Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinwandern in Würzburg

Geschrieben am um 7:30

Frei nach Klaus Lage: Tausend Mal hat mich der ICE vorbei geführt, Tausend Mal ist nichts passiert, Tausend und eine Mal – und es hat Zoooom gemacht. Glücklicherweise hatte ich Mitte November drei Stunden Zeit für Würzburg. Drei Stunden, die man in der Residenz- und Kickers-Stadt mit einer grandiosen Weinwanderung ausfüllen kann.

 

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Und das auch noch fußläufig vom Hauptbahnhof. Erstmal a weng (original unterfränkisch!) durch den Stadtpark gehen, dann der Markierung WH (hat nicht mit der Wilden Horde aus Köln zu tun!) Richtung der Treppen auf der Rotkreuzstiege folgen. Und schon hatte ich (17 Minuten nachdem ich dem Zug entstiegen war) den Steinweinpfad erreicht.

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Ein kleiner, aber feiner Weinwanderweg, drei Kilometer lang und um einen Kilometer verlängerbar, das kann sich man aber – entre nous – auch schenken. Der Weg führt durch DIE Würzburger Weinlage, den Steinberg. Das ist nicht irgendein fränkischer Weinberg, sondern seit ein seit Jahrhunderten berühmtes Weinweltwunder.

 

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Schon Goethe befahl: „Sende mir doch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken, ich bin verdrüßlich, wenn mir mein gewohnt Lieblingstrank abgeht“ Nun, wenn ihm sonst nichts abgeht. Aber man hat es wirklich geschafft, wenn schon die Getränkebestellungen den Rang von Literatur bekommen.

Und Kurt Tucholsky schrieb in sein Würzburger Tagebuch: „Das Gehen fällt uns leicht, der Steinwein fällt uns recht schwer. Die älteren Jahrgänge vom Bürgerspital wollen getrunken sein. Wir trinken sie.“ Zum Bürgerspital komme ich noch gleich…

 

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Erst mal ein Selfie im Weinberg mit Mauer, die natürlich unliebsame Spitzbuben vom Traubenklau abhielt. Traubenklau ist antiquiert? Von wegen: In der Mini-Weinlage Hamburger Landungsbrücken hat man, hörte ich, letztes Jahr schon zum zweiten Mal nächtens den kompletten Ertrag gestohlen. Ich schlage für die Diebe eine Strafe vor, vergleichbar der für Pferdediebe des Wilden Westens.

Am Ausgangs- und Endpunkt des Steinweinpfad dann ein kurzer Besuch des VDP-Weinguts am Stein. Die Weinbar hatte leider noch geschlossen (und ich hatte ja nur drei Stunden Zeit) daher schnell rein in die Vinothek …

 

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… und einen Silvaner im Bocksbeutel gekauft. Ach edles Stück, du liegst immer noch in meinem Weinkeller, und keiner traut sich ihn zu trinken. Denn ist er mal getrunken, dann ist er ja auch weg.

 

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Da ich noch a wenig Zeit hatte, ging ich ins Würzburger Zentrum ins VDP-Weingut Bürgerspital. Dort gibt es ein sensationelles „Hockerle“, rustikale Sitzbänke, Schoppenweine, man darf mitgebrachte Speisen verzehren. Ich habe hingegen im „normalen“ Weinlokal – mangels mitgebrachter Speisen – gegessen (fränkische Tapas) und getrunken (so viel noch ging).

 

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Bei meinem nächsten Besuch in Würzburg kommt die andere Hälfte der Weinkarte dran. Und ich nehme mir mehr Zeit für diese besondere Weinstadt. Mindestens vier Stunden.



Die Stille

Geschrieben am um 6:19

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Ich wandere durch den Wald. Und höre: Stille. Das macht mich glücklich, denn ich bin alltäglich mit reichlich Geräusch-Müll umgeben. Autos, Handys, Geschwätz, Klospülung. Logisch, dass man da Sehnsucht nach Stille hat, wenn man wandert. Aber gibt es eine wirkliche Stille beim Wandern? Gibt es überhaupt die perfekte Stille?

