Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Hinkelstein und hüpfende Eichhörnchen

Geschrieben am um 6:23

Warum werden bei Premiumwegen keine Schönheitspunkte oder Fitnesspunkte verteilt, sondern Erlebnispunkte? Natürlich, weil man auf einem herausragenden Wanderweg etwas erleben soll, im besten Fall sollten die Erlebnisse über das Landschafts- und Naturerlebnis hinausgehen, das setzt man ja bei Premiumwegen neben optimaler Markierung und schönen Wegen sowieso voraus.

 

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Auf der Traumschleife Römer-Kelten-Pfad südlich von Trier (70 Erlebnispunkte!) erwartete ich also Erlebnisse aus der Zeit der Römer und Kelten, vielleicht ein Wagenrennen wie in Ben Hur, einen Gladiatorenkampf, irgend so etwas in dieser Richtung.

 

 

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Zunächst aber eine Sprunggrube für Wildtiere, ein etwas ungleicher Wettkampf, treten bei diesem Weitsprung doch Tiere von sehr unterschiedlicher Körpergröße an. Kein Wunder also, dass der Hirsch mit acht Metern den weitesten Hupfer macht. Aber der Gewinner an der Sprunggrube in Relation zur Körpergröße ist das Eichhörnchen.

 

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Vier Meter! Die Eichhörnchen im Hunsrück scheinen ja mächtige Sprungfedern unter den Pfoten zu haben. Vier Meter! Das schaffen unsere degenerierten und verwöhnungsverwahrlosten Eichhörnchen im heimischen Garten aber nicht. In einer Harald-Martenstein-Kolumne im ZEIT-Magazin lese ich gerade, dass die putzigen Eichhörnchen in den USA geschossen werden und dort „Hühnchen der Äste“ genannt werden. Und in ebendieser Kolumne lass ich mit Erstaunen: „Der Maler Toulouse-Lautrec aß häufig Eichhörnchen in Paris und beschrieb das Fleisch als erfreulich pikant.“ Wenn diese Sätze von Eichhörnchen gelesen werden, ist es kein Wunder, dass sie plötzlich vier Meter weit hopsen.

 

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Nächstes Highlight, ein Gräberfeld der Kelten. So ein Hügelgrab kommt meistens unscheinbar daher. Fast so unscheinbar wie der Hinkelstein am Wegesrand.

 

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Beim wackeren Obelix, das ist ja ein wahres Prachtexemplar von Hinkelstein, beim Zeus, Thor, Jupiter oder an was diese Kelten geglaubt haben. Ein richtig fein behauener Stein, so groß, dass ein Eichhörnchen seine Schwierigkeiten hat, drüber zu springen.

 

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Weder von den Römern, Kelten oder sonst einem unserer Vorfahren ist dieser Pfad erschaffen worden. Es ist ziemlich sicher ein Laub-Weg. Achim Laub, der Erfinder der meisten Traumschleifen, ist Experte für die Neu-Anlegung von schönen Wanderpfaden. Man sieht links im Bild die breite Forststraße, rechts davon den schön sich schlängelnden Pfad, der neu in den Wald gefräst wurde.

 

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Ein weiteres Highlight des Römer-Kelten-Pfads, auf alle Wegweisern angekündigt, ist eine alte Römerstraße. 11,4 Kilometer ab dem Start habe ich auf den Weg römischen Ursprungs gewartet. Und als ich die Römerstraße erreichte, sah ich ziemlich schnell als interessierte Laie – das ist ja keineswegs eine Römerstrasse, sondern eine neuzeitliche Handelsstraße mitten im Wald. Woran man das erkennen kann? Nun, da muss ich etwas weiter ausholen, das gibt einen eigenen Blog, nächste Woche.



Zum Wohl die Pfalz

Geschrieben am um 6:23

„Geiz ist geil!“, „Nicht Sauber, sondern rein“, „Herr Kaiser, der Mann von der Hamburg-Mannheimer.“ So bekannt wie diese Werbesprüche ist „Zum Wohl die Pfalz“ noch nicht. Aber es beschreibt – oder ist das jetzt schon rassistisch? – die Mentalität der Pfälzer schon ganz gut. Egal ob sie Versicherungen verkaufen, als Bademeister oder als Erzieherinnen tätig sind, am Ende des Tages heißt es in der gesamten Pfalz – Zum Wohl!

