Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt



Das Glück des Wanderers

Geschrieben am um 07:17

Kürzlich war ich zu einer sehr hübschen Veranstaltung im Nordsschwarzwald eingeladen: Eine Wanderlesung in der Glücksgemeinde Schömberg im Kreis Calw. Als ich hörte: Glücksgemeinde, Wandern, Lesung, wusste ich: da bin ich richtig.

 

DSCF7848

 

Okay, so viel sind wir gar nicht gewandert, weil wir haben ja ständig gestanden und gesessen, weil ich gelesen habe, oder der Wanderführer etwas erklärt hat. Aber wir hatten echt Glück, dass wir in einer Art schwäbischem Stonehenge, einem modernen Kraftfeld des Nordschwarzwaldes eingekreist wurden. Die meiste Kraft und Glückspower kam aber vom regionalen Kirschwasser, das die Runde machte.

Mitwandererin Susanne, diplomierte Heilkundlerin und Naturkräuterexpertin, hat mich nicht nur glücklich gemacht, weil sie mir gefühlte 300 verschiedene Pilz- Blumen und Kräuter am Wegesrand erklärt hat und ich daran riechen durfte.

 

DSCF7850

 

Nein, am glücklichsten hat mich Susanne gemacht, indem sie mir zeigte, dass man ein Buch (in dem Fall ganz zufällig mein Buch) auch prima als Herbarium nutzen kann. Jetzt mal ehrlich liebe Kinder: versucht das mal mit einem Kindle, da habt ihr aber nicht lange Freude an den Pflanzen.

 

DSCF7851

 

Immer wieder mussten die Mitwanderer stoppen, damit ich allen meine Wanderabenteuer vorlesen konnte. Aber es war ein befriedigendes Gefühl, dass alle Plätze immer voll besetzt waren, man spricht in diesem Falle unter dem fahrenden Volk von “einer vollen Hütte”.

 

DSCF7854

 

Und dann gab es noch eine Schlusseinkehr in der geilsten Skihütte des Schwarzwalds: Skihütte Eulenloch. Kinder, war das eine Apres-Ski-Sause – Ende August, ganz ohne Schnee (der im übrigen völlig überbewertet ist). Zum Glück gab es den Sprit gleich kanisterweise: weder Diesel noch Super, sondern bleifreier Most (sorry, Mooschd), der einiges konnte. Da habe ich begriffen, warum Schömberg eine Glücksgemeinde ist. Glück auf!



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 2

Geschrieben am um 06:45

Letzte Woche habe ich schon ein wenig über meine Wanderung mit dem Schwäbischen Albverein auf dem Westweg berichtet. Wie ist er denn nun so, dieser Westweg, den man ja schon fast legendär nennen kann und muss. Es ist fraglos der beliebteste aller Schwarzwälder Weitwanderwege und stellenweise, zum Beispiel auf der Passage hinter der Darmstädter Hütte, ein wirklich zauberhafter Weg.

 

DSCF7396
Zu dem schönen Weg passten die schönen zwischenmenschlichen Kontakte in der Wandertruppe. Nun mal ehrlich, dafür wandert man doch in einer so riesigen Gruppe, dass man sich richtig kennen lernen kann. Und zwei Singles aufeinander treffen, wird ja vielleicht ja auch mehr draus. Ich belauschte auf jeden Fall ein sehr interessantes Anbandelungsgespräch. Normalerweise checkt man erst einmal, ob gemeinsame Interessen vorhanden sind, der Musikgeschmack auf einen Nenner zu bringen ist, so ein Zeug eben. Aber wie die zwei turtelnden Täubchen sich erst einmal über ihre Vorlieben bei Haushaltsgeräte austauschten, das war mir neu. „Das ist ja lustig, ich habe auch eine Miele-Spülmaschine“ – „Ich schwöre ja auf die Siemens-Staubsauger – ach was, Du auch?“ Ich habe die Hochzeitsglocken schon läuten gehört, statt Konfetti und Reis werden aber Staubsaugerbeutel geworfen.

 

DSCF7408

 

Aber auch das ist der Westweg: Schnurgerade, breiter, staubiger, schattenfreier Weg, und dann kommt auch noch der Granit-Transporter. Das Gute war, er hat tatsächlich abgebremst und ist im Schritttempo an uns vorbei gefahren. Der Nachteil: er kam insgesamt dreimal an uns vorbei, scheint immer im Kreis gefahren zu sein, Hat der Granit-Transporter-Fahrer Fuzzy keine anderen Hobbys?

