Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinwandern an der Saale

Geschrieben am um 6:23

IMG_0061

 

Ich starte die Weintour in Bad Kösen, Weinbaugebiet Saale-Unstrut, die Toscana Mitteldeutschlands, eine Station vor Naumburg.

 

IMG_0080

 

Ich gehe den Weinbergsweg auf den Höhen des linken Saaleufers auf einem traumhaften Pfad. Aber auch die Blicke ins Saaletal Richtung Bad Kösen ist spitze. Man kann bis nach Thüringen schauen, immerhin ist Saale-Unstrut das einzige Anbaugebiet Deutschlands mit Rebflächen in drei Bundesländern: Sachsen-Anhalt, Brandenburg und eben Thüringen

 

IMG_0084

 

Am Aussichtspunkt ein Gedenkstein, auf der Wanderkarte als Napoleonstein bezeichnet, auf den Wegweisern als Fürst-Heinrich-Stein. Ja was denn nun? Ich finde, das Ding sieht eher wie ein Eisernes-Kreuz-Gedächtnis-Stein aus.

IMG_0088

Apropos Markierungen: Die Wegweiser des Weinbergswegs sind neu, fast alle sind in der richtigen Richtung aufgehängt. Nur Wegmarkierungen sind Mangelware, Beruhigungszeichen fehlen komplett. Auch beunruhigt kann man den Weg ganz gut finden.

IMG_0086

Hier ein Blick durch die Reben Richtung Norden, im Hintergrund der Naumburger Dom, Weltkulturerbe, mit der berühmten Skulptur der lieblichen Uta. (kein Wein, trotzdem lieblich)

IMG_0091

Am Wegrand ein Hinweis auf ein Weinbergrennen, dass wohl zwischen 1980 und 1988 in den Weinbergen der Region stattgefunden hat. Ich erspare mir Witze über die Motorisierung der DDR, aber die Frage wird doch erlaubt sein, wer da gegen wenn ein Rennen veranstaltet hat? Motorräder, gegen Fußgänger und gegen Autos? Jeder gegen jeden? Nur auf den eigenen Vorteil bedacht? Das ist aber nicht sehr sozialistisch, was sagt denn Kevin K. dazu?

IMG_0094

Schon eine Enttäuschung, dass in der Besenwirtschaft Dierking („Wenn der Besen hängt, wird ausgeschenkt!“) noch nicht einmal ein Besenhaar (oder sagt man Besenborsten???) zu erkennen ist.

IMG_0097

Wenigstens gibt es im sehr maritim dekorierten Fischhaus an der Saale vernünftige Weine aus Saale-Unstrut – und eine Forelle, das ist ja auch so eine Art Fisch.

IMG_0102

Hallelujah, aber die Vinothek von Klosterpforta hat geöffnet und lädt zum Probieren und kaufen ein. Das ist doch ein Wort …

IMG_0109

… ich kann mich allerdings lange nicht entscheiden und muss daher sehr viel probieren. Mein Favorit, ein schlanker, relativ säurearmer Silvaner von 2018, prämiert mit einer goldenen Kammerpreismünze.

 

IMG_0103

Das Landesweingut Klosterpforta wird schon lange nicht mehr von Mönchen verwaltet, die mussten schon im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation ihre Weinberge aufgeben. Der reformierte Fürst Moritz von Sachsen machte aus Klosterpforta Schulpforta und gründete eine Fürstenschule. Diese Schule besuchten unter anderem Klopstock, Fichte und Nietzsche.

 

IMG_0115

 

An der Kleinen Saale wandere ich unspektakulär zurück nach Bad Kösen, vorbei am Köppelberg, einem Weinberg, den schon die Mönche bewirtschafteten. Die Armen haben nur für Gottes Lohn gearbeitet, als Wanderer im Weinberg des Herrn kann ich dagegen auf einen äußerst lohnenden Weinwandertag an der Saale zurückblicken.



