Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Nepal, Kilimandscharo oder doch vielleicht der Inka-Trail?

Geschrieben am um 6:23

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Ich bin als Trekking-Experte bekannt, habe nervenaufreibende Trekking-Abenteuer auf dem Rennsteig, Rheinsteig und Neanderlandsteig bestanden. Ich habe den Watzmann, die Hohe Acht und den Dollberg bezwungen und bin mit dem Rennrad die 21 Kehren von Alpe d’Huez hinauf geschossen.

Wegen dieser Basisqualifikation bin ich von bookatrekking.com gebeten worden, eine Hitliste meiner internationalen Trekking-Ziele für die mittel- und langfristige Zukunft zu erstellen. Das mache ich doch gerne. Hier kommen meine persönlichen Top-Drei-Trekking-Hot-Spots:

 

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Seit Jahren liegt mir mein saarländischer Fahrlehrer Peter, genannt Pit (bei dem ich im zarten Alter von 45 Jahren den Lappen gemacht habe), in den Ohren, ich solle doch mal in Nepal wandern gehen, das wäre der Hammer, Blick auf die höchsten Gipfel der Welt, unvergessliches Erlebnis und so. Nepal-Experte Sierd van der Biji beschreibt in seinen Blogs auf bookatrekking.com ein paar mögliche Himalaya-Touren: Zum Beispiel den Trek zum Basislager des Mount Everests. Ich zitiere: „Die Landung auf dem Flughafen Lukla ist bereits ein Adrenalinschub. Man fliegt nicht täglich zum gefährlichsten Flughafen der Welt.“ Äh, nein danke, ich bekomme schon Schweißausbrüche, wenn ich auf einem der vielen ungefährlichsten Flughäfen der Welt landen muss. Vielleicht auch nicht ganz das Richtige für mich wäre der Annapurna Circuit, denn „die Überquerung des Thorung-La-Passes ist ein einmaliges Erlebnis, das dich buchstäblich nach Luft schnappen lässt.“

 

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Das ideale Angebot für mich ist der Chisapani-Nagarkot-Trek. Die Tour für alle, die ein geringes Zeit- und Geld-Budget haben, drei Tage mit phantastischer Sicht auf den Mount Everest. Man wandert quasi am Stadtrand von Kathmandu, der Flughafen ist (relativ) ungefährlich, Schnappatmung ist nicht zu befürchten, weil es nur über ein paar 2.000er-Hügel geht.

 

Ein weiteres Sehnsuchtsziel vieler Wanderer steht auf meinem persönlichen Trekking-Hot-Spots-Platz 2:

 

Kilimandscharo Routen

Der Kilimandscharo ist DER Berg in Afrika. Wenn dich die Sehnsucht packt, schreibt der Kilimandscharo-Experte Sierd van der Biji in seinem Blog, hat Dich der „Kili-Käfer gebissen“. Den Blog von Sierd zu lesen, ist derart anschaulich, dass man ein sehr gutes Gefühl bekommt, wie es ist, vor Ort zu sein. Er rät zum Beispiel: „Schau nicht auf den Preis. Nein, schau dir die Dauer an. 7 Tage schlagen 6 Tage. Nimm dir diesen Rat zu Herzen und vermeide das unschöne Erlebnis, dich am Stella Point zu übergeben.“ Das möchte man nun wirklich vermeiden, das ist ja auch unter Naturschutz-Aspekten nicht schön, in die Landschaft zu göbeln. Also: Ein gewisses Budget sollte man schon für eine Trekking-Tour zum Kilimandscharo einplanen. Im Vergleich zu den 40.000 Dollar, die man für eine Mount-Everest-Besteigung kalkulieren muss, sind die 4.400 € inklusive Flug für den höchsten afrikanischen Berg allerdings ein Klacks.

 

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Man kann unter sechs Routen zum und über den Gipfel auswählen. Die angenehmste Tour scheint mir die Lemosho Route zu sein. Der Premiumweg unter den Kili-Treks. Nicht so steil, nicht so sportlich, mehr Landschaft, weniger Stress, mehr Höhenakklimatisierung. Und wenn man dann auf dem Uhuru Peak steht und es geschafft hat, und wegen der Höhenluft doch ein wenig die Knie zittern, dann kann man sich auch zur Not in einer Art Schubkarre den Hügel hinunterfahren lassen. Kein Scherz, es gibt einen Kili-Sänften-Shuttle. Wenn man den Trek geschafft hat, empfiehlt Sierd die Kikuletwa Hot Springs, das sieht natürlich sehr verlockend aus, kristallklares Wasser in allen Türkis- und Blauschattierungen. Wäre vielleicht eine Alternative, dort den kompletten Afrika-Urlaub zu verbringen, wenn einen nicht der Kili-Käfer gepackt hat..

