Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wer achtzig Jahre vom Weine trinkt, als Greis erst in die Grube sinkt

Geschrieben am um 8:48

2017 habe ich viele sehr schöne Weinwanderungen in den 13 deutschen Weinanbaugebieten erleben dürfen. Dabei habe ich einige Sinnsprüche entdeckt, die ich Euch selbstverständlich nicht vorenthalten möchte.

 

DSCN0497

 

Natürlich spenden Fröhlichkeit und Sonnenschein auch der Nahe-Wein, der Pfälzer Wein, der Rheingau-Wein, der Franken-Wein, der Sachsen-Wein, der Unstrut-Wein, der Baden-Wein. Zum Beispiel. Aus Gründen der Ausgewogenheit, sollte ich das erwähnen. Nur bei drei-silbigen Anbaugebieten wie Rhein-hes-sen holpert der Reim ein wenig.

Hier ein eher rustikaler Wein-Spruch:

 

DSCN0339

 

Da klingt schon an, dass beim Weingenuss die Menge eine gewisse Rolle spielt. Das wird noch klarer bei folgender, sehr bekannten Weinsage.

 

IMG_5519

IMG_5517

IMG_5518

 

 

Interessant, dass die Menge mit Flaschen nicht mit Gläsern, sondern mit Flaschen angegeben wird. Aber über vier Flaschen gibt es keinen Tiervergleich mehr. Denn was sagt man über Gérard Dépardieu, der dem Vernehmen nach einen täglichen Weinkonsum von fünf Flaschen hat? Was soll das dann für ein Tier sein?

Aber wie auch immer man das Glas dreht, gilt doch auf jeden Fall das hier …

 

DSCN0496



Weinwandern auf dem Ahrsteig

Geschrieben am um 8:05

 

IMG_6019

 

Ich starte an der schönen Ahr in Kreuzberg. Weinberge sind in diesem Bereich des Ahrtals – noch – nicht zu entdecken, alle Hänge sind bewaldet. Schnell wird der Weg wirklich alpin. Nicht umsonst heißt der Ahrsteig Ahr-STEIG.

 

IMG_6027

 

Bei einigen Steigen in Deutschland, zum Beispiel beim Rennsteig, fragt man sich: Wo genau soll man da steigen? Aber auf dem Ahrsteig zwischen Kreuzberg und Altenahr muss man – oder vielmehr darf man – alpin wandern und steigen. Schmale, felsige Pfade am Berg, unter den Füßen der Schiefer, in den viele grobe Stufen gehauen wurde.

Ich erreiche das Schwarze Kreuz oberhalb von Altenahr, ein sogenanntes Unglückskreuz. Für alle Wanderer bedeutet diess Schwarze Kreuz nicht Unglück, sondern Wanderglück. Das Wanderglück, eine gigantische Aussicht auf die Burg Are oberhalb Altenahr zu genießen. Und es ist ein Glück, das Ahrtal wie eine Spielzeugeisenbahn vor sich liegen zu haben.

 

IMG_6028

 

Eine Modelleisenbahn übrigens, die nicht mit Tunneln geizt, denn im Ahrtal sind nicht nur Wanderer unterwegs, sondern auch Autos, Züge und jede Menge Radfahrer.

Vom Schwarzen Kreuz geht es auf steinigen Pfaden steil abwärts, an der Jugendherberge vorbei. Ich wandere durch den Straßentunnel und bald darauf ein Stück direkt an der Ahr entlang. Es ist interessant zu beobachten, dass am steilen Hang noch einige mit Trockenmauern terrassierte Flächen zu sehen sind, die früher voll mit Weinreben waren.

 

IMG_6022

 

Wahrscheinlich war der Anbau zu kompliziert und unrentabel, es hat sich einfach für die Winzer nicht mehr gelohnt. Mittlerweile hat sich die wilde Natur wieder ausgebreitet.

Seit dem Start in Kreuzberg ändert sich langsam der Charakter des Tals – schon bei der Aussicht vom Schwarzen Kreuz konnte man unweit der Burg erste Weinhänge entdecken. Je näher wir dem Rhein kommen, desto weniger Wald an den Hängen, dafür umso mehr Weinberge.

Hinter der Saffenburg oberhalb von Mayschoß wandere ich auf breiteren Wegen auf und nieder. Es ist schön schattig und ich gehe in halber Hanglage. Auf den nördlichen Ahrhängen sind zwischen Mayschoß und Rech verstärkt Weinberge zu sehen. Klar, der Wein mag es nicht schattig wie der Wanderer, sondern liebt die pralle Sonne in Südlage.

 

IMG_5985

 

Zwischen Rech und Dernau wandere ich gemütlich an der Ahr entlang. Der Ahrsteig ist zahm geworden, keine anstrengenden Höhenmeter mehr, reine Wander-Wellness. Ich lasse mir nicht die Möglichkeit entgehen, ein erfrischendes Fußbad in der Ahr zu nehmen. Das ist in anderen deutschen Flüßen, Mosel, Rhein, schon deutlich schwieriger, da kann man im Zweifelsfall in Ufernähe schon nicht mehr stehen. Dort steht einem schnell das Wasser bis zum Hals. Und ein Glaserl Wein muss bei einem Weinwander-Foto auch dabei sein. Das Glas kann man so schön versonnen anschauen, frei nach dem Hamlet-Motto: „Jetzt oder später trinken, das ist hier die Frage“. Ich genieße das großartige Gefühl, in der Ahr stehend Ahrwein zu trinken. Das ist Klasse, sehr zur Nachahmung empfohlen!

