Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der schönste Rastplatz der Welt

Geschrieben am um 06:04

Was ist noch mal das Schönste am Wandern? Die Bewegung an der frischen Luft? Das Naturerlebnis? Das Belohnungsbier? Nun, ich denke, von allem ein bisschen, aber das Entscheidende an der Wanderlust ist doch, dass man bei den meisten Wanderungen immer etwas Neues erlebt. Allerdings ist “neu” auch relativ, Denn nach unzähligen Burgruinen, idyllischen Bachläufen und schnuckeligen Fachwerkhäusern braucht auch der größte Wander-Romantiker mal etwas Abwechslung – voila…

 

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… ein ästethisches Meisterwerk, eine überragende Ingenieur-Meister-Leistung, ein Bauwerk für die Ewigkeit – die Autobahnbrücke über die Lieser, die A1 von Saarbrücken (in 300 Jahren vielleicht auch durchgehend) nach Puttgarden. Und unter diesem gigantischen Monument deutscher Autobahnkunst hindurch wanderte ich am Vatertag auf dem Lieserpfad.

 

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Wenn ich “Lieserpfad” höre, denke ich natürlich wie die meisten Eifelwanderer an den spektakulären Abschnitt dieses Wanderwegs von Daun nach Wittlich über Manderscheid. Dereinst schwärmte ich daher vom Lieserpfad als “schönstem Wanderweg der Welt”. Aber nun gibt es einen durchgehend markierten Lieserpfad von der Quelle in Boxberg bis zur Mündung in Lieser an der Mosel. Auf dem ersten Abschnitt gibt es tolle Wiesenwege mit weiten Blicken in’s Tal, die Lieser ist eher noch ein Lieserchen und es gibt eben jene spektakuläre Autobahnbrückenunterquerung. Die ist so spekatakulär, dass extra ein Rastplatz mit sage und schreibe drei Sinnenbänken eingerichtet wurde.

 

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Auf dem Rastplatz hatten sich einige Väter breit gemacht, die manche Stubbi aus dem Kreis Bitburg vernichtet haben. Mir wurde zwar ein Bier angeboten, aber ich bieb hart – kein Bier unter der Brücke, das hatte ich mir dereinst geschworen, denn mit dem ersten Bier unter der Brücke hat schon so mancher menschliche Absturz in die Gosse begonnen. Bei einem anderen Rastplatz am Lieserpfad habe ich mich erst etwas gewundert:

 

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Wofür ist dieser Tisch gedacht? Zum Abstellen der Getränke, okay. Aber wie lange Arme braucht man denn bitte schön, um von der Sinnenliege aus die Kaltgetränke auf dem Holztisch zu erreichen? Vielleicht kann man den Tisch ja in Zukunft etwas an die Sitzmöbel heran rücken, damit nicht die Väter am Vatertag von der Liege rollen und für immer am Lieserpfad liegen bleiben müssen.



Der Wandermeister und die Königinnen

Geschrieben am um 08:02

Am 1. Mai bin ich in Mülheim-Kärlich auf dem Streuobstwiesenweg gewandert. Die Wanderung war umrahmt von einem zünftigen Maifest mit nahezu allen Vereinen, die der Ort – gegenüber von Neuwied gelegen – aufzubieten hat. Bevor es losging, war ich sehr gerührt. Da hatte doch der kleine Paul ein großartiges Bild für mich gemalt. Und für Paul war ich der “Wandermeister”, wunderbar.

 

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In den letzten Jahren habe ich unzählige Etiketten angeheftet bekommen: Wander-Experte, Wanderprofi, Wanderguru (ich kann nicht schweben), Wanderpapst (auch Quatsch, weder werde ich jemals zurück treten, noch wasche ich anderen Wanderern permanent die Füße), Wanderfachmann. Aber “Wandermeister”, da muss man erst mal drauf kommen, danke Paul!