Weinwandern in Würzburg

Geschrieben am um 7:30

Frei nach Klaus Lage: Tausend Mal hat mich der ICE vorbei geführt, Tausend Mal ist nichts passiert, Tausend und eine Mal – und es hat Zoooom gemacht. Glücklicherweise hatte ich Mitte November drei Stunden Zeit für Würzburg. Drei Stunden, die man in der Residenz- und Kickers-Stadt mit einer grandiosen Weinwanderung ausfüllen kann.

 

IMG_9078

 

Und das auch noch fußläufig vom Hauptbahnhof. Erstmal a weng (original unterfränkisch!) durch den Stadtpark gehen, dann der Markierung WH (hat nicht mit der Wilden Horde aus Köln zu tun!) Richtung der Treppen auf der Rotkreuzstiege folgen. Und schon hatte ich (17 Minuten nachdem ich dem Zug entstiegen war) den Steinweinpfad erreicht.

IMG_9088

 

Ein kleiner, aber feiner Weinwanderweg, drei Kilometer lang und um einen Kilometer verlängerbar, das kann sich man aber – entre nous – auch schenken. Der Weg führt durch DIE Würzburger Weinlage, den Steinberg. Das ist nicht irgendein fränkischer Weinberg, sondern seit ein seit Jahrhunderten berühmtes Weinweltwunder.

 

IMG_9093

 

Schon Goethe befahl: „Sende mir doch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken, ich bin verdrüßlich, wenn mir mein gewohnt Lieblingstrank abgeht“ Nun, wenn ihm sonst nichts abgeht. Aber man hat es wirklich geschafft, wenn schon die Getränkebestellungen den Rang von Literatur bekommen.

Und Kurt Tucholsky schrieb in sein Würzburger Tagebuch: „Das Gehen fällt uns leicht, der Steinwein fällt uns recht schwer. Die älteren Jahrgänge vom Bürgerspital wollen getrunken sein. Wir trinken sie.“ Zum Bürgerspital komme ich noch gleich…

 

IMG_9096

 

Erst mal ein Selfie im Weinberg mit Mauer, die natürlich unliebsame Spitzbuben vom Traubenklau abhielt. Traubenklau ist antiquiert? Von wegen: In der Mini-Weinlage Hamburger Landungsbrücken hat man, hörte ich, letztes Jahr schon zum zweiten Mal nächtens den kompletten Ertrag gestohlen. Ich schlage für die Diebe eine Strafe vor, vergleichbar der für Pferdediebe des Wilden Westens.

Am Ausgangs- und Endpunkt des Steinweinpfad dann ein kurzer Besuch des VDP-Weinguts am Stein. Die Weinbar hatte leider noch geschlossen (und ich hatte ja nur drei Stunden Zeit) daher schnell rein in die Vinothek …

 

IMG_9103

 

… und einen Silvaner im Bocksbeutel gekauft. Ach edles Stück, du liegst immer noch in meinem Weinkeller, und keiner traut sich ihn zu trinken. Denn ist er mal getrunken, dann ist er ja auch weg.

 

IMG_9104

 

Da ich noch a wenig Zeit hatte, ging ich ins Würzburger Zentrum ins VDP-Weingut Bürgerspital. Dort gibt es ein sensationelles „Hockerle“, rustikale Sitzbänke, Schoppenweine, man darf mitgebrachte Speisen verzehren. Ich habe hingegen im „normalen“ Weinlokal – mangels mitgebrachter Speisen – gegessen (fränkische Tapas) und getrunken (so viel noch ging).

 

IMG_9108

 

Bei meinem nächsten Besuch in Würzburg kommt die andere Hälfte der Weinkarte dran. Und ich nehme mir mehr Zeit für diese besondere Weinstadt. Mindestens vier Stunden.



