Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinwandern auf dem Moselsteig

Geschrieben am um 6:23

Am 13. und 14. April findet traditionell die Weintour in München statt, letztes Jahr war die erste Veranstaltung. (ihr wisst, für die Kölner ist alles, was zum zweiten Mal stattfindet, Tradition, ab dem dritten Mal nennt man es – Brauchtum). Kurz zur Weintour: das ist die einzige deutsche Weinmesse, die die Weine und Winzer der 13 deutschen Anbaugebiete präsentiert. Mit wenigen Schritten kann man von Sachsen in die Pfalz, von Baden zum Mittelrhein wandern und Weine verkosten. Ein einmaliges Erlebnis!

 

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Im letzten Jahr lernte ich Volker bei der Weintour in München kennen. Ich fand es sensationell, dass wir uns schon in der Messehalle für eine herbstliche Weinwanderung an der Mosel verabredeten. An der Rabenlay bei Hatzenport traf ich den dynamischen Münchener (der kein Bier mag!) mit seinem Kumpel Thomas, die beiden waren schon eine Weile unterwegs auf dem Moselsteig. Nach den ersten Kilometern (ohne Wein) dürstete es uns und im Dorf Moselsürsch entdeckte Volker im Innenhof eines Handwerkbetriebs einen Wasserhahn. Dort würde er sich Wasser abfüllen, sagte Volker, das würde er auf Wanderungen immer so machen, natürlich nicht ohne zu fragen.

 

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Was folgte war eine äußerst interessante Unterhaltung mit Schreinermeister Oster, der auch noch mit über 80 Jahren jeden Tag mit Säge und Hobel werkelt. Eines seiner Bauwerke, die Holztreppe zum Ausoniusstein, haben wir einen Kilometer hinter Moselsürsch bewundert und unter die Füße genommen.

 

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Der Aussichtspunkt am Ausoniusstein, benannt nach dem Privatlehrer des Sohnes von Kaiser Valentinian I. in Trier (mehr zu Ausonius in meinem Buch „Schritt für Schritt“, Kapitel „Als römischer Legionär auf dem Ausoniusweg“), schrie geradezu nach einem Picknick.

 

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Da ich in meinem saarländischen Weinkeller keinen adäquaten Moselwein gefunden hatte, haben wir einen Riesling des VDP-Weinguts Prüm von der Mosel getrunken – erworben bei ALDI Süd. Ein köstliches Picknick, das fanden auch die beiden bayerischen Naturburschen.

 

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Zum Ende unserer Tour wagten wir uns noch an eines der letzten großen Outdoor-Abenteuer. Die Begehung des Würzlaystiegs bei Lehmen. Alle Achttausender besteigen, 300 Kilometer am Stück wandern, Freeclimbing an der Steilwand – alles Kindergeburtstag im Vergleich zum Würzlaystieg.

 

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Daher war ich nach all dem Auf und Ab auf den Pfaden des Würzlaystiegs froh, eine Info-Tafel zu finden, an der ich festen Halt fand. Ich heuchelte Interesse an den Informationen zu Mosel, Schleuse und Weinberg, hatte aber eigentlich nur im Sinn, wieder Luft zu bekommen.

 

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Aber Lehmen nahte und damit eine (spontane) Weinprobe bei Winzer Hermann Dies. Sehr sehr nette Leute und großartige Weine mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch Volker und Thomas hatten genug vom Wandern und beendeten ihre Etappe in Lehmen. Mein Vorteil war allerdings, mit der Bahn angereist zu sein, so dass ich eine ganze Kiste Riesling Spätlese an die Saar mitnehmen konnte. Mehr über die Wein-Tour mit den bayerischen Wanderern erzähle ich live auf der Weintour in München.

 

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Übrigens, wem die Weintour in München zu weit ist, kann sich die folgende Weintour-Termine vormerken. Am 19. + 20. Oktober erstmals in Essen, am 16. + 17. November schon zum fünften Mal in Hamburg. Voll das hanseatische Brauchtum, diese Weintour!



Wadoko reloaded

Geschrieben am um 7:34

Vor einigen Monden beschrieb ich in meinem zweiten Wanderbuch mit dem schlichten Titel „Wandern“, wie ich mit einer munteren Männerrunde das Doppelkopf-Spiel mit dem Wandern zum Wadoku verbinde. Das ist anregender für Körper UND Geist als jedes Sudoku.

Am zweiten Januarwochenende zockten und wanderten wir in und um Birresborn/Eifel, einem kleinen Ort im Kylltal bei Gerolstein. Sehr intensiv haben wir die Wanderwege und Ausblicke genossen, allerdings erst nach ausdrücklicher Aufforderung.

 

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Und ihr da draußen, könnt jetzt auch schauen. In den Wald. Na los, wird’s bald!!!!

SCHAU! IN! DEN! WALD!

 

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Das absolute Highlight der Region, im Wald oberhalb von Birresborn, sind die Eishöhlen. Das Tolle ist: diese Höhlen sind nicht nur begehbar, es sind auch richtige Höhlen. Höhlen-Höhlen sozusagen, also mit superdunkel, Kopfstoßgefahr und jeder Menge Fledermäuse, die Peter und mir um die Ohren zischten.

 

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Wir haben schließlich eine Wegesperrung ignoriert, das war gaaanz schlecht ….

 

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… denn wir wurden zwar nicht von Bäumen erschlagen (auch Waldarbeiter haben ein Recht auf Wochenendruhe), aber wir haben uns in Ermangelung eines wirklich professionellen Wanderführers hoffnungslos verlaufen. Die Belohnung war, auf dem letzten Kilometer bis Birresborn an einer romantischen regennassen Landstraße mit Eifelrasern nicht unter 180 Ka-Emm-Ha entlang zu wandern.

 

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Aber dann haben wir wieder Doko gespielt, und ich habe wirklich JEDE Runde gewonnen. An Erfahrung.



IVV Wandern

Geschrieben am um 8:19

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Für die große Wanderland-Ausstellung in Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum, noch bis zum 28. April) sollte und wollte ich einen Beitrag zu IVV-Wanderungen schreiben. Dann fiel mir auf, dass ich noch nie an einem solchen Ereignis teilgenommen habe. Das habe ich sofort geändert.