Um das herauszufinden, kann man eine kleine Übung machen: Begebt Euch an eine möglichst ruhige Stelle. Dann schließt bitte – natürlich erst nachdem ihr diesen Satz gelesen habt – Eure Augen und hört mal genau hin, was ihr in den nächsten sechzig Sekunden hört.

 

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Und? Wahrscheinlich habt ihr eine ganze Menge erlauscht, denn selbst in einem schalldichten Raum hört man seine Atemzüge. Daher ist klar: komplette Stille gibt es nicht. Man sagt ja, in der Wüste sei es sehr sehr still. Ich habe das ausprobiert, es stimmt nicht. 2008 bin ich in der Wüste gewandert. Und es war total unstill: Da fuhren Autos, der Wind wehte den Müll durch die Luft, die Schritte knirschten sehr laut im Sand. Wüstenstille gibt es nicht.

Aber warum es soll dann im Wald still sein? Da hört man die Vögel, das Bächlein, die knackenden Zweige unter den Schuhen, das Röhren des Hirschs (selten), das Rauschen der Baumwipfel im Wind. Das ist doch nicht Stille, oder vielleicht doch? Naturgeräusche sind die kleinen Geschwister der Stille. Zivilisationsgeräusche sind Unstille. Man sollte daher, finde ich, bei der Bewertung von Premiumwegen und Qualitätswegen auch die Audio-Qualitäten eines Weges berücksichtigen. Es gibt Negativ-Beispiele – ich möchte keine Wegenamen nennen – da wandert man auf hervorragenden Wegen, aber nebendran im Tal braust der Autobahnlärm. Das – geht – gar – nicht!

 

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Die richtige Wander-Natur-Stille um uns herum erlaubt es uns, den Kopf mit Gedanken zu füllen, ich schrieb darüber in einem früheren Andrack-Bär-Blog. Auch die Stille beim Gemeinsam-Wandern ist es etwas Wunderschönes. Die Gespräche, die man während einer Wanderung führt, sind meistens toll. Aber die Gesprächspausen sind es erst recht. Man stelle sich mal vor, man würde mit seinem Kumpel, seiner Frau, seinen Kindern eine Viertelstunde am Wirtshaus-Tisch sitzen und sich anschweigen – da würde jeder sagen, uiuiui, da stimmt aber was nicht. Beim Wandern zu zweit, zu dritt, zu viert ist das Schweigen wunderschön, die Stille wirkt auf die Seele.

 

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Der schweizerische Wander-Philosoph Robert Walser schrieb über seinen Spaziergang: „Von Zeit zu Zeit drang von außen her einiger schwache Lärm in die liebliche Abgeschiedenheit und reizende Dunkelheit hinein, dessen ferner Schall die herrschende Geräuschlosigkeit nur noch erhöhte, die ich recht nach Herzenslust einatmete und deren Wirkung ich förmlich trank und schlürfte.“ Genialer Typ, der Robert, das hätte ich nicht besser formulieren können. Jetzt aber genug gebloggt und gelabert. Ich brauche Ruhe und geh jetzt raus, eine schöne Portion Stille tanken.

 

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Vollsteiler Getränkesamstag

Geschrieben am um 7:32

Letzten Samstag habe ich einige sehr intensive Getränke-Erlebnisse gehabt. Zunächst die wie immer tagsüber die sehr sympathische Weintour in München in der Alten Kongresshalle. Eine meiner Lieblingsweingüter ist das mittelrheinische Weingut Goswin-Lambrich in der Nähe der Türme- und Weinstadt Oberwesel. Die haben einen genialen fruchtige Riesling im Programm, voll schön, Vollsteil.

