Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Auf dem Erzgräberweg in Schmelz

Geschrieben am um 7:05

Ich möchte mich vorab entschuldigen. In diesem Post wimmelt es von Namenswitzen. obwohl diese, laut einem ungeschriebenen Gesetz der Unterhaltungsbranche, absolut verboten sind. Würde zum Beispiel unser nächster Finanzminister Wolfgang Nimsgern (ein – nicht nur im saarland – durchaus üblicher deutscher Nachname), so wären alle Scherze über „nehmen ist seliger als geben“ AB-SO-LUT verboten. Aber wenn eine Traumschleife in Schmelz in Saarlands Mitte startet, wird man doch auf den zarten Schmelz hinweisen dürfen, mit dem einen dieser Ortsname über die Lippen kommt. Natürlich hat der Ortsname Schmelz auch etwas mit der Industrie-Geschichte des Orts zu tun. Eisenschmelzen und so.

 

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Und die Erzgruben sind ein großes Thema auf der Traumschleife, und wie man sieht, auch durchaus für Exkursionen mit dem Mathematik-Lehrer (vielleicht ist der Mathe-Pauker ja der große Horst?) geeignet: wenn der Durchmesser = 40 Meter, wie groß ist dann der Radius r und das Volumen V? Rechne und begründe!

 

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Aber auch die Erdkunde-Lehrerin kommt zu ihrem Recht. Denn obwohl die Lausebengel aus der letzten Reihe im Schritt des Kumpels nachgrabschen, ob der auch Lebacher Eier hat, ist er durchaus interessant, sich diese spezielle Gesteinsform bei Schmelz zu betrachten.

 

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Und dann ist die Biologie-Lehrerin an der Reihe. Denn die kann etwas über die Mendelschen Gesetze erzählen, während die Schulklasse staunend ins Bohnental hinab schaut und sich fragt, wo denn diese Hülsenfrüchte nun wachsen. Und das gesamte Kollegium der unteren Baumschule von Schmelz jauchzt, wenn es ungefähr bei der Hälfte des Erzgräberwegs zum Aussichtspunkt über fast das gesamte Nordsaarland geht. Wie in der Kommandozentrale des Raumschiffs Enterprise fühlt man sich dort, didaktisch überversorgt durch drei Schau- und Panoramatafeln. Wow!

 

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Ein weiteres Highlight kurz vor Schluss dieser Traumschleife: Der Steinbruch Großer Horst. (Schlimmer Kalauer-Gag: Was sucht der schwule Adler in den Lüften? Seinen Horst) Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Menschenhand nicht nur Landschaft zerstören, sondern auch aufregend modellieren kann. wenn man das sieht, kann man sich die Fahrt an den Grand Canyon doch echt sparen, oder?

 

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Nach den sehr abwechslungsreichen 12,5 Kilometern auf dem. Erzgräberweg kann man sich dann gemütlich in den Zug setzen und nach Lebach fahren. Ach so, die Strecke ist schon seit 1980 für den Personenverkehr stillgelegt? Schade, sehr schade. dann müssen Sie eben mit der Draisine nach Hause fahren. oder zu Fuß gehen.

 

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Cloefpfad 4.0

Geschrieben am um 6:45

Bei der schon fast unüberschaubaren Anzahl von Premiumwegen komme ich gar hinterher, alle neuen Premiumwege zu erwandern. Selbst neue und alte Premiumwege in meinem Wohnumfeld habe ich noch nicht komplett erkundet. Ich wohne ja seit einigen Jahren im Saarland (das sind die, die erst seit 1957 dabei sind, nicht die, die erst seit 1990 dabei sind) und da gibt es bei mir umme Ecke die Traumschleifen. Leider oder Gott sei Dank sind es aber genau 111 Traumschleifen und ich habe erst ungefähr 48,2 Prozent unter die Füsse genommen. Ich bin natürlich bemüht, meinen Traumschleifenquotienten zu erhöhen, dafür muss/sollte ich immer neue Wege gehen. Wenn ich allerdings mit einer größeren Gruppe gehe, wie zuletzt Anfang Juli, schlage ich wiederum gerne Wege vor, die ich schon kenne und schätze.

 

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Also bin ich den Cloef-Pfad gewandert, den ich schon vor zwei Jahren gegangen bin. Gut, da erwartet man eben die gleiche solide Wegführung. Aber nichts da. Die ersten ungefähr zwei/zweieinhalb Kilometer des Cloef-Pfads waren vollkommen NEU, spektakulär an Felsen vorbei und über Felsen drüber, schmale Pfade ohne Ende und als Highlight eine Passage durch einen mediterran anmutenden Hof in Orscholz. Très magnifique! Nicht genug der Neuerungen, der Cloefpfad schien runderneuert, gepimpte Version, Wanderweg 4.0 sozusagen.