 

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Bei einer IVV-Wanderung wird nichts dem Zufall überlassen. Für jede Strecke (6, 10, 15 Kilometer und ein Halbmarathon) werden ellenlange Plastikbänder um die Bäume geschlungen. Auch so geht unverlaufbar. Eindeutig stammen die IVV-Wanderungen aus dem Pleistozän des Genusswanderns. IVV-Wanderungen sind – zumindest was die Unverlaufbarkeit angeht – „Premiumwege“ für einen Tag.

 

 

 

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Man muss sich aber bei einem IVV-Wandertag nicht schon am Start auf die Streckenlänge festlegen. Ein kleiner Vorteil vom IVV zum Premiumweg. Beim IVV gibt es immer die Wahlmöglichkeit, sozusagen eine urdemokratische, eher altliberale Form des Wanderns. Wenn ich mich bärenstark fühle, gehe ich eben noch ein paar Kilometer mehr. Wenn nicht, dann wähle ich den schnelleren Heimweg

 

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Was auffällt: Der IVV-Wanderer ist generell eher solitär unterwegs. Man darf sich nicht täuschen. Beim IVV-Wandern wird nicht das teilweise geschwätzige, aber immer gemütliche Vereinswandern zelebriert. Ich dachte mir nach zwei Kilometern: Den Opi vor mir hast Du doch an der übernächsten Biegung ein- beziehungsweise überholt. Nix da. Beim IVV-Wandern wird richtig Tempo gebolzt.

 

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Aber es gibt Gott sei Dank auch kurze Boxenstopps. Man muss sich durch einen Stempel legitimieren, dass man den Posten passiert hat. Ich bekam einen Schlumpf-Stempel. Und dazu noch einen warmen, süßen Tee. Das war himmlisch.

 

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Und zurück im Gemeindehaus gab es dann noch den finalen Geschafft-Stempel! Leider: No medal this year. But maybe next year, at the IVV in Lambsborn. Übrigens: Zum Thema IVV findet sich auch Interessantes in der Wanderland-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Und am 30. Januar gibt es in den Räumen des Germanischen Nationalmuseums um 19:00 einen Vortrag/Lesung über meine Wanderabenteuer.



Machen wir ne Herrentour, an die schöne Ahr, trinken wir Burgunder nur, das ist sonnenklar

Geschrieben am um 7:22

Der wahrscheinlich bekannteste und meist frequentierte Weinwanderweg Deutschlands ist der Rotweinwanderweg im Ahrtal

 

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Seit kurzem gibt es in Ahrweiler die sogenannten Traubenwege, ich habe Traubenweg Nummer Zwo ausprobiert, ein Rundweg, der am Bahnhof in Walporzheim startet und teilweise auf dem Rotweinwanderweg verläuft.

 

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Die Anbindung an den ÖPNV ist im Ahrtal gigantisch, wer also dort seine nächste Weinwanderung plant, sollte – auch wegen des obligatorischen Konsums des großartigen Spätburgunders – unter jeden Umständen auf das Auto verzichten. Außerdem ist man durch die Anreise im Zug so ausgeruht, dass man problemlos die größte sportliche Herausforderung des 2er Traubenwegs meistern kann.

 

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Nach gemächlichen Beginn durch die Weinberge geht es auf einem sogenannten Bergpfad durchaus alpin hinauf zur Bunten Kuh. 300 Meter lang, gefühlt 200 Höhenmeter. Über der kuriosen Felsformation eine Aussichtshütte und hier die schöne Legende, warum der Felsen Bunte Kuh heißt: Französische Soldaten machten dereinst eine Herrentour an die Ahr und tranken nur Burgunder, das ist sonnenklar. Die Wertung der Weinkenner fiel positiv aus: „C’est bon de gout“, übersetzt: Schmeckt gut. Die Ureinwohner an der Ahr verstanden nur Bahnhof und machten aus bon de gout Bunte Kuh.

 

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Man sollte ja keine Namenswitze machen, aber hat da jemand den falschen Beruf ergriffen? Horst Vegetarier wird ja auch nicht Metzger.

 

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Hinter der Bunten Kuh liegt nach einem Kilometer fast am Weg eine der phantastischsten Weingaststätten der Welt. Warum? Erstens die Ausblicke, zweitens der hauseigene Spätburgunder. Drittens: Jede Menge vegane Speisen, viertens gibt es Flammkuchen vun de Ahr: Schwadlappe, Parat jemaht und Ärm Diersche. Ich habe mich allerdings für die hausgemachte Eifler Rotwein-Wildsülze entschieden.

 

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Der Traubenweg No. 2 geht auch ins Hinterland und ist teilweise so schön wie bei diesem schmalen Pfad. Manchmal auch nicht.

 

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Mitten im Wald stehen wir vor dem EVA Turm. Die Abkürzung steht für Eindeutig Verhunzte Ausblicke. Man sieht auf Baumspitzen und das in alle Himmelsrichtungen. Enttäuschend.

 

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Der Hammer dagegen ist – auch direkt am Wanderweg – der ehemalige Regierungsbunker der Bundesregierung, der im Falle eines Atomkriegs die neue Heimat der Regierung, sowie von Bundestag und Bundestag gewesen wäre. 936 Schlafräume und 897 Büroräume wurden in den Fels gebaut. Hoffentlich waren die Weinvorräte auch ausreichend angelegt.

 

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Fazit: Auch ohne Herrentour (oder als Ein-Mann-Herrentour) eine sehr feine Weinwanderung an der Ahr.



Die Weine der gräflichen Familie – eine Weinwanderung in Rheinhessen

Geschrieben am um 7:44

Wenn man in Rheinhessen, der größten Weinbauregion Deutschlands auf schönen Wegen wandern will, sollte man eine der mittlerweile neun Hiwweltouren testen. Ich habe meiner Frau zum Hochzeitstag eine herbstliche Weinwanderung auf der Hiwweltour „Westerberg“ geschenkt. Wir parken in Schwabenheim und gehen schon bald über schöne Graswege hinauf in die Weinberge. Wenn wir uns umschauen, sehen wir ausgedehnte Weinfelder in der hügeligen Landschaft, so weit das Auge reicht.

