Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Warum Premiumwege? – Part II

Geschrieben am um 9:32

Ich habe mir über Pfingsten die volle Dröhnung gegeben, ein Pfingstwochenende wirklich vom Allerallerfeinsten. Erst Wandern auf dem hoch bewerteten Premiumweg “Wiesensteig” im Schwarzwald, dann Schlemmen im Zwei-Sterne-Restaurant “Le Pavillon”, schließlich Wellness und Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel Dollenberg.

Das war nicht ganz so schlecht und bevor ich den Neid rascheln höre – “Der Andrack kann sich so was leisten?”, “Ich denke, als Blogger verdient man nix”, also bevor der Neidfaktor zu hoch ist, hier die nackte Wahrheit: Das war harte ARBEIT dort im Schwarzwald, ich war als investigativer Journalist auf dem Wiesensteig, im Restaurant, im Hotel, als Incognito-Tester unterwegs im Namen der Qualitätssicherung.

Und da sind wir sofort beim Thema. Denn auch das Thema “Premiumweg” beschäftigt sich mit Qualität, Einordnung, Benotung. Muss das denn sein, mag sich mancher fragen. Antwort: JA, das MUSS SEIN. Ganz einfach, weil der Mensch so gestrickt ist. Jeder möchte wissen, wo oben und wo unten ist. Eine Fußballbundesliga mit achtzehn ersten Plätzen ist fade, man möchte wissen, wer Meister ist und wer absteigt. Man möchte in der Schule wissen, woran man ist, ob die Note gut oder schlecht war. Nach einer Wahl möchte man nicht hören, dass die eine Partei viele und die andere Partei auch viele Stimmen bekommen hat. Nein, man will wissen, wer gewonnen hat, aber bitte bis zur Stelle hinter dem Komma und mit Gewinnen und Verlusten.

Gut, kann man nun einwenden, Wahlergebnisse, Schulnoten, Fußballresultate sind hundertprozentig nachvollziehbar. Über ein 5:3 muss man nicht diskutieren, 28,8 Prozent reichen nicht für die absolute Mehrheit, das ist klar. Aber gibt es nicht auch so etwas Geschmacksurteile bei Restaurants, Hotels, Wanderwegen? Nein, die gibt es nicht. Wenn der Michelin zwei von drei Sterne an ein Restaurant vergibt, kann man sich SICHER sein, dass man dort bei einem der besten Köche Deutschlands speist und es nicht wie Kantine schmeckt.

 

Und auch die vier oder fünf Sterne eines Hotels bürgen für gewisse Mindeststandards. Und genauso ist es auch bei Premiumwegen. Natürlich kann ich sagen, dieser Premiunweg gefiel mir besser als ein anderer. Man kann auch sagen, dass es tolle Wanderwege ohne Premium-Zertifizierung gibt. Klar. Aber es existiert eine EINORDNUNG, QUALITÄT wird einfach belohnt. Ich weiß, dass auf einem Premiumweg die Markierung top ist, ich weiß, dass ich nicht stundenlang über breite Asphaltwege latsche, ich weiß, dass ich durch tolle blicke großartige Aussichten genießen kann. Premium eben. Sternewandern. Qualitätswandern. Ich liebe das, weil es Lebensqualität garantiert.

 



Wandern mit dem Kurschatten

Geschrieben am um 8:23

Am vorletzten Freitag war ich in Bad Orb. Bad Orb ist ein prima Kurort, allerdings – seitdem die Krankenkassen keine präventiven Kuren mehr finanzieren – von den goldenen Zeiten einer deutschen Kurstadt meilenweit entfernt. Allerdings gibt es zwei neue Highlights in Bad Orb, die eine Reise wert sind. Zum ersten eine Therme mit Unterwassermusik. Ob dort Walzer oder Punk Rock gespielt wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Zum zweiten wurde am 11. Mai der neue Premiumweg SPESSARTBOGEN eröffnet. Ich wollte nicht alleine wandern, also schnappte ich mir einen Kurschatten und es ging los.

Im Spessart gibt es viel, sehr viel Wald, daher hatte ich ein wenig Angst verloren zu gehen, man kann ja nie wissen. Zur Sicherheit habe ich mir ein Schild geschnappt, damit jeder wusste, zu welcher Wandergruppe ich gehöre. So einen Service sollte es bei jeder Wanderung geben.