Vollsteiler Getränkesamstag

Geschrieben am um 7:32

Letzten Samstag habe ich einige sehr intensive Getränke-Erlebnisse gehabt. Zunächst die wie immer tagsüber die sehr sympathische Weintour in München in der Alten Kongresshalle. Eine meiner Lieblingsweingüter ist das mittelrheinische Weingut Goswin-Lambrich in der Nähe der Türme- und Weinstadt Oberwesel. Die haben einen genialen fruchtige Riesling im Programm, voll schön, Vollsteil.

 

IMG_9866

 

Mein Lieblingsspruch des Tages kam von einem Ahr-Winzer, der sich einen Kommentar über das teilweise etwas „ausdrucksstarke“ und arg hölzerne Barrique-Aroma von Winzer-Kollege nicht verkneifen konnte: „Beim Barrique muss man aufpassen – ich bin schließlich Winzer und nicht Schreiner!“

Am Abend bin ich in Oberhaching bei München vollsteil gegangen. Schließlich konnte ich nicht die Vollversammlung der Brauereigenossenschaft Oberhaching verpassen (diese Brauerei gehört mir – teilweise – da ich Genossenschaftsanteile halte)

 

 

Als die Blaskapelle (mit dem Bürgermeister des Ortes an der Tuba) fertig gepustet hatte und das Fass mit dem phantastischen Kellerbier leer getrunken war, nötigte man mich, zur Altburschen-Wacht zu gehen.

 

IMG_9882

 

Stellt Euch eine Scheune am Ortsrand vor, darin eine Theke, viel Bier und vor allem der Maibaum in seiner ganzen Länge. Und der muss bewacht werden, damit ihn die bösen Buben der Nachbarorte nicht klauen.

 

IMG_9885

 

Der Maibaum glänzte grellweiß, als wäre er frisch gestrichen worden. Musste ich mal testen und siehe da, er war sehr kürzlich gestrichen worden. Wohin jetzt mit dem klebrigen Finger, na ja, den konnte ich elegant an der Außenwand der improvisierten Scheunen-Kneipe abstreifen, in Bayern macht sich die Farbkombination blau und weiß doch immer ganz hübsch.

 

IMG_9886

 

Schade, dass ich nach einem weiteren Tag auf der Weintour am Sonntagabend schon wieder ins Saarland fahren musste. Daher habe ich es verpasst, am Montag die jährliche Rendite meines Genossenschaftsanteils beim Oberhachinger Getränkehändler einzulösen …

 

IMG_9874

 

… für den kleinen roten Bierbon hätte ich eine Kiste Kellerbier bekommen.

 



Der Nachfahre von Wanderschäfern – man hätte es Ahnen können

Geschrieben am um 6:23

Eine ewige Streitfrage ist, ob man das was man ist – Charakter, Vorlieben, Aussehen, Verhalten – ob das alles so ist, weil man eben so ist (genetische Festlegung) oder weil man so wurde (alles anerzogen/die Gesellschaft ist schuld). In der Forschung schlägt das Pendel ganz stark in Richtung genetischer Vorprägung, wobei damit natürlich nicht sämtliche menschlichen Defizite zu erklären/zu entschuldigen ist. Trotzdem bin ich immer davon ausgegangen, dass ich wandere, weil ich das von meinen Eltern so gelernt habe. An eine genetische Wanderprägung hatte ich nie gedacht.

 

IMG_9409

 

Vor ein paar Wochen habe ich seit langer Zeit mal wieder in meinem Buch „Von wem habe ich das bloß: Auf den Spuren der Ahnen. Eine Gebrauchsanweisung“ gelesen. Ich weiß nicht wie das anderen Autoren geht, aber ich lese selten in meinen alten Büchern, ich habe sie ja geschrieben. Allerdings muss ich auch 12 Jahren nach Erscheinen des Werks sagen: das ist ein richtig gutes Buch. (Diesen Hang zum Eigenlob, woher habe ich das bloß?). Ich habe in diesem Buch viel ausprobiert, um meinen Ahnen auf die Spur zu kommen (Archive, Vor-Ort-Recherche, genetische Tests, Namensforschung), aber ich hätte nie eine genealogische Verbindung zu meiner Wanderleidenschaft gesucht.