 

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Die große Lese war schon vor einem guten Monat, nun, Ende Oktober, hängen zwar noch einige wenige Trauben an den Rebstöcken. Aber viele Beeren sind vertrocknet, andere so überreif und geschmacksintensiv, dass in der Mundhöhle schon eine Spontangärung einsetzt. Ein Winzer aus Schwabenheim hat vier Reihen Rebstöcke mit einem Netz eingepackt. Das soll ein Geschenk an die Weinliebhaber werden: eine Eiswein-Experience, drücken wir mal die Daumen, dass es klappt.

 

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Nachdem wir die Höhen des Westerbergs erstiegen haben, erreichen wir schon bald Schloss Westerhaus. An der rot-weißen Tür kündet ein Messing-Schild davon, dass sich hinter den trutzigen Mauern ein VDP-Weingut verbirgt. Also schnell geklingelt und siehe da, der Graf persönlich öffnet.

 

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„So ein Glück,“ sagt der Graf, „den Weinwanderer und seine Frau persönlich begrüßen zu dürfen.“ „So ein Glück,“ sage ich, „den Hausherrn persönlich anzutreffen.“ Graf von Schönburg-Glauchau berichtet, dass die Hiwweltour „Westerberg“ im August 2017 eröffnet wurde. Seitdem haben schon reichlich Hiwweltour-Wanderer an der rot-weiß gestreiften Haustür geklingelt. Man bekomme, erzählt der Graf, von den Wanderern ein großartiges und vor allem schnelles Feedback. „Die sind noch nicht mal bei der Eulenmühle, da gibt es schon einen guten Tweet oder ein Foto, auf dem sie den Wein des Weingutes auf einer Bank verkosten mit der Message: Vielen Dank, es war so schön.“

 

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Der Name Schönburg-Glauchau stammt von einem Adelsgeschlecht aus Westsachsen, er ist der Liebe wegen nach Rheinhessen gezogen. Seine Frau hieß früher Opel, sie ist die Ururenkelin von Adam Opel. „Ich bin durch die Liebe zum Wein gekommen“. Der Sohn von Adam Opel hat 1900 das Schloß gekauft, seitdem ist es quasi das Stammhaus der Autobauer mit edlem Pferdegestüt und Weinbau. Der Graf wohnt mit seiner Frau und den fünf Kindern im Schloss. Ein ZDF-Krimi wurde auch schon in den Gemäuern gedreht. Achtung, Spoiler: „Es war die Witwe, das kann ich schon mal verraten“. Als Einstieg einer kleinen Weinprobe trinken wir einen Gutswein, einen Riesling. „Ein ernsthafter Wein“, so der Graf lächelnd, „bei dem man muss man nicht warten bis Sonntag ist.“ Der Hausherr fügt hinzu: „Es gibt so viele Augenblicke, in dem ich meinen Job mit keinem anderen auf der Welt tauschen möchte.“ Da hat er etwas mit mir gemeinsam.

 

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Wir blicken durch die Fenster auf die herbstliche Landschaft und die Weinhänge auf der gegenüberliegenden Talseite. Die Weingärten haben unterschiedliche Färbungen, von Hellgelb über Ocker bis Dunkelbraun. Kann man an der Färbung der Wingerte eigentlich die Rebsorte erkennen? Beim dunkelroten Feld an dem Gegenhang ist sich Graf von Schönburg-Glauchau sicher, das ist Dunkelfelder. Klar, das ist auch die dunkelste Einfärbung.

 

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Wir sind inzwischen bei einem der Spitzenweine des Weinguts angelangt: Ein GG Wein (Grand Cru), ein Spätburgunder von 2013. Wir schwenken wie die Weltmeister. Solche gigantischen Rotweingläser könnte man allerdings nicht mit auf die Wanderung nehmen. Wir lernen, den Wein richtig zu genießen und auch in den Körper zu horchen. Der Graf empfiehlt, man müsse immer bis drei zählen: Als erstes komme der Geruch im Glas, als zweites der Geschmack im Mund (schlürfen ist daher Pflicht!) und drittens müsse man den guten Tropfen dort spüren und schmecken. Dabei zeigt unser Gastgeber auf die Speiseröhre. Das ist der Dreiklang der Geschmacks-Sinne.

 

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Nachdem wir eine dem Wanderer angemessene Anzahl von Flaschen erworben haben, verabschieden wir uns herzlich vom Grafen, der uns ein außerordnenlich vergnügliche und leckere Wanderpause beschert hat. Er gibt schon einen Ausblick auf die folgende Wegstrecke: „Jetzt kommen die Hohlwege mit den Dachsbauten.“

 

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Weder Hohlweg noch Dachsbauten, die wirklich gigantisch groß sind, kann man übersehen. Viele Ochsenkarren haben wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten den guten Wein vom Westerberg transportiert, so tief ist der Hohlweg in den Berg eingeschnitten. Im Tal liegt direkt am Weg die Eulenmühle, die man unbedingt besuchen sollte. Natürlich nicht nur besuchen, sondern auch etwas von der köstlichen Landküche und den Weinen Rheinhessens kosten, das versteht sich ja von selber.

 

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Nach genau 11,8 Kilometern haben wir wieder Schwabenheim erreicht. Diese Weinwandertour ist eine runde Sache und sehr empfehlenswert. Wie hatte der Graf noch so treffend analysiert: „Die Wanderer wollen das Full Entertainment – Wandern und Weingenuss!“



Weinwandern und Meditieren an der Nahe

Geschrieben am um 7:14

Im Sommer bin ich mal wieder weingewandert, im Anbaugebiet Nahe. Die Nahe zeichnet sich dadurch aus, das viele Weinberge gar nicht an der Nahe selber, sondern in Seitentälern zu finden sind, wie zum Beispiel im Glantal.

 

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Wir waren am Bahnhof Staudernheim losgewandert, um einen Tag auf dem neuen Hildegard-von-Bingen-Weg zu wandern. Dabei mussten wir auch neben den Gleisen eine Brücke über die Glan überqueren. Aber obacht! Beim Selfie-Machen kann schnell mal in ICE-Tempo eine Draisine angerauscht kommen.

