Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Roll over Beethoven I – Augentrost

Geschrieben am um 6:23

2020 ist Beethoven-Jahr! Hat sich das schon herumgesprochen? Mein Lieblings-Zitat von Beethoven: „Für solche Schweine spiele ich nicht“. Er soll einmal ein Konzert vor musikalisch minderbemitteltem Publikum, das nur tuschelte und nicht zuhörte, mit diesen goldenen Worten abgebrochen haben. Nicht nur Männer sind Schweine, sondern auch unaufmerksame Menschen.

Wie stand es aber um die Wanderleidenschaft des großen Meisters? Für einen Mann, dessen Vorfahren Flamen waren und dessen Namen korrekt übersetzt „vom Rübenacker“ hieß, hat er doch eine außerordentliche Leidenschaft für die Natur entwickelt. In der Süddeutschen las ich: „Beethoven war ein großer Verehrer Rousseaus. Nach Rousseau ist die Natur ein Abbild der Seele und fordert, man müsse selber hinaus in die Natur, und in stundenlangen einsamen Spaziergängen – eine Leidenschaft Beethovens wie auch Rousseaus – die äußere und die eigene innere Welt erkunden.“ Interessant ist, dass selbst stundenlange Touren im 18. Und 19. Jahrhundert eher Spaziergänge waren. Wandern war für die Zeitgenossen eher eine längerfristige Angelegenheit – Wanderjahre eben.

 

 

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Was empfand aber Rousseau auf seinem zweiten Spaziergang im Pariser Umland am Donnerstag, 24. 10.1776 (toll, das wir das Datum so genau wissen, in sechs Jahren ist 250-jähriges Jubiläum des zweiten Spaziergangs)? „Ich durchlief die Landschaft mit jenem Vergnügen, das mir reizende Landschaften immer bereiten.“ Der Mann hätte Zertifizierer für Premiumwege beim Deutschen Wanderinstitut werden können. Erlebnispunkte sind eigentlich auch nichts anderes als Vergnügungspunkte. Das Landschaftserlebnis als Entertainment fürs Gemüt.

Beim siebenten Spaziergang stellt Rousseau fest: „Bäume und Sträucher, Blumen und Gräser sind das Kleid und der Schmuck der Erde. Nichts ist so traurig wie der Anblick eines nackten, kahlen Feldes, das dem Auge nur Steine, Lehm und Sand zeigt.“ Der Mann hat ja so recht. Aber warum stellen Werbeagenturen von Outdoor-Ausrüstern immer ihre Models in Landschaften, die so karg sind wie eine Mondlandschaft. Bitte mehr Mut zu Bäumen, Sträuchern, Blumen und Gräse

 

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Aber man merkt auch am Satz „Ich irrte ziellos durch Wälder und über Berge“, dass die Wegmarkierungen im vorrevolutionären Frankreich noch nicht unverlaufbar waren. Rousseaus Quintessenz seines siebten Spaziergangs: „Mehr und mehr gewann ich Geschmack an diesem Augentrost.“ Augentrost ist eindeutig mein Lieblingswort des Jahres. Nächste Woche mehr zu Beethoven, seine berühmten letzten Worte sowie den neu markierten Beethovenweg.



Nepal, Kilimandscharo oder doch vielleicht der Inka-Trail?

Geschrieben am um 6:23

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Ich bin als Trekking-Experte bekannt, habe nervenaufreibende Trekking-Abenteuer auf dem Rennsteig, Rheinsteig und Neanderlandsteig bestanden. Ich habe den Watzmann, die Hohe Acht und den Dollberg bezwungen und bin mit dem Rennrad die 21 Kehren von Alpe d’Huez hinauf geschossen.

