Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Individualität

Geschrieben am um 6:23

BAER_Andrack_Blog_300

Es gibt eine Vielzahl von Gretchenfragen beim Wandern: Wanderst Du allein oder in der Gruppe? Wanderst Du lieber im Mittelgebirge oder im Hochgebirge? Bist Du mehr der Typ für Mehrtagestrekking oder doch eher der bequeme Tagestourenwanderer? Rundweg oder Streckenwanderung? Einkehr oder Rucksackproviant? Eifel oder Hunsrück? Über oder unter zwanzig Kilometer am Tag?

Ganz klar, das Wandern ist etwas für Individualisten, man geht zu Fuß genau so, wie man es eben möchte. Aber gerade in den letzten Jahren sind noch unendlich viele, teilweise sehr spezielle Formen des Wanderns dazu gekommen. In meiner saarländischen Regionalzeitung las ich vor kurzem etwas über eine „sinnvolle“ Wanderung.

 

IMG_7263

 

Da ich ein sehr sinnvoller Wanderer bin, habe ich mich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt eingefunden. Ehe ich mich versah, wurden mir Handschuhe, ein Plastiksack und eine Müllzange ausgehändigt. Ich durfte mit anderen Freiwilligen Müll aus dem Wald entfernen, das war wirklich mal eine sinnvolle Wanderung.

Das Gegenteil ist eine Gourmetwanderung, da bekommt man höchstens eine Zange in die Hand, um sich noch einen Nachschlag zu holen oder die Schnecke aus ihrem haus zu puhlen. Auch bei einer Weinwanderung oder Bierwanderung kommt der Gaumengenuss neben dem Wandergenuss nicht zu kurz. Ob ich allerdings bei einer Jodelwanderung (das gibt es alles tatsächlich, ich habe mir nichts ausgedacht!) mitmachen würde, das wage ich stark zu bezweifeln. Mein Jodeln geht eher als Mittelding zwischen Meckern und Blöken durch, und auf das Gejodele der anderen Wanderer bin ich auch nicht scharf.

 

IMG_9485

Quelle: „Das NacktAktiv Buch“ von Anita & Wolfgang Gramer

 

Auch dem Nacktwandern stehe ich sehr kritisch gegenüber. Wenn im Sommer der Mückenschwarm kommt und die Disteln, Dornen und Brennnesseln am Wegrand zuschlagen, habe ich lieber eine Hose an.

Ziemlich sinnvoll erscheint mir dagegen eine Single-Wanderung, sofern man denn Single ist. Aber anscheinend werden solche Wanderungen veranstaltet, damit die Singles nicht mehr sehr lange Singles bleiben, und wer wandert dann bei der nächsten Singlewanderung mit? Sehr beliebt sind auch Wanderungen an bestimmten Terminen, Winterwanderungen, Neujahrswandern, Vatertagswanderungen. Nicht zu vergessen Schneewanderungen und Barfußwandern.

Aber für die richtig harten Typen ist Powerwandern das Richtige. Der Autor Philipp Sauer hat „ultimative Extremtouren für zähe Typen“ zusammengestellt. Und was ist mit den zähen Typinnen? In der Buchankündigung las ich, es mache Spaß, 30 Kilometer in acht Stunden zu wandern. Klar macht das Spaß, man nennt das auch Genusswandern, denn eine Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit von unter vier Stunden ist ja nun wirklich kein Ruhmesblatt, Herr Sauer, da hätte ich von einem zähen Typen wie Ihnen doch etwas ultimativeres erwartet.

 

61PE18fTkjL._SX350_BO1,204,203,200_

 

Der zäheste Powerwanderer der Welt ist sowieso Wladimir Putin. Ich las zuletzt, dass der russische Zar nach Oben-Ohne-Reiten und der Jagd nun auch das Wandern für sich entdeckt hat. Nach einer Acht-Kilometer-Bergtour schmerzten seinen Mitwanderern noch lange die Beine, während der Führer der aktuellen UdSSR von einer kleinen „Morgengymnastik“ sprach. Das war wahrscheinlich eine wirklich sinnvolle Wanderung für den ultimativen und härtesten Herrscher des Globus.

 

Das war ein gesponserter Beitrag!



