Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Richtfest auf dem Wispertaunus-Steig, Teil II

Geschrieben am um 8:16

Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen.Im Wispertal wurde unzählige Bäume und Sträucher entfernt, um den Blick auf das Wesentliche frei zu machen: Die Wisper und die grünen Auenwiesen. Wir durchqueren das Tal (an dieser Stelle heißt es Wispercanyon) auf einer weiteren, niegelnagelneuen Brücke. Der Bürgermeister rollt sein Wanderhemd hoch und zeigt mir seinen Bizeps.

 

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Zuerst denke ich, er hat sich dort die 19 Ortsteile von Heidenrod tätowiert. Nein, er zeigt mir einen voluminösen blauen Fleck, ein Andenken an die schweren Balken der neu errichteten Brücke. An einem Wanderparkplatz haben wir dann doch die Wisperstraße erreicht, daher führt uns der Wispertaunussteig hinaus aus dem Tal in luftige Höhen.

 

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Auf alpinen Zickzackpfaden geht es bergan, immer wieder passieren wir Felsformationen, bis wir das Geroldsteiner Tor erreichen. Das Geroldsteiner Tor ist ein phantastischer Talblick, gerahmt von Bäumen und Zweigen. Bildschön. Aber es geht noch besser. Wir kraxeln noch ein Stockwerk höher und nach dem Tor können wir einen Kilometer später durch das Fenster hinausschauen, das Dickschieder Fenster. Gigantisch!

 

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Vom Ortsteil Geroldstein im Tal geht der Blick bis zum Hunsrück mit vielen Windrädern auf der anderen Rheinseite. Dazwischen verzahnen sich die Bergnasen des Wispertals zu einem grün bewachsenen, riesigen Reißverschluss. Nach dem wir das Fenster geschlossen haben, verlassen wir den Wald. Es geht über eine freie Fläche mit angrenzenden Weiden hinauf nach Dickschied und ich denke, das ist ein hübscher, kleiner Spaziergang zum Abschluss der Etappe. Von wegen. Das Schlussstück zieht sich ganz schön und es sind noch einige Höhenmeter zu überwinden. Im Dorf laufen die Richtfest-Organisatoren zur Hochform auf: Kulinarische Genüsse (gebackener Camembert, Wildbratwurst, Flammkuchen) sowie flüssige Köstlichkeiten (Spitzenweine eines Lorcher Weinguts, zwei Craft-Bier-Brauereien, große alkoholfreie Getränke-Auswahl) begeistern die Wanderer und sorgen für sehr gute Laune. Ein runder Richtfest-Wandertag!

 

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Mein Fazit: Die äußerst abwechslungsreiche und sehr naturnahe zehn-Kilometer-Etappe vom Strupsel nach Dickscheid macht mich neugierig auf die weiteren Etappen des Wispertaunussteigs und die dreizehn zukünftigen Premiumrundwege. Es ist bekanntlich wissenschaftlich erwiesen: nach einer Wanderung ist man entspannter, besser gelaunt, glücklicher als zum Start der Wanderung. Speziell das Wandern im Wispertaunus macht definitiv glücklich, mega-glücklich. Für mich sind diese Wispertauns-Wanderwege Pfade zum Glück, es sind Glückspfade.

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Meine Raiffeisen-Tour 2018

Geschrieben am um 9:22

Viele Menschen sind verblüfft, dass Deutschland Genossenschaftsland ist. Es gibt 22 Millionen Genossenschaftler in Deutschland. Die meisten haben Anteile an den Volks-und Raiffeisenbanken. Aber es gibt auch landwirtschaftliche Genossenschaften, Energiegenossenschaften, Kinogenossenschaften, Winzergenossenschaften, Zeitungsgenossenschaften, Ärztegenossenschaften, Friedhofsgenossenschaften, Apothekergenossenschaften und Brauereigenossenschaften.

 

Brauereigenossenschaft Oberhaching eG

 

In Oberhaching habe ich im Rahmen der Raiffeisen-Tour 2018 eine ganz junge Brauereigenossenschaft besucht. Tolle, ehrenamtliche Bürger, die ihr Hopfen-Glück in die eigene Hand genommen haben. Begeistert habe ich auch einen Anteil erworben und mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen darauf angestossen.

 

Rewe Wissen

 

Viele große Unternehmen gehören zur Genossenschaftsfamilie: Schwäbisch Hall, R + V Versicherungen, EDEKA, REWE. Anlass, einmal ein Praktikum an der REWE-Kasse zu machen und denSpruch zu üben: „Sammeln Sie Punkte?“ Alle meine Abenteuer im Raiffeisen-Land könnt ihr Euch bei www.raiffeisen-tour.de anschauen. Egal ob ich Löcher in den Käse gestanzt habe oder in der Nähe von Karlsruhe Hühner beaufsichtigt habe.

 

Hühner und Pferdehof Burkhard, Bretten

In Lübeck habe ich eine Ladestation einer Car-Sharing-Genossenschaft gefunden, um wieder neue Energie zu tanken.

 

StattAuto eG, Lübeck - Raiffeisen-Tour 2018

Und beim Charlie in Trier, auch 200-jährig geworden, habe ich mit Raiffeisen vorbei geschaut. Während der gute Marx als Ökonom krass versagt hat, hat Raiffeisen entschieden mehr Follower und die Genossenschaftsidee ist immer noch im Gegensatz zum Kommunismus taufrisch und aktuell.