Wegen dieser Basisqualifikation bin ich von bookatrekking.com gebeten worden, eine Hitliste meiner internationalen Trekking-Ziele für die mittel- und langfristige Zukunft zu erstellen. Das mache ich doch gerne. Hier kommen meine persönlichen Top-Drei-Trekking-Hot-Spots:

 

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Seit Jahren liegt mir mein saarländischer Fahrlehrer Peter, genannt Pit (bei dem ich im zarten Alter von 45 Jahren den Lappen gemacht habe), in den Ohren, ich solle doch mal in Nepal wandern gehen, das wäre der Hammer, Blick auf die höchsten Gipfel der Welt, unvergessliches Erlebnis und so. Nepal-Experte Sierd van der Biji beschreibt in seinen Blogs auf bookatrekking.com ein paar mögliche Himalaya-Touren: Zum Beispiel den Trek zum Basislager des Mount Everests. Ich zitiere: „Die Landung auf dem Flughafen Lukla ist bereits ein Adrenalinschub. Man fliegt nicht täglich zum gefährlichsten Flughafen der Welt.“ Äh, nein danke, ich bekomme schon Schweißausbrüche, wenn ich auf einem der vielen ungefährlichsten Flughäfen der Welt landen muss. Vielleicht auch nicht ganz das Richtige für mich wäre der Annapurna Circuit, denn „die Überquerung des Thorung-La-Passes ist ein einmaliges Erlebnis, das dich buchstäblich nach Luft schnappen lässt.“

 

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Das ideale Angebot für mich ist der Chisapani-Nagarkot-Trek. Die Tour für alle, die ein geringes Zeit- und Geld-Budget haben, drei Tage mit phantastischer Sicht auf den Mount Everest. Man wandert quasi am Stadtrand von Kathmandu, der Flughafen ist (relativ) ungefährlich, Schnappatmung ist nicht zu befürchten, weil es nur über ein paar 2.000er-Hügel geht.

 

Ein weiteres Sehnsuchtsziel vieler Wanderer steht auf meinem persönlichen Trekking-Hot-Spots-Platz 2:

 

Kilimandscharo Routen

Der Kilimandscharo ist DER Berg in Afrika. Wenn dich die Sehnsucht packt, schreibt der Kilimandscharo-Experte Sierd van der Biji in seinem Blog, hat Dich der „Kili-Käfer gebissen“. Den Blog von Sierd zu lesen, ist derart anschaulich, dass man ein sehr gutes Gefühl bekommt, wie es ist, vor Ort zu sein. Er rät zum Beispiel: „Schau nicht auf den Preis. Nein, schau dir die Dauer an. 7 Tage schlagen 6 Tage. Nimm dir diesen Rat zu Herzen und vermeide das unschöne Erlebnis, dich am Stella Point zu übergeben.“ Das möchte man nun wirklich vermeiden, das ist ja auch unter Naturschutz-Aspekten nicht schön, in die Landschaft zu göbeln. Also: Ein gewisses Budget sollte man schon für eine Trekking-Tour zum Kilimandscharo einplanen. Im Vergleich zu den 40.000 Dollar, die man für eine Mount-Everest-Besteigung kalkulieren muss, sind die 4.400 € inklusive Flug für den höchsten afrikanischen Berg allerdings ein Klacks.

 

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Man kann unter sechs Routen zum und über den Gipfel auswählen. Die angenehmste Tour scheint mir die Lemosho Route zu sein. Der Premiumweg unter den Kili-Treks. Nicht so steil, nicht so sportlich, mehr Landschaft, weniger Stress, mehr Höhenakklimatisierung. Und wenn man dann auf dem Uhuru Peak steht und es geschafft hat, und wegen der Höhenluft doch ein wenig die Knie zittern, dann kann man sich auch zur Not in einer Art Schubkarre den Hügel hinunterfahren lassen. Kein Scherz, es gibt einen Kili-Sänften-Shuttle. Wenn man den Trek geschafft hat, empfiehlt Sierd die Kikuletwa Hot Springs, das sieht natürlich sehr verlockend aus, kristallklares Wasser in allen Türkis- und Blauschattierungen. Wäre vielleicht eine Alternative, dort den kompletten Afrika-Urlaub zu verbringen, wenn einen nicht der Kili-Käfer gepackt hat..

