Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Waldzeit

Geschrieben am um 6:23

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Ich möchte Euch heute einen Weg vorstellen, einen Premiumweg, eine neue Traumschleife, die mir ganz besonders am Herzen liegt. Ganz einfach weil ich nun endlich eine Traumschleife in fußläufiger Entfernung habe. Das ist ein großartiges Gefühl.

Start ist am Sportzentrum im saarländischen Hülzweiler. Da Wandern auch irgendwie Sport ist, darf man auf dem ehemaligen Fußballaschenplatz parken.

 

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Spirituelle Erfrischung kann sich schon nach kurzer Zeit in einer Waldkapelle abholen. Errichtet wurde die Kapelle im Jahr MCML, so steht es an der Fassade. Das ist doch mal ein Jahr, das man in wenigen römischen Ziffern bezeichnen kann. Im Gegensatz zu meinem Geburtsjahr MCMLXV oder aber dem Jahr, in dem ich Abitur machte: MCMLXXXIV. Nun gut, auch das vergangene Jahr war kurz und bündig: MMXX.

 

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Neben der Kapelle ein Speed-Kreuzweg – alle 14 Stationen nebeneinander in halbem Meter Abstand, nicht so anstrengend wie die üblichen Kreuzwege an extrem steilen Wegen.

 

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Man sieht auf der neuen Traumschleife, dass das Saarland eine Bergbauregion war. Der Pütt im Südwesten, daher auch der Name der Stadt Püttlingen, Heimat von AKK und MA. Der Förderturm der Grube Elm, der Neyschacht (benannt nach Marschall Ney, der Napoleon beim Russlandfeldzug erfolgreich assistierte, ein französischer Saarländer), ist gut zu erkennen.

 

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Der Premiumweg heißt übrigens Waldzeit. Wanderinstitut-Chef Klaus Erber erzählte mir – kurz nachdem er den Weg vor vier Monaten zertifiziert hatte, dass er fasziniert gewesen sei, vor allem von der Vielzahl der Waldbilder – Fichtenwälder, Buchenwälder, Eichenwälder, Kiefernwälder, Birkenwälder, Robinienwälder – und sogar Lindenwälder. Wenn ich jetzt noch einen Lindenwald erkennen würde, könnte ich das auch genießen.

 

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Eine Allee erkenne ich dagegen jederzeit. Das ist ja auch ein beliebter Song in den Fußballstadien gewesen, als man dort noch Gesänge hörte: Allee, Allee, eine Straße mit Bäumen Alle, eine Straße mit Bäumen Allee, eine Straße mit Bäumen Allee!

 

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Da die Ausblicke auf dem Waldzeit-Weg etwas dürftig sind, hat man einen Aussichtsturm gebaut, von dem aus man (wie üblich) nicht viel mehr sieht, als wenn man unten bleibt.

 

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Was man sehen könnte, wenn nicht der nächste Hügel im Weg wäre, zeigt die Panoramatafel. Zu Erklärung: Gestrichelte Linien zeigen „verborgene“ Ortschaften. Das finde ich gut, dass die Orte verborgen sind, sonst könnte ja jeder auf mein Haus schauen.

 

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Gar nicht verborgen sind viele Grenzsteine am Wegrand. SH bedeutet weder Schleswig-Holstein noch St. Helena, sondern steht für Schwarzenholz. Schwarzenholz war ein nur dem (deutschen) Reich unterstellter, unabhängiger Ort, eine der freien Reichsstädte wie Köln, Nürnberg oder Rottweil.

 

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An exponierter Stelle passieren wir eine sogenannten Dreibannstein. Dort trafen die Gemarkungen der Weltmetropole Schwarzenholz, das Herzogtum Lothringen (markiert mit dem Doppelkreuz) und die Grafschaft Saarbrücken-Nassau zusammen. Letztere markiert mit einer Wolfsangel, ein Zeichen, dass heutzutage nicht mehr gerne gesehen ist, da es die Nazis verwendeten.

Ach ja, und ich darf vorstellen: Der neue Familienhund Mulan.

