Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Nanoysteme oder Kamasutra?

Geschrieben am um 6:41

Letzten Sonntag wurde er gekürt, der Wanderbahnhof des Jahres 2012 in NRW in Lennestadt-Altenhundem. Wenn man auf die Höhen des Sauerlandes klettert, kann man im Tal nicht nur Altenhundem, sondern, wenn man genau hinschaut, auch den Bahnhof erkennen.

 

 

Schnitt, Ransprung, nach einer zünftigen Wanderung kommen wir wieder am Bahnhof an, haben aber nix zu lesen dabei. Kein Problem, dann geht man zu einem gläsernen Kasten auf dem Bahnhofsvorplatz, und holt sich ein Buch. Man sollte, wenn man mal wieder in Altenhundem ist, auch wieder eins reinstellen, in den Glaskasten, sonst funktioniert das ganze Prinzip nicht.

 

 

Ich schaute mir das Leseangebot genauer an, war auch sehr interessiert an einer wirklich gründlichen Aufarbeitung über Nanosysteme, das ist eines meiner liebsten Hobbys. Ich bastele für meine Leben gern in meinem Hobbykeller mit Nanosystemen, ich habe schon eine ganze Sammlung zusammen geschraubt.

 

 

Vor drei Wochen, als ich erstmals in Lennestadt wanderte, war mir aber nicht nach Nanosystemen, ich wollte “Sand” von Wolfgang Herrndorf haben. Kein Problem, neben dem Bahnhof befindet sich eine Buchhandlung, das Buch war vorrätig und ich stand an der Kasse. Vor mir ein achtzigjähriger Sauerländer, der die Buchhändlerin fragte: “Ham Sie diesen Katalog, den von Kamasutra?” Die Buchhändlerin, totaler Profi, hat‘s ihm mit unbewegter Miene direkt besorgt, also das Buch. Nun frage ich mich, was macht der alte Herr mit dem Kamasutra? Entweder sind die Sauerländer dafür berühmt, es auch noch im hohen Alter krachen zu lassen. Oder die experimentierfreudige Enkelin hat den Großvater vorgeschickt: “Hol mir datt Kamasutra, woll!?” Die Sauerländer, die schnackseln eben gerne!

 



Der Sanitärbereich des Wanderbahnhofs

Geschrieben am um 13:38

Heute, am 21. Oktober, ist es wieder so weit, hurra! Der Wanderbahnhof (Wabaho) 2012 in NRW wird gekürt! Was muss ein Wabaho können? Nun, es sollten noch Züge fahren (Bahnhöfe an still gelegten Strecken haben keine  Chance, ausgezeichnet zu werden), möglichst auch am Wochenende, man sollte vom Bahnhof aus direkt loswandern können (und nicht nur durch Rotlichtviertel), der Bahnhof sollte aber auch wieder nicht so in der Pampa liegen, dass er keine Infrastruktur besitzt. Ein Brötchen, eine Zeitung, ein Bahnticket, ein paar Informationen über die Wanderwege drum herum, das wäre schon Bedingung für einen gescheiten Wabaho. Und das alles bietet Altenhundem, Lennestadt-Altenhudem um genau zu sein. Ein Hoch auf den Wabaho 2012.

 

 

Ein Cafè ist dort zu finden, eine Tourist Info, ein Reisebüro. Und auch das Wichtigste wurde nicht vergessen. Wie oft musste man schon bei Wanderungen Schlange stehen, um dann (TOI, TOI,TOI!!!), noch etwas Dringendes zu erledigen

 

 

Wie anders vor und nach einer Wanderung im Wabaho Altenhundem. Erst einmal: Es ist eine Bahnhofs-Toilette vorhanden, durchaus keine Selbstverständlichkeit. Zweitens: Die sanitären Räumlichkeiten sind mehr als liebevoll mit DB-Devitionalien gestaltet. Allerdings verleiten die tollen Zuglaufschilder (IC Wetterstein von München nach Wismar, was für eine tolle Strecke!) dazu, alle gute Sitten fahren zu lassen, und im Stehen zu pinkeln. Denn als Sitzpinkler kann man ja die Schilder gar nicht sehen.

 

 

Angeblich wäscht sich ja ein hoher Prozentzahl der männlichen Bevölkerung nach dem Toilettengang nicht die Pfoten. Undenkbar im Wanderbahnhof Altenhundem! Denn dort gibt es original Papierhandtuchspender aus alten D-Zügen. Und auch die alten Seifenspender der DB, bei denen man sich immer fragte, ob da nun Seife oder Parmesan raus kommt, die gibt es in Altenhundem. Großartig!

