Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Einkehrparadies Ostwestfalen

Geschrieben am um 8:01

Der Frühling naht mit riesigen Schritten und damit die legendäre Wanderbroschüre „Wunderbar Wanderbar“ von NRW Busse und Bahnen. In diesem Jahr geht es unter anderem nach Ostwestfalen auf den Hermannsweg. Ich bin von Steinhagen (da kommt der Steinhäger her) hinauf auf die Höhen des Teutoburger Walds gewandert und schließlich hinein in die pulsierende Metropole Bielefeld. Das Schöne an dieser gut zehn Kilometer langen Wanderetappe: Ich kann mich nicht entsinnen, je eine Etappe eines Weitwanderweges mit höherer Einkehrdichte gegangen zu sein.

 

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Gaststätte Nummer Eins ist bei einem ominösen Peter auf dem Berge. Ob es sich bei Peter auf’m Berge um Peter Neururer, Peter Pan oder Peter den Großen handelt, habe ich nicht kapiert. Aber kaum hat man nach der Einkehr das erste Pils verdaut, ist man schon zum Fernsehturm auf der Hünenburg gewandert.

 

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Nun gut, der Kiosk hatte zu, weil weder schönes Wetter (Winter) noch Wochenende. aber die Meierei Olderdissen, die hat ganzjährig und täglich geöffnet.

 

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Kaum hat man den rundgetrunkenen Deckel in der Meierei bezahlt, geht es schon in das Café des Bauernhausmuseums. Egal ob drinnen (oder) draußen. Die Frage (ist): Warum (Klammern) um das (und)?

 

 

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Aber wenn man so richtig chillen will vom harten Workout im Homeoffice auf’m Petermountain, sollte man in den Beergarden gehen…

 

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Und wer dann noch nicht die Luken offen hat, kann auch noch auf der Sparrenburg litern. Prost, Du Sparren!

 

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Hier noch der Beweis, dass ich wirklich am Hermannsweg war, der Selfie Beweis, keine alternativen Fakten oder so. Und kostenlos gibt es an dieser Stelle noch einen kleinen Styling-Tipp von mir.

 

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Wenn es wirklich saukalt ist, also unter Null und Schnee und Eis und Bibber, dann ziehe ich bei Wanderungen unter meine Fleece-Jacke noch den blauen Kuschel-Hoodie an, das ergibt zwar manchmal so eine verdrehte Wurst im Nacken wegen der Doppel-Kapuze, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil, das wärmt auch noch den Nacken.

Aber mal was anderes. Kann nicht einer mal der Grinsebacke neben dem H sagen, dass man bei einem Selfie nicht immer ein Doppelkinn machen muss? Danke.



Mein erster Wanderweg-Kinospot

Geschrieben am um 9:01

Ich habe schon ab und an vor einer Fernsehkamera gestanden (und vor allem gesessen), habe auch schon Wandersendungen für den SR und den WDR gemacht. Aber ich habe noch nie einen Werbespot für einen Wanderweg gedreht. Premiere! Der Neanderlandsteig um den Kreis Mettmann herum liegt im Einzugsbereich von vielen NRW-Städten: Düsseldorf, Köln, Solingen, Wuppertal, Essen, Mülheim, Duisburg. Da liegt es nahe, dieses Wanderer-Potential auf den Neanderlandsteig zu locken, indem man den Rundweg um den Kreis Mettmann herum auf den Kinoleinwänden der umliegenden Städte bewirbt. Eine Ehre für mich, das Gesicht dieses Kino-Spots zu sein.

 

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Allerdings habe ich noch nie so nervenaufreibende Dreharbeiten mitgemacht. Das war anstrengender als eine 80-Kilometer-Wanderung mit Thorsten Hoyer! Alle Sequenzen des Kino-Spots wurden mit einer Kamera-Drohne gedreht, die bei den gefühlt 150 Wiederholungen der Szene immer haarscharf an meinem Kopf vorbeiflog, so dass ich ernsthaft Sorgen um mein Resthaar haben musste.

