Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Ich will Premiumwege-Sammelbildchen!

Geschrieben am um 8:10

 

Letzte Woche bin ich einen Klassiker der saarländischen Premiumwege gewandert: Die Stausee-Tafeltour am Losheimer See. Ein Klassiker deswegen, weil es meines Wissens der erste Premiumweg in Losheim war. Klassiker auch deswegen, weil sich mittlerweile etliche andere Premiumwege an die Stausee-Tafeltour (markiert mit der Kochmütze) heran gekuschelt haben, unter anderem der hochberühmte Saar-Hunsrücksteig, der in seiner Ursprungsform nördlich an Losheim vorbeigeleitet worden war.

 


Daher gibt es nur auf 2,5 Kilometer des 9,5 Kilometer langen Weges die Stausee-Tafeltour pur. Obwohl sich aber derart viele Premiumwege dort bündeln, habe ich bei meiner Wandertour keinen einzigen Menschen getroffen. Hm. Komisch, an einem verregneten Donnerstag Nachmittag im Januar wandern nur Knalldeppenwanderer wie ich mit Turnschuhen auf vollgeschlammten Pfaden.

 


Egal, ich HABE jetzt die Stausee-Tafeltour! Zwenn der Weg ein Traumpfad gewesen wäre, hätte ich mir auf dem Fan-T-Shirt der Wanderregion ein fettes Kreuzchen machen können. Ein Den-Weg-hab-ich-geschafft-Kreuzchen. Aber so ein T-Shirt gibt es nicht von den Traumschleifen, das sind mit aktuell 84 Traumschleifen auch zu viele Wege. Aber wieso gibt es nicht ein Traumschleifen Sammelbildchen-Heft? So wie bei den Fußball-Bildchen. Nur mit dem Unterschied, dass man sich die Bildchen nicht in der Tüte kaufen kann, sondern als Belohung in der Tourist-Info oder bei den Gaststätten am See bekommt. Ich wäre so stolz auf dieses Bildchen gewesen und hätte es als 19. Traumschleife in meinen Sammelband kleben können. Hier ein Motivvorschlag für das Traumschleifen-Sammelbildchen:

 



Warum ist das orange?

Geschrieben am um 14:36

 

Der neueste Schrei auf dem Premiumwanderwege-Markt: Ein Kinderpremiumweg. Das deutsche Wanderinstitut sagt zwar streng: Was soll das heißen: „ Kinderpremiumweg“? Es gibt Premiumwege, Punkt. Aber keine Kinderpremiumwege oder Seniorenpremiumwege oder 1.FC-Köln-Premiumwege. Obwohl: Den könnte man ja rund um‘s Geißbockheim anlegen. Na ja, egal.

Trotzdem ist der neue Premiumweg „Nahequelle-Pfad“ im Nordsaarland eindeutig auf die Bedürfnisse von Kindern angelegt. Alle 600 bis 800 Meter findet zum Beispiel sich ein phantasievolles Holzhäuschen oder eine Schaukel.

 

 

Außerdem, für Kinder ganz wichtig, spielen Tiere eine große Rolle. Ein Wildgehege, ein freilaufender Pfau und Streichelziegen- und Geißböcke lassen Kinder- und 1.FC-Köln-Fan-Herzen höher schlagen. (Vielleicht sollte sich man das mit dem 1.FC-Köln-Premiumweg doch ernsthaft überlegen).

 

 

Ein weiteres Muss für eine Wanderweg, der Kindern gefällt: Wasser sollte eine große Rolle spielen. Ein Bächlein, das sich durch den Wald schlängelt war schnell gefunden. Und dann gab es noch die Nahequelle zu finden, die dem Weg nun mal den Namen verleiht. Als wir die dezent sprudelnde Quelle entdeckten, fragte meine jüngste Tochter, die als Testkind dabei war: „Warum ist das orange?“ Tja, äh, weil die Nahequelle Holland-Fan ist oder, äh, weil das Wasser so eisenhaltig ist, oder…“ Aber da interessierte sich meine Tochter schon nicht mehr für meine gestammelten Erklärungsversuche, sondern warf eifrig und stundenlang Steinchen in die Quellpfütze.

