Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinsichten und Weinsprüche, Akkusativ und Ablativ

Geschrieben am um 6:23

Es gibt ja im Reiche der Önologie, der Weinwissenschaft, einen Haufen Wettbewerbe, Auszeichnungen, Kammermünzen, was weiß ich. 2020 hat das Deutsche Weininstitut die schönsten Weinsichten in allen 13 Anbaugebieten wählen lassen.  Weinsicht, das bedeutet nicht der Blick ins Glas. Etwas korrekter – aber auch komplizierter – wäre der Wettbewerb mit Schönster-Weinberge-Ausblick umschrieben. Egal. Auf jeden Fall habe ich in der Pfalz die schönste Weinsicht am kleinen Kalmit im Weinort Ilbesheim genossen.

 

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Am Ortseingang von Ilbesheim steht:

Verlieb dich in Ilbesheim

 

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Ich war irritiert. Ist in diesem Fall Ilbesheim Ablativ-Objekt (wo verliebe ich mich?) oder Akkusativ-Objekt (in wen oder was verliebe ich mich?)

 

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Bevor ich darauf keine Antwort habe, kann ich auch die Frage auf dem Schild am Ortsausgang nicht beantworten.

Bleiben wir beim Thema Wein-Semantik. Ich liebe ja Weinsprüche. So wie diesen…

Wo ich geh und steh,

tun mir die Knochen weh!

Aber wenn ich sitz und sauf,

hörn die Schmerzen auf!

 

Oder auch, nicht so ganz gender-korrekt, diesen …

 

Alter Wein und junge Weiber, das sind die besten Zeitvertreiber.

 

Aber ich finde, dass man aus Suchtpräventionsgründen diesen Spruch, den ich in Cochem an der Mosel sichtete, nicht mehr gutheißen kann:

 

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Wundersame Bergwelten

Geschrieben am um 6:23

Auch an der Mosel gibt es steile Berge, jawohl! Wer schon einmal über naturbehauene Schiefertreppen, schmale Pfade und Serpentinen in Cochem hinauf zum Pinner Kreuz Gestiegen ist, kennt die alpinen Herausforderungen des Mittelgebirges. Kein Widerspruch!

 

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Wie heißt es im Holländischen so schön: „Iem gouden bergen beloven“, zu deutsch: jemandem goldene Berge versprechen. Irgendwer hat diesen Holländern also vom Pinner Kreuz erzählt, in Corona-Zeiten wandern sie dort verstärkt umher, aber unglaublicherweise sehen die alle total frisch aus, sehr unverschwitzt. Das mag an einer technischen Errungenschaft liegen, die in den Niederlanden Stoeltjeslift heißt.

 

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Ein wenig die Mosel hinunter, Richtung Cochem, sah ich am Berghang merkwürdige Bauten, die aussahen, als hätten Außerirdische, wie sie Erich von Däniken beschrieb, dort als Landestation für ihre Ufos installiert. (Auch die Pyramiden von Gizeh wurden ja laut Däniken als eine Art Landebahn von Außerirdischen gebaut.)

 

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Ich hatte allerdings keine unheimliche Begegnung der dritten Art, musste allerdings zur Kenntnis nehmen, dass es eine mir vorher unbekannte Sportart gibt: Berggolf.

 

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Noch unbekannter ist eine Sportart, deren Namen mir noch nicht einmal geläufig ist. Unterhalb des Belchengipfels sah ich beim Überqueren einer Straße zwei behelmte Menschen. Der eine stellte sich auf ein Skateboard, der andere nahm Schwung und legte sich mit dem Rücken flach auf eine Art Rodelschlitten auf Rädern. Dann heizten die beiden Wahnsinnigen in mörderischem Tempo die abschüssige Straße hinunter.

 

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Am wundersamsten finde ich in deutschen Mittelgebirgen, wenn Wanderer an steinreichen Stellen ganze Armeen von Steinmännchen errichten (ist das gendermäßig korrekt, müsste es nicht auch Stein*menschlein geben?)

