Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Interrailwandern, Folge 3: Panoramaspazierwege in Abbazia (Opatija)

Geschrieben am um 6:23

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Als die Habsburger noch in Istrien herrschten, hat man sich um Abbazia herum sehr um die Promenadologie verdient gemacht. Zum einen hat man einen elf Kilometer langen Fußweg am felsigen Ufer gebaut, und damit das Ganze auch was hermacht, auch gleichzeitig ein paar beeindruckende K.u.K.-Hotels an der Promenade errichtet.

 

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Typisch für die „Strände“ im heutigen Kroatien ist der betongewordene Bade-Traum. Nirgendwo auf der Welt findet man einen härteren Untergrund für das Badetuch, und erstaunlicherweise ist es auch an wenigen „Stränden“ der Welt so unfassbar voll.

 

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Besser also auf dem sanft beschatteten Weg zu gehen. Kommen wir zu seiner Hoheit König Karl I. von Rumänien …

 

 

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Der Herrscher über alle Rumänier und Rumänierinnen ritt dereinst, Ende des 19. Jahrhunderts, durch die Wälder oberhalb von Abbazia. Dort fand er aber keine Premiumwege, weswegen er sich bitter beim Ortsbürgermeister über die mangelnde Wegequalität beklagte.

 

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Um den König nicht zu vergrätzen, baute Freyherr Arthur von Schmidt-Zabierow eine vorbildliche Waldpromenade, auch heute noch ein zauberhafter, verwunschener Weg, fast ohne Höhenmeter, ideal an einem verregneten Nachmittag zu erwandern (in Istrien gibt es mehr Niederschlag übers Jahr als in London!)

 

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Ein wenig erinnert der Weg, der die Natur inszeniert und bespielt, an einen langgezogenen englischen Garten. Wunderschön, aber ein wenig künstlich. Abrupt dann das Ende des Weges an einem ehemaligen Ausflugslokal, das schon sehr lange ewigen Ruhetag hat. Also gleiche Strecke zurück, macht aber nichts, weil herlich.

 

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Interrailwandern, Folge 2: Wandern auf Ischia ist Hochleistungsport

Geschrieben am um 6:23

Eigentlich ganz schön: Am Strand losgehen, hoch, hoch, hinauf, den Wolken entgegen, von der Hitze am Wasser zur Hitze auf dem Gipfel. Wenn da nur nicht diese elenden steilen Wege auf Ischia wären. Eher senkrecht als steil. Mann-o-Mann. Dass die Wege auf Ischia hinauf zum höchsten Gipfel, dem Epomeo, höchst spärlich ausgeschildert sind, das kann ja mal passieren. Immerhin eine rot-weiße Markierung. Rot für das Blut, Weiß für den Schweiß und die Tränen.

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Oben dann großes Ausblickkino, viele kleine Silberfische im Wasser, wahrscheinlich Buckelwale auf dem Weg zur nächsten Fütterung.

 

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Auf dem Abstieg frage ich mich, was diese 0,55 sein sollen? Luftlinie, Höhenmeter, das waren doch nicht 550 Meter vom Gipfel abwärts? Niemals! Erst am Strand unten ist das Gehirn durchlüftet und ich begreife: Die Zeit war gemeint, 55 Minuten ab dem Schild zum Gipfel.

 

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Am übernächsten Tag noch eine Tour geplant, nicht auf den Epomeo, sondern dran vorbei, aber dafür einmal quer über die Insel. Das war der Plan. Bis der Pfad immer dschungelmäßiger, enger, unpassierbarer wurde und sich ein Kaktus in den Weg stellte. Man muss erkennen, wenn der Feind überlegen ist, also Rückzug, alles wieder retour gewandert und anschließend mit Schwimmflügelchen ins Meer.

 

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Nächste Woche prommeniere ich in Abbazia/Kroatien



Der Rucksack

Geschrieben am um 6:23

Ich nutze meinen Wanderrucksack in fast allen Lebenslagen. Nur nicht in der Sauna. Und immer öfter auch nicht beim: Wandern. Wie gesagt, ein Leben ohne Rucksack ist für mich eigentlich unvorstellbar. Ich gebrauche ihn als Aktentasche, Koffer, Einkaufsbeutel und als Stütze für meinen Ellenbogen.

 

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Vom Chef der mit Abstand beliebtesten deutschen Rucksack-Firma habe ich gelernt, dass ein Rucksack eine ganz interessante Parallele zum menschlichen Körper hat. Ein vernünftiger Rucksack ist aus ungefähr 200 Einzelteilen zusammengesetzt, das entspricht ungefähr der Menge der menschlichen Knochen (im Durchschnitt kommen wir mit 206 Knochen aus). Der Rucksack ist ein humanoides Lebewesen, wer hätte das gedacht? Die Vielzahl der Einzelteile wundert mich eigentlich nicht, denn noch nach Jahren entdecke ich immer neue Geheimfächer in meinem Rucksack, die ich noch nie genutzt habe – faszinierend.