 

IMG_5975

 

Am Bahnhof in Dernau könnte theoretisch meine Wanderung enden. Aber nur theoretisch. Denn bei einer Weinwanderung gehört der abschließende Rundgang in einem Weinort zwingend dazu. Weinwandern ohne Wein ist nun mal wie eine Bergwanderung ohne Berge. In den Straßen von Dernau stoße ich auf ein Wandbild. Ich lese: Vinum ex Dernau. Vorbildliches Latein, Vinum, Vini, Vino ist ein Substantiv (Neutrum) und heißt Wein. Dernau heißt Dernau. Und „ex“ bedeutet nicht, dass man den schönen Spätburgunder von der Ahr möglichst schnell kippen soll, sondern dass der edle Tropfen eben aus Dernau kommt.

 

IMG_5967

 

Dernau ist eindeutig die Hauptstadt der kuscheligen Straußwirtschaften des Ahrtals. Sehr schön ist die Straußwirtschaft des Weinguts Schloßhof.

Über der Gasse hängt der klassische Reisig-Besen und ein umkränztes Weinglas. Eine ältere Dame kehrt den Bürgersteig vor der Straußwirtschaft und freut sich, dass ich den Besen fotografiere. Stolz sagt sie: „Ich bin die Oma von der Straußwirtschaft und der Besen ist noch von meinem Vater, ein 70 Jahre alter Besen also. Nächstes Jahr muss der aber weg, der ist sehr kaputt.“ Schade um das gute Stück.

Den rheinischen Einschlag finde ich als Kölner im Ahrtal total super. Das Rheinische (das Wort „Rheinische“ muss man mit Dampflokomotiven-SCH sprechen) ist in Dernau überall präsent: Zum einen der Dialekt der Einheimischen. Außerdem heißen die Straßen und Gassen Pötzjass, Kirchjass, Ühlejass. Ein schönes Jeföhl, über diese Jassen zu gehen. Und am Bahnhof von Dernau wehen zwei riesige Fahnen des 1. FC Köln. Herr-lisch!

 

IMG_6030



Weinwandern in Rheinhessen

Geschrieben am um 11:22

Ich wandere auf einem Premiumweg, gekennzeichnet mit einem geschwungenen, kleinen „H“, also einem KLEINEN „h“. Merkwürdig, ich wandere am Rhein, aber nicht auf dem Rheinsteig und auch nicht auf dem Hreinsteig. Ich wandere durch Weinberge, aber nicht durch Heinberge. Warum also „h“???

 

IMG_5794

 

Das kleine „h“ steht für die Hiwweltouren in Rheinhessen, vier kleine, feine Premiumwege südlich des Rheins im Dreieck von Bingen, Mainz und Alzey. Wobei die Region Rheinhessen nichts mit Hessen zu tun hat, dieses Bundesland beginnt erst nördlich des Rheins im Rheingau. Geografisch ungefähr alles eingenordet? Dann trinken wir jetzt erst mal den rheinhessischen Wein…

Es ist ja eine schon fast philosophische Frage, sozusagen eine philosophische Frage des Weinwanderns, ob man zuerst den Wein trinken sollte oder danach. Also: erst einmal das Produkt der Weinberge trinken und dann durch die Weinberge wandern, und zu denken, ah, mmmh, das habe ich also eben verkostet. Oder umgekehrt erst weinzuwandern und hernach sich die Wanderung noch mal über den Gaumen zu Gemüte zu führen. Ich habe auf der Hiwweltour Bismarckturm Variante Eins gewählt.

 

IMG_5761

 

Die Weine des Weinguts Gres im Weindorf Appenheim definieren sich ganz stark über den Terroir, das heißt über die Böden, in denen die Rebstöcke stecken, unfachmännisch gesprochen. Es gibt den Chardonnay vom Korallenriff, den Graubrugunder vom Loess und den Riesling von der Kreide. Weingut-Chefin Isabell Gres gibt mir einen Silvaner aus dem Muschelkalk ins Glas. Und damit das Ganze noch anschaulicher wird, legt sie ein Stück von dem Muschelkalk neben das Glas. das finde ich großartig, da wird das Weinerlebnis noch sinnlicher, (fast) alle Sinne sind beteiligt: Auge, Zunge, Geruch und eben auch die Haptik, denn man kann sich nicht nur ans Weinglas, sondern auch an den Muschelkalkstein klammern.

