Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Was so alles an den Bäumen hängt …

Geschrieben am um 9:56

Früher, als die gute Zeit noch alt war oder die alte Zeit noch gut war oder wie man das nennt, früher also, da war alles so einfach. An den Bäumen da hingen Äste und Zweige und an diesen wiederum hingen Blätter, Blüten, Äpfel, Walnüsse und so weiter. Aber die guten alten Zeiten waren manchmal auch sehr unlustig, denn ab und zu hing auch ein Galgenstrick am Baum, aber nur manchmal.

 

Es ist nur äußerst befremdlich, was ich in den letzten Jahren auf meinen Wanderungen an Bäumen in Augenhöhe hängen sah:

 

Ein BH, eine Brille, ein Kleid. Eigentlich eine klassische Reihenfolge eines gekonnt hingelegten Stripteases. Befremdlich nur, dass die Fundorte im Saarland, im Bergischen Land und in Katalonien zu finden sind. Eine lange Strecke für eine kleine exhibitionistische Nummer! Es muss sich also um Wanderer handeln, die sozusagen teil-exhibitionistisch veranlagt sind. Nun ja, jeder nach seiner Facon, wie meine Mutter immer sagt…



Die Erfindung der Currywurst und eine sensationelle Bahnhofsgaststätte

Geschrieben am um 7:24

Zuletzt wanderte ich in XY. Wo XY liegt, will ich in diesem Fall mal verschweigen, weil es einfach besser für den Ort ist, denn es ist nun mal nicht der schönste Ort der Welt. Wie das Schicksal es wollte, musste ich dann auch noch durch das Industriegebiet von XY wandern, man kann sich manchmal die Routen nicht aussuchen. Auf jeden Fall sah ich im Industriegebiet von XY die Bratwurstarena, die mit einer sensationellen Weltneuigkeit warb:

 

 

Das muss man sich mal vorstellen, völlig verrückte Geschichte: Curry-Wurst!!! Und dann auch noch mit Pommes!!!! Ganz neu !!!!! Irre, total crazy.

Da mir das alles zu modern war, habe ich lieber in einer der schönsten (und das meine ich jetzt völlig ironiefrei) Bahnhofsgaststätten Deutschlands einen Tee getrunken und ein Stück Apfelkuchen gegessen.

 

 

In Altenbeken gibt es noch ein richtiges Bahnhofsrestaurant, ein gigantischer Ort, völlig aus der Zeit gefallen. Der Paketbote kam rein und der Wirt rief: “Mama, mach mal nen’ Kaffee”. Und das tat die Mama dann auch. Und der Paketbote setzte sich gemütlich hin und trank erst mal ein Viertel Stündchen genüsslich ‘ne Tasse Kaffee und schnackte ein bisschen mit dem Wirt und seiner Mama. Es ging um das Thema Krankheiten. Der Wirt meinte, vom Krankwerden halte er gar nichts, da nütze ihm die schönste Krankheit nichts. Und überhaupt: Wenn er mal krank würde, so richtig krank, wer soll denn dann den ganzen Bahnhof schmeißen? Nein, nein, so eine Krankheit könne er sich nicht erlauben.

Dann ging der Postbote, ich trank meinen Tee aus, und fuhr mit dem Zug Richtung Kassel. Aber eigentlich wäre ich gerne den Rest meines Lebens in der Bahnhofsgaststätte von Altenbeken geblieben und hätte bei einer Tasse Tee dem Wirt und seiner Mutter gelauscht. In diesem Sinne: Ein frohes Fest!



Noch eine Stunde und elf Minuten bis Llafranc

Geschrieben am um 10:21

Ich bin an der Costa Brava gewandert und sah dieses Hinweisschild:

 

 

Interessant, dachte ich, die Wander-Entfernung wird also in Katalonistan in Zeit und nicht in Kilometern angegeben. So wie zum Beispiel generell in der Schweiz. Aber, jetzt mal ehrlich, war der katalenesische Wegezeitenausmesser besoffen oder Karnevalist? Eine Stunde und elf Minuten, ist das so sicher, dass man GENAU so lange nach Llafranc wandert? Ich weiß nicht. Die spinnen, die Kataloniker!

