Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten

Vorgestern die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten. Schon die Anreise zum Bahnhof Flonheim/Rheinhessen war etwas beschwerlich. Die Zugtaktung im Regionalverkehr ist ja ziemlich ausgedünnt worden, daher ist an einigen Gleisabschnitten das Strauchwerk doch relativ üppig gewachsen.

 

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Start auf der Hiwweltour „Aulheimer Tal“. Es ging los auf einem Naturpfad. Es ist brillant, ein großes Holzschild an den Naturpfad zu stellen, sonst hätte man gar nicht gewusst, dass der Naturpfad ein Naturpfad ist.

 

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An der ersten Rastmöglichkeit mit Ausblick lag eine amtliche Mitteilung auf dem Tisch. Rasten + Picknick mit mehreren Personen ist strengstens verboten. Ich habe kurz durchgezählt – EINS! – und habe Wein und Käse ausgepackt.

 

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Im Nachhinein bin ich glücklich gewesen, dass es bei der ersten Picknick-Möglichkeit überhaupt noch eine Tischplatte gab. An anderen Stellen des Wegs in der Rheinhessischen Schweiz (wer braucht noch die „richtige“ Schweiz, wenn es die Rheinhessische Schweiz gibt?) ist die Tischplatte des langen „Wein-Tischs“ komplett verschwunden, abgebaut von Anti-Corona-Wander-Partys-Sonder-Einsatz-Kommandos.

 

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Ich dachte, ich hätte mich verlaufen, als ich die Markierung „Küstenweg“ sah. Plötzlich an der Waterkant, an der Adria, an der Costa Brava? Nein, die ehemalige Küste ist in der Landschaft noch ganz gut zu erkennen. Seit ungefähr 30 Millionen Jahre ist die Küste aber keine Küste mehr.

 

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Damals reichte die Nordsee bis an die Eifel heran. Wie man auf der Karte sieht, waren „K“ und „L“, also Köln und Leipzig, am Meeresboden zu finden.

 

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Sehr schön war es, am weißen Trullo zu rasten. In Rheinhessen wurden die Trullos als Winzerhäuschen genutzt, ursprünglich findet man diese Hüttenform allerdings nur in Apulien. Ein kleiner Trost in Corona-Zeiten. Wenn man schon nicht nach Italien reisen darf, kann man ein Stück Italien in der Heimat genießen.

 

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Die Flasche vor dem Gesicht ist eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass ich die Zukunft als Optimist rosarot sehe. Zurzeit ist es natürlich einfach nur traurig, am Ende der Wanderung die abgesperrte Gaststätte zu sehen. Kein Belohnungsbier dank Corona. Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei. Bitte öffnet die Biergärten so schnell wie möglich, wir halten auch Abstand!

 

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3 Kommentare zu “Die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten

  1. Der Harz lag mal am Meer? Da hat es damals bestimmt Brocken-Bennos gegeben, die wegen der herrlichen Aussicht gleich 2x tgl. rauf sind. Wegen der niedrigeren Lebenserwartung vor über 30 Millionen Jahren aber dürfte der Rekord des gegenwärtigen Benno dennoch einmalig sein.

  2. Der Ex-Comoderator von Harald Schmitt Manuel Andrack bezeichnet in seinem Buch „Du musst wandern“ den Lieserpfad als der schonste Wanderweg der Welt. Ob ihr seine Meinung teilt, musst ihr nach der Wanderung selbst entscheiden. Fakt ist aber, dass die Mehrtageswanderung ein tolles Abenteuer auf einem wunderschonen Wanderweg ist, der mehr durch seine Ruhe und Abgeschiedenheit als durch spektakulare Attraktionen begeistert. Ich selbst bin bisher nur die zwei mittleren Etappen gewandert, von denen mir besonders der Teil von Manderscheid nach Wittlich sehr gefallen hat. Die erste und vierte Etappe mochte ich als Tagestouren noch gerne nachholen.

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