Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Poco, Stempeldings und Äbbelwoi – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 2

Geschrieben am um 07:46

… weiter geht es auf der super-amtlichen Grüngürtelwegwanderung. Das Logo des 66 Kilometer langen Rundwanderwegs ist recht hübsch geraten …

 

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… zumindest lässt es der Fantasie (dummer Kinder Kalauer: was ist das Gegenteil von Fantasie? – Cola-Er!) freien Spielraum. Die Leute vom Amt erzählten etwas von grünem Gürtel, dem Main und der Stadt (symbolisiert durch einen Punkt). Na ja. Ich sehe eher ein windschiefes Smiley-Gesicht. Oder eine Art hessische Version des @-Zeichens. Sozusagen ein @ nach vielen vielen Äbbelwois.

Ich hatte schon letzte Woche angedeutet, dass man auf dem Grüngürtelweg an superalten Buchen entlang wandert, durch Naturschutzgebiete, durch den Fechenheimer Wald, aber auch eben am Poco entlang…

 

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… ich hatte kurz überlegt, mich dort mal nach einer dringend benötigten Schrankwand umzuschauen, bin aber dann doch bis zum nächsten Stempelpunkt mitgewandert. Stempelheftchen, einerseits ein alter Hut, andererseits immer wieder der Hit bei alt und vor allem jung, denn da kommen die uralten Triebe des Jäger und Sammlers heraus. Stempel sammeln ist einfach großartig.

 

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In Frankfurt hat man stempelmäßig den Stein des Weisen gefunden: Eine stabile, wetterfeste Stempelmaschine. Kein Ärger mit Gastronomen, die den Stempel nicht rausrücken oder ständig Ruhetag haben. Keine Vandalisten, die das Stempelkissen an der Kette klauen, zerstören, unbrauchbar machen. Super-Sache. Aber ohne Fleiß kein Preis, denn ich hatte mich auf eine relaxte Flachlandwanderung eingestellt – und dann kam die Steigung am Berger Hang. Alpe d’Huez Hilfsbegriff. Hoch auf den 1600, äh 160 Meter hohen Gipfel…

 

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… Belohnung: Ein schöner Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Apropos Belohnung. Nach dreizehn Kilometer auf dem Grüngürtelweg war ich ordentlich unterhopft und hatte Lust auf ein eiskaltes Binding, ich war bereit für flüssiges Lokalkolorit. Aber im Main Äppel Haus gab es nur typisch hessischen Apfelwein. Junge Mitwanderer hatten mich die ganze Zeit damit genervt, wie sehr sie sich auf einen gespritzten Äppler freuen würden. Aha, dachte ich mir, in der Post-Heinz-Schenk-Ära sagt man wohl Äppler statt Äbbelwoi. Also bestellte ich beim Chef des Main Äppel Haus einen Äppler. Der hätte mich fast geteert und gefedert und zu Apfelsaft verarbeitet…

 

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… um es ganz klar zu sagen. man sagt ÄBBELWOI. Punkt. Und wenn man genug von dem Zeug getrunken hat, kann man die nächsten Etappen des Grüngürtelwegs in Angriff nehmen!



Urban Bee Keeping und Böller beim American Football – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 1

Geschrieben am um 06:40

Wenn mein alter Wanderkumpel Michael vom Wandermagazin schon seine Hand für einen Wanderweg in’s Feuer legt („großartiger Stadtwanderweg, wirklich durchdachtes Konzept“), dann liegt die Latte schon mal ziemlich hoch. Irgendwie hat der gute Michael sich ganz schön in den Grüngürtel-Weg in Frankfurt verliebt. Immerhin hat dieser Weg im letzten Jahr den Preis für den schönsten Wanderweg Deutschlands in einer Metropolregion gewonnen. Zeit, sich das mal anzuschauen. Letzten Sonntag bin ich dort gewandert und ich muss sagen: wahrscheinlich bin ich im meinem Leben noch nie so AMTLICH gewandert wie in Frankfurt, denn ich hatte mich mit 80 anderen Wanderern auf Einladung des Frankfurter UmweltAMTS auf dem Danziger Platz am Ostbahnhof eingefunden. Dieser Platz ist wirklich magisch. Die liebe EZB (die laut Herrn V. angeblich die Krieschen terrorisiert) ist mit ihrem etwas windschiefen Gebäudekomplex in Sichtweite.

