Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinwandern großstadtnah

Geschrieben am um 6:23

Weinwandern großstadtnah, das wäre doch eine feine Sache. Wandern in den Weinbergen in Pinneberg bei Hamburg oder in Hürth bei Köln, edle Tropfen testen in den Weingütern von Oranienburg bei Berlin und Erding bei München, zwischen den Reben flanieren in Ratingen bei Düsseldorf. In Fellbach bei Stuttgart ist das großstadtnahe Weinwandern Realität, sofern wir uns darauf einigen können, dass Stuttgart eine Großstadt ist

 

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Einfach mit der U1 aus der Stuttgarter Innenstadt die Anhöhen am Neckar hinauffahren, an der Endstation Fellbach Lutherkirche aussteigen und zehn Minuten zur Vinothek der Winzergenossenschaft gehen – und schon hat man eine paradiesische Auswahl für die Wegzehrung.

 

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Da es sich bei den Fellbachern um Winzergenossen handelt, müssen die beteiligten Betriebe natürlich wissen, wann sie welche Trauben anliefern sollen. Das steht praktischerweise an einer Tafel angeschrieben, so dass auch der Endkunde bei der Anlieferung zuschauen kann.

 

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Wie großstadtnah der Fellbacher Weinwanderweg ist, sieht man schon daran, dass man das Stadion der schwäbischen Fahrstuhltruppe richtig gut sehen kann. Nun gut, so etwas wie Fußballstimmung wird coronabedingt für lange Zeit nicht bis in die Weinberge hineinwehen.

 

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Ein Pluspunkt: In den Fellbachern Weingärten kann man sich auch an heißen Tagen unter den schicken Wetterpilzen einen Schatten-Platz suchen. Zwar haben die Dinge keinen klassischen Holzaufbau, entsprechen aber ansonsten den Vorgaben des Kölner Wetterpilzgurus Klaus Herda.

 

 

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Im letzten Jahr habe ich Klaus Herda bei einer Ausstellung in Köln getroffen, die den Kosmos „Wetterpilz“ als architektonisches Outdoor-Wunder Nummer Eins beleuchtete. Die Suche und – wie in Fellbach – der zufällige Fund von Wetterpilzen mit einhergehender Erwähnung auf wetterpilze.de ist immer wieder ein erhabenes Erlebnis, wie die Erstbesteigung eines unbekannten Gipfels.

 

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Nun aber auf nach Fellbach, auch auf der Durchreise (so war das bei mir), kann man in der Nähe von Stuttgart schöne Weinabenteuer erleben. Und die fast zwei Millionen Liter Wein, die können die Einwohner von Fellbach beim besten Willen nicht alleine trinken.



Der Wanderknigge

Geschrieben am um 6:23

Seit dem Lockdown haben viele Menschen das Wandern für sich entdeckt. Das ist sehr schön, allerdings stellen sich diese Wander-Novizen viele Fragen: Wie, Wo und mit wem. Daher bin ich mit Filmemacher Philippe und Wander-Altmeister Michael losgezogen, um einen Wanderknigge zu drehen, der die wichtigsten Fragen beantwortet: Wie schnell soll ich gehen, welche Touren soll ich aussuchen, wieviel Zeit soll ich einplanen, was soll ich in den Rucksack einpacken, wie informiere ich mich über die Ruhetage der Wanderhütte.

 

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Entscheidend für eine gelungene Wanderung: Immer genug Wasser mitnehmen und am besten immer dort wandern, wo es viel Wasser gibt. Daher hat Philippe auch am liebsten Wasser gefilmt. Während Wanderfilmemacher fast ausschließlich Wasser filmen …

 

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… müssen Wanderfilmproduzenten pausenlos telefonieren, irgendetwas organisieren, das ist nun einmal Produzentenalltag. Nachteil: Wenn düsenjägerlaut telefoniert wird, muss man immer wieder den Dreh unterbrechen, was bei Filmemacher und Protagonist totale Begeisterung auslöste.