 

Raiffeisen trifft Marx in Trier - Raiffeisen-Tour 2018

Raiffeisen hat eben nicht das Kapital geschrieben, sondern es in die Pflicht genommen.



Richtfest auf dem Wispertaunussteig, Teil I

Geschrieben am um 8:07

Am Wanderparkplatz mit dem lustigen Namen Strupsel trifft sich eine große Gruppe mit Wanderern. Sie sind zusammen gekommen, um Richtfest der Premiumwanderregion Wispertaunus zu feiern. Die Premiumwanderregion Wispertaunus ist aktuell eines der spannendsten Projekte in Wanderdeutschland. Im südwestlichsten Zipfel von Hessen findet der Wanderer in Zukunft einen Weitwanderweg, den Wispertaunussteig. Dazu kommen noch dreizehn Premiumtagestouren. Insgesamt sind es 208 traumhafte Kilometer (in Worten Zweihundertacht!) durch eine verwunschene Landschaft. Der Strupsel-Fels liegt unterhalb der Wisper-Quelle und schnell haben wir den Wispersee erreicht.

 

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Der Wispersee ist ein Angelteich, damit hat das Gewässer nicht annährend die Ausmaße des Bodensees. Wir gehen über eine Brücke, das Holz der Wanderbrücke strahlt hell. Man sieht es deutlich an den Wegweisern und Brückenbauten am Wispertaunussteig: Das Fundament des Weges ist frisch, der „Dachstuhl“ ist gerade fertig geworden, daher feiern wir ja heute auch Richtfest.

 

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Vom Wispersee aus geht es erst einmal ordentlich bergan. Ich kann es schon einmal vorweg nehmen: Die Steigungen auf dem Wispertaunussteig sind nicht ohne, man sollte schon eine gute Kondition haben, sonst wird aus dem Wispern ein Keuchen.

Wir durchqueren einen Teil der Naurother Schweiz. Ein schmaler Pfad, Trittsicherheit ist zu empfehlen, schlängelt sich im Auf und Ab durch Felsformationen. In Deutschland wird ja jeder Hügel direkt Schweiz genannt (siehe Holsteinische Schweiz), aber die Naurother Schweiz trägt ihren Namen vollkommen zu Recht, das schweizt ordentlich. Auf einer Hinweistafel erfahren wir, dass der spektakuläre Felsenberg die Wild-Weibchens-Ley genannt wird.

 

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Wie die Loreley ist das auch eine Ley (mittelhochdeutsch für Felsen). Wie bei der Loreley ist auch ein „Weib“ mit im Spiel. Ich finde aber, angesichts der landschaftlichen Schönheit der Wild-Weibchens-Ley kann die Loreley – nein, nicht den Löffel – aber ihren Kamm abgeben.

Wir gehen talwärts an einem Seitenbach der Wisper entlang. Wunderschön spielt das Wasser über große Steinplatten, fließt in Felskaskaden Richtung Tal. Ein Skandal, dass dieser Bach keinen Namen hat. In anderen Regionen würde um so einen phantastischen Bach herum ein ganzer Nationalpark hochgezogen. Allerdings bietet die Namenlosigkeit die Chance, kreativ zu werden: Wir wäre es mit folgenden Namen: Wilder Bach. Felsbach. Wanderglückbach. Schönbach. Das sind nur so ein paar Vorschläge.

Schade, dass auch der schönste Bach irgendwann einmal mündet und damit endet. Daher gehen wir, als wir die Wisper erreichen erneut über eine Brücke und machen eine kurze rast auf dem Hexenmüllerplatz. Leider steht die Mühle nicht mehr, und nach allem was man hört, war der als Hexe diffamierte Müller einfach nur ein kluger und geschäftstüchtiger Mann. Aber das hat ihm eben auch Neider verschafft.

Wir wandern durch das wunderschöne Wispertal, das im oberen Teil (noch 15 Kilometer vom Rhein entfernt), noch komplett autofrei und auch motorradfrei ist. Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen. Cliffhanger: Um welche Entscheidung es sich handelt, lest ihr in acht Tagen auf andrackblog.de

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Mit Andre auf dem Wilden Netzbachpfad

Geschrieben am um 8:28

Ich habe immer geglaubt, mich in der Welt der Premiumwege auszukennen. Gut, sämtliche Extratouren, Traumschleifen usw. bin ich noch nicht gegangen. Aber ich informiere mich regelmäßig auf wanderinstitut.de über neu zertifizierte Premiumwege deutschlandweit. Wie groß daher mein Entsetzen, dass ich direkt vor meiner Haustür im Saarland seit drei Jahren einen Premiumweg übersehen habe.

 

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Quasi verbunden mit der wohlbekannten Urwald-Tour vor den Toren Saarbrückens, sozusagen als kleine Schwester, entdeckte ich vor kurzem im Internet den Wilden Netzbachpfad. Wow! Das ist so, als läge schon lange ein Diamantenstollen vor der Tür, und man würde ihn erst wahr nehmen, wenn man schon die halbe Welt bereist hat.

 

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Zur Feier des Tages habe ich mich schick gemacht. Am Vortag meiner Wanderung hatte ich die neuen Wanderkurzarmhemden von Fifty Five bekommen. Für die Premiere auf dem Wilden Netzbachpfad habe ich mich für das Hemd Andre in der Kombination schwarz-grau entschieden.

