Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Immer wieder diese Grenzerfahrungen

Geschrieben am um 7:53

Wahrlich ich sage Euch, ich habe in den letzten Jahren einen Haufen Grenzerfahrungen beim Wandern gemacht. Ob das die 82 Kilometer mit Thorsten Hoyer waren, die Watzmann-Ostwand-Besteigung, die Wanderungen mit dem Schwäbischen Albverein oder meine Wüstenwanderung bei den Sahauris. Aber auch all die Blasen, unterhopften Wanderkilometer und unvermuteten Regengüsse waren natürlich Grenzerfahrungen.

Vor kurzem, anlässlich der letzten Kytta-bewegt-Wanderung des Jahres auf dem Felsenweg bei Losheim, habe ich eine neue Grenzerfahrung gemacht. Ungefähr zwei Kilometer nach dem Start in Waldhölzbach verläuft der Felsenweg genau auf der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz. So weit erst mal nix besonderes, ist doch das Saarland so klein, dass man schnell an seine Grenzen stösst. Aber was wirklich erstaunlich war: Auf saarländischer Seite war ein Wald mit dem üblichen Unterholz zu sehen. Auf rheinland-pfälzischer Seite dagegen Moos, so weit das Auge reichte.

 

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Unglaublich, eigentlich ist auch Rheinland-Pfalz hochverschuldet, dass die so viel Moos haben, hätte ich nicht gedacht.

Eine weitere Grenzerfahrung habe ich im Sommer auf dem „Luftigen Grat“ bei Oberstaufen gemacht, dem spektakulären alpinen Premiumweg im Allgäu. Ich ging nicht über eine Landesgrenze, aber der luftige Grat markierte eine Wetterscheide, eine Wettergrenze.

 

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Auf der einen Seite freie Sicht, auf der anderen Seite eine dichte Nebelwand, die sich zögerlich anschickte, über den Grat zu kriechen. So eine meteorologische Grenzerfahrung habe ich noch nie gemacht. Den vollständigen Luftigen Grat-Report könnt ihr übrigens im aktuellen Wandermagazin lesen …

Aber noch nicht zu vergleichen ist das alles mit der unglaublichen Grenzerfahrung, auf dem Mössinger Dreifürstensteig auf der unterwöbten Hangkante zu stehen.

 

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Ich habe diese Warnmeldung nicht verstanden. Entweder ist das saugefährlich, an den Hangkante zu stehen, dann sollte man die sperren. Oder aber jeder ist seines Glückes Schmied, dann sollte man das Schild weglassen, denn es erzeugt nur eines: Angst. Ich habe mich natürlich trotzdem todesmutig für wenige Sekunden auf die total unterwölbte Hangkante gestellt. Eine weitere Grenzerfahrung.

 

Und jetzt seid ihr dran mit Euren Grenzerfahrungen…



Fotogen sind eher die anderen

Geschrieben am um 6:50

Ich muss mal etwas klar stellen. Sehr oft, zu oft, werde ich in letzter Zeit gefragt, ob ich denn diese ganzen Wandertouren, die ich in meinem Blog beschreibe, oder im Wandermagazin, in der ZEIT, in meinen Büchern, ob ich all diese Touren wirklich alle SELBST gelaufen bin. Hallo? Geht’s noch? Denkt ihr, ich delegiere das? Denkt ihr, ich lasse wandern? Nur um danach eine paar dürre Zeilen über Nicht-selbst-Erlebtes zu verfassen? Oder das auch noch geistschreiben zu lassen? Nein, natürlich wandere ich das alles selber, das ist mein BERUF und: Ich mache es auch noch gerne. Vielleicht sind diese zunehmenden Verdächtigungen der Grund, warum ich bei meiner letzten Wanderung in der Sächsischen Schweiz Mitte November eine Menge Beweisfotos gemacht habe. Quasi unumstösslicher Beweis: Ja, ich war da!

 

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Wen man allerdings ein Selfie macht, sollte man ein wenig darauf achten, nicht auszusehen wie ein Fisch, der an Land nach Luft schnappt. Ich habe aus diesem etwas verunglückten Bildmotiv gelernt, eher zehn Selfies zu machen, auf irgendeinem wird man schon aussehen wie ein Mensch.