 

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… aber mitten auf dem Danziger Platz breitet sich seit zwei Jahren der “Frankfurter Garten” aus, ein Projekt, das man eher in Kreuzberg verorten würde. Ein städtisch-alternatives Gartenprojekt mit gefühlt 500 unterschiedlichen Tomatensorten, einem coolen Biergarten und einem Urban Bee Keeping Projekt. Ihr kanntet noch nicht Urban Bee Keeping? keine Sorge, ich auch nicht, das ist der letzte Schrei, gib Biene Maja eine faire Chance und verwerte Deinen eigenen Honig …

 

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Die Bienenkästen im Frankfurter Garten sehen ein wenig aus wie tibetische Kindersärge, aber den Bienen geht es mitten in der Großstadt angeblich besser als auf dem Lande bei reaktionären Alt-Imkern. Ich war dennoch ganz froh, dass die kleinen Summer nicht mitgewandert sind. Um es mir mit meiner Bewertung des Grüngürtelwegs nicht zu einfach zu machen, hatte man die urbanste, städtischste, asphaltierteste Etappe für mich und die 80 Mitstreiter ausgesucht. Aber der Ostpark, den fand ich schon klasse …

 

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Nicht nur wegen der alten Bäume, sondern auch wegen einer großartigen Skulptur von F.W.Bernstein. Bernstein hat, wie viele Vertreter der Neuen Frankfurter Schule (Titanic, Pardon, Robert Gernhardt und Co, leider zu viele schon zu früh verstorben) humorvolle Skulpturen an den Grüngürtelweg gestellt. Großes Kino. Elfmeterpunkt auf Erdachse, muss man sich angucken.

Aber dann zerreisst ein Knall die Luft, ein Riesen-Böller startet in den azurblauen Himmel. Wir wandern am Stadion des FSV Frankfurt vorbei, aber seit wann werden da Böller gezündet? Haben die überhaupt schon mal ein Tor geschossen? Die mitwandernde Journalistin des Fechenheimer Anzeiger klärt mich aufgeregt auf. In dem Stadion fände doch jetzt ein Spiel der Frankfurt Galaxy American Football Mannschaft gegen München statt, und bei jedem Böller gäbe es einen Touch Down der Frankfurter zu feiern…

 

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… aaach so, Mensch, es ist ja eine Stimmung im Stadion, da fliegt ja bald die Gummipuppe des 12. Manns weg. Fast wäre ich versucht, mir im Stadion dieses hyperspannende Spiel anzschauen, aber ich muss weiterwandern, auf dem Grüngürtelweg. Aber wer oder was Poco ist, warum die amtlichen Frankfurter Wanderexperten eine Weltsensation erfunden haben und warum ich kein Belohnungsbier bekommen habe, das erfahrt Ihr leider leider erst nächste Woche …



Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 07:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

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Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

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Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

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Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

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Mammut!

Geschrieben am um 07:10

 

Letztes Wochenende war ich im Lonetal. Als regelmäßiger ICE-Fahrer kennt man das Lonetal, denn nachdem sich der ICE von Stuttgart Richtung München im Rekordtempo über die Steige bei Geislingen gequält hat (ein Streckenabschneitt, bei dem man normalerweise gar nicht merkt, ob die Bahn bestreikt wird oder nicht) fährt er einige Kilometer durch das Lonetal. Doch ich bin im östlichen Teil des Lonetals gewandert, mit vielen Höhlen und einem weiten, offenen Tal.

