Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der Rucksack

Ich nutze meinen Wanderrucksack in fast allen Lebenslagen. Nur nicht in der Sauna. Und immer öfter auch nicht beim: Wandern. Wie gesagt, ein Leben ohne Rucksack ist für mich eigentlich unvorstellbar. Ich gebrauche ihn als Aktentasche, Koffer, Einkaufsbeutel und als Stütze für meinen Ellenbogen.

 

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Vom Chef der mit Abstand beliebtesten deutschen Rucksack-Firma habe ich gelernt, dass ein Rucksack eine ganz interessante Parallele zum menschlichen Körper hat. Ein vernünftiger Rucksack ist aus ungefähr 200 Einzelteilen zusammengesetzt, das entspricht ungefähr der Menge der menschlichen Knochen (im Durchschnitt kommen wir mit 206 Knochen aus). Der Rucksack ist ein humanoides Lebewesen, wer hätte das gedacht? Die Vielzahl der Einzelteile wundert mich eigentlich nicht, denn noch nach Jahren entdecke ich immer neue Geheimfächer in meinem Rucksack, die ich noch nie genutzt habe – faszinierend.

Erstaunlich ist, dass es zwar schon Damenrucksäcke gibt, aber keine unterschiedlichen Rucksackgrößen entsprechend der Rückenlänge. Das ist, als gäbe es nur einen Einheitsschuhgröße, aua. Aber wahrscheinlich wird in naher Zukunft der perfekt angepasste Rucksack aus dem 3-D-Drucker Normalität, der sich dann mitsamt seiner 200 Einzelteilen perfekt an den jeweiligen Traumkörper anschmiegt.

 

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Die schon fast philosophische Frage lautet: macht ein Rucksack den Wanderer erst zum Wanderer. Ist also Wandern ohne Rucksack überhaupt vorstellbar? Ich finde: Ja! Ich würde gerne an dieser Stelle mal den Wander-Rucksack generell zur Disposition stellen. Aber beim Wandern – vor allem auf Tagestouren – kann man gut auf einen Rucksack verzichten. Ich werde oft gefragt, was man hinein packen sollte. Außer einer Flasche Wasser fällt mir da nicht viel ein. Man kann aber auch sicher stellen, dass man bei einer Wanderung nicht verdurstet, weil man an Gaststätten, Dorfläden oder Quellen vorbei kommt. Selbst Profi-Alpinist Hans Kammerlander spricht von einem Fehler am Berg, wenn man etwas zu Essen mitnimmt. Kammerlander sagt: „Das machen die meisten Wanderer ja falsch. Die haben den Rucksack voller Brote. Aber wenn du oben zu viel isst, macht das müde und treibt den Puls hoch.“ Zudem gibt es unzählige Geschichten, in denen Wanderer mit zu viel Gepäck unterwegs sind. Hape Kerkeling berichtet davon, mein Patenonkel musste nach zwei Tagen seine Tour über den Eifelsteig abbrechen – er hatte zu viel in seinen Rucksack gepackt. „Ich wollte doch auch noch Abendgarderobe mitnehmen.“

 

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Sehr lustig ist die Szene, in der Reese Witherspoon im Hollywood-Wander-Film „Der große Trip – Wild“ ihren Rucksack im Hotelzimmer packt. 1.600 Kilometer hat sie vor der Brust, Zeltplanen werden gefaltet, Bücher verstaut, sie schafft es kaum, den riesigen Trinkwasserbeutel aus dem Badezimmer zum Rucksack zu schleppen. Dann versucht sie den Rucksack anzuheben, was nicht gelingt. Also geht sie in die Hocke und beginnt etwas, das aussieht wie ein Sumo-Ringkampf mit einem übermächtigen Gegner. Schließlich wird sie von dem Monstrum begraben. Nach etlichen strapaziösen Tagesmärschen entledigt sie sich in einem Camp mancher überflüssiger Dinge aus ihrem Rucksack: Deo, Säge, Kondome. Der Chef des Camps rät ihr außerdem, die Seiten aus den Büchern herauszureißen und zu verbrennen, die man schon gelesen hat. Sein lapidarer Kommentar: „Du wirst dadurch nicht zum Nazi!“ Fazit: Weniger ist mehr, probiert es mal mit Wandern Light – ohne Rucksack!

 

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7 Kommentare zu “Der Rucksack

  1. Hmm.. versuche, mir das Gesicht eines Bergretters vorzustellen, der am Spätnachmittag einen dehydrierten halberfrorenen Orientierungslosen aufsammelt, der ihm entgegenkeucht: „Andrack hat gesagt, auf Tagestouren braucht man keinen Rucksack..“.. Andererseits tendieren wir freilich zur totalen Verweichlichung. Manche trauen sich ja gar nicht mal mehr ohne Stirnlampe, Rettungsdecke und Kompass auf eine kleine Seeumrundung am hellichten Sommertag. Und Rüdiger Nehberg hatte bestimmt auch keinen Rucksack dabei, als er sich im Dschungel aussetzen ließ, schätze ich.

  2. Frei nach Loriot würde ich sagen: Ein Wanderleben ohne Rucksack ist möglich, aber sinnlos. Außerdem: wohin dann mit der obligatorischen Schinkensemmel und den Nektarinen? Oder – bei entsprechenden Wetter – mit dem zweit-Pullover? Zudem fühle ich mich ohne Rucksack immer nackt, aber Nacktwandern überlasse ich lieber den Profis.

  3. Natürlich, lieber Hintermstoaner, sollte man sicherstellen, dass man nicht dehydriert. Daher schrub ich ja, dass wenn nicht die Flüssigkeitsaufnahme in Gaststätten, Dorfläden und Quellen sichergestellt ist, eine Flasche Wasser im RUCKSACK unbedingt empfehlenswert ist. Und, lieber Markazero, das ist doch meine Rede, die Schinkensemmel zu Hause zu lassen und lieber die Brotzeit auf der Hütte zu nehmen.

    • Das erinnert mich wieder daran, als ich mal nach 1200 hm am Raststein auf der Peterer Scharte ankam, freudig und hungrig die Specksemmerl auspackte und feststellen musste, statt der Tüte mit den belegten die Tüte mit den bloßen Restsemmerl eingepackt zu haben.. Naja. Dem Gesamtgenuss dieser Tour ohne Einkehrhütte am Weg tat das eh keinen Abbruch. Ebenso wenig die Schuhsohle, die sich kurz darauf löste und am Fuß herumschlackerte, bis sie per Schweizer Messer komplett entfernt wurde..

    • Das eine schließt das andere nicht aus! Meine diesbezügliche Königstour war am Traunsee: Speckbrot-Frühstück mit Radler in der Hütte am Laudachsee, Semmel, Apfel und Wasser am Katzenstein, Schweinsbratl und Radler an der Mairalm, schließlich noch Reinanke und Grünen Veltliner in der „Ramsau“. Nach 4 km zum Bhf. Gmunden dann noch ein, zwei „Stiegl“… ach, ich krieg Hunger…😃!

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