 

IMG_9404

 

Glücklicherweise hat mich der rührige Chef des Kreismuseums Bad Liebenwerda zu einer Lesung über genau jene Ahnenforschung in sein Museum eingeladen. Er hatte mir schon vor zwölf Jahren bei der Recherche geholfen, und hat nun neue Andracks in der Region entdeckt. Unter anderem den Martin Andrack und den Johann Georg Andrack aus dem 18. Jahrhundert. Und die beiden Andrack-Jungs waren – Wanderschäfer. Die genaue Verbindung zu den beiden habe ich noch nicht herstellen können, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch extrem hoch, dass die beiden meine Ahnen sind. Wanderschäfer als Vorfahren, das erklärt doch einiges: Die Outdoor-Affinität, den Hang zum Geschichten Erzählen, die Zeiteinteilung in Schäferstündchen.

 

IMG_9406

 

Ich habe bei meinem Besuch in Bad Liebenwerda natürlich auch meinen dortigen Familienzweig besucht, die ich erst vor 12 Jahren kennengelernt habe. Durch einen Ururgroßvaterschaftstest mit Helmut Andrack konnte (fast) zweifelsfrei festgestellt werden, dass ich mit 99,98570699 Wahrscheinlichkeit mit ihm verwandt bin.

 

Verwandte

 

Helmut Andrack (rechts im Bild) ist, obwohl er in diesem Jahr achtzig Jahre alt wird, mein Neffe, genau genommen der Großneffe vierten Grades, denn Johann Christian Andrack (geboren 1795) ist sein Urururgroßvater, aber mein Ururgroßvater, ein Ur- weniger. Ebenfalls traf ich in Bad Liebenwerda Herrn Graeff, auch entfernte Andrack-Verwandtschaft. Herr Graeff (links im Bild) betreibt als Baumschullehrer eine Baumschule, die im 19. Jahrhundert von Eduard Andrack gegründet wurde. Baumschule, da fällte es mir wie Schuppen aus den Haaren, da hätte ich auch früher drauf kommen können – eine genetische Prägung für meine Liebe zu den deutschen Wäldern. Und schon wusste ich wieder ein wenig mehr, von wem ich das bloß habe …



Fuko – Geht doch!

Geschrieben am um 9:41

Kürzlich war ich Teilnehmer eines Kongresses in Berlin. Es ging um das Thema Fußverkehr. Zunächst dachte ich, Fußverkehr wäre irgendein Schweinskram für ganz spezielle Erotik-Fetischisten.

 

 

IMG_9026

 

Aber ich lag komplett daneben. Denn auf dem 2. Fußverkehrskongress Deutschlands – kurz und liebevoll Fuko genannt – ging es um die Fortbewegung auf den eigenen Füßen als Teil des Straßenverkehrs. 350 Kommunalpolitiker, Raumplaner und Architekten aus allen deutschsprachigen Ländern tauschten Erfahrungen und Visionen aus. Ich habe viel gelernt. Zum Beispiel wusste ich nicht, wie viele Autofahrten eigentlich komplett überflüssig sind, und problemlos zu Fuß zu erledigen wären. Genau ein Zehntel aller Autofahrten sind unter einem Kilometer lang. Die berühmten Fahrten zum Bäcker oder zum Briefkasten. Ein Wahnsinn! Wer nicht gehbehindert ist, kann das ohne Probleme zu Fuß erledigen. Genauso wie die zwölf Prozente alle Autotouren, die unter zwei und die 25 Prozent aller Autofahrten, die nur unter fünf Kilometer lang sind. Theoretisch könnte man also fast die Hälfte sämtlicher Autofahrten vermeiden, wenn man öfter zu Fuß gehen würde.

 

IMG_9032

 

Am Nachmittag des ersten Konferenztags machten sich alle Teilnehmer daran, selber zu Fuß zu gehen – vom Versammlungsort in der Nähe der Friedrichsstraße zu Landesvertretung Nordrhein-Westfalen südlich des Tiergartens.

