Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Meine BÄR-Schuhe wandern in Ohrid

Geschrieben am um 6:46

Heute mal ein etwas exotischer Wandertipp. Wandert doch mal, wenn ihr schon genug Eifel, Bayrischer Wald und Pyrenäen gesehen habt, in Mazedonien. Der kleine Balkanstaat ist auf jeden Fall eine Wanderreise wert. In meinen Gesammelten Wanderabenteuern (Ab Seite 421) habe ich ausführlich meine erste Wanderung in der Nähe der mazedonischen Hauptstadt Skopje geschildert. Aber man kann auch an der mazedonischen Riviera wandern.

 

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Mazedonien als ehemaliger Staat von Jugoslawien hat im Unterschied zu Kroatien keine imposante Mittelmeerküste zu bieten. Wenn mazedonische Familien Badeurlaub machen wollen, fahren sie nach Griechenland, nach Thessaloniki. Oder aber nach Ohrid (das „h“ wird gesprochen wie das „ch“ in „Krach“) an den Ohrid-See. Quer durch den Ohrid-See verläuft die Grenze zu Albanien, man kann in Ohrid Baden, Angeln, Boot fahren, Wandern und – Kirchen gucken.

 

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Nicht umsonst ist Ohrid Weltkulturerbe, denn der Ort verfügt über eine der größten Kirchenhaus-Dichten der Welt. Es sind genau 365 Kirchen im Stadtgebiet, teilweise sehr kleine Kapellen, für jeden Tag im Jahr eine. Auf meiner „Wanderkarte“ im Ortszentrum konnte ich nicht nur die Fußpfade rund um Ohrid erkennen, sondern auch einige Kirchen. Überall, wo ein „SV“ davorsteht, ist eine Kirche dahinter. „SV“ ist die Abkürzung für „Sveti“ = Heilig. Als kölscher Jung aus dem hillije Kölle ging ich also im russich-orthodox-heiligen Ohrid.

 

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Schon der stadnahe Fußweg am See entlang ist höchst interessant. Es geht über Holzbohlen direkt über das Wasser. Eins schöner Auftakt für meine kurze Wohlfühl-Wanderung. Denn auch meine BÄR-Schuhe lieben die Abwechslung, immer nur Waldboden ist auf Dauer ja auch öde. In und um Ohrid kann man auf Felsen, Holzbohlen, Graspfaden und Waldwegen gehen. Wanderuntergrundabwechslung pur, das hat Premiumwegqualitäten. Man beachte übrigens auch die originelle Laterne am Seeweg. Nicht nur Norwegen beleuchtet seine Wanderwege!

Schon bald ist am Ohrid-See die erste Kirche erreicht …

 

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Sveti Jovan Kaneo ist aber nicht irgendeine Kirche, sondern Dank des wunderbaren Ensembles und der phantastischen Lage eine Art Wahrzeichen von Ohrid, wenn nicht von ganz Mazedonien. Im besten Reiseführer von Mazedonien aus dem Trescher Verlag ist auf jeden Fall Sveti Jovan Kaneo aus fast genau derselben Perspektive auf der Titelseite abgebildet. Nur fehlt der vorwitzige BÄR-Schuh im Vordergrund, das hat der Buch-Verlag leider vergessen.

 

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Ich bin dann kreuz und quer durch den Wald oberhalb von Ohrid gewandert, meistens mit atemraubenden Blicken über den ganzen See bis hinüber nach Albanien. Tolle Pfade und sauschöne Ausblicke sind aber bei jeder Wanderung nur die halbe Miete. Was fehlte zu einem kompletten Wandervergnügen war natürlich das Belohnungsbier. Und das sollte man im schönsten See-Lokal von Ohrid genießen.

 

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Skopsko heißt der heimische Gerstensaft. Kann man sich gut merken: Hauptstadt Skopje, Hauptbier Skopsko. Jetzt fragt Ihr Euch, wo denn das Skopsko auf dem Bild zu sehen ist. Ha, das Foto habe ich VOR der Bestellung gemacht, damit ich mich anschließend voll und ganz auf den Belohnungsbiergenuss einstellen kann. Skol, Santé, Cheerio, wie man in Mazedonien sagt!