 

DSCF7415

 

Dann der Lotharpfad. Ich dachte ja zuerst, dass das ein spezieller Weg am Westweg wäre, der einem ollen König, Lothar der Barfüssige oder so, gewidmet worden wäre. Aber weit gefehlt: Lothar ist ein Schreckensname für die Bäume des Schwarzwald, denn dieser Sturm aus dem Jahre 1999 sorgte für umfassenden Kahlschlag.

Die Idee des Lotharpfades ist nun, eine dieser Sturm-Flächen im chaotischen Ist-Zustand von Dezember 1999 zu belassen. Seither ist natürlich einiges gewuchert und gewachsen, so dass man einen achterbahnartigen Weg, um nicht zu sagen: Holzweg gebaut hat, um über umgestürzte Bäume gefahrfrei klettern zu können.

 

DSCF7410

 

Besser aber noch als das Erlebnis Lotharpfad waren mal wieder die erfrischenden Gespräche mit meinen lieben Oberboihingern. Ich muss aber noch mal genau hinschauen, welche Marke meine Spülmaschine und mein Staubsauger hat, kann man vielleicht irgendwann noch mal gebrauchen…



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 1

Geschrieben am um 06:26

Seit meinem letzten Wanderbuch sollten meine Oberboihinger Wanderfreunde Euch genauso an‘s Herz gewachsen sein wie mir. Alle zwei Jahre veranstalten die rührigen Wanderer des Schwäbischen Albvereins aus Oberboihingen eine lange Wanderwoche. 2010 war ich an der oberen Donau mit ihnen gewandert und abends auf der Hütte „Rauher Stein“ beim Belohnungsbier das 548. Mitglied der Ortsgruppe Oberboihingen geworden.

 

DSCF7392

 

Im Juni 2014 war die Truppe auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs, von Pforzheim nach Hausach. Ich bin eine Etappe mitgewandert und wurde an der Darmstädter Hütte oberhalb von Seebach herzlich von meinem Wanderfreund Richard begrüßt. Dann gab es das unvermeidliche morgendliche Singen. Aus den ausgeteilten Liederheften intonierten wir „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…“. Das hat der gute alte Eichendorff gedichtet, hatte ich gar nicht gewusst.

 

DSCF7394

 

Und dann sangen alle noch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Das war sehr nett, war mein Geburtstag doch schon seit zwei langen Tagen in Vergessenheit geraten. Aber sie hatten ja recht mit dem Lied. Ich würde mich ehrlich gesagt auch sehr vermissen, wenn ich nicht geboren worden wäre.

 

DSCF7400

 

Wir waren kaum drei Kilometer gewandert, da rasteten wir auch schon wieder, und zwar passenderweise auf dem sogenannten Ruhestein. Pause natürlich nicht wegen Erschöpfung, sondern weil wir auf eine naturkundliche Führung warteten. Exakt auf dem flachen Ruhestein verläuft übrigens die Grenze zwischen Baden und Württemberg, die hochexplosivste Grenze nach Nord- und Südkorea.

 

DSCF7402

 

Ehrensache für die Oberboihinger, mit dem Hintern noch knapp im württembergischen Heimatland zu sitzen. Praktischerweise konnte man mit der Hinwendung des Hinterteils Richtung Baden auch deutlich machen, was man von diesem Landesteil zu halten hat. Als Wanderschwabe. Nächste Woche berichte ich weiter über die Wanderung mit „meinen“ Oberboihingern, erzähle, wie der Westweg so ist, was es mit dem Lotharpfad auf sich hat und wie man sich zwischenmenschlich unter Schwaben so annähert.



Drei Dinge braucht der Wanderer: Stempelzange, Notrufsäule, Zahnbürste

Geschrieben am um 07:41

Viele denken, der gemeine Wanderer würde nur drei Dinge benötigen: Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Falsch, falsch, falsch!!! Wanderhut ist mega-out, Wanderstock noch outerer, und Damenunterröcke zieht man doch nicht zum Wandern an, sondern wenn man als Mann vor’m Spiegel mal wieder Weiberfummel anlegen will.

Nein, zunächst einmal braucht jeder Wanderer eine Stempelzange, damit er in seinem Wanderbüchlein zum Beweis seines Wanderschaffens die entsprechende Felder abstempeln kann. Auf dem Viaduktweg rund um Altenbeken sah ich diese Stempelzange, an Station V. V wie Viadukt, V wie Victory, V wie Fünf. Da ich kein Viadukt-Stempelheft bei mir hatte, habe ich mir die Ohrläppchen mit dem Ding gepierced.