Rein technisch betrachtet ist eine Drohne ja nicht so konstruiert, dass da noch der Kameramann von der Drohne mitgeflogen wird, die Drohne kann nur eine kleine Kamera transportieren. Also muss sich der Kameramann mit der virtuellen Brille behelfen. Das ist echt irre: Wenn der Kameramann den Kopf bewegt, kann er damit auch die Kamerabewegungen steuern.

 

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In Zukunft könnte das auch beim Wandern eingesetzt werden. Ein Wanderoperator (früher hieß das Wanderführer) steuert mittels Kopfbewegungen den ganzen Wanderverein.

Wenn ihr glaubt, dass nur von der Kameradrohne Gefahr für Leib uns Seele ausging – Irrtum! Ich hatte auch mit sehr analogen Gefahren zu kämpfen.

 

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Am Motiv „Schlupkothen“, einem krombacheresken See am Neanderlandsteig, störte ein grüner Metallzaun den Natur-Eindruck. Wir konnten das Ding aber nicht einreissen, also wurde aus Holzkisten ein äußerst wackliges Podest gebaut, auf das ich mich stellen sollte. Schon der Spreizschritt hinauf auf das Podest war nichts für Menschen mit schwachen Nerven und Leisten. Aber oben thronend, die Hände in den Taschen (typische Wanderhaltung von mir) die Balance zu halten. Das war reif für den Cirque de Soleil.

Als wir alle schon dachten, der Dreh auf der Kiste wäre im Kasten, besuchte uns noch die freundliche Polizei von Velbert. Ich dachte zuerst, die wollten mit uns über’s Wandern plaudern, aber sie sagten nur barsch: „Wir sind wegen Ihnen hier“. Oha!

 

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Fakt war, dass der Landeanflug sämtlicher Maschinen auf dem Flughafen Düsseldorf gestoppt worden war, weil wir mit einer Drohne unsere Kinospot-Aufnahmen gemacht hatten. Außerdem hatte sich ein Velberter Bürger beschwert, wir wären über seinem Garten geflogen. Nach dem Austausch von vielen amtlichen Drohnen-Flug-Erlaubnissen und Sichtung unseres Materials wurde der Düsseldorfer Flugverkehr wieder aufgenommen und der Velberter Bürger wurde wegen böser Verleumdung in eine Gemeinschaftszelle gesteckt. „Mit siebenundzwanzig 1,90 Meter großen sexuell ausgehungerten Weibsbildern“ wie der Polizist erläuterte.

Ich danke herzlich meiner Bloggerkollegin Elke Bitzer (https://fotografischereisenundwanderungen.com) für die Making-Of-Fotos.

Das fertige Ergebnis ist in ausgewählten Kinos seit letzten Donnerstag und auf You Tube zu sehen.

 



Der Kalorienpfad

Geschrieben am um 7:42

Die alte Gretchenfrage an den Wanderer ist doch: Warum wanderst Du? Da gibt es naturgemäß tausend Gründe, jeder setzt da unterschiedliche Schwerpunkte. Aber über einen Fakt sind sich alle Gesundheitsapostel einig: Wandern macht schlank. Wenn man möchte. Es ist natürlich ein Problem, wenn nach dem Wandervergnügen etliche Belohnungsbiere den Gewichtsverlust ausgleichen. Aber gehen wir einmal davon aus, man könnte nach einer Wanderung auch ein leckeres stilles Wasser oder einen grünen Tee genießen. Dann kann man wirklich beim Wandern abnehmen.

