Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die heißesten Wanderaccessoires

Geschrieben am um 7:31

Wandern ist eigentlich nur schön, wenn auch die Wander-Accessoires stimmen.

 

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Der exquisite (und nicht ganz billige) „Wanderrucksack Modell Hermann Hesse“ ist erste Wahl für jeden Old-School-Wanderer. Ich sah das Exemplar im Hermann-Hesse-Museum in Calw. Der klassische Tropfenform-Rucksack besticht durch antikes Design. Was ich nur komisch finde: Meines Wissens ist Hermann Hesse meistens nackt gewandert, wo ist dann sein Rucksack geblieben?

 

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Ein wunderbares Tool für alle Premiumwegebetreiber ist die kleine Trittstufe, die man an querliegenden Bäumen befestigen kann, auch in der Version „To Go“ erhältlich. Der Wanderer erlebt die wilde Natur, kann aber zivilisiert über die Bäume steigen

 

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Sehr hip ist das schwedische Tisch-Modell Palettölö. Aus hochwertigen Edelhölzern gefertigte Holzpaletten ergeben ein formschönes Waldmöbel, das auch jeden Schrebergarten schmückt.

 

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Auch im Fußtextilbereich kann man es sich extravagant und elegant gut gehen lassen. Die Wanderschlappen „Opi“ gibt es im Verleih unter anderem in einer Gaststätte an der Wildenburg in der Nordeifel. Dreckige Wanderstiefel aus, Hauschuhe „Opi“ an, einfach herrlich!

 

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Und wer sich den Vorgarten verschönern will, kann bei Manufaktum die Figuren-Trilogie „Familien-Therapie“ bestellen. Da ist für jeden Geschmack, von sehr jung bis sehr alt, etwas dabei.



Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

Geschrieben am um 8:42

Mein neuester Bahnhof-Einkehrtipp befindet sich erstmals im Osten Deutschlands, nachdem ich die westdeutschen Top-Bahnhofs-Kneipen von Mannheim und Hamburg beschrieben habe. Aber kann es denn Göschwitz mit Großstädten aufnehmen?

 

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Klar ist zumindest, dass nicht jeder Dorfbahnhof Aufnahme in meiner Reihe der Bahnhofs-Einkehr-Tipps finden kann. Ein tolles Restaurant in einem nicht mehr genutzten Bahnhofsgebäude in der Eifel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide, das gilt nicht, das geht an meiner Intention vorbei. Es muss schon ein Bahnhof sein, an dem man umsteigen oder einen Zug verpassen kann und dann die erhoffte oder unverhoffte Wartezeit bei einem Kaltgetränk verkürzt. Offiziell heißt der Bahnhof an der Saale Jena-Göschwitz, dort halten sogar Intercitys. Oder man steigt von einer Wanderung an der Saale kommend in Göschwitz Richtung Erfurt um, so habe ich das gemacht.

 

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Sensationell sind die wochentäglich wechselnden Mittagsgerichte im Gleis Dreiviertel. Montag: DDR-Tomatensoße, das ist doch echt stark. Heißt die DDR-Tomatensoße so, weil sie rot ist wie der flammende Kommunismus? Dann wäre aber auch jede herkömmliche Barilla Sauce eine DDR-Tomatensoße. Ich vermute eher, dass diese Sauce aus Tomaten gemacht ist, die vierzig Jahre in der Bitterfelder Sonne reifen durften. Oder aber es handelt sich um ein feines Rezept von Margot Honecker. Ich komme auf jeden Fall mittwochs noch mal nach Göschwitz, um die Tiegel-Wurst nach Petras Art zu kosten. „Tote Oma“ wollte ich schon immer essen. Mjam, mjam, mjam …

 

Die Bierspezialitäten haben einen leichten irischen Schwerpunkt, was mich dazu verleitete, ein (etwas zu warmes) Kilkenny zu trinken. Ich zahlte den Normalpreis, da ich nun mal weder Lokführer noch Eisenbahner bin …

 

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… denn den unschlagbaren Lokführer-Menü Sonderpreis für alle Eisenbahner (Eisenbahner sind die, die nicht gesellschaftlich abgehängt sind, sondern die, die ab und an Lokomotiven und Güterwagen abhängen sowie anhängen und auch noch am Gleis Dreiviertel in Göschwitz abhängen) können nur echte Bahner in Anspruch nehmen.