 

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Meine Wanderkollege Marian ist nicht nur Heavy Metal-Fan, er sammelt auch die martialischen T-Shirts der Schneller-lauter-härter-Combos. 400 Shirts hat er schon, oft sind wandernde Monster in bunten Farben und phantsievollen Waffen auf den Leibchen abgebildet. Wenn man schon auf dem Hildegard-von-Bingen-Weg geht, sollte man auch meditieren, um dem spirituellen Charakter der Wanderung Rechnung zu tragen. (Wobei Weinwandern an sich schon eine höchst spirituelle Note hat) Damit man weiß, wo man meditieren darf, gibt es Meditationspunkte.

 

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Und dann habe ich meditiert, bis ich in ein helles Licht blickte – – – Dann sind wir weiter gegangen.

 

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Nach dem zauberhaften Weinort Duchroth erreichten wir den noch zauberhafteren Weinort Oberhausen, den man nicht mit der Stadt im Ruhrgebiet verwechseln sollte. Um eben dieser Verwechslungsgefahr zu entgehen, überlegt man in Oberhausen, den Ort in Katharina-Staab-Hausen umzubenennen, denn nicht nur am Weingut Staab begegnet man der aktuellen Weinkönigin (siehe auch mein Blog vom 21. Mai 2018) auf Schritt und Tritt.

 

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Das aber wahrscheinlich spannendste Weingut von Oberhausen ist das VDP-Weingut Dönnhoff. Unangemeldet überfiel ich den Winzer Cornelius Dönnhoff. Glaubhaft versicherte er mir, dass es ihn freuen würde, wenn wir ihn von der Büroarbeit abhalten würden. Also haben wir ein Gäschen getrunken.

 

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Auf der Luitpoldbrücke sind wir Über die Nahe gegangen, von Bayern nach Preußen. Denn Oberhausen war dereinst tatsächlich noch die Grenze zwischen diesen beiden Weltmächten. Heute regiert am Nordufer der Nahe die Angela, am Südufer der Horst.

 

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Aber ehrlich gesagt ist das nördliche Naheufer nicht sehr preußisch geprägt, sondern auch lebensfroh barock. Und so ließen wir den Tag mit einem Hoch auf den Prinzregenten Luitpold, unseren Kaiser Wilhelm, die deutsche Weinkönigin Katharina Staab und die Visionärin Hildegard von Bingen mit einem Schoppen im Niederthaler Hof ausklingen.

 

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Weinklettern in der Bopparder Hamm

Geschrieben am um 8:49

In Boppard am Rhein, eine der schönsten Wanderregionen Deutschlands, findet sich eine einzigartige Kombination: Eine legendäre Weinlage im Rheinbogen – die Bopparder Hamm – und ein aufregender Klettersteig. Allerdings hat man auf der Traumschleife des Klettersteigs Mittelrhein die Qual der Wahl: Die Wandervariante für alle Warmduscher oder die Klettervariante für die Harten, die in den Garten wollen.

 

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Allerdings sollte man sich schon vor dem Start der Tour für eine der beiden Varianten entscheiden, denn für die Klettervariante durch die steilen Felsen wird das entsprechende Equipment empfohlen, das man sich an der ARAL-Tankstelle an der Bundesstraße leihen kann. Von dort aus kann man sich auch schon mal den Hang anschauen, durch den man wandern oder klettern wird. Außerirdische haben dort das Mittelrhein-Weltkulturerbe-Zeichen eingefräst.

 

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Diese Hänge sind ehemalige Steillagen. Mittels Flurbereinigungen sollen dort wieder Rebstöcke angelegt werden. Die Weinlage Bopparder Hamm wächst und gedeiht, statt Abbau von Rebflächen werden neue geplant. Die heikelste Situation habe ich am Startpunkt der Klettervariante zu meistern. Ich versuche nämlich in den Klettergurt zu steigen, ohne dabei umzufallen. Das gelingt nur knapp.

 

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Eigentlich, finde ich, ist die Ausrüstung etwas übertrieben, ich bin ja schließlich nicht am Watzmann unterwegs. Gerade bei den Leitern, die man hinunter steigen muss, halte ich es für gefährlicher den Gurt einzuhaken, als ganz normal die Treppe hinunter zu steigen. Denn man muss mitten auf der Leiter stehen bleiben, mit einer Hand sich an der Leiter festhalten, mit der anderen den Karabinerhaken an das nächste Stück Seil hinter der Befestigung klemmen. Furchtbar. Ich stecke die Karabinerhaken in meine Jackentasche, da stören sie nicht.

 

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Ob mit oder ohne Seilsicherung – man sollte den Klettersteig begehen, bevor man dem Weine zuspricht. Und auch eine Weinflasche sollte man nicht im Rucksack transportieren. Erst klettern, dann Wein, Weinklettern ist ungesund. Auf der Höhe angekommen, bietet sich ein gigantischer Blick auf die Rheinschleife und die Bopparder Hamm.

 

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75 ha von 420 ha des Weins des gesamten Anbaugebiet Mittelrhein kommt aus Boppard. Jede sechste Flasche geht von Boppard also in die Welt – und viele Preise kommen nach Boppard zurück. Goldene und silberne Kammpreismünzen zum Beispiel. Einen preisgekrönten Tropfen teste ich im Ausflugslokal „Vierseenblick“, weltberühmt für den genialen Kuchen.

 

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Ich bekomme den Rheinwein in einem Bembel serviert. „Trinkt wie Eure Väter aus Stein den Wein“ steht auf dem Tonkrug. Ich habe bei meinem Vater nachgefragt, der hat noch nie Wein aus einem Stein getrunken, sein Vater übrigens auch nicht. Inzwischen wird übrigens gar nicht mehr geklettert und die Rheintour wird zur Reintour, denn wir gehen schon ins nächste Ausflugslokal, ganze dreihundert Meter hinter dem „Vierseenblick“. Im „Rupertseck“ gibt es weder Bembel noch Flaschenweine, auch keine Weinkarte, es gibt nur einen Wein auf der Karte: White Wine Dry. Auf Nachfrage ist es immerhin ein heimischer Whitewine von der Bopparder Hamm. Nun, wie sagte schon Bacchus: „Guter Wein in Maßen genossen, schadet auch in großen Mengen nicht.“ Hinter dem „Rupertseck“ geht es steil parallel zur Seilbahn den felsigen Berg hinunter, zurück zum Ausgangspunkt im Bopparder Zentrum.

