Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




The Grand Elbsandstein Walk

Geschrieben am um 6:43

Weltpremiere: Heute der erste Andrack-Wanderblog mit musikalischer Untermalung. Es geht ganz einfach: You-Tube-Link klicken und den Soundtrack zum Blog anhören. Ihr hört den besten Soundtrack der letzten Jahre, natürlich Oscar-prämiert: The Grand Budapest Hotel.

Kann los gehen mit Track 13, Nighttrain to Nebelsbad.

 

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In meinem Fall war es der Orientexpress, den ich für einen Wanderausflug bestieg. Mit einer Dose Efes-Pils stieg ich stilecht in Mannheim in meine Nachtzug-Suite. Nun gut, die Reise endete nicht in Konstantinopel, der Türke ist ja zur Zeit etwas gereizt. Ich fuhr auch nicht nach Nebelsbad, sondern nach (Nebels-) Bad Schandau.

 

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Es geht weiter mit Track 14: The Lutz Police Militia

Die Militia der Sächsischen Schweiz ist die Garde des Nationalparks. Neeeeiin, ganz so schlimm ist es nicht, das sind sehr sehr nette Jungs, die mich im letzten Jahr auf eine Exkursion durch das Sandsteingebirge mitgenommen haben. Danke noch mal dafür. Was ich aber gelernt habe: In einem Nationalpark gibt es Regeln, die man beachten sollte. Und es gibt eben auch Verbotsschilder, ganz klare Sache.

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Ich kann Euch ein Geheimnis verraten (dazu bitte Track 20 spielen: Escape Concerto): Wenn Ihr jahrelang brav auf den regulären Wanderwegen im Nationalpark Sächsische Schweiz gewandert seid, dürft ihr auch die Kletterwege-Zugangswege bewandern. Wie formulierten es die Nationalpark-Ranger so schön: Man muss es sich verdienen. Wandern, wandern, wandern, und dann geht es auch auf die „geheimen“ Wege. Da kann man sich dann gehen lassen!

Doch obacht: nicht jeder Weg führt zum Ziel (Der passende Soundtrack ist Track 23 The Society of the Crossed Keys)

 

 

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Es gibt wirklich zahlreiche Zuwege, die in Sackgassen führen. Man sollte sich auf den Übersichtskarten orientieren, wie zum Beispiel auf der Tafel in Schmilka. Wenn man zu den Gipfeln 109 – 112 geht, ist man angeschmiert. Alles One-way-Wege. Aber wer aufmerksam hinschaut, wird einige andere, interessante und vor allem durchgehende Wege finden, zum Beispiel den Unteren Terassenweg.

 

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Was total unerlaubt ist (Bitte jetzt Track 12: hören Up the stairs/down the hall), noch viel unerlaubter als aaaab und zu die Kletterwegzuwege zu wandern, ist in den Boofen zu poofen. Natürlich, klar, Tradition, haben wir schon immer so gemacht. Aber es gibt natürlich zu respektierende Naturschutzzonen. Auf dem Bild oben sehen wir ein verlassenes Boofe-Lager, die Schläfer wurden von der Nationalpark Militia vertrieben. Oder sind gerade mal ausgetreten.

Zum Finale bitte das große Meisterwerk des Soundtracks hören: Track 27 – Canto at Gablemeister’s Peak. Übrigens wurde der großartige Film The Great Budapest Hotel auch tatsächlich teilweise in der Sächsischen Schweiz und in Bad Schandau (Personenaufzug!) gedreht. Schaut Euch diesbezüglich noch mal den Film an. Aber jetzt Finale: So sieht er nämlich aus, der Terrassenbergpfad.

 

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Und den dürfen auch Wanderer gehen. Wenn ich das richtig verstanden habe. An dieser Stelle kommt dann noch der Abspann. Die Credits. Ich danke – wie schon gesagt – den tollen Nationalpark-Rangern. Viel gelernt und erlebt und mit Boofe-Campern geschimpft. Und ich danke Alexandre Desplat, für den gigantischen Soundtrack zu diesem Post.



Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt…

Geschrieben am um 7:05

Letzten Samstag bin ich mit einer Gruppe gewandert – in der Nähe von Baden-Baden – denen ich das Prinzip des Premium- und Qualitätswege-Wamderns erklärt habe. Das mache ich sehr gerne, ich war nur mal wieder erstaunt, dass keiner, aber auch wirklich keiner der Wanderer/innnen jemals davon gehört hatte. Alles Wander-affine Leute, sehr erstaunlich. Farin Urlaub hat mal gedichtet: Mit einem eiskalten Getränk am Strand, da wird man leicht arrogant. So oder so ähnlich. Und wenn man wanderbegeisterten Leuten des Prinzip „Premium“ erklärt, hat man leicht das Gefühl: Mensch, ich weiß alles zum Thema Wandern. Doch das ist: FALSCH!

 

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Vor einigen Tagen durfte ich ein Veranstaltung des Bundesumweltministeriums in Berlin moderieren. Titel: Dialogforum 2017: Sport – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft. Hört sich leicht dröge an, war es aber überhaupt nicht. Zunächst mal muss man einfach mal sagen: Ja, auch die Wanderer sind Sportler, im Jargon der Nachhaltigkeit sind wir „Natursportler“, die unter Umständen mit den Naturräumen wie Wald, Feld und Wiesen nicht nur in Kontakt, sondern auch in Konflikt kommen.

Aber ich wollte ja erzählen, was ich Neues über die Welt es Wanderns gelernt habe…

 

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Die Sporthochschule Köln wendet spannende Methoden an, um die sogenannten „Aufmerksamkeitspunkte“ von Wanderern zu fixieren. Keine Umfrage, sondern wirklich Fakten, gemessen mit GPS und VEB oder meinetwegen auch VEP. Vielleicht kommt ja dabei heraus, dass alle Wanderer doch heimlich nach Kraftwerken schielen, weil sie die so schön finden. Außerdem wollen die Sporthochschüler Wanderbewegungen messen: Per Drohne und Lichtschranken. Nichts bleibt unbemerkt!

Eine wirklich ganz erstaunliche Studie kam ebenfalls von der Sporthochschule Köln.

 

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Man muss wohl Abschied von der Vorstellung nehmen, Bewegung und Sport an sich sei gesund. NEIN! Wer in Großstädten joggt, wandert und skated, hat den Sensenmann quasi schon im Gepäck. In Großstädten sollte man in’s Kino gehen, arbeiten, in Kneipen versumpfen, aber keinen Sport machen, sonst, sonst, sonst, Demenz und alles ganz schlimm. Bitte geht zum Wandern in die Wälder, Stadtwandern macht blöde!

Und dann sind da noch die 33 %. Erst mal schön, so ein Ergebnis einer anderen Studie, dass für sportliche Betätigungen 77,6 Milliarden Euro jährlich in Deutschland ausgegeben werden. Chapeau! Aber genau 33%, also ein Drittel, fließt von diesem Geld in die Mobilität. Also in Sprit und Tickets, um zum Sport zu kommen. Das ist doch der Hammer. Da kann man nur sagen: man sollte mehr dort wandern, wo man wohnt, um Mobilitätskosten zu sparen. ABER DAS GILT NICHT FÜR STÄDTER!!! WEGEN DER DEMENZ!!!

Das Wanderleben ist sehr kompliziert.



Kurz vor dem Gipfel

Geschrieben am um 6:04

Kurz vor dem Gipfel sollte man standhaft bleiben, deswegen bin ich nach Baden-Baden gefahren, um mich vor Ort über die Vorbereitungen auf das G20-Treffen der Finanzminister aus aller Welt zu informieren. Kein internationaler Gipfel ohne Proteste, denn Globalisierung ist doof, Nationalismus allerdings ist supi, oder habe ich da was falsch verstanden? Auf jeden Fall hat die SPD (mit der es nach der Wahl, die Schulz mit absolutester Mehrheit gewinnen wird, höchstens ein G19einhalb geben wird – aber mit ganz viel Gefühl) diese SPD hat zum Gipfelmarsch auf den Merkur aufgerufen. Leider habe ich mich verlaufen und bin auf einem Berggipfel gegenüber gelandet: Auf dem Fremersberg.

 

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Es gibt auf dem G20-Treffen Kulturveranstaltungen, eine Kunstaktion und ein Abendprogramm im Festspielhaus … aber keine Wanderung auf dem Premiumweg PBB, dem Panoramaweg Baden-Baden. Das ist ein Skandal, aber dagegen wird nicht protestiert. In der Nähe des Panoramawegs – Höhe Waldsee – befindet sich ein Flüchtlingsheim. Dort werden die G20-Teilnehmer übernachten, echtes Refugees-Welcome-Feeling inklusive.