 

 



Ich lieg am Strand

Geschrieben am um 7:52

Ich lieg am Strand

Mit einem eiskalten Getränk in meiner Hand

Die Sonne scheint mir auf den Bauch

So geht’s doch auch!

 

Mit diesen Versen von Farin Urlaub möchte ich mich in den Blog-Urlaub verabschieden. Nach EM-Frust und FC-Abstieg habe ich den echt nötig. Ab Anfang August wird fröhlich weitergebloggt!

 



In der Batsch

Geschrieben am um 8:59

In Saarbrücken gibt es einen Urwald. Dieser Urwald ist zugegebenermaßen noch ziemlich jung, ein paar Jahrzehnte darf dort erst das Holz liegen bleiben, wo es hinfällt. Für den Wanderer ganz interessant: Man darf kreuz und quer durch den Urwald streunen, es gibt keine Pflicht, auf den Wegen zu bleiben. Für alle, denen das Wildwandern zu anstrengend ist, gab es allerdings seit 2005 einen Premiumweg im Urwald, eine acht Kilometer lange Tafeltour, auch Kochmützentour (wegen der Markierung) genannt. Diese Urwald-Tafeltour war der erste Premiumweg, den ich 2008 im Saarland gewandert bin. Ich fand das sensationell: Mit der Straßenbahn konnte man vom Saarbrücker Zentrum bis zum Startpunkt des Weges fahren. Das ist weltweit einzigartig. Also entschied ich mich, ins Saarland zu ziehen. Aaaaaber: Spätestens 2010 kam die große Enttäuschung. Die Markierung des Weges war nicht mehr durchgehend vorhanden, der Premiumweg wurde nicht mehr gepflegt, eine Verlängerung der Zertifizierung nicht mehr angestrebt.

Was war das für ein Freude, als ich davon hörte, dass die Urwald-Tafeltour Anfang Mai wieder eröffnet und neu zertifiziert werden sollte. Mit mir freuten sich vorgestern ungefähr achtzig Wanderer, die fast alle Regenschirme dabei hatten.

 

Die hat man auch gebraucht, am letzten Sonntag in Saarbrücken. Der erste Versuch, um Punkt 14.00 Uhr den Premiumweg zu gehen, endete in einer Flucht nach 100 Metern zurück in die Scheune am Forsthaus Neuhaus. Zu heftig war der Schauer.

Als es zehn Minuten später dann richtig losging, glich die Wanderung oft einer Rutschpartie. Ordentlich viel BATSCH, wie der Saarländer sagt. ES WAR ETWAS MATSCHIG, würde der Hochdeutsche sagen.

Einige Wanderer setzten sich bei der Rutschpartie auf den Hosenboden. Nicht so der agilste Wanderteilnehmer, der Diensthund des Urwaldförsters Peter, der hyperaktiv durch den Wald sprintete, hechelte, bellte. Erstaunlich, wir haben trotzdem ein Reh gesehen, das aber wahrscheinlich unter Schwerhörigkeit im Endstadium litt. Peter Schneider hat mir erklärt, ab wann ein Diensthund ein Diensthund ist. Wenn es Futtergeld gibt und wenn der Hund steuerbefreit ist. Nicht schlecht so ein Diensthund, vor allem wenn er wie ein irrer Baggerführer auf Speed den Waldboden nach Schätzen durchpflügt.