Wo wir schon bei merkwürdigen Schildern sind. Dieses hier sah ich am Eggegebirge in Bad Driburg:

 

 

Ein Arboretum, so, so, die feinen Bad Driburger machen es wohl nicht darunter. Früher hieß so was Waldlehrpfad, aber “Arboretum”? Da braucht man ja das extrem große Latinum, um das zu kapieren, mindestens. Da ist mir doch die erdige Eifeler Mentalität am liebsten wie auf diesem Schild, gesichtet in Vicht bei Stolberg in der Nordeifel:

 

 

Der Vfb Vichttal 08 hat eben ein Herz für Frauen. Während die männlichen Fußball-Fans 5 Euro zu den Spielen des Landesligisten zahlen müssen, werden Frauen nur mit 3 Euro belastet. Genauso wie Rentner und Studenten. Ich frage mich nur Und wie viel müssen denn RentnerINNNEN und StudentINNEN zahlen? Einen Euro? Gar nix? Ich bitte um Aufklärung.



Wer viel wandert so manche Meile…

Geschrieben am um 14:17

 

“Wer viel wandert so manche Meile, Gott schuf die Zeit und nicht die Eile” – diesen Sinnspruch, den ich auf einem Wanderweg an der Urft in der Nähe von Kall in der Eifel fand, den fand ich zunächst ganz toll und wollte ihn mir schon auf den Rücken tätowieren. Doch dann las ich ihn noch mal und noch mal und noch mal und kapierte immer weniger. Muss es nach „Wer viel wandert so manche Meile…“ nicht mit einem Relativsatz oder wie das grammatikalisch korrekt heißt, weitergehen? So nach dem Motto: „Wer viel wandert so manche Meile, der läuft sich Blasen und braucht ‘ne Feile.“ Dann kommt aber plötzlich Gott ins Spiel, und auch noch die Zeit. Hm. Ein Sinnspruch für Mystiker, Esoteriker und Philosophen, ich kapiere ihn nicht.

Wenig später, auf dem neu gepimpten und sehr empfehlenswerten Römerkanal-Wanderweg, sah ich dieses Schilder-Wirrwarr.

 

 

Da wird dem Wanderer also die Entfernung nach unter anderem Venedig, Istanbul und Johannisburg angezeigt. Gut und schön, das zu wissen, aber wie weit – fragt man sich – ist es eigentlich genau nach Nettersheim?

Aber dann sah ich oberhalb der Burg Dalbenden ein Stück Römerkanal, denn ohne Römerkanal wäre der Römerkanal-Wanderweg ein etwas mickriger Römerkanal-Wanderweg.

 

 

Man sieht: Ein toller Aufschluß gibt Aufschluß über die erfindungsreiche Bauweise der römischen Top-Ingenieure.

Und zur Erholung vom Volkshochschulkurs “Römerkanalistik” spielte ich mit drei Mitspielern und vier Bällen Tischtennis Furioso. Denn merke: „Wer viel wandert so manche Meile, der sieht sehr merkwürdige Tischtennisplatten“! Das reimt sich nicht, ich weiß, aber so ist sie eben, die moderne Lyrik!

 



Baby-Wald

Geschrieben am um 6:05

 

Man sieht doch bei Wanderungen immer etwas Neues. Jüngst wanderte ich im Sauerland und kam an einem Baby-Wald vorbei. Na nu dachte ich zunächst, ich wusste eigentlich, dass die Klapperstorch-Nummer nicht stimmen kann, aber seit wann wachsen Babys im Wald? Oder ist es eher umgekehrt, dass das eine Art sauerländische Babyklappe ist. Rein innen Wald, ferttich, woll! Nein, um Gottes willen, in einem Baby-Wald werden unter dem Motto “Wir werden alle groß” für jedes Kind der Gemeinde ein Baum gepflanzt. Die Kinder werden hoffentlich nicht nur groß, sondern auch alt, jedes zweite statistisch gesehen über 100 Jahre alt. Aber was ist denn mit den Bäumen, wenn sie hundert Jahre alt sind…

 

 

 

Wenn man die Setzlinge so sieht, wie sie in Reih und Glied nah beieinander stehen, da wird es aber irgendwann echt eng, in dem Baby-Wald. Spätestens um den 50. Geburtstag herum beginnt, wie der Förster weiß, für jeden Baum ein unbarmherziger Kampf um Sonne und Waldboden, und nur der Stärkste gewinnt. Wie bei den Menschen eben. Und welche Phantasie die Eltern bei der Vornamensfindung haben…

 

 

