Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Bopparder Traumschleife Fünfseenblick

Geschrieben am um 15:46

Die Fünf steht: ich hatte letzten Montag alle meine fünf Sinne beisammen, als ich meine fünfte Traumschleife in Boppard wanderte, meine fünf Freunde (und noch mehr) wanderten mit: Auf zum Fünfseenblick. Start im Kurpark von Bad Salzig, der erste Höhepunkt schon nach einem guten Kilometer: Tolle Aussicht an einer Felsnase mit Blick auf Bad Salzig, den Rhein und die beiden Burgen auf der anderen Rheinseite, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein

 

DSCF7455

“Feindliche Brüder” werden diese beide Burgen genannt, sie stehen ja auch ganz schön nahe. In diesem Zusammenhang muss ich erneut auf den Blödsinn hinweisen, die beiden sehr weit auseinander liegenden Burgen in der Nähe der Loreley “Katz” und “Maus” zu nennen. Ein klarere Fall von Etikettenschwindel, die beiden Burgen sind so weit entfernt, dass eine ganze Zeitzone dazwischen liegen könnte. Dagegen die feindlichen Brüder, das ist Nähe. Oder Ober- und Niederburg in Manderscheid: Die spielen wirklich miteinander Katz und Maus. Ich fordere den Bundespräsidenten und den Weltkulturerberat auf, diesen Blödsinn zu unterbinden, Katz und Maus die Namensrechte zu entziehen und Burg Sterrenberg sowie Burg Liebenstein dafür Katz und maus zu nennen.

 

DSCF7460

 

Wo ich schon bei den Beschwerden bin. Beim nächsten Ausblick der Traumschleife betet uns eine hölzerne Nonne an. Die Arme, muss sich immer diese verschwitzten Wanderer anschauen. Dabei würde sie viel lieber Richtung Rheintal blicken, wie es historisch bei Ihrer Vorgängerin aus Stein auch Usus war. Ich unterschreibe daher jede “Dreht-die-Nonne-um-Hundertachtzig-Grad-Petition” sofort.

 

DSCF7459

 

Als ich das Höhenprofil der Traumschleife Fünfseenblick sah, war ich schon beeindruckt: Von Rheinniveau im Kurpark geht es hinauf auf über 500 Meter. Das ist eine amtliche Höhendifferenz. Das Höhenprofil hat mich irgendwie an den Paramount Berg im Vorspann vieler Hollywood-Filme erinnert. Daher war es auch kein Wunder, dass sich das Teilnehmerfeld der Mitwanderer ganz schön auseinander zog. Ich hielt mich in Blickweite der Bergziegen und unterhielt mich am höchsten Punkt der Tour, nahe der Fleckertshöhe, mit dem roten-T-Shirt-Mann aus Gießen.

DSCF7467

 

Der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen erweiterte mein Wanderwissen um einige Anekdoten seiner Dolomitentour mit spektakulärer Rettung durch die Bergwacht inklusive Hubschrauberflug. Und ich nahm seine eiserne Regel mit: Das Outfit eines Wanderers muss immer rot sein: Rotes T-Shirt, rote Regenjacke, roter Rucksack, sogar rote Unterhose. Denn: wenn man in Bergnot gerät (kann auch in der Gemeinde Boppard schnell passieren), kann man sich mit dieser Signalfarbe immer bemerkbar machen. Ob der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen bei seiner Bergrettung auch seine Unterhose geschwenkt hat, habe ich vergessen zu fragen.

Schließlich kam unsere kleine Wandertruppe ohne jede Zwischenfälle und Hubschrauberrettungsaktionen am Aussichtsturm des Fünfseenblicks an. Ich habe mich da tatsächlich hoch getraut.

 

DSCF7473

 

Dass das für einen alten Vertigo-Patienten wie mich kein leichtes unterfangen war, zeigt dieser Blick durch viele Gitterroste zwanzig Meter in die Tiefe. Hat mal jemand darüber nachgedacht, warum ein “Gitterrost” “Gitterrost” heißt? Natürlich weil die Dinger rosten können. Na ja, immerhin war der Blick oben vom Turm gigantisch. Obwohl man nur vier “Seen” sehn konnte. Im Sommer ist der Wasserstand des Rheins eben zu niedrig, den fünften “See” kann nur im Winter erblicken.

Ab dem Aussichtsturm ging es nur noch bergab und wir erreichten wieder den Kurpark von Bad Salzig. Dort sah ich, dass es in der Kurklinik eine Kinderbetreuung gegeben hätte. Hätte ich das mal gewusst, dann hätte ich meine fünf Bälger ja mitbringen können.