Dann habe ich Mitwanderer Arndt die Kamera in die Hand gedrückt, er solle doch mal bitte ein schönes Andrack-klettert-in-der-Sächsischen-Schweiz-Foto machen.

 

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Allerdings sieht es auf dem Bild so aus, als hätte ich akute Darmprobleme. Nein, es sieht eigentlich exakt wie im Nachtprogramm von Sport1 aus. Wenn bei den Sexy Sports Clips eine junge Dame so tut, als wenn sie klettern würde, aber nur sichtbar scharf darauf ist, das nächste Kleidungsstück los zu werden.

 

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Auch dieses Foto ist leider misslungen. Wie bescheuert ist das denn, wie ich da in den weltberühmten Schwedenlöchern rumstehe? Wir Graf Großkotz: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Schwedenlöcher! Fehlt nur noch, dass ich unter dem Fuss den erlegten Löwen habe, aber den sieht ja man gnädigerweise nicht. Also den Fuss.

Ich habe Arndt die Kamera wieder weg genommen, obwohl der arme Mann für die Posen seines Models am wenigsten konnte. Habe ich eben mal wieder ein Selfie gemacht.

 

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Ein wirklich schlimmes Selfie. Das sieht aus wie die letzte Aufnahme eines Mannes in blauer Jacke, der für immer in der Sächsischen Schweiz verschwand. Schon seit Monaten wird er auf Flugblättern, Aushängen und bei Aktenzeichen XY gesucht wird. Ein Versprechen: In den nächsten Blogs gibt es nur Andrack-freie-Fotos. Ganz ehrlich.



Ziegel, rutsch weg!

Geschrieben am um 7:02

Dass jede Straße einer Stadt einen Namen hat, daran hat man sich selbredend gewöhnt. Aber immer wieder trifft man auch bei einer Wanderung im Wald auf Benamsungen von Forstwegen. Heimatliche Gefühle bekam ich auf dem Dreifürstensteig in Mössingen, als ich dem Ziegelrutschweg begegnete.

 

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Ich bin in Köln im Steinrutschweg aufgewachsen, was in drei Wörtern gelesen auch als Aufforderung an einen Stein verstanden werden könnte. Gemeint ist das Identische wie auf der Schwäbischen Alb: Der Name deutet auf die frühere Existenz einer Ziegelei.

Dann sah ich am Schluchsee im Schwarzwald den Sackweg.

 

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Und da habe ich überlegt, warum es eigentlich immer Sackgasse heißt, obwohl es wirkliche Gassen, so schmale gepflasterte Sträßchen, doch so gut wie gar nicht mehr gibt in unserem Land. Aber nie gibt es eine Sackstraße, umgekehrt aber auch keinen Einbahnweg oder eine Einbahngasse. Ich halte das für eine sprachliche Armut und protestiere schärfstens und brutalstmöglich dagegen. Aus Protest, werde ich in Zukunft nur noch Sackweg sagen, wenn ich auf einer Strasse nicht weiterkommen. Wenn man das auch noch in zwei Wörtern liest, bedeutet das nicht nur, dass womöglich ein Sack Reis in China umgefallen ist, sondern auch, dass der Sack einfach weg ist. Oder sein könnte.

Und dann noch diese geile Straßennamenkombi in Wingeshausen am Rothaarsteig. Ohne Worte…

 

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Fünf Gründe, warum man den Wasserfallsteig auf jeden Fall wandern sollte

Geschrieben am um 6:48

Oft gibt es – wie es so schön in der Mathematik heißt – eine notwendige Bedingung, einen Weg zu wandern. Manchmal auch zwei. Gaaaanz selten gibt es aber auch fünf gute Gründe einen Weg zu wandern. Ich bin in’s ferne Schwabenland gereist und den Wasserfallsteig von Bad Urach gewandert. Und wahrlich ich sage Euch, hier sind die Top-Fünf-Gründe, diesen Premiumweg zu wandern:

Top-Grund 5, den Wasserfallsteig zu wandern:

Ich habe mein Wanderlebtag noch nie eine derartige Völkerwanderung von Lurchis gesehen. Feuersalamander sind nicht überaus häufig, aber in Bad Urach scheinen Sie ihr persönliches Glück am Wasserfall gefunden zu haben. Man sollte sie in Wassersalamander umbenennen.