 

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Ich habe unlängst eine neue Etappe des sehr abwechslungsreichen Pfälzer Weinsteigs in Angriff genommen. Von Klingenmünster nach Bad Bergzabern. Klingenmünster klingt schon nach Mittelalter, Tjost, Lanzen, die auf Rüstungen prallen. Folgerichtig starteten wir (wer wir sind, dazu gleich mehr) auf der Stauferburg Landeck oberhalb von Klingenmünster. Mit einem deftigen Essen. Und merke: Auf einer Weinwanderung sage stets zum Start Wohl die Pfalz, damit nicht auf der Rückfahrt Du brichst Dir den Hals.

 

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Mit von der Partie waren Dirk Schümer (der Mann mit dem Hut hinter mir) und seine Frau Birgit. Schümer war zu Recht etwas beleidigt, dass ich ihn in meinem nächsten Buch als einen der besten Journalisten Deutschlands bezeichnet habe. Was heißt „einer der“? Und warum nur Deutschland? Auf jeden Fall ist Schümer nicht nur ein toller Typ, kann über fast jedes Thema unterhaltsam erzählen, sondern schüttelt Schüttelreime sozusagen aus dem Ärmel.

 

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Völlig begeistert zeigte sich das Ehepaar Schümer von meinem Weinwanderequipment. Nicht nur die Kühlmanschette (diese habe ich übrigens dereinst als Geschenk vom derzeitigen DFB-Präsidenten erhalten) für den Weißwein (vom Weingut Rapp aus Dörrenbach) war am Start, sondern auch ein Set aus zusammenschraubbaren Plastik-Weingläsern. Savoir vivre, sage ich da nur. Übersetzt vom Isländischen ins Deutsche heißt das: Zum Wohl die Pfalz!

 

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Der Hohe Mark Steig II

Geschrieben am um 6:23

Weiter geht es auf dem Hohe Mark Steig, einem brandneuen Wanderweg in NRW, auf dem man die Vielfalt im Naturpark Hohe Mark entdecken kann – ausgedehnten Waldgebiete, Auenlandschaften, Wiesen, Weiden, Moore, Bäche, Flüsse und Seen. Ein Naturparadies an der Schnittstelle von Niederrhein, Ruhrgebiet und Münsterland.

 

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In Haltern wandern wir am Südufer des Stausees und erreichen schon bald ein Natur-Kleinod, die Westruper Heide. Grün ist die Heide, das ist der Titel eines berühmten Heimatfilms. Aber ist die Heide wirklich immer grün? Im August und September stimmt das nämlich nicht, dann blüht die Heide und es dominiert Die Farbe Lila. Wie abwechslungsreich die Landschaft ist, zeigt sich auf den ersten Metern.

 

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Wir wandern durch ein wahres Labyrinth von Wacholder-Sträuchen, das ist wie in einem Indiana-Jones-Film. Dann wieder öffnet sich der Blick auf weite, wellige Heideflächen. Ich fühle mich wie in Jenseits von Afrika. Zehn Monate lange beweiden 200 Heidschnucken und zehn Ziegen das Arreal, damit die Westruper Heide nicht zuwächst. Eigentlich nur schade, dass man aus den Früchten der zahlreichen Wacholdersträuchern (noch) keinen Gin brennt. Echt westfälischer Heide-Gin, das wäre doch klasse. Alles in allem ist die Westruper Heide ganz großes Wander-Kino.

 

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Am südlichsten Punkt des Hohe Mark Steigs erwartet uns der höchste Punkt des Naturparks Hohe Mark – der Stimberg. Unterhalb dieses 156,9 Meter hohen Bergriesen staunen wir über den verwunschenen Teufelsstein. Durch geologische Auffaltungen am Sandstrand eines urzeitlichen Meers vor 80 Millionen Jahre ist eine sehr bizarres Quarzitgestein entstanden.

 

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da wir nun in der Haardt wandern, ist das für alle anglophilen Hiker, Walker und Goer natürlich echtes Haard Walking. Und ob sich der Wald bewegt, Euch bewegt, oder ihr den Wald bewegt – also das muss im Endeffekt jeder für sich entscheiden.

 

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Kurz vor Ende unseres Wanderwegs in Olfen machen wir einen Abstecher zur Dreibogenbrücke, das ist der lohnenswerteste Abstecher der Welt. Die Alte Fahrt überspannt die Stever-Auen, es handelt sich um eine 1894 gebaute Kanalbrücke für den Dortmund-Ems-Kanal. Eine künstliche Wasserstraße wurde über einen natürlichen Fluss geführt. Eine Meisterleistung der damaligen Ingenieure. Der Kanal fließt schon lange nicht mehr nicht über die Brücke, Fußgänger und Radfahrer bevölkern das ehemalige Wasserbett.