Schengen grenzenlos

Geschrieben am um 7:41

Meine Bär-Schuhe sind ziemlich international aufgestellt. Allein in den letzten Monaten sind sie in England, Mazedonien, Norwegen, Frankreich, Holland und im Saarland unterwegs gewesen. Wandern ohne Grenzen, Wandern in vielen europäischen Ländern. Da liegt es nah, sich mal einen total grenzenlosen Wanderweg vorzunehmen.

 

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Wo könnte man schöner grenzenlos Wandern als in dem Ort, der wie kein anderer für das vereinte Europa steht: Schengen an der Obermosel, seit den berühmten Abkommen von 1985, 1990 und 1995 der Inbegriff für die Europäische Union. Wenn man an der Schengener Tourist-Information am Ufer der Moselle steht, kann man sich nicht vorstellen, dass ein klar denkender Mensch gegen diese EU sein könnte. Aber wie es Täler und Berge gibt, so scheint es politische Wellenbewegungen zu geben: Mal für mehr, mal für weniger Internationalismus, Völker hört die Signale!

 

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Aber muss man wegen der EU-Kritik unbedingt wie in der Schengener Tourist-Information die EU-Flagge in die Tonne kloppen? Kinder, so geht das aber nicht!

Die grenzenlose Traumschleife von Perl ist nicht lang, 7,7 Kilometer inklusive dem Zuweg ab der Mosel, aber es sind ein paar gemeine Steilstücke darunter. Gute Kondition ist am Dreiländereck gefordert. Und dass die Region nicht immer grenzenlos war, kann man an einem alten Grenzstein erkennen, der die Grenze von L-iechtenstein markiert.

 

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Ach nein, Quatsch, das war ja das andere Steuerparadies mit „L“. Wir wandern natürlich von Luxemburg rein nach Frankreich, wahrhaftig grenzenlos. Hoffen wir, dass das auch nach der französischen Präsidentenwahl so bleibt. Im Fall eines Wahlsiegs könnte ja Madamm Lö Päng eine Mauer rund um die Grong Nation ziehen – und dann ist Feierabend mit „sans frontières“.

Wir wandern also auf französischem und luxemburgischem Staatsgebiet, Deutschland liegt auf der anderen Moselseite.

 

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Beim Blick auf das wunderschöne Perl kann man allerdings verstehen, warum dieser Ort die am stärksten wachsende Gemeinde im Saarland ist. Oder könnte es daran liegen, dass die Immobilienpreise doch ein klein wenig günstiger als im Herzogtum sind? Tanken in Luxemburg, wohnen in Perl, das scheint die – Achtung Wortspiel – DEVISE zu sein. Dass allerdings kein Luxemburger auf der französischen Seite wohnen will, ist auch klar.

 

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Denn wenn man genau hinschaut, sieht man auf der Traumschleifen-Wanderung die vier fröhlich rauchenden Kühltürme der VIER Atomreaktorblöcke von Cattenom. Die Saarländer schauen immer nach, ob auch alle vier Türme schmauchen. Mal nachzählen: Eins, zwei, drei … Huch! Nach der Wanderung erfahre ich im Netz, dass es einen Tag vor meiner Wanderung eine der fast täglichen Zwischenfälle gegeben hat. Ein Block wurde ausgeschaltet, weil es ein kleines Feuer gegeben hat. Oh, la, la, pas de problème! Schulterzucken auf Französisch, deshalb hat man doch VIER Reaktoren, damit ein bis drei auch ruhig mal ausfallen können.

Ohne größere Strahlenbelastung kehre ich zurück zum Moselufer und gönne mir noch einen Riesling von der luxemburgischen Obermosel.

 

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Die Zukunft der EU wird in Schengen durch drei kommunizierende Röhren mit sehr sehr vielen Sternen symbolisiert. Und da die meisten der unzähligen Sterne rot leuchten, gehe ich davon aus, dass der Beitritt von Russland in die EU unmittelbar bevorsteht. Dann kann man demnächst bis zum Pazifik grenzenlos wandern.



Mit meinen Bär-Schuhen in Norwegen

Geschrieben am um 6:16

Wanderer, kommst Du nach Norwegen, musst auf den Preikestolen wandern. Dieser Fels ist wie kein anderer Fels auf der Welt, die Felskante stürzt steil 604 Meter hinab bis zur Wasseroberfläche des Lysefjord. Der Preikestolen, zu deutsch Predigtstuhl, ist allerdings kein Geheimtipp. Es gibt wahrscheinlich keinen Norweger, der nicht zu diesem Felsen an der Westküste Norwegens gewandert ist. Und man MUSS wandern. Genau 4.000 Meter hinauf zu dem großen Stein. Denn es fährt keine Seilbahn und keine Zahnradbahn zu diesem Felsen, der Anstieg ist sogar durchaus anspruchsvoll.