 

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Außerdem kann der schwäbische Finanzminister Schäuble den anderen 19 Finanzministern zeigen, wie die schwäbische Hausfrau spart. Die Flüchtlinge selber werden während des Gipfels ausquartiert und im Brenners Park Hotel untergebracht.

Es wurde viel gemutmaßt, warum das G20-Treffen der Finanzminister gerade in Baden-Baden stattfindet. Weil es quasi die Heimat von Wolfgang Schäuble ist? Weil sich schon im 19. Jahrhundert die Diplomaten und gekrönten Häupter Europas in Baden-Baden getroffen haben? Man prägte dafür sogar den Fachbegriff „diplomatie thermale“, eine Art wärmende Unterwassermassage. Oder treffen sich die G20-Leute einfach in Baden-Baden, weil man so wie „Der Spieler“ bei Dostojewski es im Casino mal so richtig krachen lassen kann?

 

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Der Panoramaweg führt übrigens auch am Porphyrfelsen Pulverstein vorbei. Der Pulverstein wird morgen früh, also kurz vor Beginn des Treffens, von CIA, deutschem Verfassungsschutz und PKK in die Luft gesprengt. Ein Pulverstein stellt naturgemäß ein Sicherheitsrisiko dar. Man sagt ja auch, die sitzen auf einem Pulverstein.

 

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Bliebe die Frage, wie man eigentlich stilecht in Baden-Baden wandert. Da gibt es – noblesse oblige – eigentlich nur die klassische Variante: In Pelz-Funktionskleidung, superhohe Wassersäule und atmungsaktiv auch bei wärmender Frühlingssonne!

 

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Ich wollte es wäre Nacht und meine Pappenheimer kämen

Geschrieben am um 7:53

Der Vorteil eines abgeschlossenes Studiums ist nicht nur, dass man automatisch und direkt zur Elite und zum Establishment gehört. Der Vorteil eines abgeschlossenes Studiums ist auch, dass man jederzeit und überall schlau daher reden und mit Zitaten um sich werfen kann. Man kann es nicht nur, man sollte es auch. Warum? Damit alle staunen und sich wundern natürlich. Als Inhaber des großartigsten akademischen Titels aller Zeiten (Magister Artium, das ist ungefähr so viel wert wie ein Doktortiel und ein Diplom zusammen) und fertig studierter Germanist verfüge ich über umfassende Kenntnisse der klassischen deutschen Dramen.

 

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So viel (ich bin zwar superschlau, aber auch Gelegenheitslegasniker) es mir nicht schwer, aus dem Stegreif Schillers Wallenstein zu zitieren, als ich meinen Wanderführer im Altmühltal sah. Der war ein gebürtiger und damit waschechter Pappenheimer. Also stellte ich mich in Positur und zitierte: „Ich kenne meine Pappenheimer, auch Du, mein Sohn Brutus?“

 

Es gibt tatsächlich eine Burg Pappenheim: Da isse:

 

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Und historisch korrekt war das von Wallenstein ja positiv gemeint gewesen mit den Pappenheimern, so in dem Sinne, klar, ich kenne die, und auf die kann man sich verlassen. Man wäre ja in antifaktischen Zeiten, in denen so einiges ins Rutschen gerät, froh über etwas mehr Zuverlässigkeit. Ich bin daher für eine Pappenheimerisierung der Weltpolitik! Lasst uns dafür streiten!

 

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Aber wenn dann auch noch die Pappenheimer anfangen zu lesen, dann gehören die auch ganz schnell zur Elite und zum Establishment und dann fängt der ganze Mist von vorne an.



Der Wanderjahresrückblick 2016

Geschrieben am um 6:57

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, daher wird es auch in meinem Blog Zeit für einen Jahresrückblick. Was war das für ein Wanderjahr! Richtig geiles Wetter: Aprilwetter bis Ende Juli, dafür schon bitterer Frost ab Anfang November. So war hatten wir den Klimawandel echt nicht konzipiert. Aber was kümmert den Wanderer Extremwetter! Mit den wasserdichten Klamotten von Fifty Five, den guten Schuhen von Bär, mit einer Rotkäppchen-Stulle und einem Orthomol arthroplus-Riegel im Rucksack kann doch nichts schief gehen! Wir wandern auf all den wunderbarwanderbaren Wegen, die ich mit den Bussen und Bahnen NRW ereicht habe, wandern unbeschwert weil durch die Knappschaft versichert und trinken einen guten Tropfen vom Steillagenriesling der Moselland-Genossenschaft. Da fällt mir ein: Ich möchte allen meinen Sponsoren 2016 danken! Und weil meine Sponsoren 2016 so gut zu mir waren, gehe ich auch noch nicht am Stock …

