Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 2 – Das Finale des Lechwegs bis zum Lechfall in Füssen

Geschrieben am um 6:23

Länge: 5,1 Kilometer (bis zum Lechfall)

Dauer 1:30 Stunden

261 Höhenmeter

 

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Wir wandern vom Hotel zum See und gehen dann rechts den Weg hinauf Richtung Füssen. Nach ungefähr zehn Minuten wenden wir uns rechts und sehen zum ersten Mal die Markierung „L“ des Lechwegs, die uns bis zum Wasserfall in Füssen begleiten wird. Der Lechweg ist ein sehr schöner Weitwanderweg, 124 Kilometer lang und folgt dem Verlauf des Flusses von der Quelle in 1.840 Meter Höhe bis nach Füssen. Wir gehen also quasi das Finale dieses Weges. Wir steigen leicht an und sehen schon bald rechter Hand den Schwansee durch die Bäume. Wir folgen weiter der Markierung mit dem weißen „L“ an den Bäumen, lasst Euch nicht von den vielen Wegweisern irritieren, die manchmal etwas widersprüchlich sind.

 

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Wir gehen an einem Walderlebnispark für kleine und große Kinder vorbei. Am meisten hat mich das Holzhammer-Xylophon begeistert. Nur vier Töne, das ist ideal, man kann viele neue Kompositionen testen.

 

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Nach den Wald-Spielereien geht es links steil bergan bis zum Gipfel des Kalvarienbergs.

 

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Eine schön gestaltete Aussichtsplattform ziert diesen Gipfel und es ergeben sich gigantische Blicke zu den Schlössern am Alpsee, auf den Lech und auf die Stadt Füssen.

 

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Wir wandern bergab und passieren die Stationen eines Kreuzwegs, nur in der „falschen“ Reihenfolge. Am Steakhaus Füssen überqueren wir die Hauptstraße und haben den Lechfall erreicht. Donnernd stürzt das grüne Wasser in ein schmales Felstal, ein ziemliches Spektakel. Wir gehen über die Brücke und der Weg jenseits des Flusses führt uns in die Innenstadt von Füssen. Dort fahren wir mit dem Bus oder dem Taxi zurück zum Hotel, denn dort sollte unbedingt das nächste Highlight folgen.

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Als wunderbare Ergänzung zu jeder Wanderung vom AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa sollte man den Wellness-Bereich genießen. Die vier Elemente sind das Grundthema des 4 elements spa by Althoff. Und die vier Elemente haben uns ja auch auf unserer Wanderung begleitet: Wir haben die herrliche Luft des Waldes genossen, wir sind auf der Erde gewandert, wir haben das Feuer unseres Atems bei den Anstiegen gespürt und das Wasser des Alpsees und des Lech hat unsere Seele gestreichelt. Am sinnfälligsten sind die vier Elemente in der Finnischen Sauna des Wellness-Bereichs . Ich sitze mit richtig Feuer unter dem Hintern und schaue durch eine große Scheibe auf das Wasser des Alpsees. Die Bäume am Ufer stehen fest in der Erde und wenn ich dann auf die Liegewiese gehe, spüre ich die herzhafte Luft des Allgäus.

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Alle Fotos: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer



Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 1 – Alpseerundwanderweg

Geschrieben am um 6:23

Länge: 5,5 Kilometer

Dauer 1:30 Stunden

121 Höhenmeter

Wanderer, kommst Du nach Füssen, quartiere dich im Hotel AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa, direkt am Alpsee gelegen, ein. Warum? Natürlich erstklassiges Hotel, toller Service, geniale Küche, coole Barkeeper, spektakulärer Wellness-Bereich. Aber das Schönste ist, dass man für viele Wandertouren direkt am Hotel loslaufen kann. Ich empfehle zum Einstieg die Route rund um den Alpsee. Diese kurze Wanderung ist auch für Anfänger gut zu bewältigen, es ist aber schon eine richtige Wanderung über Stock und Stein, also über felsigen und wurzeligen Untergrund.

Vom Hotel aus gehen wir zum See und halten uns links, umrunden den See also im Uhrzeigersinn. Zunächst gehen wir auf einem breiteren Spazierweg, vorbei am Tretbootverleih. Bei Sonnenschein können wir die großartigen Türkis-Schattierungen des Sees in Ufernähe bewundern. Nach kurzer Zeit erreichen wir ein Strandbad, geöffnet bei „guter Witterung“. Nun denn, Pack die Badehose ein, wenn gutes Wetter ist!