 


Sehr praktisch fand ich auch die orangene Notrufsäule am Rande des Neanderlandsteigs. Pedanten würden sagen, die gehört doch zu parallel verlaufenden A 52 und nicht zum Wanderweg, aber ich finde es sehr schön, auch beim Wandern endlich eine Notrufmöglichkeit zu haben. Holen sie mich ab, ich habe mir ein Blase gelaufen, mein Schnürsenkel ist offen, ich bin total unterhopft!!!

 

 

Und dann habe ich unterhalb der Burg Teck in der Nähe von Owen ein ganz entscheidendes Reiseuntensil genießen: die Zahnbürste. Wer kennt es nicht, wenn die Zunge über den pelzigen Belag auf den Schneidezähnen gleitet. Dann ist man doch froh, wenn da einfach so eine Zahnbürste in der Landschaft steht. Das sind wirklich die Dinge, die ein Wanderer braucht!!!

 



Betrifft: Die Wanderfreunde aus Oberboihingen – Nachtrag für die Loseblattsammlung

Geschrieben am um 09:07

Vielleicht erinnern sich die Älteren noch an ein Fossil der analogen Zeiten: Die Loseblattsammlung. Gerne wurde sie genutzt bei Nachschlagewerken, die sich laufend ergänzen – zum Beispiel bei Gesetzestexten. Da wurden dann die losen Blätter des neuen Textes zu den schon vorhandenen geheftet, ein äußerst praktisches Verfahren.

Ich habe heute auch einen Ergänzungstext zum Kapitel „Von Frühlingsplatterbsen und Wanderhandtüchern – Unterwegs mit dem Wanderverein Oberboihingen“. Ihr müsst nur den Text und die Fotos dieses Blogbeitrags ausdrucken und zwischen die Seiten 364 und 365 in meine Gesammelten Wanderabenteuer heften, so einfach ist das.

Es begab sich nämlich Ende Februar, dass ich mit dem Schwäbischen Albverein gewandert bin. Allerdings hatte nicht die Ortsgruppe Oberboihingen, sondern die Ortsgruppe Owen eingeladen, die 2014 ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Aber die Freunde aus Oberboihingen waren zahlreich zum „Auswärtsspiel“ unterhalb der Burg Teck angereist. Und so kam ich in den Genuss, wieder Martin zu begegnen, den Frühlingsplatterbsen- und Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-und-dann-hast-Du-noch-nichts-getrunken-Experten. Nun ist die Vegetation an der Albtrauf trotz milden Winters Ende Februar nicht gerade üppig gewesen. Aber Martin zeigte mir den Stinkenden Nießwurz.

 


Zunächst dachte ich, dass er mich mal wieder auf den Arm nehmen würde, aber nein, diese Gewächs heißt tatsächlich so. Wir haben dann ein Exemplar gepflückt (War das verboten? – Nein; zu „Bestimmungszwecken“ darf man das machen) und dem Stink-Test unterzogen. Nun ja, da kenne ich aber mindestens fünf Körpergerüche von lieben Mitmenschen, die grausamer sind. Das war eher ein dezent riechender Nießwurz.

 

 

Dann wanderten wir an einer merkwürdigen Baumgruppe vorbei, der Owener sagt dazu „Unter den Linden“ – Großstadtflair unterhalb der Teck. Hintergrund dieser Baumgruppierung ist aber, dass sie im Hochsommer Schatten für Herde und Schäfer bietet, großartige Einrichtung!

 

 

Zum zünftigen Abschluss der Wanderung kehrten wir dann noch ein. Im Gasthaus Zum Adler. Da habe ich wieder etwas gelernt: Wenn der Blumenstrauss des Albvereins die Hauswand der Gaststätte ziert, wie das beim Gasthaus Zum Adler der Fall war, dann darf man nach alter Väter Sitte sein Essen selber mitbringen, die Getränke aber beim Wirt bestellen. Eine schöne Sitte aus den analogen Zeiten der Loseblattsammlung!



Winter ade!