 

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In einer dieser Höhlen wurde vor einigen Jahren ein Mammut gefunden. Keine Knochen eines realen Tieres, nein, sondern ein kunstvolles, 40.000 Jahre altes Abbild, das als erstes, einziges und-überhaupt Kunstwerk der Herren Neandertaler gilt. Komisch, dass die Lonetaler Neandertaler das hingekriegt haben, nicht aber die Kollegen von der Düssel, na ja, kein Kommentar.

 

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Erstaunlich ist aber zum einen die Größe des Artefakts. 3,5 Zentimeter lang, nicht gerade mammutesk. Zum anderen war es im höchsten Maße erstaunlich, dass unser Wanderführer tatsächlich das Original in der Hosentasche hatte. Im Museum, so unser Wanderführer Herr Krämer, im Museum liege ein Duplikat. So läuft das also mit der Archäologie in Schwaben!

Da sich im Lonetal alles um das Mammut dreht, hatte ich mir auch ein Mammut zugelegt. Loni, so nennt sich das Urviech, lugte keck aus meinem Rucksack heraus.

 

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Aber nicht dass ihr jetzt denkt, das Stoff-Loni wäre so ein chinesisches Billig-Mammut, gefertigt von thailändischen Kinderarbeitern in Indien. Nein, nein, und noch mals nein. Denn das Mammutle hat einen Knopf im Ohr und ist von der Firma Steiff. Und dieses Mammut gibt es nicht nur als Kuscheltier, sondern auch als Weingummitier. In den Sorten Orange, Orange und Orange.

 

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Es wäre natürlich eine Mammutaufgabe, sich noch weiter Mammut-Marketing-Ideen auszudenken. Mir schwebt da Folgendes vor: Wie wäre es denn, nur mal so in die Tonne gedacht, wenn man eine komplette Outdoor-Firma nach dem Mammut benennen würde? Auf alle Klamotten könnte man dann ein schickes Mammut-Logo drucken. Mensch, das ist doch die Idee, das lasse ich mir schützen. Und morgen denke ich mir etwas aus mit Tatze, Wolf und Haut, dann werde ich steinreich…



Neues vom Rennsteig – Fußwanderer und Servicestation

Geschrieben am um 07:49

Ab und an sollte man der tradionsreichsten Wanderstrecke Deutschlands einen Besuch abstatten, denn man kann immer wieder erstaunliche Sachen lernen.

 

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Zum Beispiel bin ich den Rennsteig noch nie im Winter gewandert. Äh, ich bin auch dieses Jahr den Rennsteig nicht im Winter gewandert, es war schon Frühling, der 1. April. Und dieser Wandertag zwischen Neustadt am Rennsteig und Eisfeld brachte alle meteorolgischen Aprilscherze, die man sich wünschen kann: Schneetreiben, Gewitter, Hagelschauer, Sonne: Herrlich!

Und wenn man sich auf dem Rennsteig an die Regeln hält, kann Alles soooo einfach sein:

 

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Die Fußwanderer, so, so. Wie wandern denn die anderen? Mit den Händen? Mit dem Kopf? Auf jeden Fall habe ich gelernt, dass ich mich in Zukunft korrekter vorstelle, wenn ich meine berufliche Tätigkeit beschreibe: “Ich bin Wanderer, Fußwanderer, wenn sie verstehen was ich meinen” Auch meine Show werde ich umbenennen in “Andracks Kleine Fußwandershow”, damit bloß keine Mißverständnisse aufkommen. Auch Fußwanderstäbe, Fußwanderschuhe und Fußwandervereine werden ganz groß in Mode kommen, da bin ich mir sicher.

