Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der Schwarzenholzer Grenzsteinweg

Geschrieben am um 06:46

Die Tage werden wieder länger. In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs über die Sommerzeit. Von Jahr zu Jahr steigt der Unwillen über die Sommerzeit. Vor allem bei der Zeitumstellung im Frühjahr werden ständig die Stimmen lauter, die die “gestohlene” Stunde beklagen und ein Ende der künstlichen Zeitumstellung fordern. Ich gestehe: ich bin ein großer Fan der Zeitumstellung. Energieeinsparung? Ist mir piepegal. Aber die langen Abenden im Biergarten, die Wanderungen bis neun/zehn Uhr Abends, das ist doch einfach großartig. Wer bitte schön hätte einen Vorteil, wenn es im Hochsommer schon morgens um 4.00 Uhr hell ist?

Und gerade die Sommerzeit ermöglicht es uns, auch wieder nach der Arbeit in der nächsten Umgebung zu wandern. Am Wochenende, ja, da nehmen wir uns die Wege vor, die in den hübschesten Ecken der Republik liegen. Aber während der Sommerzeit wird auch verstärkt in der nahen und nächsten Umgebung gewandert. Daher habe ich jetzt auch erst den Schwarzenholzer Grenzsteinweg entdeckt. Der Start ist ungefähr drei Kilometer von meinem Haus entfernt.

 

DSCF0664

 

Nun gut, sehr sexy ist der Park-und-Mitfahrer-Parkplatz an der A8 nicht, der der Startpunkt der 14 Kilometer langen Wanderrunde ist. Achtung: Die großen blauen Wegweiser sind nicht für Wanderer bestimmt. Es empfiehlt sich also nicht, in Richtung Köln zu wandern, es sei denn, man will einmal der Held im Verkehrsfunk sein. Aber ganz ganz klein kann man schon am rostig-silbernen Pfeiler die Markierung des Grenzsteinwegs erkennen.

 

DSCF0650

 

Hübsche Markierung und – um das vorweg zu nehmen – die Markierung des ganzen Wegs ist perfekt und eindeutig premiumwürdig. Man fragt sich aber natürlich als von Natur aus skeptischer Mensch, ob denn das Versprechen mit den Grenzsteinen eingelöst wird. Man kennt das ja, kaum muss man mal 100 Höhenmeter überwinden, schon hat man es mit einem “Steig” zu tun. Kaum steht eine alte Eiche am Wegrand, schon geht man auf dem “Eichenpfad”. Aber keine Angst, auf dem Schwarzenholzer Grenzsteinweg sieht man knapp 50 Grenzsteine, das reicht doch für’s Erste, oder?

 

DSCF0660

 

Auf vielen Steinen ist “SH” eingemeißelt, das heißt Schwarzenholz, “S” steht für Schwalbach, aber was bedeutet “F”? Steht das für Faarbrücken? Für Faarlouis? Oder für Füttlingen? Keine Ahnung. Es gibt aber nicht nur Grenzsteine am Wegrand, sondern auch jede Menge schöne Wegpassagen.

 

DSCF0656

 

Fazit: Dank der Sommerzeit bin ich den Grenzsteinweg nun endlich gegegangen. 50 Prozent sind voll Premiumtauglich, 30% qualitätswegtauglich, die restlichen 20 % sind: na ja. Für einen Weg-um-die-Ecke ist diese Mischungsverhältnis voll okay.



Frohes neues Jahr und der erste Wanderskandal des Jahres

Geschrieben am um 04:44

Ich wünsche Euch allen ein frohes, glückliches, erfolgreiches, gesundes, aufregendes, emotionales und tolles neues Jahr! Viele denken, ich hätte in meiner Blogpause von Ende Dezember bis zum 1. Februar auf der faulen Haut gelegen. Falsch! Erstens habe ich keine faule, sondern nur eine fleißige Haut. Und zweitens bin ich NATÜRLICH gewandert, was denn sonst. Bevorzugt wandere ich außerhalb der Wandersaison in den neuheimatlichen Gefilden des Saarlands. Also habe ich mir – endlich – den Oppig-Grät-Weg südlich von Losheim vorgenommen. Dieser Weg ist übrigens der Geheimfavorit aller saarländischen Premiumwege eines führenden Mitarbeiter des Deutschen Wanderinstituts. Und warum? Natürlich wegen der Oppig Grät, übersetzt auf deutsch: Wegen der Oppig Schlucht. Lange musste ich gehen, bis ich den Einstieg in die enge Schlucht erreicht hatte. Aber dann das:

 

DSCF0362

 

Ein Wegweiser mit Klebeband verhüllt. Hatte der Wegweiser Aua? Musste das Schild notdürftig geflickt werden? Nein, der Weg war offiziell und amtlich gesperrt. Das hat mich natürlich erst recht gereizt. Baumfällarbeiten konnten es nicht sein (kein Krach nirgendwo), also was würde mich in der Schlucht erwarten?

 

DSCF0367

 

Ich kam gut voran, nun gut, da lagen ein paar Bäume quer, aber der Weg war wirklich klasse, wildromantisch, mehrere Bachüberquerungen, ein tolles Wegerlebnis. Am Ende kraxelte ich steil aus der Grät und wunderte mich. Es hatte sich keine Erdbebenspalte aufgetan, ich war nicht von einem Baum erschlagen worden und auch kein Bär hatte mich aufgefressen. Warum also war der Weg gesperrt? Am Ende der Schlucht las ich auf einem Warnschild die Auflösung:

 

DSCF0369

 

Kinners, das ist nicht Euer Ernst, oder? Es ist schon klar, dass bei Regenwetter, Eis oder Schnee man etwas vorsichtiger in der Oppig Grät sein muss, aber immerhin ist in unserem Land noch jeder Wanderer für sein körperliches Wohl selber verantwortlich. Ein Schild mit der Aufschrift BEGEHEN AUF EIGENE GEFAHR! hätte meines Erachtens komplett ausgereicht. Aber darüber hinaus dem Weg generell die Kinder-Eignung abzusprechen, ist ein kleiner Wanderskandal. Womit wollt ihr denn Kinder für’s Wandern begeistern? 100 Kilometer Asphalt geradeaus, aber bombensicher??? Genau solche Wege wie in der Oppig Grät lieben die Kleinsten! Ein wenig Klettern, verschlungene Pfade am Bach, jede Menge Wanderabenteuer! Ich werde auf jeden Fall mit meiner Tochter den Weg bald gehen, in der Kurzversion, nur die Oppig-Grät, zweieinhalb Kilometer lang, ein wunderbarer Kinderpremiumweg!

 

DSCF0366

 

Und eins kann ich auf jeden Fall garantieren: Hunden macht der Weg auf jeden Fall Spaß! Auch im Winter.



Mein Wanderhund

Geschrieben am um 06:30

Womit kann man in der medialen Öffentlichkeit immer punkten? Antwort: Kinder und Tiere. Daher ist es an der Zeit, meinen Wanderhund Luna vorzustellen…

 

IMG_3314

 

Das ist Luna, geboren im Juni 2005, Mutter Border Collie, Vater Berner Sennhund.

Wir haben den Hund im Sommer 2014 übernommen (das alte Frauchen hatte schreckliche Hundeallergie bekommen) und Luna war ein richtiger Stadthund. Zu dick, zu wenig Bewegung. Wir haben sie dann auf Diät gesetzt und ich habe sie als Wanderhund ausgebildet. Und Luna ist der perfekte Wanderhund, definitiv.

 

IMG_3319

 

Als Hütehund braucht sie nicht so viel Auslauf wie ein Jagdhund, aber sie geht sehr gerne, auch im hohen Alter. Das Entscheidende aber ist: Man kann sie problemlos ohne Leine laufen lassen. Andere Hunde, vor allem die kläffenden Exemplare, straft sie mit hoheitlicher Ignoranz. Auch andere Wanderer sind uninteressant, es sei denn, sie essen gerade ein Wurstbrot. Das ist echt äußerst angenehm, ich hätte nie Lust auf einen Hund gehabt, der andere Menschen ungefragt ansabbert, ankläfft, anspringt. Bei Luna ist die Reaktion der anderen Wanderer eher: Oh Gott, ist die süüüss, darf ich sie streicheln?