 

Die eindeutige Nummer Eins unter meinen internationalen Trekkie-Zielen ist aber eindeutig der:

 

Inka Trail Peru

 

Mein Kumpel Markus schwärmt schon seit Jahrzehnten vom großartigen Abenteuer, über den Inka-Trail zur mystischen Stadt Machu Picchu zu wandern. Außerdem wäre der Inka-Trail als jahrhundertealter Fußweg eine extrem interessante Erfahrung im Rahmen meiner Wanderungen durch die Weltgeschichte. Allerdings ist es gar nicht so einfach, eine staatliche Wandergenehmigung für den Inka-Trail zu bekommen, der Zugang ist streng regelementiert. Daher schlägt Peru-Experte Sierd van der Biji reizvolle Alternativen zum klassischen Trail vor, zum Beispiel den Inkasteinbruch Trek: „Keine Genehmigungen, keine Menschenmassen, Zugang zu Machu Picchu und zu weiteren archäologischen Stätten.“

 

 

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Das hört sich doch schon mal sehr sehr gut an. Oder wie wäre es mit dem Inka Dschungel Trek: „Für alle, die ihre Tour ein bisschen aufmischen wollen und mehr tun wollen, als 4 Tage lang zu wandern (gähn), ist der Inka Dschungel Trail Trek ein absoluter No-Brainer.“ Schluck, was ist denn ein „No-Brainer“? Ein Weg für Vollpfosten? Oder doch eher, wie mein Pons-Online-Wörterbuch verrät: ein Klacks? Auf jeden Fall – weil ich Wandern überhaupt nicht Gähn finde – präferiere ich den Choquequirao Trek: „Der Name Choquequirao bedeutet ‚Wiege des Goldes’. Es dauert zwei Tage, um zu den Ruinen im Süden Perus zu gelangen. Dieser Ort wurde wie Machu Picchu im späten 15. Jahrhundert erbaut und von den spanischen Eroberern nie gefunden.“ Von den spanischen Eroberern nie entdeckt? „Wiege des Goldes’? Da muss man doch nur Eins und Eins zusammenzählen, dort muss ich hin. Alle deutschen Wandertermine werden verschoben, mich hat der Goldrausch gepackt!



Corona-Familien-Touren und DisTanz in den Mai

Geschrieben am um 6:23

Das war eine supergeile Zeit (wie die kölsche Band Brings das ausdrücken würde), diese sieben Wochen Corona-Ferien mit der Familie. Jeden, aber wirklich jeden Tag Wandern oder Radtouren. Nun ist wieder Alltag, außer dem Home-Office-Papa müssen wieder alle in die Schule, entweder als Lehrende oder als Lernende. Daher ein kleiner Rückblick auf die Corona-Touren der letzten Wochen. Eins vorab: Obwohl das Saarland angeblich sehr strenge Ausgangsbeschränkungen hatte, durfte man sich in den Weiten des Bundeslandes frei bewegen. Im Gegensatz dazu wurde gegen ein sächsisches Pärchen, das die Frechheit besessen hatte, 50 Kilometer vom Wohnort entfernt zu wandern, polizeiliche Ermittlungen aufgenommen. Soko Wild-Wandern.

 

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Ein absolutes Highlight ist die Oppig Grät im Nordsaarland, traumhafte Schlucht mit extrem hohem Erlebniswert. Mitte April war leider noch immer die Wintersperrung aktiv, daher waren wir halb (oder voll) illegal unterwegs. Der Vorteil: Kaum andere Wanderer gesehen, die ganze Schlucht für uns.

 

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Etwas voller zeigte sich der Wanderparkplatz des Felsenwegs (schönster Wanderweg des Jahres 2005) in Waldhölzbach. Wir sind aber nur ein Teilstück des Premiumwegs (Erlebnispunktzahl: unglaubliche 96 Punkte, das ist meiner Meinung nach Weltrekord für einen nicht-alpinen Premiumweg!) gegangen. Teilweise war der Felsenweg identisch mit einem etwas schäbigen, in die Jahre gekommenen Barfusspfad. Nachdem barfuss ich im Bächlein auf spitzen Steinen und bei Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gegangen war, war ich wach.