 

DSCF7476

 

Fazit: Ich muss sagen, dass der Fünfseenblick eine sehr fordernde Traumschleife ist, aber eine sehr lohnende. Beim Fünfseenblick kann man alle Fünfe gerade sein lassen, denn kann man ja eh nur vier “Seen” sehn. Und eigentlich ist doch die “Vier” das, worauf es ankommt, worauf wir alle hoffen: Auf den vierten Stern auf der Brust unserer Nationalmannschaft am Sonntag im Maracana.



Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel?

Geschrieben am um 09:07

Bin zuletzt auf dem Rheinburgenweg gewandert und sah kurz vor Oberwesel einen Skulpturenpark mit teils grausigen, teils unterirdischen, teils tollen und manchmal auch peinlichen Exponaten. Zur letzteren Kategorie gehörten mehrere „Troll“-Figuren wie diese hier, die unter dem Titel „Rheines Lust“ einen verkommenen Penner-Troll mit Flaschbier auf einer Parkbank darstellen soll.

 

DSCF6469

 

Schön fand ich, dass sich keiner zu diesem „Kunstwerk“ bekennen wollte. ‚Künstler unbekannt’ – sehr lustig, wie muss ich mir das vorstellen? Lagen die Troll-Kunstwerke wie Findelkinder am Straßenrand, keiner kennt die Eltern? Oder sind die Trolle von Beltracchi gefälscht worden? Sehr mysteriös.

Dann doch besser mit einer der schönsten Aussichten auf den Rhein (wenn man von den Rheingold-Traumschleife-Ausblicken absieht) im Günderrodehaus ein Bier trinken und einen Flammkuchen essen…

 

DSCF6470
… Danke Edgar Reitz, hätten Sie nicht Heimat 3 in Oberwesel in diesem fiktiven Günderrodehaus gedreht, gäbe es diesen lauschigen Ort gar nicht. Fiktion schlägt Realität, das ist KUNST!!!

 

DSCF6474

 

Wenn man in Oberwesel ist, ist man noch lange nicht am Bahnhof, sondern geht noch gefühlt kilometerlang an der Stadmauer von Oberwesel vorbei, die zweitlängste Mauer der Welt nach der chinesischen. Daher müsste auch die Werbetafel von Oberwesel etwas modernisiert werden:

 

DSCF6473

 

Erst mal wäre es schön, wenn man irgendwo noch ein „Ü“ entdecken würde, denn das hochgestellte Umlaut-“E“ von „Tuerme“ sieht doch etwas merkwürdig aus. Und dann müsste es heißen: Oberwesel: Stadt der Türme, der Heimat-Drei-Drehorte, des Weines, der Mauer und der hässlichen Troll-Kunstwerke.



Alles nur Materie

Geschrieben am um 08:04

Normalerweise geht es beim Wandern um die pure Natur, um Himmel, Flüsse, Wege, Bäume. Heute soll es mal um tote Materie gehen, um Material sozusagen. Na gut, ein bisschen auch um Bäume…

 

DSCF7335

 

Nehmt nur mal diese Sinnenbank am Aussichtspunkt Wilpertskopf, auf der ich mich so entspannt auf der Rheingolf-Traumschleife dahin lümmele. Sieht auf den ersten Blick ganz „normal“ aus. Aber was ist schon „normal“? Ein 5:1 von Holland gegen Spanien? Nein, diese Sinnenbank ist eine Recycling-Bank, das was die DANKE-Klopapierrolle für den Toilettenbereich ist, ist diese Sinnenbank für den Wanderweg. Diese Bank sagt nicht: Ich war ein Dose. Nein, die Bank sagt: Ich war einmal ein oder mehrere Gelbe Säcke. Eine Plastikbank. Vorteil 1: Recycling ist immer löblich, ein schönes Gefühl, auf seinem alten Joghurtbecher zu sitzen. Vorteil 2: sie verrottet nicht so schnell wie eine Holzbank. Nachteil: Wird bei Sonnenbestrahlung tierisch heiß. Mir wurde es aber aus anderem Grund heiß und kalt, als ich auf der Bank lag, denn ich hörte, wie eine aufgeregte Frau von einem umgestürzten Baum am Wandererparkplatz berichtete. Hier ist der Schlingel:

 

DSCF7368

 

Und ratet mal welches Auto genau unter dem Baum stand. Kleiner Tipp: Das Kennzeichen fing mit SB an und es war ein Geißbock-Aufkleber drauf. Wow, so schnell habt Ihr das erraten? Genau, es war mein geliebtes Wanderauto, im Bild rechts.

