Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mut zur närrischen Maske oder: Sprich einfach mit dem Virus

Geschrieben am um 6:23

Seit gestern herrscht bundesweit die Maskenpflicht. Ich gebe zu, begeistert war ich nicht, dass man zukünftig beim Einkaufen eine Maske tragen muss. Die Zahl der Infizierten geht zurück und die Freiheitsrechte werden noch mehr beschnitten. Wo ist die Logik? Die Logik steckt natürlich im Detail. Die Bundesregierung und alle Ministerpräsidenten von A wie Achim bis Z wie Zöder wollen heimlich Werbung für mein nächstes Buch machen …

 

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…. das erscheint zwar erst im November, aber es ist natürlich eine geniale Idee der politisch Verantwortlichen, nun ganzjährig Masken, ob närrisch oder nicht, vorzuschreiben. Als ich kapiert hatte, was für eine geniale Marketing-Masche hinter der Maskenpflicht steckt, habe ich mir in Internet (AMAZON!!!) eine Spiderman-Maske – Größe Adult – bestellt. Der perfekte Schutz vor dem fiesen Virus, nicht nur Mund und Nase, sondern das ganze Gesicht ist bedeckt. In dieser Maskerade wollte ich beim Aldi einkaufen gehen, …

 

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… stellte aber fest, dass die Maske doch ein klein wenig zu klein für meinen Quadratschädel ist. Oder hatte ich das Ding vielleicht falsch angelegt? Ich probierte es noch einmal, …

 

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… aber das war auch nicht besser, statt zwei Spiderman-Augen hatte ich nun zyklopesk ein Spiderman-Auge auf der Stirn kleben. Ich werde das Ding zurück schicken, erst mal nicht einkaufen gehen, (wozu hat man gehamstert?) und warten, bis sich das blöde Virus endlich vom Acker gemacht hat. Auf einem der saarländischen Berggipfel, dem Litermont, habe ich ein Schild gesehen, dass direkt auf das Corona-Virus einwirkt …

 

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… es kommt eben immer auf den richtigen Ton an: Wenn man das Virus bittet, doch einfach mal zu beachten, den Gipfel nicht zu betreten, ist schon mal viel geholfen. Veneceremos!



Deutschlandwanderer von A bis U

Geschrieben am um 7:28

Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Wochenend-Ausgabe: „Dass man jahrelang diese literarischen Deutschlandwanderer und Fontane-, Heine-, und Montaigne-Imitatoren, Bücherschreiber von A wie Andrack bis U wie Uslar , für schreckliche Spießer hielt – geschenkt. Spätestens in Corona-Zeiten merkt jeder: Deutschland, das ist der ‚Gipfel der Schönheit’ (Mark Twain)“. Erster Gedanke, als ich das las.: Wie konnte man denn jemals Deutschlandwandern spießig finden? Das ist ja sowas von spießig, Deutschlandwandern spießig zu finden. Na ja – geschenkt.

 

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Zweiter Gedanke: Angesichts der Corona-Krise und einer (erzwungenen) Konzentration auf das Naheliegende, das Heimatliche, das Regionale in einer Reihe mit Heine, Fontane und Montaigne (dessen Essays über das Deutschlandwandern hatte ich anscheinend bislang übersehen) genannt zu werden, ist ja nicht sooo übel. Aber der Autor des Textes hat ja recht, wenn wir mittelfristig und langfristig an Urlaub denken werden, fallen Destinationen wie Italien, Spanien oder Frankreich leider aus. Das ist extrem bitter, habe ich doch selbst meine letzten Sommerurlaube auf Ischia verbracht.

 

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Daher gibt es nur eine Alternative: Urlaub in Deutschland! Und damit jetzt nicht alle an die Küsten von Nord- und Ostsee stürmen, ist die gute Nachricht: Es gibt jede Menge andere Regionen in Deutschland, die Spaß machen. Sucht Euer Glück im Hunsrück! Auch in der Rhön ist es schön! Im Zweifel die Eifel! Im Moment scheint ein (kurzer oder langer) Urlaub in den deutschen Mittelgebirgen noch Zukunftsmusik zu sein – touristische sind Übernachtungen verboten, gastronomische Betriebe sind geschlossen. Aber ich bin überzeugt: es wird Lockerungen geben. Warum sollten Paare nicht ein Zimmer in einer Pension buchen, wenn im Frühstücksraum Abstand gewahrt wird? Warum darf keine Außengastronomie betrieben werden, wenn die Tische über zwei Meter entfernt sind? Warum kann ich als Familie keine Ferienwohung buchen? – der Kontakt zum Vermieter kann virtuell bleiben und der Schlüssel liegt sowieso meistens unter der Fussmatte. Thüringen ist sogar beim Thema Kollektiv-Wandern schon voran gegangen: Versammlungen ab 50 Menschen unter freiem Himmel sind ab dem 3. Mai erlaubt, da steckt wahrscheinlich der Rennsteigverein dahinter!

