Wander-Blog von Manuel Andrack

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Das rechte Maß

Ich las vor einigen Monden in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ über das Werk des Thomasin von Zerklaere. Der Mann hat vor 800 Jahren eine Art Mittelalter-Knigge geschrieben. In dem Buch steht, was man macht und was man besser bleiben lassen sollte. Drei ethische Kategorien bestimmen das Denken Thomasins, das sind Recht, Freigebigkeit (im Mittelalter hieß das noch „milte“) und das rechte Maß (mittelhochdeutsch „mâze“).

Ich habe, als ich das las, sofort darüber nachgedacht, was das rechte Maß für einen Wanderer sein könnte. Erst einmal heißt das ganz banal, nicht zu viel und nicht zu wenig zu wandern. Tendenziell haben sich Wanderer in vergangenen Jahrzehnten mit zu langen Strecken überfordert, sie hatten das rechte Maß verloren. Denn das Maß aller Dinge kann nur das persönliche Wohlbefinden sein, und wenn man sich überfordert, ist das eindeutig maßlos.

 

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Andersherum wird auch ein Schuh daraus. Wer längere Strecken wandern könnte und sich aus welchem Grund auch immer (Faulheit, Zeitmangel, Rücksicht auf die Kinder oder die Ehefrau/den Ehemann) zurückhält und nur besser Spaziergänge macht als anständig zu Wandern, auch dieser Wanderminderleister hat nicht das rechte Maß für sich gefunden.

Das rechte Maß (oder in diesem Fall auch DIE Maß) sollte man beim Belohnungsbier finden. Ich muss mich da durchaus selbstkritisch an die eigene Nase fassen. Warum müssen es immer zwei Hefeweizen sein? Oder zwei Schoppen? Wie wäre es denn mit einem Latte-Macchiato, einer Rhabarberschorle, einem Malzbier. Auch da fehlt vielen Wanderern das rechte Maß, innerhalb und außerhalb der Fastenzeit.

 

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Es kann auch mal sinnvoll sein, auf eine Wanderung zu verzichten. Ich bin ja selber ein großer Freund vom Wanderpläne-machen, und wenn dann ein Wanderplan samt Strecke und genauem Wandertag steht, wird das auch durchgezogen. Allerdings ist das manchmal keine so gute Idee. Wenn es wie aus Eimern schüttet, warum sollte man dann unbedingt vor die Tür gehen? Wenn es dazu noch stürmt und orkant, kann das sogar lebensgefährlich sein, genauso, wenn schwere Gewitter vorhergesagt werden. Auch im Tiefschnee auf „normalen“ Wanderwegen im Winter zu wandern, ist selten eine gute Idee, auch wenn der Wanderweg daheim am Computer kinderleicht aussah. Außerdem sollte man beim Wandern doch möglichst fit sein, bei Fieber gehört man ins Bett und nicht in den Wald, auch wenn der Wanderplan das vorgesehen hat.

Dabei will ich jetzt nicht dazu auffordern, weniger zu wandern, um Gottes Willen – Nein! Aber für mich gehört es zum Beispiel auch zum „rechten Maß“, dort mehr zu Fuß zu gehen, wo wir es normalerweise – auch als Wanderer – nicht tun. Ich spreche von den kurzen, alltäglichen Strecken zwischen dreihundert Metern und fünf Kilometern, für die wir noch viel zu häufig das Auto nehmen. Da wäre es das „rechte Maß“, diese Strecken, auch wenn sie langweilig sind, doch öfter zu Fuß zu gehen.

Ich wünsche Euch allen ein maßvolles Wandervergnügen, Schritt für Schritt oder – um mit Shakespeare zu sprechen – Maß für Maß.

 

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3 Kommentare zu “Das rechte Maß

  1. Mein Beitrag zu „Eulen nach Athen tragen“: Warum Latte oder Schorle nehmen, wenn man aus Erfahrung weiß, dass kein Schluck Bier besser schmeckt als der nach einer langen Wanderung?

    • Wenngleich ich an einem bestimmten Ort inzwischen durchaus die Kombination Cappuccino und Ramsauer Spitz schätzen gelernt habe. Allerdings nur dann, wenn wir bereits am frühen Nachmittag schon wieder retour sind und ich dann eh nochmal Richtung Grünberg/Laudachsee/Kaltenbachwildnis/Miesweg losziehe. Danach dann natürlich Bier.

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