 

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Nach dem Seebad gehen wir auf einem wunderbaren Waldpfad, über Brücken und Stege, immer direkt am Ufer des Alpsees entlang. Das Schönste am Wandern sind meiner Meinung nach die Ausblicke und die Blicke auf dem Alpsee Rundwanderweg sind phantastisch. Ständig ändern sich die Perspektive und der Blickwinkel, immer wieder ergeben sich Blicke auf Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau, den See – und das Ameron Neuschwanstein.

 

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Nach ungefähr 50 Minuten erreichen wir das Marienmonument. Ich dachte spontan, dass dort der Jungfrau Maria gedacht würde. Nein, der Gedenkstein erinnert an die Königinnenmutter Maria. Dieser König Ludwig (und in diesem Fall seine Mutter) ist allgegenwärtig in der Füssener Schlösser-Region. Der Alpsee selber ist ungefähr das einzige, das nicht vom König Ludwig gestiftet, erbaut, erdacht wurde.

 

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Wenn uns auf dem Seerundweg andere Wanderer entgegenkommen, verlangt es die Höflichkeit, zu grüßen. Man kann natürlich preußisch korrekt mit „Hallo“ grüßen. In alpinen Regionen empfiehlt es sich allerdings, mit „Grüß Gott“, „Servus“ oder „Grüßts Eich/Grüß Dich“ den anderen Wanderern die Ehre zu erweisen. Auf der nördlichen Seite des Seeufers geht es aufwärts, dort müssen einige Höhenmeter überwunden werden.

 

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Unter uns sehen wir immer wieder die im Sonnenlicht türkis schimmernde Oberfläche eines der saubersten Seen Deutschlands. Kurz vor Hohenschwangau sollte man noch einen kurzen Abstecher hinunter zum Pindarplatz machen.

 

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Dieser Ort war der Überlieferung nach einer der Lieblingsorte von König Ludwig und das kann man verstehen, denn die Aussicht auf Schloss Neuschwanstein und das AMERON-Hotel ist atemberaubend. Wir erreichen schließlich einen geteerten Weg, auf dem wir nach kurzer Zeit schließlich wieder am Hotel ankommen.

 

Alle Fotos: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer



Der Rucksack

Geschrieben am um 6:23

Ich nutze meinen Wanderrucksack in fast allen Lebenslagen. Nur nicht in der Sauna. Und immer öfter auch nicht beim: Wandern. Wie gesagt, ein Leben ohne Rucksack ist für mich eigentlich unvorstellbar. Ich gebrauche ihn als Aktentasche, Koffer, Einkaufsbeutel und als Stütze für meinen Ellenbogen.

 

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Vom Chef der mit Abstand beliebtesten deutschen Rucksack-Firma habe ich gelernt, dass ein Rucksack eine ganz interessante Parallele zum menschlichen Körper hat. Ein vernünftiger Rucksack ist aus ungefähr 200 Einzelteilen zusammengesetzt, das entspricht ungefähr der Menge der menschlichen Knochen (im Durchschnitt kommen wir mit 206 Knochen aus). Der Rucksack ist ein humanoides Lebewesen, wer hätte das gedacht? Die Vielzahl der Einzelteile wundert mich eigentlich nicht, denn noch nach Jahren entdecke ich immer neue Geheimfächer in meinem Rucksack, die ich noch nie genutzt habe – faszinierend.

Erstaunlich ist, dass es zwar schon Damenrucksäcke gibt, aber keine unterschiedlichen Rucksackgrößen entsprechend der Rückenlänge. Das ist, als gäbe es nur einen Einheitsschuhgröße, aua. Aber wahrscheinlich wird in naher Zukunft der perfekt angepasste Rucksack aus dem 3-D-Drucker Normalität, der sich dann mitsamt seiner 200 Einzelteilen perfekt an den jeweiligen Traumkörper anschmiegt.