 

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Dort treffe ich mich mit Herrn Bersch und Herrn Schoeneberger im Heilig Grab. Das ist ein Weingut mit Weinstube. Der Winzer vom Heilig Grab betont, er sei nicht der Herr Grab, Vorname Heilig. „Allerdings denkt das der Paketdienst, ich heiße aber Schoeneberger“. Das Heilig Grab ist die älteste Weinstube Boppards, direkt am Bahnhof.

Walter Bersch ist seit 1997 Bürgermeister der Stadt Boppard, er ist eine Legende am Mittelrhein. Bersch ist sehr stolz auf seine sieben Bopparder Traumschleifen, die ich auf diesem Blog ausführlich gewürdigt habe. Da ich mich also um die Bopparder Wanderkultur verdient gemacht habe, wurde ich 2017 zum Ehrenwinzer der Stadt Boppard ernannt. Michael Schneider ist mein Patenwinzer, der mir lebenslang, also noch über 50 Jahre, jedes Jahr drei Flaschen Wein schicken darf. Die Auszeichnung als Bopparder Ehrenwinzer gibt es seit ungefähr vierzig Jahren. Der erste war der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel. Auch Günter Verheugen, Rudi Altig, Rudolf Scharping (vor oder nachdem er Bundeskanzler wurde?) und Kurt Beck dürfen sich jährlich über ein Deputat vom Mittelrhein freuen. Bald, hofft Bürgermeister Bersch, wird auch Papst Franziskus Ehrenwinzer von Boppard. 1984 hat der Argentinier drei Monate in Boppard gewohnt, Deutsch gelernt, Wein getrunken. Bei eine der letzten Papstaudienz verkündete der Papst in flüssigem (!) Deutsch: „In Boppard wächst guter Wein“. Die Bopparder haben eben den Papst in der Tasche. Und wenn Papst Franziskus Ehrenwinzer wird, könnte er auch mal den Mittelrhein-Klettersteig testen. Ohne Klettergurt, denn Päpste sind unfehlbar und damit auch trittsicher.



Royal weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:08

Die royale Weinwanderung mit der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab steht unter der Überschrift „Zwei“. Warum? Nun, Katharina und ich sind zwei Majestäten, Weinkönigin und Wanderkönig, die gemeinsam wandern. Außerdem ist das pfälzische Weingut Bangerth-Rinck, wo die royale Weinwanderung stattfindet, ein Doppeltes-Lottchen-Weingut.

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Auf dem Glas des Weinguts Bangerth-Rinck sind zwei weingefüllte Gläser zu sehen. Und der Vogel, ist das vielleicht ein Rabe? Sehr mystisch, Vater Bangerth hat einen Raben aufgezogen, der sogar sprechen konnte, Herr Bangerth war wohl so etwas wie ein Hexenmeister des pfälzischen Weins. Das ist interessant, zumindest ungewöhnlich. Winzerin Esther Bangerth erklärt mir zunächst, was es mit den beiden Gläsern auf sich hat. „Unsere Eltern haben geheiratet, da haben sich die Weingüter quasi verdoppelt.“ Seit zehn Jahren führen zwei der drei Töchter das doppelte Weingut weiter. Und die Männer der Töchter? Die haben umgeschult zum Winzer und sind jetzt auch „mit Herz und Leidenschaft“ dabei. Es gibt allerdings einen Keller, eine Bilanz, zwei Standorte, das Weingut Bangerth-Rinck ist sozusagen ein siamesischer Zwilling mit zwei Körpern, aber einem Gehirn.

Bei einem Glas Sekt begrüßen wir – also Esther Bangerth, Katharina Staab und ich – die ungefähr fünfzig Weinwanderer. Der Secco ist aus einem sortenreinen Kernling gemacht, sehr fruchtig, er ist aber, betont Winzerin Bangerth, auch etwas für Trockentrinker. Ist nun ein Trockentrinker einer, der versucht, aus einem leeren Glas zu trinken, oder jemand, der normalerweise trockene Weine bevorzugt? Oder ist der Trockentrinker jemand, der jedes Glas ruckizucki trocken trinkt? Das wäre doch mal eine Frage für „Wer wird Millionär“. Anschließend dürfen die Weinwanderer die Weißweine des Weinguts verkosten, es bleibt fast zu wenig Zeit, um auch nur die Hälfte der Weine auszuprobieren. Denn wir wollen ja auch noch wandern, und zwar von dem einem Weingut zum andern.

 

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Wir gehen von Esther Bangerth geführt aus dem Ort Mühlhofen hinaus und haben schnell die Weinberge erreicht, die in der Pfalz ja traditionell eher Weinfelder sind. Um Mühlhofen laufen wir auf einem kleinen Weinkulturpfad, der einem die Schönheiten des Rebensaftes näherbringt. Esther Bangerth erklärt, wie sie den Schädling Traubenwicklermännchen bekämpft. Es werden an den Rebstöcken Dispenser ausgebracht, die durch Ihre Duftstoffe die Traubenwicklermännchen verwirren. Und Verwirrte können sich nicht paaren, das leuchtet ein. Aber die gesamte Region muss verwirrt sein, sonst funktioniere es nicht, deshalb müssen alle Winzer mitziehen: „Die Duftglocke muss über allen Weinbergen hängen“

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Es weinwandern auch vier Hunde mit, unter anderem mein Border Collie/Berner Sennhund-Mischling Luna. Was auffällt: Weinwanderhunde sind anscheinend ausnahmslos extrem tiefenentspannt, da gibt es kein Herumzicken, Kläffen, Bellen, Knurren. Ich glaube, es liegt an der Coolness der Besitzer, die durch den Doppelgenuss Wandern und Wein ihre Lebensfreude auf ihre Vierbeiner übertragen. Allerdings haben die Hunde keinen Sinn für die großartigen Fernblicke auf unserer Wanderung. Vor uns erheben sich die Höhenzüge des Pfälzer Walds mit vielen kegelförmigen Bergen, die aussehen wie der Zuckerhut von Rio de Janeiro. Der Blick geht hinein bis nach Frankreich und die Gegend von Wissembourg.

