Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Ein Leben auf dem Wanderweg

Geschrieben am um 08:14

Es stimmt schon, ich wandere viel, ausgiebig und gerne. Aber auch bei meiner Wanderintensität ist noch jede Menge Luft nach oben. Wie wäre es denn, wenn ich mein komplettes Leben auf die Wanderwege dieses Landes verlegen würde? Ein Einwand wäre, dass man auf so manche Annehmlichkeit des täglichen Lebens verzichten müsste. Das kann sein, muss aber nicht so sein …

 

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Viele Bundesbürger wollen nach einem turbulenten Tag abends nur noch die Beine hochlegen und in die Glotze schauen. Vielleicht kommt ja was Spannendes bei ZDF Neo? Man könnte meinen, am Wanderweg sei TV-Konsum nicht drin. Na und ob, im Bergischen Land sah ich einen High-Tech-Fernseher direkt am Wanderweg. Allerdings haben Geräte mit Kabel dran wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Fernseher die unangenehme Eigenschaft, elektrischen Strom zu benötigen. Daher gehen viele Wanderregionen verstärkt dazu über, an jedem zweiten Baum am Wegrand eine Steckdose anzubringen…

 

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Bleibt die Frage, was man in den Nächten macht. Durchwandern? Auf Dauer zu anstrengend. Also braucht man natürlich ein Zelt. Nur welches? Die Auswahl ist schier grenzenlos. Eine geniale Hilfe bietet der Sportscheck-Zeltberater

 

http://www.sportscheck.com/beratung/zeltberater/

 

Mit dem Zeltberater hat man Planungssicherheit. Will man ein Familienzelt oder ein Single-Trekkingzelt? Will man im Zelt stehen (wozu eigentlich?) sollte man auf die Stehhöhe achten, will man sitzen und ist eventuell ein Sitzriese ist die Sitzhöhe entscheidend. Als leicht Übergewichtiger kann man auch die Bauchhöhe (im Liegen) angeben.

Außerdem sollte man überlegen, ob man eine regensichere Kochmöglichkeit braucht. Eher nicht. Wenn man den Sportscheck-Zeltplaner aufmerksam studiert, lernt man, dass man ein Kuppelzelt nehmen sollte, wenn man einen schnellen Aufbau bevorzugt. Und ich habe jetzt alles über das weltberühmte 70D/190 DT gelernt. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine enorme Körbchengröße, sondern um ein Material für Zelt-Außenwände. Ich finde, das Zelt sollte auf jeden Fall leicht sein, sehr sehr leicht, denn wenn man dann abends im Zelt sitzt, liegt oder steht und die Unterhopfung droht, dann sollte im Ruckssack doch das ein oder andere Bier noch Platz gefunden haben.

Da hätten wir doch schon fast alles Wesentliche zusammen für ein Leben auf Deutschlands Wanderwegen! Und so wandert man all’ die Jahre, von der Wiege bis zu Bahre. Und deswegen ist es äußerst hilfreich, wenn auch für die allerletzte Wanderung schon ein passender Stein am Wegesrand bereit liegt…

 

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Buchen buchen

Geschrieben am um 07:30

Seit kurzem bin ich Baumpate. Bisher hat es für mich zwar zum mehrfachen Vater gereicht, aber ein Patenkind habe ich nicht. Nun habe ich ein Bäumchen als Patenkind. Im zarten Alter von ca. 120 Jahren wird eine Buch am Saarbrücker Wildgehege unverhofft zum Andrack-Baum.

 

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Das mit dem Alter haben mir die Leute vom Nabu gesagt, die mir wortgewaltig die Buche für 250 Euro angedreht haben. Ich kann das Alter nicht wirklich glauben, der Baum sieht mir eher nach 200 Jahren aus, aber das überlasse ich den Naturexperten. Diese Baumpatenschaften laufen unter dem Motto “Buchen buchen”. Bald kann man auch Eichen eichen, Weiden schneiden und Fichten vernichten. Fichten vernichten läuft unter Naturliebhabern als gute Tat, denn man weiß ja: “Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten”. Zurück zu den buchbaren Buchen. Die Idee ist, für einen kleinen Obulus, 250 € eben, Bäume im für die Holzindustrie interessanten Alter dem Bald-bist-Du-ein-Billy-Regal-Schicksal zu entreissen. Vierzig Jahre lang (bis 2055, da bin ich 90 Jahre alt und Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin) gibt es nun für meinen Baum im Saarbrücker Wildgehege Bestandschutz. Und jetzt mal ehrlich: Ist sie nicht wunderschön, meine Buche? Ich habe sie auf jeden Fall knuddellieb…