 

Foto0066

 

Die Heckscheibe hatte sich entmaterialisiert, ich bin sturmgeschädigt! Aber was ist das auch für ein dummes Auto! Es weiß seit fast zwei Jahren, dass es das Auto eines Wanderers ist, und dann stellt sich dieses blöde Ding genau unter einen Baum, der beim ersten Windhauch einfach umfällt. Wenn die Heckscheibe erneuert ist, bekommt die Karre erst mal eine Woche Stubenarrest, Strafe muss sein. Aber was soll‘s, ist eh alles nur Materie, oder?



Traumschleife Rheingold

Geschrieben am um 05:59

Um es vorwegzunehmen: Ich bin meines Wissens noch nie einen Premiumweg mit so vielen exquisiten Ausblickmöglichkeiten gewandert. Neben den kleinen, immer wieder überraschenden Ausblicken in das Rheintal, sozusagen den Zwischen-den-Bäumen-Ausblicken, gibt es bei der Rheingold-Traumschleife zwischen Holzfeld und Hirzenach sagenhafte elf “amtliche” Ausblicke mit Bänken, Liegen und Hütten.

 

DSCF7329
Man sollte also eine Menge Zeit für die Rheingold-Traumschleife einplanen, denn an den Aussichtspunkten mitsamt liebevoll und außerordentlich interessant gestalteten Infotafeln vorbeizuhasten wäre eine Sünde. Damit man nicht so rast, sollte man sich die Zeit schön einteilen. Daher ist es neuerdings auf den Traumschleifen so etwas wie ein Standard geworden, jeden einzelnen Kilometer des Wanderwegs auszuweisen.

 

DSCF7322

 

Eine äußerst sinnvolle Maßnahme, möchte man doch jederzeit wissen, wo man ist. Man muss es sich nur merken können. In der Wandergruppe, mit der ich auf der Rheingold-Traumschleife unterwegs war, wurde immer wieder diskutiert, was denn die letzte Zahl auf dem Kilometrierungs-Schild gewesen sei. “Wir sind schon bei der ‘Sieben’ durch” – “Nein, ich habe schon die ‘Acht’ gesehen”. Betretenes Schweigen, als wir kurz danach erst an der ‘Sechs’ vorbei gingen.

An der Ein-Kilometer-Markierung wird auf das erste Highlight, den Wilpertskopf, hingewiesen. Zuerst war ich schockiert, was haben die Bopparder denn mit dem Kopf von Klaus Wilpert, mit dem ich dereinst Abitur machte, veranstaltet? Aber es handelt sich beim Wilpertskopf quasi um die Loreley von Holzfeld, einen charakteristischen Felsen.

 

DSCF7330
Netter Service am Aussichtspunkt Wilpertskopf: Wir genossen den Ausblick über den Rhein, knabberten an Käsehäppchen und genossen den Riesling der Familie Neyer aus der benachbarten Lage Hirzenacher Probsteiberg. Welche Nachricht mich bei Käse und Wein erreichte, davon berichte ich nächste Woche. Die Pause war klasse, hat aber unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) nicht gerade nach oben gejagt. Am Ende haben wir über vier Stunden für die 10,6 Kilometer der Rheingold-Traumschleife benötigt. Das ist wahres Genusswandern.

 

DSCF7345

 

Für die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit sorgten aber auch ordentliche Steigungsprozente auf traumhaften Bergsporn- und Winzerpfaden. Zwar gibt es noch Wein rund um Hirzenach, wir hatten ja am Wilpertskopf auch welchen verkostet, doch viele Rhein-Hänge sind verbuscht und werden seit Jahrzehnten nicht mehr als Wingert genutzt. Wir gingen durch diese bezaubernden ehemaligen Weinhänge, die ursprüngliche Nutzung kann man noch an einigen Stützmauern erkennen. Damit wir beim Wandern auch immer freie Bahn hatten, hatten wir den Ortsvorsteher von Holzfeld dabei.

 

DSCF7319

 

Unser Mann mit den Scherenhänden war ziemlich erbost, als ich wagte zu erwähnen, wir würden im Hunsrück wandern. Da wurde ich belehrt, dass der tiefe Hunsrück erst hinter der A 61 anfängt. (Die wurde wahrscheinlich nur als eine Art Limes zum Hunsrück gebaut). Und nein, natürlich wären wir am Rhein, im Rheintal. Er hat mir das dann auch sehr überzeugend geologisch erklärt, so dass ich das nachvollziehen konnte.

