beispiel auf dem Druidenpfad.

 



Rote Karte für Poldi

Geschrieben am um 17:49

Poldi hat am letzten Samstag gegen Hertha eine rote Karte bekommen. Die ungerechteste Rote aller Zeiten. Kobiashvili nimmt Poldi in den Klammergriff, der befreit sich, in dem er nach unten wegtaucht. Der Schiri gibt zu, er habe nichts gesehen, aber sein Assistent, der habe irgendwas gesehen. Dafür gibt es also schon Rot, für “irgendwas sehen“. Nun ist das Strafmaß für Poldi festgesetzt: ein Spiel Sperre. Eigentlich ist dieses Strafmaß schon das Eingeständnis, dass da nix war. Aber ein Spiel Sperre muss ja beim DFB immer sein, um die Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter zu schützen. So ein Quatsch! Warum übergeht dann der Kontrollausschuss des DFB regelmäßig die Tatsachenentscheidungen seiner Schiedsrichter und leitet Ermittlungsverfahren aufgrund von Fernsehbildern ein, wie jüngst gegen Pizarro wegen einer Ohrfeige? Warum kann der gleiche Kontrollausschuss dann nicht auch aufgrund von Fernsehbildern ein Ermittlungsverfahren PRO Poldi einleiten und keine Sperre verhängen? Mal prinzipiell gefragt: Wer kontrolliert eigentlich den Kontrollausschuss?



Felsenweg, die Zweite

Geschrieben am um 9:27

Nachdem vorgestern so viel Negatives über den Felsenweg im Nord-Saarland zu lesen war, heute ein Bilderreigen, warum man es toll ist, dort zu wandern. Geradezu paradiesisch, wandert man doch durch das Paradies auf Erden

Und paradiesisch war auch schon die Parkmöglichkeit am Starttor des Felsenwegs

Ich war versucht, dort mein Automobil zu parken, wurde meine Wenigkeit doch in dem einen oder anderen Presse-Erzeugnis schon als “Wanderpapst” bezeichnet. Habe dann doch aber nicht dort geparkt, das wäre Amtsanmassung gewesen.

Paradiesisch auch die Nordtangente des Felsenwegs auf dem alten Grenzweg zwischen Lothringen und Kurtrier, heute die Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz.

Ebenso paradiesisch ist jenes kuriose Wandermöbel, keine Sinnenbank, sondern eine sinnliche Hollwood-Schaukel. Großartig!

Ob allerdings alle Enthaupteten an der Gesteinsgruppe, an der die alten Kelten Menschenopfer durchführten, auch ins Paradies gekommen sind, ist leider nicht überliefert.

Fest steht auf jeden Fall, dass eine bestimmte Dame paradiesische Gefühle gehabt hatte, als sie sich am Felsenweg ihres Büstenhalters entledigte. Der Felsenweg, ein paradiesisches Wandervergnügen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Scharlatan.



Felsenweg, die Erste

Geschrieben am um 8:06

Endlich, endlich bin ich den Felsenweg gewandert. Peinlich genug, dass ich jetzt schon seit fast vier Jahren im Saarland lebe, und noch DEN Felsenweg gelaufen bin. Mythisch, weil Schönster Wanderweg des Jahres 2005. Mythisch, weil der schönste Wanderweg überhaupt. Mythisch, weil der Urgedanke der Premiumwege Realität wurde.

Jetzt kommt die Wanderkritik: Felsen gibt es schon mal satt. Hier der Teufelsfelsen:

Deutlich erkennt man die verzerrten Teufelsfratzen, vier an der Zahl. Felsen gibt es auf dem ersten zwei Dritteln reichlich, irgendwo her muss der Weg ja seinen Namen haben. Das muss 2005 eine Sensation gewesen sein: Diese Felsen, diese Wegdramaturgie, diese vielen schmalen Pfade. 2012 hat die Einzigartigkeit des Felsenwegs fast vollkommen der Saar-Hunsrück-Steig aufgesaugt. Auf der Etappe zwischen Weiskirchen und Losheim am See verläuft der SH-Steig (wie er von Kennern zärtlich genannt wird) ganze ACHT Kilometer parallel zum Felsenweg.

