Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wanderglück auf dem Premiumwinterwanderweg Panoramablick

Geschrieben am um 7:41

Wenn ihr Euch beeilt, könnt ihr noch bis ungefähr Mitte April schneesicher in Reit im Winkl winterwandern! Ich war im Januar dort, bei der ersten Winterwanderwoche des Ortes. Die Reit im Winkler sind nicht nur Erfinder des Premiumwinterwanderns, man hat dort auch das Prinzip Premium-Terrasse erfunden …

 

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Die schönste Premium-Terrasse nutzt aber nichts, wenn man den Chiemseeblick nicht genießen kann, weil es nur Sichtweiten von um die fünf Meter gibt und der Schnee mit saukaltem Wind auf die Gesichtshaut prallt. Von Wanderführer Florian kam der interessante Hinweis, dass Schnee, Kälte und Wind zu einer kuriosen Jahreszeit namens „Winter“ gehören würde. Ach sooo…

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Aber so ein Winter kann äußerst launisch sein, denn kaum hat man sich an den Blizzard Light gewöhnt, reißen zum Ende unserer Wanderung die Wolken auf und ermöglichen uns tatsächlich einen Premiumblick auf den Chiemsee. Großartig!

Noch großartiger ist, dass sich neben der Premiumterrasse auch eine Premium-Berghütte, die Hindenburghütte befindet. Der Chef, Premium-Hüttenwirt Günter (siehe auch Blog vom 22. März) ist Vollblutmusiker, daher liegt es nahe, dass auch das Männerpissoir eine musikalische Note hat…

 

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Es mag Musikwissenschaftler geben, die sich weigern würden, in Blechblasinstrumente zu pullern. Der männliche Teil unserer Wandertruppe hingegen ist so begeistert, dass man auch teilweise Führungen für den weiblichen Teil der Wandertruppe anbietet, um sich dieses Premium-Pissoir anzuschauen. Und als wir aus der Hindenburghütte (hin)austreten, empfängt uns die schönste Premium-Sonne, die man sich vorstellen kann …

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So schön kann der Winter sein, in Reit im Winkl. Bleibt noch die Frage zu klären, warum Reit im Winkl eigentlich zu Deutschland gehört, und nicht, was geographisch durchaus nahe läge, zu Österreich, denn der Ort ragt wie einer Art Blase in die austrischen Gemarkungen hinein. Und jetzt die historische Geschichte …

 

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Als sich die Herrscher von Bayern, Tirol und Salzburg nicht einigen konnten, zu welchem Gebiet Reit im Winkl gehören solle, haben sie das wie echte Männer entschieden: Mit einem zünftigen Kartenspiel. Auf dem Wandgemälde sieht man ganz klar, dass der breitbeinige Bayern-Herr das Spiel gewonnen hat. Und deshalb gehört der Wintersportort dank der Laune des Kartenglücks zum Stamme der Bajuwaren.



Die große Raiffeisen-Deutschland-Tour 2018

Geschrieben am um 8:15

Morgen geht es los, ich starte zur großen Raiffeisen-Deutschland-Tour 2018. Der Hintergrund: In diesem Jahr wäre Friedrich Wilhelm Raiffeisen 200 Jahre alt geworden. Raiffeisen gilt als Erfinder der Genossenschaftsidee. Und wo hat er diese Idee gehabt? In einer Landschaft, die berühmt ist für viel Wind, kalten Wind, dem Westerwald …

 

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In Flammersfeld und Weyerbusch war Raiffeisen Bürgermeister, daher liegt es nahe, diese Gegenden in den nächsten Tagen zu erwandern. Meine Fragestellung in den nächsten Monaten wird sein: Wie lebendig ist die Genossenschaftsidee in unserer Zeit? Ich kann es schon einmal vorwegnehmen: Sehr lebendig! Viele Deutsche wissen gar nicht, dass sie Mitglied einer Genossenschaft sind. Wer zum Beispiel beim Car Sharing mitmacht, ist Teil eines genossenschaftlichen Konstrukts.

Ich reise durch Bayern und Norddeutschland, besuche Genossenschaften in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz. Auf dieser Deutschland-Tour könnt Ihr mich begleiten, virtuell jedenfalls – auf facebook, Instagram, Twitter und auf der Seite www.raiffeisen2018.de.

