Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mittsommer im Renchtal

Geschrieben am um 7:49

Ihr erinnert Euch. Letzte Woche hatte ich von meiner Wandertour auf dem Brennersteig im Renchtal berichtet. Und vom Hafer-Pflaumen-Schnaps von Brenner Huber. Und nach dem ersten Schluck dieses genialen Getränks hatte ich kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen. Ich öffnete die Augen wieder und alles wurde dunkel um mich herum. Und wenige Sekunden später regnete es junge Hunde. Starkregen, Gewitter, ein typischer Sommertag 2016 eben. Was sollte unsere Wandertruppe machen? Die Rettung war die Gastfreundschaft von Familie Huber.

 

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Die Hubers machten spontan ihre Garage zu einem Zufluchtsort, spendierten Kaffee, Kekse und natürlich Schnaps – herrlich. Als es drohte langweilig zu werden, präsentierte Opa Huber (88 Lenze jung) seine beeindruckende Sammlung selbst hergestellter Wanderstöcke.

 

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Mitwandererin Gabi erstand einen Stock für eine Freundin – aber nicht als Wanderutensil, sondern als Material für einen Hexenbesen. Ganz ehrlich, so sind sie, die Frauen im Renchtal.

Später wechselten wir vom Brennersteig auf den Renchtalsteig, einen 98,2 Kilometer langen Qualitätsweg. Um diesen Weg zu würdigen, wurde am Rastplatz Ofenloch eine 9,82 Meter lange Bank aufgestellt. Gemeine Halunken haben, so wurde mir erzählt, die Bank in einer Nacht- und Nebelaktion um ca. 50 Zentimeter kürzer gemacht, einfach einen Teil der Bank abgesägt. Gemäß der Längenlogik wurde dann auch der Renchtalsteig um 5 Kilometer verkürzt.

 

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Der Höhepunkt meiner Wanderung auf Brennersteig und Renchtalsteig war die Festwiese des Mittsommerfestes im Renchtal. Weil mich die Fußtour noch nicht ausgelastet hatte, hat Fat-Andrack sich auf einem Fat-Bike mit Elektro-Unterstützung betätigt. Ich muss sagen, auch mit einem E-Bike kann man sportlich bergan fahren, aber mit der elektronischen Unterstützung fliegt man bergauf und das macht schon sehr großen Spaß. Ich habe einige meiner E-Bike-Vorurteile über Bord geworfen.

 

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Zum romantischen Schluß habe ich dann noch den Sonnenuntergang und das Mittsommerfeuer genossen und mal wieder gelernt: Hab keine Angst vor gruselige Wettervorhersagen, es wird dann doch (meistens) schöner als gedacht. Wenn die Erwartung niedrig ist, ist das Wanderglück umso größer…

 

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Der Brennersteig

Geschrieben am um 6:45

Kürzlich dachte ich, dass ich mal die Perspektive wechseln sollte. Nicht nur immer die Unterhopfung bekämpfen, nicht nur manisch vom Belohnungsbier träumen. Auch nicht (wie am Moselsteig) dem Reiz der Reben erliegen oder gar ganz auf Alkohol verzichten (geht das beim Wandern überhaupt???). Nein, ich habe mich auf eine Reise in’s Reiche des Hochprozentigen begeben. Meine erste Assoziation zum Brennersteig war natürlich, dass ich mich auf einem Weg in Östereich wähnte, angelegt zu Ehren von Kommissar Brenner, Kultbuch Hilfsbegriff. Aber es ging im Renchtal in der Nähe von Oberkirch auf den insgesamt 13,9 Kilometer langen Brennersteig. Bevor ich aber den ersten Schabau (so nennt der Kölsche den Hochprozenter) verkostet habe, wanderte ich am Material des Brenners vorbei…

 

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… keine Schwarzwälder Kirschtorte kommt nun mal ohne Schwarzwälder Kirschwasser aus und Schwarzwälder Kirschwasser gibt’s nicht ohne Schwarzwälder Kirschen. Aber diese Kirschen sind sehr klein, um nicht zu sagen mickrig, nicht zu vergleichen mit prallen Sauerkirschen zum Verzehr. Daher, so lernte ich, heißen die kleinen süßen roten Dinger Brennkirschen oder Schnapskirschen.