 

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Merkwürdigerweise erzeugen diese Steinmännchen bei mir sehr große Aggressionen. Ich würde am liebsten wie ein Berserker die Dinger kaputttreten. Woher kommen diese negativen Gefühle? Das erinnert doch stark an ein Kleinkind, dass die mühevoll errichteten Bauklotztürme der anderen Bälger zerstören will. Vielleicht mag ich diese Steinmännchen nicht, weil die wirklich einzige sinnvolle Begründung, so ein Ding zu bauen, die Funktion eines Wegweisers im Hochgebirge ist. Wenn allerdings nicht ein Steinmännchen, sondern Dutzende am Hang herumstehen, obwohl ich auf einem unverlaufbaren und bestens markierten Premiumweg gehe, dann ist das so dermaßen sinnlose Natur-L’Art pour L’Art, dass ich wütend werde, man möge mir das verzeihen. Ich denke, ich mache eine Steinmännchen-Therapie. Andererseits las ich kürzlich in der FAZ, ich zitiere: „Selbst in der Natur gibt es kein Entrinnen: Kann man noch irgendwo wandern, ohne dass jemand vor einem einen dieser Steintürme am Wegesrand hinterlassen hat? Was Liebesschlösser an Brücken sind, ist diese epedemisch gewordene Land Art für Anfänger außerhalb der Stadt. Naturschützer finden mit ihrer Aufforderung still zu halten, kaum Gehör. Obwohl unter den Steinen Insekten, Reptilien oder Spinnentiere Zuflucht nehmen und jeder Stapel ein kleines Ökosytsem zerstört.“ Ha, na also. dann doch lieber Steinmännchen zerstören und Ökosysteme ermöglichen, oder?



Begegnungsverkehr, Selbstkontrolle, Hoffnung für 2023

Geschrieben am um 6:23

Erster ganz heißer Favorit für das Unwort des Jahres: „Begegnungsverkehr“.

 

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Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man sich beim Verkehr, egal wie man Verkehr definiert, begegnet. In der U-Bahn begegnet man sich, entgegenkommende Autos begegnen sich, auch auf Fahrradwegen soll es schon zu Begegnungen gekommen sein. Genauso natürlich ist eine Begegnung auf Wanderwegen. Üblicherweise grüßt man fröhlich, zu Umarmungen und sexuellen Ausschweifungen bei diesen Begegnungen kommt es meines Wissens relativ selten. Weswegen man auch die Kirche im Dorf und die Begegnung zulassen sollte.

 

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Zumindest wenn man alles unter Kontrolle hat. Ich meine nicht das Weltgeschehen, das kann man nicht unter Kontrolle haben. Aber sich selbst sollte man schon kontrollieren können, oder?

Ich kontrolliere mich mal selbst: LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203. Kontrolle beendet, alles schön aufgeräumt im Oberstübchen!

 

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War nicht eigentlich die prinzipiell sehr lobenswerte Idee jedes Premiumwegs, für komplette Orientierung zu sorgen? Früher übrigens auch mit erlaubtem Begegnungsverkehrs. Aber wenn wie hier in der Nähe von Schloss Sayn Premium-Weitwanderweg, Premium-Traumpfad und Premium-Traumpfädchen ihr Recht fordern, wird es doch ein ganz klein wenig unübersichtlich.

 

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Da lobe ich mir doch klare Ansagen. Die Abkürzung des Cochemer Rittersprungs und das Finale des Endertwegs (immerhin Sieger Deutschlands schönster Wanderweg 2019) ist bis 2023 nicht begehbar. Da droht Gott sei Dank auch kein Begegnungsverkehr.

Eine ganz besondere Art von Begegnungsverkehr hatte ich auf der Traumschleife Heimat. Dort traf ich im Gebüsch einen Strohhutmenschen mit einem rot-weißen Trikot

 

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Das Trikot war auf links gedreht, aber man konnte den Namen des Vereins entziffern: TB Andernach. Nun gut, da hat sich also ein Fan oder Aktiver des TB Andernachs seines Trikots entledigt. Um was zu machen? Begegnungsgverkehr? Falsch. Die TB Andernach ist weltberühmt dafür, hervorragende Karate-Kämpfer in ihren Reihen zu haben. Im Wald oberhalb von Gehlweiler hat ein Kampf stattgefunden, der Karate-Mensch aus Andernach hat verloren und danach sein Trikot als Zeichen seiner Niederlage hinterlassen. So muss es gewesen sein!



Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 2

Geschrieben am um 6:23

Die Entscheidungen beim Wettbewerb „Deutschlands schönster Wanderweg“ sind gefallen. Auf den zweiten Platz kommt die Heimat. Genauer: Die Traumschleife Heimat. Warum Heimat? Eigentlich ist doch jeder Wanderweg ein Stück Heimat, zumindest für diejenigen, die vor Ort wohnen. Oder für alle Wanderer, die so gerne auf dem Weg wandern, dass sie immer wieder gerne zurückkehren. Für mich ist zum Beispiel der Lieserpfad eine Art Heimat. Was also ist das Geheimnis der Traumschleife Heimat?

 

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Ist das Highlight des Weges der Brunnen am Koppenstein, aus dem nach der Legende der Klapperstorch alle neugeborenen Kinder zog? Nein, das Highlight des Weges ist anderswo zu finden. Ich war nur irritiert. Alle Kinder hat der Klapperstorch dort rausgezogen? Wirklich alle Kinder der Welt? Der Brunnen scheint mächtig tief gewesen zu sein.

 

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Oder ist der Knaller des Weges die Burgruine Koppenstein selber? Nicht wirklich.

 

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Auch der großartige Blick ins nahe Naheland ist nicht das Highlight des Weges. Ich habe mich übrigens gefragt, ob es schon eine Ausblick-App gibt, die anzeigt, was man genau sieht, welche Berge, welche Ortschaften. Es gibt ja auch Lied-Erkennungs-Apps und Flugzeuge-über-mir- Erkennungs-Apps.

 

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Der Abstieg vom Koppenstein ins Simmerbachtal ist lang und steinig. Und oft steil, sehr steil. Und so langsam nähern wir uns dem Highlight des Weges.

 

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Normalerweise sind bei Premiumwegen Ortsdurchquerungen eher Pflicht als Kür. Vielleicht eine gute Einkehrmöglichkeit, aber eigentlich möchte man ja wieder in die Natur. In Gehlweiler ist das anders. Dort befindet sich das Hunsrück-Hollywood.

 

 

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Im Ort wurde die beste Fernsehserie aller Zeiten gedreht. Heimat von Edgar Reitz. Und vor allem dienten die Häuser und Gassen in Gehlweiler als Kulisse für den dreistündigen Film von Edgar Reitz „Die andere Heimat“. Ein Film-Epos, ein Meisterwerk. Siehe auch die Filmkritik in der FAZ von Dirk Schümer.

Dieser Film spielt in den 1840er Jahren, ein Film vor der industriellen Revolution. Diesen Film sollten alle Friday-for-Future-Fans sehen, denn er zeigt, wie scheußlich und unmenschlich das Klima vor der jüngsten Erderwärmung war.

 

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Die Häuser und Straßen sehen natürlich nicht mehr so aus wie in den 1840er Jahren, sie wurden sozusagen verkleidet, kostümiert. An vielen Häusern hängen – das ist sehr schön gemacht – die Fotos, wie das jeweilige Haus am Filmset aussah. Ich muss mir jetzt noch mal den Film daraufhin anschauen. Und ihr solltet Euch unbedingt diese Heimat anschauen.



Deutschlands schönster Wanderweg, Platz 3

Geschrieben am um 6:23

Seit 2004 gibt es die Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg. Der Wettbewerb wurde von Wandermeister Michael Sänger vom Wandermagazin erfunden und jedes Jahr am ersten Samstag im September auf der Tour Natur in Düsseldorf verliehen. Da es 2020 kein Bühnenprogramm auf der Messe gab, durfte ich den Preis für die Tagestouren in genialer Outdoor-Atmosphäre verleihen. Aber wer hat denn nun gewonnen?