 

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Dann ging es an Unmengen von Kirsch- und Apfelbäumen entlang, die gerade noch so in ihrer letzter Blüte standen. Aber das eigentliche Highlight des Tages sollte nicht die üppige Flora sein, sondern die üppige… Nein, ich muss das anders formulieren. ich hatte das Vergnügen, nach der Wanderung neben dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm, dem Ortsbürgermeister von Mülheim-Kärlich, dem Ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Weißenthurm, dem Vorsitzender der Kirmes & Karnevalsgesellschaft “Vergnügt 1920″ Kärlich e.V. und dem Vertreter der Ortsbauernschaft die alte Kirschblütenkönigin Nadine zu verabschieden und die neue Kirschblütenkönigin Franziska zu begrüssen.

 

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Eine Karnevalsgesellschaft “Vergnügt 1920″ zu nennen hat mich irritiert. Waren die nur 1920 vergnügt oder existieren permanent 1.920 super-vergnügte Mitglieder? Aber das war noch nicht alles. Zum Gruppenbild kamen dann auch noch die Ex-Kirschblütenköniginnen Anke (ganz links) und Linda (ganz rechts, mit der rut-wiessen Schärpe) dazu und sogar die erst Holunderblütenkönigin Andrea I. (zweite von links). Damit verfügt Mülheim-Kärlich wahrscheinlich über eine höhere Königinnendichte als das englische Königshaus. Ich kann mich nur vor allen Majestäten verneigen…

 

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Auf der Suche nach dem Hasen in der Kammer

Geschrieben am um 12:07

Anfang letzter Woche bin ich die Bopparder Traumschleife „Hasenkammer“ gewandert. Im Unterschied zu den anderen fünf Traumschleifen in Boppard gibt es keinen Rheinblick, sondern Hunsrück pur. Und die Suche nach der Kammer des Hasen. Zu meiner großen Freude war bei der Wanderung wieder der BBB dabei, der Bopparder Bürgermeister Bersch.

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Dr. Walter Bersch ist der Mann am rechten Bildrand, der gerade den Mund etwas voll genommen hat. Sie waren aber zu köstlich, diese süß-reifen Mirabellen an dem Obstbaum am Wegesrand. Ich habe mindstens zwanzig davon genossen. Wir waren am Ortsrand des Bopparder Ortsteils Herschwiesen gestartet. Und – wie der Namen schon andeutet – gibt es rund um Herschwiesen viele Wiesen, Obstwiesen. Traditionell sind Streuobstwiesen ein Jahrhunderte altes Kulturgut. Nicht so rund um Herschwiesen. Dort sind dank Bürgerengagement seit 2006 etliche Obstbäume gepflanzt worden.

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Eine der Verantwortlichen für das Obst-Wunder von Herschwiesen ist Peter Kreiser, Vorsitzender des Vereins Pro Obst. Man kann sich allerdings auch nicht vorstellen, was ein Verein Contra-Obst bezwecken sollte. Peter Kreiser zeigte mir auf jeden Fall eine Info-über-Obst-Klappe. Achtung, nicht einfach achtlos auf der Traumschleife „Hasenkammer“ an allen Info-Tafeln vorbei laufen, einfach mal alles hochklappen, was klappbar aussieht, vielleicht ist noch eine Info darunter versteckt.

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Wir erreichten dann ziemlich zügig einen Schießstand, an dem man in aller Ruhe auf die Hasen in der Kammer schießen kann… Ach ne, Quatsch, das sollte ein Bilderrahmen sein, um das Dorfzentrum von Herschwiesen mit der bemerkenswert prächtigen Barockkirche St.Pankratius in’s rechte Bild zu rücken. Der Bilderrahmen war aber derart niedrig platziert, dass man – eigentlich passend zum sakralen Bildinhalt – schon hinknien musste, um den Kirchturm im Bildmittelpunkt zu haben.

„Hasenkammer“, der Titel unserer Traumschleife, ist übrigens eine Flurbezeichnung, durch die wir kurz hinter Herschwiesen wanderten. Um es vorwegzunehmen: Wir haben keinen Meister Lampe auf unserer Wanderung gesehen.