 

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Zurück am Wanderparkplatz bot ein Wanderverpflegungsautomat „Ebbes von hei“ (Etwas von hier) an. Meine Tochter wollte unbedingt einen Ring Lyoner haben, die saarländische Nationalspeise. Was für eine Enttäuschung, immer wenn wir die Nummer 33 des entsprechenden Fachs drückten, erschien die Anzeige: „Fach leer“. Die Gastronomie geschlossen und dann auch noch keine Automatenwurst. Schlimme Zeiten.

 

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Großartig immer wieder der Keltenring bei Nonnweiler, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Lyonerring. Riesige Steinhaufen haben die alten Kelten aufgetürmt, um sich gegen andere (feindliche) Kelten zu verteidigen. Erbaut wurde die Mauer – das mutmaßen Experten – am 13. August 1961 vor Christus. Verglichen mit dem saarländischen Keltenring kann die chinesische Mauer einpacken.

 

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Auch unter das Thema Corona-Rückschau fällt die Aktion „DisTanz in den Mai“ des Weinguts Peter Kriechel. Das ist mal ein Winzer nach meinem Geschmack – tolle Weine und FC-Fan, was will man mehr? Auf jeden Fall war es etwas Besonderes, eine Zoom-Weinprobe mitzuerleben (die Weine hatte ich mir natürlich vorher besorgt). Musikalisch wurde Paul Radau aktiv, …

 

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… der wiederum Stein und Bein schwor, Radau sei kein Künstlername, vielleicht erdacht in Ballermann-Laune. Betont auf dem erste „A“ ist Radau einfach ein relativ exotischer Familienname. Und nächstes Jahr tanzen wir wieder richtig in den Mai!

Je normaler das Leben wieder wird, desto mehr sollte man sich Themen widmen, die nicht mit Ihr-wisst-schon-was zu tun haben. Welche Wanderdestinationen weltweit fehlen Euch noch im Portfolio? Und was ist eigentlich mit dem Beethoven-Jahr los? Es soll verlängert werden, las ich, ich glaube bis 2027, dann kann man direkt den 200. Todestag mitfeiern. Bald an dieser Stelle mehr zum wilden Wanderburschen Ludwig van.



Changchub Chörten und Saarsteine

Geschrieben am um 6:23

In den letzten Wochen habe ich so einiges gesehen, das mich irritiert hat. Genauso wie Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh vielleicht Zeichen und Landeplätze für Außerirdische waren (das soll Quatsch sein? – da habt ihr aber Euren Däniken nicht gelesen!), genauso suche und finde ich zur Zeit während meinen Wanderungen Zeichen der Corona-Krise.

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Äußerst irritierend diese Voodoo-Skulptur, um den bösen Corona-Geist zu vertreiben. Wenn’s funktioniert, finde ich das okay. Wenn aber nur alte Glysophat-Plastik-Behälter entsorgt werden sollen, finde ich das bedenklich.

 

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Bei einer Wanderung letzte Woche sah ich diesen Schlüsselbund auf einer Bank. Erster Gedanke: Besser den Schlüssel als den Löffel abgeben. Zweiter Gedanke: Vielleicht wird dieser Schlüsselbund ja ganz konkret vermisst? Also: In der Nähe des Lonsheimer Turms in Rheinhessen liegt auf einer Bank dieser Schlüssel. Wer ihn vermisst, kann ihn dort finden, Finderlohn ist anscheinend nicht vorgesehen.

 

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Tja, und dann diese Saarsteine. Schon vor der Corona-Krise haben die so süüüüüss bemalten Steine eine steile facebook-Karriere hingelegt. Die Idee ist smart. Die Steine werden „ausgewildert“ (das heißt, eigener Vorgarten gilt es nicht) richtig im Wald versteckt also, und wer einen findet, fotografiert ihn, postet das Bild und versteckt ihn an einem anderen Ort. Das motiviert natürlich meine Tochter sehr, ausgiebig zu wandern. Hervorragend!