 

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An der Kneipp-Anlage „Auf Schwarscht“, fasziniert mich vor allem der Flurname „Auf Schwarscht“. Da fühlt man sich ein wenig verarscht, oder?

 

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Kein guter Premiumweg ohne Wasser: Voila, die sogenannte „Auszeit am Waldsee“

 

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Und als Finale wandern wir noch an der Freilichtbühne von Hülzweiler vorbei, in den 1920ern eingebaut in die Naturkulisse. Der Abstand zwischen Zuschauern und Bühne ist voll Corona-tauglich.

Der neue Premiumweg Waldzeit ist ganz großes Natur-Theater!



Was sagt die Sonne am Abend zu Erich Honecker?

Geschrieben am um 11:48

Darf man Flipper essen? – Dick? Wer ist hier dick? Ich bin nicht dick! – Warum Hipster-Frauen mit Wollmütze zum Koksen in die Andy-Warhol-Factory gehen – und was sagt die Sonne am Abend zu Erich Honecker?

 

 



Alle gute Dinge sind drei: Der neueste Podcast

Geschrieben am um 12:10

Manuel Andrack und Dirk Schümer über gute und schlechte deutsche Filme, über gute und schlechte Witze, über Spaßmacher und Ernstmacher. Und als Zugabe: Der beste Honecker-Witz aller Zeiten

 



Und schon der zweite Podcast 2021

Geschrieben am um 13:14

Die Pandemie ist da und geht vielleicht nie weg. Andrack und Schümer sind dafür, nicht nur auf den Klabauterbach zu hören, sondern über einen Paradigmen-Wechsel nachzudenken. Außerdem: Die Bundesliga-Tabelle von 1995, der Fourth Reich, Depressionen wegen langjähriger Vereinsmitgliedschaft. Und: Was sind barrierefreie Dateien? Außerdem: Fährt man in Venedig nur mit dem Boot?

 

 



Der erste Podcast des Jahres

Geschrieben am um 18:08

Frohes neues Jahr und es geht direkt in die Vollen! Wer hat an Dürrenmatts Geburtstag gedacht? Andrack und Schümer auf jeden Fall. Dürrenmatt nur noch ein Schulbuchautor? Von wegen! Genial, provokant, unideologisch, pessimistisch, versoffen. Und die Wahrheit über die minderbegabten Looser Brecht, Grass, Böll. Und heißt es eigentlich Pottkast oder Postcast?

Jetzt neu: Schönes Intro und Outro von einer Nachwuchskapelle aus Liverpool.

 



Es geht so, Folge 5

Geschrieben am um 10:42

Und hier die letzte Folge meines Podcasts für dieses Jahr. Der Podcast ist übrigens jetzt auch auf ITunes und spotify abrufbar. Wer den Podcast gut findet (oder „Es geht so“), kann doch bitte eine 5-Sterne-Bewertung auf ITunes abgeben. Daaanke und frohe Weihnachtstage.

 



Wander-Jahres-Rückblick 2020

Geschrieben am um 6:23

2020 – was für ein Jahr. Erst nur Beethoven, Beethoven, dann Corona, Corona, Corona.

Die zahlreichen Covid-19-Nachrichten haben ein wenig den Blick auf andere Highlights in 2020 verstellt. Da wäre zum Beispiel die Wanderung des Jahres:

 

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Ein belgischer Kollege hat eine lange Tour in der Nähe von Brüssel unternommen und alles als GPX-Track zum Nachwandern aufgezeichnet. Ganz große Wanderkunst, denn man sieht – vom All aus sozusagen – ein gewandertes Glas der belgischen Bierspezialität Duvel. Das soll mir ein Ansporn für ein ähnliches Projekt für 2021 sein – ich werde den Geißbock in der Nähe von Köln GPX-mässig erwandern. Wenn man schon nicht ins Stadion kann.

Auch schön das Lockdown-Verpflegungsmobil des Jahres 2020:

 

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Gaststätten und Restaurants geschlossen? Kein Problem, der Grillator bringt Risikogruppen-gerecht die knusprigen Broiler. Essen auf Rädern neu definiert.