 

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Mein Lieblingsspruch des Tages kam von einem Ahr-Winzer, der sich einen Kommentar über das teilweise etwas „ausdrucksstarke“ und arg hölzerne Barrique-Aroma von Winzer-Kollege nicht verkneifen konnte: „Beim Barrique muss man aufpassen – ich bin schließlich Winzer und nicht Schreiner!“

Am Abend bin ich in Oberhaching bei München vollsteil gegangen. Schließlich konnte ich nicht die Vollversammlung der Brauereigenossenschaft Oberhaching verpassen (diese Brauerei gehört mir – teilweise – da ich Genossenschaftsanteile halte)

 

 

Als die Blaskapelle (mit dem Bürgermeister des Ortes an der Tuba) fertig gepustet hatte und das Fass mit dem phantastischen Kellerbier leer getrunken war, nötigte man mich, zur Altburschen-Wacht zu gehen.

 

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Stellt Euch eine Scheune am Ortsrand vor, darin eine Theke, viel Bier und vor allem der Maibaum in seiner ganzen Länge. Und der muss bewacht werden, damit ihn die bösen Buben der Nachbarorte nicht klauen.

 

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Der Maibaum glänzte grellweiß, als wäre er frisch gestrichen worden. Musste ich mal testen und siehe da, er war sehr kürzlich gestrichen worden. Wohin jetzt mit dem klebrigen Finger, na ja, den konnte ich elegant an der Außenwand der improvisierten Scheunen-Kneipe abstreifen, in Bayern macht sich die Farbkombination blau und weiß doch immer ganz hübsch.

 

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Schade, dass ich nach einem weiteren Tag auf der Weintour am Sonntagabend schon wieder ins Saarland fahren musste. Daher habe ich es verpasst, am Montag die jährliche Rendite meines Genossenschaftsanteils beim Oberhachinger Getränkehändler einzulösen …

 

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… für den kleinen roten Bierbon hätte ich eine Kiste Kellerbier bekommen.

 



Saar Statut

Geschrieben am um 6:23

Ihr glaubt, dass Saarland sei in Deutschland überrepräsentiert? Stichwort AKK, Heiko Maas, Peter Altmeyer, Sarah Wagenknecht Heinz Becker und Patrick Herrmann? Falsch, komplett falsch. Denn das Saarland gehört gar nicht zu Deutschland, weil sich die Einwohner in der entscheidenden Abstimmung 1955 entschieden haben, ein eigenständiger europäischer Mustertstaat zu sein. Seitdem befinden sich alle europäischen Institutionen im Saarland. Gut so, man stelle sich vor, die wären in Brüssel oder so.

Doch die heile saarländische Welt bröckelt, seit saarländische Rechtspopulisten aus der EU austreten wollen. Es hat sich im eigenständigen Saarland allerdings eine große Gegenbewegung formiert, die FÜR das Saar-Statut kämpft.

 

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Kürzlich nahm ich an einer großen Demo-Wanderung in deutsch-französischen Grenzgebiet bei Berus teil. Aus Deutschland war ein Kamerateam des ZDF angereist, um über die engagierten, proeuropäischen Saarländer zu berichten.

 

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Im französischen Berviller trafen wir auf Dutzende Gemeindemitglieder, die gerade aus der örtlichen Festhalle strömten. Auch sie waren komplett proeuropäisch eingestellt, keiner trug eine gelbe Weste. Auf dem Dorfplatz ein Interview mit dem ZDF.

 

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Bei dieser Wanderung war auch meine Tochter Nika dabei. Für die saarländischen Kinder ist es ja unbegreiflich, dass es in grauer Vorzeit so etwas wie Grenzsteine oder Schlagbäume gegeben hat. Völlig verrückt!

 

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Die Wanderung war ein Bestandteil der Doku-Fiction „das Saar-Statut“ von Michael Koob, mehr Infos unter www.statut.eu



Die Anstrengung

Geschrieben am um 6:23

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In meinem Buch „Du musst wandern“ vertrat ich die äußerst steile These, dass Wandern eine Art Hochleistungssport sei, Schwitzen und Blasen an den Füssen inklusive. Im Klartext: Jede Tagestour unter 30 Kilometer sei doch eigentlich etwas für Weicheier. Nun ja, das ist ja auch schon fünfzehn Jahre her, im jugendlichen Leichtsinn schreibt man halt so etwas. In den letzten Jahren wurde ich dann immer mehr zum fanatischen Genusswanderer. Es gab kleine Ausreißer, beispielsweise einen Fünfzig-Kilometer-Marsch und einen Wandermarathon. Aber das war echt nicht mein Ding.