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Allerdings trafen wir einen riesigen Schmetterling. Aus Filz. Diese Filzinstallation gehörte zu einer Reihe von künstlerisch gestalteten Filzobjekten, die am Wegesrand hängen, liegen oder an Bäumen versteckt sind. Dass es eine ganze Filz-Kunstgattung gibt, war mir neu. Ich wusste nur, dass der legendäre Joseph Beuys ab und an ganz gerne mit Filz und Fett gearbeitet hat Der Schmetterling ist auf jeden Fall in Nassfilztechnik mit extrafeinem Merino-Vlies gestaltet worden, Chapeau!

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Aus der lieblichen Hasenkammer ging es hernach hinab in’s dramatisch wilde Tal des Brodenbachs. Das Brodenbach-Tal ist eine echte Entdeckung, führt dieses Tal in der Region doch ein wenig ein Schattendasein hinter der ungleich berühmteren Ehrbachklamm und dem Baybachtal. Erfreulich lange schlängelte sich die Traumschleife am romantischen Brodenbach entlang bis zur Grenze.

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Denn schon bald ging es hinauf aus dem Tal und wir verliessen die EU, an Wechselstuben am Wegesrand konnte man Euro in Franken wechseln, denn es ging in die Schweiz. Eine Schweiz ohne löchrigen Käse, Kuhglocken und Wilhelm Tell. Aber mit phantastischen Blicken über die Grüne Hölle des Brodenbacher Tals. Wir befanden uns in der Udenhausener Schweiz. Dort wird der Weguntergrund steinig, felsig, der rheinische Schiefer drängt mit Macht an’s Tageslicht. Sehr schön.

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Und plötzlich stand ein Senner mit einer Sonnenblume vor uns. Nein, nachdem ich meinen Blick scharf gestellt habe, erkannte ich, es war ein Einwohner von Herschwiesen mit einem riesigen Pilz, einem goldgelben Pfifferling.

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Und dann gingen wir hinaus aus dem Wald mit den vielen Bäumen und sahen wieder: viele Bäume, aber in der Horizontalen, die hatten sich also sozusagen schlafen gelegt. Bäume gibt es reichlich, die Gemeinde Boppard hat ordentlich Holz vor der Hütte. Der BBB erzählte mir stolz, dass Boppard nach Neustadt an der Weinstraße über den zweitgrößten kommunalen Waldbestand von Rheinland-Pfalz verfügt. Das glaubte ich gerne, die Traumschleife könnte statt Hasenkammer auch Baumhaus heißen, so viel Holz habe ich heute schon gesehen.

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Kaum hatten wir die Schweiz verlassen, ging es schon wieder um Ländergrenzen, nämlich die trilateralen Beziehungen der Gemeinden Buchholz, Herschwiesen und Udenhausen. Denn unten am Bodenbach, den wir auf dem Rückweg nach Herschwiesen erneut queren mussten, dort unten an der Holzbrücke über den Brodenbach, dort findet sich das Dreiländereck der vorgenannten Gemeinden.Schließlich ging es wieder hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung. Und wenn man, wie die Wandertruppe letzten Montag, das Glück hatte, mit dem BBB zu wandern, dann bekam man sogar ein Belohnungsbier im edlem Ambiente einer Bopparder Gaststätte spendiert. Das ist die Traumschleife Hasenkammer: Obst, Schweiz, jede Menge Holz und Landschaft, mit ein wenig Glück auch noch ein Bier, und dass alles für umme. Ganz großes Kino!



Warum ist es am Rhein so schön?

Geschrieben am um 07:57

Warum ist es am Rhein so schön? Weil man nicht nur auf dem Rheinsteig, sondern auch gegenüber auf der linken Rheinseite auf dem Rheinburgenweg wandern kann. Und zumindest auf dem Abschnitt zwischen St.Goar und Oberwesel ist das sogar fast ergiebiger als auf dem Rheinsteig, denn man hat phantastische Ausblicke AUF DIE Loreley, auf dem Rheinsteig hat man „nur“ Ausblicke VON DER Loreley…

 

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Auf dieser Panorama-Fotografie hat man alle Highlights der Region zusammengefasst: Vater Rhein, Stieftochter Loreley (nicht im Bild, holt sich bei DM oder Rossmann gerade einen neuen Kamm), Burg Katz in der linken Bildhälfte und ganz am linken Bildrand der hässlichste Hotelbau am Rhein. Herrrrrlich!!!

