Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Frau Holle und das Holz vor der Hütte

Geschrieben am um 8:47

Am 7. März werde ich auf der ITB in Berlin eine Weltneuheit vorstellen: Die Premium Wander Welt. Ein Zusammenschluss von sechs Wander-Regionen mit vielen traumhaften Premiumwegen. Um mich über die Werratal-Region in der Mitte von Deutschland zu informieren, bin ich im Januar dort gewandert. Genau gesagt war ich auf dem P1 unterwegs…

 

 

… der P1 hat nix mit einer Promi-Disco in München zu tun, der P1 war der erste Premiumweg am legendären Berg Meißner. Wieso legendär? Nun, die olle Frau Holle wirkt dort. Und wer das Ganze nur für ein Kindermärchen hält, hätte mal Ende Januar zum Frau-Holle-Teich fahren soll. Dort befindet sich das Weltkompetenz-Zentrum für Schnee-Erzeugung und Frau Holle hatte ordentlich die Kissen geschüttelt

 

 

Ich erfuhr vor Ort, dass die Holzskulptur von Frau Holle, die die Dame nicht als hutzelige Oma, sondern als durchaus proppere Frau darstellt, vor einigen Jahren bundesweit für Aufregung sorgte. Das Titten-Fachmagazin BILD mutmaßte, die Frau-Holle-Skulptur müsse ja mindestens Körbchen-Größe D haben, auf jeden Fall habe die altehrwürdige Märchenfigur doch ganz schön viel Holz vor der Hütte.

 

 

Liebe BILD, kühlt doch mal ab, wenn ich das richtig mit meiner Alterskurzsichtigkeit sehe, ist die Frau Holle doch ganz “normal” proportioniert. Außerdem handelt es sich um ein Kunstwerk, und nicht um eine fotografische Wiedergabe von Frau Holle. Denn eigentlich sieht Frau Holle ganz anders aus, ich habe sie nämlich gesehen. Aber dazu an anderer Stelle mehr…

 



Wanderzielgruppen die Zweite

Geschrieben am um 13:35

Herzlichen Dank für die zahlreichen Kommentare zu meinem Wanderzielgruppen-Blog. Besonderen Dank an Michael Moll für seinen Link Blog. Jetzt weiß ich, wie man auf norwegischen Wegen Haute Cauture und Funktionalität unter einen Hut bringt.

http://www.dieweltenbummler.de/Blog/sicherheit-auf-wanderwegen/

Außerdem auch Dank an Ralf Schmädicke für den Link zur Bergwander-Typologie. Ich persönlich bin am ehesten der Hausmeister-Fraktion zuzurechnen.

http://www.auf-touren.de/2011/09/20/berg-seniorentypologie/#more-1774

Prinzipiell ist es aber doch so, dass Wandern einfach glücklich macht, egal, in welche Zielgruppe man zielt. So rundherum glücklich, wie die Wanderzielgruppenmodels auf der Stuttgrater Messe.

 



So sehen Wanderzielgruppen aus

Geschrieben am um 9:53

Letzte Woche war ich Gast bei der Touristikmesse CMT in Stuttgart. Auf einer Messe kann man sich informieren, auf einer Messe kann man aber auch immer noch etwas lernen. Ich lauschte einem Vortrag eines Kieler Tourismusforschers.

Er präsentierte – interessant für jeden Touristiker, denn man möchte doch wissen, wer das Geld in die Region bringen soll – er präsentierte also unterschiedliche Wanderzielgruppen. Der Professor aus Kiel hetzte aber nicht durch eine mediokre Power-Point-Präsentation, sondern stellte die Zielgruppen mithilfe einer Riege von internationalen Top Models vor.

Zunächst einmal gibt es den konservativen Wanderer:

 

 

Vom Outfit her fühlte ich mich diesen Herrschaften am meisten verbunden. Auch die Gegend, in der die beiden wandern wollten ist spitze. Die Dame hatte nämlich eine Wanderkarte von “Stuttgart und Umgebung” dabei, eine Region, die Dank der Renaturierungs-Bemühungen von Stuttgart 21 an Naturverbundenheit kaum zu übertreffen ist.

Dann wanderte eine Dame in die Halle, die als Vertreterin der Mittelschicht bezeichnet wurde (links neben den beiden Tourenradfahreren):

 

 

Etwas moderner gekleidet, und solo unterwegs, also nicht nur aus der Mittelschicht, sondern auch in der Midlife Crisis angekommen. Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann hat ‘ne Jüngere, da muss man eben einsam wandern.