Den spektakulärsten Wegabschnitt unter vielen phantastischen Stellen der Rheingold-Traumschleife gab es aber kurz vor dem Ziel…

 

DSCF7364

 

… Über ein Feld hinab Richtung Rhein, es sieht so aus, als wäre der Rhein die Verlängerung der Traumschleife, das Rheingold liegt zu unseren Füssen. Das muss man zelebrieren, das ist doch wohl klar. Ganz großes Kino! Apropos Kino: Da Edgar Reitz, der alte Heimat-Filmer, auch ein Spezialist für großes Kino ist, hat er an diesem magischen Ort gedreht. Zweite Folge von “Heimat”, Eduard kommt mit seiner Frau Lucie aus Berlin mit dem Auto und macht Picknick genau an der Stelle, die ich so überaus geil finde.

 

DSCF7362

 

Der Vorteil, den aber alle Wanderer gegenüber den Filmfiguren Eduard und Lucie haben: Wir sind nicht mit dem Auto vorgefahren, sondern durften wandern. Und können so erst richtig den rheingoldigen Ort erfassen. Am 7. Juli geht es weiter mit meiner Bopparder-Traumschleifen-Tournee auf dem “Fünfseenblick”.

 



Der Mann, der aus der Kelte kam

Geschrieben am um 07:05

Mitte Mai bin ich wieder mit Kytta gewandert, ich kann mir nicht helfen, aber diese „Kytta bewegt“-Wanderungen werden langsam Kult, oder bin ich bei diesem Thema etwa nicht objektiv? Auf jeden Fall wandern wir mit Kytta auf den schönsten Wanderwegen der Welt, auf den Wegen der Premiumwanderwelten. Am 15. Mai war ich auf dem Traumpfad „Höhlen- und Schluchtenpfad Kell“ unterwegs, und hatte dabei einen ganz speziellen Wegbegleiter:

 

DSCF7174

 

Christianix ist der große Kelte der Region, bezeichnet sich selbst als den Mann, der aus der Kelte kam. Er war absolut korrekt gewandet, selbst die Socken sind genadelt und nicht gestrickt. Ich lernte, dass Kelten am liebsten Hunde aßen, ob das auch auf Christian zutrifft, weiß ich nicht. Selbst sein Handy, das auch schon die Kelten kannten, hatte er in einem originalen Kelten-Handy-Beutel, faszinierend.

 

DSCF7176

 

Der Kelte kannte sich wirklich in und um Kell hervorragend aus, und konnte so auch hervorragend die Trass-Höhlen erklären. Trass ist ein Überbleibsel der letzten vulkanischen Eruption in der Laacher Gegend, eine Art verfestigte Asche. Als ich hörte – Höhlenpfad – dachte ich, klar, da wandert man an so einer Höhle vorbei, guckt kurz rein, weiter. Falsch, bei diesem Traumpfad geht man in die Höhlen, in‘s Finstere hinein und hindurch, absolut spektakulär.

 

DSCF7183

 

Und schließlich konnte ich ein Häkchen auf meinem Traumpfade-T-Shirt machen: Der 13. Traumpfad für mich, die Hälfte habe ich geschafft!

 

DSCF7188



Nachtrag zu den Dingen, die ein Wanderer unbedingt benötigt und Neues vom roten Hemd und Kloppo

Geschrieben am um 10:56

Ich muss mich entschuldigen, aber meine Liste vom 28. April – Drei Dinge, die ein Wanderer benötigt… – war natürlich sehr unvollständig. So sah ich kürzlich diesen jungen Mann:

 

DSCF6908

 

Zuerst dachte ich, das benutzte Gerät wäre ein Asthmaspray aus Holz. Dann war ich mir sicher: das müsse ein mobiles Sauerstoffgerät sein, welches Wanderern im Mittelgebirge auch Gipfelbesteigungen ab 500 Meter ermöglicht. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es handelt sich tatsächlich (wäre auch mal was für Dings vom Dach) um eine Nasenflöte, die den Kuckuck imitiert. Akustisch sehr beeindruckend. Der junge Mann auf dem Foto antwortete mit dem Ding auf der Nase einem Kuckuck auf der anderen Talseite. Glaubte er. Ich vermute eher, dass dort ebenfalls ein Nasenflötenkuckucksimitator saß, und sich am Wechselspiel der urigen Laute erfreute.

Und dann das:

 

DSCF6861
Als ich es sah, wusste ich, dass ich das schon mein ganzes Wanderleben vermisst hatte. Ein Haken an der Rückenlehne einer Aussichtsbank, um den Rucksack aufzuhängen. Endlich steht der Rucksack nicht mehr im Schmodder oder nimmt anderen Wanderern einen Platz auf der Bank weg.