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Bänke stehen, die irgendwann einmal von edlen Vereinigungen gespendet wurden, das ist ein Segen für den müden Wanderer. Ein Hoch auf die Bankspender! …

 

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… Allerdings wird es für immer ein Geheimnis bleiben, wer der edle Spender war, denn durch Kratzen (neudeutsch: Scratching) ist der Name VÖLLIG unkenntlich gemacht worden.

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Wünschen noch etwas hilft. Ich habe mir die Bedienungsanleitung des „Wunschwassers“ bei St.Goar aufmerksam durchgelesen…

 

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… leider hatte ich aber blöderweise keine Schiefertafel dabei, daher habe ich die komplette Versuchsanordnung mit der modernen Schiefertafel, also meinem Ipad, durchgeführt. Ergebnis: Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Ipad ist kaputt. Ipad mag kein wasser, auch kein Wunschwasser.

Das ist eine Kosten- Nutzungsrechnung: Wenn der erfüllte Wunsch so richtig geil ist (ab unsterblich sein aufwärts), kann man ehrlich gesagt auch auf‘s Ipad verzichten.



Bopparder Traumschleife Fünfseenblick

Geschrieben am um 15:46

Die Fünf steht: ich hatte letzten Montag alle meine fünf Sinne beisammen, als ich meine fünfte Traumschleife in Boppard wanderte, meine fünf Freunde (und noch mehr) wanderten mit: Auf zum Fünfseenblick. Start im Kurpark von Bad Salzig, der erste Höhepunkt schon nach einem guten Kilometer: Tolle Aussicht an einer Felsnase mit Blick auf Bad Salzig, den Rhein und die beiden Burgen auf der anderen Rheinseite, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein

 

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“Feindliche Brüder” werden diese beide Burgen genannt, sie stehen ja auch ganz schön nahe. In diesem Zusammenhang muss ich erneut auf den Blödsinn hinweisen, die beiden sehr weit auseinander liegenden Burgen in der Nähe der Loreley “Katz” und “Maus” zu nennen. Ein klarere Fall von Etikettenschwindel, die beiden Burgen sind so weit entfernt, dass eine ganze Zeitzone dazwischen liegen könnte. Dagegen die feindlichen Brüder, das ist Nähe. Oder Ober- und Niederburg in Manderscheid: Die spielen wirklich miteinander Katz und Maus. Ich fordere den Bundespräsidenten und den Weltkulturerberat auf, diesen Blödsinn zu unterbinden, Katz und Maus die Namensrechte zu entziehen und Burg Sterrenberg sowie Burg Liebenstein dafür Katz und maus zu nennen.

 

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Wo ich schon bei den Beschwerden bin. Beim nächsten Ausblick der Traumschleife betet uns eine hölzerne Nonne an. Die Arme, muss sich immer diese verschwitzten Wanderer anschauen. Dabei würde sie viel lieber Richtung Rheintal blicken, wie es historisch bei Ihrer Vorgängerin aus Stein auch Usus war. Ich unterschreibe daher jede “Dreht-die-Nonne-um-Hundertachtzig-Grad-Petition” sofort.

 

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Als ich das Höhenprofil der Traumschleife Fünfseenblick sah, war ich schon beeindruckt: Von Rheinniveau im Kurpark geht es hinauf auf über 500 Meter. Das ist eine amtliche Höhendifferenz. Das Höhenprofil hat mich irgendwie an den Paramount Berg im Vorspann vieler Hollywood-Filme erinnert. Daher war es auch kein Wunder, dass sich das Teilnehmerfeld der Mitwanderer ganz schön auseinander zog. Ich hielt mich in Blickweite der Bergziegen und unterhielt mich am höchsten Punkt der Tour, nahe der Fleckertshöhe, mit dem roten-T-Shirt-Mann aus Gießen.