Die Stille

Geschrieben am um 6:19

BAER_Andrack_Blog_300

Ich wandere durch den Wald. Und höre: Stille. Das macht mich glücklich, denn ich bin alltäglich mit reichlich Geräusch-Müll umgeben. Autos, Handys, Geschwätz, Klospülung. Logisch, dass man da Sehnsucht nach Stille hat, wenn man wandert. Aber gibt es eine wirkliche Stille beim Wandern? Gibt es überhaupt die perfekte Stille?

Um das herauszufinden, kann man eine kleine Übung machen: Begebt Euch an eine möglichst ruhige Stelle. Dann schließt bitte – natürlich erst nachdem ihr diesen Satz gelesen habt – Eure Augen und hört mal genau hin, was ihr in den nächsten sechzig Sekunden hört.

 

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

 

Und? Wahrscheinlich habt ihr eine ganze Menge erlauscht, denn selbst in einem schalldichten Raum hört man seine Atemzüge. Daher ist klar: komplette Stille gibt es nicht. Man sagt ja, in der Wüste sei es sehr sehr still. Ich habe das ausprobiert, es stimmt nicht. 2008 bin ich in der Wüste gewandert. Und es war total unstill: Da fuhren Autos, der Wind wehte den Müll durch die Luft, die Schritte knirschten sehr laut im Sand. Wüstenstille gibt es nicht.

Aber warum es soll dann im Wald still sein? Da hört man die Vögel, das Bächlein, die knackenden Zweige unter den Schuhen, das Röhren des Hirschs (selten), das Rauschen der Baumwipfel im Wind. Das ist doch nicht Stille, oder vielleicht doch? Naturgeräusche sind die kleinen Geschwister der Stille. Zivilisationsgeräusche sind Unstille. Man sollte daher, finde ich, bei der Bewertung von Premiumwegen und Qualitätswegen auch die Audio-Qualitäten eines Weges berücksichtigen. Es gibt Negativ-Beispiele – ich möchte keine Wegenamen nennen – da wandert man auf hervorragenden Wegen, aber nebendran im Tal braust der Autobahnlärm. Das – geht – gar – nicht!

 

DSCF9554

 

Die richtige Wander-Natur-Stille um uns herum erlaubt es uns, den Kopf mit Gedanken zu füllen, ich schrieb darüber in einem früheren Andrack-Bär-Blog. Auch die Stille beim Gemeinsam-Wandern ist es etwas Wunderschönes. Die Gespräche, die man während einer Wanderung führt, sind meistens toll. Aber die Gesprächspausen sind es erst recht. Man stelle sich mal vor, man würde mit seinem Kumpel, seiner Frau, seinen Kindern eine Viertelstunde am Wirtshaus-Tisch sitzen und sich anschweigen – da würde jeder sagen, uiuiui, da stimmt aber was nicht. Beim Wandern zu zweit, zu dritt, zu viert ist das Schweigen wunderschön, die Stille wirkt auf die Seele.

 

IMG_0125

 

Der schweizerische Wander-Philosoph Robert Walser schrieb über seinen Spaziergang: „Von Zeit zu Zeit drang von außen her einiger schwache Lärm in die liebliche Abgeschiedenheit und reizende Dunkelheit hinein, dessen ferner Schall die herrschende Geräuschlosigkeit nur noch erhöhte, die ich recht nach Herzenslust einatmete und deren Wirkung ich förmlich trank und schlürfte.“ Genialer Typ, der Robert, das hätte ich nicht besser formulieren können. Jetzt aber genug gebloggt und gelabert. Ich brauche Ruhe und geh jetzt raus, eine schöne Portion Stille tanken.

 

Dies ist ein gesponsorter Beitrag.



Die Anstrengung

Geschrieben am um 6:23

BAER_Andrack_Blog_300

 

In meinem Buch „Du musst wandern“ vertrat ich die äußerst steile These, dass Wandern eine Art Hochleistungssport sei, Schwitzen und Blasen an den Füssen inklusive. Im Klartext: Jede Tagestour unter 30 Kilometer sei doch eigentlich etwas für Weicheier. Nun ja, das ist ja auch schon fünfzehn Jahre her, im jugendlichen Leichtsinn schreibt man halt so etwas. In den letzten Jahren wurde ich dann immer mehr zum fanatischen Genusswanderer. Es gab kleine Ausreißer, beispielsweise einen Fünfzig-Kilometer-Marsch und einen Wandermarathon. Aber das war echt nicht mein Ding.