 

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Hinter uns schauen wir in den Odenwald (der ist ein wenig flacher) und in den Schwarzwald hinter Karlsruhe, der sich mächtig über dem Rheintal erhebt. Nachdem wir durch die Weinlagen Mühlhofener Rosenberg und Ingenheimer Pfaffen gewandert sind, immer hart am Rebstock entlang, erreichen wir eine herrlich blühende Streuobstwiese. Dort wartet auf uns schon ein mit weißem Tuch gedeckter Tisch. Das erinnert von der Optik ein wenig an das letzte Abendmahl, aber für uns ist es die Rast-Station mit dem Schwerpunkt Rosé-Weine.

 

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Esther Bangerth präsentiert drei Rosé-Weine, einen Blanc de Noir (aus einem Blauen Zweigelt), der eigentlich aussieht wie ein Weißwein, einen Bari-Rosé aus Dornfelder und Spätburgunder und einen farblich schon sehr ins Rötliche gehenden Weißherbst mit einem großen Anteil an Dornfelder.

Seit genau zehn Jahren gibt es schon das Weinwanderwochenende, genau zehn Jahre ist auch schon das Weingut Bangerth-Rinck dabei. Jedes Jahr gehen die Gäste die gleiche Tour, das bietet sich nun mal an – vom Schwesternweingut in Mühlhofen zum Schwesternweingut in Klingen. Für die Stammgäste ist das ein wenig wie Jährlich-grüßt-das-Murmeltier, aber es bedeutet auch ein Stück Heimat.

Als wir weitergehen, komme ich mit der Deutschen Weinkönigin Katharina ins Gespräch. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie wanderbegeistert und wandererfahren Katharina ist.

 

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Ich muss sogar zugeben, dass die Weinkönigin eindeutig in einer anderen Wanderliga unterwegs ist als ich. Ich bin ja eher der Genusswanderer, Katharina dagegen liebt lange, anspruchsvolle Wanderungen, viel Gepäck auf dem Rücken, karge Landschaften. „Ich gehe immer die schwarzen Routen“, sagt die Deutsche Weinkönigin. Ich kannte schwarzen Pisten und den schwarzen Gürtel der Judoka, aber was sind schwarze Pisten? Ich lasse mich aufklären, dass in den handelsüblichen Wanderführern des Rother-Verlags die Wandertouren je nach Schwierigkeit eingefärbt sind: Die leichtesten sind Blau, dann kommt Rot und die Profi-Routen sind schwarz. Und die geht Katharina am liebsten. 30 Kilometer, 40 Kilometer, egal, Hauptsache sie kann abschalten, denn beim Wandern möchte sie den Kopf frei bekommen, abtauchen in eine andere Welt. Am besten, sie ist nicht erreichbar, kein Handyempfang, Natur pur – das ist für sie der größte Wanderspaß. Auf diese Art und Weise war sie im Tramantura-Gebirge auf Mallorca unterwegs, in den Anden und die klassische Alpenüberquerung hat sie auch schon geschafft.

Wir können auf unser pfälzischen royalen Weinwanderung schon das Dorf Klingen sehen, in einer Tal-Mulde gelegen, umgeben von Weinbergen, dem Klingener Herrenpfad. In Klingen erwartet uns ein großartiges Schlussbuffet mit mediterrannen Köstlichkeiten, aber auch Schmalz- und Leberwurstbroten.

 

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Wie sehr die Pfälzer ihre Leberwurst verehren, werde ich noch zum Abschluss des Tages erfahren. Im Hof des Klingener Schwesternweinguts kann man sämtliche Rotweine des Weinguts verkosten. Der Spätburgunder ist phänomenal. Kann ich den mir bei dieser Qualität überhaupt leisten? Ich studiere den Info-Zettel neben der Weinflasche und entdecke, dass die Flasche 5,60 Euro kostet. In Worten: Fünf Euro und sechzig Cent. Jetzt mal ehrlich, gehen Sie in einen Discounter (Stichwort Jauch-Wein) oder einen Supermarkt ihres Vertrauens und zeigen Sie mir einen Wein mit diesem sensationellen Preis/Leistungs-Verhältnis. Und zwar einen traubenreinen, nicht verschnittenen Wein aus einer definierten Ortslage. So was gibt es nur in der Pfalz, so etwas gibt es nur beim Weingut Bangerth-Rinck.

Ich stoße mit dem Ehepaar aus Köln neben mir an, die sind nicht nur Fans des Weingut Bangerth-Rinck, sondern auch der Wandermöglichkeiten in der Pfalz. Deshalb sind die beiden, wegen des Weins und der Wanderlandschaft, vor ein paar Jahren in die Nähe von Klingen und Mühlhofen gezogen. Eine weise Entscheidung. Nach vielen schönen Gesprächen und Weinen fährt unser Taxi vor: Ein Traktor mit einem gemütlichen, überdachten Anhänger.

 

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Kaum sind wir mit dem Traktor-Gespann losgefahren, stimmen die einheimischen Weinwanderer eine Ode an den Pfälzer Wind an: „Das ist der Wind, Wind der Pfälzer Wind, der wird noch wehen, wenn wir nicht mehr sind“. Sehr interessant, ich dachte immer, nur der Wind im Westerwald, der dort soooo kalt ist, würde besungen. Aber nein, auch die pfälzischen Luftströmungen werden besungen. Ich fordere die Truppe auf, das berühmte Pfälzer Leberwoosch-Lied zu singen. Alle schauen unschuldig, keiner scheint zu wissen, was ich meine. Das kann doch nicht sein! Ich intoniere „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ auf die Melodie der deutschen Nationalhymne (auf die die Pfälzer gewissermaßen einen Anspruch haben, wegen Hambacher Schloss 1832 und so). Und plötzlich – so ein Zufall – haben doch wieder alle den „Text“ präsent und es schmettert aus vielen Kehlen „Oh Du schöne, oh Du schöne Leberwurst“ durch Klingen. Lebensfreude pur nach unserem schönen royalen Weinwandertag in Mühlhofen und Klingen.

Ich bedanke mich bei Caro Photo für vier Fotos!



Once upon a time in Manderscheid

Geschrieben am um 8:28

Vor etlichen Monden schrieb ich in meinem ersten Wanderbuch vom schönsten Wanderweg der Welt, dem Lieserpfad. Und in der Tat zieht es mich immer wieder nach Manderscheid zu den zwei Burgen und dem Tal der Lieser.