Doch je öfter ich kurze und kürzeste Wege ging, desto mehr hatte ich dann doch Sehnsucht nach einer kernigen Tour. Denn bei aller Wander-Wellness, fluffig geschlurften Spazierpremiumwegen und Waldbadetagen wurde mir klar: Manchmal macht es auch einfach Spaß, sich so richtig bei einer Wandertour zu verausgaben, seinen Körper zu spüren, beim Anstieg zu schwitzen und kaum Luft zu bekommen. Ohne Anstrengung ist ein Gipfelblick nun mal nix wert, man könnte ja auch einfach mit der Seilbahn hochfahren.

Daher bin ich in den letzten Monaten verstärkt längere Premiumwege aus der Kategorie „sportlich“ gelaufen.

 

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Ich habe ein wenig darauf geachtet, was das mit mir und meinem Körper macht. Der Start einer anspruchsvollen Wanderung ist meistens hart, vor allem, wenn es mit einem knackigen Anstieg losgeht. Ich bin leichter Asthmatiker, daher huste ich einige Mal, wenn der Körper in den Wandermodus springt. Ich finde das eigentlich schön, es ist ein wenig, als wenn ein Pferd nach dem ersten Galopp des Tages befreiend schnaubt und wiehert. Dann erst macht es sich locker. Ich habe von meinem Arzt wegen des leichten Asthmas sogar schon ein Cortison-Spray verschrieben bekommen. Aber das benutze ich nicht, man stelle sich vor, ich käme in eine Wander-Doping-Kontrolle und müsste wegen der Einnahme verbotener Substanzen eine lebenslange Wandersperre fürchten – eine Horrorvorstellung!

Gerade auf den ersten Kilometern spüre ich extrem meine Beine, besonders die Oberschenkel. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich fast jede Wanderung zu schnell angehe, dann wird die Muskultur sauer und das tut dann weh. Aber wenn einem beim Anstieg die Beine schmerzen, ist das wirklich so schlimm? Nein, das ist mein Körper, der gerade etwas leistet, nämlich mich den Berg hinauf zu wuchten, und die Anstrengung darf man ruhig spüren, finde ich. Ist es schon Masochismus, wenn man das ab und an sogar genießt? Ich habe meinen Kindern vor einer Wanderung immer gesagt, kommt mir nicht damit, dass Eure Beine weh tun – das passiert Euren Eltern genauso. Aber spätestens beim Belohnungsbier, so mein väterlicher Rat, ist das alles vergessen.

 

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Ich finde es auch toll, gerade bei winterlichen Wandertouren, wenn ich vor Anstrengung schwitze. Ich brauche keinen aufwändigen Saunagang, ein wenig Anstrengung während der Wandertour, schon klappt das mit dem Schwitzen und Keuchen. Natürlich habe ich nach einer richtig strammen Tour auch manchmal Rücken. Aber das ist doch schön! Denn, dass heißt doch nur, dass ich vorher die Rückenmuskulatur nicht ausreichend gestärkt habe. Das ist das ist doch das Großartige an der Wanderanstrengung: Wenn ich mich ordentlich verausgabe, ist es bei der nächsten Tour gar nicht mehr so schlimm, weil ich einfach fitter bin. Und das ganz ohne Wanderdoping!

 

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Weinwandern auf dem Moselsteig

Geschrieben am um 6:23

Am 13. und 14. April findet traditionell die Weintour in München statt, letztes Jahr war die erste Veranstaltung. (ihr wisst, für die Kölner ist alles, was zum zweiten Mal stattfindet, Tradition, ab dem dritten Mal nennt man es – Brauchtum). Kurz zur Weintour: das ist die einzige deutsche Weinmesse, die die Weine und Winzer der 13 deutschen Anbaugebiete präsentiert. Mit wenigen Schritten kann man von Sachsen in die Pfalz, von Baden zum Mittelrhein wandern und Weine verkosten. Ein einmaliges Erlebnis!