 

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Nicht erst seit der Lektüre des Bestsellers von Kuschel-Förster Peter Wohlleben weiß ich, dass Bäume Gefühle haben und kommunizieren können. Bäume haben auch die Fähigkeit, das hat mir im Herbst ein Ranger am Rothaarsteig gezeigt, sich selbst zu heilen und zu verbinden…

 

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… der böse Hirsch hatte sein Geweih am Baumstamm gewetzt und damit die Baumrinde verletzt. Nicht schön. Aber der Baum hat sich gesagt, da nutzt kein Jammern und hat sich mit einer weißen Flüssigkeit eine Art Verband gesetzt. Die Rinde kann nun wieder heilen. Wieder was gelernt. Früher dachte ich, wenn ich die weißen Stellen an den Bäumen sah, der Baum würde schimmeln oder das wäre eine phantasielose Wegmarkierung – nein, alles Baum-Erste-Hilfe. Und Bäume (einige) sind clever. Während beim berühmten Kyrill-Sturm im Sauerland und Siegerland Fichten im großen Stil umknickten wie Streichhölzer, blieben die wenigen Douglasien standhaft…

 

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Die Douglasien habe nämlich ein stabile Wurzel, haben im Sturm alle Äste verloren, sie haben sich also sozusagen dünn gemacht. Aber der Stamm, der blieb stehen und mittlerweile sind auch viele Äste wieder nachgewachsen. Von wegen mein Freund der Baum ist tot. Die sind zäh, diese Burschen. Aber apropos toter Baum. Das ist eigentlich der Witz an der Baumpatenschaft. Denn gerade ein toter Baum ist, sagt der Nabu, ein guter Baum, denn das Totholz ist ein Paradies für die Artenvielfalt des Waldes. Meinen Patenbaum wird es also wahrscheinlich, bis er verrottet noch 180 Jahre geben. dann bin ich 230 Jahre alt und Angela Merkel immer noch Bundeskanzlerin. Das wird schön!

Bleibt mir nur noch, allen andrackblog-Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen, ich gehe in die Blog-Winterpause und schreibe den nächsten Blog Anfang Februar…



Nach den Bahnsteigen …

Geschrieben am um 07:35

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das stimmt. Zuletzt habe ich mich auf den Weg in’s Vogtland gemacht, nach Bad Elster an der tschechischen Grenze. Dort habe ich im zauberhaften König-Albert-Theater meine Wandershow gespielt. Großer Abend, tolle Stadt. Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Vielmehr habe ich auf der Reise NACH Bad Elster wieder einiges gelernt. Zum Beispiel könnte ich diese Millionenfrage von Günther Jauch problemlos beantworten: Wo findet sich der längste Bahnsteig Deutschlands?

 

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A: München

B: Langenau

C: Langenfeld

D: Gößnitz

Die richtige Antwort ist Gößnitz, die südthüringische Metropole zwischen Gera und Zwickau. Ich habe diesen XXXL-Bahnsteig fotografiert, sieht mega-interessant aus…

 

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Ich hatte wirklich sehr viel Zeit zum Längste-Bahnsteig-Deutschlands-Fotografieren, denn mein Anschlußzug hatte 80 Minuten Verspätung. Lange Verspätungen sind nur halbwegs erträglich, wenn man (erstens) im verspäteten Zug selber sitzt (am besten im Zugrestaurant), es (zweitens) warm genug ist, am Bahnsteig auf einer Bank sitzend etwas zu lesen oder (drittens) eine halbwegs vernünftige Bahnhofsgastronomie vorhanden ist. In Gößnitz traf keine der drei Axiome zu. Schade. Also habe ich in 80 Minuten 80 Fotos vom längsten Bahnsteig Deutschlands gemacht.

Als ich dann endlich im Bahnhof von Zwickau war, wusste ich auch, wie man in Westsachsen auf Bahnsteige im Allgemeinen und auch im Besonderen hinweist, genau so:

 

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… ich habe verzweifelt gesucht, wie der Satz “Nach den Bahnsteigen…” weitergeht. “Nach den Bahnsteigen ist vor den Bahnsteigen” oder “Nach den Bahnsteigen kommt erst mal gar nichts”. Aber es blieb bei: “Nach den Bahnsteigen”. Da bin ich einfach nach den Bahnsteigen gegangen und in die Vogtlandbahn nach Bad Elster gestiegen.

