Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinsichten und Weinsprüche, Akkusativ und Ablativ

Geschrieben am um 6:23

Es gibt ja im Reiche der Önologie, der Weinwissenschaft, einen Haufen Wettbewerbe, Auszeichnungen, Kammermünzen, was weiß ich. 2020 hat das Deutsche Weininstitut die schönsten Weinsichten in allen 13 Anbaugebieten wählen lassen.  Weinsicht, das bedeutet nicht der Blick ins Glas. Etwas korrekter – aber auch komplizierter – wäre der Wettbewerb mit Schönster-Weinberge-Ausblick umschrieben. Egal. Auf jeden Fall habe ich in der Pfalz die schönste Weinsicht am kleinen Kalmit im Weinort Ilbesheim genossen.

 

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Am Ortseingang von Ilbesheim steht:

Verlieb dich in Ilbesheim

 

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Ich war irritiert. Ist in diesem Fall Ilbesheim Ablativ-Objekt (wo verliebe ich mich?) oder Akkusativ-Objekt (in wen oder was verliebe ich mich?)

 

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Bevor ich darauf keine Antwort habe, kann ich auch die Frage auf dem Schild am Ortsausgang nicht beantworten.

Bleiben wir beim Thema Wein-Semantik. Ich liebe ja Weinsprüche. So wie diesen…

Wo ich geh und steh,

tun mir die Knochen weh!

Aber wenn ich sitz und sauf,

hörn die Schmerzen auf!

 

Oder auch, nicht so ganz gender-korrekt, diesen …

 

Alter Wein und junge Weiber, das sind die besten Zeitvertreiber.

 

Aber ich finde, dass man aus Suchtpräventionsgründen diesen Spruch, den ich in Cochem an der Mosel sichtete, nicht mehr gutheißen kann:

 

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Wundersame Bergwelten

Geschrieben am um 6:23

Auch an der Mosel gibt es steile Berge, jawohl! Wer schon einmal über naturbehauene Schiefertreppen, schmale Pfade und Serpentinen in Cochem hinauf zum Pinner Kreuz Gestiegen ist, kennt die alpinen Herausforderungen des Mittelgebirges. Kein Widerspruch!

 

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Wie heißt es im Holländischen so schön: „Iem gouden bergen beloven“, zu deutsch: jemandem goldene Berge versprechen. Irgendwer hat diesen Holländern also vom Pinner Kreuz erzählt, in Corona-Zeiten wandern sie dort verstärkt umher, aber unglaublicherweise sehen die alle total frisch aus, sehr unverschwitzt. Das mag an einer technischen Errungenschaft liegen, die in den Niederlanden Stoeltjeslift heißt.

 

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Ein wenig die Mosel hinunter, Richtung Cochem, sah ich am Berghang merkwürdige Bauten, die aussahen, als hätten Außerirdische, wie sie Erich von Däniken beschrieb, dort als Landestation für ihre Ufos installiert. (Auch die Pyramiden von Gizeh wurden ja laut Däniken als eine Art Landebahn von Außerirdischen gebaut.)

 

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Ich hatte allerdings keine unheimliche Begegnung der dritten Art, musste allerdings zur Kenntnis nehmen, dass es eine mir vorher unbekannte Sportart gibt: Berggolf.

 

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Noch unbekannter ist eine Sportart, deren Namen mir noch nicht einmal geläufig ist. Unterhalb des Belchengipfels sah ich beim Überqueren einer Straße zwei behelmte Menschen. Der eine stellte sich auf ein Skateboard, der andere nahm Schwung und legte sich mit dem Rücken flach auf eine Art Rodelschlitten auf Rädern. Dann heizten die beiden Wahnsinnigen in mörderischem Tempo die abschüssige Straße hinunter.

 

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Am wundersamsten finde ich in deutschen Mittelgebirgen, wenn Wanderer an steinreichen Stellen ganze Armeen von Steinmännchen errichten (ist das gendermäßig korrekt, müsste es nicht auch Stein*menschlein geben?)

