Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Kein Traumpfad – leider

Geschrieben am um 20:54

Die Traumpfade an Rhein, Mosel und in der Eifel sind in wenigen Jahren eine überaus erfolgreiche Wandernarke in Deutschland geworden. Super professionelles Marketing, ein unschlagbar guter Internet-Auftritt und natürlich – das A und O: Topwege. Bei dem Traumpfaden hat man wirklich darauf geschaut, dass nur top bewertete Wege zu dem Traumpfaden zählen. Darf man sich normalerweise schon ab 35 Punkte (die das Wanderinstitut vergibt) als Tagestour Premiumweg nennen, muss ein Traumpfad mindestens 50 Punkte erreichen. Das hat nicht das Wanderinstitut entschieden, das ist eine selbst gelegte Latte der Traumpfade-Touristiker.

Nun hat aber die Region Weißenthurm gemault, auch einen Traumpfad haben zu wollen, und man hätte doch diese tollen Streuobstwiesen bei Mülheim-Kärlich.

 

Bingo, schon entstand der Streuobstwiesenweg. Tragisch nur, dass es der Weg in der Zertifizierung “nur” 45 Punkte erreichte. Eigentlich ein ordentliches Ergebnis, ein klarer Premiumweg, aber eben kein Traumpfad. So muss der Streuobstwiesenweg auf der Übersichtskarte der Traumpfade und im Internet-Auftritt ein Schwarzer-Schaf-Aschenputtel-Dasein fristen. Schade. Wenn man den Weg im Frühjahr wandert, kann man solche tolle Blüten sehen:

 

Das ist doch alleine 480 Blütenpunkte wert! Ich frage mich, ist die Blütenpracht überhaupt mitbewertet worden? Nun gut, man sieht des öfteren das alte AKW am Rhein, aber das wird ja bald gesprengt. Und in der Praxis sieht es nun mal so aus, dass der Weg extrem gut von den Wanderern angenommen wird. Ich wanderte dort an einem Mittwoch im April und zählte an einem Nachmittag 89 Wanderer, die mir entgegen kamen. Das ist ein unglaublicher Spitzenwert. Und alle fanden, trotz AKW: Kärlich is herrlich

Deshalb fordere ich: Macht den Streuobstwiesenweg zum Traumpfad. Er hat es verdient!



Immer falsch gewandert?

Geschrieben am um 21:53

Manchmal nervt es echt. Man hat einen wunderschöne Wanderung hinter sich, ist von einem Ortskundigen begleitet worden. Man ist voll des Lobes über Aussichten, Wiesengründe, die erlebte Natur im Speziellen und auch im Besonderen. Aber dann kommt das große ABER. “Aber,” sagt dann nämlich der Ortskundige, “aber Sie müssen mal im (wahlweise) April/Mai/Juni/Oktober/Dezember wieder kommen, wenn die (wahlweise) Orchideen, Kirschbäume, Sumpfdotterblumen oder auch einfach das Marzipan blüht. Mensch, denkt man sich dann, was bin ich nur für ein Trottel, dass ich IMMER, aber auch wirklich IMMER zur falschen Jahreszeit auf diesen Wegen unterwegs bin. Aber am 11. APRIL bin ich zur richtigen Zeit gewandert.

 

Streuobstwiesenweg am Rhein in Mülheim-Kärlich. Den Weg sollte man nun wirklich wandern, wenn die Tausenden Obstbäume, Apfel- ,Kirsch-, Holunderbäumen blühen. Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, das nicht wunder- wunderschön zu finden. Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass die Gegend nördlich von Koblenz eine solche Obstgegend ist. Und sie beschäftigt die Menschen – ich sah Obstbauern, die eifrig an den blühenden Bäumen herum schnitten und Zeugs auf die Blüten spritzten. Wahrscheinlich alles total ökologisch, ist doch logisch. Außerdem hat man in dieser Region ein Faible für Weidenbäume und Weiden, blöd nur, wenn der Weidenkorb erstens zu groß geraten ist und zweitens dann auch noch kaputt ist. Kinder, so geht das aber nicht!

 

Man könnte jetzt natürlich denken, Mist, wenn ich zum Streuobstwiesenweg fahre, ist bestimmt  alles verblüht. Aber keine Angst, zur Zeit ist es ja wieder etwas kühler und wechselhaft geworden, die Bäume haben noch nicht ihre volle Blütenpracht erreicht. Lassen Sie alles stehen und liegen und fahren sie nach Mülheim-Kärlich, übrigens auch gut mit dem Bus 357 aus Richtung Neuwied und Koblenz zu erreichen, wochentags halbstündlich angebunden, einfach Kärlich Kirche aussteigen und dann über die Blütenstraße und “Im grünen Meer” (sind das nicht tolle Straßennamen?)zum Streuobstwiesenweg wandern.