Doch je öfter ich kurze und kürzeste Wege ging, desto mehr hatte ich dann doch Sehnsucht nach einer kernigen Tour. Denn bei aller Wander-Wellness, fluffig geschlurften Spazierpremiumwegen und Waldbadetagen wurde mir klar: Manchmal macht es auch einfach Spaß, sich so richtig bei einer Wandertour zu verausgaben, seinen Körper zu spüren, beim Anstieg zu schwitzen und kaum Luft zu bekommen. Ohne Anstrengung ist ein Gipfelblick nun mal nix wert, man könnte ja auch einfach mit der Seilbahn hochfahren.

Daher bin ich in den letzten Monaten verstärkt längere Premiumwege aus der Kategorie „sportlich“ gelaufen.

 

IMG_9505

 

Ich habe ein wenig darauf geachtet, was das mit mir und meinem Körper macht. Der Start einer anspruchsvollen Wanderung ist meistens hart, vor allem, wenn es mit einem knackigen Anstieg losgeht. Ich bin leichter Asthmatiker, daher huste ich einige Mal, wenn der Körper in den Wandermodus springt. Ich finde das eigentlich schön, es ist ein wenig, als wenn ein Pferd nach dem ersten Galopp des Tages befreiend schnaubt und wiehert. Dann erst macht es sich locker. Ich habe von meinem Arzt wegen des leichten Asthmas sogar schon ein Cortison-Spray verschrieben bekommen. Aber das benutze ich nicht, man stelle sich vor, ich käme in eine Wander-Doping-Kontrolle und müsste wegen der Einnahme verbotener Substanzen eine lebenslange Wandersperre fürchten – eine Horrorvorstellung!

Gerade auf den ersten Kilometern spüre ich extrem meine Beine, besonders die Oberschenkel. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich fast jede Wanderung zu schnell angehe, dann wird die Muskultur sauer und das tut dann weh. Aber wenn einem beim Anstieg die Beine schmerzen, ist das wirklich so schlimm? Nein, das ist mein Körper, der gerade etwas leistet, nämlich mich den Berg hinauf zu wuchten, und die Anstrengung darf man ruhig spüren, finde ich. Ist es schon Masochismus, wenn man das ab und an sogar genießt? Ich habe meinen Kindern vor einer Wanderung immer gesagt, kommt mir nicht damit, dass Eure Beine weh tun – das passiert Euren Eltern genauso. Aber spätestens beim Belohnungsbier, so mein väterlicher Rat, ist das alles vergessen.

 

IMG_9523

 

Ich finde es auch toll, gerade bei winterlichen Wandertouren, wenn ich vor Anstrengung schwitze. Ich brauche keinen aufwändigen Saunagang, ein wenig Anstrengung während der Wandertour, schon klappt das mit dem Schwitzen und Keuchen. Natürlich habe ich nach einer richtig strammen Tour auch manchmal Rücken. Aber das ist doch schön! Denn, dass heißt doch nur, dass ich vorher die Rückenmuskulatur nicht ausreichend gestärkt habe. Das ist das ist doch das Großartige an der Wanderanstrengung: Wenn ich mich ordentlich verausgabe, ist es bei der nächsten Tour gar nicht mehr so schlimm, weil ich einfach fitter bin. Und das ganz ohne Wanderdoping!

 

Dies ist ein gesponsorter Beitrag.



Die Schuhe

Geschrieben am um 6:23

BAER_Andrack_Blog_300

 

Was braucht man zwingend zum Wandern? Einen Rucksack? Nö, man kann ja auch einkehren. Braucht man unbedingt eine Wanderkarte? Es gibt Prädikatswege, da kann man sich eigentlich nicht mehr verlaufen. Braucht man regendichte Kleidung mit Wassersäule “unendlich“? Na ja, man kann durchaus wandern, wenn es nicht schüttet wie aus Eimern. Das Einzige, ich hätte beinahe gesagt das Einzigste, das man bei einer Wanderung wirklich braucht, sind – Schuhe.