 

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Ein wichtiges Thema im Wanderknigge war der Umgang mit Müll. Denn auch erfahrene Wanderer wissen oft nicht, dass es einen Grund hat, warum sich an Premiumwege-Rastplätzen keine Mülleimer befinden – die Wanderer sollen eben ihre Abfälle wieder mitnehmen. An Outdoor-Mülleimer bedienen sich gerne auch die Tiere des Waldes, und das Ergebnis ist immer eine große Sauerei.

 

 

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Dummerweise fand sich genau am Drehort für ein vorbildliches Wanderpicknick ein auffälliger Mülleimer, der die Basis-Message aber sowas von konterkarierte. Da bekanntlich in den Medien grundsätzlich nur geschummelt und getürkt wird, hat der Wanderknigge-Produzent den Mülleimer einfach verschwinden lassen, beziehungsweise mit drei Rucksäcken versteckt. So arbeitet die Lügenpresse!

 

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Allerdings war sich unser Produzent nicht zu schade, einen ganzen Müllbeutel, den wir an einer anderen Sitzgruppe im Bach fanden, durch den Wald zu schleppen, vom Saarland bis nach Bonn zu fahren und ebenda fachgerecht zu entsorgen.

 

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Und so ist ein wunderschöner Wanderknigge entstanden, bald auf allen Kanälen (unter anderem Wandermagazin.de) nachzuschauen. Einige Filme, die alle Wander-Einsteiger an die Hand nehmen, so wie der Mann seine Frau auf dem Wanderwegweiser.



Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO

Geschrieben am um 6:23

Ich schrub es schon in meinem ersten Wanderbuch: Die Planung einer Wanderung macht den meisten Wanderern fast genauso viel Freude wie die Tour an sich. Nun nahen ja die Sommerferien (gefühlt hat man eigentlich schon lange genug Ferien gehabt, seit dem 13. März um genau zu sein), aber die langen, warmen Tage wollen ausgefüllt werden. Und da stellt sich zunächst mal die Gretchenfrage: Ins Mittelgebirge oder ins Hochgebirge? Es ist hilfreich eine Landkarte zur Hand zu haben, die etwas Orientierung bietet.

 

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Ich denke, ich werde mir eine Pension in Kirchdorf nehmen. Von dort kann man Wanderungen sowohl ins Hoch- als auch ins Mittelgebirge (zum Aussichtsturm) planen. Und zum Hauptfluß und zur Talsperre ist es auch nur ein Katzensprung

Wenn ihr noch eine Wanderempfehlung für den Sommer braucht, kann ich Euch den Pfälzer Weinsteig in der Nähe von Bad Bergzabern ans Herz legen.

 

 

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Aber sehet, sprach der Investor, dort entstehet am Liebfrauenberg eine Wandergaststätte. Doch höret, ihr Bürger-Scharen, die ihr den Wut-Investor angeschissen habet, dass eher ein Erdaushub durch einen Kaffeelöffel ins Himmelreich komme, als ein Teelöffel. Erbebet, ihr Ungläubigen, die ihr nur Klatschen und Singen in der Schule hattet. Denn frohlocket, liebe Wanderer, freuet Euch auf die bald genial ausgebaute Einkehrmöglichkeit am Pfälzer Weinsteig. Habemus Hefeweizen.

Die große Frage in Corona-Zeiten bleibt: Wie halten es die Behörden mit dem Gruppenwandern? Wann darf ich wieder mit dem Schwäbischen Albverein wandern? Ist denn Wandern etwa kein Sport?