 

IMG_9037

 

3,6 Kilometer, ein schöner Spaziergang. Wenn allerdings in Berlin 350 Menschen wandern, von einem Ort zum anderen, dann muss das bei der Polizei angemeldet werden. Und schwuppdiwupps wird aus dem Spaziergang eine Demonstration mit Blaulicht und abgesperrten Straßen.

 

IMG_9036

 

Ich glaube, es wäre viel geholfen, wenn alle vierzig Millionen Wanderer in Deutschland entdecken würden, dass auch der Fußweg zum Bäcker, durch die Stadt, zum Gassigehen und zum nächsten Ort Spaß macht. Nebenher tut man noch etwas fürs Klima und die eigene Gesundheit. Geht doch!

 

IMG_9034

 

Die Langversion des Fuko-Textes könnt ihr im aktuellen Wandermagazin Nummer 201 nachlesen.



Wanderland!

Geschrieben am um 21:59

Wanderer, kommst Du nach Nürnberg, besuche die größte, kreativste, lustigste, bedrückendste, intensivste, informativste und großartigste Wander-Ausstellung aller Zeiten. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (fußläufig vom Hauptbahnhof, nahe der Stadtmauer) wurden ungefähr 400 Exponate zusammengestellt.

 

IMG_9268

 

Neben dem Rucksack von Hermann Löns und einer meiner Wanderkarten ist auch ein Wanderschuh von Helmut Kohl ausgestellt. Man fragt sich, wo der andere geblieben ist. Gastgeschenk an Mitterand? Im Spendensumpf stecken geblieben? Oder hat die Witwe den zweiten Schuh nicht rausgerückt?

 

 

IMG_9273

 

Wunderbar ist die Wand mit den Entwürfen für das Wanderparkplatzschild. Der Wandervogel hatte keine Chance gegen Gisela, die Wanderdame mit den wehenden Haaren.

 

IMG_9282

 

Auch in der DDR gab es Wandervögel, die hatten aber keinen Wanderführer (der „Führer“, behauptet eine Nazi-Postille in der Ausstellung, ist angeblich auch gewandert), sondern Wanderleiter.

 

IMG_9287

 

Spitzenklasse ist die Filmsequenz aus dem Prädikat-ganz-besonders-wertvoll-Film „Das Wandern ist des Müller’s Lust“ Wir sehen Ilja Richter, wie er eine 22%ige Steigung hochwandert. Entertainment der Extraklasse! Ihr MÜSST die Wanderausstellung sehen. Noch bis 28. April im GNM in Nürnberg. Und wenn ihr wollt, kann ich euch persönlich einige Exponate erklären. Schnappt euch einfach den Audio-Guide!



Die heißesten Wanderaccessoires

Geschrieben am um 7:31

Wandern ist eigentlich nur schön, wenn auch die Wander-Accessoires stimmen.

 

IMG_7297 (1)

 

Der exquisite (und nicht ganz billige) „Wanderrucksack Modell Hermann Hesse“ ist erste Wahl für jeden Old-School-Wanderer. Ich sah das Exemplar im Hermann-Hesse-Museum in Calw. Der klassische Tropfenform-Rucksack besticht durch antikes Design. Was ich nur komisch finde: Meines Wissens ist Hermann Hesse meistens nackt gewandert, wo ist dann sein Rucksack geblieben?

 

IMG_7258

 

Ein wunderbares Tool für alle Premiumwegebetreiber ist die kleine Trittstufe, die man an querliegenden Bäumen befestigen kann, auch in der Version „To Go“ erhältlich. Der Wanderer erlebt die wilde Natur, kann aber zivilisiert über die Bäume steigen

 

DSCN1003

 

Sehr hip ist das schwedische Tisch-Modell Palettölö. Aus hochwertigen Edelhölzern gefertigte Holzpaletten ergeben ein formschönes Waldmöbel, das auch jeden Schrebergarten schmückt.