 

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Wobei mit dem „Stock“ kein Rebstock gemeint ist und auch nicht die altersbedingte Krücke. Nein, auch 2016 haben unsere ewig jungen Nordic Walker wieder Höchstleistungen mit ihren Karbonstöcken erbracht. Chapeau.

Sensationell war natürlich 2016 auch der Höhenflug des Effzeh. Die ganze Welt fragt sich: Wie bekommt das die ehemalige Diva vom Rhein hin, mit vergleichsweise schmalen Budget und einem Trainer aus Österreich. Ich werde das Geheimnis jetzt lüften…

 

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Auf der Schwäbischen Alb oberhalb von Bad Urach gibt es den Rutschenfelsen. Und an diesem Felsen fällt ein kinderfaustgroßer Energiestein in’s Auge. Wenn man den streichelt, gibt das 24 Stunden lang unglaubliche Energie. Ich habe diesen Stein den Spielern des FC gezeigt. Die müssen jetzt vor jedem Spiel nach Bad Urach, dafür spielen sie aber auch deutlich besser.

Und dann diese irren Rekorde von 2016…

 

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15. Juli, Wanderung an den Plöner Seen. Mitwandererin Elke wächst über sich hinaus und holt ostholsteinischen Weltrekord: 20027 Schritte! An einem Nachmittag! Eine wahrhaft olympische Wanderleistung.

Was war noch los in 2016? Ach so, Brexit, nun da bin ich ja kurz danach hingefahren um nach dem Rechten zu sehen, das ist alles halb so schlimm in Britain Great Again. Und die Trump-Wahl? Schon schlimmer. Aber ich habe einen Tipp:

 

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Guter Vorsatz für 2017: Immer schön die Gesäßmuskulatur stärken, dann gehen einem auch irgendwann Donald Trump, und Frauke Petry, und Marine Le Pen und Sahra Wagenknecht und sogar Red Bull Leipzig am Arsch vorbei!



Die Welt der Wander-Kulinarik

Geschrieben am um 8:15

Wenn einer eine Wanderung macht, dann kann er etwas erleben, vor allem in der aufregenden Welt der Kulinarik.

2016 war ja für mich das Jahr des großen Rotkäppchen-Markenkäse-Gewinnspiels: 14 Wanderungen mit glücklichen Gewinnern auf den Wanderwegen Deutschlands waren für mich das gelungenste Wander-Gewinnspiel aller Zeiten. Natürlich gab es bei jeder Wanderung auch eine ordentliche Stulle für unterwegs mit original Rotkäppchen-Camembert und Rotkäppchen-Landrahm. Es gibt aber, auch das ist bekannt, noch ein anderes deutsches Nahrungsmittel, das „Rotkäppchen“ heißt:

 

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Wegen der roten Kappe war der Rotkäppchen-Sekt schon zu DDR-Zeiten legendär. Allerdings wurden die Piccolöchen-Flaschen von Rotkäppchen während der Rotkäppchen-Wanderung in Brandenburg von zwei Berliner Studenten zweckentfremdet: Als Flachmann-Ersatz für den Spezial-Wodka. Da hieß es dann Nastrovje auf Rotkäppchen, das wir komischerweise schnell doppelt gesehen haben.

 

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Bei einer anderen Rotkäppchen-Wanderung auf dem Wasserfallsteig (Schönster Wanderweg Deutschlands 2016) tranken wir nach der Wanderung mit den 20 Gewinnern noch einige Belohnungsbiere. Zu später Stunde oderte ich erschöpft und überhopft noch ein kleines Weizen – und bekam das kleinste Weizen der Welt, links im Bild.

Wieder Ortswechsel, Mosel. Eine andere Gewinnerwanderung,eine sehr schöne Veranstaltung mit der Moselland Weingenossenschaft. Erstmals in meinem Leben sah ich einen Öchslemesser.