 

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Denn dass der Baumwipfelpfad mit dem Aussichts-Wendel-Wandel-Turm soooo schnell fertig würde, hätte ich nicht gedacht. Von unten an der Saar stehend sieht er etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie eine hölzerne Riesenwarze über der Cloef. Wenn man oben am Saarschleifen-Aussichtspunkt steht, geht es eigentlich. das Ding ist schon monströs, aber von vielen Bäumen umsäumt/versteckt. Eins bleibt auf jeden Fall unberührt, beim Blick vom saarländischen Balkon…

 

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… die Aussicht auf der Dom, äh, auf die Saarschleife. Wenn man sich dann an den Baumwipfelpfadturm gewöhnt hat und weiter Richtung Atrium wandert, sieht man die gigantischen Dimensionen dieses Projekts. Für schlappe 21,50 Euro (das sind annähernd 40 Pfund, liebe Engländer) kann man mit der Kleinfamilie den Baumwipfelpfad entlang gehen. Mal gucken, ob ich das investiere. Ich habe – statt Baumwipfelpfad – lieber am Ende des Wegs für den höchst gelungenen Cloefpfad fünf Euro gespendet und bin dafür mit einem halb-esoterischen Spruch belohnt worden.

 

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Ein Felsen wie ein Stiefel

Geschrieben am um 8:03

Im Saarland pilgert man zum großen Stiefel, das habe ich schnell gelernt, als ich vor einigen Jahren in das kleinste Bundesland Deutschlands gezogen bin. Da ich seit zwei Jahren der Chefwanderbeauftragte von BÄR-Schuhen bin, bin ich mal wieder zum großen Stiefel in St.Ingbert vor den Toren von Saarbrücken gewandert. Ich hatte mir für meine Tour extra einen Mittwoch Nachmittag frei gehalten, denn als Wanderfreund weiß man, die Stiefel-Hütte, die hat nur Mittwoch Nachmittag und Sonntag geöffnet.

 

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Denn die Wanderhütte am großen Stiefel gehört zum eng gewebten Netz der Wanderhütten des Pfälzischen Wald Vereins, die in Deutschland in punkto Urigkeit unvergleichlich sind. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich – wieso Pfälzischer Wald Verein mitten im Saarland? Die Saarländer und die Pfälzer, das muss man dazu sagen, verhalten sich zueinander wie Feuer und Eis, wie Köln und Düsseldorf, wie Nord- und Südkorea, wie Geha und Pelikan. Man muss aber wissen, dass der südöstliche Teil des Saarlands bis 1920 zur bayerischen Pfalz gehörte, weswegen es (Gott sei Dank) auch im Saarland P.W.V. Hütten gibt.

 

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Aber ohne Schweiß kein Preis. Es geht ein ziemlich steiler Weg hinauf zun Stiefel-Felsen, da musste ich hinauf stiefeln mit meinen herrlichen Sieben-Meilen-Stiefeln. Oben am Felsen stellte ich fest, dass der Stiefel-Felsen eigentlich Stiefeler Felsen heißt. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Irgendwie hört sich das sehr sehr komisch an. Ich bleibe dabei, das ist der Stiefel-Felsen.

 

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Denn dieser Felsen ist wirklich klasse. Manchmal hat man es ja mit Felsen-Benamsungen zu tun, die einen verzweifeln lassen. Die drei steinernen Jungfrauen auf der Ostalb sehen zum Beispiel eher aus wie Mensch-Ärgere-Dich-Spielfiguren (siehe Gesammelte Wanderabenteuer Seite 356). Gaaaanz anders der Stiefel-Felsen, da sieht man direkt: so wird ein Schuh draus. Ein SCHUH, denn ein Stiefel ist das Ding nicht, es ja gar kein hoher Schaft bis knapp unters Knie erkennbar. Nein, das ist ein richtiger Wanderschuh. Und da man sieht, dass der Platz für Zehen und Vorderfuß gigantisch ist, muss es eines der Ursprungsmodelle von BÄR sein.