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Der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen erweiterte mein Wanderwissen um einige Anekdoten seiner Dolomitentour mit spektakulärer Rettung durch die Bergwacht inklusive Hubschrauberflug. Und ich nahm seine eiserne Regel mit: Das Outfit eines Wanderers muss immer rot sein: Rotes T-Shirt, rote Regenjacke, roter Rucksack, sogar rote Unterhose. Denn: wenn man in Bergnot gerät (kann auch in der Gemeinde Boppard schnell passieren), kann man sich mit dieser Signalfarbe immer bemerkbar machen. Ob der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen bei seiner Bergrettung auch seine Unterhose geschwenkt hat, habe ich vergessen zu fragen.

Schließlich kam unsere kleine Wandertruppe ohne jede Zwischenfälle und Hubschrauberrettungsaktionen am Aussichtsturm des Fünfseenblicks an. Ich habe mich da tatsächlich hoch getraut.

 

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Dass das für einen alten Vertigo-Patienten wie mich kein leichtes unterfangen war, zeigt dieser Blick durch viele Gitterroste zwanzig Meter in die Tiefe. Hat mal jemand darüber nachgedacht, warum ein “Gitterrost” “Gitterrost” heißt? Natürlich weil die Dinger rosten können. Na ja, immerhin war der Blick oben vom Turm gigantisch. Obwohl man nur vier “Seen” sehn konnte. Im Sommer ist der Wasserstand des Rheins eben zu niedrig, den fünften “See” kann nur im Winter erblicken.

Ab dem Aussichtsturm ging es nur noch bergab und wir erreichten wieder den Kurpark von Bad Salzig. Dort sah ich, dass es in der Kurklinik eine Kinderbetreuung gegeben hätte. Hätte ich das mal gewusst, dann hätte ich meine fünf Bälger ja mitbringen können.

 

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Fazit: Ich muss sagen, dass der Fünfseenblick eine sehr fordernde Traumschleife ist, aber eine sehr lohnende. Beim Fünfseenblick kann man alle Fünfe gerade sein lassen, denn kann man ja eh nur vier “Seen” sehn. Und eigentlich ist doch die “Vier” das, worauf es ankommt, worauf wir alle hoffen: Auf den vierten Stern auf der Brust unserer Nationalmannschaft am Sonntag im Maracana.



Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel?

Geschrieben am um 09:07

Bin zuletzt auf dem Rheinburgenweg gewandert und sah kurz vor Oberwesel einen Skulpturenpark mit teils grausigen, teils unterirdischen, teils tollen und manchmal auch peinlichen Exponaten. Zur letzteren Kategorie gehörten mehrere „Troll“-Figuren wie diese hier, die unter dem Titel „Rheines Lust“ einen verkommenen Penner-Troll mit Flaschbier auf einer Parkbank darstellen soll.

 

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Schön fand ich, dass sich keiner zu diesem „Kunstwerk“ bekennen wollte. ‚Künstler unbekannt’ – sehr lustig, wie muss ich mir das vorstellen? Lagen die Troll-Kunstwerke wie Findelkinder am Straßenrand, keiner kennt die Eltern? Oder sind die Trolle von Beltracchi gefälscht worden? Sehr mysteriös.

Dann doch besser mit einer der schönsten Aussichten auf den Rhein (wenn man von den Rheingold-Traumschleife-Ausblicken absieht) im Günderrodehaus ein Bier trinken und einen Flammkuchen essen…

 

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… Danke Edgar Reitz, hätten Sie nicht Heimat 3 in Oberwesel in diesem fiktiven Günderrodehaus gedreht, gäbe es diesen lauschigen Ort gar nicht. Fiktion schlägt Realität, das ist KUNST!!!

 

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Wenn man in Oberwesel ist, ist man noch lange nicht am Bahnhof, sondern geht noch gefühlt kilometerlang an der Stadmauer von Oberwesel vorbei, die zweitlängste Mauer der Welt nach der chinesischen. Daher müsste auch die Werbetafel von Oberwesel etwas modernisiert werden:

 

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Erst mal wäre es schön, wenn man irgendwo noch ein „Ü“ entdecken würde, denn das hochgestellte Umlaut-“E“ von „Tuerme“ sieht doch etwas merkwürdig aus. Und dann müsste es heißen: Oberwesel: Stadt der Türme, der Heimat-Drei-Drehorte, des Weines, der Mauer und der hässlichen Troll-Kunstwerke.