 

Alles traumhaft, eigentlich. Aber warum der Streuobstwiesenweg trotzdem kein Traumpfad ist, aber einer sein sollte, dazu bald mehr an gleicher Stelle.

 



Highlights auf dem Pfälzer Höhenweg – Teil 3

Geschrieben am um 8:38

Frühjahrszeit, Krötenwanderung-Zeit. Kennt man ja. Ich hatte schon viel über Krötenwanderungen gehört, nun wurde ich auf dem Pfälzer Höhenweg Zeuge, wie so etwas vor sich geht. Drei, vier Kröten krabbelten über den breiten Wanderweg, und kopulierten dabei, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine veritable Swinger-Party auf dem Pfälzer Höhenweg! Ich persönlich finde es bedenklich und jugendgefährdend, was Kröten unter “Wandern” verstehen. Wenn sich diese Begriffsverirrung auch bei den Menschen durchsetzt, wird der Satz: “Schatz, ich gehe jetzt Wandern” leicht missverständlich.

 

 

Der Mann, der sich auf den Wanderweg warf um die Kröten zu filmen, ist Kameramann beim SWR.

 

 

Dieser Sender zeigte am Montagabend einen heißen und schmutzigen Film über Krötenwanderungen. Bitte? Ach, doch nicht, sorry. Nein, eigentlich drehte der SWR einen Film über den Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg (Zu sehen in der Mediathek des SWR). Alle Wanderer wurden nach ihren Wanderfrühlingsgefühlen befragt. Um die Wandergruppe schön ins Bild zu bringen, wurden die Leute vom SWR manchmal ungemütlich und scheuten sich auch nicht davor, teilweise unseren Wanderführer, den großartigen O. Denzer, zu entmachten. “Stop!”, “Halt”, “Jetzt bitte”, so hallten die Kommandos wie in Hollywood durch den Wald, denn so ein Kameramann geht nicht nur vor Kröten in die Knie, sondern braucht für die schönsten Kamera-Einstellungen jede Menge Zeit. So ging natürlich der Wanderfluss der Truppe verloren. Kommentar einer Mitwandererin: “Echt nevvisch!”

 



Immer wieder Sonntags…

Geschrieben am um 7:20

Letzen Sonntag war ich in der Nord-Pfalz unterwegs, beim Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg. Aus allen Himmelsrichtungen waren Wandertouren angeboten worden, ich war in Winnweiler losgewandert. Alle Wandergruppen trafen sich nachmittags in Dannenfels, in der Gemeindehalle, auch als Turnhalle genutzt. Dort gab es deftige pfälzische Küche, der brandneue Pfälzer Wanderwein wurde von Weinkönigin Anna der Einzigen präsentiert und Karl Koppold spielte an der Hammond-Orgel

 

 

Ich stelle mir Allein-Unterhalter immer als Mittfünfziger mit Schnauzbart vor, schlechte Haut vom Rauchen, Saufen und dem Schlafentzug, Frisur Mini-Pli. Es geht auch anders: Karl Koppold (Koppold ist die pfälzische Sprach-Version von “Kobold”) in mintgrünem Anzug griff in die Tasten mit schmachtendem Blick und beherzter Stimme, so dass der Saal bebte, schunkelte und mitsang. Zum Beispiel “Immer wieder Sonntags…“ von Cindy und Bert, obwohl die aus dem Saarland kommen.

 

Jetzt aber erst einmal ein fescher Gruß: WALD HEIL!

 

 

Nach Ski, Berg und Sieg jetzt eben auch: Wald Heil – warum nicht. Wir lasen dieses Motto über der PWV-Hütte Imsbach.(für Nicht–Eingeweihte, PWV = Pfälzer Waldverein). Diese (die Hütte) hat regulär erst ab Ostermontag geöffnet, aber der PWV-Ortsgruppen-Leiter hatte schon mal einen Lage Schnaps spendiert. Und die Aussicht von der Kupferberghütte auf die tolle Gegend um  Winnweiler herum ist sensationell. Ich konnte an der Hütte und in der Hütte kein WC finden, also versuchte ich mich in die Büsche zu schlagen, was angesichts der zur Zeit doch äußerst blattlosen Bäume nicht ganz so einfach war. Doch da entdeckte ich doch noch das grün gestrichene Toiletten-Gebäude. Kein Unisex-Lokus, sondern klar getrennt nach Mudder und Vadder. Pipi Heil!