 

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Um klar zu machen, dass Deutschland Genossenschafts-Land ist („Wir sind Genossenschaft!“), werde ich auf meinen Reisen durch Deutschland nur Bankomaten von Volks- und Raiffeisen-Banken, benutzen, bei REWE und EDEKA einkaufen (Coop und den Konsum meiner Kindheit gibt es ja leider nicht mehr) und meine landwirtschaftlichen Utensilien im Raiffeisen-Markt besorgen.

 

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Daneben werde ich mich nur von genossenschaftlichem Gemüse, genossenschaftlicher Milch und genossenschaftlichem Wein ernähren sowie genossenschaftliche Zeitungen lesen. Versprochen!

Der Grund: Ich lebe das Motto Raiffeisens: „Alle für einen, einer für alle“. Denn in unserem Genossenschafts-Land gilt: „Was man mit Genossen schafft, das nennt man Genossenschaft.“



Der beliebteste Wanderblog Deutschlands

Geschrieben am um 8:43

Man sollte nicht jeder Meinungsumfrage vertrauen, aber dieser hier unbedingt:

 

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Ich bedanke mich zunächst mal bei allen, die meinen Blog gewählt haben. 124 Blogs standen zur Wahl und 20 Prozent haben sich für andrackblog.de entschieden. Stark! Zwanzig Prozent, ein Ergebnis, bei dem bei der SPD Tränen des Glücks fließen würden. Woran liegt der hohe Zuspruch? An den mega-aktuellen Wanderberichten auf meinem Blog? An den messerscharfen und schonungslosen Analysen der Wanderwege? Oder an den schönen und funktionellen Outdoor-Klamotten meines Ausrüsters Fifty Five?

Ich weiß es nicht. Aber ich möchte an dieser Stelle die Vorfreude auf eine weiteres Jahr bei andrackblog.de schüren. Über was werde ich in diesem Jahr berichten?

Ab Mitte März gehe ich mit Friedrich-Wilhelm Raiffeisen auf Wanderschaft…

 

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Ich werde in ganz Deutschland die unterschiedlichsten Genossenschaften besuchen und entdecken. dazu nächste Woche mehr. Und ich werde weiter weinwandern, ganz klar.

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Im Gepäck habe ich schon mal einen schönen Cuvee vom Weingut Hoffranzen an der Mosel. Schauen wir uns das Etikett mal näher an. Auf den ersten Blick sieht das Logo mit dem Geißbock sehr harmonisch aus. Aber auf den zweiten Blick stutzt man über diese rheinisch-bayerische Verbindung. Aber wer weiß, vielleicht fusionieren diese beiden Vereine in naher Zukunft. Vielleicht übernimmt Uli Hoeness den FC. Vielleicht fließt ja auch die Mosel bald bergauf und vielleicht scheint die Sonne bald nur noch Nachts.

Ende April werde ich an zwei royalen Weinwanderungen in den Anbaugebieten Pfalz und Württemberg teilnehmen. Eine tolle Idee: Die aktuelle deutsche Weinkönigin Katharina Staab wandert genussvoll mit dem Wanderblog-König Manuel und verkostet dabei köstliche Tropfen. Ich werde Euch über meine royalen Erlebnisse auf dem Laufenden halten, Hofberichterstattung vom Feinsten, da kann der alte Royalist Rolf Seelmann-Eggebert einpacken!

Der Höhepunkt meine Wanderjahres wird die schon traditionelle Fifty-Five-Wanderung am 8. September sein. Wir wandern rund um Netphen im Siegerland, dazu spendieren die äußerst netten Fifty-Five-Mitarbeiter kalte Getränke, heiße Würste (von Grill-Meister Stefan!) und leckeren Kuchen. Hier die Strecke von 2017:

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Wer da nicht mitwandert, ist selber schuld!