Ich habe mich aber nicht lange mit diesen Überlegungen aufgehalten, sondern bin wie ein gestiefelter Kater noch einige Höhenmeter weiter gegangen, denn es lockte ja das Belohnungsbier in der Hütte. Was für eine Enttäuschung, als ich sah: Die Hütte hat geschlossen. Und auf dem Schild mit den Öffnungszeiten war der Mittwoch einfach schnöde durchgestrichen. Kinners, so geht das aber nicht!

 

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Glücklicherweise hatte ich auf der Hinfahrt einen zauberhaft schönen Biergarten im Dorf Sengscheid unterhalb des Stiefel-Felsens entdeckt. Dort saß ich unter den Linden und durfte mir das Hofpengold durch die durstige Kehle rinnen lassen. Beim Thema Bier und Stiefel denke ich natürlich sofort an das Sommerfest bei den BÄRs am 5. August. Es gibt nicht nur ein Super-Programm, eine Super-Wanderung am Neckar, sondern auch die Weltpremiere des Joe-Nimble-Biers. Schuh und Bier, Bier im Schuh, das wird bestimmt eine tolle Sache. Ich werde berichten. Nächsten Monat.

 

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Wege des Wassers + der Eisenbahnen + der Buchstaben + der Wegewarte + der Grenzen

Geschrieben am um 7:49

Im langen Spätwinter des Jahres 2016 bin ich eine Traumschleife im Nord-Saarland gewandert, die ich bisher nicht kannte. Der Name: Wege des Wassers. Start ist im ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Büschfeld. Dort trafen die Verkehrsachsen Losheim – Büschfeld und Nonnweiler – Lebach aufeinander. Lange ist es her, heute kann man auf den alten Eisenbahntrassen sehr schön wandern.

 

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Ich liebe das Wandern auf ehemaligen Eisenbahntrassen, fragt mich nicht warum. Beim Eisenbahntrassenwandern kommen zwei Leidenschaften bei mir zusammen: Der Trainspotter, der wahrscheinlich immer noch hofft, dass ein Zug um die Ecke kommt, und der Wanderer, der manchmnal ebene und bequeme Strecken schätzt. Es gibt eine sensationelle Seite über das Bahntrassenradeln im Netz, warum gibt es noch keine Seite über das Bahntrassenwandern? Hintermstoaner, übernehmen Sie! Ich gehe also auf der Eisenbahntrasse, und denke, dass der Weg ja auch gut Wege der Eisenbahnen heißen könnte, da komme ich am Buchstabenfelsen vorbei.

 

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Allerdings müssen das Legasniker gewesen sein, regelrechte Anal-Fabäten, die diesen Felsen Buchstabenfelsen genennt haben, es sind nemlich gar keine Buchstaben zu erkenen. Sehr schön war, dass ich an einer steilen Passage der Traumschleife einem waschechten Traumschleifen-Wegewart begegnet bin. Der war ausgestattet mit Säge, Schaufel, Schneidegerät, Hammer, Markierungs-Täfelchen und bereitete den Weg für die kommende Wandersaison vor…

 

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Schon eine feine Sache so eine freigeputze Treppe, der Mann könnte bei mir zu Hause auch mal für Ordnung und Sauberkeit sorgen! Okay, jede Menge Wasser in vielen Bächen war auf dem Weg des Wassers natürlich auch zu sehen. Ganz klarer Höhepunkt der Traumschleife war das Sollbachtal. Dort wurde der Weg des Wassers zum Weg der Grenzen, denn nicht nur drei saarländische Gemeinden treffen in diesem Tal aufeinander …

 

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… nein, dieses Tal markierte dereinst auch die Grenze zwischen dem Deutschen Reich und dem Saarland. Die geschichtlichen Hardfacts sind in dem Tal von Info-Tafeln aufgearbeitet, die in Anschaulichkeit und Informationswert absolute Extraklasse sind. So geht Info-Tafel!

 

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Der Schwarzenholzer Grenzsteinweg

Geschrieben am um 6:46

Die Tage werden wieder länger. In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs über die Sommerzeit. Von Jahr zu Jahr steigt der Unwillen über die Sommerzeit. Vor allem bei der Zeitumstellung im Frühjahr werden ständig die Stimmen lauter, die die „gestohlene“ Stunde beklagen und ein Ende der künstlichen Zeitumstellung fordern. Ich gestehe: ich bin ein großer Fan der Zeitumstellung. Energieeinsparung? Ist mir piepegal. Aber die langen Abenden im Biergarten, die Wanderungen bis neun/zehn Uhr Abends, das ist doch einfach großartig. Wer bitte schön hätte einen Vorteil, wenn es im Hochsommer schon morgens um 4.00 Uhr hell ist?