Mein rechter Fuß

Geschrieben am um 13:04

Vorgestern war ich in Köln beim orthopädischen Schuster meines Vertrauens. Anlass meines Besuchs war das schockierende Erlebnis, als ich Ende März beim Wanderauftakt im Donnersbergkreis von meiner Wanderanamolie erfuhr. Diese traumatische Erfahrung habe ich unter “Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich brach auf der Stelle in Tränen aus” gebloggt. In diesem Zusammenhang herzlichen Glückwunsch an Jochen S. aus Saarbrücken an der Saar, der spontan erkannte, dass die Blogüberschrift dem weltberühmten Grace-Kelly-Song von Die Ärzte entlehnt ist. Jochen S. ist fürstlich für seine Entdeckung entlohnt worden. Apropos Ärzte. Auf deren neuen, sehr schönen CD “auch” outet sich Farin Urlaub als Wanderer, der auf einem Waldspaziergang ein Stück heiliges Holz findet und sich aus diesem einen Gott schnitzt. Ein wunderschöner Song, danke Farin!

Jetzt aber zurück zu meinem rechten Fuß, mit dem ich mal zum “Ortho” sollte, weil ich den so “wegschlenkere” beim Wandern. Thomas (so heißt der orthopädische Schuster meines Vertrauens), Thomas also fragte mich, ob mir denn irgend etwas weh tue. Nöö, habe ich geantwortet. Na, dann ist doch alles prima, dann gehst du eben so, wie du gehst. Da gäbe es, so Thomas, auch wieder tausend Theorien, aber seiner Meinung nach habe der eine Haarausfall, die andere sehr große Brüste, und ich würde eben mit dem rechten Fuß etwas nach außen schlenkern. “Sollen wir das jetzt orthopädisch ändern?” fragte er rhetorisch. Mit dem herumdoktern könnten Probleme und Schmerzen auftauchen, die eigentlich nie ein Thema waren.

Fazit. Ich darf so wandern, wie ich bin. Nicht perfekt, sondern mit dieser leichten Besonderheit, so dass man schon auf ungefähr zwei tausend Metern sieht: schaut Euch das an, da hinten wandert der Andrack.



Klein aber oho – Der Druidenpfad

Geschrieben am um 11:04

Letzten Sonntag war ich auf dem Druidenpfad unterwegs. In der Nähe von Niedaltdorf in Westen des Saarlands. Im westlichsten Westen des Saarlands. Das heißt, die Hälfte des Wegs verläuft direkt an der französischen Grenze. Daher kann man auch immer wieder Grenzsteine erkennen, die 1830 in wilden Zeiten der Revolution errichtet wurden. Zweimal haben seitdem unsere deutschen Vorfahren diese Grenze sehr gewaltsam  verschoben. Genutzt hat es gar nix, jetzt ist die Grenze wieder dort, wo sie eben auch 1830 stand.

 

 

Wer die Gelegenheit hat, sollte möglichst noch im März den Druidenpfad wandern. Zur Zeit finden sich dort die herrlichsten Bärlauch-Felder. Das wäre etwas für den Druiden Miraculix gewesen. Wir haben daheim sofort einen tödlich leckeren Bärlauchquark als Zaubertrank-Ersatz angerichtet. Mjam, mjam, mjam, das sagt man wohl in diesem Fall.

 

 

Zur Zeit tobt der Wahlkampf im Saarland. Ich bin noch komplett unentschieden, welcher Partei ich meine Zustimmung geben soll: Der Heiko wäre langsam mal dran, der Oskar vielleicht mal wieder dran, s’Annegret scheint Ministerpräsidentin zu können. Oder sollte ich mal wieder Grün wählen? Oder sollte ich Welpenschutz für bedrohte Parteien praktizieren und der FPD mein Kreuzchen schenken? Oder vielleicht probiere ich es mit den total internet-und-blog-affinen Piraten? Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nur, dass die CDU – noch zu Zeiten der absoluten Mehrheit – an der Nied eine Wanderhütte renoviert hat. Tolle Sache, aber ob mich das in meiner Wahlentscheidung beeinflussen wird?