Andrack weinwandert im Rheingau

Geschrieben am um 7:08

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Der wandernde Held hat ein ziemlich buntes Gesicht, beide Arme fehlen. Achilles ist ein Held mit Blessuren. Der weltbekannte Künstler Markus Lüpertz hat eine Reihe von mythischen und musikalischen Helden auf den akkurat gestutzten Rasen des Klosters Eberbach gezaubert. Achilles, Hektor, Odysseus, Mozart, Salieri. Man schwankt zwischen Ehrfurcht und Mitleid mit den bunten Gesellen. Das imposante Ambiente des Klosters mit den herausragenden Kunstwerken gibt den Takt unserer Tagestour im Rheingau vor – eine Weinwanderung mit einem sehr exquisiten Ambiente.

In der Vinothek von Kloster Eberbach erfahren mein Wanderfreund Markus und ich, dass es sich nicht nur um das größte Weingut im Rheingau, sondern in ganz Deutschland handelt. Der Referenzwein des Weinguts ist der Riesling, dreiviertel der Anbaufläche ist dieser Rebsorte gewidmet. Folglich entscheiden wir uns nach einigen wohl überlegten Probeschlücken, einen halbtrockenen Kloster Eberbacher Riesling mitzunehmen.

Wieder an den Lüpertz’schen Figuren vorbei und dann müssen wir uns schon ein wenig umschauen, bis man hinter dem Kloster die erste Markierung mit dem weißen „R“ auf blauem Grund gesehen hat. Wir gehen bergan durch den Wald und erreichen schnell eine beeindruckende Mauer…

 

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Tatsache ist, dass die Zisterzienser des Klosters so viel Angst um ihre wertvollen Rebstöcke hatten, dass sie den kompletten Steinberg einmauerten. Wahrscheinlich ist diese lange Mauer vergleichbar der chinesischen Mauer auch vom Weltall aus zu sehen. Auch der Rheinsteig macht einen großen Bogen um die eingemauerte Lage, wir gehen durch ausgedehnte Wälder Richtung Oestrich-Winkel. Mit jedem Kilometer Rheinsteig unter den Füßen steigt die Lust, den Riesling im Rucksack zu verkosten. Aber eine geeignete Bank, möglichst mit Blicken auf den Rhein und die Weinberge, fehlt.

 

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Kurzentschlossen setzen wir uns auf einen Baumstamm, der als eine Art Ersatzbank im Wald herum liegt. Das Laugengebäck und der Kloster Eberbacher Riesling sowie die naturnahe Umgebung ergeben ein perfektes Ambiente für unser Picknick.

Weiter geht es über Wanderwege mit weiten Blicken ins Rheintal und unvermutet lernen wir Bruno kennen. Bruno ist ein Widder (oder einfach ein dickes Schaf mit sehr viel Wolle?), der die Grasflächen auf dem Weg an der Kühns-Mühle frei hält. Ich beschließe, Bruno zu einem gemeinsamen Fototermin zu überreden, wenn er schon so frei herum läuft, wird er doch hoffentlich nicht gefährlich sein…

 

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Aber irgendwie scheint er mehr an grünem Gras als an einem Blick in die Kamera interessiert zu sein. Es bedarf schon einiger Überredungskunst, bis das tierische Foto im Kasten ist. Überraschend hat die Kühns-Mühle auch einen eigenen Wein zu bieten. In einem Kühlschrank am Wegrand kann man sich ein Glas Riesling abfüllen und auf den lebenden Rasenmäher Bruno prosten.

 

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Gut zwanzig Minuten nach der Mühle mit dem zutraulichen Bruno sehen wir den markanten und trutzigen Turm von Schloss Vollrads, einem – wie mein Rheinsteig-Wanderführer schreibt – der bekanntesten Weinschlösser der Welt. Zumindest lassen die Autokennzeichen der vor dem Schloss parkenden Automobile auf eine gewisse Weltläufigkeit schließen. Und die Marken der Autos deuten auf ein eher üppiges Durchschnittseinkommen der Schloß-Besucher.