Jetzt wird’s esoterisch …

 

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… bei dieser Skulptur/Religionsstätte, deutlich vor der Corona-Krise in einem fernen Land gefunden, in Salzburg. Es handelt sich um eine sogenannte Erleuchtungs-Stupa, tibetischer Name: Changchub Chörten. Was soll man mit so einer Stupa anfangen? Nun, ich las: „Stupa steht für die Freiheit und das Potential des Geistes“. So, so. Und dann die Gebrauchsanweisung: man solle die Stupa (tibetischer Name: Changchub Chörten) traditionell im Uhrzeigersinn umschreiten. Hallo ihr Buddhisten, geht’s noch? Was hat das denn mit Freiheit des Geistes zu tun, wenn ich kleingeistige Vorschriften bekomme, in welche Richtung ich um diesen dusseligen Pinokel herumgehen muss? Ich bin natürlich total freigeistig gegen den Uhrzeigersinn gegangen. Widersteht allen, die Euch sagen wollen, wie es zu sein hat, auch wenn ihr das sichere Gefühl habt, es wäre ganz anders.

 

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Mut zur närrischen Maske oder: Sprich einfach mit dem Virus

Geschrieben am um 6:23

Seit gestern herrscht bundesweit die Maskenpflicht. Ich gebe zu, begeistert war ich nicht, dass man zukünftig beim Einkaufen eine Maske tragen muss. Die Zahl der Infizierten geht zurück und die Freiheitsrechte werden noch mehr beschnitten. Wo ist die Logik? Die Logik steckt natürlich im Detail. Die Bundesregierung und alle Ministerpräsidenten von A wie Achim bis Z wie Zöder wollen heimlich Werbung für mein nächstes Buch machen …

 

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…. das erscheint zwar erst im November, aber es ist natürlich eine geniale Idee der politisch Verantwortlichen, nun ganzjährig Masken, ob närrisch oder nicht, vorzuschreiben. Als ich kapiert hatte, was für eine geniale Marketing-Masche hinter der Maskenpflicht steckt, habe ich mir in Internet (AMAZON!!!) eine Spiderman-Maske – Größe Adult – bestellt. Der perfekte Schutz vor dem fiesen Virus, nicht nur Mund und Nase, sondern das ganze Gesicht ist bedeckt. In dieser Maskerade wollte ich beim Aldi einkaufen gehen, …

 

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… stellte aber fest, dass die Maske doch ein klein wenig zu klein für meinen Quadratschädel ist. Oder hatte ich das Ding vielleicht falsch angelegt? Ich probierte es noch einmal, …

 

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… aber das war auch nicht besser, statt zwei Spiderman-Augen hatte ich nun zyklopesk ein Spiderman-Auge auf der Stirn kleben. Ich werde das Ding zurück schicken, erst mal nicht einkaufen gehen, (wozu hat man gehamstert?) und warten, bis sich das blöde Virus endlich vom Acker gemacht hat. Auf einem der saarländischen Berggipfel, dem Litermont, habe ich ein Schild gesehen, dass direkt auf das Corona-Virus einwirkt …

 

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… es kommt eben immer auf den richtigen Ton an: Wenn man das Virus bittet, doch einfach mal zu beachten, den Gipfel nicht zu betreten, ist schon mal viel geholfen. Veneceremos!



Deutschlandwanderer von A bis U

Geschrieben am um 7:28

Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Wochenend-Ausgabe: „Dass man jahrelang diese literarischen Deutschlandwanderer und Fontane-, Heine-, und Montaigne-Imitatoren, Bücherschreiber von A wie Andrack bis U wie Uslar , für schreckliche Spießer hielt – geschenkt. Spätestens in Corona-Zeiten merkt jeder: Deutschland, das ist der ‚Gipfel der Schönheit’ (Mark Twain)“. Erster Gedanke, als ich das las.: Wie konnte man denn jemals Deutschlandwandern spießig finden? Das ist ja sowas von spießig, Deutschlandwandern spießig zu finden. Na ja – geschenkt.

 

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Zweiter Gedanke: Angesichts der Corona-Krise und einer (erzwungenen) Konzentration auf das Naheliegende, das Heimatliche, das Regionale in einer Reihe mit Heine, Fontane und Montaigne (dessen Essays über das Deutschlandwandern hatte ich anscheinend bislang übersehen) genannt zu werden, ist ja nicht sooo übel. Aber der Autor des Textes hat ja recht, wenn wir mittelfristig und langfristig an Urlaub denken werden, fallen Destinationen wie Italien, Spanien oder Frankreich leider aus. Das ist extrem bitter, habe ich doch selbst meine letzten Sommerurlaube auf Ischia verbracht.