 

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Unterhalb der Dreibogenbrücke erstreckt sich an der Stever ein wunderbarer Sandstrand. Ich habe sofort ein Handtuch ausgebreitet, um mir einen Platz für den nächsten Sommerurlaub zu sichern. Als ich mich gerade in das kühlende Wasser der Stever stürzen wollte, sprach mich ein Jugendlicher an, Typ Huckleberry Finn. Er zeigte mir einen Reichspfennig, den er mittels eines Magneten aus dem Fluss gefischt hatte. Magnetfischen, Dreibogenbrücke, Strand an der Stever-Aue, ein wirklich genialer Ort.



Der Hohe Mark Steig I

Geschrieben am um 6:23

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Ich stehe auf einem alten Brückenkopf am Rheinufer in Wesel. An der Promenade des Flusses startet eines der spannendsten Wander-Projekte der letzten Jahre: Der Hohe Mark Steig, 158 Kilometer Wanderspaß durch den Naturpark Hohe Mark.

 

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Ich schaue vom Brückenkopf Richtung Westen, mein Blick geht fast bis nach Holland und zur Nordsee. Im Süden kann man gerade noch die Lippemündung erkennen. Die Lippe wird auf dem Hohe Mark Steig eine gewisse Rolle spielen. Die Lippe ist, sagen die einen, der längste Fluss von NRW, andere Quellen sehen den Rhein vorne. Fakt ist: die Lippe ist dem Rhein komplett ebenbürtig. In Nordrhein-Lippe-Westfalen.

 

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Apropos Lippe. Die ist ja auch gut für Küsse zu gebrauchen. Und ist dieses Liebes-Vorhängeschloss auf dem historischen Brückenkopf von Wesel nicht allerliebst. Da haben sich zwei aber so richtig gern: Bambi und Klopfer! Bambi und Klopfer? Das sind doch ein Reh und ein Hase. Und die haben sich ganz doll lieb, knick knack und so? Wenn man eine Weile drüber nachdenkt eigentlich eine ganz schön perverse Angelegenheit

 

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Ein weiteres Highlight am Hohe Mark Steig ist die Rhader Kanzel südlich von Raesfeld. Wer vor dieser Kanzel einer Predigt lauschen will, ist am falschen Platz. Vielmehr ist das geräumige offene Holzhaus zur Wildbeobachtung eingerichtet worden. In einer ehemaligen Sandgrube sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht, manchmal aber auch Guten Morgen. Kein Scherz, als ich auf der Rhader Kanzel meine Blicke schweifen ließ, sah ich einen Fuchs und zwei Hasen. Die beiden Langohren jagten im Zickzack kreuz und quer, dass man denken konnte, sie würden einen Igel suchen, um mit diesem ein Rennen zu veranstalten. Wenn man von der Kanzel auf die ehemalige Sandgrube blickt, versteht man übrigens sofort das Wappen von Rhade: Ein Baumstumpf (für die gerodeten Waldflächen) auf blau (steht für den Himmel) und gelb (steht für den Sand). Aber das größte Spektakel kann man auf der Rhader Kanzel in der Brunftzeit erleben: Dann röhren die Hirsche so laut, dass es fast an Lärmbelästigung grenzt.

 

 

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In Flaesheim wandern wir Richtung Dachsberg, vorbei am neu gestalteten Waldspielplatz. Wir steigen Höhenmeter um Höhenmeter bergan, bis wir den Feuerwehrwachturm auf dem Rennberg erreicht haben. Ein mächtiges Bauwerk, 35 Meter hoch. Oben angekommen, bekomme ich ein kurzen Anfall von Höhenangst. Diesen Turm nutzen Wanderer, um eine phantastische Aussicht zu genießen. Bei guter Sicht kann man sogar die Spiele in der Schalke-Arena verfolgen. Der Turm dient aber auch dazu, Waldbrände frühzeitig zu erkennen und unter Kontrolle zu halten. Sollte es in der Haardt brennen, alarmiert der Wachdienst auf dem Ausguck die Feuerwehr und lotst sie zum Feuer. Nächste Woche mehr zum Hohe Mark Steig


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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