Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Andrack jetzt Blog schreibt

Geschrieben am um 10:33

Frisst das fiese Corona-Virus eigentlich auch Gehirnzellen Von Spiegel-Online-Redakteuren?

 

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Wie auch immer: Manuel Andrack jetzt Blog schreibt

 

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Gut, dass die Badeinsel gesperrt ist. Das kann Menschenleben retten. Denn wenn man Ende März bei sechs Grad Außentemperatur in den Badesee springen, drin plantschen und schwimmen würde, könnte man sich den Tod holen.

 

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Alle Gaststätten, vor allem aber die Außengastronomie zuzusperren, obwohl mit ausreichend Sicherheitsabstand dort einzelne Wanderer oder Kleinfamilien etwas verzehren könnten, auch das ist total sinnvoll. Mir fällt zwar kein einziger Grund ein, warum das sinnvoll ist. Aber wenn alle sagen, dass das sinnvoll ist, dann ist das sinnvoll. Genauso sinnvoll, wie sämtliche Geschäfte zuzusperren, obwohl sich nachweislich kein einziger Mensch in Deutschland beim Einkaufen angesteckt hat.

 

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Viele machen es sich in diesen Tagen leicht, und bleiben komplett zu Hause. Andere nehmen es für ihre Gesundheit auf sich, jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Das birgt Risiken, die nichts mit Corona zu tun haben. Vorgestern habe ich mit meiner Familie eine kurze Radtour gemacht. Ich gebe es zu, ich schaffe es nicht, Frau und Tochter JEDEN Tag zum Wandern zu motivieren. Also jeden zweiten Tag Radtour. Warum nicht, immerhin bin ich ehemaliger Rad-Profi. 2008 bin ich die 21 Kehren von Alpe d’Huez in sensationellen 1:43 Stunden hinauf gerast. Nur 1 Stunde und 11 Minuten langsamer als Marco Pantini bei seiner Rekordfahrt für die Ewigkeit. Dafür bin ich still alive, der arme Marco nicht.

 

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Kletterkünste sind das eine beim Radfahren, das andere sind Steuerkünste. Auch unvergessen, wie Jan Ullrich dereinst bei einer Abfahrt – schwupps – hinter der Leitplanke verschwand, kurz darauf aus dem Gebüsch kletterte und wieder aufs Rad steigt. Vorgestern also die kurze Radtour. Wir fuhren an einem schönen Teich entlang, ich drehe mich kurz zu meiner Tochter um, dann wieder nach vorne, merke, dass ich ziemlich nah am rechten Rand meines Weges fahre, da sollte man besser gegensteuern – oder doch bremsen? Die Rettungsmanöver wären auch fast gelungen, wenn nicht plötzlich ein Stück vom Weg einfach gefehlt hätte, weggebrochen, was weiß ich. Sehr merkwürdig wie schnell das gehen kann. Rad und Radfahrer verschwinden im Teich. Ein Jogger kommt vorbei, rettet geistesgegenwärtig mein Fahrrad, bevor das untergeht. Ein Fahrrad ist definitiv wichtiger als mein Leben. Na ja, so schlimm wars auch wieder nicht, auf jeden Fall nicht lebensbedrohlich.

 

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Andrack jetzt fertig mit Blog schreibt

 



Du musst wandern – gegen Corona

Geschrieben am um 12:52

Wie Kollege Hintermstoaner zuletzt richtig bemerkte, ist die Wortwahl der Anweisungen, warum man zur Zeit gerade noch das Haus verlassen darf, in Bezug auf die unbedingt notwendige Bewegung an der frischen Luft sehr merkwürdig. Da ist immerzu von Spaziergängen die Rede, nie von Wanderungen. Ich halte die Wortwahl sogar für brandgefährlich, denn historisch gesehen fand der „Spaziergang“, das „Flanieren“ immer im städtischen Umfeld statt. Und genau das ist ja eben unvernünftig. Wenn alle jetzt (auch einzeln und in der Kleinfamilie) im Stadtpark spazieren gehen, ist das einfach Scheiße! Nein, wir müssen raus, raus in die Natur, in die Wälder und wandern.