Und schließlich kam sie, die Top-Performerin, hoch gebildet, unglaublich wohlhabend, arbeitet in einer Top-Position:

 

 

Also, wenn so der Wander-Top-Performer aussieht, werde ich nie einer: Leggings beim “Wandern“, Ohrstöpsel, Walkingstöcke. Hmmmm… Aber egal, Touristiker werden ihre Top-Klientel sicher in Zukunft schon von weitem identifizieren. Man erkennt die reichen und schönen Wanderer eben schon von weitem an den Ohrstöpseln und  Walkingstöcke, so einfach ist das…

 

Für die Zurverfügungstellung der Bilder auf diesem Blog möchte ich Jochen Leuschner (www.jl-photographie.de) danken.

 



Kolumne im kicker

Geschrieben am um 12:40

Es ist doch schön, wenn das neue Jahr auch eine neue Aufgabe bereithält. Mein Job wird es sein, für die Mutter aller deutschen Fußballmagazinen, den kicker, eine Kolumne zu schreiben. Bisher schreiben an dieser Stelle Django Asül, Dieter Hildebrandt, Atze Schröder, Werner Schneyder. Keine schlechte Gesellschaft, wie ich finde.

Ich werde in der Kolumne, die ab Montag an allen gut und auch schlecht sortierten Zeitschriftenläden erhältlich ist, einige Prognosen für das Fußballjahr 2013 wagen. Was in der Kolumne steht, werde ich natürlich verraten. Aber ich weiß zufällig, was an den Fußballstandorten Frankfurt und Karlsruhe in genau einem Jahr los sein wird.

Bei Eintracht Frankfurt ist zum Jahreswechsel 2013/2014 der Jammer groß. Letzter der Bundesligatabelle nach der Hinrunde, und das nach der Vizemeisterschaft in der Vorsaison. Die Doppelbelastung mit Liga und Champions League war für den Adler-Club einfach zu groß.

In der zweiten Liga führt souverän der Karlsruher SC, seitdem dort Mehmet Scholl als Fußballdirketor mit losem Mundwerk die regie übernommen hat. Sein spektakulärster Coup nach dem Aufstieg im Sommer war die Rückholaktion von Euro Eddy, der seitdem Tore am Fließband schießt.

 

 

 

Mehr am Montag im kicker!



Vital! Wandern!!!

Geschrieben am um 8:50

Zuletzt war ich in zwei Bädern unterwegs, in Bad Oeynhausen und Bad Driburg. In diesen Bädern gibt es ganz spezielle Wanderwege, die sogenannten Vitalwanderwege. Klingt erst mal banal, denn dass Wandern vital macht, das ist nun mal ein Allgemeinplatz. Aber bei den Vitalwanderwegen gibt es eine Besonderheit. Konzipiert wurden die Wege, die teilweise sehr kurz sind (5,4 Kilometer in Bad Oeynhausen, topfflach) für Herzpatienten, bei denen das Wandern zum Reha-Programm gehört. Die Herzpatienten bekommen ein Messgerät, das mittels SMS, Bluetooth und Mobilfunk die Körperdaten an das Institut für Telemedizin in Oeynhausen funkt. Wenn sich der Patient überfordert, bekommt er sofort eine Rückmeldung. Und wer sich nicht wohlfühlt, kann an diversen Notrufstellen seine Koordinaten hinterlassen.

 

 

Auf dem Vitalwanderweg in Bad Driburg sah ich dann diese Bank:

 

 

Ich war froh, dass ich mein Vitalwanderweg-Messgerät dabei hatte, denn mein Puls ging unnormal in die Höhe. Und ich fragte mich, ob es diesen Vitalgedöns-Service auch fürs Ehebett gibt, dort hat schon mancher einen Herzkasper bekommen.

Etwas betulicher ging es auf den Felsen in der Oeynhauser Schweiz zu:

 

 

Genau, dass sind die Klippen von Bad Oeynhausen, gefährlich ist das und spektakulär. Und bei Höhenunterschieden von mindestens acht Metern in der Oeynhauser Schweiz  sollte man Klettereisen und Seil nicht vergessen. In der VitalWanderWelt.



Enthemmte spanische Nackedeis

Geschrieben am um 5:45

Erst einmal wünsche ich Euch ein frohes neues Wanderjahr!!!