Es mag Einwände geben: Na ja, so zwingend seien auch Schuhe nicht, man kann doch Barfußwandern und somit eins mit der Natur werden. Dazu gleich mehr. Schauen wir uns doch mal an, wie es die Altvorderen gemacht haben. Schon Profiwanderer vor 5.000 Jahren hatten ordentliches und gutes Schuhwerk.

Ötzi trug auf seiner letzten Wanderung einen High-Tech Schuh mit dünner Bärenledersohle und einer Federung aus Heu, Feuchtigkeitsresistent und wärmend. Es gibt Schuh-Experten, die über diesen Schuh urteilen: „Besser als Gore Tex“. Kleiner Nachteil: Man musste immer Ersatz-Heu dabei haben, um die „Federung“ immer wieder zu erneuern. Heu nicht fürs Pferd, sondern für Schusters Rappen.

 

SONY DSC

 

Legendär sind auch die Sandalen der römischen Legionäre. Geschmeidig konnte man darin gehen, im Gefechtsfall sorgten die Nägel unter den Sandalen für den nötigen Halt. Allerdings waren die Römer wohl eher Schönwetterwanderer, denn ohne Strümpfe zu jeder Jahreszeit in Sandalen, das machen heute nur noch deutsche Rentner auf Mallorca. In späteren Jahrhunderten gerieten die Schuh-Kenntnisse der Römer (wie viele andere zivilisatorische Errungenschaften, siehe Kunst, Gesetze, Wegebau) in Vergessenheit.

 

SONY DSC

 

Im Mittelalter mussten Fußlappen als Schuhersatz für alle dienen, die per pedes unterwegs waren. Das, was die Adeligen dieser finsteren Jahrhunderte an den Füssen hatten (Schnabelschuhe zum Beispiel), taugte vielleicht zum Tanze am Hofe, nicht aber zum Wandern. Erst im 21. Jahrhundert können wir aus einer großen Auswahl an bequemen und gleichzeitig festen Schuhwerk auswählen. Trotzdem findet man immer wieder Sektierer, die das naturnahe Barfußgehen preisen. Das kann ja auf den vielen originellen Barfußpfaden ganz lustig sein (besonders empfehlenswert ist der Barfußpfad in Bad Sobernheim!), aber ich habe schon die Fußsohlen von Barfußwandern nach 15 Kilometern gesehen. Nicht lustig, viel Blut und Kruste, eher eine Sache für Menschen mit dem Hang zum Masochismus, das habe ich auch bei meiner Römerwanderung spüren müssen, nachdem sich eine Sandale verabschiedet hatte.

 

SONY DSC

 

Ich empfinde meine Wanderschuhe als Verstärker meiner Geh-Erlebnisse, wie der Verstärker der Hifi-Anlage (so etwas gab es in analogen Vorzeiten!) die Töne des Schallplattenspielers verstärkt. Ein Beispiel: ich gehe über einen Grasweg an einer Weide entlang. Die Schwingungen des federnden, weichen Weguntergrunds werden in meinem Körper durch eine guten Wanderschuh potenziert. Ich trete in den Wald, laufe auf einem nadelbedecktem Pfad und ich glaube fast zu schweben. Klar, der Waldboden ist weich, das ist sehr schön, aber ich würde doch, gesetzt den Fall ich ginge barfuß, mit feinen Nadelstichen gepiekst werden. Mit Schuhen schwebe und gleite ich über den Waldboden wie ein Eiskunstläufer.

Am Besten ist es, wenn ich den Wanderschuh nicht spüre, meine Zehen nicht gequetscht sind, meine Ferse nicht heraus rutscht, der Fuß Halt hat, egal wie lange ich gehe und egal wie viele Steilstücke ich zu bewältigen habe. Denn gerade bei den steilsten Wegabschnitten gerät der Fuß im Schuh ins Rutschen, und dann gibt es bei weiteren Strecken böse Blasen.

Eigentlich will ich gar nicht an meine Schuhe denken, die sind einfach da wo sind hingehören. Meine Wanderschuhe dienen mir.