 

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Auf Platz 3 kam – Trommelwirbel, Tusch, nein, Fanfare trifft es am besten – der Burgenstieg in Manderscheid. Manderscheid (meine Kinder nannten den Ort, wenn wir dort urlaubten, gerne Wanderscheid, ich glaube aber, sie meinten es nicht positiv), Manderscheid also ist mir über die Jahre zur zweiten Heimat geworden. Was hat diese Stadt nicht alles zu bieten: Ein Maarmuseum, ein Freibad, Top-Gastronomie (Heidsmühle! Grüße an Tobias), Top-Ferienbauernhof (Kapellenhof! Grüße an Familie Krämer), nicht zuletzt den schönen Kurpark.

 

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Dort startet der Burgenstieg. Man muss etwas suchen, bis man das erste Hinweisschild findet, denn auch Lieserpfad und Eifelsteig gehen am Kurhaus vorbei. Schnell verlässt man den Ort, geht über typisch lieserpfadige Wege (schmal, und immer um die Felsnasen herum) und hat schon bald die ersten Blicke auf das Top-Highlight von Manderscheid:

 

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Oberburg und Niederburg, so eng stehen zwei Burgen weltweit nicht beieinander, ein phantastisches Ensemble. Auf der einen Burg hockten die Trierer, auf der anderen die Luxemburger Junker, man belauerte sich, kalter Krieg im Mittelalter, Checkpoint Manderscheid.

 

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Fazit: Unbedingt mal hinfahren. Der Burgenstieg ist knapp sechs Kilometer lang, ist familienfreundlich, aber durch einige Höhenmeter auch durchaus anspruchsvoll. Für mich ist der Manderscheider Burgenstieg Deutschlands schönster Wanderweg. Der Herzen. Na ja, Bronze ist ja auch ganz schön, Hauptsache aufm Treppchen. Es soll ja auch tolle Fußballvereine geben, die nicht jedes Jahr deutscher Meister werden.



Die höchste Felswand

Geschrieben am um 6:23

Ich muss es immer wieder betonen. Das Schönste beim Wandern sind die überraschenden (Natur-)-Erlebnisse und die Vielfalt. Eine Wandertour sollte abwechslungsreich sein, in Patagonien können die anderen wandern. Sehr schön finde ich, dass auch keine Weinwanderung der anderen ähnelt. Man könnte ja denken, dass sich da viel wiederholt. Durch Weinberge gehen, einen guten Tropfen trinken, Heimfahrt.

 

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Aber dann ist da plötzlich an der Nahe dieser gigantische Steinbrocken. Der Rotenfels! 1.200 Meter lang, über 200 Meter hoch. Die höchste Felswand zwischen Alpen und Skandinavien, zwischen Matterhorn und den norwegischen Fjorden. Und… ja, unglaublich aber wahr, ich fahre gerade unten am Rotenfels im Zug vorbei, während ich über diese Weinwanderung schreibe. Tausendmal dran vorbeigefahren, mit der Vlexx von Saarbrücken über St.Wendel und Idar-Oberstein. Und kurz vor Bad Münster am Stein (mit dem Stein ist übrigens ein anderer Stein gemeint, der Grafenstein) erhebt sich dann der Koloss.

 

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Ich bin mit Marian auf der Vitaltour Rotenfels gewandert. Knackige 16,6 Kilometer, da braucht man schon einige Vitalität. (Kritisch angemerkt: Vitaltour finde ich als Wanderwegname etwas unglücklich, das hört sich an wie, Kurschatten oder einer Kur zum Abnehmen.

 

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Ein Teil des Premiumwegs verläuft durch Bad Kreuznach. Ich musste meine Vorurteile revidieren, denn ich hielt die Geburtsstadt von Julia Klöckner immer für das hässliche Entlein von der Nahe. Fehler, denn es gibt sogar eine ziemlich alte Stadtmauer …

 

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… und sogar sehr schöne Abschnitte der Nahe. Vielleicht doch den nächsten Urlaub in Bad Kreuznach buchen. Wie sich das für eine Weinwanderung gehört, habe ich mich – in Ermangelung von Gastronomie am Wegesrand (Coronabedingt geschlossen) vorab mit Wein versorgt.