 

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Andre schwarz-grau ist ein – so scheint es mir – sehr vornehmes Hemd. „Vürnehm“ würde mein Vater sagen, denn die Ü-Pünkelchen unterstreichen noch die „Vürnehmheit“. Für mich eindeutig ein Hemd für die großen Wanderfeiertage. Und einen Wanderfeiertag genieße ich auf dem Saarbrücker Premiumweg definitiv.

 

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Ich wandere am Hortenbachweiher vorbei, ein hübscher See mitten im Wald. Das Wegeformat auf den ersten drei der insgesamt neun Kilometer war solide, sehr naturnah, kein Schotter, kein Asphalt. Das Highlight der Tour ist allerdings der Pfad im Tal am Netzbach selber. Zweieinhalb Kilometer geht es nicht nur über den berühmten Stock und den noch berühmteren Stein. Sondern über einen regelrechten Fitnessparcours aus umgestürzten Bäumen.

 

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So etwas habe ich noch nie auf einem Premiumweg erlebt. Weil ich durch einen Teil des Saarbrücker Urwalds vor den Toren der Stadt wandere, liegen eben Bäume kreuz und quer und bleiben dort auch liegen, das ist das Natur-Konzept. Keine Waldwirtschaft, ein Fest für die Artenvielfalt. Und ein Fest für die Fitness! Ich habe genau gezählt, zwölfmal musste ich über Bäume steigen und klettern, dreizehnmal mich extrem ducken. Kleinwüchsige haben also einen leichten Vorteil auf diesem Weg. Am Netzbachweiher kann man einen Stopp am Gasthaus Seeblick machen. Dann geht es wieder hinaus aus dem Netzbachtal, aber mit sehr kommoder Steigung.

 

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Zum Finale des Wegs sollte man im Restaurant Forsthaus Neuhaus einkehren, am Scheitelpunkt vom Wilden Netzbachpfad und Urwaldtour. Das ist die dritte Premiere des Tages. Nach Wanderweg, Andre-Hemd von Fifty-Five nun endlich wieder Einkehr im Restaurant Forsthaus Neuhaus. Denn die traumhaft gelegene Gaststätte hatte gefühlt zehn Jahre geschlossen. Nach meinem Belohnungs-Bier habe ich einen Plan. Bald wieder im Andre-Hemd rund ums Forsthaus Neuhaus wandern. Versucht es auch einmal!



Royal weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:08

Die royale Weinwanderung mit der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab steht unter der Überschrift „Zwei“. Warum? Nun, Katharina und ich sind zwei Majestäten, Weinkönigin und Wanderkönig, die gemeinsam wandern. Außerdem ist das pfälzische Weingut Bangerth-Rinck, wo die royale Weinwanderung stattfindet, ein Doppeltes-Lottchen-Weingut.

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Auf dem Glas des Weinguts Bangerth-Rinck sind zwei weingefüllte Gläser zu sehen. Und der Vogel, ist das vielleicht ein Rabe? Sehr mystisch, Vater Bangerth hat einen Raben aufgezogen, der sogar sprechen konnte, Herr Bangerth war wohl so etwas wie ein Hexenmeister des pfälzischen Weins. Das ist interessant, zumindest ungewöhnlich. Winzerin Esther Bangerth erklärt mir zunächst, was es mit den beiden Gläsern auf sich hat. „Unsere Eltern haben geheiratet, da haben sich die Weingüter quasi verdoppelt.“ Seit zehn Jahren führen zwei der drei Töchter das doppelte Weingut weiter. Und die Männer der Töchter? Die haben umgeschult zum Winzer und sind jetzt auch „mit Herz und Leidenschaft“ dabei. Es gibt allerdings einen Keller, eine Bilanz, zwei Standorte, das Weingut Bangerth-Rinck ist sozusagen ein siamesischer Zwilling mit zwei Körpern, aber einem Gehirn.

Bei einem Glas Sekt begrüßen wir – also Esther Bangerth, Katharina Staab und ich – die ungefähr fünfzig Weinwanderer. Der Secco ist aus einem sortenreinen Kernling gemacht, sehr fruchtig, er ist aber, betont Winzerin Bangerth, auch etwas für Trockentrinker. Ist nun ein Trockentrinker einer, der versucht, aus einem leeren Glas zu trinken, oder jemand, der normalerweise trockene Weine bevorzugt? Oder ist der Trockentrinker jemand, der jedes Glas ruckizucki trocken trinkt? Das wäre doch mal eine Frage für „Wer wird Millionär“. Anschließend dürfen die Weinwanderer die Weißweine des Weinguts verkosten, es bleibt fast zu wenig Zeit, um auch nur die Hälfte der Weine auszuprobieren. Denn wir wollen ja auch noch wandern, und zwar von dem einem Weingut zum andern.