 

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Ich habe eine Vermutung, warum die Politiker das Wort „Wandern“ scheuen. Weil sie nicht wissen, dass man auch kurze Strecken wandern kann. Für die meisten bedeutet „Wandern“ immer noch eine mehrtägige Wandertour (geht nicht mehr) oder Gruppen-Veranstaltungen mit dem Wanderverein (geht natürlich auch nicht mehr). Aber Wandern bedeutet ganz simpel, raus aus der Stadt zu kommen, sich in zivilisationsferne Gegenden zu begeben. Ich weiß ich habe gut reden, ich wohne im ländlichen Raum, habe es nicht weit bis zur nächsten Wanderung und Fahrradtour. Aber auch in der Nähe von Düsseldorf und Hamburg (nur mal so als Beispiel) kann man hervorragend wandern.

 

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Irritiert hat mich meine Lieblings-Politikerin (keine Ironie) Annegret Kramp-Karrenbauer. In einer Mitteilung der letzten Tage schrieb sie: „… die kommenden Tage und Wochen stellen uns vor bisher unbekannte Herausforderungen. Ich bin mir sicher, wir werden sie bewältigen. Je enger wir zusammenstehen, desto besser kann dies gelingen.“ Eng zusammenstehen, Klammerblues und so? Liebe AKK, das sollte man besser unterlassen.

In der FAZ las ich gestern:„Kretschmann hat erklärt, dass Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen nun verboten seien, außer für Familien und Paare.“ Gut, vier-, fünf–, oder sechsköpige Familien kann ich mir vorstellen. Aber Paare mit vier und mehr Leuten? Mal nachzählen: Ein Paar sind: Eins, zwei. Bin gespannt, auf die ersten fünf Jugendlichen, die sich als EIN Paar ausgeben.

 

 

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Toll finde ich, dass auch Herr Jauch zu Hause bleibt. Aber was macht der gute Mann denn da mit seinen Händen? Ist das ein gut gemeinter Tipp von Onkel Günter, was entnervte Eltern mit ihren Kleinkindern spielen sollen, die nicht mehr auf den Spielplatz dürfen? Der Bi-Ba-Butzemann geht in unserem Haus herum, widdebum? Oder soll der vom Betrachter gesehen linke Arm anzeigen, wie die Kursverläufe in Jauchs Depot VOR der Corona-Krise waren und der rechte Arm die Kursverluste NACH Corona andeuten?

Fazit Stand heute: Zuhause bleiben ist hervorragend, zu Hause bleiben und täglich kurz Wandern (oder Raddfahren) ist noch besser.



Über sieben Autobahnbrücken wirst du gehen

Geschrieben am um 6:23

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Natur, Natur, Natur. Natur pur, so stellen sich die meisten Amateure das Wanderleben vor. Ha, Fehler! Erst die Errungenschaften der Zivilisation machen das Wanderleben rund: Naturfreundehäuser, Waldgaststätten, Gipfelkreuze, Gipfelbücher, Sinnenliegen, Info-Tafeln – alles menschgemachte Errungenschaften, die das Herz des Wanderers erfreuen. Und Autobahnraststätten

 

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Und wenn man das Hohelied des Mittelgebirgswanderns in deutschen Landschaften singt, kann man auch nicht leugnen, dass man in dicht besiedelten Regionen auch ab und an eine Autobahn über- oder unterqueren muss.

 

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Besonders markant die Überquerung der A2 auf dem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Qualitätsweg Hansaweg X9 auf der Etappe von Herford nach Bad Salzuflen. Ich fand das eigentlich sehr schön, entschleunigt über die Brücke zu schlendern, während unten drunter auf Deutschlands meistbefahrener polnischen Autobahn die Automobilisten sich zwischen Kamener Kreuz und Berlin hetzen müssen.