Nagel in Hamburg

Geschrieben am um 6:23

Heute Folge 2 meiner Reihe: In welche Gaststätte mit Stil gehe ich, wenn ich an einem Bahnhof Wartezeit habe beziehungsweise meinen Zug verpasst habe. In Folge 1 war Mannheim dran, heute Hamburg.

 

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Kürzlich hatte ich auf dem Weg von Saarbrücken nach Wismar einen 41-minütigen Zwischenstopp in der Hansestadt. (Zur Erklärung: ich hatte einen Drehtag in Wismar für den ZDF-Krimi „Soko Wismar“, mehr dazu, wenn ich Euch über den Ausstrahlungstermin informieren kann). Auf der Rückseite des Bahnhofs (also nicht die Mönckebergstraßenseite) sah ich die Restauration Nagel. Wieso habe ich diese Gaststätte nicht schon früher auf dem Schirm gehabt? Das Nagel ist ein herrliches Wirtshaus: Hohe Decken, dunkle Holzvertäfelung, leckere Biere.

 

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Ich habe hin und her überlegt. Nehme ich ein Holsten? Aber Vorsicht. Holsten knallt am dollsten. Nagel ich mir das Hausbier rein? Das Nagel-Bräu ist ein sehr malziges, schwarz-dunkles Bier. Schlussendlich entschied ich mich für ein Astra.

 

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Einige schöne Slogans von Astra:

Astra – Was dagegen?

Du bist Astra!

Ich trink arschkalt. Heiß bin ich selber!

Auch die kulinarische Auswahl im Nagel überzeugt. Hanseatische Spezialitäten wie Bayerischer Leberkäse, Eisbein und sechs Nürnberger Bratwürstl. Ich entschied mich ganz klassisch für Matjes mit Zwiebelringen, erfrischend wie ein Sprung in eiskaltes Meersalzwasser. Und das nächste Mal esse ich Labskaus. Hoffentlich wieder serviert von Günni …

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In Alsfeld am Pranger

Geschrieben am um 7:33

Anfang Juni hatte ich eine Lesung in Alsfeld in Oberhessen. Region Vogelsberg. Wunderschöne Stadt, Fachwerk, märchenhaft. Der Alsfelder und die Alsfelderin bestehen allerdings darauf, dass ihre Heimatstadt mit kurzem „A“ gesprochen wird, immerhin handelt es sich ja nicht um Aachen, Aalen oder sogar Ahlen mit langem „A“. Nein, knackig kurzes „A“, als würde die Stadt „Alzfeld“ heißen. Und wer in Alsfeld nicht Alsfelder trinkt ist selber schuld.

 

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Ich habe die letzte Lesung aus meinem Fußball-Fan-Buch vor der WM (die ja dann leider ausgefallen ist) gehabt. Sehr gutes Publikum, viele in Trikots (Frankfurt, Nürnberg, FC) und eine Journalistin des Oberhessischen zeitung war auch dabei (im Bildvordergrund), die die ganze Lesung mitgeschrieben hat.

 

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Vielleicht bekommt sie vom Verlag auch noch mein Buch „Lebenslänglich Fußball“, dann hätte sie sich das Mitschreiben sparen können. Im Eintrittspreis zur Lesung war auch eine Currywurst enthalten, die von den Service-Mitarbeitern des Marktcafés in Alsfeld serviert wurde.

 

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Da kam richtige Stadionatmosphäre auf, als alle Gäste mit Messer und Gabel ihre Stadionwurst aßen. Kurz nach der Lesung war Schicht im Schacht im Marktcafé, aber ich habe mich mit Thorsten (Wanderkindvater) und Fabian (Ex-DSDS-Kandidat) noch ins Nachtleben von Alsfeld gestürzt. An einem Mittwoch-Abend. Hui!

 

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Unsere Rettung war der Pranger. Wer noch nie am Pranger stand, kann das in Alsfeld mit kurzem „A“ nachholen. Leider haben sich Thorsten und Fabian, nachdem das Handy-Foto gemacht war, aus dem Staub gemacht. Da konnte ich selber sehen, wie ich mich aus dem Pranger-Ding befreie.