Eine kleine Unterweisung in die Schnapskunde erhält man bei Brenner Halter, der ersten Station auf dem Brennersteig. Auf einem Schnapslehrpfad sieht man die Pflanzen, die das „Material“ für den Hochprozenter liefern: Walnuss, Zwetschge, Holunder. Und in einem Holzkästchen versteckt sich das gebrannte Endprodukt zum Verkosten …

 

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Am Ende des Schnapslehrpfads wirft man dann einen Euro pro Schnapsprobe in ein Kästchen. Wenn man dann noch in der Lage ist, alle Gläschen zusammen zu rechnen.

Nach dem ersten Brenner hatte ich schon leichte Aussetzer. Wanderführer Gerd vom Schwarzwaldverein sprach ständig davon, wir kämen bald am Grünen Baum vorbei. ich dachte nur, was haben sie dem Armen denn in den Schnaps getan, hier stehen doch ganz viele grüne Bäume herum. es handelt sich beim Grünen Baum allerdings um eine Vier-Sterne-Hotel.

 

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Der „Grüne Baum“ ist übrigens kein Schnapshisli, sondern ein Wellness-Hisli. Der Bade scheint wie der Schwabe auf Verniedlichungen zu stehen. Denn der Kurze wird im Renchtal Schnäpsle genannt. Neben der Schnapsverkostung sind wir natürlich auch gewandert. Und eins kann ich mit Sicherheit sagen: Die Aussichten auf dem Brennersteig, die muss man sich wirklich nicht schön trinken, die sind einfach atemraubend.

 

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Beim Brenner Hube habe ich sechs Aussichten später einen ganz besonderen Schnaps getrunken: Hafer-Pflaume, eine gigantische Kombi. Ein Brand, der gar nicht brennnt, sondern geschmeidig-wärmend alle Geschmacksknospen aktiviert, ganz großes Kino!

 

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Ich hatte kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen, machte sie auf und alles wurde dunkel um mich herum. Und was dann geschah, erzähle ich nächste Woche auf andrackblog.de



Auf dem Frankfurter Grüngürtel (diesmal ohne Äbbelwoi)

Geschrieben am um 7:58

Im August 2015 habe ich in diesem Blog (oder heißt es auf diesem Blog?) ausführlich über meine ersten Erfahrungen auf dem Frankfurter Grüngürtelweg berichtet. Dieser stadtnahe Rundwanderweg ist ja im Herbst 2014 auf der Tour Natur zum schönsten urbanen Rundwanderweg Deutschlands gekürt worden. Im Sommer 2015 hatte ich den Nordosten Frankfurts erwandert, inklusive Streuosbtwiesen und Äbbelwoi. Nun, im Frühjahr 2016, war ich wieder dort für eine kurze Tour im Nordwesten, in den Nidda-Auen. Diverse Premieren habe ich auf dem kurzen Teilstück erlebt…

 

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Noch nie bin ich nämlich auf einer richtigen Landebahn gewandert. Die Frankfurter Startbahn Nordwest, die Älteren erinnern sich. Aber anscheinend scheint der dazu gehörige Flughafen schon des längeren stillgelegt zu sein. Eigentlich schade, sonst könnte man nach der Landung direkt auf der Landebahn weiterwandern. Der Flughafen mit der besten Wanderanbindung ist meines Wissens der Flughafen Hahn im Hunsrück, da führt neuerdings die Verlängerung des Saar-Hunsrück-Steigs entlang. Weitere Premiere auf dem Grümgürtelweg: ich sah das recht scheue Grüngürteltier…

 