 

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Wir gehen von Esther Bangerth geführt aus dem Ort Mühlhofen hinaus und haben schnell die Weinberge erreicht, die in der Pfalz ja traditionell eher Weinfelder sind. Um Mühlhofen laufen wir auf einem kleinen Weinkulturpfad, der einem die Schönheiten des Rebensaftes näherbringt. Esther Bangerth erklärt, wie sie den Schädling Traubenwicklermännchen bekämpft. Es werden an den Rebstöcken Dispenser ausgebracht, die durch Ihre Duftstoffe die Traubenwicklermännchen verwirren. Und Verwirrte können sich nicht paaren, das leuchtet ein. Aber die gesamte Region muss verwirrt sein, sonst funktioniere es nicht, deshalb müssen alle Winzer mitziehen: „Die Duftglocke muss über allen Weinbergen hängen“

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Es weinwandern auch vier Hunde mit, unter anderem mein Border Collie/Berner Sennhund-Mischling Luna. Was auffällt: Weinwanderhunde sind anscheinend ausnahmslos extrem tiefenentspannt, da gibt es kein Herumzicken, Kläffen, Bellen, Knurren. Ich glaube, es liegt an der Coolness der Besitzer, die durch den Doppelgenuss Wandern und Wein ihre Lebensfreude auf ihre Vierbeiner übertragen. Allerdings haben die Hunde keinen Sinn für die großartigen Fernblicke auf unserer Wanderung. Vor uns erheben sich die Höhenzüge des Pfälzer Walds mit vielen kegelförmigen Bergen, die aussehen wie der Zuckerhut von Rio de Janeiro. Der Blick geht hinein bis nach Frankreich und die Gegend von Wissembourg.

 

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Hinter uns schauen wir in den Odenwald (der ist ein wenig flacher) und in den Schwarzwald hinter Karlsruhe, der sich mächtig über dem Rheintal erhebt. Nachdem wir durch die Weinlagen Mühlhofener Rosenberg und Ingenheimer Pfaffen gewandert sind, immer hart am Rebstock entlang, erreichen wir eine herrlich blühende Streuobstwiese. Dort wartet auf uns schon ein mit weißem Tuch gedeckter Tisch. Das erinnert von der Optik ein wenig an das letzte Abendmahl, aber für uns ist es die Rast-Station mit dem Schwerpunkt Rosé-Weine.

 

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Esther Bangerth präsentiert drei Rosé-Weine, einen Blanc de Noir (aus einem Blauen Zweigelt), der eigentlich aussieht wie ein Weißwein, einen Bari-Rosé aus Dornfelder und Spätburgunder und einen farblich schon sehr ins Rötliche gehenden Weißherbst mit einem großen Anteil an Dornfelder.

Seit genau zehn Jahren gibt es schon das Weinwanderwochenende, genau zehn Jahre ist auch schon das Weingut Bangerth-Rinck dabei. Jedes Jahr gehen die Gäste die gleiche Tour, das bietet sich nun mal an – vom Schwesternweingut in Mühlhofen zum Schwesternweingut in Klingen. Für die Stammgäste ist das ein wenig wie Jährlich-grüßt-das-Murmeltier, aber es bedeutet auch ein Stück Heimat.

Als wir weitergehen, komme ich mit der Deutschen Weinkönigin Katharina ins Gespräch. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie wanderbegeistert und wandererfahren Katharina ist.

 

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Ich muss sogar zugeben, dass die Weinkönigin eindeutig in einer anderen Wanderliga unterwegs ist als ich. Ich bin ja eher der Genusswanderer, Katharina dagegen liebt lange, anspruchsvolle Wanderungen, viel Gepäck auf dem Rücken, karge Landschaften. „Ich gehe immer die schwarzen Routen“, sagt die Deutsche Weinkönigin. Ich kannte schwarzen Pisten und den schwarzen Gürtel der Judoka, aber was sind schwarze Pisten? Ich lasse mich aufklären, dass in den handelsüblichen Wanderführern des Rother-Verlags die Wandertouren je nach Schwierigkeit eingefärbt sind: Die leichtesten sind Blau, dann kommt Rot und die Profi-Routen sind schwarz. Und die geht Katharina am liebsten. 30 Kilometer, 40 Kilometer, egal, Hauptsache sie kann abschalten, denn beim Wandern möchte sie den Kopf frei bekommen, abtauchen in eine andere Welt. Am besten, sie ist nicht erreichbar, kein Handyempfang, Natur pur – das ist für sie der größte Wanderspaß. Auf diese Art und Weise war sie im Tramantura-Gebirge auf Mallorca unterwegs, in den Anden und die klassische Alpenüberquerung hat sie auch schon geschafft.

Wir können auf unser pfälzischen royalen Weinwanderung schon das Dorf Klingen sehen, in einer Tal-Mulde gelegen, umgeben von Weinbergen, dem Klingener Herrenpfad. In Klingen erwartet uns ein großartiges Schlussbuffet mit mediterrannen Köstlichkeiten, aber auch Schmalz- und Leberwurstbroten.

 

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Wie sehr die Pfälzer ihre Leberwurst verehren, werde ich noch zum Abschluss des Tages erfahren. Im Hof des Klingener Schwesternweinguts kann man sämtliche Rotweine des Weinguts verkosten. Der Spätburgunder ist phänomenal. Kann ich den mir bei dieser Qualität überhaupt leisten? Ich studiere den Info-Zettel neben der Weinflasche und entdecke, dass die Flasche 5,60 Euro kostet. In Worten: Fünf Euro und sechzig Cent. Jetzt mal ehrlich, gehen Sie in einen Discounter (Stichwort Jauch-Wein) oder einen Supermarkt ihres Vertrauens und zeigen Sie mir einen Wein mit diesem sensationellen Preis/Leistungs-Verhältnis. Und zwar einen traubenreinen, nicht verschnittenen Wein aus einer definierten Ortslage. So was gibt es nur in der Pfalz, so etwas gibt es nur beim Weingut Bangerth-Rinck.