 

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Merkwürdigerweise erzeugen diese Steinmännchen bei mir sehr große Aggressionen. Ich würde am liebsten wie ein Berserker die Dinger kaputttreten. Woher kommen diese negativen Gefühle? Das erinnert doch stark an ein Kleinkind, dass die mühevoll errichteten Bauklotztürme der anderen Bälger zerstören will. Vielleicht mag ich diese Steinmännchen nicht, weil die wirklich einzige sinnvolle Begründung, so ein Ding zu bauen, die Funktion eines Wegweisers im Hochgebirge ist. Wenn allerdings nicht ein Steinmännchen, sondern Dutzende am Hang herumstehen, obwohl ich auf einem unverlaufbaren und bestens markierten Premiumweg gehe, dann ist das so dermaßen sinnlose Natur-L’Art pour L’Art, dass ich wütend werde, man möge mir das verzeihen. Ich denke, ich mache eine Steinmännchen-Therapie. Andererseits las ich kürzlich in der FAZ, ich zitiere: „Selbst in der Natur gibt es kein Entrinnen: Kann man noch irgendwo wandern, ohne dass jemand vor einem einen dieser Steintürme am Wegesrand hinterlassen hat? Was Liebesschlösser an Brücken sind, ist diese epedemisch gewordene Land Art für Anfänger außerhalb der Stadt. Naturschützer finden mit ihrer Aufforderung still zu halten, kaum Gehör. Obwohl unter den Steinen Insekten, Reptilien oder Spinnentiere Zuflucht nehmen und jeder Stapel ein kleines Ökosytsem zerstört.“ Ha, na also. dann doch lieber Steinmännchen zerstören und Ökosysteme ermöglichen, oder?



Begegnungsverkehr, Selbstkontrolle, Hoffnung für 2023

Geschrieben am um 6:23

Erster ganz heißer Favorit für das Unwort des Jahres: „Begegnungsverkehr“.

 

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Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man sich beim Verkehr, egal wie man Verkehr definiert, begegnet. In der U-Bahn begegnet man sich, entgegenkommende Autos begegnen sich, auch auf Fahrradwegen soll es schon zu Begegnungen gekommen sein. Genauso natürlich ist eine Begegnung auf Wanderwegen. Üblicherweise grüßt man fröhlich, zu Umarmungen und sexuellen Ausschweifungen bei diesen Begegnungen kommt es meines Wissens relativ selten. Weswegen man auch die Kirche im Dorf und die Begegnung zulassen sollte.

 

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Zumindest wenn man alles unter Kontrolle hat. Ich meine nicht das Weltgeschehen, das kann man nicht unter Kontrolle haben. Aber sich selbst sollte man schon kontrollieren können, oder?

Ich kontrolliere mich mal selbst: LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203 LW7K203. Kontrolle beendet, alles schön aufgeräumt im Oberstübchen!

 

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War nicht eigentlich die prinzipiell sehr lobenswerte Idee jedes Premiumwegs, für komplette Orientierung zu sorgen? Früher übrigens auch mit erlaubtem Begegnungsverkehrs. Aber wenn wie hier in der Nähe von Schloss Sayn Premium-Weitwanderweg, Premium-Traumpfad und Premium-Traumpfädchen ihr Recht fordern, wird es doch ein ganz klein wenig unübersichtlich.

 

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Da lobe ich mir doch klare Ansagen. Die Abkürzung des Cochemer Rittersprungs und das Finale des Endertwegs (immerhin Sieger Deutschlands schönster Wanderweg 2019) ist bis 2023 nicht begehbar. Da droht Gott sei Dank auch kein Begegnungsverkehr.

Eine ganz besondere Art von Begegnungsverkehr hatte ich auf der Traumschleife Heimat. Dort traf ich im Gebüsch einen Strohhutmenschen mit einem rot-weißen Trikot

 

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Das Trikot war auf links gedreht, aber man konnte den Namen des Vereins entziffern: TB Andernach. Nun gut, da hat sich also ein Fan oder Aktiver des TB Andernachs seines Trikots entledigt. Um was zu machen? Begegnungsgverkehr? Falsch. Die TB Andernach ist weltberühmt dafür, hervorragende Karate-Kämpfer in ihren Reihen zu haben. Im Wald oberhalb von Gehlweiler hat ein Kampf stattgefunden, der Karate-Mensch aus Andernach hat verloren und danach sein Trikot als Zeichen seiner Niederlage hinterlassen. So muss es gewesen sein!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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