 

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Sehr schön auch die Unterquerung der Autobahnbrücke über dem Lieserpfad. Lieserpfad, habe ich den nicht mal als schönsten Wanderweg der Welt bezeichnet? Nun ja, der Filetabschnitt zwischen Manderscheid und Wittlich ist komplett autobahnbrückenfrei, aber ein paar Kilometer hinter der Quelle muss man eben unter der A1 hindurch. Wobei man betonen muss, dass über diese Brücke gefühlt drei bis vier Autos pro Stunde fahren, weil die A1 immer noch zwischen Kelberg und Blankenheim unterbrochen ist. Auf jeden Fall eine geniale Stelle für ein zünftiges Wander-Picknick

 

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Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, in Sichtweite (oder auch Hörweite) von Autobahnen zu wandern. Auf dem Premiumweg Primstal Panoramaweg ist die A1 (im Saarland ist auf dieser Autobahn mehr los, da fahren bestimmt einundzwanzig bis zweiundzwanzig Autos in der Stunde) immer ein treuer Begleiter.

 

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Im letzten Jahr habe ich südlich von Salzburg auf dem Salzalpensteig die Autobahn A10 Salzburg-Villach in der Nähe von Kuchl gekreuzt (zuerst wollte ich „unterwandert“ schreiben, das hört sich aber so nach V-Mann an). Gar nicht störend, weiß man doch, atmet man doch neben dem LKW-Diesel schon die Luft der Adria und der Alpen.

 

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Absolutes Highlight eines autobahnaffinen Wanderwegs ist die Etappe des Neanderlandsteigs von Mülheim-Selbeck nach Ratingen. Man wandert tatsächlich auf schmalen Pfaden mitten durch das Autobahnkreuz Düsseldorf-Nord, an dem sich A52 und A44 kreuzen. Smells like trucker spirit. Aber irgendwie gut, speziell, außergewöhnlich.



DU! MUSST!! WANDERN!!!

Geschrieben am um 9:11

Beim Titel meines ersten Wanderbuchs „Du musst wandern“ hatte ich bewusst auf Ausrufezeichen verzichtet – ich wollte ja nicht befehlen, sondern heiter ermuntern, sich zu bewegen. Das ist heute anders, DU MUSST WANDERN ist zur Handlungsanweisung geworden. In Pandemie-Zeiten geht es ein wenig unter: Erste Bürgerpflicht ist WANDERN. Schulen, Kitas, Theater, Clubs, Grenzen zu schließen, alles sinnvolle Maßnahmen. Aber natürlich ist – neben dem gründlichen Händewaschen (Dreissig Sekunden!) die Bewegung an der frischen Luft zur Zeit der einzige wirksame Schutz vor dem fiesen Krönchen-Virus. Vorzeige-Virologe Kekulé hat es gestern Abend bei Anne Will (warum gilt nicht auch für politische Talk-Shows ein Versammlungsverbot?) auf den Punkt gebracht: „‚Die ganze Republik jetzt in die Bude einzusperren, dafür gibt es keine medizinische Indikation‘, sagt er. Spaziergänge im Park mit der Familie hält er sogar für vernünftig.“ So war das heute morgen bei Spiegel Online zu lesen.

 

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Was Kekulé vergass zu erwähnen: Auch lange Spaziergänge, Wanderungen genannt, Tagestouren oder Halbtagestouren, ob mit ohne Familie, sind wichtig und können Leben retten. Warum? Erstens: Wandern stärkt das Immunsystem. Wer wandert erhöht die Chance, sich nicht anzustecken. Zweitens: An der frischen Luft haben es die Viren im Gegensatz zu geschlossenen Räumen sehr schwer, sich zu verbreiten. Drittens: Selbst wenn es einen erwischt hat, man aber zuvor viel gewandert ist, ist ein milder Krankheitsverlauf äußerst wahrscheinlich. Deutschland steht weitestgehend still. Nutzt die gewonnene Zeit. Geht WANDERN! Am besten täglich. Viel Spaß dabei und bleibt gesund!