Ich stoße mit dem Ehepaar aus Köln neben mir an, die sind nicht nur Fans des Weingut Bangerth-Rinck, sondern auch der Wandermöglichkeiten in der Pfalz. Deshalb sind die beiden, wegen des Weins und der Wanderlandschaft, vor ein paar Jahren in die Nähe von Klingen und Mühlhofen gezogen. Eine weise Entscheidung. Nach vielen schönen Gesprächen und Weinen fährt unser Taxi vor: Ein Traktor mit einem gemütlichen, überdachten Anhänger.

 

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Kaum sind wir mit dem Traktor-Gespann losgefahren, stimmen die einheimischen Weinwanderer eine Ode an den Pfälzer Wind an: „Das ist der Wind, Wind der Pfälzer Wind, der wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“. Sehr interessant, ich dachte immer, nur der Wind im Westerwald, der dort soooo kalt ist, würde besungen. Aber nein, auch die pfälzischen Luftströmungen werden besungen. Ich fordere die Truppe auf, das berühmte Pfälzer Leberwoosch-Lied zu singen. Alle schauen unschuldig, keiner scheint zu wissen, was ich meine. Das kann doch nicht sein! Ich intoniere „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ auf die Melodie der deutschen Nationalhymne (auf die die Pfälzer gewissermaßen einen Anspruch haben, wegen Hambacher Schloss 1832 und so). Und plötzlich – so ein Zufall – haben doch wieder alle den „Text“ präsent und es schmettert aus vielen Kehlen „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ durch Klingen. Lebensfreude pur nach unserem schönen royalen Weinwandertag in Mühlhofen und Klingen.

Ich bedanke mich bei Caro Photo für vier Fotos!



An der Anfield Road in Mannheim

Geschrieben am um 7:22

Ich bin auf dem Weg zu einer tollen Wanderung irgendwo in Deutschland. Da fahre ich manchmal mit dem Zug hin. Und in großen Städten muss ich dann umsteigen. Manchmal habe ich eine halbe oder sogar dreiviertel Stunde Zeit am Bahnhof. Dann bloß nicht bei Ditsch/McDonalds/Starbucks/Coffee Fellows Zeit verlempern. Das ist doch überall gleich. Nein, man sollte an jedem größeren Bahnhof wissen, wo man – möglichst ortstypisch/regional einkehren kann…

 

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Sehr oft muss ich in Mannheim umsteigen, entweder in den Zug nach Saarbrücken oder von Saarbrücken kommend in einen Zug in der weiten Welt. Da kommt es mal vor, dass ich einen Anschluss verpasse. In diesem Fall gehe ich ins Murphys Law, 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Eine irische Kneipe mit original irischem Wirt. Also total ortstyoisch für Mannheim. Im April wurde ich (ich fand in diesem Fall den verpassten Zug überaus segensreich) im Murphys Law Zeuge des Rückspiels im Viertelfinale der Champions League. Manchester City gegen Liverpool.

 

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Das Spiel wurde auf der Großbildleinwand (in meiner Hand übrigens ein Kilkenny, mein irischer Favorit) während im Hinterzimmer das Ausscheiden von Barcelona in Rom gezeigt wurde. Aber die meisten interessierten sich für das rein englische Viertelfinale und ausnahmslos alle Anwesenden drückten den Reds die Daumen. Ein pakistanischer Fan im Liverpool-Trikot neben mir an der Theke („I work in Worms“) war ein großer Bewunderer von Kloppo. Ihr könnt Euch vorstellen, was im irischen Pub los war, als Liverpool die beiden Tore schoss…

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Vor ein paar Tagen, am 26. Mai, waren im Murphys Law wahrscheinlich wieder einige Liverpool-Fans am Start, aber eventuell nicht ganz so euphorisch wie zu Zeiten des Viertelfinals.

In lockerer Folge werde ich dann auf meinem Blog weitere Bahnhofrestaurations-Tipps geben. Hamburg, Köln, Nürnberg, München sind schon geplant. Wenn ihr Anregungen in weiteren Städten habt, her damit!

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Auf zur Laudenbacher Weinwanderung 2019!

Geschrieben am um 9:15

Vor dem Schloss von Laudenbach. Menschenmassen, ein Auflauf, als stünde eine Revolution bevor. Aber alle Menschen sehen fröhlich aus, voller Vorfreude, auch ich bin gespannt – auf eine sehr teilnehmerstarke Weinwanderung.

 

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400 Wanderer in allen Altersklassen lauschen, die meisten haben sich einen schattigen Platz gesucht, der Gruß-Rede von Andrea, der Vertreterin der Markelsheimer-Laudenbacher Winzergenossenschaft. Andrea hebt hervor, dass man sich freue, mit der charmanten Deutschen Weinkönigin Katharina und dem sympathischen Wanderexperten Manuel zu wandern. Allerdings sollte man ergänzen, dass Katharina auch sympathisch ist und ich ebenfalls sehr charmant sein kann.