 

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Ich danke Thorsten und Fabian für den netten Abend und die Fotos…



Als kriechender Günzel auf dem Nordrandweg der Schwäbischen Alb

Geschrieben am um 6:40

Im Juni bin nach längerer Zeit mal wieder mit „meiner“ Ortsgruppe Oberboihingen des Schwäbischen Albvereins gewandert. Es war sozusagen eine Reise in die Vergangenheit. Denn genau vor zehn Jahren, 2008, habe ich meine Wanderfreunde aus Oberboihingen das erste mal kennen gelernt. Und wir sind ebenso wie 2018 auf dem HW1, dem Nordrandweg des Schwäbischen Albvereins gegangen. Es war übrigens die erste Albwanderung für mein neues Fifty-Five-Wanderhemd Andre in der Farbkombi navy/red.

 

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Start in Hepsisau, durch das Zipfelbachtal geht es spektakulär bergan. Alpines Wandern ist das, Testgelände für Leki-Wanderstöcke aus Kirchheim/Teck. Schafft ein Wanderer (mit und ohne Stock) das Zipfelbachtal, hat er sozusagen das Seepferdchen des Wanderns gemacht. Mindestens. Die Wandertour wurde von Martin geführt, dem weltbekannten Flora- und Fauna-Experten. (Siehe Gesammelte Wanderabenteuer, Seiten 351 bis 364)

 

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Es stellt sich heraus: Martin kann nicht nur Blumen und Floristik, sondern auch Steine und Geologie. Und so zeigte er jeden Stein im Zipfelbachtal und bestimmte dessen Alter – zwischen 15 Millionen und 15.000 Jahren. Nachdem wir den Mörikefels passiert hatten, erinnerte ich mich an die Stelle am Wegrand, an der mir Martin vor zehn Jahren das erste Mal die Frühlingsplatterbse gezeigt hatte. Tränen der Rührung stiegen mir in die Augen.

 

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Aber das war noch nicht alles, wir sahen auch den kriechenden Günzel! Der kriechende Günzel war ganz schön im Futter und kroch auf dem Boden herum- ein possierliches Kerlchen! Kurz vor dem Breitenstein kam uns dann sogar das erste Mitglied des Schwäbischen Albvereins entgegen. Der gute Mann war ohne Begleitung unterwegs aber immer noch gut zu Fuß.

 

 

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Am Breitenstein sieht man dann schon die Burg Teck, aber leider ist die durchgehende Hängebrücke immer noch nicht in Betrieb, nächstes Jahr soll sie fertig sein. Richard freut sich schon sehr darauf.

 

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Nach zwei Hefeweizen auf der Burg Teck war der Abstieg nach Owen (gesprochen Aue, also wie die Zweitligastadt im Erzgebirge) doch unerwartet hart. Steile Wiesenhänge bergab, das zwiebelte ganz schön in Ober- und Unterschenkel. Bergan ist doch irgendwie immer viel viel schöner. Danke an die Oberboihinger für diesen tollen Wandertag!



Amöneburg sehen – und Amöneburg lieben

Geschrieben am um 7:11

Erhaben, wirklich erhaben. Ich möchte das altmodische Wort des „Erhabenen“ benutzen. Denn das ist das Gefühl, als ich mich im Auto Amöneburg nähere. Majestätisch, wuchtig aber gleichzeitig filigran (doch, doch, das geht) erhebt sich östlich von Marburg ein Basaltkegel aus der Landschaft, auf der Bergkuppe ein Kirchturm und eine Burgruine.

 

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Normalerweise fotografiere ich erst, wenn die Wanderung beginnt, aber den Amöneburg-Berg muss ich schon von der Landstraße aus fotografieren. Oben an der Burg starten wir eine Wanderung auf dem Amanaburch-Tour, 10,7 Kilometer sehr abwechslungsreiche Kilometer. Die blaue Markierung ist mit einem weißen „A“ auf blau versehen.

 

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Mich hat die Form des „A“ an die Signatur von Albrecht Dürer erinnert. Passen würde das eigentlich, denn Amöneburg ist sowohl bildschön, mittelalterlich, aber auch malerisch. Unter schattigen Bäumen wandern wir auf dem Premiumweg bergab, wobei sich gigantische Ausblicke ergeben. Zunächst Richtung Marburg, im der Ferne der Kellerwald und das Rothaargebirge. Richtung Norden geht der Blick über die nordhessische Hügellandschaft. Ein weiß-eckiges Industrie-Gebäude scheint die Idylle zu stören. Aber Moment! Dort werden tatsächlich „regionale“ Produkte der ganz anderen Art produziert: Nutella, Ferrero Rocher, Mon Cheri, Milchschnitte. In Stadtallendorf zu Fuße von Amöneburg sind die Produktionshallen von Ferrero deutlich zu erkennen.

