Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




95, die Zweite

Geschrieben am um 07:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

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Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

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…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

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…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

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… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

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… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 06:17

“95” ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die “95” mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

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Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die “95”

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

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… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: “Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern”, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …



Auf der Garten-Wellness-Runde

Geschrieben am um 07:06

Die Traumschleifen-Dichte im näheren Umkreis des Stausees von Losheim ist wahrscheinlich weltweit unerreicht. Ein richtiger Wohlfühlweg ist vor nicht allzu langer Zeit dazu gekommen: Die Garten-Wellness-Runde (auf französisch: jardins et bien-etre)

 

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Es geht direkt am Festivalgelände des Losheimer Sees los, man muss durch ein Eingangsportal schreiten. Durch Türen kann man gehen, aber durch ein Portal muss man schreiten. Ich habe mich immer gefragr, warum diese Wanderportale so schrecklich hoch, und vor allem so schrecklich breit sein müssen. Im Falle der Garten-Wellness-Runde fällt die Antwort leicht: Dieser Premiumweg hat mit sechs Kilometern und 80 Höhenmetern genau die richtigen Wohlfühlmasse, um auch für sehr hohe und sehr breite Wanderer gehbar zu sein. Denn durch dieses Portal würde eben auch Rainer Calmund zusammen mit Sigmar Gabriel passen…

 

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Ob allerdings der Ex-Manager von Leverkusen und der zukünftige Bundeskanzler auf dem hübschen Steg über den Metzenbach balancieren könnten und ob jener Steg auch mit Stahlträgern verstärkt ist, das bezweifle ich sehr. Ich finde es aber klasse, welche unterschiedlichen Geh-Erlebnisse die Garten-Wellness-Runde bereit hält. Stege, sehr schmale Pfade, ziemlich schmale Pfade, mit und ohne Wurzeln, Baumstammscheiben als Trittsteine, breitere Wege, mal als Wiesenweg, mal als Forstweg…

Beeindruckend wie diese kurze Traumschleife alles an Abwechslung bereit hält, wovon der Wanderer träumt.

 

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Apropos Wanderertraum: Dazu gehört, sagen die Wanderglücksforscher, ganz unbedingt: Wasser. Neben dem Metzenbach kann da die Garten-Wellness-Runde natürlich gehörig mit dem Losheimer See punkten. Im wogenden Schilf habe ich, meine ich, glaube ich, könnte sein, ein Weidenkörbchen gesehen. Der saarländische Moses? Wenn man am See entlang geht, ist das Wasser so nah, dass man glaubt, mit einem Bein im Wasser zu stehen.

 

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Mit beiden Beinen im Wasser steht man defintiv, wenn man sich in der Kneippanlage am Wegesrand vergnügt. Kneippen hat ja mancherorts ein etwas verstaubtes Image, aber wenn man diese blitzende Highttech-Kneippanlage sieht, möchte man ja am liebsten nicht nur mit den Beinen, sondern mit dem ganzen Körper kneippen. Das könnte ein neuer Trend werden: FKK-Kneippen.

 

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Einen Großteil der Strecke verläuft der GW parallel zu zwei anderen Premiumwegen, so dass man sich aussuchen kann: Möchte ich – erstens – auf der Tafeltour laufen, und in der Gastronomie von Losheim schlemmen? Oder möchte ich – zweitens – auf dem Saar-Hunsrück-Steig weiter wandern, komplett bis nach Perl an der Obermosel oder in der anderen Richtung nach Boppard an den Rhein? Dann würde man zu den Harten gehören, denn nur die kommen sprichwörtlich in den Garten. Oder entscheidet man sich – drittens – für unsere Garten-Wellness-Runde, dann hat man beides: Garten und lukullische Genüsse am See. Entscheidet selber…



Meine Wanderfreunde Richard und Martin

Geschrieben am um 18:22

Liebe Andrackblog-Leser, Ihr wisst ja, dass mich eine besondere Wanderfreundschaft mit den Wandereren des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Pberboihingen verbindet. Immerhin darf ich ja seit 2010 auch sagen: “Ick bin ein Oberboihinger”. Zuletzt war ich mit den Lausejungen und Lausemädels auf dem Traufgang “Zollernburgpanorama” (im rahmen der Aktion „Kytta bewegt“) unterwegs, man sieht die erstaunlich vitale Wandertruppe auf diesem Fotodokument:

 

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Der Schweißfleck auf dem roten Hemd in der rechten Bildhälfte erinnert mich übrigens an einen windschiefen Kölner Dom auf einem hohen Fels.