 

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Die Antwort(en) gibt die sächsische Corona-Wander-Behörde, die mir von einem Wanderkumpel zugespielt wurde: „Ihr Anfrage zielt auf die Bewertung, ob die Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO zulässig ist. Nach § 4 Absatz 1 sind weiterhin grundsätzlich alle Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Ausnahmen von diesem Grundsatz sind ausdrücklich in Absatz 2 benannt. Insbesondere sind dort Ansammlungen von Menschen gestattet, wo die Öffnung und der Besuch nach § 6 Absatz 2 zulässig ist. So ist die Öffnung von Sportstätten ohne Publikum nach § 6 Absatz 2 Nr. 16 zulässig. Sportstätten iSd SächsCoronaSchVO sind von dem öffentlichen Raum abgegrenzte Bereiche, die der Ausübung von Sportarten dienen. Unter diesen Begriff fallen sowohl Innen- als auch Außensportstätten. Der Wanderweg ist jedoch ein markierter Weg, der nicht zum Zwecke der Ausübung von Sportarten vom öffentlichen Raum abgegrenzt ist, sondern vielmehr trotz Benutzung zum Wandersport auch jederzeit von weiteren Personen zum Zwecke des Spazierens, Reitens o.ä. benutzt werden kann. Die Benutzung von öffentlichen Wanderwegen fällt somit nicht unter die Ausnahme für die Öffnung und Benutzung von Sportstätten.“



Corona-Familien-Touren und DisTanz in den Mai

Geschrieben am um 6:23

Das war eine supergeile Zeit (wie die kölsche Band Brings das ausdrücken würde), diese sieben Wochen Corona-Ferien mit der Familie. Jeden, aber wirklich jeden Tag Wandern oder Radtouren. Nun ist wieder Alltag, außer dem Home-Office-Papa müssen wieder alle in die Schule, entweder als Lehrende oder als Lernende. Daher ein kleiner Rückblick auf die Corona-Touren der letzten Wochen. Eins vorab: Obwohl das Saarland angeblich sehr strenge Ausgangsbeschränkungen hatte, durfte man sich in den Weiten des Bundeslandes frei bewegen. Im Gegensatz dazu wurde gegen ein sächsisches Pärchen, das die Frechheit besessen hatte, 50 Kilometer vom Wohnort entfernt zu wandern, polizeiliche Ermittlungen aufgenommen. Soko Wild-Wandern.

 

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Ein absolutes Highlight ist die Oppig Grät im Nordsaarland, traumhafte Schlucht mit extrem hohem Erlebniswert. Mitte April war leider noch immer die Wintersperrung aktiv, daher waren wir halb (oder voll) illegal unterwegs. Der Vorteil: Kaum andere Wanderer gesehen, die ganze Schlucht für uns.

 

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Etwas voller zeigte sich der Wanderparkplatz des Felsenwegs (schönster Wanderweg des Jahres 2005) in Waldhölzbach. Wir sind aber nur ein Teilstück des Premiumwegs (Erlebnispunktzahl: unglaubliche 96 Punkte, das ist meiner Meinung nach Weltrekord für einen nicht-alpinen Premiumweg!) gegangen. Teilweise war der Felsenweg identisch mit einem etwas schäbigen, in die Jahre gekommenen Barfusspfad. Nachdem barfuss ich im Bächlein auf spitzen Steinen und bei Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gegangen war, war ich wach.

 

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Zurück am Wanderparkplatz bot ein Wanderverpflegungsautomat „Ebbes von hei“ (Etwas von hier) an. Meine Tochter wollte unbedingt einen Ring Lyoner haben, die saarländische Nationalspeise. Was für eine Enttäuschung, immer wenn wir die Nummer 33 des entsprechenden Fachs drückten, erschien die Anzeige: „Fach leer“. Die Gastronomie geschlossen und dann auch noch keine Automatenwurst. Schlimme Zeiten.

 

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Großartig immer wieder der Keltenring bei Nonnweiler, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Lyonerring. Riesige Steinhaufen haben die alten Kelten aufgetürmt, um sich gegen andere (feindliche) Kelten zu verteidigen. Erbaut wurde die Mauer – das mutmaßen Experten – am 13. August 1961 vor Christus. Verglichen mit dem saarländischen Keltenring kann die chinesische Mauer einpacken.