 

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Wir erreichen die Waschbachquelle. Ein mystischer Ort, der Geschichte(n) erlebt hat und davon erzählt. Der heilige Bonifatius soll dort schon getauft haben. Seit dem 16. Jahrhundert haben an dieser Stelle die Mägde die Wäsche gewaschen und gebleicht. Zwei der Mägde habe in längst vergangenen Zeiten einen tödlichen Eifersuchtsstreit ausgetragen und sind mit Sicheln aufeinander los gegangen. Ergebnis: Beide tot! Ob das der Typ wert war?

 

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Neben der Waschbachquelle entdecke ich übrigens auch noch den größte Feldahorn Hessens. Applaus! Nachdem ich die Amanaburch-Tour gelaufen bin, habe ich noch eine kleine Runde um den Amöneburg-Berg gedreht. Mit meiner Familie und vielen anderen Familien. Wir sind knapp fünf Kilometer auf der Geotour „Stock und Stein“ gelaufen. Georoute hört sich jetzt nicht so aufregend für Kinder an, ist es aber. Zwei Spielplätze, viele kindgerechte Info-Tafeln, ein Ziegen-Projekt, Burgruinen, ein Brunnen mit kühlem Wasser. Meine Tochter Nika fand es auf jeden Fall klasse, sie hat eine echte Wanderfreundin kennen gelernt und will auf jeden Fall wiederkommen.

 

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Ob ich wieder nach Amöneburg komme, hat mich der Bürgermeister des Ortes am Ende des (Doppel-) Wandertages gefragt. Tausendprozentig, denn dieser Ort ist wirklich magisch, und das nicht nur wegen der grandiosen Aussichten. Und das findet übrigens auch meine Familie …

 

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Richtfest auf dem Wispertaunus-Steig, Teil II

Geschrieben am um 8:16

Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen.Im Wispertal wurde unzählige Bäume und Sträucher entfernt, um den Blick auf das Wesentliche frei zu machen: Die Wisper und die grünen Auenwiesen. Wir durchqueren das Tal (an dieser Stelle heißt es Wispercanyon) auf einer weiteren, niegelnagelneuen Brücke. Der Bürgermeister rollt sein Wanderhemd hoch und zeigt mir seinen Bizeps.

 

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Zuerst denke ich, er hat sich dort die 19 Ortsteile von Heidenrod tätowiert. Nein, er zeigt mir einen voluminösen blauen Fleck, ein Andenken an die schweren Balken der neu errichteten Brücke. An einem Wanderparkplatz haben wir dann doch die Wisperstraße erreicht, daher führt uns der Wispertaunussteig hinaus aus dem Tal in luftige Höhen.

 

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Auf alpinen Zickzackpfaden geht es bergan, immer wieder passieren wir Felsformationen, bis wir das Geroldsteiner Tor erreichen. Das Geroldsteiner Tor ist ein phantastischer Talblick, gerahmt von Bäumen und Zweigen. Bildschön. Aber es geht noch besser. Wir kraxeln noch ein Stockwerk höher und nach dem Tor können wir einen Kilometer später durch das Fenster hinausschauen, das Dickschieder Fenster. Gigantisch!

 

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Vom Ortsteil Geroldstein im Tal geht der Blick bis zum Hunsrück mit vielen Windrädern auf der anderen Rheinseite. Dazwischen verzahnen sich die Bergnasen des Wispertals zu einem grün bewachsenen, riesigen Reißverschluss. Nach dem wir das Fenster geschlossen haben, verlassen wir den Wald. Es geht über eine freie Fläche mit angrenzenden Weiden hinauf nach Dickschied und ich denke, das ist ein hübscher, kleiner Spaziergang zum Abschluss der Etappe. Von wegen. Das Schlussstück zieht sich ganz schön und es sind noch einige Höhenmeter zu überwinden. Im Dorf laufen die Richtfest-Organisatoren zur Hochform auf: Kulinarische Genüsse (gebackener Camembert, Wildbratwurst, Flammkuchen) sowie flüssige Köstlichkeiten (Spitzenweine eines Lorcher Weinguts, zwei Craft-Bier-Brauereien, große alkoholfreie Getränke-Auswahl) begeistern die Wanderer und sorgen für sehr gute Laune. Ein runder Richtfest-Wandertag!

