Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




RWW – gar nicht sooo schlecht

Geschrieben am um 6:23

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Es ist so eine Sache mit den Vorurteilen. Man denkt, die Schwaben seien faul, die Ostfriesen hochintelligent, alle Berliner Spaßvögel, die Bayern trinken nur Wein – aber dann stimmt das gar nicht! Genauso sollte man vorsichtig sein, Wanderwege in eine Schublade zu stecken. Der Rotweinwanderweg an der Ahr war für mich bislang ein absolutes No-Go. Die Vorurteile: Wanderautobahn, völlig überfüllt, alles asphaltiert. Das stimmt natürlich alles, aber nicht für jeden Abschnitt.

 

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Man sollte in Mayschoss starten. Nicht nur weil der Ort wunderschön ist und die Saffenburg wildromantisch, sondern auch, weil man sich in der ältesten Winzergenossenschaft der Welt (1868 gegründet , nicht zu verwechseln mit einem Jahrgang) in Mayschoss eine schöne Wegzehrung für eine zünftige Weinwanderung mitnehmen kann.

 

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Normalerweise mag der Wanderer es nicht, zu weit vorausschauen kann. Wenn man schon sieht, wo man den nächsten Kilometer gehen muss, deutete das (normalerweise) auf einen schnurgeraden Weg. Nicht so im Ahrtal, schön geschwungen schmiegt sich der RWW zärtlich an die Weinhänge – und alles unasphaltiert.

 

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Der Wegabschnitt zwischen Mayschoß und Dernau auf dem RWW ist sehr zu empfehlen, danach ist es nicht mehr so prickelnd. Also sollte man in Dernau auf den Ahrsteig wechseln. Dafür muss man aber sehr zügig die Brücke überqueren. Schlendern, trödeln, flanieren ist streng verboten.

 

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Schlimm ist es immer die Wahl zu haben. Keine Wahlfreiheit zu haben, das hat Angela Merkel kürzlich bezüglich der DDR hervorgehoben, kann auch ganz entspannend sein. Aber ich bin ja selber schuld – wenn man sich nicht zwischen einem trockenen und einem halbtrockenen Spätburgunder entscheiden kann, muss man eben beide trinken.

 

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Typisch Rheinländer. Aber lassen wir das mit den Vorurteilen.



Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO

Geschrieben am um 6:23

Ich schrub es schon in meinem ersten Wanderbuch: Die Planung einer Wanderung macht den meisten Wanderern fast genauso viel Freude wie die Tour an sich. Nun nahen ja die Sommerferien (gefühlt hat man eigentlich schon lange genug Ferien gehabt, seit dem 13. März um genau zu sein), aber die langen, warmen Tage wollen ausgefüllt werden. Und da stellt sich zunächst mal die Gretchenfrage: Ins Mittelgebirge oder ins Hochgebirge? Es ist hilfreich eine Landkarte zur Hand zu haben, die etwas Orientierung bietet.

 

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Ich denke, ich werde mir eine Pension in Kirchdorf nehmen. Von dort kann man Wanderungen sowohl ins Hoch- als auch ins Mittelgebirge (zum Aussichtsturm) planen. Und zum Hauptfluß und zur Talsperre ist es auch nur ein Katzensprung

Wenn ihr noch eine Wanderempfehlung für den Sommer braucht, kann ich Euch den Pfälzer Weinsteig in der Nähe von Bad Bergzabern ans Herz legen.

 

 

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Aber sehet, sprach der Investor, dort entstehet am Liebfrauenberg eine Wandergaststätte. Doch höret, ihr Bürger-Scharen, die ihr den Wut-Investor angeschissen habet, dass eher ein Erdaushub durch einen Kaffeelöffel ins Himmelreich komme, als ein Teelöffel. Erbebet, ihr Ungläubigen, die ihr nur Klatschen und Singen in der Schule hattet. Denn frohlocket, liebe Wanderer, freuet Euch auf die bald genial ausgebaute Einkehrmöglichkeit am Pfälzer Weinsteig. Habemus Hefeweizen.

Die große Frage in Corona-Zeiten bleibt: Wie halten es die Behörden mit dem Gruppenwandern? Wann darf ich wieder mit dem Schwäbischen Albverein wandern? Ist denn Wandern etwa kein Sport?

