Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Das rechte Maß

Geschrieben am um 6:43

Ich las vor einigen Monden in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ über das Werk des Thomasin von Zerklaere. Der Mann hat vor 800 Jahren eine Art Mittelalter-Knigge geschrieben. In dem Buch steht, was man macht und was man besser bleiben lassen sollte. Drei ethische Kategorien bestimmen das Denken Thomasins, das sind Recht, Freigebigkeit (im Mittelalter hieß das noch „milte“) und das rechte Maß (mittelhochdeutsch „mâze“).

Ich habe, als ich das las, sofort darüber nachgedacht, was das rechte Maß für einen Wanderer sein könnte. Erst einmal heißt das ganz banal, nicht zu viel und nicht zu wenig zu wandern. Tendenziell haben sich Wanderer in vergangenen Jahrzehnten mit zu langen Strecken überfordert, sie hatten das rechte Maß verloren. Denn das Maß aller Dinge kann nur das persönliche Wohlbefinden sein, und wenn man sich überfordert, ist das eindeutig maßlos.

 

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Andersherum wird auch ein Schuh daraus. Wer längere Strecken wandern könnte und sich aus welchem Grund auch immer (Faulheit, Zeitmangel, Rücksicht auf die Kinder oder die Ehefrau/den Ehemann) zurückhält und nur besser Spaziergänge macht als anständig zu Wandern, auch dieser Wanderminderleister hat nicht das rechte Maß für sich gefunden.

Das rechte Maß (oder in diesem Fall auch DIE Maß) sollte man beim Belohnungsbier finden. Ich muss mich da durchaus selbstkritisch an die eigene Nase fassen. Warum müssen es immer zwei Hefeweizen sein? Oder zwei Schoppen? Wie wäre es denn mit einem Latte-Macchiato, einer Rhabarberschorle, einem Malzbier. Auch da fehlt vielen Wanderern das rechte Maß, innerhalb und außerhalb der Fastenzeit.

 

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Es kann auch mal sinnvoll sein, auf eine Wanderung zu verzichten. Ich bin ja selber ein großer Freund vom Wanderpläne-machen, und wenn dann ein Wanderplan samt Strecke und genauem Wandertag steht, wird das auch durchgezogen. Allerdings ist das manchmal keine so gute Idee. Wenn es wie aus Eimern schüttet, warum sollte man dann unbedingt vor die Tür gehen? Wenn es dazu noch stürmt und orkant, kann das sogar lebensgefährlich sein, genauso, wenn schwere Gewitter vorhergesagt werden. Auch im Tiefschnee auf „normalen“ Wanderwegen im Winter zu wandern, ist selten eine gute Idee, auch wenn der Wanderweg daheim am Computer kinderleicht aussah. Außerdem sollte man beim Wandern doch möglichst fit sein, bei Fieber gehört man ins Bett und nicht in den Wald, auch wenn der Wanderplan das vorgesehen hat.

Dabei will ich jetzt nicht dazu auffordern, weniger zu wandern, um Gottes Willen – Nein! Aber für mich gehört es zum Beispiel auch zum „rechten Maß“, dort mehr zu Fuß zu gehen, wo wir es normalerweise – auch als Wanderer – nicht tun. Ich spreche von den kurzen, alltäglichen Strecken zwischen dreihundert Metern und fünf Kilometern, für die wir noch viel zu häufig das Auto nehmen. Da wäre es das „rechte Maß“, diese Strecken, auch wenn sie langweilig sind, doch öfter zu Fuß zu gehen.

Ich wünsche Euch allen ein maßvolles Wandervergnügen, Schritt für Schritt oder – um mit Shakespeare zu sprechen – Maß für Maß.

 

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Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 2 – Das Finale des Lechwegs bis zum Lechfall in Füssen

Geschrieben am um 6:23

Länge: 5,1 Kilometer (bis zum Lechfall)

Dauer 1:30 Stunden

261 Höhenmeter

 

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Wir wandern vom Hotel zum See und gehen dann rechts den Weg hinauf Richtung Füssen. Nach ungefähr zehn Minuten wenden wir uns rechts und sehen zum ersten Mal die Markierung „L“ des Lechwegs, die uns bis zum Wasserfall in Füssen begleiten wird. Der Lechweg ist ein sehr schöner Weitwanderweg, 124 Kilometer lang und folgt dem Verlauf des Flusses von der Quelle in 1.840 Meter Höhe bis nach Füssen. Wir gehen also quasi das Finale dieses Weges. Wir steigen leicht an und sehen schon bald rechter Hand den Schwansee durch die Bäume. Wir folgen weiter der Markierung mit dem weißen „L“ an den Bäumen, lasst Euch nicht von den vielen Wegweisern irritieren, die manchmal etwas widersprüchlich sind.