 

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Top-Grund 4, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wenn man die erste größere Steigung hinter sich hat, wartet eine Erfrischungsbude auf den durstigen Wanderer, die Wasserfallhütte. In Sachsen würde man den Getränkekiosk Baude nennen. Was die Sachsen den Schwaben voraus haben: Die Getränke sind kühler. Aber der Schwabe sagt sich, das Geld für den Kühlschrank kann man sich doch eigentlich sparen, die Leute sind nach dem Aufstieg so durstig, die trinken auch warmes Bier.

 

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Top-Grund 3, den Wasserfallsteig zu wandern …

… ist einfach die Albtrauf. Mehr Balkon geht nicht. Allerdings, um es mit den Bläck Fööss zu sagen: Es fehlt nur vom Balkon, die Aussicht auf den Dom.

 

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Top-Grund 2, den Wasserfallsteig zu wandern:

Wer kennt das nicht, am Vorabend hat man dem Belohnungsbier nach einer erfüllenden Wanderung zu eifrig zugesprochen – der Kopf brummt, das Aspirin ist mitsamt der gesamten Reiseapotheke zu Hause geblieben (Stichwort: Gewicht im Rucksack sparen), als was tun. Da helfen die extra-niedrigen Bahnunterführungen von Bad Urach, wenn man einmal kräftig gegen die Betonkante gelaufen ist, denkt man mit Sicherheit nicht mehr an den Kater.

 

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Top-Grund 1, den Wasserfallsteig zu wandern:

Da war doch noch was? Aaah ja, klar, am Wasserfallsteig gibt es natürlich, wenig verwunderlich, denn sonst wäre es ja ein Fall für den Etikettenschwindelbeauftragten der Bundesregierung, einen WASSERFALL!

 

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Und der ist gewaltig, nicht so ein Gerausche über ein paar Steine, also das, was sie in NRW zum Beispiel einen Wasserfall nennen (siehe Blog vom 1. September) Nein, in Bad Urach schießt ein Strahl feuchter Urgewalt den Felsen herab. Großes Kino!



Danke Stefan!

Geschrieben am um 6:15

Seit diesem Herbst bin ich auf Wanderschaft für den jungen, aufstrebenden Wanderklamottenhersteller Fifty Five. Dabei habe ich mit Fifty-Five Marketingleiter Stefan schon so manches Abenteuer erlebt, manchmal an der Grenze zur Illegalität. Denn dass Stefan noch so manche Leiche – nicht im Keller – aber im Kofferraum hat, habe ich mit Schrecken sehen müssen.

 

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Aber, keine Frage, Stefan hat sich wandertechnisch voll reingehauen. Dabei präsentierte er der gesamten Wandertruppe sehr elegant eine neue Kreation von Fifty Five, die Vintage-Wander-Dreckshose, fertig lieferbar inklusive Schlammspritzer. Da muss man gar nicht gewandert sein und sieht schon aus wie Sau nach einer zweiwöchigen Trekkingtour. Spitze!

 

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Gleich geht es weiter mit einer traumhaften Aussicht, erst aber eine kleine Werbepause …

Willst Du Dir auch die coolen Klamotten bestellen

Musst Du bei fifftyfive.eu vorbeischaun – auch die Ellen

Wer diese Ellen ist, verrate ich Euch nächste Woche…

 

Aber jetzt weiter zu meiner Wanderung mit Stefan. Wir waren auf dem Premiumweg Jägersteig im Schwarzwald unterwegs, standen am Aussichtspunkt Bildstein, guckten, staunten, und konnten uns vom Ausblick auf den Schluchsee kaum losreissen. Noch beeindruckender als die Aussicht auf den Gebirgssee fand ich aber den Blick auf Stefans quietschorange Soft-Shell-Weste, eine Mischung aus holländischem Fan-Wear, Müllfahrer-Jacke und Pannenoutfit.