 

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Da ergibt es sich zwangsläufig, dass man andere Wanderer überholt. Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt war auf den Beinen, um den Preikestolen zu erklimmen. Ich habe Menschen aus allen Herren Ländern gesehen, mit hochroten Köpfen – wegen der Anstrengung. Russen, Engländer, Holländer, Deutsche, Schweizer, Tschechen, Amerikaner, Asiaten. Und natürlich Norweger. Die Frage ist natürlich, warum ich relativ schnell auf dem sehr anspruchsvollem Weg unterwegs sein konnte. Ihr werdet es schon geahnt haben: Mein exzellentes Schuhwerk hat mir wahrhaft Flügel verliehen.

 

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Denn der Weguntergrund war alles andere als einfach. Normale Waldwege und Bohlenwege gab es auch. Aber die meiste Zeit ging es über Felsbrocken, die man als eine Art Treppe nutzen konnte oder über gigantische, flache Felsplatten. Dazu ab und zu ein glasklarer Gebirgssee und immer wieder Aussichten zum Niederknien. Nicht umsonst haben auch die Beatles dereinst der norwegischen Flora mit „Norwegian Wood“ einen eigenen Song gewidmet. Die Ausschilderung des Weges hinauf zum Preikestolen ist mehr als perfekt.

 

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Immer wieder gibt es Info-Tafeln, die anzeigen, wie weit man schon gekommen ist. Es gibt vier gößere Anstiege hinauf zum norwegischen Super-Felsen, wobei der dritte Anstieg, ein sehr steiles alpines Stück, schon ein regelrechter Scharfrichter ist. Als zusätzlichen Service hat man Hinweispfähle in den Boden gerammt, die auf 50 Meter genau anzeigen, was man schon geschafft hat, und wie weit man noch zu laufen hat.

 

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Und ich muss sagen, dieser Markierungs-Service hat bei mir regelrechte Glücksgefühle ausgelöst. Hilfreich waren die Pfähle vor allem, als das Schlimmste überstanden war (der dritte Anstieg!): 1.050 Meter, 700 Meter, 450 Meter, 200 Meter. Das war ein tolles, ein erhebendes Gefühl, Wanderglück pur.

 

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Dann also auf dem Fels-Giganten. Schnell wollte ich ein Ich-war-auf-dem-Preikestolen-Beweisfoto haben und drückte meine Kamera einer Amerikanerin in die Hand. Dabei habe ich der Fotografin ganz klare Anweisungen gegeben. „Do you have also the shoes in the sucher?“ Ja, hatte sie, sehr fein gemacht. Und dann? Wie vertreibt man sich denn die Zeit auf dem norwegischen Super-Felsen?

 

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Man könnte ja ein Picknick an der Felskante machen, so wie es viele asiatische Familien praktiziert haben. Problem 1: ich hatte nichts zu essen dabei. Problem 2: Alleine Picknicken macht einsam. Problem 3: Ich wollte bloß weg vom Preikestolen. Warum? Weil ich Höhenangst habe, schreckliche Höhenangst. Und ich kann nicht verstehen, warum ein so reiches Land wie Norwegen es nicht schafft, ein stabiles Geländer an die Felskante zu bauen.

 

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Das Problem ist nämlich, dass sich meine Höhenangst auch auf andere Menschen bezieht. Wenn ich also sehe, wie an der Felskante junge Menschen für ein lausiges Smartphone-Foto an der Felskante herum turnen, wird mir blümerant. Da könnte doch ein Windstoss kommen, und die runter fegen. Oder es gibt Blitzeis und sie stürzen ab. Oder da liegt ne Bananenschale rum, die eine asiatische Familie bei ihrem Picknick vergessen hat, und sie stürzen 604 Meter in die Tiefe…

So schnell ich konnte, trugen mich meine BÄR-Schuhe wieder zurück zum Ausgangspunkt. Und auf dem Wanderweg fühlte ich mich auch wieder sicher.