 

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Das gesamte Schloß hat sich herausgeputzt, alte Gemäuer und grüner, gepflegter Rasen. Wanderfreund Markus hat Durst auf ein Bier. Aber Schloss Vollrads ist ein Weingut, das Restaurant also sozusagen ein Weinausschank, daher hat die Bedienung noch nie davon gehört, dass es so etwas wie Gerstensaft überhaupt gibt. Ich finde das gut und so trinken wir der Jahreszeit angemessen einen leichten Sommer-Riesling, dazu eine Flasche Wasser. Wanderfreund Markus muss zugeben, dass das mindestens genauso erfrischt wie eine Hopfenkaltschale. Mit dem Blick von der Terrasse des Schloß-Restaurants auf den Schloßpark fühlen wir uns (mindestens) so königlich wie die Herzöge von Windsor.

 

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Wir wandern von Schloss Vollrads zum Schloss Johannisberg. Ehrlich gesagt dient der Rheinsteig in diesem Abschnitt des Rheingaus eher dazu, die sensationellen Einkehr-Highlights zu verbinden, der Weg selber ist nicht so spektakulär wie auf anderen Abschnitten. Daher sind wir gefühlt ruckizucki im Ort Johannisberg. Scharf links und schon wandeln wir auf einer Allee – vor uns liegt eine Art Klein-Versailles. Das sehr edle Weingut heißt mit vollem Titel: „Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg“

 

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Bei Fürst von Metternich klingelt es doppelt. Mein Historiker-Freund kräht: „Wiener Kongreß, der Kongreß tanzt“. Ich dachte eher an die sehr bekannte Sektmarke, auf der der Fürst von Metternich mit roter Schärpe zu sehen ist. Beides stimmt, wir sind also an (wein-)historischer Stelle mitten auf dem Johannisberg gelandet.

Wir trinken im Restaurant des Schloßes, das sich bescheiden als „Schänke“ bezeichnet, einen Schloss Johannisberger Rotlack. In der Speisekarte finden wir ein Bonmot des Dichters Heinrich Heine: „Wenn ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just der Berg, den ich mir überall nachkommen ließe“ Da hat der alte Dichter einen sehr sehr hübschen Gedanke gehabt. Der Johannisberg als Weinberg-to-go. Wir beenden zwar mit dem Rotlack unsere Weinwanderung in Johannisberg für heute, aber wir werden den Berg in unserem Herzen überall hin mitnehmen.

 



Die Premiumwinterwanderhelden

Geschrieben am um 9:26

Mitte Januar war ich bei der ersten Winterwanderwoche in Reit im Winkl. Im schneesichersten Ort Deutschlands wurde ja tatsächlich das Premiumwinterwandern erfunden. Man geht auf gespurten, festen Schneewegen und hat das Gefühl, auf einer weißen Wolke zu schweben. Aber zum ganz besonderen Erlebnis wurde die Reit-im-Winkl-Winterwanderwoche durch die wunderbaren Begegnungen mit den Menschen vor Ort.

 

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Florian Weindl ist ein Super-Typ und Chef der örtlichen Tourist-Info. Er lebt das Winterwandern, das merkt man, und er kann mit unendlicher Liebe und Empathie von der Kraft erzählen, die vom Winterwandern ausgeht. Außerdem kennt er mehr Bezeichnungen für Schnee als ein hochbegabter Eskimo. Und kurz vor Ende der Tour auf dem Panoramaweg packt er auch noch einen genialen Schnaps aus, der vor Ort, unten in Reit im Winkl, hergestellt und vertrieben wird. 50 Umdrehungen, da spürt jede Faser des Körpers die Kraft, die vom Winterwandern ausgeht.

Der nächste Sympathieträger ist Leo …

 

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Leo ist der Hüttenhund der Hindenburghütte. Ein wahnsinnig gutmütiger, lebendiger, aber irgendwie auch fauler Hüttenhund. Als sich vor sechs Jahren meine damals einjährige Tochter auf ihn schmieß, hat er das schon fast genossen. Sehr schön war auch, das ich erstmals mit Wanderprofi Jarle Sänger gewandert bin. Jarle hat das sehr schöne Buch „111 Gründe zu wandern“ geschrieben und besaß die Kühnheit, mich zu einem nächtlichen Rodelduell (vier Kilometer Schußfahrt auf einer Naturrodelbahn) herauszufordern.

 

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Ha! Dem habe ich gezeigt, wo der Bartel den Most holt. Die Revanche bei Tageslicht habe ich allerdings ganz ganz knapp verloren…

Aber der größte Premiumwinterwanderheld von Reit im Winkl ist der Hüttenwirt Dirnhofer, auch Günter genannt.