 

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Der Mensch vergisst leicht, aber vor fünf Wochen, Ende März, ganz genau am 22. März, war es noch bitter kalt und in der Eifel war das letzte Aufbäumen des Winters mit ordentlich Schneefall zu bewundern. Was auffiel am klassischen Blick auf Ober- und Niederburg: Die Zäune fehlten. Wahrscheinlich hat sich der schlaue Bürgermeister von Manderscheid gedacht: Bevor ich die Absperrungen immer teuer warten muss und die womöglich noch die Wanderer gefährden, kommen die Gatter weg. Auch neu ist das Design der Hauptwanderwege des Eifelvereins …

 

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Aus Raider wurde Twix und aus dem Hauptwanderweg 13 des Eifelvereins mit dem eigentümlich gestalteten „V“, das immer aussah wie eine Wurzelbehandlung im Mathe Leistungskurs, ist die neue Markierung mit dem „Vulkanpfad“ entstanden.

Wenn ich in Manderscheid bin, ist mein Standquartier immer die Heidsmühle an der Kleinen Kyll, die in die Lieser mündet. Und dann ist natürlich auch eine Wanderung in der traumhaften Wolfsschlucht Pflicht …

 

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Aber die spannendsten Pfade kann man immer noch auf dem Lieserpfad erwandern …

 

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… und kaum kommt man um die Ecke, ist man schon – auch das eine Novität – an der Philosophenbank angekommen. Ich habe zunächst gegrübelt, ob es diese Bank vielleicht schon immer gab, ich sie aber nur übersehen hätte, aber nein, die güldene Inschrift ist eindeutig jüngeren Datums.

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Ich frage mich nur, welche Fürsten genau gemeint sind: Der Kurfürst von Köln oder Brandenburg. Oder der Fürst Pückler mit seinem Eis? Anscheinend werden die Eifelaner immer noch von irgendwelchen Fürsten gequält.



2017: Die erste royale Weinwanderung an der Mosel

Geschrieben am um 11:21

Die Turmbläser blähen ihre Backen und tröten ihre Fanfaren! Das ganze Schloss ist in heller Aufruhr! Die Hermelin-besetzten Outdoorjacken funkeln im Sonnenlicht! Was ist denn hier los? Nun ja, der gesamte Hofstaat wird auf den Beinen sein, denn am letzten April-Wochenende 2018 weinwandern die deutsche Weinkönigin Katharina und der deutsche Wandermeister Manuel im Rahmen des bundesweiten Weinwanderwochenendes. Zwei royale Wanderungen auf ausgesuchten Wanderwegen mit exzellenten Weinen. Am 28. April in Mühlhofen-Klingen in der Pfalz und am 29. April in Markelsheim im Anbaugebiet Württemberg.

Für den Rheinländer hat alles, was schon zum zweiten Mal stattfindet, den Status einer „Tradition“. Ab dem dritten Mal ist es dann Brauchtum. In diesem Sinne hat auch das royale Weinwandern schon Tradition. Im letzten Jahr, 2017, fand in Mehring an der Mosel die erste royale Weinwanderung der Welt statt. Dem Anlass entsprechend mit zwei Königinnen. Eigentlich – um ehrlich zu sein – waren es sogar drei Königinnen.

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Für die deutsche Weinkönigin 2017, ihre Majestät Lena Endesfelder, war die Wanderung durch die Weinberge von Mehring ein Heimspiel, denn Sie stammt aus Mehring. Nun glaubt natürlich jeder, weil die Weinkönigin aus Mehring kommt, sind wir auch in Mehring gewandert, so etwas kann doch kein Zufall sein. Aber ich schwöre: Es war Zufall. Und nun gehen wir durch die Steillagen, hinter uns die letzten Häuser von Mehring, neben mir Lena I. Weitere königliche Begleitung haben wir durch die Ortsweinkönigin Annika aus Mehring und die Königin der Riesling Selection, Caro Hoffranzen. Erstaunlich ist, dass alle Königinnen ohne Entourage und Hofstaat unterwegs sind. Keine Zofen, kein Zeremonienmeister, keine Anstandsdamen. Die Royalität von Lena und Co. ist eben eine innere Qualität, sozusagen eine Charakter-Eigenschaft.

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Startpunkt der royalen Weinwanderung 2017 war vor einigen Minuten das Hofgut Hoffranzen in Mehring. Zur Begrüßung wurde ein roter Teppich ausgerollt. Ehrlich gesagt: Das kann man ja wohl auch erwarten! Die Weinwandergruppe ist schon sehr gespannt und wird von Weinkulturführer Stefan auf die kommenden Strapazen eingestimmt: „Diese Wanderung folgt dem Motto: 2.000 Höhenmeter in zwei Stunden.“ Das kann ja heiter werden. Stefan erkundigt sich, ob denn jemand Allergien hätte. „Ja“ meldet sich ein Mann in den besten Jahren, „ich bin allergisch gegen lange Wanderstrecken!“

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Wir folgen der Wegmarkierung des Moselsteigs und gehen durch die Weinberge. Die Markierung des Moselsteigs zeigt in gelb-orange-Tönen aufeinandergeschichtete Schiefersteine. Ich wandere neben der Weinkönigin Lena. Bezüglich der Anrede bin ich ein wenig unsicher, denn ich frage mich, wie man eine Weinkönigin korrekt anspricht: „Eure Hoheit“, „Frau Weinkönigin Lena“, „Ihre Exzellenz“? Lena sagt: „Lena reicht. Wein ist ein persönliches Getränk, man kommt ins Gespräch, der Winzer offenbart sich in Geschmack und Stil. Deshalb finde ich: Lena reicht““. Die ehemalige deutsche Weinkönigin Lena hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Lena erzählt: „Ich war Ortsweinkönigin, dann Prinzessin, dann Verbandsgemeinde-Weinkönigin.“

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Das war sozusagen die Regionalliga der deutschen Weinköniginnen. „Nach dem Studium in Geisenheim dachte ich mir, och komm, Du könntest Dich auch darum bewerben, Gebietsweinkönigin zu werden.“ Das klappte. Und so wurde sie die Weinkönigin der Mosel, das war schon die Bundesliga der Weinköniginnen. Die Konsequenz wurde ihr erst später klar. „Huch, da muss ich dann nach Neustadt!“ Neustadt an der Weinstraße, sozusagen das Versailles der deutschen Weinwelt. Dort entscheidet sich, wer Königin wird. Und wer nicht. Denn die dreizehn Gebietsweinköniginnen tragen jedes Jahr in Neustadt an der Weinstraße eine Art Weinköniginnen- Meisterschaft aus. Und die Siegerin trägt dann für ein Jahr den Titel der deutschen Weinkönigin.