 

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Auch unter das Thema Corona-Rückschau fällt die Aktion „DisTanz in den Mai“ des Weinguts Peter Kriechel. Das ist mal ein Winzer nach meinem Geschmack – tolle Weine und FC-Fan, was will man mehr? Auf jeden Fall war es etwas Besonderes, eine Zoom-Weinprobe mitzuerleben (die Weine hatte ich mir natürlich vorher besorgt). Musikalisch wurde Paul Radau aktiv, …

 

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… der wiederum Stein und Bein schwor, Radau sei kein Künstlername, vielleicht erdacht in Ballermann-Laune. Betont auf dem erste „A“ ist Radau einfach ein relativ exotischer Familienname. Und nächstes Jahr tanzen wir wieder richtig in den Mai!

Je normaler das Leben wieder wird, desto mehr sollte man sich Themen widmen, die nicht mit Ihr-wisst-schon-was zu tun haben. Welche Wanderdestinationen weltweit fehlen Euch noch im Portfolio? Und was ist eigentlich mit dem Beethoven-Jahr los? Es soll verlängert werden, las ich, ich glaube bis 2027, dann kann man direkt den 200. Todestag mitfeiern. Bald an dieser Stelle mehr zum wilden Wanderburschen Ludwig van.



Deutschlandwanderer von A bis U

Geschrieben am um 7:28

Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Wochenend-Ausgabe: „Dass man jahrelang diese literarischen Deutschlandwanderer und Fontane-, Heine-, und Montaigne-Imitatoren, Bücherschreiber von A wie Andrack bis U wie Uslar , für schreckliche Spießer hielt – geschenkt. Spätestens in Corona-Zeiten merkt jeder: Deutschland, das ist der ‚Gipfel der Schönheit’ (Mark Twain)“. Erster Gedanke, als ich das las.: Wie konnte man denn jemals Deutschlandwandern spießig finden? Das ist ja sowas von spießig, Deutschlandwandern spießig zu finden. Na ja – geschenkt.

 

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Zweiter Gedanke: Angesichts der Corona-Krise und einer (erzwungenen) Konzentration auf das Naheliegende, das Heimatliche, das Regionale in einer Reihe mit Heine, Fontane und Montaigne (dessen Essays über das Deutschlandwandern hatte ich anscheinend bislang übersehen) genannt zu werden, ist ja nicht sooo übel. Aber der Autor des Textes hat ja recht, wenn wir mittelfristig und langfristig an Urlaub denken werden, fallen Destinationen wie Italien, Spanien oder Frankreich leider aus. Das ist extrem bitter, habe ich doch selbst meine letzten Sommerurlaube auf Ischia verbracht.

 

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Daher gibt es nur eine Alternative: Urlaub in Deutschland! Und damit jetzt nicht alle an die Küsten von Nord- und Ostsee stürmen, ist die gute Nachricht: Es gibt jede Menge andere Regionen in Deutschland, die Spaß machen. Sucht Euer Glück im Hunsrück! Auch in der Rhön ist es schön! Im Zweifel die Eifel! Im Moment scheint ein (kurzer oder langer) Urlaub in den deutschen Mittelgebirgen noch Zukunftsmusik zu sein – touristische sind Übernachtungen verboten, gastronomische Betriebe sind geschlossen. Aber ich bin überzeugt: es wird Lockerungen geben. Warum sollten Paare nicht ein Zimmer in einer Pension buchen, wenn im Frühstücksraum Abstand gewahrt wird? Warum darf keine Außengastronomie betrieben werden, wenn die Tische über zwei Meter entfernt sind? Warum kann ich als Familie keine Ferienwohung buchen? – der Kontakt zum Vermieter kann virtuell bleiben und der Schlüssel liegt sowieso meistens unter der Fussmatte. Thüringen ist sogar beim Thema Kollektiv-Wandern schon voran gegangen: Versammlungen ab 50 Menschen unter freiem Himmel sind ab dem 3. Mai erlaubt, da steckt wahrscheinlich der Rennsteigverein dahinter!