Mutter Gres ist in der Küche der Weinstube zugange („Herrje, der Gulasch ist uns angebrannt, riecht man das noch?“ – ehrlich gesagt nein, es duftet nur verdammt lecker) und zeigt mir aus dem Küchenfenster die Hundertgulden-Lage. Frau Gres sagt: „Da oben geht die Hiwweltour entlang, da wandern Sie gleich, und darunter ist die Hundert-Gulden-Lage.“ Hundert Gulden, ein stolzer Preis, schon Hildegard von Bingen hatte übrigens bei dieser Lage ihre Finger im Spiel, und der Papst Eugen III. auch.

 

IMG_5775

 

Ich wandere vom Appenheimer Ortsrand los und habe die legendäre Hundertgulden-Lage schnell erreicht. Und warum die Hiwweltouren Hiwweltouren heißen, erschließt sich auch sofort. Hiwwel, das sind im rheinhessischen Dialekt die Hügel. Und die sanft geschwungene hügelige Landschaft mit den vielen Weinfeldern und Weinbergen (keine Steillagen) ist eben typisch für die Region. Schon ungefähr einen Kilometer hinter Appenheim erreiche ich den Tisch des Weins…

 

IMG_5783

 

Eigentlich müsste dieser Tisch „Tisch der Weine“ heißen, denn er ist so lang, das minimum zwanzig Leute dran passen und die wollen doch nicht nur eine Flasche Wein trinken, oder? Gut, dass ich erstens alleine bin und den ganzen Tisch für mich alleine habe, und zweitens einen Riesling aus der Lage Hundertgulden dabei habe. Wie in der Pfalz (Eintrag vom 16. April) scheint es in vielen Weinbaugebieten Deutschlands Pflicht zu sein, ein Tischlein-Deck-Dich-Wunder für alle Weinwanderer parat zu haben. Wobei mir ein Weinschränkchen der Appenheimer Winzer direkt am Weg noch besser gefallen hätte.

Ich gehe weiter auf meiner Hiwweltour, bis ich oberhalb von Gau-Algesheim die Gaststätte Waldeck erreiche. Weil Spargelsaison ist, bestelle ich ein Spargelgericht mit regionalem Spargel und trinke dazu einen halbtrockenen Riesling vom Ingelheimer Winzer Prieß.

 

IMG_5815

 

Bevor ich anfange zu essen, habe ich eine Vision. Es gibt Menschen, die erkennen in einem Reibekuchen die Umrisse des Saarlands. Es gibt Menschen, die haben religiöse Visionen. Und ich sehe in meinem Spargelgericht eine Miniaturvision der rheinhessischen Landschaft. So wie sich der rohe Schinken über meinen Teller schlängelt, so prägt der Rhein die Landschaft und ist mit seinen jahrmillionen-alten Ablagerungen die Quelle für hervorragende Weinlagen. Der Spargel symbolisiert die leicht hügelig-hiwweligen Bodenwellungen, die Sauce Hollandaise sind die Weinberge mit ihren Reben. Nicht auf jedem Hügel vorhanden, aber auf fast jedem. Und die dicke Kartoffel steht für die wuchtigen Berge des Taunus, die man auf der anderen Rheinseite sehen kann. Man spricht im Zusammenhang von Rheinhessen oft von Verspargelung, weil Hunderte von Windrädern die Gegend verschönern. Übrigens sehe ich im Bereich der Hiwweltour Bismarckturm kein einziges Windrad.

 

IMG_5807

 

Direkt neben meiner Einkehr steht der Bismarckturm, nach dem diese Hiwweltour benannt ist. Dieser Bismarck muss schon ein doller Wandervogel gewesen sein, in ganz Deutschland stehen seine Türme rum.

Den besten Ausblick der Hiwweltour gibt es aber von einem Ort, der ziemlich gaga ist…

 

IMG_5820

 

GAGA Aussicht (GAGA steht für die „Gebrüder Avenarius Gau-Algesheim, Herr Avenarius war der Begründer einer Firma für Metallputzmittel) heißt der Traumblick Richtung Nordwesten. Für mich ist es ein Vier-Weinanbaugebiete-Blick. Wir stehen in Rheinhessen, Weinanbaugebiet Nummer Eins, zur linken Hand blicken wir in das Land der Nahe, Weinanbaugebiet Nummer Zwei, gegenüber schauen wir auf den Rheingau, Weinanbaugebiet Nummer Drei, und hinter dem Binger Loch kann man Weinanbaugebiet Nummer Vier, den Mittelrhein, erahnen. Ein knappes Drittel aller deutschen Weinanbaugebiete auf einen Blick, das ist Weltrekord!

Das Motto der Hiwweltouren ist übrigens „Quer Feld Wein“. Dem kann ich nur zustimmen. Man sollte aber ergänzen:

Beim Weinwandern in Rheinhessen

Die Weinprobe nicht vergessen.



Weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:49

Ab heute werde ich in lockerer Folge von meinen Weinwanderungen in Deutschland berichten. Das Deutsche Weininstitut hat mich beauftragt, als Weinwander-Botschafter die 13 Anbaugebiete Deutschlands zu erkunden. Ich beginne mit einer Wanderung auf dem Pälzer Weinsteig von Bad Bergzabern nach Schweigen-Rechtenbach an der französischen Grenze.