 

 

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Im Weinort Traisen am Rotenfels hatte ich beim Weingut Beisiegel vier Flaschen gekauft. Einen Frühburgunder trocken (phantastisch!), einen Spätburgunder trocken und halbtrocken und einen Grauburgunder. Und so haben wir (ich hatte auch Käse und ein frisches Baguette dabei) als Edelpenner im Schlosspark von Bad Kreuznach eine großartige Weinprobe gemacht.

 

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In den Wäldern zwischen Bad Kreuznach und Rotenfels fanden wir in einer Schutzhütte eine Werbung für Wandern im Kaukasus. Nicht weit von der Nahe entfernt und die georgischen Weine sind auch recht ordentlich. Zum Abschluss gab es dann wieder spektakuläre Ausblicke auf die mächtigen Steinbrocken des Rotenfels. Eine absolute Must-Have-Wanderung.

 

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Hinkelstein und hüpfende Eichhörnchen

Geschrieben am um 6:23

Warum werden bei Premiumwegen keine Schönheitspunkte oder Fitnesspunkte verteilt, sondern Erlebnispunkte? Natürlich, weil man auf einem herausragenden Wanderweg etwas erleben soll, im besten Fall sollten die Erlebnisse über das Landschafts- und Naturerlebnis hinausgehen, das setzt man ja bei Premiumwegen neben optimaler Markierung und schönen Wegen sowieso voraus.

 

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Auf der Traumschleife Römer-Kelten-Pfad südlich von Trier (70 Erlebnispunkte!) erwartete ich also Erlebnisse aus der Zeit der Römer und Kelten, vielleicht ein Wagenrennen wie in Ben Hur, einen Gladiatorenkampf, irgend so etwas in dieser Richtung.

 

 

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Zunächst aber eine Sprunggrube für Wildtiere, ein etwas ungleicher Wettkampf, treten bei diesem Weitsprung doch Tiere von sehr unterschiedlicher Körpergröße an. Kein Wunder also, dass der Hirsch mit acht Metern den weitesten Hupfer macht. Aber der Gewinner an der Sprunggrube in Relation zur Körpergröße ist das Eichhörnchen.

 

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Vier Meter! Die Eichhörnchen im Hunsrück scheinen ja mächtige Sprungfedern unter den Pfoten zu haben. Vier Meter! Das schaffen unsere degenerierten und verwöhnungsverwahrlosten Eichhörnchen im heimischen Garten aber nicht. In einer Harald-Martenstein-Kolumne im ZEIT-Magazin lese ich gerade, dass die putzigen Eichhörnchen in den USA geschossen werden und dort „Hühnchen der Äste“ genannt werden. Und in ebendieser Kolumne lass ich mit Erstaunen: „Der Maler Toulouse-Lautrec aß häufig Eichhörnchen in Paris und beschrieb das Fleisch als erfreulich pikant.“ Wenn diese Sätze von Eichhörnchen gelesen werden, ist es kein Wunder, dass sie plötzlich vier Meter weit hopsen.

 

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Nächstes Highlight, ein Gräberfeld der Kelten. So ein Hügelgrab kommt meistens unscheinbar daher. Fast so unscheinbar wie der Hinkelstein am Wegesrand.

 

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Beim wackeren Obelix, das ist ja ein wahres Prachtexemplar von Hinkelstein, beim Zeus, Thor, Jupiter oder an was diese Kelten geglaubt haben. Ein richtig fein behauener Stein, so groß, dass ein Eichhörnchen seine Schwierigkeiten hat, drüber zu springen.

 

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Weder von den Römern, Kelten oder sonst einem unserer Vorfahren ist dieser Pfad erschaffen worden. Es ist ziemlich sicher ein Laub-Weg. Achim Laub, der Erfinder der meisten Traumschleifen, ist Experte für die Neu-Anlegung von schönen Wanderpfaden. Man sieht links im Bild die breite Forststraße, rechts davon den schön sich schlängelnden Pfad, der neu in den Wald gefräst wurde.