 

DSCF6867

 

Ich weiß jetzt auch, warum der Bopparder Bürgermeister Bersch (BBB, vergleiche den Eintrag vom 2. Mai) beim Wandern stets ein rotes Hemd trägt. Es ist seiner alten Liebe zum 1.FC Köln geschuldet, der Zeit, als er noch stolz den Autogrammen von Wolfgang Weber und Wolfgang Overath hinter her jagte. Ich dachte schon, es wäre vielleicht ein politisches Statement gewesen, so kann man sich täuschen. Ich werde als überzeugter Fan des FC selbstverständlich auch versuchen, in Zukunft in Rothemden zu marschieren…

 

DSCF6863

 

Wo ich schon beim Thema Fußball bin: ich habe sein Refugium gefunden, ich weiß, wo er den letzten Sommer verbracht hat, ich kann sagen, wo er sich das frische Haupthaar bürstet: Kloppo hat – landschaftlich überaus reizvoll – an der Ehrbachklamm eine Wochenendresidenz bezogen. Nur mal ehrlich Kloppo – ist das so schlau, auf deine Waldhütte auf großen Wegweisern hinzuweisen? Ich weiß es nicht.



Was war das für eine geile Wandertruppe!

Geschrieben am um 07:42

Zuletzt Kytta Wanderung in der Pfalz, echt geil. Super Wandertruppe, Super Wetter, Super Weg, Super Salbe. Wir wanderten auf dem Busenberger Holzschuhpfad südlich von Dahn im pfälzischen Felsenland.

 

DSCF7075
Holzschuhe deswegen, weil die Südpfalz lange ein Teil von Holland waren. Busenberger Gouda und Busenberger Tulpen sind von der pfälzischen Evolution hinweg gespült worden, nur der Holzschuh hängt noch immer im Wald am Nagel. Die meisten meiner pfälzischen Mitwanderer hatten allerdings schon Wanderschuhe aus Leder.

 

DSCF7070

 

Interessant, ganz Deutschland ist wiedervereinigt, aber beim Busenberger Handschuh- äh Holzschupfad gibt es noch Ost und West. Hoffentlich entwickelt sich der Westteil nicht separatistisch hin zum Saarland, das wäre für einen echten Pfälzer absolut nicht nachvollziehbar.

Und wie der Pfälzer so tickt, das konnte ich in der PWV-Hütte am Drachenfels (ich hatte vor dieser Wanderung immer gedacht, der höchste Berg der Holländer liege im Siebengebirge) ablesen: Des Pfälzer‘s Charakter:

 

DSCF7087
So ehrlich, schonungslos und offen wünschte man sich auch öfter mal die Selbstbeschreibung anderer Regionen.

Ich habe es immer wieder gesagt und geschrieben, dass die Pfälzer Wald Vereins-Hütten ganz speziell sind und ein Geschenk des Wandergotts an seine Schäfchen. In der Busenberger PWV-Hütte am Drachenfels ist Ernst der Chef, Ernst steht seit 50 Jahren jeden Mittwoch hinter der Theke der Hütte und gibt die Getränke aus. Als ich Ernst sah, dachte ich, ich hätte ihn schon einmal in irgendeinem Lucks-Luke-Comic gesehen, ich kann mich aber täuschen. Schöne Grüße, Ernst, ich komme bald wieder!

 

DSC_1342



Die Traumschleife Ehrbachklamm

Geschrieben am um 15:00

 

Der Start der Traumschleife ist toll, keine Frage. Es geht los im Bopparder Ortsteil Oppenhausen, von dem eingefleischte Bopparder unten am Rhein sagen, das das nicht so richtig Boppard wäre, eher volle Pulle Hunsrück, aber das sollen die Oppenhausener und die Bopparder am Rhein unter sich ausmachen. Es geht durch Felder, der Raps blüht knallgelb, Blicke hinüber in die Eifel bis zur Hohen Acht, vorbei an einem Jugendzeltplatz, ein spektakulärer Felsen (die Beulslay), ja, das ist alles ganz toll, aber dann wird die Traumschleife einfach nur super, super, super, denn dann geht es hinein in die Ehrbachklamm.

 


Ich lege mich da mal fest: Die Ehrbachklamm ist definitiv die schönste, wildeste, romantischste Klamm in den deutschen Mittelgebirgen. Versucht mich da mal vom Gegenteil zu überzeugen, das wird aber schwierig! Keinen Weg bin ich in meinem Leben öfter gewandert. Man wandert über Stock und Stein, manchmal helfen Brücken, Seile und kleine Leitern bei der Wanderung auf dem schmalen Pfad, manchmal nicht.