Meine Bär Schuhe unterwegs in … Cornwall

Geschrieben am um 7:12

Ich bin mal wieder in der großen weiten Welt gewandert: In Cornwall. Bitte verschont mich mit Eurer ersten Assoziation zu Cornwall: Ah, Du bist also Rosamunde-Pilcher-Fan. NEIN! Obwohl ich gar nichts für oder gegen diese Frau und ihre Bücher/Filme habe. Ich kenne sie einfach nicht. Für mich als Literaturliebhaber ist Cornwall vielmehr das Daphne-Du-Maurier-Land. Rebecca! Die Vögel! Jamaica Inn! Wilde Klippen, tiefe Gefühle, rauhe See. Und genau dort wollten meine Bär-Schuhe wandern.

 

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Mein erstes Wanderlebnis in Großbritannien hatte ich in Schottland. Die Geschichte ist in den Gesammelten Wanderabenteuern beschrieben. Viele schwärmen von den Highlands, ich finde es da eher öde. Lieber Hunsrück als Highlands. Aber in Cornwall an der Südküste auf dem Coast Path zu wandern, das ist auf jeden Fall ganz großes Wanderkino.

 

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Schmale Pfade, naturbelassen, manchmal mit Gras-Untergrund. Schon die pure Wegequalität der alten Schmuggler-Pfade ist absolut premiumwürdig. Was aber (zum Beispiel) der Hunsrück nicht zu bieten hat sind diese Blicke auf’s Meer, auf Buchten, auf Felsen, auf Brandung, auf kuschelige Piratenstädtchen. Natürlich muss man immer mal wieder – vor allem wenn man quasi ein See-BÄR ist – den Blick zum Horizont schweifen lassen.

 

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Denn mit dem Auftauchen der spanischen Armada ist an den Gestaden England jederzeit zu rechnen. Und auch den Franzosen ist nicht zu trauen, wie überhaupt diesen ganzen Festlandvölkern, die sich zur EU zusammen geschlossen haben. Dass der politische Kampf um den Brexit auch auf den britischen Wanderwegen angekommen ist, kann man unschwer an einer Tafel erkennen, die die Geldgeber des Landschaftsschutzes am Coast Path würdigt.

 

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Tja, da hat wahrscheinlich Boris Johnson himself wütend die EU-Flagge ausgekratzt. Aber nur mal zur Info, liebe Brexiteers: Die EU, also wir alle, haben diesen wunderschönen Weg mitfinanziert und das ist auch gut so. Aber diesen Fakt macht man nicht ungeschehen, inden man mit dem Hausschlüssel EU-Fahnen unkenntlich machen will. Außer man ist entweder geistig nicht zurechnungsfähig oder extrem infantil. Oder man hat den Tunnelblick.

 

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Klar, diesen Tunnelblick kann man auch auf dem Weg von Looe nach Polperro bekommen, weil wie auf einem Gemälder von Caspar David Friedrich die Gewächse am Wegesrand eine romantische Laube bilden.

Ich erwähnte schon, dass sich Daphne du Maurier in ihren Büchern literarisch an der Küste von Cornwall abgearbeitet hat. Aber bei meinen Wanderungen auf dem Coast Path musste ich auch immer wieder an die literarischen Meisterwerke einer anderen englischen Autorin denken.

 

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Diese einsamen unbewohnten Inseln. Die Schmuggler-Höhlen. Die schroffen Strände. Ich musste sofort an das „Geheimnis um ein blaues Boot“ denken. An die Insel der Abenteuer. An fünf Freunde und die Felseninsel. An fünf Freunde auf Schmugglerjagd. Von wegen Rosamunde-Pilcher-Land, Cornwall ist Enid-Blyton-Country. Und der Blick auf das dunkle Eiland erinnerte mich auch ein klein wenig an Tim und Struppi und die schwarze Insel. Aber das ist natürlich Quatsch, denn diese Geschichte spielt nun nachweislich in Schottland und nicht in Cornwall.



Merry Ferry Hall Walk

Geschrieben am um 7:57

Preisfrage: Was haben die Traumschleife „Tafeltour Saarschleife“ und der Hall Walk in Fowey (Cornwall) gemeinsam?

 

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Antwort: Richtig, beide Wandertouren haben eine Fahrt mit der Fähre inklusive, ohne Fähre werden diese Rundwanderwege nicht rund.