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… erstaunlichweise war es doch zutraulich und lieb. Vollends begeistert war ich, als ich auf einer Metallplakete las, dass der Schöpfer dieses Tieres der großartige Robert Gernhard ist. Robert Gernhard, nicht nur Sohn Frankfurts, sondern auch der beste Dichter des 20. Jahrhunderts, sozusagen der zweite Goethe von Frankfurt. Wo wir schon bei den Dichtern sind, ich bin, dritte Premiere, dann auch noch auf dem Hölderlinpfad gegangen…

 

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… das war echt, äh, aufregend. Na ja, war es nicht. Aber aufregend, um nicht zu sagen erregend, war die Entdeckung des Glitzermooses, das sich schuppig, flechtig in der Autobahnunterführung ausgebreitet hatte. Ein schönes Kunstprojekt, denn mit den Jahren werden sich die künstlichen Glitzerflecken den ranzigen Schimmelflecken in anderen Unterführungen angleichen. Das ist mal sinnvolle Kunst am Bau. Ich werde das weiterverfolgen.

 

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Seltsam, seltsam, sonderbar

Geschrieben am um 7:57

Kleine Kinder lösen gerne Bilderrätsel, in denen subtile Fehler eingebaut sind. Da fahren LKWs über die Wasseroberfläche, Kühe können fliegen, der Polizist hat Schwimmflossen an den Füßen. Ganz schön lustig, Kinder sind begeistert, diese Fehler zu finden. Aber wer sagt denn, dass das alles Fehler sind? Manchmal sieht man ja auch in der sogenannten „Realität“ Sachen, die „falsch“ zu sein scheinen, aber wer will sich wirklich anmassen, das zu beurteilen? Ein fast schon philosophisches Thema. Ich habe da mal drei Beispiele, die mir beim Wandern in’s Auge gefallen sind. Beispiel Nummer Eins:

 

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Auf den ersten Blick eine klare Sache: der saarländische Hund trinkt natürlich bei einem kurzen Picknick einen Napf mit frischem Karlsberg. Wo ist das Problem? Tierschützer haben vielleicht eines, aber dem Hund schmeckt es und es ist ihm auch gut bekommen. Hund-trinkt-Bier. Ist das nun ein Fehler? Ich weiß nicht. Noch kniffliger ist Beispiel zwei:

 

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Auf dieser Bank am Hermannsweg sitzt ein Mann. Man fragt sich: Liegt der Fehler beim Mann weil der zu groß ist oder liegt der Fehler bei der Bank, weil die zu klein ist. Können Bänke, Dinge also, überhaupt Fehler produzieren? Klar können sie das, jeder Mensch, der schon einmal vor einem Computer gesessen hat, kann das bezeugen. Also ist wohl, weil der Mann – ischwöre – normal groß ist, die Bank fehlerhaft. Keine Sinnenbank, sondern eher eine Wahnsinnenbank. Ganz schlimm ist Beispiel drei:

 

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Fehler über Fehler, denn egal wer das geschrieben hat, hat nicht die geringste Ahnung vom simpelsten journalistischen Einmaleins. Denn weder ist die Frage WER? noch die Frage WO? und erst recht nicht die Frage WARUM? beantwortet. Ein Fehlerfestival in Wanderdeutschland.



Ein Leben auf dem Wanderweg

Geschrieben am um 8:14

Es stimmt schon, ich wandere viel, ausgiebig und gerne. Aber auch bei meiner Wanderintensität ist noch jede Menge Luft nach oben. Wie wäre es denn, wenn ich mein komplettes Leben auf die Wanderwege dieses Landes verlegen würde? Ein Einwand wäre, dass man auf so manche Annehmlichkeit des täglichen Lebens verzichten müsste. Das kann sein, muss aber nicht so sein …

 