Nicht zu vergessen. Sie hört auf’s Wort: Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib, Fass, alles im Programm. Nur das mit dem Apportieren klappt nicht. Sie läuft zwar nach dem Stöckchen, will es aber partout nicht wieder hergeben.

 

IMG_3322

 

Außerdem ist Luna der perfekte Premiumweg-Hund. Als ob sie Wegmarkierungen lesen könnte, biegt sie immer in den richtigen Pfad ein. Auch wenn es mal einen Kilometer über einen breiteren Waldweg geht, findet sie immer zielsicher den Pfad, auf dem der Premiumweg weitergeht. Es gibt wertvolle Trüffelschweine, Luna könnte man als Premiumwegscout einsetzen: “Such den schönsten Weg, such!”

Wenn es überhaupt an Luna etwas zu meckern gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie im Strassenverkehr doch eher unbedarft ist. Wenn es etwas zu schnuppern gibt, lässt sie sich nicht von heran rasenden Autos abhalten und läuft schnurstracks auf die Straße…

 

IMG_3325

 

Daher gilt auf dem Bürgersteig und bei einer Strassenüberquerung immer Leinenzwang. Denn Sie soll uns ja noch lange erhalten bleiben, unsere Luna. Und noch viele Wanderungen als Wanderhund genießen können.



Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 06:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

IMG_2225
Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. “Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern” könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

IMG_2227

 

Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

IMG_2230

 

Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt “Zum Hungersberg”, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

IMG_2239

 

Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

IMG_2237

 

Wie sagt man im Saarland so schön: “Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt”. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, “für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen”. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



95, die Zweite

Geschrieben am um 07:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

IMG_2186

 

Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

IMG_2199

 

…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

IMG_2200

 

…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

IMG_2204

 

… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

IMG_2217

 

… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 06:17

“95” ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die “95” mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

IMG_2185

 

Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die “95”

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

IMG_2195
… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: “Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern”, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …



Auf der Garten-Wellness-Runde

Geschrieben am um 07:06

Die Traumschleifen-Dichte im näheren Umkreis des Stausees von Losheim ist wahrscheinlich weltweit unerreicht. Ein richtiger Wohlfühlweg ist vor nicht allzu langer Zeit dazu gekommen: Die Garten-Wellness-Runde (auf französisch: jardins et bien-etre)

 

IMG_1842

 

Es geht direkt am Festivalgelände des Losheimer Sees los, man muss durch ein Eingangsportal schreiten. Durch Türen kann man gehen, aber durch ein Portal muss man schreiten. Ich habe mich immer gefragr, warum diese Wanderportale so schrecklich hoch, und vor allem so schrecklich breit sein müssen. Im Falle der Garten-Wellness-Runde fällt die Antwort leicht: Dieser Premiumweg hat mit sechs Kilometern und 80 Höhenmetern genau die richtigen Wohlfühlmasse, um auch für sehr hohe und sehr breite Wanderer gehbar zu sein. Denn durch dieses Portal würde eben auch Rainer Calmund zusammen mit Sigmar Gabriel passen…

 

IMG_1849

 

Ob allerdings der Ex-Manager von Leverkusen und der zukünftige Bundeskanzler auf dem hübschen Steg über den Metzenbach balancieren könnten und ob jener Steg auch mit Stahlträgern verstärkt ist, das bezweifle ich sehr. Ich finde es aber klasse, welche unterschiedlichen Geh-Erlebnisse die Garten-Wellness-Runde bereit hält. Stege, sehr schmale Pfade, ziemlich schmale Pfade, mit und ohne Wurzeln, Baumstammscheiben als Trittsteine, breitere Wege, mal als Wiesenweg, mal als Forstweg…

Beeindruckend wie diese kurze Traumschleife alles an Abwechslung bereit hält, wovon der Wanderer träumt.