 

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Darum geht es beim Wandern: Um lustvolle Bewegung an der frischen Luft, die wahrscheinlich bald als Corona-Prävention offiziell von J. Spahn anerkannt werden wird. Vielleicht könnte man erst einmal (ein Hoch auf das föderale System!) Urlaub im eigenen Bundesland erlauben. Die Bayern, Schwaben und Rheinländer hätten eine große Auswahl, die Saarländer auch. Die Bremer und Hamburger, na ja. Auf jeden Fall gilt weiterhin: Wer den Kopf in den Sand steckt, sieht nicht die schöne Landschaft!

 

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Und wer nur durchs Fernglas schaut und dabei Corona trinkt, hat wahrscheinlich auch nicht den kompletten Durchblick.

 



Andrack jetzt Blog schreibt

Geschrieben am um 10:33

Frisst das fiese Corona-Virus eigentlich auch Gehirnzellen Von Spiegel-Online-Redakteuren?

 

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Wie auch immer: Manuel Andrack jetzt Blog schreibt

 

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Gut, dass die Badeinsel gesperrt ist. Das kann Menschenleben retten. Denn wenn man Ende März bei sechs Grad Außentemperatur in den Badesee springen, drin plantschen und schwimmen würde, könnte man sich den Tod holen.

 

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Alle Gaststätten, vor allem aber die Außengastronomie zuzusperren, obwohl mit ausreichend Sicherheitsabstand dort einzelne Wanderer oder Kleinfamilien etwas verzehren könnten, auch das ist total sinnvoll. Mir fällt zwar kein einziger Grund ein, warum das sinnvoll ist. Aber wenn alle sagen, dass das sinnvoll ist, dann ist das sinnvoll. Genauso sinnvoll, wie sämtliche Geschäfte zuzusperren, obwohl sich nachweislich kein einziger Mensch in Deutschland beim Einkaufen angesteckt hat.

 

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Viele machen es sich in diesen Tagen leicht, und bleiben komplett zu Hause. Andere nehmen es für ihre Gesundheit auf sich, jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Das birgt Risiken, die nichts mit Corona zu tun haben. Vorgestern habe ich mit meiner Familie eine kurze Radtour gemacht. Ich gebe es zu, ich schaffe es nicht, Frau und Tochter JEDEN Tag zum Wandern zu motivieren. Also jeden zweiten Tag Radtour. Warum nicht, immerhin bin ich ehemaliger Rad-Profi. 2008 bin ich die 21 Kehren von Alpe d’Huez in sensationellen 1:43 Stunden hinauf gerast. Nur 1 Stunde und 11 Minuten langsamer als Marco Pantini bei seiner Rekordfahrt für die Ewigkeit. Dafür bin ich still alive, der arme Marco nicht.

 

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Kletterkünste sind das eine beim Radfahren, das andere sind Steuerkünste. Auch unvergessen, wie Jan Ullrich dereinst bei einer Abfahrt – schwupps – hinter der Leitplanke verschwand, kurz darauf aus dem Gebüsch kletterte und wieder aufs Rad steigt. Vorgestern also die kurze Radtour. Wir fuhren an einem schönen Teich entlang, ich drehe mich kurz zu meiner Tochter um, dann wieder nach vorne, merke, dass ich ziemlich nah am rechten Rand meines Weges fahre, da sollte man besser gegensteuern – oder doch bremsen? Die Rettungsmanöver wären auch fast gelungen, wenn nicht plötzlich ein Stück vom Weg einfach gefehlt hätte, weggebrochen, was weiß ich. Sehr merkwürdig wie schnell das gehen kann. Rad und Radfahrer verschwinden im Teich. Ein Jogger kommt vorbei, rettet geistesgegenwärtig mein Fahrrad, bevor das untergeht. Ein Fahrrad ist definitiv wichtiger als mein Leben. Na ja, so schlimm wars auch wieder nicht, auf jeden Fall nicht lebensbedrohlich.