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Viele Bundesbürger wollen nach einem turbulenten Tag abends nur noch die Beine hochlegen und in die Glotze schauen. Vielleicht kommt ja was Spannendes bei ZDF Neo? Man könnte meinen, am Wanderweg sei TV-Konsum nicht drin. Na und ob, im Bergischen Land sah ich einen High-Tech-Fernseher direkt am Wanderweg. Allerdings haben Geräte mit Kabel dran wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Fernseher die unangenehme Eigenschaft, elektrischen Strom zu benötigen. Daher gehen viele Wanderregionen verstärkt dazu über, an jedem zweiten Baum am Wegrand eine Steckdose anzubringen…

 

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Bleibt die Frage, was man in den Nächten macht. Durchwandern? Auf Dauer zu anstrengend. Also braucht man natürlich ein Zelt. Nur welches? Die Auswahl ist schier grenzenlos. Eine geniale Hilfe bietet der Sportscheck-Zeltberater.

Mit dem Zeltberater hat man Planungssicherheit. Will man ein Familienzelt oder ein Single-Trekkingzelt? Will man im Zelt stehen (wozu eigentlich?) sollte man auf die Stehhöhe achten, will man sitzen und ist eventuell ein Sitzriese ist die Sitzhöhe entscheidend. Als leicht Übergewichtiger kann man auch die Bauchhöhe (im Liegen) angeben.

Außerdem sollte man überlegen, ob man eine regensichere Kochmöglichkeit braucht. Eher nicht. Wenn man den Sportscheck-Zeltplaner aufmerksam studiert, lernt man, dass man ein Kuppelzelt nehmen sollte, wenn man einen schnellen Aufbau bevorzugt. Und ich habe jetzt alles über das weltberühmte 70D/190 DT gelernt. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine enorme Körbchengröße, sondern um ein Material für Zelt-Außenwände. Ich finde, das Zelt sollte auf jeden Fall leicht sein, sehr sehr leicht, denn wenn man dann abends im Zelt sitzt, liegt oder steht und die Unterhopfung droht, dann sollte im Ruckssack doch das ein oder andere Bier noch Platz gefunden haben.

Da hätten wir doch schon fast alles Wesentliche zusammen für ein Leben auf Deutschlands Wanderwegen! Und so wandert man all‘ die Jahre, von der Wiege bis zu Bahre. Und deswegen ist es äußerst hilfreich, wenn auch für die allerletzte Wanderung schon ein passender Stein am Wegesrand bereit liegt…

 

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Buchen buchen

Geschrieben am um 7:30

Seit kurzem bin ich Baumpate. Bisher hat es für mich zwar zum mehrfachen Vater gereicht, aber ein Patenkind habe ich nicht. Nun habe ich ein Bäumchen als Patenkind. Im zarten Alter von ca. 120 Jahren wird eine Buch am Saarbrücker Wildgehege unverhofft zum Andrack-Baum.

 

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Das mit dem Alter haben mir die Leute vom Nabu gesagt, die mir wortgewaltig die Buche für 250 Euro angedreht haben. Ich kann das Alter nicht wirklich glauben, der Baum sieht mir eher nach 200 Jahren aus, aber das überlasse ich den Naturexperten. Diese Baumpatenschaften laufen unter dem Motto „Buchen buchen“. Bald kann man auch Eichen eichen, Weiden schneiden und Fichten vernichten. Fichten vernichten läuft unter Naturliebhabern als gute Tat, denn man weiß ja: „Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten“. Zurück zu den buchbaren Buchen. Die Idee ist, für einen kleinen Obulus, 250 € eben, Bäume im für die Holzindustrie interessanten Alter dem Bald-bist-Du-ein-Billy-Regal-Schicksal zu entreissen. Vierzig Jahre lang (bis 2055, da bin ich 90 Jahre alt und Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin) gibt es nun für meinen Baum im Saarbrücker Wildgehege Bestandschutz. Und jetzt mal ehrlich: Ist sie nicht wunderschön, meine Buche? Ich habe sie auf jeden Fall knuddellieb…

 

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Nicht erst seit der Lektüre des Bestsellers von Kuschel-Förster Peter Wohlleben weiß ich, dass Bäume Gefühle haben und kommunizieren können. Bäume haben auch die Fähigkeit, das hat mir im Herbst ein Ranger am Rothaarsteig gezeigt, sich selbst zu heilen und zu verbinden…