Allerdings habe ich vor der letzten Zugetappe noch das stille Örtchen, den Locus, das WC, die Doppel-Null aufgesucht. Im Zwickau ist das eine Pachttoilette.

 

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.



Bankenkrise: Tanjas Bank und virtuelle Sinnenbänke

Geschrieben am um 07:56

Seit ich wandere, haben mich die unterschiedlichen Möglichkeiten fasziniert, eine Ruhebank am Wegesrand aufzustellen. Schon in meinen Gesammelten Wanderabenteuern (S. 65 – 68) stellte ich einige Arten von Banken vor: Spießige, rustikale und teilamputierte Wanderbänke.

In der Wandersaison 2015 habe ich weitere exotische Exemplare für Euch ausfindig genmacht. Zunächst einmal die faszinierende XXL-Bank an der Ahr, die durch eine Art atomare Bankenfusion entstanden sein muss. “Liebling, ich habe die Wanderer geschrumpft” könnte als Motto über diesem monströsen Sitzmöbel stehen (übrigens tierisch ungemütlich) …

 

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In Siebenmeilenstifeln war es kleiner Sprung in’s Altmühltal zu einer ganz besonderen Patenschaftsbank. Dass der Spender einer Wanderbank sich mit einem Metallschildchen auf der Rückenlehne verewigt, ist hinlänglich bekannt: Das sind meistens Kreissparkassen, Schuhfachgeschäfte, Mittelgebirgsvereine. Das man nun aber schon salopp eine Patenschaft mit dem Vornamen übernehmen kann, war mir neu. Ich spare schon auf eine Manuel-Bank, denn was die Tanja kann, kann ich schon lange …

 

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Mittlerweile sind wahrscheinlich die bekanntesten und beliebtesten Bänke der Welt die – seit Eröffnung des Rothaarsteigs Anfang der Nuller Jahre erfundenen – ergonomischen Sinnenbänke. Besonders sinnlich und anspruchsvoll fand ich ein Exemplar am saarländischen Schluchtenweg …

 

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… man muss sich bei diesem Sitzmöbel in eine Art hypnotischen Sinnestaumel hinein versetzen, um als schwebende Jungfrau (oder Jungmann) die Füsse hoch zu legen. Ich habe das ausprobiert, habe aber das sinnliche Abenteuer mit einer schmutzigen Hose und einem schmerzenden Hintern abbrechen müssen. Irgendetwas scheint mit dieser virtuellen Sinnenliege nicht zu stimmen.

 



Spannende Tierbegegnungen

Geschrieben am um 09:10

Es gibt ja Wanderfreunde, für die ist eine Wanderung nur eine richtige Wanderung, wenn sie haufenweise Tiere in Wald und Flur gesichtet haben: Hirsche, Rehe, Eichhörnchen. Wildkatzen, Dachse, Milane, Bussarde. Feuersalamander, Käfer, Ameisen. Natürlich habe ich auch schon mal ein Reh durch den Wald hüpfen gesehen, und einen Ameisenhaufen kann ich von einem Müllhaufen unterscheiden. Aber ein richtiger Fauna-Experte werde ich wohl nicht mehr werden. Um so besser, dass ich auf meinen Wanderungen dann doch immer wieder auf mehr oder weniger exotische Tierarten treffe.

 

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Wie zum Beispiel den Canus bayerleverkusenensis, der in einem kleinen Biotop zwischen Wuppermündung und Rhein heimisch ist. “SV” hielt ich bislang immer für die Abkürzung von “Schülervertretung”, aber da man in Leverkusen Schäverhunde mit “V” schreibt, weil es ja eben Leverkusener Schäverhunde sind und nicht Leferkusener Schäferhunde, muss es auch “SV” heißen.

 

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Im schwäbischen Lonetal sah ich hingegen eine Lagune, in der auch Krokodile heimisch waren. Das ist natürlich eine Weile her, 150 Millionen Jahre. Schade eigentlich, da hätte es sich wirklich gelohnt, in eine Wellness-Abenteuer-Hotelanlage direkt an der Lagune zu investieren.