 

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Damit konnte man punktgenau bestimmer, wie viel Öchsle man schon intus hatte, wenn ich das genau verstanden habe.

 

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Wieder Ortswechsel. Im Hochsommer bin ich im Renchtal auf dem Brennersteig gewandert, ich berichtete darüber in diesem Blog. Unser Wanderführer hatte einen Kartoffelsack dabei. Wollte der Kartoffeln sammeln und daraus ein gescheites Wässerchen nach russischer Art brennen? Weit gefehlt, im leeren Kartoffelsack, so lernte ich, lassen sich trefflich Pfifferlinge sammeln. Geschützt, aber luftig verpackt, damit sie nicht auf dem Weg zur heimischen Pfanne kaputt gehen. Wieder etwas gelernt aus der Welt der Kulinarik am Wegesrand.



Über Hansestädte, den Maierweg und „Bitte ein …“

Geschrieben am um 11:14

Ich schaue bei meinen Wanderungen immer auf die Schilder am Wegrand, da kann man sehr viel über Land, Leute und die Weltgeschichte lernen..

Zuletzt bin ich auf einem bergischen „Streifzug“ durch Wipperfürth gewandert, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren…

 

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Wenn man 100 Leute (wie damals beim Familien Duell) fragt, was Ihnen zum Begriff „Hansestadt“ einfällt, sagen mindestens 95 davon wahrscheinlich „Hamburg“. Aber nur, weil die Heimat der HSV-Looser großspurig ein HH im Autokennzeichen führt, sollte man sich nicht auf die falsche Fährte locken lassen: Hamburg war zu Hochzeiten der Hanse von 1400 bis 1600 nicht mal eine richtige Stadt, geschweige denn eine Hansestadt. Das waren damals Lübeck, Bremen, Soest, Köln – und natürlich Wipperfürth. Die Wipperfürther bewerben sich schon um das Autokennzeichen HWIP.

Menschen mit Nachnamen wie Schmidt, Müller, Maier haben immer damit zu kämpfen, sich wenig aus der Masse herausheben zu können. Wer weiß zum Beispiel , wie unser aktueller Landwirstchaftsminister heißt? Christian MüllerSchmidtMaier? Gar nicht so einfach. Um so lobenswerter, dass in der Sächsischen Schweiz vor einiger Zeit ein Wanderweg mit echten Premiumqualitäten eingeweiht wurde: Der Maierweg. Wirklich eine der schönsten Wanderwege Deutschlands!

 

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Und dann bin ich noch einem unglaublichen Werbespruch-Klau auf die Schliche gekommen…

 

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Auf dem Moselsteig sah ich dieses jahrundertealte Werbeschild für guten Moselwein. Aber ich BITte zu beachten, dass sich eine kleine Brauerei aus der Südeifel diesen Marketing-Spruch angeeignet hat, und damit zu einer deutschen Premiumbiermarke aufgestiegen ist. Echt frech…



Tradition und Evolution im Harz und in der Sächsischen Schweiz

Geschrieben am um 9:19

In diesem Sommer bin ich auf einigen Wegen gewandert, auf denen mich meine Vergangenheit eingeholt hat. Unter anderem im Harz und in der Sächsischen Schweiz. Ich bin im Harz auf dem Hexenstieg zwischen Treseburg und Tahle im berühmten Bodetal gegangen und in der Sächsischen habe ich die traditionellen Highlights Bastei und Schwedenlöcher besucht. Ich wurde bei diesen Touren von Mitwanderern oft gefragt, wann ich denn diese Wege im Harz und in der Sächsischen Schweiz das erste Mal gegangen bin. Die Antwort treibt mir die Tränen in die Augen: Das war 2004, ich war noch nicht mal 40 Jahre alt, die Harald Schmidt Show war noch ein Versprechen und nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet und Gerhard Schröder war unser Kanzler. Ganz schön lange her.