 

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Ewig dankbar werde ich Stefan aber sein, dass er sich bei unserer Wanderung auf dem Wisentpfad als Fluchthelfer aus einem sauerländischen Großgehege betätigte (ist das eigentlich strafbar?) und der ganzen Wandertruppe so einen halbstündigen Umweg ersparte. Fünfundfünfzig-fachen Dank dafür!

 

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Wer spontan mit Stefan, mir und Fifty Five wandern möchte: Am Samstag gehen wir ab 15:00 am Niederrhein auf dem Nette-Seen-Pfad und am Sonntag ab 10:00 im Saarland auf dem Bietzerberger. Anmeldungen unter fiftyfive.eu



Meine Wanderfreunde Richard und Martin

Geschrieben am um 18:22

Liebe Andrackblog-Leser, Ihr wisst ja, dass mich eine besondere Wanderfreundschaft mit den Wandereren des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Oberboihingen verbindet. Immerhin darf ich ja seit 2010 auch sagen: „Ick bin ein Oberboihinger“. Zuletzt war ich mit den Lausejungen und Lausemädels auf dem Traufgang „Zollernburgpanorama“ (im Rahmen der Aktion „Kytta bewegt“) unterwegs, man sieht die erstaunlich vitale Wandertruppe auf diesem Fotodokument:

 

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Der Schweißfleck auf dem roten Hemd in der rechten Bildhälfte erinnert mich übrigens an einen windschiefen Kölner Dom auf einem hohen Fels.

Kommen wir zu Martin. Martin, also, den kennt ihr ja, Martin, ist doch klar, der mit der Frühlingsplatterbse und den Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-Vergleich, der Martin mit dem Rucksacktausch, ja, genau, diese Martin, der hat mir dann noch botanisch korrekt erklärt, warum es Pilze im Wald gibt. Aaaaalso: „Warum gibt es Pils im Wald? Weil Tannen zapfen.“

Aus Dankbarkeit für die Pilz-Erklärung versuchte ich dann, dem lieben Martin einen Strauß Silberdisteln zu pflücken, weil er doch soooo gerne Blumen mag. Komischerweise wollte er den Strauß nicht annehmen.

 

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Schließlich gab es noch ein Oberseminar „Schwäbische-Alb-Vereins-Wegemarkierungs-Kunde“ von Richard persönlich.

 

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Aaaalso, man nehme vier Nordic Walking-Stöcke, das ist die gesamte Schwäbsiche Alb, sozusagen HW 1 und HW 2, und dann gibt es die Pfeil- und die Gabel-Markierungen und die gelben, die blauen und die roten Markierungen. Und, ich sag mal so, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, dann hat man das Rubbeldiekatz kapiert, nema problema…



Das Glück des Wanderers

Geschrieben am um 7:17

Kürzlich war ich zu einer sehr hübschen Veranstaltung im Nordsschwarzwald eingeladen: Eine Wanderlesung in der Glücksgemeinde Schömberg im Kreis Calw. Als ich hörte: Glücksgemeinde, Wandern, Lesung, wusste ich: da bin ich richtig.

 

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Okay, so viel sind wir gar nicht gewandert, weil wir haben ja ständig gestanden und gesessen, weil ich gelesen habe, oder der Wanderführer etwas erklärt hat. Aber wir hatten echt Glück, dass wir in einer Art schwäbischem Stonehenge, einem modernen Kraftfeld des Nordschwarzwaldes eingekreist wurden. Die meiste Kraft und Glückspower kam aber vom regionalen Kirschwasser, das die Runde machte.

Mitwandererin Susanne, diplomierte Heilkundlerin und Naturkräuterexpertin, hat mich nicht nur glücklich gemacht, weil sie mir gefühlte 300 verschiedene Pilz- Blumen und Kräuter am Wegesrand erklärt hat und ich daran riechen durfte.

 

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Nein, am glücklichsten hat mich Susanne gemacht, indem sie mir zeigte, dass man ein Buch (in dem Fall ganz zufällig mein Buch) auch prima als Herbarium nutzen kann. Jetzt mal ehrlich liebe Kinder: versucht das mal mit einem Kindle, da habt ihr aber nicht lange Freude an den Pflanzen.