 

DSCF8303

 

Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Die Gedanken

Geschrieben am um 6:23

BAER_Andrack_Blog_300

Wenn es um das Thema „Wandern“ geht, werde ich von Journalisten oft gefragt, ob man sich beim Wandern nicht den Kopf leer und frei wandern könnte. Die Antwort ist: Nein. In jedem wandernden Kopf, der prinzipiell mit Inhalt gefüllt ist, fängt beim zu Fuß gehen das große Denken erst an. Das können ganz banale Gedanken sein, aber auch weltbewegende, philosophische, anspruchsvolle Gedanken. Schon Montaigne sagte: „Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze“. Und Rousseau gestand: „Ich kann nur beim Gehen denken“ Man denke an Kant mit seinem täglichen Spaziergang in Königsberg zur gleichen Uhrzeit. Oder an die Peripatetiker der Antike, die nur im Gehen philosophiert haben. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat es auf den Punkt gebracht: „Ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen. Und ich kenne keinen Gedanken, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde.“ Diese Erfahrungen habe ich auch immer wieder gemacht: Beim Wandern – Voraussetzung: man wandert alleine – fliegen einem die guten Ideen zu. Und umgekehrt: Probleme, beruflicher oder privater Art, lösen sich beim Wandern. Und nicht nur einfach, weil man besser drauf ist, nein: plötzlich ergeben sich Lösungsansätze, auf die man im Sitzen nicht gekommen wäre. Beim Wandern kann man gordische Knoten entwirren.

 

IMG_0139

 

Aber warum lässt es sich beim Gehen so leicht denken? Es hat etwas mit der frischen Luft in Verbindung mit Bewegung zu tun. Das regt – ich bin kein Neurologe, daher formuliere ich es unfachmännisch – wahrscheinlich die Ganglien an. Frei nach Hape Kerkeling: Das Gehirn muss an die frische Luft. Allerdings gibt Wander-Guru Jürgen von der Wense zu bedenken: „Man sollte nicht nachdenken beim Wandern, nur vordenken. Das Denken nimmt uns die Leichtigkeit mit den Blicken.“ Nun ja, wenn es so einfach wäre, lieber Herr von der Wense. Die Gedanken sind ja frei, wie es in dem berühmten Volkslied heißt, diese Gedanken machen doch meistens was sie wollen. Recht hat er aber in der Tat, dass wir bei betörenden Ausblicken, ausgesetzten Pfaden, beim Wandeln am tiefen Abgrund, keine Gedanken an den Haustürschlüssel, die nächste Aktion in der Harald Schmidt Show oder das Höhlengleichnis verschenken. Dann übernehmen die Sinne, die Gefühle, meinetwegen auch der Überlebensdrang das Steuer im Kopf. Aber wenn man wieder ruhiger dahin schreitet, dann kann ist man wieder ganz bei sich und kann den Gedanken freien Lauf lassen.

 

IMG_0132

 

Keiner hat so wundervoll das Denken Müssen und Dürfen beim Gehen beschrieben wie der österreichische Schriftsteller Robert Walser: „Ohne Spazieren wäre ich tot, und mein Beruf, den ich leidenschaftlich liebe, wäre vernichtet. Ohne Spazieren würde ich ja gar keine Beobachtungen und gar keine Studien machen können. Auf einem schönen und weitschweifigen Spaziergang fallen mir tausend brauchbare nützliche Gedanken ein. Spazieren ist für mich nicht nur gesund und schön, sondern auch dienlich und nützlich. Ein Spaziergang fördert mich beruflich und macht mir zugleich auch noch persönlich Spaß und Freude.“

Ich wünsche Euch, interessante, wertvolle oder einfach auch „nur“ schöne Gedanken, lasst die Wander-Gedanken von der Leine!

 

IMG_0143

Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Die Vorfreude

Geschrieben am um 6:23

 

BAER_Andrack_Blog_300

„Vorfreude ist die schönste Freude“. Diesen Spruch meiner Eltern habe ich immer gehasst: Das habe ich immer zu hören bekommen, wenn es mir als Kind nicht schnell genug gegangen ist. Nach der Ankunft in der Ferienwohnung direkt an den Strand? Neeein, erstmal alles auspacken, denn: „Vorfreude ist die schönste Freude“, furchtbar, ich hätte die eigentliche Freude liebend gerne mit dieser blöden Vorfreude getauscht.