Der totale Klopper am Rennsteig ist allerdings die “Servicestation für Wanderer”…

 

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Da haben die mitten im Wald eine Steckdose für die Wanderer aufgehangen. Sehr feiner Service. Oder der größte Schwachsinn im Wanderuniversum? Denn – wozu soll das gut sein? Lade ich da mein Handy auf? Dauert ja nur ein paar Stunden. Oder kann ich da meine E-Wander-Gitarre einstöpseln und die Wanderfreunde mit einer gerockten Version von “Frühtau im Berge” überraschen? Oder kann ich mir mit einem Outdoor-Fön die Haare schön machen? So ganz habe ich die Servicestation wie gesagt noch nicht kapiert, aber ein toller Service ist es auf jeden Fall.



Wanderhüttenschock, über’s Wasser gehen und unter’m Wasser stehen

Geschrieben am um 06:29

Was war der größte Aufreger des noch jungen Jahres? Natürlich diese Meldung:

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Verdammter Mindestlohn! Als ich das las, wurde ich so wütend, Wutbürger sozusagen, dass ich fast ausgewandert wäre. Aber dann habe ich eine Protestbewegung gegründet: Wanderhüttenfans gegen die Unterhopfung des Abendlands, kurz WANGUDA. Kommt alle mit und protestiert! Das Gute: Die Protestmärsche sind dezentral, jeder kann jederzeit überall alleine oder mit Gleichgesinnten losmarschieren.

Losmarschieren für WUNGUDA ist super, aber was ist der geignete Wanderwegeuntergrund für die Protestmärsche? Erde ist dasjenige der vier Elemente, das am Besten für das Wandern geeignet ist. Eindeutig. Allerdings ist auch Wasser in der Religionsgeschichte schon mal als Weguntergrund genutzt worden. Da muss man nur mal im Neuen Testament nachschlagen. Aber – um mit Eckart von Hirschhausen zu sprechen – es durchaus möglich, über Wasser zu gehen, alles nur ein Frage des Aggregatszustands. Gerade bei den derzeitigen Temperaturen ist Übers-Wasser-Gehen quasi ein Kinderspiel.

Allerdings haben immer wieder berühmte Wanderer versucht, über Wasser zu gehen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Wandermagazin-Chefredakteur Michael Sänger an einem lauschigen Waldweiher im Siegerland die Oberflächenspannung von H2O getestet hat.

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Hat nicht so ganz geklappt, aber seine qualitativ hochwertig vearbeiteten, zwiefach genähten Wanderschuhe haben – angeblich – keinen Tropfen an Socke und Fuss durchdringen lassen.

Aber am schönsten ist Wasser immer noch, wenn man selber auf festem Boden steht, und das Wasser die Zierde eines schönen Wandertages ist. Wandern an Bächen, an Flüssen, an Seen, oder an Wasserfällen wie in Bad Urach lassen jedes Wandererherz höher schlagen. Das Über-Wasser-Gehen überlasse ich anderen, ich stehe mehr auf unter-dem-Wasser-stehen, ich bin halt ein Warmduscher.

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Aber was befindet sich oberhalb des Wasserfalls von Bad Urach? Ein Waldkiosk, der wahrscheinlich auch bald Probleme mit dem Mindestlohn bekommt. Obwohl, Bad Urach liegt ja in Baden-Württemberg, dort gilt schon seit Jahren ein Mindestlohn von 18,50 €. Keine Chance also für WANGUDA-Märsche in Bad Urach.



Andrack im Tibet

Geschrieben am um 06:20

Im aktuellen Wandermagazin könnt ihr die hochalpine Tour mit dem deutschen Fjäll-Räven-Chef Alex Koska und dem Hanwag-Chef Jürgen Siegwarth verfolgen, zwei super Typen. Wir sind auf dem “Luftigen Grat” gewandert, dem am besten bewerteten Premiumweg im hochalpinen Bereich. Ich möchte heute in meinem Blog, auch wenn ihr meinen Report im Wandermagazin schon auswändig gelernt habt, einige Highlights dieser Tour aufarbeiten. Denn “high” im Sinne von hoch ist der “Luftige Grat” allemal, sonst wäre es ja auch eher ein Grätchen. Auf über 1.000 Höhenmetern liegt der Startpunkt, da empfiehlt es sich, mit der Bergbahn anzureisen.