 

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Daher gibt es nur eine Alternative: Urlaub in Deutschland! Und damit jetzt nicht alle an die Küsten von Nord- und Ostsee stürmen, ist die gute Nachricht: Es gibt jede Menge andere Regionen in Deutschland, die Spaß machen. Sucht Euer Glück im Hunsrück! Auch in der Rhön ist es schön! Im Zweifel die Eifel! Im Moment scheint ein (kurzer oder langer) Urlaub in den deutschen Mittelgebirgen noch Zukunftsmusik zu sein – touristische sind Übernachtungen verboten, gastronomische Betriebe sind geschlossen. Aber ich bin überzeugt: es wird Lockerungen geben. Warum sollten Paare nicht ein Zimmer in einer Pension buchen, wenn im Frühstücksraum Abstand gewahrt wird? Warum darf keine Außengastronomie betrieben werden, wenn die Tische über zwei Meter entfernt sind? Warum kann ich als Familie keine Ferienwohung buchen? – der Kontakt zum Vermieter kann virtuell bleiben und der Schlüssel liegt sowieso meistens unter der Fussmatte. Thüringen ist sogar beim Thema Kollektiv-Wandern schon voran gegangen: Versammlungen ab 50 Menschen unter freiem Himmel sind ab dem 3. Mai erlaubt, da steckt wahrscheinlich der Rennsteigverein dahinter!

 

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Darum geht es beim Wandern: Um lustvolle Bewegung an der frischen Luft, die wahrscheinlich bald als Corona-Prävention offiziell von J. Spahn anerkannt werden wird. Vielleicht könnte man erst einmal (ein Hoch auf das föderale System!) Urlaub im eigenen Bundesland erlauben. Die Bayern, Schwaben und Rheinländer hätten eine große Auswahl, die Saarländer auch. Die Bremer und Hamburger, na ja. Auf jeden Fall gilt weiterhin: Wer den Kopf in den Sand steckt, sieht nicht die schöne Landschaft!

 

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Und wer nur durchs Fernglas schaut und dabei Corona trinkt, hat wahrscheinlich auch nicht den kompletten Durchblick.

 



Teuflische Zeiten

Geschrieben am um 6:33

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In Krisenzeiten braucht man immer einen Sündenbock. Im Mittelalter waren das Hexen und vor allem – der Teufel. Daher hat die Stadt Pirmasens in der Westpfalz den Teufelspfad angelegt. Wer weiß, vielleicht war ein teuflischer Hintergedanke eine Reminiszenz an den 1. FC Kaiserslautern, die teuflischen Betzebuben, die in der nächsten Saison leider in der vierten Liga spielen müssen, wenn es eine nächste Saison geben sollte.

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Der Teufelspfad macht vor allem in der Teufelsschlucht mit vielen schönen Felsen große Wanderlust. Durch diese hohle Gasse ist er wohl dereinst geschlendert, der Beezlebub, um sich sodann …

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… am Teufelsbrunnen mit einem Schluck kühlen Wassers zu laben. Irgendwie ist alles ziemlich teuflisch an diesem Wanderweg, daher gehe ich auch davon aus, dass der Gehörnte auch auf diesem …

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… Teufelsstein Platz nahm, um kommende Untaten, Schandtaten und Pandemien zu planen. Nun fragt man sich ja als geneigter Teufologe, wie er denn nun aussieht, der Dämon. Da der Typ wahnsinnig eitel ist (Todsünde!) hat er natürlich eine Holzskulptur nach seinem Ebenbilde anfertigen lassen …

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… die Teufelsstatue. Nicht gerade ein Adonis, dieser Höllenbaron. Irritierend ist auch, dass des Teufels Gemächt doch recht winzig erscheint …

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… der Teufelspenis ist wahrlich winzig geraten. Aber auf so einen Teufelspenis haben sich die Hexen nicht verlassen, dafür hatten Hexen („Hex Hex“) ja Hexenbesen. Nach der teuflischen Wanderung hatte ich mich auf eine schöne Teufels-Einkehr gefreut, …

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… die Teufels-Gaststätte hatte im Netz mit pfälzischen Köstlichkeiten geworben, wie zum Beispiel einem teuflischen Saumagen. Aber, Teufel noch mal…

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… das Teufels-Naturfreundehaus hatte teuflischen Ruhetag. Auch schon vor Corona. Also auf in den …

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… Teufels-Supermarkt mitten in Pirmasens. Mit teuflischem Hunger spürte ich ziemlich rasch …

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… die Wurst-Theke des Teufels auf und kaufte mir reichlich Saumagen. Schnell nach Hause ins Saarland (dehemm ist es doch am schönsten) …

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Und dort habe ich mir auf des Teufels Herd in der Teufels-Pfanne ein teuflisches Mittagessen bereitet.