Alles nur Materie

Geschrieben am um 08:04

Normalerweise geht es beim Wandern um die pure Natur, um Himmel, Flüsse, Wege, Bäume. Heute soll es mal um tote Materie gehen, um Material sozusagen. Na gut, ein bisschen auch um Bäume…

 

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Nehmt nur mal diese Sinnenbank am Aussichtspunkt Wilpertskopf, auf der ich mich so entspannt auf der Rheingolf-Traumschleife dahin lümmele. Sieht auf den ersten Blick ganz „normal“ aus. Aber was ist schon „normal“? Ein 5:1 von Holland gegen Spanien? Nein, diese Sinnenbank ist eine Recycling-Bank, das was die DANKE-Klopapierrolle für den Toilettenbereich ist, ist diese Sinnenbank für den Wanderweg. Diese Bank sagt nicht: Ich war ein Dose. Nein, die Bank sagt: Ich war einmal ein oder mehrere Gelbe Säcke. Eine Plastikbank. Vorteil 1: Recycling ist immer löblich, ein schönes Gefühl, auf seinem alten Joghurtbecher zu sitzen. Vorteil 2: sie verrottet nicht so schnell wie eine Holzbank. Nachteil: Wird bei Sonnenbestrahlung tierisch heiß. Mir wurde es aber aus anderem Grund heiß und kalt, als ich auf der Bank lag, denn ich hörte, wie eine aufgeregte Frau von einem umgestürzten Baum am Wandererparkplatz berichtete. Hier ist der Schlingel:

 

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Und ratet mal welches Auto genau unter dem Baum stand. Kleiner Tipp: Das Kennzeichen fing mit SB an und es war ein Geißbock-Aufkleber drauf. Wow, so schnell habt Ihr das erraten? Genau, es war mein geliebtes Wanderauto, im Bild rechts.

 

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Die Heckscheibe hatte sich entmaterialisiert, ich bin sturmgeschädigt! Aber was ist das auch für ein dummes Auto! Es weiß seit fast zwei Jahren, dass es das Auto eines Wanderers ist, und dann stellt sich dieses blöde Ding genau unter einen Baum, der beim ersten Windhauch einfach umfällt. Wenn die Heckscheibe erneuert ist, bekommt die Karre erst mal eine Woche Stubenarrest, Strafe muss sein. Aber was soll‘s, ist eh alles nur Materie, oder?



Traumschleife Rheingold

Geschrieben am um 05:59

Um es vorwegzunehmen: Ich bin meines Wissens noch nie einen Premiumweg mit so vielen exquisiten Ausblickmöglichkeiten gewandert. Neben den kleinen, immer wieder überraschenden Ausblicken in das Rheintal, sozusagen den Zwischen-den-Bäumen-Ausblicken, gibt es bei der Rheingold-Traumschleife zwischen Holzfeld und Hirzenach sagenhafte elf “amtliche” Ausblicke mit Bänken, Liegen und Hütten.

 

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Man sollte also eine Menge Zeit für die Rheingold-Traumschleife einplanen, denn an den Aussichtspunkten mitsamt liebevoll und außerordentlich interessant gestalteten Infotafeln vorbeizuhasten wäre eine Sünde. Damit man nicht so rast, sollte man sich die Zeit schön einteilen. Daher ist es neuerdings auf den Traumschleifen so etwas wie ein Standard geworden, jeden einzelnen Kilometer des Wanderwegs auszuweisen.

 

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Eine äußerst sinnvolle Maßnahme, möchte man doch jederzeit wissen, wo man ist. Man muss es sich nur merken können. In der Wandergruppe, mit der ich auf der Rheingold-Traumschleife unterwegs war, wurde immer wieder diskutiert, was denn die letzte Zahl auf dem Kilometrierungs-Schild gewesen sei. “Wir sind schon bei der ‘Sieben’ durch” – “Nein, ich habe schon die ‘Acht’ gesehen”. Betretenes Schweigen, als wir kurz danach erst an der ‘Sechs’ vorbei gingen.