 

Nach dem vielen vielen Wald war es eine tolle Abwechslung, ein weites Tal vor sich zu sehen. Das Tal heißt nicht Haselnuss, auch nicht Haselhase, nein, das Tal heißt Haseltal

 

Im Haseltal fand sich dann auch noch ein Highlight von Orb, dass ich am Anfang dieses Posts vergaß, zu erwähnen: Die Kneipp-Anlage im Haseltal. Ein Traum. Ich zog sofort Schuhe und Strümpfe aus und begann, in den Kneipp-Bahnen zu trainieren. Denn eines ist klar, Olympia steht vor der Tür, und da darf man die Medaillen-Hoffnungen im Dressur-Kneippen nicht enttäuschen.

 



Der Fläming

Geschrieben am um 15:13

500-Euro-Frage: Was ist der Fläming?

  1. Ein Volkstanz in Süd-Flandern
  2. Altdeutsch für ungehobelter, dummer Kerl, vergleichbar dem „Dämlack“
  3. Eine Urform des Flammkuchen
  4. Eine Landschaft in Brandenburg

Klar, kreischen jetzt alle Wandervereine des Wanderverbands vor Freude, DAS WISSEN WIR!!! Das ist der Fläming in Brandenburg, dort findet doch der 112. Deutsche Wandertag statt und wir fahren alle alle hin.

 

Richtig, ich bin zwischen Dessau und Potsdam auf dem Hohen Fläming gewandert. Nun, so hoch ist er nicht, der Fläming. Der höchste Berg bringt es auf 201 Meter, aber das ist nun mal wesentlich höher als der Niedere Fläming, dort ist es topfflach.

 

Ich bin im Fläming auf Einladung des SPD-Politikers Frank-Walter Steinmeier gewandert. Zu diesem Thema mehr im nächsten WANDERMAGAZIN. Am Tag nach der Wanderung mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden (hatte ich schon erwähnt, dass ich über diese Wanderung eine EXKLUSIVE  ENTHÜLLUNGS-REPORTAGE im WANDERMAGAZIN schreibe?) bin ich alleine den Kunstwanderweg im hohen Fläming gewandert. Traumhafte Landschaftsbilder, eine sehr ruhige Gegend, ich fühlte mich wie Theodor Fontane auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, herrlich! Der totale Knaller ist das Städtchen Wiesenburg zwischen Bad Belzig und Dessau gelegen. Dort hat ein kunstsinniger Adliger in den 1870er Jahren eine riesiges Schloss und einen noch riesigeren Landschaftsgarten (117 Hektar) aus dem Boden gestampft. Sanssouci ist bekannt, Wörlitz ist Kulturerbe, aber Wiesenburg ist das, was man gemeinhin einen Geheimtipp nennt. Alleine für Schloss(park) Wiesenburg lohnt es, zum Wandertag zu fahren und den Fläming kennen zu lernen!

 



„Der Weg ist in der Zertifizierung“ – aber welcher genau?

Geschrieben am um 11:18

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Blogpost über den Druidenpfad bei Niedaltdorf im Saarland. Ich hatte von dem Weg durch die Touristiker der Gemeinde Rehlingen-Siersburg gehört, sonst wäre ich ahnungslos gewesen. In einem Kommentar zu diesem Text schrieb Klaus Erber vom Wanderinstitut, dass es der Weg verdient habe, die Zertifizierung als Premiumweg zu erhalten. Ich verstehe das als verschlüsselte Nachricht, dass der Weg in der Zertifizierung ist.

 

„Der Weg ist in der Zertifizierung“, diesen Satz höre ich oft von Touristikern. Das heißt, dass der zukünftige Premiumweg fertig konzipiert, ausgeschildert, markiert und möbliert wurde. Und dann klingelt der Zertifizierer zweimal und irgendwann kommt die ersehnte Urkunde und die erhoffte Punktzahl vom Wanderinstitut.