 

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Die schon fast philosophische Frage lautet: macht ein Rucksack den Wanderer erst zum Wanderer. Ist also Wandern ohne Rucksack überhaupt vorstellbar? Ich finde: Ja! Ich würde gerne an dieser Stelle mal den Wander-Rucksack generell zur Disposition stellen. Aber beim Wandern – vor allem auf Tagestouren – kann man gut auf einen Rucksack verzichten. Ich werde oft gefragt, was man hinein packen sollte. Außer einer Flasche Wasser fällt mir da nicht viel ein. Man kann aber auch sicher stellen, dass man bei einer Wanderung nicht verdurstet, weil man an Gaststätten, Dorfläden oder Quellen vorbei kommt. Selbst Profi-Alpinist Hans Kammerlander spricht von einem Fehler am Berg, wenn man etwas zu Essen mitnimmt. Kammerlander sagt: „Das machen die meisten Wanderer ja falsch. Die haben den Rucksack voller Brote. Aber wenn du oben zu viel isst, macht das müde und treibt den Puls hoch.“ Zudem gibt es unzählige Geschichten, in denen Wanderer mit zu viel Gepäck unterwegs sind. Hape Kerkeling berichtet davon, mein Patenonkel musste nach zwei Tagen seine Tour über den Eifelsteig abbrechen – er hatte zu viel in seinen Rucksack gepackt. „Ich wollte doch auch noch Abendgarderobe mitnehmen.“

 

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Sehr lustig ist die Szene, in der Reese Witherspoon im Hollywood-Wander-Film „Der große Trip – Wild“ ihren Rucksack im Hotelzimmer packt. 1.600 Kilometer hat sie vor der Brust, Zeltplanen werden gefaltet, Bücher verstaut, sie schafft es kaum, den riesigen Trinkwasserbeutel aus dem Badezimmer zum Rucksack zu schleppen. Dann versucht sie den Rucksack anzuheben, was nicht gelingt. Also geht sie in die Hocke und beginnt etwas, das aussieht wie ein Sumo-Ringkampf mit einem übermächtigen Gegner. Schließlich wird sie von dem Monstrum begraben. Nach etlichen strapaziösen Tagesmärschen entledigt sie sich in einem Camp mancher überflüssiger Dinge aus ihrem Rucksack: Deo, Säge, Kondome. Der Chef des Camps rät ihr außerdem, die Seiten aus den Büchern herauszureißen und zu verbrennen, die man schon gelesen hat. Sein lapidarer Kommentar: „Du wirst dadurch nicht zum Nazi!“ Fazit: Weniger ist mehr, probiert es mal mit Wandern Light – ohne Rucksack!

 

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Die Entdeckungen

Geschrieben am um 6:23

„Aber aus dem Gehölz hervortretend, stand er überrascht vor einer prächtigen Szenerie, die sich ihm öffnete, einer intim geschlossenen Landschaft von friedlich großartiger Bildmäßigkeit.“ Diese Naturüberraschung, diese Entdeckung eines genialen Landschaftsbildes erlebt Hans Castorp, der genießende Dauerpatient auf dem Zauberberg.

Nicht nur Herr Castorp, alle Wanderer machen immer wieder Entdeckungen auf ihren Fußgängen. Wir erweitern unseren Horizont, durchaus im Wortsinne, aber auch im übertragenen Sinne. Das können überwältigende Ausblicke in die Landschaft sein. Aber auch der Ameisenhaufen am Wegesrand. Immer wieder macht es mich glücklich, wenn ich ein Reh oder eine Hirschkuh im Wald sehe. Da schwingt Entdeckerglück mit, aber auch eine Naturverbundenheit, denn sowohl Reh als auch Wanderer (letzterer zumindest partiell) sind Waldbewohner. Um die seltene Blume am Wegesrand zu entdecken, brauche ich immer professionelle Hilfe – einen schönen Gruß an meinen Wanderfreund Martin vom Schwäbischen Albverein.

 

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Wenn man mit offenen Augen wandert, kann man alte Bombentrichtern entdecken, Hohlwege, und auf meinen liebsten Wegen im Saarland entdecke ich immer wieder alte Pflastersteine. War der einsame Waldweg vielleicht vor ein paar hundert Jahren eine viel befahrene und durchgehend gepflasterte? Bei den monströsen Zementblöcken mitten in meinem heimatlichen Lieblingswald gibt es keinen Zweifel: Abseits aller Wege entdeckte ich unheimliche Zeugen der Vergangenheit – Bunker des Westwalls.

Jede unverhoffte Begegnung mit Menschen am Weg ist eine Entdeckung. Gestern das Gespräch mit den Mitarbeitern der Naturwacht des Saarlands: Und schon weiß ich, über was man als Naturwacht wacht. Die Begegnung mit dem Lindenwirt auf dem Goetheweg.