 

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Ein weiteres Highlight des Römer-Kelten-Pfads, auf alle Wegweisern angekündigt, ist eine alte Römerstraße. 11,4 Kilometer ab dem Start habe ich auf den Weg römischen Ursprungs gewartet. Und als ich die Römerstraße erreichte, sah ich ziemlich schnell als interessierte Laie – das ist ja keineswegs eine Römerstrasse, sondern eine neuzeitliche Handelsstraße mitten im Wald. Woran man das erkennen kann? Nun, da muss ich etwas weiter ausholen, das gibt einen eigenen Blog, nächste Woche.



Zum Wohl die Pfalz

Geschrieben am um 6:23

„Geiz ist geil!“, „Nicht Sauber, sondern rein“, „Herr Kaiser, der Mann von der Hamburg-Mannheimer.“ So bekannt wie diese Werbesprüche ist „Zum Wohl die Pfalz“ noch nicht. Aber es beschreibt – oder ist das jetzt schon rassistisch? – die Mentalität der Pfälzer schon ganz gut. Egal ob sie Versicherungen verkaufen, als Bademeister oder als Erzieherinnen tätig sind, am Ende des Tages heißt es in der gesamten Pfalz – Zum Wohl!

 

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Ich habe unlängst eine neue Etappe des sehr abwechslungsreichen Pfälzer Weinsteigs in Angriff genommen. Von Klingenmünster nach Bad Bergzabern. Klingenmünster klingt schon nach Mittelalter, Tjost, Lanzen, die auf Rüstungen prallen. Folgerichtig starteten wir (wer wir sind, dazu gleich mehr) auf der Stauferburg Landeck oberhalb von Klingenmünster. Mit einem deftigen Essen. Und merke: Auf einer Weinwanderung sage stets zum Start Wohl die Pfalz, damit nicht auf der Rückfahrt Du brichst Dir den Hals.

 

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Mit von der Partie waren Dirk Schümer (der Mann mit dem Hut hinter mir) und seine Frau Birgit. Schümer war zu Recht etwas beleidigt, dass ich ihn in meinem nächsten Buch als einen der besten Journalisten Deutschlands bezeichnet habe. Was heißt „einer der“? Und warum nur Deutschland? Auf jeden Fall ist Schümer nicht nur ein toller Typ, kann über fast jedes Thema unterhaltsam erzählen, sondern schüttelt Schüttelreime sozusagen aus dem Ärmel.

 

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Völlig begeistert zeigte sich das Ehepaar Schümer von meinem Weinwanderequipment. Nicht nur die Kühlmanschette (diese habe ich übrigens dereinst als Geschenk vom derzeitigen DFB-Präsidenten erhalten) für den Weißwein (vom Weingut Rapp aus Dörrenbach) war am Start, sondern auch ein Set aus zusammenschraubbaren Plastik-Weingläsern. Savoir vivre, sage ich da nur. Übersetzt vom Isländischen ins Deutsche heißt das: Zum Wohl die Pfalz!

 

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RWW – gar nicht sooo schlecht

Geschrieben am um 6:23

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Es ist so eine Sache mit den Vorurteilen. Man denkt, die Schwaben seien faul, die Ostfriesen hochintelligent, alle Berliner Spaßvögel, die Bayern trinken nur Wein – aber dann stimmt das gar nicht! Genauso sollte man vorsichtig sein, Wanderwege in eine Schublade zu stecken. Der Rotweinwanderweg an der Ahr war für mich bislang ein absolutes No-Go. Die Vorurteile: Wanderautobahn, völlig überfüllt, alles asphaltiert. Das stimmt natürlich alles, aber nicht für jeden Abschnitt.

 

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Man sollte in Mayschoss starten. Nicht nur weil der Ort wunderschön ist und die Saffenburg wildromantisch, sondern auch, weil man sich in der ältesten Winzergenossenschaft der Welt (1868 gegründet , nicht zu verwechseln mit einem Jahrgang) in Mayschoss eine schöne Wegzehrung für eine zünftige Weinwanderung mitnehmen kann.