 

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Andrack jetzt fertig mit Blog schreibt

 



Du musst wandern – gegen Corona

Geschrieben am um 12:52

Wie Kollege Hintermstoaner zuletzt richtig bemerkte, ist die Wortwahl der Anweisungen, warum man zur Zeit gerade noch das Haus verlassen darf, in Bezug auf die unbedingt notwendige Bewegung an der frischen Luft sehr merkwürdig. Da ist immerzu von Spaziergängen die Rede, nie von Wanderungen. Ich halte die Wortwahl sogar für brandgefährlich, denn historisch gesehen fand der „Spaziergang“, das „Flanieren“ immer im städtischen Umfeld statt. Und genau das ist ja eben unvernünftig. Wenn alle jetzt (auch einzeln und in der Kleinfamilie) im Stadtpark spazieren gehen, ist das einfach Scheiße! Nein, wir müssen raus, raus in die Natur, in die Wälder und wandern.

 

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Ich habe eine Vermutung, warum die Politiker das Wort „Wandern“ scheuen. Weil sie nicht wissen, dass man auch kurze Strecken wandern kann. Für die meisten bedeutet „Wandern“ immer noch eine mehrtägige Wandertour (geht nicht mehr) oder Gruppen-Veranstaltungen mit dem Wanderverein (geht natürlich auch nicht mehr). Aber Wandern bedeutet ganz simpel, raus aus der Stadt zu kommen, sich in zivilisationsferne Gegenden zu begeben. Ich weiß ich habe gut reden, ich wohne im ländlichen Raum, habe es nicht weit bis zur nächsten Wanderung und Fahrradtour. Aber auch in der Nähe von Düsseldorf und Hamburg (nur mal so als Beispiel) kann man hervorragend wandern.

 

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Irritiert hat mich meine Lieblings-Politikerin (keine Ironie) Annegret Kramp-Karrenbauer. In einer Mitteilung der letzten Tage schrieb sie: „… die kommenden Tage und Wochen stellen uns vor bisher unbekannte Herausforderungen. Ich bin mir sicher, wir werden sie bewältigen. Je enger wir zusammenstehen, desto besser kann dies gelingen.“ Eng zusammenstehen, Klammerblues und so? Liebe AKK, das sollte man besser unterlassen.

In der FAZ las ich gestern:„Kretschmann hat erklärt, dass Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen nun verboten seien, außer für Familien und Paare.“ Gut, vier-, fünf–, oder sechsköpige Familien kann ich mir vorstellen. Aber Paare mit vier und mehr Leuten? Mal nachzählen: Ein Paar sind: Eins, zwei. Bin gespannt, auf die ersten fünf Jugendlichen, die sich als EIN Paar ausgeben.

 

 

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Toll finde ich, dass auch Herr Jauch zu Hause bleibt. Aber was macht der gute Mann denn da mit seinen Händen? Ist das ein gut gemeinter Tipp von Onkel Günter, was entnervte Eltern mit ihren Kleinkindern spielen sollen, die nicht mehr auf den Spielplatz dürfen? Der Bi-Ba-Butzemann geht in unserem Haus herum, widdebum? Oder soll der vom Betrachter gesehen linke Arm anzeigen, wie die Kursverläufe in Jauchs Depot VOR der Corona-Krise waren und der rechte Arm die Kursverluste NACH Corona andeuten?

Fazit Stand heute: Zuhause bleiben ist hervorragend, zu Hause bleiben und täglich kurz Wandern (oder Raddfahren) ist noch besser.