 


Der BBB (BBB steht für Bopparder Bürgermeister Bersch) ist auf vorstehendem Foto zu sehen, wie er glücklich eine kleine Leiter überwindet. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob der BBB durch sein knallrotes Hemd etwas über seine Parteizugehörigkeit verraten will, muss ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Der BBB wies mich aber auf ein Schild in der Mitte der Klamm hin.

 


Die Ehrentafel erinnerte an den Erfinder der Ehrbachklamm, Herrn Francke. Für die Hunsrücker Bauern war die Klamm immer uninteressant gewesen, weil wirtschaftlich nicht nutzbar – zu eng für Mühlenbetrieb, zu felsig für den Holzabtransport. So blieb es den bildungsbürgerlichen (Apotheker!) Wandervögeln überlassen, die Ehrbachklamm wandertouristisch zu erschließen. Danke Herr Francke! Und: Save the date – tragt Euch schon mal 2021 in Euren Terminkalender ein, da wird die große 100-Jahr-Sause in der Klamm gefeiert.

Dann kamen wir zur Daubisberger Mühle und kehrten zünftig ein. Man sollte sich aber bloß nicht auf den Platz der Mühlenwirtin setzen:

 


Der ist reserviert. Frau Gertrud scheint in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse abzustammen, darauf weisen die viele Kissen hin, die sie benötigt, um auf ihrem Stuhl zu sitzen. Das Tolle ist, es gibt zwei von diesen reservierten Stühlen mit exakt der gleichen Kissenanzahl! Sicher ist sicher. Frau Gertrud fragte den BBB, wie man denn die Lügen, die über sie und die Mühle im Internet stehen, wieder aus diesem Internet herauskriegt. Schwierig, schwierig, das wissen wir alle. Also verkünde ich jetzt hier und heute in meinem Blog, der ja auch quasi ziemlich im Internet ist, dass es in der Daubisberger Mühle keine Forellen mehr gibt wegen ist nicht. Okay? Setzen! Aber nicht auf Tante Gertruds Stuhl!

Dann war aber schnell Schluss mit Klamm und lustig, dann ging es hinauf aus dem Tal.

 


Durch ein traumhaftes Seitental hinauf zum Schloss Schöneck. Und weiter kommen Highlight nach Highlight: Wiesenwege und Feldwege unterhalb von Hübingen, das Waldecho, da kommt es so aus dem Wald zurück, wie man hereinruft. Der Steinerne Hund, die Peterslay, die Teufelskanzel, alles herausragende Felsen mit phantastischen Aussichten.

 


Auf der Teufelskanzel habe ich mich dann zügig in eine Caspar-David-Friedrich-Wanderer-über-dem-Felsenmeer-Pose geworfen und in dieser affektierten Körperhaltung die trutzigen Überreste der Burg Rauschenberg betrachtet. Eine Burg, die der legendäre Burgenbauer Balduin, Erzbischof von Trier, oberhalb der Ehrbachklamm bauen ließ, um die Schöneck und die Ehrenburg zu unterwerfen. Was ihm auch gelang, und das führte im Endeffekt dazu – so der geschichtliche Exkurs des BBB – dass Deutschland ein föderalistischer, kein zentralistischer Staat wie Frankreich wurde. So wurden im Tal des Ehrbachs riesige Pflöcke der deutschen Geschichte eingeschlagen.

 

 

Zum Schluss gab es noch ein Belohnungsbier in der Oppenhauser Gaststätte „Tenne“. Der BBB hat einen ausgegeben. Herrlich eiskaltes Weizenbier belebte die erschöpften Wanderkörper. Das Bier schmeckte nicht nur gut weil es erstens eiskalt und zweitens für umme war, sondern weil drittens die Gaststätte an ihrem Ruhetag extra für uns geöffnet hatte. Ein Hoch auf Oppenhausen und die Traumschleife Ehrbachklamm!



Die Traumschleife Mittelrhein Klettersteig

Geschrieben am um 06:36

 

Anfang April war ich auf der Traumschleife Mittelrhein Klettersteig unterwegs. Ein Schwergewicht unter den deutschen Premiumwegen: 86 Punkten vom Deutschen Wabnderinstitut, das ist mal eine Ansage, das ist ein Brett. Erst mal überraschend: Nur 5,1 Kilometer, das wandert man ja in flacherem Geläuf auf der linken Backe in einer knappen Stunde ab. Nicht so beim Mittelrhein Klettersteig, da geht es (fast) nur hinauf und hinter auf schmalen Pfaden, das dauert seine Zeit…

 


