Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der Hohe Mark Steig I

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Ich stehe auf einem alten Brückenkopf am Rheinufer in Wesel. An der Promenade des Flusses startet eines der spannendsten Wander-Projekte der letzten Jahre: Der Hohe Mark Steig, 158 Kilometer Wanderspaß durch den Naturpark Hohe Mark.

 

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Ich schaue vom Brückenkopf Richtung Westen, mein Blick geht fast bis nach Holland und zur Nordsee. Im Süden kann man gerade noch die Lippemündung erkennen. Die Lippe wird auf dem Hohe Mark Steig eine gewisse Rolle spielen. Die Lippe ist, sagen die einen, der längste Fluss von NRW, andere Quellen sehen den Rhein vorne. Fakt ist: die Lippe ist dem Rhein komplett ebenbürtig. In Nordrhein-Lippe-Westfalen.

 

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Apropos Lippe. Die ist ja auch gut für Küsse zu gebrauchen. Und ist dieses Liebes-Vorhängeschloss auf dem historischen Brückenkopf von Wesel nicht allerliebst. Da haben sich zwei aber so richtig gern: Bambi und Klopfer! Bambi und Klopfer? Das sind doch ein Reh und ein Hase. Und die haben sich ganz doll lieb, knick knack und so? Wenn man eine Weile drüber nachdenkt eigentlich eine ganz schön perverse Angelegenheit

 

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Ein weiteres Highlight am Hohe Mark Steig ist die Rhader Kanzel südlich von Raesfeld. Wer vor dieser Kanzel einer Predigt lauschen will, ist am falschen Platz. Vielmehr ist das geräumige offene Holzhaus zur Wildbeobachtung eingerichtet worden. In einer ehemaligen Sandgrube sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht, manchmal aber auch Guten Morgen. Kein Scherz, als ich auf der Rhader Kanzel meine Blicke schweifen ließ, sah ich einen Fuchs und zwei Hasen. Die beiden Langohren jagten im Zickzack kreuz und quer, dass man denken konnte, sie würden einen Igel suchen, um mit diesem ein Rennen zu veranstalten. Wenn man von der Kanzel auf die ehemalige Sandgrube blickt, versteht man übrigens sofort das Wappen von Rhade: Ein Baumstumpf (für die gerodeten Waldflächen) auf blau (steht für den Himmel) und gelb (steht für den Sand). Aber das größte Spektakel kann man auf der Rhader Kanzel in der Brunftzeit erleben: Dann röhren die Hirsche so laut, dass es fast an Lärmbelästigung grenzt.

 

 

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In Flaesheim wandern wir Richtung Dachsberg, vorbei am neu gestalteten Waldspielplatz. Wir steigen Höhenmeter um Höhenmeter bergan, bis wir den Feuerwehrwachturm auf dem Rennberg erreicht haben. Ein mächtiges Bauwerk, 35 Meter hoch. Oben angekommen, bekomme ich ein kurzen Anfall von Höhenangst. Diesen Turm nutzen Wanderer, um eine phantastische Aussicht zu genießen. Bei guter Sicht kann man sogar die Spiele in der Schalke-Arena verfolgen. Der Turm dient aber auch dazu, Waldbrände frühzeitig zu erkennen und unter Kontrolle zu halten. Sollte es in der Haardt brennen, alarmiert der Wachdienst auf dem Ausguck die Feuerwehr und lotst sie zum Feuer. Nächste Woche mehr zum Hohe Mark Steig


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9 Kommentare zu “Der Hohe Mark Steig I

  1. Fotos von Anfang, Mitte und Ende des Hohe-Mark-Steigs – das war also eindeutig eine Spazierwanderung mit Thorsten Hoyer!

  2. Die Haardt… nach dem Erlebnis bin ich nie wieder mit schlechtem Schuhwerk los…:
    „(…) Nach etwa zwei Stunden fangen die Füße an zu schmerzen. Gutes Schuhwerk ist wichtig. Wäre. Die Sonne scheint, aber irgendwann wird es schattig. Als ich mich umdrehe schaue ich auf eine gewaltige schwarze Wolkenwand. Ich eile sofort weiter, Richtung Horneburg. Es ist gespenstisch ruhig. Als hätten sich alle Lebewesen in ihre Höhlen verkrochen. Angespannte Stille. Und kaum, dass ich den Unterstand einer Bushaltestelle erreicht habe, bricht eine Gewitterhölle los. Donner und Doria, welch ein Platzregen in der blitz-durchzuckten Finsternis!
    Nachdem das Schlimmste vorüber ist, gehe ich im Nieselregen weiter Richtung Norden. An Oer-Erkenschwick und Datteln vorbei nähere ich mich dem ausgedehnten Waldgebiet der Haardt. Die Füße schmerzen inzwischen sehr, und das nächste Gewitter kündigt sich an. Es zieht schnell vorüber, hinterlässt aber Dauerregen.
    Der Wald ist durchzogen von einem Netz vieler Wege: Hauptwege, Nebenwege, Radwege, Wanderwege, Forstwege. Überwiegend nutze ich schmale Nebenwege und genieße das Unterwegs-Sein. Auf dem weichen Waldboden spüre ich die wehen Füße kaum, und was den Regen betrifft: Ich war auf Borkum, Wasser von oben stört mich nicht mehr.
    Ich gelange zu einem Radweg und wende mich in Richtung Feuerwachturm am Rennberg. Auf dem Schotterweg heulen die Füße bei jedem Schritt laut auf.
    Vom Turm aus hat man einen eindrucksvollen Fernblick in die umgebende Landschaft.
    Danach geht es nur noch darum, durchzuhalten und mich irgendwie zum Bahnhof in Haltern zu schleppen. Dass es längst nicht mehr regnet und es ein sehr schöner Moment ist, als der Weg aus dem Wald heraus an einem sonnen-beschienenen Feld vorbei führt, nehme ich kaum zur Kenntnis. Schritt. Schritt. Noch ein Schritt. Nächster Schritt. Oh tut das weh. Schritt. Jeder bringt mich näher zum Ziel. Noch über den Wesel-Datteln-Kanal, noch ein Stück die Straße hoch – endlich.
    Zuhause ergibt die Fuß-Besichtigung: Zwei Blasen links und drei Blasen rechts. Große. So viele wie noch nie“.

  3. Ich bin verwirrt. Bei “ Wesel“ hatte ich als Rheinland-Pfälzerin automatisch an “ Oberwesel“ gedacht,doch das wurde dann schnell aufgeklärt. Zum Schluss blickt Herr Andrack aber in die Haardt, und Markazero beschreibt dazu sein schmerzliches Erlebnis in diesem Pfälzer Waldgebiet. Bin ich die einzige, der hier ein Stück Allgemeinbildung fehlt? Oder wollte Herr Andrack die Aufmerksamkeit seiner Leser testen?
    Gruß aus Mainz

    • Meine Allgemeinbildung wurde durch Deinen Post erweitert – es gibt ein Haardt an der Weinstraße, eine halbe Stunde entfernt von Leinsweiler, wo ich mal Urlaub gemacht habe. Dankeschön, again what learned😉

  4. Mannomann, was kann man nicht alles dazulernen: Haardt, Haard, Hard, Hardt, Hart, Harz !!! Immer geht es um bewaldete Bergrücken oder steinige Flächen. Und dann gibt es ja auch den Gerhard, Burkhardt, Hartmut…
    „Nur die Haaten
    Kommen in den Gaaten.“

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