Über sieben Autobahnbrücken wirst du gehen

Geschrieben am um 6:23

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Natur, Natur, Natur. Natur pur, so stellen sich die meisten Amateure das Wanderleben vor. Ha, Fehler! Erst die Errungenschaften der Zivilisation machen das Wanderleben rund: Naturfreundehäuser, Waldgaststätten, Gipfelkreuze, Gipfelbücher, Sinnenliegen, Info-Tafeln – alles menschgemachte Errungenschaften, die das Herz des Wanderers erfreuen. Und Autobahnraststätten

 

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Und wenn man das Hohelied des Mittelgebirgswanderns in deutschen Landschaften singt, kann man auch nicht leugnen, dass man in dicht besiedelten Regionen auch ab und an eine Autobahn über- oder unterqueren muss.

 

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Besonders markant die Überquerung der A2 auf dem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Qualitätsweg Hansaweg X9 auf der Etappe von Herford nach Bad Salzuflen. Ich fand das eigentlich sehr schön, entschleunigt über die Brücke zu schlendern, während unten drunter auf Deutschlands meistbefahrener polnischen Autobahn die Automobilisten sich zwischen Kamener Kreuz und Berlin hetzen müssen.

 

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Sehr schön auch die Unterquerung der Autobahnbrücke über dem Lieserpfad. Lieserpfad, habe ich den nicht mal als schönsten Wanderweg der Welt bezeichnet? Nun ja, der Filetabschnitt zwischen Manderscheid und Wittlich ist komplett autobahnbrückenfrei, aber ein paar Kilometer hinter der Quelle muss man eben unter der A1 hindurch. Wobei man betonen muss, dass über diese Brücke gefühlt drei bis vier Autos pro Stunde fahren, weil die A1 immer noch zwischen Kelberg und Blankenheim unterbrochen ist. Auf jeden Fall eine geniale Stelle für ein zünftiges Wander-Picknick

 

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Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, in Sichtweite (oder auch Hörweite) von Autobahnen zu wandern. Auf dem Premiumweg Primstal Panoramaweg ist die A1 (im Saarland ist auf dieser Autobahn mehr los, da fahren bestimmt einundzwanzig bis zweiundzwanzig Autos in der Stunde) immer ein treuer Begleiter.

 

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Im letzten Jahr habe ich südlich von Salzburg auf dem Salzalpensteig die Autobahn A10 Salzburg-Villach in der Nähe von Kuchl gekreuzt (zuerst wollte ich „unterwandert“ schreiben, das hört sich aber so nach V-Mann an). Gar nicht störend, weiß man doch, atmet man doch neben dem LKW-Diesel schon die Luft der Adria und der Alpen.

 

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Absolutes Highlight eines autobahnaffinen Wanderwegs ist die Etappe des Neanderlandsteigs von Mülheim-Selbeck nach Ratingen. Man wandert tatsächlich auf schmalen Pfaden mitten durch das Autobahnkreuz Düsseldorf-Nord, an dem sich A52 und A44 kreuzen. Smells like trucker spirit. Aber irgendwie gut, speziell, außergewöhnlich.



DU! MUSST!! WANDERN!!!

Geschrieben am um 9:11

Beim Titel meines ersten Wanderbuchs „Du musst wandern“ hatte ich bewusst auf Ausrufezeichen verzichtet – ich wollte ja nicht befehlen, sondern heiter ermuntern, sich zu bewegen. Das ist heute anders, DU MUSST WANDERN ist zur Handlungsanweisung geworden. In Pandemie-Zeiten geht es ein wenig unter: Erste Bürgerpflicht ist WANDERN. Schulen, Kitas, Theater, Clubs, Grenzen zu schließen, alles sinnvolle Maßnahmen. Aber natürlich ist – neben dem gründlichen Händewaschen (Dreissig Sekunden!) die Bewegung an der frischen Luft zur Zeit der einzige wirksame Schutz vor dem fiesen Krönchen-Virus. Vorzeige-Virologe Kekulé hat es gestern Abend bei Anne Will (warum gilt nicht auch für politische Talk-Shows ein Versammlungsverbot?) auf den Punkt gebracht: „‚Die ganze Republik jetzt in die Bude einzusperren, dafür gibt es keine medizinische Indikation‘, sagt er. Spaziergänge im Park mit der Familie hält er sogar für vernünftig.“ So war das heute morgen bei Spiegel Online zu lesen.