An der Ein-Kilometer-Markierung wird auf das erste Highlight, den Wilpertskopf, hingewiesen. Zuerst war ich schockiert, was haben die Bopparder denn mit dem Kopf von Klaus Wilpert, mit dem ich dereinst Abitur machte, veranstaltet? Aber es handelt sich beim Wilpertskopf quasi um die Loreley von Holzfeld, einen charakteristischen Felsen.

 

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Netter Service am Aussichtspunkt Wilpertskopf: Wir genossen den Ausblick über den Rhein, knabberten an Käsehäppchen und genossen den Riesling der Familie Neyer aus der benachbarten Lage Hirzenacher Probsteiberg. Welche Nachricht mich bei Käse und Wein erreichte, davon berichte ich nächste Woche. Die Pause war klasse, hat aber unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit) nicht gerade nach oben gejagt. Am Ende haben wir über vier Stunden für die 10,6 Kilometer der Rheingold-Traumschleife benötigt. Das ist wahres Genusswandern.

 

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Für die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit sorgten aber auch ordentliche Steigungsprozente auf traumhaften Bergsporn- und Winzerpfaden. Zwar gibt es noch Wein rund um Hirzenach, wir hatten ja am Wilpertskopf auch welchen verkostet, doch viele Rhein-Hänge sind verbuscht und werden seit Jahrzehnten nicht mehr als Wingert genutzt. Wir gingen durch diese bezaubernden ehemaligen Weinhänge, die ursprüngliche Nutzung kann man noch an einigen Stützmauern erkennen. Damit wir beim Wandern auch immer freie Bahn hatten, hatten wir den Ortsvorsteher von Holzfeld dabei.

 

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Unser Mann mit den Scherenhänden war ziemlich erbost, als ich wagte zu erwähnen, wir würden im Hunsrück wandern. Da wurde ich belehrt, dass der tiefe Hunsrück erst hinter der A 61 anfängt. (Die wurde wahrscheinlich nur als eine Art Limes zum Hunsrück gebaut). Und nein, natürlich wären wir am Rhein, im Rheintal. Er hat mir das dann auch sehr überzeugend geologisch erklärt, so dass ich das nachvollziehen konnte.

Den spektakulärsten Wegabschnitt unter vielen phantastischen Stellen der Rheingold-Traumschleife gab es aber kurz vor dem Ziel…

 

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… Über ein Feld hinab Richtung Rhein, es sieht so aus, als wäre der Rhein die Verlängerung der Traumschleife, das Rheingold liegt zu unseren Füssen. Das muss man zelebrieren, das ist doch wohl klar. Ganz großes Kino! Apropos Kino: Da Edgar Reitz, der alte Heimat-Filmer, auch ein Spezialist für großes Kino ist, hat er an diesem magischen Ort gedreht. Zweite Folge von “Heimat”, Eduard kommt mit seiner Frau Lucie aus Berlin mit dem Auto und macht Picknick genau an der Stelle, die ich so überaus geil finde.

 

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Der Vorteil, den aber alle Wanderer gegenüber den Filmfiguren Eduard und Lucie haben: Wir sind nicht mit dem Auto vorgefahren, sondern durften wandern. Und können so erst richtig den rheingoldigen Ort erfassen. Am 7. Juli geht es weiter mit meiner Bopparder-Traumschleifen-Tournee auf dem “Fünfseenblick”.