 

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Aber man sieht direkt – Hoppla! – auch die Preise der Bergbahn sind ganz schön high. Da waren wir aber alle froh, dass Onkel Michael vom Wandernagazin alle Tickets bezahlt hat, 40 Euro für die gesamte Truppe für eine Tour, ganz schön happig. Und Michael hat sich wahrscheinlich auch gefragt, warum er nicht Chefredakteur des Bergbahnmagazins ist, dann wären wir wahrscheinlich für umme transportiert worden.

Dann also hoch mit der Bergbahn und schnell standen wir vor der Himmelspforte, dem Eingangportal des Luftigen Grats, Premiumweg mit der sagenhaften Erlebnispunktzahl von 92 Big Points, auch Teil der Premiumwanderwelten.

 

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Gefühlt mussten wir seit dem Start schon auf einer Höhe von über 5.000 gelandet sein, denn wir waren plötzlich mitten in Tibet, die bunten tibetischen Fähnchen am Eingangsportal lieferten untrügliche Beweise. Aufregend, kannte ich doch Tibet vor allem aus dem Comic-Band “Tim im Tibet”. Nun würde ich auch bald mit den Jungs diese geheimnisvolle Welt betreten. Andrack im Tibet mit allem Drum und dran, Yeti, Messner und so…

Enttäuschend war es dann aber, durch profane Sperren gehen zu müssen, die die Almweiden begrenzten und die Rindviecher am Durchschlüpfen hindern sollten.

 

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Diese Allgäuer Schiebetüren erinnerten mich an die Spielgeräte auf den Spielplätzen der 1960er Jahre, an denen man sich früher immer so schrecklich weh getan hat.

Eh’ man sich’s versieht, ist man dann auch schon wieder auf dem Abstieg. Und der große Blonde vom Wandermagazin zeigte den Jungs von Fjäll Räven und Hanwag mal, was eine Harke ist.

 

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Aber, was will uns Michael Sänger da wirklich zeigen? Wie groß der Fisch ist, denn er daheim am Rhein kürzlich geangelt hat? Auf welchem großen Fuss er lebt? Wie breit die Fußspur des Yetis war, den er zuletzt in seiner Heimat, der Pfalz, gesehen hat? Oder zeigt uns der Wandermagazin-Chef, wie viele Wanderblogs er schon gelesen hat? Unlängst hat er ja einige Wanderblogs in seinem Heft proträtiert, und sich auch durchaus lobend mit unter anderem dem Schlenderer (www.schlenderer.de) befasst. Das ist ein echt guter Wanderblog. In eigener Sache kann ich nur den überaus netten und ungemein ausführlichen Kommentar zu meinem letzten Wanderbuch hervorheben. Findet man unter “Bücher”. Weiter so geschlendert, Schlenderer, auch im nächsten Jahr!

Euer Wanderblogger Manuel macht jetzt einen kurzen Winterschlaf, macht einen Blog-Sabbat-Monat und meldet sich Ende Januar in aller Frische wieder. Frohes Fest und Guten Rutsch!!!



Raffael und Lenin in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 06:16

Es ist hinlänglich bekannt, dass ich durchaus ein passionierter Alleinwanderer bin. Keinem verpflichtet, mein eigener Herr, herrlich! Aaaaaber, wenn ich in der Sächsischen Schweiz unterwegs bin, dann gibt es für mich nur eins, ich muss Arndt dabei haben, Mitglied im Stiegen- und Wanderfreundeverein der Sächsischen Schweiz. Warum Arndt so klasse ist? Weil er einem Sachen zeigen kann, die man sonst im Leben nicht gefunden hätte. Wie zum Beispiel dieses Engelsgesicht oberhalb der Amselfallbaude.