 

 



Die Wahrheit über Maskottchen

Geschrieben am um 7:20

Gemeinsam wanderten am letzten September-Sonntag 1.000 Behinderte, Nicht-Behinderte und ein Maskottchen rund um das Schloss Lörsdorf am Autobahnkreuz Kerpen. (ich berichtete im letzten Blog)

Das Maskottchen heißt Tolbienchen und machte Werbung für die Landesgartenschau in Zülpich 2014. Warum die Biene Maja auf Speed und mit Römerhelm Tolbienchen heißt, konnte mir keiner erklären. Wenn man das Ding ganz “tol” findet, sollte man über die Anschaffung eines zweiten “L‘s” nachdenken, das sieht einfach besser aus.

 

 

Tolbienchen hat übrigens genau 46 Meter der Wanderung geschafft, dann brach es zusammen, musste seinen Kopf abnehmen und einen guten Schluck aus der Wasserpulle nehmen. Was für ein Schock für mich: Da steckte ja ein Mensch drin!!!! Ich hatte immer gedacht, Maskottchen seien eine eigene Spezies, so eine Art Mutant. Man lernt doch immer dazu.

 

 

Dann machte ich mich auf den Kreuzweg, denn die 11 Kilometer gemeinsame Wanderung hatte eine ungewöhnliche Kreuz-Dichte aufzuweisen. Da muss man normalerweise schon die Abkürzung über den Friedhof oder durch ein Kirchenschiff nehmen, um so viele große Kreuze während einer Wanderung  zu sehen.

 

 

Kreuz Nummer Eins erinnert an das alte Dorf Boisdorf, dass den Baggern der Rhein Braun Kohle zum Opfer fiel.

 

 

Das zweite Kreuz erinnert an eine Papst-Messe, die den Baggern der Rhein Braun Kohle zum Opfer fiel. – äh Quatsch – natürlich waren die bösen Bagger längst weg, als das Marienfeld 2005 Schauplatz einer der ersten größeren Papstmessen “unseres” Papstes war. Seitdem steht dort der Papsthügel, die höchste Erhebung weit und breit und eben ein Gipfelkreuz, das ungefähr genau so hoch wie der Hügel ist.

 



Gemeinsam gewandert

Geschrieben am um 13:20

Letzten Sonntag bin ich gemeinsam gewandert. Und ich bin nicht, wie ein hastiger Blick auf das Plakat der Veranstaltung suggerieren könnte, mit Uwe Hübner gewandert. Nein, ich bin mit ca. 1.000 Fußgängern, Rollstuhlfahrern, Blinden und geistig Behinderten gewandert. Eine sehr unterstützenswerte Aktion, ist es doch normalerweise so, dass die Wanderwelt zweigeteilt ist. Zum einen gibt es die Premiumwege mit schmalen, wurzeligen, felsigen Wegabschnitten. Da ist kein Durchkommen für Rollstuhl, Kinderwagen, Rollator. Zum anderen gibt es barrierefreie Wanderwege, breit, meist asphaltiert. Das findet der Rest der Wanderwelt nicht so aufregend. Am letzten Sonntag trafen beide Welten am Schloß Lörsdorf in der Nähe der Schumi- und Kolpingstadt Kerpen aufeinander, und siehe da – es funktionierte! Alle hatten ihren Spaß, es war ein fröhliches Wander-Happening bei Kaiserwetter. Der Pfeil auf dem Plakat mit der Beschriftung “Rot” ist ein Tipp für die junge Frau, doch etwas Sonnencreme aufzutragen.

 

 

Wir wanderten auf einem rekultivierten Ex-Tagebaugebiet und passierten den Boisdorfer See. Wahrscheinlich wird das aber “Boosdorf” gesprochen, am Niederrhein (siehe Troisdorf, Grevenbroich, Straelen) hat man seit jeher viel zu viele Vokale, und spricht sie gar nicht aus.

 

 

Und am Ende der Wanderung wurde es richtig romantisch, als wir an einem  großen Gehöft vorbei gingen. Ob es dort auch Urlaub auf dem Bauernhof gibt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

 

 

Im nächsten Blog könnt Ihr erfahren, warum es Booosdorf gar nicht gibt und warum die Wanderung eine Art Kreuzweg war…

 



Vorfreude auf den Neanderlandsteig ist die schönste Freude

Geschrieben am um 11:02

Jetzt mal ein traurige Meldung für alle, die sich schon auf die Eröffnung des Neanderlandsteigs am 14. Oktober gefreut haben. Das wird leider nix. Der Grund: Das Wanderverkehrsministerium in Castrop-Rauxel-Ost benötigt zur Prüfung der Wanderwegeknotenpunkte auf dem Neanderlandsteig noch ein paar Monate Zeit. Schade.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, im Mai geht dann die Wandersause in und um den Kreis Mettmann herum so richtig los. Und dann kan man solche Wege genießen:

 

 

… oder man verbringt den langen Herbst und Winter in Bergischen Traditionsgaststätten. Bei Dröppelminna, Pillekoken und/oder einem kalten Bier.