 

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Mein Fazit: Die äußerst abwechslungsreiche und sehr naturnahe zehn-Kilometer-Etappe vom Strupsel nach Dickscheid macht mich neugierig auf die weiteren Etappen des Wispertaunussteigs und die dreizehn zukünftigen Premiumrundwege. Es ist bekanntlich wissenschaftlich erwiesen: nach einer Wanderung ist man entspannter, besser gelaunt, glücklicher als zum Start der Wanderung. Speziell das Wandern im Wispertaunus macht definitiv glücklich, mega-glücklich. Für mich sind diese Wispertauns-Wanderwege Pfade zum Glück, es sind Glückspfade.

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Richtfest auf dem Wispertaunussteig, Teil I

Geschrieben am um 8:07

Am Wanderparkplatz mit dem lustigen Namen Strupsel trifft sich eine große Gruppe mit Wanderern. Sie sind zusammen gekommen, um Richtfest der Premiumwanderregion Wispertaunus zu feiern. Die Premiumwanderregion Wispertaunus ist aktuell eines der spannendsten Projekte in Wanderdeutschland. Im südwestlichsten Zipfel von Hessen findet der Wanderer in Zukunft einen Weitwanderweg, den Wispertaunussteig. Dazu kommen noch dreizehn Premiumtagestouren. Insgesamt sind es 208 traumhafte Kilometer (in Worten Zweihundertacht!) durch eine verwunschene Landschaft. Der Strupsel-Fels liegt unterhalb der Wisper-Quelle und schnell haben wir den Wispersee erreicht.

 

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Der Wispersee ist ein Angelteich, damit hat das Gewässer nicht annährend die Ausmaße des Bodensees. Wir gehen über eine Brücke, das Holz der Wanderbrücke strahlt hell. Man sieht es deutlich an den Wegweisern und Brückenbauten am Wispertaunussteig: Das Fundament des Weges ist frisch, der „Dachstuhl“ ist gerade fertig geworden, daher feiern wir ja heute auch Richtfest.

 

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Vom Wispersee aus geht es erst einmal ordentlich bergan. Ich kann es schon einmal vorweg nehmen: Die Steigungen auf dem Wispertaunussteig sind nicht ohne, man sollte schon eine gute Kondition haben, sonst wird aus dem Wispern ein Keuchen.

Wir durchqueren einen Teil der Naurother Schweiz. Ein schmaler Pfad, Trittsicherheit ist zu empfehlen, schlängelt sich im Auf und Ab durch Felsformationen. In Deutschland wird ja jeder Hügel direkt Schweiz genannt (siehe Holsteinische Schweiz), aber die Naurother Schweiz trägt ihren Namen vollkommen zu Recht, das schweizt ordentlich. Auf einer Hinweistafel erfahren wir, dass der spektakuläre Felsenberg die Wild-Weibchens-Ley genannt wird.

 

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Wie die Loreley ist das auch eine Ley (mittelhochdeutsch für Felsen). Wie bei der Loreley ist auch ein „Weib“ mit im Spiel. Ich finde aber, angesichts der landschaftlichen Schönheit der Wild-Weibchens-Ley kann die Loreley – nein, nicht den Löffel – aber ihren Kamm abgeben.

Wir gehen talwärts an einem Seitenbach der Wisper entlang. Wunderschön spielt das Wasser über große Steinplatten, fließt in Felskaskaden Richtung Tal. Ein Skandal, dass dieser Bach keinen Namen hat. In anderen Regionen würde um so einen phantastischen Bach herum ein ganzer Nationalpark hochgezogen. Allerdings bietet die Namenlosigkeit die Chance, kreativ zu werden: Wir wäre es mit folgenden Namen: Wilder Bach. Felsbach. Wanderglückbach. Schönbach. Das sind nur so ein paar Vorschläge.

Schade, dass auch der schönste Bach irgendwann einmal mündet und damit endet. Daher gehen wir, als wir die Wisper erreichen erneut über eine Brücke und machen eine kurze rast auf dem Hexenmüllerplatz. Leider steht die Mühle nicht mehr, und nach allem was man hört, war der als Hexe diffamierte Müller einfach nur ein kluger und geschäftstüchtiger Mann. Aber das hat ihm eben auch Neider verschafft.