 



Der Mann, der aus der Kelte kam

Geschrieben am um 07:05

Mitte Mai bin ich wieder mit Kytta gewandert, ich kann mir nicht helfen, aber diese „Kytta bewegt“-Wanderungen werden langsam Kult, oder bin ich bei diesem Thema etwa nicht objektiv? Auf jeden Fall wandern wir mit Kytta auf den schönsten Wanderwegen der Welt, auf den Wegen der Premiumwanderwelten. Am 15. Mai war ich auf dem Traumpfad „Höhlen- und Schluchtenpfad Kell“ unterwegs, und hatte dabei einen ganz speziellen Wegbegleiter:

 

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Christianix ist der große Kelte der Region, bezeichnet sich selbst als den Mann, der aus der Kelte kam. Er war absolut korrekt gewandet, selbst die Socken sind genadelt und nicht gestrickt. Ich lernte, dass Kelten am liebsten Hunde aßen, ob das auch auf Christian zutrifft, weiß ich nicht. Selbst sein Handy, das auch schon die Kelten kannten, hatte er in einem originalen Kelten-Handy-Beutel, faszinierend.

 

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Der Kelte kannte sich wirklich in und um Kell hervorragend aus, und konnte so auch hervorragend die Trass-Höhlen erklären. Trass ist ein Überbleibsel der letzten vulkanischen Eruption in der Laacher Gegend, eine Art verfestigte Asche. Als ich hörte – Höhlenpfad – dachte ich, klar, da wandert man an so einer Höhle vorbei, guckt kurz rein, weiter. Falsch, bei diesem Traumpfad geht man in die Höhlen, in‘s Finstere hinein und hindurch, absolut spektakulär.

 

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Und schließlich konnte ich ein Häkchen auf meinem Traumpfade-T-Shirt machen: Der 13. Traumpfad für mich, die Hälfte habe ich geschafft!

 

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Nachtrag zu den Dingen, die ein Wanderer unbedingt benötigt und Neues vom roten Hemd und Kloppo

Geschrieben am um 10:56

Ich muss mich entschuldigen, aber meine Liste vom 28. April – Drei Dinge, die ein Wanderer benötigt… – war natürlich sehr unvollständig. So sah ich kürzlich diesen jungen Mann:

 

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Zuerst dachte ich, das benutzte Gerät wäre ein Asthmaspray aus Holz. Dann war ich mir sicher: das müsse ein mobiles Sauerstoffgerät sein, welches Wanderern im Mittelgebirge auch Gipfelbesteigungen ab 500 Meter ermöglicht. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es handelt sich tatsächlich (wäre auch mal was für Dings vom Dach) um eine Nasenflöte, die den Kuckuck imitiert. Akustisch sehr beeindruckend. Der junge Mann auf dem Foto antwortete mit dem Ding auf der Nase einem Kuckuck auf der anderen Talseite. Glaubte er. Ich vermute eher, dass dort ebenfalls ein Nasenflötenkuckucksimitator saß, und sich am Wechselspiel der urigen Laute erfreute.

Und dann das:

 

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Als ich es sah, wusste ich, dass ich das schon mein ganzes Wanderleben vermisst hatte. Ein Haken an der Rückenlehne einer Aussichtsbank, um den Rucksack aufzuhängen. Endlich steht der Rucksack nicht mehr im Schmodder oder nimmt anderen Wanderern einen Platz auf der Bank weg.

 

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Ich weiß jetzt auch, warum der Bopparder Bürgermeister Bersch (BBB, vergleiche den Eintrag vom 2. Mai) beim Wandern stets ein rotes Hemd trägt. Es ist seiner alten Liebe zum 1.FC Köln geschuldet, der Zeit, als er noch stolz den Autogrammen von Wolfgang Weber und Wolfgang Overath hinter her jagte. Ich dachte schon, es wäre vielleicht ein politisches Statement gewesen, so kann man sich täuschen. Ich werde als überzeugter Fan des FC selbstverständlich auch versuchen, in Zukunft in Rothemden zu marschieren…

 

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Wo ich schon beim Thema Fußball bin: ich habe sein Refugium gefunden, ich weiß, wo er den letzten Sommer verbracht hat, ich kann sagen, wo er sich das frische Haupthaar bürstet: Kloppo hat – landschaftlich überaus reizvoll – an der Ehrbachklamm eine Wochenendresidenz bezogen. Nur mal ehrlich Kloppo – ist das so schlau, auf deine Waldhütte auf großen Wegweisern hinzuweisen? Ich weiß es nicht.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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