 

IMG_0023

 

Mittlerweile sehe ich das anders. Besonders die Vorfreude auf eine Wanderung ist großartig. Ich rede nicht von der Planung einer Tour, die kann Wochen oder Monate vorher stattfinden. Ich meine die Vorfreude, wenn ich morgens aufwache und weiß: Gleich geht es los. Ich meine die Vorfreude bei der Anreise mit Bahn oder Auto – die Landschaft ändert sich und kündigt zukünftige Wanderabenteuer an. Und ich meine vor allem Dingen die Euphorie auf den ersten Wanderkilometern.

Ein Wanderkumpel hat mir verraten, wann er das perfekte Wanderglück empfindet: beim ersten Weizenbier nach der Wanderung – und während der ersten Minuten einer Wandertour. Das ist eigentlich logisch: Mit dem ersten Weizen kehren die Kräfte zurück, aber am stärksten fühlt man sich zu Beginn einer Wanderung. Oft habe ich mich gefragt: Wie bitte, der Rundweg soll nur 12,8 Kilometer lang sein – ich bin bereit für einen Wandermarathon – mindestens! Solcherart Hochgefühle durchströmen die Wanderer zu Beginn (fast) jeder Tour.

 

IMG_0130

 

Schmetterlinge im Bauch kennt jeder, der sich frisch verliebt hat. Aber man kann sich auch auf eine Wanderung so sehr freuen, dass einem das Herz bis an den Hals schlägt. Gerade zu Beginn einer Wandertour schießen die Endorphine ein, das Wanderglück wird selten intensiver erlebt. Denn wir haben noch nicht die Mühen des Weges erlebt, die fordernden Steigungen, den durchnässenden Regenschauer, die ruhetagende Waldgaststätte. Nein, zu Beginn einer Wanderung herrscht eitel Sonnenschein, auch wenn das Wetter schlecht ist.

 

IMG_9358

 

Wir freuen uns auf all das, was wir erleben werden, die phantastischen Ausblicke, die Natureindrücke, den intensiven Gedankenaustausch mit dem Wanderkumpel. Das ist Wander-Vorfreude pur.

Voraussetzung ist, dass unser Wanderplan ein guter ist, die Bekleidung wettersicher, die Schuhe bequem und griffig. Um Vorfreude zu erleben sollte man allerdings Wanderer sein, nicht Pilger. Das ist leider so – Wanderer erleben Vorfreude, (viele) Pilger leiden an ihrem Weg. Wie schrieb Hape Kerkeling in seinem Pilgerbuch: „Mir macht das Laufen einfach keinen Spaß. Ich finde den Weg toll, aber das Gehen als solches macht mir nicht die geringste Freude.“ Der Arme: keine Freude am Gehen, das ist wirklich schade.

Ich zelebriere aktuell meine Vorfreude, diesen Blog zu schreiben. Denn es ist der erste Bär-Blog 2019. In diesem Jahr werde ich regelmäßig über viele grundlegende, fundamentale, aber auch auf den ersten Blick banale Wander-Weisheiten bloggen. Auf baer-schuhe.de und andrackblog.de und – ganz neu – bald auch bei facebook. Und diese Blog-Vorfreude ist so schön, dass ich gerne unterschreibe, was ein Leben lang meine Maxime war: Vorfreude ist die schönste Freude!

Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Verlasst die Wälder!

Geschrieben am um 7:00

Kann man überhaupt noch in den Wald gehen? Als Wanderer gehört zur Glücksgrundausstattung, sich im Wald und der Natur wohl zu fühlen, Kraft und Glück aus dem Aufenthalt und der Bewegung im Wald zu schöpfen. Aber was ist, wenn man im Wald auf Leute trifft, die man dort gar nicht sehen, geschweige denn treffen will? Nein, ich rede nicht von großen Wandervereinen, sondern zum Beispiel von Charlotte Roche.

 

IMG_9292

 

