Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinwandern großstadtnah

Geschrieben am um 6:23

Weinwandern großstadtnah, das wäre doch eine feine Sache. Wandern in den Weinbergen in Pinneberg bei Hamburg oder in Hürth bei Köln, edle Tropfen testen in den Weingütern von Oranienburg bei Berlin und Erding bei München, zwischen den Reben flanieren in Ratingen bei Düsseldorf. In Fellbach bei Stuttgart ist das großstadtnahe Weinwandern Realität, sofern wir uns darauf einigen können, dass Stuttgart eine Großstadt ist

 

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Einfach mit der U1 aus der Stuttgarter Innenstadt die Anhöhen am Neckar hinauffahren, an der Endstation Fellbach Lutherkirche aussteigen und zehn Minuten zur Vinothek der Winzergenossenschaft gehen – und schon hat man eine paradiesische Auswahl für die Wegzehrung.

 

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Da es sich bei den Fellbachern um Winzergenossen handelt, müssen die beteiligten Betriebe natürlich wissen, wann sie welche Trauben anliefern sollen. Das steht praktischerweise an einer Tafel angeschrieben, so dass auch der Endkunde bei der Anlieferung zuschauen kann.

 

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Wie großstadtnah der Fellbacher Weinwanderweg ist, sieht man schon daran, dass man das Stadion der schwäbischen Fahrstuhltruppe richtig gut sehen kann. Nun gut, so etwas wie Fußballstimmung wird coronabedingt für lange Zeit nicht bis in die Weinberge hineinwehen.

 

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Ein Pluspunkt: In den Fellbachern Weingärten kann man sich auch an heißen Tagen unter den schicken Wetterpilzen einen Schatten-Platz suchen. Zwar haben die Dinge keinen klassischen Holzaufbau, entsprechen aber ansonsten den Vorgaben des Kölner Wetterpilzgurus Klaus Herda.

 

 

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Im letzten Jahr habe ich Klaus Herda bei einer Ausstellung in Köln getroffen, die den Kosmos „Wetterpilz“ als architektonisches Outdoor-Wunder Nummer Eins beleuchtete. Die Suche und – wie in Fellbach – der zufällige Fund von Wetterpilzen mit einhergehender Erwähnung auf wetterpilze.de ist immer wieder ein erhabenes Erlebnis, wie die Erstbesteigung eines unbekannten Gipfels.

 

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Nun aber auf nach Fellbach, auch auf der Durchreise (so war das bei mir), kann man in der Nähe von Stuttgart schöne Weinabenteuer erleben. Und die fast zwei Millionen Liter Wein, die können die Einwohner von Fellbach beim besten Willen nicht alleine trinken.



Der Wanderknigge

Geschrieben am um 6:23

Seit dem Lockdown haben viele Menschen das Wandern für sich entdeckt. Das ist sehr schön, allerdings stellen sich diese Wander-Novizen viele Fragen: Wie, Wo und mit wem. Daher bin ich mit Filmemacher Philippe und Wander-Altmeister Michael losgezogen, um einen Wanderknigge zu drehen, der die wichtigsten Fragen beantwortet: Wie schnell soll ich gehen, welche Touren soll ich aussuchen, wieviel Zeit soll ich einplanen, was soll ich in den Rucksack einpacken, wie informiere ich mich über die Ruhetage der Wanderhütte.

 

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Entscheidend für eine gelungene Wanderung: Immer genug Wasser mitnehmen und am besten immer dort wandern, wo es viel Wasser gibt. Daher hat Philippe auch am liebsten Wasser gefilmt. Während Wanderfilmemacher fast ausschließlich Wasser filmen …

 

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… müssen Wanderfilmproduzenten pausenlos telefonieren, irgendetwas organisieren, das ist nun einmal Produzentenalltag. Nachteil: Wenn düsenjägerlaut telefoniert wird, muss man immer wieder den Dreh unterbrechen, was bei Filmemacher und Protagonist totale Begeisterung auslöste.

 

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Ein wichtiges Thema im Wanderknigge war der Umgang mit Müll. Denn auch erfahrene Wanderer wissen oft nicht, dass es einen Grund hat, warum sich an Premiumwege-Rastplätzen keine Mülleimer befinden – die Wanderer sollen eben ihre Abfälle wieder mitnehmen. An Outdoor-Mülleimer bedienen sich gerne auch die Tiere des Waldes, und das Ergebnis ist immer eine große Sauerei.

 

 

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Dummerweise fand sich genau am Drehort für ein vorbildliches Wanderpicknick ein auffälliger Mülleimer, der die Basis-Message aber sowas von konterkarierte. Da bekanntlich in den Medien grundsätzlich nur geschummelt und getürkt wird, hat der Wanderknigge-Produzent den Mülleimer einfach verschwinden lassen, beziehungsweise mit drei Rucksäcken versteckt. So arbeitet die Lügenpresse!

 

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Allerdings war sich unser Produzent nicht zu schade, einen ganzen Müllbeutel, den wir an einer anderen Sitzgruppe im Bach fanden, durch den Wald zu schleppen, vom Saarland bis nach Bonn zu fahren und ebenda fachgerecht zu entsorgen.

 

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Und so ist ein wunderschöner Wanderknigge entstanden, bald auf allen Kanälen (unter anderem Wandermagazin.de) nachzuschauen. Einige Filme, die alle Wander-Einsteiger an die Hand nehmen, so wie der Mann seine Frau auf dem Wanderwegweiser.