 

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… der böse Hirsch hatte sein Geweih am Baumstamm gewetzt und damit die Baumrinde verletzt. Nicht schön. Aber der Baum hat sich gesagt, da nutzt kein Jammern und hat sich mit einer weißen Flüssigkeit eine Art Verband gesetzt. Die Rinde kann nun wieder heilen. Wieder was gelernt. Früher dachte ich, wenn ich die weißen Stellen an den Bäumen sah, der Baum würde schimmeln oder das wäre eine phantasielose Wegmarkierung – nein, alles Baum-Erste-Hilfe. Und Bäume (einige) sind clever. Während beim berühmten Kyrill-Sturm im Sauerland und Siegerland Fichten im großen Stil umknickten wie Streichhölzer, blieben die wenigen Douglasien standhaft…

 

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Die Douglasien habe nämlich ein stabile Wurzel, haben im Sturm alle Äste verloren, sie haben sich also sozusagen dünn gemacht. Aber der Stamm, der blieb stehen und mittlerweile sind auch viele Äste wieder nachgewachsen. Von wegen mein Freund der Baum ist tot. Die sind zäh, diese Burschen. Aber apropos toter Baum. Das ist eigentlich der Witz an der Baumpatenschaft. Denn gerade ein toter Baum ist, sagt der Nabu, ein guter Baum, denn das Totholz ist ein Paradies für die Artenvielfalt des Waldes. Meinen Patenbaum wird es also wahrscheinlich, bis er verrottet noch 180 Jahre geben. dann bin ich 230 Jahre alt und Angela Merkel immer noch Bundeskanzlerin. Das wird schön!

Bleibt mir nur noch, allen andrackblog-Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen, ich gehe in die Blog-Winterpause und schreibe den nächsten Blog Anfang Februar…



Nach den Bahnsteigen …

Geschrieben am um 7:35

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das stimmt. Zuletzt habe ich mich auf den Weg in’s Vogtland gemacht, nach Bad Elster an der tschechischen Grenze. Dort habe ich im zauberhaften König-Albert-Theater meine Wandershow gespielt. Großer Abend, tolle Stadt. Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Vielmehr habe ich auf der Reise NACH Bad Elster wieder einiges gelernt. Zum Beispiel könnte ich diese Millionenfrage von Günther Jauch problemlos beantworten: Wo findet sich der längste Bahnsteig Deutschlands?

 

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A: München

B: Langenau

C: Langenfeld

D: Gößnitz

Die richtige Antwort ist Gößnitz, die südthüringische Metropole zwischen Gera und Zwickau. Ich habe diesen XXXL-Bahnsteig fotografiert, sieht mega-interessant aus…

 

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Ich hatte wirklich sehr viel Zeit zum Längste-Bahnsteig-Deutschlands-Fotografieren, denn mein Anschlußzug hatte 80 Minuten Verspätung. Lange Verspätungen sind nur halbwegs erträglich, wenn man (erstens) im verspäteten Zug selber sitzt (am besten im Zugrestaurant), es (zweitens) warm genug ist, am Bahnsteig auf einer Bank sitzend etwas zu lesen oder (drittens) eine halbwegs vernünftige Bahnhofsgastronomie vorhanden ist. In Gößnitz traf keine der drei Axiome zu. Schade. Also habe ich in 80 Minuten 80 Fotos vom längsten Bahnsteig Deutschlands gemacht.

Als ich dann endlich im Bahnhof von Zwickau war, wusste ich auch, wie man in Westsachsen auf Bahnsteige im Allgemeinen und auch im Besonderen hinweist, genau so:

 

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… ich habe verzweifelt gesucht, wie der Satz „Nach den Bahnsteigen…“ weitergeht. „Nach den Bahnsteigen ist vor den Bahnsteigen“ oder „Nach den Bahnsteigen kommt erst mal gar nichts“. Aber es blieb bei: „Nach den Bahnsteigen“. Da bin ich einfach nach den Bahnsteigen gegangen und in die Vogtlandbahn nach Bad Elster gestiegen.