 

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Wer spüren will, wie die Kalorien dahin schmelzen, sollte nach Hilchenbach ins Siegerland fahren. Dort gibt es den Kalorienpfad rund um den Breitenbach-Stausee. Mit sieben Kilometer nicht furchterregend lang, aber damit der Abnahmeeffekt steigt, hat man sich einen Trimm-Dich-Pfad 4.0 mit hochmodernen Geräten ausgedacht. Über die oben abgebildete Brücke soll man übrigens nicht balancieren, das wäre unter Umständen ungesund, obwohl man natürlich auch im Krankenhaus mit zwei gebrochenen Beinen bei Schon-Kost schön Gewicht verlieren kann. Nein, man soll sich an dem Sportgerät entlang hangeln. Etwas merkwürdig fällt nur die Bedienungsanleitung aus …

 

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… wenn ich das richtig verstehe, ist es mega-supi, wenn ich das einmal schaffe. dafür gibt es den vollen Smiley. Wenn ich das zweimal schaffe, na ja, geht so. Und richtig mies ist viermal. Hääää? Je mehr ich mich anstrenge, desto schlechter ist das? Ist das Programm von radikalen Anti-Kapitalisten geschrieben worden? Auf jeden Fall kann man auf diesem kurzen Kalorienpfad schön nachverfolgen, wie die Kalorien verschwinden …

 

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Wie die legendären Schogetten machen sich die kleinen Kalorien auf und davon, je mehr man geht, desto mehr sind verschwunden. Wir fühlen uns schon ganz leicht. Sehr schön ist die Station, an der ein paar Festmeter Holz umgeschichtet werden müssen …

 

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… nach dieser Lumberjack-Übung fühlt man sich fit für einen sechswöchigen Wanderurlaub in Kanada ohne Kompass und Wanderkarte. Aber soll ich Euch mal sagen, was für mich das schönste Fitnessprogramm beim Wandern ist? Antwort: Einfach ein schöner Weg. Denn der verschafft einem die nötige glückliche Entspanntheit, die für ein unglaubliches Körpergefühl sorgt. Egal, was dann hinterher die Waage sagt.

 

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„Wir sind heute 16 Kilometer gewandert!“

Geschrieben am um 6:59

Mit einer großen Wandertruppe zu wandern finde ich toll. 25 bis 30 Leute gehen mit, denen ich meine Lieblinsgwege zeige, ein paar gut abgehangene Anekdoten erzähle sowie geduldig auf die Lieblingsfrage („Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Harald Schmidt?“) antworte. Alle haben großen Spaß, spätestens beim Belohnungsbier setzt sich allgemein das Wander-Du durch und wir singen „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ So ist das normalerweise bei „meinen“ Gruppenwanderungen.

Etwas anders stellte sich die Situation an einem leidlich sonnigen Freitagvormittag im Juni dar. Ich hatte im Rahmen eines Artikels im Seniorenblatt „Kölner Leben“ eine kurze, flache Wanderung auf dem Kölnpfad vom Königsforst durch die Wahner Heide nach Wahn angeboten. 10,8 Kilometer, ungefähr. Als ich aus der Straßenbahn stieg, standen da 116 Menschen, die mit mir wandern wollten. Schluck. Um es kurz zu machen, ich habe sie alle heil zum Ziel in der Gaststätte Eltzhof gebracht.

 

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Wander-Du und gemeinsames Schunkeln gab es aber nicht, eher war die Stimmung leicht gereizt, weil sehr viele Senioren Stein und Bein schworen, dass die Gesamtstrecke die angekündigten 10 Kilometer weeeeiiiit überschritten hätten. Einige zeigten mir als Beweis ihren Schrittzähler (Schrittzähler, nicht Herzschrittmacher!). Die meisten dieser Hightechinstrumente zeigten 12 Kilometer, einer sogar 16 Kilometer…

 

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Ich versuchte zu argumentieren, dass es eher unmöglich sei, mit einer Gruppe von 116 Leuten mit etlichen Pausen sechzehn Kilometer in gut drei Stunden zu schaffen. Aber dann musste ich irgendwann Abbitte leisten. Ich gebe zu: es waren über 10 Kilometer, wahrscheinlich auch über 16 Kilometer, wahrscheinlich waren es 21 Kilometer mit einer Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit (WDG) von ungefähr 7 km/h. Die russische Leichtathletik lässt grüßen.