 

DSCN1104

 

Auch im Fußtextilbereich kann man es sich extravagant und elegant gut gehen lassen. Die Wanderschlappen „Opi“ gibt es im Verleih unter anderem in einer Gaststätte an der Wildenburg in der Nordeifel. Dreckige Wanderstiefel aus, Hauschuhe „Opi“ an, einfach herrlich!

 

IMG_9150

 

Und wer sich den Vorgarten verschönern will, kann bei Manufaktum die Figuren-Trilogie „Familien-Therapie“ bestellen. Da ist für jeden Geschmack, von sehr jung bis sehr alt, etwas dabei.



Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

Geschrieben am um 8:42

Mein neuester Bahnhof-Einkehrtipp befindet sich erstmals im Osten Deutschlands, nachdem ich die westdeutschen Top-Bahnhofs-Kneipen von Mannheim und Hamburg beschrieben habe. Aber kann es denn Göschwitz mit Großstädten aufnehmen?

 

IMG_8942

 

Klar ist zumindest, dass nicht jeder Dorfbahnhof Aufnahme in meiner Reihe der Bahnhofs-Einkehr-Tipps finden kann. Ein tolles Restaurant in einem nicht mehr genutzten Bahnhofsgebäude in der Eifel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide, das gilt nicht, das geht an meiner Intention vorbei. Es muss schon ein Bahnhof sein, an dem man umsteigen oder einen Zug verpassen kann und dann die erhoffte oder unverhoffte Wartezeit bei einem Kaltgetränk verkürzt. Offiziell heißt der Bahnhof an der Saale Jena-Göschwitz, dort halten sogar Intercitys. Oder man steigt von einer Wanderung an der Saale kommend in Göschwitz Richtung Erfurt um, so habe ich das gemacht.

 

IMG_8936

 

Sensationell sind die wochentäglich wechselnden Mittagsgerichte im Gleis Dreiviertel. Montag: DDR-Tomatensoße, das ist doch echt stark. Heißt die DDR-Tomatensoße so, weil sie rot ist wie der flammende Kommunismus? Dann wäre aber auch jede herkömmliche Barilla Sauce eine DDR-Tomatensoße. Ich vermute eher, dass diese Sauce aus Tomaten gemacht ist, die vierzig Jahre in der Bitterfelder Sonne reifen durften. Oder aber es handelt sich um ein feines Rezept von Margot Honecker. Ich komme auf jeden Fall mittwochs noch mal nach Göschwitz, um die Tiegel-Wurst nach Petras Art zu kosten. „Tote Oma“ wollte ich schon immer essen. Mjam, mjam, mjam …

 

Die Bierspezialitäten haben einen leichten irischen Schwerpunkt, was mich dazu verleitete, ein (etwas zu warmes) Kilkenny zu trinken. Ich zahlte den Normalpreis, da ich nun mal weder Lokführer noch Eisenbahner bin …

 

IMG_8937

 

… denn den unschlagbaren Lokführer-Menü Sonderpreis für alle Eisenbahner (Eisenbahner sind die, die nicht gesellschaftlich abgehängt sind, sondern die, die ab und an Lokomotiven und Güterwagen abhängen sowie anhängen und auch noch am Gleis Dreiviertel in Göschwitz abhängen) können nur echte Bahner in Anspruch nehmen.



Nagel in Hamburg

Geschrieben am um 6:23

Heute Folge 2 meiner Reihe: In welche Gaststätte mit Stil gehe ich, wenn ich an einem Bahnhof Wartezeit habe beziehungsweise meinen Zug verpasst habe. In Folge 1 war Mannheim dran, heute Hamburg.