Wir wandern durch das wunderschöne Wispertal, das im oberen Teil (noch 15 Kilometer vom Rhein entfernt), noch komplett autofrei und auch motorradfrei ist. Ich unterhalte mich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, Volker Diefenbach. Er war lange Jahre Förster der Gemeinde und damit Herrscher über den größten kommunalen Waldbesitz Hessens. Als Bürgermeister und Ex-Förster hat Diefenbach eine – wie ich finde – richtige und mutige Entscheidung getroffen. Cliffhanger: Um welche Entscheidung es sich handelt, lest ihr in acht Tagen auf andrackblog.de

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An der Anfield Road in Mannheim

Geschrieben am um 7:22

Ich bin auf dem Weg zu einer tollen Wanderung irgendwo in Deutschland. Da fahre ich manchmal mit dem Zug hin. Und in großen Städten muss ich dann umsteigen. Manchmal habe ich eine halbe oder sogar dreiviertel Stunde Zeit am Bahnhof. Dann bloß nicht bei Ditsch/McDonalds/Starbucks/Coffee Fellows Zeit verlempern. Das ist doch überall gleich. Nein, man sollte an jedem größeren Bahnhof wissen, wo man – möglichst ortstypisch/regional einkehren kann…

 

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Sehr oft muss ich in Mannheim umsteigen, entweder in den Zug nach Saarbrücken oder von Saarbrücken kommend in einen Zug in der weiten Welt. Da kommt es mal vor, dass ich einen Anschluss verpasse. In diesem Fall gehe ich ins Murphys Law, 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Eine irische Kneipe mit original irischem Wirt. Also total ortstyoisch für Mannheim. Im April wurde ich (ich fand in diesem Fall den verpassten Zug überaus segensreich) im Murphys Law Zeuge des Rückspiels im Viertelfinale der Champions League. Manchester City gegen Liverpool.

 

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Das Spiel wurde auf der Großbildleinwand (in meiner Hand übrigens ein Kilkenny, mein irischer Favorit) während im Hinterzimmer das Ausscheiden von Barcelona in Rom gezeigt wurde. Aber die meisten interessierten sich für das rein englische Viertelfinale und ausnahmslos alle Anwesenden drückten den Reds die Daumen. Ein pakistanischer Fan im Liverpool-Trikot neben mir an der Theke („I work in Worms“) war ein großer Bewunderer von Kloppo. Ihr könnt Euch vorstellen, was im irischen Pub los war, als Liverpool die beiden Tore schoss…

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Vor ein paar Tagen, am 26. Mai, waren im Murphys Law wahrscheinlich wieder einige Liverpool-Fans am Start, aber eventuell nicht ganz so euphorisch wie zu Zeiten des Viertelfinals.

In lockerer Folge werde ich dann auf meinem Blog weitere Bahnhofrestaurations-Tipps geben. Hamburg, Köln, Nürnberg, München sind schon geplant. Wenn ihr Anregungen in weiteren Städten habt, her damit!

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Auf zur Laudenbacher Weinwanderung 2019!

Geschrieben am um 9:15

Vor dem Schloss von Laudenbach. Menschenmassen, ein Auflauf, als stünde eine Revolution bevor. Aber alle Menschen sehen fröhlich aus, voller Vorfreude, auch ich bin gespannt – auf eine sehr teilnehmerstarke Weinwanderung.

 

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400 Wanderer in allen Altersklassen lauschen, die meisten haben sich einen schattigen Platz gesucht, der Gruß-Rede von Andrea, der Vertreterin der Markelsheimer-Laudenbacher Winzergenossenschaft. Andrea hebt hervor, dass man sich freue, mit der charmanten Deutschen Weinkönigin Katharina und dem sympathischen Wanderexperten Manuel zu wandern. Allerdings sollte man ergänzen, dass Katharina auch sympathisch ist und ich ebenfalls sehr charmant sein kann.