 

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Im letzten Jahr lernte ich Volker bei der Weintour in München kennen. Ich fand es sensationell, dass wir uns schon in der Messehalle für eine herbstliche Weinwanderung an der Mosel verabredeten. An der Rabenlay bei Hatzenport traf ich den dynamischen Münchener (der kein Bier mag!) mit seinem Kumpel Thomas, die beiden waren schon eine Weile unterwegs auf dem Moselsteig. Nach den ersten Kilometern (ohne Wein) dürstete es uns und im Dorf Moselsürsch entdeckte Volker im Innenhof eines Handwerkbetriebs einen Wasserhahn. Dort würde er sich Wasser abfüllen, sagte Volker, das würde er auf Wanderungen immer so machen, natürlich nicht ohne zu fragen.

 

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Was folgte war eine äußerst interessante Unterhaltung mit Schreinermeister Oster, der auch noch mit über 80 Jahren jeden Tag mit Säge und Hobel werkelt. Eines seiner Bauwerke, die Holztreppe zum Ausoniusstein, haben wir einen Kilometer hinter Moselsürsch bewundert und unter die Füße genommen.

 

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Der Aussichtspunkt am Ausoniusstein, benannt nach dem Privatlehrer des Sohnes von Kaiser Valentinian I. in Trier (mehr zu Ausonius in meinem Buch „Schritt für Schritt“, Kapitel „Als römischer Legionär auf dem Ausoniusweg“), schrie geradezu nach einem Picknick.

 

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Da ich in meinem saarländischen Weinkeller keinen adäquaten Moselwein gefunden hatte, haben wir einen Riesling des VDP-Weinguts Prüm von der Mosel getrunken – erworben bei ALDI Süd. Ein köstliches Picknick, das fanden auch die beiden bayerischen Naturburschen.

 

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Zum Ende unserer Tour wagten wir uns noch an eines der letzten großen Outdoor-Abenteuer. Die Begehung des Würzlaystiegs bei Lehmen. Alle Achttausender besteigen, 300 Kilometer am Stück wandern, Freeclimbing an der Steilwand – alles Kindergeburtstag im Vergleich zum Würzlaystieg.

 

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Daher war ich nach all dem Auf und Ab auf den Pfaden des Würzlaystiegs froh, eine Info-Tafel zu finden, an der ich festen Halt fand. Ich heuchelte Interesse an den Informationen zu Mosel, Schleuse und Weinberg, hatte aber eigentlich nur im Sinn, wieder Luft zu bekommen.

 

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Aber Lehmen nahte und damit eine (spontane) Weinprobe bei Winzer Hermann Dies. Sehr sehr nette Leute und großartige Weine mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch Volker und Thomas hatten genug vom Wandern und beendeten ihre Etappe in Lehmen. Mein Vorteil war allerdings, mit der Bahn angereist zu sein, so dass ich eine ganze Kiste Riesling Spätlese an die Saar mitnehmen konnte. Mehr über die Wein-Tour mit den bayerischen Wanderern erzähle ich live auf der Weintour in München.

 

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Übrigens, wem die Weintour in München zu weit ist, kann sich die folgende Weintour-Termine vormerken. Am 19. + 20. Oktober erstmals in Essen, am 16. + 17. November schon zum fünften Mal in Hamburg. Voll das hanseatische Brauchtum, diese Weintour!



Die Schuhe

Geschrieben am um 6:23

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Was braucht man zwingend zum Wandern? Einen Rucksack? Nö, man kann ja auch einkehren. Braucht man unbedingt eine Wanderkarte? Es gibt Prädikatswege, da kann man sich eigentlich nicht mehr verlaufen. Braucht man regendichte Kleidung mit Wassersäule “unendlich“? Na ja, man kann durchaus wandern, wenn es nicht schüttet wie aus Eimern. Das Einzige, ich hätte beinahe gesagt das Einzigste, das man bei einer Wanderung wirklich braucht, sind – Schuhe.