 

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Die Antwort(en) gibt die sächsische Corona-Wander-Behörde, die mir von einem Wanderkumpel zugespielt wurde: „Ihr Anfrage zielt auf die Bewertung, ob die Ausübung des Wandersports als organisierte Gruppenwanderung nach der aktuellen SächsCoronaSchVO zulässig ist. Nach § 4 Absatz 1 sind weiterhin grundsätzlich alle Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Ausnahmen von diesem Grundsatz sind ausdrücklich in Absatz 2 benannt. Insbesondere sind dort Ansammlungen von Menschen gestattet, wo die Öffnung und der Besuch nach § 6 Absatz 2 zulässig ist. So ist die Öffnung von Sportstätten ohne Publikum nach § 6 Absatz 2 Nr. 16 zulässig. Sportstätten iSd SächsCoronaSchVO sind von dem öffentlichen Raum abgegrenzte Bereiche, die der Ausübung von Sportarten dienen. Unter diesen Begriff fallen sowohl Innen- als auch Außensportstätten. Der Wanderweg ist jedoch ein markierter Weg, der nicht zum Zwecke der Ausübung von Sportarten vom öffentlichen Raum abgegrenzt ist, sondern vielmehr trotz Benutzung zum Wandersport auch jederzeit von weiteren Personen zum Zwecke des Spazierens, Reitens o.ä. benutzt werden kann. Die Benutzung von öffentlichen Wanderwegen fällt somit nicht unter die Ausnahme für die Öffnung und Benutzung von Sportstätten.“



Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande

Geschrieben am um 6:23

Im Beethoven-Jahr höre ich (fast täglich) eine der neun Symphonien des Meisters in der hervorragenden Edition des Süddeutschen Verlags. Erst die Symphonie hören, dann Erkenntnisgewinn mit den Erläuterungen des Dirigenten Peter Stangel. Besonders interessant für Wanderfreunde ist die 6. Symphonie, die sogenannte Pastorale

 

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Nach der Premiere schrieb ein Zeitgenosse: „Da ist einer in Wien, der schreibt Sinfonien, die fünfmal so lang sind wie normale Sinfonien.“ Eine Dreiviertelstunde, das war damals Weltrekord. Der erste Satz trägt den Titel „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“. Poetischer kann man die Glücksgefühle zum Beginn einer Wanderung nicht beschreiben. „Wer genau hinhört, kann hoch droben am Himmel ein Vöglein zwitschern hören“ erklärt Stangel, „und dann ist es so, als öffne sich der Blick über die weiten Hügellandschaften des Wiener Umlands“.

Der zweite Satz der 6. Symphonie heißt „Szene am Bach“ und ist so eine Art Smetana-Moldau in gut. Beethoven komponiert das Kräuseln der Wasseroberfläche, das Gluckern des Bächleins, das Bachbett „und schließlich tritt zu diesem wunderbar murmelnden Bächlein, das heute noch heute vor den Toren Wiens dahinplätschert, das kompositorische Ich hinzu. Der Zuhörer wandert am Bächlein entlang, sitzt unterm Baum und genießt die Stimmung. Dieses kompositorische Ich wird von der Geige verkörpert.“ Ich werde diese Musik nie vergessen, wenn ich als zwar nicht kompositorisches, aber vielleicht literarisches Ich durch die Gegend wandere. „Mehr als die Farbe des Grases hat Beethoven auch hier das Wohlgefühl, das Behagen, das einen in der Natur überkommt, komponiert“. Ich habe es doch immer gesagt, dass Wandern glücklich macht. „Nur ganz am Ende konnte er sich drei Vögelchen nicht verkneifen.“ Man wird doch wohl noch drei Vöglein-Ihr komponieren dürfen.

Der dritte Satz „Lustiges Zusammensein der Landleute“, ein Scherzo, „karikiert eine Dorfkapelle“, und weil wir es ja mit einem scherzenden Musikstück zu tun haben, wird der arme Oboist (Schießen Sie nicht auf den Oboisten!) veräppelt: „Der Oboist hängt immer eine Winzigkeit hinterher, ein köstlicher musikalischer Scherz“, findet Peter Stangel.

Der vierte Satz „Gewitter und Sturm“ beschreibt eine eher missliche Wendung einer Wandertour. Stangel sagt über die Komposition Beethovens: „Das ist nicht irgendein Gewitter, das ist DAS Gewitter“. Der Dirigent vergleicht das musikalische Gewitter mit dem Barbar von Sevilla: „Was hat Rossini da für einen freundlichen Sommerregen komponiert, gegenüber diesem teutonischen Donnergrollen und Blitzezucken“. Und dann bricht der Sturm los. „Spätestens an dieser Stelle müssen die Kollegen gedacht haben, dass der gute Beethoven endgültig durchgeknallt ist.“

Seine Wanderleidenschaft hat Beethoven vor allem in der Gegend um Wien praktiziert, dort „spielt“ ja auch die 6. Symphonie. Auf seinen „Spaziergängen“ hat er ganz im Sinne Rousseaus seine innere Welt erkundet. Er hat sozusagen in sich hineingehorcht, hinaushorchen in die äußere Welt ist dem armen Mann ja zunehmend schwerer gefallen. Ich vermute sogar, dass Beethoven auf seinen Wanderungen die entscheidenden Ideen für seine Werke, vor allem die Symphonien gehabt hat.