 

IMG_1858

 

Apropos Wanderertraum: Dazu gehört, sagen die Wanderglücksforscher, ganz unbedingt: Wasser. Neben dem Metzenbach kann da die Garten-Wellness-Runde natürlich gehörig mit dem Losheimer See punkten. Im wogenden Schilf habe ich, meine ich, glaube ich, könnte sein, ein Weidenkörbchen gesehen. Der saarländische Moses? Wenn man am See entlang geht, ist das Wasser so nah, dass man glaubt, mit einem Bein im Wasser zu stehen.

 

IMG_1851

 

Mit beiden Beinen im Wasser steht man defintiv, wenn man sich in der Kneippanlage am Wegesrand vergnügt. Kneippen hat ja mancherorts ein etwas verstaubtes Image, aber wenn man diese blitzende Highttech-Kneippanlage sieht, möchte man ja am liebsten nicht nur mit den Beinen, sondern mit dem ganzen Körper kneippen. Das könnte ein neuer Trend werden: FKK-Kneippen.

 

IMG_1861

 

Einen Großteil der Strecke verläuft der GW parallel zu zwei anderen Premiumwegen, so dass man sich aussuchen kann: Möchte ich – erstens – auf der Tafeltour laufen, und in der Gastronomie von Losheim schlemmen? Oder möchte ich – zweitens – auf dem Saar-Hunsrück-Steig weiter wandern, komplett bis nach Perl an der Obermosel oder in der anderen Richtung nach Boppard an den Rhein? Dann würde man zu den Harten gehören, denn nur die kommen sprichwörtlich in den Garten. Oder entscheidet man sich – drittens – für unsere Garten-Wellness-Runde, dann hat man beides: Garten und lukullische Genüsse am See. Entscheidet selber…



Locker Bleiben

Geschrieben am um 07:31

Kytta-Wanderung die Dritte: Wandern in der neuen Heimat auf der immer wieder sensationellen Saarschleifen Tafeltour. Die Saar, die Burg Montclair, die Fähre Welles über die Saar, das urige Steinbachtal und dann, natürlich: Die Saarschleife.

 

DSCF7094

 

Ich fand es gut, dass viele Teilnehmer der Kytta-Wandergruppe nicht aus dem Saarland kamen, und das Erlebnis Saarschleife Neuland für sie war. Böse Zungen sagen ja, dass der Saarländer die Saarschleife nicht wegen ihrer natürlichen Ursprünglichkeit liebt, sondern weil sie die Form der beliebten Fleischwurst, der Lyoner nachbildet. Aber das ist natürlich Kokolores. Freudig überrascht war ich, dass es – vergleichbar mit den durstigen Kytta-Freunden in der Pfalz – auch schon regelrechte Kytta-Wanderfans an der Saarschleife gab, die schon im letzten Jahr (an der Burg Eltz) dabei waren. Im Gedenken an die durstige Pfalz noch ein Bild-Dokument. Ohne Worte.

 

DSC_1331

 

An der Saarschleife kreiste nicht die Weinschorle, sondern Kytta-Stammgast Clemens hatte selbstgebrannten Schnaps dabei. Clemens kommt aus der Umgebung von Wiesbaden, in seinem Heimatort verehrt man aber einen gebürtigen Saarländer, der die Kultur des Obstvereins ins Hessische exportiert hat. Ein Saarländer macht die Hessen glücklich – so viel Völkerverständigung war selten. Ein Rezept für den Weltfrieden? Sollten die saarländischen Obstbauvereine verstärkt bei der Hamas missionieren? Oder bei NSA/CIA/KGB? Völker hört die Signale, brennt mehr Schnaps!

 

DSCF7096

 

Zu der herrlich entspannten Wanderung passte schließlichdas Motto der Saarschleife, die sich ein ganzes Bundesland im Südwesten Deutschlands zu eigen gemacht hat:

 

DSCF7095



Ich will Premiumwege-Sammelbildchen!