Am meisten nerven mich ja die – zumeist gehechelt vorgetragenen – Erlebnisberichte von anderen Wanderern, wenn sie von ihren diversen ultra-gefährlichen aber dann noch gerade so glimpflich ausgegangenen Begegnungen mit Wildschweinen berichten. Was machen diese Wildschwein-Connaisseure richtig beziehungsweise falsch oder was mache ich falsch beziehungsweise richtig, dass ich noch NIE NIE NIE ein Wildschwein bei meinen Wanderungen gesehen habe?

 

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Und wenn ich was vom Wildschein sehe, dann nur noch kümmerliche Überreste, wie diesen Oberkiefer. Eine richtige Sauerei ist das!



Ganz kleines Karo

Geschrieben am um 08:06

Ich werde oft gefragt, was ein Wanderexperte/Wanderprofi/Wandermeister (siehe Eintrag vom 19. Mai) den lieben langen Tag macht. Wandern hauptsächlich, klar. Wanderwege eröffnen, Wanderveranstaltungen moderieren, Wandershows präsentieren, extrem lustige Wanderlesungen abhalten. So weit kann man das ja auch aus meinem Terminkalender ableiten. Aber aktuell ist eine ganz neue Beschäftigung dazu gekommen: Ich bin Assistent Head Controller of Karomuster Design. Das ist eine Tätigkeit, die mich seit Wochen ausfüllt. Denn die Herbstkollektion von Fifty Five für das Jahr 2018 steht vor der Tür. Und erstmals sollen Lang-Arm-Wanderhemden im Angebot sein. Und Wanderhemden müssen nun mal, warum weiß wirklich nur der Wanderpapst, immer und stets kariert sein. Seit Wochen wälze ich nun kiloschwere Musterbücher …

 

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In den Musterbüchern sehe ich kleines Karo, ganz kleines Karo, mittelgroßes Karo verschränkt und verschwurbelt mit großem und kleinem Karo. Das alles natürlich in allen möglichen Farbkombinationen. Der Hammer! Sechs Richtige im Lotto sind wahrscheinlicher als DAS perfekte Karo zu designen. Aber ich habe einen glasklaren Karofavoriten. Und nun frage ich Euch, liebe Netzgemeinde (auch ein Netz ist ja im Endeffekt aus Karos gestrickt, faszinierende Paralelle!) ich frage Euch also, wie gefällt Euch das rot-weiss-schwarze Muster No. 25:

 

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Wusste ich doch, ich habe Euren Geschmack getroffen!!! Fifty Five wird stinkreich werden, wenn sie dieses Karomuster für ihre Herbst-Wanderhemden verwenden werden, weil ihr alle das Andrack-hat-das-Karo-ausgesucht-Hemd kaufen wollen. Bevor wir (die Fifty Fives und ich) aber stinkreich werden, gehen wir erst noch mal auf Welt-Tournee mit dem Fifty-Five-Mobil. Ich habe Glück gehabt, ich muss nicht wie Stefan auf dem Beifahrersitz schlafen. Nein, ich habe ein riesiges Zelt ganz für mich allein. Und in meinem neuen Heim, dem feuerroten Fifty-Five-Zelt, dort schlafe ich Nacht für Nacht und träume von kleinen, bunten Karos…

 

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Ach ja, und am 12. September gibt’s die große Fifty Five-Sause am Firmensitz in Netphen bei Siegen. Essen, Trinken, Wandern auf dem Rothaarsteig, Mucke, kurze Lesung aus meinen Büchern und natürlich Verkauf von Fifty-Five-Klamotten noch günstiger als sonst. Wer nicht kommt ist selber schuld…

 



Poco, Stempeldings und Äbbelwoi – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 2

Geschrieben am um 07:46

… weiter geht es auf der super-amtlichen Grüngürtelwegwanderung. Das Logo des 66 Kilometer langen Rundwanderwegs ist recht hübsch geraten …

 

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… zumindest lässt es der Fantasie (dummer Kinder Kalauer: was ist das Gegenteil von Fantasie? – Cola-Er!) freien Spielraum. Die Leute vom Amt erzählten etwas von grünem Gürtel, dem Main und der Stadt (symbolisiert durch einen Punkt). Na ja. Ich sehe eher ein windschiefes Smiley-Gesicht. Oder eine Art hessische Version des @-Zeichens. Sozusagen ein @ nach vielen vielen Äbbelwois.