 

IMG_7444

 

Kürzlich hatte ich auf dem Weg von Saarbrücken nach Wismar einen 41-minütigen Zwischenstopp in der Hansestadt. (Zur Erklärung: ich hatte einen Drehtag in Wismar für den ZDF-Krimi „Soko Wismar“, mehr dazu, wenn ich Euch über den Ausstrahlungstermin informieren kann). Auf der Rückseite des Bahnhofs (also nicht die Mönckebergstraßenseite) sah ich die Restauration Nagel. Wieso habe ich diese Gaststätte nicht schon früher auf dem Schirm gehabt? Das Nagel ist ein herrliches Wirtshaus: Hohe Decken, dunkle Holzvertäfelung, leckere Biere.

 

IMG_7441 (1)

 

Ich habe hin und her überlegt. Nehme ich ein Holsten? Aber Vorsicht. Holsten knallt am dollsten. Nagel ich mir das Hausbier rein? Das Nagel-Bräu ist ein sehr malziges, schwarz-dunkles Bier. Schlussendlich entschied ich mich für ein Astra.

 

IMG_7440 (1)

 

Einige schöne Slogans von Astra:

Astra – Was dagegen?

Du bist Astra!

Ich trink arschkalt. Heiß bin ich selber!

Auch die kulinarische Auswahl im Nagel überzeugt. Hanseatische Spezialitäten wie Bayerischer Leberkäse, Eisbein und sechs Nürnberger Bratwürstl. Ich entschied mich ganz klassisch für Matjes mit Zwiebelringen, erfrischend wie ein Sprung in eiskaltes Meersalzwasser. Und das nächste Mal esse ich Labskaus. Hoffentlich wieder serviert von Günni …

IMG_7443



In Alsfeld am Pranger

Geschrieben am um 7:33

Anfang Juni hatte ich eine Lesung in Alsfeld in Oberhessen. Region Vogelsberg. Wunderschöne Stadt, Fachwerk, märchenhaft. Der Alsfelder und die Alsfelderin bestehen allerdings darauf, dass ihre Heimatstadt mit kurzem „A“ gesprochen wird, immerhin handelt es sich ja nicht um Aachen, Aalen oder sogar Ahlen mit langem „A“. Nein, knackig kurzes „A“, als würde die Stadt „Alzfeld“ heißen. Und wer in Alsfeld nicht Alsfelder trinkt ist selber schuld.

 

IMG_8034

 

Ich habe die letzte Lesung aus meinem Fußball-Fan-Buch vor der WM (die ja dann leider ausgefallen ist) gehabt. Sehr gutes Publikum, viele in Trikots (Frankfurt, Nürnberg, FC) und eine Journalistin des Oberhessischen zeitung war auch dabei (im Bildvordergrund), die die ganze Lesung mitgeschrieben hat.

 

IMG_0533

 

Vielleicht bekommt sie vom Verlag auch noch mein Buch „Lebenslänglich Fußball“, dann hätte sie sich das Mitschreiben sparen können. Im Eintrittspreis zur Lesung war auch eine Currywurst enthalten, die von den Service-Mitarbeitern des Marktcafés in Alsfeld serviert wurde.

 

IMG_0532

 

Da kam richtige Stadionatmosphäre auf, als alle Gäste mit Messer und Gabel ihre Stadionwurst aßen. Kurz nach der Lesung war Schicht im Schacht im Marktcafé, aber ich habe mich mit Thorsten (Wanderkindvater) und Fabian (Ex-DSDS-Kandidat) noch ins Nachtleben von Alsfeld gestürzt. An einem Mittwoch-Abend. Hui!

 

IMG_20180606_234913

 

Unsere Rettung war der Pranger. Wer noch nie am Pranger stand, kann das in Alsfeld mit kurzem „A“ nachholen. Leider haben sich Thorsten und Fabian, nachdem das Handy-Foto gemacht war, aus dem Staub gemacht. Da konnte ich selber sehen, wie ich mich aus dem Pranger-Ding befreie.

 

IMG_20180606_235723

 

Ich danke Thorsten und Fabian für den netten Abend und die Fotos…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2019 Manuel Andrack.