 

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Das unverhoffte und hochinteressante Gespräch mit dem Grafen von Schönburg-Glauchau beim unangemeldeten Weinwander-Besuch auf Schloss Westerberg. Überhaupt, die kulinarischen Entdeckungen Der süffige Spätburgunder mit Blick auf die Ahr, die spontane Wanderung im und die Verkostung der Weine des Würzburger Steinbergs, das helle Stiegl auf dem Gipfel des Gaisbergs, die Froschschenkel im Restaurant Woll, alles herrlichste Entdeckungen für Gaumen und Gemüt.

Entdeckung beim Wandern kann überlebenswichtig sein. Ich meine nicht den Ast, den man im letzten Moment entdeckt hat, und der einen mit einem beherzten Griff vor dem Sturz in die Schlucht bewahrt. Ich meine – und das ist medizinisch erwiesen – Krebspatienten, die durch die Entdeckung der eigenen Leistungsfähigkeit nach einer Chemo-Therapie beim Wandern wieder Vertrauen in den eigenen Körper gewinnen und so einem neuen Leben entgegen blicken.

 

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Die Neugier führt uns in neue Landschaften Rhön, Erzgebirge, Zittauer Gebirge. Meinetwegen auch in den Himalaya. Aber oft es sind doch wirklich die kleinen Entdeckungen. Zum Beispiel entdeckte ich zuletzt in Salzburg, einem touristisch kaum erschlossenen Ort, auf dem Mönchsberg nahe der Festung einen bezaubernden Platz. Eine Stadtalm (super-großartiger Name: Stadtalm!) und ein Naturfreundehaus (die gibt es eben auch in Österreich, der Heimat der Naturfreunde) mit phantastischem Ausblick – eine richtige Entdeckung!

 

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Die Wanderfreundschaft

Geschrieben am um 6:23

Freundschaft ist ein großes Wort. Ich bin immer etwas vorsichtig, jemanden vorschnell als „Freund“ zu bezeichnen. Ich finde es daher auch etwas befremdlich, wenn ich bei Facebook Freundschaftsanfragen von Menschen bekomme, die ich mein Lebtag noch nie gesehen habe. Die Freundschaftsdefinition bei wikipedia: „Freundschaft bezeichnet ein … Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“ Wenn man das so sieht, habe ich schon viele solide Wanderfreundschaften geschlossen. Denn die gegenseitige Sympathie entsteht ja schon dadurch, dass man für die gleiche Leidenschaft brennt – eben das Wandern. Und Vertrauen muss man bei einer Wanderung sowieso haben: Vertrauen in die Orientierungsfähigkeit, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit- und bereitschaft, Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Wanderfreunds.

 

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So war es 2010, als ich das erste Mal mit Thorsten Hoyer wanderte, mittlerweile Dreihundert-Kilometer-Wanderweitstrecken-Weltmeister. Wir wanderfreundeten uns bei einem kurzen Spaziergang von 82 Kilometer an, meisterten Krisen und Durststrecken und gehen auch aktuelle immer wieder wandern – sogar manchmal mit den Kindern. Kürzlich wanderte ich mit einem Journalisten des BR (dazu mehr im Blog „Die Fehler“, coming soon). Schnell waren wir beim Wander-Du, aber die hohe Kunst der Wanderfreundschaft zeigte sich erst, als wir fast zehn Kilometer (wegen eines unnötigen Umwegs in strömendem Regen) größtenteils uns anschwiegen.

Eine Wanderfreundschaft hält es auch aus, wenn es auch größere Pausen zwischen den gemeinsamen Wandererlebnissen gibt. So sind die gemeinsamen Wanderungen mit meinen Wanderfreunden aus Oberboihingen eher überschaubar. Trotzdem existiert ein festes Band, aus Sympathie und Vertrauen. Und mittlerweile senden wir uns sogar Urlaub- und Weihnachtsgrüße.