Ich hatte schon letzte Woche angedeutet, dass man auf dem Grüngürtelweg an superalten Buchen entlang wandert, durch Naturschutzgebiete, durch den Fechenheimer Wald, aber auch eben am Poco entlang…

 

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… ich hatte kurz überlegt, mich dort mal nach einer dringend benötigten Schrankwand umzuschauen, bin aber dann doch bis zum nächsten Stempelpunkt mitgewandert. Stempelheftchen, einerseits ein alter Hut, andererseits immer wieder der Hit bei alt und vor allem jung, denn da kommen die uralten Triebe des Jäger und Sammlers heraus. Stempel sammeln ist einfach großartig.

 

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In Frankfurt hat man stempelmäßig den Stein des Weisen gefunden: Eine stabile, wetterfeste Stempelmaschine. Kein Ärger mit Gastronomen, die den Stempel nicht rausrücken oder ständig Ruhetag haben. Keine Vandalisten, die das Stempelkissen an der Kette klauen, zerstören, unbrauchbar machen. Super-Sache. Aber ohne Fleiß kein Preis, denn ich hatte mich auf eine relaxte Flachlandwanderung eingestellt – und dann kam die Steigung am Berger Hang. Alpe d’Huez Hilfsbegriff. Hoch auf den 1600, äh 160 Meter hohen Gipfel…

 

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… Belohnung: Ein schöner Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Apropos Belohnung. Nach dreizehn Kilometer auf dem Grüngürtelweg war ich ordentlich unterhopft und hatte Lust auf ein eiskaltes Binding, ich war bereit für flüssiges Lokalkolorit. Aber im Main Äppel Haus gab es nur typisch hessischen Apfelwein. Junge Mitwanderer hatten mich die ganze Zeit damit genervt, wie sehr sie sich auf einen gespritzten Äppler freuen würden. Aha, dachte ich mir, in der Post-Heinz-Schenk-Ära sagt man wohl Äppler statt Äbbelwoi. Also bestellte ich beim Chef des Main Äppel Haus einen Äppler. Der hätte mich fast geteert und gefedert und zu Apfelsaft verarbeitet…

 

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… um es ganz klar zu sagen. man sagt ÄBBELWOI. Punkt. Und wenn man genug von dem Zeug getrunken hat, kann man die nächsten Etappen des Grüngürtelwegs in Angriff nehmen!



Urban Bee Keeping und Böller beim American Football – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 1

Geschrieben am um 06:40

Wenn mein alter Wanderkumpel Michael vom Wandermagazin schon seine Hand für einen Wanderweg in’s Feuer legt („großartiger Stadtwanderweg, wirklich durchdachtes Konzept“), dann liegt die Latte schon mal ziemlich hoch. Irgendwie hat der gute Michael sich ganz schön in den Grüngürtel-Weg in Frankfurt verliebt. Immerhin hat dieser Weg im letzten Jahr den Preis für den schönsten Wanderweg Deutschlands in einer Metropolregion gewonnen. Zeit, sich das mal anzuschauen. Letzten Sonntag bin ich dort gewandert und ich muss sagen: wahrscheinlich bin ich im meinem Leben noch nie so AMTLICH gewandert wie in Frankfurt, denn ich hatte mich mit 80 anderen Wanderern auf Einladung des Frankfurter UmweltAMTS auf dem Danziger Platz am Ostbahnhof eingefunden. Dieser Platz ist wirklich magisch. Die liebe EZB (die laut Herrn V. angeblich die Krieschen terrorisiert) ist mit ihrem etwas windschiefen Gebäudekomplex in Sichtweite.

 

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… aber mitten auf dem Danziger Platz breitet sich seit zwei Jahren der “Frankfurter Garten” aus, ein Projekt, das man eher in Kreuzberg verorten würde. Ein städtisch-alternatives Gartenprojekt mit gefühlt 500 unterschiedlichen Tomatensorten, einem coolen Biergarten und einem Urban Bee Keeping Projekt. Ihr kanntet noch nicht Urban Bee Keeping? keine Sorge, ich auch nicht, das ist der letzte Schrei, gib Biene Maja eine faire Chance und verwerte Deinen eigenen Honig …

 

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Die Bienenkästen im Frankfurter Garten sehen ein wenig aus wie tibetische Kindersärge, aber den Bienen geht es mitten in der Großstadt angeblich besser als auf dem Lande bei reaktionären Alt-Imkern. Ich war dennoch ganz froh, dass die kleinen Summer nicht mitgewandert sind. Um es mir mit meiner Bewertung des Grüngürtelwegs nicht zu einfach zu machen, hatte man die urbanste, städtischste, asphaltierteste Etappe für mich und die 80 Mitstreiter ausgesucht. Aber der Ostpark, den fand ich schon klasse …

 

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Nicht nur wegen der alten Bäume, sondern auch wegen einer großartigen Skulptur von F.W.Bernstein. Bernstein hat, wie viele Vertreter der Neuen Frankfurter Schule (Titanic, Pardon, Robert Gernhardt und Co, leider zu viele schon zu früh verstorben) humorvolle Skulpturen an den Grüngürtelweg gestellt. Großes Kino. Elfmeterpunkt auf Erdachse, muss man sich angucken.