Der Baum des Jahres steht eindeutig in der Nähe des Forsthauses von Trier:

 

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Ein Baum wie eine Schlangenbeschwörung, ein Baum wie eine Laokoon-Skulptur, ein Baum wie ein Wollknäuel. Je nach Perspektive zeigt sich nicht nur …

 

 

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… dass der Baum Herz hat, nein, auch ein …

 

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… Knie beziehungswiese Kniescheibe ist eindeutig zu erkennen.

Hier noch das Verbotsschild des Jahres:

 

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Historisch knüpft das Regenverbot an den Sponti-Spruch der 1980er an: Sonne statt Reagan. Das hat ja auch funktioniert.

Und schließlich noch das Wander-Wort des Jahres und Wander-Unwort des Jahres gleichzeitig:

 

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Begegnungsverkehr! „Begegnungsverkehr“ – was soll das sein? Ein Unfall? Ein Rendezvous an der Ampel? Wenn sich zwei Polonäsen kreuzen?

Um Begegnungsverkehr zu vermeiden mache ich jetzt einen Monat Blog-Pause, Ende Januar geht’s dann weiter. Ich wünsche Euch ein fröhliches, kerngesundes und interessantes Jahr 2021!



Auf dem Holzweg in Bayern

Geschrieben am um 6:23

Glaubt bitte nicht, dass ich ausschließlich in den deutschen Mittelgebirgen wandere. Hach! Nein, ab und an verirre ich mich auch in den alpinen Raum, genieße aber auch dort die (manchmal trügerische) Sicherheit der vertrauten Premiumwege.

 

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Daher verließ ich mich bei einer Wandertour, die ich mit einer kleinen Gruppe geplant hatte, auf die Markierung des Alpenpfades Leitzachtaler Bergblicke in der Nähe des Schliersees. Wenn man sich das Foto anschaut, waren Bergblicke wegen der Großwetterlage unmöglich, aber man kann so einen Weg ja auch nicht ständig umbenennen – Leitzachtaler Nebelblicke oder Leitzachtaler Wolkenblicke vielleicht.

 

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Auf jeden Fall macht es immer einen extrem unsouveränen Eindruck, wenn man sich mit einer Wandergruppe schon auf den ersten Metern verläuft. Und dann noch in einem Sägewerk! Da liegen die blöden Sprüche nah – „Da sind wir wohl auf dem Holzweg, har, har, har“

 

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Zur Strafe für alle Mitwanderer, die so laut wie Kater Carlo „Har, har, har“ gelacht hatten, zog ich das Tempo merklich an und wir sprinteten auf den Kalvarienberg von Fischbachau. Im Nebel dachte ich zuerst, wir würden Zeuge eines leibhaftigen Passionsspiels, aber die drei Jungs am Kreuz waren doch nur naturalistisch ausgearbeitete Skulpturen

 

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Eine weitere bemerkenswerte Kultstätte bayerischer Volksfrömmigkeit ist der Wallfahrtsort Birkenstein. Maria ist der Superstar dieser heiligen Stätte. Das monumentale Andachtsbild verdeutlicht sehr schön, was unter dem Begriff „Bedeutungsperspektive“ zu verstehen ist.

 

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Auf dem Rückweg nach Fischbachau (herrliche Schlusseinkehr im Klosterstüberl mit Augustiner vom Fass, ein Fest!) folgt man auf schmalen Pfaden dem Flusslauf der Leitzach. Das muss ich zugeben: Eigentlich ist dieser Alpenpfad dann doch ein Mittelgebirgsweg, denn hinauf in die Berge geht es nicht, das Hochgebirge ist Kulisse.

 

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Aber, und das ist der Punkt, diese Berge hatten sich an diesem feuchten Wandertag versteckt. Ich hatte alpines Flair gesucht, aber da war ich wohl auch auf dem Holzweg gewesen.



Es geht so, Folge 4

Geschrieben am um 21:22



Es geht so, Folge 3

Geschrieben am um 20:44

Die dritte Folge des Andrack/Schümer-Podcasts. Über gestürzte Wanderpäpste, die Lindenstraße auf Latein und völlig verrückte Namen: Kühlmuß, Fucking, Schümer und Andrag.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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