 

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Wir gehen an einem Walderlebnispark für kleine und große Kinder vorbei. Am meisten hat mich das Holzhammer-Xylophon begeistert. Nur vier Töne, das ist ideal, man kann viele neue Kompositionen testen.

 

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Nach den Wald-Spielereien geht es links steil bergan bis zum Gipfel des Kalvarienbergs.

 

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Eine schön gestaltete Aussichtsplattform ziert diesen Gipfel und es ergeben sich gigantische Blicke zu den Schlössern am Alpsee, auf den Lech und auf die Stadt Füssen.

 

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Wir wandern bergab und passieren die Stationen eines Kreuzwegs, nur in der „falschen“ Reihenfolge. Am Steakhaus Füssen überqueren wir die Hauptstraße und haben den Lechfall erreicht. Donnernd stürzt das grüne Wasser in ein schmales Felstal, ein ziemliches Spektakel. Wir gehen über die Brücke und der Weg jenseits des Flusses führt uns in die Innenstadt von Füssen. Dort fahren wir mit dem Bus oder dem Taxi zurück zum Hotel, denn dort sollte unbedingt das nächste Highlight folgen.

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Als wunderbare Ergänzung zu jeder Wanderung vom AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa sollte man den Wellness-Bereich genießen. Die vier Elemente sind das Grundthema des 4 elements spa by Althoff. Und die vier Elemente haben uns ja auch auf unserer Wanderung begleitet: Wir haben die herrliche Luft des Waldes genossen, wir sind auf der Erde gewandert, wir haben das Feuer unseres Atems bei den Anstiegen gespürt und das Wasser des Alpsees und des Lech hat unsere Seele gestreichelt. Am sinnfälligsten sind die vier Elemente in der Finnischen Sauna des Wellness-Bereichs . Ich sitze mit richtig Feuer unter dem Hintern und schaue durch eine große Scheibe auf das Wasser des Alpsees. Die Bäume am Ufer stehen fest in der Erde und wenn ich dann auf die Liegewiese gehe, spüre ich die herzhafte Luft des Allgäus.

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Alle Fotos: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer



Weinwandern mit Boller-Kloneks in Rheinhessen

Geschrieben am um 6:23

Auf der Weintour in München habe ich Jürgen und sein Frau Ulla kennengelernt. Ulla und Jürgen Klonek vom Weingut Boller-Klonek. Aus Stadecken-Elsheim in Rheinhessen. Beim Plausch (dem 30 interessierte Weinfreunde lauschten) erfuhr ich, dass quasi hinterm Weingut die Hiwweltour „Stadecker Warte“ entlang geht. Und dass das Winzerpaar den Weg noch nie gelaufen ist. Wie bitte? Hallo? Vor der Haustür und noch nie abgewandert?

Also haben wir einen Weinwandertermin vereinbart. Über Weinbergstraße und Winzerweg (fehlte nur noch die Schoppenallee und der Wingert-Boulevard) ging es zur Hiwweltour.

 

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Schon bald Genuss von traumhaften Blicken Richtung Norden in den Rheingau (Taunus). Im Verlaufe des Wegs konnten wir weitere Mittelgebirge ausmachen: Im Uhrzeigersinn: Odenwald, Pfalz und Hunsrück.

 

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Ungeliebte Schädlinge im Weinberg sind Rehe. Damit man die lieben Bambis nicht reihenweise umnieten muss, wird Schafswolle an die Drähte der Rebreihen geknotet, denn Rehe stehen nicht so auf den Feta-Geruch. Alle Hiwweltouren verfügen über einen langen Tisch, an dem auch Wandergruppen mit bis zu dreißig Personen locker Platz finden.

 

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Zufällig standen auch Gläser und eine Kühltasche am super-langen Tisch, und wir testeten den erste Chardonnay von Jürgens Sohn. Große Klasse! Auch schön: Der Sohnemann hat sich nach etlichen Jahren beim ZDF dazu entschieden, auf Winzer umzuschulen und dereinst den Betrieb zu übernehmen. Chapeau! Mit dem Ersten sieht man eben doch besser.

 

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Auf alle Flaschen der Boller-Kloneks klebt das Etikett: Vegan. Jürgen war veganer Pionier, er ist stolz, das erste Weingut Deutschlands zu sein, die seit 2012 ausschließlich vegan arbeiten.

 

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Achtung! Weinbaustelle! Wegen einer ausgedehnten Flurbereinigung wurde die Hiwweltour dezent umgeleitet. Ziemlich genial das Warnschild.