Aber dann zerreisst ein Knall die Luft, ein Riesen-Böller startet in den azurblauen Himmel. Wir wandern am Stadion des FSV Frankfurt vorbei, aber seit wann werden da Böller gezündet? Haben die überhaupt schon mal ein Tor geschossen? Die mitwandernde Journalistin des Fechenheimer Anzeiger klärt mich aufgeregt auf. In dem Stadion fände doch jetzt ein Spiel der Frankfurt Galaxy American Football Mannschaft gegen München statt, und bei jedem Böller gäbe es einen Touch Down der Frankfurter zu feiern…

 

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… aaach so, Mensch, es ist ja eine Stimmung im Stadion, da fliegt ja bald die Gummipuppe des 12. Manns weg. Fast wäre ich versucht, mir im Stadion dieses hyperspannende Spiel anzschauen, aber ich muss weiterwandern, auf dem Grüngürtelweg. Aber wer oder was Poco ist, warum die amtlichen Frankfurter Wanderexperten eine Weltsensation erfunden haben und warum ich kein Belohnungsbier bekommen habe, das erfahrt Ihr leider leider erst nächste Woche …



Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 07:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

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Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

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Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

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Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

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Mammut!

Geschrieben am um 07:10

 

Letztes Wochenende war ich im Lonetal. Als regelmäßiger ICE-Fahrer kennt man das Lonetal, denn nachdem sich der ICE von Stuttgart Richtung München im Rekordtempo über die Steige bei Geislingen gequält hat (ein Streckenabschneitt, bei dem man normalerweise gar nicht merkt, ob die Bahn bestreikt wird oder nicht) fährt er einige Kilometer durch das Lonetal. Doch ich bin im östlichen Teil des Lonetals gewandert, mit vielen Höhlen und einem weiten, offenen Tal.

 

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In einer dieser Höhlen wurde vor einigen Jahren ein Mammut gefunden. Keine Knochen eines realen Tieres, nein, sondern ein kunstvolles, 40.000 Jahre altes Abbild, das als erstes, einziges und-überhaupt Kunstwerk der Herren Neandertaler gilt. Komisch, dass die Lonetaler Neandertaler das hingekriegt haben, nicht aber die Kollegen von der Düssel, na ja, kein Kommentar.

 

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Erstaunlich ist aber zum einen die Größe des Artefakts. 3,5 Zentimeter lang, nicht gerade mammutesk. Zum anderen war es im höchsten Maße erstaunlich, dass unser Wanderführer tatsächlich das Original in der Hosentasche hatte. Im Museum, so unser Wanderführer Herr Krämer, im Museum liege ein Duplikat. So läuft das also mit der Archäologie in Schwaben!

Da sich im Lonetal alles um das Mammut dreht, hatte ich mir auch ein Mammut zugelegt. Loni, so nennt sich das Urviech, lugte keck aus meinem Rucksack heraus.

 

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Aber nicht dass ihr jetzt denkt, das Stoff-Loni wäre so ein chinesisches Billig-Mammut, gefertigt von thailändischen Kinderarbeitern in Indien. Nein, nein, und noch mals nein. Denn das Mammutle hat einen Knopf im Ohr und ist von der Firma Steiff. Und dieses Mammut gibt es nicht nur als Kuscheltier, sondern auch als Weingummitier. In den Sorten Orange, Orange und Orange.

 

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Es wäre natürlich eine Mammutaufgabe, sich noch weiter Mammut-Marketing-Ideen auszudenken. Mir schwebt da Folgendes vor: Wie wäre es denn, nur mal so in die Tonne gedacht, wenn man eine komplette Outdoor-Firma nach dem Mammut benennen würde? Auf alle Klamotten könnte man dann ein schickes Mammut-Logo drucken. Mensch, das ist doch die Idee, das lasse ich mir schützen. Und morgen denke ich mir etwas aus mit Tatze, Wolf und Haut, dann werde ich steinreich…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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