Zur Erinnerung für alle, die an dieser High-Speed-Veranstaltung teilgenommen hatten, füge ich hier noch mal den Panoramablick auf die Wahner Heide (die ist eine ganz wilde) an. Diesen Blick hat vielleicht der eine oder andere meiner Wander-Senioren im Geschwindigkeitsrausch verpasst…

 

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Eine gute Bank kann die Entscheidung bringen

Geschrieben am um 7:09

Es ist eine Binsenweisheit – beim Wandern, bei Geldgeschäften, beim Fußball: Die Bank ist eintscheidend. Wer den EM-Titel holen will, braucht immer den Überraschungseffekt bei einer Einwechlsung, auf der Bank sollten nicht nur Maskottchen, Stimmungskanonen oder Halbinvalide hocken. Und seit meinem ersten Wanderbuch beschäftige ich mich selbstredend mit den Wanderbänken der Republik, den verrotteten Bänken, den halben Bänken, den Sinnenbänken. Ein schönes Exemplar habe ich am Tecklenburger Bergpfad entdeckt …

 

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… eine grüne Bank ohne Schnickschnack oder Rückenlehnen. Kein neumodischer, ergonomischer Quatsch. Und die im 90 Grad abstehende Zusatzbank ist ein Service für Ehepaare, die sich nun wirklich überhaupt gar nichts mehr zu sagen haben: Einer kann auf der „normalen“ Bank die Aussicht genießen, der andere sich mit dem Rücken zum Ehegatten platzieren. So muss man nicht miteinander reden, muss sich noch nicht mal anschauen, einfach herrlich!

Eine ganz spezielle Bank habe ich wenige Kilometer später gesehen. Erst einmal fühlte ich mich durch eine ganz spezielle Einladung angesprochen …

 

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Kleine Waldmusik? Aber klar, wo doch mein zweiter Vorname „Musikalität“ ist! Also setzte ich mich und gab einer ergriffenen Zuhörerschaft ein kleines Konzert. Ich spielte mich in einen Rausch und gab eine Rhapsodie von Rachmaninov zum Besten. Ich griff in die Tasten, dass Glenn Gould vor Neid erblasst wäre. Hat sich also die vormusikalische Erziehung von Yamaha doch gelohnt…

 

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Die schönste Bank ist aber immer noch die klassische Picknick-Bank. Die wird aber erst richtig schön, wenn das Picknick Weltklasse ist: Mit meiner neuen Kühlbox von Rotkäppchen Weichkäse kann man nicht nur Weichkäse, sondern auch kalte köstliche Bierspezialitäten aus Saarbrücken genießen: Das erste Weizen, dass man problemlos aus der Stubbi-Flasche trinken kann. Dieses Bier ist auch eine Bank.

 

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Wandertag bei Fifty Five

Geschrieben am um 6:41

Wie vielleicht die meisten wissen, ist mein Wanderklamottensponsor Fifty Five. Für die Truppe um den charismatischen Chef Ulli Baldus würde ich durch’s Feuer gehen, ganz ehrlich. Also bin ich natürlich letzten Samstag beim 2. Internationalen Fifty Five Wandertag mitgewandert, wieder eine legendäre Wandersause. Beim 1. Internationalen Fifty Five Wandertag hatten wir einen lieben Mitwanderer, der sich sehr intensiv um die Fotografierung von Kleinstblumen und Pilzen bemüht hatte, im Wald verloren. Den verlorenen Wanderer Joe (wir haben danach Wanderbrüderschaft getrunken) haben wir dank einer äußerst aufwändigen Suchaktion OHNE die Mithilfe der Netphener Polizei wiedergefunden. Dieses Jahr konnten wir dank einer perfekt ausgeklügelten Route von SGV-Mann Helmut vom Firmengelände von Fifty Five starten und waren schnell auf einem wunderbaren Wiesenweg.