„Der Weg ist in der Zertifizierung“ – diesen Satz höre ich aber leider nur zufällig, ich würde mich aber gerne generalstabsmäßig auf die neuen Premiumwege freuen. Daher schlage ich den Jungs vom Wanderinstitut vor, eine Liste auf ihre Homepage zu stellen, die Wege also zu benennen, die zur Zeit oder in nächster Zukunft zertifiziert werden sollen. Es gibt ja auch eine Liste der EU-Länder im Wartestatus. Oder man weiß, welche Bücher oder CDs bald die Hitlisten stürmen werden.  Also her mit der „Ist-gerade-in-der-Zertifizierung-Liste“. Ihr wisst doch, Vorfreude ist die schönste Freude.!

 



Habe ich ein Sportbuch geschrieben?

Geschrieben am um 6:16

Letzte Woche flatterte mir eine Bestsellerliste der Fachzeitschrift „Bücherreport“ ins Haus. Dort waren die zehn erfolgreichsten Sportbücher des Jahres aufgelistet. Ein Jahr umfasst beim Bücherreport übrigens die Zeitspanne von März bis Februar; keine Ahnung, wo die ihren Kalender herhaben. Platz Eins der erfolgreichsten Sportbücher: ein Buch über Borussia Dortmund, dann weitere Fußballbücher, eines über Lauftraining, ein Buch über Volleyball. Und auf Platz Acht: Mein letztes Buch „Das Neue Wandern“.

Nachdem ich mit einem Kasten Bier darauf mit mir selbst angestoßen hatte, habe ich mal scharf nachgedacht und mich gefragt: Habe ich wirklich ein Sportbuch geschrieben? Genereller gefragt: Ist Wandern überhaupt Sport? Diese Frage habe ich in der letzten Woche auch mit dem Chefredakteur der neuen Zeitschrift SPORTSFREUND diskutiert, der mich über „Wandersport“ interviewte. Spielen wir das doch mal durch. Natürlich habe ich schon an einer Wanderolympiade des WANDERMAGAZINS teilgenommen. Das war aber eher ein Jux mit Rucksackweitwurf und Riesenschuhschnürsenkelbinden. Aber ist ein Weltrekord im 10-Kilometer-Wandern denkbar? Natürlich nicht. Das Gemütliche und Entspannende ist doch ein Merkmal des Wanderns.

Ist eine Wanderbundesliga der Wandervereine denkbar? Der Eifelverein hätte dort ein schweres Auswärtsspiel beim Rhönclub. Und was machen die dann beim Auswärtsspiel? Um die Wette wandern? So ein Quatsch! Genauso ein Blödsinn wie die Wanderweltmeisterschaft, an der ich dereinst in Österreich teilnahm.

Es gibt nur ein Fazit: man bewegt sich zwar beim Wandern, aber es fehlt völlig die Wettbewerbs- und Rekorde-Ebene. Wandern ist eben Wandern. Irgendwie unvergleichlich. Deswegen fordere ich ein separate Bücherliste der Bestseller über Wandern. Ach, da wäre mein Buch ja auf Platz Eins. Hurra!!! Wo ist die nächste Kiste Bier?

 



Kraft-Ei und Schleifer Andreas

Geschrieben am um 17:25

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas. Hier Teil 3 meiner Kletterhallen-Vorbereitung.

Nach der zweiten Kletterstunde war ich in ein einschlägiges Sportgeschäft gegangen, um mir einen Unterarm-Mucki-Fitmacher zuzulegen. Ich stehe staunend vor einem Power-Grip, einem Knetball, und einer Knetmuschel. Ich entscheide mich für ein Kraft-Ei. Grün und weich ist das Ei, erinnert an das Zeug, dass es früher unter dem Namen SLIME zu kaufen gab.

Kletterhalle, die Dritte. Wie bei vielen sportlichen Betätigungen, die man als blutiger Laie beginnt, ist der Anfangserfolg enorm. Ich  schaffe problemlos zusammengerechnet 120 Meter Kletterwand, elfmal steige ich innerhalb einer Stunde hoch. Nach dem zehnten Versuch kann ich eigentlich nicht mehr, aber Schleifer Andreas jagt mich noch mal hoch. “Und jetzt Tempo – eine Gewitterfront zieht auf” ruft er von unten am Sicherungsseil. Ich klettere wie ein Verrückter. Andreas war eben beim Bund Ausbilder für Einzelkämpfer, man muss es ihm also verzeihen, dass er mich so scheucht.