 

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Was Kekulé vergass zu erwähnen: Auch lange Spaziergänge, Wanderungen genannt, Tagestouren oder Halbtagestouren, ob mit ohne Familie, sind wichtig und können Leben retten. Warum? Erstens: Wandern stärkt das Immunsystem. Wer wandert erhöht die Chance, sich nicht anzustecken. Zweitens: An der frischen Luft haben es die Viren im Gegensatz zu geschlossenen Räumen sehr schwer, sich zu verbreiten. Drittens: Selbst wenn es einen erwischt hat, man aber zuvor viel gewandert ist, ist ein milder Krankheitsverlauf äußerst wahrscheinlich. Deutschland steht weitestgehend still. Nutzt die gewonnene Zeit. Geht WANDERN! Am besten täglich. Viel Spaß dabei und bleibt gesund!

 

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Andrack weinwandert in Heppenheim

Geschrieben am um 6:24

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Weinwandern im kleinsten Anbaugebiet Deutschlands, an der Hessischen Bergstraße. In Heppenheim liegt – think big – das Viniversum, die Vinothek der Genossenschaft Bergsträsser Winzer. Natürlich habe ich mir für meine kurze Wanderung eine Flasche Wein mitgenommen, einen Goldmuskateller 2018, den ich (einen schönen Gruß an alle Ohne-Rucksack-Fans) in meiner Kameratasche verstaut habe.

 

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Um den Hals baumelt ein Probierglas, das ich im Viniversum erstand. Sieht albern aus, aber ein Versuch ist es wert. Das Glas darf nur und ausschließlich auf dem Erlebnispfad Wein & Stein verwendet werden, nach der Wanderung kommt es in die Vitrine zu den anderen 1.687 Probiergläsern.

 

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Erlebnispfad ist nicht gleich Erlebnispfad. Manchmal kann man Spannendes erleben, manchmal kann man erleben, wie sich Langeweile anfühlt.

 

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Nicht langweilig, eher sehr sehr seltsam war die Aromabar. Ein grandioses Training für die Geruchs-Sensorik, denn schon immer wollte ich riechen lernen, wie ein Wein nach Aprikose, Zimt und Gewürznelke duften kann. Für mich riecht Wein meistens nach – Wein. Und die Geruchsproben der Heppenheimer Aromabar riechen nach, nein, nicht Teen Spirit, sondern Klostein. Da nimmt man doch gerne eine volle Nase.

 

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Sehr schön die Skulptur am Wegrand „aus die Laus“. Kein peinliches Herumgerede um Insektenschutz und Umweltverträglichkeit. Nein, Schädlinge schaden dem Wein, dem Winzer, dem Weintrinker, und müssen bekämpft werden, egal ob mit konventionellen, ökologischen oder vorsintflutlichen Mitteln wie einem Speer

 

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Genial auch, dass auf dem Erlebnispfad auch Ferienhäuser zur Verfügung stehen. Platz ist in der kleinsten Hütte, aber in so einem Häuschen kommt sich auch schnell menschlich sehr nahe

 

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Absolut sensationelle Entdeckung: Der Blaue Kölner. Das Mini-Anbaugebiet Hessische Weinstraße ist berühmt dafür, auch seltene Traubensorten zu pflegen und anzupflanzen. Warum also nicht den Blauen Kölner? Ich habe mich übrigens nicht angesprochen gefühlt.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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