 

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Darum geht es beim Wandern: Um lustvolle Bewegung an der frischen Luft, die wahrscheinlich bald als Corona-Prävention offiziell von J. Spahn anerkannt werden wird. Vielleicht könnte man erst einmal (ein Hoch auf das föderale System!) Urlaub im eigenen Bundesland erlauben. Die Bayern, Schwaben und Rheinländer hätten eine große Auswahl, die Saarländer auch. Die Bremer und Hamburger, na ja. Auf jeden Fall gilt weiterhin: Wer den Kopf in den Sand steckt, sieht nicht die schöne Landschaft!

 

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Und wer nur durchs Fernglas schaut und dabei Corona trinkt, hat wahrscheinlich auch nicht den kompletten Durchblick.

 



Teuflische Zeiten

Geschrieben am um 6:33

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In Krisenzeiten braucht man immer einen Sündenbock. Im Mittelalter waren das Hexen und vor allem – der Teufel. Daher hat die Stadt Pirmasens in der Westpfalz den Teufelspfad angelegt. Wer weiß, vielleicht war ein teuflischer Hintergedanke eine Reminiszenz an den 1. FC Kaiserslautern, die teuflischen Betzebuben, die in der nächsten Saison leider in der vierten Liga spielen müssen, wenn es eine nächste Saison geben sollte.

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Der Teufelspfad macht vor allem in der Teufelsschlucht mit vielen schönen Felsen große Wanderlust. Durch diese hohle Gasse ist er wohl dereinst geschlendert, der Beezlebub, um sich sodann …

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… am Teufelsbrunnen mit einem Schluck kühlen Wassers zu laben. Irgendwie ist alles ziemlich teuflisch an diesem Wanderweg, daher gehe ich auch davon aus, dass der Gehörnte auch auf diesem …

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… Teufelsstein Platz nahm, um kommende Untaten, Schandtaten und Pandemien zu planen. Nun fragt man sich ja als geneigter Teufologe, wie er denn nun aussieht, der Dämon. Da der Typ wahnsinnig eitel ist (Todsünde!) hat er natürlich eine Holzskulptur nach seinem Ebenbilde anfertigen lassen …

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… die Teufelsstatue. Nicht gerade ein Adonis, dieser Höllenbaron. Irritierend ist auch, dass des Teufels Gemächt doch recht winzig erscheint …

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… der Teufelspenis ist wahrlich winzig geraten. Aber auf so einen Teufelspenis haben sich die Hexen nicht verlassen, dafür hatten Hexen („Hex Hex“) ja Hexenbesen. Nach der teuflischen Wanderung hatte ich mich auf eine schöne Teufels-Einkehr gefreut, …

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… die Teufels-Gaststätte hatte im Netz mit pfälzischen Köstlichkeiten geworben, wie zum Beispiel einem teuflischen Saumagen. Aber, Teufel noch mal…

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… das Teufels-Naturfreundehaus hatte teuflischen Ruhetag. Auch schon vor Corona. Also auf in den …

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… Teufels-Supermarkt mitten in Pirmasens. Mit teuflischem Hunger spürte ich ziemlich rasch …

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… die Wurst-Theke des Teufels auf und kaufte mir reichlich Saumagen. Schnell nach Hause ins Saarland (dehemm ist es doch am schönsten) …

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Und dort habe ich mir auf des Teufels Herd in der Teufels-Pfanne ein teuflisches Mittagessen bereitet.

Hurra! Darauf ein teuflischer Reim:

Saumagen aus der westlichen Pfalz,

schmeckt wie Bananen von Manni Kaltz



Die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten

Geschrieben am um 6:23

Vorgestern die erste Weinwanderung in Corona-Zeiten. Schon die Anreise zum Bahnhof Flonheim/Rheinhessen war etwas beschwerlich. Die Zugtaktung im Regionalverkehr ist ja ziemlich ausgedünnt worden, daher ist an einigen Gleisabschnitten das Strauchwerk doch relativ üppig gewachsen.

 

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Start auf der Hiwweltour „Aulheimer Tal“. Es ging los auf einem Naturpfad. Es ist brillant, ein großes Holzschild an den Naturpfad zu stellen, sonst hätte man gar nicht gewusst, dass der Naturpfad ein Naturpfad ist.

 

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An der ersten Rastmöglichkeit mit Ausblick lag eine amtliche Mitteilung auf dem Tisch. Rasten + Picknick mit mehreren Personen ist strengstens verboten. Ich habe kurz durchgezählt – EINS! – und habe Wein und Käse ausgepackt.