Seit viele Tagen erreichen mich gute Tipps von allen Seiten, die einen sagen, ich solle mir gute Bergstiefel besorgen, die würde ich im Hochgebirge brauchen. Quatsch, sagen die anderen, vielleicht sollte ich nicht gerade mit meinen geliebten Jogging-Schuhen den Watzmann hoch gehen, aber meine normalen leichten Wanderschuhe würden reichen, Bergstiefel seien doch viel zu schwer. Auch Andreas macht mir bei der dritten Kletterstunde Mut. Er habe sich erkundigt, wenn ich den sogenannten Berchtesgardener Weg in der Watzmann-Ostwand steigen würde, wäre das kein Problem für mich. Und auf die Kletterpassage würde er mich vorbereiten. Schön sind auch die vertrauensbildenden Maßnahmen, die ich mit Andreas trainiere: Einfach mal ein Abrutschen simulieren und ins Seil fallen lassen. Wichtig dabei: Finger weg von der Wand. Das kann bei einer Naturwand dazu führen, dass ein Finger im Fels stecken bleibt. Aua.

… und weiter geht es im GEO Special Heft …



Der Watzmann schreit nach mir

Geschrieben am um 19:45

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas. Hier Teil 2 meiner Kletterhallen-Vorbereitung.

Kletterhalle, die Zweite. Ich bin bei meiner zweiten Kletterstunde nach dem Einführungskurs alleine mit Andreas – und muss nicht sichern, sondern nur klettern.

Zunächst geht es ganz gut, obwohl oder gerade weil ich meine Wanderschuhe anhabe, um das Watzmann-Feeling zu simulieren. Ich gehe langsam, belaste vor allem meine Beine. Prima, also weiter an die Zwölf-Meter-Wand. Beim Hochklettern habe ich noch den letzten Tipp von Andreas im Ohr: ich solle mich nur auf den nächsten Griff, den nächsten Tritt nach oben konzentrieren, was unten herum passiert wäre egal. So könne man die Höhenangst besiegen. Andreas hat eine Theorie, warum man im Alter mehr Höhenangst als in der Jugend hat. Man habe einfach mehr zu verlieren, Job, Kinder, Familie, das wäre einem in jungen Jahren egal, aber im Alter würde dieser Film mitlaufen. An der Watzmann-Wand müsse ich bis zu 1.000 Meter hinunterschauen. Dann käme ich leicht in die Panikzone, das wäre die Steigerung von einfacher Höhenangst, dann ginge gar nichts mehr. Wenn ich schon den Begriff “Panikzone” höre, gerate ich in Panik. Mir perlt der Schweiß, ich werde hektisch, spüre erstmals meine  Unterarme. Kaum unten, scheucht mich Ausbilder Andreas wieder hoch, meine Unterarme sind popeye-dick und bretthart. Andreas gönnt mir eine Pause, ich kann den Stift für meine Notizen nicht halten, beim Öffnen der Wasserflasche muss mir Andreas helfen. Dann wieder hoch und noch mal und noch mal. Ich beginne am Watzmann-Projekt zu zweifeln.

Dann telefoniere ich – zwei Wochen bis zum Watzmann bleiben mir noch – mit meinem Bergführer, dem Heinz Zembsch aus Berchtesgarden.

“Du bist doch der von Harald Schmidt, ich kenne dich” begrüßt der 68-jährige mich am Telefon. Das mit den Kletterpassagen findet ER nun wiederum gar nicht so heikel, da zieht er die Ungeübten wahrscheinlich sowieso mit dem Seil hinauf, wenn sie es nicht packen. Meine Kondition macht ihm Sorgen, sieben Stunden hoch, fünf Stunden hinunter, das ist eine kernige Zwölfstundentour. Ich beruhige ihn und mache mich an die Konditionsarbeit, gehe 50 Kilometer am Stück im Saarland, 40 Kilometer auf und ab am Rhein. Mich wird nichts und niemand mehr aufhalten, der Watzmann ruft nicht, er schreit schon nach mir!

… übermorgen geht es weiter …

 



Von „Wanderschweinen“ und einem Schlumpfine-Aufstieg

Geschrieben am um 22:00

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas.