 

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Leider hat Beethoven zu früh die Bonner Heimat verlassen, um auf dem Beethoven-Wanderweg im Siebengebirge zu wandern. Beziehungswiese zu spazieren. Nun gut, das Einkehrhaus, das Milchhäuschen, das Hotel auf dem Petersberg, alle diese Immobilien waren zu Beethovens Zeit noch nicht erbaut. Kloster Heisterbach war Ende des 18. Jahrhunderts noch eine funktionierende Abtei und keine Ruine. Und der Drachenfels war noch nicht überfüllte Ausflugsstätte, sondern ein ganz profaner Steinbruch. Selbstverständlich gab es auch noch keine Drachenfelsbahn.

 

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Der Beethovenweg ist zum Jubiläumsjahr markiert worden und verbindet (fast) alle Highlights des Siebengebirges. Fünfzehn Kilometer (viele davon auf dem Rheinsteig) sind aber ein ganz schönes Brett, vor allem weil doch einige Höhenmeter zu absolvieren sind. Aber die Möglichkeiten einzukehren sind wirklich gigantisch. Lustiges Zusammensein auf dem Lande. Hätte Ludwig van das noch erleben können, wäre er nie vom Rhein zur Donau gewechselt.   Was sich allerdings die Initiatoren des BHVN-Wanderwegs mit dieser Markierung gedacht haben, bleibt schleierhaft.

 

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Zumindest kulinarisch ist Beethoven auch in Wien seiner alten Heimat treu geblieben. Er war sozusagen ein virtueller Weinwanderer, dem Wein von Rhein und Mosel verfallen. „Mehr Licht!“, das waren Goethes letzte Worte. Ziemlich einfallslos, wie ich finde. Die letzten Worte Beethovens zeugen dagegen von der Größe des Meisters. Drei Tage vor seinem Tod erhielt er von seinem Musik-Verleger Schott eine Lieferung leckerer Rhein- und Moselweine. Beethoven sagte im Sterbebett: „Schade, schade, zu spät“

Dadada – Daaa!



Reptiloiden! – es gibt sie wirklich

Geschrieben am um 6:51

Ich musste immer kotzen, wenn jemand vor, nach und während der sogenannten Flüchtlingskrise sagte: „Ich habe ja nicht gegen Flüchtlinge, aber …“ Ich muss immer noch kotzen, wenn ich nur daran denke. Aber: Ich glaube ja nicht an Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit der sogenannten Corona-Epedemie, aaaber: Wenn ihr diese Story hört, denkt ihr vielleicht anders darüber …

 

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Gestern bin ich in einem ganz normalen saarländischen Wald gewandert. Obwohl unter freiem Himmel gar nicht vorgeschrieben, hatte ich Maskenschutz angelegt. Na ja, was heißt Maske, halt so einen ollen Buffer von meinem Ex-Sponsor. Den nutze ich schon seit Beginn der Maskenpflicht und habe ihn relativ selten gewaschen. Das Ding müffelt schon ein wenig. Aber das ist nicht das Thema. Ich wandere also in diesem saarländischen Urwald, da begegnete mir plötzlich Angela Merkel.

 

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Jetzt werden die meisten sagen: Diese Urzeit-Echse sieht ja gar nicht aus wie aus wie unsere heldenhafte Kanzlerin. Tja, Merkel hatte eben nicht gut genug aufgepasst und für eine Millisekunde ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich habe nämlich, muss ich dazu sagen, die Fähigkeit, Reptiloiden zu erkennen. Das ist so wie beim Kinderspiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst.“ Ich bin Reptiloiden-Detektiv. Mal ehrlich: Die da oben wollen uns doch für blöd verkaufen. Die einen verabreichen Mikro-Chips intravenös, andere versprühen Gift mit Flugzeugen. Aber jedes Kind weiß doch, dass schon lange Reptiloide die Welt beherrschen wollen. Diese Echsen leben in unterirdischen Höhlen, ernähren sich von Kindern, können menschliche Gestalten annehmen und wollen konsequent das menschliche Leben auf der Erde verechsen, indem die ekligen Reptilien menschliche Gestalt annehmen.

 

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Aber im Saarland, in der Nähe von Landsweiler-Reden, da hat man die Maske fallen lassen. Wenn sogar „Mitarbeiter“ aussehen wie kleine Dinos, dann muss man da ja wohl nicht mehr viel zu sagen. Und nächste Woche öffne ich Euch endlich, sehnsüchtig erwartet, die Augen über die Wandersinfonie von Ludwig van Beethoven – garantiert keine Verschwörungstheorie.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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