 

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Deshalb kann ich mich auch nicht im geringsten daran erinnern, 2004 im Harzer Bodetal über die Teufelsbrücke gegangen zu sein. Ich wurde dann aber aufgeklärt, dass die Brücke vor ein paar Jahren grundsaniert wurde. Dabei hat man wahrscheinlich auch direkt die äußerst geschmackvolle Teufelsbandarole über der Brücke installiert. damit auch Analphabeten merken, dass sie gerade über die TEUFELSbrücke gehen. Eine vergleichbare Bandarole hätte ich mir etwas flußabwärts auch für die JUNGFERNbrücke gewünscht. Leider Fehlanzeige…

 

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Im Bodetal kann man sich wirklich nicht verlaufen, trotzdem ist natürlich jeder Wanderer immer froh über beruhigende Wegmarkierungen. Der HET-Weg geht auch durch’s Bodetal, gepflegt vom Harz-Klub. Ich finde ja ehrlich gesagt die Bezeichnung Klub für einen Wanderverein toll. Es gibt den EifelVEREIN, den Schwäbische AlbVEREIN, den Sauerländischen GebirgsVEREIN, den SchwarzwaldVEREIN und dutzend weitere Vereine. Aber den Harz Klub. Und den Rhönklub. Und Kraftklub. Klub, das hat etwas Feines, Snobistisches, Englisches, Distinguiertes. Gefällt mir.

 

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In der Sächsischen Schweiz bin ich seit 2004 sehr sehr oft gewesen, aber trotzdem bin ich in den Schwedenlöchern immer an dem großartigen Antik-Graffito „ICH“ vorbei gegangen. Kann das wirklich sein, dass das aus dem Jahre 1782 stammt, also sieben Jahre, bevor ein paar französische Halbstarke die Bastille erstürmt haben? Unglaublich! Es waren doch wahrscheinlich eher Außerirdische vom Planeten 178-Z, die sich mit einem markigen ICH in den Schwedenlöchern verewigt haben.

 

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Auch der Blick von der Bastei ist in den letzten Jahren ein anderer geworden. Nun gut, es war schon im Jahre 2000, dass ein beträchtlicher Brocken vom Felsen in der Mitte herab gestürzt war. Der Fels hat sich einfach aus dem Staub gemacht, ein Saxit auf Raten.

Und noch etwas war 2004 anders…

 

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… ich war damals noch gelenkiger als heute, und hätte nicht mit Schmerzensmiene kleinere Niedrigpassagen im Elbsandsteingebirge bewältigt. As Times go by.



Die traditionelle Wanderung auf dem Bär Fest

Geschrieben am um 7:59

Zum zweiten Mal nach 2014 habe ich auf dem neunzehnten BÄR-Sommerfest (das dritte Mal übrigens unter dem Namen „Sommerfest“, vorher war das ein „Schnäppchenfest“) eine Gruppen-Wanderung angeboten. Hier die Gruppe:

 

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Der Rheinländer bezeichnet ja alles, was zum zweiten Mal passiert, als „Tradition“. Findet das Event zum dritten mal statt, ist es „Brauchtum“. Also ging ich bei der TRADITIONELLEN Bär-Wanderung TRADITIONELL an der Neckarschleife von Hessigheim. Dieser Weg ist übrigens ganz großes Wanderkino. Oberhalb des Neckars geht man durch dichte Wälder, dann wandert man bergab, durch Streuobstwiesen mit Blick auf Weinfelder und die Weinberge der Hessigheimer Felsengärten. Bei der Wanderung waren einige meiner Oberboihinger Wanderfreunde dabei. Martin (den kennt ihr aus meinen Büchern, das ist der Experte für Frühlingsplatterbsen und Trinkweisheiten) verriet mir, dass er an eben diesen Felsen in jungen Jahren das Klettern gelernt habe, ohne Seil und Absicherung. „Immer in zwei/drei Metern Höhe, so dass man zur Not noch abspringen kann“.

Auf jeden Fall geht es auf dem „Neckarschleifen“-Weg (den gibt es unter diesem Namen noch gar nicht, ich habe den aber schon mal so getauft, premiumwürdig ist dieser Rundweg auf jeden Fall) dann direkt am Neckarufer weiter, erst auf einem breiteren Weg …

 

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… der aber abrupt endet. Ohne das Schild hätte ich gar nicht mitbekommen, dass der WEG endet, Ordnung muss sein, schwäbisch eben. Dann geht es aber auf einem anderen Weg weiter, der aber eher ein Pfad ist. Auf diesem Pfad habe ich mir eine ganz besondere Schikane einfallen lassen, um die Rutschfestigkeit der BÄR-Schuhe zu testen. Ich habe tagelang einzelne Wegpassagen unter Wasser setzen lassen, so dass sich eine wahre Rutschbahn gebildet hatte.