Dann hat der Ortsvorsteher gesprochen, der Bürgermeister von Weikersheim, der Männergesangsverein hat die Reben besungen, die 69. Deutsche Weinkönigin Katharina hat gesprochen und nach 37 weiteren Grußworten begeistere ich die Menge mit einer dreistündigen Rede. Um die Mittagszeit geht es los, in ungefähr acht Gruppen starten die Wanderer auf den Weinerlebnis-Parcours. Zunächst gehen wir durch den historischen, ausgesprochen pittoresken Ortskern am Vorbach entlang, Ortsvorsteher Martin erzählt etwas über die Geschichte von Laudenbach.

Laudenbach, wo ist das eigentlich? Der Weinort liegt in einem verträumten Seitental der Tauber. Die Bewohner haben ein – sehr sympathisches – Identitätsproblem. Historisch gesehen gehören sie zum südlichsten Zipfel des Würzburger Einflussgebiets, der Ort war immer katholisch, daher wird in Laudenbach auch heftig Fastnacht gefeiert. Wegen der Verbindung zur unterfränkischen Residenzstadt Würzburg nennen sich die Laudenbacher auch Hohenlohe-Franken, obwohl man ja eigentlich zum Baden-Württemberg gehört. Andere nennen sich Tauber-Franken, um die Zusammengehörigkeit zur Tauber-Region zu dokumentieren. Dabei liegt Laudenbach gar nicht an der Tauber, sondern in einem Seitental am Vorbach. Gleichzeitig ist Laudenbach aber nicht eigenständig, man ist Ortsteil von Weikersheim, die Winzergenossenschaft arbeitet aber mit Markelsheim zusammen. Alles klar?

 

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Wir kommen auf unserem Weg hinaus aus dem Ort an einer Bäckerei vorbei. An der Hausfassade in geschwungenen Bändern die Schrift: „Trinkt heimischen Wein“. Anscheinend wird in Laudenbach auch zu Gebäck, Croissant und Kuchen der Markelsheimer Wein getrunken. Wir gehen auf dem Radweg hinaus aus dem Dorf Richtung Weikersheim. Am Ortsschild sitzt „der Zecher“, eine Holzfigur, auf einem Holzfass und prostet uns zu. Wir unterqueren die Landstrasse und dann geht es hinauf Richtung Weinberge. Ich kann es vorweg nehmen, wir werden die ganze Tour auf Asphalt laufen, der Schwerpunkt der Weinwanderung liegt eindeutig auf den schönen Gesprächen mit den Mitwanderern und dem Weinerlebnis. Da es bergan geht und es unglaublich heiß ist, versprechen die Sonnenschirme und Bäume auf dem Ghäuberg Schatten und Entspannung.

 

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An der ersten Weinstation geht ein Korbflechter seinem Handwerk nach und an der Weinbude gibt es drei Weine zur Auswahl. Ich entscheide mich zunächst für einen alkoholfreien Blanc de Blanc mit Kohlensäure, also ein Sprudelwasser. Als der Durst gelöscht ist teste ich einen Silvaner der WG. Ich finde, WG hört sich immer so an, als würde eine Wohngemeinschaft spontan Wein machen, aber hinter den exzellenten Weinen steckt natürlich die Winzergenossenschaft. Dass die Winzergenossenschaft den schönen Silvaner im Angebot hat, deutet nicht nur auf die unmittelbare Nähe zum Anbaugebiet Franken. Auch die Bodenverhältnisse von Laudenbach mit viel Muschelkalk entsprechen den fränkischen Voraussetzungen.

Bisher mit ich mit Weinkönigin Katharina in der ersten Wandertruppe gewandert. Nun schließen wir uns der zweiten Wandergruppe an, die von Jungwinzerin Chrissi begleitet wird. Auch der Altersschnitt der Wandergruppe hat sich dramatisch gesenkt, während sich der Königinnen- und Prinzessinnen-Anteil fulminant erhöht hat.

 

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Ungefähr fünfzehn Ortsweinköniginnen und -prinzessinnen aus Baden, Franken und Württemberg (wir wandern eben in einem Anbaugebiets-Dreiländereck) geben der königlichen Katharina ihr Geleit. Chrissi erklärt sehr eloquent und kenntnisreich (die ehemalige Ortsweinkönigin wäre eine ideale Gebietsweinkönigin, aber sie will nicht so recht, Mensch Chrissi, überleg Dir das nochmal!) die Wirkung von Duftstoffen auf Schädlinge und praktiziert einen beherzten Rebenschnitt. Zwischenfrage aus dem Publikum: „Muss echt so viel weggeschnitten werden? – der arme Rebstock.“ Klar muss das Überflüssige weg, sonst kein optimaler Wein.

Wir erreichen die zweite Genuss-Station der Weinwanderung mit atemraubenden Ausblick auf Laudenbach. An der Weinbude beglücken uns Mitarbeiter der Markelsheimer Weingärtner eG. Auf dem Rücken der T-Shirts steht: Lust Genuss Tradition. Ich lerne neue Wein-Vokabeln, denn in Laudenbach heißen Winzer Weingärtner und die Trockenmauern, die die Weingärten der Weingärtner terrassieren, heißen Steinriegel. Die Winzergenossenschaft Laudenbach-Markelsheim vereinigt die Trauben des Ortes Laudenbach (das eben nicht zu Markelsheim gehört, sondern zu Weikersheim) und den Ort Markelsheim (wobei Markelsheim nicht zu Weikersheim gehört, aber Stadtteil von Bad Mergentheim ist). 190 Winzer liefern ihre Trauben und bewirtschaften knapp 200 Hektar Anbaufläche.