 

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Zunächst einmal hätte ich ohne Arndt den Weg dorthin gar nicht gefunden. Ein Weg gänzlich ohne Wegweiser, überwachsen von Gestrüpp, einer der vielen verbotenen Wege der Sächsischen Schweiz. Man fragt sich nur, wer sich die Mühe gemacht hat, diesen wunderschönen Engelskopf dorthin zu drapieren. Andereseits, wozu habe ich vor etlichen Monden Kunstgeschichte studiert? Gehen wir die Sache doch mal logisch an…

 

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An was denkt man denn, wenn man hört: Sachsen und Engel? Nein nicht Engels, Engel. Und- auch Nein – ich ich meine nicht Sahra Wagenknecht, die kommt aus Thüringen. ich meine natürlich die berühmten schelmisch guckenden Putten am unteren Bildrand der Sixtinischen Madonna von Raffael. Millionenfaches Postkartenmotiv. Aber wie hat der Raffael diese tollen, süßen Puttengesichter hingekriegt? Na klar: Üben, üben, üben! Und so hat sich der große Raffael in die Einsamkeit der Sächsichen Schweiz verzogen, hat erst mal dort ein Puttengesicht in den Felsen gemeißelt. Nicht schlecht geworden! Und nach dieser Steinskizze hat er dann sein berühmtes Gemälde gemalt. Lösung gefunden.

Dann hat mir Arndt noch unterhalb von Hohenstein einen weiteren Engel gezeigt, sozusagen die russische Variante.

 

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Der gute alte Lenin in Stein gemeißelt. Ich frage mich: Warum ist das kein Pilgerort? Bei diesem Bildnis liegt es nahe, dass Zar Putin I. persönlich (denn er hat ja lange in Dresden gelebt) den mächtigen Revolutionsführer in den Fels gehauen hat. Ein wunderschönes Lenin-Denkmal, denn auch in der Sächsischen Schweiz gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, das ist ja mein Lieblingsspruch des alten Sowjet-Zausels.



Immer wieder diese Grenzerfahrungen

Geschrieben am um 07:53

Wahrlich ich sage Euch, ich habe in den letzten Jahren einen Haufen Grenzerfahrungen beim Wandern gemacht. Ob das die 82 Kilometer mit Thorsten Hoyer waren, die Watzmann-Ostwand-Besteigung, die Wanderungen mit dem Schwäbischen Albverein oder meine Wüstenwanderung bei den Sahauris. Aber auch all die Blasen, unterhopften Wanderkilometer und unvermuteten Regengüsse waren natürlich Grenzerfahrungen.

Vor kurzem, anlässlich der letzten Kytta-bewegt-Wanderung des Jahres auf dem Felsenweg bei Losheim, habe ich eine neue Grenzerfahrung gemacht. Ungefähr zwei Kilometer nach dem Start in Waldhölzbach verläuft der Felsenweg genau auf der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz. So weit erst mal nix besonderes, ist doch das Saarland so klein, dass man schnell an seine Grenzen stösst. Aber was wirklich erstaunlich war: Auf saarländischer Seite war ein Wald mit dem üblichen Unterholz zu sehen. Auf rheinland-pfälzischer Seite dagegen Moos, so weit das Auge reichte.

 

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Unglaublich, eigentlich ist auch Rheinland-Pfalz hochverschuldet, dass die so viel Moos haben, hätte ich nicht gedacht.

Eine weitere Grenzerfahrung habe ich im Sommer auf dem “Luftigen Grat” bei Oberstaufen gemacht, dem spektakulären alpinen Premiumweg im Allgäu. Ich ging nicht über eine Landesgrenze, aber der luftige Grat markierte eine Wetterscheide, eine Wettergrenze.