 

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Der Mann ist ein Tausendsassa. Morgens kommt er uns in der Schneeraupe entgegen und hat gerade unseren Weg gewalzt.

Beim Hüttenabend macht er höchstpersönlich die Musi und brilliert mit stilsicheren Pointen. Ein geborener Entertainer!

 

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Und als ich dem Günter Dirnhofer zum Abschied die Hand drückte dachte ich nur: Herrschaftzeiten, das ist mal ein Händedruck. Darauf noch eine Halbe…



Andrack weinwandert an der Unstrut

Geschrieben am um 7:52

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Wir sind vor einer Viertelstunde am Bahnhof von Laucha zu einer Weinwanderung an der Unstrut aufgebrochen. Ich wandere zusammen mit Ihrer Majestät Juliana I., der frisch gekürten Gebietsweinkönigin von Saale-Unstrut. Unser Plan ist, auf dem Wanderweg mit dem blauen Balken bis Freyburg zu gehen.

 

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Etwa zwei Kilometer nach dem Bahnhof gehen wir über eine schmale Brücke und erreichen den Weinort Weischütz. Direkt hinter der Brücke empfängt uns Herr Wölbling vom Weingut Köhler-Wölbling. Das ist mal ein Empfang: der Wein ist schon kalt gestellt, die Brotzeit steht auf dem Tisch. Anscheinend wurde wir angekündigt – unsere Weinwanderung ist hervorragend vom Weinbauverband Saale-Unstrut organisiert. Aber auch wenn man nicht zufällig mit der Weinkönigin weinwandert, kann bei Köhler-Wölbling einkehren. Seine Straußwirtschaft ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Und die Lage direkt an der Unstrut-Brücke ist perfekt, um Wanderer, Radfahrer und Kanu-Fahrer anzulocken.

Wölbling erzählt, es wären andere Weinwanderer bei ihm eingekehrt, die zechten im Innenhof des Weinguts. Na, da muss ich doch mal Hallo sagen.

 

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Und siehe da, ich kenne die ungefähr 15 Mädels und Burschen ganz gut, denn das „Netzwerk Weitwandern“ informiert sich seit Jahren über ihre Aktivitäten. An der Unstrut wird das Netzwerk Weitwandern zum Netzwerk Weinwandern, das ist doch wunderbar.

Ich verabschiede mich von der Wandertruppe und dem sehr netten Winzer-Ehepaar und wandere mit Juliana I. durch das Dorf Weischütz. Hinter Weischütz wandern wir eine Anhöhe hinauf und durch einen Wald. Dann öffnet sich die Landschaft, über die Felder hinweg ist ein Turm zu sehen. „Das ist unser nächste Ziel“ sagt Juliana I., das Weingut von VDP-Winzer Bernhard Pawis. Und dann rettet die Weinkönigin uns das Leben: „Die schießen auf uns!“

 

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Stimmt, das Knallen hat uns durch den Wald begleitet. Unseren regulären Weg können wir nicht gehen, wir wollen nicht den Ballermännern auf dem Schießstand zu nahe kommen. Wir gehen also mit Sicherheitssabstand an der Landstraße. Im ehemaligen Kloster Zscheiplitz treffen wir Bernhard Pawis, einer der Winzer an der Unstrut, der auch seinen Anteil daran hat, dass sich die Anbaufläche des Anbaugebiets seit der Wende verdoppelt hat. Pawis sagt: „35 Prozent meines Weins ist Riesling. Schuld ist meine Frau, die hat sehr forciert, das überhaupt anzubauen. Wieviel der 35 Prozent Riesling Eigenbedarf meiner Frau ist, ist Betriebsgeheimnis“ Schon nach wenigen Minuten ist klar, Winzer Pawis ist ein sehr sympathischer Entertainer, der uns Weinwanderer auf einen kleinen Spaziergang durch sein Weingut mitnimmt. Wir steigen auf den sogenannten Nonnenturm und haben einen gigantischen Blick über das Unstruttal bis Freyburg und Schloss Neuenburg.