 

 



Neanderlandsteig

Geschrieben am um 7:33

Meine Damen und Herren, ich habe die Ehre, Ihnen heute, weltexklusiv sozusagen, einen brandneuen Wanderweg im Herzen von Nordrhein-Westfalen vorzustellen: Den Neanderlandsteig im Kreis Mettmann. Ich hatte ehrlich gesagt den Kreis Mettmann nie wirklich als Wanderdestination auf dem Schirm gehabt. Eine Landschaft zwischen Düsseldorf, Essen, Wuppertal und Leverkusen, dicht besiedelt, viele Verkehrswege, da soll man wandern können? Um es vorweg zu nehmen, man kann es, durchaus.

 

Der Neanderlandsteig wird in drei Etappen eröffnet werden, 2014 ist das Ding dann ein runde Sache. Für den 7. Oktober 2012 ist die Eröffnung der ersten fünf Etappen von Gruiten nach Velbert geplant – und ich kann versprechen, dass der Eröffnungstermin wesentlich verlässlicher als der Starttermin des neuen Berliner Flughafens ist.

Jetzt erst mal zum Namen des Weges: Neanderlandsteig. Natürlich war der Neandertaler nicht im gesamten Kreis Mettmann unterwegs. Aber jedes Kind braucht einen Namen, und Neanderlandsteig ist nun mal griffiger als Der-Kreis-Mettmann-mit-Anbindung-an-Wülfrath-Velbert-Monheim-Langenfeld-Gruiten-Ratingen-Steig. Der Steig wird allerdings nicht am Neandertalmuseum vorbei führen, weil es dort nur fiese Asphaltwege gibt. Aber es gibt ja auch nicht nur Knochen im Neandertal, sondern auch Pfaue.

Einkehrmöglichkeiten (zu diesem Thema im Übrigen mein nächster Blog) gibt es natürlich auch. In Düssel (nicht …dorf, sondern einfach Düssel, ohne …dorf) in Düssel also aß ich einen hervorragenden Pillekoken. Der Riesenreibekuchen war genauso schmackhaft wie der Name großartig ist. PILLEKOKEN ROCKT!!!

Und dann fand ich sie, die magische, die einzige, die unglaubliche Quelle der Düssel, ein Fluss, der einem ganzen Dorf seinen Namen gab. Das soll jetzt hier echt nicht auf ein Düsseldorf-Bashing hinauslaufen, aus dem Alter bin ich echt raus, aber dass die Quelle der Düssel gewisse – äh – Öffnungszeiten hat, ist doch ziemlich lustig.

 

Ich kann nur sagen, auf dem Neanderlandsteig wird es jede Menge zu entdecken geben, lasst Euch überraschen…

 



Letzte Woche bin ich auf dem E8 gewandert

Geschrieben am um 7:46

 

Ich bin ja kein richtiger Fernwanderer, daher bin ich auch nicht die gesamte Strecke gegangen, nur so ein kleines Stück am Niederrhein, im Maas-Schwalm-Nette-Gebiet an der holländischen Grenze. Ich habe sozusagen schon die Nordseeluft riechen können. Die Gegend um Lobberich herum ist ein veritables Freizeitgebiet. Dort kann man schwimmen und angeln, Kanu fahren und Radfahren. Aber was ist das alles gegen eine schöne Partie Miniaturgolf. Ich habe schon oft festgestellt, dass schöne Wanderwege an Fußballfeldern, Kläranlagen und Freibädern vorbei führen. Aber meines Erachtens werden viel zu selten Minigolf-Anlagen passiert

 

Oder täusche ich mich da etwa? Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber die Mischung Premiumweg/Qualitätsweg/Weitwanderweg und Mini-Golfplatz ist eine Rarität. Obwohl es sich bei dem Mini-Golfplatz an der E8 natürlich genau genommen um eine Miniatur-Golfbahn handelt, das sind die mit den Sieben-Meter-Eternit-Bahnen, die man nicht betreten darf. In meiner wild bewegten Jugend war ich einige mal Amateur-Tagesieger auf der Miniaturgolf-Anlage in Dahme/Ostsee. Ach herrje, ist das lange her.

Zurück zum E8. Die Natur am Weg ist spektakulär abwechslungsreich. Auenlandschaften, Seen, Felder, Weidenbäume, kleinen Forstungen, wunderbar. Aber der totale Knaller ist ein Feuchtbiotop am De Wittsee.

 

Erst mal ist es ziemlich FEUCHT dort, (ein ausgedehntes Schilfgebiet), dann total BIO (Super Pflanzen wachsen da: Froschlöffel, Blut-Weiderich, Flatter-Binse, der giftige Hahnenfuss, der bittersüsse Nachtschatten). Und natürlich wäre das Feuchtbiotop kein richtiges Feuchtbiotop, wenn sich nicht haufenweise TOP-Tiere dort pudelwohl fühlen würden. Es quakt, kräht und schnattert dort, dass man halb taub wird. Ein Paradies für Have-a-Break-have-a-Kitkat-Fans…

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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