Ich finde es schön, dass man eine zünftige und absolut analoge Leidenschaft wie das Wandern (inklusive extrem analogem Belohnungs- und Sinnierbier) auch größtenteils virtuell leben kann. Hintermstoaner und Markazero, meine beiden fränkischen Wanderfreunde aus Düsseldorf und Hamburg haben das Kunststück geschafft, schlaue Wandergedanken in den Kommentarspalten von andrackblogs mit realen gemeinsamen Wandererlebnissen zu verbinden. Nur beim nächsten geplanten Wanderfreundschaftsausflug besser mal zwei Wecker stellen, um nicht wieder zu verschlafen. Und besser keine Diskussionen über Zwölftonmusik.

 

 

Rot-weiß

 

Für mich hat die Wanderfreundschaft auch eine bildliche Entsprechung: Man hört förmlich den sozialistischen Gruß „Freundschaft!“ der unseligen DDR, wenn man das Emblem der Naturfreunde vor sich sieht: Ein kräftiger Händedruck von zwei freunschaftlich verbundenen Pranken. Sehr schön finde ich es übrigens, während einer Wanderung meine Freundschaft zu meinen langjährigen Freunden Markus und Victor zu vertiefen. Klar, wir treffen uns auch mal „einfach so“. Im Theater, beim FC, beim Grillen, bei Geburtstagen (falls wir letztere nicht gegenseitig vergessen), mit und ohne Familie. Aber die gemeinsamen Wanderungen treffen am ehesten den Kern unserer Freundschaften: Zuneigung, Sympathie und Vertrauen.

 

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Weinwandern in Sachsen II – Paradies im Weinberg und der Hundekorkenzieher

Geschrieben am um 6:23

Ich nehme den Faden der Ariadne wieder auf und erzähle von meiner Weinwanderung auf dem sächsischen Weinwanderweg.

 

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So genial wie die Landschaft und die sächsischen Weine ist übrigens die Beschilderung nicht. Man hat das Gefühl, als wäre man in einer Art Übergangsphase zwischen der alten Markierung (rote Weintraube) und neuer Markierung (grüne Traube auf blau) Mit viel Improvisationstalent und Dank der passenden App auf dem Handy meiner Tochter Myrina, die mitwanderte, haben wir aber den Weg ganz gut gefunden.

 

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Überhaupt kein Problem war es, das Weingut Hoflössnitz zu finden, das ist wie Rom, da führen einfach alle Wege hin. Natürlich kann man nicht nur in der Vinothek Rebensaft käuflich erwerben, wir durften die Weine auch in der Weinstube verkosten. Einige zechen dort, bis der Arzt kommt …

 

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… wir tranken nur, ohne dass der Johanniter kommen musste. Auf jeden Fall eine sehr seltene Weintraube, interessant wäre mal ein Cuvée mit dem Malteser oder der Rotkreuztraube. Weiteres Highlight im Hofgut war der Museumsbesuch, in dem die Entwicklung der sächsischen Weinbaugeschichte der letzten zweihundert Jahre dokumentiert wurde.

 

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Auch 1969 wurde gefeiert, Bergfest hieß das damals, denn man wusste schon damals, dass es mit der DDR nur vierzig Jahre gut gehen würde. Sehr schön auch der Korkenzieher, der dem Schnauzer aber so was von am Arsch vorbeigeht.

 

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Wenige Kilometer später der Hinweis auf einen paradiesischen Weinberg und eine höchst interessante Winzerei. Dort gab es ehrliche Weine zu absolut fairen Preisen, dazu einfache Speisen wie die köstliche vegane Kartoffelsuppe.

 

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Für meine Tochter und mich hätte die Kartoffelsuppe aber auch sein können wie sie wollte, noch bessere Laune als die Weine machte die großartige Aussicht auf Radebeul und das Elbtal. Paradiesisch! Das Beste war, dass die Hütte komplett überdacht war, das Regenwetter war uns also piepegal.

 

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Diese Winzerei war rückblickend das Highlight der Tour gewesen, da konnte selbst das Staatsweingut, Verzeihung Erlebnisweingut Schloß Wackenbarth, nicht mithalten. Obwohl es natürlich gigantisch ist, was man dort im Norden von Radebeul auf die Beine gestellt hat.

 

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Viele geführte Wanderungen durch das Gelände mit dem charakteristischen Pavillon und eine Vinothek mit einer sehr einladenden Probiertheke. Dort haben wir uns durch einige interessante Weine getrunken, wir konnten quasi die gesamte Weinwanderung Revue passieren lassen. Auch ein Spätburgunder von der Spitzhauslage, sehr überzeugend. Fazit: Wanderer, kommst Du nach Sachsen, geh nicht nur im Elbsandsteingebirge (Pflicht), sondern auch durch die sächsischen Weinberge (Kür).