Die Ex-VIVA-Zwo-Moderatorin empfiehlt seit diesem Jahr: „Verlasst die Städte!“, also ab in die feuchten Waldgebiete. Ich hatte den Aufruf gar nicht mitbekommen, las davon in der vorletzten FAS. Ein Grund, warum Städte laut Charlotte nicht so richtig supi sind: „Wie oft kommen wir aus der Wohnung raus und es wurde auf unsere Motorhaube gekotzt?“ Tja, wie oft eigentlich? Seit 53 Jahren lebe ich in Groß- und Kleinstädten, und noch nie wurde mir auf die Motorhaube gekotzt. Gut, das kann natürlich auch daran liegen, dass ich bis vor sieben Jahren kein Auto hatte. Aber dennoch könnten vollgekotzte Motorhauben auch etwas mit dem Auto zu tun haben, das an der Motorhaube dran hängt und dass dieses Auto möglciherweise in einer Kneipengänger-In-Viertel-Straße etwas deplatziert ist. Aber auch wegen der Motorhauben-Geschichte ist Good Charlotte aufs Land gezogen, dort lebt sie im Hier und Jetzt und Glücklichsein. Weil, so Charlotte: „Im Wald triffst du keine anderen Menschen, die dir voll auf den Sack gehen.“

 

DSCN1959

 

Prinzipiell stimme ich dieser Aussage zu. Allerdings – könnte ja sein, dass man Charlotte Roche demnächst über den Weg wandert.

Charlotte ist ja wirklich eine sehr nette Frau, aber auch richtig schlimme Menschen lieben den Wald. Reaktionäre, identitäre, rechtsradikale Menschen. Die Schriftstellerin Madame Nielsen hat – wie es die FAS vom 11.11. berichtet hat – für ein Buchprojekt „Mit Rechten Geredet“, mit AFD-Leuten und Identitären. Und was muss man dort für ein Geschurbel lesen? Marc Jongen „philosophiert“, Zitat: „Das Deutsche ist konservativ, freiheitlich und patriotisch. Nachdenken, Ernsthaftgkeit, Tiefsinn … und ja: der Wald, der Deutsche liebt ja den Wald, ob alleine oder mit Familie im Wald zu wandern, in gehobener Stimmung“. Zum Thema „das Deutsche“ fällt also dem „Chef-Denker“ der AFD nichts anderes ein als Wald und Wandern? Da muss ich echt kotzen.

 

IMG_9121

 

Egal ob die nicht-rechstradikale Charlotte oder die rechtsradikalen Wald-Spinner, sie haben eines nicht kapiert. Um im Wald glücklich zu sein, muss man weder im Wald wohnen, noch ihn glorifizieren, noch aufs Land ziehen. Macht es wie Wanderer aller Zeiten, von Goethe über die Naturfreunde bis zu den Outdoor-Junkies heutzutage: Wandert, genießt den Wald, und fahrt dann wieder zurück in die Städte und freut Euch des Lebens. Für alle diejenigen, die den Wald glorifizieren und mystisch überladen gilt: Verlasst die Wälder!



Mein Name ist Gurkasch – Thomas Gurkasch

Geschrieben am um 12:03

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge der Krimi-Serie heißt „Der Bierflüster“. Und ich darf einen rheinischen Bierexperten spielen, der in einen Mordfall verwickelt ist. Was hat denn den Rheinländer nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen? Das darf ich natürlich nicht verraten.

Beim ersten Besuch der beiden Kommissare ist Gurkasch (so mein Rollenname) noch gut gelaunt, auch wenn die beiden sich über meinen Namen lustig machen…

 

321-24-01, v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann

v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber egal. Immer rein in die gute Stube, die vom Innenrequsiteur sehr dezent ausgestattet wurde. Man merkt kaum, dass dort ein Bierexperte wohnen soll…

 

IMG_7450

 

In meinen eigenen vier Wänden nehmen mich dann Kriminalhauptkomissarin Karoline Joost und Kriminaloberkomissar Lars Pöhlmann nach allen Regeln der Kunst in die Mangel…

 

321-25-01, v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann

v.l.n.r.: Dominic Boeer, Manuel Andrack, Nike Fuhrmann – copyright ZDF/Meyerbroeker

Aber vielleicht ist ja die Rettung für Thomas Gurkasch, dass er ein geniales Bier-Prüf-Verfahren entwickelt hat, welches … (STOPP! SPOILER-SCHUTZ!)

 

321-41-02, v.l.n.r.: Manuel Andrack

v.l.n.r.: Manuel Andrack – copyright ZDF/Meyerbroeker

Mittwoch, 21. November, 18:00 Uhr. ZDF: „Soko Wismar“. Die aktuelle Folge: „Der Bierflüster“



Deutschland ist zwar ganz knapp nicht Weltmeister geworden, aber Deutschland ist Genossenschaftsland!