 

IMG_5469

 

Mittwoch Mittag, 13:00, an einem herrlichen Frühlingstag. Weinwanderer Andrack ist glücklich. Ich habe eine Weinstube im Dornröschen-Dorf Dörrenbach gefunden, die Weinstube zum Spundloch. Nach unglaublich strapaziösen fünf Kilometern auf dem Pfälzer Weinsteig war ich am Ende meiner Kräfte. und brauchte dringend eine Stärkung. Nach einer großen Portion Saumagen mit Sauerkraut plus Grauburgunder plus Gewürztraminer kam ich wieder zu Kräften und konnte weiter wandern.

Märchenhaft war der Witz, den ich in der Weinstube erlauschte: Kommt eine Fee zum Saarländer, der hat einen Wunsch frei und wünscht sich eine hohe Mauer um das Saarland als Schutz vor der Pfalz (Honecker und Lafontaine sind eben auch Saarländer). Puff, der Saarländer bekommt die Mauer. Auch der Pfälzer hat einen Feenwunsch: „Und jetzt bitte innerhalb der Mauern alles fluten“. So was muss man sich als Saarländer in der Pfalz anhören, echt fies.

 

IMG_5485

 

Auf der Wanderung blieb es märchenhaft. Im Pfälzer Wald muss man nur laut rufen „Tischlein Deck Dich“, schon wird eine herrliche Flasche Rotwein auf den Steintisch gezaubert. Das funktioniert aber nur in der Pfalz, denn dort gibt es das größte deutsche Rotweinanbaugebiet der Welt und da bleibt so manche Flasche guten Rotweins übrig.

 

IMG_5490

 

Am Stäffelsbergturm sehe ich, wie es zwei Wandersleute im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen hat. Haben die zu oft „Tischlein Deck Dich!“ gerufen und sind jetzt im Reich der Weinseligkeit? Ich vermute eher, dass die Aussicht auf das Rheintal die beiden umgehauen hat …

 

IMG_5492

 

Bis auf die gegenüberliegenden Schwarzwaldhöhen bei Karlsruhe kann man sehen, ein traumhaftes Panorama. Weiter ging es über die typischen, sandigen Kieferwaldwege des Pfälzer Walds. Der Witz am Pfälzer Weinsteig ist ja, dass man zum überwiegenden Teil im Wald wandert, umso schöner sind die Aussichtspunkte wie an der Ruine Guttenberg.

 

IMG_5510

 

Das ist schon interessant: die Geschichte der Gutenbergburg wird auf der Erklärtafel erläutert. Nur: Irgendwann wird aus der Gutenbergburg die Guttenbergburg. Sehr sehr verdächtig, wenn da nicht dieser ehemalige Bundesminister mit den gegelten Haaren seine Finger im Spiel hat. Kann sich noch jemand daran erinnern, dass der Guttenberg früher als Angie-Nachfolger gehandelt wurde? Und: Kann sich noch jemand erinnern, dass der Schulz früher als Angie-Nachfolger gehandelt wurde?

 

IMG_5520

 

Normalerweise würde ich sagen: Der Blick auf Schweigen wäre zum Niederknien. Aber bei so einem Ausblick sollte man eher: schweigen. Okay, blöder Kalauer. Nach 15 Kilometern habe ich mein Wanderziel in Schweigen-Rechtenbach erreicht, dort tummeln sich diverse Weltklasse-Winzer direkt an der französischen Grenze. Und zum Ende der Wanderung habe ich noch ein Erfolgserlebnis der besonderen Art:

 

IMG_5528

 

Mit einem satten Links-Schuß erziele ich ein spektakuläres Weintor. Der Jubel ist grenzenlos: Wein! Tor!



Traumschleife Nummer 94

Geschrieben am um 6:08

Traumschleife Nummer 94, Klingelfloß. Hört sich sehr interessant an, das macht mich neugierig. Ich starte am Restaurant Birkenhof. Ich habe das mal umgekehrt gemacht, erst Essen und Belohnungsbier schon vor der Wanderung. Das hat den Vorteil, dass man sich die überschüssigen. Kalorien direktemang wegwandern kann.

 

img_0793

 

Wenige Meter vom Birkenhof entfernt findet sich das Eingangsportal der Traumschleife. Die aus Holz geschnitzte Glocke soll wohl an die ominöse Klingel im Titel dieses Premiumwegs erinnern. Aber jetzt mal ehrlich? Wieso ist die Glocke denn aus Holz? Die klingelt doch gar nicht. Da kann man vielleicht gegenhämmern, aber doch nicht klingeln. Ich fände es hübsch, wenn eine supergroße Klingel dort angebracht wäre, und immer wenn ein Wanderer auf der Traumschleife geht, klingelt man. Und das ist dann so laut, dass man es auch in Kastellaun und Simmern hören kann.

Man muss es ganz offen sagen, auf den ersten beiden Kilometern der Traumschleife Nummer 94 muss man schon ein großer Fan der Windkraft sein, um diese Traumschleife umwerfend zu finden. Da klingelt nicht nur das Floß, sondern es rauscht auch das Windrad.

