Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Was so alles an den Bäumen hängt …

Geschrieben am um 9:56

Früher, als die gute Zeit noch alt war oder die alte Zeit noch gut war oder wie man das nennt, früher also, da war alles so einfach. An den Bäumen da hingen Äste und Zweige und an diesen wiederum hingen Blätter, Blüten, Äpfel, Walnüsse und so weiter. Aber die guten alten Zeiten waren manchmal auch sehr unlustig, denn ab und zu hing auch ein Galgenstrick am Baum, aber nur manchmal.

 

Es ist nur äußerst befremdlich, was ich in den letzten Jahren auf meinen Wanderungen an Bäumen in Augenhöhe hängen sah:

 

Ein BH, eine Brille, ein Kleid. Eigentlich eine klassische Reihenfolge eines gekonnt hingelegten Stripteases. Befremdlich nur, dass die Fundorte im Saarland, im Bergischen Land und in Katalonien zu finden sind. Eine lange Strecke für eine kleine exhibitionistische Nummer! Es muss sich also um Wanderer handeln, die sozusagen teil-exhibitionistisch veranlagt sind. Nun ja, jeder nach seiner Facon, wie meine Mutter immer sagt…



Noch eine Stunde und elf Minuten bis Llafranc

Geschrieben am um 10:21

Ich bin an der Costa Brava gewandert und sah dieses Hinweisschild:

 

 

Interessant, dachte ich, die Wander-Entfernung wird also in Katalonistan in Zeit und nicht in Kilometern angegeben. So wie zum Beispiel generell in der Schweiz. Aber, jetzt mal ehrlich, war der katalenesische Wegezeitenausmesser besoffen oder Karnevalist? Eine Stunde und elf Minuten, ist das so sicher, dass man GENAU so lange nach Llafranc wandert? Ich weiß nicht. Die spinnen, die Kataloniker!

Wo wir schon bei merkwürdigen Schildern sind. Dieses hier sah ich am Eggegebirge in Bad Driburg:

 

 

Ein Arboretum, so, so, die feinen Bad Driburger machen es wohl nicht darunter. Früher hieß so was Waldlehrpfad, aber “Arboretum”? Da braucht man ja das extrem große Latinum, um das zu kapieren, mindestens. Da ist mir doch die erdige Eifeler Mentalität am liebsten wie auf diesem Schild, gesichtet in Vicht bei Stolberg in der Nordeifel:

 

 

Der Vfb Vichttal 08 hat eben ein Herz für Frauen. Während die männlichen Fußball-Fans 5 Euro zu den Spielen des Landesligisten zahlen müssen, werden Frauen nur mit 3 Euro belastet. Genauso wie Rentner und Studenten. Ich frage mich nur Und wie viel müssen denn RentnerINNNEN und StudentINNEN zahlen? Einen Euro? Gar nix? Ich bitte um Aufklärung.



Wanderführer Martin

Geschrieben am um 15:43

 

Der Mann rechts im Bild, das ist der Martin. Der Martin ist Wanderführer, hauptberuflicher Wanderführer. Er lebt und arbeitet an der Costa Brava und führt von seinem Stützpunkt Playa de Aro aus Wanderungen. Martin ist wirklich ein feiner Kerl, immer freundlich, immer gut drauf, kann viel Wissenswertes am Wegesrand interessant erzählen. Wenn der Martin mal provozieren möchte, dann setzt er für alle saarländischen Wanderfreunde seine Kappe aus der Pfalz auf.

 

 

Der Martin hat aber auch, das muss man ganz klar sagen, eine Macke. Ich meine jetzt nicht, dass er Fan von Schalke 04 ist, das ist zwar eigentlich nicht verzeihbar für einen Münsteraner, wie es Martin einer ist. Nein, Martins Manie ist es, sich pausenlos während der Wanderung umzuziehen.

 

 

Bei jeder Pause, wenn er sich leicht verschwitzt fühlt, wechselt er sein T-Shirt. Dafür hat er extra einen großen Rucksack dabei, in dem er gefühlt zehn frische und irgendwann dann auch nicht mehr so frische T-Shirts mit sich herum schleppt. Nun ja, was man neidlos anerkennen muss: er kann es sich figurenmäßig auch leisten, sich so oft umzuziehen…

 

 

Ich freu mich schon auf die nächste Wandertour im Oktober 2013 mit Martin an der Costa Brava. Am meisten bin ich gespannt, ob er ein paar neue T-Shirt-Modelle vorführen wird.