Erstaunlich ist, dass es zwar schon Damenrucksäcke gibt, aber keine unterschiedlichen Rucksackgrößen entsprechend der Rückenlänge. Das ist, als gäbe es nur einen Einheitsschuhgröße, aua. Aber wahrscheinlich wird in naher Zukunft der perfekt angepasste Rucksack aus dem 3-D-Drucker Normalität, der sich dann mitsamt seiner 200 Einzelteilen perfekt an den jeweiligen Traumkörper anschmiegt.

 

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Die schon fast philosophische Frage lautet: macht ein Rucksack den Wanderer erst zum Wanderer. Ist also Wandern ohne Rucksack überhaupt vorstellbar? Ich finde: Ja! Ich würde gerne an dieser Stelle mal den Wander-Rucksack generell zur Disposition stellen. Aber beim Wandern – vor allem auf Tagestouren – kann man gut auf einen Rucksack verzichten. Ich werde oft gefragt, was man hinein packen sollte. Außer einer Flasche Wasser fällt mir da nicht viel ein. Man kann aber auch sicher stellen, dass man bei einer Wanderung nicht verdurstet, weil man an Gaststätten, Dorfläden oder Quellen vorbei kommt. Selbst Profi-Alpinist Hans Kammerlander spricht von einem Fehler am Berg, wenn man etwas zu Essen mitnimmt. Kammerlander sagt: „Das machen die meisten Wanderer ja falsch. Die haben den Rucksack voller Brote. Aber wenn du oben zu viel isst, macht das müde und treibt den Puls hoch.“ Zudem gibt es unzählige Geschichten, in denen Wanderer mit zu viel Gepäck unterwegs sind. Hape Kerkeling berichtet davon, mein Patenonkel musste nach zwei Tagen seine Tour über den Eifelsteig abbrechen – er hatte zu viel in seinen Rucksack gepackt. „Ich wollte doch auch noch Abendgarderobe mitnehmen.“

 

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Sehr lustig ist die Szene, in der Reese Witherspoon im Hollywood-Wander-Film „Der große Trip – Wild“ ihren Rucksack im Hotelzimmer packt. 1.600 Kilometer hat sie vor der Brust, Zeltplanen werden gefaltet, Bücher verstaut, sie schafft es kaum, den riesigen Trinkwasserbeutel aus dem Badezimmer zum Rucksack zu schleppen. Dann versucht sie den Rucksack anzuheben, was nicht gelingt. Also geht sie in die Hocke und beginnt etwas, das aussieht wie ein Sumo-Ringkampf mit einem übermächtigen Gegner. Schließlich wird sie von dem Monstrum begraben. Nach etlichen strapaziösen Tagesmärschen entledigt sie sich in einem Camp mancher überflüssiger Dinge aus ihrem Rucksack: Deo, Säge, Kondome. Der Chef des Camps rät ihr außerdem, die Seiten aus den Büchern herauszureißen und zu verbrennen, die man schon gelesen hat. Sein lapidarer Kommentar: „Du wirst dadurch nicht zum Nazi!“ Fazit: Weniger ist mehr, probiert es mal mit Wandern Light – ohne Rucksack!

 

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Interrailwandern, Folge 1: Am Fuschlsee im Salzburger Land

Geschrieben am um 16:23

In diesem Sommer habe ich internationale Wanderwege getestet. Sehr empfehlenswert: Der Fuschlsee-Rundweg. 10,8 Kilometer abwechslungsreicher Wanderspaß. Besonders zu loben ist erstens:

 

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Das generelle Fahrradfahrverbot. Wann wird das auch auf deutschen Premiumwegen endlich einmal konsequent durchgesetzt?

 

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Sehr gut ist zweitens die landestypische Markierungsfarben (ich weiß, ich weiß, weiß ist keine Farbe), mehr als rot und weiß braucht es einfach nicht, fragt auch nach bei den Kölnern, Salzburgern und Franken. Erstaunlich drittens …

 

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Die überragende Armarbeit eines anonymen Wandermeisters, der auf dem Fuschlsee-Rundweg fotografiert wurde. Vorbildlich viertens …

 

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die fakultative Rückfahrtmöglichkeit mit dem Zillenboot, die wir nicht in Anspruch nahmen. Trotzdem toll, dass das Boot nach dem berühmten Berliner Original, dem Pinselheinrich, benannt wurde. Unbedingt empfehlenswert auch die Räucherfischbrötchen an der Anlegestelle neben dem Schloss Fuschl.

 

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Phantastisch fünftens die türkis-schillernde Wasserqualität des Sees, karibisch, Südsee Hilfsbegriff. Und sechstens einfach überragend …

 

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… wie man direkt am Fuschlsee Fotomotive inszenieren kann, über die selbst Caspar David Friedrich staunen würde. Und in der nächsten Interrailwander-Folge: warum Wandern auf Ischia nur bedingt empfehlenswert ist.



