Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Oh mein Gott – der Alde Gott

Geschrieben am um 6:23

Eine feine Badener Weingenossenschaft ist Alde Gott in Sasbachwalden. Einen Premiumweg gibt es dort auch, die Alde Gott Panoramarunde. 9,8 Kilometer, stramme 429 Höhenmeter, immerhin 15 % Asphaltwege, was die ab-so-lu-te Höchsterlaubnis für einen Premiumweg überhaupt ist. 16% Asphalt: tot, kein Premiumweg, 15% Asphalt: naaa gut, durchgewunken.

 

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Ich dachte mir, vielleicht muss man sich wegen des ordentlichen Asphaltanteils den Weg schön trinken. Also habe ich einen Grauburgunder in der Vinothek der Genossenschaft gekauft. Aber schon der Einstieg in die Tour, die Gaishölle-Wasserfälle, sind ein sensationelles Natur- und Wandererlebnis

 

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Ich wanderte mit Andreas Kauffmann, Chef der Ortsgruppe Lahr des Schwarzwaldvereins. Andreas entstammt quasi einer Schwarzwaldvereinsdynastie, er leitet die Ortsgruppe schon in der vierten Generation. Sein Urgroßvater hat, kein Scherz, mit einem Kumpel den legendären Westweg erfunden. Der Uropa und sein Wandergenosse sind immer weiter gewandert, und da, wo sie es schön fanden, haben die beiden die rote Raute des Schwarzwaldvereins an die Bäume genagelt. Das waren richtige Wanderwegpioniere!

 

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Nach der Gaishölle-Schlucht schon die erste Einkehrmöglichkeit. Ein klein wenig verfrüht, aber wir sind ja nicht für Spaß hier, wenn dann auch richtig, also gibt es Flädlesuppe und einen Schoppen Clevner Traminer aus Durbach, meiner letzten Badischen Weinwanderstation.

 

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Wir gehen Kilometer um Kilometer und wir fragen uns, wo denn der viele böse Asphalt ist. Wir gehen durch Wälder und durch Weinberge, und die Wege sind traumhaft. Und unverhofft, ergibt sich eine weitere Einkehr. Zwar hat die Klosterschänke inzwischen an 365 Tagen im Jahr Ruhetag, aber in einem Unterstand kann man sich aus einem Kühlschrank selbst verpflegen – ein Paradies!

 

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Wir wandern zum Aussichtspunkt „Münsterblick“. Das Straßburger Münster kann man tatsächlich sehr gut sehen, trotz eher schlechten Wetterbedingungen. Faszinierender als das gotische Bauwerk finden wir allerdings das Outdoor-Kegelspiel am Aussichtspunkt.

 

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Trotz verschiedener Taktiken versuchen wir mittels eines Pendels, die Kegel zu eleminieren: mit Fingerspitzengefühl, mit brachialer Gewalt, mit kreisenden Bewegungen, mit länglichen Schwüngen. Mehr als fünf Kegel schaffen wir nicht, damit gewinnt man keinen Kegelpreis.

 

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Der Alde Gott ist ein Wegkreuz. Es wird einer Begebenheit aus dem Dreissigjährigen Krieg gedacht, die Landschaft entvölkert, ein junger Mann wandert entwurzelt durch die Gegend, trifft eine Frau und ruft aus: „Der Alde Gott lebt noch!“. Eine Wanderbegegnung als Gottesbeweis, großartig.

 

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Es kam wie es kommen musste, die beiden heirateten und setzten den ersten Rebstock des Genossenschaftsweins Alde Gott. Darauf trinken Andreas und ich im Nieselregen ein schönes Glas Grauburgunder.

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Das Highlight des Tages: nach der wunderschönen Wandertour zückt Andreas den Mitgliedsantrag des Schwarzwaldvereins – und schon bin ich Mitglied in der Ortsgruppe Lahr! Ein Hoch auf die nächsten Schwarzwald-Touren!



Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 3 – Gratweg Tegelberg

Geschrieben am um 6:23

Länge: 6,15 Kilometer

Dauer 3:30 Stunden

853 Höhenmeter

Diese Wanderung ist nur für geübte Wanderer zu empfehlen, die gute Kondition, Schuhwerk und Trittsicherheit mitbringen. Wir gehen die Hotelausfahrt hinaus und sehen schon bald rechter Hand einen Pfahl mit unzähligen Wegweisern. Wir orientieren uns bis zum Tegelberghaus am roten Punkt und wandern rechts den Asphaltweg hinauf, den auch alle Besucher von Schloss Neuschwanstein hinauf gehen. Schon bald wenden wir uns wiederum rechts und gehen einen breiten, hell geschotterten Wanderweg bergan. Wir erreichen die Bushaltestelle und gehen Richtung Marienbrücke. Achtung: wir nehmen den Gratweg, der ist wesentlich abenteuerlicher und schöner als der breite Reitweg zum Tegelberg. Vor der Marienbrücke kann es sich ein wenig stauen, da müssen wir etwas Geduld haben. Wir müssen zwar nicht über sieben, aber über diese eine Brücke gehen, anders geht es nicht. Von der Marienbrücke hat man eine schöne Aussicht auf Schloss Neuschwanstein, falls es nicht wie bei meiner Test-Wanderung im dunstigen Nebel liegt.

Hinter der Marienbrücke drehen die meisten Touristen wieder um und gehen retour, das trägt zum Stau bei.

 

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Auf einigen Schildern wird darauf hingewiesen, dass der Weg hinauf zum Tegelberg nur im Sommer begangen werden darf, bei Schnee ist es lebensgefährlich, dort hinauf zu gehen. Wenn man allerdings ein Hans-guck-in-die-Luft ist oder stolpert, kann der Aufstieg auch im Sommer sehr gefährlich sein, es ist eben ein alpiner Weg.

 

Über wurzelige und steinige Pfade geht es in Serpentinen bergan, manchmal muss man auch die Hände zur Hilfe nehmen und richtig über die Felsen klettern. An einigen Stellen sind Seile als Handlauf in den Felsen verankert, an einer anderen Stelle helfen Stahl-Sprossen beim Klettern. Nach ungefähr 90 Minuten haben wir die Serpentinen geschafft, es ist nun nicht mehr ganz so steil und wir gehen bergan auf dem Grat weiter. Unser Weg geht um einen Felsen herum und wir haben auf die Südseite des Berges gewechselt. Es ist drei bis vier Grad wärmer als auf der Nordseite, das ist faszinierend, schwül-warme Luft umfängt uns, von einer Sekunde auf die andere. An einer Wegpassage geht es ein wenig bergab, da bin ich sehr froh, dass ich nicht die gesamte Strecke bergab gegangen bin, das ist nämlich ganz schön rutschig und die Kniegelenke werden sehr belastet.

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Kurze Zeit später, ganz ganz großes Kino, bricht die Sonne durch. Beziehungsweise bin ich langsam auf einer Höhe, dass ich mich aus den Wolken heraus kämpfe. Es ist ein Gänsehautgefühl, sich aus den Nebelschwaden aus eigener Muskelkraft hinaus zu kämpfen und der Sonne entgegen zu gehen.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer

 

Ich höre Kuhglocken, das ist zu schön, um wahr zu sein. An der Kuhweide wandern wir noch mal steil hinauf zum Tegelberghaus, dem alten Jagdhaus des Königs auf 1.707 Meter. Bei meiner Testwanderung genieße ich perfekten Sonnenschein, wie in einer Märchenlandschaft ragen die Berggipfel und alpinen Gebirgsketten aus dem flauschigen Wolkenteppich hervor. Eine andere Welt, denn unsere Welt, die Zivilisation, ist verschwunden. Kleiner Tipp: Vor Ihrer Wanderung könnt ihr über die Webcam der Tegelbergbahn checken, wie das Wetter am Gipfel ist.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer

 

Ich trinke im Tegelberghaus ein Belohnungsbier und denke: Mensch, hier oben ist schon richtiges Hochgebirge, über 1.500 Meter fängt das an. Ab dieser Grenze gilt generell das Wander-Du. Deswegen kann ich sagen: Ich bin stolz auf Dich, wenn Du die Tegelbergbesteigung auch schaffst! Mit der Tegelbergbahn kann man schließlich entspannt talwärts fahren, der Weg zurück nach Hohenschwangau ist ausgeschildert. Nach dreißig Minuten Fußweg ist man wieder im Hotel, nach 35 Minuten im Wellnessbereich des 4 elements spa by Althoff.

 

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Foto: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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