… mit Einkehr und einigen Verschnauf-und-Rheinblick-Pausen war ich insgesamt drei Stunden unterwegs. Das Interessante an dieser Traumschleife ist: Es gibt eine wandersportliche und eine klettersportliche Variante. Man kann also ganz „normal“ seine Runde wandern, oder sich für die halsbrecherische Variante entscheiden. Ich habe mir das mal angeguckt…

 


… und dann eingedenk meines Watzmann-Abenteuers entschieden – äh, neeeeiiin. Klar ist es , dass die Traumschleife, wie sich das für einen Premiumweg gehört, optimal und unverlaufbar gekennzeichnet ist. Die Gemeinde hat sogar weder Mühen geschweige denn Kosten gescheut, an besonders unübersichtlichen Stellen lebende Wegweiser aufzustellen. Vorbildlich!!!

 

 

In der Nähe des Engbachtals gibt es eine Wegstelle, wo man (noch) je nach Windrichtung am Besten mit Nasenklammern wandert, denn es geht an der Kläranlage von Boppard entlang, das ist oben rechts im Bild das runde Ding…

 

 

… „noch“ heißt, dass die Anlage bald stillgelegt wird, weil die Abwässer in Zukunft im Nachbarort „Bad Salzig“ geklärt werden. Eine lokale Karnevals-Combo dichtete daraufhin auf die Meldodie von „Mer losse den Dom in Kölle“: „Wir schicken die Scheiße nach Salzig, denn do jehört se hin!“. Das führte zu einem lebenslangen Auftrittsverbot der karnevalistischen Spaßmacher.

Damit man nach dem dreissigsten traumhaften Blick auf Vater Rhein auch WIRKLICH begreift, dass es sich um eine BILDschöne Landschaft handelt, durch die wir da wandern, hat man einen Bilderrahmen vor das Panorama mit der Weinlage „Bopparder Hamm“ platziert. Da können dann alle im Chor ausrufen: „Da hammer einen Hammer-Hamm-Blick gehabt!“

Eine weiteren Hammer-Blick gibt es wenig später am Gedeonseck. Dort stürzen sich lebensmüde Zeitgenossen mit Paraglidern in die Tiefe, nun ja, jedem sein Hobby. Dass das Gedeonseck nicht Gedeonsblick heißt, könnte an dem schrecklichen Gemälde liegen, dass den guten Gedeon hoch zu Ross zeigt.

 


Wenn Sie einem Menschen übelwollen, Schwiegermutter, Chef oder so, dann schenken Sie ihm doch ein exklusives Porträt des Gedeon-Künstlers, der Porträtierte wird nie mehr ein Wort mit Ihnen wechseln. Zwischen dem Gedeonseck und der Seilbahnbergstation entdeckte ich dieses wunderbare Schild …

 

 

… das muss man natürlich erklären, das mit dem Vierseenblick und auch das mit dem „2.Restaurant“: „2.Restaurant“ bedeutet nicht, dass etwa das erste Restaurant besser wäre, sondern, dass erst noch das Restaurant am Gedeonseck kommt, und dann, danach als zweites Restaurant, als übernächstes Restaurant sozusagen, das Restaurant am Vierseenblick. Vom Viersseenblick war ich etwas enttäuscht. Ich hatte gedacht, dass man von dort mindestens Bodensee, Laacher See, die Ostsee und den Baikalsee sehen könnte. Pustekuchen! Nur mühsam und schonend konnte ich die einheimischen Mitwanderer davon überzeugen, dass stets nur und ausschließlich Abschnitte von Vater Rhein zu sehen waren. Und das ist doch ein FLUSS und kein SEE, geschweige denn VIER SEEN!

Ach ja, am Montag nach den Osterferien, den 28. April, wandere ich meine nächste Traumschleife in der Gemeinde Boppard, die Ehrbachklamm. Jeder der mitmöchte, kann mitmachen, Treffpunkt ist um 11.00 am Wanderparkplatz in Oppenhausen.



Die Traumschleife Elfenlay

Geschrieben am um 16:04

 

In Boppard am Mittelrhein tut sich Traumhaftes für alle Wanderer: 2014 wird Wanderdeutschland um sechs Premiumwege reicher – In der Gemeinde Boppard kann man an Rhein und Hunsrück herausragend schön wandern. Ich werde über diese neuen Traumschleifen in den nächsten Monaten in lockerer Folge berichten.

Am vergangenen Sonntag wurde feierlich die Traumschleife “Elfenlay” eröffnet. Der 30. März ist ein sehr mutiger Termin für eine Wanderweg-Eröffnung im deutschen Mittelgebirge, bewegte sich doch die Temperatur im Jahre 2013 um den Gefrierpunkt. Aber 2014 sieht das alles viel besser aus, und so stiefelten mehr als 200 Wandersüchtige die schmalen Pfade hinauf zur Elfenlay.