St. Martin – Weinwandern – Pfalz – Die Zweite

Geschrieben am um 6:23

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Wir gingen zum sogenannten Dichterhain. Die Portraits vieler regionaler Wortakrobaten sind dort im Buntsandstein verewigt, eine Art pfälzisches Mount Rushmore. Das Beste am Dichterhain war allerdings der Wein vom Weingut „Altes Schlößchen“ in St. Martin.

 

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Mit dem Unimog war der Winzer auf den Waldweg gefahren, ich befürchte fast, dass er nicht jedes Wochenende am Dichterhain mitten im Wald steht. Eigentlich schade. Denn es hatte den Anschein, als ob die Wandergruppe sich festgetrunken hätte. Alle acht Probierflaschen wurden geleert, aber der Stoff war auch wirklich vorzüglich.

 

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Christian Hormuth präsentierte am Dichterhain eine gelungene Helmut-Kohl-Parodie. Der ehemalige Bundeskanzler aus der Pfalz war ja bekennender Weintrinker und so musste er öfter mal seine Frau Hannelore bitten, bei der Rückfahrt am Steuer zu sitzen – die Pointe der Geschichte verrate ich aber an dieser Stelle nicht …

 

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Wir wanderten weiter und wurden durch die rot-weiße Markierung des Pfälzer Weinsteigs begleitet. Der Pfälzer Weinsteig führt von Schweigen-Rechtenbach an der französischen Grenze bis nach Bockenheim an der Weinstraße. 172 Kilometer Wandergenuss, der Pfälzer Weinsteig ist ein Qualitätsweg. Wir liefen durch typisch pfälzische Kiefernwälder. Christian ging neben mir und erweiterte meinen pfälzisch-deutschen Wortschatz, ich notierte alles fleißig in mein Vokabelheft. Wir gingen bergab an einem Bachlauf entlang und dabei tatsächlich – wie in dem berühmten Lied von Karat (später gecovert von Peter Maffay) – über sieben Brücken.

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Am Bellachini-Brunnen erwartete uns die vierte Station mit exzellenten Weinen. Bellachini, so erzählte es Christian Hormuth sehr lebendig, war ein international bekannter Zauberer, ein gebürtiger St.Martiner, der angeblich den Trick der schwebenden Jungfrau erfunden hat.

 

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Für die Verzauberung der Weinwanderer sorgte Weinprinzessin Daniela vom Weingut Alfons Hormuth mit einem Grauburgunder. Bisher unbekannt, dass eine Levitation, ein tatsächlicher Schwebezustand also, auch von pfälzischem Wein hervorgerufen werden kann. Ganz ohne Bellachini und ohne Jungfrau. Auf dem sogenannten Kuckucksweg wanderten wir hinunter Richtung Ort, bogen aber, bevor wir das Zentrum erreichten, noch einmal in die Weinberge ab.

An der sogenannten Haardtmadonna, einer farbenprächtigen Mutter-Gottes-Skulptur, erwartete uns das Weingut Alfons Ziegler. Wir probierten einen Rosé, passend zur rötlichen Färbung durften wir köstliche frische Erdbeeren verzehren.

 

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Unsere Blicke schweiften durch die Weinberge und immer wieder über die hügelige Landschaft zwischen Pfälzer Wald und Vater Rhein. Es existieren übrigens verschiedene Legenden, warum St.Martin St.Martin heißt. Gesichert ist, dass weder der Bettler noch der heilige Mann Pfälzer waren. Am wahrscheinlichsten ist, so hat es mir Christian erzählt, dass fränkische Siedler ihren Lieblingsheiligen in die Pfalz importierten und einen ganzen Ort nach dem Helden des 11. November benannten.

 

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An der letzten Station unserer Wandertour standen wir an einer Weinkelter am Weinlehrpfad. Ausschenkende Winzerei ist das Herrengut St. Martin. Wir tranken einen göttlichen Merlot, der gehört in Zukunft in meinen Weinkeller. Durch die pittoresken Gassen von St. Martin wanderten wir zurück bis zur Alten Kellerei.

Die abschließende Lesung war eine ziemliche Herausforderung. Dass im Publikum getuschelt wurde, ist verständlich, man musste sich ja ausgiebig über die sechs verkosteten Weine austauschen, das konnte ich verstehen. Und meine Artikulation passte sich problemlos dem sanften Pfälzer Dialekt an, etwas vernuschelt und verstolpert, aber noch ganz okay. Als es darum ging, ein Fazit des Tages zu ziehen, waren sich alle einig: Das war eine perfekte Weinwanderung, herausragend von Christian Hormuth organisiert, geniale Weine plus die großartige Landschaft rund um St. Martin. Meistens ist es eben doch schöner, in einer Gruppe zu wandern.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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