 

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Auf der einen Seite freie Sicht, auf der anderen Seite eine dichte Nebelwand, die sich zögerlich anschickte, über den Grat zu kriechen. So eine meteorologische Grenzerfahrung habe ich noch nie gemacht. Den vollständigen Luftigen Grat-Report könnt ihr übrigens im aktuellen Wandermagazin lesen …

Aber noch nicht zu vergleichen ist das alles mit der unglaublichen Grenzerfahrung, auf dem Mössinger Dreifürstensteig auf der unterwöbten Hangkante zu stehen.

 

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Ich habe diese Warnmeldung nicht verstanden. Entweder ist das saugefährlich, an den Hangkante zu stehen, dann sollte man die sperren. Oder aber jeder ist seines Glückes Schmied, dann sollte man das Schild weglassen, denn es erzeugt nur eines: Angst. Ich habe mich natürlich trotzdem todesmutig für wenige Sekunden auf die total unterwölbte Hangkante gestellt. Eine weitere Grenzerfahrung.

 

Und jetzt seid ihr dran mit Euren Grenzerfahrungen…



Fotogen sind eher die anderen

Geschrieben am um 06:50

Ich muss mal etwas klar stellen. Sehr oft, zu oft, werde ich in letzter Zeit gefragt, ob ich denn diese ganzen Wandertouren, die ich in meinem Blog beschreibe, oder im Wandermagazin, in der ZEIT, in meinen Büchern, ob ich all diese Touren wirklich alle SELBST gelaufen bin. Hallo? Geht’s noch? Denkt ihr, ich delegiere das? Denkt ihr, ich lasse wandern? Nur um danach eine paar dürre Zeilen über Nicht-selbst-Erlebtes zu verfassen? Oder das auch noch geistschreiben zu lassen? Nein, natürlich wandere ich das alles selber, das ist mein BERUF und: Ich mache es auch noch gerne. Vielleicht sind diese zunehmenden Verdächtigungen der Grund, warum ich bei meiner letzten Wanderung in der Sächsischen Schweiz Mitte November eine Menge Beweisfotos gemacht habe. Quasi unumstösslicher Beweis: Ja, ich war da!

 

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Wen man allerdings ein Selfie macht, sollte man ein wenig darauf achten, nicht auszusehen wie ein Fisch, der an Land nach Luft schnappt. Ich habe aus diesem etwas verunglückten Bildmotiv gelernt, eher zehn Selfies zu machen, auf irgendeinem wird man schon aussehen wie ein Mensch.

Dann habe ich Mitwanderer Arndt die Kamera in die Hand gedrückt, er solle doch mal bitte ein schönes Andrack-klettert-in-der-Sächsischen-Schweiz-Foto machen.

 

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Allerdings sieht es auf dem Bild so aus, als hätte ich akute Darmprobleme. Nein, es sieht eigentlich exakt wie im Nachtprogramm von Sport1 aus. Wenn bei den Sexy Sports Clips eine junge Dame so tut, als wenn sie klettern würde, aber nur sichtbar scharf darauf ist, das nächste Kleidungsstück los zu werden.

 

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Auch dieses Foto ist leider misslungen. Wie bescheuert ist das denn, wie ich da in den weltberühmten Schwedenlöchern rumstehe? Wir Graf Großkotz: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Schwedenlöcher! Fehlt nur noch, dass ich unter dem Fuss den erlegten Löwen habe, aber den sieht ja man gnädigerweise nicht. Also den Fuss.

Ich habe Arndt die Kamera wieder weg genommen, obwohl der arme Mann für die Posen seines Models am wenigsten konnte. Habe ich eben mal wieder ein Selfie gemacht.

 

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Ein wirklich schlimmes Selfie. Das sieht aus wie die letzte Aufnahme eines Mannes in blauer Jacke, der für immer in der Sächsischen Schweiz verschwand. Schon seit Monaten wird er auf Flugblättern, Aushängen und bei Aktenzeichen XY gesucht wird. Ein Versprechen: In den nächsten Blogs gibt es nur Andrack-freie-Fotos. Ganz ehrlich.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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