 

img_0795

 

Aber es gibt immer wieder wunderschöne Pfade, kleine Stege, Brückchen, einen schönen Bachlauf, verwunschene Nadelwälder, Fischteiche des nahegelegenen Klosters, alles sehr großartig.

 

img_0797

 

Highlight der Tour ist natürlich das namensgebende Waldstück Klingelfloß. Das ist einfach ein etwas merkwürdiger Flurname. Und am kleinen, feinen, uralten Teich, auf dem man ganz bestimmt kein Floß braucht, denn da kann man fast an’s andere Ufer springen, an diesem Teich also steht eine wunderbar altmodische Schutzhütte für die Waldarbeiter. Nach einem Vorbild aus den Karpaten gebaut.

 

img_0800



Wandern wie ein Römer

Geschrieben am um 8:23

Liebe andrackblog-Freunde, ich werde ab sofort einmal im Monat einen Blog über die Abenteuer mit meinen Bär-Wander-Schuhen bei andrackblog einfügen. Den bärschuhblog mache ich schon seit zwei Jahren, auch ältere Einträge könnt ihr Euch gerne anschauen. Und selbstverständlich kann ich Euch die Wanderschuhe von Bär und Joe Nimble nur wärmstens an’s Herz legen.

Kürzlich bin ich mit meinen Bär-Wander-Schuhen im ehemaligen römischen Besatzungsgebiet an der Mosel gewandert. Authentischer wäre es natürlich gewesen, mit römischem Schuhwerk zu laufen. Aber wer mein neues Buch „Schritt für Schritt“ gelesen hat, kennt meine schlechten Erfahrungen mit diese Sandalen (gleich dazu mehr). Immerhin muss man das ja den Römern lassen. Die haben schon vor ca. 2.000 Jahren „geschnallt“, dass die fünf Zehen an jedem Fuß Freiheit brauchen und nicht durch eine zu enge Schuh-Passform eingeengt werden dürfen. Bär hat dann diese grundsätzlich gute römische Idee noch etwas verfeinert.

Ich gehe also mit meinem Wanderkumpel Markus auf dem Moselsteig, einen wirklich sehr lohnenswerten Abschnitt zwischen Müden und Pommern, und wir erreichen nach einiger Zeit die alte römische Kultstätte auf dem Martberg, dem Berg des Gottes aller Schokoriegel: Mars. Wir waren schon reichlich unterhopft zu diesem Zeitpunkt, haben uns also sehr auf den Hinweis auf eine Taverne gefreut…

 

DSCF0996

 

… aber jetzt mal ehrlich, seit wann hat der normale Römer in einer Taverne Kaffee getrunken? Die hatten doch nicht den Kaffee auf, die haben sich doch vielmehr schläucheweise den Wein die Kehlen herab gestürzt. Es gibt ja die Theorie, dass die Römer den Limes genau an der Stelle platziert haben, an dem gerade noch Weinbau möglich war. Das restliche Germanien konnte denen gestohlen bleiben: Kein Wein, kein Gesang, keine Lebensqualität. Noch viel größer war unsere Enttäuschung, als wir am Archäologiepark auf dem Martberg ankamen und überhaupt keine Taverne vorhanden war. Das Hinweisschild war ein Fake gewesen, ein verspäteter Aprilscherz! Gut, dass ich immer ein Notration Mini-Bierdosen im Rucksack dabei habe…

 

DSCF0989

 

Eine 135 cl-Dose, da wird selbst ein Kölschglas zum Riesenhumpen. Ich habe die Dosen netterweise von Bär-Schuh-Chef Sebastian Bär geschenkt bekommen. Er hat sie mir von seiner letzten Japan-Reise (Japaner sind verrückt nach Bär-Schuhen!) mitgebracht. Am besten schmeckt das japanische Bier aber vor der Weltklasse-Kulisse des Moseltals. Nachdem unser Durst gestillt war, haben wir uns endlich den römischen Bauten zugewandt …

 

DSCF0998

 

Das sind alles Nachbauten, man kann aber ganz gut das römische Flair nachvollziehen. Wir wandelten zum Beispiel in der Wandelhalle und uns wurde schlagartig klar, wie das römische Reich jahrhundertlang den europäischen Kontinent beherrschen konnte: die Römer sind oft gewandelt, und beim Wandeln sind ihnen die besten Ideen gekommen, da hatten Germanen und Gallier (Ausnahmen bestätigen die Regel) wenig entgegen zu setzen. Etwas ratlos standen wir dann vor dem Tempel …

 

DSCF1001

 

… ratlos, weil der Tempel den Namen „Tempel K“ trägt. Wieso denn K? Wer wird da verehrt? Temple M wäre naheliegend gewesen auf dem Martberg, Tempel B hätte ich auch noch verstanden, wegen Bacchus und so. Aber Tempel K? Welcher Gott fängt denn mit K an? Keptun? Kupiter? Kapoll0? Schon aus Prinzip kannte der Römer an sich überhaupt kein „K“. Die haben doch alles mit „C“ geschrieben: Cäsar, Cicero, Colonia Agrippina. Römerforscher, bitte helft mir!