Seit November habe ich immer wieder in meinem Blog auf die Vorzüge des Wanderns an der Costa Brava hingewiesen. Aber, das wussten alle Philosophen von Platon bis Schopenhauer, wo Licht ist, da ist auch Schatten. Es ist nicht alles so toll, wenn man an der Küste wandert. Nicht nur, dass es ziemlich beschwerlich ist, durch den Sand zu stapfen.

 

 

Nein, dann liegen in dem Sand auch noch diese ganzen Sonnenanbeter oder wie die heißen rum. Faulenzer, Gammler sind das, wenn Ihr mich fragt. Was ist das denn für ein Benehmen, den ganzen Tag in der Sonne rum zu liegen? Na ja, so was muss man eben als Wanderer an der Mittelmeerküste ertragen. Aber das war ja nichts gegen den Terror an der Cala Nudista.

 

 

Für alle Hispanophoben: Cala Nudista ist ein Sexbadestrand und so war auch das Wandern dort die reinste Hölle. Enthemmte spanische Nackedeis wollten der deutschen Wandergruppe an die Wäsche, wir sind nicht mehr gewandert, wir sind geflohen.

Und dann waren wir endlich weg vom Strand und vom Meer und gingen auf einem schönen Küsten-Wanderweg. Und dann bekamen einige aus der Wandertruppe den Tunnelblick, eine höchst tückische und extrem ansteckende Augenkrankheit. Schlimm!

 

 

Das deutsche Mittelgebirge ist auch schön, habe ich da gedacht.



Was so alles an den Bäumen hängt …

Geschrieben am um 9:56

Früher, als die gute Zeit noch alt war oder die alte Zeit noch gut war oder wie man das nennt, früher also, da war alles so einfach. An den Bäumen da hingen Äste und Zweige und an diesen wiederum hingen Blätter, Blüten, Äpfel, Walnüsse und so weiter. Aber die guten alten Zeiten waren manchmal auch sehr unlustig, denn ab und zu hing auch ein Galgenstrick am Baum, aber nur manchmal.

 

Es ist nur äußerst befremdlich, was ich in den letzten Jahren auf meinen Wanderungen an Bäumen in Augenhöhe hängen sah:

 

Ein BH, eine Brille, ein Kleid. Eigentlich eine klassische Reihenfolge eines gekonnt hingelegten Stripteases. Befremdlich nur, dass die Fundorte im Saarland, im Bergischen Land und in Katalonien zu finden sind. Eine lange Strecke für eine kleine exhibitionistische Nummer! Es muss sich also um Wanderer handeln, die sozusagen teil-exhibitionistisch veranlagt sind. Nun ja, jeder nach seiner Facon, wie meine Mutter immer sagt…



Die Erfindung der Currywurst und eine sensationelle Bahnhofsgaststätte

Geschrieben am um 7:24

Zuletzt wanderte ich in XY. Wo XY liegt, will ich in diesem Fall mal verschweigen, weil es einfach besser für den Ort ist, denn es ist nun mal nicht der schönste Ort der Welt. Wie das Schicksal es wollte, musste ich dann auch noch durch das Industriegebiet von XY wandern, man kann sich manchmal die Routen nicht aussuchen. Auf jeden Fall sah ich im Industriegebiet von XY die Bratwurstarena, die mit einer sensationellen Weltneuigkeit warb:

 

 

Das muss man sich mal vorstellen, völlig verrückte Geschichte: Curry-Wurst!!! Und dann auch noch mit Pommes!!!! Ganz neu !!!!! Irre, total crazy.

Da mir das alles zu modern war, habe ich lieber in einer der schönsten (und das meine ich jetzt völlig ironiefrei) Bahnhofsgaststätten Deutschlands einen Tee getrunken und ein Stück Apfelkuchen gegessen.

 

 

In Altenbeken gibt es noch ein richtiges Bahnhofsrestaurant, ein gigantischer Ort, völlig aus der Zeit gefallen. Der Paketbote kam rein und der Wirt rief: “Mama, mach mal nen’ Kaffee”. Und das tat die Mama dann auch. Und der Paketbote setzte sich gemütlich hin und trank erst mal ein Viertel Stündchen genüsslich ‘ne Tasse Kaffee und schnackte ein bisschen mit dem Wirt und seiner Mama. Es ging um das Thema Krankheiten. Der Wirt meinte, vom Krankwerden halte er gar nichts, da nütze ihm die schönste Krankheit nichts. Und überhaupt: Wenn er mal krank würde, so richtig krank, wer soll denn dann den ganzen Bahnhof schmeißen? Nein, nein, so eine Krankheit könne er sich nicht erlauben.