 

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Andrack weinwandert in Heppenheim

Geschrieben am um 6:24

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Weinwandern im kleinsten Anbaugebiet Deutschlands, an der Hessischen Bergstraße. In Heppenheim liegt – think big – das Viniversum, die Vinothek der Genossenschaft Bergsträsser Winzer. Natürlich habe ich mir für meine kurze Wanderung eine Flasche Wein mitgenommen, einen Goldmuskateller 2018, den ich (einen schönen Gruß an alle Ohne-Rucksack-Fans) in meiner Kameratasche verstaut habe.

 

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Um den Hals baumelt ein Probierglas, das ich im Viniversum erstand. Sieht albern aus, aber ein Versuch ist es wert. Das Glas darf nur und ausschließlich auf dem Erlebnispfad Wein & Stein verwendet werden, nach der Wanderung kommt es in die Vitrine zu den anderen 1.687 Probiergläsern.

 

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Erlebnispfad ist nicht gleich Erlebnispfad. Manchmal kann man Spannendes erleben, manchmal kann man erleben, wie sich Langeweile anfühlt.

 

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Nicht langweilig, eher sehr sehr seltsam war die Aromabar. Ein grandioses Training für die Geruchs-Sensorik, denn schon immer wollte ich riechen lernen, wie ein Wein nach Aprikose, Zimt und Gewürznelke duften kann. Für mich riecht Wein meistens nach – Wein. Und die Geruchsproben der Heppenheimer Aromabar riechen nach, nein, nicht Teen Spirit, sondern Klostein. Da nimmt man doch gerne eine volle Nase.

 

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Sehr schön die Skulptur am Wegrand „aus die Laus“. Kein peinliches Herumgerede um Insektenschutz und Umweltverträglichkeit. Nein, Schädlinge schaden dem Wein, dem Winzer, dem Weintrinker, und müssen bekämpft werden, egal ob mit konventionellen, ökologischen oder vorsintflutlichen Mitteln wie einem Speer

 

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Genial auch, dass auf dem Erlebnispfad auch Ferienhäuser zur Verfügung stehen. Platz ist in der kleinsten Hütte, aber in so einem Häuschen kommt sich auch schnell menschlich sehr nahe

 

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Absolut sensationelle Entdeckung: Der Blaue Kölner. Das Mini-Anbaugebiet Hessische Weinstraße ist berühmt dafür, auch seltene Traubensorten zu pflegen und anzupflanzen. Warum also nicht den Blauen Kölner? Ich habe mich übrigens nicht angesprochen gefühlt.



Närrische Rebstöcke in Franken

Geschrieben am um 6:23

Bei meinen bisherigen Weinwanderungen war es üblich, dass ich zu den Weinflaschen gewandert bin. Auf dem Bocksbeutel-Wanderweg ist es üblich, dass die Flaschen selber wandern.

 

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Das ist auch sinnvoll, denn der Bocksbeutel hat in Franken seine Heimat und kennt sich aus. Die Markierung auf der Tour ist doch eher überschaubar und selten so romantisch umrankt wie auf dem Foto.

 

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Es empfiehlt sich daher unbedingt – natürlich nur wenn man kein Bocksbeutel ist – eine Wanderkarte der Region zu erwerben. ATK 25, hört sich an wie ein Schnellfeuergewehr von Heckler und Koch. Trotz Karte habe ich mich allerdings zweimal desaströs verlaufen.

 

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Die Tour startet im Weinort Thüngersheim am Main in der Nähe von Würzburg. Neben der Vinothek der Wintergenossenschaft geht der Weg an einer bemerkenswerten Grundschule vorbei. Der Namensgeber Georg-Anton Urlaub ist entweder mit Farin Urlaub, dem Sänger von „Die Ärzte“ verwandt. Oder ich missverstehe da etwas und es handelt sich um Herrn Anton, Vorname Georg, der die geniale Idee hatte, eine Grundschule zu gründen, die ständig im Urlaub ist.

 

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Im Anbaugebiet Franken arbeiten die klügsten Winzer. Das kann man alleine daran erkennen, dass die fränkischen Weingärtner die Erntemethode revolutioniert haben. Am Main fließt der Rebsaft direkt von der Traube in die Flasche, nur noch Korken drauf, fertig! Einfach, aber genial.