Ich hatte im Reiseführer gelesen, der Hall Walk in Fowey (gesprochen Foi, die Engländer haben die Angewohnheit, mit Buchstaben, die man gar nicht braucht, sehr verschwenderisch umzugehen, oder warum braucht man das lange Wort „Leicester“ wenn es auch „Läster“ tun würde?) sei einer der 100 schönsten Kurzwanderungen in Großbritannien. Leider waren die 99 anderen Wege nicht aufgezählt. Auf jeden Fall ist der Hall Walk der ungekrönte Meister aller Fährenwanderungen, denn man muss im Gegensatz zu der kleinen Fähre über die Saar sogar zweimal mit der Fähre fahren.

 

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Mit der Stadtfähre setzt man von Polruan nach Fowey über, später dann mit der Autofähre (auch als Wanderer immer den Linksverkehr beachten!) hinüber zur Traditionsgaststätte Old Ferry Inn in Bodinnick. Und beim Fährefahren immer schön singen „Ferry, cross the mersey“ von Gerry and the Pacemakers. Okay, Fowey ist nicht Liverpool aber Fähren sind bei diesem Inselstaat mit den vielen Schären und Fjorden ein Nationalheiligtum.

 

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Taugt denn der Weg was? Klare Sache: yes! Jede Menge Aussichten, tolle Pfade, und auf dem Weg ist auch jede Menge Volk unterwegs, meistens Engländer. Der Engländer an sich macht ja gerne Ferien im eigenen Land, was soll man auch nach Europa fahren, da muss man sich ja an Rechtsverkehr, Steckdosenadapter, Kilometer-Masseinheiten und Abzocke mit dem Euro gewöhnen. Aber die wandernden Engländer scheinen eben auch den Hall Walk für eine wanderbare Besonderheit zu halten. Dem Andrang entsprechend sind die englischen Wanderhütten dimensioniert…

 

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Aber, ich wiederhole mich gerne, die Aussichten von diesem Weg sind wirklich phantastisch. Oder etwa nicht?

 

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Und wenn man es sich so richtig gemütlich machen will auf diesem Weg, dann sollte man unbedingt eine Pause auf einer britischen Sinnebank machen. Good walk!

 

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Mein BÄR-Schuhe wandern in den Niederlanden

Geschrieben am um 7:20

Wenn man erzählt, man sei in den Niederlanden gewandert, kommen die immer gleichen mitleidigen Blicken. Holland? Da gibt es doch nur Tulpen, Grachten und Käse. Alles flach, wo soll man denn da wandern? Womöglich noch mit Holzschuhen? Naaatürlich nicht, ich bin selbstverständlich mit meinen Qualitäts-Schuhen aus Bietigheim-Bissingen unterwegs gewesen. Und ja, es gibt tatsächlich etliche Ecken von Holland, an denen man schön wandern kann. Heute möchte ich Euch eine echte Perle vorstellen. Das Meinvennen. Dort, wo echt die Heide blüht.

 

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Analog zu einer antiken Deo-Reklame könnet man jetzt sagen: Mein Venn, Dein Venn, das Venn ist für uns alle da. Interessanterweise kann man den Namen „Mein“ von einer Allemende herleiten, es müsste also eigentlich eher „Unservennen“ heißen. Dass wir in Holland wandern erkennt man leicht daran, dass fleißig auf einen Fietspfad hingewiesen wird.

 

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Nun ist ja allen Freunden des Hollandrads bekannt, dass ein Fietspfad kein Fußpfad ist, sondern ein Weg für die Fietsen, die Fahrräder, das nationale Fortbewegungsmittel Nummer Eins im Land von Oranje und Kaas. Sehr überraschend ist allerdings, dass tatsächlich der schmale Pfad (rechts im Bild) den Fahrradfahrern vorbehalten ist, wogegen der breite Weg die Wanderer beglücken soll. Hm.

 

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Schon sehr merkwürdig. Vielleicht ist eine Erklärung, dass es sehr viele holländische Kampfwanderer gibt. Die lieben es, 40, 50, 60 Kilometer am Stück zu gehen, immer aufm Deich lang. Landschaftliche Schönheiten? Egal! Hauptsache Meter machen. Für diese ganz besondere Spezies sind natürlich die breiten Wege ideal. Aber keine Angst, man kann im Meinvennen auch auf schmalen Pfaden wandeln. Und auf sehr sandigen Wegen

 

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Meine Arnsteins haben sich gefreut, mal wieder eine Art Strandfeeling genießen zu können, wobei man sagen muss, dass doch das Sandwandern zu den anstrengendsten Übungen des Wandersports gehört. Vergleichbare Strapazen kann man nur auf alpinen Wegen erleben. Der flache niederländische Sandweg ist also sozusagen der kleine, flache Bruder der felsigen Gratwanderung.