Ich möchte aber noch mal auf’s Schuhwerk zurückkommen. In meinem Giftschrank habe ich zwei Fotos von meiner Wanderung in Legionärsklamotte (Schritt für Schritt, Malik, 19,99 €) gefunden. Nach wenigen hundert Meter fing die Römersandale an zu bröseln…

 

SONY DSC

 

… und irgendwann musste ich mit einer Art Fußbandage laufen. Mit Bär-Schuhen wäre das nicht passiert, da gibt es doch eindeutige Fortschritte gegenüber der Römerzeit. Übrigens: Wer mit mir auf dem großen und sehr empfehlenswerten BÄR-Sommerfest wandern will, kann sich einfach auf der BÄR-Homepage anmelden.

 

SONY DSC



Moselsteig, mein erstes Mal

Geschrieben am um 8:10

Ihr kennt mich doch inzwischen ein wenig oder? Meine Wandervorlieben und No-Gos. Aber das wird Euch doch vielleicht überraschen: Ich bin letzte Woche das erste Mal in meinem Leben auf dem Moselsteig gewandert. Unverzeihlich eigentlich, ich schäme mich auch ein wenig. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich dachte: Och, die Mosel, die kenne ich doch eigentlich wie meine Westentasche. Aber interessant: Schon wenn man das Wort „eigentlich“ benutzt, ist schon was falsch gelaufen in der Grundaussage. Natürlich bin ich nicht den kompletten Moselsteig gelaufen, 365 Kilometer, für jeden Tag des Jahres ein Kilometer, nix für mich. Also Häppchenweise. Und da verrate ich Euch jetzt mal ein absolutes Premiumhäppchen Moselsteig: Von Müden nach Pommern, 10,8 Kilometer, Moselsteig vom Allerfeinsten.

 

DSCF0995

 

Normalerweise gilt bei mir die alte Harald-Schmidt-Show-Regel: Keine Namenswitze. Aber auf dieser Etappe: Hallo! Wer nicht bei Pommern an den alten Dreißigjährigen-Weltkriegs-Hit vom Maikäfer denkt, dessen Mutter das Pommerland abgebrannt hat, der hatte doch keine Kindheit! Und natürlich war ich extra mit ordentlich Schlafdefizit in Müden angekommen, bei dem Ortsnamen! Und dann sind wir erst mal aufwärts gewandert, mein Kumpel Markus und ich, hoch über die Mosel Richtung Karden.

 

DSCF0975

 

Ohne die Kletterseile hätte es Markus fast nicht gepackt, Lebenshilfe Hilfsbegriff. Aber wir haben es dann doch irgendwann zum Schutzheiligen von Karden geschafft, dem Herrn Castor. Den kannte ich bisher nur als prekär beschäftigten Lohnarbeiter bei dubiosen Atommüll-Transporten. Oder als Zwillingsbruder von Pollux. Aber oberhalb der Mosel steht der heilige Castor aus Karden so herzig grinsend, dass ich den guten Mann einfach knuddeln musste.

 

DSCF0994



Frau Holle

Geschrieben am um 7:37

Es war einmal eine Traumschleife in der Nähe von Reinsfeld im südwestlichen Hunsrück. Dort kann man sich auf die Suche nach der gar mystischen Frau Holle begeben. Aber siehe da: Ein Haufen Jäger scheint sich auf den Weg gemacht zu haben, um den Bösen Wolf umzunieten.

 

DSCF8759

 

Aufgestachelt von der Mutter der sieben Ziegen und der Oma des Mädels mit der roten Mütze hat sich eine Meute von wilden Waidmännern aufgemacht, um dem armen alten Wolf den Garaus zu machen. Ich habe den einsamen Wolf gesehen und ihm geflüstert: Verschwinde, bevor es zu spät ist, wandere aus, aber schnell…

 

DSCF8762

 

Aber die Frau Holle, die habe ich immer noch nicht gesehen. Allerdings konnte ich Spuren einer ihrer zwei weiblichen Azubis sehen. Die Pechmarie, bekanntlich extrem faul, hatte natürlich nichts hinterlassen. Dagegen die Fleißmarie! Die hatte so viel Holz vor der Hütte, dass das wahrscheinlich für sieben milde Winter reicht!

 

DSCF8772

 

Aber immer noch keine Spur von Frau Holle. Keine Schneeflocke, kein Federkissen, wo war die gute Frau denn? Kurz vor Ende der kurzen Rundtour dann die Auflösung: Die Felsformation am Wegrand war die berühmte Frau Holle, versteinert eben. Nur – tragisch eigentlich – auch auf Frau Holle scheint eine Treibjagd stattgefunden zu haben. Denn es ist eindeutig ein Totenkopf, der den Traumschleifen-Wanderer felsig anstarrt.

 

DSCF8773

 

Ich schlage daher eine Umbennung der Traumschleife vor: „Mausetote Frau Holle“ wäre der passende Name. Nur endet dann das Märchen leider nicht mit den Worten: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“



Die Traumschleife Domblick

Geschrieben am um 7:22

Als Kölner im Saarland werde ich oft gefragt, ob ich nicht meine Heimatstadt vermisse, die Colonia Ara Agrippinnensium und den Blick auf den Dom? Jaaaaaa, ich vermisse den Dom, das schönste Bauwerk der WELT, ich will ständig zo Foss noh Kölle jonn! Ich war wirklich froh/glücklich/überwältigt, dass es jetzt auch eine kölsche Traumschleife namens Domblick gibt.