Das ist ja prinzipiell okay, dass sich der Weitwanderweg auf die Wegeführung der Ein-Tages-Tour drauf setzt. Aber es nimmt dem Felsenweg doch Einiges. Zumal: Nachdem der Felsenweg nicht mehr parralele zum SH-Steig verläuft, auf den letzten fünf Kilometern wieder zurück nach Waldhölzbach, passiert in Sachen Naturhighlights – gar nichts mehr. Wenn man nicht die Dreisprung-Grube am Barfusspfad des Waldhölzbacher Parks als Highlight bezeichnen will.

Und wo ich schon mal am Nörgeln bin: Auf den letzten sechs Kilometern geht man viel auf Asphalt, sieht viel Asphalt, hört man viele Autos. Dass dann hinter Scheiden ein wenig getrickst wird, und der eigentliche Wanderweg auf einem Pfad neben dem Asphaltweg markiert ist (das gibt natürlich Pfad-Plus-Punkte vom Zertifizierer!) hilft auch nicht viel.

Fazit: ich war enttäuscht vom Felsenweg, von einem “Schönsten Wanderweg Deutschlands” hatte ich mehr erwartet. Lag es an meiner zu hohen Erwartungshaltung? Ich weiß es nicht. Zu viel genörgelt? Kann sein. Daher übermorgen als Ausgleich ein Report, wie toll, geradezu paradiesisch es ist, auf dem Felsenweg zu wandern.



Magath im ICE

Geschrieben am um 13:48

Heute ein Blogeintrag der Sorte Promi-Spotting. Mittags, gegen 12.00 Uhr, im Bord-Restaurant des ICE von München nach Berlin zwischen Göttingen und Hildesheim. Schräg mir gegenüber sitzt Felix Magath. Vor ihm die neueste Ausgabe des GEO (Titelstory: „Aus Fehlern lernen – der wert falscher Entscheidungen“) und die Wirtschaftswoche (Titelstory: „Hält der Immobilienboom“) Er spielt mit seinem Schlüssel, anscheinend fährt er keinen VW. Er trinkt erst Holunder-Bionade, später ein Adelholzer Sprudelwasser, keinen grünen Tee.

Was macht Felix Magath an einem Dienstag Mittag im ICE? War er auf Heimaturlaub bei seiner Familie in München? Hat er noch die Montagabend-Partie 1860 gegen St.Pauli auf der Suche nach neuen Spielern geschaut? Ha, ha, Klischee, Klischee, Magath immer auf der Suche nach neuen Spielern obwohl er schon ungefähr fünfundfünfzig im Kader hat, ha, ha. Ist aber gar kein Klischee, denn er telefoniert viel, und ruft auch einen Mister X an. Erst fragt Magath Mister X „Wie geht‘s?“. Das ist doch mal eine sehr freundliche, am zutiefst menschlichen interessierte Frage, passt gar nicht zum angeblich gefühlskalten Menschenverachter Magath. Dann die entscheidende Frage: „Schaffen Sie es, morgen nach Bologna zu fahren?“ Das ist doch mal eine Magath-Frage. Mich hat noch nie einer gefragt, ob ich „morgen“ Zeit hätte, nach Bologna zu fahren. Hätte ich im Übrigen auch nicht. Wahrscheinlich ist Mister X Spielerbeobachter und soll eine Granate in Diensten von Bologna beobachten. Der nächste Transfer von Spieler Nummer sechsundfünfzig bahnt sich da an, mittags um 12.00 im ICE-Bordrestaurant.
Nach dem Telefonat zahlt Magath und wünscht mir noch einen „Guten Appetit“. dann muss er in Braunschweig aus- und umsteigen, denn unser ICE hält leider – planmäßig versteht sich – nicht in Wolfsburg.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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