 

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Normalerweise mag der Wanderer es nicht, zu weit vorausschauen kann. Wenn man schon sieht, wo man den nächsten Kilometer gehen muss, deutete das (normalerweise) auf einen schnurgeraden Weg. Nicht so im Ahrtal, schön geschwungen schmiegt sich der RWW zärtlich an die Weinhänge – und alles unasphaltiert.

 

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Der Wegabschnitt zwischen Mayschoß und Dernau auf dem RWW ist sehr zu empfehlen, danach ist es nicht mehr so prickelnd. Also sollte man in Dernau auf den Ahrsteig wechseln. Dafür muss man aber sehr zügig die Brücke überqueren. Schlendern, trödeln, flanieren ist streng verboten.

 

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Schlimm ist es immer die Wahl zu haben. Keine Wahlfreiheit zu haben, das hat Angela Merkel kürzlich bezüglich der DDR hervorgehoben, kann auch ganz entspannend sein. Aber ich bin ja selber schuld – wenn man sich nicht zwischen einem trockenen und einem halbtrockenen Spätburgunder entscheiden kann, muss man eben beide trinken.

 

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Typisch Rheinländer. Aber lassen wir das mit den Vorurteilen.



Teuflische Zeiten

Geschrieben am um 6:33

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In Krisenzeiten braucht man immer einen Sündenbock. Im Mittelalter waren das Hexen und vor allem – der Teufel. Daher hat die Stadt Pirmasens in der Westpfalz den Teufelspfad angelegt. Wer weiß, vielleicht war ein teuflischer Hintergedanke eine Reminiszenz an den 1. FC Kaiserslautern, die teuflischen Betzebuben, die in der nächsten Saison leider in der vierten Liga spielen müssen, wenn es eine nächste Saison geben sollte.

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Der Teufelspfad macht vor allem in der Teufelsschlucht mit vielen schönen Felsen große Wanderlust. Durch diese hohle Gasse ist er wohl dereinst geschlendert, der Beezlebub, um sich sodann …

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… am Teufelsbrunnen mit einem Schluck kühlen Wassers zu laben. Irgendwie ist alles ziemlich teuflisch an diesem Wanderweg, daher gehe ich auch davon aus, dass der Gehörnte auch auf diesem …

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… Teufelsstein Platz nahm, um kommende Untaten, Schandtaten und Pandemien zu planen. Nun fragt man sich ja als geneigter Teufologe, wie er denn nun aussieht, der Dämon. Da der Typ wahnsinnig eitel ist (Todsünde!) hat er natürlich eine Holzskulptur nach seinem Ebenbilde anfertigen lassen …

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… die Teufelsstatue. Nicht gerade ein Adonis, dieser Höllenbaron. Irritierend ist auch, dass des Teufels Gemächt doch recht winzig erscheint …

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… der Teufelspenis ist wahrlich winzig geraten. Aber auf so einen Teufelspenis haben sich die Hexen nicht verlassen, dafür hatten Hexen („Hex Hex“) ja Hexenbesen. Nach der teuflischen Wanderung hatte ich mich auf eine schöne Teufels-Einkehr gefreut, …

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… die Teufels-Gaststätte hatte im Netz mit pfälzischen Köstlichkeiten geworben, wie zum Beispiel einem teuflischen Saumagen. Aber, Teufel noch mal…

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… das Teufels-Naturfreundehaus hatte teuflischen Ruhetag. Auch schon vor Corona. Also auf in den …

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… Teufels-Supermarkt mitten in Pirmasens. Mit teuflischem Hunger spürte ich ziemlich rasch …

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… die Wurst-Theke des Teufels auf und kaufte mir reichlich Saumagen. Schnell nach Hause ins Saarland (dehemm ist es doch am schönsten) …

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Und dort habe ich mir auf des Teufels Herd in der Teufels-Pfanne ein teuflisches Mittagessen bereitet.

Hurra! Darauf ein teuflischer Reim:

Saumagen aus der westlichen Pfalz,

schmeckt wie Bananen von Manni Kaltz


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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