 

IMG_0783

 

Handtuchgroße Hinweisschilder zeigten mir den Weg. Eigentlich nicht nötig, denn aus fast allen Himmelsrichtungen kann man die 157 Meter hohen Domtürme ganz gut erkennen. Nun muss man noch erwähnen, dass ich zu meiner Wandertour zum Dom in aller Frühe aufgebrochen war, ich war sozusagen mit den Hühnern aufgestanden.

 

IMG_0779

 

Daher lag eine unheimliche und frische Morgenlandschaft vor mir, menschenleer wie der Kölner Bahnhofsvorplatz in den frühen Morgenstunden. Aber vom Dom immer noch keine Spur, merkwürdig. Die Domblick führten mich zu einem Gotteshaus …

 

IMG_0784

 

… aber, da muss man jetzt mal ehrlich die Kirche im Dorf lassen, das konnte nun wirklich nicht der Dom sein. Ein Dom muss einen zwei Türme haben, das wurde spätestens auf dem Konzil von Ephesus festgelegt. Aber dann sah ich ihn, den Dom …

 

IMG_0787

 

… den Hunsrück-Dom von – Ravengiersburg. Na ja. So eine Art Dom-Methadon. Eine Dom-Nikotin-Kaugummi. So prickelnd wie alkoholfreier Champagner. Muss ich wohl noch weiter zo Foss jonn.



Aus dem Maschinenraum eines Premiumwegs: Die Traumschleife Marienberg in Boppard

Geschrieben am um 6:50

Als Wanderer kennt und schätzt man die hohe Qualität der Traumschleifen. Diese Qualität ist aber nicht ohne harte Arbeit zu haben. Wer denkt, man müsste für so einen Premiumweg nur ein paar bunte Schildchen an die Bäume nageln, der irrt. Gewaltig. Denn selbst in Boppard, in einer Gemeinde, die ordentlich von der landschaftlichen Muse geküsst wurde, ist die Kreation einer Traumschleife kein Kinderspiel.

Boppard hat bislang sechs Traumschleifen, am 20. September wird eine siebte eröffnet, die Traumschleife Marienberg. Der Clou ist: Ich durfte bei einer Arbeitswanderung einige Monate vor der Eröffnung des Premiumwegs teilnehmen. So erhalte ich Einblick in die Arbeit im Maschinenraum einer Traumschleife, dies ist also quasi ein Making-Of-Report. Bei der Arbeitswanderung dabei sind der BBB (Bopparder Bürgermeister Bersch), Ortsvorsteher Strömann, Verantwortliche vom Bauhof, einige Premiumweg-Experten und der Revierförster Ralf Kerber. Wir starten im Park des ehemaligen Klosters Marienberg. Kleiner Insider-Tipp: Wer ungefähr 20 Millionen Euro übrig hat, darf das Kloster erwerben und renovieren, das ist eine Top-Immobilie! Dann wandern wir das Bruder-Michels-Tal hinauf. Förster Kerber betätigt sich immer wieder als Graffiti-Künstler, allerdings fallen seine Sprüh-Aktionen sehr monochrom aus.

 

DSCF9241

 

Immerzu sprüht Kerber orange Graffitis: Pfeile, Buchstaben, ein „A“. Das „A“ steht nicht für „Anarchie“, ganz im Gegenteil, es soll ja ordentlich zugehen auf der neuen, 10,4 Kilometer langen Traumschleife. Das „A“ steht vielmehr für eine „Aussicht“. Denn ein dichter Wald ist ja schön und gut, aber manchmal müssen auch mal ein paar Bäume weg genommen werden, um Blickachsen Richtung Rhein zu eröffnen. An dieser Stelle möchte ich mal mit dem Missverständnis aufräumen, der Wald in Deutschland würde immer mehr verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall: Noch nie in den letzten 1.200 Jahren gab es mehr Waldflächen als aktuell. Und aus dem Holz der Bäume kann man ja vielleicht eine ganz schicke Bank schnitzen. Bänke, das ist immer wieder das Stichwort für den BBB. Mike, der Bauhof – Vorarbeiter mit dem Klemmbrett, kommt kaum hinterher, die ganzen Standorte zu notieren, die sich der BBB wünscht. Auf dem folgenden Fotodokument hält der oberste Banken-Berater von Boppard, Bürgermeister Bersch, wieder Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für ein weiteres Ruhemöbel …

 

DSCF9238

 

Man kann auf dem Foto auch schön sehen, wie die Vorarbeiten des Bauhofs ausgesehen haben: Mit Hacke, Schaufel und Muskelkraft ist ein neuer Pfad entstanden, der wunderschön am Hang entlang führt. Man sieht allerdings auch, was noch zu tun ist: Die neuen Treppenstufen sind zusätzlich mit Holzlatten abzusichern, damit die Stufen stabiler sind. Das Verrückte ist: Schon nach wenigen Monaten, wenn der Weg durch viele Wanderer genutzt wurde, wird dieser neu angelegte Pfad aussehen wie ein jahrzehntealter Trampelpfad.