Hurra! Darauf ein teuflischer Reim:

Saumagen aus der westlichen Pfalz,

schmeckt wie Bananen von Manni Kaltz



Die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten

Geschrieben am um 6:23

Vorgestern die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten. Schon die Anreise zum Bahnhof Flonheim/Rheinhessen war etwas beschwerlich. Die Zugtaktung im Regionalverkehr ist ja ziemlich ausgedünnt worden, daher ist an einigen Gleisabschnitten das Strauchwerk doch relativ üppig gewachsen.

 

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Start auf der Hiwweltour „Aulheimer Tal“. Es ging los auf einem Naturpfad. Es ist brillant, ein großes Holzschild an den Naturpfad zu stellen, sonst hätte man gar nicht gewusst, dass der Naturpfad ein Naturpfad ist.

 

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An der ersten Rastmöglichkeit mit Ausblick lag eine amtliche Mitteilung auf dem Tisch. Rasten + Picknick mit mehreren Personen ist strengstens verboten. Ich habe kurz durchgezählt – EINS! – und habe Wein und Käse ausgepackt.

 

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Im Nachhinein bin ich glücklich gewesen, dass es bei der ersten Picknick-Möglichkeit überhaupt noch eine Tischplatte gab. An anderen Stellen des Wegs in der Rheinhessischen Schweiz (wer braucht noch die „richtige“ Schweiz, wenn es die Rheinhessische Schweiz gibt?) ist die Tischplatte des langen „Wein-Tischs“ komplett verschwunden, abgebaut von Anti-Corona-Wander-Partys-Sonder-Einsatz-Kommandos.

 

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Ich dachte, ich hätte mich verlaufen, als ich die Markierung „Küstenweg“ sah. Plötzlich an der Waterkant, an der Adria, an der Costa Brava? Nein, die ehemalige Küste ist in der Landschaft noch ganz gut zu erkennen. Seit ungefähr 30 Millionen Jahre ist die Küste aber keine Küste mehr.

 

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Damals reichte die Nordsee bis an die Eifel heran. Wie man auf der Karte sieht, waren „K“ und „L“, also Köln und Leipzig, am Meeresboden zu finden.

 

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Sehr schön war es, am weißen Trullo zu rasten. In Rheinhessen wurden die Trullos als Winzerhäuschen genutzt, ursprünglich findet man diese Hüttenform allerdings nur in Apulien. Ein kleiner Trost in Corona-Zeiten. Wenn man schon nicht nach Italien reisen darf, kann man ein Stück Italien in der Heimat genießen.

 

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Die Flasche vor dem Gesicht ist eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass ich die Zukunft als Optimist rosarot sehe. Zurzeit ist es natürlich einfach nur traurig, am Ende der Wanderung die abgesperrte Gaststätte zu sehen. Kein Belohnungsbier dank Corona. Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei. Bitte öffnet die Biergärten so schnell wie möglich, wir halten auch Abstand!

 

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Andrack jetzt Blog schreibt

Geschrieben am um 10:33

Frisst das fiese Corona-Virus eigentlich auch Gehirnzellen Von Spiegel-Online-Redakteuren?

 

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Wie auch immer: Manuel Andrack jetzt Blog schreibt

 

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Gut, dass die Badeinsel gesperrt ist. Das kann Menschenleben retten. Denn wenn man Ende März bei sechs Grad Außentemperatur in den Badesee springen, drin plantschen und schwimmen würde, könnte man sich den Tod holen.

 

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Alle Gaststätten, vor allem aber die Außengastronomie zuzusperren, obwohl mit ausreichend Sicherheitsabstand dort einzelne Wanderer oder Kleinfamilien etwas verzehren könnten, auch das ist total sinnvoll. Mir fällt zwar kein einziger Grund ein, warum das sinnvoll ist. Aber wenn alle sagen, dass das sinnvoll ist, dann ist das sinnvoll. Genauso sinnvoll, wie sämtliche Geschäfte zuzusperren, obwohl sich nachweislich kein einziger Mensch in Deutschland beim Einkaufen angesteckt hat.