 

 

Der Druidenpfad ist ein unterhaltsame, abwechslungsreiche, familienfreundliche Mini-Wander-Runde. Echt kurz, genau sechs Kilometer. Lohnt sich das denn? Ist das überhaupt noch eine Wanderung? Die einen sagen so, die anderen so. Ich finde, es lohnt auf jeden Fall. Der Trend geht eindeutig zu immer kürzeren Wanderrunden, viele, auch viele Viel-Wanderer, empfinden schon Wege über zehn Kilometer – zumal Premiumwege mit ihren vielen Steigungen – oft als zu anstrengend. Lieber mal ne kuschelige Halbtagestour, dann eine schöne Einkehr: Wunderbar! Wie zum Beispiel auf dem Druidenpfad.

 



Felsenweg, die Zweite

Geschrieben am um 9:27

Nachdem vorgestern so viel Negatives über den Felsenweg im Nord-Saarland zu lesen war, heute ein Bilderreigen, warum man es toll ist, dort zu wandern. Geradezu paradiesisch, wandert man doch durch das Paradies auf Erden

Und paradiesisch war auch schon die Parkmöglichkeit am Starttor des Felsenwegs

Ich war versucht, dort mein Automobil zu parken, wurde meine Wenigkeit doch in dem einen oder anderen Presse-Erzeugnis schon als “Wanderpapst” bezeichnet. Habe dann doch aber nicht dort geparkt, das wäre Amtsanmassung gewesen.

Paradiesisch auch die Nordtangente des Felsenwegs auf dem alten Grenzweg zwischen Lothringen und Kurtrier, heute die Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz.

Ebenso paradiesisch ist jenes kuriose Wandermöbel, keine Sinnenbank, sondern eine sinnliche Hollwood-Schaukel. Großartig!

Ob allerdings alle Enthaupteten an der Gesteinsgruppe, an der die alten Kelten Menschenopfer durchführten, auch ins Paradies gekommen sind, ist leider nicht überliefert.

Fest steht auf jeden Fall, dass eine bestimmte Dame paradiesische Gefühle gehabt hatte, als sie sich am Felsenweg ihres Büstenhalters entledigte. Der Felsenweg, ein paradiesisches Wandervergnügen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Scharlatan.



Felsenweg, die Erste

Geschrieben am um 8:06

Endlich, endlich bin ich den Felsenweg gewandert. Peinlich genug, dass ich jetzt schon seit fast vier Jahren im Saarland lebe, und noch DEN Felsenweg gelaufen bin. Mythisch, weil Schönster Wanderweg des Jahres 2005. Mythisch, weil der schönste Wanderweg überhaupt. Mythisch, weil der Urgedanke der Premiumwege Realität wurde.

Jetzt kommt die Wanderkritik: Felsen gibt es schon mal satt. Hier der Teufelsfelsen:

Deutlich erkennt man die verzerrten Teufelsfratzen, vier an der Zahl. Felsen gibt es auf dem ersten zwei Dritteln reichlich, irgendwo her muss der Weg ja seinen Namen haben. Das muss 2005 eine Sensation gewesen sein: Diese Felsen, diese Wegdramaturgie, diese vielen schmalen Pfade. 2012 hat die Einzigartigkeit des Felsenwegs fast vollkommen der Saar-Hunsrück-Steig aufgesaugt. Auf der Etappe zwischen Weiskirchen und Losheim am See verläuft der SH-Steig (wie er von Kennern zärtlich genannt wird) ganze ACHT Kilometer parallel zum Felsenweg.

Das ist ja prinzipiell okay, dass sich der Weitwanderweg auf die Wegeführung der Ein-Tages-Tour drauf setzt. Aber es nimmt dem Felsenweg doch Einiges. Zumal: Nachdem der Felsenweg nicht mehr parralele zum SH-Steig verläuft, auf den letzten fünf Kilometern wieder zurück nach Waldhölzbach, passiert in Sachen Naturhighlights – gar nichts mehr. Wenn man nicht die Dreisprung-Grube am Barfusspfad des Waldhölzbacher Parks als Highlight bezeichnen will.