 

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Quer durch das Mein Venn mäandert der Buschbach. Dieser Bach ist nicht irgendein Bach, sondern irgendwie verwandt mit Rhein, Donau, Inn und Oder. Denn der Buschbach ist ein veritabler Grenzfluss. Nur fällt eine im Wortsinne grenzüberschreitende Aktion bei Rhein und Oder ein klein wenig schwerer. Mit dem rechten Bein in den Niederlanden, mit dem linken in Deutschland, das ist gelebte Völkerverständigung im Spreizschritt.

 

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Wer kennt noch den berühmten Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann? Im Meinvennen bin ich auf jeden Fall auch zum Gagelmann geworden. Denn der Gagel, ein wohlriechendes Heidekraut, das ich auf dem Foto so liebevoll umarme, kann man auch hervorragend zum Bierbrauen gebrauchen. Als Hopfenersatz. Jetzt schreit natürlich der deutsche Brau-Reinheits-Freak laut auf. Aber man sollte den Stoff, das Gagelbier, mal trinken. Eine absolute Sensation. Da wird jeder Bierliebhaber zum Gagelmann!

 

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Meine BÄR-Schuhe wandern in Baerenthal

Geschrieben am um 7:14

Meine Bär-Schuhe sind sehr international aufgestellt, wie man so schön sagt. Und meine Wander-Treter freuen sich besonders, wenn Sie an Orten wandern dürfen, die schon vom Namen her eine gewissen Bären-Anteil versprechen. In den nördlichen Vogesen findet sich, eingerahmt von einer imposanten Waldlandschaft, der kleine Ort Bärenthal. Oder vielmehr Baerenthal, denn das Französische kennt ja den Umlaut „Ä“ nicht, das sieht in französischen Augen genauso exotisch aus wie für uns das dänische „Ø“ in SMØREBRØD.

 

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Vor dem Ortsschild von Baerenthal hat sich mein Arnstein selbstständig gemacht und freut sich schon auf die kurze Wanderung im Départment 67, dem Départment Bas-Rhin. Das ist schon lustig, dass die Nordvogesen von Frankreich aus gesehen der Niederrhein sind. Wobei es in Baerenthal etwas anders aussieht als in Viersen, Hückelhoven und Mönchengladbach.

Weltberühmt in Baerenthal sind die „Ruines Ramstein“. Ein Ramstein, dass man nicht mit der amerikanischen Airbase Ramstein bei Kaiserslautern verwechseln sollte. Und erst recht nicht mit den Krach-Rockern von Rammstein. Der Name „Ramstein“ stammt übrigens wahrscheinlich von „Raben-Stein“, damit sind die Raben gemeint, die den Bären aus dem Baerenthal den Pelz gelaust haben.

 

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Interessant an dem Ruinen von Ramstein Schild ist ja auch, dass auf den „Col du petit Dunkeltal“ hingewiesen wird. „Col du petit Dunkeltal“. Das hört sich nach schwerer Bergetappe bei der Tour de France an. Ich finde auf jeden Fall die Mischung aus deutschem Originalnamen und französischer Sprachbesetzung herrlich. Aber ich wollte ja zu die Ruines Ramstein besichtigen. Und ich wandere und wandere, und sehe viel Wald, und ich sehe viele Felsen, aber was ich nicht sehe, das sind die Ruinen von Ramstein. Komplette Fehlanzeige. Möglichkeit Eins: Die Ruinen werden nach Bedarf in den Wald gestellt. Wochentags werden die abgebaut. Möglichkeit zwei: Die Bewohner von Baerenthal haben die Ruinen längst als Steinbruch entdeckt und ihre Häuser verschönert. Möglichkeit drei: Ich bin mit Blindheit geschlagen.

 

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Oder, quasi Möglichkeit vier: Vielleicht habe ich ja keine Augen für steinerne Ruinen, wenn man auf so schönen Wegen wandern darf. Wobei die Wege der Vogesen landschaftliche Ähnlichkeiten zu den Wegen der Pfalz aufweisen. Logisch, ist ja auch geographisch gesehen eine Einheit. Und meine Schuhe fühlen sich wohl auf diesen Wegen.