Geschrieben am um 08:10

 

Letzte Woche bin ich einen Klassiker der saarländischen Premiumwege gewandert: Die Stausee-Tafeltour am Losheimer See. Ein Klassiker deswegen, weil es meines Wissens der erste Premiumweg in Losheim war. Klassiker auch deswegen, weil sich mittlerweile etliche andere Premiumwege an die Stausee-Tafeltour (markiert mit der Kochmütze) heran gekuschelt haben, unter anderem der hochberühmte Saar-Hunsrücksteig, der in seiner Ursprungsform nördlich an Losheim vorbeigeleitet worden war.

 


Daher gibt es nur auf 2,5 Kilometer des 9,5 Kilometer langen Weges die Stausee-Tafeltour pur. Obwohl sich aber derart viele Premiumwege dort bündeln, habe ich bei meiner Wandertour keinen einzigen Menschen getroffen. Hm. Komisch, an einem verregneten Donnerstag Nachmittag im Januar wandern nur Knalldeppenwanderer wie ich mit Turnschuhen auf vollgeschlammten Pfaden.

 


Egal, ich HABE jetzt die Stausee-Tafeltour! Zwenn der Weg ein Traumpfad gewesen wäre, hätte ich mir auf dem Fan-T-Shirt der Wanderregion ein fettes Kreuzchen machen können. Ein Den-Weg-hab-ich-geschafft-Kreuzchen. Aber so ein T-Shirt gibt es nicht von den Traumschleifen, das sind mit aktuell 84 Traumschleifen auch zu viele Wege. Aber wieso gibt es nicht ein Traumschleifen Sammelbildchen-Heft? So wie bei den Fußball-Bildchen. Nur mit dem Unterschied, dass man sich die Bildchen nicht in der Tüte kaufen kann, sondern als Belohung in der Tourist-Info oder bei den Gaststätten am See bekommt. Ich wäre so stolz auf dieses Bildchen gewesen und hätte es als 19. Traumschleife in meinen Sammelband kleben können. Hier ein Motivvorschlag für das Traumschleifen-Sammelbildchen:

 



Warum ist das orange?

Geschrieben am um 14:36

 

Der neueste Schrei auf dem Premiumwanderwege-Markt: Ein Kinderpremiumweg. Das deutsche Wanderinstitut sagt zwar streng: Was soll das heißen: „ Kinderpremiumweg“? Es gibt Premiumwege, Punkt. Aber keine Kinderpremiumwege oder Seniorenpremiumwege oder 1.FC-Köln-Premiumwege. Obwohl: Den könnte man ja rund um‘s Geißbockheim anlegen. Na ja, egal.

Trotzdem ist der neue Premiumweg „Nahequelle-Pfad“ im Nordsaarland eindeutig auf die Bedürfnisse von Kindern angelegt. Alle 600 bis 800 Meter findet zum Beispiel sich ein phantasievolles Holzhäuschen oder eine Schaukel.

 

 

Außerdem, für Kinder ganz wichtig, spielen Tiere eine große Rolle. Ein Wildgehege, ein freilaufender Pfau und Streichelziegen- und Geißböcke lassen Kinder- und 1.FC-Köln-Fan-Herzen höher schlagen. (Vielleicht sollte sich man das mit dem 1.FC-Köln-Premiumweg doch ernsthaft überlegen).

 

 

Ein weiteres Muss für eine Wanderweg, der Kindern gefällt: Wasser sollte eine große Rolle spielen. Ein Bächlein, das sich durch den Wald schlängelt war schnell gefunden. Und dann gab es noch die Nahequelle zu finden, die dem Weg nun mal den Namen verleiht. Als wir die dezent sprudelnde Quelle entdeckten, fragte meine jüngste Tochter, die als Testkind dabei war: „Warum ist das orange?“ Tja, äh, weil die Nahequelle Holland-Fan ist oder, äh, weil das Wasser so eisenhaltig ist, oder…“ Aber da interessierte sich meine Tochter schon nicht mehr für meine gestammelten Erklärungsversuche, sondern warf eifrig und stundenlang Steinchen in die Quellpfütze.

 

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2016 Manuel Andrack.