Weinwandern in Sachsen I – Trabbi, Margot und ein Junggesellinnen-Abschied

Geschrieben am um 6:23

Ich höre oft die Frage: gab es das überhaupt, Weinbau in der DDR?

 

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Die Antwort ist ein klares Jein. Offiziell war der Weinbau unerwünscht und wurde von staatlicher Seite nicht unterstützt. Weinanbau galt als irgendwie bourgeois, dem Winzer wurde das Klassenbewusstsein abgesprochen. Aber dennoch haben zahlreiche Menschen an Saale, Unstrut und Elbe im Nebenerwerb Weinbau betrieben. Seit der Wende hat sich in beiden östlichen Anbaugebieten die Weinfläche wiederstark vergrößert. Nach Radebeul bin ich mit der Bahn gefahren …

 

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… allerdings nicht mit der Schmalspurbahn, die wartete abfahrbereit am Bahnhof. Die lauten Pfiffe der Lok, wenn sie durch das Lößnitztal Richtung Moritzburg (in diesem Schloss wurde – wichtig für alle Weihnachtsmärchenfilmfans – Aschenbrödel gedreht) fährt, ergeben einen ungewöhnlichen Sound für jede Weinwanderung oberhalb von Radebeul.

 

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In Radebeul, hörte ich, ist die Millionärsdichte relativ hoch, einige Wohnkollektive sind aber noch aus DDR-Zeiten übrig geblieben, wie die Villa Margot. Über Radebeul thront ein großartiges Gebäude im Zuckerbäckerstil, das Grand Budapest Hotel lässt grüßen. Die spitzen Türme geben dem Restaurant den Namen: Spitzhaus.

 

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Unterhalb des Restaurants, in dem Hochzeitsgesellschaften saßen, die traurig nach draußen in den Regen schauten, erstreckt sich eine der besten Lagen in Sachsen. Wir beobachteten fleißige Winzersleut‘, die fröhlich ihr Tagwerk ausübten. Wo die drei arbeiteten, regnete es nicht.

 

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Nach zwei Probiergläsern im Spitzhaus erreichten wir einen Pavillon, in dem lustige, besinnliche, merkwürdige Sprüche über den Weingenuss zu lesen waren. Ein Beispiel:

 

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Einen hab‘ ich noch:

 

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Direkt unterhalb des Pavillons ging es steil bergab, auf der Spitzhaustreppe, der längsten Weinbergtreppe an der Elbe.

 

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Die Ausblicke auf Weinberge, Radebeul und Elbtal waren wirklich gigantisch, trotz Dauerregen. Wenn ich die Augen zusammen kniff, und ein wenig die Rebstöcke wegdachte, hätte man auch denken könne, man ist in Südostasien und schaut auf terrassierte Reisanbaugebiete.

 

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Im Weingut unterhalb des Spitzhauses trafen wir eine fröhlich zechende Frauenrunde an, augenscheinlich schon ziemlich hinüber – ein ganz klassischer Junggesellinenabschied. Wo wir die Mädels getroffen haben, und wer überhaupt „wir“ ist, erzähle ich nächste Woche.

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Weinwandern an der Saale

Geschrieben am um 6:23

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Ich starte die Weintour in Bad Kösen, Weinbaugebiet Saale-Unstrut, die Toscana Mitteldeutschlands, eine Station vor Naumburg.

 

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Ich gehe den Weinbergsweg auf den Höhen des linken Saaleufers auf einem traumhaften Pfad. Aber auch die Blicke ins Saaletal Richtung Bad Kösen ist spitze. Man kann bis nach Thüringen schauen, immerhin ist Saale-Unstrut das einzige Anbaugebiet Deutschlands mit Rebflächen in drei Bundesländern: Sachsen-Anhalt, Brandenburg und eben Thüringen

 

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Am Aussichtspunkt ein Gedenkstein, auf der Wanderkarte als Napoleonstein bezeichnet, auf den Wegweisern als Fürst-Heinrich-Stein. Ja was denn nun? Ich finde, das Ding sieht eher wie ein Eisernes-Kreuz-Gedächtnis-Stein aus.