 

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Was einem Rheinländer wie mir in den letzten Jahrzehnten komplett entgangen ist: Der Franke ist total närrisch. So närrisch, dass sogar die Rebstöcke Narrenkappe tragen.

 

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Ich bin nach Veitshöchheim gewandert, das ist so etwas wie Mainz, Köln und Düsseldorf zusammen für die fränkische Fastnacht. In Veitshöchheim wird jedes Jahr eine (sehr lustige) Sitzung live vom BR ausgestrahlt, das ist die erfolgreichste Sendung des Bayerischen Rundfunks im gesamten Jahr.

 

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Daher treiben sich in Veitshöchheim jedes Jahr äußerst dubiose Menschen herum. Franken – Helau, Oberpfalz – Helau, Veitshöchheim – Helau!

 

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Winterwanderfundstücke

Geschrieben am um 6:23

Gegen die Überschrift ‚Winterwanderfundstücke‘ könnte man einwenden, dass man schlecht Winterwanderfundstücke präsentieren kann, wenn es gar keinen Winter gab. Schnickschnack. Erstens kann der Winter ja noch kommen, im April oder Mai, habt doch mal Geduld. Und zweitens heißt die Jahreszeit vor und nach der Jahreswende eben auch Winter, wenn es sehr heiß ist.

 

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Am tollen und extrem abwechslungsreichen Premiumspazierwanderweg „Fasanenjagd“ in Zweibrücken habe ich eine sehr exotische Pflanze gefunden. Die Kletterrose Dortmund verströmt einen betörenden Duft nach Hochofen und Stadionwurst und blüht in den herrlichsten gelb-schwarzen Farben. Leider habe ich die Rosenarten Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel nicht gesichtet.

 

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Bei der gleichen Wanderung habe ich die erste Outdoor-Galerie der Pfalz gesehen. Die Hängung ist etwas lieblos, aber die Idee absolut ausbaufähig. Nicht Kunst am Bau, sondern Kunst in der Natur.

 

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Auf der Sauerland-Waldroute in der Nähe von Marsberg (diese Tour beschreibe ich ausführlich im nächsten Wunderbar-Wanderbar-Heft von NRW Busse und Bahnen) habe ich die größte Wetterhütte der Region gesehen. Wer als Wanderführer mit 150 oder 200 Wanderern unterwegs ist, findet dort problemlos wettergeschützt Unterschlupf.

 

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Die Zeit vor den Jahren, zwischen den Jahren und nach den Jahren bietet nicht nur Zeit für Heimeligkeit, Besinnlichkeit und Glühwein. Man kommt auch endlich dazu, ordentlich aufzuräumen, die Steuer zu machen, so Sachen eben. Beim Aufräumen ist mir das legendäre Pfälzer Hüttenquartett in die Hände gefallen. Bekanntlich verfügt der Pfälzer Waldverein über außerordentlich zahlreiche und vorbildlich geführte Wanderhütten. Was das Netz der Hütten angeht, kann selbst der Alpenverein nicht mithalten. Meine Lieblingskategorie (nach „Anzahl der Weine“ und „Meter zum nächsten Parkplatz“ – ganz entscheidend für Wanderer) des Quartetts ist „Leberknödeldurchmesser“. „Leberknödeldurchmesser“, ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Mjam, mjam, mjam.



Die Einkehr

Geschrieben am um 6:23

2005, im April. Im Februar des Jahres war mein Buch „Du musst wandern“ erschienen. Die Verkaufszahlen waren sehr zufriedenstellend, Leserpost erreichte mich. Die erste Zuschrift war eine Art Verriss. Denn mir wurde ganz einfach abgesprochen, Ahnung von meinem Sujet zu haben. Denn Wanderer – so die durchaus erboste Leserbriefschreiberin – richtige Wanderer, die wären mit Rucksackverpflegung unterwegs. Und ich würde ja ständig einkehren, daher wäre ich kein richtiger Wanderer.