 

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Können diese meine Wanderschuhe doch auf flauschig weichem Weguntergrund wandeln, einem rot-sandigen Untergrund mit diesen Dingsen von der Kiefer. Ich wollte schreiben „Kiefernnadeln“ aber das ist natürlich Quatsch. Das sind doch keine Nadeln. Muss ich jetzt mal googeln. Okay gegoogelt, es handelt sich natürlich um Kieferzapfen, klar, Zapfen, wie BIER ZAPFEN, das lag mir doch auf der Zunge.

 

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Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine Baerenthal-Tour bei höchsstsommerlichen Temperaturen unternommen habe? 35 Grad im Schatten, da ist man froh über jede Menge Schatten. Oder den Badesee von Baerenthal. Erfrischung für den erhitzten Körper. Meine Schuhe waren etwas traurig, dass sie nicht mitkommen durften. Aber sie haben mir beim Baden zugeschaut und auf meinen Rucksack aufgepasst. Wandern + Baden, eine phantastische Kombination: Auf nach Baerenthal!

 

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Was ist das?

Geschrieben am um 8:52

Ich habe, fällt mir gerade auf, schon sehr lange kein Fotoquiz mehr gemacht. Dabei habe ich tonnenweise Wanderfotos, von denen ich echt nicht mehr weiß, was da genau drauf ist. Wie immer gibt es vier Möglichkeiten, Günter-Jauch-Prinzip, Ihr müsst mir helfen:

 

Was ist das?

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A: Super-leckerer Hotdog mit extra-scharfem Senf

B: Das Karnevalkostüm von Sigmar Gabriel

C: Burka für Männer

D: Ein Exhibitionist, komplett der Fleischeslust verfallen

 

Was ist das?

 

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A: Der Fotograph Jürgen Teller geht neue Wege

B: So muss man wandern, wenn man nicht auf Premiumwegen gehen will

C: Sigmar Gabriels erster Nordic Walking-Kurs

D: Stockente im Urlaub

 

Was ist das?

 

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A: Naturschutzgebiet auf Holländisch: Halt die Klappe, sei still, hier regieren die Tiere und Pflanzen!

B: Niederländischer Schutzraum für stillende Mamas

C: Stilisierte Wolken über einem See im Stile von de Stijl

D: Aufforderung an Sigmar Gabriel, ab und zu mal die Klappe zu halten

 

Was ist das?

 

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A: Das ist die goldene Mitte

B: Eine Künstlerin aus Osnabrück hat die Himmelsleiter zum Hermannsweg mit echtem Blattgold verziert

C: Ein Goldbär auf Wanderschaft

D: Stairway to heaven in Tecklenborough

 

Was ist das?

 

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A: Die beschissenste Bibliothek der Welt

B: Endlich mal genügend Lektüre für die schönsten Minuten/Stunden des Tages

C: Eine Toilette in einem Pub in Stavanger/Norwegen

D: Nie mehr Panik wegen fehlendem Klopapier



Es werde Licht

Geschrieben am um 7:43

Mitte September war ich auf einem Literaturfestival in Stavanger im westlichen Norwegen eingeladen. Natürlich habe ich meine freie Zeit dafür genutzt, mich über die Wandermöglichkeiten in Norwegen zu informieren. Vandring in Norwegen? Fabelhaft, phantastisch. An jeder Ecke Wanderwege, Küstenwege, Waldwege, alpine Wege, alles, was das Herz begehrt. Ich war regelrecht hin und weg von der Landschaft.

 

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Stellt Euch eine ideale Mischung aus den Landschaften von Mallorca, Schottland und der Schweiz vor, dann habt ihr die Landschaften von Norwegen vor Augen. Nicht nur Fjorde, sondern auch jede Menge Wälder, Binnenseen, Wasserfälle, Täler, Schluchten, Wiesen, Küste. Mehr braucht man nicht als Wanderer. Schön ist auch, dass der Norweger an die Wanderer in der dunklen Jahreszeit gedacht hat. In einem Tourismus-Katalog von Stavanger wurde zum Beispiel eine Wanderung rund um den See Halandsvatnet angepriesen. Zitat: „Ein 7,5 Kilometer langer und durchgängig beleuchteter Rundweg führt um den See herum.“

 