Kommen wir zu Martin. Martin, also, den kennt ihr ja, Martin, ist doch klar, der mit der Frühlingsplatterbse und den Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-Vergleich, der Martin mit dem Rucksacktausch, ja, genau, diese Martin, der hat mir dann noch botanisch korrekt erklärt, warum es Pilze im Wald gibt. Aaaaalso: “Warum gibt es Pils im Wald? Weil Tannen zapfen.”

Aus Dankbarkeit für die Pilz-Erklärung versuchte ich dann, dem lieben Martin einen Strauß Silberdisteln zu pflücken, weil er doch soooo gerne Blumen mag. Komischerweise wollte er den Strauß nicht annehmen.

 

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Schließlich gab es noch ein Oberseminar “Schwäbische-Alb-Vereins-Wegemarkierungs-Kunde” von Richard persönlich.

 

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Aaaalso, man nehme vier Nordic Walking-Stöcke, das ist die gesamte Schwäbsiche Alb, sozusagen HW 1 und HW 2, und dann gibt es die Pfeil- und die Gabel-Markierungen und die gelben, die blauen und die roten Markierungen. Und, ich sag mal so, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, dann hat man das Rubbeldiekatz kapiert, nema problema…



Locker Bleiben

Geschrieben am um 07:31

Kytta-Wanderung die Dritte: Wandern in der neuen Heimat auf der immer wieder sensationellen Saarschleifen Tafeltour. Die Saar, die Burg Montclair, die Fähre Welles über die Saar, das urige Steinbachtal und dann, natürlich: Die Saarschleife.

 

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Ich fand es gut, dass viele Teilnehmer der Kytta-Wandergruppe nicht aus dem Saarland kamen, und das Erlebnis Saarschleife Neuland für sie war. Böse Zungen sagen ja, dass der Saarländer die Saarschleife nicht wegen ihrer natürlichen Ursprünglichkeit liebt, sondern weil sie die Form der beliebten Fleischwurst, der Lyoner nachbildet. Aber das ist natürlich Kokolores. Freudig überrascht war ich, dass es – vergleichbar mit den durstigen Kytta-Freunden in der Pfalz – auch schon regelrechte Kytta-Wanderfans an der Saarschleife gab, die schon im letzten Jahr (an der Burg Eltz) dabei waren. Im Gedenken an die durstige Pfalz noch ein Bild-Dokument. Ohne Worte.

 

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An der Saarschleife kreiste nicht die Weinschorle, sondern Kytta-Stammgast Clemens hatte selbstgebrannten Schnaps dabei. Clemens kommt aus der Umgebung von Wiesbaden, in seinem Heimatort verehrt man aber einen gebürtigen Saarländer, der die Kultur des Obstvereins ins Hessische exportiert hat. Ein Saarländer macht die Hessen glücklich – so viel Völkerverständigung war selten. Ein Rezept für den Weltfrieden? Sollten die saarländischen Obstbauvereine verstärkt bei der Hamas missionieren? Oder bei NSA/CIA/KGB? Völker hört die Signale, brennt mehr Schnaps!

 

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Zu der herrlich entspannten Wanderung passte schließlichdas Motto der Saarschleife, die sich ein ganzes Bundesland im Südwesten Deutschlands zu eigen gemacht hat:

 

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Ich will Premiumwege-Sammelbildchen!

Geschrieben am um 08:10

 

Letzte Woche bin ich einen Klassiker der saarländischen Premiumwege gewandert: Die Stausee-Tafeltour am Losheimer See. Ein Klassiker deswegen, weil es meines Wissens der erste Premiumweg in Losheim war. Klassiker auch deswegen, weil sich mittlerweile etliche andere Premiumwege an die Stausee-Tafeltour (markiert mit der Kochmütze) heran gekuschelt haben, unter anderem der hochberühmte Saar-Hunsrücksteig, der in seiner Ursprungsform nördlich an Losheim vorbeigeleitet worden war.

 


Daher gibt es nur auf 2,5 Kilometer des 9,5 Kilometer langen Weges die Stausee-Tafeltour pur. Obwohl sich aber derart viele Premiumwege dort bündeln, habe ich bei meiner Wandertour keinen einzigen Menschen getroffen. Hm. Komisch, an einem verregneten Donnerstag Nachmittag im Januar wandern nur Knalldeppenwanderer wie ich mit Turnschuhen auf vollgeschlammten Pfaden.