 

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Den ersten phantastische Ausblick genossen wir auf die beiden roten Würstchen- und Verkaufszelte von Fifty Five. Da bekamen einige Mitwanderer Durst und köpften direkt an der übernächsten Ecke eine Flasche von Frau Rotkäppchen …

 

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… aber der Herr Söhnlein (brillant!) ließ sich nicht lumpen und entledigte sich ruckizucki der Alumiumverkleidung…

 

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… die durstigen Mitwanderer konnten ja auch nicht wissen, dass am Ende der Wanderung auch richtiges Kölsch auf sie gewartet hätte …

 

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Auf der Tour in Netphen habe ich viel gelernt. Zum Beispiel einiges über die Rohstoffe des Siegerlands, das STANGENÖL, das an vielen Stellen am Rande des Weges herum lag:

 

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Und von Ulli, dem Fifty Five-Chef (gelernter Textiltechniker) habe ich erfahren, dass man Funktionsjacken nicht vor dem Bauch verknoten sollte, dass zerstöre nämlich die hoch sensible Membran.

 

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Diese Membrane seien so empfindlich wie eine Menschenhaut. Zum Beweis hat er seinen Unterarm um den Bauch geknotet. Das ging nicht gut, das tat sehr weh. Übrigens: Die Terminplanungen für den 3. Internationalen Fifty Five Wandertag 2017 laufen auf Hochtouren. Alle, aber wirklich alle, die beim 2. Internationalen Fifty Five Wandertag (hatte ich schon erwähnt, dass es Grillwurst, Kuchen, Kaffee, Bier, Cola und Wasser für umme gab?) dabei waren, wollen wieder mitwandern. Anmeldungen für 2017 unter info@fiftyfive.eu



Der Paderborner Höhepunkt

Geschrieben am um 6:54

Ich dachte immer, der Paderborner Höhepunkt wäre es, den Paderborner Dom zu besuchen. Oder in der Pader zu baden. Oder nicht in die dritte Liga abzusteigen. Aber erstaunlicherweise findet sich ein wahrer Höhepunkt auf dem Paderborner Höhenweg südlich von Neuenbeken …

 

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Das war ein im wahrsten Sinne des Wortes erhebendes Gefühl, auf diesem Mount Everest Paderborns zu stehen. Ohne Seilschaft und Sauerstoffgerät, Reinhold Messner wäre stolz auf mich, wenn er mich sehen könnte. Am höchsten Punkt auf 347 Meter war alles vorhanden, was zu einem g’scheiten Gipfel gehört: Ein Gipfelkreuz und sogar ein richtiges Gipfelbuch im schützenden Metallkasten…

 

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Natürlich habe ich direkt mit klammen Fingern ein Grußwort in’s Gipfelbuch hineingeschrieben, eine Art Entschuldigung, denn ich habe vor etlichen Monden in einem Anfall von geistiger Umnachtung etwas leicht Kritisches über die Qualitäten des Paderborner Wanderlands verlauten lassen…

 

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Ein Seite vorher im Gipfelbuch, erstaunlicherweise sogar am gleichen Tag, hatten „I + H“, also Ingrid und Herbert, einen „Höhepunkt auf dem Höhepunkt“…

 

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Da gratuliere ich nachträglich ganz herzlich: Zum Geburtstag und vor allem zum gemeinsamen Höhepunkt auf dem Höhepunkt. Paderborn, der Gipfel der sinnlichen Genüsse!



Ein Highlight für leidenschaftliche Trainspotter

Geschrieben am um 8:20

Ich weiß nicht ob ich das schon mal erwähnt habe – ich bin nicht nur Wanderfreund, sondern auch Schienverkehr-Fan. Als Kind wollte ich Straßenbahnfahrer in Köln werden, später habe ich Lokomotiven fotografiert, noch später bin ich mit der Bahncard 100 kreuz und quer durch Deutschland gefahren. Ich kenne ungefähr so viele Bahnhöfe wie Wanderwege (das zweite bedingt ja auch oft das erste), kurz, ich bin ein leidenschaftlicher Trainspotter. Kürzlich bin ich auf dem Paderborner Höhenweg gewandert und kam am Dunetalviadukt vorbei.