Geschafft! Mein letzter Premiumweg im Saarland

Geschrieben am um 6:23

Unglaublich, aber wahr – nach zwölf Jahren, in denen ich in meiner saarländischen Neu-Heimat lebe, habe ich endlich alle saarländischen Premiumwege erwandert. Immerhin ist das kleinste Flächenbundesland die Nummer Eins in Deutschland, was die Premiumweg-Dichte angeht: Sechsundsiebzig Premiumwege (inklusive Spazierwanderwege) drängeln sich auf einer Fläche, die normalerweise als Vergleichsmaß für Steppenbrände und Ölteppiche weltweit herangezogen wird. Die Beispiele für „XY ist so groß wie das gesamte Saarland“ sind legendär.

 

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Mein letzter saarländischer Premiumweg war der Tiefenbachpfad oberhalb von St.Wendel. ich war immer schon Teilstücke gewandert, aber noch nie die Gesamtstrecke. Wer noch nie in St.Wendel war oder noch nie vom Heiligen Wendelinus (der im Wendelinus-Dom liegt, auf dem nächsten Foto am linken Bildrand) gehört hat, kann auf dem Weg einen sehr guten Eindruck über die gesamte Stadt verschaffen.

 

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Welcher der zahlreichen Kerbtäler auf meiner Wanderstrecke nun der Tiefenbach war, habe ich nicht kapiert. Auf jeden Fall geht es über teilweise äußerst gewagt Treppenkonstruktionen, bergab und bergan. Die letzten Anstiege der Tour haben bei Temperaturen weit über dreißig Grad richtig wehgetan, zumal ich wegen meines Corona-Bauchs nicht gewillt war, Anstiege mit gedrosseltem Tempo anzugehen.

 

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Aber was ist der schönste Premiumweg ohne gescheite Schlusseinkehr? Nichts wäre das wert, genau. Daher wird man auch auf dem Tiefenbachpfad ständig gefragt: Hunger? Antwort: Ja, schon, aber vor allem Durst.

 

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Daher am Ende natürlich Einkehr im Wendelinushof (hier ist alles wendelig), einem integrativen Lebenshilfe-Projekt. Fast alles, was auf den Tisch kommt, Fleisch und Gemüse, ist im Hof produziert worden.

 

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Auch die zukünftige Gulaschsuppe war schon angetreten, um im Schatten das Futter zu genießen. Das war’s also, mein letzter saarländische Premiumweg, ein wenig Wehmut ist schon dabei, denn was sind die neuen Ziele? Vielleicht sind demnächst alle Premiumwege von Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin dran. Damit müsste ich ziemlich schnell durch sein.



Die höchste Felswand

Geschrieben am um 6:23

Ich muss es immer wieder betonen. Das Schönste beim Wandern sind die überraschenden (Natur-)-Erlebnisse und die Vielfalt. Eine Wandertour sollte abwechslungsreich sein, in Patagonien können die anderen wandern. Sehr schön finde ich, dass auch keine Weinwanderung der anderen ähnelt. Man könnte ja denken, dass sich da viel wiederholt. Durch Weinberge gehen, einen guten Tropfen trinken, Heimfahrt.

 

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Aber dann ist da plötzlich an der Nahe dieser gigantische Steinbrocken. Der Rotenfels! 1.200 Meter lang, über 200 Meter hoch. Die höchste Felswand zwischen Alpen und Skandinavien, zwischen Matterhorn und den norwegischen Fjorden. Und… ja, unglaublich aber wahr, ich fahre gerade unten am Rotenfels im Zug vorbei, während ich über diese Weinwanderung schreibe. Tausendmal dran vorbeigefahren, mit der Vlexx von Saarbrücken über St.Wendel und Idar-Oberstein. Und kurz vor Bad Münster am Stein (mit dem Stein ist übrigens ein anderer Stein gemeint, der Grafenstein) erhebt sich dann der Koloss.

 

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Ich bin mit Marian auf der Vitaltour Rotenfels gewandert. Knackige 16,6 Kilometer, da braucht man schon einige Vitalität. (Kritisch angemerkt: Vitaltour finde ich als Wanderwegname etwas unglücklich, das hört sich an wie, Kurschatten oder einer Kur zum Abnehmen.

 

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Ein Teil des Premiumwegs verläuft durch Bad Kreuznach. Ich musste meine Vorurteile revidieren, denn ich hielt die Geburtsstadt von Julia Klöckner immer für das hässliche Entlein von der Nahe. Fehler, denn es gibt sogar eine ziemlich alte Stadtmauer …

 

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… und sogar sehr schöne Abschnitte der Nahe. Vielleicht doch den nächsten Urlaub in Bad Kreuznach buchen. Wie sich das für eine Weinwanderung gehört, habe ich mich – in Ermangelung von Gastronomie am Wegesrand (Coronabedingt geschlossen) vorab mit Wein versorgt.

 

 

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Im Weinort Traisen am Rotenfels hatte ich beim Weingut Beisiegel vier Flaschen gekauft. Einen Frühburgunder trocken (phantastisch!), einen Spätburgunder trocken und halbtrocken und einen Grauburgunder. Und so haben wir (ich hatte auch Käse und ein frisches Baguette dabei) als Edelpenner im Schlosspark von Bad Kreuznach eine großartige Weinprobe gemacht.

 

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In den Wäldern zwischen Bad Kreuznach und Rotenfels fanden wir in einer Schutzhütte eine Werbung für Wandern im Kaukasus. Nicht weit von der Nahe entfernt und die georgischen Weine sind auch recht ordentlich. Zum Abschluss gab es dann wieder spektakuläre Ausblicke auf die mächtigen Steinbrocken des Rotenfels. Eine absolute Must-Have-Wanderung.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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