 

Die eindeutige Nummer Eins unter meinen internationalen Trekkie-Zielen ist aber eindeutig der:

 

Inka Trail Peru

 

Mein Kumpel Markus schwärmt schon seit Jahrzehnten vom großartigen Abenteuer, über den Inka-Trail zur mystischen Stadt Machu Picchu zu wandern. Außerdem wäre der Inka-Trail als jahrhundertealter Fußweg eine extrem interessante Erfahrung im Rahmen meiner Wanderungen durch die Weltgeschichte. Allerdings ist es gar nicht so einfach, eine staatliche Wandergenehmigung für den Inka-Trail zu bekommen, der Zugang ist streng regelementiert. Daher schlägt Peru-Experte Sierd van der Biji reizvolle Alternativen zum klassischen Trail vor, zum Beispiel den Inkasteinbruch Trek: „Keine Genehmigungen, keine Menschenmassen, Zugang zu Machu Picchu und zu weiteren archäologischen Stätten.“

 

 

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Das hört sich doch schon mal sehr sehr gut an. Oder wie wäre es mit dem Inka Dschungel Trek: „Für alle, die ihre Tour ein bisschen aufmischen wollen und mehr tun wollen, als 4 Tage lang zu wandern (gähn), ist der Inka Dschungel Trail Trek ein absoluter No-Brainer.“ Schluck, was ist denn ein „No-Brainer“? Ein Weg für Vollpfosten? Oder doch eher, wie mein Pons-Online-Wörterbuch verrät: ein Klacks? Auf jeden Fall – weil ich Wandern überhaupt nicht Gähn finde – präferiere ich den Choquequirao Trek: „Der Name Choquequirao bedeutet ‚Wiege des Goldes’. Es dauert zwei Tage, um zu den Ruinen im Süden Perus zu gelangen. Dieser Ort wurde wie Machu Picchu im späten 15. Jahrhundert erbaut und von den spanischen Eroberern nie gefunden.“ Von den spanischen Eroberern nie entdeckt? „Wiege des Goldes’? Da muss man doch nur Eins und Eins zusammenzählen, dort muss ich hin. Alle deutschen Wandertermine werden verschoben, mich hat der Goldrausch gepackt!



Corona-Familien-Touren und DisTanz in den Mai

Geschrieben am um 6:23

Das war eine supergeile Zeit (wie die kölsche Band Brings das ausdrücken würde), diese sieben Wochen Corona-Ferien mit der Familie. Jeden, aber wirklich jeden Tag Wandern oder Radtouren. Nun ist wieder Alltag, außer dem Home-Office-Papa müssen wieder alle in die Schule, entweder als Lehrende oder als Lernende. Daher ein kleiner Rückblick auf die Corona-Touren der letzten Wochen. Eins vorab: Obwohl das Saarland angeblich sehr strenge Ausgangsbeschränkungen hatte, durfte man sich in den Weiten des Bundeslandes frei bewegen. Im Gegensatz dazu wurde gegen ein sächsisches Pärchen, das die Frechheit besessen hatte, 50 Kilometer vom Wohnort entfernt zu wandern, polizeiliche Ermittlungen aufgenommen. Soko Wild-Wandern.

 

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Ein absolutes Highlight ist die Oppig Grät im Nordsaarland, traumhafte Schlucht mit extrem hohem Erlebniswert. Mitte April war leider noch immer die Wintersperrung aktiv, daher waren wir halb (oder voll) illegal unterwegs. Der Vorteil: Kaum andere Wanderer gesehen, die ganze Schlucht für uns.

 

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Etwas voller zeigte sich der Wanderparkplatz des Felsenwegs (schönster Wanderweg des Jahres 2005) in Waldhölzbach. Wir sind aber nur ein Teilstück des Premiumwegs (Erlebnispunktzahl: unglaubliche 96 Punkte, das ist meiner Meinung nach Weltrekord für einen nicht-alpinen Premiumweg!) gegangen. Teilweise war der Felsenweg identisch mit einem etwas schäbigen, in die Jahre gekommenen Barfusspfad. Nachdem barfuss ich im Bächlein auf spitzen Steinen und bei Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gegangen war, war ich wach.

 

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Zurück am Wanderparkplatz bot ein Wanderverpflegungsautomat „Ebbes von hei“ (Etwas von hier) an. Meine Tochter wollte unbedingt einen Ring Lyoner haben, die saarländische Nationalspeise. Was für eine Enttäuschung, immer wenn wir die Nummer 33 des entsprechenden Fachs drückten, erschien die Anzeige: „Fach leer“. Die Gastronomie geschlossen und dann auch noch keine Automatenwurst. Schlimme Zeiten.

 

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Großartig immer wieder der Keltenring bei Nonnweiler, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Lyonerring. Riesige Steinhaufen haben die alten Kelten aufgetürmt, um sich gegen andere (feindliche) Kelten zu verteidigen. Erbaut wurde die Mauer – das mutmaßen Experten – am 13. August 1961 vor Christus. Verglichen mit dem saarländischen Keltenring kann die chinesische Mauer einpacken.