Dann haben wir es aus dem Mittelbachtal hinauf geschafft bis zu einer Aussichtsplattform, und dort oben muss man gar keine Bank mehr installieren – da steht schon eine.

 

IMG_0995

 

Die Bank trägt eine Nummer: 174. Das ist die Bank Nummer 174 des VVV Boppard (VVV ist die Abkürzung für Vitaler Verschönerungs Verein). Der VVV hat alle 689 Bänke in der Gemeinde Boppard durchnummeriert, in Kataster verzeichnet, und – was das Wichtigste ist – geklont. Das heißt: In einer riesigen Lagerhalle in Boppard stehen alle 689 Bänke identisch noch einmal, und wenn eine Bank im Wald wegen Altersschwäche oder Vandalismus schwächelt, wird sie ruckizucki ausgetauscht. Großartiges Prinzip! Wenn man genau hinschaut, sieht man auch die dunstige Aussicht auf Boppard und die kleine weiße Kirche mit den Doppeltürmen, St. Severus.

 

IMG_1296

 

Eben diese Bopparder Kirche St.Severus wird am 19. Juli 2015 offiziell zur Basilika „erhoben“, wie das der katholische Amtsschimmel nennt. Warum St.Severus zu dieser Ehre kommt, weiß selbst Bürgermeister Bersch nicht so genau. Aber er hat eine Theorie, und die geht so: Rückblende – wir schreiben das Jahr 1985, ein nicht mehr ganz so junger Priester aus Argentinien verbringt zwei Monate im schönen Boppard am Rhein und erlernt dort die deutsche Sprache am Goethe-Institut. Der argentinische Priester wohnt zur Untermiete bei Familie Schmidt. Fremdsprachenkenntnisse kann man immer gebrauchen, vor allem wenn man Herr Bergoglio heißt und fast dreißig Jahre später Papst wird. Nun, so die Theorie von Walter Bersch, kann es nicht mehr lange dauern, bis der Papst höchstpersönlich die Bopparder Stadtkirche zum Dom macht.

Ein fast ein biblisches Wunder habe ich oberhalb des Bopparder Ortsteils Buchenau fotografiert:

 

IMG_1008

 

Dort vereinigen sich in fast schon unzüchtiger Manier eine Eiche und eine Buche. Da hat sich die Eiche den Merksatz „Buchen sollst Du suchen“ zu Herzen genommen. Es ist nur so: die Buche konnte nicht schnell genug weg, denn die wusste ja auch: „Eichen sollst Du weichen…“ Fanatische Bopparder interpretieren diese Naturwunder ganz anders: Die stolze Eiche, das sei Boppard, und die Buche symbolisiere Bad Salzig. Beide Orte sind ja nun in der Gemeinde Boppard vereinigt, aber mental noch nicht so zusammen gewachsen wie diese beiden Bäume.

Wir wandern Richtung Rhein, erreichen das Hochplateau Eisenbolz. Weiter geht es arbeitswandernd oberhalb des Rheins Richtung Boppard zurück auf einem sensationellen, neu angelegten Pfad.

Wenige Kilometer, bevor wir wieder im Park des Klosters Marienberg ankommen, geht es schließlich in Hanglage an einer verfallenen Hütte vorbei. Dort hat sich der national bekannte Verbrecher Dieter Freese 1989 für einige Zeit versteckt gehalten. Es wird diskutiert, ob dieser für einen Wanderweg sehr schräge Ort mit einer Info-Tafel versehen wird oder nicht. Ergebnis bei Redaktionsschluss noch offen. Ich habe mich aber mit Bauhof-Vorarbeiter Mike vor der Hütte ablichten lassen, denn Mike ist der Neffe eines Polizisten, der den Ganoven mit Hilfe seines Schäferhundes geschnappt hat. Kriminalgeschichte pur an einer Traumschleife!

 

IMG_1034

 

Jetzt fragt sich der geneigte Leser natürlich: Hat sich der feine Herr Andrack überhaupt auch nützlich gemacht bei dieser Arbeitswanderung oder hat er immer nur mit weit offenem Mund staunend daneben gestanden, wenn die großen Entscheidungen anstanden: Bank oder nicht Bank, Infotafel oder nicht, Aussichtspunkt oder Sinnenliege? Klar habe ich zum Erfolg der Traumschleife Marienberg beigetragen. Ich habe mich einfach mal hingesetzt, auf eine Schiefermauer.

 

IMG_1021

 

Und da haben alle gerufen: Genial! Super!! Grandios!!! Da machen wir keine Bank hin und auch keine Sinnenliege, sondern wir nageln einfach einige Holzlatten auf den Schiefer, schon haben wir eine prima Bank mit Blick auf Vater Rhein. Eine „Andrack-Bank“, wenn ich das mal in aller Unbescheidenheit sagen darf. Viel Spaß auf der Traumschleife Marienberg mit all ihren Bänken und Aussichtspunkten!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.