Trotz dieser Fundamentalkritik bin ich, was die Einkehr angeht, störrisch geblieben. Ich kehre ein und alle „richtigen“ Wanderer sollen sich meinetwegen zum Picknick in den Wald setzen und ihre zuhause geschmierten Semmeln, Brötchen, Wecklas und Schrippen verzehren. Jeder so, wie es ihn glücklich macht. Aber was diesen Nicht-Einkehrern alles entgeht! Der erste Schluck vom kalten Bier, der bis in die Knie wirken muss. Die regionalen Spezialitäten wie Schäufele, Döppekuchen, Pfefferpotthast. Ein Almdudler. Ein aus lokalen Früchten gebrannter Schnaps. Rieslinge, Spätburgunder, Clevner und Lemberger aus den Lagen, die man gerade durchwandert hat. Aber esst ihr ruhig Eure Stullen, ihr „richtigen“ Wanderer.

 

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Es soll Menschen geben, die nur wegen der Einkehr wandern. Denn es ist schon etwas merkwürdig, in einem Biergarten um 12:00 in der Frühlings-Sonne zu sitzen und zu dieser Zeit schon ein Hefeweizen zu trinken. Schon deutlich weniger merkwürdig ist es, wenn man schon zwölf, dreizehn Kilometer gewandert ist und den ersten Gipfel erfolgreich gestürmt hat. Dann „darf“ man durchaus schon mal das erste Belohnungsbier trinken.

Ein weiterer Vorteil der Einkehr besteht einfach darin, dass man an keime Ort seiner Wanderung so gut mit Land und Leuten in Kontakt kommt. Ein Wirt oder eine Wirtin ist oft – sonst hätten sie ihren Beruf verfehlt – zum Plaudern aufgelegt. Ich bin vor ein paar Jahren in den Bregenzer Alpen gewandert und kehrte nach einem knackigen Aufstieg in einer Berghütte ein. Zu früh zwar noch für ein Bier, aber nicht zu früh für ein Schwätzchen mit dem Hüttenwirt. Sofort werde ich geduzt, erfahre dass es sich beim Wirt um den Flori handelt, bin stolz, weil ich der erste Wanderer des Tages bin, der es bis zur Hütte geschafft hat und bekomme noch Tipps für meine weitere Wandertour. Das ist doch Weltklasse, das kann nur Einkehr! Noch nie bin ich in dieser Hütte gewesen, habe aber ein Gefühl der Heimat, als ich meine Waldmeisterschorle trinke. Wanderglück durch Einkehr.

 

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Man sollte aber nicht total auf die Einkehr fixiert sein. Ich war dereinst bei einem Männerwandergeburtstag eingeladen, bei dem im Eifgenbachtal bei Köln alle zwei Kilometer eingekehrt wurde. Das ist dann eher eine Rein-Tour als eine Wandertour. Ich halte auch wenig von der Prioritätenliste vieler Wandervereine: „Berge von unten, Kirchen von außen, Kneipen von innen“. Nein, auch die Natur und die Kultur gehören zum kompletten Wandererlebnis, nicht nur die gastronomischen Highlights am Wegesrand.

Man sollte sich aber immer klar machen – vor allem wenn man auf Prädikatswegen unterwegs ist – dass die Investitionen für die Schönheit des Wanderwegs eine Art Wirtschaftsförderung ist. Mit der Einkehr unterstützt man die lokale Wirtschaft und die regionalen Wirtschaften. Daher mein Appell: Kehrt mehr ein!

 

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Oh mein Gott – der Alde Gott

Geschrieben am um 6:23

Eine feine Badener Weingenossenschaft ist Alde Gott in Sasbachwalden. Einen Premiumweg gibt es dort auch, die Alde Gott Panoramarunde. 9,8 Kilometer, stramme 429 Höhenmeter, immerhin 15 % Asphaltwege, was die ab-so-lu-te Höchsterlaubnis für einen Premiumweg überhaupt ist. 16% Asphalt: tot, kein Premiumweg, 15% Asphalt: naaa gut, durchgewunken.