Kletterhalle, die Erste. Ich stehe mit Andreas und zwei Teenies in der Kletterhalle Saarbrücken. Ein Sonntag Mitte Juli, ein regulärer Kletterhalleneinführungskurs. Andreas arbeitet als Heimerzieher und ist ausgewiesener Kenner der Kletterpädagogik. Das merkt man schnell. Die Sicherungsschlinge für den Kletterer wird nach der Regel “Fritz läuft einmal um den Baum herum und springt dann von hinten in den See” gebunden. Die Knoten, die wir üben, sind Old School. Die Doppel-Achter zum Sichern des Kletterers hat schon der alte Luis Trenker gebunden. Andreas sagt: “Der war eigentlich kein guter Kletterer, aber ein gnadenlos guter Selbstvermarkter”.

Andreas war beim Bund, Fallschirmspringer, er hat überlebt. Das heißt, er hat immer viel Wert auf Sicherheit und Materialprüfung gelegt. In der Kletterhalle Saarbrücken, in der früher Karnevalsveranstaltungen stattfanden, ist seit der Eröffnung vor zwei Jahren noch kein Unfall passiert. Andreas stellt direkt klar: Bergsteigen ist nicht Klettern. Der Bergsteiger will auf den Gipfel, egal wie, egal mit welchen Hilfsmitteln, möglichst schnell. Den Kletterer interessiert der Gipfel nicht. Nur die nächste schwierige Wand reizt ihn. Der Kletterer würde am liebsten immer mit dem Auto direkt vor der Felswand parken. Geht das nicht, muss er gar zwei, drei Kilometer zum Felsen seiner Träume gehen, schimpft der Kletterer, man sei doch keiner von den “Wanderschweinen”. Die Kletterer sagen wirklich zu Leuten wie mir “Wanderschweine”! Diese Klettersäue! Dann geht es nach einer Stunde Theorie endlich los. Ich bekomme in Sekundenschnelle heftige Schweißausbrüche, die nicht von der Anstrengung kommen können. Kann das zierliche Mädchen unten am Seil mich überhaupt halten? Ich werde hektisch. Schürfe mir das Knie ab. Ich erinnere mich, dass man möglichst nicht mit kurzen Hosen klettern sollte, vor allem nicht als Anfänger.

Zweiter Kletterversuch. Ich merke schon bald, wie die Unterarme “zu machen”. Andreas hatte mich gewarnt, Kraft in den Unterarmen müsse ich mir antrainieren. Es kämen Body-Builder zu ihm in die Kletterhalle, die hätten tausend Volt im Oberarm, aber nichts in den Unterarmen. Pah, ich schleppe seit sieben Monaten den halben Tag ein Baby auf den Armen herum, das wird ja wohl reichen. Falsch, Babytragen bringt es nicht. Und ich weiß, warum alle wollten, dass ich ordentlich in der Kletterhalle übe. Wenn mir das nach 1.700 Höhenmetern am Watzmann passiert, dass meine Unterarme ihren Dienst versagen, dann habe ich ein Problem. Die muss ich noch ordentlich trainieren, die Unterarmmuskeln. Die haben natürlich auch mein Schlachtgewicht von 93 Kilogramm zu tragen. Abnehmen wäre auch eine Option. Aber richtiger Gewichtsverlust geht nur mit brachialem Fasten, dann bin ich am Watzmann womöglich noch geschwächt. Fasten-Option ist gestrichen.

Dritte Kletterwand. Bisher bin ich Smarties geklettert, so heißt das, wenn die Anfänger jede Möglichkeit mit Händen und Füssen ergreifen, hoch zu kommen. Eigentlich sollte man nur die grünen, oder die roten oder die grauen Knubbel benutzen, um  nach oben zu kommen. Bei diesem dritten Mal nehme ich mir vor, AUSSCHLIESSLICH die blauen Knubbel zu nehmen.

Das ist der einfachste Weg überhaupt, Schwierigkeitsgrad 3+ (es geht bis Schwierigkeitsgrad 10). Der Aufstieg hat den Namen “Schlumpfine”. Ich scheitere jämmerlich, stürze ab, muss doch wieder auf andersfarbige Knubbel zurückgreifen. Ist das peinlich. Der Schlumpfine-Aufstieg war zu schwer für mich!

… übermorgen geht es weiter…

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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