Dann ging der Postbote, ich trank meinen Tee aus, und fuhr mit dem Zug Richtung Kassel. Aber eigentlich wäre ich gerne den Rest meines Lebens in der Bahnhofsgaststätte von Altenbeken geblieben und hätte bei einer Tasse Tee dem Wirt und seiner Mutter gelauscht. In diesem Sinne: Ein frohes Fest!



Noch eine Stunde und elf Minuten bis Llafranc

Geschrieben am um 10:21

Ich bin an der Costa Brava gewandert und sah dieses Hinweisschild:

 

 

Interessant, dachte ich, die Wander-Entfernung wird also in Katalonistan in Zeit und nicht in Kilometern angegeben. So wie zum Beispiel generell in der Schweiz. Aber, jetzt mal ehrlich, war der katalenesische Wegezeitenausmesser besoffen oder Karnevalist? Eine Stunde und elf Minuten, ist das so sicher, dass man GENAU so lange nach Llafranc wandert? Ich weiß nicht. Die spinnen, die Kataloniker!

Wo wir schon bei merkwürdigen Schildern sind. Dieses hier sah ich am Eggegebirge in Bad Driburg:

 

 

Ein Arboretum, so, so, die feinen Bad Driburger machen es wohl nicht darunter. Früher hieß so was Waldlehrpfad, aber “Arboretum”? Da braucht man ja das extrem große Latinum, um das zu kapieren, mindestens. Da ist mir doch die erdige Eifeler Mentalität am liebsten wie auf diesem Schild, gesichtet in Vicht bei Stolberg in der Nordeifel:

 

 

Der Vfb Vichttal 08 hat eben ein Herz für Frauen. Während die männlichen Fußball-Fans 5 Euro zu den Spielen des Landesligisten zahlen müssen, werden Frauen nur mit 3 Euro belastet. Genauso wie Rentner und Studenten. Ich frage mich nur Und wie viel müssen denn RentnerINNNEN und StudentINNEN zahlen? Einen Euro? Gar nix? Ich bitte um Aufklärung.



Wer viel wandert so manche Meile…

Geschrieben am um 14:17

 

“Wer viel wandert so manche Meile, Gott schuf die Zeit und nicht die Eile” – diesen Sinnspruch, den ich auf einem Wanderweg an der Urft in der Nähe von Kall in der Eifel fand, den fand ich zunächst ganz toll und wollte ihn mir schon auf den Rücken tätowieren. Doch dann las ich ihn noch mal und noch mal und noch mal und kapierte immer weniger. Muss es nach „Wer viel wandert so manche Meile…“ nicht mit einem Relativsatz oder wie das grammatikalisch korrekt heißt, weitergehen? So nach dem Motto: „Wer viel wandert so manche Meile, der läuft sich Blasen und braucht ‘ne Feile.“ Dann kommt aber plötzlich Gott ins Spiel, und auch noch die Zeit. Hm. Ein Sinnspruch für Mystiker, Esoteriker und Philosophen, ich kapiere ihn nicht.

Wenig später, auf dem neu gepimpten und sehr empfehlenswerten Römerkanal-Wanderweg, sah ich dieses Schilder-Wirrwarr.

 

 

Da wird dem Wanderer also die Entfernung nach unter anderem Venedig, Istanbul und Johannisburg angezeigt. Gut und schön, das zu wissen, aber wie weit – fragt man sich – ist es eigentlich genau nach Nettersheim?

Aber dann sah ich oberhalb der Burg Dalbenden ein Stück Römerkanal, denn ohne Römerkanal wäre der Römerkanal-Wanderweg ein etwas mickriger Römerkanal-Wanderweg.

 

 

Man sieht: Ein toller Aufschluß gibt Aufschluß über die erfindungsreiche Bauweise der römischen Top-Ingenieure.

Und zur Erholung vom Volkshochschulkurs “Römerkanalistik” spielte ich mit drei Mitspielern und vier Bällen Tischtennis Furioso. Denn merke: „Wer viel wandert so manche Meile, der sieht sehr merkwürdige Tischtennisplatten“! Das reimt sich nicht, ich weiß, aber so ist sie eben, die moderne Lyrik!

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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