 

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Unterhalb des Nonnenturms zeigt uns Pawis die Napoleon-Kanone. Nach der Völkerschlacht 1813 hatte sich das geschlagene Heer Napoleons an den reifen Weintrauben im Unstrut-Tal satt gegessen. Heute nutzt Pawis die Kanone, um einzelne Weinflaschen zu den durstigen Weinliebhabern im Tal zu schiessen.

 

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„Und meine Frau zieht direkt per Bankeinzug die Kohle ein“ Frau Pawis treffen wir in der Straußwirtschaft. Sie sagt: „Viele, die aus dem Westen kommen, sind überrascht, wie toll das hier ist“. Ich teste den herrlichen Grauburgunder. „Der ist bei uns immer als erstes ausverkauft“ informiert mich Bernhard Pawis und ergänzt: „Ich liebe es, wenn jemand nach dem ersten Schluck sagen: Dein Wein ist geil“

Dass es „geile Weine“ bei Bernhard Pawis und seiner Frau gibt, kann ich bestätigen. Wir verabschieden uns und wandern weiter auf unserem Weinwanderweg mit dem blauen Balken. Unser Weg führt uns bergab, Richtung Freyburg. Auf dem Weg erklärt mir die Gebietsweinkönigin stolz ihre Krone, denn jeder Stein, jeder Steg des luftigen Diadems hat einen tieferen Sinn. Die drei Steine stehen nicht nur für Rot, Rosé und Weißwein, sondern auch für die drei Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg.

 

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Denn die Weinberge des Anbaugebiets Saale-Unstrut sind auf verschiedene Wein-Zentren im Dreiländereck verteilt, sogar am Harz wird Wein abgebaut. Doch zurück zur Krone. Der eierschalenfarbene Besatz unterhalb der drei Steine symbolisiert den typischen Muschelkalk-Boden. Und die Weinberge und Terrassen werden durch goldene Spangen dargestellt. Wir erreichen den Fuß der Schweigenberge bei Freyburg und sehen genau die terrassierten Weinberge, auf die die Krone von Juliana anspielt.

Und wir sehen zahlreiche der ungefähr hundert Weinberghäuschen. In einem dieser Weinberghäuschen ist die Straußwirtschaft „WeinGalerie im Schweigenberg“ untergebracht, das ist nächste Station unserer Weinwanderung.

 

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Winzer Sven Lützkendorf begrüßt uns strahlend und erklärt auch sofort, warum er so glänzende Laune hat: „Die Traubenreife 2017 war optimal, es war ein grandioses Jahr!“ Da ist es ja eigentlich höchst bedauerlich, dass ich im Herbst 2017 noch keinen 2017er verkosten kann. Doch, sagt Lützkendorf, „ wir haben doch den Federweißer. Und der ist wirklich sehr gelungen, um nicht zu sagen „grandios“. Wir klettern mit unserem Winzer kreuz und quer durch seine Weinberge und bleiben an einer Reihe mit Riesling-Rebstöcken stehen. Lützkendorf zückt seinen Öchsle-Messer und macht einen Öchsle-Test von der Riesling-Beere. Auch ich darf durch das kleine Gerät schauen und sehe auf der milchigen Skala den Wert: 66. Aber Lutz Lützkendorf will noch abwarten. „Jeder Tag bringt jetzt einen Öchsle mehr“, da werde sich die Geduld auszahlen.

 

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In der DDR gab es zwei Genossenschaften, eine von beiden war die Winzervereinigung Freyburg. Es ist schon dunkel geworden, halb neun abends, die Straßenlaternen von Freyburg haben unseren Weg zur Weingenossenschaft illuminiert. Wir treffen Hans Zieger, den Geschäftsführer Winzervereinigung Freyburg und trinken zur Begrüßung einen großartigen Müller Thurgau.