Geschrieben am um 07:47

 

 

Ich lese jetzt überall, wir hätten einen äußerst milden Winter in Mitteleuropa erlebt. Hat man da auch noch mal bei den Bewohnern von Sachsen, Kärnten, Slowenien und dem Piemont ganz genau nachgefragt? Die hätten sich alle vielleicht einen milden Winter gewünscht. Nun ja, im Saarland und im Rheinland, das stimmt schon, herrschte schneefreie Zone, was wiederum die Wanderer auf die (Premium-) Wege trieb und zu Beschwerden führte, die ausgezeichneten Wege seien so matschig. Komisch, matschige Wanderweg im Dezember und Februar, gibt‘s ja gar nicht! Dann doch lieber auf Asphalt wandern, oder?

 


Einen Hauch von Winter habe ich mir Anfang Februar auf der Schwäbischen Alb gegönnt. DA gab es tatsächlich Schnee! Ich wanderte auf dem „Wacholderheide“ einem Premiumweg der Traufgänge. Die Traufkante mit Puderzuckerguss war allerliebste anzuschauen, und die Wege waren gar nicht matschig – nur glatt!

Ich erreichte eine sagenhafte Höhe von 937 Metern, das war so hoch, dass da auch eine mittelalterliche Burg einen Abgang hatte oder einer abgegangen ist oder, na ja, ich habe es nicht genau verstanden.

 


Ich habe auf jeden Fall die phantastischen Aussichten, für die die Traufgänge weltberühmt sind, unglaublich genossen.

 

 

Das absolute Highlight war aber die Sprungschanze für Wanderer, die die Stadt Albstadt am Wegrand der „Wacholderheide“ errichtet hat. Man sollte sich auf den Hosenboden setzen, am besten auf eine Plastiktüte, dann nimmt man Geschwindigkeit auf und rollt bis kurz vor die Traufkante, danach darf man sich einen echten Traufgänger nennen! Aber Vorsicht, bitte nicht so abgehen, dass ein Abgang droht!

 



Andrack privat: So wohnt ein Profi-Wanderer

Geschrieben am um 11:44

Ich werde oft gefragt: „Mensch Andrack, Du bist so oft unterwegs, am Wandern und so, man könnte meinen, Du lebst im Wald. Ha, ha.“ Ich frage mich dann immer, was daran so lustig ist. Und ich gestehe hier an dieser Stelle erstmals öffentlich: Ja, ich bin draußen zu Hause. Ich glaube, den Spruch lass‘ ich mir patentieren. Und im Rahmen einer exklusiven Homestory präsentiere ich mein Draußen-Zuhause:

 


Keinesfalls spreche ich auf diesem Bild in mein Diktaphon, nein, das ist mein Badezimmer und ich bin bei der morgendlichen Rasur.

 

 

Hier mein Wohnbereich mit einigen bequemen Sitzkissen. Wenn mal überraschend Beusch kommt, sind eindeutig genug Sitzmöglichkeiten vorhanden.

 

 

Und abends lege ich mein Haupt auf dieses ultraweiche Bett im Family XXL-Format.

 

 

Aber manchmal habe ich Lust auf eine kleine Spritztour. Dann setze ich mich in mein flottes Cabrio und düse mit meinem Chauffeur Ulrich Pfau durch den Wald, heissa juchhe, und lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen, das ist echt knorke, so ein Leben draußen im Walde…



Die schönsten Ausblicke der Welt

Geschrieben am um 05:03

Der Wanderer liebt EINblicke, vor allem die ganz tiefen in das Glas seines Belohungsbieres. Aber noch mehr liebt der Wanderer AUSblicke weit hinein in die Landschaften. Ich habe ein kleines Fotoalbum meiner Lieblings-Ausblicke des letzten halben Jahres zusammengestellt.

 


Kurios. Von einem Aussichtspunkt am Wanderweg des Jahres, dem Eltzburgpanorama, kann man durch viele Taleinschnitte zur Hohen Acht, dem höchsten Berg der Eifel (7.470 Meter) schauen.

 

 

Sensationell: Blick vom Neanderlandsteig auf den Leichlinger Sandbergen zum Kölner Dom, leicht verdeckt durch eine Hochspannungsleitung in der Bildmitte.