Allerdings habe ich vor der letzten Zugetappe noch das stille Örtchen, den Locus, das WC, die Doppel-Null aufgesucht. Im Zwickau ist das eine Pachttoilette.

 

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.



Bankenkrise: Tanjas Bank und virtuelle Sinnenbänke

Geschrieben am um 7:56

Seit ich wandere, haben mich die unterschiedlichen Möglichkeiten fasziniert, eine Ruhebank am Wegesrand aufzustellen. Schon in meinen Gesammelten Wanderabenteuern (S. 65 – 68) stellte ich einige Arten von Banken vor: Spießige, rustikale und teilamputierte Wanderbänke.

In der Wandersaison 2015 habe ich weitere exotische Exemplare für Euch ausfindig genmacht. Zunächst einmal die faszinierende XXL-Bank an der Ahr, die durch eine Art atomare Bankenfusion entstanden sein muss. „Liebling, ich habe die Wanderer geschrumpft“ könnte als Motto über diesem monströsen Sitzmöbel stehen (übrigens tierisch ungemütlich) …

 

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In Siebenmeilenstifeln war es kleiner Sprung in’s Altmühltal zu einer ganz besonderen Patenschaftsbank. Dass der Spender einer Wanderbank sich mit einem Metallschildchen auf der Rückenlehne verewigt, ist hinlänglich bekannt: Das sind meistens Kreissparkassen, Schuhfachgeschäfte, Mittelgebirgsvereine. Das man nun aber schon salopp eine Patenschaft mit dem Vornamen übernehmen kann, war mir neu. Ich spare schon auf eine Manuel-Bank, denn was die Tanja kann, kann ich schon lange …

 

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Mittlerweile sind wahrscheinlich die bekanntesten und beliebtesten Bänke der Welt die – seit Eröffnung des Rothaarsteigs Anfang der Nuller Jahre erfundenen – ergonomischen Sinnenbänke. Besonders sinnlich und anspruchsvoll fand ich ein Exemplar am saarländischen Schluchtenweg …

 

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… man muss sich bei diesem Sitzmöbel in eine Art hypnotischen Sinnestaumel hinein versetzen, um als schwebende Jungfrau (oder Jungmann) die Füsse hoch zu legen. Ich habe das ausprobiert, habe aber das sinnliche Abenteuer mit einer schmutzigen Hose und einem schmerzenden Hintern abbrechen müssen. Irgendetwas scheint mit dieser virtuellen Sinnenliege nicht zu stimmen.

 



Spannende Tierbegegnungen

Geschrieben am um 9:10

Es gibt ja Wanderfreunde, für die ist eine Wanderung nur eine richtige Wanderung, wenn sie haufenweise Tiere in Wald und Flur gesichtet haben: Hirsche, Rehe, Eichhörnchen. Wildkatzen, Dachse, Milane, Bussarde. Feuersalamander, Käfer, Ameisen. Natürlich habe ich auch schon mal ein Reh durch den Wald hüpfen gesehen, und einen Ameisenhaufen kann ich von einem Müllhaufen unterscheiden. Aber ein richtiger Fauna-Experte werde ich wohl nicht mehr werden. Um so besser, dass ich auf meinen Wanderungen dann doch immer wieder auf mehr oder weniger exotische Tierarten treffe.

 

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Wie zum Beispiel den Canus bayerleverkusenensis, der in einem kleinen Biotop zwischen Wuppermündung und Rhein heimisch ist. „SV“ hielt ich bislang immer für die Abkürzung von „Schülervertretung“, aber da man in Leverkusen Schäverhunde mit „V“ schreibt, weil es ja eben Leverkusener Schäverhunde sind und nicht Leferkusener Schäferhunde, muss es auch „SV“ heißen.