 

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Ich dachte mir, vielleicht muss man sich wegen des ordentlichen Asphaltanteils den Weg schön trinken. Also habe ich einen Grauburgunder in der Vinothek der Genossenschaft gekauft. Aber schon der Einstieg in die Tour, die Gaishölle-Wasserfälle, sind ein sensationelles Natur- und Wandererlebnis

 

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Ich wanderte mit Andreas Kauffmann, Chef der Ortsgruppe Lahr des Schwarzwaldvereins. Andreas entstammt quasi einer Schwarzwaldvereinsdynastie, er leitet die Ortsgruppe schon in der vierten Generation. Sein Urgroßvater hat, kein Scherz, mit einem Kumpel den legendären Westweg erfunden. Der Uropa und sein Wandergenosse sind immer weiter gewandert, und da, wo sie es schön fanden, haben die beiden die rote Raute des Schwarzwaldvereins an die Bäume genagelt. Das waren richtige Wanderwegpioniere!

 

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Nach der Gaishölle-Schlucht schon die erste Einkehrmöglichkeit. Ein klein wenig verfrüht, aber wir sind ja nicht für Spaß hier, wenn dann auch richtig, also gibt es Flädlesuppe und einen Schoppen Clevner Traminer aus Durbach, meiner letzten Badischen Weinwanderstation.

 

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Wir gehen Kilometer um Kilometer und wir fragen uns, wo denn der viele böse Asphalt ist. Wir gehen durch Wälder und durch Weinberge, und die Wege sind traumhaft. Und unverhofft, ergibt sich eine weitere Einkehr. Zwar hat die Klosterschänke inzwischen an 365 Tagen im Jahr Ruhetag, aber in einem Unterstand kann man sich aus einem Kühlschrank selbst verpflegen – ein Paradies!

 

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Wir wandern zum Aussichtspunkt „Münsterblick“. Das Straßburger Münster kann man tatsächlich sehr gut sehen, trotz eher schlechten Wetterbedingungen. Faszinierender als das gotische Bauwerk finden wir allerdings das Outdoor-Kegelspiel am Aussichtspunkt.

 

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Trotz verschiedener Taktiken versuchen wir mittels eines Pendels, die Kegel zu eleminieren: mit Fingerspitzengefühl, mit brachialer Gewalt, mit kreisenden Bewegungen, mit länglichen Schwüngen. Mehr als fünf Kegel schaffen wir nicht, damit gewinnt man keinen Kegelpreis.

 

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Der Alde Gott ist ein Wegkreuz. Es wird einer Begebenheit aus dem Dreissigjährigen Krieg gedacht, die Landschaft entvölkert, ein junger Mann wandert entwurzelt durch die Gegend, trifft eine Frau und ruft aus: „Der Alde Gott lebt noch!“. Eine Wanderbegegnung als Gottesbeweis, großartig.

 

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Es kam wie es kommen musste, die beiden heirateten und setzten den ersten Rebstock des Genossenschaftsweins Alde Gott. Darauf trinken Andreas und ich im Nieselregen ein schönes Glas Grauburgunder.

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Das Highlight des Tages: nach der wunderschönen Wandertour zückt Andreas den Mitgliedsantrag des Schwarzwaldvereins – und schon bin ich Mitglied in der Ortsgruppe Lahr! Ein Hoch auf die nächsten Schwarzwald-Touren!



Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 3 – Gratweg Tegelberg

Geschrieben am um 6:23

Länge: 6,15 Kilometer

Dauer 3:30 Stunden

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Diese Wanderung ist nur für geübte Wanderer zu empfehlen, die gute Kondition, Schuhwerk und Trittsicherheit mitbringen. Wir gehen die Hotelausfahrt hinaus und sehen schon bald rechter Hand einen Pfahl mit unzähligen Wegweisern. Wir orientieren uns bis zum Tegelberghaus am roten Punkt und wandern rechts den Asphaltweg hinauf, den auch alle Besucher von Schloss Neuschwanstein hinauf gehen. Schon bald wenden wir uns wiederum rechts und gehen einen breiten, hell geschotterten Wanderweg bergan. Wir erreichen die Bushaltestelle und gehen Richtung Marienbrücke. Achtung: wir nehmen den Gratweg, der ist wesentlich abenteuerlicher und schöner als der breite Reitweg zum Tegelberg. Vor der Marienbrücke kann es sich ein wenig stauen, da müssen wir etwas Geduld haben. Wir müssen zwar nicht über sieben, aber über diese eine Brücke gehen, anders geht es nicht. Von der Marienbrücke hat man eine schöne Aussicht auf Schloss Neuschwanstein, falls es nicht wie bei meiner Test-Wanderung im dunstigen Nebel liegt.

Hinter der Marienbrücke drehen die meisten Touristen wieder um und gehen retour, das trägt zum Stau bei.

 

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Auf einigen Schildern wird darauf hingewiesen, dass der Weg hinauf zum Tegelberg nur im Sommer begangen werden darf, bei Schnee ist es lebensgefährlich, dort hinauf zu gehen. Wenn man allerdings ein Hans-guck-in-die-Luft ist oder stolpert, kann der Aufstieg auch im Sommer sehr gefährlich sein, es ist eben ein alpiner Weg.

 

Über wurzelige und steinige Pfade geht es in Serpentinen bergan, manchmal muss man auch die Hände zur Hilfe nehmen und richtig über die Felsen klettern. An einigen Stellen sind Seile als Handlauf in den Felsen verankert, an einer anderen Stelle helfen Stahl-Sprossen beim Klettern. Nach ungefähr 90 Minuten haben wir die Serpentinen geschafft, es ist nun nicht mehr ganz so steil und wir gehen bergan auf dem Grat weiter. Unser Weg geht um einen Felsen herum und wir haben auf die Südseite des Berges gewechselt. Es ist drei bis vier Grad wärmer als auf der Nordseite, das ist faszinierend, schwül-warme Luft umfängt uns, von einer Sekunde auf die andere. An einer Wegpassage geht es ein wenig bergab, da bin ich sehr froh, dass ich nicht die gesamte Strecke bergab gegangen bin, das ist nämlich ganz schön rutschig und die Kniegelenke werden sehr belastet.

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Kurze Zeit später, ganz ganz großes Kino, bricht die Sonne durch. Beziehungsweise bin ich langsam auf einer Höhe, dass ich mich aus den Wolken heraus kämpfe. Es ist ein Gänsehautgefühl, sich aus den Nebelschwaden aus eigener Muskelkraft hinaus zu kämpfen und der Sonne entgegen zu gehen.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer

 

Ich höre Kuhglocken, das ist zu schön, um wahr zu sein. An der Kuhweide wandern wir noch mal steil hinauf zum Tegelberghaus, dem alten Jagdhaus des Königs auf 1.707 Meter. Bei meiner Testwanderung genieße ich perfekten Sonnenschein, wie in einer Märchenlandschaft ragen die Berggipfel und alpinen Gebirgsketten aus dem flauschigen Wolkenteppich hervor. Eine andere Welt, denn unsere Welt, die Zivilisation, ist verschwunden. Kleiner Tipp: Vor Ihrer Wanderung könnt ihr über die Webcam der Tegelbergbahn checken, wie das Wetter am Gipfel ist.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer

 

Ich trinke im Tegelberghaus ein Belohnungsbier und denke: Mensch, hier oben ist schon richtiges Hochgebirge, über 1.500 Meter fängt das an. Ab dieser Grenze gilt generell das Wander-Du. Deswegen kann ich sagen: Ich bin stolz auf Dich, wenn Du die Tegelbergbesteigung auch schaffst! Mit der Tegelbergbahn kann man schließlich entspannt talwärts fahren, der Weg zurück nach Hohenschwangau ist ausgeschildert. Nach dreißig Minuten Fußweg ist man wieder im Hotel, nach 35 Minuten im Wellnessbereich des 4 elements spa by Althoff.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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