 

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Diese manchmal etwas unterschätzte Rebsorte ist an der Unstrut die wichtigste Weißweinsorte. Wir machen einen Rundgang durch den Betrieb. Es ist der Hammer, was in der Winzervereinigung Freyburg – gefühlt mitten in der Nacht – noch los ist. Viele der 45 Mitarbeiter wuseln umher, ein grüner Weinlaster kippt seine Traubenfüllung aus. Zieger erklärt: „Nehmen wir zum Beispiel unseren Dornfelder Rosé, halbtrocken. Bei dem muss die Gärung exakt gestoppt werden, manchmal eben auch morgens um halb Drei. Daher haben wir im Herbst zur Lese-Zeit Schicht-Dienst.“

Vor der Vinothek verabschiede ich mich von Hans Zieger und auch von Juliana I., die mir eine wunderbare Begleiterin auf meiner Exkursion an der Unstrut war. Ich freue mich auf jeden Fall auf meine nächste Weinwanderung im Anbaugebiet Saale/Unstrut.

 

Ich danke Sandra Polomski-Woithon ganz herzlich für die Organisation und Begleitung der Weinwanderung von Laucha nach Freyburg.



Karneval an der Werra

Geschrieben am um 7:26

Nix „Kölle Alaaf“. Wir rufen „Woasinge Ahoi!“. Nicht Köln am Rhein ist die deutsche Karnevalshochburg, sondern Wasungen an der Werra. Warum? Weil in Thüringen der komplette Ort karnevalsverrückt ist. Da gibt es keine Karnevalsflüchtlinge, die wie in Köln vor den Horden besoffener Menschen aus dem Allgäu, der Eifel und dem Westerwald das Weite suchen. Nein, in der deutschen Fastnachtsstadt Nummer Eins sind alle 3.500 Ureinwohner beim Karneval dabei.

 

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Auf einer kombinierten Kanu- und Fußwanderung an der Werra von Meiningen nach Wasungen habe ich die thüringische Karnevalsenklave entdeckt. Schon verrückt: Auch die Tradition spricht im nationalen Narrenhochburgen-Vergleich für Wasungen. 2018 wird schon das 483. Wasunger Karnevalsfest gefeiert. Zum Vergleich: Den Kölner Rosenmontagszug gibt es erst seit 1823. Und so einen schönen Karnevalsorden wie in Wasungen gibt es auch in keiner anderen deutschen Fastnachtshochburg.

 

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Jedes Jahr wird mit großem Brimbamborium der „Größte Lüchesoack“ – also der größte Lügensack – ausgezeichnet. Das scheint in Wasungen eine große Ehre zu sein. Diesen Titel kann man auch mehrmals holen, ein gewisser Herbert Dreißigacker schaffte in den Fünfzigern einen Hattrick in drei Jahren hintereinander.

Das Wasunger Motto 2018 ist: „Ganz Woasinge steht Kopf“. 2016 hieß das Motto: „Mie falle ümmer uff“, das hört sich schon fast rheinisch an. Und 2003 war das Motto: „Es is rüü bi nüü“. Da braucht man wirklich einen Übersetzer, keine Ahnung, was das heißen soll. Und warum heißt der närrische Schlachtruf „Woasinge“ ahoi? Weil früher die Flößer auf der Werra zum Stadtbild gehörten, die maritime Tradition hat sich mitten in Thüringen erhalten.

Falls ich demnächst in Wasungen mitfeiere, habe ich auch schon ein Kostüm. Ich gehe dann als wandernder Rohrbert…

 

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Mein Name ist Hase

Geschrieben am um 6:55

Der Fluss Hase war früher beim Spiel Stadt-Land-Fluss mein Geheim-Tipp, wenn es um den Buchstaben „H“ ging. Man konnte das gleiche Wort wie bei „Tier“ unter „Fluss“ eintragen, und kein anderer Mitspieler hatte die Hase auf dem Zettel. Bingo!

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Vor kurzem hatte ich endlich mal Gelegenheit an der Hase – nun ja, nicht zu wandern, eher zu spazieren und Rad zu fahren. Mit der Chef-Landschaftsplanerin von Osnabrück habe ich mir einige Bauprojekte angeschaut, die die Hase der Osnabrücker Bevölkerung näher bringen.