 


Egal, ich HABE jetzt die Stausee-Tafeltour! Zwenn der Weg ein Traumpfad gewesen wäre, hätte ich mir auf dem Fan-T-Shirt der Wanderregion ein fettes Kreuzchen machen können. Ein Den-Weg-hab-ich-geschafft-Kreuzchen. Aber so ein T-Shirt gibt es nicht von den Traumschleifen, das sind mit aktuell 84 Traumschleifen auch zu viele Wege. Aber wieso gibt es nicht ein Traumschleifen Sammelbildchen-Heft? So wie bei den Fußball-Bildchen. Nur mit dem Unterschied, dass man sich die Bildchen nicht in der Tüte kaufen kann, sondern als Belohung in der Tourist-Info oder bei den Gaststätten am See bekommt. Ich wäre so stolz auf dieses Bildchen gewesen und hätte es als 19. Traumschleife in meinen Sammelband kleben können. Hier ein Motivvorschlag für das Traumschleifen-Sammelbildchen:

 



Warum ist das orange?

Geschrieben am um 14:36

 

Der neueste Schrei auf dem Premiumwanderwege-Markt: Ein Kinderpremiumweg. Das deutsche Wanderinstitut sagt zwar streng: Was soll das heißen: „ Kinderpremiumweg“? Es gibt Premiumwege, Punkt. Aber keine Kinderpremiumwege oder Seniorenpremiumwege oder 1.FC-Köln-Premiumwege. Obwohl: Den könnte man ja rund um‘s Geißbockheim anlegen. Na ja, egal.

Trotzdem ist der neue Premiumweg „Nahequelle-Pfad“ im Nordsaarland eindeutig auf die Bedürfnisse von Kindern angelegt. Alle 600 bis 800 Meter findet zum Beispiel sich ein phantasievolles Holzhäuschen oder eine Schaukel.

 

 

Außerdem, für Kinder ganz wichtig, spielen Tiere eine große Rolle. Ein Wildgehege, ein freilaufender Pfau und Streichelziegen- und Geißböcke lassen Kinder- und 1.FC-Köln-Fan-Herzen höher schlagen. (Vielleicht sollte sich man das mit dem 1.FC-Köln-Premiumweg doch ernsthaft überlegen).

 

 

Ein weiteres Muss für eine Wanderweg, der Kindern gefällt: Wasser sollte eine große Rolle spielen. Ein Bächlein, das sich durch den Wald schlängelt war schnell gefunden. Und dann gab es noch die Nahequelle zu finden, die dem Weg nun mal den Namen verleiht. Als wir die dezent sprudelnde Quelle entdeckten, fragte meine jüngste Tochter, die als Testkind dabei war: „Warum ist das orange?“ Tja, äh, weil die Nahequelle Holland-Fan ist oder, äh, weil das Wasser so eisenhaltig ist, oder…“ Aber da interessierte sich meine Tochter schon nicht mehr für meine gestammelten Erklärungsversuche, sondern warf eifrig und stundenlang Steinchen in die Quellpfütze.

 

 



Ich lieg am Strand

Geschrieben am um 07:52

Ich lieg am Strand

Mit einem eiskalten Getränk in meiner Hand

Die Sonne scheint mir auf den Bauch

So geht’s doch auch!

 

Mit diesen Versen von Farin Urlaub möchte ich mich in den Blog-Urlaub verabschieden. Nach EM-Frust und FC-Abstieg habe ich den echt nötig. Ab Anfang August wird fröhlich weitergebloggt!

 



Waldkindergarten-Kinder aus Holz

Geschrieben am um 07:52

Prinzipiell bin ich ja ein großer Fan von Waldkindergärten. Die Idee, die Kassen der öffentlichen Hand nicht mit dem teuren Bau und Unterhalt von Kindergarten-Gebäuden zu belasten ist doch klasse. Ein Waldkindergarten härtet im positiven Sinne ab, schützt vor einem Haufen Krankheiten und Allergien. Außerdem stärkt das tägliche Draußen-Sein der Kids das Naturverständnis und weckt eine Sinnenschärfung für die Jahreszeiten und Großwetterlagen. Waldkindergarten also gleich Super-Toll! Nun wanderte ich aber vorgestern zwischen Velbert und Essen so dahin und kam an einem ebensolchen super-tollen Waldkindergarten vorbei. Und ich sah Holzskulpturen, die zeigen, was aus Kindern wird, die einen Waldkindergarten besuchen. Schauen wir uns das mal genauer an:

Dieses Mädchen hält affektiert einen Vogel in die Höhe:

Hör mal, liebes Waldkindergartenmädchen, Verbundenheit mit der Natur hin oder her, aber wenn Du den Vogel nicht ausstopfst und an Deine Hand tackerst, bleibt der unmöglich dort hocken, auf Deiner Hand. Denn Vögel sind von der Natur mit der Gabe des Fluges ausgestattet, deshalb muss man die Piepmätze nicht blöde in die Höhe strecken, damit sie einen besseren Überblick haben, die können das schon selber, liebes Waldkindergarten-Mädchen.

Und du lieber Waldkindergarten-Junge, was hat man dir denn im Waldkindergarten beigebracht?

 

Hat man dir dort beigebracht, dass es super cool ist, die Hände in den Hosentaschen zu vergraben, anstatt höflich die Hand zum Gruße zu reichen? Und wo guckst du überhaupt hin, lieber Waldkindergarten-Junge? Zu den Vögeln, die nicht in den Lüften sich erheben könne, weil sie auf dem Handteller Deiner Waldkindergarten-Freundin festgetackert sind? Oders siehst Du sowieso gar nix, weil Dich der Schirm Deiner gelben Kappe daran hindert? Mensch, Ihr Waldkindergarten-Kinder, Ihr könnt einem echt leid tun. Hoffentlich sind die Holzskupturen nicht ein Abbild der Realität …



In der Batsch

Geschrieben am um 08:59

In Saarbrücken gibt es einen Urwald. Dieser Urwald ist zugegebenermaßen noch ziemlich jung, ein paar Jahrzehnte darf dort erst das Holz liegen bleiben, wo es hinfällt. Für den Wanderer ganz interessant: Man darf kreuz und quer durch den Urwald streunen, es gibt keine Pflicht, auf den Wegen zu bleiben. Für alle, denen das Wildwandern zu anstrengend ist, gab es allerdings seit 2005 einen Premiumweg im Urwald, eine acht Kilometer lange Tafeltour, auch Kochmützentour (wegen der Markierung) genannt. Diese Urwald-Tafeltour war der erste Premiumweg, den ich 2008 im Saarland gewandert bin. Ich fand das sensationell: Mit der Straßenbahn konnte man vom Saarbrücker Zentrum bis zum Startpunkt des Weges fahren. Das ist weltweit einzigartig. Also entschied ich mich, ins Saarland zu ziehen. Aaaaaber: Spätestens 2010 kam die große Enttäuschung. Die Markierung des Weges war nicht mehr durchgehend vorhanden, der Premiumweg wurde nicht mehr gepflegt, eine Verlängerung der Zertifizierung nicht mehr angestrebt.

Was war das für ein Freude, als ich davon hörte, dass die Urwald-Tafeltour Anfang Mai wieder eröffnet und neu zertifiziert werden sollte. Mit mir freuten sich vorgestern ungefähr achtzig Wanderer, die fast alle Regenschirme dabei hatten.

 

Die hat man auch gebraucht, am letzten Sonntag in Saarbrücken. Der erste Versuch, um Punkt 14.00 Uhr den Premiumweg zu gehen, endete in einer Flucht nach 100 Metern zurück in die Scheune am Forsthaus Neuhaus. Zu heftig war der Schauer.

Als es zehn Minuten später dann richtig losging, glich die Wanderung oft einer Rutschpartie. Ordentlich viel BATSCH, wie der Saarländer sagt. ES WAR ETWAS MATSCHIG, würde der Hochdeutsche sagen.

Einige Wanderer setzten sich bei der Rutschpartie auf den Hosenboden. Nicht so der agilste Wanderteilnehmer, der Diensthund des Urwaldförsters Peter, der hyperaktiv durch den Wald sprintete, hechelte, bellte. Erstaunlich, wir haben trotzdem ein Reh gesehen, das aber wahrscheinlich unter Schwerhörigkeit im Endstadium litt. Peter Schneider hat mir erklärt, ab wann ein Diensthund ein Diensthund ist. Wenn es Futtergeld gibt und wenn der Hund steuerbefreit ist. Nicht schlecht so ein Diensthund, vor allem wenn er wie ein irrer Baggerführer auf Speed den Waldboden nach Schätzen durchpflügt.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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