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Durchgängig beleuchtete Wanderwege, das ist doch der Hit! Wie oft habe ich mich im Winter geärgert (und der durchschnittliche deutsche Winter wird doch dank Klimaerwärmung immer wanderbarer) wie of habe ich mich also geärgert, dass ich mich hetzten musste, um noch vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel zu erreichen? Das müsste doch nicht sein. Warum gibt es keine beleuchteten Premiumwege? Nach Premiumstadtwandern und Premiumspazierwegen müsste nur noch das Zertifikat Nachtpremiumwandern erfunden werden. Was das alles wieder kostet? Klar, so reich wie die Norweger ist eine deutsche Kommune nicht. Aber ein wenig sollte man in einen schönen Dunkelwanderweg investieren.

 

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Man könnte durchaus die Wanderer an den Kosten des Weges beteiligen. Wenn man zwei Euro per SMS schickt (wie eine Parkgebühr) oder bar bezahlt, geht das Licht an. Dann sind die Stromkosten schon mal gedeckt. An anspruchsvollen Wegpassagen ist auch an eine Bodenbeleuchtung zu denken, vielleicht sogar an einen Leuchtspur im Boden wie im Flugzeug üblich. Mann, das ist das kommende Ding! Lasst uns darüber reden, ich bin sofort dabei, den ersten beleuchtetet Nachtwanderweg Deutschlands zu planen. Es werde Licht!



Meine BÄR-Schuhe in London

Geschrieben am um 6:22

Ein Bärxit, also jemals einen BÄR-Schuh wieder auszuziehen, ist natürlich unvorstellbar. Aber ich hatte hier und dort gelesen, dass die Briten, traditionell von allen guten Geistern verlassen (Stichworte Linksverkehr + Frühstückssitten) tatsächlich am Tag meines 51. Geburtstags für den Bräxit gestimmt haben. Das war so unglaublich, dass ich beschloss, meinen Sommerurlaub in England zu verbringen.

 

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Da ich mich relativ spät um eine angemessene Herberge in London bemüht hatte, bekam ich einen, nun ja, relativ dürftigen Schlafplatz zugewiesen. Man hatte mich bei einer Familie einquartiert, die hießen Bearsley oder so. Nicht sehr freundlich, vor allem der dicke Junge der Bearsleys ging mir kolossal auf die Nerven. Ich war im Gästezimmer der Familie unter der Treppe untergebracht worden, das war gar nicht so schlecht, ich habe meistens relativ hervorragend geschlafen.

Falls jemand auch dieses Gästezimmer buchen möchte, da sollte man mal B’är’nB nachschauen, in London-Tooting …

 

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… die Adresse des Bearsleys ist Backpacker Street 221 B, das Haus ist nicht zu verfehlen. Ich habe lustigerweise bei meinen Streifzügen durch London eine ähnliche Adresse gefunden. Weil ein englischer Ordnungshüter die Tür bewacht und sich viele Menschen mit orangenen Referntenmappen vor dem Hauseingang drängelten, gehe ich davon aus, dass es sich um den Regierungssitz der britischen Minsterpräsidentin handelt.

 

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Kreuz und quer bin ich durch die Stadt gefahren, meistens mit der Underground-Bahn. Die schüttelt einen schön durch und die Luft ist so stickig, dass ich immer froh war, wenn ich aussteigen konnte. Oft habe ich den Meisterdetektiv James in der nach ihm benannten Bond Street besucht. 007 war ein wenig melancholisch gestimmt, denn seine zukünftigen Ermittlungen und amourösen Abenteuern an den schönsten und elegantesten Lokationen wie St. Moritz, Venedig, Prag und der Cote d’Azur werden sich nach dem Brexit in Zukunft wohl deutlich schwieriger gestalten.

 

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Das wird echt peinlich für Herrn 007, wenn er bei der Einreise in diese europäischen Länder immer nach seinem Visum kramen muss.

Jetzt mal zu etwas komplett anderem: Ganz ohne Schuhe ist übrigens Paul McCartney über den Zebrastreifen der Abbey Road gegangen. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, dieses berühmteste Wander-Foto aller Zeiten nachzustellen. Natürlich bin ich in meinen Arnsteins über die Straße an den Abbey Road Studios gegangen. Eins steht fest: Hätten die Beatles schon BÄR-Schuhe gekannt, hätten die Jungs aus Liverpool sich niemals getrennt.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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