Ich wünsche Carlotta Malin schon mal alles Gute für ihren nächsten Geburtstag, man sollte ihr nur irgendwann sagen, dass am 30. Mai der Weltuntergang stattfindet…



Wanderführer Martin

Geschrieben am um 15:43

 

Der Mann rechts im Bild, das ist der Martin. Der Martin ist Wanderführer, hauptberuflicher Wanderführer. Er lebt und arbeitet an der Costa Brava und führt von seinem Stützpunkt Playa de Aro aus Wanderungen. Martin ist wirklich ein feiner Kerl, immer freundlich, immer gut drauf, kann viel Wissenswertes am Wegesrand interessant erzählen. Wenn der Martin mal provozieren möchte, dann setzt er für alle saarländischen Wanderfreunde seine Kappe aus der Pfalz auf.

 

 

Der Martin hat aber auch, das muss man ganz klar sagen, eine Macke. Ich meine jetzt nicht, dass er Fan von Schalke 04 ist, das ist zwar eigentlich nicht verzeihbar für einen Münsteraner, wie es Martin einer ist. Nein, Martins Manie ist es, sich pausenlos während der Wanderung umzuziehen.

 

 

Bei jeder Pause, wenn er sich leicht verschwitzt fühlt, wechselt er sein T-Shirt. Dafür hat er extra einen großen Rucksack dabei, in dem er gefühlt zehn frische und irgendwann dann auch nicht mehr so frische T-Shirts mit sich herum schleppt. Nun ja, was man neidlos anerkennen muss: er kann es sich figurenmäßig auch leisten, sich so oft umzuziehen…

 

 

Ich freu mich schon auf die nächste Wandertour im Oktober 2013 mit Martin an der Costa Brava. Am meisten bin ich gespannt, ob er ein paar neue T-Shirt-Modelle vorführen wird.



Goldener Oktober Mitte November

Geschrieben am um 20:48

Wahnsinn, wer hätte das nach dem arktischen Zähneklapper-Intermezzo Ende Oktober gedacht? Der Herbst ist da, richtiger Indian Summer, ein goldener Oktober Mitte November! Schluss mit der “Och-wie-blöd-schon-Winter”-Jammerei, jetzt wird herbstlich gewandert!

 

 

Ich habe meinen Wanderrucksack geschultert, den kleinen grünen, den ich immer trage, schon seit Jahren, und wandere im goldenen November im Sauerland, woll, und erblasse vor Neid wegen meines Allerweltsrucksacks. Denn ich sehe auf dem Sauerländer Höhenflug ein älteres Ehepaar vor mir, die rucksacktechnisch perfekt harmonieren.

 

 

Eine rot-grüne Rucksackkoalition, passend zum herbstlichen Farbenspektrum. Das nenne ich mal Partnerlook, nicht im stumpfen Gleichklang gekleidet, sondern in den Komplementär-Farbkasten gegriffen, Chapeau!

Und zum Abschluss meiner Wander-Tour auf dem Sauerländer Höhenflug gibt es noch ein Burgen-Aha-Erlebnis der Sonderklasse, vergleichbar nur mit dem Burgen-Aha-Erlebnis im Eltztal im Angesicht der Burg Eltz: Der herbstliche Blick auf die Burg Altena.

 

 

Wer die Möglichkeit hat, in diesen Tagen zu wandern sollte das tun, es lohnt sich sehr!



Überraschungen an der Costa Brava

Geschrieben am um 11:40

Wenn in Deutschland die Blätter fallen, die Temperaturen ungemütlich werden und die Wandersaison sich so langsam dem Ende zuneigt, kann man ja immer noch in andere, wärmere Gebiete flüchten, um Schusters Rappen die Sporen zu zeigen. So verschlug es mich Ende Oktober an die Costa Brava, die seit Jahrzehnten unter dem schlechten Image von Bettenburgen wie Lloret de Mar und Salou leidet.

Allerdings, Surprise, Surprise – wenn es anders wäre, wäre es ja auch langweilig – es gibt wirklich traumhafte Buchten und Steilküsten an der Costa Brava, wie dieses kleine, kuschelige Fischerdorf, mittlerweile zwar ohne Fischer, dafür mit jeder Menge bunter Türen

 

 

Man muss allerdings an dieser Küste aufpassen, denn der “Maler” Salvador Dali hat in dieser Region sein Unwesen getrieben. Ich gebe es zu, ich bin kein großer Fan seiner “Kunst”, seine Form des Surrealismus ist der größte denkbare Kitsch. Trotzdem schön, dass Dali sich auch um den Expressionismus verdient gemacht hat, denn wie soll man sonst die Türstellung in der sogenannten Dali-Baracke deuten? Da fühlt man sich doch direkt in einen expressionistischen Film à la “Noseferatu” zurückversetzt.