Überraschungen an der Costa Brava

Geschrieben am um 11:40

Wenn in Deutschland die Blätter fallen, die Temperaturen ungemütlich werden und die Wandersaison sich so langsam dem Ende zuneigt, kann man ja immer noch in andere, wärmere Gebiete flüchten, um Schusters Rappen die Sporen zu zeigen. So verschlug es mich Ende Oktober an die Costa Brava, die seit Jahrzehnten unter dem schlechten Image von Bettenburgen wie Lloret de Mar und Salou leidet.

Allerdings, Surprise, Surprise – wenn es anders wäre, wäre es ja auch langweilig – es gibt wirklich traumhafte Buchten und Steilküsten an der Costa Brava, wie dieses kleine, kuschelige Fischerdorf, mittlerweile zwar ohne Fischer, dafür mit jeder Menge bunter Türen

 

 

Man muss allerdings an dieser Küste aufpassen, denn der “Maler” Salvador Dali hat in dieser Region sein Unwesen getrieben. Ich gebe es zu, ich bin kein großer Fan seiner “Kunst”, seine Form des Surrealismus ist der größte denkbare Kitsch. Trotzdem schön, dass Dali sich auch um den Expressionismus verdient gemacht hat, denn wie soll man sonst die Türstellung in der sogenannten Dali-Baracke deuten? Da fühlt man sich doch direkt in einen expressionistischen Film à la “Noseferatu” zurückversetzt.

 

 

Ich war so angetan vom Wandern an der Costa Brava, dass ich für die ganze Wandergruppe, mit der ich unterwegs war (dazu später mehr) eine sehr lässige, gewagte, irgendwie aufreizende Pose einnahm.

 

 

Wie erotisch aufgeladen diese Costa Brava ist, wurde mir klar, als ich ein Haus am Meer sah, ein rosa Haus, ein Casa Rosa sozusagen, und mir unser Wanderführer Martin erzählte, auf der Terrasse dieses Casa Rosa seien “früher” Pornos gedreht war.

 

 

Welchen Tick Wanderführer Martin mit den heißen Infos hat, werde ich in den nächsten Wochen mal verraten.



Die spinnen, die Österreicher

Geschrieben am um 7:09

Anfang August bin ich auf dem Lechweg gewandert. Den ausführlichen Bericht darüber konnte man am 13. September in der ZEIT lesen.  Wirklich schön ist es auf dem Lechweg.

 

 

Nur, jetzt mal unter uns, manchmal habe die Österreicher einen Knall, die spinnen die Österreicher, wie Asterix sagen würde. Warum zum Beispiel stellen die einen Strandkorb auf eine Lechtalbrücke? Warten die auf den Klimawandel, wenn bald die Nordseeküste bis in den Vorarlberg reicht?

 

 

Und wieso gibt es Verkehrsschilder, die ausschließlich den Besitzern von Oldtimern und Kradfahrern mit wehendem Schal die Durchfahrt verweigern?

 

 

Und warum bitte schön bauen die Österreicher Hängebrücken, an denen Vertigo-Patienten wie ich scheitern?

 

 

Das verstehe ich alles nicht, liebe Österreicher.



Schnappschüsse vom Lechweg

Geschrieben am um 10:09

In der ZEIT vom letzten Donnerstag habe ich beschrieben, wie ich mit einer europäischen Wanderdelegation den Lechweg erwandert, kontrolliert, genossen habe. Die Marketing-Idee überzeugt; ein alpiner Weg ohne Absturzangst, körperliche Schmerzen, Schwindelgefühle. Ich packe jetzt mal meine Schatzkiste der exklusiven Schnappschüsse aus:

 

 

Zunächst mal zwei Komponenten des großartigen paneuropäischen Picknicks: Die Mischung aus Crémant d’Alsace und Mozartkugeln war überzeugend. Das sollten Monti, Draghi, Juncker, Angie und Baroso mal öfters gemeinsam schnabulieren, dann wäre die europäische Schulden- und Bankenkrise ruckizucki vom Tisch.