 

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Um das Viadukt angemessen zu bestaunen, wurde eine großzügig bemessene Aussichtsplattform für die Wanderer installiert. Alles noch im normalen Rahmen. Einen großartiger Service bieten aber die beiden Infotafeln, die auf der Aussichtsplattform angebracht sind.

 

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Trainspotter können genau nachvollziehen, wann die S-Bahn nach Hannover (wer will da eigentlich hin?), die Westfalenbahn nach Bad Salzuflen und der ICE nach München vorbeifährt. Hilfreich wäre vielleicht noch einen elektronische Verspätungsanzeige. Aber mal ehrlich: Auf meiner Wanderung waren ALLE Züge auf die Minute pünktlich – und ich habe bestimmt neun Stunden auf der Aussichtsplattform campiert. Der absolute Knaller sind aber die Infos über die Güterzugfahrten…

 

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Mein Geheimfavorit: Der Zug, der planmäßig Samstags (Aber Achtung! Nicht nach Karfreitag, oder gibt es noch andere Feiertage an Freitagen?) um 12:37 durch Altenbeken Richtung Paderborn fährt. Dann muss man noch vier Minuten warten und schon rauscht der Güterzug mit Biercontainerwagen auf nach Warstein über’s Dunetalviadukt. Den könnte man überfallen, dann hätte man genug Bier für einige Wochen. Die Frage ist nur, fährt der voll oder leer? Wahrscheinlich ja leer, aber es könnte ja auch sein, dass sich Warsteiner gutes Bier aus München liefern lässt, um es unter dem Namen „Warsteiner“ abzufüllen und dann zurück nach Bayern zu schicken. Also: Samstags auf zum Dunetalviadukt und Warsteiner Biercontainerwagen gucken!



Auf dem Bierweg

Geschrieben am um 8:43

Um es vorweg zu nehmen: Ich kenne viele bekennende Biertrinker, die auf jeder Wanderung sehr schnell unterhopft sind und dementsprechend jeden Wanderweg Deutschlands zum Bierweg machen: Dosenbier beim Picknick, Einkehrbier, Belohnungsbier und dann beginnt erst das Après-Hiking! Diese Vorliebe für den Gerstensaft ist jetzt vom Bergischen Wanderland konsequent umgesetzt worden. Der Streifzug Nummer 17 ist der sogenannte Bierweg. Man sollte wandermäßig nicht zu viel erwarten aber man kann sich diesen Weg schön trinken. Es beginnt im Bierdorf Bielstein:

 

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Der Ort nennt sich nicht „Bierdorf“ weil alle Bewohner ständig hackenstramm sind. Vielmehr befindet sich die exotischste Kölsch-Brauerei der Welt in Bielstein: In der Erzquell-Brauerei wird tief im Oberbergischen das Zunft Kölsch gebraut. Da man eine Brauerei-Führung buchen muss, um im Braustübchen ein süffiges Zunft Kölsch zu bekommen, haben wir uns für ein Starter-Bier in Tom’s Hütte entschieden:

 

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Ich hatte die Bierweg-Wanderung meinen Freunden Elena und Stephan zum Geburtstag geschenkt. Nachdem sie die Schleife von meinem Geschenk abgefummelt hatten, haben wir uns zum ersten Kölsch nach 15 Metern anstrengender Wanderung gesetzt. Tom’s Hütte am Busbahnhof in Bielstein sieht von außen aus wie einen Frittenbude, entpuppt sich aber inwendig als nettes Etablissment mit Holzofen und frisch gezapftem Kölsch. Auf dem Wanderweg haben wir dann Protestplakate gesehen.