Wir stoppen vor einer malerischen Trockenmauer aus Schiefergestein. Zeit für einen kurzen Fotostoppp. Lena kramt in ihrem Rucksack und zaubert ihr Weinköniginnenkrönchen hervor. Bei der royalen Wanderung ist sie bisher nicht als Königin kenntlich gewesen: Kein Zepter, kein Umhang, kein Reichsapfel – und auch keine Krone.

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Ein flinker Lurch flitzt zwischen den Steinen herum, Lena platziert ihre Krone zwischen den Steinen und macht ein Stilleben mit Schiefer und Krönchen. Ehre wem Ehre gebührt: Denn ohne den Schiefer der Mosel wären die Riesling-Weine nicht Weltklasse. Und ohne Welt-Klasse-Weine keine strahlende deutsche Weinkönigin. Also bekommt der Schiefer auch die Ehre, bekrönt zu werden und in den Hofstaat der deutschen Weinkönigin aufgenommen zu werden. „Dabei sind Gesteine gar nicht so meins“, sagt Lena und muss lachen. Für den Contest der Weinköniginnen in Neustadt musste sie tatsächlich vor allem Gesteinskunde büffeln, denn es kommt bei der Wahl zur Weinkönigin vor allem auf Weinwissen an. Dass aber ihr Krönchen nun in einer Schiefer-Ritze steht, brauche ich ihr als Moselanerin aber natürlich nicht zu erklären.

Wir gehen weiter, aber schon bald unterbrechen wir unsere royale Wanderung ein weiteres Mal. Was wäre eine Weinwanderung ohne Wein? An einer kleinen Schutzhütte gibt es den ersten Wein-Stopp, drei Weine werden ausgeschenkt, unter anderem das „Mehringer Urgestein“. Zum Wein singen einige stimmgewaltige Herren „Oh Mosella“

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O Mosella! Du hast doch so viel Wein!
O Mosella! Trinkst du den Wein allein?
In deinem Garten Eden,
Wächst doch der Wein für jeden,
Und ohne Wein kann ich nicht sein!

Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, auch ein wenig kitschig. Aber mit dem kühlen Riesling im Glas, mit Blick auf die sonnenüberflutete Mosel und dem Gesang im Hintergrund wird mir ganz warm ums Herz.

Unser Weinkulturführer Stefan sieht sich als Bindeglied zwischen Weinkäufer und Winzer. Auf dem Wanderweg gelingt es ihm, der Wandertruppe sachkundig und sehr unterhaltsam die Besonderheiten des Weinbaus an der Mosel zu erklären. Stefan zaubert ein langes Seil aus seinem Rucksack, legt es in einer schnurgeraden Linie auf den Boden und erklärt, wie es zu den mäandernden Windungen der Mosel kommen konnte. An das eine Ende des Seils legt er ein Foto der Porta Nigra, an das andere ein Foto vom Deutschen Eck.

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Wir lernen: Schon vor etlichen Jahrmillionen entstanden die Römer-Städte Trier und Koblenz, die gibt es quasi schon immer. Damals war die Mosel noch schnurgerade. Dann erhoben sich in einem revolutionären Akt die Gesteine des rheinischen Schiefergebirges und die Mosel musste sich ihren Weg bahnen. Inzwischen hat Stefan das ursprünglich gerade Seil auf dem Wanderweg in Schlingen gelegt. Voila! Zwischen den Prallhängen und den Gleithängen des Flusses entstanden die Voraussetzungen für herausragenden Weinbau.

Wir wandern an einem Wegweiser vorbei, der auf den Seitensprung „Zitronenkrämerkreuz“ hinweist, das ist ein besonders schöner Premiumweg.

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Uns zieht es allerdings zur alten Römerleitung in Pölich und anschließend über die steile Himmelsleiter hinauf zur Finnbahn von Mehring. Auf der Finnbahn mit den vielen weichen Holzhackschnitzeln kann man ganzjährig seine Runden drehen, als Jogger oder auch als Spaziergänger. Unsere Wandergruppe ist aber vor allem an einer weiteren Weinverkostung interessiert, die Hoffranzen präsentiert. Caro hat 2016 eine ganz besondere Auszeichnung errungen: Sie ist deutsche Jungwinzerin für das beste Riesling-Sortiment geworden. Man merkt, wie stolz sie darauf ist, und das vollkommen zu Recht. Das Weingut Hoffranzen (man spricht das Hof-Franzen, das war eben der Franz vom Hof, nicht Hoff-Ranzen) wurde schon 1601 gegründet.

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Auch darauf ist Caro stolz: „Wir sind Winzer in der 17. Generation.“ Ich weise Caro auf diese Zahlenmystik hin. 17 Mal müssen sie und Lena und alle anderen Steillagenwinzer jedes Jahr in den Weinberg, und sie ist in der 17. Generation Winzerin. Verrückt!

Unsere royale Weinwanderung hat ein romantisches Ende, denn wir wandern an den Rebstöcken der Weinkönigin Lena Endesfelder vorbei. Lena ist eine Königin mit Herz, denn sie hat die Zweige ihrer Rebstöcke in Herzform gebunden. Sie hat also 17 Mal im Jahr ein Rendezvous mit ihren Rebstöcken in der Steillage.

 

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Nachdem es letztes Jahr bei der royalen Wanderung an der Mosel so herrlich war, freue ich mich unglaublich auf die beiden royalen Wanderungen in diesem Jahr. Wer sich über alle Angebote des bundesweiten Weinwanderwochenende am letzten Aprilwochenende informieren möchte, kann die Broschüre unter info@deutscheweine.de bestellen oder alle Weinwander-Angebote unter www.deutscheweine.de/tourismus/weinwanderwochenende anschauen. Vielleicht sehen wir uns ja bei den royalen Weinwanderungen in der Pfalz oder in Württemberg!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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