Und wo ich schon mal am Nörgeln bin: Auf den letzten sechs Kilometern geht man viel auf Asphalt, sieht viel Asphalt, hört man viele Autos. Dass dann hinter Scheiden ein wenig getrickst wird, und der eigentliche Wanderweg auf einem Pfad neben dem Asphaltweg markiert ist (das gibt natürlich Pfad-Plus-Punkte vom Zertifizierer!) hilft auch nicht viel.

Fazit: ich war enttäuscht vom Felsenweg, von einem “Schönsten Wanderweg Deutschlands” hatte ich mehr erwartet. Lag es an meiner zu hohen Erwartungshaltung? Ich weiß es nicht. Zu viel genörgelt? Kann sein. Daher übermorgen als Ausgleich ein Report, wie toll, geradezu paradiesisch es ist, auf dem Felsenweg zu wandern.



Steinbachpfad

Geschrieben am um 11:05

Gestern bin ich auf dem Steinbachpfad gewandert. Gefühlt heißt ja jeder zweite Bach in Deutschland Steinbach, liegt ja auch nahe der Name, Steine gibt es in jedem Bach satt. Die andere Hälfte der Bäche heißt übrigens Fischbach. Ich habe bei wikipedia nachgeschaut, Wenn ein Bach Steinbach heißt, dann handelt es sich um ein Hydronym, einen Bachname. Beim Steinbachpfad im Saarland ist es aber komplizierter, denn Steinbach ist in diesem Fall ein Siedlungsname, der Fachmann (und Griechisch-Kenner) sagt: Oikonym. Also, der Steinbachpfad startet im Ort Steinbach in der Nähe von Ottweiler. Zwischen St.Wendel und Neunkirchen. Und für einen vernünftigen Start braucht es einen Einstieg, ein Tor, sonst weiß der Wanderer gar nicht, wo es losgeht.

Im Saarland gibt es an vielen Premiumwegen diese Einstiegstore, es gibt empfindliche Geldstrafen, wenn man nicht durch dieses Tor hindurch startet. Es gibt Wanderer, die finden so etwas albern, ich finde es toll. Man geht ja auch bei einem Haus durch eine Haustür und fühlt sich willkommen, so ist es auch bei den Einstiegstoren der Premiumwege. Sie rufen: „Hallo und Grüß Gott lieber Wanderer, bienvenue, willkommen, welcome auf unserem Wanderweg„. So eine Begrüßung hebt doch direkt die Laune…

Wenige hundert Meter nach dem Einstiegstor ging ich am Steinbacher Fußballplatz vorbei.

Achtet sehr viele Premiumwege streifen Fußballplätze, weil die oft in Ortsrandlage schön gelegen sind. (Für alle Fußballfans: Steinbach spielt Verbandsliga und kickte wenige Stunden nach meiner Wanderung gegen den Spitzen-Club Primstal 2:2)

Dann geht es beim Steinbachpfad highlightmäßig Schlag auf Schlag: Großartige Rundumblicke auf dem Betzelhübel, hinab in ein tolles Kerbtal, runter zur Oster. Na ja, die Durchwanderung des Ostertals ist nicht so der Knaller, man sieht die Straße und hört sie vor allem. Im Ostertal wandert man nicht nur auf dem Steinbachpfad, sondern auch gleichzeitig auf dem Mühlenpfad. Das ist typisch für die vier Premiumwege rund um Hangard (Brunnenpfad, Steinbachpfad, Hangard Schauinsland, Mühlenpfad), sie hängen alle irgendwie zusammen, sind verschränkt und umschlungen.

Dann aber geht es endlich ins Tal des Steinbacher Bachs, ein sehr kurzes Tal.