Apropos Bank, um mal keine superdoofe Überleitung auszulassen:

 

 

Wir sehen hier eine Bank, die sogenannte Lechweg-Bank. Unmittelbar am Start des Weges, im Quellgebiet des Lechs, steht dieses Sitzmöbel. Der junge Mann neben mir ist mir unbekannt, der hockte dort anscheinend schon stundenlang. Mal ne Frage an alle Orthopäden, die das hier lesen? Kann man so eine verquere X-Bein-Stellung wie bei mir noch regulieren oder muss ich einfach damit leben?

 

Ich darf dann noch ein Geheimnis offenbaren, ein sehr intimes, privates Geheimnis. Ich habe nämlich auf dem Lechweg eine Bekanntschaft gemacht, die mein Leben verändert hat.

 

 

Für heute sagen wir beiden Turteltäubchen Servus und Pfüat Di



Wanderschuhe vs. Joggingschuhe

Geschrieben am um 13:26

Letzte Woche bin ich von einer Wanderreise aus dem Indischen Ozean zurück gekehrt. GEO Spezial hat mich auf die Insel La Réunion geschickt. Die Reportage über dieses Wanderabenteuer erscheint in wenigen Monaten.

Vorab möchte ich aber über die Ausrüstung, speziell das Schuhwerk meiner Mitwanderer, berichten.

Da wäre zum einen unser Wanderführer Jean Paul, ein 62jähriger Franzose mit ausgezeichneten Orts- und Deutschkenntnissen. Ich habe mehrfach versucht, ihn auf den réunionnaisischen Wanderwegen abzuhängen – kein Chance gegen so eine Bergziege. Jean Paul trägt einen deutschen Wanderschuh, er denkt also beim Wanderschuhkauf nicht national, sondern durchaus in europäischen Dimensionen. Vorbildlich, Jean Paul!

 

 

 

Jean Paul konnte allerdings froh sein, dass es während unserer Wanderwoche nicht signifikant geregnet hat. Denn sein rechter Treter hatte einen ordentlichen Riss zu bieten, Folge einer unangenehmen Begegnung mit vulkanischem Gestein auf La Réunion.

Jean Paul war Bruder im Geiste mit unserem Fotografen Laurent, der wundersamerweise Schuhe derselben deutschen Marke aus dem schönen Berchtesgardener Land trug.

 

 

Und wie Laurent von den Wanderschuhen schwärmte, das war schon formidable. Leicht seien sie, und Trittsicherheit würden sie bieten, auch wenn er mit schweren Equipment unterwegs wäre.

Der Clou der Wanderreise war aber, dass der Postbote von Réunion, mit dem wir wanderten (wieso und weshalb und warum ich mit Briefträgern auf Wanderschaft gehe, das verrate ich natürlich nur in GEO Spezial) dieser Postbote nun, der quasi von Berufs wegen täglich wandert, trug Joggingschuhe. Er trug auch noch Schuhe der gleichen Marke, wie ich selbst sie seit Jahren für die Wanderschaft bevorzuge.

 

 

Was soll man nun davon halten? Vier Berufswanderer, zweimal Meindl, zweimal Asics, unentschieden sozusagen. Das Duell Wanderschuhe vs. Joggingschuhe geht in die nächste Runde…

 



Wandern und Witze

Geschrieben am um 13:42

Kennt ihr den? Zwei ältere Männer gehen miteinander wandern. Sie bekommen mit der Zeit einen richtig großen Hunger. Nach langer Zeit laufen sie an einer Wirtschaft heran. Draussen steht eine Tafel: „Hier essen Sie wie zu Hause.“ Da meint der eine zum anderen: „Komm, wir gehen ein Haus weiter.“

Wer so etwas irre komisch findet, ist genau richtig auf dem Witzweg im Appenzeller Land. Ein Wanderweg mit Tafeln, auf denen an die hundert Witze zu lesen sind.

Wer das nicht so richtig lustig findet, der sollte meine große Witzweg-Reportage im aktuellen WANDERMAGAZIN lesen. Im gleichen Heft findet sich übrigens auch eine noch größere Reportage über meine Wander-Erlebnisse in der belgischen Wallonie. Ein richtiger Geheim-Tipp. Wie bitte? Ach so, ihr wollt noch einen Witz vom Witzweg lesen. Bitte schön:

Was schenkst du denn deiner Frau zum Geburtstag? – Etwas, dass zu ihrem Gesicht passt“ – „Was ist das denn?“ – „Ein Faltenrock“


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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