Geschrieben am um 8:36

Schön war sie, meine Raiffeisen-Tour 2018. Von März bis Juni habe ich ungefähr 50 Genossenschaften in Deutschland entdeckt und bin so zum Geno-Fan geworden. Meine Reise ging durch ganz Deutschland. Auf einer Schwarzwaldalm habe ich morgens um 5.30 Uhr für die Genossenschaft Schwarzwaldmilch die Kühe in den Stall getrieben und Milch gemolken.

 

St-Märgen - Raiffeisen-Tour 2018

Meine Entdeckungen sind auf der Seite www.raiffeisen-tour.de bestens dokumentiert. Dabei bin ich natürlich nicht nur durch Deutschland gewandert, sondern habe auch die erste Tandem-Tour meines Lebens gewagt. Das war gefährlicher, als ich gedacht habe.

 

AGRAVIS Münsterland - Raiffeisen-Tour 2018

In Berlin habe ich eine ganz besondere Genossenschaft besucht: Die Weiberwirtschaft. Ich kann schon mal verraten – es handelt sich NICHT um eine Berliner Hipster-Kneipe

 

2018-06-21_Raiffeisen-Tour_28

 

Aber sehr oft bin ich natürlich auch gewandert, zum Beispiel auf dem Westerwaldsteig, der zu Ehren des 200. Geburtstags von Friedrich WILHELM Raiffeisen in Wilhelmsteig umbenannt wurde.

 

Wanderung nach Hamm (Sieg)

Auf dem Wilhelmsteig bin ich auch nach Flammersfeld gewandert, wo ich am Raiffeisenhaus den Bundespräsidenten traf.

 

Andrack_Steinmeier_2_JPG

 

Reiner Zufall war das natürlich nicht, ist doch Frank-Walter Steinmeier der Schirmherr des Raiffeisen-Jahres.



Meine Raiffeisen-Tour 2018

Geschrieben am um 9:22

Viele Menschen sind verblüfft, dass Deutschland Genossenschaftsland ist. Es gibt 22 Millionen Genossenschaftler in Deutschland. Die meisten haben Anteile an den Volks-und Raiffeisenbanken. Aber es gibt auch landwirtschaftliche Genossenschaften, Energiegenossenschaften, Kinogenossenschaften, Winzergenossenschaften, Zeitungsgenossenschaften, Ärztegenossenschaften, Friedhofsgenossenschaften, Apothekergenossenschaften und Brauereigenossenschaften.

 

Brauereigenossenschaft Oberhaching eG

 

In Oberhaching habe ich im Rahmen der Raiffeisen-Tour 2018 eine ganz junge Brauereigenossenschaft besucht. Tolle, ehrenamtliche Bürger, die ihr Hopfen-Glück in die eigene Hand genommen haben. Begeistert habe ich auch einen Anteil erworben und mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen darauf angestossen.

 

Rewe Wissen

 

Viele große Unternehmen gehören zur Genossenschaftsfamilie: Schwäbisch Hall, R + V Versicherungen, EDEKA, REWE. Anlass, einmal ein Praktikum an der REWE-Kasse zu machen und denSpruch zu üben: „Sammeln Sie Punkte?“ Alle meine Abenteuer im Raiffeisen-Land könnt ihr Euch bei www.raiffeisen-tour.de anschauen. Egal ob ich Löcher in den Käse gestanzt habe oder in der Nähe von Karlsruhe Hühner beaufsichtigt habe.

 

Hühner und Pferdehof Burkhard, Bretten

In Lübeck habe ich eine Ladestation einer Car-Sharing-Genossenschaft gefunden, um wieder neue Energie zu tanken.

 

StattAuto eG, Lübeck - Raiffeisen-Tour 2018

Und beim Charlie in Trier, auch 200-jährig geworden, habe ich mit Raiffeisen vorbei geschaut. Während der gute Marx als Ökonom krass versagt hat, hat Raiffeisen entschieden mehr Follower und die Genossenschaftsidee ist immer noch im Gegensatz zum Kommunismus taufrisch und aktuell.

 

Raiffeisen trifft Marx in Trier - Raiffeisen-Tour 2018

Raiffeisen hat eben nicht das Kapital geschrieben, sondern es in die Pflicht genommen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren


© Copyright 2008 - 2019 Manuel Andrack.