Auf dem Weg von der zweiten zur dritten Station durch die Weinberge (der Weg geht schon wieder bergan, muss das denn bei der Hitze sein?) lerne ich zwei Ehepaare aus NRW kennen. Die einen kommen aus Brilon im Sauerland, die anderen aus Krefeld am Niederrhein. Ganz schön weit weg, aber beide Paare haben sich auf den Weg nach Laudenbach gemacht, weil sie Fans der Genossenschaftsweine und der Region sind. Dem Ehepaar vom Niederrhein habe ich noch ein paar NRW-Wandertipps gegeben, ich bin eben ein mobiler Wander-Ratgeber.

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An der dritten Raststaion probiere ich den Tauberschwarz. Diese Rebsorte hat Laudenbach quasi exklusiv, nirgendwo auf der Welt wird so viel Tauberschwarz wie in Laudenbach angebaut. Die Rebsorte ist keine Kreuzung, sondern eine alte uralte Traube der Region, nicht ganz leicht zu pflegen, eine etwas zickige Rebsorte, eine arbeitsintensive Rebsorte, wenn man den Zeitpunkt der Lese verpasst hat, kann sie ganz schon schnell vertrocknen, hat man mir erzählt.

 

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Ich genieße mit meiner Wandertruppe die Aussicht, aber wir sehen, wie andere Wandergruppen nicht den offiziellen Weg gehen. Die kürzen ab, gehen direkt von Station 2 zu Station 3, ohne den letzten Anstieg, die letzte Wegschleife mitzugehen. Ich stelle mich der Wandertruppe mit Megaphon in den Weg, also ehrlich, bei so was werde ich zum totalen Weinwanderspiesser, und verkünde der mogelnden, abkürzenden Wandertruppe, sie müssten auf den Weingenuss an Station 2 verzichten. Das lässt sich natürlich – Gott sei Dank – nicht durchsetzen. Wir sind ja ehrlich gesagt auch alle zum Spaß hier und wollen uns nicht wandernd durch die Hitze quälen. Auch die übernächste Wandertruppe, die die Diretissima mitten durch die Weinreben hin zur dritten Station wählt, wird mit großem Hallo begrüßt.

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Später gehen wir bergab wieder hinein nach Laudenbach und erreichen bald das Schloss. Dort kommen alle Wandergruppen im fröhlichen Miteinander zusammen und lassen den Weinwandertag bei Schlussvesper und weiteren himmlischen Weinen ausklingen.

Das Schönste an der Weinwanderung in Laudenbach sind die Begegnungen mit vielen netten Menschen. Klar, der Wein ist toll, das Wetter genial, die Aussichten in den Weinbergen phantastisch, die Informationen über den Weinbau sehr interessant. Aber ich finde es wunderbar, mit dem Organisations-Genie Paul zu plaudern, von Wilma und Jürgen über ihre Bekanntschaft mit Kati Wilhelm zu hören und mich mit Raimund über die Zukunft des 1.FC Köln zu unterhalten – Raimund ist seit den 1960er Jahren als Tauber-Franke Fan der Geißböcke. Mein Fazit: Ich kann nur jedem Weinwanderer empfehlen, auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um im nächsten Jahr an der Laudenbacher Weinwanderung 2019 teilzunehmen.

Ich bedanke mich bei Paul Gölz für drei Fotos!



Saarlännisch foor Beginners

Geschrieben am um 6:34

Seit feststeht, dass unsere nächste Bundeskanzlerin aus dem Saarland kommt, sollte jeder, der noch alle Tassen im Schrank hat, dringend saarländisch lernen. Erfreulicherweise bekamm ich sogar kürzlich eine Mail von meinem lieben Freund Ulli, dem Chef von Fifty Five. Und siehe da, auch er ist total scharf darauf, saarländisch zu lernen. Legen wir also direkt mit Lektion eins los, Vokabelhefte raus, das erste Wort ist die für jeden saarländischen Mann unerlässliche:

SCHAFFBUX

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Die Schaffbux ist die spezielle Hose, die man nicht unbedingt für gut anziehen würde. Die Schaffbux wird vielmehr am Samstag angezogen, wenn man im Garten schafft (=arbeitet) oder kleinere Reparaturen am Haus erledigt. Denn merke: Der Saarländer hat den weitaus größten Eigenheim-Anteil aller Deutschen. Es kann natürlich auch mal passieren, dass man überhaupt keine Lust hat, zu schaffen, weil man gerade die

FLEMM hat.

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Wenn jemand sagt: „Ich hann die Flemm“ bedeutet das, dass sich über denjenigen oder diejenige eine leichte Schwermütigkeit gelegt hat. Keineswegs handelt es sich bei der FLEMM um eine schwerwiegende Depression, nein, man gönnt sich nur eine kleine psychische Auszeit, nur Idioten sind immer gut drauf. Nicht schön ist es, wenn man nicht nur die Flemm hat, sondern auch die:

FRECK

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Wer die FRECK hat, ist krank, aber auch in diesem Fall gilt: Das ist eher eine Krankheit light, man kann also durchaus schaffen gehen, auch ein eventuellerKrankenhausaufenthalt ist weit entfernt. Aber man sollte demjenigen, der die Freck hat, nicht zu nahe kommen, sonst steckt man sich noch womöglich an.