Dann hat der Ortsvorsteher gesprochen, der Bürgermeister von Weikersheim, der Männergesangsverein hat die Reben besungen, die 69. Deutsche Weinkönigin Katharina hat gesprochen und nach 37 weiteren Grußworten begeistere ich die Menge mit einer dreistündigen Rede. Um die Mittagszeit geht es los, in ungefähr acht Gruppen starten die Wanderer auf den Weinerlebnis-Parcours. Zunächst gehen wir durch den historischen, ausgesprochen pittoresken Ortskern am Vorbach entlang, Ortsvorsteher Martin erzählt etwas über die Geschichte von Laudenbach.

Laudenbach, wo ist das eigentlich? Der Weinort liegt in einem verträumten Seitental der Tauber. Die Bewohner haben ein – sehr sympathisches – Identitätsproblem. Historisch gesehen gehören sie zum südlichsten Zipfel des Würzburger Einflussgebiets, der Ort war immer katholisch, daher wird in Laudenbach auch heftig Fastnacht gefeiert. Wegen der Verbindung zur unterfränkischen Residenzstadt Würzburg nennen sich die Laudenbacher auch Hohenlohe-Franken, obwohl man ja eigentlich zum Baden-Württemberg gehört. Andere nennen sich Tauber-Franken, um die Zusammengehörigkeit zur Tauber-Region zu dokumentieren. Dabei liegt Laudenbach gar nicht an der Tauber, sondern in einem Seitental am Vorbach. Gleichzeitig ist Laudenbach aber nicht eigenständig, man ist Ortsteil von Weikersheim, die Winzergenossenschaft arbeitet aber mit Markelsheim zusammen. Alles klar?

 

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Wir kommen auf unserem Weg hinaus aus dem Ort an einer Bäckerei vorbei. An der Hausfassade in geschwungenen Bändern die Schrift: „Trinkt heimischen Wein“. Anscheinend wird in Laudenbach auch zu Gebäck, Croissant und Kuchen der Markelsheimer Wein getrunken. Wir gehen auf dem Radweg hinaus aus dem Dorf Richtung Weikersheim. Am Ortsschild sitzt „der Zecher“, eine Holzfigur, auf einem Holzfass und prostet uns zu. Wir unterqueren die Landstrasse und dann geht es hinauf Richtung Weinberge. Ich kann es vorweg nehmen, wir werden die ganze Tour auf Asphalt laufen, der Schwerpunkt der Weinwanderung liegt eindeutig auf den schönen Gesprächen mit den Mitwanderern und dem Weinerlebnis. Da es bergan geht und es unglaublich heiß ist, versprechen die Sonnenschirme und Bäume auf dem Ghäuberg Schatten und Entspannung.

 

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An der ersten Weinstation geht ein Korbflechter seinem Handwerk nach und an der Weinbude gibt es drei Weine zur Auswahl. Ich entscheide mich zunächst für einen alkoholfreien Blanc de Blanc mit Kohlensäure, also ein Sprudelwasser. Als der Durst gelöscht ist teste ich einen Silvaner der WG. Ich finde, WG hört sich immer so an, als würde eine Wohngemeinschaft spontan Wein machen, aber hinter den exzellenten Weinen steckt natürlich die Winzergenossenschaft. Dass die Winzergenossenschaft den schönen Silvaner im Angebot hat, deutet nicht nur auf die unmittelbare Nähe zum Anbaugebiet Franken. Auch die Bodenverhältnisse von Laudenbach mit viel Muschelkalk entsprechen den fränkischen Voraussetzungen.

Bisher mit ich mit Weinkönigin Katharina in der ersten Wandertruppe gewandert. Nun schließen wir uns der zweiten Wandergruppe an, die von Jungwinzerin Chrissi begleitet wird. Auch der Altersschnitt der Wandergruppe hat sich dramatisch gesenkt, während sich der Königinnen- und Prinzessinnen-Anteil fulminant erhöht hat.

 

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Ungefähr fünfzehn Ortsweinköniginnen und -prinzessinnen aus Baden, Franken und Württemberg (wir wandern eben in einem Anbaugebiets-Dreiländereck) geben der königlichen Katharina ihr Geleit. Chrissi erklärt sehr eloquent und kenntnisreich (die ehemalige Ortsweinkönigin wäre eine ideale Gebietsweinkönigin, aber sie will nicht so recht, Mensch Chrissi, überleg Dir das nochmal!) die Wirkung von Duftstoffen auf Schädlinge und praktiziert einen beherzten Rebenschnitt. Zwischenfrage aus dem Publikum: „Muss echt so viel weggeschnitten werden? – der arme Rebstock.“ Klar muss das Überflüssige weg, sonst kein optimaler Wein.