 

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Viele machen es sich in diesen Tagen leicht, und bleiben komplett zu Hause. Andere nehmen es für ihre Gesundheit auf sich, jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Das birgt Risiken, die nichts mit Corona zu tun haben. Vorgestern habe ich mit meiner Familie eine kurze Radtour gemacht. Ich gebe es zu, ich schaffe es nicht, Frau und Tochter JEDEN Tag zum Wandern zu motivieren. Also jeden zweiten Tag Radtour. Warum nicht, immerhin bin ich ehemaliger Rad-Profi. 2008 bin ich die 21 Kehren von Alpe d’Huez in sensationellen 1:43 Stunden hinauf gerast. Nur 1 Stunde und 11 Minuten langsamer als Marco Pantini bei seiner Rekordfahrt für die Ewigkeit. Dafür bin ich still alive, der arme Marco nicht.

 

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Kletterkünste sind das eine beim Radfahren, das andere sind Steuerkünste. Auch unvergessen, wie Jan Ullrich dereinst bei einer Abfahrt – schwupps – hinter der Leitplanke verschwand, kurz darauf aus dem Gebüsch kletterte und wieder aufs Rad steigt. Vorgestern also die kurze Radtour. Wir fuhren an einem schönen Teich entlang, ich drehe mich kurz zu meiner Tochter um, dann wieder nach vorne, merke, dass ich ziemlich nah am rechten Rand meines Weges fahre, da sollte man besser gegensteuern – oder doch bremsen? Die Rettungsmanöver wären auch fast gelungen, wenn nicht plötzlich ein Stück vom Weg einfach gefehlt hätte, weggebrochen, was weiß ich. Sehr merkwürdig wie schnell das gehen kann. Rad und Radfahrer verschwinden im Teich. Ein Jogger kommt vorbei, rettet geistesgegenwärtig mein Fahrrad, bevor das untergeht. Ein Fahrrad ist definitiv wichtiger als mein Leben. Na ja, so schlimm wars auch wieder nicht, auf jeden Fall nicht lebensbedrohlich.

 

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Andrack jetzt fertig mit Blog schreibt

 



Weinlese in Boppard

Geschrieben am um 6:23

Gaaanz langsam naht der Frühling, die Sonnenstrahlen wärmen wieder das Herz nach diesem eisigen, kalten Winter. Bald schon kommt die Zeit der Lese, die Trauben sind reif, der Winzer fährt hinaus in die Weinberge, um die Ernte einzufahren. Wie bitte, es ist erst März? Ach so. Ich dachte, wegen Klimawandel und so, günge das schneller in diesem Jahr. Na gut, dann erzähle ich eben ein wenig von meinem Lese-Abenteuer im Herbst 2019.

 

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Hat sich nicht schon so mancher in seiner Midlife-Crisis gefragt, ob er dereinst wirklich den richtigen Beruf ergriff? Jeden Tag die gleiche Scheiße, die gleichen Kollegen, der gleiche geistig zurückgebliebene Chef. Die Wahrheit ist: ja, wir haben fast alle einen Fehler bei der Berufswahl gemacht – den Fehler, nicht Winzer zu werden. Ein Arbeitsplatz mit garantiert schönen Ausblicken ist schon mal die halbe Miete.

 

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Allerdings hat es ein Winzer in Zeiten des Klimawandels nicht leicht. Ich durfte beim genialen und traditionsreichen Weingut „Heilig Grab“ in Boppard bei der Weinlese helfen. Traditiosnreich? Und wie! Warum liegt das Weingut direkt am Bahnhof? – Der Bahnhof wurde eben später erbaut. Aber wenn der Sommer zu heiß war, dann sehen die Trauben eher wie Rosinen aus, bei der Lese heißt das: Traube ernten, die trockenen Stellen mit dem dicken Daumen wegpiddeln, ab in die Plastikkiste.

 

 

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Wir haben früh in der Steillage angefangen, das war echt harte Arbeit. In der Truppe zu arbeiten war sehr schön. Es wurde viel geredet. Was man so alles über die Bürger von Boppard erfahren konnte… Mein Lieblingsspruch eines Erntehelfers nach einem kurzen, aber heftigen Regenschauer: „Die Trauben kann man aber nicht mehr zu trockenem Wein verarbeiten.“

 

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Das Beste am Weinlesen sind die Pausen. Zweites Frühstück und Mittagessen, Kaffee und Kuchen gibt es bei der Rückkehr im Weingut. Die Frage ist immer, ob die Biertischgarnitur unterhalb oder oberhalb des Wingerts aufgestellt wurde. Beim Mittagessen ging es nach oben. Die polnischen Frauen durften mit dem Schlitten hochfahren, ich musste die 70-prozentige Steigung hochstiefeln. Die letzten zwei Meter habe ich nicht geschafft, mit vereinten Kräften wurde ich hochgezogen.