Und gerade die Sommerzeit ermöglicht es uns, auch wieder nach der Arbeit in der nächsten Umgebung zu wandern. Am Wochenende, ja, da nehmen wir uns die Wege vor, die in den hübschesten Ecken der Republik liegen. Aber während der Sommerzeit wird auch verstärkt in der nahen und nächsten Umgebung gewandert. Daher habe ich jetzt auch erst den Schwarzenholzer Grenzsteinweg entdeckt. Der Start ist ungefähr drei Kilometer von meinem Haus entfernt.

 

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Nun gut, sehr sexy ist der Park-und-Mitfahrer-Parkplatz an der A8 nicht, der der Startpunkt der 14 Kilometer langen Wanderrunde ist. Achtung: Die großen blauen Wegweiser sind nicht für Wanderer bestimmt. Es empfiehlt sich also nicht, in Richtung Köln zu wandern, es sei denn, man will einmal der Held im Verkehrsfunk sein. Aber ganz ganz klein kann man schon am rostig-silbernen Pfeiler die Markierung des Grenzsteinwegs erkennen.

 

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Hübsche Markierung und – um das vorweg zu nehmen – die Markierung des ganzen Wegs ist perfekt und eindeutig premiumwürdig. Man fragt sich aber natürlich als von Natur aus skeptischer Mensch, ob denn das Versprechen mit den Grenzsteinen eingelöst wird. Man kennt das ja, kaum muss man mal 100 Höhenmeter überwinden, schon hat man es mit einem „Steig“ zu tun. Kaum steht eine alte Eiche am Wegrand, schon geht man auf dem „Eichenpfad“. Aber keine Angst, auf dem Schwarzenholzer Grenzsteinweg sieht man knapp 50 Grenzsteine, das reicht doch für’s Erste, oder?

 

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Auf vielen Steinen ist „SH“ eingemeißelt, das heißt Schwarzenholz, „S“ steht für Schwalbach, aber was bedeutet „F“? Steht das für Faarbrücken? Für Faarlouis? Oder für Füttlingen? Keine Ahnung. Es gibt aber nicht nur Grenzsteine am Wegrand, sondern auch jede Menge schöne Wegpassagen.

 

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Fazit: Dank der Sommerzeit bin ich den Grenzsteinweg nun endlich gegegangen. 50 Prozent sind voll Premiumtauglich, 30% qualitätswegtauglich, die restlichen 20 % sind: na ja. Für einen Weg-um-die-Ecke ist diese Mischungsverhältnis voll okay.



Frohes neues Jahr und der erste Wanderskandal des Jahres

Geschrieben am um 4:44

Ich wünsche Euch allen ein frohes, glückliches, erfolgreiches, gesundes, aufregendes, emotionales und tolles neues Jahr! Viele denken, ich hätte in meiner Blogpause von Ende Dezember bis zum 1. Februar auf der faulen Haut gelegen. Falsch! Erstens habe ich keine faule, sondern nur eine fleißige Haut. Und zweitens bin ich NATÜRLICH gewandert, was denn sonst. Bevorzugt wandere ich außerhalb der Wandersaison in den neuheimatlichen Gefilden des Saarlands. Also habe ich mir – endlich – den Oppig-Grät-Weg südlich von Losheim vorgenommen. Dieser Weg ist übrigens der Geheimfavorit aller saarländischen Premiumwege eines führenden Mitarbeiter des Deutschen Wanderinstituts. Und warum? Natürlich wegen der Oppig Grät, übersetzt auf deutsch: Wegen der Oppig Schlucht. Lange musste ich gehen, bis ich den Einstieg in die enge Schlucht erreicht hatte. Aber dann das:

 

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Ein Wegweiser mit Klebeband verhüllt. Hatte der Wegweiser Aua? Musste das Schild notdürftig geflickt werden? Nein, der Weg war offiziell und amtlich gesperrt. Das hat mich natürlich erst recht gereizt. Baumfällarbeiten konnten es nicht sein (kein Krach nirgendwo), also was würde mich in der Schlucht erwarten?