Wir erreichen die zweite Genuss-Station der Weinwanderung mit atemraubenden Ausblick auf Laudenbach. An der Weinbude beglücken uns Mitarbeiter der Markelsheimer Weingärtner eG. Auf dem Rücken der T-Shirts steht: Lust Genuss Tradition. Ich lerne neue Wein-Vokabeln, denn in Laudenbach heißen Winzer Weingärtner und die Trockenmauern, die die Weingärten der Weingärtner terrassieren, heißen Steinriegel. Die Winzergenossenschaft Laudenbach-Markelsheim vereinigt die Trauben des Ortes Laudenbach (das eben nicht zu Markelsheim gehört, sondern zu Weikersheim) und den Ort Markelsheim (wobei Markelsheim nicht zu Weikersheim gehört, aber Stadtteil von Bad Mergentheim ist). 190 Winzer liefern ihre Trauben und bewirtschaften knapp 200 Hektar Anbaufläche.

Auf dem Weg von der zweiten zur dritten Station durch die Weinberge (der Weg geht schon wieder bergan, muss das denn bei der Hitze sein?) lerne ich zwei Ehepaare aus NRW kennen. Die einen kommen aus Brilon im Sauerland, die anderen aus Krefeld am Niederrhein. Ganz schön weit weg, aber beide Paare haben sich auf den Weg nach Laudenbach gemacht, weil sie Fans der Genossenschaftsweine und der Region sind. Dem Ehepaar vom Niederrhein habe ich noch ein paar NRW-Wandertipps gegeben, ich bin eben ein mobiler Wander-Ratgeber.

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An der dritten Raststaion probiere ich den Tauberschwarz. Diese Rebsorte hat Laudenbach quasi exklusiv, nirgendwo auf der Welt wird so viel Tauberschwarz wie in Laudenbach angebaut. Die Rebsorte ist keine Kreuzung, sondern eine alte uralte Traube der Region, nicht ganz leicht zu pflegen, eine etwas zickige Rebsorte, eine arbeitsintensive Rebsorte, wenn man den Zeitpunkt der Lese verpasst hat, kann sie ganz schon schnell vertrocknen, hat man mir erzählt.

 

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Ich genieße mit meiner Wandertruppe die Aussicht, aber wir sehen, wie andere Wandergruppen nicht den offiziellen Weg gehen. Die kürzen ab, gehen direkt von Station 2 zu Station 3, ohne den letzten Anstieg, die letzte Wegschleife mitzugehen. Ich stelle mich der Wandertruppe mit Megaphon in den Weg, also ehrlich, bei so was werde ich zum totalen Weinwanderspiesser, und verkünde der mogelnden, abkürzenden Wandertruppe, sie müssten auf den Weingenuss an Station 2 verzichten. Das lässt sich natürlich – Gott sei Dank – nicht durchsetzen. Wir sind ja ehrlich gesagt auch alle zum Spaß hier und wollen uns nicht wandernd durch die Hitze quälen. Auch die übernächste Wandertruppe, die die Diretissima mitten durch die Weinreben hin zur dritten Station wählt, wird mit großem Hallo begrüßt.

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Später gehen wir bergab wieder hinein nach Laudenbach und erreichen bald das Schloss. Dort kommen alle Wandergruppen im fröhlichen Miteinander zusammen und lassen den Weinwandertag bei Schlussvesper und weiteren himmlischen Weinen ausklingen.

Das Schönste an der Weinwanderung in Laudenbach sind die Begegnungen mit vielen netten Menschen. Klar, der Wein ist toll, das Wetter genial, die Aussichten in den Weinbergen phantastisch, die Informationen über den Weinbau sehr interessant. Aber ich finde es wunderbar, mit dem Organisations-Genie Paul zu plaudern, von Wilma und Jürgen über ihre Bekanntschaft mit Kati Wilhelm zu hören und mich mit Raimund über die Zukunft des 1.FC Köln zu unterhalten – Raimund ist seit den 1960er Jahren als Tauber-Franke Fan der Geißböcke. Mein Fazit: Ich kann nur jedem Weinwanderer empfehlen, auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um im nächsten Jahr an der Laudenbacher Weinwanderung 2019 teilzunehmen.

Ich bedanke mich bei Paul Gölz für drei Fotos!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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