Es mag Einwände geben: Na ja, so zwingend seien auch Schuhe nicht, man kann doch Barfußwandern und somit eins mit der Natur werden. Dazu gleich mehr. Schauen wir uns doch mal an, wie es die Altvorderen gemacht haben. Schon Profiwanderer vor 5.000 Jahren hatten ordentliches und gutes Schuhwerk.

Ötzi trug auf seiner letzten Wanderung einen High-Tech Schuh mit dünner Bärenledersohle und einer Federung aus Heu, Feuchtigkeitsresistent und wärmend. Es gibt Schuh-Experten, die über diesen Schuh urteilen: „Besser als Gore Tex“. Kleiner Nachteil: Man musste immer Ersatz-Heu dabei haben, um die „Federung“ immer wieder zu erneuern. Heu nicht fürs Pferd, sondern für Schusters Rappen.

 

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Legendär sind auch die Sandalen der römischen Legionäre. Geschmeidig konnte man darin gehen, im Gefechtsfall sorgten die Nägel unter den Sandalen für den nötigen Halt. Allerdings waren die Römer wohl eher Schönwetterwanderer, denn ohne Strümpfe zu jeder Jahreszeit in Sandalen, das machen heute nur noch deutsche Rentner auf Mallorca. In späteren Jahrhunderten gerieten die Schuh-Kenntnisse der Römer (wie viele andere zivilisatorische Errungenschaften, siehe Kunst, Gesetze, Wegebau) in Vergessenheit.

 

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Im Mittelalter mussten Fußlappen als Schuhersatz für alle dienen, die per pedes unterwegs waren. Das, was die Adeligen dieser finsteren Jahrhunderte an den Füssen hatten (Schnabelschuhe zum Beispiel), taugte vielleicht zum Tanze am Hofe, nicht aber zum Wandern. Erst im 21. Jahrhundert können wir aus einer großen Auswahl an bequemen und gleichzeitig festen Schuhwerk auswählen. Trotzdem findet man immer wieder Sektierer, die das naturnahe Barfußgehen preisen. Das kann ja auf den vielen originellen Barfußpfaden ganz lustig sein (besonders empfehlenswert ist der Barfußpfad in Bad Sobernheim!), aber ich habe schon die Fußsohlen von Barfußwandern nach 15 Kilometern gesehen. Nicht lustig, viel Blut und Kruste, eher eine Sache für Menschen mit dem Hang zum Masochismus, das habe ich auch bei meiner Römerwanderung spüren müssen, nachdem sich eine Sandale verabschiedet hatte.

 

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Ich empfinde meine Wanderschuhe als Verstärker meiner Geh-Erlebnisse, wie der Verstärker der Hifi-Anlage (so etwas gab es in analogen Vorzeiten!) die Töne des Schallplattenspielers verstärkt. Ein Beispiel: ich gehe über einen Grasweg an einer Weide entlang. Die Schwingungen des federnden, weichen Weguntergrunds werden in meinem Körper durch eine guten Wanderschuh potenziert. Ich trete in den Wald, laufe auf einem nadelbedecktem Pfad und ich glaube fast zu schweben. Klar, der Waldboden ist weich, das ist sehr schön, aber ich würde doch, gesetzt den Fall ich ginge barfuß, mit feinen Nadelstichen gepiekst werden. Mit Schuhen schwebe und gleite ich über den Waldboden wie ein Eiskunstläufer.

Am Besten ist es, wenn ich den Wanderschuh nicht spüre, meine Zehen nicht gequetscht sind, meine Ferse nicht heraus rutscht, der Fuß Halt hat, egal wie lange ich gehe und egal wie viele Steilstücke ich zu bewältigen habe. Denn gerade bei den steilsten Wegabschnitten gerät der Fuß im Schuh ins Rutschen, und dann gibt es bei weiteren Strecken böse Blasen.