 

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Immer wieder mussten die Mitwanderer stoppen, damit ich allen meine Wanderabenteuer vorlesen konnte. Aber es war ein befriedigendes Gefühl, dass alle Plätze immer voll besetzt waren, man spricht in diesem Falle unter dem fahrenden Volk von “einer vollen Hütte”.

 

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Und dann gab es noch eine Schlusseinkehr in der geilsten Skihütte des Schwarzwalds: Skihütte Eulenloch. Kinder, war das eine Apres-Ski-Sause – Ende August, ganz ohne Schnee (der im übrigen völlig überbewertet ist). Zum Glück gab es den Sprit gleich kanisterweise: weder Diesel noch Super, sondern bleifreier Most (sorry, Mooschd), der einiges konnte. Da habe ich begriffen, warum Schömberg eine Glücksgemeinde ist. Glück auf!



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 2

Geschrieben am um 6:45

Letzte Woche habe ich schon ein wenig über meine Wanderung mit dem Schwäbischen Albverein auf dem Westweg berichtet. Wie ist er denn nun so, dieser Westweg, den man ja schon fast legendär nennen kann und muss. Es ist fraglos der beliebteste aller Schwarzwälder Weitwanderwege und stellenweise, zum Beispiel auf der Passage hinter der Darmstädter Hütte, ein wirklich zauberhafter Weg.

 

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Zu dem schönen Weg passten die schönen zwischenmenschlichen Kontakte in der Wandertruppe. Nun mal ehrlich, dafür wandert man doch in einer so riesigen Gruppe, dass man sich richtig kennen lernen kann. Und zwei Singles aufeinander treffen, wird ja vielleicht ja auch mehr draus. Ich belauschte auf jeden Fall ein sehr interessantes Anbandelungsgespräch. Normalerweise checkt man erst einmal, ob gemeinsame Interessen vorhanden sind, der Musikgeschmack auf einen Nenner zu bringen ist, so ein Zeug eben. Aber wie die zwei turtelnden Täubchen sich erst einmal über ihre Vorlieben bei Haushaltsgeräte austauschten, das war mir neu. „Das ist ja lustig, ich habe auch eine Miele-Spülmaschine“ – „Ich schwöre ja auf die Siemens-Staubsauger – ach was, Du auch?“ Ich habe die Hochzeitsglocken schon läuten gehört, statt Konfetti und Reis werden aber Staubsaugerbeutel geworfen.

 

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Aber auch das ist der Westweg: Schnurgerade, breiter, staubiger, schattenfreier Weg, und dann kommt auch noch der Granit-Transporter. Das Gute war, er hat tatsächlich abgebremst und ist im Schritttempo an uns vorbei gefahren. Der Nachteil: er kam insgesamt dreimal an uns vorbei, scheint immer im Kreis gefahren zu sein, Hat der Granit-Transporter-Fahrer Fuzzy keine anderen Hobbys?

 

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Dann der Lotharpfad. Ich dachte ja zuerst, dass das ein spezieller Weg am Westweg wäre, der einem ollen König, Lothar der Barfüssige oder so, gewidmet worden wäre. Aber weit gefehlt: Lothar ist ein Schreckensname für die Bäume des Schwarzwald, denn dieser Sturm aus dem Jahre 1999 sorgte für umfassenden Kahlschlag.

Die Idee des Lotharpfades ist nun, eine dieser Sturm-Flächen im chaotischen Ist-Zustand von Dezember 1999 zu belassen. Seither ist natürlich einiges gewuchert und gewachsen, so dass man einen achterbahnartigen Weg, um nicht zu sagen: Holzweg gebaut hat, um über umgestürzte Bäume gefahrfrei klettern zu können.