 

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Auch unter das Thema Corona-Rückschau fällt die Aktion „DisTanz in den Mai“ des Weinguts Peter Kriechel. Das ist mal ein Winzer nach meinem Geschmack – tolle Weine und FC-Fan, was will man mehr? Auf jeden Fall war es etwas Besonderes, eine Zoom-Weinprobe mitzuerleben (die Weine hatte ich mir natürlich vorher besorgt). Musikalisch wurde Paul Radau aktiv, …

 

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… der wiederum Stein und Bein schwor, Radau sei kein Künstlername, vielleicht erdacht in Ballermann-Laune. Betont auf dem erste „A“ ist Radau einfach ein relativ exotischer Familienname. Und nächstes Jahr tanzen wir wieder richtig in den Mai!

Je normaler das Leben wieder wird, desto mehr sollte man sich Themen widmen, die nicht mit Ihr-wisst-schon-was zu tun haben. Welche Wanderdestinationen weltweit fehlen Euch noch im Portfolio? Und was ist eigentlich mit dem Beethoven-Jahr los? Es soll verlängert werden, las ich, ich glaube bis 2027, dann kann man direkt den 200. Todestag mitfeiern. Bald an dieser Stelle mehr zum wilden Wanderburschen Ludwig van.



Changchub Chörten und Saarsteine

Geschrieben am um 6:23

In den letzten Wochen habe ich so einiges gesehen, das mich irritiert hat. Genauso wie Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh vielleicht Zeichen und Landeplätze für Außerirdische waren (das soll Quatsch sein? – da habt ihr aber Euren Däniken nicht gelesen!), genauso suche und finde ich zur Zeit während meinen Wanderungen Zeichen der Corona-Krise.

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Äußerst irritierend diese Voodoo-Skulptur, um den bösen Corona-Geist zu vertreiben. Wenn’s funktioniert, finde ich das okay. Wenn aber nur alte Glysophat-Plastik-Behälter entsorgt werden sollen, finde ich das bedenklich.

 

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Bei einer Wanderung letzte Woche sah ich diesen Schlüsselbund auf einer Bank. Erster Gedanke: Besser den Schlüssel als den Löffel abgeben. Zweiter Gedanke: Vielleicht wird dieser Schlüsselbund ja ganz konkret vermisst? Also: In der Nähe des Lonsheimer Turms in Rheinhessen liegt auf einer Bank dieser Schlüssel. Wer ihn vermisst, kann ihn dort finden, Finderlohn ist anscheinend nicht vorgesehen.

 

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Tja, und dann diese Saarsteine. Schon vor der Corona-Krise haben die so süüüüüss bemalten Steine eine steile facebook-Karriere hingelegt. Die Idee ist smart. Die Steine werden „ausgewildert“ (das heißt, eigener Vorgarten gilt es nicht) richtig im Wald versteckt also, und wer einen findet, fotografiert ihn, postet das Bild und versteckt ihn an einem anderen Ort. Das motiviert natürlich meine Tochter sehr, ausgiebig zu wandern. Hervorragend!

Jetzt wird’s esoterisch …

 

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… bei dieser Skulptur/Religionsstätte, deutlich vor der Corona-Krise in einem fernen Land gefunden, in Salzburg. Es handelt sich um eine sogenannte Erleuchtungs-Stupa, tibetischer Name: Changchub Chörten. Was soll man mit so einer Stupa anfangen? Nun, ich las: „Stupa steht für die Freiheit und das Potential des Geistes“. So, so. Und dann die Gebrauchsanweisung: man solle die Stupa (tibetischer Name: Changchub Chörten) traditionell im Uhrzeigersinn umschreiten. Hallo ihr Buddhisten, geht’s noch? Was hat das denn mit Freiheit des Geistes zu tun, wenn ich kleingeistige Vorschriften bekomme, in welche Richtung ich um diesen dusseligen Pinokel herumgehen muss? Ich bin natürlich total freigeistig gegen den Uhrzeigersinn gegangen. Widersteht allen, die Euch sagen wollen, wie es zu sein hat, auch wenn ihr das sichere Gefühl habt, es wäre ganz anders.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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