Dort steht eine SINNENbank in Bergrichtung, gibt den Blick in das steile Kerbtal frei. Etwas ungewöhnlich, sind SINNENbänke gewöhnlich doch eher in Richtung Aussicht gestellt. Find ich aber gut, mal was Neues und optisch absolut SINNvoll und SINNENreich. Oben am Tal steht man überraschend auf dem Dorfspielplatz, wohlgenährte Hähne im Freilaufgehege kamen zur Begrüßung angewackelt. Und auf einer Tafel wird die dramatische Geschichte des Wolkenbruchs vom 4. Juli 1875 nacherzählt. Wiesen waren von Geröllmassen übersät, während der Aufräumarbeiten konsumierten die Steinbacher Bürger 45 Liter Branntwein, für die Kosten kam die Gemeinde auf. Prost auf Steinbach, Prost auf den Steinbacher Bach, Prost auf den Steinbachpfad!!!



Schaumberg Tafeltour

Geschrieben am um 13:45

Heute bin ich die Tafeltour am Schaumberg gewandert. Im Münsterland kennt man den traditionellen Kiepenkerl, eine Art fliegenden Händler. Bei der Wanderung am Schaumberg war ich der Kiepenkerl.

Meine jüngste Tochter wiegt mittlerweile schon so viel wie ein Kasten Bier, das merkt man bergauf schon. Aber das ist ein gutes Training und ihre blendende Laune war Ansporn genug. Ich hatte ja erst ein wenig Angst gehabt, dass es ihr nach einer halben Stunde Kiepe zu langweilig werden könnte, sie war nämlich auch kein Tragetuch-Kind. Aber sie liebte die Ausguckposition und das schaukeln in der Kiepe: Hach, es ist eben MEINE Tochter, ein Wanderkind. Okay, meine Frau hat gerade protestiert: UNSER Wanderkind selbstverständlich.

Der Wanderparkplatz an der Blasiuskapelle, an der wir gestartet waren, wies ein seltsames Zusatzschild auf:

Merkwürdig, merkwürdig, ich dachte bisher immer, Pilger sollten pilgern, nicht parken. Natürlich haben wir auf diesem Parkplatz unsere Stretch-Limo, die vier Parkplätze gleichzeitig belegt, geparkt. Denn wir fühlten uns auf jeden Fall angesprochen durch das Schild, waren wir doch Pilger zum Schaumberg.

Am Schaumberg gibt es viel zu sehen. Zunächst einen Bücherbaum.

Dort kann man Bücher hineinstellen und Bücher hinausnehmen. Die Qualität der hinterlassenen Bücher scheint aber nicht die Qualität der entnommenen zu haben.

Dann sahen wir den Klapperstorchstein.

Wenn Ehepaare nur ein Kind haben, muss die Tochter zweimal um den Stein herumlaufen, und rufen: „Klapperstorch du Guter, bring mir einen Burder“. Wenn es ein Sohn ist, muss dieser sogar dreimal um den Klapperstorchstein kreisen und rufen: “Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester“. Da meine 15 Monate alte Tochter nun mal in der Kiepe saß, befahl sie mir an ihrer Statt um den Stein zu laufen. Ich werde November an gleicher Stelle berichten, ob es geklappt hat.

Auf jeden Fall wurde mir durch die ganze um den Stein-Herumlauferei so kotzschlecht, dass ich debil grinsen und mich an einem dünnen Bäumchen festhalten musste.

Sonne, ich halte Bäumchen fest, es ist ergriffen, ich bin ergriffen

Ach ja, nur mal wegen des Namens Tafeltour Schaumberg und der Kochmütze auf dem Markierungstäfelchen: Es wäre doch ganz schön, wenn es dann auch eine Einkehrmöglichkeit DIREKT am Weg gäbe, wie bei den Tafeltouren in Kirkel oder bald wieder im Saarbrücker Urwald. Tafelfreuden an der Tafeltour, nur mal so‘ne Idee.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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