 

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Besser aber noch als das Erlebnis Lotharpfad waren mal wieder die erfrischenden Gespräche mit meinen lieben Oberboihingern. Ich muss aber noch mal genau hinschauen, welche Marke meine Spülmaschine und mein Staubsauger hat, kann man vielleicht irgendwann noch mal gebrauchen…



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 1

Geschrieben am um 6:26

Seit meinem letzten Wanderbuch sollten meine Oberboihinger Wanderfreunde Euch genauso an‘s Herz gewachsen sein wie mir. Alle zwei Jahre veranstalten die rührigen Wanderer des Schwäbischen Albvereins aus Oberboihingen eine lange Wanderwoche. 2010 war ich an der oberen Donau mit ihnen gewandert und abends auf der Hütte „Rauher Stein“ beim Belohnungsbier das 548. Mitglied der Ortsgruppe Oberboihingen geworden.

 

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Im Juni 2014 war die Truppe auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs, von Pforzheim nach Hausach. Ich bin eine Etappe mitgewandert und wurde an der Darmstädter Hütte oberhalb von Seebach herzlich von meinem Wanderfreund Richard begrüßt. Dann gab es das unvermeidliche morgendliche Singen. Aus den ausgeteilten Liederheften intonierten wir „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…“. Das hat der gute alte Eichendorff gedichtet, hatte ich gar nicht gewusst.

 

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Und dann sangen alle noch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Das war sehr nett, war mein Geburtstag doch schon seit zwei langen Tagen in Vergessenheit geraten. Aber sie hatten ja recht mit dem Lied. Ich würde mich ehrlich gesagt auch sehr vermissen, wenn ich nicht geboren worden wäre.

 

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Wir waren kaum drei Kilometer gewandert, da rasteten wir auch schon wieder, und zwar passenderweise auf dem sogenannten Ruhestein. Pause natürlich nicht wegen Erschöpfung, sondern weil wir auf eine naturkundliche Führung warteten. Exakt auf dem flachen Ruhestein verläuft übrigens die Grenze zwischen Baden und Württemberg, die hochexplosivste Grenze nach Nord- und Südkorea.

 

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Ehrensache für die Oberboihinger, mit dem Hintern noch knapp im württembergischen Heimatland zu sitzen. Praktischerweise konnte man mit der Hinwendung des Hinterteils Richtung Baden auch deutlich machen, was man von diesem Landesteil zu halten hat. Als Wanderschwabe. Nächste Woche berichte ich weiter über die Wanderung mit „meinen“ Oberboihingern, erzähle, wie der Westweg so ist, was es mit dem Lotharpfad auf sich hat und wie man sich zwischenmenschlich unter Schwaben so annähert.



Drei Dinge braucht der Wanderer: Stempelzange, Notrufsäule, Zahnbürste

Geschrieben am um 7:41

Viele denken, der gemeine Wanderer würde nur drei Dinge benötigen: Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Falsch, falsch, falsch!!! Wanderhut ist mega-out, Wanderstock noch outerer, und Damenunterröcke zieht man doch nicht zum Wandern an, sondern wenn man als Mann vor’m Spiegel mal wieder Weiberfummel anlegen will.

Nein, zunächst einmal braucht jeder Wanderer eine Stempelzange, damit er in seinem Wanderbüchlein zum Beweis seines Wanderschaffens die entsprechende Felder abstempeln kann. Auf dem Viaduktweg rund um Altenbeken sah ich diese Stempelzange, an Station V. V wie Viadukt, V wie Victory, V wie Fünf. Da ich kein Viadukt-Stempelheft bei mir hatte, habe ich mir die Ohrläppchen mit dem Ding gepierced.

 


Sehr praktisch fand ich auch die orangene Notrufsäule am Rande des Neanderlandsteigs. Pedanten würden sagen, die gehört doch zu parallel verlaufenden A 52 und nicht zum Wanderweg, aber ich finde es sehr schön, auch beim Wandern endlich eine Notrufmöglichkeit zu haben. Holen sie mich ab, ich habe mir ein Blase gelaufen, mein Schnürsenkel ist offen, ich bin total unterhopft!!!

 

 

Und dann habe ich unterhalb der Burg Teck in der Nähe von Owen ein ganz entscheidendes Reiseuntensil genießen: die Zahnbürste. Wer kennt es nicht, wenn die Zunge über den pelzigen Belag auf den Schneidezähnen gleitet. Dann ist man doch froh, wenn da einfach so eine Zahnbürste in der Landschaft steht. Das sind wirklich die Dinge, die ein Wanderer braucht!!!

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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