Das letzte Wort für heute ist UWWERAASCH.

 

 

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Neunmalkluge, vorlaute Streber meinen jetzt vielleicht, das hieße Oberarsch. Mitnichten! Wenn es Unordnung gibt, Chaos, dann spricht man im Saarland von UWWERAASCH. So wie ich, wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden kann, welches Wanderhemd ich anziehe. Wenn man die Freck oder die Flemm hat, bleibt eben manchmal etwas liegen, dann gibt es Uwwerasch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man die Schaffbux anziehen, um wieder die Ordnung herzustellen.

Die ersten Vokabeln frage ich beim nächsten Mal ab. Aber ihr könnt Euch freuen, denn in Zukunft könnt ihr Eure Kanzlerin AKK etwas besser verstehen.



Unterwegs mit den coolsten Wander-You-Tubern und Wander-Bloggern der Republik

Geschrieben am um 8:41

Erster Mai, auch für mich Tag der Arbeit. Arbeitstreffen war in Homburg/Saar. Gekommen waren die coolsten Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Mitglieder der größten Facebook-Gruppe „Wandern und Fernwandern“, schon über 10.000 Mitglieder hat die Gruppe.

 

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Angesprochen hatte mich Youtuber Timo, (sein Kanal (heißt das Kanal bei Youtube?) heißt ‚Waldkult’) Timo ist admin der 10.000 Mitglieder Facebook-Gruppe. Mit ihm bin ich vor drei Jahren auf dem Harzer Hexenstieg gewandert. Timo kommt aus dem Ruhrpott und war daher sehr angetan von jedem Torbogen, der aussah wie ein Stolleneingang.

Da ich ja eher ein digitaler Legastheniker bin, dachte ich, ich schaue mir mal an, wie Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Facebook-Wanderer so unterwegs sind. Wir sind übrigens den Premiumweg Schlossbergpfad gegangen, 13,9 Kilometer, sehr abwechslungsreich und interessant.

 

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Einige Steigungen waren natürlich auch zu meistern und ich habe gestaunt, wie professionell die coolen Social-Media-Wanderer ausgestattet waren. Die meisten hatten tatsächlich Beatmungsgeräte dabei und nach ein paar Luftzügen mit reinem Sauerstoff wurde die Atmung wieder flacher.

 

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Auch eine Einkehr mit Wander-You-Tubern ist speziell. Während sich um uns herum alle Jugendlichen mit unterschiedlichsten berauschenden Getränken erster-Mai-mäßig zudröhnten, standen bei den Social-Media-Wanderern Equipment von Feinsten auf dem Tisch.

 

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Ein Gruppenfoto haben wir natürlich auch gemacht. Es waren wirklich Menschen aus allen Ecken Deutschlands dabei: Heidelberg, Wolfsburg, Darmstadt, Ost-Belgien, Baden-Baden. Und sogar aus dem Saarland, völlig verrückt!

 

 

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Eins habe ich gelernt, als angesagter Video-Blogger musst man eine Art Uniform tragen: Hipster-Bart, Nerd-Brille, Hipster-Kappe. Da muss ich echt noch dran arbeiten.

 

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Once upon a time in Manderscheid

Geschrieben am um 8:28

Vor etlichen Monden schrieb ich in meinem ersten Wanderbuch vom schönsten Wanderweg der Welt, dem Lieserpfad. Und in der Tat zieht es mich immer wieder nach Manderscheid zu den zwei Burgen und dem Tal der Lieser.

 

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Der Mensch vergisst leicht, aber vor fünf Wochen, Ende März, ganz genau am 22. März, war es noch bitter kalt und in der Eifel war das letzte Aufbäumen des Winters mit ordentlich Schneefall zu bewundern. Was auffiel am klassischen Blick auf Ober- und Niederburg: Die Zäune fehlten. Wahrscheinlich hat sich der schlaue Bürgermeister von Manderscheid gedacht: Bevor ich die Absperrungen immer teuer warten muss und die womöglich noch die Wanderer gefährden, kommen die Gatter weg. Auch neu ist das Design der Hauptwanderwege des Eifelvereins …

 

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Aus Raider wurde Twix und aus dem Hauptwanderweg 13 des Eifelvereins mit dem eigentümlich gestalteten „V“, das immer aussah wie eine Wurzelbehandlung im Mathe Leistungskurs, ist die neue Markierung mit dem „Vulkanpfad“ entstanden.

Wenn ich in Manderscheid bin, ist mein Standquartier immer die Heidsmühle an der Kleinen Kyll, die in die Lieser mündet. Und dann ist natürlich auch eine Wanderung in der traumhaften Wolfsschlucht Pflicht …

 

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Aber die spannendsten Pfade kann man immer noch auf dem Lieserpfad erwandern …

 

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… und kaum kommt man um die Ecke, ist man schon – auch das eine Novität – an der Philosophenbank angekommen. Ich habe zunächst gegrübelt, ob es diese Bank vielleicht schon immer gab, ich sie aber nur übersehen hätte, aber nein, die güldene Inschrift ist eindeutig jüngeren Datums.

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Ich frage mich nur, welche Fürsten genau gemeint sind: Der Kurfürst von Köln oder Brandenburg. Oder der Fürst Pückler mit seinem Eis? Anscheinend werden die Eifelaner immer noch von irgendwelchen Fürsten gequält.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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