 

 

Spektakulär: Eine Regenwolke am Ehmsenweg im Sauerland, die mich an das Riesenraumschiff von Independence-Day erinnerte. Ich war so erleichtert, dass mich dann doch keine Außerirdischen angegriffen haben (zumal ich alleine und ohne Will Smith gewandert bin), dass ich mir kurz darauf einen Einblick in mein Belohnungsbier gegönnt habe. Und wen sehe ich beim Belohnungsbier am Etappenort in Sundern? Das ist doch… Aber das wird erst in meinem Buch Die schönsten Wanderwege von NRW“ verraten…



Mit einem Wanderanarchisten durch die Sächsische Schweiz

Geschrieben am um 12:00

 

Wir befinden uns im Jahr 2014 n.Chr. Die gesamte Sächsische Schweiz ist ein Nationalpark? Nein! Unbeugsame Wanderaktivisten der IG Stiegen- und Wanderfreunde hören nicht auf, Widerstand zu leisten. Und wie Asterix und Obelix und Co kämpfen diese Wanderanarchisten gegen die Nationalparkverwaltung. Es geht im Endeffekt: Um ein allgemeines Wegerecht. Vor über 100 Jahren kämpften die Wanderer für freien Zugang zu den Privatwälder der adligen Grundbesitzer. 2014 kämpfen die Wanderanarchisten der Sächsischen Schweiz um viele traditionelle Stiegen und Wanderwege

 


Denn wie früher die Fürsten und Gutsherren in ihren Privatwäldern keine Wanderer zuließen (und die Wander-Arbeiter der Naturfreunde ihr Wanderwegerecht erstreiten müssen), so sperrt die Nationalparkverwaltung altehrwürdige im Namen des Naturschutzes. Das war das Problem des Nationalpark Sächsische Schweiz: Es wurde keine ursprüngliche Naturlandschaft (Beispiel Wattenmeer) zum Nationalpark mit seinen unbarmherzigen Naturschutz-Regeln gemacht, sondern eine schon seit mindestens 150 Jahren wandertouristisch genutzte Region. Ich wanderte mit Stiegenfreunde Arndt über einige verbotenen Eege und kam mir vor wie ein Indiana Jones des Elbsandsteingebirges, immer auf den Suche nach den in Stein gehauenen Spuren einer untergegangenen Wanderepoche.

 

 

Am Besten waren aber die Sprüche von Stiegenkollege Arndt. Man muss in der Sächsischen Schweiz schon ein wenig klettern können, deswegen sollte man beherzigen “Farnkraut war sein letzter Griff, ehe er durch die Lüfte pfiff.” Und: “Ein Wandersmann der abwärts rodelt, ist selten still, nein, er jodelt.”

Um die Sache der Stiegenfreunde zu unterstützen, bin ich natürlich Mitglied geworden, das kann jeder ohne Vorbedingung und Unkosten werden, man tut aber etwas für die internationale Wanderersolidarität. Venceremos!

 



Was man an einem Wanderweg machen kann außer zu wandern

Geschrieben am um 10:48

Viele Wandermuffel sind ja fest davon überzeugt, dass das Wandern soooooooooo langweilig wäre. Jeder leidenschaftliche Wanderer weiß, dass dem nicht so ist. Außerdem wird oft vergessen, dass man bei einer Wanderung nicht nur wandert. Man hängt seinen Gedanken nach, quatscht, trinkt, picknickt, genießt Aussichten. So weit, so klar. Aber natürlich gibt es noch unendlich viele Tätigkeiten am Rande eines Wanderwegs.

 

 

Zum Beispiel kann man den anderen Wanderern den Marsch blasen. Früher war der Trompeter ein wichtiger Bestandteil der kämpfenden Truppe, heute wirkt er durchaus mobilisierend auf die Wandertruppe.

 

 

In der sächsischen Schweiz fand ich dieses in den Sandstein geritzte Mühlespiel. Da haben sich aber nicht Wanderer die Zeit vertrieben, die sind ja Wanderer und nicht Mühlespieler, sondern je nach Legende die römischen oder russischen Soldaten, die am Felsen wache schieben mussten, damit keiner den Felsen erobert. Da hat man viiiiiiiiiieeeel Zeit.

 

 

Einem anderen Hobby frönen die Bogenschützen im Dahner Felsenland. Die flitzen robin-hood-esk mit Pfeil und Bogen durch den Wald und schießen dann amorgleich ihre Pfeile auf große schwarze Zielscheiben, die bei Nichtgebrauch zusammen geklappt werden. Wenn die Pfeile fliegen, ist das Wandern untersagt, das kann nämlich leicht ungesund werden.

 

 

Auch so ein Wanderhobby: Mit schwersten Rucksäcken durch die Gegend wandern. Es gibt eine Harvard-Untersuchung, wie das Unterbewusste mit der Größe des Rucksacks zusammen hängt. Näheres erläutere ich in „Andracks kleiner Wandershow“. Termine auf meiner Homepage.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2014 Manuel Andrack.