Eigentlich will ich gar nicht an meine Schuhe denken, die sind einfach da wo sind hingehören. Meine Wanderschuhe dienen mir.

 

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Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Bahnhofseinkehr IV: Gaffel am Dom

Geschrieben am um 8:55

Teil Vier der spektakulären Reihe „Die-wo-kehre-ich-in-Deutschland-in-Bahnhofs-Nähe-ein-wenn-ich-eher-wenig-Zeit-habe-Gaststätten. Heute: Gaffel am Dom in Köln. Eigentlich natürlich sehr bitter, wenn meine Heimatstadt nur Durchgangsstation ins Saarland ist. Aber immer noch besser, eine kurze Pause an der schönsten Kathedrale der Welt einzulegen, als im Zug vorbei zu rasen und Tränen der Heimatliebe zu vergießen. Regel Nummer Eins: Nie den Hauptbahnhof in nördlicher Richtung (Breslauer Platz) verlassen, da man ansonsten von schlimmen Depressionen besucht wird.

 

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Nein, man sollte zum Haupteingang hinaus gehen, dann direkt auf die gegenüberliegende Seite des Bahnhofsvor-Platzes (der übrigens nicht die Domplatte ist!!!) und schon sitzt man draußen bei Gaffel am Dom und hat ein Kölsch in der Hand. Im Winter muss man noch dreißig Meter weiter gehen und dann in die Brauwirtschaft hinein. Von April bis Oktober ergeben sich im „Biergarten“ aufregende Ausblicke

 

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Ich sage nur: Ein Hurra! Auf die blaue 1. FC Köln-Jacke! Dazu eines der beeindruckendsten Bauarbeiter-Dekoltées, das ich jemals gesehen habe.

 

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Das weltgeschichtlich Bedeutsame der Bier-Tränke vor dem Bahnhof ist offensichtlich: Denn Köln ist zur Chiffre geworden, bei „Köln“ denkt mittlerweile jeder an jene verhängnisvolle Silvesternacht 2016. Selbst die New York Times assoziiert mit „Köln“ nicht Karneval, Dom und den Effzeh, sondern triebgestörte Kriminelle (die übrigens alle von Frau Merkel persönlich nach Deutschland eingeladen wurden, wer das bestreitet, ist Fake-News-Opfer), die auf der Domplatte Jagd auf Frauen machten.

 

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Weil Gaffel am Dom oft eine Durchgangsstation für mich ist, gelingt es mir nie, den Deckel rund zu trinken. Für einen Kölner eigentlich unverzeihlich.



Kölle – Du bes e Jeföhl!

Geschrieben am um 11:41

Liebe Freunde des glorreichen 1. FC Köln. Alles ist zur Zeit in Butter: Souveräner Tabellenführer der 2. Bundesliga. Der Vorstand ist wieder komplett. Und dann noch diese Hammer-News, die Top-Nachricht des Tages auf fc.de:

 

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Da kann man sich doch einfach genüsslich zurücklehnen, und die nächsten rauschenden Fußballfeste genießen. Doch obacht! Ich kann nur warnen, sich in selbstgenügsamer Zufriedenheit mit Wurst und Kölsch abspeisen zu lassen. Wir müssen einen Plan für die Zukunft haben. Wir müssen das Team für die erste Liga fit machen, mit Top-Fußballern, die zur Stadt und zum Verein passen. Ich will Armin Veh nicht in sein Geschäft rein reden (das haben schon genug andere in letzter Zeit gemacht), aber ich habe eine Granate in der Regionalliga Südwest entdeckt: Niklas Kölle vom FSV Mainz II

 

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Was wäre das für ein Transfer. Alleine das Gänsehautgefühl bei der Mannschaftsvorstellung: „Mit der Nummer Elf – Niklas (und dann das ganze Stadion) Kölle – du bes e Jeföhl!“ Herrrrrlisch. Und falls Niklas Kölle in Mainz unabkömmlich ist, kann man auch seinen Bruder Robin Kölle von der U19 von Wolfsburg verpflichten. Dann steht der Champions-League-Qualifikation nichts mehr im Wege.