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Natürlich hätte ich auch gerne mal einen Hasen gesehen. Aber wir haben nur Enten, Krähen und eine Ratte gesichtet. Aber hinter dem Kaufhof haben wir das scheue Tier gesichtet, das auf der roten Liste der bedrohten Stadt-Land-Fluss-Tiere steht…

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Um beim Thema Flüsse zu bleiben. Auf der Werra habe ich mich in ein Kanu gesetzt und mit Kapitän Thomas Wey die wilden Stromschnellen des thüringischen Flusses bezwungen…

 

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Dafür braucht man natürlich spezielle Bekleidung. Um sich im Werra-Kanu vor dem Ertrinken zu retten, trage ich Fifty Five. Um mit den Hasen angeln zu können, nehme ich Fifty Five. Und wenn ich mit der Landschaftsplanerin Christiane Balks-Lehmann im Regen an der Hase steh, bevorzuge ich Fifty Five. Es kann sooo einfach sein.



Mein neuer Job: Naturfotograf

Geschrieben am um 10:52

Ich habe ja schon viele Jobs in meinem Leben ausprobiert und auch parallel ausgeübt. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich auch mal als Fotograf von nie zuvor gesehenen Tiermotiven Aufsehen erregen würde. Ich gebe zu, wochenlang in derselben Unterhose in der Serengeti als Buschzweig getarnt zu warten, bis der sengalesische Zwerghamster vorbei hoppelt, das ist echt nicht mein Ding. Aber was sagt ihr dazu:

 

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Wie bitte, Ihr könnt nicht erkennen, welches Tier das sein soll? Eine tauchende Blindschleiche natürlich, das sieht doch jede blinde Schleiche. Na gut, dann jetzt mal was Einfaches: Wer ist hier gerade vorbei geschwommen?

 

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Wie jeder weiß, ist der Fischotter äußerst scheu und selten in freier Wildbahn anzutreffen. Die größte Thüringer Fischotter-Expertin, die zwar ihr ganzes Leben den thüringischen Fischotter gewidmet hat, hat den kleinen Kerl noch nie gesehen. In dieser Entengrütze (das ist der Schmodder auf der Wasseroberfläche) auf einem Oder-Altarm hat sich aber der Fischotter wie ein Eisbrecher eine Schneise gebahnt.

Ich kann aber nicht nur Tiere…

 

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Auch den scheuen Hindenburg-Baum habe ich vor die Linse bekommen. Ich denke, mit dem Wandern höre ich bald auf. National Geography hat mir eine Festanstellung als Chef-Fotograf angeboten.



Wasserwandern und die Schmach der Himmelsleiter

Geschrieben am um 7:43

Im Spätsommer, der meistens eher spät als sommerlich erschien, habe ich bei einigen Expeditionen in Deutschland „Lebendige Flüsse“ erwandert, ein Projekt der Deutschen Umwelthilfe. Ich habe also neben meinen neuen Hobbys Weinwandern und Kinderwandern auch noch das Flusswandern ins Visier genommen. Das darf man übrigens ganz wörtlich verstehen …

 

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Im Mündungsbereich der Isar (bevor ihr das googelt –selbst die meisten Bewohner Münchens wissen das nicht – die Isar mündet bei Deggendorf in die Donau) war es wegen der August-Regenmassen etwas feucht geworden. „Vom Wasser gestaltet“ – genau!

Am Neckar bin ich auch nass geworden, aber nur, weil der Schweiß in Ströme floss. Schuld daran war die Himmelsleiter auf dem Neckarsteig…

 

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1.200 grob behauene Steinstufen vom Heidelberger Schloss hinauf zum Gipfel des Königsstuhls. Au Mann. Ich kann mich nicht erinnern, auch nicht am Watzmann, jemals so außer Atem gekommen zu sein. Peinlich!

 

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Beim Gipfelfoto mit Naturschützer Johannes Reiss bin ich so fertig, als hätten wir gerade einen Achttausender bezwungen. Mein Brillenglas ist nicht trübe, sondern nur beschlagen. Das Belohnungsbier am Gipfel fühlte sich wie die Schlussrast an. Dabei waren wir erst ein paar hundert Meter gewandert.

Zurück zur Isar-Wanderung, die nächste peinliche Nummer…

 

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Zur Schlusseinkehr nach der Isar-Auenwaldwanderung bestelle ich mir eine schöne Halbe von Arcor-Bräu. Lecker. Und dann, Herr Wirt, hätte ich gerne noch das Freibier, aber zack zack, versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Tja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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