 

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Im schwäbischen Lonetal sah ich hingegen eine Lagune, in der auch Krokodile heimisch waren. Das ist natürlich eine Weile her, 150 Millionen Jahre. Schade eigentlich, da hätte es sich wirklich gelohnt, in eine Wellness-Abenteuer-Hotelanlage direkt an der Lagune zu investieren.

Am meisten nerven mich ja die – zumeist gehechelt vorgetragenen – Erlebnisberichte von anderen Wanderern, wenn sie von ihren diversen ultra-gefährlichen aber dann noch gerade so glimpflich ausgegangenen Begegnungen mit Wildschweinen berichten. Was machen diese Wildschwein-Connaisseure richtig beziehungsweise falsch oder was mache ich falsch beziehungsweise richtig, dass ich noch NIE NIE NIE ein Wildschwein bei meinen Wanderungen gesehen habe?

 

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Und wenn ich was vom Wildschein sehe, dann nur noch kümmerliche Überreste, wie diesen Oberkiefer. Eine richtige Sauerei ist das!



Ganz kleines Karo

Geschrieben am um 8:06

Ich werde oft gefragt, was ein Wanderexperte/Wanderprofi/Wandermeister (siehe Eintrag vom 19. Mai) den lieben langen Tag macht. Wandern hauptsächlich, klar. Wanderwege eröffnen, Wanderveranstaltungen moderieren, Wandershows präsentieren, extrem lustige Wanderlesungen abhalten. So weit kann man das ja auch aus meinem Terminkalender ableiten. Aber aktuell ist eine ganz neue Beschäftigung dazu gekommen: Ich bin Assistent Head Controller of Karomuster Design. Das ist eine Tätigkeit, die mich seit Wochen ausfüllt. Denn die Herbstkollektion von Fifty Five für das Jahr 2018 steht vor der Tür. Und erstmals sollen Lang-Arm-Wanderhemden im Angebot sein. Und Wanderhemden müssen nun mal, warum weiß wirklich nur der Wanderpapst, immer und stets kariert sein. Seit Wochen wälze ich nun kiloschwere Musterbücher …

 

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In den Musterbüchern sehe ich kleines Karo, ganz kleines Karo, mittelgroßes Karo verschränkt und verschwurbelt mit großem und kleinem Karo. Das alles natürlich in allen möglichen Farbkombinationen. Der Hammer! Sechs Richtige im Lotto sind wahrscheinlicher als DAS perfekte Karo zu designen. Aber ich habe einen glasklaren Karofavoriten. Und nun frage ich Euch, liebe Netzgemeinde (auch ein Netz ist ja im Endeffekt aus Karos gestrickt, faszinierende Paralelle!) ich frage Euch also, wie gefällt Euch das rot-weiss-schwarze Muster No. 25:

 

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Wusste ich doch, ich habe Euren Geschmack getroffen!!! Fifty Five wird stinkreich werden, wenn sie dieses Karomuster für ihre Herbst-Wanderhemden verwenden werden, weil ihr alle das Andrack-hat-das-Karo-ausgesucht-Hemd kaufen wollen. Bevor wir (die Fifty Fives und ich) aber stinkreich werden, gehen wir erst noch mal auf Welt-Tournee mit dem Fifty-Five-Mobil. Ich habe Glück gehabt, ich muss nicht wie Stefan auf dem Beifahrersitz schlafen. Nein, ich habe ein riesiges Zelt ganz für mich allein. Und in meinem neuen Heim, dem feuerroten Fifty-Five-Zelt, dort schlafe ich Nacht für Nacht und träume von kleinen, bunten Karos…

 

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Ach ja, und am 12. September gibt’s die große Fifty Five-Sause am Firmensitz in Netphen bei Siegen. Essen, Trinken, Wandern auf dem Rothaarsteig, Mucke, kurze Lesung aus meinen Büchern und natürlich Verkauf von Fifty-Five-Klamotten noch günstiger als sonst. Wer nicht kommt ist selber schuld…

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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