 

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Ich habe das Plakat nicht verstanden, vielleicht lag es am Kölschgenuss. Nein zur Landschaftzerstörung? Soll in die Nähe von Bielstein ein neuer Kölner Dom gebaut werden? Ein mickriger Kölner Dom, kleiner als ein Windrad? Und was haben die Bielsteiner überhaupt gegen den Kölner Dom? Gegen Bier haben sie auf jeden Fall nichts, denn das Highlight der Tour ist eindeutig ein Besuch bei Hobbybrauer Uwe auf halbem Weg zurück nach Bielstein. Er braut das leicht trübe Gölsch (kein Schreibfehler), das man in seiner zur Kneipe umgebauten gemütlichen Gartenhütte genießen kann. Das Bier ist verdammt lecker, wirklich!

 

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Kleiner Nachteil des Gölsch: Ein Toilette gibt es bei Uwe nicht, also muss man sich mit eingeklemmter Blase vorsichtig auf den weiteren Weg nach Bielstein machen. In Tom’s Hütte gibt es dann spätestens eine Toilette …

 



Der Wander-Rechercheur hat’s manchmal schwör

Geschrieben am um 7:39

Bald liegt in NRW die Wanderbroschüre „Wunderbar Wanderbar“ aus. An Bahnhöfen, in Touristik-Infos, an Vorverkaufsstellen des öffentlichen Nahverkehrs. Alle acht Touren habe ich wie immer nicht nur ausgesucht, sondern bin sie alle abgewandert. In der Hochglanzbroschüre sind alle Touren recht lecker präsentiert, heute gibt es aber mal eine Art Werkstattbericht. Ich bin ja eigentlich hart im Nehmen, aber die Recherche-Wanderung auf dem Ilsetalpfad war schon ein hartes Brot

 

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Was ihr auf diesem Foto seht ist kein Schnappschuss auf dem Vormarsch Richtung Verdun 1916, sondern ein Blick in’s Siegerland Anfang Februar 2016. Eine Schlechtwetterfront vom Feinsten hatte das komplette Siegerland in seinem Griff. Eine Binsenweisheit: Rechtzeitig zum Beginn der Wandersaison soll „Wunderbar Wanderbar“ fertig sein, da muss ich eben zumeist im Winter die Wege ausprobieren. Gut, dass ich eine angeborene überragende Phantasie habe. Ich muss nur die Augen zumachen: dann höre ich Vögelgezwitscher, spüre die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, und renne mit meinen geschlossenen Augen vor einen nassen Markierungspfosten. Aber keine Angst, wenn ihr den Weg geht ist immer eitel Sonnenschein!

Andere Ecke von NRW: Münsterland. Ich bin an der Ems unterwegs zwischen Greven und Münster, das Wetter ist annehmbar, das Naturschutzgebiet Bockholter Berge hübsch, der Mittagstisch des Landhaus Oeding lockt…

 

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Aber dann der Schock: Betriebsferien beim Landhaus Oeding! Nicht ungewöhnlich im Januar, aber ein harter Schlag für mich. Statt Mittagstisch braune angematschte Banane aus dem Rucksack. Ich finde, ich habe von Euch jetzt ein lang gezogenes „Ooooohhh, armer Manuel“ verdient. Aber nur, wenn dieses „Ooooohhh“ auch einem tief empfundenen Mitleid entspricht.

Und was ist das jetzt wieder?

 

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Das Ding habe ich bei meiner Wanderung zwischen Arnsberg und dem Möhnesee gesehen, ich dachte, das wäre ein Sitzmöbel, so eine Art Sinnenschaukel. Aber als ich das Ding ausprobieren wollte, fand ich es schrecklich ungemütlich, eng, scharfkantig, kalt, viel zu viele Löcher. Kein Wunder, es handelte sich auch um einen KLANGWIEGE. Fragt mich bitte nicht, wer warum und wozu eine Klangwiege braucht, mir hat sie auf jeden Fall sehr weh getan, für mich war es eine KLAGEWIEGE. Also denkt dran, dass die Erstellung von „Wunderbar Wanderbar“ kein Larifari ist, sondern immer verbunden ist mit Blut, Schweiß und Tränen….


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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