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Apropos Markierungen: Die Wegweiser des Weinbergswegs sind neu, fast alle sind in der richtigen Richtung aufgehängt. Nur Wegmarkierungen sind Mangelware, Beruhigungszeichen fehlen komplett. Auch beunruhigt kann man den Weg ganz gut finden.

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Hier ein Blick durch die Reben Richtung Norden, im Hintergrund der Naumburger Dom, Weltkulturerbe, mit der berühmten Skulptur der lieblichen Uta. (kein Wein, trotzdem lieblich)

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Am Wegrand ein Hinweis auf ein Weinbergrennen, dass wohl zwischen 1980 und 1988 in den Weinbergen der Region stattgefunden hat. Ich erspare mir Witze über die Motorisierung der DDR, aber die Frage wird doch erlaubt sein, wer da gegen wenn ein Rennen veranstaltet hat? Motorräder, gegen Fußgänger und gegen Autos? Jeder gegen jeden? Nur auf den eigenen Vorteil bedacht? Das ist aber nicht sehr sozialistisch, was sagt denn Kevin K. dazu?

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Schon eine Enttäuschung, dass in der Besenwirtschaft Dierking („Wenn der Besen hängt, wird ausgeschenkt!“) noch nicht einmal ein Besenhaar (oder sagt man Besenborsten???) zu erkennen ist.

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Wenigstens gibt es im sehr maritim dekorierten Fischhaus an der Saale vernünftige Weine aus Saale-Unstrut – und eine Forelle, das ist ja auch so eine Art Fisch.

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Hallelujah, aber die Vinothek von Klosterpforta hat geöffnet und lädt zum Probieren und kaufen ein. Das ist doch ein Wort …

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… ich kann mich allerdings lange nicht entscheiden und muss daher sehr viel probieren. Mein Favorit, ein schlanker, relativ säurearmer Silvaner von 2018, prämiert mit einer goldenen Kammerpreismünze.

 

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Das Landesweingut Klosterpforta wird schon lange nicht mehr von Mönchen verwaltet, die mussten schon im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation ihre Weinberge aufgeben. Der reformierte Fürst Moritz von Sachsen machte aus Klosterpforta Schulpforta und gründete eine Fürstenschule. Diese Schule besuchten unter anderem Klopstock, Fichte und Nietzsche.

 

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An der Kleinen Saale wandere ich unspektakulär zurück nach Bad Kösen, vorbei am Köppelberg, einem Weinberg, den schon die Mönche bewirtschafteten. Die Armen haben nur für Gottes Lohn gearbeitet, als Wanderer im Weinberg des Herrn kann ich dagegen auf einen äußerst lohnenden Weinwandertag an der Saale zurückblicken.



Weinwandern in Würzburg

Geschrieben am um 7:30

Frei nach Klaus Lage: Tausend Mal hat mich der ICE vorbei geführt, Tausend Mal ist nichts passiert, Tausend und eine Mal – und es hat Zoooom gemacht. Glücklicherweise hatte ich Mitte November drei Stunden Zeit für Würzburg. Drei Stunden, die man in der Residenz- und Kickers-Stadt mit einer grandiosen Weinwanderung ausfüllen kann.

 

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Und das auch noch fußläufig vom Hauptbahnhof. Erstmal a weng (original unterfränkisch!) durch den Stadtpark gehen, dann der Markierung WH (hat nicht mit der Wilden Horde aus Köln zu tun!) Richtung der Treppen auf der Rotkreuzstiege folgen. Und schon hatte ich (17 Minuten nachdem ich dem Zug entstiegen war) den Steinweinpfad erreicht.

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Ein kleiner, aber feiner Weinwanderweg, drei Kilometer lang und um einen Kilometer verlängerbar, das kann sich man aber – entre nous – auch schenken. Der Weg führt durch DIE Würzburger Weinlage, den Steinberg. Das ist nicht irgendein fränkischer Weinberg, sondern seit ein seit Jahrhunderten berühmtes Weinweltwunder.

 

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Schon Goethe befahl: „Sende mir doch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken, ich bin verdrüßlich, wenn mir mein gewohnt Lieblingstrank abgeht“ Nun, wenn ihm sonst nichts abgeht. Aber man hat es wirklich geschafft, wenn schon die Getränkebestellungen den Rang von Literatur bekommen.