 


Der namensgebende Lay = Fels war relativ schnell erreicht und alle Mitwanderer wurden mit atemraubenden Blicken über die größte Rheinschleife der Welt belohnt. Meine Kamera hätte eine Breitwand-Cinemascope-Funktion gebraucht, um das Spektakel korrekt abzubilden, na ja, da müsst ihr dann mal selber hinwandern, um das komplette Panorama zu genießen. Ich dachte, da haben wir ja eine schöne Höhe erreicht, so kann es weiter Richtung Hunsrück gehen, aber dann ging es wieder hinunter ins Mühltal auf einen wunderbaren Weg, den Kronprinzenpfad am Mühlbach

 


Das ist eine schöne Geschichte, denn 1904, in dem Jahr, als ein Fußballverein in Gelsenkirchen gegründet wurde, der Name ist mir gerade entfallen, 1904 also fanden die Bopparder, Mensch, unser Pfad soll nicht Trampelpfad oder Mühltalpfad heißen, sondern einen majestätischen Klang haben. Also fragte man hochoffiziell beim Kaiserhaus in Berlin nach, ob der Kronprinz als Pate bereit stünde. Das wurde huldvoll gewährt, und bis heute muss der arme Kronprinz im Mühltal herum geistern, denn er wartet immer noch darauf, Kaiser zu werden, es war ihm bis heute nicht gegönnt.

 


Dann ging es auf dem Elfenlay-Weg wieder steil bergan und auf einem Bergsporn die nächste Überraschung: Ein Schild mit dem Fahrplan der Hunsrückbahn. Klar, man will ja nicht den Zug verpassen, aber auf dem Felsen war weit und breit kein Bahnhof und kein Haltepunkt zu sehen. Dieser Fahrplan ist ein Hinweis auf alle Trainspotter, die nicht verpassen wollen, wie der Zug sich die 328 Höhenmeter von Boppard am Rhein hinauf nach Buchholz im Hunsrück wuchtet.

 

 

Ich hatte Glück, dass eine Hunsrückbahn genau in dem Moment kam, als ich einen perfekten Blick auf den Hubertusviadukt (überall Wanderwege mit Viadukten, erst Altenbeken, dann Boppard!) hatte. Ein majestätischer Anblick, wie dieser lange Lindwurm über die Golden gate Bridge von Boppard gleitet. Der Zugführer hupte noch zweimal, nicht um auf eine Gefahrenstelle hinzuweisen, sondern damit alle auch brav hinschauten und winkten. Zugführer der Hunsrückbahn sind eben auch eitle Menschen und wollen beachtet werden.

Inzwischen hatte ich den größten Teil der Höhenmeter der Traumschleife hinter mich gebracht, und genau auf der Hälfte des Premiumwegs, bei Kilometer 5,2 (nur für die Mathematiker unter uns, die Elfenlay ist exakt 10,4 Kilometer lang), genau bei der Hälfte steht Liesenfelds Hütte. Das ist eine (normalerweise) nicht bewirtschaftete Hütte, wegen der festlichen Eröffnung wurden aber diverse Kaltgetränke angeboten.

 

 

Ich nahm mir ein regionales Bier aus der Stubbi-Flasche, ein Pils von der Koblenzer Brauerei am Königsbach, so viel Werbung muss sein. Das Bier bewahrte mich vor der schlimmsten Unterhopfung. Und weiter ging es über zumeist schmale Pfade durch die Wälder des Hunsrücks, bis der nächste Premiumblick auf den Rhein am Sabelsköpfchen erreicht war.

 

 

So, jetzt kann ich mal zeigen, wie die Rheinschleife weitergeht, man muss also nur das erste und das letzte Bild dieses Blogs zusammen kleben, schon hat man das schönste Bopparder Rheinpanorama. Das allergeilste an dem Tag auf der Elfenlay war aber, als wir in netter Runde im Lokal Schoppenstecher bei Schoppen, Hausmacherschlachtplatte und Rührei (mit und auf Sonderwunsch auch ohne Speck) saßen, dass die Kunde vom 1:0 Sieg der Kölner in München die Runde machte. Endlich hatte mal ein vernünftiger Fußballverein gegen die Bayern gewonnen, also diese Bayern von 1860 München. So wurde der Tag auf der Traumschleife Elfenlay zu einem der schönsten Tage in meinem Leben.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2014 Manuel Andrack.