 



Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus – Ich brach auf der Stelle in Tränen aus…

Geschrieben am um 8:30

Was ist geschehen? Etwas Furchtbares, Schreckliches, Monströses ist geschehen: Ich bin eine Wanderniete. Am Sonntag war ich beim sogenannten Wanderauftakt auf dem Pfälzer Höhenweg dabei. 16 Kilometer von Winnweiler nach Dannenfels. Alles war super: Der Weg, die Aussichten, das Wetter, die Mitwanderer. Wir hatten über die Hälfte der Etappe zurückgelegt, ich hatte mich den ganzen Tag immer mal wieder mit Annegret (Name von der Redaktion geändert) aus Landau in der Südpfalz unterhalten.

 

Plötzlich stutze Annegret, schaute auf meinen rechten Fuß, hier im Bild:

 

 

Annegret schaute skeptisch, sie schaute entsetzt und konstatierte: “Sie laufen krumm, der rechte Fuß wird beim Wandern höher als der linke gezogen und schlenkert nach außen. Ich sehe das, ich arbeite im Krankenhaus in der Ortho – der Orthopädie.” Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen. Aber nach dieser Ansage war ich sprachlos. Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich hatte immer gedacht, ich wäre ein Top-Wanderer, ich bin 82 Kilometer am Stück gewandert, ich habe die Watzmann-Ostwand durchstiegen, ich bin durch die Sahara gewandert. Und jetzt wird mir eine Art Wanderbehinderung unterstellt? Andrack der hinkende Wanderpapst? Ich höre es schon tuscheln: “Ja klar, links wandert er wie der Teufel, aber was macht er  da nur mit dem rechten Bein?” Muss ich jetzt alle Wandertitel zurückgeben, bekomme ich schon meinen Wander-Ehrensold, soll ich abdanken? Ich muss schleunigst zu Dr.Junker, meinem Ortho(päden) in Saarbrücken, ich brauche Klarheit. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Oder vielmehr, äh,  nicht auf dem Laufenden, sondern auf dem Hinkenden…

Für heute bin ich mental zu geschwächt, weiter zu schreiben. In den nächsten Tagen gibt es weitere Highlights vom Wanderauftakt in der Nord-Pfalz



Der Nette-Schiefer Pfad, ein netter Traumpfad? – Teil 1: Die Stärken

Geschrieben am um 12:54

Von Rainer Brämer habe ich gelernt, dass ein Premiumwege-Scout eine ordentliche Stärken/Schwäche-Analyse vornehmen muss, um die Chancen auf eine Premium-Zertifizierung beurteilen zu können. Ich bin nun den Nette-Schiefer-Pfad in der Nähe von Mayen in der Osteifel gewandert. Was wollt Ihr zuerst hören, die guten oder die schlechten Nachrichten? Bitte? Okay, zuerst die Stärken…

Ganz stark…

… sind die meisten Pfade. Das ist ganz großes Kino, das rheinische Schiefergebirge zeigt sich von seiner attraktivsten Seite. Ein paar Mal hat man ein regelrechtes Achterbahn-Feeling, wenn man einen Bergsporn entlangeht und sich fragt, ob einen nun bald der gähnende Abgrund erwartet – aber im letzten Moment wird dann doch noch ein Pfad abwärts sichtbar.

Ganz stark…

… sind auch die Infotafeln am Wegesrand. Da hat sich ein Bürger von Trimbs, dem Start- und Zielort des Traumpfads, so richtig Mühe gemacht: Vorbildlich. Man erfährt eine Menge, zum Beispiel über eine in Stein gehauene Treppe, die schon 3.000 bis 3.500 Jahre alt sein soll. Sagt einer, der es wissen muss…

Ganz stark…

… sind die Blicke ins Nette-Tal, oft schön frei geschnitten, vor allem zum spektakulären Eisenbahnviadukt

Ganz stark…

… sind auch die sehr – bitte verzeiht den billigen Kalauer – netten Pfade unten an der Nette. Großartig, sehr stimmungsvoll.

Nun könnte man also, wenn man sich nur die Stärken anschaut, meinen, dass die stolzen 70 Punkte, die das Deutsche Wanderinstitut für diesen Weg vergibt, voll in Ordnung wären. Aaaaber, es gibt wirklich fundmentalen Schwächen des Nette-Schiefer-Pfades, die einen überaus faden Beigeschmack nach dem Wanderlebnis hinterlassen. Dazu übermorgen mehr…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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