 

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Diese Wegstelle haben alle Wanderer gemeistert, sogar die, die mit sehr modischem Schuhewerk unterwegs waren. Eine fröhliche Wanderdame hatte sich nämlich sich den guten alten David-Bowie-Song zu Herzen genommen. „Put on your red shoes … and walk this neckar way“. Ich habe ein Vorher-Nachher-Fotos der teuflisch roten BÄR-Schuhe gemacht, davon ausgehend, die Farbe hätte sich NACHHER eher in’s Matschbraune gewandelt…

 

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Pustekuchen, rote BÄR-Schuhe sind anscheinend von Haus aus mit einer schlammabweisenden Schutzschicht imprägniert.

Natürlich gab es auch bei der Neckarschleifen-Wanderung das Wichtigste bei einer Wanderung – eine Rast. Ich hatte für diese Pause eine ganz besonderes Schmankerl dabei: Eine Flasche Joe-Nimble-Bär, äh, sorry, Joe-Nimble-Bier natürlich.

 

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Das ist kein Gag, dieses Bier gibt es wirklich. „Schwäbisches Vollbier“ steht auf dem Etikett, es handelt sich um ein ganz feines Stöffchen mit ausgeprägter Malznote. Und jetzt – endlich – ist bei mir der Groschen gefallen: Jahrelang habe ich gerätselt, wer bloss dieser Joe Nimble ist – ein Abenteurer, ein Schuster, ein Dandy, ein Detektiv? Alles falsch, Joe Nimble ist natürlich Brauer, Brauer aus Leidenschaft und hat 1.500 Flaschen von diesem Teufelszeug gebraut. Ein Pfundskerl, dieser Joe Nimble!



Mittsommer im Renchtal

Geschrieben am um 7:49

Ihr erinnert Euch. Letzte Woche hatte ich von meiner Wandertour auf dem Brennersteig im Renchtal berichtet. Und vom Hafer-Pflaumen-Schnaps von Brenner Huber. Und nach dem ersten Schluck dieses genialen Getränks hatte ich kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen. Ich öffnete die Augen wieder und alles wurde dunkel um mich herum. Und wenige Sekunden später regnete es junge Hunde. Starkregen, Gewitter, ein typischer Sommertag 2016 eben. Was sollte unsere Wandertruppe machen? Die Rettung war die Gastfreundschaft von Familie Huber.

 

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Die Hubers machten spontan ihre Garage zu einem Zufluchtsort, spendierten Kaffee, Kekse und natürlich Schnaps – herrlich. Als es drohte langweilig zu werden, präsentierte Opa Huber (88 Lenze jung) seine beeindruckende Sammlung selbst hergestellter Wanderstöcke.

 

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Mitwandererin Gabi erstand einen Stock für eine Freundin – aber nicht als Wanderutensil, sondern als Material für einen Hexenbesen. Ganz ehrlich, so sind sie, die Frauen im Renchtal.

Später wechselten wir vom Brennersteig auf den Renchtalsteig, einen 98,2 Kilometer langen Qualitätsweg. Um diesen Weg zu würdigen, wurde am Rastplatz Ofenloch eine 9,82 Meter lange Bank aufgestellt. Gemeine Halunken haben, so wurde mir erzählt, die Bank in einer Nacht- und Nebelaktion um ca. 50 Zentimeter kürzer gemacht, einfach einen Teil der Bank abgesägt. Gemäß der Längenlogik wurde dann auch der Renchtalsteig um 5 Kilometer verkürzt.

 

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Der Höhepunkt meiner Wanderung auf Brennersteig und Renchtalsteig war die Festwiese des Mittsommerfestes im Renchtal. Weil mich die Fußtour noch nicht ausgelastet hatte, hat Fat-Andrack sich auf einem Fat-Bike mit Elektro-Unterstützung betätigt. Ich muss sagen, auch mit einem E-Bike kann man sportlich bergan fahren, aber mit der elektronischen Unterstützung fliegt man bergauf und das macht schon sehr großen Spaß. Ich habe einige meiner E-Bike-Vorurteile über Bord geworfen.

 

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Zum romantischen Schluß habe ich dann noch den Sonnenuntergang und das Mittsommerfeuer genossen und mal wieder gelernt: Hab keine Angst vor gruselige Wettervorhersagen, es wird dann doch (meistens) schöner als gedacht. Wenn die Erwartung niedrig ist, ist das Wanderglück umso größer…

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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