 

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Das Schönste an der Pause ist, wenn der Wein kommt. Eiserne Regel: Kein Wein ZUM Essen, sondern erst danach. Als Dessert. Als Absacker. Als Muntermacher für die nächsten Rebreihen.

 

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Irgendwann hatte ich Rücken vom vielen Bücken, um an die Trauben zu kommen. Also erfand ich die Bopparder Sitzlese. Das ist bequem und effizient. Von wegen Sitzen ist für den Arsch. Eher eine Art entspannte Yoga-Übung mit sinnvollem Ertrag. Wenn ihr Wein kosten wollt, den ich vielleicht auch mitgelesen habe, müsst ihr Euch noch ein wenig gedulden, bis der 2019er fertig ist. Bestellungen an weine@heiliggrab.de



Du musst wandern – gegen Corona

Geschrieben am um 12:52

Wie Kollege Hintermstoaner zuletzt richtig bemerkte, ist die Wortwahl der Anweisungen, warum man zur Zeit gerade noch das Haus verlassen darf, in Bezug auf die unbedingt notwendige Bewegung an der frischen Luft sehr merkwürdig. Da ist immerzu von Spaziergängen die Rede, nie von Wanderungen. Ich halte die Wortwahl sogar für brandgefährlich, denn historisch gesehen fand der „Spaziergang“, das „Flanieren“ immer im städtischen Umfeld statt. Und genau das ist ja eben unvernünftig. Wenn alle jetzt (auch einzeln und in der Kleinfamilie) im Stadtpark spazieren gehen, ist das einfach Scheiße! Nein, wir müssen raus, raus in die Natur, in die Wälder und wandern.

 

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Ich habe eine Vermutung, warum die Politiker das Wort „Wandern“ scheuen. Weil sie nicht wissen, dass man auch kurze Strecken wandern kann. Für die meisten bedeutet „Wandern“ immer noch eine mehrtägige Wandertour (geht nicht mehr) oder Gruppen-Veranstaltungen mit dem Wanderverein (geht natürlich auch nicht mehr). Aber Wandern bedeutet ganz simpel, raus aus der Stadt zu kommen, sich in zivilisationsferne Gegenden zu begeben. Ich weiß ich habe gut reden, ich wohne im ländlichen Raum, habe es nicht weit bis zur nächsten Wanderung und Fahrradtour. Aber auch in der Nähe von Düsseldorf und Hamburg (nur mal so als Beispiel) kann man hervorragend wandern.

 

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Irritiert hat mich meine Lieblings-Politikerin (keine Ironie) Annegret Kramp-Karrenbauer. In einer Mitteilung der letzten Tage schrieb sie: „… die kommenden Tage und Wochen stellen uns vor bisher unbekannte Herausforderungen. Ich bin mir sicher, wir werden sie bewältigen. Je enger wir zusammenstehen, desto besser kann dies gelingen.“ Eng zusammenstehen, Klammerblues und so? Liebe AKK, das sollte man besser unterlassen.

In der FAZ las ich gestern:„Kretschmann hat erklärt, dass Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen nun verboten seien, außer für Familien und Paare.“ Gut, vier-, fünf–, oder sechsköpige Familien kann ich mir vorstellen. Aber Paare mit vier und mehr Leuten? Mal nachzählen: Ein Paar sind: Eins, zwei. Bin gespannt, auf die ersten fünf Jugendlichen, die sich als EIN Paar ausgeben.

 

 

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Toll finde ich, dass auch Herr Jauch zu Hause bleibt. Aber was macht der gute Mann denn da mit seinen Händen? Ist das ein gut gemeinter Tipp von Onkel Günter, was entnervte Eltern mit ihren Kleinkindern spielen sollen, die nicht mehr auf den Spielplatz dürfen? Der Bi-Ba-Butzemann geht in unserem Haus herum, widdebum? Oder soll der vom Betrachter gesehen linke Arm anzeigen, wie die Kursverläufe in Jauchs Depot VOR der Corona-Krise waren und der rechte Arm die Kursverluste NACH Corona andeuten?

Fazit Stand heute: Zuhause bleiben ist hervorragend, zu Hause bleiben und täglich kurz Wandern (oder Raddfahren) ist noch besser.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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