 

 

Ich war so angetan vom Wandern an der Costa Brava, dass ich für die ganze Wandergruppe, mit der ich unterwegs war (dazu später mehr) eine sehr lässige, gewagte, irgendwie aufreizende Pose einnahm.

 

 

Wie erotisch aufgeladen diese Costa Brava ist, wurde mir klar, als ich ein Haus am Meer sah, ein rosa Haus, ein Casa Rosa sozusagen, und mir unser Wanderführer Martin erzählte, auf der Terrasse dieses Casa Rosa seien “früher” Pornos gedreht war.

 

 

Welchen Tick Wanderführer Martin mit den heißen Infos hat, werde ich in den nächsten Wochen mal verraten.



Germania Nahe Drosselgasse

Geschrieben am um 6:56

Zum zweiten Mal in meinem Wanderleben habe ich eine Rheinsteig-Etappe in Rüdesheim begonnen. Das scheint ein Fehler zu sein, die Etappen in Rüdesheim zu beginnen und nicht enden zu lassen, denn ich hörte Wunderdinge – man zwitscherte/twitterte es mir sozusagen – von der Geselligkeit in der Drosselgasse, world wide famous.

 

 

Ich muss endlich mal auch einen Wandertag in der Drosselgasse beenden, man kann dort, hörte ich, jede Menge Spass haben. War schon mal jemand dort?

Die Germania am Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim ist auf jeden Fall eine großartige, selbstbewusste junge Dame. Es gibt kritische Zeitgeister, die der Germania, erbaut nach dem Sieg 1870/71, kriegslüsterne Tendenzen nachsagen. Weit gefehlt, sie wurde aus französischen UND deutschen Kanonen zusammen geschmolzen. Mehr Schwerter zu Pflugscharen geht fast gar nicht.

 

 

Na aber, sagen andere Nörgler, sie würde doch so aggressiv gen Westen, also Frankreich schauen, und drohend das Schwert schwingen. Wenn man davor steht, sieht man, dass auch dieser Vorwurf nicht stimmt. Sie schaut sehnsüchtig zu den Weinbergen im Rheingau, sie hat Durst, und weist mit dem Schwert die Richtung.

Und dann dieses Delta:

 

 

 

Nicht Mosel fließt in  Rhein = Deutsches Eck, sondern Nahe fließt in Rhein = Äh, ja was für einen Namen hat denn diese Ecke eigentlich? Binger Eck? Nahes Eck? Binger Loch-Eck? Arme Nahe, armes Bingen, kein eigener Name für das Flußdelta.



Immer einen Wanderlotsen dabei

Geschrieben am um 11:01

Ich werde oft gefragt, was eigentlich genau zu einer zünftigen Wanderung  gehört. Heute werde ich einige plastische Beispiel geben.

Zunächst gehört zur Motivation für eine Wanderung eine zünftige Volksmusik-Combo. Wenn die Musik schön laut ist, fliehen alle Wanderer und die Wege sind voll.

So eine Volksmusik-Kapelle macht eben müden Wanderern Beine: jeder denkt sich – bloß weg hier.

 

 

Natürlich gehört zu einer schönen Wanderung auch eine tolle Landschaft. See im Vordergrund, Bäume die den Blick einrahmen, eine weite Aussicht. Wie gemalt! So sollte es sein.

 

 

Schön ist immer, etwas von einer Wanderung mitzunehmen, einen bleibenden Eindruck für daheim. Zum Beispiel die Anregung, doch mal ca. 40 Kilo abzuspecken, um auf einer wunderbaren Schaukel mit Höchstgewicht bald wieder schaukeln zu können.

 

 

Höchst brauchbar für eine Wanderung ist auch, einen Wanderlotsen mit passender Kappe in Signal-Orange mitzunehmen. Der kann wunderbar die Übergänge sichern. Und obwohl mein Wanderlotse etwas desorientiert wirkt, hat er seine Sache alles in allem wirklich prima gemacht.

 

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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