Und Kurt Tucholsky schrieb in sein Würzburger Tagebuch: „Das Gehen fällt uns leicht, der Steinwein fällt uns recht schwer. Die älteren Jahrgänge vom Bürgerspital wollen getrunken sein. Wir trinken sie.“ Zum Bürgerspital komme ich noch gleich…

 

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Erst mal ein Selfie im Weinberg mit Mauer, die natürlich unliebsame Spitzbuben vom Traubenklau abhielt. Traubenklau ist antiquiert? Von wegen: In der Mini-Weinlage Hamburger Landungsbrücken hat man, hörte ich, letztes Jahr schon zum zweiten Mal nächtens den kompletten Ertrag gestohlen. Ich schlage für die Diebe eine Strafe vor, vergleichbar der für Pferdediebe des Wilden Westens.

Am Ausgangs- und Endpunkt des Steinweinpfad dann ein kurzer Besuch des VDP-Weinguts am Stein. Die Weinbar hatte leider noch geschlossen (und ich hatte ja nur drei Stunden Zeit) daher schnell rein in die Vinothek …

 

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… und einen Silvaner im Bocksbeutel gekauft. Ach edles Stück, du liegst immer noch in meinem Weinkeller, und keiner traut sich ihn zu trinken. Denn ist er mal getrunken, dann ist er ja auch weg.

 

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Da ich noch a wenig Zeit hatte, ging ich ins Würzburger Zentrum ins VDP-Weingut Bürgerspital. Dort gibt es ein sensationelles „Hockerle“, rustikale Sitzbänke, Schoppenweine, man darf mitgebrachte Speisen verzehren. Ich habe hingegen im „normalen“ Weinlokal – mangels mitgebrachter Speisen – gegessen (fränkische Tapas) und getrunken (so viel noch ging).

 

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Bei meinem nächsten Besuch in Würzburg kommt die andere Hälfte der Weinkarte dran. Und ich nehme mir mehr Zeit für diese besondere Weinstadt. Mindestens vier Stunden.



Vollsteiler Getränkesamstag

Geschrieben am um 7:32

Letzten Samstag habe ich einige sehr intensive Getränke-Erlebnisse gehabt. Zunächst die wie immer tagsüber die sehr sympathische Weintour in München in der Alten Kongresshalle. Eine meiner Lieblingsweingüter ist das mittelrheinische Weingut Goswin-Lambrich in der Nähe der Türme- und Weinstadt Oberwesel. Die haben einen genialen fruchtige Riesling im Programm, voll schön, Vollsteil.

 

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Mein Lieblingsspruch des Tages kam von einem Ahr-Winzer, der sich einen Kommentar über das teilweise etwas „ausdrucksstarke“ und arg hölzerne Barrique-Aroma von Winzer-Kollege nicht verkneifen konnte: „Beim Barrique muss man aufpassen – ich bin schließlich Winzer und nicht Schreiner!“

Am Abend bin ich in Oberhaching bei München vollsteil gegangen. Schließlich konnte ich nicht die Vollversammlung der Brauereigenossenschaft Oberhaching verpassen (diese Brauerei gehört mir – teilweise – da ich Genossenschaftsanteile halte)

 

 

Als die Blaskapelle (mit dem Bürgermeister des Ortes an der Tuba) fertig gepustet hatte und das Fass mit dem phantastischen Kellerbier leer getrunken war, nötigte man mich, zur Altburschen-Wacht zu gehen.

 

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Stellt Euch eine Scheune am Ortsrand vor, darin eine Theke, viel Bier und vor allem der Maibaum in seiner ganzen Länge. Und der muss bewacht werden, damit ihn die bösen Buben der Nachbarorte nicht klauen.

 

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Der Maibaum glänzte grellweiß, als wäre er frisch gestrichen worden. Musste ich mal testen und siehe da, er war sehr kürzlich gestrichen worden. Wohin jetzt mit dem klebrigen Finger, na ja, den konnte ich elegant an der Außenwand der improvisierten Scheunen-Kneipe abstreifen, in Bayern macht sich die Farbkombination blau und weiß doch immer ganz hübsch.

 

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Schade, dass ich nach einem weiteren Tag auf der Weintour am Sonntagabend schon wieder ins Saarland fahren musste. Daher habe ich es verpasst, am Montag die jährliche Rendite meines Genossenschaftsanteils beim Oberhachinger Getränkehändler einzulösen …

 

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… für den kleinen roten Bierbon hätte ich eine Kiste Kellerbier bekommen.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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