 

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Auf den Höhen über Stadecken die Warte, wo dereinst Weinberg-Warte darauf warteten, die Ankunft von Staren per Funk zu melden, worauf dann Schreckschuss-Explosionen die Trauben-Räuber vertreiben sollten. Kein Witz.

 

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Kurz bevor es wieder hinunter ins Tal nach Stadecken ging, genossen wir noch in einem überdachten Pavillon Blicke, Wein, Wetter und Gespräche. Jürgen erzählte mir, dass er unweit einige Reben stehen hat. Und in einer Arbeits-Pause vor einigen Jahren blickte er von seinem Trecker in die Landschaft und dachte: eigentlich leben wir hier im Paradies. Das kann ich unterschreiben.

Übrigens: Die Boller-Kloneks und ihre Weine könnt ihr live auf der Weintour am 19. + 20. Oktober in Essen erleben. Am Sonntag werde ich live über unsere Wanderung berichten und die köstlichen Weine ausschenken.



Andracks AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa Wandertipp Nummer 1 – Alpseerundwanderweg

Geschrieben am um 6:23

Länge: 5,5 Kilometer

Dauer 1:30 Stunden

121 Höhenmeter

Wanderer, kommst Du nach Füssen, quartiere dich im Hotel AMERON Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa, direkt am Alpsee gelegen, ein. Warum? Natürlich erstklassiges Hotel, toller Service, geniale Küche, coole Barkeeper, spektakulärer Wellness-Bereich. Aber das Schönste ist, dass man für viele Wandertouren direkt am Hotel loslaufen kann. Ich empfehle zum Einstieg die Route rund um den Alpsee. Diese kurze Wanderung ist auch für Anfänger gut zu bewältigen, es ist aber schon eine richtige Wanderung über Stock und Stein, also über felsigen und wurzeligen Untergrund.

Vom Hotel aus gehen wir zum See und halten uns links, umrunden den See also im Uhrzeigersinn. Zunächst gehen wir auf einem breiteren Spazierweg, vorbei am Tretbootverleih. Bei Sonnenschein können wir die großartigen Türkis-Schattierungen des Sees in Ufernähe bewundern. Nach kurzer Zeit erreichen wir ein Strandbad, geöffnet bei „guter Witterung“. Nun denn, Pack die Badehose ein, wenn gutes Wetter ist!

 

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Nach dem Seebad gehen wir auf einem wunderbaren Waldpfad, über Brücken und Stege, immer direkt am Ufer des Alpsees entlang. Das Schönste am Wandern sind meiner Meinung nach die Ausblicke und die Blicke auf dem Alpsee Rundwanderweg sind phantastisch. Ständig ändern sich die Perspektive und der Blickwinkel, immer wieder ergeben sich Blicke auf Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau, den See – und das Ameron Neuschwanstein.

 

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Nach ungefähr 50 Minuten erreichen wir das Marienmonument. Ich dachte spontan, dass dort der Jungfrau Maria gedacht würde. Nein, der Gedenkstein erinnert an die Königinnenmutter Maria. Dieser König Ludwig (und in diesem Fall seine Mutter) ist allgegenwärtig in der Füssener Schlösser-Region. Der Alpsee selber ist ungefähr das einzige, das nicht vom König Ludwig gestiftet, erbaut, erdacht wurde.

 

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Wenn uns auf dem Seerundweg andere Wanderer entgegenkommen, verlangt es die Höflichkeit, zu grüßen. Man kann natürlich preußisch korrekt mit „Hallo“ grüßen. In alpinen Regionen empfiehlt es sich allerdings, mit „Grüß Gott“, „Servus“ oder „Grüßts Eich/Grüß Dich“ den anderen Wanderern die Ehre zu erweisen. Auf der nördlichen Seite des Seeufers geht es aufwärts, dort müssen einige Höhenmeter überwunden werden.

 

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Unter uns sehen wir immer wieder die im Sonnenlicht türkis schimmernde Oberfläche eines der saubersten Seen Deutschlands. Kurz vor Hohenschwangau sollte man noch einen kurzen Abstecher hinunter zum Pindarplatz machen.

 

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Dieser Ort war der Überlieferung nach einer der Lieblingsorte von König Ludwig und das kann man verstehen, denn die Aussicht auf Schloss Neuschwanstein und das AMERON-Hotel ist atemberaubend. Wir erreichen schließlich einen geteerten Weg, auf dem wir nach kurzer Zeit schließlich wieder am Hotel ankommen.

 

Alle Fotos: Althoff Hotels / Fotografin: Anja Schäfer


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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