 

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Im Nachhinein bin ich glücklich gewesen, dass es bei der ersten Picknick-Möglichkeit überhaupt noch eine Tischplatte gab. An anderen Stellen des Wegs in der Rheinhessischen Schweiz (wer braucht noch die „richtige“ Schweiz, wenn es die Rheinhessische Schweiz gibt?) ist die Tischplatte des langen „Wein-Tischs“ komplett verschwunden, abgebaut von Anti-Corona-Wander-Partys-Sonder-Einsatz-Kommandos.

 

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Ich dachte, ich hätte mich verlaufen, als ich die Markierung „Küstenweg“ sah. Plötzlich an der Waterkant, an der Adria, an der Costa Brava? Nein, die ehemalige Küste ist in der Landschaft noch ganz gut zu erkennen. Seit ungefähr 30 Millionen Jahre ist die Küste aber keine Küste mehr.

 

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Damals reichte die Nordsee bis an die Eifel heran. Wie man auf der Karte sieht, waren „K“ und „L“, also Köln und Leipzig, am Meeresboden zu finden.

 

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Sehr schön war es, am weißen Trullo zu rasten. In Rheinhessen wurden die Trullos als Winzerhäuschen genutzt, ursprünglich findet man diese Hüttenform allerdings nur in Apulien. Ein kleiner Trost in Corona-Zeiten. Wenn man schon nicht nach Italien reisen darf, kann man ein Stück Italien in der Heimat genießen.

 

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Die Flasche vor dem Gesicht ist eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass ich die Zukunft als Optimist rosarot sehe. Zurzeit ist es natürlich einfach nur traurig, am Ende der Wanderung die abgesperrte Gaststätte zu sehen. Kein Belohnungsbier dank Corona. Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei. Bitte öffnet die Biergärten so schnell wie möglich, wir halten auch Abstand!

 

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Andrack jetzt Blog schreibt

Geschrieben am um 10:33

Frisst das fiese Corona-Virus eigentlich auch Gehirnzellen Von Spiegel-Online-Redakteuren?

 

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Wie auch immer: Manuel Andrack jetzt Blog schreibt

 

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Gut, dass die Badeinsel gesperrt ist. Das kann Menschenleben retten. Denn wenn man Ende März bei sechs Grad Außentemperatur in den Badesee springen, drin plantschen und schwimmen würde, könnte man sich den Tod holen.

 

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Alle Gaststätten, vor allem aber die Außengastronomie zuzusperren, obwohl mit ausreichend Sicherheitsabstand dort einzelne Wanderer oder Kleinfamilien etwas verzehren könnten, auch das ist total sinnvoll. Mir fällt zwar kein einziger Grund ein, warum das sinnvoll ist. Aber wenn alle sagen, dass das sinnvoll ist, dann ist das sinnvoll. Genauso sinnvoll, wie sämtliche Geschäfte zuzusperren, obwohl sich nachweislich kein einziger Mensch in Deutschland beim Einkaufen angesteckt hat.

 

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Viele machen es sich in diesen Tagen leicht, und bleiben komplett zu Hause. Andere nehmen es für ihre Gesundheit auf sich, jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Das birgt Risiken, die nichts mit Corona zu tun haben. Vorgestern habe ich mit meiner Familie eine kurze Radtour gemacht. Ich gebe es zu, ich schaffe es nicht, Frau und Tochter JEDEN Tag zum Wandern zu motivieren. Also jeden zweiten Tag Radtour. Warum nicht, immerhin bin ich ehemaliger Rad-Profi. 2008 bin ich die 21 Kehren von Alpe d’Huez in sensationellen 1:43 Stunden hinauf gerast. Nur 1 Stunde und 11 Minuten langsamer als Marco Pantini bei seiner Rekordfahrt für die Ewigkeit. Dafür bin ich still alive, der arme Marco nicht.

 

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Kletterkünste sind das eine beim Radfahren, das andere sind Steuerkünste. Auch unvergessen, wie Jan Ullrich dereinst bei einer Abfahrt – schwupps – hinter der Leitplanke verschwand, kurz darauf aus dem Gebüsch kletterte und wieder aufs Rad steigt. Vorgestern also die kurze Radtour. Wir fuhren an einem schönen Teich entlang, ich drehe mich kurz zu meiner Tochter um, dann wieder nach vorne, merke, dass ich ziemlich nah am rechten Rand meines Weges fahre, da sollte man besser gegensteuern – oder doch bremsen? Die Rettungsmanöver wären auch fast gelungen, wenn nicht plötzlich ein Stück vom Weg einfach gefehlt hätte, weggebrochen, was weiß ich. Sehr merkwürdig wie schnell das gehen kann. Rad und Radfahrer verschwinden im Teich. Ein Jogger kommt vorbei, rettet geistesgegenwärtig mein Fahrrad, bevor das untergeht. Ein Fahrrad ist definitiv wichtiger als mein Leben. Na ja, so schlimm wars auch wieder nicht, auf jeden Fall nicht lebensbedrohlich.

 

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Andrack jetzt fertig mit Blog schreibt

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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