 

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Ich kam gut voran, nun gut, da lagen ein paar Bäume quer, aber der Weg war wirklich klasse, wildromantisch, mehrere Bachüberquerungen, ein tolles Wegerlebnis. Am Ende kraxelte ich steil aus der Grät und wunderte mich. Es hatte sich keine Erdbebenspalte aufgetan, ich war nicht von einem Baum erschlagen worden und auch kein Bär hatte mich aufgefressen. Warum also war der Weg gesperrt? Am Ende der Schlucht las ich auf einem Warnschild die Auflösung:

 

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Kinners, das ist nicht Euer Ernst, oder? Es ist schon klar, dass bei Regenwetter, Eis oder Schnee man etwas vorsichtiger in der Oppig Grät sein muss, aber immerhin ist in unserem Land noch jeder Wanderer für sein körperliches Wohl selber verantwortlich. Ein Schild mit der Aufschrift BEGEHEN AUF EIGENE GEFAHR! hätte meines Erachtens komplett ausgereicht. Aber darüber hinaus dem Weg generell die Kinder-Eignung abzusprechen, ist ein kleiner Wanderskandal. Womit wollt ihr denn Kinder für’s Wandern begeistern? 100 Kilometer Asphalt geradeaus, aber bombensicher??? Genau solche Wege wie in der Oppig Grät lieben die Kleinsten! Ein wenig Klettern, verschlungene Pfade am Bach, jede Menge Wanderabenteuer! Ich werde auf jeden Fall mit meiner Tochter den Weg bald gehen, in der Kurzversion, nur die Oppig-Grät, zweieinhalb Kilometer lang, ein wunderbarer Kinderpremiumweg!

 

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Und eins kann ich auf jeden Fall garantieren: Hunden macht der Weg auf jeden Fall Spaß! Auch im Winter.



Mein Wanderhund

Geschrieben am um 6:30

Womit kann man in der medialen Öffentlichkeit immer punkten? Antwort: Kinder und Tiere. Daher ist es an der Zeit, meinen Wanderhund Luna vorzustellen…

 

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Das ist Luna, geboren im Juni 2005, Mutter Border Collie, Vater Berner Sennhund.

Wir haben den Hund im Sommer 2014 übernommen (das alte Frauchen hatte schreckliche Hundeallergie bekommen) und Luna war ein richtiger Stadthund. Zu dick, zu wenig Bewegung. Wir haben sie dann auf Diät gesetzt und ich habe sie als Wanderhund ausgebildet. Und Luna ist der perfekte Wanderhund, definitiv.

 

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Als Hütehund braucht sie nicht so viel Auslauf wie ein Jagdhund, aber sie geht sehr gerne, auch im hohen Alter. Das Entscheidende aber ist: Man kann sie problemlos ohne Leine laufen lassen. Andere Hunde, vor allem die kläffenden Exemplare, straft sie mit hoheitlicher Ignoranz. Auch andere Wanderer sind uninteressant, es sei denn, sie essen gerade ein Wurstbrot. Das ist echt äußerst angenehm, ich hätte nie Lust auf einen Hund gehabt, der andere Menschen ungefragt ansabbert, ankläfft, anspringt. Bei Luna ist die Reaktion der anderen Wanderer eher: Oh Gott, ist die süüüss, darf ich sie streicheln?

Nicht zu vergessen. Sie hört auf’s Wort: Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib, Fass, alles im Programm. Nur das mit dem Apportieren klappt nicht. Sie läuft zwar nach dem Stöckchen, will es aber partout nicht wieder hergeben.

 

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Außerdem ist Luna der perfekte Premiumweg-Hund. Als ob sie Wegmarkierungen lesen könnte, biegt sie immer in den richtigen Pfad ein. Auch wenn es mal einen Kilometer über einen breiteren Waldweg geht, findet sie immer zielsicher den Pfad, auf dem der Premiumweg weitergeht. Es gibt wertvolle Trüffelschweine, Luna könnte man als Premiumwegscout einsetzen: „Such den schönsten Weg, such!“

Wenn es überhaupt an Luna etwas zu meckern gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie im Strassenverkehr doch eher unbedarft ist. Wenn es etwas zu schnuppern gibt, lässt sie sich nicht von heran rasenden Autos abhalten und läuft schnurstracks auf die Straße…

 

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Daher gilt auf dem Bürgersteig und bei einer Strassenüberquerung immer Leinenzwang. Denn Sie soll uns ja noch lange erhalten bleiben, unsere Luna. Und noch viele Wanderungen als Wanderhund genießen können.



Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 6:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. „Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern“ könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt „Zum Hungersberg“, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, „für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen“. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



95, die Zweite

Geschrieben am um 7:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

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Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

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…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

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…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

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… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

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… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 6:17

„95“ ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die „95“ mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

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Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die „95“

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

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… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: „Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern“, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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