 

 

 

 



Der Nachfahre von Wanderschäfern – man hätte es Ahnen können

Geschrieben am um 6:23

Eine ewige Streitfrage ist, ob man das was man ist – Charakter, Vorlieben, Aussehen, Verhalten – ob das alles so ist, weil man eben so ist (genetische Festlegung) oder weil man so wurde (alles anerzogen/die Gesellschaft ist schuld). In der Forschung schlägt das Pendel ganz stark in Richtung genetischer Vorprägung, wobei damit natürlich nicht sämtliche menschlichen Defizite zu erklären/zu entschuldigen ist. Trotzdem bin ich immer davon ausgegangen, dass ich wandere, weil ich das von meinen Eltern so gelernt habe. An eine genetische Wanderprägung hatte ich nie gedacht.

 

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Vor ein paar Wochen habe ich seit langer Zeit mal wieder in meinem Buch „Von wem habe ich das bloß: Auf den Spuren der Ahnen. Eine Gebrauchsanweisung“ gelesen. Ich weiß nicht wie das anderen Autoren geht, aber ich lese selten in meinen alten Büchern, ich habe sie ja geschrieben. Allerdings muss ich auch 12 Jahren nach Erscheinen des Werks sagen: das ist ein richtig gutes Buch. (Diesen Hang zum Eigenlob, woher habe ich das bloß?). Ich habe in diesem Buch viel ausprobiert, um meinen Ahnen auf die Spur zu kommen (Archive, Vor-Ort-Recherche, genetische Tests, Namensforschung), aber ich hätte nie eine genealogische Verbindung zu meiner Wanderleidenschaft gesucht.

 

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Glücklicherweise hat mich der rührige Chef des Kreismuseums Bad Liebenwerda zu einer Lesung über genau jene Ahnenforschung in sein Museum eingeladen. Er hatte mir schon vor zwölf Jahren bei der Recherche geholfen, und hat nun neue Andracks in der Region entdeckt. Unter anderem den Martin Andrack und den Johann Georg Andrack aus dem 18. Jahrhundert. Und die beiden Andrack-Jungs waren – Wanderschäfer. Die genaue Verbindung zu den beiden habe ich noch nicht herstellen können, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch extrem hoch, dass die beiden meine Ahnen sind. Wanderschäfer als Vorfahren, das erklärt doch einiges: Die Outdoor-Affinität, den Hang zum Geschichten Erzählen, die Zeiteinteilung in Schäferstündchen.

 

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Ich habe bei meinem Besuch in Bad Liebenwerda natürlich auch meinen dortigen Familienzweig besucht, die ich erst vor 12 Jahren kennengelernt habe. Durch einen Ururgroßvaterschaftstest mit Helmut Andrack konnte (fast) zweifelsfrei festgestellt werden, dass ich mit 99,98570699 Wahrscheinlichkeit mit ihm verwandt bin.

 

Verwandte

 

Helmut Andrack (rechts im Bild) ist, obwohl er in diesem Jahr achtzig Jahre alt wird, mein Neffe, genau genommen der Großneffe vierten Grades, denn Johann Christian Andrack (geboren 1795) ist sein Urururgroßvater, aber mein Ururgroßvater, ein Ur- weniger. Ebenfalls traf ich in Bad Liebenwerda Herrn Graeff, auch entfernte Andrack-Verwandtschaft. Herr Graeff (links im Bild) betreibt als Baumschullehrer eine Baumschule, die im 19. Jahrhundert von Eduard Andrack gegründet wurde. Baumschule, da fällte es mir wie Schuppen aus den Haaren, da hätte ich auch früher drauf kommen können – eine genetische Prägung für meine Liebe zu den deutschen Wäldern. Und schon wusste ich wieder ein wenig mehr, von wem ich das bloß habe …


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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